InSpace Magazin #551 vom 27. Dezember 2015

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #551
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

bisher lauteten Berichte über Raketenstarts in einen Erdorbit ungefähr folgendermaßen: "Nach erfolgreicher Trennung von der ausgebrannten ersten Stufe vollendete die zweite Stufe den Flug und setzte schließlich den Satelliten/die Sonde/die Kapsel aus." Über die erste Stufe, scheinbar nur noch ein großes glühendes Stück Schrott, wurde weiter kein Wort verloren. Sie war wohl zu nichts mehr nutze, zerlegte sich halt in der Erdatmosphäre und ihre Einzelteile fielen einfach irgendwo ins Meer.

Dabei stellte diese erste Stufe, zumindest direkt nach der Stufentrennung, immer noch eine intakte Hightech-Maschine dar, deren Herstellung zuvor etliche Millionen gekostet hatte - etwa in der Größenordnung eines der heute üblichen Passagierflugzeuge. Man stelle sich vor, man würde nach jedem Flug von Frankfurt nach Mallorca den kompletten Airbus oder die Boeing verschrotten, nur weil der Tank jetzt leer ist. Was für eine Geldverschwendung!

Ungefähr so wird in der Raumfahrt aber bei den meisten Starts verfahren. Zwar aus gutem Grund: Eine Rakete ist in solchen Höhen und mit einer solchen Geschwindigkeit unterwegs, dass es technisch schwierig ist, sie von da heil wieder auf den Boden zu bringen, noch dazu idealerweise direkt neben die Tankanlage zur Wiederbefüllung. Ideen zur Wiederverwendung gab es zwar viele, aber nur zwei wurden zumindest teilweise umgesetzt (Space Shuttle, Buran), und der Space Shuttle wurde ja auch jahrzehntelang betrieben, wenn auch nur mit bescheidener Effizienz. Konventionelle Raketen folgten aber weiterhin dem bewährten, verschwenderischen Muster, für jede Mission das gesamte Fluggerät zu opfern.

Am letzten Dienstag, dem 22.12.2015 ist nun dem privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX ein womöglich historischer Erfolg gelungen: Die Erststufe einer Falcon-9-Rakete drehte sich, nachdem sie von der Oberstufe abgestoßen worden war, in die Gegenrichtung, zündete ihr Triebwerk erneut und setzte schließlich unversehrt auf einem vorbereiteten Landeplatz in nur 9 Kilometer Entfernung von der Startrampe auf! Die Landung wurde live im Internet übertragen und mutete eigentlich wie selbstverständlich an, nach dem Motto: "Warum haben die das nicht schon immer so gemacht?" Mit dieser Landung ist der Traum von der Wiederverwendung einer Rakete ähnlich der eines Flugzeugs ein großes Stück näher gerückt. Mehr dazu können Sie auch in einem der Artikel dieses Inspace-Magazins lesen, zu dem ich Ihnen nun viel Spaß wünsche.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

• Radiometer AMSR-E an Bord von Aqua abgeschaltet «mehr» «online»
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• Reschetnjow: Amos 5 ist Totalverlust «mehr» «online»
• Copernicus: TAS baut Sentinel 1C und 1D für die ESA «mehr» «online»
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• MASE: Leben auf dem Mars - Wie auf der Erde? «mehr» «online»
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» Radiometer AMSR-E an Bord von Aqua abgeschaltet
16.12.2015 - Das Marshall Raumflugzentrum der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) gab Anfang Dezember 2015 bekannt, dass das Mikrowellen-Radiometer AMSR-E an Bord des 2002 gestarteten Erdbeobachtungssatelliten Aqua endgültig abgeschaltet worden ist.
Zuletzt arbeitete das AMSR-E für "Advanced Microwave Scanning Radiometer - EOS" genannte Instrument rund drei Jahre in einem Modus, bei dem der Teil des Instruments mit dem Antennenträger und der daran zuoberst angebrachten großen Reflektorschüssel mit einem Durchmesser von 1,6 Metern zwei Umdrehungen pro Minute absolvierte. Die Abschaltung des Instruments erfolgte am 4. Dezember 2015. Gegen 10:45 Uhr MEZ kam das Instrument zum Stillstand. Der Einsatz von Aqua indes geht weiter, das AMSR-E will man aber nicht mehr aktivieren.

Aqua gehört zu einer Konstellation von Erdbeobachtungssatelliten mit der Bezeichnung EOS. EOS steht für "Earth Observing System" und bedeutet schlicht System zur Erdbeobachtung.

Der Satellit war am 4. Mai 2002 von der Luftwaffenbasis Vandenberg (VAFB) an der Westküste der USA aus gestartet worden. Entsprechend seiner Namensgebung ist Aqua zur Untersuchung der Phänomen auf der Erde und in der Atmosphäre gedacht, bei denen Wasser eine Rolle spielt.

Um seinen Aufgaben gerecht zur werden, wurde der Satellit mit sechs hochentwickelten Instrumenten ausgestattet. Sie erlauben es, die Niederschlags- und Verdunstungsprozesse des globalen Wasserkreislaufs mit hoher Genauigkeit zu beobachten.

Von den mit Hilfe des Satelliten gewonnenen Daten verspricht man sich insbesondere Aufschluss darüber, ob Geschwindigkeit des Wasserkreislaufs im Zuge des weltweiten Klimawandels ansteigt.

Das AMSR-E an Bord von Aqua ist eine Weiterentwicklung des Radiometers AMSR des Erdbeobachtungssatelliten Advanced Earth Observing Satellite-II (ADEOS-II). Das passive Mikrowellen-Radiometer mit einer Masse von rund 324 Kilogramm wurde von der Japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (Japan Aerospace Exploration Agency, JAXA) entworfen und zur Verfügung gestellt. Die Herstellung des Instruments oblag der Mitsubishi Electric Corporation (MELCO).

Bei seinem Entwurf war dem Instrument eine Auslegungsbetriebsdauer von sechs Jahren zugedacht worden. Es war jedoch erheblich länger in der Lage, von der Erde oder der Atmosphäre abgestrahlte ausgesprochen schwache Radiowellen zu erfassen, und versorgte nicht nur Klimaforscher mit nachgefragten Daten, sondern lieferte Informationen für eine ganze Reihe praktischer Anwendungsfelder.

Mit Informationen des Instruments arbeitet eine Anzahl von ozeanographischen Institutionen und Wetterbehörden rund um den Globus. Darunter waren die nationale US-amerikanische Wetterbehörde (US National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA), das europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (European Centre for Medium-range Weather Forecasts, ECMWF), der kanadische Eisinformationsdienst (Canadian Ice Service, CIS) und das Institut für Meereskunde der Universität Hamburg.

Daten vom AMSR-E ermöglichten es beispielsweise, die Genauigkeit von Wettervorhersagen der Japanischen Wetteragentur zu verbessern. Außerdem waren sie unter anderem bei der Bestimmung der Zentren von Wirbelstürmen nützlich. Bei der Erstellung eines täglichen Datensatzes mit globalen Informationen zu Oberflächentemperaturen der Weltmeere fanden die Messungen des AMSR-E ebenfalls Eingang,

Berichten aus Japan zufolge ermöglichten Daten des Instruments einen effizienteren Einsatz der Fischereiflotte, da diese über das Informationszentrum für die Fischereiindustrie rasch über sich verändernde Wetterbedingungen auf dem Meer unterrichtet werden konnte.

Am 3. Oktober 2011 hatte die Rotation des Antennenträgers des AMSR-E eine Grenze von 40 Umdrehungen pro Minute unterschritten. Weil Vibrationen auch eine Rotation in einem Modus mit vier Umdrehungen pro Minute nicht zuließen - der Betrieb der übrigen Beobachtungsinstrumente wäre über ein tolerierbares Maß hinaus gestört worden - wurde die Rotation schließlich vollständig eingestellt, und das Instrument schaltete sich automatisch aus.

Prinzipiell ist es möglich, mit ausreichend hoher elektrische Leistung eine kontrollierte Rotation auch bei wegen Schmiermittelverlust gestiegenem Getriebewiderstand herzustellen. Eine Leistungserhöhung über eine bestimmte Grenze hinaus ließen die Satellitensysteme vernünftigerweise jedoch nicht zu, um den Satelliten als Ganzes nicht zu gefährden. Eine Gefahr wäre ein Zerleger des Getriebesatzes, in dessen Folge der Satellit zum Beispiel ins Taumeln gerät.

Spezialisten der JAXA entwickelten zusammen mit Ingenieuren der NASA einen Betriebsmodus für das AMSR-E, der bei langsamer Rotation einen wieder nutzbringenden Einsatz des Instruments ermöglichen sollte. Ab dem 4. Dezember 2012 lief das Instrument dann mit zwei Umdrehungen pro Minute.

Obschon es wegen der geringen Rotationsgeschwindigkeit nur möglich war, kleine Bereiche der Erde abzutasten, lohnte sich der Einsatz, weil er zusätzlich Möglichkeiten zur Datengewinnung für die Kalibrierung eines Radiometers an Bord eines anderen Satelliten erlaubte.

Das Radiometer AMSR2 an Bord des seit dem 18. Mai 2012 die Erde kreisenden japanischen Erdbeobachtungssatelliten SHIZUKU alias GCOM-W setzt die Arbeit des AMSR-E fort. Die zusätzliche Kalibrierungsmöglichkeit sorgte für eine Verbesserung bei der Datenkonsistenz und -Kontinuität. Unterschiede in den Daten, die die konstruktiv durchaus unterschiedlichen Instrumente mit abweichenden Sensoreigenschaften liefern bzw. lieferten, können jetzt einfacher korrigiert werden.

