CHEOPS: Start voraussichtlich am 17. Dezember 2019
CHEOPS: Start voraussichtlich am 17. Dezember 2019
Astronomie-Meldungen
Raumfahrt-Meldungen
Kurzmeldungen
News-Übersicht
News-Archiv
Alle Meldungen
RSS-Newsfeed
InSpace Magazin

Vierzehntäglich aktuelle Berichte und Meldungen via E-Mail

Autor: Raumfahrer.net Redaktion / 03. Dezember 2019, 11:07 Uhr

Schwergewicht im Herzen von Abell 85

Astronomen finden in dem Galaxienhaufen das mit 40 Milliarden Sonnenmassen schwerste schwarze Loch im nahen Universum. Eine Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik.

Quelle: Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik
Druckansicht RSS Newsfeed
Matthias Kluge/USM/MPE

Bild vergrößernRekord im Galaxienhaufen: Abell 85, aufgenommen am Wendelstein-Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität. Die zentrale, helle Galaxie Holm 15A hat einen ausgedehnten diffusen Kern. Ein Team von Astronomen am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und an der Universitäts-Sternwarte München hat mit neuen Daten die Masse des zentralen schwarzen Lochs dieser Galaxie direkt gemessen: Es besitzt die 40-Milliarden-fache Masse unserer Sonne.
(Bild: Matthias Kluge/USM/MPE)
Im Weltall treten schwarze Löcher in unterschiedlichen Größen und Massen auf. Den Rekord hält jetzt ein Exemplar im Galaxienhaufen Abell 85. Dort sitzt inmitten der zentralen Galaxie Holm 15A ein schwarzes Loch, das 40-Milliarden-fach schwerer ist als unsere Sonne. Um dies herauszufinden, haben Forschende der Institutsübergreifenden Arbeitsgruppe von Ralf Bender am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und an der Universitäts-Sternwarte München fotometrische Daten vom Wendelstein-Observatorium der Ludwigs-Maximilians-Universität sowie neue spektrale Beobachtungen mit dem Very Large Telescope ausgewertet.

Die Zentralgalaxie des Haufens Abell 85 ist außergewöhnlich; allein ihre Sterne bringen es auf mehr als zwei Billionen Sonnenmassen. Dennoch erscheint das Herz dieses gigantischen Milchstraßensystems – eines der größten überhaupt – im Teleskop extrem diffus und lichtschwach. Wenn Galaxien zusammenstoßen, kann das Verschmelzen ihrer Schwarzen Löcher zu einem neuen größeren Schwarzen Loch zur Entstehung einer auffällig lichtarmen zentralen Region führen. In diesem Fall war das Zentrum ganz besonders diffus und lichtarm, und deshalb vermuteten die Astronomen, dass sich hier ein schwarzes Loch mit ungewöhnlich großer Masse verbergen könnte.

Die Beobachtung versprach jedoch nicht einfach zu werden: Der Galaxienhaufen Abell 85, der mehr als 500 einzelnen Galaxien enthält, befindet sich im Abstand von 700 Millionen Lichtjahren. „Es gibt nur wenige Dutzend direkte Bestimmungen supermassereicher schwarzer Löcher – und noch nie zuvor ist es in einer solch großen Entfernung gelungen“, sagt Max-Planck-Forscher Jens Thomas, der die Studie leitete. „Aber wir hatten bereits eine Ahnung von der Größe des schwarzen Lochs in dieser speziellen Galaxie, also haben wir es probiert.“

Die neuen Daten, die am Wendelstein-Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München und mit dem MUSE-Instrument am Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte gewonnen wurden, ermöglichten dem Team ein Schwarzes Loch in Holm 15A nachzuweisen und eine verlässliche Massenbestimmung durchzuführen, die direkt auf den Bewegungen der Sterne um den Kern der Galaxie basiert.

Das Ergebnis beeindruckt: Mit 40 Milliarden Sonnenmassen ist das schwarze Loch das massereichste, das die Astronomen derzeit im Universum kennen. „Es ist um ein Vielfaches größer, als man es aufgrund indirekter Messungen, wie der Sternmasse oder der Geschwindigkeitsdispersion der Sterne der Galaxie, erwarten würde“, sagt Roberto Saglia, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Dozent an der Ludwig-Maximilians-Universität.

