InSpace Magazin #554 vom 7. März 2016

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #554
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> ISS Aktuell:
Progress-M 29M hob ISS-Bahn am 17. Februar 2016 an

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

vor kurzem wurde die ein knappes Jahr dauernde Langzeitmission auf der ISS beendet, welche als Vorbereitung für einen Flug zum Mars dienen soll. Anhand der Auswirkungen des langen Aufenthalts in der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper will man feststellen, ob besondere Anforderungen an Marsraumschiffe notwendig sind.

In der aktuellen Ausgabe finden Sie unter Anderem Infors zum Ende der Mission sowie zu vielen Raketenstarts und natürlich zu allem möglichem weiteren aus Raumfahrt und Astronomie.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen

Simon Plasger

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• Falcon-9-Starts für Telstar 18V und 19V gebucht «mehr» «online»
• Ein neuer Stern am Himmel? «mehr» «online»
• Raumfahrt: Wäre Indien weiter? «mehr» «online»
• SpaceX startet SES-9 «mehr» «online»
• EM-1: Die Druckkabine ist fertig «mehr» «online»
• Airbus beteiligt sich an Internet-Satelliten-Projekt «mehr» «online»
• Navigationssatellit vom Typ GloNaSS-M gestartet «mehr» «online»
• Sekundäre Nutzlasten für EM-1 vorgestellt «mehr» «online»
• Nordkorea startet Kwangmyongsong 4 auf Unha-3 «mehr» «online»
• Copernicus: TAS baut Sentinel 3C und 3D für die ESA «mehr» «online»
• Gravitationswellen erstmals direkt nachgewiesen «mehr» «online»
• ViaSat bucht Starts bei Arianespace «mehr» «online»
• Cosmonauts: Birth of the Space Age «mehr» «online»
• GloNaSS nach Satellitenausfall mit Umstellungen «mehr» «online»
• Japan: Kleinere Schüssel, bessere Verstärkung «mehr» «online»
• Neue ESA-Antenne in Australien eingeweiht «mehr» «online»
• Sojus 29: Zwischenhalt am Boden «mehr» «online»
• Russland: Kwangmyongsong 4 aus Nordkorea arbeitet «mehr» «online»
• Indien: Industrie soll PSLV bauen und starten «mehr» «online»


» Falcon-9-Starts für Telstar 18V und 19V gebucht
01.03.2016 - Ende Februar 2016 wurde bekannt, dass die beiden Telekommunikationssatelliten Telstar 18V und 19V für ihren kanadischen Betreiber Telesat durch Falcon-9-Raketen von SpaceX in den Weltraum transportiert werden sollen.
Welche Variante der Falcon 9 für die für das Jahr 2018 geplanten Starts vorgesehen ist, teile Telesat im Rahmen einer Bekanntgabe von Zahlen zur Unternehmensentwicklung nicht mit. Auf Fragen zu Einzelheiten der Startaufträge an SpaceX ging ein Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Ottawa nicht ein.

Die Startaufträge für Telstar 18 VANTAGE und 19 VANTAGE alias Telstar 18V und 19V, welche beide von Space Systems/Loral aus Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien basierend auf dem Satellitenbus 1300 gebaut werden, waren bereits 2015 erteilt worden. Dass SpaceX aus den Vereinigten Saaten von Amerika der Auftragnehmer ist, berichtete Telesat erst im Rahmen der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen für 2015.

Nach einem erfolgreichen Start möchte Telesat Telstar 18V bei 138 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) positionieren. Von dort aus soll der Satellit mit einer Auslegungsbetriebsdauer von über 15 Jahren im Ku-Band-Bereich die Versorgung der für Telesat wachsenden Märkte in China, in der Mongolei, in Südostasien und in der Pazifik-Region sicherstellen. Große Regionen Asiens mit Indien und Pakistan im Westen bis Hawaii im Osten will man via Telstar 18V im C-Band-Bereich versorgen und damit auch direkte Verbindungen zwischen beliebigen Standorten in Asien und solchen auf den amerikanischen Kontinenten ermöglichen.

Die APT Satellite Company Ltd. (APT Satellite alias APSTAR), ein chinesischer Kommunikationssatellitenbetreiber mit Sitz in Hongkong, beteiligt sich finanziell mit über 50% an der Realisierung von Telstar 18V. Der Satellit wird im Netz von APSTAR als APStar 5C zum Einsatz kommen und die Nachfolge von APStar 5 alias Telstar 18 antreten.

Telstar 18 befindet sich seit dem 29. Juni 2004 im All, seine Auslegungsbetriebsdauer beträgt 13 Jahre. Lässt sich der derzeitige Plan wie vorgesehen umsetzen, ließe sich der alte Satellit also mehr oder weniger rechtzeitig ablösen. Telstar 18 befand sich wegen eines Fehlers der Trägerrakete vom Typ Zenit unmittelbar nach seinem Aussetzen im All auf einer zu niedrigen Umlaufbahn. Mit den Bordtriebwerken von Telstar 18 konnte der Mangel an Flughöhe auf Kosten einer größeren Menge verbrauchten Treibstoffs ausgeglichen werden und Telesat war es möglich, den Satelliten an der vorgesehen Position zu betreiben. Bereits verbrauchter Treibstoff reduzierte allerdings die Menge, die für im Verlauf der Betriebszeit des Satelliten regelmäßig durchzuführende Manöver zur Verfügung stand.

Telstar 19V, Auslegungsbetriebsdauer wie bei Telstar 18V mehr als 15 Jahre, ist dazu gedacht, im GEO an einer Position von 63 Grad West in Kolokation mit Telstar 14R an der Versorgung der beiden amerikanischen Kontinente mitzuwirken. Telstar 14R alias Estrela do Sul 2 kreist seit seinem Start auf einer Proton-Rakete im Jahr 2011 um die Erde.

Im Ka-Band-Bereich will Hughes Network Systems LLC (Hughes) Kapazitäten von Telstar 19V verwenden, um Empfänger in Südamerika zu erreichen. Mit der Ka-Band-Nutzlast des Satelliten werden außerdem Nutzer im Norden Kanadas, der Karibik und im Gebiet des Nordatlantik adressiert. Für letzteres soll Telstar 19V auch eine Versorgung im Ku-Band-Bereich ermöglichen. Signale im Ku-Band von Telstar 19V sind außerdem Empfängern in den Anden und in Brasilien gewidmet.

Verwandte Meldungen zu Telesat bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Telesat)


» Ein neuer Stern am Himmel?
03.03.2016 - Mayak (Leuchtfeuer) heißt ein CubeSat, den eine Gruppe russischer Raumfahrtenthusiasten Mitte diesen Jahres ins All schicken möchte. Er soll Sonnenlicht reflektieren und heller sein als Sirius, der hellste Stern.
Ein Projekt der besonderen Art hat eine Gruppe junger Ingenieure von der Moscow University of Mechanical Engineering ins Leben gerufen: Der 3-Unit CubeSat Mayak (etwa 34x10x10 cm3 groß) soll von einem Sonnensynchronen Orbit aus eine Pyramide aus Polymer entfalten, die das Licht der Sonne auf die Erde reflektieren soll, um ein künstlicher Stern zu werden. Über die tatsächliche Helligkeit gibt es verschiedene Aussagen. Nach Angabe der Entwickler soll der Satellit von der Erde aus so hell wie der Mond erscheinen. Andere Rechnungen bescheinigen ihm lediglich eine Helligkeit, die ähnlich groß wie die der Venus ist.

Was ist nun das Ziel einer solchen Mission? Das Primärziel ist es, junge Menschen durch den weithin sichtbaren künstlichen Stern für die Raumfahrt zu begeistern. Weiterhin soll gezeigt werden, dass sich Raumfahrtprojekte inzwischen auch in einer nichtstaatlichen Gruppe von Privatpersonen umsetzen lassen. Das Ziel, den Satelliten zu einem großen Teil über Crowdfunding zu finanzieren, wurde bereits erreicht: auf der Plattform Boomstarter, dem russischen Pendant zu Kickstarter, konnte das Team bisher umgerechnet 23.000 € einwerben und hat damit die angestrebten 18.000 € bereits überboten. Auch einige Sponsoren konnten von dem Vorhaben überzeugt werden.

Ein weiteres Ziel ist es, ein Dragsail zu testen, um Satelliten ohne eingenen Antrieb aus einem Orbit zu entfernen. Das Dragsail soll für Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 100 kg für einen Orbit in 600 km Höhe ausgelegt werden und wäre damit auch für größere Satelliten eine Anwendungsmöglichkeit. Dies ist insbesondere bedeutsam, da der sonnensynchrone Orbit als besonders von Weltraumschrott betroffen gilt. Es ist zu befürchten, dass hier die Verschmutzung schon so weit fortgeschritten ist, dass sich bald das gefürchtete Kessler-Syndrom einstellen könnte: Zusammenstoßende Schrottteile lösen eine Kettenreaktion aus, in der immer mehr Schrott entsteht und schließlich den Orbit unbrauchbar macht. Zwar lässt sich mit einem solchen Dragsail der Weltraumschrott nicht abbauen, an Satelliten angebracht könnte es aber verhindern, dass sich noch mehr Schrott ansammelt.

Erste Systeme wurden bereits auf einem Höhenballon in der Stratosphäre getestet. Nun stehen Bodentests an, in denen nachgewiesen werden soll, dass Mayak den Start- und Weltraumbedingungen trotzen kann.

Der Reflektor ist eine Polymerfolie, die nach Aussage der Designer 20-mal dünner als ein menschliches Haar ist und eine Fläche von 16 Quadratmetern aufweist. Zwei Gasgeneratoren sind an Bord, die aus dem Zerfall von Ammoniumkarbonat Kohlendioxid, Wasser und Ammoniak erzeugen. Der erste Generator wird dazu verwendet, den Reflektor zu entfalten: Hierzu wird das entstandene Gas in das aufblasbare Gerüst des Reflektors geleitet. Der Inhalt des zweiten Gasgenerators wird dazu verwendet, den Satelliten in Drehung zu versetzen, um eine Spinstabilisierung zu erhalten.

Der Start auf einer Sojus-Fregat-Rakete ist für Mitte 2016 geplant, ein entsprechender Vertrag wurde bereits unterschrieben. Mayak ist bei diesem Flug die Sekundärnutzlast. Als Primärnutzlast wird Canopus-B-IR geflogen, ein Erdbeobachtungssatellit, der Waldbrände beobachten soll.

Die Idee, mit Hilfe eines Satelliten Licht zur Erde zurück zu reflektieren, ist keineswegs neu. Hermann Oberth, ein geistiger Vater der Raumfahrt, schlug einen Reflektor bereits in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts vor. 1993 wurde mit Znamya 2 ein entfaltbarer Spiegel mit 20 m Durchmesser getestet, der von der Erde so hell wie der Vollmond erschien. Nachdem der Nachfolger Znamya 2.5 bei der Entfaltung versagte, wurde das Projekt jedoch eingestellt.

Wer einen Vorgeschmack auf den zu beobachtenden Satelliten haben möchte, sollte in klaren Nächten nach der Internationalen Raumstation und Iridium-Satelliten Ausschau halten. Letztere können mit Magnituden von bis zu -9 besonders hell werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Viktoria Schöneich - Quelle: boomstarter.ru)


» Raumfahrt: Wäre Indien weiter?
04.03.2016 - S. Nambi Narayanan ist sich sicher: Wäre das indische Raumfahrtprogramm nicht aktiv behindert worden, wäre es heute deutlich weiter. Verantwortlich für die Behinderungen macht Nambi Narayanan indische und ausländische Behörden und Geheimdienste.
S. Nambi Narayanan war als Projekt-Direktor zur Entwicklung von Flüssigkeitstriebwerken bei der indischen Weltraumforschungsorganisation (Indian Space Research Organisation, ISRO) beschäftigt. In den 1980er Jahren kümmerte er sich um die Einführung der entsprechenden Technologie in Indien.

Die Raketenmotore vom Typ Vikas, die in den indischen Raketen der Reihen PSLV und GSLV regelmäßig zum Einsatz kommen, sind Ergebnis der Arbeit von Nambi Narayanan, bei der er und seine Mitarbeiter maßgebliche Unterstürzung aus Frankreich erhielten. Die Vikas-Triebwerke sind Varianten der europäischerseits früher in Ariane-Raketen verwendeten Viking-Motore.

Für den Einsatz in Raketen vom Typ GSLV hatte die ISRO außerdem den Einsatz kryogener, also flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennender Triebwerke vorgesehen. Der Entwicklung entsprechender Raketenmotore nahm sich Nambi Narayanan ebenfalls an. 1991 vereinbarte er im Auftrag der ISRO mit dem russischen Staatsunternehmen Glawkosmos, das für internationale Projekte im Raumfahrtbereich zuständig ist, einen russisch-indischen Technologietransfer.

Der Transfer von Wissen um den Bau kryogener Triebwerke verlief dann aber nicht so wie erwartet. 1993 gab Glawkosmos Druck aus den Vereinigten Staaten von Amerika nach und lehnte die Erfüllung des verabredeten Vertrags endgültig ab. Eine als Alternative organisierte Produktion russischer Triebwerke bei einem Industrieunternehmen in Indien ohne unmittelbare Beteiligung durch die ISRO kam ebenfalls nicht zu Stande.

Zwischenzeitlich war es Nambi Narayanan laut eigener Auskunft aber gelungen, in den Besitz von Material und Dokumenten aus Russland zu gelangen. Seinen Angaben zufolge gab es vier Lufttransporte aus Russland an Indien, die von einer privaten Fluglinie mit dem Namen Ural Aviation abgewickelt worden seien.

Im November 1994 wurde Nambi Narayanan verhaftet. Man warf im vor, Geheimnisse zur indischen Raketenentwicklung an Pakistan verraten zu haben. Dazu habe er sich angeblich zweier vermeintlicher Spioninnen von den Malediven (Fauzia Hassan und Mariam Rasheeda) bedient. In der Folge kam die Entwicklung kryogener Antriebstechnologie in Indien faktisch kaum noch voran.

Einem Korrespondenten berichtete Nambi Narayanan einer Meldung des indischen Informations- und Kommunikationstechnik-Anbieters Sify zufolge, eine Annullierung des Vertrags mit Glawkosmos und seine Verhaftung seien Punkte einer US-amerikanischen Agenda gewesen, und mit Hilfe offizieller Stellen aus Indien, dem IB für Intelligence Bureau genannten indischen Geheimdienst und der Polizei des indischen Bundesstaats Kerala, umgesetzt worden.

Als Beweis für die erforderliche Verschwörung betrachtet Nambi Narayanan die 1996 erfolgte Suspendierung eines IB-Geheimdienstlers mit Direktoren-Rang, dem enge Verbindungen zum US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA nachgesagt worden seien.

1996 war auch das Jahr, in dem die indische Bundespolizeibehörde namens Central Bureau of Investigations (CBI) im Rahmen einer Untersuchung des vermeintlichen ISRO-Spionagefalls zum Schluss kam, dass ein solcher in Wirklichkeit nie existierte und ausschließlich auf Erfindungen von IB und Polizei aus Kerala zurückzuführen sei.

1998 schlossen sich der oberste Gerichtshof Indiens und die Ende 1993 gegründete nationale indische Kommission für Menschenrechte (National Human Rights Commission, NHRC) der Einschätzung der CBI an.

Die NHRC beschied der Regierung des indischen Bundesstaates Kerala außerdem, neben der Anwendung physischer und psychischer Gewalt gegen Nambi Narayanan und seine Familie die Kariere von Nambi Narayanan im Raumfahrtsektor nachhaltig zerstört zu haben.

Der indisch-asiatischen Nachrichtenagentur (Indo-Asian News Service, IANS) erklärte Nambi Narayanan, Indien habe wegen der Verschwörung einen Einnahmeausfall von mehreren Milliarden Dollar wegen nicht möglicher Raketenstarts für kommerzielle Kunden zu verkraften und sei wegen der Verschwörung mindestens zwölf Jahre hinter dem zurück, was man eigentlich hätte erreichen können.

Die Verzögerungen beim Transport von Nutzlasten jenseits einer Startmasse um 2 Tonnen sind augenfällig. Beispielsweise liegen zahlreiche Projekte für größere indische geostationäre Kommunikationssatelliten deutlich hinter den ursprünglichen Planungen zurück. Verschiedentlich sah die ISRO sich veranlasst, Starts im Ausland zu buchen. Dabei konnte sie insbesondere auf gute Beziehungen zum europäischen Startanbieter Arianespace zurückgreifen.

Enttäuscht zeigte sich Nambi Narayanan, dass sich niemand mit den Motiven der Verschwörer beschäftige und Beteiligte, die ihre Dienstpostionen offensichtlich missbraucht hätten, nicht bestraft worden seien. Nambi Narayanan fordert von der Regierung Indiens die Bildung einer speziellen Untersuchungskommission zur völligen Aufklärung des vermeintlichen ISRO-Spionagefalls.

