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Autor: Andreas Weise / 25. Juni 2019, 02:30 Uhr

Le Bourget 2019 – So wie immer? - Nicht ganz.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, es mir ganz einfach zu machen. Ich wollte mir die Reiseberichte „Le Bourget 2015 - Jeder fliegt für sich alleine ...“ und „Le Bourget 2017“ nehmen, etwas umschreiben und fertig wäre die 2019er Ausgabe. Es hat sich ja sowieso nichts geändert. Dachte ich.

Quelle: Messebesuch
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Zunächst musste ich bei der Planung im Dezember 2018 feststellen, dass die Fluglinie mit dem großen, langbeinigen Zugvogel im Wappen, bzw. deren Euro-Ableger, nicht mehr zur gewünschten Zeit nach Paris, Flughafen Charles De Gaulle, flog. Das machte aber nichts. Ich buchte bei der Fluggesellschaft, die nach der Air Berlin-Pleite in Berlin geradezu explodiert war. Deren Maschinen erinnern in der Farbgebung etwas an die Berliner Stadtreinigung (BSR). Das soll hier keinesfalls negativ verstanden werden, denn erstens hat die BSR im Allgemeinen einen guten Ruf in Berlin und zweitens kann der Flieger in Punkto Service durchaus mithalten.

Und wenn man dann noch einen Foto-Rucksack mit dabei hat, der genau unter den Vordersitz passt, dann entfällt auch die Streiterei um die Gepäckfächer. Übrigens konnte man wieder Sozialstudien treiben. Manche zeitgenössischen Fluggäste wollen es einfach nicht glauben, dass man mit einem für x9,95€ ohne Extras gebuchten Flugticket dann nicht mit zwei Gepäckstücken, bzw. einem zu großen Koffer als Handgepäck, in die Kabine einsteigen darf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unterwegs in Europa
Ich habe über das Internet ohne Probleme Flug und Bordkarte bekommen. Der Flieger gehörte ursprünglich einer britischen Fluggesellschaft und hat eine österreichische Registrierung. Der Flugkapitän ist vermutlich aus dem spanischen Raum. Die Flugbegleiter kommen von Namen und Dialekten her von überall aus Europa. Man spricht Französisch und Englisch. Ich kann nach dem obligatorischen Sicherheitscheck einsteigen und nach 850 Kilometern in Frankreich / Paris aussteigen, ohne durch weitere lästige Kontrollen gehen zu müssen. Beim Rückflug genauso. Hier sprach jemand von der Besatzung akzentfrei Deutsch. Was ich meine ist: Wir leben in einem tollen Land! Und wir leben auf einem tollen Kontinent! Die Idee EUROPA ist eine tolle Sache, die sich hier im Alltag auf ganz triviale Weise zeigt. Ich empfehle einmal zu versuchen, ein Visum für die Volksrepublik China nach den neuen Visa-Bestimmungen vom Mai diesen Jahres zu beantragen. Allein hierbei erkennt man, was wir hier an unserem Europa haben. Wir vergessen das bloß manchmal. Warum in aller Welt wollen das einige Menschen bloß kaputt machen?

Zurück zur Anreise. Im Gegensatz zu den letzten Reisen nach Charles De Gaulle kam der Flieger am Terminal 2D an und flog von dort auch wieder zurück nach Berlin. Das war insofern für den Rückflug sehr günstig, sind doch die Wartebereiche (Sitzplätze, Steckdosen, Räumlichkeiten) großzügiger angelegt, als in Terminal 1, wo man schon mal anderthalb Stunden auf dem Fußboden, umringt von vielen anderen Wartenden, sitzen durfte. Nach der Landung wurde schnell an beiden Enden des Fliegers der Ausstieg ermöglicht. Paris-Airshow, ich bin im Anflug.

Keine 15 Minuten nach dem parken der Maschine saß ich in einem klimatisierten Reisebus, der als kostenloser Zubringer direkt zum Messegelände fuhr. Unterwegs regelten dutzende Polizisten den Verkehr, damit es keinen größeren Stau gab. Alles war, wie gewohnt, bestens organisiert.
Am Bushaltepunkt auf dem Messegelände erfolgte dann die erste Gepäckkontrolle. Sie war sehr gründlich, aber es ging zügig voran.

