InSpace Magazin #574 vom 28. Oktober 2017

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Ausgabe #574
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

die zur Zeit spannendste astronomische Nachricht ist die erste Entdeckung eines interstellaren Himmelskörpers in unserem Sonnensystem. Es handelt sich um ein Objekt von etwa 400 Meter Größe. Es kam quasi "senkrecht von oben", bezogen auf die Planetenebene, umrundete die Sonne in einem ziemlich engen Radius und schoss dann in einem stumpfen Winkel zu seiner bisherigen Flugrichtung wieder hinaus, Richtung interstellarer Weltraum. Erst als es schon um die Sonne herum war, wurde das Objekt von einem Teleskop auf Hawaii entdeckt und erhielt eine vorläufige Bezeichnung: "A/2017 U1". Wie genau es endgültig genannt werden wird, steht noch nicht fest, da die Bezeichnungen "Asteroid" oder "Komet" beide per definitionem nicht zu diesem Objekt passen.

Ziemlich genau so, wie es gerade real geschieht, fängt übrigens auch der Roman "Rendezvous mit Rama" von Arthur C. Clarke aus den 1970er Jahren an. Ich habe dieses Buch als Jugendlicher sehr gerne gelesen, es war leicht verständliche wissenschaftlich-technische Science Fiction und spielte in einer faszinierenden Welt. So wie jetzt bei A/2017 U1 habe ich mir auch immer die Flugbahn des Asteroiden "2031/439" vorgestellt, der sich dann als innen hohl erweist. Natürlich schaffen es die Techniker und Wissenschaftler, noch rechtzeitig ein bemanntes Raumschiff auf den Weg zu bringen. In der Realität ist es dafür längst zu spät, denn das Objekt ist sehr schnell unterwegs und wird das Sonnensystem in einigen Monaten schon wieder hinterlassen haben. Nächstesmal besser aufpassen! :-)

Axel Orth

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News

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» Proton-M bringt AsiaSat 9 ins All
02.10.2017 - Am 28. September 2017 startete eine Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe in Baikonur, um den Kommunikationssatelliten AsiaSat 9 in den Weltraum zu transportieren. Nach rund neuneinviertel Stunden Flug wurde der Satellit im All ausgesetzt.
Der Anbieter der Trägerrakete International Launch Services (ILS) sprach von der dritten kommerziellen Mission einer ILS-Proton im Jahr 2017, und vom 96. Start einer von ILS vermarkteten Proton-Rakete insgesamt. Laut ILS sind jetzt mit dem Erstflug der Proton im Jahr 1965 zusammen 416 Proton-Raketen geflogen, für AsiaSat hat ILS mit AsiaSat 9 eigenen Angaben zufolge nun fünf Satelliten ins All befördert.

Das Abheben der von Chrunitschew in Russland hergestellten, rund 58,2 Meter hohen Rakete erfolgte am 28. September 2017 um 18:52 Uhr und 16 Sekunden UTC (21:52 Uhr und 16 Sekunden Moskauer Zeit) von der Rampe Nr. 39 des in Kasachstan gelegenen Kosmodroms Baikonur. Die drei unsymmetrisches Dimetyhlhydrazin (UDMH) und Stickstofftetroxid (N2O4) verbrennenden Stufen der Stufen der Proton-M brachten die Orbitaleinheit bestehend aus Chrunitschews Breeze-M-Oberstufe und Nutzlast an der Raketenspitze nach neun Minuten und 42 Sekunden Flug auf eine suborbitale Bahn. Deshalb musste die erste Brennphase der Oberstufe zunächst den Einschuss in eine stabile Umlaufbahn besorgen. Vorgesehen war eine 168 x 179 km Parkbahn mit einer Neigung von 51,6 Grad gegen den Erdäquator.

Zwei weitere Brennphasen besorgten anschließend einerseits eine weitere Anhebung der Flugbahn, und andererseits einen Abbau der Neigung der Bahn gegen den Erdäquator. In der erreichten vorläufigen Bahn wurde dann der Zusatztank der Oberstufe, APT für additional propellant tank oder wegen seiner Form auch Donut-Tank genannt, abgeworfen. Nach Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung gelangte der Tank auf eine 49,7 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahn mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt 328 Kilometer und einem erdfernsten Bahnpunkt von 15.008 Kilometern über der Erde.

Die vierte Brennphase der Breeze-Oberstufe bewirkte vor allem eine weitere Bahnanhebung. Die fünfte Brennphase war dann insbesondere einem deutlichen Abbau der Bahnneigung und dem Erreichen des Absetzorbits für die Nutzlast gewidmet. Rund neun Stunden und 13 Minuten nach dem Start wurde AsiaSat 9 dann am 29. September 2017 gegen 4:05 Uhr UTC (7:05 Uhr Moskauer Zeit) auf der vorgesehenen Übergangsbahn ausgesetzt, berichtete die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos. Die zu erreichende Bahn war 23,4 Grad gegen den Erdäquator geneigt, der der Erde nächstliegenden Bahnpunkt lag rund 4.065 Kilometer über der Erde, der erdfernste Bahnpunkt bei 35.786 Kilometern über der Erde.

Die Oberstufe wurde anschließend durch Spezialisten des Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrums der russischen Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau in einen Friedhofsorbit mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt in über 34.000 Kilometern und einem erdfernsten Bahnpunkt in über 35.000 Kilometern über der Erde gesteuert. Dazu waren zwei zusätzliche Brennphasen der Oberstufe erforderlich.

Bei AsiaSat 9 handelt es sich um ein von Space Systems/Loral (SS/L) aus Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien auf Basis des Satellitenbus´ 1300E für den Kommunikationssatellitenbetreiber AsiaSat aus Hong Kong entworfenes und gebautes Raumfahrzeug. Die Startmasse des Raumfahrzeugs mit einer Auslegungsbetriebsdauer von mindestens 15 Jahren betrug laut ILS 6.140 Kilogramm. Der künftige Betreiber AsiaSat nennt als abgetrennte Masse 6.141 Kilogramm.

Der dreiachsstabilisierte Satellit ist dazu gedacht, von einer Position bei 122 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) rund 35.786 Kilometer über der Erde aus Empfänger im asiatisch-pazifischen Raum mit digitalen Fernsehausstrahlungen, Mobilfunk- und Videodiensten sowie Netzwerkverbindungen zu versorgen. Gedacht ist AsiaSat 9 außerdem als Nachfolger von AsiaSat 4. AsiaSat 4 – Auslegungsbetriebsdauer 15 Jahre - kreist seit dem 12. April 2003 um die Erde (NORAD 27.718, COSPAR 2003-014A).

Entsprechend ihrer Aufgaben ist die Kommunikationsnutzlast von AsiaSat 9 mit einem Ka-Band-System sowie 32 Ku-Band-Transpondern mit einer Bandbreite von jeweils 54 Megahertz und 28 C-Band-Transpondern mit einer Bandbreite von jeweils 36 Megahertz ausgestattet. Bei Betriebsende sollen die beiden Solarzellenausleger, die zur Versorgung der Kommunikationsnutzlast und der übrigen elektrischen Systeme an Bord des Satelliten dienen, laut AsiaSat noch eine elektrische Leistung von 20.765 Watt bereitstellen können.

Der Hersteller von AsiaSat 9 teilte mit Datum vom 29. September 2017 mit, dass die ersten Manöver des Satelliten nach seinem Aussetzen im All erfolgreich verlaufen sein sollen. Die Solarzellenausleger des Satelliten hätten sich zum vorgesehenen Zeitpunkt entfaltet. Eine erste Brennphase des Apogäumsmotors an Bord von AsiaSat 9 war laut SS/L für den 30. September 2017 geplant.

Zur Bahnanhebung und für die Ausbildung einer annähernden Kreisbahn des Satelliten auf der Höhe des GEO dient AsiaSat 9 ein sogenannter Apogäumsmotor am Heck. Der mit Monomethylhydrazin (MMH) und einer Mischung von Stickstoffoxiden (MON-3, Stickstofftetroxid mit 3% Stickstoffmonooxid) betriebene Motor besitzt einen Nominalschub im Bereich zwischen 400 und 500 Newton.

Für die Lageregelung sowie das Halten oder Verändern der Position des Satelliten besitzt der Satellit außerdem eine Anzahl von 22 Newton starken, MMH und MON-3 verwendenden Zweistofftriebwerken (vermutlich von Moog) sowie vier elektrische Triebwerke des Typs SPT-100 (SPT steht für stationary plasma thruster) bzw. SPD-100 vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad. Sie sind paarweise an beweglichen Auslegern montiert. Die elektrischen Triebwerke verwenden das Edelgas Xenon als auszustoßende Stützmasse. Sie haben einen Schub von jeweils nur 83 Millinewton (80 Millinewton bei 1,5 kW Leistungseingang), lassen sich jedoch sehr ausdauernd einsetzen.

Update 10. Oktober 2017:
Asiasat berichtete mit Datum vom 9. Oktober 2017, dass AsiaSat 9 an diesem Tag an seiner künftigen Einsatzposition angekommen sei. Der Satellit stehe bei 122 Grad Ost im GEO, wo er laut Plan mindestens für 15 Jahre kommerziell betrieben werden solle.

AsiaSat 9 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.942 und als COSPAR-Objekt 2017-057A. Die Breeze-M-Oberstufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.943 und als COSPAR-Objekt 2017-057B. Der Abwurftank der Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.944 und als COSPAR-Objekt 2017-057C.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: AsiaSat, Chrunitschew, ILS, Roskosmos, SS/L)


» Baikonur und Kasachstan - ein Raumfahrt(reise)bericht
03.10.2017 - Raketenstarts von Baikonur, unbemannt oder bemannt, sind heutzutage alltäglich. Immer noch nicht alltäglich sind aber Reisen zu solchen Starts. Und für viele ist es ein unerfüllbarer Traum. Unser Forums-Mitglied Axel Monse hat sich diesen Traum erfüllt. Und hier ist sein Bericht ...
Prolog
Die Lichter eines sechsrädrigen Mondbuggys leuchten hell auf. Mehrere im 3D-Drucker entstandene igluförmige Mondhäuser stehen am Horizont. Immer wieder setzt in dem kleinen Dorf mit Erdblick eine Landefähre mit neuen Versorgungsgütern auf. Wir – Bernhard und ich - befinden uns nicht in der Zukunft, bei der die Vision von ESA-Direktor Jan Wörner Wirklichkeit geworden ist, sondern in der 4. Etage des kasachischen Pavillons der internationalen Weltausstellung „Expo - Energy for the Future“ in der kasachischen Hauptstadt Astana.

