InSpace Magazin #550 vom 15. Dezember 2015

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #550
ISSN 1684-7407


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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

bereits seit zwei Wochen läuft unser diesjähriger Adventskalender - heute hat sich bereits das dritte Gewinntürchen geöffnet. Rätseln Sie mit und genießen Sie an den anderen Tagen Bilder aus Raumfahrt und Astronomie aus dem vergangenen Jahr. Sie finden das Gewinnspiel unter diesem Link.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe des InSpace-Magazins, ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Simon Plasger

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News

• Azerspace 2 alias Intelsat 38 fliegt auf Ariane 5 «mehr» «online»
• Kommunikationssatellit Express-AM 8 im Regelbetrieb «mehr» «online»
• Russland: Kanopus ST in Plessezk gestartet «mehr» «online»
• Indien: (Auch) Elektrischer Antrieb für GSAT 9 «mehr» «online»
• China: Militärischer Comsat Chinasat 1C im All «mehr» «online»
• TAS baut weitere acht Satelliten für O3b «mehr» «online»
• Verbesserte H-IIA startet mit Telstar 12 VANTAGE «mehr» «online»
• NOAA 16 nach Aus 2014 jetzt als Trümmerquelle «mehr» «online»
• China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 29 «mehr» «online»
• Amos 5 im Abseits - Neuer Zombie im GEO «mehr» «online»
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» Azerspace 2 alias Intelsat 38 fliegt auf Ariane 5
05.12.2015 - Am 2. Dezember 2015 meldete Arianespace, den Auftrag erhalten zu haben, einen Kommunikationssatelliten, der für Azercosmos und Intelsat zum Einsatz kommen soll, auf einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum zu transportieren.
Azerspace 2 alias Intelsat 38 wird vom US-amerikanischen Satellitenhersteller Space Systems/Loral (SS/L) geliefert werden. SS/L hatte sich nach Angaben des Branchendiensts Spacenews in einem Bieterwettbewerb gegen Airbus Defence and Space, den staatlichen chinesischen Vermarkter von Satelliten und Raketen China Great Wall Industry Corp. und Orbital ATK aus den USA durchgesetzt.

Für Orbital ATK war es dabei möglicherweise von Nachteil, dass das Unternehmen wegen der aktuellen Unzulässigkeit neuer Geschäftsabschlüsse mit der staatlichen US-amerikanischen Export-Import Bank (Ex-Im Bank), die ab dem 1. Juli 2015 bestand, nicht auf die Unterstützung einer staatliche Kreditbank zurückgreifen konnte. Beobachter betrachteten eine Auftragsvergabe an Orbital ATK vorher als nicht unwahrscheinlich, da das Unternehmen bereits Azerspace 1 gebaut hat.

Azerspace 2 wird deshalb auf dem 1300er Satellitenbus von SS/L basieren. Der Satellit wird auf eine Betriebsdauer von mindestens 15 Jahren hin ausgelegt. Seine Energieversorgung sollen zwei Solarzellenausleger sicherstellen.

Im All hat Azerspace 2 die Aufgabe, als zweiter Satellit von Azercosmos die Kapazitäten von Azerspace 1 alias Africasat 1a zu ergänzen. Letzterer befindet sich seit seinem Start auf der Ariane 5 mit der Flugnummer VA212 am 7. Februar 2013 im All und ist bei 46 Grad Ost im Geostationären Orbit positioniert.

Aserbaidschan investiert in das Azerspace-2-Programm über 191 Millionen US-Dollar. Im genannten Betrag ist der Bau des Satelliten und der Bezug geeigneter Systeme für ein Bodensegment in Aserbaidschan enthalten. Ermöglicht wird das Investment durch Kredit aus Kanada, wo die Konzernmutter von Space Systems/Loral, das Unternehmen MacDonald, Dettwiler and Associates (MDA), zu Hause ist.

Für Intelsat soll das neue Raumfahrzeug als Nachfolger für Intelsat 12 fungieren. Letzterer kreist seit Start auf einer Ariane 4 am 29. Oktober 2000 um die Erde und wird für die Direktausstrahlung von Fernsehprogrammen für Empfänger in Zentral- uns Osteuropa und im asiatisch-pazifischen Raum genutzt. Mit Hilfe des neuen Satelliten will Intelsat darüber hinaus Unternehmensnetzwerke unterstützen und Dienste für Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent bereitstellen.

Der Start von Azerspace 2 alias Intelsat 38 ist für das Ende des Jahres 2017 bzw. den Beginn des Jahres 2018 geplant. Als Position für das dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug ist eine bei 45 Grad Ost im Geostationären Orbit vorgesehen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airanespace, Azercosmos, CBC, Intelsat, Spacenews, Space Systems/Loral)


» Kommunikationssatellit Express-AM 8 im Regelbetrieb
05.12.2015 - Die Russische föderale Satellitenkommunikationsgesellschaft (Russian Satellite Communications Company, RSCC) hat am 1. Dezember 2015 Express-AM 8 vom Hersteller Reschetnjow übernommen und mit dem kommerziellen Einsatz des Raumfahrzeugs begonnen.


Der Kommunikationssatellit Express-AM 8 - Startmasse 2.163 Kilogramm - war am 14. September 2015 in den Weltraum transportiert worden. Am 29. September 2015 hatte der Satellit nach Einsatz seiner elektrischen Triebwerke die geplante Testposition im Geostationären Orbit (GEO) bei 80,15 Grad Ost erreicht.

Mitte Oktober 2015 gab der Hersteller des Raumfahrzeugs bekannt, dass es zwischenzeitlich im All eine Reihe Tests erfolgreich hinter sich gebracht und die Testposition verlassen habe, um die Einsatzposition bei 14 Grad West im GEO anzusteuern.

Mittlerweile ist das als Nachfolger für Express-A 4 - seit dem 10. Juni 2002 im All - Auslegungsbetriebsdauer 7 Jahre - gedachte Raumfahrzeug an der vorgesehenen Position von 14 Grad West über dem Äquator südlich von Westafrika stationiert. Dort hat Reschetnjow Informational Satellite Systems mit Sitz in Schelesnogorsk nordöstlich von Krasnojarsk die Kommunikationsnutzlast und den raumflugtechnischen Teil des Satelliten intensiv getestet.

Die Konstruktion erfolgte auf Basis des Satellitenbusses Express-1000HTB bzw. Ekspress-1000NTB. Der Satellit wurde speziell auf die Direktausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen sowie die Bereitstellung von leistungsfähigen Internetzugängen und Kommunikationsdiensten für mobile und stationäre Nutzer ausgelegt.

Thales Alenia Space (TAS) steuerte die Kommunikationsnutzlast mit einer Masse von 661 Kilogramm bei. Reschetnjow hatte sie Ende 2010 bei dem französisch-italienischen Luft- und Raumfahrtkonzern bestellt. Die kombinierte Nutzlastleistung liegt bei rund 5,88 Kilowatt.

