InSpace Magazin #549 vom 23. November 2015

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #549
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

seit 11 Jahren ist die Raumsonde Cassini nun schon im Orbit um den Saturn. In dieser Zeit hat sie weit über 300.000 Bilder des Gasriesen, seiner Ringe und seiner Monde aufgenommen. Jon Keegan vom Wall Street Journal (WSJ) hat alle diese Bilder zu einem fast vier Stunden langen Video zusammengestellt. Über dieses rein chronologisch sortierte Material hinaus hat Keegan noch vier weitere Videos zusammengestellt, die jeweils Cassinis Beobachtungen eines Saturnmondes enthalten. Alle diese Videos sind hier bei WSJ zu sehen. Hinweis: Aufgrund der rasanten Hell-Dunkel-Wechsel können die Videos für Menschen mit einer Neigung zu fotosensitiver Epilepsie ungeeignet sein.

Axel Orth

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• China: Erdbeobachtungssatellit YaoGan 28 gestartet «mehr» «online»
• Ariane-5-Start mit zwei Kommunikationssatelliten «mehr» «online»
• GSAT 17 und GSAT 18 fliegen Ariane 5 «mehr» «online»
• Faszination Roboter - Das DLR SpaceBot-Camp «mehr» «online»
• TAS baut Kommunikationssatellit für Bangladesch «mehr» «online»
• MEOSAR-Station in Neuseeland fertiggestellt «mehr» «online»
• Russland startet Frühwarnsatellit Kosmos 2.510 «mehr» «online»


» China: Erdbeobachtungssatellit YaoGan 28 gestartet
10.11.2015 - Der chinesische Erdbeobachtungssatellit YaoGan 28 gelangte am 8. November 2015 in den Weltraum. Der Start erfolgte vom Taiyuan Satellite Launch Center (TSLC) im Nordwesten der Provinz Shanxi.
Befördert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 4B (LM-4B). Er gelangte nach Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung auf eine 97,24 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahn, mit einem Perigäum von 457,9 km und einem Apogäum von 482,1 km.

Nach dem erfolgreichen Aussetzen der Nutzlast wurde die dritte Stufe noch einmal aktiv und senkte den der Erde nächstliegenden Punkt ihrer Bahn deutlich ab. Die US-amerikanische Weltraumüberwachung beobachtete sie auf einer 97,35 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn, mit 217,4 x 462,2 km.

Nach Angaben der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua war es der 217. Start einer Rakete des Typs Langer Marsch. Er erfolgte um 15:06 Uhr Pekinger Zeit, das war 8:06 Uhr MEZ, von der Startanlage Nr. 9 des Satellitenstartzentrums Taiyuan. Letzteres befindet sich in rund 280 km Entfernung von der Stadt Taiyuan.

Im Jahr 2015 war es der 14. Start eines Raumfahrtträgers aus China, und insgesamt der 26. Flug einer Rakete in der Variante Langer Marsch 4B. Der 1. YaoGan-Satellit gelangte im Jahr 2006 in den Weltraum.

Gemäß der Information verschiedener offizieller Quellen aus China handelt es sich bei YaoGan 28 wie bei zuvor gestarteten YaoGan-Satelliten erneut um ein Raumfahrzeug, das bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung sowie wissenschaftlichen Untersuchungen nützlich sein soll. YaoGan bedeutet schlicht Fernerkundung.

Möglicherweise ist YaoGan 28 jedoch ein weiterer militärischer Aufklärungssatellit. Der Satellit umkreist die Erde aktuell auf einer rund 97,24 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn in Höhen zwischen 457 und 483 km.

Die Bahnparameter und Startumstände ähneln denen bestimmter früherer Satelliten aus der YaoGan-Serie, die sich auf annähernd kreisförmigen Bahnen in rund 475 km Höhe um die Erde bewegen. Westliche Beobachter vermuten eine Ausrüstung von YaoGan 28 mit (elektro)optischem Fernerkundungsequipment.

Im Mai 2012 gelangte mit YaoGan 14 (NORAD 38.257, COSPAR 2012-021A) ein Satellit mit entsprechenden Aufgaben auf eine ganz ähnliche Umlaufbahn, nachdem sein Start zur nur um Sekundenbruchteile abweichenden, ansonsten aber gleichen Tageszeit erfolgt war. Wie jetzt am 8. November 2015 wurde zum Transport eine Langer-Marsch-4B-Rakete mit einer 3,8 Meter durchmessenden Nutzlastverkleidung eingesetzt.

Der neue Satellit ist möglicherweise dazu gedacht, die Mission seines hier unterstellten Vorgängers fortzusetzen. Entwickelt wurde YaoGan 28 nach Angaben des chinesischen Verteidigungsministeriums basierend auf einem Satellitenbus der CAST. Hersteller ist mutmaßlich ein kommerzieller Ableger der CAST, die China Spacesat Co. Ltd..