Man sieht einen russischen „Orlan“-Raumanzug mit kasachischen Emblem, eine amerikanische „Orion“-Kapsel, einen ganzen Gang im Enterprise-Design mit einem riesigen Hologramm der Internationalen Raumstation (ISS) sowie viele weiterführende Informationen zur Raumfahrt. Alles sprüht regelrecht vor Aufbruchstimmung und Pioniergeist. Kasachstan ist sichtlich stolz, dass vom eigenen an Russland verpachteten Land die ersten Raketen ins All gestartet sind und weiterhin nur von dort Menschen zur ISS fliegen. Kasachstans Nachbarland Turkmenistan präsentierte stolz „ihren“ Satelliten „TurkmenSat-1“ in der Ausstellungshalle. Dieser ist aber nicht vom Weltraumbahnhof in Baikonur gestartet, sondern am anderen Ende der Welt in Cape Canaveral.

Samstag 9. September 2017
Mit der Weltausstellung begann unsere zweiwöchige Reise in Kasachstan. Nach weiteren fünf Tagen in Kasachstan ohne Weltraumbezug erreichten wir am Samstag per Nachtzug die knapp 900 Kilometer von der kasachischen Hauptstadt entfernte Bahnstation Tjuratam. Wir wurden von Oleg am Bahnhof herzlich empfangen und es ging per Auto und mit den passenden Zugangsberechtigungen in die von einer Mauer und Checkpoints umgebenen Stadt Baikonur.

Untergebracht wurden wir im obersten Stockwerk einer für kasachische bzw. russische Verhältnissen gut eingerichteten Jugendherberge. Die (bis 1995) als Leninsk für das Kosmodrom fast schachbrettartig errichtete Stadt Baikonur konnten wir vom Balkon der Herberge wunderbar überblicken. Nach einer Woche kasachischer Steppe fiel uns in Baikonur sofort das üppige, vom Menschenhand gepflanzte Grün ins Auge. Bei genauerem betrachten sieht man, dass diese Oase nur durch kleine blaue oder grüne Leitungen am Leben gehalten wird. Ein kostbares Gut.

Am Morgen schlenderten wir über den Markt von Baikonur. Wir sahen sofort, dass wir uns nicht auf einem gewöhnlichen Markt befanden. Viele Werbeanzeigen enthielten im Mittelpunkt eine „Sojus“-Rakete - auch wenn nur Elektronikartikel oder Nahrungsmittel beworben wurden. An den Marktständen wurden Raketenmodelle, Tassen und T-Shirts mit Bezug zum Kosmodrom angeboten.

In welcher isolierten Umgebung sich das Kosmodrom befindet, bemerkten wir an diesem Samstag auch, als wir einen Badeausflug zum beliebten Badesee Kamistibas unternahmen. 150 Kilometer ging es dabei auf fast geradlinigen Straßen durch die endlose immer gleich aussehende Steppe.

Nur ab und zu tauchten Kamele und Pferde am Straßenrand auf. Ein Schild verkündete: 1500 Kilometer bis ins russische Samara. Man kann erahnen, dass der Ort des Raumfahrthafens wahrlich ein gutes, im Süden der damaligen Sowjetunion befindliches Versteck für eine Raketenbasis im damaligen Kalten Krieg war.

Sonntag 10. September 2017
Die Nacht auf Sonntag wurde kurz. Wir mussten früh raus, da im Morgengrauen traditionell das Rollout der „Sojus“-Rakete durchgeführt wurde. Um 5 Uhr wurden wir von der Herberge abgeholt und für ein schlichtes Frühstück, das aus dem traditionellen kasachische Frühstücksbrei Sök bestand, ins „Zentralnajia“-Hotel gefahren. Das Hotel steht direkt am Hauptplatz von Baikonur. Dort grüßt noch immer eine große Lenin-Statue die Gäste der Stadt. Am Frühstückstisch plauderten wir mit weiteren Gästen aus aller Welt.

Mit vollem Magen ging es nun erstmals ins eigentliche Kosmodrom. Dabei passierten wir wieder zwei Checkpoints: Den einen beim Verlassen der Stadt und den anderen nach einer kurzen Fahrt auf kasachischem Boden bei der anschließenden Einfahrt ins Sperrgebiet. Es ging auf einer langen Straße mit dem Bus nordwärts. Erst als die letzten Lichter der Stadt Baikonur hinter dem Horizont verschwanden, tauchten in Fahrtrichtung die beleuchteten Hallen auf. Damit ist das Gebiet auch vor neugierigen Blicken aus der Stadt geschützt.

Unsere Fahrt führte zum Platz 112. Die Halle mit der „Sojus“-Rakete war hell beleuchtet und in der Halle wirbelten viele Arbeiter herum. Die Beleuchtung der Lokomotive stand auf Rangierbetrieb. Angehängt war ein Wagen mit der Rakete mit der Seriennummer 734 für die Mission "Sojus MS-06". Alles war für das Rollout bereit.

Die „Sojus“ wird in Serienproduktion gefertigt. Das sahen wir deutlich daran, dass sich in der Halle noch nicht montierte Erststufen für einen späteren Start befanden. Sie werden wahrscheinlich im Dezember die nächste Besatzung zur ISS bringen. Möglich wäre auch der Start der Progress-Rakete im Spätherbst, diese wird aber vermutlich in der Montagehalle beim Startplatz 31 zusammengebaut.

Wir Touristen standen mit Kamera, Fotoapparat und Smartphone bewaffnet Spalier, als die Rakete von Sicherheitsleuten abgeschirmt im Schritttempo an uns vorbeirollte. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und die Rakete entschwand schnell in Richtung des ersten Wendepunktes, der hinter den verfallenen Betankungsanlagen des geflügelten Raumtransporters „Buran“ liegt.

Wir wurden nun mit dem Bus zu einem Bahnübergang in der Nähe des Startplatz 1 („Gagarins Start“) gefahren, von dem aus wir die gesamte noch verbleibende Strecke der Rakete zum Startplatz überblicken konnten. Malerisch ging währenddessen hinter der Startrampe mit dem noch offenen Startturm die Sonne im Osten auf. Da fällt einem sofort ein, wie passend doch die Bezeichnung des ersten bemannte Flugs von dieser Startrampe gewählt wurde - „Wostok 1“ (Osten 1).

Im rötlichen Morgenlicht rollte dann langsam die Rakete heran. Erst fuhr man zum zweiten Wendepunkt und dann in Begleitung von Oleg über den Bahnübergang zur Startrampe. Wir Touristen kamen nun der Rakete noch ein letztes Mal so nah wie bei der Ausfahrt aus der Montagehalle. Nur ein paar Meter trennten uns von der „Sojus-MS 06“.

Als die Rakete den Startplatz erreicht hatte, durfte auch das internationale Publikum den Platz betreten und das Aufrichten der Rakete miterleben. Auch ein Steppenfuchs schien dem Ereignis bewohnen zu wollen und schlich zwischen den Ersatz-Transportwagen über die Startrampe hinweg.

Nach dem Aufrichten vom Transportwagen auf der Startrampe sahen wir - schneller als gedacht - die Rakete Nr. 734 im sich schließenden Startturm verschwinden, bevor wir das Kosmodrom per Bus leider wieder verlassen mussten.

Es stand noch ein weiterer Programmpunkt für Sonntag an: Der Besuch der Internationalen Schule von Baikonur. Die Schule ist sehr modern eingerichtet und es findet - für uns überraschenderweise - Unterricht von Montag bis Samstag statt.

Die Lehreinrichtung zeichnet sich dadurch aus, dass sich auf jeder Etage interessante Raumfahrtexponate und -modelle befinden. So finden sich auf der ersten Etage mehrere Triebwerke, in der zweiten Etage eine TKS-Raumkapsel. Man erlaubte uns, in den Schalensitzen dieser Kapsel Platz zunehmen, und wir durften uns für einen kurzen Augenblick wie echte Kosmonauten fühlen.

Am Ende des Rundgangs wurde für uns im Innenhof der internationalen Schule eine Modellrakete gestartet. Erst der zweite Startversuch glückte, und die Modellrakete landete durch starken Seitenwind beeinflusst auf dem Dach. Wir dachten uns: Hoffentlich läuft der Start der „Sojus“ besser ab!

Am Abend hatten wir in unserer Freizeit Gelegenheit, uns mit Oleg zu treffen und die Erlebnisse des zu Ende gehenden Tages auszutauschen. Dabei führte uns Oleg noch zu der Pontonbrücke im Süden von Baikonur, und zum Denkmal "Schwerelos" am Ortseingang von Baikonur.

Vor diesem Denkmal werden immer zahlreiche Fotos von den „Sojus“-Mannschaften aufgenommen - auch unsere „Mannschaft“ machte ein paar Erinnerungsfotos vor diesem Denkmal.

Montag 11. September 2017
Der Montagmorgen begann ruhig. Wir konnten nach den letzten doch recht kurzen Nächten etwas ausschlafen und machten uns nach dem Frühstück im „Zentralnajia“ auf den Weg, die Stadt Baikonur zu Fuß zu entdecken. Ein paar Tipps hatte uns Oleg am Vorabend mit auf dem Weg gegeben.

So statteten wir einigen Denkmälern der Raumfahrtgeschichte einen Besuch ab: Die liegende „Sojus“-Rakete zum Anfassen, das Gagarin- und Koroljow-Denkmal, den verschlafenen Stadtpark, die russisch-orthodoxe Kirche mit ihren Zwiebeltürmchen und die geschlossenen Tore des in Quarantäne befindlichen Kosmonautenhotels. Ein Blick über den Zaun auf die Allee der Kosmonauten war uns dabei leider nicht möglich.