Express-AM 8 besitzt nach Angaben seines Herstellers 42 gleichzeitig betreibbare Transponder für das C-,Ku- und L-Band. Mit ihrer Hilfe will RSCC Nutzer in Afrika, Europa, Lateinamerika, im Mittleren Osten und in Russland versorgen.

28 C-Band-Transponder mit einer Leistung von etwa 100 Watt sind an Bord, sie bedienen zwei Ausleuchtzonen, eine davon für Afrika, Europa und den Mittleren Osten, die andere für Lateinamerika. Drei Ausleuchtzonen können die rund 150 Watt starken Ku-Band-Transponder des Satelliten für Nutzer in den Bereichen Afrika und Mittlerer Osten, Europa und Mittlerer Osten sowie Lateinamerika und dem Osten der USA ansteuern.

Die drei L-Band-Transponder der Kommunikationsnutzlast sind der gesicherten Kommunikation russischer Regierungsstellen gewidmet.

Die Versorgung der Satellitensysteme mit elektrischem Strom übernehmen zwei Solarzellenausleger mit Galliumarsenid-Zellen von OAO NPP KVANT aus Moskau, die bei Betriebsende noch eine Gesamtleistung von 7,6 Kilowatt zur Verfügung stellen sollen. Gegebenenfalls sichern Lithiumionen-Akkumulatorensätze mit Zellen vom Typ Saft VS 180 aus Frankreich den unterbrechungsfreien Betrieb der elektrischen und elektronischen Systeme an Bord.

Zur Lageregelung und für Manöver zum Bahnerhalt besitzt Express-AM 8 elektrische, Xenon ausstoßende Triebwerke des Typs SPT-100 bzw. SPD-100 (СПД-100) vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad.

15 Jahre lang will RSCC den Satelliten nun nutzbringend einsetzen, eine entsprechende Auslegungsbetriebsdauer ist nach Herstellerangaben beim Bau berücksichtigt worden.

Express-AM 8 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.895 und als COSPAR-Objekt 2015-048A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Reschetnjow, RSCC, Saft, Thales Alenia Space)


» Russland: Kanopus ST in Plessezk gestartet
05.12.2015 - Vom Startplatz 43/4 des Kosmodroms Plessezk aus brachte eine Sojus-2.1w-Trägerrakete am 5. Dezember 2015 einen neuen militärischen Erdbeobachtungssatelliten sowie eine Radarkalibrierungskugel in den Weltraum.
Der 2. Start des Typs Sojus 2.1w (Союз-2.1в) überhaupt wurde von den russischen Raketentruppen durchgeführt und erfolgte unter der Leitung des Kommandeurs Generalmajor Alexander Golowko der Luft- und Weltraumverteidigungskräfte.

Die ausschließlich mit Flüssigkeitstriebwerken ausgestattete insgesamt dreistufige Sojus 2.1w mit dem Erzeugniscode 14A15 hob nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti um 17:09 Uhr Moskauer Zeit (15:09 Uhr MEZ) ab.

Unter der Nutzlastverkleidung mit dem Erzeugniscode 98KS befand sich der Erdbeobachtungssatellit Kanopus-ST (Канопус-СT) mit einer Masse von etwa 441 Kilogramm von PO Polyot aus Omsk, der mit einem Radiometer mit der Bezeichnung BIK-GYa-1 und einem Kamerasystem namens KMVD-E ausgerüstet sein soll.

Seitlich in einer Bucht am Nutzlastadpater reiste eine Radarkalibrierungskugel mit einer Masse von rund 15,8 Kilogramm und der Bezeichnung KYuA 1 (КЮА 1) mit, die vermutlich von Almaz-Antey, einem Hersteller aus dem Bereich der Flugzeug- und Raketenabwehr, für Systemtests verwendet werden wird.

Nach dem planmäßigen Verlassen der Startrampe 43/4 in Plessezk brachte die Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden, von TsSKB Progress aus Samara am Fluß Wolga gebaute erste, mit einem NK-33A-Einkammertriebwerk und einem Steuertriebwerksblock RD-0110R ausgestattete Raketenstufe das Projektil auf Geschwindigkeit und Höhe.

Das Kommando- und Messzentrum der russischen Weltraumstreitkräfte German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau erfasste um 17:11 Uhr Moskauer Zeit die fliegende Rakete, meldete die russische Nachrichtenagentur TASS. Etwa zu diesem Zeitpunkt fand die Trennung zwischen erster und zweiter Raketenstufe statt.

Die zweite Stufe mit Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennendem RD-0124-Triebwerk sorgte anschließend für einen zusätzlichen Gewinn an Geschwindigkeit und Flughöhe. Nach Brennschluss wurde die Orbitaleinheit, bestehend aus einer Oberstufe namens Wolga (Волга) - ebenfalls ein Erzeugnis von TsSKB Progress - Erzeugniscode 14S46 - und Nutzlast von der zweiten Stufe getrennt.

Danach war es die Aufgabe der Oberstufe, die Satelliten an Bord auf die geplanten Einschussbahnen zu bringen. Das Haupttriebwerk der Stufe wurde dabei mit unsymetrischem Dimethylhydrazin (UDMH) und N2O4 (Distickstofftetroxid) versorgt und hatte bis zum Aussetzen der Nutzlast zwei Brennphasen zu absolvieren.

Das russische Verteidigungsministerium berichtete, dass sämtliche Startvorbereitungen und der eigentliche Start erfolgten wie geplant. Die selbe Quelle ließ auch verlauten, dass sich die Oberstufe mit den beiden Satelliten für das Militär sauber zum vorgesehenen Zeitpunkt von der zweiten Stufe der Rakete abgetrennt hatte.

Der Oberstufe gelang es augenscheinlich, von ihr transportierte Nutzlast auf den geplanten annähernd polaren sonnensynchronen Bahnen in Höhen zwischen 680 und 700 Kilometern über der Erde abzusetzen.

Kanopus ST alias Kosmos 2.511 wird vermutlich katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.098 und als COSPAR-Objekt 2015-071A, KYuA 1 alias Kosmos 2.512 mit der NORAD-Nr. 41.099 und als COSPAR-Objekt 2015-071B. Die Wolga-Oberstufe wird vermutlich katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.110 und als COSPAR-Objekt 2015-071C.

Update:
Möglicherweise sind die vermuteten Katalogzuordnungen unzutreffend. Am 6. Dezember 2015 meldete die russische deutschsprachige Website Sputnik Deutschland, dass einer der beiden Militärsatelliten nicht von der Oberstufe abgetrennt worden sei.

Unter Hinweis auf inoffizielle Informationen aus Fachkreisen berichtete Sputnik Deutschland weiter, nach der Panne erwöge man den "Abstieg des Satelliten aus dem Orbit und seine anschließende Versenkung".