Am 4. Dezember 2015 konnte auch eine Mindestgeschwindigkeit von 2 Umdrehungen pro Minute nicht mehr eingehalten werden, und erneut schaltete sich das AMSR-E automatisch ab.

Weil es gelungen war, das AMSR-E und das AMSR2 von SHIZUKU rund drei Jahre lang parallel einzusetzen, und auf jeden Fall genug Daten zur Abstimmung der Messergebnisse beider Instrumente gewonnen worden waren, entschieden die Betreiber sich, den Einsatz des Instruments an Bord von Aqua offiziell endgültig zu beenden.

Aqua alias EOS-PM1 ist katalogisiert mit der NORAD-NR. 27.424 und als COSPAR-Objekt 2002-022A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA, NASA)


» Proton-M bringt Kosmos 2.513 alias Garpun 2 ins All
16.12.2015 - Ein weiterer militärischer Satellit der Kosmos-Serie wurde am 13. Dezember 2015 mit einer Proton-M-Rakete von Chrunitschew vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus auf den Weg ins All gebracht.
Um 1:17 Uhr MEZ bzw. 3:17 Uhr Moskauer Zeit am 13. Dezember 2015 hob die inklusive Bris-M-Oberstufe vierstufige Proton-M mit dem Erzeugniscode 8K82KM und der Seriennummer 6304837972 von der Startplattform 81/24 ab. Das Kommando- und Messzentrum der russischen Weltraumstreitkräfte German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau erfasste wenig später die fliegende Rakete.

Nach rund zehn Minuten Flug wurde die Orbitaleinheit bestehend aus Satellit und Oberstufe von der Proton-Rakete abgetrennt. Einige Stunden später wurde der für das russische Verteidigungsministerium transportierte Satellit nach Angaben aus Russland von der Oberstufe mit dem Erzeugniscode 14С43 im vorgesehenen Orbit ausgesetzt.

Demnächst soll das Raumfahrzeug mit einer geschätzten Startmasse im Bereich von 2,4 Tonnen eine fixe Position im geostationären Orbit einnehmen, wohin es seine eigenen Triebwerke bringen können. Nach dem Start erhielt der Kommunikationssatellit in der Serie der russischen Kosmos-Satelliten die Nummer 2.513.

Beobachter russischer militärischer Raumfahrtprogramme gehen davon aus, dass es sich bei dem Satelliten um das zweite Exemplar aus einer neuen Serie von Kommunikationssatelliten des russischen Militärs handelt und ordnen ihm die Bezeichnung Garpun 2 sowie den russischen Erzeugniscode 14F136 zu. Gebaut wurde der Satellit von Reschetnjow mit Sitz in Schelesnogorsk nordöstlich von Krasnojarsk.

Die Aufgabe von Garpun 2 könnte es sein, große Datenmengen, die beispielsweise bei der Arbeit russischer Fernerkundungs- und Aufklärungssatelliten auf niedrigeren Erdumlaufbahnen entstehen, an entsprechend eingerichtete Bodenstationen weiterzuleiten. Garpun (russisch Гарпун) bedeutet Harpune.

Kosmos 2.513 alias Garpun 2 wird voraussichtlich katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.121 und als COSPAR-Objekt 2015-075A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, Interfax, Raumfahrer.net, RIA Nowosti, TASS)


» Reschetnjow: Amos 5 ist Totalverlust
16.12.2015 - Der Hersteller des für den Betreiber Spacecom Satellite Communications (Spacecom) aus Israel gebauten Kommunikationssatelliten Amos 5, Reschetnjow aus Russland, betrachtet das Raumfahrzeug laut einer Meldung vom 16. Dezember 2015 als Totalverlust.
Reschetnjow berichtete am 16. Dezember 2015 auf seiner Website, dass man nach dem Ausfall von Amos 5 am 21. November 2015 alle erforderlichen Schritte zu einer Wiederherstellung einer Verbindung zum Satelliten abgearbeitet habe. Die von Reschetnjow zusammen mit Spezialisten aus dem Amos-Kontrollzentrum durchgeführten Arbeiten haben jedoch zu keinem Erfolg geführt.

Telemetriesignale vom Satelliten, die aufgezeichnet worden waren, lassen gemäß Reschetnjow den Schluss zu, dass sich Amos 5 bis zu seinem Ausfall in einem regulären Betriebsregime befunden hat. Kommandos des Amos-Kontrollzentrums sind Untersuchungen zufolge an Bord des Satelliten bis zum Ausfallzeitpunkt wie vorgesehen ausgeführt worden.

Optische Beobachtungen vom Amos 5 zeigten laut Reschetnjow, dass er keine stabile Lage im Raum inne hat. Einen neuerlichen Einsatz des elektrisch vollständig abgeschalteten Satelliten erachtet Reschetnjow als nicht möglich.

Bei der Suche nach den Gründen für den Ausfall widmet sich Reschetnjow aktuell insbesondere einem möglichen Totalversagen der Stromversorgung und einem eventuell vorliegenden Fehler in der Verkabelung des vorher mit 100 Volt betriebenen Stromversorgungsbuses.

Fehler in Komponenten des Systems aus Mess- und Telemetriesendern sowie Kommandoempfängern an Bord oder der Kommunikationsnutzlast will der Satellitenhersteller zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen.

Die bei Reschetnjow gebildete Untersuchungskommission arbeite laut Reschetnjow weiter an der Untersuchung des ursächlichen Ausfallgrunds und berücksichtige dabei auch Informationen, die man von einem Zulieferer - Reschetnjow nennt Thales Alenia Space - erhalten habe.

Am 28. Dezember 2015 will Reschetnjow eigenen Angaben zufolge Spacecom einen Bericht vorlegen.

Amos 5 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.950 und als COSPAR -Objekt 2011-074A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Reschetnjow)


» Copernicus: TAS baut Sentinel 1C und 1D für die ESA
16.12.2015 - Am 15. Dezember 2015 gab der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) bekannt, dass er von der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) mit dem Bau der beiden Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 1C und 1D beauftragt worden ist.
Der Vertrag zwischen der ESA und TAS im Wert von 402 Millionen Euro über den Bau von Sentinel 1C und 1D für das europäische Copernicus-Programm wurde am 15. Dezember 2015 in der italienischen Hauptstadt Rom unterzeichnet.

Wie schon bei der Herstellung der mit Radaranlagen mit synthetischer Apertur (Synthetic Aperture Radar, SAR) ausgestatteten Satelliten Sentinel 1A und 1B wird TAS wieder als Hauptauftragnehmer fungieren. TAS führt ein Konsortium von 60 europäischen Unternehmen an und ist verantwortlich für Entwurf, Entwicklung und Integration der beiden Raumfahrzeuge.

Die für einen Einsatz im C-Band gedachten SAR-Antennen werden bei Airbus Defence and Space für 143 Millionen Euro im Auftrag und nach Spezifikationen von TAS produziert. Sende-, Empfangs- und Steuerungselektronik für die Radaranlagen steuert TAS selbst bei.

In den Weltraum gebracht sollen die beiden Satelliten ab 2021 als Teil des umfassenden Copernicus-Programms, das sich koordiniert von der Europäischen Kommission der Umweltbeobachtung widmet. Die ESA kümmert sich um Schaffung und Betrieb des Weltraumsegments von Copernicus.

Der von TAS gebaute Sentinel 1A kreist seit seinem Start am 3. April 2014 um die Erde und ist vollständig einsatzbereit. Sein Schwestersatellit, dessen Start derzeit für das Frühjahr 2016 geplant ist, wird aktuell im Werk Cannes in Frankreich von TAS abschließenden Tests unterzogen.

Die jetzt bestellten Satelliten sind dazu gedacht, die Fähigkeit zur Radarbeobachtung innerhalb der Konstellation von Copernicus-Satelliten bis mindestens zum Ende des Jahres 2030 sicherzustellen.

Sentinel 1C und 1D basieren auf dem Satellitenbus Prima, den TAS im Auftrag der Italienischen Raumfahrtagentur (Agenzia Spaziale Italiana, ASI) entwickelt hatte, und Basis für die vier italienischen Radarsatelliten der COSMO-SkyMed-Konstellation wurde. Die beiden neuen Satelliten für Copernicus weisen voraussichtlich jeweils eine Startmasse von rund 2.300 Kilogramm auf.

Die Bodenauflösung der neuen Radarsatelliten bei der Erdbeobachtung aus einem Orbit in rund 700 Kilometern Flughöhe wird sich nach Angaben von TAS abhängig vom aktivierten Beobachtungsmodus im Bereich zwischen 5 und 25 Metern bewegen. Dank der Radaranlagen können die Satelliten ihre Beobachtungsaufgaben wie ihre Vorgänger wetterunabhängig und 24 Stunden pro Tag erbringen.

Von ihren Vorgängern Sentinel 1A und 1B unterscheiden sich Sentinel 1C und 1D unter anderem durch einen konstruktiv vorgesehenen Trennmechanismus für die Radarantennen, der nach Betriebsende bei dem jeweils irgendwann stattfindenden Wiedereintritt der Satelliten in die Erdatmosphäre wirksam werden soll.

Die rund 12,3 Meter langen und etwa 90 Zentimeter breiten Antennen mit einer Masse im Bereich von 900 Kilogramm können laut Plan automatisch vom jeweiligen Satellitenkörper abgetrennt werden, wenn beim Wiedereintritt eine bestimmte Temperatur überschritten wird.

Insbesondere die Zerstörung der aus dem Metall Titan bestehenden Treibstofftanks der Satelliten wird durch die Abtrennung der Antennen wahrscheinlicher. Ohne getrennte Antennen können die Tanks im Schatten der Antennen den Wiedereintritt möglicherweise überstehen, und so zu einer Gefahr für Menschen und Dinge am Boden werden.