Auch ein Blick auf Gagarins Sommerpavillon am Syr-Darja blieb uns verwehrt, da dieser aktuell in einen neuen Hotelkomplex integriert werden soll und durch sehr hohe Bauzäune versteckt ist. Wir konnten auch die Freundlichkeit der Bewohner Baikonurs erleben: Bernhard und ich wurden in den Sportkomplex von Baikonur eingeladen. Dort durfte er sich eine halbe Stunde im Tischtennis-Spiel bewähren, während ich eine private Führung durch die Sportanlagen erhielt.

Am Nachmittag wurde wieder das reguläre Programm aufgenommen: Es ging mit dem Touristenbus zunächst ins Kulturzentrum mit dem historischen Museum von Baikonur. Vor allem viele Modelle und Fotos erzählten die Geschichte von der Entstehung des Kosmodroms und der Stadt und beschrieben die Entwicklung der einzelnen russisch-sowjetischen Raketen und bemannten Raumflugkörper bis hin zur heutigen Raumstation ISS. Anschließend folgte eine kleine Stadtrundfahrt mit vielen schon von uns zu Fuß besuchten Orten.

Für den Abend stand noch etwas Kulturaustausch an. Wir waren mit drei anderen jungen Reisenden dazu angehalten worden, eine Englischstunde in der im Gebäude unserer Herberge befindlichen Sprachschule zu begleiten. So unterhielten wir uns mit den russischen und kasachischen Schülern über das Leben in Kasachstan und in Europa – ein sehr schöner Einblick in die Kulturen.

Die anstehende Nacht sollte für uns erneut etwas kürzer werden, denn wir hatten uns seit unserer Ankunft darum bemüht, eine optimale Position zur Beobachtung des Starts der „Proton“ mit dem Satelliten „Amazonas-5“ zu finden. Da wir keine Möglichkeit erhielten, vom Dach unseres Hotels den Start zu beobachten, organisierte uns unsere Dolmetscherin ein Taxi. Mit diesem fuhren wir zusammen mit einem Ehepaar aus Neuseeland in die Nähe des Grenzzauns des Kosmodroms.

Fern von Stadt- und Straßenbeleuchtung konnten wir dann um 1:23:45 Uhr in der Frühe wunderbar das Zünden der Triebwerke und dann das Aufsteigen der kräftigen „Proton“ in rund 46 km Entfernung beobachten. Erst nach drei Minuten Flugzeit war auch das dunkle Grollen der Triebwerke zu hören. Dank der großen Entfernung war die Veränderung der Aufstiegsbahn von der Vertikalen in die Horizontale sehr gut zu verfolgen. Auch das Zünden und Arbeiten der einzelnen Raketenstufen konnten wir gut mit dem bloßen Auge erkennen.

Dienstag 12. September 2017
Nach der kurzen Nacht stand der Dienstag voll im Zeichen der Startanlagen des Kosmodroms und des „Sojus“-Starts. So brachen wir nach dem Frühstück im Zentral-Hotel mit dem Bus in Richtung Weltraumhafen auf. Der erste Stopp galt dem Museum des Kosmodroms auf Platz 2. In dessen umfangreicher Sammlung war auch die signierte Missionsfahne und das Missionsbild der Besatzung von Sojus-MS 06 ausgestellt.

Ebenso gibt es eine Art „Hall of Fame“ mit allen bisher von Baikonur gestarteten Raumfahrern. Auch dem Flug des ersten deutschen Raumfahrers Sigmund Jähn mit seinem sowjetischen Kollegen Bykowski ist eine Vitrine gewidmet.

Neben dem Museum befinden sich auch die zwei kleinen, frisch rekonstruierten Wohnhäuser von Gagarin und Koroljow. Ich hatte angesichts der komplett erhalten gebliebenen Innenausstattung das Gefühl, es würde gleich ein Kosmonaut der ersten Gruppe den Raum betreten.

Nach zwei Stunden im Museum ging es für uns nun tiefer ins Kosmodrom hinein. Das Ziel war das Kontrollzentrum des "Burans", dem sowjetischen Äquivalent zum US-amerikanischen Space-Shuttle. Das Kontrollzentrum befindet sich im Gebäude 60 auf dem Platz 250A. Gebäude 60 ist dabei eher ein Bunker als ein Gebäude. Nach der Passage dicker Panzertüren und langer Gängen mit dicken Mauern betraten wir den Kontrollraum.

Zur Überraschung vieler befanden sich noch viele intakte Schaltschränke und -pulte im Gebäude. Leider wurden wir nicht über die einzelnen Funktionen aufgeklärt, und so mussten wir mit unseren geringen Russischkenntnissen ein wenig spekulieren. Auch wenn es in allen ehemaligen UDSSR-Staaten üblich ist, dass in der Regel alle historischen Ausstellungstücke angefasst werden, war für mich die Erlaubnis schockierend, dass auf dem einmaligen geschichtsträchtigen Material einfach herumgespielt werden durfte.

Zurück im Bus fuhren wir weiter zur Startrampe Platz 31. Dabei passierten wir auch die riesigen Überreste der beiden Startrampen des „Buran“ und den Rest eines Startturms für die „N1“. Sichtbar waren auch die schweren Beschädigungen des Daches der Integrationshalle des „Buran“. Unvorstellbar dass sich dort unter dem Schutt noch immer ein „Buran“ befindet, der auf eine Unterbringung im Museum wartet.

Nachdem wir erneut Platz 112 passiert hatten, ging es weit in den Osten des Kosmodroms, wo sich die Startrampe Platz 31 befindet. Auf der Fahrt konnten wir auch das eine oder andere Kamel am Wegesrand beobachten.

Die Startrampe 31 ist im wesentlichen eine Kopie von Gagarins Startplatz. Da die Startrampe 31 zu einem späteren Zeitpunkt gebaut wurde, sind hier schon ein paar Verbesserungen eingeflossen. So befinden sich die Integrationshallen sehr nahe am Startplatz und der Flammenschacht ist kleiner dimensioniert.

Leider konnten wir den eigentlichen Starttisch nicht betreten. Gerne hätten wir den leeren Startturm begutachtet und auch einen Blick in den Flammengraben gewagt. So blieb es nur bei ein paar Zoomaufnahmen und ein paar Gruppen- und Einzelbildern fürs Fotoalbum. Anschließend ging es zurück in die Stadt Baikonur.

Um für das Highlight, den Nachtstart der „Sojus“, gewappnet zu sein, konnten wir also ein wenig vorschlafen... Am Abend hieß es dann auch Abschied von Oleg zu nehmen, unserem Freund und Helfer vor Ort. Wir tauschten noch Geschenke aus und tranken das letzte frische Bier vor dem Start. Den Startschnaps wollten wir, der Tradition folgend, natürlich nicht vorziehen.

Gegen 21:30 Uhr - nach Sonnenuntergang - wurden wir von unserer Reiseleitung wieder mit dem Bus abgeholt und es ging das letzte Mal in Richtung Kosmodrom. Der erste Stopp lag noch in der Stadt: Wir konnten nach dem Verlassen der Besatzung von „Sojus MS06“ und der daher aufgehobenen Quarantäne das Gelände des Kosmonautenhotels betreten und die Allee der Kosmonauten besuchen. Auf letzterer pflanzt jeder Raumfahrer vor seinem ersten Start einen Baum. Fliegt er ein weiteres Mal ins All, darf er seinen Baum gießen.

Im Dunkeln gestaltete sich die Suche nach ein paar Bäumen ausgewählter Raumfahrer als sehr schwierig. Die Bäume von Gerst, Flade, Cristoferetti, Padalka und Simony konnten wir finden. Leider waren aber die Bäume des ersten Deutschen und des ersten Österreicher nicht auszumachen. Das nächste Mal sind wir besser vorbereitet...

Nach nur 15 Minuten, die wir mit der Sucherrei verbracht hatten, ging es weiter ins Kosmodrom. Da es sich bei „Sojus MS06“ um einen bemannten Flug handelte, gehörte es dazu, auch die Raumfahrer wenigstens einmal aus nächster Nähe zu sehen. Nach einer Sicherheitsüberprüfung konnten wir uns auf dem Platz zur Abfrage der Flugbereitschaft ein paar Plätze in der ersten Reihe sichern. Erst nach und nach kamen weitere Touristen, Pressevertreter, Offizielle und Angehörige der Raumfahrer auf den Platz. Nach einigem Warten in der kalten kasachischen Nacht kam die Besatzung in ihren weiss-blauen Sokol-Raumanzügen synchron aus dem Gebäude gelaufen und absolvierte ihre vorerst letzten Schritte auf der Erde zur Flugabnahme.

Die Besatzung bestieg nach dem üblichen kurzen Dialog zügig den Bus, der sie zur Startrampe brachte. Gerne wären wir auch mit in den Bus eingestiegen. Doch statt in eine „Sojus“-Kapsel zu steigen, durften wir das Museum des Kosmodroms nochmals intensiver studieren und im „Buran“-Cockpit das Steuer übernehmen. Es gab auch Zeit, das eine oder andere Souvenir wie z.B. eine Modellrakete, ein T-Shirt oder gar Raumfahrernahrung zu erwerben. In lockerer Runde plauderten wir mit den zahlreichen internationalen Gästen und tranken noch ein wenig Kaffee, um der langen Nacht Herr zu werden.

Mittwoch 13. September 2017
Gegen halb zwei Uhr nachts kam endlich das Signal zum Aufbruch für die Fahrt zum Aussichtsbereich mit Blick auf die Rakete. Die neue Besucherplattform beherbergt ein riesiges Zelt, in dem man sich in kalten Nächten aufwärmen kann, sowie eine riesige LED-Videowand mit Liveübertragung vom „Sojus“-Start. Wir haben natürlich den direkten und hervorragenden Blick im Freien auf das Highlight der Reise in rund 1.300 Metern Entfernung bevorzugt: Die mit starken Scheinwerfern angestrahlte und durch die kalten Treibstoffe schon stark dampfende „Sojus“-Rakete.

Da stand sie nun mit startbereiter Besatzung ruhig auf dem Starttisch. Neben der Aufnahme von ein paar Fotos tauschten wir uns wieder mit weiteren Besuchern aus und verpassten dabei beinahe den Start. Zum Glück gab das Zurückfahren des Betankungsarms ein Zeichen des nahenden Starts. Mit dem Start wurde die Startrampe in sehr helles blendendes Licht getaucht.