YaoGan 28 alias YG-28 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.026 und als COSPAR-Objekt 2015-064A. Die dritte Raketenstufe ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.027 und als COSPAR-Objekt 2015-064B. Der exakte Startzeitpunkt in UTC ist 07:06:04.806 Uhr.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Axel Nantes - Quelle: CCTV, mod.gov.cn, Raumfahrer.net, Xinhua)


» Ariane-5-Start mit zwei Kommunikationssatelliten
12.11.2015 - Am 10. November 2015 pünktlich um 22:34 Uhr MEZ zu Beginn eines 43 Minuten langen Startfensters startete vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Satelliten an Bord. Die Erdtrabanten für die Indische Weltraumforschungsorganisation (ISRO) und den saudischen Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat wurden nach rund einer halben bzw. dreiviertel Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.
Verwendet wurde eine Ariane-5-ECA, die von der Startrampe ELA-3 zum sechsten und letzten Flug einer Ariane 5 im Jahr 2015 abhob. Transportiert wurden bei der Mission VA227 der saudische Kommunikationssatellit Arabsat 6B alias BADR 7 (Masse beim Start 5.798 kg, laut Airbus Defence and Space 5.799 kg) und der indische Kommunikationssatellit GSAT 15 (Startmasse 3.164 kg, laut Airbus Defence and Space 3.165 kg).

Beide Satelliten waren zusammen unter einer 17 Meter hohen Nutzlastverkleidung mit einem Durchmesser von 5,4 Metern untergebracht. Arabsat 6B wurde als erster der Satelliten etwa 27 Minuten nach dem Start ausgesetzt, er saß zuoberst auf der 6,4 Meter hohen Nutzlasttragstruktur SYLDA 5 A (SYLDA ist die Abkürzung von "Système de Lancement Double Ariane", Ariane-Doppelstartvorrichtung).

Nach Abstoßen der SYLDA 5 A - der 50. am französischen Airbus-Defence-and-Space-Standort Les Mureaux gebauten und der ersten, bei deren Herstellung neue Substanzen zur Verbesserung von Klebungen zum Einsatz kamen - wurde GSAT 15 nach Angaben der ISRO rund 43 Minuten und 24 Sekunden nach dem Start freigegeben.

Die beiden Satelliten werden aus dem Geotransferorbit (GTO) mit einem geplanten Perigäum von 247,1 km über der Erde (erreicht 246,9 km, Schätzung Arianespace) und einem geplanten Apogäum von 35.884 km über der Erde (erreicht 35.884 km, Schätzung Arianespace) mit eigenen Antrieben den Geostationären Orbit (GEO) ansteuern. Die Antriebe müssen auch den Abbau der Rest-Inklination, der verbliebenen Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von geplanten 4 bzw. erreichten 3,99 Grad bewerkstelligen.

GSAT 15 beispielsweise soll laut Plan nach drei Brennphasen seines mit Monomethylhydrazin (MMH) und einer Mischung von Stickstoffoxiden (MON-3, Stickstofftetroxid mit 3% Stickstoffmonooxid) betriebenen, 440 Newton starken Apogäumsmotors rund eine Woche nach dem Start den GEO erreichen.

Den verbindlichen Beschluss über den Bau von GSAT 15 fasste das Kabinett Indiens am 28. Juni 2013, nachdem sich das Projekt unter anderem wegen den Entwicklungsproblemen mit den indischen Raketen vom Typ GSLV immer wieder verzögert hatte. Geosynchronous Satellite Launch Vehicle hätten ursprünglich in größerer Zahl den Start der schwerer werdenden indischen Kommunikationssatelliten übernehmen sollen.

Bei GSAT 15 handelt es sich um ein in Indien auf Basis des Satellitenbus’ I-3K entworfenes und gebautes Raumfahrzeug, dessen Grundkörper Maße von rund 2,0 auf 1,77 auf 3,1 Metern aufweist. Der dreiachsstabilisierte Satellit ist dazu gedacht, den indischen Subkontinent von einer Position bei 93,5 Grad Ost im GEO, wo man ihn zunächst in Kolokation mit INSAT 3A und INSAT 4B betreiben will, mit einer Bandbreite von Kommunikationsdiensten zu versorgen.

Die mindestens 5.600 Watt leistende Kommunikationsnutzlast von GSAT 15 ist mit 24 Ku-Band-Transpondern, zwei Funkbaken und zwei Transpondern für die Bandbereiche L1 und L5 des indischen Systems zur Unterstützung von GPS im Bereich Indiens durch zusätzliche Korrektursignale, GAGAN für GPS Aided Geo Augmented Navigation genannt, ausgestattet. Innerhalb von GAGAN soll GSAT 15 als Reserve im Orbit für GSAT 8 alias INSAT 4G dienen.

Die Energieversorgung der Satellitensysteme von GSAT 15 erfolgt durch zwei Solarzellenausleger, die sich aus jeweils drei Segmenten zusammensetzen und dem Raumfahrzeug eine Spannweite von rund 15,50 Metern geben. Am Ende der projektierten Einsatzdauer von 12 Jahren sollen die Solarzellenausleger von GSAT 15 bei maximaler Sonneneinstrahlung noch rund 6.200 Watt, bei schlechter Beleuchtung mindestens noch rund 5.800 Watt elektrische Leistung bereitstellen können. Für die Stromspeicherung besitzt der Satellit drei Lithlium-Ionen-Akkumulatorensätze.

