InSpace Magazin #548 vom 8. November 2015

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Ausgabe #548
ISSN 1684-7407


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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser

in der Aktuellen Ausgabe unseres Newsletters finden Sie die verschiedensten Neuigkeiten aus Raumfahrt und Astronomie: Satellitenstarts, einen Fehlstart, den kommenden Absturz des Marsmondes Phobos und vieles mehr.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe des InSpace-Magazins.

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

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News

• Navigationssatellit GPS 2F-11 im Weltraum «mehr» «online»
• SLS: Orange is the new white «mehr» «online»
• Anfang 2016 zwei Einzelstarts auf Ariane 5 «mehr» «online»
• Eutelsat HTS auf Spacebus-NEO-Basis bei TAS bestellt «mehr» «online»
• China: Comsat Chinasat 2C im All «mehr» «online»
• US-Satellit beobachtet schnellen Kohlendioxid-Anstieg «mehr» «online»
• Super Strypi: Rakete versagt bei Jungfernflug «mehr» «online»
• EM-1: Baubeginn der Flugversion von Orion «mehr» «online»
• Intelsat unglücklich mit russischem Comsat «mehr» «online»
• China: Start für APT Satellite und neuer Auftrag «mehr» «online»
• China: Erdbeobachtungssatellit Tian Hui 1C gestartet «mehr» «online»


» Navigationssatellit GPS 2F-11 im Weltraum
01.11.2015 - Am 31. Oktober 2015 wurde der US-amerikanische Navigationssatellit GPS 2F-11 auf einer Atlas-V-Rakete in 401-Konfiguration nach einer Startverschiebung um rund 24 Stunden ins All gebracht.
Anvisiert war zuvor ein Start der 59. Atlas-V-Mission am 30. Oktober 2015. Wegen eines leckenden Ventils der Wasserversorgung der Schallminderungsanlage der Startrampe entschied man sich für einen Aufschub um einen Tag. So konnten erforderliche Wartungsarbeiten vorgenommen werden.

Der Start der Rakete mit der Seriennummer AV-060 erfolgte dann am 31. Oktober 2015 um 17:13 Uhr MEZ von der Rampe LC-41 der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida zu Beginn eines 19 Minuten langen Startfensters.

Die Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance (ULA) flog (zum 29. Mal) in der 401-Konfiguration, die Nutzlast, der Navigationssatellit, war also unter einer Nutzlastverkleidung aus Kompositmaterial mit vier Metern Durchmesser untergebracht (4), es kamen keine Feststoffbooster zum Einsatz (0) und die Centaur-Oberstufe war mit einem Triebwerk ausgerüstet (1).

Rund 17 Sekunden nach dem Abheben neigte sich die Rakete aus vertikaler Lage in Richtung des zu erreichenden Orbits. Etwas über 78 Sekunden nach dem Start durchbrach das Projektil die Schallmauer. 92 Sekunden nach dem Start war die Flugphase mit der höchsten aerodynamischen Belastung überstanden, und die erste Stufe setzte den Flug, angetrieben von einem RD AMROSS RD-180-Triebwerk russischer Herkunft, das hochreines Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennt, fort.

Die Stufentrennung zwischen erster und zweiter Stufe erfolgte rund vier Minuten und zehn Sekunden nach dem Abheben, und die Centaur genannte zweite Stufe der Rakete zündete zu einer rund zwölf Minuten und etwa 43 Sekunden langen ersten Brennphase.

Während dieser Brennphase wurde, nachdem eine ausreichende Flughöhe erreicht war, die Verkleidung abgeworfen, welche die Nutzlast beim Aufstieg durch die Atmosphäre schützt. Am Ende der Brennphase kurz nach der 17. Flugminute war eine elliptische Parkbahn erreicht.

Eine weitere Brennphase der zweiten Stufe begann knapp drei Stunden später. Das flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennende RL10C-1-Triebwerk von Pratt & Whitney Rocketdyne aus den USA in der zweiten Stufe arbeitete dabei etwa eine Minute und 27 Sekunden. Nach der zweiten Brennphase war eine annähernd kreisförmige Bahn rund 20.459 Kilometer über der Erde mit einer Bahnneigung gegen den Erdäquator von 55 Grad erreicht.

Der GPS-Satellit mit einer Startmasse im Bereich von 1.630 kg und einer Lebenserwartung zwischen zwölf und fünfzehn Jahren wurde dann rund drei Stunden und 23 Minuten nach dem Start auf einer Bahn ausgesetzt, die im wesentlichen seinem Arbeitsorbit entspricht.

Auf Grund des direkten Bahneinschusses war es nicht erforderlich, einen Apogäumsmotor für das Raumfahrzeug vorzusehen, was sich in dessen vergleichsweise geringen Masse widerspiegelt (zum Vergleich: die Startmasse der Satelliten der Vorgängergeneration GPS 2R betrug 2.032 kg).

Für Bahnmanöver können insgesamt 16 kleine Hydrazin-Triebwerke eingesetzt werden, für die der auf dem Bus AS-4000 basierende Satellit rund 145 Kilogramm Treibstoff mitführt. Die 12 Triebwerke mit einem Nominalschub von einem amerikanischen Pfund und vier Triebwerke mit einem Nominalschub von fünf amerikanischen Pfund zersetzen das Hydarzin (N2H4) im Betrieb katalytisch.

GPS 2F-11 ist der elfte von Boeing gebaute in den Weltraum transportierte Navigationssatellit aus der 2F-Serie. Wie seine Serienvorgänger aus der Fabrik in El Segundo im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien besitzt er zwei Rubidium- und eine Cäsium-Uhr. Nach Angaben von Boeing ist die Genauigkeit der von GPS 2F-Staelliten ausgestrahlten Navigationssignale doppelt so hoch wie die der Vorgängergeneration GPS 2R.

Das L5-Signal kann der Zivilluftfahrt robustere Signale liefern, und das Militär wird von M-Code genannten Signalen und an Störungsversuche anpassbarer Sendeleistung profitieren, glaubt der Hersteller des Satelliten. Ein weiterer Vorteil gegenüber älteren US-amerikanischen Navigationssatelliten soll auch die Möglichkeit des schnellen Änderns der auf den Rechnern an Bord des Satelliten laufenden Software sein.

In der Konstellation der GPS-Satelliten wird GPS 2F-11 als SVN73 / PRN10 künftig die Position 2 in der Ebene E besetzen und dort den alternden GPS 2R-10 alias NAVSTAR 53 mit der SVN47 ablösen, der seit dem 21. Dezember 2003 um die Erde kreist (SVN steht für Space Vehicle Number). GPS 2R-10 will man dann für den Rest seiner möglichen Nutzungszeit als Reserve vorhalten.

Ist die Einsatzbereitschaft von GPS 2F-11 im All schließlich hergestellt, könnte mit seiner Unterstützung sowie der Ausstrahlung des zivilen L2C-Signals und verbesserten militärischen Navigationssignalen eine erste nutzbare Ausbaustufe bei einer neuerlichen Modernisierung von GPS erreicht werden.

GPS 2F-11 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.019 und als COSPAR-Objekt 2015-062A. Die zweite Stufe der Atlas-V-Rakete, die Centaur, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.020 und als COSPAR-Objekt 2015-062B.

Der nächste GPS-Satellit ist aktuell für einen Start Anfang 2016 vorgesehen. An den Vorbereitungen von GPS 2F-12 für den Transport ins All wird bereits gearbeitet. Nach Angaben der US-Luftwaffe ist aktuell der 3. Februar 2016 als Starttag anvisiert.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, GPS.gov, ULA, USAF)


» SLS: Orange is the new white
01.11.2015 - Eine rigorose Überprüfung des Designs der neuen Schwerlastträgerrakete der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, wurde vor Kurzem abgeschlossen. Im Zuge dieses Meilensteins wurden zahlreiche neue Bilder veröffentlicht, die die Rakete nun in einem orangenen Farbton zeigen. Die Produktion von Hardware für das SLS nimmt inzwischen weiter Fahrt auf.
Es ist ein Meilenstein, wie ihn der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur NASA seit 40 Jahren nicht mehr gelungen ist: Das Critical Design Review ihrer neuen Schwerlastträgerrakete Space Launch System (SLS) wurde mittlerweile endgültig abgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine rigorose Prüfung des Designs der gesamten Rakete, die es der NASA ermöglichen soll, wieder Menschen zu Zielen jenseits des niedrigen Erdorbits zu befördern. Bereits im Juli haben 13 Teams aus Ingenieuren und unabhängigen Experten elf Wochen lang im Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, über 1.000 Dokumente und 150 Gigabyte Daten bezüglich des SLS genauestens überprüft. Bei möglichen Problemen wurde das Design verbessert. Ein Team aus Experten der Agentur und der Industrie bestätigte separat, dass die Entwicklungsarbeiten in dem geplanten Zeit- und Kostenrahmen bleiben werden. Die Ergebnisse wurden dann im Oktober an das NASA-Hauptquartier weitergeleitet.