Wir spürten die Hitze und nach wenigen Sekunden hörten und fühlten wir das Aufbrüllen der Rakete beim Zünden der Triebwerke. Durch die relative Nähe blickten wir, ähnlich wie bei einer startenden Silvesterrakete, direkt in die Triebwerke. Was für ein Anblick! Doch nach wenigen Minuten war „Sojus MS06“ schon zu einem kleinen Punkt geschrumpft und entfernte sich am Horizont.

Fünf Minuten nach dem Start hieß es schon: Aufbruch zum Hotel. Bis zum Herbergszimmer wurden noch die letzten Kontakte ausgetauscht, dann das Frühstückspaket in Empfang genommen und schließlich die Sachen gepackt. Nach vier sehr schönen und eindrucksvollen Tagen in Baikonur verließen wir den Weltraumbahnhof an der Bahnstation Tjuratam, um das große Kasachstan in weiteren vier Tagen zu erkunden.

Epilog
Als wir am nächsten Tag in die blau und modern gehaltene Metrostation „Baikonur“ im Herzen der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty fuhren, fanden wir leider außer einer kleinen Videoleinwand mit dem kasachischen Raumfahrer Talghat Mussabajew an Bord der ISS keinen weiteren Raumfahrtbezug vor. Trotzdem flimmerten die tollen Eindrücke von Baikonur vor unseren inneren Augen immer wieder auf. Wir hoffen, dass der Weltraumbahnhof auch noch lange nach der ISS bestehen bleibt und dieser auch die auf der Expo in Astana vorgestellten Visionen erlebt - und vor allem mitträgt!

Ein riesiger Dank geht an das Forumsmitglied Oleg (Baikonur). Ohne ihn wäre die Reise so nicht möglich gewesen und auch die unglaubliche Hilfe vor Ort war einfach großartig. Forumsmitglied Bernhard (Mars) danken wir für die Einladung zu dieser erstaunlichen Entdeckungsreise nach Kasachstan und Baikonur, und den Foristen F-D-R und HausD für die Vorbereitung der Reise zum Weltraumbahnhof Baikonur – DANKE!


(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Reise)


» China: Erdbeobachter VRSS 2 für Venezuela gestartet
10.10.2017 - Der für Venezuela gebaute Erdbeobachtungssatellit VRSS 2 gelangte am 9. Oktober 2017 in den Weltraum. Der Start erfolgte vom Jiuquan Satellite Launch Center (JSLC) in der autonomen Region Innere Mongolei im Nordwesten Chinas.
Befördert wurde der Satellit von einer von der Raumflugtechnikakademie Shanghai (Shanghai Academy of Spaceflight Technology, SAST) entwickelten zweistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 2D bzw. Chang Zheng-2D (LM-2D / CZ-2D). Die Variante 2D absolvierte nach Angaben der internationalen Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten aus China, der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), hier ihre 33. Mission.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua spricht vom 252. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch insgesamt. Verwendet wurde das Projektil mit der Seriennummer Y30.

Der Start erfolgte am 9. Oktober 2017 um 12:13 Uhr und 14 Sekunden Pekinger Zeit, das ist 6:13 Uhr und 14 Sekunden MESZ, von der Startanlage 603 / LC43 des Satellitenstartzentrums Jiuquan, das sich rund 200 Kilometer nordöstlich der gleichnamigen Stadt in der Autonomen Region Innere Mongolei befindet. Exakte Startzeit gemäß Displaydarstellung im Startkontrollzentrum war 12:13:14.451 Pekinger Zeit.

Die Trennung der zweiten Stufe von der ersten war nach Zahlen der CGWIC für 156,659 Sekunden nach dem Start angesetzt, der Abwurf der Nutzlastverkleidung 195,659 Sekunden nach dem Start. Das Haupttriebwerk der zweiten Stufe sollte seinen Einsatz 322,590 Sekunden nach dem Start beenden, die Vernier-Triebwerke 747,700 Sekunden nach dem Start abschalten. Nach 779,700 Sekunden Flug sollte die Nutzlast ausgesetzt werden.

Offensichtlich gelang die Mission im oder nahe am geplanten Rahmen: Raketen der Varianten 2D wurden in der Vergangenheit insbesondere zum Transport von Aufklärungs- und Erdbeobachtungssatelliten verwendet. Dem entsprechend gelangte VRSS 2 auf einen sonnensynchronen Erdorbit.

Von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten sprechen für eine erreichte Bahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von rund 637 Kilometern über der Erde, einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 662 Kilometern und einer Neigung der Bahn gegen den Erdäquator von rund 98 Grad. Für einen Erdumlauf benötigt der Satellit auf dieser Bahn 97,6 Minuten.

Der neue Satellit ist als Nachfolger des 2012 gestarteten VRSS 1 gedacht. VRSS 2 war von Venezuela bei der CGWIC bestellt worden, einen entsprechenden Vertrag hatte man im Oktober 2014 unterzeichnet.

Die CGWIC berichtete, dass das jetzt gestartete Raumfahrzeug eine gemeinsame Entwicklung des chinesischen Satellitenbauers DFH Satellite Co. Ltd., der chinesischen Akademie für Raumfahrttechnik (China Academy of Space Technology, CAST) und der Weltraumagentur Venezuelas (Agencia Bolivariana para Actividades Espaciales, ABAE) ist.

VRSS 2 basiert auf dem chinesischen Satellitenbus CAST2000. Die Startmasse des Satelliten betrug rund 1.000 Kilogramm. Seine Auslegungsbetriebsdauer liegt laut CGWIC bei fünf Jahren.

Gegenüber seinem Vorgänger soll VRSS 2 eine besserte optische Leistung aufweisen. Ein panchromatisches Kamerasystem soll eine Bodenauflösung von einem Meter erlauben, bei multispektralen Abtastungen will man drei oder vier Meter Bodenauflösung erreichen. Ein im Infraroten arbeitender Bildgeber soll eine Bodenauflösung von 30 Metern für kurzwelliges Infrarot (SWIR) und von 60 Metern für langwelliges Infrarot (LWIR) möglich machen.

Bilder und Daten von VRSS 2 sollen unter anderem bei der Stadtplanung. der Beurteilung von Anbauflächen und der Bestimmung des Waldzustands verwendet werden. Nach Angaben des Ministeriums für Hochschulbildung, Wissenschaft und Technologie Venezuelas (Ministerio del Poder Popular para Educación Universitaria, Ciencia y Tecnología, MPPEUCT), das von der CGWIC neben der ABAE als eigentlicher Nutzer des Satelliten genannt wird, dient VRSS 2 auch der Überwachung der venezolanischen Grenze.

VRSS 2 alias Antonio José de Sucre ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.954 und als COSPAR-Objekt 2017-060A.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: ABAE, CGWIC, CONATEL, MPPEUCT, Xinhua)


» China: Satellitentriplet Yaogan-30 01 gestartet
11.10.2017 - Drei offiziell elektromagnetischen Untersuchungen und weiteren Experimenten gewidmete Fernerkundungssatelliten aus China gelangten am 29. September 2017 in den Weltraum. Der Start erfolgte vom Xichang Satellite Launch Center (XSLC) in der Provinz Sichuan.
Befördert wurden die Satelliten von einer vom chinesischen Forschungsinstitut für Trägerraketenforschung (China Launch Vehicle Technology Research Institute, bzw. China Academy of Launch Vehicle Technology, CALT) entwickelten zweistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 2C bzw. Chang Zheng-2C (LM-2C / CZ-2C). Verwendet wurde das Projektil mit der Seriennummer Y29. Sowohl das chinesische Verteidigungsministerium als auch die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldeten den 251. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch insgesamt und berichteten, die Satelliten hätten den vorgesehenen Orbit erreicht, der Start sei ein vollständiger Erfolg.

Der Start erfolgte am 29. September 2017 um 12:21 Uhr und 05 Sekunden Pekinger Zeit, das ist 6:21 Uhr und 05 Sekunden MESZ, von der Rampe Nr. 3 des Satellitenstartzentrums Xichang. Letzteres befindet sich in rund 65 Kilometern Abstand von der Stadt Xichang. Exakte Startzeit gemäß Displaydarstellung im Startkontrollzentrum war 12:21:05,318 Pekinger Zeit.

Das chinesische Verteidigungsministerium und Xinhua berichteten, Überwachungs- und Steuerungsaufgaben seien gemeinsam durch das Satellitenkontrollzentrum Xi’an (Xi’an Satellite Control Centre, XSCC), das schiffsbasierte Satellitenkontrollzentrum (Satellite Maritime Tracking and Control, SMTC) und das Luft- und Raumfahrtkontrollzentrum Peking (Beijing Aerospace Command and Control Center, BACC), erledigt worden.

Nach von der US-amerikanischen Weltraumüberwachung ermittelte Daten gelangten die drei ins All transportierten Satelliten auf sehr ähnliche, rund 35 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahnen: Yaogan-30 01 Nr. 1 bewegte sich in Höhen zwischen 592 und 601 km, Yaogan-30 01 Nr. 2 bewegte sich in Höhen zwischen 593 und 601 km, Yaogan-30 01 Nr. 3 ebenfalls in Höhen zwischen 593 und 601 km.

Zwischenzeitlich haben mindestens zwei Satelliten manövriert, um die Abstände untereinander zu vergrößern. Yaogan-30 01 Nr. 1 bewegt sich mittlerweile in Höhen zwischen 591 und 604 km, Yaogan-30 01 Nr. 2 in Höhen zwischen 603 und 609 km, Yaogan-30 01 Nr. 3 in Höhen zwischen 611 und 619 km.

Die neuen Satelliten dienen nach Angaben des Verteidigungsministeriums und von Xinhua elektromagnetischen Untersuchungen und weiteren Experimenten. Sie sollen Konstruktionen eines Innovationszentrums für Mikrosatelliten der chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences Institute of Microsatellite Innovation) sein.