Der mittlerweile 75 jährige Raketentechniker hatte vor über 20 Jahren den Grundstein für Entwicklungsfortschritte gelegt, die die ISRO - zuletzt mit einem erfolgreichen Test eines kryogenen Triebwerks vom Typ CE-20 mit einem projektierten Schub von 186 Kilonewton für die Rakete GSLV MkIII - zeigte.

Jetzt verbringt Nambi Narayanan einen großen Teil seiner Zeit mit dem Durchfechten von Gerichtsverfahren. Die Regierung von Bundesstaat und Nation hat er auf Ersatz erlittenen Schadens verklagt. Gegen Polizeibeamte, die gegen ihn und seine Angehörigen vorgingen, will er ebenfalls Verfahren anstrengen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: IANS, ISRO, Sify)


» SpaceX startet SES-9
05.03.2016 - SpaceX hat erfolgreich den Satelliten SES-9 für SES aus Luxemburg gestartet. Trotz der hohen Performanceanforderungen für SES-9 schaffte es die erste Stufe zur Seeplattform, allerdings war der finale Landeanflug nicht erfolgreich.
Start von SES-9
Am Samstag den 05.03.2016 um 00:35 MEZ ist eine Falcon 9-Rakete von SpaceX mit dem Kommunikationssatelliten SES-9 gestartet. Der Start erfolgte von Startplatz 40 auf der Cape Canaveral Airforce Station. Die Stufentrennung erfolgte nach 2 Minuten und 40 Sekunden, kurz darauf zündete die zweite Stufe für ca. 7 Minuten und brachte das Gespann Oberstufe und Satellit in einen Parkorbit. 27 Minuten nach dem Start erfolgte eine zweite Brennphase der Oberstufe, die SES-9 auf einen leicht supersynchronen geostationären Transferorbit mit einem Apogäum von über 36.000 km katapultierte. Der Zielorbit hatte ein Perigäum von 290 km, ein Apogäum von 40.600 km und eine Inklination von 28°. Einige Stunden nach dem Start wurden Oberstufe und Satellit in folgenden Orbits getrackt:
2016-013A/41380 in 334 x 40.648 km x 27.96°
2016-013B/41381 in 323 x 40.654 km x 27.95°

Bei dieser Mission wurde die Programmierung der Oberstufe geändert. Anstatt einen bestimmten Orbit anzufliegen, beschleunigt die Oberstufe solange bis der Treibstoff alle ist. Auf diese Weise soll der komplette Treibstoff verbraucht werden, die Brennzeit der Oberstufe verlängert sich um wenige Sekunden. Da bei Brennschluss die Beschleunigung am höchsten ist, wird so trotzdem noch ein deutliches Plus an Geschwindigkeit erzielt und das Apogäum stieg von 26.000 km auf 40.600 km.

Die Satellitenmasse von SES-9 ist mit 5.271 kg fast 400 kg schwerer als die von SpaceX auf der Firmenwebseite beworbene maximale Performance der Falcon 9 für einen geostationären Transferorbit bei 28° Inklination. Dazu kommt noch der für die Seeplattformlandung reservierte Treibstoff der Hauptstufe, sodass die Rakete in einer "Wegwerfvariante" über 6 Tonnen in einen GTO bei 28° Inklination liefern dürfte.

SES-9 ist ein Kommunikationssatellit für SES, der von Boeing gebaut wurde. Er verfügt sowohl über ein chemisches als auch ein elektrisches Antriebssystem. SES-9 soll eine Position bei 108,2° Ost im geostationären Orbit einnehmen, von wo er Fernsehen und andere Dienste für den Großraum Asien liefern soll. Der Satellit hat eine Masse 5.271 kg, eine elektrische Leistung von 12,7 kW und verfügt über 57 Ku-Band Transponder.

Landung auf der Seeplattform
Bei diesem Start wurde ebenfalls ein Landeversuch auf der Seeplattform (offiziell " autonomous spaceport droneship", kurz ASDS) mit dem Namen "Of course I still love you", kurz OCISLY, durchgeführt. Dazu flog die erste Stufe der Falcon 9 nach der Stufentrennung eine Reihe von Manövern, die sie auf Landekurs auf die Seeplattform brachten.

Aufgrund der hohen Performanceanforderungen an diese Mission wurde der finale Brennvorgang für die Landung auf dem Drohnenschiff mit drei Triebwerken durchgeführt, was zu einer kurzen, starken Abbremsung führt. Wie im Webcast live zu sehen war, schaffte es die Rakete zur Seeplattform. Der finale Landeanflug ist aber offenbar nicht geglückt.

Elon Musk spricht in einem Tweet von einer harten Landung. Dies hatte Musk aber offenbar erwartet, es gab nur wenige Treibstoffreserven um die Stufe vor dem Wiedereintritt abzubremsen, sodass sich die Stufe zusehr aufgeheizt hat und eine erfolgreiche Landung nicht mehr möglich war.

Um auf der Seeplattform landen zu können, verfügt die erste Stufe über einen eigenen Flugcomputer, Landebeine, Kaltgasdüsen für die Steuerung im Vakuum, Gridfins für die Steuerung in der Atmosphäre und eine extra Ladung TEA-TEB (Triethylaluminium-Triethylboran, Zündmittel) um drei Triebwerke mehrmals zu zünden.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, NSF, reddit)


» EM-1: Die Druckkabine ist fertig
05.03.2016 - Ein wichtiger Meilenstein im Processing von EM-1, dem ersten Flug des neuen amerikanischen Orion-Raumschiffs zum Mond, wurde vor Kurzem erreicht: Die Druckkabine der Raumkapsel wurde fertiggestellt. Auch wird ein Testartikel des europäischen Servicemoduls nun zahlreichen Belastungstests ausgesetzt.
Es war ein wichtiger Schritt auf der von der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur NASA oft verkündeten „Journey to Mars“: Die Druckkabine des Orion-Raumschiffs wurde am 13. Januar 2016 fertiggestellt. Orion- das ist das neue Raumschiff der NASA, mit dem erstmals wieder Menschen zu Zielen jenseits des niedrigen Erdorbits aufbrechen werden. Die Druckkabine ist dabei die Hauptstruktur der Raumkapsel, an der alle weiteren Systeme angebracht sind. Sie wird als einziges Element mit Luft unter Normaldruck befüllt sein, weshalb sich in ihrem Innenraum die Astronauten bei späteren bemannten Flügen aufhalten werden.

Der Bau dieser Druckkabine gestaltete sich als nicht gerade einfach. Sieben große Einzelteile aus einer Aluminium-Lithium Legierung mussten zu einer fertigen Struktur zusammengeschweißt werden. Beginnend im September 2015 wurden in der Michoud Assembly Facility, einer großen Fertigungshalle der NASA nahe New Orleans, die einzelnen Elemente mithilfe der Methode des sogenannten Rührreibschweißens miteinander verbunden. Dabei handelt es sich um eine spezielle Technologie, bei der das Metall durch einen schnell rotierenden Metallstift zunächst auf einen plastikähnlichen Zustand erhitzt wird, bevor das Metall dann durch Bewegung des Stiftes verteilt wird. So kann eine festere und qualitativ höherwertige Schweißnaht erreicht werden. Durch eine Designänderung konnte das Gewicht der Druckkabine und ihre Bauzeit im Vergleich zu früheren Druckkabinen signifikant reduziert werden.

„Das Team in Michoud hat unglaublich hart gearbeitet, um eine sowohl leichte als auch unglaublich stabile Struktur von Orion herzustellen, die bereit dafür ist, tausende Kilometer hinter den Mond zu fliegen“, sagte Mark Kirasich, der Manager des Orion-Programms. Nach letzten Überprüfungen, Vorbereitungen und einer Pressekonferenz wurde die Druckkabine dann in eine Frachtmaschine vom Typ SuperGuppy geladen. Diese transportierte am 1. Februar 2016 die Druckkabine von New Orleans nach Florida zum Kennedy Space Center (KSC). Nach der Landung wurde die Struktur ausgeladen und zum Neil Armstrong Operations and Checkout Building transportiert. In diesem Gebäude auf dem Gelände des KSC wird Orion in den nächsten zwei Jahren auf seinen Flug vorbereitet und mit den nötigen über 100.000 weiteren Komponenten ausgestattet werden, wie etwa dem Hitzeschild, den Stromleitungen, den Steuertriebwerken oder den Computersystemen.

Diese Mission mit der Bezeichnung Exploration Mission 1 (EM-1) wird es schon gleich in sich haben. Ein noch unbemanntes Orion-Raumschiff startet auf der neuen Schwerlastträgerrakete der NASA, dem Space Launch System, von der Startrampe 39-B des modernisierten Kennedy Space Centers in den Weltraum. Dort in einem niedrigen Erdorbit angekommen, wird die Oberstufe des Space Launch Systems Orion dann auf den Weg zum Mond befördern. Nach einigen Tagen wird Orion 100 Kilometer über die Mondoberfläche fliegen, um die Gravitationskraft des Mondes zu nutzen, um in eine Umlaufbahn 70.000 Kilometer vom Mond entfernt einzuschwenken. In dieser Umlaufbahn mit der Bezeichnung Distant Retrograde Orbit wird Orion sechs Tage bleiben, um dann nach einem weiteren Flyby am Mond wieder zurück zur Erde zu fliegen. Mit 39.000 km/h tritt die Raumkapsel wieder in die Erdatmosphäre ein, um im Pazifischen Ozean zu landen. Diese Mission wird mehr als drei Wochen dauern und ist gegenwärtig für das Jahr 2018 geplant.

Für diese Mission ist freilich ein leistungsfähiges Element nötig, das während des Fluges Orion antreibt und mit Strom, Wasser, Luft, … versorgt. Auch dieses Element befindet sich momentan in Bau, und zwar das Servicemodul des Orion-Raumschiffs. Dieses Servicemodul wird in Europa entwickelt und gebaut, von der Firma Airbus Defence and Space im Auftrag der europäischen Weltraumagentur ESA. Dabei handelt es sich um einen etwa drei Meter hohen und 4,5 Meter durchmessenden Zylinder, der unterhalb der Raumkapsel angebracht ist und auf dem Servicemodul des mittlerweile eingestellten europäischen Raumfrachters ATV basiert. Doch bevor das Modul tatsächlich mit zum Mond fliegt, muss bei Tests geprüft werden, ob es unter anderem den enormen strukturellen Belastungen beim Start standhält.

Dafür wurde ein Testartikel des besagten Servicemoduls in Turin gefertigt und inzwischen zum Bestimmungsort transportiert: Der Space Power Facility in Plum Brooke im US-Bundesstaat Ohio. Dabei handelt es sich um eine Testeinrichtung der NASA, mit der Bedingungen wie bei einem echten Raketenstart simuliert werden können. Am 30. November 2015 ist das Modul angekommen, es wurde inzwischen mit anderen Elementen verbunden, etwa verschiedenen Adaptern und Verkleidungen. Der erste Test der Reihe ist bereits erfolgreich absolviert: Er bestand darin, eines der vier Solarpaneele zu entfalten. Dieses hat eine Spannweite von sieben Metern und soll das Raumschiff eines Tages durch 3.726 einzelne Solarzellen mit Strom versorgen. Als nächstes werden die Elemente des Servicemoduls zunächst einzeln, dann als integrierte Einheit enormen akustischen Belastungen von mindestens 152 Dezibel Schalldruck und 20 bis 10.000 Hertz an Schwingung ausgesetzt, um die Belastungen während des Starts zu simulieren. Zum selben Zweck wird das Servicemodul von Mai bis Juli dann Vibrationstests auf einem speziellen Rütteltisch unterzogen. Im August soll das Absprengen von drei Verkleidungen erprobt werden, die das Modul während des Fluges in der Atmosphäre schützen, aber schließlich von einer Reihe von pyrotechnischen Ladungen abgesprengt werden. Den Abschluss wird ein weiterer Test der Entfaltung der Solarzellen bilden.

Während Orions Flug zum Mond und wieder zurück wird Orion hohe Temperaturunterschiede erfahren, da im Weltraum durch die fehlende Atmosphäre sowohl recht hohe Temperaturen durch Sonneneinstrahlung als auch sehr niedrige Temperaturen herrschen können, wenn sich das Raumschiff im Schatten befindet. Deshalb wurde entschieden, bei zukünftigen Missionen auf die Außenwand der Kapsel eine metallische, silbern glänzende Beschichtung aufzutragen. Diese Beschichtung dient als Isolator: Sie verhindert, dass das Raumschiff zu heiß wird, wenn es auf die Sonne ausgerichtet ist, und verhindert, dass das Raumschiff zu stark abkühlt und dadurch Wärme verliert, wenn es sich im Schatten befindet. So bleibt das Raumschiff während des Fluges in einem Temperaturbereich von -100 bis 288 °C.

Der kritischste Moment während des Fluges wird neben dem Start und dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre die Landung der Raumkapsel im Pazifischen Ozean sein. Dazu wird Orion zunächst von einer Reihe von elf Fallschirmen, die sich nacheinander entfalten, auf etwa 30 km/h abgebremst. Dieses aufwendige Fallschirmsystem wurde bei einem Abwurf eines pfeilförmigen Testkörpers über der Wüste Arizonas am 13. Januar 2016 erneut getestet. Dabei handelte es sich um den 17. und letzten Testabwurf der Testreihe. Ab Juni wird die NASA damit beginnen, das System für bemannte Flüge zu qualifizieren.

Nach dem Flug wird die Raumkapsel an diesen Fallschirmen im Ozean landen. Um zu überprüfen, wie sich Orion bei unterschiedlichen Wellenhöhen und Windgeschwindigkeit dabei verhält, plant die NASA, derartige Wasserlandungen im Langley Research Center zu simulieren. Bei diesen Tests wird ein Mockup der Kapsel in ein großes Wasserbecken fallengelassen.
Der erste entscheidende Schritt als Vorbereitung dieser Tests war es, ein Mockup von Orion mit dem Hitzeschild zu verbinden, der bereits bei dem ersten Testflug EFT-1 geflogen ist. Das gestaltete sich nicht gerade einfach, denn der Hitzeschild war nicht darauf ausgelegt, auf das Mockup zu passen. Also musste das Team spezielle Hardware fertigen, um beide Elemente zu verbinden. Dazu wurden über 400 Löcher exakt in die Struktur gebohrt, damit der Hitzeschild und die Kapsel fast genau aufeinander passen. Gleichzeitig wurde der Rest des Mockups für die Landetests vorbereitet: Im Inneren der Kapsel wurden Sitze und Stoßdämpfer installiert, auf die zwei Dummies platziert wurden, wie man sie aus Crashtests kennt. Diese sind mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, um die Belastungen zu messen, die während der Wasserlandung auf die Astronauten an Bord einwirken werden. Daneben wurden weitere Sensoren und Instrumente an dem Hitzeschild und dem Mockup angebracht, um mehr Daten über das Verhalten der Kapsel zu sammeln. Während der letzten Vorbereitungen werden der Hitzeschild angebracht, geprüft, ob alles wasserdicht ist und letzte Tests der Sensoren durchgeführt. Danach wird das Mockup in das Wasserbecken fallengelassen, insgesamt neun Mal dieses Jahr. Die Tests haben das Ziel, realitätsnahe Daten über die Wasserlandung zu sammeln. Zwar können analytische Computer-Modelle solche Landungen mittlerweile recht gut simulieren, reale Tests zum Kalibrieren dieser Modelle bleiben aber unverzichtbar.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Martin Knipfer - Quelle: NASA, Airbus Defence and Space)


» Airbus beteiligt sich an Internet-Satelliten-Projekt
09.02.2016 - Internet per Satellit wurde und wird schon länger gleichsam angeboten, als auch fortentwickelt. Mehrere Unternehmen und Konsortien arbeiten derzeit an Plänen für große Satellitenflotten, die eine Netzanbindung auf globaler Ebene realisieren sollen. Airbus Defence and Space ist nun eine neue Allianz eingegangen.
Ob und wann die ersten nutzbaren Dienste präsentiert werden, steht dahin. Nun wurde ein weiteres Jointventure beschlossen, das das Satelliteninternet voranbringen soll. Beteiligt sind ein Akteur der jungen Branche und das Luft- und Raumfahrtschwergewicht Airbus Defense and Space.

Das Space-Startup OneWeb hat eine Kooperation mit Airbus Defense and Space beschlossen: Sie soll Entwicklung und Konstruktion der Oneweb-Kommunikationssatelliten umfassen. Und OneWeb benötigt derer viele: Rund 650 Satelliten sollen die Erde auf einem niedrigen Erdorbit (low earth orbit, LEO) umkreisen, 300 Satelliten sollen zusätzlich als Backup fungieren. Die Redundanz des Systems wäre somit auf einem relativ hohen Niveau angesiedelt.

Die Satelliten sollen leichter sein als alle bisher genutzten Modelle: 150 kg soll ihre Masse betragen, und dabei doch eine Bandbreite von unglaublichen 10 Terabit pro Sekunde mit ihren im Q-Band arbeitenden Transpondern liefern. Dabei soll die dramatische Gewichtsreduzierung insbesondere durch die Nutzung elektrischer Triebwerke erreicht werden.