Unter die Lupe genommen wurde dabei das Design der drei Ausbaustufen des SLS: Der Block I, der wohl nur beim Erstflug zum Einsatz kommt und 70 t Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit (LEO) befördern kann, der Block IB, der dank einer leistungsfähigeren Oberstufe 105 t schafft, und der Block II, der durch leistungsfähigere Booster auf 130 Tonnen LEO-Nutzlast kommen würde. Auch wurde nun offiziell die Farbgebung der Rakete bekanntgegeben: Lange war das SLS auf Renderings der NASA in einer schwarz-weißen Lackierung zu erkennen, ähnlich der der Saturn-Mondrakete, um Ähnlichkeiten zur eingestellten Ares V-Rakete zu vermeiden. Nun wird das SLS die Farbe der Isolierung haben, die zur Kühlung die Tanks der Rakete umgeben wird: Orange. „Wir haben das Design des SLS festgelegt, wir haben erfolgreich die erste Runde der Tests der Booster und der Triebwerke abgeschlossen, und alle wichtigen Komponenten für den ersten Flug werden momentan hergestellt. Es gab ein paar Schwierigkeiten, und es werden wohl noch mehr auf uns zu kommen, aber diese Überprüfung stellt sicher, dass wir auf dem richtigen Weg zum ersten Flug sind“, fasste Bill Hill, stellvertretender Administrator des Exploration Systems Development-Programms, die jüngsten Entwicklungen zusammen.

Mit dem nun endgültig abgeschlossenen Critical Design Review wurde grünes Licht für die Produktion von Hardware für das SLS gegeben. Inzwischen konzentriert sich die NASA auf die Vorbereitung aufwendiger Qualifikationstests. Diese haben es nicht mehr zum Ziel, das Design der Rakete zu verbessern, sondern sollen bestätigen, dass die wichtigsten Elemente des SLS korrekt funktionieren und bereit für den Erstflug sind. Eine Auswahl der jüngsten Fortschritte:

1. Hauptstufe
In der Michoud Assembly Facility (MAF), einer gewaltigen Fertigungshalle nahe New Orleans, ist die Produktion von Hardware für die Hauptstufe inzwischen weit fortgeschritten. Bei der Hauptstufe des SLS handelt es sich um einen etwa 65 Meter langen und achteinhalb Meter durchmessenden Zylinder, in dem in zwei Tanks der flüssige Treibstoff für die Haupttriebwerke aufbewahrt werden soll. Über 50 einzelne Elemente für diese Tanks wurden inzwischen gefertigt, Ringe, Dome und Zylinder. Auch soll das Vertical Assembly Center des Gebäudekomplexes in diesen Tagen nach einer langwierigen Reparatur wieder von der Herstellerfirma ESAB an den Betreiber Boeing übergeben werden. Bei dem Vertical Assembly Center handelt es sich um eine über 55 Meter hohe Schweißmaschine, mit der die einzelnen Ringe, Dome und Zylinder zu fertigen Tanks zusammengeschweißt werden sollen. Bis Ende dieses Jahres soll sichergestellt werden, dass die Maschine nun korrekt funktioniert, danach können die Schweißarbeiten beginnen.

Neben der Hauptstufe für den ersten Flug des SLS sollen auch zwei Qualifikationsartikel der beiden großen Treibstofftanks gefertigt werden. Diese sollen dann auf dem Gelände des Marshall Space Flight Center in Huntsville, Alabama, strukturellen Belastungstests ausgesetzt werden. Zu diesem Zweck werden dort momentan zwei neue Teststände errichtet: Einen für den LOX (Flüssiger Sauerstoff)-Tank, einen für den LH2 (Flüssiger Wasserstoff). Der Teststand für den LH2-Tank trägt die Nummer 4693 und wird mit knapp 66 Metern deutlich höher als der andere sein. Er besteht aus mehreren Stahlsegmenten, die auf dem Fundament eines ehemaligen Teststandes für das legendäre F-1 Triebwerk zusammengeschweißt werden. Schon jetzt ragt das Bauwerk weit über der Baumlinie auf. Wenn der Teststand fertig ist, wird er aus zwei Türmen bestehen, zwischen denen dann der Treibstofftank angebracht wird. Er wird mit flüssigem Stickstoff gefüllt und dann von mehreren hydraulischen Aktuatoren den mechanischen Belastungen ausgesetzt, die auch beim Start der Rakete zu erwarten sind. So soll bestätigt werden, dass der Tank den Belastungen standhält.

2. Oberstufe und Adapter
Auf dem zweiten Stand soll nicht nur der Tank für flüssigen Sauerstoff, sondern auch eine andere, über 20 Meter hohe Struktur getestet werden, die sich beim fertigen SLS oberhalb der Hauptstufe befinden wird. Sie besteht aus mehreren verschiedenen Komponenten (von unten nach oben):
- Einem etwa drei Meter hohen und achteinhalb Meter durchmessenden Simulator der Hauptstufe
- Einem Testartikel des kegelstumpfförmigen Adapters, der die Oberstufe mit der Hauptstufe verbindet
- Einem Testartikel der Oberstufe der Rakete
- Einem Testartikel des Adapters, der die Oberstufe mit der Nutzlast verbindet
- Einem Simulator der Unterseite des Orion-Raumschiffs. Eine unbemannte Version von Orion wird die Nutzlast beim ersten Flug sein, später soll das Raumschiff einmal Menschen zu Zielen in den Tiefen des Weltalls befördern.
Die Simulatoren der Hauptstufe und von Orion sowie der Testartikel des zweiten Adapters wurden bereits fertiggestellt. Der Testartikel des kegelstumpfförmigen Adapters wird momentan bei der Herstellerfirma Teledyne Brown gefertigt.

Auch der Testartikel der Oberstufe wurde vor Kurzem fertiggestellt. Bei der Oberstufe, die die Bezeichnung ICPS (Interim Cyrogenic Propulsion Stage) trägt, handelt es sich um eine nur leicht modifizierte Version der zweiten Stufe der Delta-IV Rakete. Für die ICPS wird der Wasserstofftank verlängert, zusätzliche Hydrazintanks für die Lagekontrolle angebracht und die Flugelektronik für das neue Missionsprofil angepasst. Die ICPS soll -nachdem die Hauptstufe ausgebrannt ist- zünden und Orion in einen niedrigen Erdorbit transportieren. Danach führt sie auch die TLI (Trans Lunar Injection) durch, den Einschuss in eine Mondumlaufbahn. Sehr wahrscheinlich wird dies der einzige Einsatz der ICPS bleiben, da die NASA danach plant, eine stärkere Oberstufe einzusetzen. Der Testartikel der ICPS wurde am 26. Oktober 2015 bei einer Presseveranstaltung von der Herstellerfirma ULA (United Launch Alliance) vorgestellt. Er soll demnächst zum Marshall Space Flight Center verlegt werden, wo er 2016 mit den anderen Elementen zu der fertigen Teststruktur verbunden werden soll. Auch mit der Herstellung der Flugversion der ICPS wurde bereits begonnen.

3. Booster/Triebwerke
Zum Antrieb verfügt das SLS neben der Ober- und der Hauptstufe noch über zwei Feststoffbooster, die links und rechts neben der Hauptstufe angebracht werden. Diese erzeugen beim Start der Rakete den Hauptanteil des Schubs, indem sie statt flüssigem festen Treibstoff verbrennen. Eine Testzündung am Boden zu Qualifikationszwecken im März 2015 war bereits ein großer Erfolg. Nun steht für April 2016 die nächste Testzündung an, die die Bezeichnung QM-2 (Qualification Motor 2) trägt. Anders als bei der ersten soll dieses Mal der Motor heruntergekühlt werden, sodass der Feststoffbooster auch für Zündungen bei niedrigen Temperaturen qualifiziert werden kann. Die Produktion und Inspektion der einzelnen Treibstoffsegmente für diese Testzündung ist mittlerweile bei der Herstellerfirma OrbitalATK in Promontory, Utah, in vollem Gange. Auch wurden die Elektroniksysteme als Vorbereitung bei einer simulierten Testzündung getestet. Die nächste Testzündung im Stennis Space Center des RS-25 Haupttriebwerks, das den flüssigen Treibstoff in der Hauptstufe verbrennt, wurde auf Anfang 2016 verschoben. Da es sich bei den Triebwerken nicht um ein kritisches Element im Zeitplan handelt, hat man sich dazu entschieden, die nächste Aktualisierung der Steuerungssoftware abzuwarten.

Diese Vorbereitungen erfolgen im Rahmen des Erstfluges des SLS, einer Mission mit der Bezeichnung Exploration Mission 1 (EM-1). Zunächst startet die Rakete das Raumschiff in einen niedrigen Erdorbit. Danach zündet das Triebwerk der Oberstufe erneut, sodass das unbemannte Raumschiff nun in Richtung Mond fliegt. Das Raumschiff bremst daraufhin mithilfe seines Servicemoduls in eine Umlaufbahn 70.000 km über der Mondoberfläche ein. Durch eine weitere Zündung des Triebwerks des Servicemoduls verlässt das Raumschiff nach etwa einer Woche diese Umlaufbahn und fliegt wieder zurück zur Erde. Das Servicemodul wird abgetrennt und das kapselförmige Crewmodul tritt mit über 39.000 km/h in die Erdatmosphäre ein, bevor die Kapsel im Pazifik an Fallschirmen landet. Diese Mission wird den ersten Flug eines zumindest bemannbaren Raumschiffs zum Mond seit 45 Jahren und den weitesten Flug eines solchen Raumschiffs aller Zeiten darstellen.