Westliche Beobachter chinesischer Raumfahrtprogramme vermuten, dass die drei Satelliten wie andere früher gestartete Dreifachkonstellationen der elektronischen Aufklärung dienen. Dabei können elektromagnetische Abstrahlungen von militärischen Objekten am Erdboden und auf den Weltmeeren, wie zum Beispiel von Schiffen der Marinen andere Staaten, an Bord von Satelliten empfangen und zur Analyse zu geeigneten Bodenstationen weitergeleitet werden. Die Auswertung der so gewonnenen Daten kann zu Aussagen über Art, Eigenschaften und Leistung der Objekte führen, die die elektromagnetische Strahlung abgegeben haben.

Darüber hinaus könnte der Einsatz von jeweils drei Satelliten auch genaue Standortbestimmungen von abstrahlenden Objekten erlauben, da unterschiedliche Signallaufzeiten von einem Objekt zu den drei Satelliten eines Triplets Peilungen zulassen.

Auch Li Xiaoming, ein Forscher vom Institut für Fernerkundung und digitale Erddaten (Institute of Remote Sensing and Digital Earth, RADI) der chinesischen Akademie der Wissenschaften (Chinese Academy of Sciences, CAS) in Peking, hält die drei neuen Satelliten einem Bericht der Tageszeitung South China Morning Post aus Hongkong im Internet zufolge für militärische Gegenstände. Sie seinen nicht zur zivilen Nutzung, man habe keinen Zugriff auf sie. Die gleiche Quelle berichtete weiterhin, dass es nach Angaben eines nicht namentlich genannten mit dem Satellitenprojekt befassten Forschers künftig weitere entsprechende Satellitengruppen geben werde.

Yaogan-30 01 Nr. 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.945 und als COSPAR-Objekt 2017-058A. Yaogan-30 01 Nr. 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.946 und als COSPAR-Objekt 2017-058B. Yaogan-30 01 Nr. 3 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.947 und als COSPAR-Objekt 2017-058C. Die zweite Stufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.948 und als COSPAR-Objekt 2017-058D.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: CCTV, CGWIC, Chinesisches Verteidigungsministerium, Janes, SCMP, Xinhua)


» SpaceX: EchoStar 105/SES 11 im All, 1. Stufe gelandet
12.10.2017 - EchoStar 105/SES 11 ist nach Start von Cape Canaveral am 11. Oktober 2017 im All. Die erste Stufe der verwendeten Trägerrakete von SpaceX ist auf der Seeplattform "Of course I still love you" gelandet.
Um 22:53 Uhr UTC am 11. Oktober 2017 erfolgte der Start der Falcon-9-v1.2-Rakete von SpaceX mit dem Kommunikationssatelliten EchoStar 105/SES 11 an Bord zu Beginn eines zwei Stunden langen Startfensters. Der Flug der 15. Falcon 9 im Jahr 2017 begann von der Startrampe 39A auf Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Für den transportierten Satelliten endete er nach rund 36 Minuten Flug mit dem Aussetzen auf der vorgesehenen supersynchronen Transferbahn, für die erste Stufe mit der erfolgreichen Landung auf der Seeplattform "Of course I still love you".

Die verwendete erste Raketenstufe war diejenige mit der Baunummer 1031. Sie war bereits beim Versorgungsflug für die Internationale Raumstation ISS CRS-10 Transport zum Einsatz gekommen. Nach der Abtrennung von zweiter Stufe und Nutzlast hatte die Stufe 1031 am 19. Februar 2017 eine erfolgreiche Landung in der Landezone 1 (Landing Zone 1, LZ 1) auf Cape Canaveral absolviert.

EchoStar 105/SES 11 ist entsprechend seines Namens für eine zweifache Mission gedacht. Der Kommunikationssatellitenbetreiber EchoStar will die 24 Ku-Band-Transponder mit einer Bandbreite von jeweils 36 Megahertz nutzen. Die Transponder sind als Ersatz von Kapazitäten des Satelliten AMC 15 (NORAD 28.446, gestartet am 14. Oktober 2004) gedacht und waren zunächst unter der Bezeichnung EchoStar 20 geplant. Die 24 C-band-Transponder an Bord möchte der Kommunikationssatellitenbetreiber SES zur Verstärkung seiner Kapazitäten verwenden und als Ersatz solcher auf AMC 18 (NORAD 29.644, gestartet am 8. Dezember 2006).

Der für eine Position bei 105 Grad West im Geostationären Orbit (GEO) vorgesehene Erdtrabant wurde von Airbus Defence and Space gebaut und basiert auf dem Satellitenbus Eurostar E3000. Die Auslegungsbetriebsdauer des 47. E3000-Stalliten beträgt nach Angaben seines Herstellers mindestens 15 Jahre. Aktuell wird die Startmasse von EchoStar 105/SES 11 auf rund 5.200 Kilogramm beziffert, im September 2014 nannte Airbus Defence and Space rund 5.400 Kilogramm. Die Kommunikationsnutzlast und die übrigen elektrischen Verbrauch an Bord des Satelliten werden von zwei Solarzellenauslegern mit Strom versorgt. Die Ausleger sollen für die Kommunikationsnutzlast bei Betriebsende zusammen noch mindestens zwölf Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen können.

Zum Abbau der nach dem Start verbliebenen Bahnneigung gegen den Erdäquator und dem Erreichen einer annähernden Kreisbahn auf dem Niveau des GEO ist der Satellit mit einem chemischen Triebwerk als Apogäumsmotor ausgestattet. Es soll in den kommenden Tagen dreimal im Bereich des erdfernsten Bahnpunkts und einmal im Bereich des der Erde nächstliegenden Bahnpunkts gezündet werden. Außerdem an Bord sind vierzehn zehn Newton starke Zweistofftriebwerke vom Typ S10-21 von Airbus Defence and Space.

Ende November 2017 soll EchoStar 105/SES 11 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Dann will Echostar über den Satelliten Medienunternehmen, Firmenkunden, die US-Regierung und das US-Militär im Bereich der Vereinigten Staaten, des Golfs von Mexiko und der Karibik mit Daten- und Videodiensten versorgen. SES plant, via EchoStar 105/SES 11 insbesondere Fernsehprogramme in HD und Ultra HD an Kabelnetzwerke weiterzugeben.

EchoStar 105/SES 11 gelangte auf eine 27,89 Grad gegen den Erdäquator geneigte Umlaufbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächsten Bahnpunkt, von 309 Kilometern über der Erde und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von 40.519 Kilometern über der Erde. Der Satellit ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.967 und als COSPAR-Objekt 2017-063A.

Die zweite Stufe der Falcon-9-Rakete gelangte auf eine 27,88 Grad gegen den Erdäquator geneigte Umlaufbahn mit einem Perigäum von 313 Kilometern über der Erde und einem Apogäum von 40.517 Kilometern über der Erde. Die Raketenstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.968 und als COSPAR-Objekt 2017-063B.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: Airbus Defence and Space, Echostar, SES, SpaceX)


» Ozeanbeobachter CFOSat kommt noch
24.10.2017 - Der auf Basis eines chinesischen Satellitenbus aufgebaute chinesisch-französische Ozeanbeobachtungssatellit CFOSat soll nach jüngsten Informationen nach zahlreichen Verzögerungen nun in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 in den Weltraum transportiert werden.
Ursprünglich hatte man gehofft, CFOSat Ende 2014 oder im Jahr 2015 auf einen Erdorbit bringen zu können. CFOSat steht für China-France Oceanography Satellite. Seinem Namen gemäß ist der Satellit dafür gedacht, Daten über die Wetterbedingungen auf und über den Weltmeeren zu liefern.

Die Informationen von CFOSat werden helfen, die Vorhersage von Stürmen und Wellengang zu verbessern. Außerdem erwartet man von CFOSat Daten zu Eisflächen auf dem Meer und an den Polen. Darüber hinaus möchte man die von CFOSat gesammelten Daten bei der Optimierung der Modelle zur Interaktion von Atmosphäre und Ozeanen sowie zum Klimawandel verwenden.

Ausgerüstet ist CFOSat mit zwei im Ku-Band arbeitenden Radaranlagen aus China und aus Frankreich. Die Anlage aus Frankreich mit einer Masse von rund 100 Kilogramm hat entsprechend ihres Namens Surface Waves Investigation and Monitoring (SWIM) die Aufgabe, Richtung und Länge von Wellen auf der Meeresoberfläche zu bestimmen. Das Radar aus China (SCAT) dient der Ermittlung von Windrichtung und Windstärke.

CFOSat entsteht im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts der nationalen Raumfahrtbehörden Chinas (China National Space Administration, CNSA) und Frankreichs (Centre national d’études spatiales, CNES). Der Start des in China von DFHSat (Dong Fang Hong Satellite) integrierten Satelliten soll auf einer chinesischen Rakete des Typs Langer Marsch 2C vom Satellitenstartzentrum Jiuquan (Jiuquan Satellite Launch Center, JSLC) in der Wüste Gobi erfolgen.

Als Arbeitsorbit für CFOSat ist eine sonnensynchrone Erdumlaufbahn in einer Höhe von rund 519 Kilometern vorgesehen, welcher eine Wiederholrate von 13 Tagen erlaubt. Der Beginn des Regelbetriebs ist für 2019 geplant. In Bodenstationen in China und in Frankreich werden dann regelmäßig Daten eintreffen.

China wird für das CFOSat-Bodensegment das Satellitenkontrollzentrum Xian, eine Anzahl von Bodenstationen für Telemetrieempfang, Kommandoübertragung und Bahnverfolgung, drei X-Band-Stationen zum Datenempfang in China und ein missionsbezogenes Zentrum zur Datenverarbeitung, Verteilung und Archivierung nutzen.

Frankreich will X-Band-Stationen im schwedischen Kiruna und im kanadischen Inuvik einsetzen, ein Zentrum der CNES in Toulouse zur zeitnahen Verarbeitung und Verteilung von Daten verwenden und in einer Einrichtung des Französischen Forschungsinstituts für die Nutzung der Meere (L’Institut Français de Recherche pour l’Exploitation de la Mer, Ifremer) in Brest Daten verarbeiten, verteilen und archivieren.