Von den Vorgängern unterscheiden sich Sentinel 1C und 1D außerdem durch weiterentwickelte Navigationsempfänger für Signale der US-amerikanischen Navigationssatellitenkonstellation GPS und der europäischen Satelliten des Galileo-Satellitennavigationssystems.

Für die neuen Satelliten vorgesehen sind darüber hinaus Transponder für das im VHF-Bereich arbeitende Automatische Identifikationssystem (AIS). Satelliten mit einer Nutzlast für das AIS erweitern das System um ein Weltraumsegment, das den Empfang von Positionsdaten von Wasserfahrzeugen und deren Weiterleitung auch außerhalb der Reichweite terrestrischer AIS-Stationen ermöglicht.

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  • Copernicus (früher GMES)

  • (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, ESA, Raumfahrer.net, Thales Alenia Space)


    » Galileo-Aufbau: Sojus-Flug VS13 erfolgreich
    18.12.2015 - Der Aufbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo geht weiter. Am 17. Dezember 2015 brachte die Sojus-Rakete mit der Flugnummer VS13 von Kourou in Französisch-Guayana aus das Satellitenpaar "Andriana" und "Liene" für die Galileo-Navigationssatellitenkonstellation ins All.
    Zusammen mit den zuvor gestarteten Navigationssatelliten und den jetzt in den Weltraum beförderten Raumfahrzeugen mit einer Startmasse von jeweils rund 715 Kilogramm befinden sich nun 12 Satelliten für das Betriebsnetz von Galileo auf Umlaufbahnen um die Erde. Um den Aufbau des Betriebsnetzes kümmert sich die Europäische Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA) im Auftrag der Europäischen Kommission (European Commission, EC).

    Eine unter der Ägide von Arianespace betriebene Rakete vom Typ Sojus 2.1b aus Russland war es, die um 12:51 Uhr MEZ (8:51 Uhr Ortszeit) vom Startzentrum in Kourou in Französisch-Guayana mit den beiden neuen Navigationssatelliten an der Spitze abhob. Sämtliche Stufen der Rakete arbeiteten wie vorgesehen. 3 Stunden und 48 Minuten nach dem Start setzte die Raketenoberstufe vom russischen Typ Fregat die beiden Navigationssatelliten FOC FM08 ("Andriana") und FOC FM09 ("Liene") in rund 23.222 Kilometern Höhe über der Erde aus.

    Gebaut worden waren die Satelliten von der OHB-System AG mit Sitz in Bremen. Das Unternehmen war Anfang 2010 als Hauptauftragnehmer für den Bau von zunächst 14 der von der Europäischen Union finanzierten Navigationssatelliten ausgewählt worden. Zusammen mit dem britischen Unternehmen Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) hatte OHB-System an einem Bieterverfahren teilgenommen, und Satelliten mit einem von OHB-System entwickelten und gebauten Satellitenbus, der mit einer von SSTL konstruierten Navigationsnutzlast ausgestattet ist, vorgeschlagen.

    Gesteuert und überwacht werden die gerade gestarteten Satelliten von der ESA zusammen mit der französischen Weltraumagentur (Centre national d’études spatiales, CNES) von einem Kontrollzentrum im französischen Toulouse aus. Nach den ersten grundlegenden Inbetriebnahmearbeiten wird Spaceopal, ein Gemeinschaftsunternehmen von Telespazio und der Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbH, einer Tochter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Kontrolle der Satelliten mit Stationen in Oberpfaffenhofen und dem italienischen Fucino übernehmen.

    Erste von Galileo zur Verfügung gestellte Dienste wollten die Betreiber des Navigationssatellitensystems älteren Planungen zufolge schon 2008 anbieten. Allerdings begann das Bieterverfahren für die Satelliten für des endgültige Betriebsnetz erst im September 2008. Zu diesem Zeitpunkt rechnete man mit einer vollen Einsatzbereitschaft des europäischen Navigationssatellitensystems im Jahr 2016.

    Nach dem Start des zweiten Satellitenpaars für die Galileo-Testkonstellation (In-Orbit Validation, IOV) dachte man, dass es möglich sein sollte, ab Ende 2014 mit Hilfe von dann 18 in der Galileo-Konstellation eingebundenen Satelliten erste Navigationsdienste für die Allgemeinheit verfügbar zu machen. Die Vervollständigung des Weltraumsegments von Galileo erwartete man seinerzeit für das Jahr 2018.

    Aktuell wird erwartet, dass 2020 die volle Einsatzkapazität (Full Operational Capability, FOC) von Galileo endgültig erreicht wird. Dann sollen sich 30 Satelliten des Systems im All befinden.

    Um die fehlenden Satelliten rechtzeitig in den Weltraum transportieren zu können, will die ESA künftig auch auf leistungsfähige Ariane-5-Raketen zurückgreifen. Ein erster entsprechender Start mit vier Satelliten an Bord - auf einer Sojus-Rakete können nur zwei der Navigationssatelliten untergebracht werden - ist derzeit für Oktober 2016 vorgesehen. Dann könnten die FOC-Satelliten FM07 ("Antonianna"), FM10 ("Danielè"), FM11 ("Alizée") und FM12 ("Lisa") Bahnen um die Erde erreichen.

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    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, DLR, ESA, Raumfahrer.net)


    » MASE: Leben auf dem Mars - Wie auf der Erde?
    19.12.2015 - Die Frage, ob Leben auf dem Mars möglich ist, treibt Wissenschaftler bereits seit langem um. Dabei wird allenfalls über die Existenz von Mikroorganismen spekuliert. Eine europäische Forschungsinitiative hat nun hierzu einige grundlegende Erkenntnisse vorgestellt. Demnach sind irdische Organismen besser an extreme Bedingungen angepasst, als zu vermuten wäre. Wir haben beim DLR nachgefragt, was erste Versuche ergeben haben.
    MASE (Mars Analogues for Space Exploration), ist ein grenzüberschreitendes europäisches Forschungsprojekt, das der Frage nachgeht, unter welchen Bedingungen Leben auf anderen Himmelskörpern möglich ist. Der Mars ist der im Rahmen von Forschungsmissionen am aktivsten beobachtete Planet im Sonnensystem. Dass die Forscher über die Umweltbedingungen auf dem Mars am Meisten wissen, erleichtert den MASE-Forschern ihre vergleichende Betrachtung verschiedener Umwelten.

    Der MASE-Ansatz ist es nämlich, von extrem unwirtlichen Orten auf der Erde, an denen sich Lebensformen halten können, auf mögliches extraterrestrisches Leben zu schließen. Die „Stressfaktoren“, die auf dem Mars herrschen, reichen von der extrem dünnen, hauptsächlich aus CO2 bestehenden Atmosphäre, über die immensen Temperaturschwankungen bis zum Auftreten von harter Strahlung.

    Auf der Erde findet sich ebenfalls Leben an lebensunfreundlichen Orten. So wurden von MASE etwa Proben aus dem Rio Tinto in Spanien untersucht, die an eine besonders säurehaltige Umwelt angepasst sind.

    Im deutschen Sippenauer Moor herrscht ein anaerobes sulfidreiches Umfeld: Das Wasser der Schwefelquellen ist sauerstofffrei, kalt (10°C) und hat sehr wenig organische Nährstoffe. Es enthält sehr viele Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff oder verschiedene Sulfate, erklärte Dr. Elke Rabbow, MASE-Projektwissenschaftlerin am DLR im Gespräch mit Raumfahrer.net.

    In den sibirischen und kanadischen Permafrostböden herrscht dauernde Kälte, ein weiterer irdischer Stressfaktor für Lebensformen, allerdings fällt die Temperatur dort nicht so tief wie auf dem Mars.

    Generell lässt sich sagen, dass irdisches Leben nie allen marsianischen Stressfaktoren gleichzeitig ausgesetzt ist. Ist das ein Ausschlussfaktor für Leben auf dem Mars? Dieser Frage gehen die MASE-Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Petra Rettberg nach.

    Planeten- und Weltraumsimulation in Köln
    In der Kölner Planeten- und Weltraumsimulationsanlage des DLR versuchen sie zu ermitteln, wie Organismen, die an einen spezifischen Stressfaktor angepasst sind, auf das zusätzliche Auftreten weiterer Umwelteinflüsse reagieren.

    Die Simulationsmöglichkeiten in Köln sind dabei vielfältig: „Die Planeten- und Weltraumsimulationsanlagen bestehen aus mehreren Vakuumanlagen, Rezipienten („Vakuumtöpfe“) mit Pumpen, die in den Töpfen verschieden tiefe Drücke erzeugen können“, beschrieb Dr. Rabbow die Möglichkeiten der eingesetzten Technik. „In diesen Anlagen können Proben, auch biologische Proben, dem Vakuum ausgesetzt werden. Die Probenablagen in einigen Rezipienten sind temperaturgeregelt über angeschlossene Kryostaten."

    "Zusätzlich sind die Anlagen mit  Messinstrumenten ausgerüstet, um Druck und Temperatur zu monitoren. Spezielle Gase oder -gemische , z.B. „Marsgas“, werden in Flaschen bereit gestellt und können bei Bedarf in die Rezipienten mit einem gewünschten Druck geleitet werden. Flansche mit speziellen Quarzgläsern ermöglichen die Bestrahlung der Proben im Vakuum bzw dem individuellen Gas und Druck mit Sonnensimulatoren. Eine Auswahl an optischen Filtern erlaubt die Selektion der Wellenlängenbereiche (z.B. Mars-UV-Klima) und eine Dämpfung der Bestrahlungsstärke, wenn gewünscht. Die unterschiedliche Größe der Rezipienten ermöglicht die Aufnahme kleiner oder großer Mengen an Proben, oder die besonders schnelle Erreichbarkeit eines niedrigen Enddrucks.“, führte Dr. Rabbow weiter aus.