Bislang wird Satelliteninternet oft als Flaschenhalsverbindung betrachtet. Die überschaubaren kommerziellen Angebote für Endkunden in unseren Breiten können zwar eine Alternative zum klassischen Breitbandanschluss darstellen, Kunden werden sie aufgrund des schlechten Preis-Leistungs-Verhältnisses aber auch nur bei fehlender konventioneller Anschlusstechnik buchen.

Konkrete Pläne
Waren viele der Satelliteninternetambitionen bislang mehr Papier als handfeste Planung, hat OneWeb Satellites, wie das neue Gemeinschaftsunternehmen heißen soll, bereits konkretere Schritte verkündet: Im französischen Airbus-Standort Toulouse soll eine Prototyp-Fertigungslinie für die Satelliten eingerichtet werden, die dann später in den USA in Serie gebaut werden sollen.

"Wir arbeiten schon seit einigen Monaten am Design dieser neuartigen Konstellation und daran, wie wir sie fertigen“, sagte der Leiter des Airbus-Raumfahrtprogramms Eric Béranger.

Fruchtbare Vereinigung
Geht die Zusammenarbeit der beiden Akteure tatsächlich wie geplant über die Bühne, entstünde daraus der zweitgrößte Raumfahrtkonzern der Welt, wie Airbus in seiner Pressemitteilung erklärt. OneWeb Satellites, das in der Hauptsache vom Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic und dem US-Chipdesigner Qualcomm finanziert wird, hat performante Partner. Gestartet werden sollen seine Satelliten ab 2018 einerseits von Virgin und dem europäischen Arianespace-Konsortium.

Bewegung auf dem Markt
Auch andere Akteure arbeiten an Satellitenkonstellationen zur Internetversorgung aus dem Orbit: So möchte SpaceX bereits dieses Jahr erste Satelliten starten.

Samsung hat gar Pläne für eine Flotte aus 4.600 Satelliten in der Schublade. Der Entwicklungsleiter von Samsung in den USA, Farooq Khan, stellte in einem Aufsatz dar, wie er sich eine globale Versorgung von oben vorstellt. Auch die Samsungsatelliten sollen den LEO nutzen, neben einer leichteren Erreichbarkeit bringt er den Vorzug kürzerer Signallaufzeiten mit sich.

Für die OneWeb-Satelliten ist ein zirkularer Orbit in 1.200 Kilometern über der Erde im Gespräch. Ein Satellit im geostationären Orbit (GEO) kann, schlicht bedingt durch die Geschwindigkeitsobergrenze der Lichtgeschwindigkeit, nur mit einer minimalen Latenz von rund 240 Millisekunden kontaktiert werden. Darin sind Verarbeitung und Übertragungen im terrestrischen Backbone oder gar Weiterleitung zwischen verschiedenen Satelliten noch nicht enthalten.

Die Samsung-Flotte soll den Datenhunger der Nutzer am Ende der 2020ern befriedigen. Das monatliche Transfervolumen jedes Internetnutzers könnte bis dahin auf 200 Gigabyte pro Monat angestiegen sein, schätzt Farooq Khan, und geht dabei von einer Nutzerzahl von fünf Milliarden Menschen zu diesem Zeitpunkt aus. Wie sich seine Summe der geschätzten gleichzeitigen Nutzer herleiten lässt, wird nicht klar.

Neben den Plänen von SpaceX, OneWeb, Airbus und Samsung gibt es weiter Projekte für eine Versorgung mit Internetzugriffsmöglichkeiten von oben. Facebook und Google planen hochfliegende stratosphärischen Drohnen beziehungsweise nicht angetriebene Internetballons. Sie könnten, bei sorgfältiger Entwicklung, mittelfristig den Vorteil günstiger Realisierbarkeit aufweisen. So könnte eine Ballonflotte in den Jetströmen um die Welt kreisen und würde dabei nur einen geringen Etat für Wartung und Instandhaltung erfordern. Man prognostiziert hier Wartungszyklen von 60 bis 90 Tage.

Wer werden die Kunden sein?
Alle Projekte verbindet der existenzielle Bedarf nach revolutionär innovativen Fertigungsmethoden. OneWeb spricht diesen Punkt auch selbst an: „Bislang wurde der Bau von Mikrosatelliten und Massenfertigung nie im selben Atemzug genannt.“ Das soll sich nun ändern: Die OneWeb-Satelliten sollen weniger Komponenten und weniger Masse aufweisen, sowie leichter zu bauen und billiger zu starten sein.

Die Stückkosten bei Flotten von mehreren hundert oder gar tausend Satelliten müssen tatsächlich dramatisch gedrückt werden, um ein Projekt dieser Größe nicht in die ökonomische Absurdität zu treiben.

Und selbst wenn das gelingt, müssen die Betreiber mit ihrem Angebot ganz erheblich in Vorleistung gehen. Die Investitionen in Form von Nutzungsgebühren wieder hereinzuholen, dürfte ebenfalls eine Herausforderung darstellen. Zwar sind Unternehmenskunden oder Medienhäuser ebenso mögliche Großabnehmer von Kapazitäten wie Hilfsorganisationen oder Rettungskräfte, wie OneWeb auf seiner Website auch selbst skizziert, doch diese Kreise sind auch bisher die Hauptkunden schneller bodenunabhängiger Internetzugänge.

Potente Kunden dürfte OneWeb bei kommerziellen Airlines und in der allgemeinen Luftfahrt finden. Bislang ist die Internetanbindung von Passagierflugzeugen technisch eher anspruchsvoll, was sich unmittelbar in den Preisen widerspiegelt. Brächte OneWeb seine Konstellation in Betrieb, wäre eine Nutzung in Flugzeugen ein Quantensprung in Performance und Realisierung.

Ähnliches dürfte für die Seefahrt gelten. Vom Containerriesen über Kreuzfahrer bis hin zu privaten Seglern dürfte ein massentauglicher Satelliteninternetzugang großen Anklang finden.

Ferner beschreibt OneWeb die Möglichkeit für Internetserviceprovider (ISPs) ihre eigenen Netzwerke durch Zukauf von OneWeb-Kapazitäten dort zu ergänzen, wo der eigene Netzausbau noch nicht erfolgt ist und möglicherweise unökonomisch wäre. Um allerdings eine breite Endkundenbasis aufzubauen, müsste ein solcher Dienst deutlich performanter sein, als alle örtlich verfügbaren kabel- oder mobilfunkgestützten Angebote, was auch die Verfügbarkeit ausgereifter Hardware mit einschließt.

OneWeb spricht von „User-Terminals“, die klein, günstig und einfach zu handhaben sein sollen. Optional soll man sie mit Batterien betreiben und über Solarpanels aufladen können. Via Wifi oder sogar 2/3/4G sollen sie ihren Internetzugang für Internetgeräte in ihrer Umgebung bereitstellen.

Wenigstens bei den Mobilfunkstandards, die vermutlich in der Art einer Pico/Nanozelle genutzt werden sollen, dürften sich weltweit die Regulierungsbehörden zu Wort melden. Dennoch stellt diese Betriebsweise eine faszinierende Möglichkeit zur Ergänzung unzureichender Mobilfunkversorgungen dar.

Internet für alle?
Blickt man auf Weltregionen, die bislang unter einem Mangel an bodengebundener Kommunikationsinfrastruktur leiden, stellt sich wiederum die Frage nach zahlungskräftigen Kunden. Zwar gibt es beispielsweise in Afrika in weiten Teilen kaum bezahlbare Breitbandanschlüsse, doch dürfte es für einen Großteil der dortigen Bevölkerung unerheblich sein, ob ein Internetzugang 30 oder 300 Dollar im Monat kostet. Er bleibt ohnehin unbezahlbar.

Eine, wenn auch höchst spekulative, Möglichkeit der Refinanzierung würde der Verkauf von Übertragungskapazitäten an Entwicklungshilfekooperationen oder Regierungen darstellen. Diese könnten die Zugänge als Wiederverkäufer einer größeren Zielgruppe stark subventioniert zur Verfügung stellen.

So oder so ist das Geschäftsmodell eines globalen Satelliteninternetservices noch nicht klar absehbar. Wie dünn die Luft bei kommerziellen Weltraumunternehmungen in noch gering entwickelten Marktsegmenten sein kann, bekam vor Jahren der Satellitentelefoniebetreiber Iridium zu spüren: 1998 gestartet, geriet das Unternehmen mangels Kunden bereits drei Jahre später in akuten Zahlungsverzug. 2008 hatte es sich mit seinen Gläubigern verglichen, bis dahin aber etwa vier Milliarden Dollar Schulden angehäuft. Das Unternehmen überlebte nicht zuletzt auch durch ein aktives Eingreifen des US-Verteidigungsministeriums.

Aufräumen im erdnahen Raum
Auch ein weiterer Aspekt, der bei großen Satelliten-Flotten nicht unerwähnt bleiben kann, ist die durch sie möglicherweise akut verschärfte Weltraummüllproblematik. Die Orbits zwischen 600 und 1.200 km sind bereits heute stark gefragt. Ein Projekt dieser Größe bedarf zwingend einer von Beginn an implementierten Entsorgungsstrategie für die Zeit nach Außerdienststellung jedes einzelnen Satelliten. Ein kontrolliertes Verglühen in der Atmosphäre bei den relativ kleinen Satelliten wäre hier zu bevorzugen. OneWeb spricht von einer Deorbiting-Strategie für seine Satelliten, die genau dies vorsieht.

Alternativ könnte ein neuer Friedhofsorbit geschaffen werden, wobei diese Art der Entsorgung eine grundsätzliche Beantwortung der Müllfrage lediglich verschiebt.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Roman van Genabith - Quelle: Airbus Defence and Space, Oneweb, Samsung, SpaceX)


» Navigationssatellit vom Typ GloNaSS-M gestartet
09.02.2016 - Vom Startplatz 43/4 des Kosmodroms Plessezk aus brachte eine Sojus-2.1b-Trägerrakete am 7. Februar 2016 einen neuen Satelliten für das russische Globale Navigations-Satelliten-System (Globalnaja Nawigationnaja Sputnikowaja Sistema, GloNaSS) in den Weltraum.
Der Start wurde von den russischen Raketentruppen durchgeführt und sollte nach ursprünglichen Planungen bereits im Dezember 2015 stattfinden. Es war für das Jahr 2016 der erste Satellitenstart in Plessezk. Der Raketenhersteller spricht vom 29. Start einer Sojus-2.1b seit 2006.

Die ausschließlich mit Flüssigkeitstriebwerken für den Vortrieb ausgestattete Sojus-Rakete mit der Seriennummer 15000-030 hob nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos exakt um 1:21 Uhr MEZ ab. Nach dem planmäßigen Verlassen der Startrampe um 3:21 Uhr Ortszeit (Moskauer Zeit) brachten die Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden, von ZSKB-Progress gebauten Raketenstufen der Sojus die aus Fregat-Oberstufe von NPO Lawotschkin und dem Navigationssatelliten bestehende Orbitaleinheit auf eine Übergangsbahn, in der sie um 1:31 Uhr MEZ ausgesetzt wurde.

Eine erste kurze Brennphase der Oberstufe war dann vorgesehen, um die Übergangsbahn in einen Parkorbit umzuwandeln. Eine Transferbahn mit einem niedrigen Perigäum sowie einem Apogäum in der Höhe des vorgesehenen Arbeitsorbits über 19.000 Kilometer über der Erde hatte die Orbitaleinheit nach einer zweiten Brennphase der Oberstufe zu erreichen. Ein dritter Triebwerkseinsatz der Oberstufe hatte zuletzt den Einschuss in die Zielbahn zu erledigen.

Der Navigationssatellit wurde schließlich rund dreieinhalb Stunden nach dem Abheben von der Oberstufe abgetrennt und gelangte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums auf die vorgesehene Bahn. Die US-amerikanische Weltraumüberwachung nennt einen 19.132 x 19.158 km-Orbit mit einer Neigung von 64,8 Grad gegen den Erdäquator. Das Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum der russischen Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau übernahm nach dem Aussetzen die Kontrolle des Satelliten.

Telemetriedaten vom Satelliten sprechen dafür, dass der neue Erdtrabant wie vorgesehen funktioniert und eine an Erde und Sonne orientierte stabile Lage eingenommen hat. Der Hersteller des Satelliten spricht von einem guten Zustand des Raumfahrzeugs im All und davon, dass alle mechanisch zu bewegenden Baugruppen erfolgreich entfaltet oder ausgeklappt wurden.

Der nach dem Start als Kosmos 2.514 bezeichnete Satellit vom Typ GloNaSS-M mit dem Erzeugniscode 14F113 und drei Cäsium-Atomuhren an Bord ist nicht unbedingt der letzte Satellit seiner Baulinie, der in einen Erdorbit gebracht wurde. Im Gegensatz zu neu entwickelten Modellen (GloNaSS-K1, GloNaSS-K2) besitzt das von Reschetnjow Informational Satellite Systems in Schelesnogorsk bei Krasnojarsk in Sibirien gebaute Raumfahrzeug mit einer Startmasse von mindestens 1.415 Kilogramm einen Satellitenbus mit einem großen zentralen druckbeaufschlagten Gerätebehälter. Nach Angaben von Reschetnjow sind in Schelesnogorsk derzeit noch acht auf dem Bus Uragan-M basierende GloNaSS-M-Raumfahrzeuge eingelagert.

Das neue dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug mit der GloNaSS-M Nummer 51 wird Kosmos 2.419 ersetzen. Letzterer kreist seit dem 25. Dezember 2005 um die Erde. Am 17. Oktober 2015 versagte Kosmos 2.419 alias GloNaSS 714, der seine Auslegungsbetriebsdauer von sieben Jahren deutlich überschritten hatte und von zahlreichen technischen Problemen betroffen war, nachhaltig.

Der Ersatz für Kosmos 2.419 erreichte im November 2015 das Kosmodrom Plessezk. Die Inbetriebnahme des neuen Erdtrabanten im All an der Position 17 in der Ebene 3 der GloNaSS-Satellitenkonstellation hat zwischenzeitlich begonnen.

Kosmos 2.514 alias GloNaSS 751 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.330 und als COSPAR-Objekt 2016-008A. Die Fregat-M-Oberstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.331 und als COSPAR-Objekt 2016-008B.

Verwandte Website:

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Interfax, Kommersant, NPP KP Kvant, Reschetnjow, Roskosmos, TASS, ZSKB-Progress)


» Sekundäre Nutzlasten für EM-1 vorgestellt
09.02.2016 - Neben dem zunächst unbemannten Orion-Raumschiff sollen 2017 auch sekundäre Nutzlasten mit dem SLS gestartet werden. Dabei handelt es sich um 13 CubeSats, die sich verschiedenen Aufgaben widmen. Die ersten 7 von ihnen stehen jetzt fest.
Nachdem das Space Launch System (SLS) der NASA bereits im Oktober das Critical Design Review (CDR) bestand, welches einen großen Meilenstein in der Entwicklung darstellt, stellte sich nun die Frage nach der Nutzlast, die bereits 2018 im Rahmen der Exploration Mission 1 (EM-1) ins All starten soll. Die primäre Nutzlast ist das unbemannte Orion-Raumschiff. Es soll den Mond umrunden, wieder sicher auf der Erde landen und als Vorbereitung für einen späteren bemannten Flug dienen, der 2023 durchgeführt werden soll. Geplant ist außerdem, bei dieser Gelegenheit eine Anzahl kleinerer Nutzlasten ins Weltall zu befördern.

Beim Start eines Trägers werden häufig sekundäre Nutzlasten transportiert, die „piggyback“ (Huckepack) neben der deutlich größeren Primärnutzlast mitfliegen. Diese sehr preisgünstigen Startplätze werden immer öfter von CubeSats belegt, die beispielsweise im Rahmen universitärer Forschung und Ausbildung eingesetzt werden. CubeSats sind Nanosatelliten mit genormter Größe. Die grundlegende Größe sind so genannte Units (10x10x10 cm3). Üblich sind heutzutage CubeSats in der Größe von 1-3 Units. Bisher galt diese Klasse von Satelliten eher als Betätigungsfeld von kleineren Institutionen oder gar Privatpersonen, die vor allem im niedrigen Erdorbit (LEO) eingesetzt werden. Nun wird ihr Potential von den großen Raumfahrtagenturen entdeckt und in sehr ambitionierte Missionen eingebunden, die die kleinen Raumschiffe auch jenseits der Erdumlaufbahn führen sollen. Einige dieser Missionen sollen nun im Rahmen der EM-1 gestartet werden.
13 CubeSats mit jeweils 6 Units sollen 2018 zusammen mit Orion auf Reise gehen. 7 davon gab die NASA Anfang Februar bekannt:

BioSentinel
BioSentinel wird die Auswirkungen der Weltraumstrahlung auf Hefebakterien messen und daraus Erkenntnisse auf die Wirkung von Weltraumstrahlung auf lebende Organismen ableiten. Hierbei wird die Zerstörung von DNA durch Weltraumstrahlung sowie ihre Wiederherstellung durch den Organismus detektiert. Der CubeSat wird in einen heliozentrischen Orbit befördert, der sich etwas näher an der Sonne (0,92-0,98 AE) als der Erdorbit befindet. Die gemessenen Werte der Strahlung werden mit physikalischen Strahlungsmessungen per Dosimeter verglichen.