Inzwischen waren auch die Besuchermassen, die anderweitig angereist sind, von einem seitlichen Eingang dazu gestoßen. Es ist der erste Tag für das „normale“ Publikum. Aber auch hier ist die Organisation perfekt. Die Menschenströme werden auf verschiedenen Wegen zu den Kassen, bzw. zu den Eingängen geleitet. Viele Ordner sind dabei im Einsatz und koordinieren die Besucherströme. Mitten im Durchgangszelt, wo eine weitere Kontrolle ähnlich wie auf Flughäfen erfolgt, sitzt ein Ordner auf einer Arte Schiedsrichtersitz erhöht wie beim Tennis und hat den vollen Überblick. Er dirigierte so seine Ordner am Boden. Man ist trotz der Menschenmenge relativ schnell durch alle Kontrollen durch und endlich auf dem Messegelände.
Übrigens: Tickets kauft man bequem über das Internet. Der Eintritt kostete 15 €. Wie teuer war doch gleich die letzte ILA?

Ich hatte nur einige Stunden Zeit. Am Nachmittag musste ich rechtzeitig los, denn man weis nie, wie groß der Stau zum Flughafen sein könnte, obwohl er nur circa zwölf Kilometer Luftlinie entfernt ist. Also war das Programm für mich eng gesetzt. Man hat eine Liste von Stationen, die man abarbeiten wollte. Auf ging es!

A. Weise

Bild vergrößernModell des Raketenbahnhofs Wostotschny.
(Bild: A. Weise)
Russland
Erste Station war Roskosmos. Zwar fand ich im Ausstellerverzeichnis keinen Eintrag, aber der Stand befand sich dann doch in der Halle, wo er auch vor zwei Jahren schon gewesen war. Diesmal waren auch Menschen da, die man etwas fragen konnte und die auch versuchten, zu antworten. Allgemeines Interesse galt einem Modell einer russischen Mondbasis. Die Standbetreuer betonten aber, es handele sich nur (!) um ein Konzept. Tja, Modelle konnten die Russen schon immer gut bauen. Ein Flyer erläuterte, wann was stattfinden könnte. Zum Thema russische bemannte Mondflugpläne gibt es im Forum bei Raumfahrer.net übrigens einen eigenen Themenbereich.

Die Firma Lawotschkin zeigte ein 1:5-Modell der Mondsonde Luna 25. Vor zwei Jahren konnte man auf der MAKS in Moskau das 1:1-Modell bestaunen. Die Mission Luna 25 ist Bestandteil des Projektes „Luna-Glob“, was dann wieder auf das Modell-Konzept hinweist.

Der Begriff „Lunar Gateway“ war nirgends zu finden. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Russen zumindestens überlegen, im Alleingang zum Mond fliegen zu wollen. Ob die wirtschaftliche Kraft dazu ausreicht, soll einmal dahin gestellt sein. Damit wären China, die USA und Russland quasi in einem Rennen. Und dann gibt es ja noch Japan, Indien und andere. Was die Europäer dann machen und wie es um die Vision vom Monddorf bestellt ist, wird bestimmt einmal der ESA-Chef Wörner ausführlicher erläutern.

A. Weise

Bild vergrößernModelle von Trägerraketen.
(Bild: A. Weise)
Als Blickfang für den Besucher stach ein, oder besser das Modell des Raketenbahnhofes Wostotschny hervor. Allerdings ohne Erläuterungen. Nicht einmal der Hinweis, dass es sich um Wostotschny handelt, war irgendwo genannt. Das erfuhr ich erst auf Nachfrage. An der Seite standen dann die obligatorischen Träger-Modelle, die man seit Jahren kennt.
Dabei fiel ein Modell einer Sojus-5 auf. An der Spitze war als Nutzlast der Sojus-Nachfolger „Federazija“ zu sehen. Es wurde darauf hingewiesen, dass für den Start der Sojus-5-Trägerrakete in Baikonur die Startinfrastruktur der Zenit-M umgebaut wird. Das Raumschiff „Federazija“ selber wurde nirgendwo erwähnt. Kein Bild, kein Prospekt, kein Hinweis. Mal sehen, was es dazu in zwei Monaten auf der MAKS in Moskau zu sehen gibt.

Natürlich durfte auch Spektr-RG mit eROSITA als Modell und als Powerpoint-Präsentation auf einem großen Touchscreen nicht fehlen. Mein Gesprächspartner betonte dabei die gute Kooperation mit allen deutschen Partnern und wie wichtig die Zusammenarbeit sei. Man war richtig Stolz auf dieses gemeinsame Projekt. Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt wusste man am Stand von Roskosmos noch nicht, dass der geplante Start abgesagt wurde.