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(Autor: Martin Knipfer - Quelle: NASA, NSF)


» Anfang 2016 zwei Einzelstarts auf Ariane 5
02.11.2015 - Ende Oktober 2015 wurde bekannt, dass Anfang 2016 möglicherweise mit zwei Einzelstarts großer Kommunikationssatelliten auf Ariane-5-Raketen zu rechnen ist.
Für Eutelsat 65 West A und Intelsat 29e wurden offensichtlich keine ausreichend leichte Mitflieger gefunden, oder diese stehen nicht rechtzeitig zur Verfügung.

Eutelsat 65 West A alias E65WA ist ein von Space Systems / Loral (SSL) in Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat gebautes Raumfahrzeug. Seine Beauftragung hatte SSL am 30. Juli 2013 bekannt gegeben.

Der auf dem 1300er Bus von SSL basierende Satellit sollte ursprünglich zusammen mit einem anderen in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 gestartet werden, gelangt jetzt laut Spaceflight Now nach Angaben von Eutelsat voraussichtlich alleine einige Monate früher ins All als bisher vorgesehen.

Aktuell werden letzte Überprüfungen von Eutelsat 65 West A, dessen Auslegung auf eine Einsatzdauer von mindestens 15 Jahre und eine bei Betriebsende verfügbare Leistung von rund 16 Kilowatt hin erfolgte, in Palo Alto vorgenommen. Seine Startmasse liegt voraussichtlich im Bereich von 6.600 Kilogramm.

Im Geostationären Orbit (GEO) soll Eutelsat 65 West A gemäß seiner Bezeichnung an einer Position bei 65 Grad West zum Einsatz kommen und Nutzer in Brasilien und Lateinamerika adressieren.

Eutelsat möchte über die 10 C- und 24 Ku-Band-Transponder Kabelkopfstationen versorgen und direkt empfangbare Satellitenfernsehprogramme verbreiten. Ka-Band-Transponder an Bord für 24 getrennte Ausleuchtzonen sind für schnelle Zugriffsmöglichkeiten auf Breitbandnetze gedacht.

Intelsat 29e alias IS-29e ist ein Erzeugnis von Boeing aus El Segundo im Bundesstaat Kalifornien. Den Auftrag zum Bau von Intelsat 29e als ersten Satelliten für Intelsats EpicNG-Programm hatte Boeing am 4. September 2012 bekannt gegeben.

Die Raumfahrzeuge des EpicNG-Programms sollen es ermöglichen, die Übertragungskosten pro Megabyte zu senken und trotz der Nutzung vorhandener Bodenausrüstungen im C- und Ku-Band-Bereich höhere Datenraten zu erzielen.

Mit dem auf Boeings Bus 702MP aufgebauten Intelsat 29e adressiert Intelsat Nutzer in Nord - und Südamerika, im Golf von Mexiko, der Karibik, und im Bereich der nordatlantischen Flugrouten zwischen Europa und Nordamerika.

Zur Realisierung der vorgesehenen Kommunikationsverbindungen erhält der Satellit 12 C-Band-Transponder, 46 Ku-Band-Transponder und ein Ka-Band-System, letzteres mit einer Bandbreite von 500 Megahertz.

Die Startmasse von Intelsat 29e liegt voraussichtlich im Bereich von 6.300 Kilogramm. Als Masse des unbetankten Satelliten werden 2.946 Kilogramm genannt. Positionieren will man den Trabanten bei 50 Grad West im GEO.

Derzeit sieht es nach Angaben des Branchendienstes Spaceflight Now unter Berufung auf einen nicht genauer benannten Industrievertreter so aus, als würde Intelsat 29e zum ersten Satelliten, den Arianespace 2016 in den Weltraum bringen wird. Die Rede ist von einem Start Ende Januar 2016.

Ende Februar oder Anfang März 2016 könnte es dann für Eutelsat 65 West A soweit sein.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, Eutelsat, Intelsat, Raumfahrer.net, Spaceflight Now, Space Systems/Loral)


» Eutelsat HTS auf Spacebus-NEO-Basis bei TAS bestellt
02.11.2015 - Der europäische Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat hat bei Thales Alenia Space (TAS) einen neu entwickelten Kommunikationssatelliten mit hohem Durchsatz bestellt, gab Eutelsat am 28. Oktober 2015 bekannt.
Das verschiedentlich als Eutelsat HTS bezeichnete Raumfahrzeug ist insbesondere zur Bereitstellung von Kapazitäten bei der Versorgung von Gebieten in Afrika südlich der Sahara gedacht. HTS steht für "High Throughput Satellite" und bedeutet schlicht "Satellit mit hohem Durchsatz".

75 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s bzw. Gbps) Datendurchsatz soll der neue Ka-Band-Satellit ermöglichen, und mit 65 einzelnen Ausleuchtzonen Nutzer in fast allen Bereichen Afrikas südlich der Sahara - also im sogenannten subsaharischen Afrika - bedienen.

Interessierte Nutzer direkt ausgestrahlter Dienste sowie Institutionen und Unternehmen, die auf Breitbanddienste angewiesen sind, werden laut Eutelsat Antennen mit einem Durchmesser von etwa 75 Zentimetern benötigen.

Über den Satelliten sollen sich auch Anbindungen an zentrale Mobilfunk-Netzknoten, Kommunikationsverbindungen für abgelegene Gebiete und die Versorgung von gemeinschaftlichen Wi-Fi-Netzen realisieren lassen.

Bis sich der Satellit betriebsbereit auf Position im Geostationären Orbit (GEO) befindet, will Eutelsat auf die Kapazitäten eines passend bei 4 Grad West im GEO stationierten Satelliten zurückgreifen.

Ab Ende 2016 hofft Eutelsat auf Ka-Band-Kapazitäten von Amos 6 des Kommunikationssatellitenbetreibers Spacecom Satellite Communications (Spacecom) aus Israel nutzen zu können.

Der Start von Amos 6, von Israel Aircraft Industries (IAI) gebaut und unter anderem mit einem elektrischen Antriebssystem von TAS ausgerüstet, steht noch aus. Eine Falcon-9-Rakete wurde für seinen Transport gebucht. Man kann davon ausgehen, dass Amos 6 nicht vor Mitte 2016 in den Weltraum gelangen wird.

Im Jahr 2019 schließlich soll das von TAS für Eutelsat auf Basis des neuen Satellitenbus Spacebus NEO zu bauende dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug derzeitigen Planungen zufolge in den Weltraum gebracht werden. Die voraussichtliche Startmasse liegt bei 3.200 Kilogramm.

Der Satellit für Eutelsat wird kein chemisches Antriebssystem erhalten, auch wenn das Konzept des Spacebus NEO das ermöglichen würde. Gleichwohl will TAS für Kunden, die es benötigen, auch für Spacebus-NEO-Satelliten chemische Antriebssysteme bereitstellen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Eutelsat, Thales Alenia Space)


» China: Comsat Chinasat 2C im All
04.11.2015 - Am 3. November 2014 wurde der chinesische Kommunikationssatellit Chinasat 2C in den Weltraum gebracht. Sein Ziel ist der Geostationäre Orbit ca. 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.
Der Start erfolgte um 17:25 Uhr MEZ vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Es handelte sich um einen Nachtstart, vor Ort war es zu diesem Zeitpunkt kurz nach 0:25 Uhr Pekinger Zeit, und der nächste Tag schon angebrochen. Exakter Startzeitpunkt ist 0:25:04,238 Uhr Pekinger Zeit.

Transportiert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 (Chang Zheng-3B/G2, CZ-3B/G2). Sie flog nach chinesischen Angaben die 216. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch, eine Zahl, die angesichts der Tatsache, dass in ihr mittlerweile immer mehr höchst unterschiedliche Träger zusammengefasst werden, ihre Aussagekraft verliert.

Chinasat 2C hat nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens (China Central Television, CCTV) den vorgesehenen (Absetz-)Orbit erreicht. Daten der US-amerikanischen Weltraumüberwachung sprechen dafür, dass der Satellit auf eine rund 27,1 Grad gegen den Erdäquator geneigte Bahn mit einem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt (Perigäum) von 194 Kilometern über der Erde und einem erdfernsten Bahnpunkt (Apogäum) von 35.833 Kilometern über der Erde gebracht wurde.

Nötige Bahnanhebungen und den Abbau der übrig gebliebenen Bahnneigung wird Chinasat 2C mit bordeigenen Antrieben bewältigen müssen.

Informationen von CCTV zufolge wird der neue Satellit die Übertragung von Radio- und Fernsehprogrammen und die Bereitstellung von Kommunikationsdiensten - auch für drahtlose Mobilgeräte - für verschiedene Institutionen in China ermöglichen.

China Radio International (CRI) spricht auf seiner deutschsprachigen Internetseite nur davon, dass das Raumfahrzeug "Übertragungsdienste für nationale Radio- und Fernsehstationen anbieten" kann.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, dass Chinasat 2C von der chinesischen Akademie für Raumfahrttechnik (China Academy of Space Technology, CAST) entwickelt wurde und sich im Eigentum der China Satellite Communications Co., Ltd. (China Satcom) befinde.

