InSpace Magazin #520 vom 30. Juni 2014

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #520
ISSN 1684-7407


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Mars Express: Tonminerale im Atlantis Chaos

> Saturn Aktuell:
Raumsonde Cassini: Zehn Jahre im Saturn-Orbit

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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

im Sonnensystem tut sich derzeit einiges: Rosetta nähert sich weiter dem Ziel an, Curiosity hat sein erstes Marsjahr voll und Cassini ist 10 (Erd)jahre im Saturnorbit. Für andere Sonden wird zukünftiges vorbereitet: New Horizons braucht noch ein Nachfolgeziel nach Pluto. Und an wiederum anderer Stelle geht etwas zuende: CoRoT wurde endgültig abgeschaltet.

Neben diesen Themen enthält die aktuelle Ausgabe auch noch vieles mehr, viel Freude bei der Lektüre!

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
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News

• Kehrt ICE zurück zur Erde, um zu bleiben? «mehr» «online»
• Neue Einblicke in die Frühzeit des Sonnensystems «mehr» «online»
• ALMA untersucht dunkle Gammastrahlenausbrüche «mehr» «online»
• Google investiert in Raumfahrtsektor «mehr» «online»
• Navsat GloNaSS-M 55 alias Kosmos 2500 im All «mehr» «online»
• Chinas Wettersatellit Feng Yun 3C im Regelbetrieb «mehr» «online»
• Rosetta: Viertes Korrekturmanöver erfolgreich beendet «mehr» «online»
• Planetenjäger CoRoT endgültig abgeschaltet «mehr» «online»
• Wettersatellit NOAA 16 nach Anomalie außer Dienst «mehr» «online»
• Plutomission New Horizons: Der letzte Checkout «mehr» «online»
• New Horizons: Die Suche nach dem nächsten Ziel «mehr» «online»
• Europas Raumfahrtindustrie verändert sich «mehr» «online»


» Kehrt ICE zurück zur Erde, um zu bleiben?
13.06.2014 - 1977 und 1978 starteten NASA und ESA insgesamt drei Raumsonden in einem Programm namens International Sun Earth Explorer (ISEE). Ziel war die Gewinnung neuer Kenntnisse über das Magnetfeld der Erde und seine Wechselwirkung mit der Sonne. Die zuletzt gestartete Sonde ISEE 3 hatte die längste Missionsdauer und kehrt im Sommer 2014 zurück zur Erde. Das ICE Reboot Project der Raumfahrtenthusiasten vom Space College möchte die Uraltsonde wieder einfangen und für die Wissenschaft nutzbar machen.
Sonne-Erde Erkundung
Das ISEE-Programm war ein von der US-amerikanischen Luft-und Raumfahrtbehörde NASA und der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in den Jahren 1977-1978 begonnenes Programm, bestehend aus drei Raumsonden, den 1977 gestarteten ISEE 1 und ISEE 2, sowie der 1978 gestarteten ISEE 3. Ziel war die Erforschung der Wirkung des Sonnenwindes und dessen Wechselwirkung mit der äußeren Magnetosphäre der Erde.

Alle drei Fahrzeuge trugen europäische und amerikanische Instrumente gleichermaßen. Alle ISEE-Sonden verfügten über Solarzellen als primäre Energiequelle. Während ISEE 1 und 2, ursprüngliche Projektnamen ISEE a und b, in stark elliptischen Erdumlaufbahnen verblieben und nach einem Betrieb deutlich über der projektierten Einsatzzeit von drei Jahren 1987 in der Atmosphäre verglühten, trat ISEE eine interessante Reise an.

Sonne, Erde und Kometen
Nachdem ISEE 3, die am 22. August 1978 mit einer Startmasse von 469 kg vom Launch Complex 17B der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) an Bord einer von McDonnell Douglas gebauten Delta 2914 Rakete gestartet wurde, als erste Raumsonde drei Jahre in einem Orbit um den Lagrange-Punkt L1 in etwa 1,5 Millionen km Entfernung zur Erde gearbeitet hatte, leitete die NASA schließlich am 10. Juni 1982 verschiedene Manöver ein, die die Raumsonde aus dem Erde-Mond-System hinausführen sollten. Hierfür waren verschiedene FlyBys (auch Gravity Assist Manöver genannt) notwendig.