CuSP
Der CubeSat to study Solar Particles, kurz CuSP, wird in einen heliozentrischen Orbit einschwenken und solare Strahlung vermessen. Man erhofft sich durch die gewonnenen Daten ein besseres Verständnis für das Weltraumwetter, um schließlich die Vorhersage von Sonnenstürmen zu ermöglichen. Aufgrund ihrer geringen Kosten wäre es möglich, viele von ihnen an verschiedenen Orten um die Sonne zu platzieren, was die räumliche Datenbasis deutlich vergrößern würde.

LunaH-Map
LunaH-Map soll nach Wassereisvorkommen und deren Tiefe und Verteilung suchen. Dies wird mit Hilfe eines Neutronendetektors passieren, der die Energie auftreffender Neutronen messen und somit auf die Anwesenheit von Wasserstoff schließen kann.

Lunar Flashlight
Lunar Flashlight wird, ähnlich wie LunaH-Map, nach Wassereisvorkommen und flüchtigen Elementen auf dem Mond suchen. Die Suche konzentriert sich hier ebenfalls auf den Südpol. Hierfür wird ein Infrarotlaser eingesetzt, der die dunklen Partien des Südpols beleuchtet. Ein an Bord befindliches Spektrometer misst dann die Zusammensetzung an dieser Stelle. Lunar Flashlight wird laut NASA der erste CubeSat sein, der so genannte Green Propellants verwendet, also eine Treibstoffklasse, die deutlich weniger aggressiv zu Mensch und Umwelt ist als beispielsweise Hydrazin.

Lunar IceCube
Lunar IceCube widmet sich ebenfalls dem Mond; wie der Name bereits vermuten lässt, soll nach Wassereis und flüchtigen Stoffen gesucht werden. Dies soll späteren bemannten Missionen zugute kommen, die die Ressourcen vor Ort nutzen könnten. Ebenso ambitioniert wie die wissenschaftlichen Ziele dieser Mission ist jedoch die technische Umsetzung: um auf den niedrigen Mondorbit von lediglich 100 km Höhe zu kommen, muss ein Ionentriebwerk, das derzeit von Busek entwickelt wird, den benötigten Geschwindigkeitsbedarf aufbringen. Charakteristischerweise hat ein elektrisches Triebwerk allerdings einen solch geringen Schub, dass sich der Einschuss in die Mondumlaufbahn über mehrere Monate hinweg ziehen wird und sich zusätzlich der Gravitation von Erde, Sonne und Mond bedienen muss.

NEA Scout
Der NEA Scout soll sich einem erdnahen Asteroiden (NEA) nähern, der ähnliche Charakteristiken aufweist wie die Klasse von NEAs, die als Landestellen für bemannte Missionen infrage kommen. Momentanes Ziel ist der Asteroid 1991 VG. Mit Hilfe einer Multispektralkamera sollen Fragen zu Zusammensetzung, Ressourcen, Oberflächeneigenschaften, Umgebung sowie Orbit und Rotation des Asteroiden beantwortet werden. Der Antrieb von NEA Scout wird nicht mit einem Triebwerk, sondern mit einem Sonnensegel erfolgen. Erste Entfaltungstests mit einem Sonnensegel der halben Größe verliefen bereits erfolgreich.

SkyFire
Der von Lockheed Martin gebaute SkyFire wird den Mond umrunden und mithilfe von bildgebenden Techniken einen Teil der Mondoberfläche untersuchen. Dies hat den Zweck, neue Technologien für künftige CubeSat-Missionen zu erproben und so genannte Strategic Knowledge Gaps (SKG) zu schließen. Letzteres ist notwendig, um die Risiken für spätere bemannte Missionen durch Aufklärung zu minimieren, ihre Effizienz zu erhöhen und ein besseres Design zu ermöglichen. Nachdem SkyFire diese Missionsziele erfüllt hat, wird es sich auf seiner weiteren Reise SKGs widmen, die Effekte betreffen, die beim Transit von der Erde zum Mars auftreten.

3 weitere Plätze wurden im Rahmen der Cube Quest Challenge der NASA ausgeschrieben und sollen sich vorrangig auf die Erprobung von Antrieben und Kommunikationsmöglichkeiten konzentrieren. Die restlichen 3 Plätze werden an internationale Partner der Agentur vergeben.

Mit diesen bekannt gegebenen Missionen wird das Potential von CubeSats stark erweitert. Auffällig ist insbesondere, wie viele neue Technologien für die Missionen getestet und somit zukünftigen CubeSats zur Verfügung stehen werden. Insbesondere Antriebe sind bei der überwältigenden Mehrheit der bisher ins All transportierten Nanosatelliten nicht vorhanden. Die Erprobung der neuen Antriebe eröffnet somit neue Möglichkeiten für nachfolgende CubeSats. Aber auch die Miniaturisierung wissenschaftlicher Instrumente bietet ein großes Potential für kommende Missionen.

Dass Nanosatelliten nun auch für die Forschung außerhalb der Erdumlaufbahn genutzt werden, eröffnet die Möglichkeit, preisgünstige Planetenmissionen im CubeSat-Format durchzuführen. Man darf hoffen, dass durch den reduzierten Preis in Zukunft deutlich öfter Raumschiffe zur Erforschung des Sonnensystems gestartet werden. Zwar werden die Miniaturmissionen voraussichtlich auch in Zukunft die großen Raumsonden nicht ersetzen, allerdings können sie für Pioniermissionen genutzt werden, die einen anschließenden effektiveren und sichereren Einsatz von großen Raumsonden und bemannten Missionen erlauben.

Verwandte Website:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Viktoria Schöneich - Quelle: NASA)


» Nordkorea startet Kwangmyongsong 4 auf Unha-3
10.02.2016 - Am 7. Februar 2016 brachte eine Trägerrakete des Typs Unha-3 den Satelliten Kwangmyongsong 4 („leuchtender Stern“) vom Weltraumbahnhof Sohae ins All. Sowohl zu Träger als auch Satellit ist bisher nur wenig bekannt.
Der Start fand um 9:00 Uhr Ortszeit statt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA dauerte der Aufstieg 9 Minuten und 46 Sekunden. Der Satellit befände sich in einem polaren Orbit mit 494,6 x 500 km und einer Inklination von 97,4°. Das Joint Space Operations Center (JSpOC) berichtet hingegen von einer Bahn von 466 x 501 km mit einer Inklination von 97,5°, welche von der angegeben Bahn abweicht. Da die Zielbahn nicht bekannt gegeben wurde, können zur Einschussgenauigkeit keine Angaben gemacht werde. Es liegt bei den veröffentlichten Bahndaten jedoch die Vermutung nahe, dass eine sonnensynchrone Bahn zwar angepeilt, jedoch mit keinem der angegebenen Orbits erreicht wurde.

Schon einige Tage im Voraus war auf dem Startkomplex eine erhöhte Aktivität erkennbar gewesen. Schließlich wurde ein Startfenster vom 8. bis 25. Februar 2016 bekannt gegeben, der Start jedoch überraschenderweise schon am 7. Februar durchgeführt. Die Tatsache, dass unangekündigt unter anderem japanisches Gebiet überflogen wurde und Nordkorea das Starten von Raketen untersagt ist, sorgte für diplomatische Verstimmungen.

Über die Trägerrakete Unha-3 gibt es nur wenige Informationen. Aus dem veröffentlichten Bildmaterial lässt sich eine Höhe von etwa 30 m und ein Durchmesser von 2,5 m abschätzen. Sie wiegt schätzungsweise 90 Tonnen. Eine nennenswerte Weiterentwicklung der Rakete im Vergleich zu ihrem letzten Start ist nicht zu erkennen. Sollten die Träger beider Starts identisch sein, sind einige Daten der ersten Stufe bekannt, da Teile von ihr nach dem letzten Start 2012 geborgen werden konnten. Demnach wird die Stufe mit 4 Triebwerken der Nodong-Rakete mit jeweils knapp 265 kN angetrieben. Als Treibstoff fungiert Kerosin und als Oxidator wird Salpetersäure verwendet. Da sich beim diesjährigen Start kurz nach der Stufentrennung eine Explosion der ersten Stufe ereignete, konnte keine Bergung erfolgen. Ob es sich um eine absichtliche Sprengung handelt oder die Explosion auf einen Fehler zurückzuführen ist, ist nicht bekannt.

Technische Daten der zweiten und dritten Stufe sind, im Gegensatz zur ersten Stufe, nicht durch einen Fund von Hardware untermauert. Die zweite Stufe soll mit dem gleichen Treibstoffgemisch wie die erste funktionieren, die dritte Stufe mit UDMH/NTO. Die Angaben hierzu widersprechen sich aber teilweise; einigen Quellen zufolge sind auch Kerosin/LOX sowie UDMH/Salpetersäure mögliche Treibstoffkombinationen der zweiten bzw. dritten Stufe.

Noch weniger als über den Träger ist über den Satelliten bekannt, da nicht einmal Bilder von ihm existieren. Nach offizieller Verlautbarung sind Instrumente zur Kommunikation und Erdbeobachtung eingebaut, genauere Details wurden aber nicht genannt. Die Masse des Satelliten wird auf etwa 100-200 kg geschätzt. Nach Angabe von CBS taumelt der Satellit wie sein Vorgänger Kwangmyongsong 3 jedoch um seine Achsen und wird deswegen möglicherweise nicht in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen, sollten Stabilisierungsversuche erfolglos sein. Die Tatsache, dass bisher noch immer kein Signal vom Satelliten empfangen wurde, scheint diese These zu unterstützen. Ob Nordkorea etwaige Daten eines funktionierenden Satelliten veröffentlichen würde, ist jedoch ohnehin nicht sicher.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Viktoria Schöneich - Quelle: KCNA, 38north.org)


» Copernicus: TAS baut Sentinel 3C und 3D für die ESA
11.02.2016 - Am 9. Februar 2016 gab der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) bekannt, dass er von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) mit dem Bau der beiden Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 3C und 3D beauftragt wurde.
Der Vertrag zwischen der ESA und TAS im Wert von 450 Millionen Euro über den Bau von Sentinel 3C und 3D für das europäische Copernicus-Programm wurde am 9. Februar 2016 in der französischen Hauptstadt Paris unterzeichnet.

Wie schon bei der Herstellung der Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 3A und 3B wird TAS wieder als Hauptauftragnehmer fungieren. TAS führt ein Konsortium von rund 100 europäischen Unternehmen an und ist verantwortlich für Entwurf, Entwicklung, Integration und Tests der beiden Raumfahrzeuge.

In den Weltraum transportiert werden die beiden Satelliten laut Plan ab 2021 auf Raketen vom Typ VEGA als Teil des umfassenden Copernicus-Programms, das sich koordiniert von der Europäischen Kommission der Umweltbeobachtung widmet. Die ESA kümmert sich um Schaffung und Betrieb des Weltraumsegments von Copernicus.

Der Start von Sentinel 3A erfolgt übrigens in einigen Tagen vom Kosmodrom Plessezk in Russland auf einer Rockot-Rakete, nach dem er einige Male unerwartet verschoben werden musste. Sentinel 3B wird nach aktuellem Stand voraussichtlich im Jahre 2017 auf eine Umlaufbahn um die Erde gebracht.

Sentinel 3C und 3D basieren auf dem Satellitenbus Prima, den TAS im Auftrag der Italienischen Raumfahrtagentur (Agenzia Spaziale Italiana, ASI) entwickelt hatte und zunächst Basis für die vier italienischen Radarsatelliten der COSMO-SkyMed-Konstellation wurde. Die beiden neuen Satelliten für Copernicus weisen voraussichtlich jeweils eine Startmasse von rund 1.200 Kilogramm auf.

Das zusätzliche Satellitenpaar soll den Strom der Erdbeobachtungsdaten, der von Sentinel 3A und 3B kommen wird, nicht versiegen lassen. Die zusätzlichen Satelliten werden es erlauben, weiter kontinuierlich die Oberflächenfarben der Ozeane, die Höhe der Weltmeere und die Dicke von Meereis zu bestimmen. Dabei können die Ozeanfarben beispielsweise Auskunft über das Vorhandensein von Algen oder Verschmutzungen geben.

Mit den Satelliten soll außerdem die Ermittlung von aktueller Landnutzung, die Erfassung des Zustands von Bewuchs und die Messung von Pegeln in Flüssen und Seen fortgeführt werden. Die Satelliten werden helfen, die Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen. Außerdem ermöglichen sie ganz praktische Dinge wie das Monitoring von Waldbränden oder von gefährlichen Wellenbergen.

Die beiden Satelliten erhalten jeweils vier Hauptinstrumente:

OLCI
Das Spektrometer OLCI (Ocean and Land Color Instrument) zur Erfassung der Ozean- und Landfarben basiert auf dem MERIS für MEdium Resolution Imaging Spectrometer genannten Spektrometer, das an Bord des bisher größten europäischen Erdbeobachtungssatelliten Envisat zum Einsatz kam.

OLCI hat eine Masse von rund 153 Kilogramm und ist für einen siebeneinhalb-jährigen Einsatz ausgelegt. Das Instrument erreicht eine Schwadbreite von 1.270 Kilometern, benutzt 21 Frequenzbänder mit Wellenlängen zwischen 0,4 und 1,02 Mikrometern und ermöglicht eine räumliche Auflösung im Bereich von 300 Metern.

MWR
Das Mikrowellenradiometer MWR (MicroWave Radiometer) geht ebenfalls auf eine Konstruktion für Envisat zurück. Das Sentinel-3-MWR mit einer Masse von rund 26,5 Kilogramm besitzt zwei Kanäle bei 23,8 und 36,5 GHz mit einer Bandbreite von jeweils 200 MHz.

Mit dem Radiometer können Korrekturdaten für die Radaranlage (SRAL) an Bord gewonnen werden. Mit Hilfe der Daten lassen sich Fehler, die sich durch in der Atmosphäre vorhandene Feuchtigkeit ergeben, kompensieren. Außerdem ermöglicht das Instrument die Erfassung von Emissions- und Feuchtedaten zu überflogenen Landflächen und die Beurteilung von Eisflächen im Blickfeld.

SLSTR
Das bildgebende Radiometer SLSTR (Sea and Land Surface Temperature Radiometer) ist eine Weiterentwicklung von Envisats Radiometer Advanced Along-Track Scanning Radiometer (AATSR). Die Masse des SLSTR beim Start liegt bei rund 90 Kilogramm. Es soll sich 7,5 Jahre benutzen lassen und die Weltmeere und Landflächen dabei in neun Frequenzbändern mit Wellenlängen zwischen 0,55 und 12 Mikrometern abtasten. Im Bereich des sichtbaren Lichts und des nahen Infraroten (VIS und SWIR) erhofft man sich eine räumliche Auflösung im Bereich von 500 Metern, im mittleren und thermalen Infraroten (MWIR und TIR) von etwa einem Kilometer.

Das Instrument besitzt zwei unterschiedliche Sichtfelder. Eines ermöglicht eine Schwadbreite von 1.420 Kilometern beim direkten Blick vertikal nach unten. Das zweite mit einer abweichenden Blickrichtung ist auf eine Schwadbreite von 750 Kilometern hin ausgelegt. Das SLSTR ist dafür gedacht, Ozeanfarbe, Ozeanoberflächentemperaturen und Pegel zu bestimmen. Bei der Messung der Oberflächentemperatur soll es eine Genauigkeit von 0,3 Grad Celsius erreichen.

SRAL
Die Radaranlage, ein Radarhöhenmesser namens SRAL (Synthetic aperture Radar ALtimeter), ist eine Evolutionsstufe des SIRAL für SIRAL Synthetic Aperture Interferometric Radar Altimeter genannten Höhenmessers von Cryosat. Sie kann in zwei unterschiedlichen Radar-Betriebsmodi eingesetzt werden.

In einem Modus mit geringer Auflösung (Low-Resolution Mode, LRM, Auflösung ca. 20 km) erfolgt der Einsatz mit einem Muster aus 6 Impulsen im Ku-Band, das nach drei Impulsen von einem Impuls im C-band unterbrochen wird. Die Pulsfrequenz beträgt dabei 1,9 kHz.

Im SAR-Modus mit einer Pulsfrequenz von 17,8 kHz kann mit von zwei C-Band-Impulsen umgebenen Ketten aus 64 Ku-Band-Impulsen eine deutliche höhere Auflösung im Bereich von 300 Metern erzielt werden. Der SAR-Modus erlaubt über Meeresflächen abhängig von der Wellenhöhe eine vertikale Auflösung im Bereich einiger Zentimeter.