Westliche Beobachter unterstellen dem Satelliten militärische Aufgaben. Das vermutlich auf dem Satellitenbus DFH-4 basierende Raumfahrzeug wird nach Informationen aus China wahrscheinlich bei 98,5 Grad Ost im Geostationären Orbit positioniert werden.

Chinasat 2C alias Zhongxing 2C (中星2C) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.021 und als COSPAR-Objekt 2015-063A. Die dritte Stufe der Langer-Marsch-Rakete ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 41.022 und als COSPAR-Objekt 2015-063B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: bbs.9ifly.cn, CCTV, CRI, mod.gov.cn, Xinhua)


» US-Satellit beobachtet schnellen Kohlendioxid-Anstieg
04.11.2015 - Der Messsatellit TIMED der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) hat einen schnellen Anstieg des Kohlendioxid-Gehalts in der Hochatmosphäre der Erde festgestellt. Insbesondere über der Nordhalbkugel sind die ermittelten Werte unerwartet hoch.
Bisherige Klimamodelle hatten vorhergesagt, dass ein Anstieg von Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre über den Globus verteilt mehr oder weniger gleichmäßig erfolgen würde.

Die Beobachtung der CO2-Verteilung über der Erde ist nicht nur für die Verbesserung von Klimamodellen wichtig, sie findet Eingang bei der Planung von Satelliten-Orbits.

Statt wie nahe des Erdbodens für eine Erwärmung zu sorgen, bewirkt CO2 in der Hochatmosphäre eine Temperaturabsenkung, und damit eine Verringerung der Restatmosphäre. Weniger Restatmosphäre sorgt für eine geringere Abbremsung von Erdtrabanten, die in entsprechenden Flughöhen unterwegs sind.

Eine in den Geophysical Research Letters am 5. September 2015 veröffentlichte Studie berichtet von der Arbeit mit Radiometer-Daten, die mit TIMED innerhalb von 14 Jahren gewonnen wurden (TIMED steht für Thermosphere, Ionosphere, Mesosphere Energetics and Dynamics).

Vor dem Start von TIMED am 7. Dezember 2001 wurden ausschließlich Höhenforschungsraketen eingesetzt, die jeweils nur eine sehr kurze Einsatzdauer an Bord befindlicher CO2-Sensoren erlaubten. Langfristige Messkampagnen waren vor TIMED nicht möglich, wird Jia Yue, Forscher an der Hampton Universität in Hampton im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia, in einer Meldung der NASA zitiert.

CO2 wird auf Grund menschlicher Aktivitäten in die Atmosphäre eingebracht. Solche sind zum Beispiel die Abholzung von Waldflächen und das Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl, etc..

Ein Anstieg des CO2-Gehalts in tiefen Atmosphärenschichten erfolgt mit einer Rate von 5 Prozent alle 10 Jahre. Das bestätigen Daten, die in einem Zeitraum von 56 Jahren gewonnen wurden.

In der Hochatmosphäre etwa bei 112 Kilometern stieg der CO2-Anteil teilweise mit bis zu 12 Prozent alle 10 Jahre. Und obwohl man erwartet hatte, dass trotz einer höheren CO2-Emission auf der Nordhalbkugel in der Hochatmosphäre wegen Vermischung und Diffusion eine gleichmäßige CO2-Verteilung herrschen würde, erfolgte der Anstieg in der Hochatmosphäre über der Nordhalbkugel schneller als über der Südhalbkugel.

Diego Janches, TIMED-Projektwissenschaftler vom Goddard-Raumflugzentrum (GSFC) der NASA in Greenbelt im US-amerikanischen Bundesstaat Maryland, denkt, dass man die Beziehungen zwischen tiefen Atmosphärenschichten und solchen in großer Höhe offensichtlich noch nicht ganz verstehe.

Bisher war man in Wissenschaftlerkreisen laut Janches geneigt, die Beobachtung der Atmosphäre auf verschiedene Disziplinen zu verteilen. Die Erforschung tiefer Atmosphärenschichten könnte man beispielsweise als eine Disziplin der Geowissenschaften verstehen, die Beobachtung der Hochatmosphäre als eine Disziplin der Sonnenphysik. Benötigt wird gemäß Janches aber ein Verständnis der Atmosphäre als Gesamtsystem.

Die Daten aus der im September veröffentlichten Studie korrespondieren gut mit Daten eines Messsatelliten der Kanadischen Raumfahrtagentur. SCISAT 1 kreist seit dem 12. August 2003 um die Erde und lieferte erste Anhaltspunkte für einen beschleunigten Anstieg des CO2-Gehalts in der Hochatmosphäre über einen Zeitraum von acht Jahren. Die Zuverlässigkeit der Daten beider Satelliten wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Raumfahrzeuge auf unterschiedliche Messmethoden zur Ermittlung des CO2-Anteils zurückgreifen.

Sensor- oder Datenverarbeitungsfehler an Bord von TIMED können also sehr wahrscheinlich ausgeschlossen werden. Der beobachtete schnelle Anstieg ist laut Jia Yue von der Universität Hampton damit bestätigt, er ist ein physikalischer, real vorhandener Trend. Die Bestimmung dieses Trends war nur Dank des sehr lange funktionsfähigen Radiometers namens SABER (Sounding of the Atmosphere using Broadband Emission Radiometry) an Bord von TIMED möglich. Das Gerät an Bord des vom Labor für angewandte Physik (Applied Physics Laboratory, APL) der Johns Hopkins Universität (JHU) in Laurel in Maryland gebauten Satelliten funktioniert aktuell weiterhin wie vorgesehen.

Die Mission von TIMED, dessen Auslegungsbetriebsdauer zwei Jahre betrug, wurde bereits sechs Mal verlängert. Die letzte Verlängerung sieht einen Betrieb bis 2017 vor. Beteiligte Wissenschaftler sind allerdings zuversichtlich, dass TIMED auch darüber hinaus zum Datensammeln eingesetzt werden wird.

Diego Janches vom GSFC betont, dass Langzeitmissionen notwendig sind, um Trends wie den jetzt Bestätigten zu verstehen. Dank der langen Standzeit von TIMED ergaben sich über die Zeit völlig veränderte wissenschaftliche Möglichkeiten.

TIMED, Masse beim Start rund 587 Kilogramm, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 26.998 sowie als COSPAR-Objekt 2001-055B. Der Satellit kreist auf einer 74,1 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn auf Höhen zwischen 610 und 615 Kilometern um die Erde.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, JUA APL)


» Super Strypi: Rakete versagt bei Jungfernflug
07.11.2015 - Am 4. November 2015 erfolgte der Erststart eines neuen, kleinen US-amerikanischen Satellitenträgers von einer der Hauptinseln Hawaiis aus. Die Super Strypi genannten Rakete erfüllte ihre auf rund 13 Minuten angesetzte Mission nicht, sie versagte schon im Verlauf des Betriebs ihrer ersten Stufe.
Super Strypi setzt sich aus drei Stufen zusammen, in denen unterschiedlich große Feststoffmotore mit feststehenden Ausstromdüsen zum Einsatz kommen. Alle Motore sind Erzeugnisse von Aerojet Rocketdyne aus den USA. Als Treibstoff kommt in ihnen Hydroxyl-terminiertes Polybutadien (HTPB) zum Einsatz.

Die erste Stufe besitzt einen LEO-46 genannten Motor mit einer Masse von etwas über 22 Tonnen, die zweite Stufe hat ein LEO-7 genanntes Aggregat mit einer Masse von etwa 3,5 Tonnen, und in der dritten Stufe wurde ein LEO-1 genannter Antrieb mit einer Masse von etwa 710 Kilogramm verbaut.

Nach erfolgreichen Tests und angelaufener Produktion soll Super Strypi Startkosten im Bereich zwischen 15 und 16 Millionen US-Dollar ermöglichen und den Transport von Nutzlasten mit einer Gesamtmasse um 300 Kilogramm erlauben. Von Hawaii aus könnten es etwa 275 Kilogramm für eine sonnensynchrone Bahn 400 Kilometer über der Erde sein, bei Start an der US-Ostküste in einen solchen Orbit sogar 320 Kilogramm.

Aerojet Rocketdyne verspricht sich eigenen Angaben zufolge deutlich gesenkte Kosten für den Transport von kleinen Erdsatelliten und von Monaten auf Wochen reduzierten Zeiten für die Vorbereitung entsprechender Starts. Dafür habe man beim Entwurf der Rakete auf ein komplexes und teures Flugführungssystem verzichtet (und versuchte, einfachere Lösungen zu nutzen).

Die Entwicklung der Rakete ist ein Projekt einer Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, die bei der Umsetzung mit den US-amerikanischen Sandia-Laboren (Sandia National Laboratories), dem Labor für Raumflug Hawaii (Hawaii Space Flight Laboratory, HSFL), dem pazifischen Raketentestgelände (Pacific Missile Range Facility, PMRF) und dem US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtkonzern Aerojet Rocketdyne zusammen gearbeitet hat.