Zusammenfassend hatte man den Eindruck: Roskosmos war anwesend mit einem repräsentativen Ausstellungsstand. Brandneues gab es nicht zusehen. Man war auf das französische Nichtfach-Publikum bestens eingestellt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Deutschland
Nach etwas Suchen fand ich dann auch den Bereich des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Alle Wichtigen der Branche waren da. OHB war mit einem entsprechend großen Stand vertreten. Aber auch der Galileo-Systembetreiber DLR GfR mbH war präsent. Am Stand von IABG aus Garching konnte man an einem gern gezeigten Modell des Space-Test-Center in Ottobrunn sehr gut sehen, wie Weltraum-Hardware getestet wird.

Besonders gefreut habe ich mich über das nette Gespräch am Stand der Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH. Die Firma ist ein Zulieferer für Flughardware und testet diese auch in Berlin.
In Punkto Design schoss der Stand von Jenaoptronik den Vogel ab. Die Sitzgruppe war der in einem Wohnzimmer der Endsechziger inkl. der passenden Tapete nachempfunden. Im Fernseher „lief“ die Mondlandung und an der Wand hing eine „alte“ Zeitung, die die Neuigkeiten von Morgen (!) brachte. Da wurde über die geglückte Marslandung 2048 berichtet, und über die Mondbasis im Jahre 2024. Tja, zeitreisen müsste man können!

A. Weise

Bild vergrößernCIMON
(Bild: A. Weise)
DLR
Am Stand vom DLR hatte ich den (subjektiven) Eindruck, dass man sich mehr mit Luft- als mit Raumfahrt beschäftigte. Aber es heißt ja auch „Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ und da steht Luftfahrt eben zuerst. Interessant war ein unbemannter Hubschrauber zum Materialtransport. Das eigentliche Fluggerät zu diesem Projekt „superARTIS“ stammte aus der Schweiz. Des Weiteren beschäftigte man sich mit Cockpit-Simulationen, elektrischen Antrieben für Regionalflugzeuge sowie mit Klima- und Umweltforschung.

A. Weise

Bild vergrößernDemonstrator für rückführbare Raketenstufen im Modell.
(Bild: A. Weise)
Beim Thema Raumfahrt war für mich der Star ein „sprechender Fußball“, genauer gesagt: Das Astronauten-Assistenzsystem mit künstlicher Intelligenz „CIMON“. Das DLR beschreibt das Gerät auf ihrer Webseite so: „CIMON ist ein innovatives, weltweit einzigartiges Astronauten-Assistenzsystem, das in Deutschland entwickelt und gebaut wurde. Das fliegende und autonom agierende System ist mit künstlicher Intelligenz (KI) von IBM ausgestattet und wurde erstmalig von ESA-Astronaut Alexander Gerst auf seiner Mission Horizons eingesetzt. CIMON soll zeigen, dass die Mensch-Maschine-Interaktion die Arbeit eines Astronauten unterstützen und seine Effizienz steigern kann.“
Ich kenne einige Stimmen, die nicht in einen überschwänglichen Lobgesang einstimmen. Und auch Astronaut Gerst machte nach seinem Flug auf mich den subjektiven Eindruck, dass sich seine Begeisterung in Grenzen hält. Aber es war eben ein Experiment und jetzt warten wir auf die Auswertung. Interessant ist diese Entwicklung allemal. Übrigens: Die KI im Science-Fiction-Film „Moon“ könnte hier als Vergleichsbeispiel für den Laien stehen.

Ein weiterer Hingucker war das Projekt CALLISTO. Hierbei handelt es sich um einen Demonstrator für rückführbare Raketenstufen. Partner sind hierbei laut Informationsblatt DLR und französische CNES, wobei laut DLR-Homepage auch die japanische JAXA mit im Boot ist. Um es ganz vereinfacht zu sagen: Das Ganze erinnerte stark an den Grasshopper von SpaceX aus dem Jahre 2012. Man versucht mit dieser Grundlagenforschung viel heraus zu bekommen, wie Elon Musk es gemacht hat und ob es sich kostenmäßig rechnet. Dabei heißt das Zauberwort „VTVL-Raketenstufe“. Hier wird technologisch das nachgeholt, wovor Prof. Ulrich Walter geraten hat, die Finger zu lassen (siehe sein Buch „Höllenritt durch Raum und Zeit“ von 2017, Seite 174). Insgesamt konnte man sagen: Das DLR hatte wieder einen tollen, interessanten Stand und gab hier eine guten Überblick über sein Schaffen.