Im Ku-Band benötigt SRAL eine Bandbreite von 350 MHz im Bereich bei 13,575 GHz. Im C-Band, das von SRAL zur Gewinnung von Korrekturdaten zur Kompensation von störenden Beeinflussungen der Radarimpulse durch Ionosphäre und Troposphäre benutzt wird, besetzt SRAL 320 MHz bei 5,41 GHz. Die Masse der Anlage beträgt rund 60 Kilogramm.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA, Thales Alenia Space)


» Gravitationswellen erstmals direkt nachgewiesen
12.02.2016 - Die Nachricht, dass Gravitationswellen mit heutigen technischen Mitteln direkt nachweisbar sind, ist eine echte Sensation: Am 11. Februar 2016 wurde ein neues Fenster zur Beobachtung des Kosmos aufgestoßen.
Gravitationswellen wurden erstmals 1916 von Albert Einstein postuliert - ein Jahr, nachdem er bereits seine allgemeine Relativitätstheorie veröffentlicht hatte. Demnach erzeugen Bewegungen einer Masse im Raum eine Krümmung der Raumzeit, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzt. Die Amplitude dieser Welle und damit ihre „Stärke“ hängt maßgeblich von der bewegten Masse ab; d.h. der Finger, mit dem Sie diesen Artikel scrollen, erzeugt eine weitaus schwächere Welle als zwei verschmelzende schwarze Löcher. Dies ist auch das Ereignis, das man nun nachgewiesen hat: Die Welle hatte genau die Form, die von Einsteins Theorie für diesen Fall vorhergesagt wird.

Allerdings sind die Effekte von Gravitationswellen selbst bei einem so dramatischen Ereignis verhältnismäßig klein. Auf einer Strecke von 4 km wurde gerade einmal eine Längenänderung von einem Zeptometer detektiert. Zum Vergleich: der Durchmesser eines Protons ist etwas eine Million mal größer. Bei diesen Dimensionen ist es nicht verwunderlich, dass bereits Einstein daran zweifelte, ob die von ihm theoretisch vorhergesagten Wellen jemals gefunden werden würden.

Messtechniken
Angesichts des experimentell doch sehr schwierigen direkten Nachweises konzentrierte man sich zunächst einmal darauf, die Gravitationswellen indirekt nachzuweisen. Der Grundgedanke hierbei ist, dass die Energie, die die Welle transportiert, von irgendwo her kommen muss. Es muss sich also eine energetische Änderung des Ursprungssystems ergeben, die beobachtbar sein sollte. Tatsächlich konnten Hulse, Taylor und Weisberg im Jahr 1975 nachweisen, dass sich in einem binären Pulsarsystem die zwei Körper immer weiter annäherten. Der Verlust der Rotationsenergie entsprach dem Energiegehalt der vorhergesagten Welle. Diese Beobachtung brachte den Forschern den Nobelpreis ein.

Trotz der technischen Schwierigkeiten wurden bereits in den 60ern erste Versuche unternommen, Gravitationswellen direkt nachzuweisen. Zunächst geschah dies in Form von Resonanzdetektoren. Dabei wird eine oftmals zylindrische Testmasse störungsfrei aufgehängt und soll auf einen bestimmten Anteil der Gravitationswelle resonant reagieren, also das Signal der Welle verstärken. Der Nachteil an diesem Detektor ist, wie sich bereits erahnen lässt, dass er nur bestimmte Gravitationswellen nachweisen kann, da er nur bei bestimmten Frequenzen resonant ist. Später wurde durch das Herabkühlen des Zylinders auf wenige Grad Celsius über dem absoluten Nullpunkt zwar eine Verbesserung der Messgenauigkeit erreicht, aber auch mit diesem Aufbau gelang ein direkter Nachweis nicht.

Zeitgleich mit dem Bau der Resonanzdetektoren wurden bereits Laserinterferometer vorgeschlagen, die sich jedoch wegen zu lösender technischer und konzeptueller Schwierigkeiten zunächst auf theoretische Studien und kleinere Experimente beschränkten. Ein Laserinterferometer basiert auf dem Prinzip der konstruktiven und destruktiven Interferenz: Treffen zwei Wellenberge aufeinander, verstärkt sich das Signal (konstruktiv), trifft Wellenberg auf Wellental, wird das Signal ausgelöscht (destruktiv). Dazwischen liegen natürlich noch viele weitere Zustände, die gemessen werden können und Informationen über die Verschiebung von zwei Lichtsignalen zueinander enthalten.

Kurz nach der Jahrtausendwende begann man schließlich damit, weltweit Laserinterferometer zu bauen. Das Messprinzip basiert hierbei auf dem Michelson-Interferometer, das vielleicht dem einen oder anderen Leser noch aus der Schulzeit geläufig ist. Ein Laser sendet Licht aus, das an einem halbdurchlässigen Spiegel aufgeteilt wird und auf zwei normale Spiegel trifft. Das dort reflektierte Licht trifft nun wieder auf den halbdurchlässigen Spiegel und wird anschließend auf einen Detektor geleitet. Auf diesem erscheint dann die Interferenz. Werden die senkrecht zueinander stehenden Röhren von einer Gravitationswelle gestreckt oder gestaucht, findet eine Phasenverschiebung statt und es wird eine Änderung der Interferenz detektiert.

Die Versuchsanlagen wurden an verschiedenen Orten auf der Erde errichtet: so werden lokale Fehlerquellen wie beispielsweise leichte Erdbeben ausgeschlossen. Standorte solcher Detektoren sind unter anderem Japan, Italien und Deutschland. Die Entdeckung gemacht hat jedoch das Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) in den USA; um genau zu sein eine in der Messgenauigkeit verbesserte Variante mit dem Namen aLIGO (Advanced LIGO), die erst 2015 in Betrieb genommen wurde.

Der erste direkte Nachweis
Am 14. September 2015 wurde schließlich ein Signal an den Standorten in Hanford (Bundesstaat Washington) und Livingston (Louisiana) unabhängig voneinander detektiert. Das entscheidende Signal ist eine in der Amplitude schnell anwachsende Welle, die nach dem Verschmelzen der schwarzen Löcher wieder auf annähernd 0 herabfällt. Das ganze Ereignis dauerte nicht länger als 150 ms. Zu diesem Zeitpunkt waren die anderen Gravitationswellendetektoren abgeschaltet oder nicht im Observationsmodus, weswegen das Signal nur von den zwei genannten Detektoren erfasst werden konnte.

Nach der Entdeckung wurden zunächst mögliche Fehlerquellen ausgeschlossen. Sensoren, die während des Betriebs eine Messung von Störungen aus der Umgebung vornehmen, zeigten keine Störung an, die stark genug wäre, das Signal zu erklären. Auch die Instrumente wurden untersucht und es konnte ausgeschlossen werden, dass das Signal auf einen Fehler der Instrumente zurückzuführen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das gemessene Signal auf Hintergrundrauschen zurück zu führen ist, wird mit 0,0002% angegeben, was einer faktischen Entdeckung gleichkommt.

Eine neue Ära der Weltraumerkundung
Oft wurde der Vergleich bemüht, dass der direkte Nachweis dieser Wellen der Entdeckung des elektromagnetischen Spektrums gleichkäme: Man könne nun das Universum mit anderen Augen betrachten und das gravitative Universum entdecken. Diese Annahme ist nicht falsch, denn bereits mit dieser ersten Entdeckung wurden Vorgänge beobachtet, die mit unseren bisherigen Beobachtungsmöglichkeiten nicht detektierbar gewesen wären. Da schwarze Löcher, wenn sie nicht gerade von einer Scheibe aus Materie umgeben sind oder ihre Umgebung sichtbar beeinflussen, unsichtbar sind, wäre das sehr kurze Ereignis zweier verschmelzender schwarzer Löcher anders als über ihre Gravitationswellen nicht detektierbar gewesen. Dass binäre Systeme schwarzer Löcher existieren, war bis zu ihrer Entdeckung im vergangenen September auch nur eine theoretische Annahme.

Die Forschung erhofft sich weiterhin Einblicke in die gewaltigsten Ereignisse des Universums wie zum Beispiel Urknall und Supernovae und Erkenntnisse über die massereichsten Körper wie Neutronensterne. Auch die mysteriöse dunkle Materie, die bisher lediglich indirekt über ihre gravitative Wirkung nachgewiesen wurde, könnte mit Hilfe der Gravitationswellen untersucht werden.

In Zukunft sollen die Detektoren auf der Erde in ihrer Messgenauigkeit verbessert werden, um auch kleinere Ereignisse beobachten zu können. Mit eLISA ist außerdem für das Jahr 2034 ein Weltraumobservatorium für Gravitationswellen geplant. Eine Vorgängermission, LISA Pathfinder, wurde Ende letzten Jahres ins All geschickt und wird Anfang März beginnen, die anspruchsvolle Technik für eLISA zu erproben.

Die Gravitationswellenastronomie bietet ein großes Potential, unser Universum noch besser zu verstehen und vielleicht auch gänzlich neue, überraschende Entdeckungen zu machen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

  • Gravitationswellen

  • (Autor: Viktoria Schöneich - Quelle: LIGO)


    » ViaSat bucht Starts bei Arianespace
    12.02.2016 - Am 9. Februar 2016 gab Arianespace bekannt, von ViaSat, einem Anbieter von Breitbanddiensten und Kommunikationstechniklösungen aus Carlsbad im US-Bundesstaat Kalifornien, mit dem Start des Kommunikationssatelliten ViaSat 2 und einem Satelliten für die ViaSat-3-Konstellation beauftragt worden zu sein.
    Sowohl ViaSat 2 als auch der Satellit für die ViaSat-3-Konstellation sind Konstruktionen von Boeing Satellite Systems in El Segundo im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Beide Satelliten werden nach Angaben von Arianespace eine Startmasse im Bereich von 6.400 Kilogramm aufweisen und haben die Aufgabe, im Geostationären Orbit (GEO) im Ka-Band Kapazitäten bereitzustellen.

    ViaSat 2 soll von einer Ariane-5-ECA-Rakete im ersten Quartal 2017 auf einen Geotransferorbit (GTO) gebracht werden, das ViaSat-3-Raumfahrzeug von einer Rakete des gleichen Typs Ende 2019 oder Anfang 2020. Beide Starts werden vom europäischen, in Französisch Guayana gelegenen Raumfahrtzentrum Kourou aus erfolgen.

    ViaSat arbeitet am Aufbau einer Infrastruktur, die Nutzern an Land, zu Wasser und in der Luft gleichwertige hochperformante Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet bietet und im Vergleich mit Angeboten anderer Satelliten- und Netzbetreiber bestehen kann. Versorgen will ViaSat mit der Infrastruktur Privatkunden, Unternehmen, Regierungsorganisationen und das Militär.

    Mit ViaSat 2 will Viasat die dem eigenen Unternehmen und seinen Kunden zur Verfügung stehende Kapazität im Vergleich zu bisher von ViaSat genutzten Satelliten ungefähr verdoppeln und gleichzeitig etwa das siebenfache an Abdeckung erreichen. ViaSat 2 ist für eine kostengünstigere und schnellere Versorgung in ausgedehnteren Gebieten gedacht und adressiert Kunden in der Karibik, in Nord-, Süd- und Zentralamerika sowie auf Routen von Luft- und Seefahrt über und auf dem Atlantik zwischen Europa und Nordamerika.

    Den Bau von ViaSat 2 basierend auf der Plattform BSS-702HP hatte ViaSat im Mai 2013 bei Boeing beauftragt. Boeing hatte sich in einem Bieterwettbewerb gegen Lockheed Martin durchgesetzt. Space Systems/Loral (SS/L), Hersteller von ViaSat 1, kam für ViaSat wegen Patentstreitigkeiten als Lieferant nicht mehr in Frage.

    ViaSat warf SS/L vor, dass SS/L Technologien, die ViaSat zum Bau von ViaSat 1 beigesteuert hatte, anschließend unberechtigt bei der Herstellung von Kommunikationssatelliten für andere Abnehmer verwendet habe. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere die Kommunikationssatelliten Jupiter 1 (alias EchoStar 17 / EchoStar XVII) und Jupiter 2 (alias EchoStar 19 / EchoStar XIX) genannt.

    Die geplante Auslegungsbetriebsdauer von ViaSat 2 liegt bei über 15 Jahren. Eine Nutzung eines Teils der Kapazitäten des Satelliten, der einen Durchsatz von voraussichtlich 350 Gigabit pro Sekunde möglich macht, durch Xplornet Communications aus Kanada vereinbarten ViaSat und Xplornet am 1. Mai 2014.

    Im Januar 2015 beauftragte ViaSat SpaceX mit dem Start des Satelliten, wofür SpaceX eine Rakete vom Typ Falcon 9 Heavy vorsah. Wegen Verzögerungen bei der Entwicklung des bisher leistungsfähigsten Raumfahrtträgers von SpaceX wählte ViaSat zur Absicherung der eigenen Planungen jetzt offensichtlich einen alternativen Startanbieter.

    Die ViaSat-3-Konstellation soll zusammen mit einer weiterentwickelten Bodeninfrastruktur ein weltweit verfügbares System für breitbandigen, schnellen Zugriff auf das Internet bilden. Die dafür vorgesehenen Satelliten sollen jeweils einen Durchsatz von über 1.000 Gigabit pro Sekunde bzw. von mehr als einem Terabit pro Sekunde bewältigen.

    Insgesamt drei ViaSat-3-Raumfahrzeuge sind geplant. Der erste Satellit ist Empfängern in den beiden amerikanischen Kontinenten gewidmet. Der zweite Erdtrabant wird Nutzer in einer EMEA genannten Region, also solche in Europa, dem mittleren Osten und in Afrika, adressieren. Das dritte Raumfahrzeug ist dafür gedacht, mit seinen Ausleuchtzonen Nutzer im asiatisch-pazifischem Gebiet zu bedienen.

    Die ViaSat-3-Raumfahrzeuge werden via ViaSat 2 auf der Plattform BSS-702HP basieren. Ihre Kommunikationsnutzlasten will ViaSat selbst beisteuern. Mit ihrer Hilfe will ViaSats Haushalte künftig mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde, Geschäftskunden gar mit Geschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde erreichen.

    Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, Boeing, SpaceX, SS/L)


    » Cosmonauts: Birth of the Space Age
    17.02.2016 - In London ist derzeit eine einmalige Ausstellung zur sowjetischen und russischen Weltraumgeschichte zu sehen. Für Raumfahrer.net war Andreas Weise vor Ort.
    Juwelenschau
    Warum setzt man sich mitten in der Woche zu nachtschlafender Zeit in ein Flugzeug und fliegt nach London? Nun, zum ersten sind zur Wochenmitte die Flugpreise am niedrigsten. Und zum zweiten gibt es in London die Kronjuwelen zu bestaunen. Und die sind wirklich sehenswert! Allerdings meine ich nicht die wohl behüteten, im Tower auf den täglichen Touristenansturm wartenden Insignien der Britischen Krone.

    In London sind zur Zeit die Kronjuwelen der sowjetischen Raumfahrt ausgestellt. Dem Science Museum London ist es gelungen, bedeutende, wichtige und auch schöne Ausstellungsstücke aus öffentlichen, nicht öffentlichen und privaten Museen Russlands zu vereinigen. Die Vorbereitung dieser Ausstellung hat nicht nur enormes diplomatisches Geschick erfordert, sie erstreckte sich darüber hinaus über mehrere Jahre. Die Liste der Leihgeber und Unterstützer der Ausstellung liest sich wie ein Who-is-who der russischen Raumfahrt. Museen und Ausstellungen, die ein „normalsterblicher Raumfahrtfan“ nicht ohne weiteres betreten kann, gaben Leihstellungen. Stellvertretend sei hier Zvesda, Energia, Lavochkin und das Moskauer Staatliche Luftfahrtinstitut genannt.

    Ich bin geneigt hier ein Superlativ zu bemühen. Es wird vermutlich mindestens auf absehbare Zeit, wenn nicht, dann überhaupt nie wieder, solch eine Ausstellung in diesem Umfang außerhalb Russlands geben.

    Sowjetisch-britische Zusammenarbeit
    Doch warum ausgerechnet London? Warum ausgerechnet bei den Briten? Großbritannien ist ja auf diplomatischer Ebene im Moment nicht gerade der besondere Freund Russlands. Die Liste der Meinungsverschiedenheiten ist lang. Sie könnte mit der Ukraine beginnen und würde mit Syrien nicht aufhören.

    Um diesen Widerspruch zu verstehen muss man etwas tiefer in die Geschichte der sowjetischen Raumfahrt blicken. Wie wir aus den Memoiren von Boris Tschertok wissen, griff man in den Anfangsjahren der sowjetischen Raumfahrt gerne auf eine unabhängige Beobachtungsquelle zurück: Das Jodrell-Bank-Radioobservatorium bei Manchester. Sendefrequenzen von sowjetischen Sonden wurden den dortigen Wissenschaftlern zugespielt. Und diese konnten dann den Flug, z.B. von interplanetaren Raumflugkörpern, neutral bestätigen. Dass die Sowjetunion dazu teilweise selber nicht in der Lage war, das wusste man damals noch nicht. So war das ein etwas sonderbarer, aber intensiver wissenschaftlicher Austausch. Dann kam der 12. April 1961 und mit ihm der erste bemannte Flug in den Kosmos. Auch in Großbritannien waren die Menschen begeistert. Kalter Krieg hin oder her. Die Leistung wurde als das verstanden, was sie war: Der Beginn eines neuen Zeitalters. Und dabei war es (fast) egal, welches Land die Leistung vollbrachte.