    Erste Ergebnisse sind vielversprechend
    „In der ersten Phase des MASE-Projekts konnten wir schon sehr interessante Mikroorganismen mit ungewöhnlichen Eigenschaften isolieren, die unser Verständnis der Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Lebewesen erheblich erweitern“, berichtete Projektwissenschaftlerin Rettberg.

    Zur konkreten Natur der Robustheit untersuchter Proben sagte Dr. Rabbow Raumfahrer.net: „Es konnte gezeigt werden, dass einige der Organismen nicht nur gegen die Bedingungen ihrer Ursprungsumgebung resistent sind, sondern auch gegen andere Bedingungen, die nicht in Ihrer natürlichen Umgebung vorkommen. Zum Beispiel ist eine aus einem isländischen, kalten, sauren See isolierte Probe unter Anderem auch gegen Trocknung resistent. Im MASE Projekt werden dabei Bedingungen untersucht, die auch auf dem Mars vorkommen. Trockenheit ist ein solches Beispiel. Ein niedriger Druck, wie auf dem Mars, geht eben mit einer Trocknung einher.“

    Jedoch schränkte Dr. Rabbow ein: „Festgestellt werden muss allerdings, dass sich die Organismen nicht aktiv an die zusätzlichen Stressfaktoren anpassen, weil wir in diesem Zusammenhang keine Evolutionsexperimente durchführen. Vielmehr bringen sie die entsprechende Resistenz schon mit.“

    Die inzwischen gängige Annahme, dass es in der Mars-Vergangenheit lebensfreundlichere Phasen gab, spielt eine Rolle für die MASE-Forscher. Sie versuchen den Prozess möglicher Fossilienbildung besser zu verstehen.

    Auch Fragen der sogenannten Planetary Protection spielen mit in die Forschung der Projektwissenschaftler hinein. Es muss sichergestellt werden, dass von der Erde mitgebrachte Mikroorganismen nicht den Mars kontaminieren und so mögliche Forschungsergebnisse verfälschen. Dabei zeigte sich, dass Mikroorganismen teils sogar in Reinräumen der Raumfahrtorganisationen existieren können.

    In der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) unterhält die ESA eine Sammlung von Mikroorganismen aus Reinräumen und den Oberflächen von Raumfahrzeugen.

    Das Interview führte Roman van Genabith.


    (Autor: Roman van Genabith - Quelle: Interview)


    » Falcon 9 landet erfolgreich & startet Satelliten
    19.12.2015 - In der Nacht von Montag auf Dienstag ist SpaceX eine Weltneuheit gelungen: Der Rückflug der ersten Stufe nach Cape Canaveral mit Landlandung. Der Flug ist darüber hinaus der erste seit dem Fehlstart im Juni 2015 und der erste Start mit den neuen Falcon-9-Upgrades.
    Der Start ist für Dienstag den 22. Dezember 2015 um 02:33 Uhr MEZ geplant. Es gibt nur ein instantanes Startfenster, bei einem Abbruch muss der Start auf Mittwoch morgen verschoben werden. Wie SpaceX-Chef Elon Musk auf Twitter bestätigte, ist der Testcountdown mit kurzem Zünden der Triebwerke gestern erfolgreich gelaufen, was den Weg frei macht für einen Startversuch am Montag (Ortszeit). Nutzlast sind 11 Orbcomm-Satelliten, die in einem niedrigen Erdorbit ausgesetzt werden sollen. Orbcomm bietet sog. Maschine-zu-Maschine-(M2M)-Kommunikationslösungen, die zum Tracking, zur Fernüberwachung und Fernsteuerung stationärer und mobiler Anlagen, wie z.B. Container und Schiffe, dienen.

    Erster Flug seit dem Fehlstart im Juni 2015
    Vor fast sechs Monaten ist die Falcon 9 das letzte Mal geflogen. Damals endete der Flug nach etwas mehr als 2 Minuten in einer grauen Wolke. Eine Strebe war gerissen, worauf der Heliumtank sich im Flüssigsauerstofftank selbstständig machen konnte. Deshalb wurde zu viel Helium freigesetzt, und der Sauerstofftank explodierte schließlich auf Grund des aufgebauten Überdrucks. Das Problem wurde nach ein paar Wochen identifiziert. Die gebrochene Strebe hatte vermutlich einen Herstellungsfehler, weshalb sie nur einen Bruchteil ihrer Sollfestigkeit aufwies. SpaceX musste über 1000 Streben am Boden testen, um das Problem zu reproduzieren. Die Stahlstreben wurden inzwischen durch solche aus Inconel ersetzt. Die Streben wurde von einem externen Zulieferer geliefert. Um auszuschließen, dass weitere Zulieferteile Herstellungsproblemen unterliegen, wurde die gesamte Falcon 9 einem umfangreichen Review unterzogen, was maßgeblich zum zeitlichen Abstand von 6 Monaten seit dem letzten Start beigetragen hat. Der aktuelle Flug ist also der erste Flug seit einem Fehlstart.

    Erster Flug von jüngstem Falcon-9-Upgrade
    Dieser Flug ist aber viel mehr. Er führt auch ein weiteres Falcon 9-Upgrade ein, was die Performance nochmal signifikant steigert. Bei der Benennung dieser neuen Falcon-9-Version ist man sich auch bei SpaceX mit dem Namen noch nicht einig, häufig wird sie "Falcon 9 Full Thrust" (voller Schub), "Falcon 9 v1.2" oder "Falcon 9.2" genannt.

    Das Oberstufentankvolumen wurde um 10% gesteigert, der Sauerstoff wird jetzt ca. 23 K kälter sein als am Siedepunkt. Dadurch ergibt sich ein Dichteanstieg von ca. 9%. Auch das Kerosin wird leicht gekühlt, bei einer Temperatur von -6° C steigert sich seine Dichte um ca. 2%. Dadurch steigt das Gewicht der Rakete. Um das zu kompensieren, liefern die Merlin-1D-Triebwerke jetzt 15% mehr Schub, er steigt jeweils auf 756 kN am Boden bzw. 825 kN im Vakuum. Das Oberstufentriebwerk mit größerer Düse liefert einen Schub von 934 kN bei einem spezifischen Impuls von 348 s laut SpaceX.

    Erster Flug mit Landlandung
    Diese Performancesteigerungen sollen es erlauben, auch bei GTO-Flügen die erste Stufe zu bergen, entweder nach Landung auf der Seeplattform, offiziell Autonomous Spaceport Droneship (ASDS) genannt, oder einem Aufsetzen auf dem Landeplatz X-1. Letzterer ist der vorher stillgelegte Startplatz 13 (LC-13) der Luftwaffenbasis Cape Canaveral.

    Bei diesem Flug soll zum ersten Mal eine Landlandung probiert werden. SpaceX hat dafür die Erlaubnis von der amerikanischen Luftfahrtbehörde (FAA) und der amerikanischen Luftwaffe (USAF) erhalten. Bei vorherigen Flügen war nur eine Landung auf der Plattform ASDS genehmigt, die aber bisher noch nicht gelang, obwohl SpaceX der Landung schon sehr nahe gekommen ist. Für die Landlandung müssen Teile auf Cape Canaveral und des Kennedy Space Centers abgesperrt werden.

    Wiederverwendbarkeit
    Seit dem Anbeginn der Raumfahrt wird über Wiederverwendbarkeit diskutiert. Dabei geht es häufig um die Frage Landung mit Flügeln oder am Fallschirm (also unter Nutzung aerodynamischer Effekte) oder mittels des Raketentriebwerks (also mit Nutzung des Rückstoßprinzips). Das Shuttle landete als Raumgleiter, Kapseln landen am Fallschirm. Shuttle- und Ariane-Booster landeten ebenfalls am Fallschirm. Die Ariane-Booster wurden nur zur Inspektion geborgen, die Shuttle-Booster mussten umständlich wiederaufbereitet werden. Der Hitzeschild vom Shuttle musste aufwendig gewartet werden.

    Die erste Falcon 9-Stufe erreicht eine höhere Geschwindigkeit als Shuttle- oder Ariane-Booster, aber sie erreicht keine Orbitalgeschwindigkeit. Um eine zu große Erhitzung durch die Abbremsung in der Erdatmosphäre zu vermeiden, bremst die Falcon 9, indem ihre Triebwerke gegen die Flugrichtung feuern. Das kostet Treibstoff und ist einer der Nachteile, wenn man nicht aerodynamisch bremst.

    Die Konkurrenz
    SpaceX ist derzeit mit dem eigenen Konzept bei der Wiederverwendbarkeit konsequenter als andere Entwickler und Hersteller von Raumfahrtträgern. Blue Origin, gegründet von Amazon-Chef Jeff Bezos, möchte ebenfalls eine wiederverwendbare orbitale Rakete bauen. Bisher gelang Blue Origin ein Flug auf 100 km mit einer erfolgreichen vertikalen Landung. Bei Geschwindigkeit und Flugweite liegt Blue Origin deutlich hinter SpaceX zurück - darüber hinaus ist die von Blue Origin bisher geflogene Hardware auch nicht für den Transport von Menschen oder Nutzlast in Erdorbits oder den Einschuss auf Fluchtbahnen weg von der Erde gedacht.

    Auch von der United Launch Alliance (ULA) und Airbus Defence and Space gibt es Konzepte. Anstatt einer vollständigen Raketenstufe wollen diese Firmen jedoch nur das Haupttriebwerk bergen. Es soll von der Hauptstufe nach Stufentrennung abgesprengt werden.