GSAT 15 ist letztlich als Ersatz für INSAT 3A (NORAD-Nr. 27.714) und INSAT 4B (NORAD-Nr. 30.793) gedacht. INSAT 3A hat seine Auslegungsbetriebsdauer von 12 Jahren bereits überschritten. INSAT 4B hat seit 2010 - möglicherweise wegen Stuxnet - Raumfahrer.net berichtete - nur noch die Hälfte seines Stromerzeugungssystems zur Verfügung.

Bei GSAT 15 ist derzeit alles in bester Ordnung: Nach Angaben der ISRO erreichten unmittelbar nach der Abtrennung von der Raketenoberstufe die ersten Signale von GSAT 15 das als MCF für Master Control Facility bezeichnete Satellitenkontrollzentrum im indischen Hassan. Erste vorläufige Testergebnisse zeigen an, dass der Satellit die Reise in den Weltraum offenbar gut überstanden hat und seine Bordsysteme wie vorgesehen arbeiten.

Arabsat 6B ist eine Konstruktion von Airbus Defence and Space und basiert auf der Satellitenplattform Eurostar E3000. Thales Alenia Space steuerte die Kommunikationsnutzlast bei. Der Satellit wird von seinem saudischen Betreiber insbesondere zur Verbreitung von direkt ausgestrahlten Fernsehprogrammen (DTV) und der Breitstellung von Breitbanddiensten eingesetzt werden.

Die Bestätigung des Auftrags an das Konsortium aus Airbus Defence and Space und Thales Alienia Space durch Arabsat erfolgte am 19. Januar 2013. 2009 war schon einmal eine Bestellung eines entsprechend bezeichneten Raumfahrzeugs geschehen, bei deren Bekanntgabe am 5. Februar 2009 ein anvisierter Start zwischen 2010 und 2012 genannt worden war.

Arabsats neuer Satellit soll im geostationären Orbit eine Position bei 26 Grad Ost beziehen, um von dort Empfänger im Mittleren Ost, in Afrika und in Zentralasien zu versorgen. Dafür ist er mit 27 Ku-Band-Transpondern und einem auf 24 Ausleuchtzonen ausgelegten Ka-Band-System ausgerüstet. Letzteres dient der Bereitstellung von Breitband- und interaktiven „Triple Play“-Diensten.

Mit elektrischer Energie versorgt wird die Kommunikationsnutzlast von Arabsat 6B von zwei Solarzellenauslegern, die dem Raumfahrzeug zusammen eine Spannweite von insgesamt rund 30,75 Metern geben. Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten, mit zwei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätzen ausgestatteten Satelliten im Orbit beträgt mindestens 15 Jahre. An deren Ende erwartet man von den beiden Solarzellenauslegern die Bereitstellung von immer noch 11,5 Kilowatt elektrischer Leistung.

Arabsat 6B besitzt einen mit MMH und MON-3 betrieben Apogäumsmotor. Für die Lageregelung sowie das Halten oder Verändern der Position des Satelliten besitzt er außerdem 14 10 Newton starke, MMH und MON-3 verwendende Zweistofftriebwerke des Typs S10-21 von Airbus Defence and Space.

Vor Arabsat 6B besorgte Arianespace den Transport von 8 anderen für Arabsat gebauten Satelliten in den Weltraum. GSAT 15 wurde zum 19. Satelliten der ISRO, der mit einer europäischen Ariane-Rakete ins All gelangte. VA227 mit Arabsat 6B und GSAT 15 auf der Rakete L581 aus dem Produktionslos PB war die 69. erfolgreiche Ariane-5-Mission in Folge.

Bei der Mission VA227 wurde laut Arianespace bei einer Gesamtstartmasse von rund 780 Tonnen (laut Airbus Defence and Space rund 774,6 Tonnen beim Abheben) eine Gesamtnutzlast von 9.810 kg transportiert (laut Airbus Defence and Space 9.812 kg), von denen 8.962 kg auf die beiden Satelliten entfielen.

Arabsat 6B alias BADR 7 wird voraussichtlich katalogisiert mit der NORAD Nr. 41.028 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2015-065A, GSAT 15 mit der NORAD Nr. 41.029 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2015-065B.

Verwandte Meldungen zu Arabsat bei Raumfahrer.net:

Verwandte Meldungen zur ISRO bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, Arabsat Arianespace, ESA, ISRO, Raumfahrer.net, Thales Alenia Space)


» GSAT 17 und GSAT 18 fliegen Ariane 5
14.11.2015 - Arianespace hat am 10. November 2015 bekannt gegeben, dass man von der Indischen Weltraumforschungsorganisation (ISRO) mit dem Start der Kommunikationssatelliten GSAT 17 und GSAT 18 beauftragt wurde.
Die beiden Satelliten will Arianespace bei zwei unabhängigen Flügen von Ariane-5-Raketen von Kourou in Französisch Guayna aus in den Weltraum transportieren. GSAT 17 und GSAT 18 werden laut Arianespace jeweils eine Startmasse im Bereich von 3.400 Kilogramm aufweisen. Die Genehmigung für den Bau der Raumfahrzeuge hatte das Indische Kabinett am 6. Mai 2015 erteilt.