ArianeGroup
Ach ja, die europäischen Raketenbauer! Die waren erst gar nicht angereist! Ich konnte es zuerst nicht glauben, als ich einige Tage zuvor in der Zeitschrift Raumfahrt Concret einen entsprechenden Beitrag gelesen hatte. Aber auf Nachfrage wurde das bestätigt. Nun könnte man scherzen, sie hätten der Fachwelt und dem steuerzahlenden Publikum nichts Neues zu zeigen. Aber so war es bestimmt nicht. In besagtem Raumfahrt-Concret-Artikel (Ausgabe 107, Seite 5) schrieb Jürgen Ackermann, ArianeGroup: „Der Verzicht auf die traditionelle und prestigeträchtige Präsenz in Le Bourget bringt einerseits eine gewisse finanzielle Minderbelastung, ist jedoch vor allem Symbol kompromissloser Entschlossenheit, mit der die Industrie sich auf ihr zentrales Ziel konzentriert.“
Ein Standpunkt, der Interpretationsspielraum zulässt.
Trotzdem schade.

Und sonst ...?
Es war mittlerweile früher Nachmittag. Ich musste mich beeilen um meinen Rückflieger nicht zu verpassen. Also strich ich den Besuch im CNES-Pavillon. Der Eintritt war reglementiert und die Besucherschlange bedeutete ohnehin längere Wartezeiten. Damit war der ausführliche Besuch der Freifläche und des Rahmenprogrammes der ESA zur Fete de la Musique auch „gestorben“. Das schwere Teleobjektiv inkl. Stativ war somit auch umsonst mitgeschleppt worden. Aber so ist das Leben. Das nächste Mal versuche ich, wieder mehr Zeit für den Außenbereich einzuplanen.

A. Weise

Bild vergrößernUnbesetzte, abgesperrte Messestände.
(Bild: A. Weise)
USA in der Leere der Räume
Nach etwas suchen fand ich die Halle, wo die US-Firmen zentral sich präsentierten. Und wie befürchtet zeigte sich das gleiche Bild wie vor zwei Jahren. Während sich auf dem Messegelände draußen und in den anderen Hallen die Besuchermassen drängelten, war hier Totenstille und gähnende Leere. Die Stände waren geschlossen. Kein Mensch weit und breit. Nur ein Wachmann schlurfte herum. Dabei hatte man im Vorfeld mit 50 Jahre Mondlandung und der Anwesenheit von einigen Weltraumveteranen geworben. Aber das war offensichtlich nur einem elitären Kreis vorbehalten. Auch hatte ich gehofft, etwas zu den amerikanischen Mond-Plänen zu erfahren. Fehlanzeige! Am Stand vom US-Verteidigungsministerium (… ja, die waren hier auch Aussteller!) lagen noch einige Exemplare der Zeitschrift „Defense News“ herum. Es sah aus, als hätte man die Halle fluchtartig verlassen. Vor wem war man nur „geflohen“? Vor dem französischen Publikum? Oder wollte man nur schnell ins Wochenende?

Frankreich als Vorbild
Bleibt nur noch anzumerken, dass die Rückreise genauso perfekt lief, wie die Hinreise. Pünktlich landete der Flieger in Tegel. Und dass die hintere Treppe erst bereit stand, als sich fast alle Fluggäste schon durch den vorderen Ausstieg gezwängt hatten…: Nun, det is Bärlin!

Und das Fazit? Manche Aussteller erkennen offensichtlich, dass man etwas für die Pflege des eigenen Images bei der westeuropäischen Öffentlichkeit machen sollte. Damit ist jetzt nicht nur Roskosmos gemeint. Andere Aussteller betrachten die Messe allerdings als reinen Kostenfaktor und präsentieren sich lieber im Hinterzimmer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und die Amerikaner? Die scheinen sowieso „first“ zu sein. Insofern setzt sich hier ein Trend fort, der bedauerlich ist.

Die französischen Gastgeber hatten wie gewohnt alles im Griff. Die Organisation war perfekt und sollte anderen Ausrichtern derartiger Veranstaltungen als Maßstab dienen.

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