    Die ULA nennt ihr Konzept SMART-Reuse, das Triebwerk soll am Fallschirm heruntergleiten und schließlich mit dem Helikopter eingefangen werden. Airbus will das Triebwerk mit Flügeln ausstatten und es zum Startplatz zurückfliegen, ein Demonstrator mit dem Namen Adeline ist geplant.

    Bei beiden Unterfangen kann man die Ernsthaftigkeit, mit der diese Konzepte verfolgt werden, durchaus in Frage stellen. Bei der ULA hat man außer Darstellungen mit der Software Powerpoint noch nichts öffentlich präsentiert, Airbus hat immerhin ein Modellflugzeug als Demonstrationsobjekt gebaut. Das steht in deutlichem Gegensatz zum Einsatz (engl. commitment) von SpaceX. Der Eindruck, Airbus und ULA wollten auf der Publicity-Welle mitreiten, ohne wirklich etwas investieren zu müssen, ist angesichts der Umstände nicht wirklich vermeidbar.

    Wiederverwendbarkeit bei der Ariane ist auch politisch fragwürdig. Letztlich bedeutet die Verwirklichung von Wiederverwendbarkeit die Konstruktion einer Rakete ohne Feststoffmotore. Die Feststoffmotorindustrie ist durch die Entscheidungen der letzten Ministerratskonferenzen in Europa massiv gestärkt worden. Die Vega nutzt in drei von vier Stufe feste Treibstoffe, bei der Ariane 6 werden die Boosterhüllen jetzt sogar in Italien und Augsburg parallel gefertigt (dasselbe Bauteil wohlgemerkt). Eine Abkehr vom festen Treibstoff und der Schritt zur Wiederverwendbarkeit scheint damit politisch ausgesprochen schwierig, weil bestimmte Firmen bei der Herstellung von Ariane-Raketen dann möglicherweise nicht mehr beteiligt würden.

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    (Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, Wikipedia, NSF, SpaceNews, /r/spacex)


    » Die Aufpolierung der Macht - Alle (paar) Jahre wieder
    23.12.2015 - Rechtzeitig zum Weihnachtsfest ist „Star Wars: Episode VII“ in den Kinos gelandet. Andreas Weise hat den Film gesehen und verrät die Geschichte nicht.
    Eigentlich hat dieser Artikel hier nichts zu suchen! Wir sind ein Forum für Raumfahrt und Astronomie und keine Plattform für Science-Fiction orientierte Märchen aus einer weit, weit entfernten Galaxis…! Auch bezweifele ich, dass dieser Film etwas mit Raumfahrt im klassischen Sinne zu tun hat, obwohl er zugegebener Maßen zu großen Teilen im Weltraum spielt. Aber er wird nun mal auch hier im Forum besprochen und ich gebe zu: Ich bin selber „Star Wars“-Fan. Jawohl, ich auch! Und das seit über 30 Jahren.

    Aufgewachsen in Pankow, Berlin (Ost), hatten mir immer wieder einige Zeitgenossen versucht zu erklären, wie kriegsverherrlichend und friedensfeindlich diese Geschichte sei. Man erinnere sich: Es war die Zeit der Hochrüstung und des kalten Krieges. US-Präsident Ronald Reagen hatte seinen Krieg der Sterne in Gestalt des Weltraurüstungsprogramms SDI verkündet. Insofern war schon was dran an dieser kritischen Betrachtungsweise. Aber die Faszination an den bunten Bildern, den großen Magnesiumexplosionen und der Flug der galaktisch großen Raumkreuzern überwog. Außerdem war es ein „sauberer“ (Sternen-)Kriegsfilm. Kein einziger Blutspritzer damals an den leuchtend weißen Rüstungen der Sturmtruppen oder gar ein zerfetzte Körper war zu sehen.

    Laser-Waffen machten es möglich: Schuss, Blitz und weg. Das mag jetzt hochgradig zynisch klingen, aber das ist nun einmal der Garant für den Erfolg solcher Streifen. Man stelle sich im Vergleich vor, in den beliebten Winetou-Indianerfilmen der 60er Jahre würde wirklich gestorben werden mit allen bildlichen Konsequenzen wie Blut und zerstückelte Körper. Märchen sind nun mal sauber. Auch beim töten. Und es handelt sich bei „Star Wars“ nun einmal um ein Märchen. Ein großes Märchenepos, wo Gut und Böse klar definiert sind. Meistens jedenfalls.

    Es muss im Sommer 1983 gewesen sein, als ich mit Freunden in Budapest auf der Margareteninsel fern der Heimat im Freiluftkino „Star Wars 3: Die Rückkehr der Jediritter“, im Original-Englisch mit ungarischen Untertiteln, sehen konnte. Zu Hause ging das ja nicht. Das heißt, so richtig konnten wir dort auch nicht sehen, da wir nur über den Zaun von Außen zuschauen konnten. Das Rondell war hoffnungslos überfüllt und wir hatten keine Eintrittskarten mehr bekommen. Aus Ermangelung an Kenntnissen der Vorgeschichte kam uns die ganze Story damals sehr naiv, komisch und manchmal geradezu albern vor. „Berühmte“ Sätze aus diesem Streifen wurden noch Jahre später in studentischer Runde zum Besten gegeben. „… Denn der Imperator verzeiht nicht so leicht, wie ich es tue. …“ war dabei einer der Klassiker.

    Das ist alles sehr lange her. Inzwischen mutierte Teil 3 zu Teil 6 und die ganze Saga schien schlüssig abgeschlossen zu sein. Das Ergebnis war endgültig und einleuchtend:
    Todesstern: Gesprengt!
    Imperator: Weg geschmissen!
    Vater: Gerettet!
    Freiheit: Erkämpft!
    Freudenfeuerwerk: An allen Himmeln!
    Jubelndes Volk: Auf allen Planeten!
    „Mission erfüllt!“ (nach J.W. Bush, 01.05.2003)
    Der Diktator, genannt der Imperator, war gestürzt. Die Achse des Bösen war bezwungen. Doch dann lief offensichtlich irgendwas schief. In der „Schlacht von Endor“ konnte zwar die Rebellen-Allianz (die Guten) dem „Galaktischen Imperium“ (also den Bösen) am Ende jenes mutmaßlich letzten „Star Wars“-Filmes eine vernichtende militärische Niederlage beibringen.

    Doch offensichtlich genügte der Jubel in der Schlussszene nicht, der guten Seite zum allumfassenden Sieg zu verhelfen. Oder anders ausgedrückt: Man hatte, so vermute ich, keinen Plan, die errungene Macht zu sichern, bzw. das entstandene Machtvakuum zu füllen. Parallelen zu diversen kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre tun sich auf. Man könnte mit Schrecken Vergleiche zwischen Realität und „Star Wars“-Fiktion ziehen – wenn man wollte. Allerdings glaube ich nicht, das die Autoren des neuen Streifens sich hier wirklich bewusst mit aktueller Politik und Geschichte beschäftigt haben und sehr weit davon entfernt sind, hier irgend etwas kritisch beleuchten zu wollen. Das Böse triumphierte, weil das Gute einfach zu blöd war (frei nach „Spaceballs“).

    Doch warum überhaupt ein neuer Film, der in der „Star Wars“-Saga das Ende wieder offen hält? Die Antwort ist ganz einfach. Geradezu primitiv: Es geht um Geld. Um sehr viel Geld. Beim betrachten des neuen Sternenkriegswerkes ist nämlich zu beachten: George Lucas ist nicht mehr der „Eigentümer“ von „Star Wars“. Disney hat alles, was rund um „Star Wars“ existiert, von ihm 2012 gekauft: Das Unternehmen Lucasfilm mit sämtlichen Tochterunternehmen, darunter das Spezialeffekt-Unternehmen Industrial Light & Magic und alle Markenrechte.

    Das Ganze ging für den Spottpreis von rund 4,05 Milliarden US-Dollar weg. Man stelle es sich jetzt vor, wie demnächst Luke, Han, Leia und Co. neben Ariel, Aladin und Micky im Spielzeugregal sitzen. Übrigens wurden die Einnahmen über die „Star Wars“-Vermarktung, also das „Star Wars“-Merchandising, über die ersten 28 Jahre mit einer Gesamtsumme von beinahe 20 Milliarden Dollar geschätzt (Quelle: Wikipedia). Ein Ende ist nicht abzusehen. Denn mit Merchandising macht man das große Geschäft beim Film: „Star Wars: Das T-Shirt“, „Star Wars: Die Müslipackung“, „Star Wars: Der Flammenwerfer“ – Die Kinder stehen drauf. Ja, so in abgewandelter Form wusste es schon Mel Brooks in seiner Parodie „Spaceballs“ 1987 zu berichten.

    Der „neue“ „Star Wars“ selber ist ein Novum. Sozusagen die erste Episode der Nach-Lucas-Zeit. Lucas selber soll vom Drehbuch nicht begeistert gewesen sein. Offensichtlich hatte er sich eine andere Richtung der Saga vorgestellt. Aber das Recht hier einzugreifen hatte er bekannter Maßen verwirkt, genauer gesagt, verkauft. Die Bosse von Disney setzten also ihre Linie durch. Bestimmt spielten da auch Fragen der Vermarktung eine Rolle.

    Doch dann bekam jemand kalte Füße. Der Regisseur des neuen Streifens höchst selbst zweifelte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters die Grandiosität seines eigenen Werkes an.

    „J.J. Abrams sagt den Fans Enttäuschung voraus“ konnte man zwei Wochen vor Kinostart lesen. Man hätte eben nicht die Visionen eines Lucas. Ein Marketing-Gag oder eine vorweg genommene Schadensbegrenzung? Egal! Der Film wird ein Erfolg! Dazu ist schon zu viel in die Werbekompanien investiert worden. Ein zurück gibt es nicht.