Bei GSAT 17 handelt es sich um einen beim Start voraussichtlich 3.425 Kilogramm schweren Satelliten mit einer GSAT 10 ähnelnden Struktur. Gedacht ist er zum Ersatz und als Erweiterung von Kapazitäten im Orbit - insbesondere die von INSAT 3A und INSAT 4B - und soll eine Bandbreite von Kommunikationsdiensten zur Verfügung stellen.

Erreichen will man mit GSAT 17 nicht nur Nutzer in Indien selbst, sondern auch solche im Bereich des Indischen Ozeans und auf Inseln wie den Adamanen, Lakshadweep, den Malediven und Nikobaren sowie in der Antarktis.

GSAT 17 erhält eine Kommunikationsnutzlast mit 24 C-Band-Transpondern und 12 Transpondern für das erweiterte C-Band. Zusätzlich erfolgt eine Ausrüstung mit MSS- (Mobile Satellite Services, S-Band) sowie DRT- und SAS&R-Transpondern (Data Relay und Search & Rescue Services, UHF).

Nutzlasten und raumflugtechnische Systeme von GSAT 17 werden den benötigten Strom von zwei Solarzellenauslegern beziehen. Zur Stromspeicherung bekommt der Satellit Lithiumionen-Akkumulatorensätze.

Eingesetzt werden soll GSAT 17 bei 93,5 Grad Ost im Geostationären Orbit. Als Auslegungsbetriebsdauer des auf dem indischen Satellitenbus I-3K basierenden Raumfahrzeugs nennt die ISRO 15 Jahre.

Für den Bau des Satelliten hat die ISRO einen Zeitaufwand von 30 Monaten angegeben. Der Start des Satelliten war zwischenzeitlich für das erste Quartal 2017 vorgesehen, nach jetzigem Stand wird er aber frühestens Ende 2017 den Weltraum erreichen.

GSAT 18 ist ebenfalls ein Satellit mit einer GSAT 10 ähnelnden Struktur und einer Masse von voraussichtlich 3.425 Kilogramm. Er soll die Aufgabe übernehmen, eine große Bandbreite von Diensten für unterschiedliche Nutzergruppen zur Verfügung zu stellen.

Den Satelliten will Indien als Ersatz von Kapazitäten bei der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen, der Bereitstellung von Kommunikations- und VSAT-Diensten und dem Digital Satellite News Gathering (DSNG) für Nutzer im ganzen Land verwenden. Geplant hatte die ISRO einmal, dass mit diesem Kommunikationssatelliten, dessen Realisierung sich wie die anderer indischer Raumfahrzeuge schon erheblich verzögert hat, Funktionen von INSAT 3C und INSAT 4CR übernommen werden.

Die Kommunikationsnutzlast von GSAT 18 wird nach Angaben der ISRO aus 24 C-Band- und 12 Ku-Band-Transpondern sowie 12 weiteren Transpondern für das erweiterte C-Band bestehen. Vorgesehen sind außerdem zwei im Ku-Band arbeitende Funkbaken.

Die Stromversorgung der Nutzlast und raumflugtechnischen Systeme übernehmen wie bei GSAT 17 zwei Solarzellenausleger. Zur Stromspeicherung erhält der Satelliten ebenfalls Lithiumionen-Akkumulatoren.

Betreiben möchte man GSAT 18 bei 74 Grad Ost im Geostationären Orbit. Als Auslegungsbetriebsdauer des auf dem indischen Satellitenbus I-3K basierenden neuen Raumfahrzeugs nennt die ISRO wiederum 15 Jahre. Ein Start des Satelliten war ursprünglich einmal für Dezember 2015 vorgesehen. Bei einer Bauzeit von 30 Monaten könnte ein Start jetzt frühestens Ende 2017 erfolgen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, ISRO, SAC)


» Faszination Roboter - Das DLR SpaceBot-Camp
14.11.2015 - Das DLR spricht gerne von robotischer Raumfahrt. Aber wo sind diese Roboter? Satelliten für Copernicus, Galileo oder Telekommunikation sind es nicht. Spätestens seit ein paar Jahren hat die deutsche Politik die Robotik zum Zukunftsthema erklärt. Mit dem SpaceBot-Camp wollte das DLR eine "nationale Leistungsschau für bodengestützte Weltraumrobotik" aufzeigen.
Kein Zweifel, Roboter sind ein faszinierendes Thema, ob als Kinderspielzeug, in der Science Fiction, in der Forschung und nicht zuletzt auch in der Wirtschaft. Wir müssen nicht gleich an humanoide Roboter wie den Robonaut der NASA (oder Asimo von Honda oder Nao von Aldebaran) denken, um von Robotern zu sprechen. Für Weltraumfans ist Curiosity aktuell DAS Projekt in der Weltraum-Robotik und mit Philae ist zumindestens ein Lander realisiert worden.

Der Ursprung des Wortes Roboter liegt im tschechischen Wort robota, das mit Frondienst oder Zwangsarbeit übersetzt werden kann und in den utopischen Romanen von Karel Capek ethische und gesellschaftliche Grundfragen behandelte. Heute spricht man von Roboter als eine stationäre oder mobile technische Apparatur, die üblicherweise dem Menschen mechanische Arbeit abnehmen soll und von Computerprogrammen gesteuert werden. Abnehmen oder unterstützen soll uns der Roboter hier also bei der Erkundung und Erschließung in einer lebensfeindlichen Umgebung wie dem Mond oder auf anderen Planeten.