Auf der Luftwaffenbasis Kirtland in Neumexiko arbeitet seit dem 21. Mai 2007 das Operationally Responsive Space Office (ORS Office, ORS), dessen Aufgabe es entsprechend seiner Bezeichnung ist, für neu entstandene Anforderungen möglichst rasch benutzbare Lösungen im Bereich militärischer und die nationale Sicherheit der USA betreffender Raumfahrtanwendungen zur Verfügung zu stellen.

Das ORS-4-Projekt, in dessen Rahmen Entwicklung und Test der aktuell als experimentell bezeichneten Rakete Super Strypi erfolgte, wurde nach Informationen aus den USA bis dato mit über 35 Millionen US-Dollar an staatlichen Mitteln gefördert.

Der Start der etwas über 19 Meter langen Rakete erfolgte von der vollständig neu aufgebauten Rampe LP-41 des PMRF an einer Kokole Point genannten Position am Küstenstreifen Barking Sands im Südwesten der Insel Kauai.

Nach dem Verlassen der Startschiene des rund 40 Meter langen Richtgestells - welche der Führung bei geringer Geschwindigkeit und fehlender aerodynamischer Stabilisierung dient - um 4:45 Uhr MEZ (17:45 Uhr Ortszeit Hawaii) am 4. November 2015 gewann die Rakete rasch an Höhe. In einer Videoübertragung, die die Universität Hawaii bereitstellte und vom Branchendienst Spaceflight Now im Internet gezeigt wurde, wurde jedoch recht schnell erkennbar, dass der Flug sich nicht so vollzog, wie er geplant war.

Bilder einer im oberen Drittel der Rakete montierten Kamera zeigten, dass sich im Blickfeld der Kamera nach wenigen Sekunden Flug ein von links nach rechts verlaufender Spalt in der Raketenwand oberhalb einer Reihe von Nieten oder Ähnlichem zeigte.

Durch mit einer gewissen Anstellung am Heck angebrachte Finnen war die Rakete zur Stabilisierung wie vorgesehen in Rotation um ihre Rollachse versetzt worden. Dies war aus Telemetrie-Animationen in den präsentierten Livebildern unschwer abzulesen.

Die Telemetrie-Animationen legten aber auch schnell nahe, dass es während der 76 Sekunden angesetzten Brennphase der ersten Stufe nicht mit rechten Dingen zuging. Telemetrie und Videobilder der Onbord-Kamera zeigten, wie das Heck in zunehmende Pendelbewegung geriet. Die in der Atmosphäre hinterlassene Abgasspur bildete eine Korkenzieher-spiralenartige Struktur aus.

Am Schluss der Brennphase und danach zeigte die Animation der Telemetriedaten eine heftige Rotation der Rakete, möglicherweise um den weit vorne liegenden Schwerpunkt. Am Ende der gezeigten Telemetrieanimations-Bewegtbilder war noch ein Einsatz von Kaltgas-Düsen des Lagekontrollsystems an der zweiten Raketenstufe zu sehen.

Die US-Luftwaffe (United States Airforce, USAF) veröffentlichte via Spaceflight Now eine kurze Mitteilung, in der gesagt wird, dass die experimentelle Rakete kurz nach dem Start versagt hat. Versagensgründe wurden nicht angegeben, was verständlich ist, da erst eine Analyse der Geschehnisse erfolgen muss.

An Bord der Rakete befindliche Klein- und Kleinstsatelliten, 13 an der Zahl, gingen verloren. Die schwerste Nutzlast war ein Satellit der Universität Hawaii namens HiakaSat mit einer Masse von rund 55 Kilogramm. Ursprünglich waren 80 Kilogramm vorgesehen, die dann nach Ansage durch das ORS auf zunächst 40 Kilogramm herabgesetzt werden mussten. Daher handelt es sich bei HiakaSat um eine Modifikation des Hawaiisat 1 alias HS1, dessen Struktur bei HiakaSat gewissermaßen halbiert worden ist.

HiakaSat hätte als Technologiedemonstrator für eine kosten-effektive Satellitenplattform zur Überprüfung neuer Technologien dienen sollen. Der Satellit war außerdem mit einem bildgebenden Hyperspektralabtaster und zwei Farbkameras ausgestattet, die zur Erdbeobachtung gedacht waren. Ein Namensbestandteil des vollständigen Namens des Raumfahrzeugs, Hyperspectral Imaging Aeronautical Kinematic Analysis Satellite, bezieht sich auf die letztgenannte Aufgabe.

Der anvisierte Orbit für HiakaSat war ein annähernd sonnensynchroner in rund 450 Kilometern über der Erde mit einer Neigung von 97,3 Grad gegen den Äquator (475 - 525 km bei 94 Grad laut HSFL 2013). Dort wollte die Universität Hawaii den Satelliten für einen Zeitraum zwischen einem und zwei Jahren einsetzen. Das HSFL nannte 2013 eine Auslegungsbetriebsdauer von zwei Jahren.

Das ORS-4-Projekt hinkte der ursprünglichen Zeitplanung deutlich hinterher. Ein erster Super-Strypi-Start war ursprünglich einmal für das zweite Quartal 2012 vorgesehen. Probleme im Bereich der Zeitplanung und bei technischen Details führten jedoch immer wieder zu Verzögerungen.

Unklar ist, ob der Fehlstart in Zusammenhang mit einem zuvor identifizierten Problem mit der Konstruktion der ersten Stufe der Super Strypi steht. Der Jungfernflug war nach Feststellung des Problems zunächst auf 2016 verschoben worden. Das ORS hatte dann entschieden, dass man 2015 startet, weil man trotz eine höheren Risikos denke, die Stufe trotz des Problems sicher fliegen zu können. Ein Einverständnis der Nutzlasteigentümer hatte man offenbar eingeholt.

Beim einem Brenntest des LEO-46-Motors der ersten Stufe im Jahr 2014 hatte sich ein Isolationsproblem herauskristallisiert. Eine isolierende Beschichtung des Motorgehäuses war durchgebrannt. Der Motor der ersten Stufe der Rakete, die am 4. November 2015 versagte, wurde, obwohl exakt nach vorher festgelegten Spezifikationen hergestellt, im Hinblick auf das beim Test 2014 beobachtete Verhalten als anfällig eingeschätzt.

Eine Modifikation des Motors sei nicht möglich gewesen, obgleich neu zu produzierende Exemplare von vorne herein entsprechend anpassbar seien, berichtete der Hawaii Blog. Das ist nachvollziehbar, da man an innen-liegende Isolierschichten nicht heran kommt, wenn ein Feststoffmotor erst einmal mit Treibstoffmasse befüllt ist.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Aerojet Rocketdyne, Hawaii Blog, ORS, Spaceflight Now, Universität Hawaii, USAF)


» EM-1: Baubeginn der Flugversion von Orion
11.10.2015 - In der Michoud Assembly Facility nahe New Orleans hat die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur NASA damit begonnen, die Druckkabine ihres nächsten Orion-Raumschiffs zusammenzuschweißen. Diese Raumkapsel soll tatsächlich 2018 zum Mond fliegen. Unterdessen bestand das Orion-Programm mit einer Überprüfung namens KDP-C einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur bemannten Erforschung der Tiefen des Weltalls.
Die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur NASA ist ihrem Fernziel, Menschen zum Mars zu schicken, erneut einen Schritt näher gekommen. Ihr neues Raumschiff Orion, mit dem Astronauten wieder zu Zielen jenseits des niedrigen Erdorbits aufbrechen sollen, soll nicht später als im November 2018 zunächst bei einem unbemannten Testflug zum Mond fliegen. Nach fast zehn Jahren, langwierigen Entwicklungsarbeiten, unzähligen Tests und Verbesserungen des Designs beginnt die NASA nun damit, die Raumkapsel zu bauen, die tatsächlich bei diesem Flug zum Einsatz kommen soll.

Die Arbeiten finden in der Michoud Assembly Facility (MAF) nahe New Orleans statt, einer großen Fertigungshalle, in der bereits die Apollo-Raumschiffe, die Saturn-V Mondrakete und der Außentank des Space Shuttle gebaut wurden. Zunächst wird die Druckkabine von Orion zusammengeschweißt, der „Innenraum“ der Kapsel, der als einzige Komponente des Raumschiffs mit Luft unter normalen Druck befüllt ist. Hier sollen sich bei späteren bemannten Flügen auch Astronauten aufhalten. Die Druckkabine besteht aus mehreren Metallpaneelen, die dann zu einer fertigen Druckkapsel zusammengeschweißt werden. Dazu setzt man auf Rührreibschweißen, einer speziellen Technologie, bei der das Metall durch einen schnell rotierenden Metallstift zunächst auf einen plastikähnlichen Zustand erhitzt wird, bevor das Metall dann durch Bewegung des Stiftes verteilt wird. So kann eine festere und qualitativ höherwertige Schweißnaht erreicht werden. Die Herstellerfirma Lockheed Martin verfügt für diese Arbeiten in der MAF über eine 4-Achsen CNC-Schweißmaschine mit der Bezeichnung Universal Weld System II.