Ende 2016 erwartete man für den auf dem Bus CAST2000 basierenden CFOSat eine voraussichtliche Startmasse von rund 650 Kilogramm. Der Hauptkörper des Raumfahrzeugs ist annähernd quadratisch mit einer Kantenlänge von rund 1,5 Metern. Die Missionsdauer ist auf drei Jahre angesetzt.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: CNES)


» Missionsverlängerung für Dawn im Orbit um Ceres
24.10.2017 - Die Mission der Raumsonde Dawn bei Ceres wird zum zweiten Mal verlängert. Das Raumfahrzeug der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) kann den Beobachtungsbetrieb auf seinem Orbit um den Zwergplaneten Ceres fortsetzen.
Während der kommenden Monate soll Dawn näher als bisher an Ceres alias A899 OF und 1943 XB herankommen. Die 2007 gestartete Sonde kreist nach einem Besuch des großen Asteroiden Vesta seit dem 6. März 2015 um den Zwergplaneten Ceres.

Aktuell untersuchen Dawns Flugdynamiker Wege, Dawn in eine Bahn zu steuer, deren der Oberfläche von Ceres nächstliegender Bahnpunkt bei unter 200 Kilometer liegen soll. Bisher war Dawn maximal bis auf rund 240 Kilometer der Oberfläche des Zwergplaneten nahegekommen.

Die Priorität der Forschungen im Rahmen der zweiten Missionserweiterung bei Ceres liegt nach einer Meldung des Labors für Strahlantrieb (Jet Propulsion Laboratory, JPL) der NASA mit Datum vom 19. Oktober 2017 bei der Sammlung von Daten durch Dawns Gamma- und Neutronspektrometer (Gamma Ray and Neutron Detector, GRaND), das vom Los Alamos National Laboratory (LANL) in den USA entwickelt worden war. Das Instrument ist in der Lage, Menge und Energie von Gamma- und Neutronenstrahlung zu bestimmen. Die Informationen, die man von dem Instrument erhalten kann, sind wichtig für das Verständnis der Zusammensetzung der obersten Schichten der Atmosphäre von Ceres und die Beantwortung der Frage, wie viel Eis es dort gibt.

Fortsetzen will man auch die Beobachtung von Ceres und seinen geologischen Oberflächenstrukturen im Bereich des für den Menschen sichtbaren Lichts mit den beiden in Deutschland entstandenen Framing Cameras (FC) vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof. Ebenfalls weiterführen möchte man mineralogische Untersuchungen, in deren Rahmen ein von der Italienischen Raumfahrtagentur (Agenzia Spaziale Italiana, ASI) beigesteuertes Spektrometer für sichtbares Licht und Infrarotstrahlung (Visible & Infrared Spectrometer, VIR) zum Einsatz kommt.

Die neuerliche Missionserweiterung erlaubt es auch, Dawn einzusetzen, während Ceres sich durch das Perihel, die größte Annäherung an die Sonne, bewegt. Im April 2018 erreicht Ceres auf seiner Bahn um die Sonne, auf der er für eine Runde etwa 1.682 Erdtage benötigt, das nächste Perihel.

Je näher Ceres an die Sonne herankommt, desto mehr Eis von seiner Oberfläche könnte sich in Wasserdampf verwandeln, was bei der vom ESA-Weltraumteleskop Herschel vor der Ankunft von Dawn bei Ceres beobachteten veränderlichen dünnen Atmosphäre eine Rolle spielen könnte. Bislang von Dawn gelieferte Daten werden derart interpretiert, dass der Wasserdampf in der Atmosphäre entsteht, wenn energiereiche Teichen von der Sonne mit Eis auf der Oberfläche von Ceres interagieren. Während des Durchgangs durch das Perihel soll Ceres auch von am Erdboden stationierten Teleskopen beobachtet werden. Die Informationen von den Teleskopen und der Raumsonde möchte man anschließend zusammen betrachten und auswerten.

Aktuell rechnen die Missionsplaner damit, Dawn bis in die zweite Hälfte des Jahres 2018 hinein nutzbringend einsetzen zu können. Irgendwann allerdings wird die Mission der Sonde sicher enden. Im Rahmen von Bestrebungen, Ceres vor Kontaminationen von der Erde zu schützen, soll Dawn schließlich in einen auf lange Zeit sicheren Orbit um Ceres gebracht werden, aus dem heraus auf absehbare Zeit kein Absturz auf Ceres erfolgen kann, auch wenn (dann später) schon lange kein Hydrazin und Xenon für Dawns Triebwerke an Bord mehr vorhanden ist. Nach der letzten Bahnänderung will man die Sonde noch solange weiter betreiben, wie es ihr Zustand zulässt.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: NASA)


» CERES: Der Energiebilanz der Erde auf der Spur
26.10.2017 - An Bord US-amerikanischer Wettersatelliten werden Instrumente eingesetzt, die der Wolkenbeobachtung und der Untersuchung der Energiebilanz mit Ein- und Abstrahlung von Energie auf bzw. durch die Erde dienen. Für den neuen Satelliten JPSS 1 ist das Flugmodell 6 (FM6) der CERES genannten Instrumente gedacht.
CERES steht für Clouds and the Earth’s Radiant Energy System. Dementsprechend liefern die so bezeichneten Instrumente Informationen zu ein- und ausfallender Strahlung am Oberrand der Atmosphäre und an der Oberfläche der Erde.

Leitender Wissenschaftler eines Projektes der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA), das sich der Energiebilanz der Erde widmet, ist Norman Loeb. Die Erde mit ihren verbundenen Systemen haben ihn immer fasziniert. Loeb sagt: „ Es ist eine ziemlich interessante Angelegenheit, wenn man daran denkt, wie Energie in unterschiedlichster Art und Weise zwischen Atmosphäre, Meeren, den Landmassen und schneebedeckten Oberflächenanteilen ausgetauscht und verteilt wird.“

Über zusätzliche Informationen zu den Austauschprozessen dürfte sich Loeb freuen, wenn CERES FM6 an Bord des polaren Wettersatelliten Joint Polar Satellite System 1 (JPSS 1) in Betrieb genommen wurde. JPSS 1 soll demnächst auf einer Delta-II-Rakete von der Startanlage 2W der Luftwaffenbasis Vandenberg (Vandenberg Air Force Base, VAFB) in Kalifornien aus in den Weltraum transportiert werden. Aktuell ist der Start des Satelliten, der später unter der Ägide der US-amerikanischen nationalen Wetterbehörde (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) betrieben werden soll, für den 10. November 2017 angesetzt.

Beobachtungsdaten von CERES liefern wichtige Informationen über die Energiebilanz vom oberen Rand der Atmosphäre, wo einerseits eine gewisse Menge Strahlungsenergie von der Sonne aufgenommen und andererseits eine gewisse Menge Wärmestrahlung an den Weltraum abgegeben wird. Loeb erklärt das so: „Wenn man weiß, wie viel Strahlung von der Sonne die Erde erreicht, und außerdem bekannt ist, wie viel der Strahlung von der Sonne durch die Erde reflektiert wird und welche Menge an Wärmestrahlung die Erde abgibt, bekommt man die Energiebilanz. Wenn mehr Energie hineinkommt, als abgegeben wird, wird sich das System schließlich aufheizen.“

Die Wege, auf der eine veränderliche Energiebilanz andere System auf der Erde beeinflusst, betrachtet Loeb mit Ehrfurcht: „Auf gewisse Weise ist es wunderbar und verblüffend, wie die über die Erde verteilte Strahlung die Zirkulation in den Meeren und das Wetter in der Atmosphäre beeinflusst.“

Fünf CERES-Instrumente sind bereits an Bord von Satelliten im All. Die von CERES-FM6 erwarteten Daten werden die Fortsetzung der laufenden Bestimmung der Veränderungen von Energiebilanz und Wolkenbedeckung erlauben, helfen, die Ursachen für die beobachteten Veränderungen zu ermitteln, und für klimarelevante Entscheidungsprozesse eine Datenbasis bieten. Loeb: „Was wir zu tun versuchen ist, unsere CERES-Aufzeichnungen zu erweitern.“

Die Konstruktion der CERES-Instrumente basiert auf einem Modell, das vom Forschungszentrum Langley (Langley Research Center, LaRC) entworfen worden war. Im Rahmen des Earth Radiation Budget Experiment hatte das LaRC zwischen 1984 und 1990 auf drei Satelliten derartige Instrumente zur Bestimmung der Energiebilanz der Erde eingesetzt.

Mitte der 1990er war schließlich begonnen worden, an einer kontinuierlichen Sammlung von Daten zur Energiebilanz der Erde zu arbeiten. 1997 gelangte dann das erste CERES-Instrument an Bord des Erdbeobachtungssatelliten TRMM ins All. Es hörte im Jahr 2000 auf, Daten zu erfassen. Vorher jedoch hatte man schon CERES FM1 und FM2 im Weltraum stationieren können. Die beiden Instrumente befinden sich an Bord des Erdbeobachtungssatelliten TERRA, der 1999 gestartet worden war. CERES FM3 und CERES FM4 umkreisen als Nutzlast des Erdbeobachtungssatelliten Aqua seit 2002 die Erde. Bis dato jüngstes Familienmitglied ist CERES FM5, seit 2011 an Bord von Suomi NPP im All.

Im Rahmen des Projekts werden auch Daten der Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) an Bord von Aqua und Terra benutzt, sowie von der Visible Infrared Imaging Radiometer Suite (VIIRS) an Bord von Suomi NPP. Wenn JPSS 1 in Betrieb genommen worden ist, soll auch dessen VIIRS Daten beisteuern, und die Informationen von CERES mit solchen über Wolken, Aerosole – kleinste Partikel in der Atmosphäre - und Oberflächeneigenschaften ergänzen.

Seit Jahrzehnten arbeiten Wissenschaftler daran, herauszufinden, wie sich die Energiebilanz in Reaktion auf andere Veränderungen wie die von Temperaturen, Wasserdampf, Wolken, Schnee und Aerosolen im System wandelt.

Ein Anstieg der Konzentration bestimmter Gase, die von der Erde kommende Infrarot- bzw. Wärmestrahlung absorbieren können, in der Atmosphäre kann zur Erwärmung der Erdoberfläche und der unteren Atmosphärenschichten führen. Gleichzeitig können diese Gase eine Abkühlung der oberen Atmosphärenschichten bewirken, weil sie Energie, die sonst die oberen Atmosphärenschichten erwärmen könnte, weiter unten einfangen.

