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Autor: Michael Stein / 26. Januar 2004, 22:45 Uhr

Beagle 2: Vorletzter Kontaktversuch gescheitert

Nachdem auch der jüngste Versuch, ein Lebenszeichen vom britischen Mars-Lander zu entdecken, fehlgeschlagen ist geht nun auch das Beagle 2-Team um Prof. Colin Pillinger von einem Verlust des Landers aus.

Beagle2.com
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Der Mars-Lander Beagle 2 auf der Oberfläche des Roten Planeten.
(Grafik: ESA)
In den Nächten zum 25. und 26. Januar hatte die um den Roten Planeten kreisende europäische Raumsonde Mars Express noch einmal nach Funksignalen des kleinen Landers gelauscht, doch erneut ohne jeden Erfolg. Die Spezialisten im Beagle 2-Kontrollzentrum im britischen Leicester hatten seit dem 12. Januar Funkstille bewahrt und keine Signale zum Lander gesendet, um dadurch die Aktivierung eines neuen Kommunikationsmodus zu erreichen: Der Computer von Beagle 2 ist so programmiert, dass er nach zehn Tagen Funkstille automatisch in den so genannten Communication Search Mode 2 umschaltet. In dieser Betriebsart wartet der Lander nicht darauf, dass er zum Senden aufgefordert wird, sondern strahlt automatisch während des Mars-Tages permanent ein Funksignal aus.
 
In den vergangenen beiden Tagen ist Mars Express erneut über die vermutete Landestelle von Beagle 2 geflogen, ohne jedoch dieses Lebenszeichen empfangen zu haben. "Wir haben Beagle 2 nicht gefunden, trotz drei Tage intensiver Suche. Unter diesen Umständen müssen wir beginnen zu akzeptieren, dass Beagle 2, wenn er auf der Marsoberfläche ist, nicht aktiv ist", so das realistische, aber natürlich enttäuschende Fazit von Prof. Colin Pillinger, dem Initiator und Leiter des Beagle 2-Projekts, auf einer Pressekonferenz heute Nachmittag in London. Ein letzter Kommunikationsversuch soll in den nächsten Tagen voraussichtlich mit Hilfe des amerikanischen Mars-Orbiters 2001 Mars Odyssey unternommen werden: Bei einem Überflug über die Landeellipse von Beagle 2 soll der Orbiter ein Kommando zur Oberfläche senden, dass den Lander zu einem Neustart und einem erneuten Hochfahren seiner Software veranlassen würde - sollte der Computer des britischen Landers aufgrund eines schweren Softwarefehlers "abgestürzt" sein könnte ein Neustart des kompletten Systems möglicherweise doch noch eine Kommunikation ermöglichen. Allerdings geht auch Prof. Pillinger nicht davon aus, dass dies die Ursache für das Schweigen von Beagle 2 ist.
 
Spätestens Mitte Februar wird wohl endgültig das Scheitern der ersten britischen Mars-Mission verkündet werden. Anders als die beiden amerikanischen Mars-Rover hat Beagle 2 während des Landevorgangs keinerlei Informationen zur Erde senden können, so dass zum jetzigen Zeitpunkt über die Ursache des Scheiterns nur spekuliert werden kann: Ob der Lander intakt ist und "nur" ein Problem mit der Kommunikationseinrichtung den Kontakt zur Erde verhindert, ob er an einer unglücklichen Stelle niedergegangen ist und deswegen keinen Kontakt mit der Bodenstation herstellen kann oder ob der Bremsfallschirm beziehungsweise die Airbags bei der Landung versagt haben und Beagle 2 dadurch zerstört worden ist - niemand weiß es. Zwei Untersuchungskommissionen bei der ESA und der Open University in England werden Ursachenforschung betreiben, doch erst wenn Aufnahmen von Beagle 2 auf der Marsoberfläche vorliegen wird man fundierte Aussagen machen können. Sowohl Mars Express wie auch der amerikanische Mars-Orbiter Mars Global Surveyor werden in den kommenden Wochen und Monaten mit ihren hochauflösenden Kameras das vermutete Landegebiet in der Tiefebene Isidis Planitis nach Spuren von Beagle 2 absuchen.
 
Der britische Lander ist damit ein weiterer Beleg dafür, dass in der Raumfahrt ein Mindestmaß an Sicherheitsmargen und Redundanz - und damit auch an finanziellen Mitteln - unverzichtbar ist, wenn eine Forschungsmission nicht als reines Glücksspiel enden soll. Für wie realistisch man die heute auf der Pressekonferenz von Prof. Pillinger gemachte Ankündigung, Beagle 2 in welcher Form auch immer möglicherweise in kommenden Jahren noch einmal zum Mars starten lassen zu wollen, auch halten mag: so lange die Ursache für das Scheitern des Landers nicht mit hinreichend hoher Sicherheit feststeht wird niemand einen erneuten Versuch auf Basis eines vergleichbaren Designs wagen wollen.
 
In unserem Artikel über Beagle 2 können Sie sich bei Interesse noch einmal über den geplanten Ablauf der Forschungsmission des britischen Landers informieren.
 
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