Die einzelnen Platten aus einer Aluminium-Lithium Legierung wurden vor dem Schweißvorgang zunächst bei verschiedenen Zulieferern gefräst und dann zur MAF geliefert. Ihre Anzahl konnte inzwischen auf sieben gesenkt werden, da durch Orions ersten Testflug in eine Erdumlaufbahn im Dezember 2014 neue Erkenntnisse gewonnen wurden. So soll sowohl die Arbeitszeit zum Bau der Druckkabine als auch ihr Gewicht gesenkt werden. Nach der Ankunft wurden die Platten sorgfältig inspiziert, zu Schutzzwecken mit der charakteristischen grünen Farbe lackiert und grundiert. Danach wurden sie mit Dehnungsmessstreifen und mit Kabeln versehen, um das Metall während des Schweißprozesses beobachten zu können. Bevor die Arbeiten an den Elementen begannen, die für den Weltraum bestimmt sind, wurden die Prozesse an einem sogenannten Pathfinder geübt. Am 5. September wurden die ersten beiden Platten miteinander verschweißt, die obere Trennplatte und der Tunnel. Beide Einzelteile werden sich bei der fertigen Kapsel oben befinden. An der Trennplatte werden unter anderem die Fallschirme angebracht sein, der Tunnel soll es bei bemannten Flügen Astronauten ermöglichen, von Orion in ein anderes Raumfahrzeug umzusteigen. Der nächste Schweißvorgang steht mittlerweile kurz bevor.

„Jedes einzelne System von Orion wird an dieser tragenden Struktur angebracht, deshalb ist es ein wichtiger erster Schritt, die darunterliegenden Platten zusammenzuschweißen“, so Mark Geyer, Manager des Orion-Programms. Weitere Einzelteile der Druckkabine werden in den nächsten Wochen und Monaten in Michoud ankommen und miteinander verschweißt werden. Für weitere Arbeiten soll die fertige Druckkapsel dann zum Kennedy Space Center in Florida transportiert werden. Es ist wichtig festzuhalten, dass sowohl Orion als auch seine Trägerrakete, das Space Launch System, beachtliche Fortschritte auf EM-1 hin machen. Man ist inzwischen weit über das berühmte Powerpoint-Stadium hinaus, Hardware für den Flug wird an verschiedenen Ecken und Enden der Vereinigten Staaten tatsächlich gebaut und aufwendige Qualifikationstests werden durchgeführt. Diese Arbeiten im Rahmen des Orion-Programms wurden vor Kurzem im Rahmen eines wichtigen Meilensteins namens KDP-C (Key Decision Point C) überprüft. Charles Bolden, Administrator der NASA, meinte dazu: „Orion ist ein Schlüsselelement unserer flexiblen Architektur, die es der Menschheit ermöglicht, den roten Planeten zu betreten. Wir sind dazu verpflichtet, dieses Raumschiff und weitere Elemente zu bauen, um das real werden zu lassen.“

Dabei handelt es sich um eine wichtige Überprüfung der Technik und des Programms des Orion-Raumschiffs, bei der die Pläne der NASA in Bezug auf Technik, Kosten und den Zeitplan bestätigt wurden. Das Augenmerk lag dabei besonders auf EM-2 (Exploration Mission 2), dem ersten bemannten Flug von Orion. Dieser Flug soll auf den Erkenntnissen von EM-1 aufbauen und zusätzliche Systeme von Orion beinhalten wie Lebenserhaltung, Kommunikation für menschliche Interaktion oder Raumanzügen für Start und Landung. EM-2 soll nun nicht später als im April 2023 starten, das Orion-Programm bis zu diesem Flug 6,77 Milliarden Dollar kosten. Dabei handelt es sich um eine konservative Schätzung, die darauf beruht, dass die NASA in der Vergangenheit vor dem Start immer wieder auf technische oder finanzielle Probleme gestoßen ist, was den Flug verzögert. Dennoch wird weiterhin auf August 2021 als Starttermin von EM-2 hingearbeitet, der nach heutigem Stand auch erreicht werden kann. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass das so bleibt. Obwohl es nicht Teil der Untersuchung im Rahmen von KDP-C war, arbeitet man als Startdatum für EM-1 weiterhin auf den Herbst 2018 hin. Der genaue Termin wird nach den Designprüfungen von Orion und den Bodenanlagen festgelegt, die bereits begonnen haben.

Bis dahin bleibt der offizielle Jargon der NASA für den Termin von Exploration Mission 1 (EM-1) „nicht später als im Dezember 2018“. Zunächst soll bei dieser Mission Orion auf seiner Trägerrakete, dem Space Launch System, in einen niedrigen Erdorbit starten. Dann zündet das Triebwerk der Oberstufe erneut, sodass das unbemannte Raumschiff nun in Richtung Mond fliegt. Das Raumschiff bremst daraufhin mithilfe seines Servicemoduls in eine Umlaufbahn 70.000 km über der Mondoberfläche ein. Durch eine weitere Zündung des Triebwerks des Servicemoduls verlässt das Raumschiff nach etwa einer Woche diese Umlaufbahn und fliegt wieder zurück zur Erde. Das Servicemodul wird abgetrennt und das kapselförmige Crewmodul tritt mit über 39.000 km/h in die Erdatmosphäre ein, bevor die Kapsel im Pazifik an Fallschirmen landet. Diese Mission wird den ersten Flug eines zumindest theoretisch bemannbaren Raumschiffs zum Mond seit 45 Jahren und den weitesten Flug eines solchen Raumschiffs aller Zeiten darstellen.

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(Autor: Martin Knipfer - Quelle: NASA, NASASpaceflight)


» Intelsat unglücklich mit russischem Comsat
12.10.2015 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber Intelsat hat Fragen hinsichtlich der Stationierung des russischen militärischen Kommunikationssatelliten Lutsch (Luch, Луч) alias Olymp. Der Satellit war im Geostationären Orbit zeitweilig unmittelbar zwischen Satelliten von Intelsat positioniert.
Das Raumfahrzeug aus Russland kreist seit dem 27. September 2014 um die Erde. Eine ihm unterstellte Rolle ist die eines Werkzeugs zum Abhören und zur Aufklärung elektromagnetischer Signale. In diesem Zusammenhang spricht man von signal intelligence (SIGINT).

Nachdem der russische Satellit den Geostationären Orbit (GEO) erreicht hatte, wurde Lutsch, der möglicherweise über elektrische, Xenon-Gas ausstoßende Triebwerke verfügt, immer wieder in Drift versetzt, um seine Position zu verändern. Halt machte er unter anderem bei 53 und bei 96 Grad Ost im GEO.

Rund sieben Monate nach seinem Start wurde Lutsch schließlich auf eine Position von 18,1 Grad West zwischen Intelsat 7 (18,2 Grad West) und Intelsat 901 (18 Grad West) manövriert. Die beiden Satelliten von Intelsat stehen im GEO in einem Bereich von deutlich unter einem halben Grad. Lutsch bezog innerhalb dieses Bereichs zwischen den beiden Satelliten von Intelsat Stellung.

Der Branchendienst SpaceNews meldete am 9. Oktober 2015, dass nicht weiter bezeichnete Quellen berichteten, Lutsch habe sich einem Raumfahrzeug von Intelsat teilweise bis auf 10 Kilometer genähert, einen Abstand, den man seitens der Unternehmensleitung von Intelsat als mögliches Risiko für die eigenen Satelliten sieht.

Ein technischer Berater der Stiftung für eine sichere Welt (Secure World Foundation, SWF) aus den USA, Brian Weeden, hatte am 5. Oktober 2015 im Branchendienst The Space Review bereits auf die Problematik hingewiesen.

In einem Interview, dass die SpaceNews am 8. Oktober 2015 mit Kay Sears, Präsident von Intelsat General, führten, teile letzterer seine Besorgnis angesichts des unüblichen Verhaltens des russischen Satelliten mit und formulierte seine Erwartung, dass es unbedingt verantwortlich handelnder Betreiber bedürfe.

Sears stellte angeblich auch klar, dass es keine Interferenzprobleme zwischen dem russischen Raumfahrzeug und den von Intelsat bereitgestellten Satellitenkommunikationsdiensten gegeben habe.

Weil man den geringen Abstand als Gefahr für die eigenen Satelliten betrachte, habe man sich laut Sears an den Eigentümer des fremden Satelliten gewendet. Von dem Eigentümer habe man weder auf direktem Wege noch über den Umweg über dessen Verteidigungsministerium eine Antwort erhalten.

Nach Angaben von SpaceNews denken viele kompetente Beobachter, dass das geschilderte Ereignis das erste seiner Art sei, bei dem das Weltraumsegment der Infrastruktur eines kommerziellen Satellitenbetreibers zum Ziel einer beabsichtigten Annäherung durch einen ausländischen Militärsatelliten wurde.

Sears hält die Tatsache, dass in der Angelegenheit bisher keine Kommunikation mit der russischen Seite möglich war, für verantwortungslos, berichteten die SpaceNews. Es gäbe laut Sears sicher eine Reihe von Unfällen, verhielten sich alle so.

Unklar ist bis dato, auf welche Ressourcen kommerzielle Satellitenbetreiber künftig in ähnlichen Situationen zurückgreifen können. Derzeit bleibt Privatunternehmen nichts anderes übrig, als jeweils die Regierung ihres Landes um Hilfe zu bitten, schrieb Brian Weeden den SpaceNews in einer E-Mail.