Das SpaceBot-Camp stellte diese Aufgabe in Form eines Scenarios, in dem Roboter nicht schwerer als 100 kg sich über eine simulierte Mondoberfläche orientieren und bewegen sollten, um Gegenstände aufzufinden und sie zu einer Station bringen sollten. Steuerungskommandos eines Bodenkontrollcenters waren möglich, aber nur zeitversetzt von einigen Sekunden. 10 Teams von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zeigten dabei ihre Lösungen. In einer Stunde sollte jeder Roboter die Aufgaben erfüllen, auf zwei Simulationsplätzen wurden die Tests zeitlich versetzt gestartet. Die Präsentation der Roboter in der Simulation und der DLR-Moderation gelang also ausgesprochen gut. Nur die Hintergrundmusik hätte vielleicht etwas spaciger sein können.

Sehr informativ und unterhaltsam sind auch die Projektberichte und Kurzporträts der einzelnen Teams (s.u.). Auf den Raumfahrttagen Neubrandenburg wird am Sonntag Cem Avsar, der bei uns auch schon im Forum unterwegs war, das TU-Berlin Projekt SEAR vorstellen.

Um es zusammenzufassen, alle zeigten beachtliche Leistungen. Der ein oder andere menschliche Eingriff war dann doch noch oft nötig, damit der Roboter weiterkommen konnte. Richtiges Weltraumfeeling kam vor allem auf, als der Roboter aus Koblenz eine Flagge aufpflanzen wollte (gelang zwar nicht, weil der Schotterboden doch zu fest war). Emotionale Momente sind bei aller Technik eben doch sehr wichtig, wie auch der Roboter Lauron mit seiner grünen Beleuchtung in der dunklen Erkundungsscene zeigte.

Neben den Robotern auf den Parcours waren auch die Teambereiche Bestandteil des Tests, wo die Teams ohne direkten Sichtkontakt nur mit Datenverbindungen ihre Roboter analysieren und steuern konnten. Über eine Servicefirma wurde die Kommunikation zwischen dem jeweils aktiven Team und Rover so hergestellt, dass sie nur zeitversetzt erfolgen konnte.

Für die Bewegung auf schwierigem Gelände wurden 4- und 6-rädrige Vehikel wie auch der 6-beinige Lauron eingesetzt, dessen Bewegung eine Stabheuschrecke nachahmt. Zur Orientierung/Navigation ohne GPS erfassten die Roboter über Scanner und Kameras ihre weitere und nähere Umgebung und über Bilderkennungsverfahren das Auffinden der Gegenstände. Per Roboterarm wurde diese aufgenommen, transportiert und an der Basisstation eingelegt. Die Herausforderung war vor allem das Zusammenspiel aller Elemente, so dass eine mehr oder weniger weitgehende Autonomie erreicht werden konnte.

Curiosity kostete ca. 2 Mrd $, Exomars dürfte auch bei 1,2 Mrd € liegen, dagegen sind die Rover mit jeweils ca. 50 T€ Budget nur sehr sehr kleines Geld - ok, dafür ist es auch nicht wirklich Raumfahrt. Aber alles fängt mal irgendwo an.

Die Teilnehmer und das DLR wollen bestimmt mit diesem SpaceBot-Camp weiter machen. Auch ein industrieller Wettbewerb wäre vielleicht mal ein interessanter Ansatz. Organisator Thilo Kaupisch meint, wenn internationale Raumfahrtsysteme entwickelt werden sollen, will man auf die Forschungskompetenzen zurückgreifen können. Somit bleibt zu hoffen, dass daraus irgendwie/irgendwann mal fliegende Systeme in der Raumfahrt entstehen werden.

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Links zu den Teilnehmern:


(Autor: Thomas Brucksch - Quelle: DLR)


» TAS baut Kommunikationssatellit für Bangladesch
16.11.2015 - Am 12. November 2015 gab der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) bekannt, dass er mit dem Bau des Kommunikationssatelliten Bangabandhu 1 für Bangladesch beauftragt worden ist.
Die Vereinbarung über den neuen Erdtrabanten traf TAS mit der Regulierungskommission für Telekommunikation aus Bangladesch (BTRC, Bangladesh Telecommunication Regulatory Commission). Den Zuschlag erhielt TAS im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens.

Nach Informationen aus Bangladesch hatten die beiden US-amerikanischen Unternehmen Boeing und Orbital, MDA aus Kanada und die chinesische Vermarkterin von Satelliten, Raketen und Starts, die China Great Wall Industry Corporation, zunächst ebenfalls Interesse am Bau von Bangabandhu 1 gezeigt. Die Frist zur Abgabe eines qualifizierten Angebots lief am 18. Juni 2015 ab.

Am Morgen des 11. November 2015 unterzeichneten Shahjahan Mahmood, der Vorsitzende der BTRC, und Jean-Loïc Galle, Präsident und geschäftsführendes Vorstandsmitglied von TAS, den Vertrag in einem Hotel in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka.