Update 2:
RIA Nowosti berichtete später im Verlauf des 6. Dezember 2015, dass eine ministerienübergreifende Kommission gebildet worden sei, um den Vorfall zu untersuchen. Welcher der beiden gestarteten Satelliten nicht von der Oberstufe abgetrennt wurde, wisse man nicht.

Allerdings schrieb RIA Nowosti auch, dass es Einschätzungen gäbe, dass von zwei Satelliten, die aus Gründen der Geheimhaltung nur als K und S bezeichnet würden, K derjenige sei, der noch mit der Wolga-Oberstufe verbunden wäre.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: function.mil.ru, Raumfahrer.net, RIAN, TASS, TsSKB Progress)


» Indien: (Auch) Elektrischer Antrieb für GSAT 9
07.12.2015 - Nachdem der Start von GSAT 4 am 15. April 2010 nicht gelang, will die Indische Weltraumforschungsorganisation (ISRO) elektrische Triebwerke jetzt zum ersten Mal an Bord des neuen Kommunikationssatelliten GSAT 9 testen.
Aktuell hofft die ISRO auf einen Start von GSAT 9 im Frühjahr 2017 auf der GSLV Mk.II mit der Flugnummer F09. An Bord des neuen Satelliten, der mit dem üblichen chemischen Apogäumsmotor und chemischen Triebwerken für Bahnkorrekturen und Lageregelung ausgerüstet sein wird, sollen elektrische Triebwerke als Alternative beim Bahnerhalt zum Einsatz kommen.

GSAT 4 war unter anderem 2 mit Hall-Effekt-Triebwerken des Typs KM-45 für den Ausstoß von Xenon mit einem Nominalschub von 17 Millinewton vom staatlichen russischen Forschungszentrum Keldysch aus Moskau ausgestattet worden. Ergänzt wurden sie durch zwei in Indien konstruierte Triebwerke mit einem Nominalschub von jeweils 13 Millinewton. Zusammen sollten sie zweieinhalb Jahre die Manöver zum Bahnerhalt in Nord-Süd-Richtung übernehmen.

Zur Steuerung und Kontrolle der elektrischen Triebwerke war ein G4-PPCS für GSAT 4 power processing and control system genanntes System installiert. Der Versorgung der Triebwerke mit und der Speicherung von Xenon war eine als G4-XFS für GSAT 4 xenon feed system bezeichnete Baugruppe gewidmet. 27 Kilogramm Xenon führte GSAT 4 in der Anlage mit.

Derzeit besitzen Satelliten der GSAT-Reihe mit Massen im Bereich zwischen 2 und 2,5 Tonnen Lebensdauern zwischen 10 und 12 Jahren. Mit Hilfe elektrischer Triebwerke soll sich die Einsatzdauer eines solchen Satelliten um bis zu 4 Jahre ausdehnen lassen, wenn keine chemischen Antriebssysteme mehr mitgeführt werden.

Bei den derzeitigen Satelliten macht getankter Treibstoff für chemische Triebwerke einen großen Anteil an der Startmasse aus. Die ISRO spricht von 40 - 50 Prozent. Wenn es nicht mehr erforderlich ist, solche eine große Menge chemischen Treibstoffs mitzuführen, sind für die dem Anwendungszweck des Satelliten gewidmete Anlagen und Geräte größere Massen möglich.

Die für GSAT 9 vorgesehenen Triebwerke vom Typ KM-88 sind entwickelt. Ihr Entwurf erfolgte nach einem Aufrag aus Indien wiederum beim Forschungszentrum Keldysch, das zwischenzeitlich eine Anzahl von flugtauglichen Exemplaren nach Indien geliefert hat. An Bord von GSAT 9 - welcher auf dem indischen Satellitenbus I-2K aufgebaut ist - werden die Triebwerke mit einem Schub von 72 Millinewton nur für den Bahnerhalt verwendet werden, bei zukünftigen indischen Kommunikationssatelliten könnten sie alle anfallenden Antriebsaufgaben bewältigen.

Am Projekt beteiligt sind hauptsächlich das Satellitenanwendungszentrum der ISRO (ISRO Satellite Applications Centre, ISAC), das Zentrum für Flüssigkeitstriebwerkssysteme (Liquid Propulsion Systems Centre, LPSC) und das Vikram Sarabhai Raumfahrtzentrum (Vikram Sarabhai Space Centre, VSSC).

Für GSAT 9 ist eine Auslegungsbetriebsdauer von 12 Jahren vorgesehen. Während seiner aktiven Einsatzzeit soll der Satellit neben der Bereitstellung unterschiedlichster Kommunikationsverbindungen mit 12 Ku-Band-Transpondern auch eine Nutzlast für das indische System zur Unterstützung von GPS im Bereich Indiens durch zusätzliche Korrektursignale, GAGAN für GPS Aided Geo Augmented Navigation genannt, an Bord betreiben.

Die kumulierte Nutzlastleistung wird auf rund 2,3 Kilowatt beziffert. Die Versorgung der Nutzlast und des raumflugtechnischen Teils von GSAT 9 mit elektrischer Energie erledigen nach Plan zwei Solarzellenausleger, die in Zeiten ohne ausreichende Sonneneinstrahlung durch Akkumulatoren unterstützt werden.

Als voraussichtliche Startmasse des dreiachstabilisierten Satelliten werden rund 2.330 Kilogramm genannt. Nach dem Start auf einer indischen Rakete des Typs GSLV Mk.II will man das Raumfahrzeug auf eine Position bei 48 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) steuern, um von dort aus das gesamte indische Mutterland sowie die Inseln der Andamanen und Nikobaren zu erreichen.

Die Konstruktion des neuen Satelliten gleicht nach Angaben aus Indien im Wesentlichen der von INSAT 4C. Letzterer wurde bei einem Fehlstart auf einer GSLV-Rakete am 10. Juli 2006 zerstört.

Den am GSAT-9-Projekt beteiligten Institutionen, Wissenschaftlern und Ingenieuren ist zu wünschen, dass der Raketentyp GSLV bzw. GSLV Mk.II nach einer langen Entwicklungs- und Testperiode, die von zahlreichen Schwierigkeiten gekennzeichnet war, zwischenzeitlich so weit greift ist, dass auch GSAT 9 ohne Störungen auf den geplanten Erdorbit gebracht werden kann.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ISRO, Keldysch, The New Indian Express)


» China: Militärischer Comsat Chinasat 1C im All
10.12.2015 - Am 9. Dezember 2015 wurde der chinesische militärische Kommunikationssatellit Chinasat 1C in den Weltraum gebracht. Sein Ziel ist der Geostationäre Orbit circa 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.
Der Start erfolgte um 17:46 Uhr MEZ vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Es handelte sich um einen Nachtstart, vor Ort war es zu diesem Zeitpunkt kurz nach 0:46 Uhr Pekinger Zeit, und der nächste Tag schon angebrochen. Exakter Startzeitpunkt war 00:46:04,320 Uhr Pekinger Zeit.