    Die Begeisterung war so groß, dass eine der größten Gewerkschaften, The Foundry Workers’ Union in Manchester, Gagarin zu einem Besuch einlud. Und dieser kam tatsächlich. Die Sowjetunion sah darin die Chance, den historischen Flug entsprechend international zu würdigen. So fand dieser denkwürdige Besuch fast genau drei Monate nach Gagarins Raumflug statt. Inzwischen war aus der geplanten Visite der englischen Arbeiter, deren Situation schon Karl Marx für die Untermauerung der Kommunistischen Philosophie diente, ein großangelegter Staatsbesuch geworden. Der beinhaltete auch Empfänge bei Premierminister Harold Macmillan und der jungen Queen Elizabeth. Und das sympathische, einfache Auftreten Gagarins bei seinem Besuch wirkt noch heute nach.

    In Wissenschaftskreisen wird es noch heute als großes Zeichen der Verbundenheit angesehen, dass Gagarin gerade nach Großbritannien zuerst gereist ist. Davon zeugen auch die Wertschätzungen zu seinem 50sten Flugjubiläum 2011. Vor dem Gebäude des British Council direkt beim Admiralty Arch in der Nähe des Trafalgar Square wurde eine Gagarin-Plastik im Beisein von Gagarins Tochter aufgestellt. Die Plastik stand genau gegenüber der Statue von Kapitän James Cook. Symbolträchtiger konnte der Standort nicht gewählt werden. Die Skulptur war ein Geschenk der Raumfahrtbehörde Russlands Roskosmos und ist mittlerweile nach Greenwich umgezogen.
    In diesem Umfeld gelang dem Londoner Science Museum ein Meisterstück.

    Das Museeum
    Das Science Museum in London ist ein sehr großes Gebäude. Viele hundert Menschen, oft inklusive mehrerer Schulklassen, sind an einem Werktag hier anwesend. Eigentlich ist das Gebäude immer voll. Der Eintritt ist frei. Dafür sind die Preise an der Garderobe, im Museumsshop und in der Cafeteria nicht gerade günstig. Für Sonderausstellungen werden gesonderte Eintrittspreise verlangt. Speziell für die Raumfahrtausstellung COSMONAUTS werden Eintrittskarten nur für bestimmte Uhrzeiten ausgegeben. So besteht durchaus die Gefahr, dass man am aktuellen Tag keinen Zutritt mehr bekommt. Daher ist ein Kartenkauf vorab über die Homepage des Museums dringendst angeraten. Alle erforderlichen Informationen zu Öffnungszeiten, Adressen und anderes findet man unter http://www.sciencemuseum.org.uk.

    Die Ausstellung
    Erfreulich ist: In allen Räumen ist Museumspersonal anwesend, das auch bereitwillig Auskunft zu einzelnen Objekten gibt. Bemerkenswert ist, dass Spiegel an langen Stangen bereitgehalten werden, damit man an den Großobjekten auch mal „um die Ecke“ schauen kann. Eine nützliche und kreative Lösung!

    Die Ausstellung ist in mehrere Sektionen bzw. Themenbereiche gegliedert.

    Sektion 1
    Zum Anfang, quasi zum aufwärmen, geht es um die Anfänge und Grundlagen der sowjetischen Raumfahrt. Künstlerische Darstellungen aus den 1920er Jahren und Ziolkowskis Vision eines Raumfahrzeuges gehören ebenso dazu, wie persönliche Dinge Koroljows aus seiner Zeit im stalinistischen Straflager. Der aufgezeigte Weg führt bis zum Triebwerk RD-108, das als Modell im Raum zentral präsentiert wird.

    Sektion 2
    Hier werden die Anfänge der Weltraumfahrt behandelt. Modelle von Sputnik 1, 2 und 3, sowie von Luna 3 und Venus 7 sind hier zu sehen. Angenehm ist, dass zu jedem Objekt auch Herkunft und Leihgeber genannt werden.

    Sektion 3
    „Space Race“ – der Beginn der bemannten Weltraumfahrt. Neben persönlichen Dingen von Gagarin und der Filmkamera aus Titows Wostok-2-Flug, sind hier zwei ganz außergewöhnliche Exponate zu bestaunen: Die originalen Landekapseln von Wostok 6 (Tereschkowa, erste Frau im Weltraum) und Woschod 1 (erstes 3-Mann-Raumschiff). Ich gebe zu, ich habe in mitgebrachten Fotos geblättert, ob es wirklich die „richtigen“ Kapseln sind. Ich konnte beide Kapseln 2008 im Werksmuseum von Energia schon einmal bestaunen. Die Abbrandspuren am Hitzeschild, die bei jeder Kapsel individuell ausgefallen sind, bestätigten für mich die Identität der Kapseln. Dass Russland diese Exponate auf Reisen geschickt hat, ist für mich die eigentliche Sensation. Beide Exponate waren hinter Glas. Im Gegensatz zum Energia-Werksmuseum, wo man unmittelbar an die Kapseln heran kam. Das Energia-Museum ist allerdings auch nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht.

    Durch den abgedunkelten Raum der Sektion 3 und die perfekte Ausleuchtung konnte man alle Einzelheiten sehr gut erkennen. Auch waren andernorts benutzte gewölbte Plexiglasabdeckungen über den Einstiegen entfernt worden. Somit war der Einblick ungetrübt. Da die beiden Kapseln direkt nebeneinander standen, war ein direkter Vergleich der Inneneinrichtung möglich. Fazit für mich: Hut ab vor den Männern von Woschod 1! Für diesen Flug war mehr als nur etwas Mut und technisches Selbstvertrauen nötig.

    Sektion 3 und Sektion 4
    Hier geht es um den Mond. Das Prunkstück hierbei ist der LK-3-Lander aus dem geheimen Lunar-Programm. Dessen Existenz wurde erst in den 1990er Jahren bekannt. Das ausgestellte Modell zeigt einen LK, wie er einen einzelnen Kosmonauten auf die Mondoberfläche bringen sollte.

    Das ausgestellte Objekt ist restaurativ in einem sehr guten Zustand. Als Eigentümer wird das Moskauer Staatliche Luftfahrtinstitut (MAI) genannt. Sucht man etwas im Internet, findet man Bilder dieses Exponates von Anfang der 1990er Jahre. 2007 stand das Objekt wieder im MAI. Davor war der LK in Eurodisney bei Paris ausgestellt. Auch dazu findet man Bilder im Internet. Zur Präsentation in Eurodisney wurden offenbar einige Bemalungen angebracht, die nicht dem Standard für die Kennzeichnung sowjetischer Raumfahrzeuge entsprechen. Diese sind noch vorhanden. Ich meine hier „Rote Sterne“ ohne die typische weiße Umrandung, Schriftzüge „CCCP“ und Hammer und Sichel“-Logos. Diese sehen eher aus, als ob hier der Mondlander aus dem Roman „Ascent“ von Jed Mercurio nachempfunden wurde. Eine sehr traurige, emotionale, aber genau auf den Mondlander passende Geschichte eines Phantom-Kosmonauten.

    Neben dem Mondlander wurde ein 1:1-Modell von Lunochod 1 von Lavotschkin ausgestellt. Im Gegensatz zum Lander für einen bemannten Besuch des Mondes gelang es der Sowjetunion, zwei Exemplare des unbemannten Mondmobils über Monate hinweg auf der Mondoberfläche einzusetzen.

    Sektion 5 und Sektion 6
    Hier findet man die Landekapsel von Sojus-TM 14, verschiedene Garderobenteile für Raumfahrer, Sokol- und Orlan-Raumanzüge. Aber auch der MARS-500-Raumanzug war zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine Orlan-Version, die speziell für den Einsatz auf dem Mars entwickelt wurde. Zum Einsatz kam der Anzug beim MARS-500-Experiment, einer 500-Tage-Marsflugsimulation. Fehlen durfte auch nicht die Weltraumtoilette aus der Raumstation MIR. Ganze zwei Kippschalter sind für die Bedienung notwendig. Wer erinnert sich da nicht gerne an das Weltraum-Klo in Standley Kubricks „2001“? Allein die Bedienungsanleitung ließ jegliches Bedürfnis ersticken.

    Final Room
    Am Ende der Ausstellung gibt es zum Abschluss ein absolutes Highlight zu bestaunen. Hier liegt in magisches Licht gehüllt eine lebensgroße menschliche Puppe. Ein „Ivan Ivanowitsch“. Dieser Dummy ist 1969 mit Zond 7 (Sonde 7) als Vorbereitung für die sowjetische bemannte Mondumrundung um den Mond geflogen. Da die Amerikaner mit Apollo 8 im Dezember 1968 den Mond sogar mehrfach umkreisten, wurde das sowjetische Vorhaben gestrichen – eine neuerliche Erstleistung war nicht mehr zu erzielen. Im Körper des Dummys befinden sich Sensoren für die Messung der Strahlungsbelastung. Das Gesicht des „Mondfliegers“ ist weltbekannt: Es ähnelt … Juri Gagarin.

    Empfehlung
    Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, der sollte das unbedingt tun. Die Ausstellung ist voraussichtlich noch bis zum 13. März 2016 zu besichtigen. Nicht mehr viel Zeit also. Der Museumskatalog ist sehr ausführlich und direkt über das Science Museum zu beziehen.

    Danksagung
    Besonderer Dank gilt Ms. Julia Murray vom Science Museum London für die Bereitstellung von Pressefotos, Informationen und für die wertvollen Hinweise bei der Vorbereitung des Besuchs.


    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Andreas Weise - Quelle: Museumsbesuch, Science Museum London)


    » GloNaSS nach Satellitenausfall mit Umstellungen
    17.02.2016 - Das GloNaSS-Raumfahrzeug mit der Nummer 738 ist ausgefallen, andere Satelliten befinden sich in Wartung. Deshalb sind in der Konstellation des russischen Globalen Navigations-Satelliten-System (Globalnaja Nawigationnaja Sputnikowaja Sistema, GloNaSS) Veränderungen erforderlich.
    Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete am Morgen des 17. Februar 2016, GloNaSS habe gemäß einer nicht näher beschriebenen Quelle aus der (russischen) Raumfahrtindustrie mit Problemen zu kämpfen.

    Die Schwierigkeiten stünden im Zusammenhang mit dem von einem mechanischen Problem verursachten Ausfall von GloNaSS-M 738 und dem Wechsel der GloNaSS-M-Satelliten 736, 737 und 738 in einen Wartungsmodus.

    Die in den Wartungsmodus versetzten Raumfahrzeuge kreisen seit dem 2. September 2010 um die Erde und waren gemeinsam auf einer Proton-M-Trägerrakete gestartet worden, Raumfahrer.net berichtete.

    Seit Oktober 2010 waren die Satelliten in die aktive Betriebskonstellation von GloNaSS integriert. Die drei Erdtrabanten waren unter denjenigen der GloNaSS-Konstellation, die wegen eines Softwareupdates mit mathematischen Fehlern Anfang April 2014 für einen rund 11 Stunden andauernden GloNaSS-Ausfall sorgten. Nr. 737 und Nr. 738 waren außerdem unter den acht Satelliten, die in der Nacht vom 14. auf den 15. April 2014 quasi gleichzeitig für rund eine halbe Stunde unbenutzbar wurden.

    2015 befand sich Nr. 738 im Spätsommer in einem Wartungsmodus, am 9. September 2015 ging der Satellit wieder in den Regelbetrieb.

    Nr. 738 wird nach Informationen der TASS voraussichtlich am 18. Februar 2016 von der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos offiziell ausgemustert. Nach dem jetzt aufgetretenen Ausfall der Nr. 738 soll diesen die Nr. 736 ersetzen. Letzterer Satellit wird nach Angaben der TASS Anfang März 2016 auf der Postion 16 in der Ebene 2 erwartet.

    Die ehemalige Position von GloNaSS-M 736 wird der vorher als Test-Satellit geführte GloNaSS-K 702 beziehen, berichtete die TASS. Laut GloNaSS-Statusmeldungen hat Nr. 702 den Betrieb an der Position 9 aufgenommen.

    Zusätzlich hat man zwischenzeitlich den bereits über 10 Jahre um die Erde kreisenden GloNaSS 714 in der Ebene 3 reaktiviert. Das Raumfahrzeug mit einer Auslegungsbetriebsdauer von 7 Jahren ist GloNaSS-Statusmeldungen zufolge an der Position 17 aktiv. Es wird evtl. wieder außer Betrieb gehen, wenn der jüngst gestartete GloNaSS-M 751 seine Test- und Inbetriebnahmephase überstanden hat. Aktuellen Planungen zufolge soll es voraussichtlich Anfang März 2016 so weit sein.

    GloNaSS-M 738 alias Kosmos 2.466 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.137 und als COSPAR-Objekt 2010-041A.

    Verwandte Website:

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: glonass-iac.ru, TASS, UNIAN, vestnik-glonass.ru)


    » Japan: Kleinere Schüssel, bessere Verstärkung
    20.02.2016 - In Japan wird die größte Einzelantenne zur Unterstützung von Tiefraummissionen ersetzt. Die alte Anlage war für die Missionen von Akatsuki und Hayabusa von besonderem Wert. Ein Neubau soll an diese Erfolge anknüpfen.
    "The Yomiuri Shimbun" aus Japan berichtete mit Datum vom 17. Februar 2016, dass die Antennenanlage der japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (Japan Aerospace Exploration Agency, JAXA) in Bälde außer Betrieb gehen wird.

    Die Anlage des Tiefraum-Zentrums Usuda (Usuda Deep Space Center, UDSC) in Saku in der Präfektur Nagano war für mehr als 30 Jahre im Einsatz, um die Erforschung des Weltraums mit der Abwicklung der Kommunikation mit teilweise weit von der Erde entfernt operierenden japanischen Satelliten und Sonden zu unterstützen.

    Mit rund 64 Meter Durchmesser ist der Antennenreflektor der Anlage aktuell der größte in Japan. Seiner Existenz verdankt die JAXA unter anderem das Auffinden der Sonde Hayabusa, nachdem der Kontakt mit ihr abgebrochen war. Der Großreflektor war auch im Einsatz, als Hayabusa im Jahre 2010 zur Erde zurückkehrte.

    Das Konzept für die Anlage stammt aus dem Jahre 1979. Damals wurde in Japan eine Beteiligung am internationalen Programm zur Erforschung des Kometen Halley diskutiert. Die Annäherung des Kometen mit einer geringsten Distanz zur Erde 1986 nahm man als Gelegenheit, eine Antennenanlage einzurichten, die zukünftige japanische Missionen zur Erkundung des Alls hervorragend unterstützen würde.

    Die für den Bau verantwortliche Arbeitsgruppe unter Leitung des jetzt 88-jährigen Tomonao Hayashi wählte den Standort Usuda (heute Saku) aus einer Liste von zehn untersuchten Plätzen aus, weil die Kombination von Höhenlage, geringer durchschnittlicher Niederschlagsmenge und großer Entfernung zu größeren menschlichen Ansiedlungen die besten Empfangsmöglichkeiten versprach.

    Schließlich begannen die Bauarbeiten. Ausreichend dimensionierte Straßen wurden in das ausgewählte Gelände gezogen,und auf rund 1.456 Metern über dem Meer war zunächst Wald zu roden. 1984 war die Anlage fertiggestellt. Investiert hatte man bis zu diesem Zeitpunkt rund 10 Milliarden (10.000.000.000) Yen.

    Laut Hayashi war der Bau nur mit Unterstützung durch die lokale Bevölkerung möglich. Immer wieder besuchte Hayashi die Baustelle, wenn es Fragen zu beantworten gab. Unter anderem wurde diskutiert, ob die Antenne zur Kommunikation mit Außerirdischen benötigt würde und ob die Anlage nicht ein bevorzugtes Ziel für Angriffe Fremder darstelle.

    Bei der technischen Auslegung der Anlage griffen die Japaner auf Erfahrungen der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (National Aeronautics and Space Administration, NASA) zurück. Der Entwurf ermöglichte eine bis dato in Japan unerreichte Präzision beim Empfang von Signalen aus dem All. Ihre Leistungsfähigkeit konnte die Anlage dann auch im Rahmen der internationalen Halley-Kampagne unmittelbar demonstrieren.

    Die Möglichkeiten, die die Anlage bietet, waren es auch, die bei einigen Gelegenheiten Voraussetzung für die Rettung von in Schwierigkeiten geratenen Raumfahrtmissionen darstellte. Als 2005 der Kontakt mit Hayabusa abgerissen war, gelang es mit Hilfe der Antenne in Saku, rund sechs Wochen nach dem Verbindungsabbruch ein ausgesprochen schwaches Signal der Sonde zu erfassen.