TAS soll für die Abwicklung des erhaltenen Auftrags umgerechnet rund 248 Millionen US-Dollar bekommen. Das Unternehmen muss für diese Summe innerhalb eines Zeitraums von 24 Monaten den Satelliten entwerfen, bauen und testen, sowie seinen Transport in den Weltraum gewährleisten. 56 Prozent der dafür aufzuwendenden Summe leiht sich Bangladesch im Ausland, die Regierung des Landes finanziert die übrigen 44 Prozent.

Bangabandhu 1, kurz auch BD 1 genannt, ist dazu gedacht, Bangladesch und umgebende Regionen mit direkt ausgestrahlten Programmen zu versorgen, und insbesondere für abgelegene Gebiete Kommunikationsverbindungen zur Verfügung zu stellen. Der Erdtrabant wird Bangladesch zum 57. Staat der Erde machen, in dessen Besitz sich mindestens ein eigener Erdsatellit befindet.

Die Rechte zur Nutzung der vorgesehenen Frequenzen an der Orbitalposition bei 119,1 Grad Ost im Geostationären Orbit, an der Bangabandhu 1 zum Einsatz kommen soll, mietete die Regierung Bangladeschs am 15. Januar 2015 für einen Zeitraum von 15 Jahren von einem Satellitenbetreiber aus Russland. Registrierter Nutzer der genannten Orbitalposition ist Intersputnik, an den die BTRC im Rahmen der Nutzungsvereinbarung insgesamt umgerechnet 28 Millionen US-Dollar zu zahlen hat.

Die Konstruktion des Satelliten mit einer Masse im Bereich von 3,5 Tonnen erfolgt laut TAS auf Basis des hauseigenen Satellitenbus Spacebus 4000B2. Für die Kommunikationsnutzlast des Satelliten mit einer Leistung im Bereich von sechs Kilowatt sind 26 Ku- und 14 C-Band-Transponder vorgesehen.

Auch beim Aufbau des Bodensegments wird TAS aktiv. Auf Basis einer SpaceGate genannten Lösung sollen in Bangladesch zwei Bodenstationen realisiert werden, die den neuen Satelliten überwachen und steuern können, und die Integration des Satelliten in entsprechende Daten- und Kommunikationsnetze übernehmen. Bei der Umsetzung in Bangladesch will TAS hinsichtlich erforderlicher Bauarbeiten vor Ort mit Spectra Engineers Ltd. zusammen arbeiten.

Pressemeldungen aus Bangladesch zufolge wünscht die dortige Regierung einen Start von Bangabandhu 1 am 16. Dezember 2017, dem Tag, an dem sich der Siegestag der Volksrepublik zum 45. Mal jährt. Wird das Projekt seitens TAS nicht 2017 abgeschlossen, drohen finanzielle Vertragsstrafen.

Ob sich der Start zum genannten Gedenktag realisieren lässt, bleibt abzuwarten. Starttermine für Raumfahrzeuge im Hinblick auf irgendwelche nationalen Feiertage festzulegen, hat zwar international Tradition, ist aber angesichts komplexer Abhängigkeiten bei Technik und Organisation eigentlich nicht sinnvoll.

In der Raumfahrtgeschichte verursachten auf politischen Willen hin fixierte Starttermine schon manchen Startversager, und etliche unfertige Raumfahrzeuge stellten ihre Funktion mal unmittelbar, mal Monate nach dem Start ein, in den entsprechenden Situationen jeweils absehbar.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Bangladesh Awami League, BTRC, Dhaka Tribune, Prothom Alo, Thales Alenia Space, The Daily Star)


» MEOSAR-Station in Neuseeland fertiggestellt
17.11.2015 - Anfang November 2015 wurde bekannt, dass der Anbieter von Anlagen, Systemen und Geräten für Rettungssysteme McMurdo in Neuseeland eine Bodenstation für das neue MEOSAR genannte Segment des internationalen Such- und Rettungssystems COSPAS-SARSAT fertiggestellt hat.
COSPAS ist ein russisches Akronym, es steht für "Cosmitscheskaja Sistema Poiska Awarinitsch Sudow" und bedeutet sinngemäß "weltraumgestütztes System für die Suche von Schiffen in Not"; SARSAT steht für "Search and Rescue Satellite-Aided Tracking", auf Deutsch "Satellitenortungssystem für den Such- und Rettungsdienst".

Mit COSPAS-SARSAT-Transpondern zum Betrieb auf einer mittleren Erdumlaufbahn (Medium Earth Orbit, MEO) ausgerüstete Satelliten können UHF-Signale erfassen, die im Notfall von zum Beispiel an Bord von Schiffen und Flugzeugen installierten oder von Individuen mitgeführten Sendern ausgestrahlt werden. Der Teil von COSPAS-SARSAT, der mit entsprechender Technik ausgerüstet ist, wird als MEOSAR bezeichnet.

COSPAS-SARSAT geht auf gemeinsame Anstrengungen von Frankreich, Kanada, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika zurück. COSPAS-SARSAT erlaubte seit 1982 die Rettung von bislang über 37.000 Menschenleben.

Man begann mit Transpondern auf Satelliten, die auf niedrigen Bahnen (Low Earth Orbit, LEO) um die Erde kreisen. Deren in Bezug auf die Erdoberfläche hohe Bewegungsgeschwindigkeit ermöglicht es, den Dopplereffekt zur örtlichen Bestimmung der Quelle eines Notrufs zu nutzen.