Transportiert wurde der Satellit von der dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 (Chang Zheng-3B/G2, CZ-3B/G2) mit der Baunummer Y31. Sie flog nach chinesischen Angaben die 220. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch, eine Zahl, die angesichts der Tatsache, dass in ihr mittlerweile immer mehr höchst unterschiedliche Träger zusammengefasst werden, ihre Aussagekraft verliert.

Chinasat 1C hat nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua den vorgesehenen (Absetz-)Orbit erreicht. Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung sprechen dafür, dass der Satellit auf eine 27,084 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahn mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt (Perigäum) von 177 Kilometern über der Erde und einem erdfernsten Bahnpunkt (Apogäum) von 35.817 Kilometern über der Erde gebracht wurde.

Die erreichte Übergangsbahn mit niedrigem Perigäum spricht neben der Darstellung des Satelliten auf Animationen im Startkontrollzentrum für eine Satellitenmasse im Grenzbereich der Leistungsfägigkeit der benutzten Trägerrakete. Quellen aus China nennen eine Startmasse im Bereich von 5.320 Kilogramm.

Nötige Bahnanhebungen und den Abbau der übrig gebliebenen Bahnneigung wird Chinasat 1C mit bordeigenen Antrieben bewältigen müssen. Dafür wurde der Satellit insbesondere mit einem geeigneten Apogäumsmotor ausgestattet.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, dass Chinasat 1C sich im Eigentum der China Satellite Communications Co., Ltd. (China Satcom) befinde. Die selbe Quelle gibt an, der Satellit diene Verbessserungen bei der Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Audio-, Daten-, Radio- und Fernsehübertragungen.

Entwickelt wurde Chinasat 1C, der vermutlich auf dem Satellitenbus DFH-4 basiert, nach Angaben von Xinhua durch die Chinesische Akademie für Weltraumtechnik (China Academy of Space Technology, CAST).

Chinasat 1C alias Zhongxing 1C (中星1C) und Fenghuo 2C (FH 2C) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.103 und als COSPAR-Objekt 2015-073A. Die dritte Stufe der Langer-Marsch-Rakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.104 und als COSPAR-Objekt 2015-073B.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: 9ifly.cn, CCTV, China Spaceflight, Chinesisches Verteidigungsministerium, Xinhua)


» TAS baut weitere acht Satelliten für O3b
10.12.2015 - Am 10. Dezember 2015 gab der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) bekannt, dass er mit dem Bau weiterer acht Satelliten für O3b beauftragt worden ist.
Drei Gruppen aus jeweils vier Satelliten hat TAS bereits an das 2007 gegründete Unternehmen O3b Networks (O3b) mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey geliefert. Nach Angaben von TAS bilden sie seit September 2014 eine vollständig nutzbare Konstellation.

O3Bs bereits im Einsatz befindliche Erdtrabanten gelangten bei drei Starts zu je vier Raumfahrzeugen 2013 und 2014 in den Weltraum (Startmasse pro Satellit jeweils circa 700 Kilogramm). Sie bewegen sich auf Umlaufbahnen in mittlerer Höhe, MEO für Medium Earth Orbit genannt, um die Erde und wirken unter anderem als Bindeglieder für Verbindungsstrecken mit geringer Latenz für Internet- und Kommunikationsdaten.

Gegenüber den bereits um die Erde kreisenden O3b-Satelliten sollen die jetzt bei TAS bestellten über verbesserte Leistungsdaten und erweitere Funktionalität verfügen.

O3b hat geplant, dass ein erster Start mit Satelliten der neuen Klasse Anfang 2018 erfolgt.

Satelliten von O3b sind bei ihren Umkreisungen der Erde rund vier mal näher, als im Geostationären Orbit (GEO) positionierte Erdtrabanten.

Die kürzere Wegstrecke für Funksignale zwischen der Erde und einem im MEO kreisenden Satelliten ermöglicht wegen der resultierenden geringeren Signallaufzeit eine Kommunikation mit weniger Verzögerungen.

Kommerziellen Betreibern von Telekommunikationsnetzen und Internetserviceprovidern verspricht O3b außerdem Datenübertragungsgeschwindigkeiten, die mit solchen in Glasfasernetzen vergleichbar sind.

Insbesondere für Regionen mit nicht vorhandener oder kaum ausgebauter Netzwerkinfrastruktur am Boden können die Satelliten von O3b in rund 8.000 Kilometern über der Erde eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Kontext ist auch Namensgebung des Unternehmens zu sehen: O3b steht für "(The) Other 3 Billion", und meint rund 3 Milliarden Menschen auf der Erde, die keinen Zugang zum Internet haben oder hatten.

Auf den aktuell im All befindlichen Satelliten von O3b kommen Transponder für das Ka-Band zum Einsatz. Pro Satellit stehen 12 "duplex Ka-Band communication links" zur Verfügung. Die Verbindung zu vorhandenen Netzen wird über acht sogenannte Gateways am Boden, auch Teleports genannt, hergestellt.

Vier der Bodenstationen kümmern sich zusätzlich um die Überwachung und Steuerung der Satelliten. Das zentrale Betriebszentrum für das Netz (network operations center - NOC) von O3b befindet sich in Manassas im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia.

Neue transportable Antennen mit einem Reflektordurchmesser von rund 85 Zentimeter für das O3b-Netz sind in Vorbereitung. Sie können laut O3b innerhalb von rund anderthalb Stunden empfangsbereit gemacht werden und sollen Datenübertragungsraten bis zu 400 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ermöglichen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: O3b, Thales Alenia Space)


» Verbesserte H-IIA startet mit Telstar 12 VANTAGE
26.11.2015 - Auf einer verbesserten Variante der japanischen H-IIA-Rakete wurde am 24. November 2015 der kanadische Kommunikationssatellit Telstar 12 VANTAGE in den Weltraum transportiert.
Um 7:50 Uhr MEZ am 24. November 2015 (um 15:50 Uhr japanischer Zeit) startete eine H-IIA-Rakete vom japanischen Raumfahrtzentrum Tanegashima, um den Kommunikationssatelliten Telstar 12 VANTAGE in den Weltraum zu befördern. Das Raumfahrzeug für den kanadischen Kommunikationssatellitenbetreiber Telesat wurde nach einer Flugzeit von rund vier Stunden Minuten und 27 Minuten erfolgreich im All ausgesetzt.

Bei der 29. Mission einer H-IIA-Rakete kam die Version 204 zu Einsatz. Diese Version zeichnet sich durch vier seitlich montierte Feststoffbooster vom Typ SRB-A3 aus. Verbesserungen der Rakete erfolgten insbesondere im Bereich der zweiten Stufe, die jetzt für drei Brennphasen vor dem Nutzlast-Absetzen geeignet ist.