Auch die Reflektion von Strahlung, insbesondere der von der Sonne aus dem Weltraum, durch Wolken und Aerosole kann für eine Abkühlung sorgen. Tiefliegende, dicke Wolkenformationen können die Sonnenstrahlung gut reflektieren. Sie verhindern, dass Energie von der Sonne vom Erdboden aufgenommen wird. Aerosole können sich ähnlich auswirken. Sie können aus vom Wind aufgewirbeltem Staub bestehen, aus Rückständen aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie zum Beispiel Diesel und Benzin, sowie bei der Brandrodung von Wäldern und dem Abflämmen von Feldern entstehen.

Die CERES-Messungen sollen den Wissenschaftlern Informationen über die sich ändernde Absorption und Reflektion, welche Einfluss auf langfristige Klimatrends haben, liefern.

Aber auch die Vorhersage kurzfristigerer Entwicklungen kann von CERES-Daten profitieren. Saisonale großräumige Effekte wie El Niño und La Niña stehen unter dem Einfluss von Wolkenbedeckung und Strahlungsbudgets. El Niño und La Niña entstehen auf Grund von Fluktuationen von kaltem und warmem Wasser im Pazifik im Bereich des Äquators. Laut Loeb ist es wichtig, die Veränderungen von Jahr zu Jahr aufzuzeichnen, zu modellieren und zu verstehen.

Farmer könnten bei Entscheidungen,welche Pflanzen angebaut werden sollen, und wann die Aussaat erfolgt, saisonale Vorhersagen zu Rate ziehen.

Forscher verwenden CERES-Daten zur Bestimmung von Mustern und Trends der veränderlichen Eis- und Schneebedeckung in den Polarregionen. Betreiber von Photovoltaikanlagen, Nutzer von Sonnenwärme-Anwendungen und Landwirte nutzen Daten zur erwartbaren Sonneneinstrahlung.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: NASA)


» SLS: RS-25-Triebwerk E2063 erfolgreich getestet
26.10.2017 - Das RS-25-Triebwerk mit der Baunummer E2063 hat am 19. Oktober 2017 einen statischen Prüfstandtest überstanden. Es arbeitete im Teststand A-1 des Raumflugzentrums Stennis im US-Bundesstaat Mississippi 500 Sekunden und funktionierte wie vorgesehen.
E2063 wurde während des Tests auf Schubniveaus zwischen 80 und 109 Prozent des Nominalschubs betrieben. Zusammen rund 350 Sekunden lief das Triebwerk mit rund 109 Prozent, nach der Zündung kurze acht Sekunden mit rund 100 Prozent, und 78 Sekunden mit rund 80 Prozent.

Bei NASAs Exploration Mission (EM-2) wird E2063 eines der vier Haupttriebwerke der Zentralstufe des Space Launch System (SLS) sein. E2063 ist nach E2059 der zweite Motor für EM-2, der von seinem Erbauer, der Aerojet Rocketdyne, und der US-amerikanischen Raumfahrtagentur (NASA) getestet wurde. Beim angetriebenen Flug der SLS-Zentralstufe für EM-2 soll auch E2063 rund achteinhalb Minuten kontinuierlich arbeiten.

Nach derzeitigem Stand wird EM-2 die erste bemannte Mission im Rahmen des US-amerikanischen Raumflugprogramms zur bemannten Erkundung des Sonnensystems unter dem Titel Exploration sein, und die erste, bei der eine neue Oberstufe mit der Bezeichnung Exploration Upper Stage (EUS) zum Einsatz kommt.

EM-1 wird davor als Testmission unbemannt ablaufen. Die Arbeit an den vier RS-25-Hauptriebwerken für EM-1 (laut Plan E2045, E2056, E2058 und E2060) hat Aerojet Rocketdyne eigenen Angaben zufolge im Oktober 2017 abgeschlossen. Bei Bedarf könnte E2063 als Ersatz für EM-1 verwendet werden.

E2063 für EM-2 hatte Aerojet Rocketdyne in Stennis im Gebäude 9101 im Jahr 2015 zusammengesetzt, und während der rund drei Monte dauernden Arbeiten Material aus dem Inventar des Space-Shuttle-Programms verwendet. Das Triebwerk ist aktuell das jüngste der 16 flugtauglichen Triebwerke aus dem im Raumflugzentrum Stennis deponierten Inventar von Aerojet Rocketdyne. Am 27. September 2017 ist das Triebwerk zum Teststand A-1 gebracht worden, wo man sogleich mit dem Einbau des Triebwerks begonnen hat.

Aerojet Rocketdyne liefert neben den Haupttriebwerken für die Zentralstufe des SLS auch die Haupttriebwerke für die Oberstufe EUS. Jede EUS wird mit vier Triebwerken vom Typ RL10 ausgerüstet. Die Entwicklungsgeschichte der RL10-Triebwerke reicht noch weiter zurück als die der RS-25-Triebwerke, die als Haupttriebwerke des Space Shuttle das Licht der Welt erblickten. RL10-Agregate werden Jahrzehnten in Centaur-Oberstufen auf Atlas-Raketen eingesetzt. In einem Cluster von sechs Triebwerken fand sie Verwendung in der zweiten S-IV genannten Stufe der Saturn I mit Flügen von 1963 bis 1965.

Der Test vom 19. Oktober 2017 wurden nach Angaben der NASA von über 1.500 Besuchern in Stennis im Rahmen eines Tages der offenen Tür vor Ort beobachtet.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Aerojet Rocketdyne, NASA)


» Russland: Sojus-Start mit GloNaSS-M 752
28.09.2017 - Am 22. September 2017 startete von Plessezk im Norden Russlands eine Rakete vom Typ Sojus-2.1b mit einem Navigationssatelliten an Bord. Letzterer wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums auf der vorgesehenen Erdumlaufbahn ausgesetzt und mit der Tarnbezeichnung Kosmos 2.522 versehen.
Der Start der Sojus-2.1b Typ 14A14-1B vom ZSKB-Progress mit Lawotschkins Fregat-M-Oberstufe Typ 14S44 und der Nutzlastverkleidung Typ 14S737 erfolgte von der Rampe 4 des Startkomplex 43 in Plessezk. Exakte Startzeit war 03:02 Uhr und 32 Sekunden Moskauer Zeit (00:02 Uhr und 32 Sekunden Weltzeit / UTC).

Gegen 03:06 Uhr Moskauer Zeit (00:06 Uhr UTC) wurde die Rakete mit ihrer Nutzlast im Fluge vom Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum der russischen Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau erfasst. Um 03:12 Uhr Moskauer Zeit (00:12 Uhr UTC) trennte sich die Orbitaleinheit der Rakete aus Fregat-M-Oberstufe und der Nutzlast nach rund acht Minuten Flug von der zweiten - oder je nach Zählweisen dritten - Stufe der Sojus-2.1b.

Die Fregat-M-Oberstufe hatte anschließend für das Erreichen des Zielorbits zu sorgen. Das gelang offenbar wie vorgesehen. Eine erste Brennphase stellte zunächst den Übergang in eine stabile Parkbahn sicher, die zweite Brennphase bewirkte eine Bahn mit einem erdfernsten Bahnpunkt im Bereich des anvisierten Absetzorbits, und die dritte Brennphase führte schließlich zur Ausbildung einer annähernden Kreisbahn. Nach Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung wurde die von der Oberstufe ausgesetzte Nutzlast, der Navigationssatellit, auf einem 64,8 Grad gegen den Erdäquator geneigten Orbit mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt von rund 19.131 Kilometern und einem erdfernsten Bahnpunkt von rund 19.165 Kilometern über der Erde beobachtet. Für einen Erdumlauf benötigt der Satellit auf dieser Bahn etwa 676,2 Minuten.

Nach dem Aussetzen des Navigationssatelliten sollte sich die Oberstufe noch in einen ausreichenden Sicherheitsabstand zur Bahn des Satelliten bringen. Eine Anzahl von Manövern sollten für einen Oberstufen-Orbit rund 19.200 Kilometer über der Erde sorgen. Nach Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung wurde die Oberstufe zwischenzeitlich auf einem 64,8 Grad gegen den Erdäquator geneigten Orbit mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt von rund 19.264 Kilometern und einem erdfernsten Bahnpunkt von rund 19.668 Kilometern über der Erde beobachtet. Für einen Erdumlauf benötigt die Oberstufe auf dieser Bahn etwa 688,9 Minuten.

Das GloNaSS-Kontrollzentrum gab mit Datum vom 22. September 2017 bekannt, die Inbetriebnahmephase von GloNaSS-M 752 im Slot 14 der Ebene 2 der GloNaSS-Konstellation habe am 22. September 2017 begonnen. Am 20. Oktober 2017 wolle man den neuen Satelliten dann ins Betriebsnetz integrieren.

GloNaSS-M 752 ist ein Produkt von Reschetnjow Informational Satellite Systems in Schelesnogorsk bei Krasnojarsk in Sibirien. Der Erdtrabant ist einer von neun zuvor am Boden vorgehaltenen Reservesatelliten. Seine Fertigstellung erfolgte vor über zwei Jahren. Er ist laut Reschetnjow Ersatz für einen Satelliten, der nach dem Überschreiten seiner Auslegungsbetriebsdauer um das anderthalbfache außer Dienst gestellt wird.

Nach Angaben von Reschetnjow sind am Boden jetzt noch sechs Reservesatelliten vom Typ GloNaSS-M vorrätig. Den Satelliten dieses Typs spricht sein Hersteller eine Auslegungsbetriebsdauer von sieben Jahren zu. Die Geräte mit dem Erzeugniscode 14F113 und einer Startmasse von mindestens 1.415 Kilogramm haben jeweils drei Cäsium-Atomuhren an Bord. Wesentliche Komponenten der Raumfahrzeuge befinden sich innerhalb eines großen zentralen druckbeaufschlagten Gerätebehälters.