    2010 war man dank der Antenne in der Lage, Signale von Akatsuki zu empfangen, die nach einem - wegen eins technischen Fehlers im Antriebssystem der Sonde - fehlgeschlagenen Einbremsen in einen Venus-Orbit auf eine nicht geplante Bahn geraten war. Als Akatsuki bei einem zweiten Versuch im Dezember 2015 schließlich einen Orbit um die Venus erreichte, war die Antenne in Saku routinemäßig beteiligt.

    Der 57-järige Leiter des UDSC, Zenichi Yamamoto, erklärte, dass er seinen Vorgängern ausgesprochen dankbar ist für deren Weitsicht, den Bau einer leistungsfähigen Antennenanlage zu initiieren, noch bevor eine Erkundung des Weltraums durch Japan ernsthaft begonnen worden war.

    Die Auslegungsbetriebsdauer der Anlage von 15 Jahren ist zwischenzeitlich deutlich überschritten, im Falle des Ausfalls von Komponenten ist eine Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit nicht mehr ohne weiteres garantiert. Deshalb beabsichtigt die JAXA, im japanischen Finanzjahr 2019 eine neue, kleinere, aber leistungsfähigere Anlage in Betrieb zu nehmen, mit der auch die Kommunikation auf solchen Frequenzen möglich ist, die erheblich höhere Datenraten erlauben.

    Über das Schicksal der aktuellen Anlage ist noch nicht entschieden. Die JAXA würde sie gerne als Reserve behalten. Auch eine Nutzung als Radioteleskop wurde vorgeschlagen. Anwohner sollen dazu aufgerufen haben, von einem Abbau der alten Antennenanlage abzusehen.

    Wenn es nach Tomonao Hayashi geht, hat die alte Anlage eine Zukunft. Er freut sich, dass die Anwohner die Anlage zwischenzeitlich liebgewonnen hätten und formuliert: "Nutzt die Anlage, solange sie nutzbar ist".

    Der Neubau mit einem Reflektordurchmesser von rund 54 Metern soll nach Angaben der JAXA in einem Waldgebiet auf rund 1.580 Metern über dem Meer in etwa 1,5 Kilometern Abstand im Nordwesten der alten Antenne entstehen.

    Man hofft, dass die Raumsonde Hayabusa 2, die sich aktuell auf dem Weg zum Asteroiden Ryugu befindet, bei ihrer Rückkehr zur Erde Ende 2020 die neue Antenne zur Abwicklung der erforderlichen Kommunikation nutzen können wird. Nicht nur ein Einsatz für japanische Missionen ist vorgesehen. Die JAXA will auch Anwendern aus anderen Ländern eine Nutzung ermöglichen.

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA, The Yomiuri Shimbun)


    » Neue ESA-Antenne in Australien eingeweiht
    20.02.2016 - In New Norcia im Westen Australiens wurde am 11. Februar 2016 eine neue Antennenanlage für das Bahnverfolgungs- und Kommunikationsnetzwerk ESTRACK der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) offiziell eingeweiht. Sie übernimmt Aufgaben einer zwischenzeitlich stillgelegten Antenne bei Perth.
    Die neue Anlage entstand auf einem von der ESA bereits genutzten Gelände. Ihre Aufgabe ist die Bereitstellung von Kommunikationsverbindungen zu Raketen und Satelliten. Insbesondere soll die Anlage bei Starts vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana zum Einsatz kommen.

    Die Station in New Norcia liegt im von Kourou aus üblicherweise geflogenen Korridor und ist deshalb ideal geeignet, um von Raketen und Raumfahrzeugen Daten zu empfangen und Kommandos zu übertragen.

    Seit 2002 betreibt die ESA in New Norcia eine Antennenanlage mit einem Reflektordurchmesser von rund 35 Metern, die in der Vergangenheit insbesondere zur Unterstützung europäischer Missionen zur Erkundung des Sonnensystems wie Mars Express und Rosetta und von Weltraumteleskopen wie Gaia, letzteres rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, verwendet wurde.

    Größe und Konstruktion der 35-Meter-Antenne sind für die Kommunikation mit Raketen und Satelliten, die gerade ihren Flug begonnen haben und sich nahe der Erde befinden, weniger geeignet.

    Die jetzt eingeweihte Antenne hat eine Reflektorschüssel mit einem Durchmesser von 4,5 Metern. Wegen ihrer deutlich geringeren Größe ist sie wesentlich agiler und damit besonders gut dafür geeignet, sich schnell auf gerade gestartete Satelliten auszurichten und während der ersten, kritischen Orbits der Satelliten Kommunikationsverbindungen herzustellen.

    Mit der neuen Antenne ist es möglich, Satelliten in einem Erdabstand von bis zu 100.000 Kilometern sowie von Kourou gestartete Ariane-5-, Sojus- und Vega-Raketen zu erfassen und zu verfolgen.

    Ein besonderer Modus erlaubt es darüber hinaus, die Steuerung der großen 35-Meter-Antenne in New Norcia zu übernehmen, um diese exakt auszurichten und dann mit ihrer Hilfe Bahn- und Telemetriedaten mit höherer Datenrate zu gewinnen, als es mit der kleinen Antenne alleine möglich wäre.

    Neben dem Einsatz bei Starts von Kourou wird die neue Antenne laut Plan zum Beispiel zur Kommunikation mit Galileo-Navigationssatelliten, zur Unterstützung der Merkur-Mission BepiColombo und im Rahmen des ExoMars-Programms zum Einsatz kommen. Erste Erfolge konnte die Anlage bereits im Dezember 2015 für sich verbuchen, als sie testweise zur Verfolgung von LISA Pathfinder genutzt wurde.

    Beide Antennen in New Norcia sind in das Bahnverfolgungs- und Kommunikationsnetzwerk ESTRACK integriert. Über dieses Netzwerk ist es möglich, Raumfahrzeuge vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt aus zu überwachen und zu steuern. Das Kernnetz des ESTRACK besteht derzeit aus neun Stationen in sieben Ländern der Erde.

    Entwurf, Bau und Aufstellung der neuen Antenne und ihre Integration in die Infrastruktur der Station New Norcia kosteten die ESA eigenen Angaben zufolge rund sechs Millionen Euro. Zentraler Anlass für die Einrichtung der neuen Anlage in New Norcia war die Erfordernis einer Verlagerung von Bahnverfolgungs- und Kommunikationseinrichtungen der ESA innerhalb Australiens.

    Rund 140 Kilometer südwestlich von New Norcia nutzte die ESA jahrelang bei Perth auf einem Gelände des Perth International Telecommunications Centre (PITC) eine Anlage mit einer Antenne mit einem Schüsseldurchmesser von 15 Metern zur Bahnverfolgung und zur Kommunikation mit Raumfahrzeugen. Innerhalb von 30 Jahren unterstützte die Station bei Perth zahlreiche bedeutende Missionen der ESA. Darunter sind solche wie Cluster, Giotto, Hipparcos, SMART 1 und XMM Newton.

    Im Jahre 2009 war der Einsatz der Station beim Doppelstart der beiden Weltraumteleskope Herschel und Planck auf der Ariane-5-Rakete mit der Flugnummer V188 angezeigt.

    2013 verfolgte die Antenne bei Perth den Flug der Sojus-Rakete mit Gaia an Bord. Ohne dass vorher ein praktischer Test möglich gewesen wäre, funktionierte die Antenne bei diesem besonderen Einsatz wie vorgesehen.

    Zu Beginn der Mission von LISA Pathfinder zeigte die Anlage noch einmal ihre Nützlichkeit. Sie erlaubte die Vorbereitung, Einleitung und Überwachung der sechs Bahnanhebungsmanöver der bereits erwähnten Sonde LISA Pathfinder und ihren erfolgreichen Einschuss in den vorgesehenen Zielorbit rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.

    Der letzte mit der Antenne bei Perth unterstützte Start war der von zwei Galileo-Navigationssatelliten auf einer Sojus-Rakete am 17. Dezember 2015.

    Eine sich immer weiter ausdehnende Besiedlung im Gebiet Perth, in immer geringerem Abstand eingesetzte Fernsehübertragungswagen und der Bedarf der Einwohner, Institutionen und Gewerbebetriebe an Mobilkommunikation machten den Einsatz der ESA-Anlage bei Perth immer mehr zu einer Herausforderung.

    Da eine gemeinschaftliche Nutzung der benötigten Frequenzbereiche nicht sinnvoll möglich ist und ein Auftreten von unerwünschten Interferenzen nicht zu vermeiden, war eine Veränderung letztlich unausweichlich. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2015 entzog die Australian Communication and Media Authority (ACMA) der ESA schließlich nicht unerwartet auch die Nutzungsgenehmigung für bestimmte Frequenzbereiche.

    Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


    » Sojus 29: Zwischenhalt am Boden
    21.02.2016 - Die Kapsel konnte für kurze Zeit aus der Nähe besichtigt werden. Andreas Weise war für Raumfahrer.net am 19. Februar 2016 im Militärhistorischen Museum (MHM) Dresden.
    „...Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass dieser Platz zwischen Himmel und Erde der Endlagerplatz für die Sojus sein soll! Nein, ich kann es mir wirklich nicht vorstellen!...“ So hatte ich in der Zeitschrift „Raumfahrt Concret“ Ausgabe 4/5/2011 anlässlich der Neueröffnung des Militärhistorischen Museums Dresden, kurz MHM, Ende 2011 geschrieben.

    Wohl wissend um die komplizierten, rechtlichen und emotionalen Zusammenhänge war ich aber davon ausgegangen, dass es trotz aller Bemühungen noch lange Zeit dauern würde, bis die „29“ mal wieder aus der Nähe zu betrachten wäre. Seit dem Zeitpunkt der Aufhängung in der rückseitigen oberen Ecke des Libeskind-Keils im Militärhistorischen Museum in Dresden Ende 2011 hat die „29“ nun erstmalig wieder den Boden erreicht.

    Der Hintergrund
    Die Landekapsel Sojus 29 ist der Apparat, mit der der erste Deutsche im Weltraum, Sigmund Jähn, 1978 zur Erde zurück gekehrt ist. Sie befindet sich seit 1981 im Besitz des MHM, vormals Armeemuseum der DDR in Dresden. Ende 2011 wurde das MHM nach langjähriger Umbauzeit neu eröffnet. Laut dem damaligen und auch jetzigen Museumschef Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg stellt die Landekapsel ein „Leitobjekt“ des MHM dar. Sie ist also etwas Besonderes. In Deutschland selber existieren nur zwei Sojus-Landekapseln. Die Sojus-TM 19 im Technikmuseum in Speyer und eben die Sojus 29 in Dresden. Zur „29“ kommt dann der entsprechend historisch beladene Background hinzu.

    Im Rahmen eines speziell für das MHM umgesetzten Museumskonzeptes, was den Zusammenhang zwischen Techniknutzung und Militär darstellen will, wurde die „29“ an einer dafür eigens geschaffenen Stelle in der Rückseite des Libeskind-Keils positioniert. Diese Art der Präsentation rief Widerspruch hervor. Nicht nur bei Raumfahrtfans. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich selber habe mich mehrere Jahre mit diesem Problem beschäftigt.

    Letztlich landet man aber immer wieder bei der Frage nach den Besitzverhältnissen. Und die sind eindeutig. Und wenn das MHM als Eigentümer des Objektes der Meinung ist, dass der „obere“ Standort für ihr Museumsobjekt der richtige ist, dann ist es so. Auch wenn es mir persönlich nicht gefällt. Schließlich ist das MHM das Museum der Bundeswehr und nicht ein Technik-, Verkehrs- oder Raumfahrtmuseum. Dort würde das Objekt natürlich in einem ganz anderen Kontext präsentiert werden. Nun hängt die „29“ seit 2011 in luftiger Höhe in etwa 20 Meter Entfernung vom Bodenbetrachter. Dabei sieht sie aus, als ob sie sich im Landeanflug befindet.
    Sie fällt und fällt … und fällt … und fällt … .

    Die Landung
    ... und nun war sie kurz gelandet. Aber warum jetzt?
    Seit Mittwoch, dem 3. Februar 2016 befand sich die „29“ wieder auf festem Boden. Was vom Pressesprecher des MHM, Oberstleutnant Bangert, als „Winterferien-Spezial“ bezeichnet wurde, hatte einen ganz praktischen Hintergrund. Die Aufhängung der Kapsel musste zum TÜV. Und da die Kapsel an zwei motorischen Seilaufzügen hängt, war es ein Leichtes, sie abzulassen. Und warum nicht das Notwendige mit dem Nützlichen bzw. Schönen verbinden? Also blieb die Kapsel für 3 Wochen unten und wurde so einer breiten Öffentlichkeit wieder näher gebracht. Eine Entscheidung, für die man das MHM nur beglückwünschen kann.

    Dabei war die Art der Präsentation spektakulär. Aus einer Entfernung von einem reichlichen Meter konnte man in das Innere hinein schauen. Im Deutschen Museum in München, wo die „29“ einige Zeit als Leihgabe ausgestellt war, wurde vor die Durchstiegsluke extra eine Plexiglasscheibe gesetzt. Hier in Dresden war der Einblick ungetrübt. Ein Zeichen von Vertrauen gegenüber dem Besucher. Ich selber konnte mich daran erfreuen, wie Großväter ihren Enkel versuchten zu erklären, wie dies und jenes so mit den Kosmonauten funktioniert. Betrachtet man andere Präsentationen von Sojus-Kapseln, so ist das Dresdner Display zwar sehr einfach, aber wirklich gelungen. In Speyer steht die Kapsel in einem schrägen Glaszylinder, in Le Bourget bei Paris ist sie im Halbdunklen hinter spiegelndem Glas. Nur in Moskau im Museum der Kosmonautik kam man direkt an verschiedene Exemplare heran. Und eine, die Sojus 37, wurde für mich extra „aufgeschraubt“. Aber das war eine große Ausnahme.

    Der Zustand
    Die Deckeninstallation bot immer Anlass für Spekulationen und Gerüchte über den wahren Zustand der „29“. Durch den direkten Einblick und die Beantwortung meiner Fragen, die ich dem zuständigen Sachgebietsleiter im MHM, Herrn Wehner und dem Pressesprecher des MHM Oberstleutnant Bangert stellen durfte, können einige Gerüchte aus der Welt geschaffen werden.

    Der optische Zustand ist gut, ich möchte sogar sagen sehr gut. Natürlich haben sich im Laufe der Zeit viele Bruchstücke der Außenverkleidung gelöst. Schließlich war die Kapsel in ihrem Museumsleben viel auf Reisen. Aber ich habe schon „schlimmere“ Exponate gesehen. Die Restauratoren haben versucht, hier den aktuellen Zustand zu erhalten. Die Unterschriften der Kosmonauten Bykowski und Jähn von der Übergabe an das Armeemuseum der DDR sind noch lesbar. Der Kreideschriftzug von Jähn, angebracht nach der Landung, ist noch zu erahnen. Ob und wann diese durch die Signatoren einmal erneuert werden, konnte man mir nicht sagen.

    Das Innere der Kapsel macht einen sehr guten Eindruck. Meine Frage, ob es zeitlich bedingte Zersetzungserscheinungen verbauter Materialien wie Textil, Kunststoff u.a. gibt wurde verneint. Die in einem Fachartikel aus dem April 1999 angesprochenen Schäden an Instrumenten-Panels und an einem Fenster waren so nicht bekannt. Ich selber habe keinerlei derartige oder andere Beschädigungen gesehen. Allerdings war der Blick auf das Haupt-Panel auf Grund der Kapsel-Lage verwehrt. Es ist davon auszugehen, dass für die Konservierung und Restauration durchaus kein kleiner Aufwand betrieben wurde. In der aktuellen „Bodenphase“ waren keine Restaurierungsarbeiten notwendig, da sich die Kapsel in besagtem guten Zustand befunden hat.

    Der Standort des Höhensensors im Kapselboden ist mit einer Platte abgedeckt und als radioaktiv gekennzeichnet. Ich habe nicht explizit danach gefragt, aber ich vermute, es handelt sich um eine Bleiplatte. Im Forum von Raumfahrer.net wurde das Thema bereits ausführlich diskutiert. Die Reststrahlung wurde als vernachlässigbar gering bezeichnet und mit der einer alten Armbanduhr mit fluoreszierendem Zifferblatt verglichen. Also ist das Gerücht, die Kapsel hänge wegen der Abstrahlung so weit vom Besucher entfernt, ein Märchen. Auch andere Museumsobjekte, die ebenfalls Strahlungsquellen enthalten, wie z.B. Armaturen in Panzern, sind entsprechend gekennzeichnet. Also ist das nichts außergewöhnliches.

    Der Landefallschirm ist auch vorhanden. Er zählt neben dem Sokol-Raumanzug von Sigmund Jähn sicher zu den wichtigsten Exponaten in der Sammlung rund um die „29“. Allerdings ist er im Magazin eingelagert. Man habe Angst, dass der Stoff bei einer längeren Präsentation durch den Faltenwurf brüchig werden könne, wurde mir erklärt. Als Beispiel wurde Sojus 28 in Prag genannt, wo es negative Erfahrungen mit der Fallschirmpräsentation gegeben haben soll.