Der Flug der Rakete begann von der Rampe Nummer 1 des Yoshinobu-Startkomplexes (YLP-1) an der Südküste der japanischen Insel Tanegashima im ersten Viertel des eine Stunde und 44 Minuten langen Startfensters (7:23 - 9:07 Uhr MEZ). Vor Ort herrschte zum Zeitpunkt des Starts eine Temperatur von 22 Grad Celsius, Wind kam mit einer Geschwindigkeit von rund 31 km/h aus Richtung Nordosten.

Zuerst lief das LE-7A genannte, flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennende Haupttriebwerk der ersten Stufe an. Nachdem dieses die vorgesehenen Betriebsparameter erreicht hatte, zündeten die vier jeweils mit rund 66 Tonnen HTPB (Hydroxyl-terminiertes Polybutadien) gefüllten Feststoffbooster und die von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) gebaute Rakete verließ die Rampe.

Der Flugverlauf gestaltete sich laut MHI wie geplant. Rund 116 Sekunden nach dem Abheben waren die Feststoffbooster ausgebrannt und wurden jeweils in Paaren rund 11 und 14 Sekunden später abgeworfen. Der Abwurf der Nutzlastverkleidung an der Spitze der Rakete folgte rund drei Minuten und 25 Sekunden nach dem Abheben.

Nach rund sechs Minuten und 40 Sekunden Flug hatte die erste Stufe ihre Arbeit erledigt und wurde rund acht Sekunden später abgetrennt. Sechs weitere Sekunden später zündete das 137 kN starke LE-5B genannte, ebenfalls flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennende Haupttriebwerk der zweiten, verbesserten Stufe der Rakete.

Vier Minuten Minuten und 11 Sekunden arbeitete des Haupttriebwerk der zweiten Stufe, bis sein erster Brennschluss erreicht war. Es folgte eine Freiflugphase mit einer Dauer von 11 Minuten und 39 Sekunden, während derer die erstmals weiß gestrichene Stufe langsam rollte - Farbgebung und Rotation dienten der Temperaturkontrolle.

Vor der neuerlichen Zündung der zweiten Stufe wurde im Gegensatz zu früheren Missionen, bei denen ausschließlich separate Hydrazin nutzende Lageregelungstriebwerke eingesetzt wurden, Oxidator verdampft und abgegeben, um mit einem leichten Vorwärts-Schub die Betriebsstoffe an den jeweiligen Tankböden zu konzentrieren.

Die zweite Brennphase der zweiten Stufe begann dann 22 Minuten und 46 Sekunden nach dem Abheben und endete nicht ganz vier Minuten später. Eine fast vier Stunden dauernde Freiflugphase schloss sich an, während der die Versorgung der Stufe mit elektrischer Energie weiter durch einen neu entwickelten Lithiumionen-Akkumulatorensatz erfolgte.

Zur dritten und letzten Brennphase vor dem Aussetzen der Nutzlast zündete die zweite Stufe vier Stunden, 22 Minuten und 45 Sekunden nach dem Abheben. Das Triebwerk der Stufe war dabei erstmals auf einem separat einstellbaren niedrigerem Schubniveau von circa 60 Prozent betreibbar - also drosselbar (auf 82 kN), was einer erhöhten Genauigkeit beim Orbiteinschuss dienlich sein sollte. 46 Sekunden später war die dritte Brennphase beendet.

Vier Stunden, 26 Minuten und 56 Sekunden nach dem Abheben erfolgte dann das Aussetzen von Telstar 12 VANTAGE, den Airbus Defence and Space für Telesat nach einem Auftrag aus dem Jahr 2013 gebaut hatte, im Empfangsbereich der Bodenstation Santiago. Erreicht wurde ein geosynchroner Transferorbit (GTO), von dem aus der Satellit den Weg in den Geostationären Orbit (GEO) eigenständig bewerkstelligen muss.

Das Perigäum, also der der Erde nächstliegende Bahnpunkt, des Orbits des Satelliten nach dem Aussetzen, lag bei rund 3.140 Kilometern über der Erde. Das Apogäum, der am weitesten von der Erde entfernte Bahnpunkt, lag bei 35.637 Kilometern über der Erde. Die verbliebene Bahnneigung gegen den Erdäquator betrug 19,2 Grad.

Telstar 12 VANTAGE basiert auf der Satellitenplattform Eurostar E3000 und besaß eine Startmasse im Bereich von 4.900 Kilogramm. Der Satellit wird von seinem Betreiber mit Sitz im kanadischen Ottawa insbesondere zur Breitstellung von Breitbanddatendiensten eingesetzt werden.

Telesats neuer Satellit soll im GEO eine Position bei 15 Grad West beziehen, um von dort Empfänger in Nord- und Südamerika, in Europa, dem Mittleren Osten und in Afrika zu versorgen. Dafür ist er mit einer Kommunikationsnutzlast im Äquivalent zu 52 Ku-Band-Transpondern mit einer Bandbreite von jeweils 36 MHz ausgerüstet.

Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten, mit Lithium-Ionen-Akkumulatorensätzen ausgestatteten Satelliten im Orbit beträgt mindestens 15 Jahre. Mit elektrischer Energie versorgt werden Kommunikationsnutzlast und raumflugtechnische Systeme von zwei Solarzellenauslegern. Von den Auslegern mit Gallium-Arsenid-Zellen erwartet man am Ende der Auslegungsbetriebsdauer die Bereitstellung von immer noch 11 Kilowatt elektrischer Leistung.

Telstar 12 VANTAGE besitzt einen mit Monomethylhydrazin (MMH) und einer Mischung von Stickstoffoxiden (MON-3, Stickstofftetroxid mit 3% Stickstoffmonooxid) betrieben Apogäumsmotor. Für die Lageregelung sowie das Halten oder Verändern der Position des Satelliten besitzt er außerdem 14 10 Newton starke, MMH und MON-3 verwendende Zweistofftriebwerke des Typs S10-21 von Airbus Defence and Space.

Der neue Satellit ist als Nachfolger und Erweiterung von Telstar 12 gedacht. Letzterer wurde mit 38 Ku-Band-Transpondern ausgestattet und kreist nach Start auf einer Ariane 4 (Flug V122, verwendete Raketenversion 44LP) seit dem 19. Oktober 1999 um die Erde.

Vor Telstar 12 VANTAGE besorgten z.B. Arianespace, International Launch Services (ILS) und Landlaunch den Transport von Satelliten für Telesat in den Weltraum. Der jetzt erfolgte Start war die erste jemals geflogene kommerzielle Mission einer Rakete des japanischen Typs H-IIA mit einem kommerziellen Kommunikationssatelliten an Bord.