    Nun muss man aber der Ehrlichkeit halber sagen: Abrams stand unter einem enormen Druck. Vermutlich unter einer solchen Erwartungshaltung, wie ihn noch nie ein Regisseur in der Filmgeschichte zuvor aushalten musste.

    Da war zuerst George Lucas. Oder besser gesagt, seine Aura. Dem Schöpfer und geistigen Vater von „Star Wars“ einen ebenbürtigen Film folgen zulassen, war schier unmöglich! Lucas hatte konkrete Vorstellungen über den Weitergang seiner Geschichte. Diese konnte er nach dem Verkauf seines Lebenswerkes nicht mehr realisieren. Und ob er auch alle seine Ideen offenbart hat, ist auch fraglich. Und richtig glücklich mit dem von Disney favorisierten Fortgang der Geschichte war er nicht, wie bereits erwähnt.

    Dann gab es die Fans. Tausende, wenn nicht Millionen Fans aller Alterskategorien fieberten dem neuen Werk entgegen. Allein die Diskussion im Vorfeld, welche Rolle Mark Hamill, alias Luke Skywalker, einnehmen würde, mutierte schon fast zur Zerreißprobe. Dabei wussten alle ... gar nichts! Abrams hielt den Mantel des Schweigens über die Geschichte. Kein Detail zur Story sollte nach außen dringen. Das ist ihm auch ganz gut gelungen. Damit findet die Diskussion über Gut und Böse, bzw. über gelungen oder missraten, erst nach der Premiere statt.

    Und nicht zuletzt stand dann noch das Imperium (gemeint ist Disney) bereit, über die Galaxis (den „Star Wars“-Markt) zu herrschen. Man hatte also viel zu verlieren. Die einen Geld, der einsame Abrams seinen Ruf.

    So eingestimmt ging ich gleich am ersten Tag nach dem Deutschlandstart des Films in mein heimische Kino... Das Publikum war gut gemischt. Von ganz alt bis ganz jung. Das Licht verlosch und die Overtüre brauste auf.

    Der bei Star Wars-Filmen geradezu zwingend notwendige Einführungstext schwebte im 3D-Raum vom Zuschauersaal in die Unendlichkeit der Leinwand... Doch was war da zu lesen?! Die ersten „spitzen“ Bemerkungen waren im Saal zu hören. Was ist den das für ein Unfug?! Mir verschlug es den Atem angesichts der Plattheit und Einfältigkeit der Rahmen-Story, die da aufgeschrieben war. Schlimmes hatte man zu befürchten.

    Doch dann siegte das Gute und der Film ward gerettet! Nein, ich werde hier keine Inhaltsangabe schreiben um mich dann des Vorwurfes des Spielverderbers auszusetzen. Wer den Inhalt unbedingt wissen will, braucht ja bekanntlich nur auf Wikipedia schauen. Dort wird bereits alles bis ins Detail erzählt und verraten. Leider!

    Aber einige Bemerkungen seien gestattet:
    Denn es bleibt ja die Frage: Wie zog nun Abrams seinen Hals aus der virtuellen Schlinge? Die Lösung war einfach und geradezu genial! Er schuf ein verkapptes Remake … ! Wiedererkennungswert: 100%! Damit stellte er die alten Fans zufrieden, die sich freuten, in ihren Erinnerungen kramen zu dürfen. Und den neuen Fans wurde eine tolle Story geboten, die vor 38 Jahren schon einmal funktionierte.

    Gleichzeitig bediente er sich bei anderen Geschichten. Sei es „Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „Die Suche nach dem Heiligen Gral“ und andere. Alles, was klischeehaft schon einmal da gewesen war, wurde wieder aufgewärmt.

    Aber seien wir ehrlich! Das ist genau das, was wir als „Star Wars“-Fan-Zuschauer erwartet haben. Tolle Musik, große Weltraumschlachten, gute Helden und richtig böse Schurken. Wobei, von der Coolness und Düsterkeit eines Darth Vader ist man Meilen weit entfernt. Das Böse steckt sozusagen noch in der Pubertät, tobt sinnlos herum und muss sich noch die Hörner abstoßen. „Warst Du auch heute wirklich richtig böse gewesen? Nein? Dann schäme Dich und Marsch ins Bett!“ möge man rufen.

    Ansonsten gab es lauter alte Bekannte zu sehen. Die richtig alten und die immer zeitlos jungen.... und mindestens einen alten mutmaßlichen Alzheimer-Kranken (Zumindest sah er so aus.).

    Was die neuen Charaktere angeht, die in dieser Geschichte die Wachablösung der Teile 4 bis 6 einmal übernehmen sollen, so ist einem nicht bange. Es sind großartige Schauspieler. Die Story selber … – Ach ja! – Ich wollte ja nichts erzählen. Diese ist mit einem Affentempo gedreht und die Darsteller rennen von einer Szene in die nächste. Schnell, schnell! Man ist auf der Flucht. Ungereimtheiten in der Handlung werden so geradezu überrannt. „Warum passiert das jetzt?“ „Entschuldigung! Ging zu schnell. Habe das nicht mit bekommen.“

    Das Publikum selber liebt das. Logik hin oder her. Es gab Gelächter auf offener Szene. Und auch an Stellen, wo das vermutlich gar nicht vorgesehen war. „Habt Ihr Müllpressen?“ fragt Han Solo und alle im Saal wissen, was gemeint ist. Daher kann man gleich zur nächsten Szene schalten.

    Die Handlung rauscht nur so an einem vorbei. Und dabei werden grandiose Kinobilder inszeniert. Sei es die Wüstenlandschaft mit Schrott-Raumschiffen oder exotische Orte, die an Tibet oder Irland erinnern.

    Wo jüngere Kinobesucher ganz beseelt auf die 3D-Leinwand starren, lehne ich mich zurück und sage: Ja – Kenne ich – Alles schon mal da gewesen. Da fliegen, die Sonne im Rücken, die T-Fighter auf den Zuschauer zu. Es läuft einem schaurig-schön den Rücken hinunter. Eine tolle Bildregie. Allerdings schon 1990 gesehen in dem Streifen „Fire Birds (Air Born – Flügel aus Stahl)“.

    Die Choreografie der Massenszenen mit den angetretenen Heerscharen der Bösewichte in Gestalt der Sturmtruppen könnte aus dem Leni Riefenstahl-Film zum NS-Reichsparteitag von 1935 stammen. Und diese Frau verstand es nun wirklich, die Massen mit gigantomanischen Bildern zu fesseln und zu manipulieren.

    Aber was soll’s? Und so hat man sich auch im Szenenbild und der Handlung kräftig an den „ur-“alten „Star Wars“-Filmen bedient. „Wir sind zu Hause, Chewie!“ höre ich Großvater Han, alias Harrison Ford, mit feuchten Augen sagen. Recht hat er.

    Und all das inszeniert Regisseur J.J. Abrams in einer Dynamik und Leichtigkeit, das man alles, was einem sonderbar vorkommt, als positiv empfindet. Durch diese locker, flockige Umsetzung des Stoffes hat er sofort das Publikum auf seiner Seite.

    Manchmal ist das ganze so überdreht, dass man glaubt, man sieht eine „Star Wars“-Parodie. Aber keine Angst, es ist nicht „Spaceballs-2“. Es ist ein echter „Star Wars“! Hätte Abrams versucht einen knallharten Film zu machen, er wäre gescheitert.

    Das Ende selber kommt dann nach zwei Stunden Hetzerei durch die Handlung etwas seltsam daher. Eigentlich war der Film schon zu Ende, da merkte man plötzlich: Etwas fehlt. Und dann wird schnell und überstürzt noch etwas hinten an geklatscht.

    Aber dieses Ende hat auch was Gutes. Es lässt alle Entwicklungsmöglichkeiten der Handlung offen. Offen bis 2017. Dann kommt die Fortsetzung. „Star Wars 7“ wird auf alle Fälle lange in guter Erinnerung bleiben. Man möge mit Freude und Erleichterung ausrufen: „Herr Abrams! Sie haben das Ziel erreicht!“

    Ich selber habe die Erkenntnis gewonnen: In „Star Wars“ geht es nicht vordringlich um den Kampf zwischen Gut und Böse. Das natürlich auch, aber im Grunde genommen ist das ganze eine Familien-Oper, in der auch mal die Erziehungsberechtigten bei ihren Kindern versagen dürfen.

    Zusammengefasst:
    Der Stoff „Star Wars“ ist offensichtlich so gut, dass man ihn alle 15 Jahre aufwärmen kann. Inzwischen ist eine neue Zuschauergeneration herangewachsen, denen man die ganze Story vom Kampf zwischen Gut und Böse, inklusive der ganzen Familiengeschichte noch einmal verkaufen kann. Inklusive, Spielzeug, Computerspiele und allem anderen, was schon mal da war. Warum nicht? Es ist die Geschichte von Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage wird garantiert mit einem gigantischen Hype erzeugt und befeuert.

    Doch immer wieder das Selbe sehen? Auf Grund der fortschreitenden technischen Perfektion des Filmemachens entfällt ein inhaltlicher Vergleich zwischen den Teilen von vor über 30 Jahren mit den neueren Streifen. Hatte Lucas noch seinen Todesstern an der Angelleine im Studio hängen, so kommt jetzt fast alles aus dem Computer-Cyber-Space. Das ist zwar nicht billiger, aber perfektioneller. Auch erfolgt ein „Austausch“ des Publikums. Eine neue Zuschauergeneration ist jetzt die Zielgruppe. Die Geschichte wiederholt sich. Sie dreht sich im Kreise.