MPE

Bild vergrößernSchwaches Leuchten: Dieses Diagramm zeigt die Verteilung der Flächenhelligkeit der zentralen Haufengalaxie Holm 15A. Im Vergleich zu anderen Galaxien hat der Kern der Galaxie eine sehr geringe Flächenhelligkeit und erstreckt sich über einen Durchmesser von rund 15.000 Lichtjahren.
(Bild: MPE)
Wie oben erwähnt, zeigen die Messungen der Galaxie Holm 15A ein extrem lichtschwaches Zentrum mit nur noch sehr wenigen Sternen. Dies ist zwar ähnlich wie in manchen anderen elliptischen Galaxien, aber sehr viel stärker ausgeprägt. „Das Lichtprofil im inneren Kern nimmt zum Zentrum hin auch nicht mehr zu“, sagt Kianusch Mehrgan. „Das bedeutet, dass die meisten Sterne aufgrund von Interaktionen bei vorangegangenen Verschmelzungen von schwarzen Löchern aus dem Zentrum geschleudert worden sein müssen“, so der Doktorand an der Ludwigs-Maximilians-Universität München, der einen Teil der Datenanalyse ausführte.

Nach gängiger Auffassung entstehen diffuse Kerne in den größten elliptischen Galaxien, weil die Sterne aus dem Zentrum sprichwörtlich herausgefegt werden: Bei der Verschmelzung zweier Galaxien bilden deren schwarze Löcher zuerst ein Paar, bevor sie schließlich ebenfalls verschmelzen. Sterne auf Flugbahnen, die in die Nähe der beiden schwarzen Löcher führen, werden durch gravitative Wechselwirkungen herausgeschleudert. Ist im Zentrum der Galaxie kein Gas mehr vorhanden, um neue Sterne zu bilden, wird der Kern immer diffuser und ärmer an Sternen.

„Die neueste Generation von Computersimulationen der Verschmelzung von Galaxien lieferte uns Vorhersagen, die tatsächlich gut zu den beobachteten Eigenschaften passen“, sagt Jens Thomas, der auch die dynamischen Modelle beisteuerte. Diese Simulationen beinhalten laut dem Forscher die Wechselwirkungen zwischen Sternen und einem Paar aus schwarzen Löchern.

Die wesentliche Komponente seien aber zwei elliptische Galaxien, die bereits diffuse Kerne haben. „Die Form des Lichtprofils und die Flugbahnen der Sterne beinhalten sehr wertvolle Informationen und verraten uns, wie sich der Kern in dieser Galaxie gebildet hat. Dies lässt sich auch auf andere, sehr massereiche Galaxien übertragen“, sagt Thomas.

Vor dem Hintergrund der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte in einer Kette von Verschmelzungen konnten die Wissenschaftler eine neue Beziehung zwischen der Masse des zentralen schwarzen Lochs und der Oberflächenhelligkeit der Galaxie Holm 15A herstellen: Mit jeder Verschmelzung gewinnt das schwarze Loch an Masse, während das Galaxienzentrum Sterne verliert. Astronomen könnten diese Beziehung für Massenabschätzungen von schwarzen Löchern in noch ferneren Galaxien nutzen, bei denen direkte Messungen der Sternenbewegungen nahe am schwarzen Loch nicht möglich sind.

Originalveröffentlichung:
A 40-billion solar mass black hole in the extreme core of Holm 15A, the central galaxy of Abell 85 - K. Mehrgan, J. Thomas, R. Saglia et al.. Accepted for publication by ApJ. https://arxiv.org/abs/1907.10608

Twitter: @Raumfahrer_netFacebook Seite Dieser Beitrag ist mir etwas wert: Flattr? | Spenden
 
Navigation
Anzeige
Anzeige

Whirlpool Galaxy

Info
Fine Art Print

bestellen

Nach oben Anzeige - Whirlpool Galaxy © Raumfahrer Net e.V. 2001-2019