Telstar 12 VANTAGE alias Telstar 12V ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.036 und als COSPAR-Objekt 2015-068A. Die zweite Stufe der H-IIA ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.037 und als COSPAR-Objekt 2015-068B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, MHI, Telesat)


» NOAA 16 nach Aus 2014 jetzt als Trümmerquelle
26.11.2015 - Der US-amerikanische, im Juni 2014 nach einer Anomalie außer Dienst gestellte Wettersatellit NOAA 16 erweist sich als weitere Quelle von Weltraumschrott. Am 25. November 2015 wurden eine Reihe von Trümmern in der Nähe des Satelliten beobachtet.
Nach Angaben des Gemeinschaftlichen Zentrums für Raumfahrtaktivitäten des US-amerikanischen Militärs (Joint Space Operations Center, JSpOC) wurden gegen 8:16 Uhr UTC am 25. November 2015 in der Umgebung von NOAA 16 eine Anzahl vorher nicht katalogisierter Objekte beobachtet.

NOAA 16, der früher von der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) genutzt wurde, bewegt sich aktuell auf einem Orbit mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt von rund 841 und einem von der Erde am weitesten entfernten Bahnpunkt von etwa 857 Kilometern.

Ab 18:30 Uhr UTC am 25. November 2015 wurden vom JSpOC 19 mit einem möglichen Zerleger in Zusammenhang stehende Objekte im unter anderem für Annäherungsbrechnungen verwendeten Katalog geführt.

Mit der Katalogisierung weiterer Objekte wird gerechnet. Das JSpOC teilte mit, Satellitenbetreiber gegebenenfalls zu informieren, wenn die Gefahr besteht, dass Trümmer von NOAA 16 anderen Satelliten nahe kommen.

NOAA 16 kreist seit seinem Start von der Luftwaffenbasis Vandenberg (VAFB) in Kalifornien am 21. September 2000 um die Erde. Seine Primärmission beendete der Satellit, dessen nominale Auslegungsbetriebsdauer nur drei Jahre betrug, 2005 und stand anschließend als weiter Beobachtungsdaten lieferndes Backup zur Verfügung.

Am 6. Juni 2014 ging der Kontakt zu dem von Lockheed Martin gebauten Raumfahrzeug verloren. Nachdem man festgestellt hatte, dass der Satellit nicht mehr in ein nützliches Betriebsregime zu versetzen sein würde, erfolgte die offizielle Außerdienststellung am 9. Juni 2014.

Eine Ursache für die 2014 aufgetretene Anomalie an Bord von NOAA 16 wurde seinerzeit nicht mitgeteilt. Bestimmte Baureihen sonnensynchroner Wettersatelliten auf annähernd polaren Umlaufbahnen von NOAA und dem US-amerikanischen Militär leiden unter konstruktiven Mängeln ihrer Stromversorgungssysteme. Ein Akkuplatzer an Bord von NOAA 16 kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden.

Der US-amerikanische militärische Wettersatellit DMSP F13 hatte am 3. Februar 2015 wegen eines Fehlers in seinem Akkumulatorensystem Trümmerstücke abgestoßen. Wahrscheinlich hat ein abgenutzter Kabelstrang und ein Kurzschluss in einem Akkuladeregler an Bord des Satelliten zur Überladung von Nickel-Cadmium-Akkumulatorenzellen geführt, die schließlich platzten.

Am 15. April 2004 hatte DMSP F11 eine Trümmerwolke verursacht. Verantwortlich dafür ist vermutlich ein in Nachbarschaft zu Akkumulatoren montierter, geplatzter Treibstofftank, der zum Zeitpunkt des Versagens noch rund sechs Kilogramm Hydrazin enthielt.

Eine Schraube, die möglicherweise so fest angezogen war, dass ihr unteres Gewindeende in Verbindung mit darunter befindlichem leitfähigen Material kommen kann, hat im August 1994 in NOAA 13 vermutlich die übermäßige Erwärmung einer Elektronikbox und den Ausfall der Akkuladung verursacht.

NOAA 8 erlitt im Juni 1984 nach Überladung und Überhitzung eine trümmergenerierende Akkumulatorenexplosion. Von NOAA 7 ist bekannt, dass er im August 1997 Teile verlor. NOAA 6 stieß 1995 und 1992 Objekte ab.

NOAA 16 alias NOAA L ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 26.536 und als COSPAR-Objekt 2000-055A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JSpOC, Raumfahrer.net)


» China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 29
28.11.2015 - Der chinesische Erdbeobachtungssatellit YaoGan 29 gelangte am 26. November 2015 in den Weltraum, berichtete beispielsweise das chinesische Staatsfernsehen. Der Start erfolgte vom Taiyuan Satellite Launch Center (TSLC) in der nordchinesischen Provinz Shanxi.
Befördert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 4C. Es war der 18. Einsatz der Variante Langer Marsch 4C insgesamt, und der 219. Start einer Rakete mit dem Namensbestandteil Langer Marsch. Damit hat China im Jahre 2015 bereits 16. Missionen von Raumfahrträger erfolgreich abgewickelt.

Der Start von YaoGan 29 erfolgte um 5:24 Uhr Pekinger Zeit am 27. November 2015, das ist 22:24 Uhr MEZ am 26. November, von der Startanlage Nr. 9 des Satellitenstartzentrums Taijuan. Exakter Startzeitpunkt in UTC war 21:24:04,681 am 26. November.

Nach Angaben aus China handelt es sich bei YaoGan 29, wie bei den schon zuvor gestarteten YaoGan-Satelliten, erneut um ein Raumfahrzeug, das bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung sowie wissenschaftlichen Untersuchungen nützlich sein soll.

Möglicherweise handelt es sich bei YaoGan 29 um einen weiteren Aufklärungssatelliten mit einer Radaranlage an Bord. YaoGan bedeutet schlicht Fernerkundung. Der Satellit gelangte auf eine circa 97,8 Grad gegen den Äquator geneigte Bahn und umkreiste die Erde nach dem Start in Höhen zwischen 615 und 619 Kilometern.

Bahnparameter und Startumstände gleichen bestimmten früheren Satelliten aus der YaoGan-Serie, insbesondere denen der Radar-Satelliten YaoGan 1, 3 und 10. YaoGan-Satelliten bringt China seit 2006 regelmäßig ins All.

Wahrscheinlich ist der neue Satellit mit einer Radaranlage mit synthetischer Apertur (SAR) ausgestattet. Letztere soll im Gegensatz zu denen an Bord älterer Satelliten mit einer Auflösung im Bereich von 1,5 Metern eine höhere Auflösung im Bereich eines halben Meters ermöglichen.

Die Akademie für Raumflug Schanghai (Shanghai Academy of Spaceflight Technology, SAST) ist laut Informationen aus China für den Entwurf der Beobachtungsnutzlast des Satelliten verantwortlich. Die Startmasse des neuen Erdtrabanten liegt nach Angaben der selben Quellen im Bereich von 3 Tonnen.