Nach einer von den SpaceNews nicht weiter präzisierten Quelle führten die Manöver von Lutsch zu einer Reihe vertraulicher Besprechungen im US-amerikanischen Verteidigungsministerium.

Eine Anfrage der SpaceNews beim US-Militär führte zu einer Reaktion des Luftwaffen-Kapitäns und Direktors für öffentliche Angelegenheiten der 14th Air Force, Nicholas Mercurio, eines Sprechers des Joint Functional Component Command Space (JFCC Space, ein Teil des strategischen Kommandos der Vereinigten Staaten von Amerika). Er informierte darüber, Lutsch sei seit seinem Start dreimal in einen Abstand von nicht über fünf Kilometern zu einem anderen Satelliten gelangt. Um welchen anderen Satelliten es sich dabei handelte, gab Mercurio nicht an.

Der tatsächliche Abstand zwischen Lutsch und den Satelliten Intelsats war nicht unbedingt derartig gering. Da die Daten des US-Militärs auf Abschätzungen der Driftraten der Satelliten basieren, können sie nicht absolut exakt sein.

Ein Abstand von fünf oder weniger als fünf Kilometern zwischen Raumfahrzeugen verschiedener Betreiber im GEO erfordert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Betreiber, wenn das Risiko einer Kollision gering gehalten werden soll.

Mercurio empfahl, weiterreichenden Anfragen an die Regierung Russlands zu richten. Die SpaceNews konnten bis zum 9. Oktober 2015 nicht über eine Antwort der in der Angelegenheit kontaktierten russischen Botschaft berichten.

Lutsch, der zwischenzeitlich nicht mehr bei 18 Grad West steht, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.258 und als COSPAR-Objekt 2014-058A. Am 8. Oktober 2015 wurde er bei 24,4 Grad West beobachtet.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Intelsat, Raumfahrer.net, Roskosmos, SpaceNews, SWF)


» China: Start für APT Satellite und neuer Auftrag
20.10.2015 - Am 16. Oktober 2015 wurde der chinesische Kommunikationssatellit APStar 9 in den Weltraum gebracht. Der künftige Betreiber von APStar 9 hat außerdem den Start eines weiteren Satelliten in China beauftragt.
Der Start erfolgte um 18:16 Uhr MESZ von der Rampe Nummer 2 des Startgeländes Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan, vor Ort war es zu diesem Zeitpunkt bei Beginn der achten Mission eines chinesischen Raumfahrtträgers innerhalb von acht Wochen 00:16 Uhr am 17. Oktober 2015. Als exakter Startzeitpunkt wird 00:16:04.772 Uhr Pekinger Zeit genannt.

Transportiert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/E(Chang Zheng-3B/E, CZ-3B/E). Sie flog nach Angaben aus China die 214. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch, eine Zahl, die angesichts der Tatsache, dass in ihr mittlerweile immer mehr höchst unterschiedliche Träger zusammengefasst werden, ihre Aussagekraft verliert.

Die zum Start von APStar 9 verwendete Rakete besaß vier Flüssigkeitsbooster an der ersten Stufe, welche ab dem Abheben für rund zwei Minuten arbeiteten und dann abgeworfen wurden. Die Zentralstufe der Rakete arbeitete nicht wesentlich länger und hatte nach weiteren 18 Sekunden ihre Aufgabe erledigt.

Die zweite Stufe der Trägerrakete mit APStar 9 an Bord absolvierte eine Brennphase von rund drei Minuten, bevor dann die kryogene - das heißt mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff betriebene - Oberstufe zum Einsatz kam. Letztere hatte vor dem Aussetzen der Nutzlast mit ihrem YF-75-Triebwerk zwei Brennphasen zu erledigen, die von einer rund 11 Minuten langen Freiflugphase unterbrochen waren.

Beim Abtrennen von der letzten Raketenstufe gelangte APStar 9 nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua auf eine Bahn mit einem Apogäum von 41.965 Kilometern und einem Perigäum von 212 Kilometern. Derzeit bewegt sich der Satellit also auf einem supersynchronen Transferorbit, d.h. das Apogäum, der erdfernste Punkt seiner Bahn, befindet sich über dem Geostationären Orbit.

Das Apogäum der Bahn des Satelliten lag nach dem Start nach Daten der US-Weltraumüberwachung im Bereich von 41.780 Kilometern über der Erdoberfläche. Das Perigäum, der der Erde nächste Bahnpunkt, lag im Bereich von 192 Kilometern über der Erde.

Die Ausbildung einer annähernden Kreisbahn und den Abbau der Inklination, der Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von noch rund 27,2 Grad muss der Satellit mit seinen eigenen Triebwerken bewerkstelligen. Zu diesem Zweck befindet sich unter anderem ein sogenannter Apogäumsmotor an Bord von APStar 9.

Ist APStar 9 erst einmal an der vorgesehenen Position bei 142 Grad Ost im Geostationären Orbit (GEO) im Einsatz, wird die APT Satellite Company Ltd. (APT Satellite) auch mit seiner Hilfe in Afrika, Asien, Australien und Europa rund drei Viertel der Weltbevölkerung erreichen können, schrieb Xinhua am 17. Oktober 2015.

APStar 9, bestellt im November 2013, ist als Nachfolger von APStar 9A alias ChinaSat 5A bzw. Chinasat 1 vorgesehen. Letzterer kreist seit dem 30. Mai 1998 um die Erde. APStar 9A (NORAD 25.354, COSPAR 1998-033A) hat das Ende seiner Auslegungsbetriebszeit von 15 Jahren also erreicht.

15 Jahre Auslegungsbetriebszeit sind auch für APStar 9 geplant. Seine vertraglich vereinbarte Auslegungsbetriebsdauer beträgt exakt 5.475 Tage ab dem Zeitpunkt seiner Abnahme durch APT Satellite im All.

Der neue dreiachsstabilisierte Satellit ist eine Konstruktion aus China, das erste in diesem Land gebaute Raumfahrzeug für APT Satellite. Er basiert auf dem Bus DFH-4, DFH steht darin für "dong fang hong", was "Der Osten ist rot" bedeutet. Entwickelt wurde der Satellit von der chinesischen Unternehmung für Luft- und Raumfahrtwissenschaft und Technik (China Aerospace Science & Technology Corporation, CASC) unter der Ägide der Chinesischen Akademie für Raumfahrttechnik (China Academy of Space Technology, CAST).

Die Kommunikationsnutzlast von APStar 9 umfasst 32 C-Band- und 14 Ku-Band-Transponder. Im C-Band soll eine Ausleuchtzone den asiatisch-pazifischen Raum abdecken (Asia Pacific Beam, AP Beam), eine weitere Südostasien (South East Asia Beam, SEA Beam). Über sie will man Zugang zu VSAT-Netzwerken, Videoübertragungen und Anbindungen an zentrale Mobilfunk-Netzknoten bereitstellen.

Via Ku-Band adressiert man Nutzer im der West-Pazifik-Region und in Gebieten im Bereich des Indischen Ozeans. Dort soll man über APStar 9 direkt ausgestrahlte Fernsehprogrammen empfangen, auf VSAT-Netzwerke zugreifen, und Kommunikationsverbindungen für See- und Luftfahrt nutzen können.

Das Bodensegment zur Überwachung und Steuerung von APStar 9 entwickelte die China Satellite Launch & Tracking Control General (CLTC), auch BITTT für Beijing Institute of Tracking and Telecommunications Technology genannt.

APStar 9 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.892 und als COSPAR-Objekt 2015-059A.

Unmittelbar nach dem erfolgreichen Start von APStar 9 gab APT Satellite am 17. Oktober 2015 die Bestellung eines weiteren Satelliten bei Chinas 1980 gegründeter internationalen Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten, der China Great Wall Industry Corporation (CGWIC), bekannt.

APStar 6C mit einer Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren soll wie APStar 9 auf Basis des DFH-4-Busses in China entstehen. Mit zusammen 45 Transpondern für das C-, das Ka- und das Ku-Band ist er als Ersatz für APStar 6 alias APStar 5B (NORAD 28.638, COSPAR 2005-012A) gedacht, der seit dem 12. April 2005 um die Erde kreist und das Ende seiner Auslegungsbetriebsdauer von 14 Jahren noch nicht erreicht hat. Außerdem soll APStar 6C als Reserve für andere Aspekte des sich weiterentwickelnden Satellitenprogramms seines Betreibers dienen.

Der Start von APStar 6C wird sicherlich von chinesischem Boden aus erfolgen und von einer Rakete aus der Serie Langer Marsch erledigt werden.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: APT Satellite, CCTV, CGWIC, Xinhua)


» China: Erdbeobachtungssatellit Tian Hui 1C gestartet
27.10.2015 - Am 26. Oktober 2015 hob vom Satellitenstartgelände Jiuquan in der inneren Mongolei aus eine Rakete mit dem chinesischen Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1C an Bord ab, um diesen in den Weltraum zu bringen.
Der 12. Start eines chinesischen Raumfahrtträgers im Jahr 2015 erfolgte am 26. Oktober 2015 um 8:10 Uhr MEZ vom Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten Chinas, abgekürzt als JSLC bezeichnet. Die Rakete hob um 15:10 Uhr Orts- bzw. Pekinger Zeit ab, exakte Startzeit war 15:10:04.462 Uhr. Chinesische Quellen zählen aus Anlass des Starts den 215. Flug einer Rakete mit dem Namensbestandteil "Langer Marsch".