    Der Raumanzug von Sigmund Jähn befindet sich im Haus der Deutschen Geschichte in Bonn als Leihgabe. Dort konnte ich ihn im Jahr 2013 selbst in Augenschein nehmen. Es war aber gut, es noch einmal bestätigt zu bekommen.

    Über weitere Leihgaben an andere Museen konnte man auf die Schnelle keine Auskunft geben. Das wäre auch nicht zu erwarten gewesen. Für mich überraschend: Herr Wehner hatte den Katalog des Armeemuseums der DDR „Gemeinsam im Kosmos“ nach eigener Aussage griffbereit mitgebracht. Ich übrigens auch…! Schön, wenn man die selben Ideen hat.

    Die Frage, ob es bei der Übergabe der „29“ eine Dokumentation zur Kapsel gegeben hat, wurde verneint. Ich hatte dabei an eine Art „Bedienungsanleitung für Sojus“ oder eine technische Dokumentation gedacht. Schade. Im Katalog ist dergleichen allerdings auch nicht verzeichnet.

    Wie weiter?
    Die „29“ war offiziell noch bis zum 20. Februar am Boden. Es ist davon auszugehen, dass sie am Mittwoch, dem 24. Februar 2016 wieder an ihren vom MHM vorbestimmten Platz an die Decke gehievt wird. An diesem Tag hat das Museum geschlossen. Und die „29“ wird auch auf unbestimmte Zeit dort oben verbleiben. Auf meine etwas provokante Frage, ob man jetzt wieder vier Jahre warten müsse, bis die nächste TÜV-Überprüfung ansteht, antwortete mir Herr Wehner zurückhaltend: „Die Dauerausstellung hat 2011 eröffnet. Und auch wenn das Dauerausstellung heißt, ist es vielleicht nicht für die Ewigkeit…“
    Manche Dinge brauchen eben Zeit und spezielle Dinge sogar viel Zeit. Technisch wäre es kein Problem. Ein Knopfdruck und die Kapsel würde auf den Boden schweben. Sicher wird das MHM die wenigen Tage Bodenaufenthalt und die Besucherresonanz auswerten. Schnelle Änderungen sind nicht zu erwarten.
    Wie gesagt: Manches braucht viel, viel Zeit.

    Danksagung
    Besonderer Dank gilt Herrn Oberstleutnant Sebastian Bangert, Pressesprecher des MHM, und Herrn Jens Wehner, Sachgebietsleiter im MHM. Beide nahmen sich trotz meiner kurzfristigen Anfrage über eine Stunde Zeit, das Exponat zu erläutern und waren bemüht und geduldig, alle meine Fragen zu beantworten.

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Andreas Weise - Quelle: Museumsbesuch)


    » Russland: Kwangmyongsong 4 aus Nordkorea arbeitet
    24.02.2016 - Nach Angaben eines Vertreters der russischen Weltraumüberwachung habe der am 7. Februar 2016 gestartete nordkoreanische Satellit Kwangmyongsong 4 seine Arbeit aufgenommen. Das Verhalten des Satelliten spreche für Aufgaben im Bereich der Fernerkundung.
    Staatliche Stellen aus Nordkorea teilten mit, Start und Einsatz des Satelliten erfolgten im Interesse der friedlichen Erforschung des Weltraums. In einer Rede äußerte der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-Un in Pjöngjang, der Satellit sei im Rahmen eines Fünf-Jahres-Plans zur Erkundung des Weltraums gestartet worden, den Techniker und Wissenschaftler des Landes entwickelt hätten.

    Oberst Andrej Kaljuta von der Weltraumüberwachung der russischen Luft- und Weltraum-Streitkräfte (VKS, Vozdushno-Kosmicheskiye Sily / Воздушно-космические силы) berichtete laut CASSAD.NET, der Start eines nordkoreanischen Spionagesatelliten sei erfolgreich gewesen, der Satellit habe den vorgesehenen Orbit erreicht und seine Ausrüstung funktioniere.

    Man habe nach dem Start zwei Objekte im Weltraum beobachten können: Die dritte Stufe der Trägerrakete und das Raumfahrzeug - Kwangmyongsong 4. Auf Basis einer Analyse der zur Verfügung stehenden Informationen sei man zu dem Schluss gekommen, dass das Raumfahrzeug der Fernerkundung diene, und sicherlich als Aufklärungssatellit eingesetzt werden könne.

    Nach dem Start wurden in vielen Ländern Zweifel an der Arbeitsfähigkeit des nordkoreanischen Satelliten geäußert. US-amerikanische Regierungsstellen hätten berichtet, das Raumfahrzeug habe nach einer kurzen stabilen Phase wieder begonnen zu rotieren und man könne keine Signale vom Satelliten empfangen, heißt es bei CASSAD.NET.

    Die Aussagen Andrej Kaljutas zur angeblich erfolgten Aktivierung von Ausrüstung an Bord von Kwangmyongsong 4 wurden offensichtlich in einem Interview getätigt, das bei Radio RSN alias Rusnuvosti aus Moskau mit Datum vom 22. Februar 2016 veröffentlicht wurde.

    Ob es von offiziellen, mit Raumfahrtangelegenheiten befassten Stellen aus der westlichen Welt oder unabhängigen Amateurbeobachtern Bestätigungen zu einem aktiven Einsatz des Raumfahrzeugs aus Nordkorea geben wird, bleibt abzuwarten.

    Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CASSAD.NET, novosti-kosmonavtiki.ru, Kommersant, rusnovosti.ru, TASS)


    » Indien: Industrie soll PSLV bauen und starten
    27.02.2016 - Raketen vom Typ PSLV sind die erfolgreichsten in Indien gebauten Raumfahrtträger. Die indische Weltraumforschungsorganisation (ISRO) beabsichtigt jetzt, die Raketen dieses Typs künftig von indischen Industrieunternehmen herstellen und starten zu lassen.
    Die vorläufig als PSLV-I bezeichnete Variante der seit 1993 geflogenen Rakete will man künftig von einem Industriekonsortium bauen und betreiben lasen. An dem Konsortium soll sich auch das Unternehmen Antrix Corporation Limited (Antrix / ACL) aus Bangalore, das in Indien in der Raumfahrtbranche bereits eine herausgehobene Bedeutung besitzt und als kommerzieller Arm der ISRO tätig ist, beteiligen.

    PSLV-Raketen sind vierstufige Kombinationen aus Aggregaten, in denen feste und flüssige Treibstoffe verbrannt werden. Die erste PS1 genannte Stufe, im wesentlichen ein großer Feststoffmotor, wird bei Bedarf von zusätzlichen, gegebenenfalls seitlich angebrachten Feststoffboostern unterstützt.

    Die zweite Stufe mit der Bezeichnung PS2 setzt auf ein VIKAS genanntes Triebwerk, das einer Entwicklungslinie der europäischen Viking-Triebwerke für die Ariane-Raketen entstammt und flüssigen Treibstoff verbrennt (UH25, bestehend aus 75% Unsymmetrisches Dimethylhydrazin (UDMH) + 25% Hydrazinhydrat, und N2O4). Bei der dritten Stufe PS3 handelt es sich wiederum um einen Feststoffmotor. In der vierten Stufe PS4 kommen flüssige Treibstoffe zum Einsatz (MMH / Monomethylhydrazin und MON-3 / Stickstofftetroxid mit 3% Stickstoffmonooxid).

    Der erste Start einer PSLV-I ist aktuellen Überlegungen zufolge für 2020 vorgesehen, berichtete der Vorsitzende der ISRO A. S. Kiran Kumar in Mumbai. Mit Industrievertretern besprach die ISRO das Projekt anlässlich einer Veranstaltungsreihe der Kampagne "Make in India", die vom 13. bis 18. Februar 2016 in Mumbai stattfand.

    Von einer Ausgliederung der PSLV-Operationen verspricht die ISRO sich insbesondere eine Steigerung der möglichen Startrate indischer Raumfahrtträger von 12 auf 18 Starts pro Jahr. Derzeit beträgt die durchschnittliche Startrate nach Angaben des ISRO-Wissenschaftlers und Leiters des Indischen Instituts für Fernerkundung (Indian Institute of Remote Sensing, IIRS) Dr. Y. V. N. Krishna Murthy 6 Starts pro Jahr.

    Inwieweit sich die im Zusammenhang mit dem Vorhaben formulierten Erwartungen in einer später erzielten tatsächlichen Startrate spiegeln, bleibt abzuwarten. Im Jahre 2015 beispielsweise erfolgten 4 Flüge von PSLV-Raketen und ein Start einer GSLV-Rakete.

    Das Vorhaben wird verschiedentlich als Privatisierungsprogramm bezeichnet. Ob man angesichts einer anzunehmenden maßgeblichen Beteiligung von Antrix von einer Privatisierung im eigentlichen Sinne sprechen sollte, wäre zu diskutieren. Antrix bezeichnet sich selbst als Unternehmen, das vollständig der Regierung Indiens gehört und unter der administrativen Kontrolle des Raumfahrtministeriums (Department of Space, DOS) steht. Die ISRO gehört seit dem 1. Juni 1972 zum DOS.

    Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

    Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: DefenceNews.in, Idrw.org, The Siasat Daily, Times of India)



^ Nach oben

ISS Aktuell: Progress-M 29M hob ISS-Bahn am 17. Februar 2016 an von Redaktion



• Progress-M 29M hob ISS-Bahn am 17. Februar 2016 an «mehr» «online»
• Sojus-TMA 18M in Kasachstan gelandet «mehr» «online»


» Progress-M 29M hob ISS-Bahn am 17. Februar 2016 an
18.02.2016 - Die Bahn der Internationalen Raumstation (ISS) wurde am 17. Februar 2016 um circa 1,8 Kilometer angehoben, berichtete das russischen Kontrollzentrum für bemannte Raumfahrt in Koroljow bei Moskau der russischen Nachrichtenagentur TASS am gleichen Tag.
Mit den Bordtriebwerken am Heck des russischen, seit dem 2. Oktober 2015 angedockten Versorgungsschiffs Progress-M 29M wurde das als Reboost bezeichnete Manöver zur Bahnanhebung der ISS durchgeführt. Reboosts sind regelmäßig erforderlich, da die ISS auf Grund der Bremswirkung der dünnen Restatmosphäre pro Tag zwischen 80 und 150 Meter Flughöhe verliert.

Am 17. Februar 2016 um 13:44 Uhr Moskauer Zeit, das ist 11:44 Uhr MEZ, wurden die Triebwerke des von der US-amerikanischen Luft und Raumfahrtagentur (NASA) Progress 61 oder 61P genannten Versorgers gezündet. Die Triebwerke des am Heck des Servicemoduls Swesda (russisch für Stern) gekoppelten Versorgers brannten dann rund 652 Sekunden lang.

Die Operation hob die Bahn der Station um circa 1,8 Kilometer an. Die durchschnittliche Flughöhe der ISS nach dem Manöver lag nach Angaben des russischen Kontrollzentrums und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos bei ~ 404,4 Kilometern über der Erde.

Die Bahnanhebung erfolgte insbesondere in Vorbereitung des nächsten bemannten Flugs zur ISS. Die Station soll im März 2016 von Sojus-TMA 20M nach rund sechsstündigem Flug erreicht werden. Der Start von Sojus-TMA 20M mit den russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin und Oleg Skripotschka und dem US-amerikanischen Astronauten Jeffrey Williams vom Kosmodrom Baikonur ist derzeit für den 19. März 2016 geplant.

Vor der Ankunft von Sojus-TMA 20M wird voraussichtlich am 1. März 2016 Sojus-TMA 18M mit den Russen Sergej Wolkow und Michail Kornienko sowie dem US-Amerikaner Scott Kelly an Bord die Station verlassen und dabei einen Kopplungsport am Forschungs- und Kopplungsmodul mit dem Eigennamen Poisk (russisch für Suche) freimachen. Für Kelly und Kornienko endet damit ihre sogenannte, real voraussichtlich 340 Tage lange Jahresmission.

Verwandte Seite bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: mcc.rsa.ru, NASA, Roskosmos, TASS)


» Sojus-TMA 18M in Kasachstan gelandet
02.03.2016 - Am Morgen des 2. März 2016 ist die Rückkehrkapsel des Raumschiffs Sojus-TMA 18M mit ihrer dreiköpfigen Besatzung in Zentralkasachstan gelandet.
Mit der Landung der Russen Sergej Wolkow und Michail Kornienko sowie dem US-Amerikaner Scott Kelly an Bord gegen 5:26 Uhr MEZ am 2. März 2016 im vorgesehenen Gebiet wurde die ISS-Expedition 46 endgültig erfolgreich abgeschlossen.

Sergej Wolkow war am 2. September 2015 zur Internationalen Raumstation (ISS) und seinem dritten Raumflug aufgebrochen und verbrachte rund sechs Monate im All. Der NASA-Astronaut und Commander der Expedition 46 hatte die ISS zusammen mit Michail Kornienko am 28. März 2015 erreicht und mit dem Kollegen 340 Tage an Bord der Raumstation verbracht.

Im Rahmen ihrer Mission legten Kelly und Kornienko mit der Raumstation eine Distanz von rund 143 Millionen Meilen, umgerechnet also über 230 Millionen Kilometer, zurück. Zusammen mit einem früheren Raumflug hat Kornienko jetzt 516 All-Tage absolviert. Kelly konnte mit seinem vierten Raumflug seinen Erfahrungsschatz auf 520 Tage im All erweitern. Wolkow kommt mit dem Abschluss seines dritten Einsatzes im Weltraum sogar auf 548 Tage.

Am gestrigen 1. März 2016 legten die drei Raumfahrer ihre Sokol-Fluganzüge an und bereiteten sich in der Besatzungskabine von Sojus-TMA 18M auf die Landung vor. Die Luken zur ISS wurden gegen 22:43 Uhr MEZ geschlossen. Nach der Überprüfung des hermetischen Abschlusses koppelte das Sojus-Raumschiff mit Sojus-Kommandant Sergej Wolkow an den Kontrollen um 2:03 Uhr MEZ am 2. März 2016 vom Kopplungsstutzen am Forschungs- und Kopplungsmodul mit dem Eigennamen Poisk (russisch für Suche) am russischen Segment ab. Anschließend entfernte sich Sojus-TMA 18M langsam von der Station.

Die ISS befand sich während dieses Manövers im freien Flug, um den Ablegevorgang nicht durch automatische Lagekorrekturen zu stören. Gegen 4:34 Uhr MEZ begann eine Brennphase der Triebwerke am Servicemodul zum Abbremsen von Sojus-TMA 18M. Das Raumschiff wurde dadurch soweit verlangsamt, dass der erdnächste Punkt seiner Umlaufbahn innerhalb der Erdatmosphäre lag. In rund 140 Kilometern Höhe wurden anschließend Orbitalmodul, Landekapsel und Servicemodul voneinander getrennt.

Während Orbital- und Servicemodul beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre weitgehend verglühten, passierte dies mit der Landekapsel nicht, da sie an ihrer Unterseite mit einem Hitzeschild versehen worden war. Die Kapsel wurde durch den Luftwiderstand und danach durch einen kleinen Bremsfallschirm auf eine Geschwindigkeit von etwa 350 Kilometer pro Stunde abgebremst. Anschließend öffnete sich der große Hauptfallschirm, der eine weitere Reduzierung der Geschwindigkeit auf etwa 21 Stundenkilometer bewirkte.

In rund sieben Kilometern Höhe über dem Boden wurde schließlich der Hitzeschild abgeworfen, um unter anderem den Einsatz der Landetriebwerke zu ermöglichen. Diese zündeten unmittelbar vor dem Aufsetzen. Die sechs Bremstriebwerke dämpften den Aufprall der Kapsel auf den Steppenboden, die Landegeschwindigkeit liegt bei diesem Verfahren im Bereich von rund 10 Kilometern pro Stunde. Nach der Landung blieb die Besatzungskabine von Sojus-TMA 18M in aufrechter Position stehen, was die Bergung der Besatzung vereinfachte.

Da die Landung im vorgesehenen Gebiet rund 150 Kilometer südöstlich der Stadt Schesqasghan in Zentralkasachstan erfolgte, waren die Bergungsmannschaften mit Hubschraubern vom Typ Mi-8 und Fahrzeugen schnell vor Ort. Nicht viel später hatten alle drei Besatzungsmitglieder die Kapsel verlassen und konnten die Morgenluft genießen. Eine erste Überprüfung verschiedener medizinischer Werte ergab, dass sich die Besatzung in guter gesundheitlicher Verfassung befindet.

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, Roskosmos)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #554
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
7. März 2016
Auflage: 5242 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Igor Bissing
Michael Clormann
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Hans Lammersen
Timo Lange
Daniel Maurat
Kirsten Müller
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Roland Rischer
Peter Rittinger
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Thomas Weyrauch und Oliver Karger.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2014 by Raumfahrer.net.