YaoGan 29 alias YG-29 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.038 und als COSPAR-Objekt 2015-069A. Die dritte Stufe der Trägerrakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.039 und als COSPAR-Objekt 2015-069B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CCTV, china.org, CRI, mp.weixin.qq.com, Raumfahrer.net, Xinhua)


» Amos 5 im Abseits - Neuer Zombie im GEO
28.11.2015 - Der Kommunikationssatellit Amos 5 des Betreibers Spacecom aus Israel ist vollständig ausgefallen. Dass mit dem Satellit noch einmal Verbindung aufgebaut werden kann, wird allgemein als unwahrscheinlich betrachtet.
Am Samstag den 21. November 2015 brach gegen 4:45 Uhr UTC die Verbindung zwischen dem zu diesem Zeitpunkt im Geostationären Orbit (GEO) bei 17 Grad Ost positionierten Raumfahrzeug und seinem Betreiber abrupt ab. Gleichzeitig kam es zur Unterbrechung der Versorgung aller via Amos 5 erreichten Empfänger, die vor allem in Afrika, aber auch in Teilen Europas und des Mittleren Ostens beheimatet sind.

Auf Kommandos, die anschließend auf dem Funkweg an den vor dem Start betankt rund 1.972 Kilogramm schweren Satelliten geschickt wurden, reagierte letzterer nicht.

Amos 5 kreist seit seinem Start auf einer Proton-Rakete in Baikonur am 11. Dezember 2011 um die Erde. Die Auslegungsbetriebsdauer des von Reschetnjow aus Schelesnogorsk in der Region Krasnojarsk in Russland gebauten Erdtrabanten war zunächst mit 15 Jahren angegeben ("AMOS-5 is a highly capable satellite with a 15-year active lifespan").

Nach Problemen mit einer Stromversorgungseinheit an Bord des Satelliten war von einer möglicherweise um rund 11 Monate reduzierten zu erwartenden Gesamteinsatzdauer die Rede. Der Hersteller des Satelliten nannte zuletzt eine Auslegungsbetriebsdauer von 14 Jahren.

Den Bau von Amos 5 hatte Spaceom am 30. Juli 2008 beauftragt. Das Auftragsvolumen betrug ungerechnet rund 157 Millionen US-Dollar. Für Reschetnjow war es die erste Bestellung eines auf dem Satellitenbus Express 1000H bzw. 1000N basierenden Raumfahrzeugs.

Auch in anderer Hinsicht handelte es sich um eine Premiere: Zum ersten Mal kamen an Bord eines Satelliten neu entwickelte Reaktionsräder des Typs Agat-15 des russischen Herstellers Polyus aus Tomsk zum Einsatz. Als Herausforderung bei der Entwicklung der Reaktionsräder wurden die harschen Weltraumbedingungen genannt.

Im Gegensatz zu früheren russischen Konstruktionen besitzen auf dem Express-1000H-Bus basierende Satelliten keinen großen thermisierten Gerätebehälter mehr. Am Satelliten angebrachte und im Satelliten montierte Anlagen und Geräte müssen daher selbst an die im All herrschenden Bedingungen angepasst sein.

Die Kommunikationsnutzlast von Amos 5 steuerte der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space bei. Sie umfasst 18 Transponder für das C-Band und 16 Transponder für das Ku-Band. Als Leistung der Kommunikationsnutzlast nannte Reschetnjow maximal 5.600 Watt.

Versorgt wurden Kommunikationsnutzlast und raumflugtechnische Systeme, zu denen auch elektrische, Xenon ausstoßende Triebwerke des Typs SPT-100 bzw. SPD-100 vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad zur Lageregelung und für Manöver zum Bahnerhalt gehörten, durch zwei Solarzellenausleger von Kvant aus Moskau. Die Ausleger besitzen jeweils drei Elemente und waren mit Galliumarsenid-Zellen versehen worden.

Zur Stromspeicherung an Bord dienten zwei Lithiumionen-Akkumulatorensätze, die aus jeweils 40 Zellen des Typs VES180SA von Saft aus Frankreich aufgebaut sind. Ein anderer Lieferant aus Frankreich, Sodern, baute Sternensensoren für Amos 5.

In den Tagen nach dem Totalausfall wurde eine leichte Drift des Satelliten ermittelt. Der Satellit bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 0,002 Grad pro Tag im Bereich einer Position von 16,95 Grad Ost.

Ohne regelmäßig zu absolvierende Bahnerhaltungsmanöver ist ein ausgeprägtes Driften des Satelliten nicht zu verhindern. Unter anderem gibt es gravitative Einflüsse auf das Raumfahrzeug und den Strahlungsdruck der Sonne, welche den Orbit verändern werden.

Als sogenannter Zombie stellt Amos 5 jetzt eine reale Gefahr für andere Satelliten im GEO dar. Betreiber von aktiven Satelliten im GEO durchschnittlich rund 35.786 Kilometer über der Erdoberfläche müssen bei einer Annäherung eines unkontrollierten Zombies gegebenenfalls mit einem Ausweichmanöver reagieren. Für solche Manöver wird Treibstoff benötigt, und häufig bedeutet es eine gewisse Lebensdauerreduzierung für den ausweichenden Satelliten.

Im Interesse aller Betreiber von Satelliten im GEO und der Nutznießer der durch sie bereitgestellten Dienste kann man sich nur wünschen, dass es Spacecom - gegebenenfalls mit Unterstützung durch den Satellitenhersteller - noch einmal gelingt, Kontrolle über Amos 5 zu bekommen. Nur dann wäre es überhaupt grundsätzlich möglich, den Satelliten unverzüglich in einen sogenannten Friedhofsorbit zu bringen, sofern es der Zustand der Bordsysteme noch zulässt.

Der Start von Amos 5 2011 hatte sich verzögert, weil es im Sommer 2011 bei Tests beim Hersteller mit einer Komponente des Satelliten Probleme gegeben hatte. Welche Baugruppe oder welches Bauteil betroffen war, wurde seinerzeit nicht mitgeteilt.

Nach nicht einmal zwei Jahren im All hatte Spacecom 2013 bekannt gegeben, dass eine als Energieversorgungssystem Nr. 2 bezeichnete Baugruppe an Bord von Amos 5 final versagt hat.

Der Ausfall am 22. Oktober 2013 führte zunächst dazu, dass ein Teil der elektrischen Triebwerke nicht mehr angesteuert werden konnte. Am 31. Oktober 2013 wurde dann mitgeteilt, dass man einen Weg gefunden habe, wie man die elektrischen Triebwerke über einen alternativen Schaltungsweg versorgen könne.

Eventuell hat ein Versagen des Energieversorgungssystems Nr. 1 den nun erlebten Totalausfall von Amos 5 bewirkt. Ein vollständiger Ausfall elektronischer Bordsysteme mangels Stromversorgung ist ein schlüssiges Szenario, das unter anderem den Abbruch aller Verbindungen mit dem Satelliten erklärt, und schnell dazu führt, dass der Satellit nicht mehr ordnungsgemäß im Raum - also z.B. mit Sende- und Empfangsantennen Richtung Erde - ausgerichtet ist.