Das zweistufige Projektil des Typs Langer Marsch 2D (Chang Zheng-2D, CZ-2D) von der staatlichen China Aerospace Science and Technology Corporation (CASTC bzw. CASC) funktionierte bei der 25. Mission dieses Typs offenbar wie vorgesehen. Der von der Rakete transportierte Satellit erreichte nach Angaben aus China den vorgesehenen Orbit.

Tian Hui 1C wurde nach dem Aussetzen im All auf einer Bahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, von 488 Kilometern, und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von 496 Kilometern über der Erde beobachtet. Die Neigung des Orbits gegen den Erdäquator betrug 97,35 Grad. Die Bahn des neuen Erdtrabanten entspricht damit etwa denjenigen, die Tian Hui 1A und 1B nach ihren Starts erreichten.

Das neue der Fernerkundung dienende Raumfahrzeug wurde von der CASC in Zusammenarbeit mit der Hangtian Dongfanghong Weixing Corporation (HDWC) und der Chinese Academy of Space Technology (CAST) entworfen und gebaut. Nach offiziellen Verlautbarungen aus China ist Tian Hui 1C unter anderem zur Erkundung von Bodenschätzen, für Hilfe bei der Abschätzung von Ernteergebnissen in der Landwirtschaft, zur Unterstützung bei der Bewältigung von unterschiedlichsten Katastrophen, für Kartierungsaufgaben und wissenschaftliche Experimente gedacht.

Eine militärische Verwendung des dreiachsstabilisierten Satelliten mit der Fähigkeit zur Anfertigung stereoskopischer Aufnahmen und einer Analyse der Erdoberfläche in unterschiedlichen Spektralbereichen ist nicht auszuschließen, auch wenn das chinesische Verteidigungsministeriums in einer Meldung zum Start auf die erwartete aktive Rolle des neuen Satelliten für Forschung und nationale Ökonomie hinweist.

Tian-Hui-Satelliten - Auslegungsbetriebsdauer drei Jahre - besitzen zwei Kamerasysteme. Mit ihnen können aus einem Arbeitsorbit in rund 500 Kilometern Höhe über der Erde rund 60 Kilometer breite Streifen abgetastet werden.

Eines der beiden Kamerasysteme ist mit CCD-Sensoren ausgestattet und kann Bilder im Spektralbereich zwischen 0,51 und 0,69 Mikrometern mit einer Bodenauflösung von rund 5 Metern in 3D und einem Sichtfeld von rund 25 Grad erfassen.

Das andere erreicht eine Bodenauflösung von rund 10 Metern und arbeitet in vier Wellenlängenbereichen von 0,43 bis 0,52 Mikrometer, von 0,52 bis 0,61 Mikrometer, von 0,61 bis 0,69 Mikrometer sowie von 0,76 bis 0,90 Mikrometer.

Tian Hui 1C alias Tianhui 1-03 (auch Tianhui Weixing-1 3) ist katalogisiert als COSPAR-Objekt 2015-061A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CAST, CCTV, Chinesisches Verteidigungsministerium, Raumfahrer.net, Xinhua)



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Mars Aktuell: Phobos fürchtet sich zu Recht von Redaktion



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» Phobos fürchtet sich zu Recht
01.11.2015 - Der nach dem Sohn und Begleiter des Kriegsgottes Mars benannte Mars-Mond Phobos (griech. Furcht) ist in Gefahr. Mögliche erste Anzeichen seiner Zerstörung wurden bereits beobachtet.
Rätselhafte Rillen in der Oberfläche von Phobos lassen sich als Folge der Einwirkung der von Mars ausgehenden gravitativen Kräfte interpretieren.

Dass Phobos, der eine gebundene Rotation besitzt und damit Mars immer dieselbe Seite zuwendet, seiner Zerstörung schlussendlich nicht entkommen wird, ist schon länger bekannt. Der Mond umkreist Mars so niedrig, dass Gezeitenkräfte ihn in einigen zehn Millionen Jahren auseinanderreißen werden, noch bevor er mit Mars kollidieren könnte.

In den 1970ern hatten die Viking-Mars-Orbiter und die Sonde Mariner 9 lange, zwischen rund 100 und 200 Meter breite, parallel liegende, rund 10 bis 30 Meter tiefe Rillen auf Teilen der Oberfläche Phobos´ gefunden.

Als die bis zu 20 Kilometer langen Rillen entdeckt wurden, ging man davon aus, dass Phobos als homogener felsiger Körper einem heftigen Einschlag eines anderen Körpers ausgesetzt war. Alternativ hielt man es für möglich, dass die Rillen schlicht in Reihe liegende kleine Einschlagkrater sind, die von in den Raum geschleuderten Bruchstücken nach Einschlägen auf Mars verursacht worden waren.

2008 jedoch ließen Daten der europäischen Mars-Sonde Mars Express den Schluss zu, dass Phobos ein körniger Körper ist, der von einer außen liegenden zwischen 50 und 100 Meter dicken Staubschicht bedeckt ist, welche ihn zusammenhält.

Mit diesem Model des von einer Staubschicht zusammengehaltenen körnigen Körpers arbeitete Terry Hurford vom Goddard Raumflugzentrum (GSFC) der US-amerikanischen Agentur für Luft- und Raumfahrt (NASA) im Bundesstaat Maryland.

Terry Hurord berechnete zusammen mit Kollegen, dass die meisten derjenigen Stellen, an der sich die ominösen Rillen auf Pbobos´ Oberfläche befinden, sehr gut mit den kalkulierten Bereichen der größten Belastung durch Tidenkräfte zusammenpassen.

Hurford glaubt, dass die Rillen ein deutliches erstes Anzeichen dafür sind, dass Phobos letztlich zerrissen wird. Das Magazin New Scientist meldete am 30. Oktober 2015 auf seiner Internetseite, dass Hurford am 4. November 2015 die neuen Forschungsergebnisse auf einer Veranstaltung der Geologischen Gesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika (der GSA 2015) vorstellen will.

Alexander Basilewski vom Wernadski Institut für Geo- und Analytische Chemie in Moskau ließ verlauten, dass er die bekannt gewordenen Berechnungen für sehr bemerkenswert halte und denke, dass die Rillen Verwerfungen sein könnten, wofür auch spreche, dass sie sich teilweise kreuz und quer überschneiden.

Phobos wird laut Hurford sicherlich nicht in Kürze aufhören zu existieren, mindestens einige Millionen Jahre könnte der Mars-Mond durchaus noch überdauern.

Wie gut die den Mond umhüllende Staubschicht den Körper tatsächlich zusammenhält, ist niemandem bekannt. Daten dazu könnte eine Landung auf Phobos liefern - ein wissenschaftlich sicher hochinteressantes Projekt.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: New Scientist)



 

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ISS Aktuell: JPL untersucht Bakterien auf der ISS von Redaktion



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» JPL untersucht Bakterien auf der ISS
31.10.2015 - Raumschiffe und Raumstationen stellen mit ihrer künstlich aufrecht erhaltenen Umgebung eine hohe Herausforderung für Mensch und Technik dar. Der stete Kreislauf von Wasser und Luft ist dabei ein Schlüsselaspekt. Wissenschaftler des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA haben das Auftreten von Bakterien auf der Internationalen Raumstation untersucht und ihre vorläufigen Ergebnisse vorgestellt.
Auf der ISS grassieren möglicherweise etwas zu viele Bakterien. Zu diesem Schluss kommen NASA-Wissenschaftler in einem Papier, nachdem sie Proben von der Raumstation aus einem Luftfilter, sowie aus Staubsaugerbeuteln untersuchten.

Als Referenz dienten hier die Bedingungen in einem Reinraum der NASA, eine wissenschaftlich sinnvolle Herangehensweise. Natürlich schlägt die filtrierte und häufig desinfizierte Umgebung eines Reinraums jedes irdische Biotop. Sie ist die Ideallinie, mit der sich die zu testende Umgebung vergleichen lässt.

Alle Ausrüstungsgüter für die ISS gehen vor ihrem Start ebenfalls durch einen Reinraum. Die Forscher entdeckten nun in den Proben von der ISS, dass auf der Raumstation überdurchschnittlich viele Bakterien vertreten waren, die zur Abteilung der Actinobacteria zu rechnen sind.

Diese können sogenannte opportunistische Infektionen auslösen, das bedeutet, dass sie einem Organismus dann zusetzen, wenn er schon durch einen anderen Effekt gesundheitlich angeschlagen ist.

Die Studie gibt allerdings keine endgültigen Antworten und liefert, anders als in verschiedenen Medien-Berichten geschildert, keinen Grund zur akuten Besorgnis.

In anschließenden Studien sollen nun mögliche Wirkungen einzelner Bakterienstämme erforscht werden. Ferner soll die Möglichkeit, dass Viren auf die ISS gelangen, näher untersucht werden.

Für Langzeitmissionen sind Untersuchungen wie diese hingegen zweifellos von Bedeutung, ebenso wie über mögliche Gegenmaßnahmen geforscht werden muss.

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(Autor: Roman van Genabith - Quelle: JPL)



 

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