Allerdings wird beim Empfangen und Senden aus einem niedrigen Erdorbit pro Zeitfenster immer nur ein kleines Stück der Erdoberfläche abgedeckt, was Verzögerungen bei der Weiterleitung von Notrufsignalen zur Folge hat - und mindestens zwei Überflüge der Notrufquelle erfordert, um die Position der Quelle zu ermitteln.

Seit 1990 gibt es zusätzliche COSPAS-SARSAT-Nutzlasten auf Satelliten im Geostationären Orbit (GEO). Dort können Notrufe schnell erfasst und ohne Verzögerung an eine Bodenstation weitergeleitet werden. Eine dopplerbasierte Ortsbestimmung hinsichtlich des Absenders des Notrufs ist jedoch nicht möglich, da ein Satellit im Geostationären Orbit mit genau der Geschwindigkeit um die Erde kreist, mit der die Erde sich selbst dreht, und daher immer über derselben Stelle am Erdboden steht.

Für COSPAS-SARSAT sind auf MEOs um die Erde kreisende Satelliten deshalb eine interessante Ergänzung. Die Satelliten der Weltraumsegmente moderner Satellitennavigationssysteme sind auf entsprechenden Umlaufbahnen unterwegs.

Die Konstellation eines Satellitennavigationssystems ist hinsichtlich einer weltweiten Abdeckung optimiert, und erlaubt es, aus einem einzigen Notrufimpuls auf den Sendestandort zu schließen. Innerhalb des MEOSAR-Segments will man künftig etwa 72 Satelliten für die Bedürfnisse von COSPAS-SARSAT nutzen.

Die jetzt fertig gestellte Bodenstation in Neuseeland wird es zusammen mit einer weiteren im Westen Australiens noch fertigzustellenden und mit den Satelliten in MEOs, also MEOSAR-Raumfahrzeugen, erlauben, Such- und Rettungsdienste in einem Bereich vom Norden Australiens über den Äquator sowie Teile des indischen Ozeans und des Pazifiks bis zum Südpol zu alarmieren und zu informieren.

Sechs Antennenanlagen besitzt die Station in Neuseeland. Die Antennen mit den sie vor Wettereinwirkung schützenden Kuppeln, sogenannten Radomen, sind in einem Sechseck angeordnet und in der von Schafweiden und Pinien bedeckten Landschaft nicht zu übersehen, nähert man sich dem rund 20 Kilometer östlich von Reporoa etwa auf halbem Weg zwischen Taupo und Rotorua gelegenen Standort.

Neuseelands Regierung finanzierte den Bau der Station. Umgerechnet rund 7,2 Millionen US-Dollar wurden für die Installation aufgewendet. Bei der Einführung von MEOSAR in der Region arbeiten Behörden aus Neuseeland und Australien zusammen.

In Neuseeland organisiert eine Institution namens Maritime New Zealand (MNZ) das Rettungs-Koordinationszentrum des Landes mit der Bezeichnung Rescue Coordination Centre New Zealand (RCCNZ). In Australien kümmert sich die dortige Behörde für maritime Sicherheit (Australian Maritime Safety Authority, AMSA) um die Arbeit des Rescue Coordination Centre (RCC), welches ein zusammen mit Neuseeland betriebenes COSPAS-SARSAT Mission Control Centre (MCC) in Canberra nutzt.

Man hofft, die neuen Stationen in Neuseeland und Australien in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 in den Regelbetrieb überführen zu können. Vorher sind umfangreiche Tests der neu aufgebauten Einrichtungen und Systeme vorgesehen. Lassen sich die Pläne wie vorgesehen umsetzen, wird man damit zur ersten Implementierung von MEOSAR im asiatisch-pazifischen Raum kommen.

Für die erforderlichen Arbeiten in Neuseeland und Australien war von McMurdo bei einem Arbeitsbeginn im September 2014 ein Zeitraum von 15 Monaten angesetzt worden. Neben der Installation von Systemen wurde McMurdo auch mit Betreuungsaufgaben beauftragt. Laufen die Systeme, sollen sie für die nächsten zehn Jahre von McMurdo gewartet werden.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: AMSA, McMurdo, MNZ)


» Russland startet Frühwarnsatellit Kosmos 2.510
18.11.2015 - Am 17. November 2015 um 7:34 Uhr MEZ (9:34 Uhr Moskauer Zeit) wurde auf einer Sojus-2.1b-Rakete mit Fregat-M-Oberstufe der Frühwarnsatellit Kosmos 2.510 von der Rampe 4 des Startkomplexes 43 in Plesezk im Norden Russlands aus gestartet. Es handelt sich dabei möglicherweise um einen Satelliten eines neuen Typs namens Tundra bzw. 14F142.
Um 7:36 Uhr MEZ (9:36 Uhr Moskauer Zeit) erfasste das Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau die gestartete Rakete - eine Variante von Koroljows berühmter R-7 - mit der Nutzlast für die Luft- und Weltraumverteidigungskräfte (Voyska Vozdushno-Kosmicheskoy Oborony, VKO - Russisch: Войска воздушно-космической обороны, ВКО) des russischen Verteidigungsministeriums.