Außen an GloNaSS-M 752 dürften Teile eines Laserkommunikationsterminals, Intersatellite laser navigation and communication system (ISLNCS / Russisch: МЛНСС für Межспутниковая лазерная навигационно связная система) genannt, montiert sein. Die Tageszeitung Iswestija berichtete in ihrer Internetausgabe, dass der Satellit eine experimentelle Laserkommunikationsnutzlast trage. Es diene dem Test von Systemen zur Gewinnung von Navigationsdaten und der Kommunikation zwischen zwei Raumfahrzeugen.

Der erste mit einem entsprechenden Laserkommunikationsterminal ausgestattete GloNaSS-Satellit ist laut Iswestija ein im Mai 2016 gestarteter. Bei letzterem handelt es sich um GloNaSS-M 753 (NORAD-Nr. 41.554, COSPAR, 2016-032A), der aktuell Slot 11 in der Ebene 2 der GloNaSS-Konstellation besetzt.

Pro Satellit wird von russischem Territorium aus üblicherweise etwa alle zwölf Stunden eine exakte Positionsbestimmung des sich bewegenden Raumfahrzeugs zum konkreten Zeitpunkt vorgenommen, wenn der betreffende Satellit sich über Russland befindet. Zwischen zwei Messungen wird die Bahn des Satelliten von zahlreichen Faktoren, beispielsweise durch Anziehung durch Mond und Erde sowie den Sonnenwind, beeinflusst. Mathematische Modelle dieser Einflüsse erlauben nur eine begrenzte Genauigkeit bei der Berechnung der Postion des Satelliten im Zeitraum zwischen zwei messtechnisch vorgenommenen Positionsbestimmungen.

Eine Verdopplung der Zahl der täglichen messtechnischen Positionsbestimmungen könnte nach Angaben der Iswestija den Fehler bei der kalkulatorisch vorgenommen Positionsbestimmungen halbieren. Ein Kontakt mit einer Bodenstation in Russland durch einen von zwei untereinander mittels Laserlicht verbundenen Satelliten könnte eine verbesserte Positionsberechnung für den zweiten Satelliten erlauben, da sich der Abstand zwischen den zwei Satelliten per Laserlicht sehr exakt messen lässt. Dieses Vorgehen könnte den Nachteil Russlands, beim Betrieb von GloNaSS nicht auf ein globales Netz aus Meß-, Steuer- und Überwachungsstationen zurückgreifen zu können, mildern.

Die Iswestija berichtete, es sei geplant, dass die beiden GloNaSS-M-Satelliten beim Test des Lasermess- und Kommunikationssystems alle zwei Minuten den Abstand untereinander ermitteln und die Zeitreferenz abgleichen sollen. Nach Angaben der wissenschaftlichen Produktionskooperative für den Bau von Präzisionsinstrumenten (JSC NPK ’SPP’) beträgt der maximale projektierte Messfehler bei der Bestimmung des Abstands zwischen zwei Satelliten drei Zentimeter. Die Zeitbasen von zwei Raumfahrzeugen sollen nicht mehr als eine Nanosekunde auseinanderlaufen, der Fehler bei ihrer Bestimmung soll 0,1 Nanosekunden nicht überschreiten.

Kommende Satelliten aus der GloNaSS-K2-Reihe sollen serienmäßig mit einem Lasermess- und Kommunikationssystem ausgestattet werden. Die NPK ’SPP’ wurde beauftragt, 14 entsprechende Systeme, die eine maximale Datenrate von 50 Kilobit pro Sekunde (kbit /s) ermöglichen sollen, herzustellen. Außerdem wurde das Unternehmen auch mit der passenden Ausstattung von Bodenstationen betraut.

Der erster Start eines GloNaSS-K2 (auf einer Sojus-2.1b-Rakete mit Fregat-M-Oberstufe von Plessezk aus) wird derzeit für das Jahr 2019 erwartet. Die verbliebenen GloNaSS-M-Satelliten werden bedarfsweise gestartet, um gegebenenfalls Ausfälle gleichartiger Satelliten zu kompensieren. Die Produktion von GloNaSS-M-Satelliten hat Reschetnjow gemäß einer Mitteilung mit Datum vom 30. Juli 2015 bereits eingestellt.

GloNaSS-M 752 alias Kosmos 2.522 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.939 und als COSPAR-Objekt 2017-055A. Die Fregat-M-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 42.940 und als COSPAR-Objekt 2017-055B.


(Autor: Axel Nantes - Quelle: glonass-iac.ru, Iswestija, NPK ’SPP’, Reschetnjow, Roskosmos, Russisches Verteidigungsministerium, ZSKB Progress)


» Elon Musk geht volles Risiko ein
29.09.2017 - Elon Musk hat auf dem International Astronautical Congress (IAC) in Australien sein neues Mars-Konzept vorgestellt. Das Transportsystem soll nicht nur zu Mond & Mars fliegen können, sondern auch Punkt-zu-Punkt Transport auf der Erde bieten. Um seine Ziele schnell zu erreichen, geht Elon Musk volles Risiko.
"One more thing", das kannte man von Präsentationen von Ex-Apple-Chef Steve Jobs. SpaceX-Chef Elon Musk hat sich bei seiner Präsentation beim diesjährigen IAC offenbar von Jobs inspirieren lassen und kurz vor dem Ende der Präsentation noch eine kleine Bombe platzen lassen: Mit seinem Transportsystem will er nicht nur Mond & Mars erreichen, sondern auch Punkt-zu-Punkt-Transport auf der Erde bieten - und das mit Rekordreisezeiten.

Doch der Reihe nach: Letztes Jahr hat Elon Musk auf dem IAC in Mexiko seinen ersten Entwurf präsentiert. Dieses Jahr hat er den Entwurf aktualisiert. Das Transportsystem, das aus der Booststufe BFR (Big Falcon Rocket) und dem Raumschiff BFS (Big Falcon Spacecraft) besteht, benutzt Methan als Treibstoff und flüssigen Sauerstoff als Oxidator.

Ursprünglich hieß das System MCT (Mars Collony Transport), dann ITS (Interplanetary Transport System). Diese Namen wurden jedoch inzwischen wieder verworfen.

Angetrieben wird es von mehreren Raptor-Triebwerken, 31 in der Booststufe und 6 im Raumschiff. Im Gegensatz zu 2016 hat sich der Durchmesser im neuen Entwurf von 12 auf 9 Meter reduziert, die Rakete ist jetzt auch von der Höhe her etwas kleiner als die ehemalige US-amerikanische Saturn V.

Das Raptor-Triebwerk hat in der Vakuum-Version einen Schub von 1.900 kN und einen spezifischen Impuls von 375s, in der Atmosphärenversion einen Schub von 1.700 kN bei einem spezifischen Impuls von 330s. Der Brennkammerdruck beträgt 250 bar. Nach eigener Aussage hat SpaceX einen Raptor-Prototyp bereits für 1.200 Sekunden in 42 Prüfstandversuchen getestet, dabei dauerte der längste Test 100 Sekunden.

Das Transportsystem - das derzeit noch keinen Gesamtnamen hat - kann bei voller Wiederverwendung 150 Tonnen in den niedrigen Erdorbit bringen. Das Raumschiff wiegt dabei leer 85 Tonnen und kann 1.100 Tonnen Treibstoff laden. Es hat eine Länge von 48 Metern. Der Innenraum beträgt 825 m³ und ist damit größer als der des Langstreckenjets Airbus A380.

Business Case

Damit sich der Betrieb eines so großen Systems rentiert, will SpaceX die Falcon 9, die Falcon Heavy und das Dragon-Raumschiff durch dieses System komplett ersetzen. Das System soll also auch Satelliten transportieren, Nutzlast & Crew zur ISS bringen und darüber hinaus Exploration jenseits des Erdorbits zu Mond und Mars ermöglichen.

Dazu soll die Produktion von F9, FH & Dragon in den kommenden Jahren heruntergefahren und schließlich eingestellt werden. In einer Übergangszeit möchte man keine F9-Erststufen mehr produzieren, sondern bereits geflogene wiederverwenden.

Die Dragon-1-Produktion ist bereits stillgelegt, es werden nur noch bereits geflogene wiederaufbereitet. Lediglich die F9-Oberstufe muss man weiterproduzieren, da diese beim Start verloren geht.

Der frei gewordene Platz im SpaceX-Hauptquartier in Kalifornien soll dann für die Produktion des neuen Transportsystems eingesetzt werden. Bereits im zweiten Quartal 2018 will SpaceX den Bau des ersten Exemplars beginnen.

Wenn die Produktionsanlagen für die Falcon 9 erstmal entfernt sind, dürften diese nicht so schnell wiederaufgebaut werden können. Der Plan beinhaltet also ein reelles Risiko. Bei Problemen mit der Entwicklung des Mars-Systems kann es dann schnell sehr teuer werden.

Um zum Mond zu kommen, muss das System im Erdorbit wieder aufgetankt werden. Wenn es in einem elliptischen Erdoribt mit ausreichend hohem Apogäum aufgetankt wird, kann das System auf dem Mond landen und danach wieder zurück zur Erde fliegen, ohne unterwegs noch einmal auftanken zu müssen.

Beim Flug zum Mars muss das System ebenfalls im Erdorbit durch Tanker versorgt werden, eine Rückkehr zur Erde ist aber nur möglich, wenn es auch auf dem Mars wieder aufgetankt wird.

Musk hofft darauf in 2022 - also bereits in 5 Jahren - die ersten beiden unbemannten Raumschiffe Richtung Mars schicken zu können. Und schon zwei Jahre später - 2024 - soll der erste bemannte Start erfolgen.

Punkt-zu-Punkt-Transport

Am Schluss ließ Elon Musk dann noch die Bombe platzen, dass er auch den Transport von Menschen auf der Erde - z.B. von New York nach Shanghai - mit dem Transportsystem für möglich hält. Dabei soll die Rakete von einer Plattform draußen auf dem Meer starten und z.B. vor der Küste von Shanghai landen. Auf mögliche rechtliche, politische oder umwelttechnische Probleme ist Musk in seiner Präsentation nicht eingegangen.

Nach seiner Präsentation postete Musk noch auf Twitter, dass der Flug von New York nach Shanghai nicht teurer sein soll als der volle Preis in der Economy-Klasse eines Passagierflugzeuges.

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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX)



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