    Und nun sitze ich am Schreibtisch, das Fan-T-Shirt mit dem Drei-Seiten-Riss eines X-Wing (gekauft 2015) auf dem Bauch und das entsprechende Kapitel im Konstruktionsbuch vom Heye-Verlag aus dem Jahre 1998 aufgeschlagen. Wie funktionierte das gleich noch einmal mit dem Plasma-Antrieb … ? Egal! Findet sich sowieso keiner, der das hier und jetzt nachbaut! Dabei ist der X-Wing hierzulande seit 37 (in Worten: siebenunddreißig) Jahren bekannt.

    Schade – aber ich vergaß: Es ist alles nur ein Märchen. Ob ich das alte PC-Spiel „Rogue Squadron“ von 1998 noch einmal installiere? Läuft das überhaupt unter Windows 10? Wohl eher nicht, und so langsame Rechner habe ich auch nicht mehr.

    Wie wird es in 15 Jahren sein? Ich schließe die Augen. Bestimmt werde ich gefragt: „... Opa, kommst Du Samstag mit ins Cyber-Kino? Da spielen Sie den neuen „Star Wars 10: Die Reanimation der Macht“. Die böse Defribillatorin Darth Rey hat die dunkle Seite an sich gerissen. Nun will ein uralter, gebrechlicher Großvater, der von den Toten auferstanden ist, ihr entgegen treten. Es geht um DIE MACHT, die Galaxie zu beherrschen, zu retten oder so etwas ähnliches …“

    „Und wusstest Du, dass vermutlich Fin der uneheliche Sohn von Leia und Lando Calrissian ist? Also Fin ist jetzt Jedi. Der Todesstern explodiert oder implodiert diesmal nicht. Er filetiert! Und die Oma von Joda ist auch dabei! …“

    Ja, ich freue mich schon drauf. Und ich werde dann mit einem Augenzwinkern mit ins Kino gehen. Auch wenn Alles schon mal da gewesen ist...

    In diesem Sinne:
    Möge die Macht mit Euch sein … wo immer Ihr seid.



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    (Autor: Andreas Weise - Quelle: Kinobesuch)


    » Express-AMU 1 von Proton-M ins All transportiert
    25.12.2015 - Am 24. Dezember 2015 startete von der Rampe 200/39 des Raumfahrtzentrums Baikonur eine Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe, um den Kommunikationssatelliten Express-AMU 1 für die Russische föderale Satellitenkommunikationsgesellschaft (Russian Satellite Communications Company, RSCC) in den Weltraum zu bringen.
    Der Start wurde nicht unter der Ägide des internationalen Vermarkters von Proton-Raketen International Launch Service (ILS) abgewickelt, RSCC hat den Start des Satelliten unmittelbar beim Raketenhersteller Chrunitschew beauftragt.

    Als exakten Startzeitpunkt für den 7. erfolgreichen Proton-Flug im Jahr 2015 und den 409. insgesamt nennt Chrunitschew 0:31 Uhr und 18,969 Sekunden Moskauer Zeit am 25.12. (23:31 Uhr und 18,969 Sekunden MEZ am 24.12.).

    Die Abtrennung der Orbitaleinheit bestehend aus Breeze-M-Oberstufe und Express-AMU 1 von der dritten Stufe der Proton-M erfolgte rund 10 Minuten nach dem Abheben. Anschließend war es Aufgabe der ebenfalls von Chrunitschew gebauten Oberstufe, erst für die Einnahme einer stabilen Parkbahn zu sorgen und dann das Erreichen des vorgesehenen Zielorbits sicherzustellen.

    Der Trennprozess des Satelliten von der Oberstufe fand rund 9 Stunden und 12 Minuten nach dem Abheben um 9:43 Uhr Moskauer Zeit und 19,322 Sekunden am 25. Dezember 2015 statt (7:43 Uhr MEZ und 19,322 Sekunden). Er verlief nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos sauber und auf der vorgesehenen Bahn.

    Chrunitschew gab allerdings zwischenzeitlich Daten heraus, nach denen das Apogäum - der erdfernste Bahnpunkt - und das Perigäum - der der Erde nächstliegende Bahnpunkt - des erreichten Orbits merklich niedriger als geplant ausfielen. Nach Berechnungen von Chrunitschew geriet das Apogäum 1.654,56 km niedriger als beabsichtigt, und das Perigäum 640,39 km niedriger als vorgesehen. Möglicherweise liegt hier aber nur ein Irrtum hinsichtlich der präsentierten Daten vor.

    Der Hauptauftragnehmer für den Bau des Satelliten, der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space, ist jetzt für Überwachung und Steuerung des Satelliten zuständig. Er wird sich um die erforderlichen Bahnanhebungsmanöver und eine Positionierung im Geostationären Orbit (GEO) rund 35.786 Kilometer über der Erde kümmern und den raumflugtechnischen Teil sowie die Kommunikationsnutzlast intensiven Tests unterziehen.

    Für den Flug in den GEO wurde der Satellit mit einem Apogäumsmotor ausgestattet. Außerdem besitzt der Erdtrabant für Bahnanpassungen und Lageregelung 14 zehn Newton starke Zweistofftriebwerke des Typs S10-21 von Airbus Defence and Space.

    Nach der Inbetriebnahmephase mit den erforderlichen Tests werden Überwachung und Kontrolle des zur Versorgung des europäischen Teils von Russland und Gebieten südlich der Sahara gedachten Satelliten an RSCC übergeben. Im Februar 2016 soll dann die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen und die Bereitstellung der vorgesehenen Kommunikationsdienste beginnen.

    Ein Teil der Kapazitäten des Satelliten wurde von RSCC bereits an Eutelsat vergeben. Dieses europäische Unternehmen will den Satelliten unter der Bezeichnung EUTELSAT 36C vermarkten, und so die Kapazitäten von EUTELSAT 36A absichern und erweitern.

    Der Bau von Express-AMU 1 wurde im Rahmen des Zehn-Jahres-Plans von 2006-2015 am 22. Oktober 2005 mit dem russischen Regierungsdekret Nr. 635 beschlossen. Zur Finanzierung des Satelliten bediente man sich in Russland Krediten der Aktiengesellschaft Gazprombank ("Gazprombank (Joint Stock Company)", abgekürzt Bank GPB (JSC)). Als künftige Betreiberin des bei 36 Grad Ost im GEO einzusetzenden Raumfahrzeugs mit einer Startmasse von rund 5.900 Kilogramm wurde RSCC beauftragt.

    Bestellt hatte RSCC den damals auf eine Startmasse von rund 5.700 Kilogramm veranschlagten Satelliten bei Airbus Defence and Space bzw. Astrium im Mai 2013. Der Auftragswert wurde seinerzeit auf etwa 6,35 Milliarden Rubel bzw. rund 210 Millionen US-Dollar beziffert.

    Um den geplanten Anforderungen gerecht zu werden, wurde der auf dem Satellitenbus Eurostar 3000 basierende Express-AMU 1 mit einer über 15 kW leistenden Kommunikationsnutzlast mit 18 Ka-Band und 52 Ku-Band-Transpondern ausgerüstet, und auf eine Betriebsdauer von 15 Jahren ausgelegt.

    Ein Unternehmensteil von Airbus Defence and Space in Spanien war zuständig für Entwurf und Konstruktion der vier ausklappbaren Antennenreflektoren von Express-AMU 1. Einer der Reflektoren besitzt einen Durchmesser von rund 2,8 Metern und ist damit nach Angaben seines Herstellers der größte derartige in Europa gefertigte Reflektor.

    Ebenfalls in Spanien entstand Kommunikationshardware, die auf dem sogenannten "top floor" oder "top deck", der Seite des Satellitengrundkörpers, die im Regelbetrieb ständig Richtung Erdoberfläche ausgerichtet ist, untergebracht ist.

    Die Herstellung der Verkabelung für die Kommunikationsnutzlast und umfangreiche Tests von Nutzlastbestandteilen nahm Airbus Defence and Space in seinem Werk in Barajas, einem Stadtteil von Spaniens Hauptstadt Madrid, vor. In der Kommunikationsnutzlast kommen u.a. auch Komponenten von NEC aus Japan zum Einsatz.

    Der endgültige Zusammenbau und notwendige Abschlusstests des Satelliten erfolgten im Airbus-Werk Toulouse in Frankreich. Im November 2015 verließ ein Transport mit Express-AMU 1 Toulouse, und erreichte nach wenigen Tagen das in Kasachstan gelegene Kosmodrom Baikonur.

    Express-AMU 1 alias EUTELSAT 36C wird voraussichtlich katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.191 und als COSPAR-Objekt 2015-082A.

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    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, Chrunitschew, Eutelsat, Roskosmos, RSCC)


    » Inmarsat I-6 F1 und F2 bei Airbus bestellt
    25.12.2015 - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space teilte am 24. Dezember 2015 mit, dass er mit dem Bau der beiden Kommunikationssatelliten I-6 F1 und F2 für den Satellitenbetreiber Inmarsat beauftragt wurde.
    Die britische Rundfunkanstalt British Broadcasting Corporation (BBC) meldete, der Auftragswert für die voraussichtlich in Portsmouth und Stevenage im Süden Englands herzustellenden Satelliten liege bei grob geschätzt insgesamt rund 550 Millionen Euro (bzw. ~405 Millionen Pfund Sterling oder ~600 Millionen US-Dollar).

    Die zwei neuen Satelliten sind die ersten einer neuen Generation von Raumfahrzeugen für Inmarsat und sind insbesondere für Verbindungen mit mobilen Kommunikationsgeräten und Stationen gedacht.