Der Satellit an Bord der schon im Jahr 2009 hergestellten Sojus 2.1b wurde nach dem 1845. R-7-Start insgesamt in einen hochelliptischen Orbit mit einem Apogäum - dem erdfernsten Bahnpunkt - von etwa 38.552 Kilometern über der Erdoberfläche und einem Perigäum - dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt - von rund 1.626 Kilometern sowie einer Inklination, der Neigung gegen den Erdäquator, von 63,4 Grad gebracht. Für einen Umlauf benötigt Kosmos 2.510 auf dieser Bahn rund 714 Minuten, also etwas unter 12 Stunden.

Ein Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums äußerte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti (Russisch: РИА Новости), dass der neue Satellit zum geplanten Zeitpunkt im Zielorbit ausgesetzt worden sei. Nach Angaben der gleichen Quelle habe man mit dem Erdtrabanten eine stabile Telemetrie-Verbindung etabliert, und könne auf wie vorgesehen funktionierende Satellitensysteme zurückgreifen.

Zahlreiche Beobachter aus Ost und West vermuten, dass es sich bei dem neuen Satelliten um den ersten Frühwarnsatelliten eines neuen Tundra genannten Typs mit dem Erzeugniscode 14F142 handelt. Der Einsatz solcher Raumfahrzeuge soll als Teil eines integrierten Weltraumsystems, russisch EKS für Единой космической системы bzw. Jedinaja Kosmitscheskaja Systema genannt, erfolgen.

Entsprechend kursiert für den jetzt gestarteten Satelliten auch die Bezeichnung EKS 1. Das russische Verteidigungsministerium bezeichnet das Raumfahrzeug in einer Presseerklärung als Raumapparat neuer Generation im Interesse des Verteidigungsministeriums. In einer englischsprachigen Meldung ist von einem "new generation space module" die Rede.

Als Hersteller von 14F142-Satelliten haben Beobachter Energia identifiziert. Zu Grunde gelegter Satellitenbus könnte eine Konstruktion mit der Bezeichnung USP für "Universal Space Platform" sein. Die Nutzlast zur Erkennung von Raketenstarts kommt mutmaßlich vom zentralen Institut für Wissenschaft und Forschung Kometa.

Die Entwicklung eines russischen satellitenbasierten Frühwarnsystems und erste Starts erfolgten bereits in den 1970ern. Seit Beginn der 1980er Jahre wurden Satelliten des Typs US-K regelmäßig eingesetzt, um Raketenstarts, insbesondere solche der Vereinigten Staaten von Amerika, mit optischen Teleskopen und Infrarotsensoren festzustellen und zu orten.

Für eine sinnvolle Beobachtung rund um die Uhr werden mindestens vier Satelliten benötigt, da sie auf ihren hochelliptischen Bahnen nur etwa sechs Stunden die Landmasse der USA beobachten können. Ins All transportiert wurden die zuletzt genutzten Satelliten von Molnija-M-Raketen, ebenfalls eine Variante der R-7.

Der drittletzte Molnija-M-Start erfolgte am 23. Oktober 2007, als mit Kosmos 2.430 ein Frühwarnsatellit des Typs US-K transportiert wurde. Am 2. Dezember 2008 erfolgte ebenfalls ein Start eines solchen Satelliten auf einer entsprechenden Rakete. Der als Kosmos 2.446 bezeichnete Satellit und Kosmos 2.430 waren bis zum Start von Kosmos 2.469 am 30. September 2010 auf der letzten Molnija-M-Rakete die einzigen betriebsfähigen russischen Frühwarnsatelliten auf hochelliptischen Umlaufbahnen.

Russland setzte wie die Vereinigten Staaten von Amerika zusätzlich auch Frühwarnsatelliten im Geostationären Orbit ein, aktuell verfügt Russland jedoch über kein solches betriebsfähiges Raumfahrzeug im Geostationären Orbit.

Der geostationäre Frühwarnsatellit Kosmos 2.440, ein im Juni 2008 gestartetes Raumfahrzeug des Typs 71kh6 bzw. US-KMO, ist seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr verwendbar. Als Nachfolger wurde Kosmos 2.479 am 30. März 2012 - Auslegungsbetriebsdauer zwischen fünf und sieben Jahren - ins All gebracht.

Kosmos 2.479 hörte jedoch bereits im April 2014 auf zu senden, hielt also wie sein Vorgänger nur etwa zwei Jahre. Regelmäßig erforderliche Manöver zum Bahnerhalt endeten. Die russische Zeitung Kommersant meldete seinerzeit, der Satellit habe Probleme mit von einem Lieferanten aus dem Ausland bezogenen Akkumulatoren zur Speicherung elektrischer Energie bekommen.

Kosmos 2.510 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.032 und als COSPAR-Objekt 2015-066A.

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Interfax, Kommersant, Raumfahrer.net, RIAN, russianforces.org, russianspaceweb.com, Russisches Verteidigungsministerium, Sputnik)



^ Nach oben


"InSpace" Magazin #549
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
23. November 2015
Auflage: 5235 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Igor Bissing
Michael Clormann
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Hans Lammersen
Timo Lange
Daniel Maurat
Kirsten Müller
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Roland Rischer
Peter Rittinger
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Thomas Weyrauch und Oliver Karger.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2014 by Raumfahrer.net.