Der Branchendienst Spacenews berichtete am 23. November 2015, dass es laut Spacecom vor dem Ausfall keine Hinweise für ein sich abzeichnendes Problem mit dem Satelliten gab.

Außerdem sei es laut Spacecom so, dass man bei Spacecom keine Informationen über die Natur des aufgetretenen Ereignisses habe. Dieses stehe im Übrigen sicher nicht mit dem Ausfall eines Systems zur Akkumulatorenladung im Jahr 2013 in Zusammenhang, soll Spaceom laut den Spacenews ergänzend mitgeteilt haben. Wie sich Informationsstand und Bewertung der Ausfallursache miteinander vertragen, ist nicht zu erkennen.

Amos 5 strahlte während seiner aktiven Dienstzeit unter anderem Dienste und Programme für Infrasat, France 24, Orange, Satelio und Vodafone sowie für eine Reihe staatlicher Institutionen aus Ländern auf dem afrikanischen Kontinent aus.

Spacecom musste und muss für seine Kunden alternative Satelliten zur Erfüllung seiner Verträge finden. Gleichzeitig sind Spacecoms Kunden selbst bestrebt, den Empfängern der eigenen Dienste und Programme möglichst zügig eine Alternative anbieten zu können.

Satelio beispielsweise hat schon am 24. November 2015 mitteilen können, dass man nach einem kurzfristig mit SES Astra erzielten Vertragsabschluss in der Lage ist, die eigenen Kunden über Astra 4A, der bei 5 Grad Ost im GEO stationiert ist, zu versorgen. In der gesamten Sub-Sahara Region Afrikas kann Satelio deshalb weiter mit Antennen mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern empfangen werden - eine entsprechend angepasste Ausrichtung vorausgesetzt.

Für die wegen des Satellitenversagens zu erwartenden Einnahmeausfälle erhofft sich Spacecom eine gewisse Kompensation durch Versicherungszahlungen. Bei Spacecom geht man davon aus, Anfang 2016 entsprechende Mittel zu erhalten, meldete ein Wirtschaftsinformationsdienst aus Israel.

Amos 5 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.950 und als COSPAR -Objekt 2011-074A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: globes.co.il, isrealdefence.co.il, isunet.edu, jewishbusinessnews.com, Novosti Kosmonavtiki, Reschetnjow, Roskosmos, Saft, satellite-russia.ru, Spacecom, Spacenews)


» Das Amazon-Imperium schlägt zurück
28.11.2015 - Bereits seit mehreren Jahren wetteifern die Unternehmer Elon Musk und Jeff Bezos um den wiederverwendbaren Raumtransport. Jetzt ist Bezos der erste Flug auf über 100 km Höhe mit anschließender vertikaler Landung der Raketenstufe gelungen.
Am Montag, den 23. November 2015, hat Blue Origin seine suborbitale Kapsel "New Shephard" erfolgreich auf über 100 km geflogen und anschließend die Raketenstufe wieder senkrecht auf dem Triebwerksstrahl gelandet. Der Flug folgt auf einen ersten Versuch im April, der bis auf die Landung der Raketenstufe ebenfalls erfolgreich war. Blue Origin ist eine Raumtransportfirma, die vom Amazon-Chef und Multimilliardär Jeff Bezos geleitet wird.

Die Kapsel wurde dabei von einem Raketenstufe, welche mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff befüllt ist, beschleunigt. Nach dem Verlassen der Erdatmosphäre haben sich Raumschiff und Raketenstufe getrennt. Die unbemannte Kapsel landete anschließend an einem Fallschirm und die Raketenstufe vertikal mit dem Haupttriebwerk auf einem vorgesehenden Landeplatz. Bei dem Haupttriebwerk handelt es sich um das BE-3, ein Triebwerk mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff, das von Blue Origin in den letzten Jahren in Eigenregie entwickelt wurde.

Bezos sagte in einem Interview, dass er es kaum erwarten kann, einen zweiten Flug mit derselben Hardware zu unternehmen. Wann ein solcher Flug erfolgen könnte, ist jedoch unklar. Ebenfalls ist unklar, wann Weltraumtouristen einen ersten suborbitalen Trip ins All unternehmen können. Der Preis ist auch nicht bekannt.

Blue Origin plant auch eine orbitale Trägerrakete, wo das BE-3 Triebwerk die Oberstufe antreiben soll. Für die Hauptstufe entwickelt Blue Origin gerade das Hauptstromtriebwerk BE-4, das mit Methan und Sauerstoff arbeitet. Dieses Triebwerk soll auch an die ULA verkauft werden, wo es in dem Atlas 5 Nachfolger Vulcan eingesetzt werden soll. Die Atlas 5 wird eingestellt, da sie zu teuer ist und das russische RD-180 Triebwerk benutzt, welches aus politischen Gründen nicht mehr für US-Militärstarts benutzt werden darf.

Elon Musk, der Chef von der Firma SpaceX, versucht ebenfalls seit mehreren Jahren eine Raketenstufe erfolgreich zu landen. Im Gegensatz zu Blue Origin ist sein Unterfangen jedoch ambitionierter. Die Unterstufe der orbitalen Trägerrakete Falcon 9 soll dabei nach der Stufentrennung zum Startplatz oder einer Seeplattform zurückfliegen und dort senkrecht landen. Dieses Unterfangen hat bisher auch schon fast geklappt aber eben nur fast. Dass Blue Origin Musk jetzt zuvor gekommen ist, ärgert Musk offenbar sichtlich. Kurz nach der Pressemitteilung von Blue Origin gratulierte er Blue Origin erst via Twitter bevor er in einer Reihe von Tweets den Erfolg von Blue Origin zu relativieren versuchte. SpaceX plant für Dezember den Erstflug der neuen "Falcon 9 Full Thrust", wo auch eine weitere Seeplattformlandung versucht werden soll.

SpaceX und Blue Origin sind schon des öfteren aneinander geraten. In der Vergangenheit haben sie sich zum Beispiel über ein von Blue Origin eingereichtes Raketenseeplattformlandungspatent gestritten. Diese Patent wurde nach Einspruch von SpaceX erstmal zurückgewiesen. Ein weiterer Streitpunkt war die Vergabe von LC-39, also desjenigen Startplatzes, wo z.B. Apollo 11 zum Mond gestartet ist. Die NASA hatte SpaceX eine Pacht über 20 Jahre zugeteilt, worauf Blue Origin Widerspruch eingelegt hatte. Auch diesen verlohr Blue Origin. Musk kommentierte, dass es wahrscheinlicher sei, dass "Einhörner im Flammenschacht tanzen" als das Blue Origin in 5 Jahren eine orbitales bemanntes Raumfahrtprojekt auf die Startrampe bekommt.

Mehr Informationen:


(Autor: Tobias Willerding - Quelle: Blue Origin)



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"InSpace" Magazin #550
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
15. Dezember 2015
Auflage: 5231 Exemplare


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Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
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Klaus Donath
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Simon Plasger
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