    Der eigenen Angaben zufolge weltweit zweitgrößte Raumfahrtkonzern wird die bisher vielseitigsten Raumfahrzeuge für Inmarsat entwerfen, entwickeln und schließlich in seinen Werken entstehen lassen. Inmarsat I-6 F1 und F2 sollen auf der Plattform Eurostar 3000e von Airbus Defence and Space basieren. In der Bezeichnung des Satellitenbuses steht das "e" für "electric". An Bord der neuen Satelliten werden sich ausschließlich elektrische Triebwerke befinden.

    Die beiden neuen Raumfahrzeuge profitieren von der elektrischen Antriebstechnik insbesondere in der Art, dass durch die geringere Treibstoffmenge, die für die vorgesehene Missionsdauer mitgeführt werden muss, Massebudget anderweitig verplant werden kann und im konkreten Fall einer außerordentlich umfangreichen fortschrittlichen digitalen Kommunikationsnutzlast zu Gute kommt.

    Inmarsat will die Satelliten als Erweiterung und Ergänzung seines im L-Band arbeitenden Satellitenkommunikationsnetzes einsetzen. Letzteres besteht aktuell aus den von Airbus Defence and Space bzw. Astrium gebauten Kommunikationssatelliten Alphasat alias Inmarsat-4A F4 sowie Inmarsat-4 F1 bis F3.

    Im Ka-Band-Bereich sollen Inmarsat I-6 F1 und F2 als Verstärkung von Inmarsats Global-Xpress-Netzwerk der Inmarsat-5-Serie fungieren.

    Die neuen Satelliten erhalten jeweils einen großen Antennenreflektor für das L-Band und neun jeweils für mehrere Ausleuchtzonen gleichzeitig verwendbare Ka-Band-Antennen.

    Neuartige digitale Multiplexer sollen es ermöglichen, bis zu 8.000 Kanäle gleichzeitig flexibel zur Verfügung zu stellen und über 200 gerichtete Ausleuchtzonen (spot beams) im L-Band dynamisch mit der jeweils gerade benötigten Leistung zu versorgen. Ausleuchtzonen im Ka-Band sollen sich auf alle Regionen der sichtbaren Erdscheibe ausrichten und mit einer bedarfsangepassten Kanalanzahl betreiben lassen.

    Der Start von Inmarsat I-6 F1 ist nach aktuellem Planungsstand für das Jahr 2020 vorgesehen und erfolgt möglicherweise auf einer Rakete von SpaceX. Das elektrische Antriebssystem des Satelliten wird anschließend zwischen vier und sechs Monate benötigen, um den Satelliten in den Geostationären Orbit (GEO) und dort auf die vorgesehene Position zu bringen.

    Als Auslegungsbetriebsdauer des Inmarsat I-6 F1, bei dem es sich um das 50. auf dem Bus E3000 basierende georderte Raumfahrzeug handelt, nennt Airbus Defence and Space über 15 Jahre.

    Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, British Broadcasting Corporation, Inmarsat)


    » Telstar 18 VANTAGE bei SSL bestellt
    27.12.2015 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber Telesat mit Sitz im kanadischen Ottawa hat beim Satellitenbauer Space Systems / Loral (SSL) den Satelliten Telstar 18 VANTAGE bestellt, gab er am 23. Dezember 2015 bekannt.
    Mindestens 15 Jahre soll sich der von SSL in den Vereinigten Staaten von Amerika zu bauende, auf dem Satellitenbus SSL 1300 basierende Telstar 18 VANTAGE einsetzen lassen. Der Satellit ist nicht die erste Konstuktion, die SSL für Telesat liefert. SSL wird das neue Raumfahrzeug mit C- und Ku-Band-Transpondern ausstatten. Die kombinierte Nutzlastleistung wird laut Plan im Bereich von 14 Kilowatt liegen.

    Telstar 18 VANTAGE soll unter anderem auch die gleichen Ausleuchtzonen wie sein Vorgänger Telstar 18 alias APStar 5 bedienen. Er wird also der Nachfolger von Telstar 18 (NORAD 28.364, COSPAR 2004-024A). Telstar 18 kreist seit dem 29. Juni 2004 um die Erde und ist eine ebenfalls auf dem Satellitenbus 1300 basierende Konstruktion von SSL. Seine Auslegungsbetriebsdauer beträgt 13 Jahre.

    Der Start von Telstar 18 VANTAGE ist nach aktuellen Planungen für das Jahr 2018 vorgesehen. Gelingt der Start, will man den neuen Satelliten bei 138 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) positionieren, wo derzeit der abzulösende Vorgänger arbeitet.

    Im Ku-Band-Bereich soll die Position von Telstar 18 VANTAGE im All die Versorgung der für Telesat wachsenden Märkte in China, in der Mongolei, in Südostasien und in der Pazifik-Region sicherstellen.

    Im C-Band-Bereicht ist Telstar 18 VANTAGE dafür gadacht, einen Bereich von Asien mit Indien und Pakistan im Westen bis Hawaii im Osten zu versorgen, und damit auch direkte Verbindungen zwischen beliebigen Standorten in Asien und solchen auf den amerikanischen Kontinenten zu ermöglichen.

    Mit der APT Satellite Company Ltd. (APT Satellite alias APSTAR) hat Telesat erneut die Verbreitung der von APSTAR angebotenen Dienste von der Position bei 138 Grad Ost vereinbart. Telstar 18 VANTAGE wird also wie sein Vorgänger im Netz von APSTAR zum Einsatz kommen. Die Zusammenarbeit von APSTAR und Telesat besteht seit über zehn Jahren.

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    (Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: APSTAR, SSL, Telesat)



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ISS Aktuell: Mission von Progress-M 28M beendet von Redaktion



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» Mission von Progress-M 28M beendet
19.12.2015 - Die russische Raumfahrtorganisation Roskosmos teilte am 19. Dezember 2015 mit, dass das Transportschiff für die Internationale Raumstation (ISS) Progress-M 28M wieder in die Erdatmosphäre eingetreten ist und dabei wie vorgesehen zerstört wurde.
Die Bremszündung des Haupttriebwerkes von Progress-M 28M erfolgte gegen 11:42 Uhr MEZ am 19. Dezember 2015 nach einem Kommando des Moskauer Kontrollzentrums. Mögliche Überreste des unbemannten Transportschiffs dürften anschließend in der vorausberechneten Pazifikgegend, welche nach russischen Angaben von der Seefahrt nicht genutzt wird, gegen 12:28 Uhr MEZ ins Meer gefallen sein.

Mit Abfällen beladen war Progress-M 28M, von der US-amerikanischen Raumfahrtagentur NASA auch als Progress 60 bezeichnet, am 19. Dezember 2015 um 8:35 Uhr MEZ vom ISS-Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs (russ. Пирс für Pier) getrennt worden.

Das Transportschiff der Erzeugnisnummer 11F615А60 und der Seriennummer 428 hatte nach seinem Start am 3. Juli 2015 um 6:55 Uhr MESZ auf einer Rakete vom Typ Sojus-U (Erzeugnis 11A511U) zunächst eine Bahn mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt von 197,78 Kilometern über der Erde und einem von der Erde am weitesten entfernten Bahnpunkt von 243,26 Kilometern erreicht.

Nach einer Reihe von Bahnanhebungsmanövern befand sich Progress-M 28M - Startmasse 7.282 Kilogramm - rund zwei Tage später in unmittelbarer Nähe der ISS, die zu diesem Zeitpunkt in Höhen zwischen 402,85 und 426,87 Kilometern um die Erde zog. Das Ankoppeln am ISS-Modul Pirs war am 5. Juli 2015 um 9:11 MESZ über dem Südpazifik außerhalb der unmittelbaren Reichweite russischer Bodenstationen erfolgt. Die Kommunikation des Kontrollzentrums in Moskau mit der Station und dem Transportschiff hatte man deshalb routinemäßig über US-Relaissatelliten hergestellt.

In der druckbeaufschlagten Sektion des von RKK Energia gebauten Transportschiffs waren 1.393 Kilogramm Nachschub geladen. Darunter befanden sich Nahrungsmittel, Sanitär- und Medizinprodukte sowie Bekleidung. Dem gemeinsamen internationalen Betrieb der Station gewidmet waren außerdem elektrische Ausrüstungen, Ersatzteile, Werkzeuge und wissenschaftliche Experimente.

Von den 2.381 Kilogramm Gesamtfrachtmasse, die Progress-M 28M zur ISS gebracht hatte, waren 520 Kilogramm Treibstoffe, 48 Kilogramm Sauerstoff und 420 Kilogramm Wasser.

Neben der Anlieferung von Versorgungsgütern hatte Progress-M 28M auch die Aufgabe, mit Bordtriebwerken an seinem Heck die Bahn der ISS zu korrigieren, also für sogenannte Reboosts zur Verfügung zu stehen, und gegebenenfalls Ausweichmanöver der Raumstation zu bewirken, wenn sich Weltraumschrott zu sehr dem bemannten Außenposten zu nähern drohte.

Reboosts sind regelmäßig erforderlich, weil insbesondere die Bremswirkung der dünnen Restatmosphäre immer wieder zur Absenkung der Bahn der ISS führt.

Am 7. September 2015 beispielsweise wurden um 7:25 Uhr Moskauer Zeit, das ist 6:25 Uhr MESZ, die Triebwerke des Versorgers für ein Bahnanhebungsmanöver gezündet, und brannten dann rund 538 Sekunden lang.

Die Operation steigerte die Geschwindigkeit der ISS um rund 0,55 Meter pro Sekunde und hob die Bahn der Station um etwa 950 Meter an. Die Flughöhe der Station lag nach dem Manöver im Bereich zwischen 401,8 und 419,3 Kilometern über der Erde.

Progress-M 28M wurde katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.713 bzw. als Objekt 2015-031A.

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"InSpace" Magazin #551
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
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