Der erste FlyBy am Mond erfolgte am 16. Oktober 1982. Am 8. Februar passierte ISEE 3 schließlich L2, näherte sich dann wieder dem Mond, wo sie am 30. März 1983 einen weiteren FlyBy ausführte und anschließend die Erde mehrfach in niedrigerer Umlaufbahn umkreiste. Nach weiteren SwingBy-Manövern am Mond erreichte sie im Zuge eines letzten FlyBys am 22. Dezember die Fluchtgeschwindigkeit des Erde-Mond-Systems und trat in den interplanetaren Raum ein. Die Sonde wurde nun in ICE (International Cometary Explorer) umbenannt und ging auf Kurs zu Giacobini-Zinner, dessen Schweif sie am 11. September 1985 erreichte und ihn rund 7800 km hinter dem Kometenkern durchflog, während sie wertvolle Messungen durchführte.

Die Sonde hatte ihre minimal projektierte Missionsdauer zu diesem Zeitpunkt bereits um drei Jahre überschritten. Da sich ISEE 3 / ICE aber noch immer in einem einwandfreien technischen Zustand befand, beschloss die NASA eine Weiternutzung, insbesondere, da eine gemeinsame Mission mit der ESA zur Erforschung des Halleyschen Kometen aufgrund von Etatkürzungen bei der NASA im Jahre 1981 scheiterte und diese Kometenerforschung ohne amerikanische Beteiligung zu bleiben drohte. ISEE 3 / ICE bot die nötigen Voraussetzungen: ausreichende Reichweite und passende wissenschaftliche Instrumentierung, sodass sie schließlich nach einer bereits erfolgreich erledigten Kometenerkundung Richtung Halleyscher Komet in Marsch gesetzt wurde.

Der Vorbeiflug im März 1986 erfolgte schließlich in rund 31 Millionen km Entfernung und lieferte so nur begrenzt hilfreiche Ergebnisse. Doch der Weg von ICE war auch jetzt noch keineswegs zu Ende. Ab 1991 erforschte ICE ergänzend zur europäisch-amerikanischen Sonnensonde Ulysses unser Zentralgestirn von einer Umlaufbahn um die Sonne aus.

Der wissenschaftliche Betrieb von ICE durch die NASA endete im Jahr 1997, wie viele Raumfahrzeuge wurde sie am Ende ihrer Einsatzbetriebszeit jedoch nicht ausgeschaltet. Vergleichbares gilt z.B. für die Zwillingsmarsrover Spirit und Opportunity, deren Funktionsdauer hauptsächlich durch ihre technische Betriebsfähigkeit limitiert wird. Ein beabsichtigtes Herunterfahren der Gefährte wird häufig nicht implementiert, um einen versehentlichen Shutdown zu verhindern, nach dem kein erneutes Inbetriebnehmen mehr möglich wäre. Da die Flugbahn von ICE eine Rückkehr zur Erde im August 2014 vorsah, wurden Antennen des Deep Space Network im Jahr 2008 auf die erwartete Position von ICE ausgerichtet, 11 Jahre nach Außerdienststellung und 19 Jahre nach ihrem Start. Aufgefangene Telemetrie lies erkennen, dass die Sonde noch immer in Betrieb ist, sowie 12 von 13 ihrer wissenschaftlichen Instrumente. Nur fehlte der NASA nun die Möglichkeit zur aktiven Kommunikation mit der Sonde, da die hierfür benötigten Sender bereits 1999 abgebaut worden waren.

Mission Rückkehr
Seit bekannt war, dass ICE noch immer aktiv ist, weitgehend funktionsfähig und zudem noch über ausreichend Treibstoff für weitere Triebwerkszündungen verfügt, wurden verschiedentlich Überlegungen angestellt die Sonde wieder unter Kontrolle zu nehmen und einer neuen Aufgabe zuzuführen. Dabei muss auf die Infrastruktur der NASA verzichtet werden, obwohl die Sonde noch immer deren Eigentum ist.

So gelang es Anfang März 2014 einer Gruppe von Funkamateuren, Signale von ICE, welche zwei 5 Watt S-Band-Sender an Bord hat, an der Sternwarte Bochum zu empfangen, und es wurde in Betracht gezogen, dort einen Uplink einzurichten.

Erste Schritte in diese Richtung unternahm schließlich die Space College Foundation, eine nicht gewinnorientierte Stiftung, die weltweit Studierenden und Jungforschern durch die Teilnahme an akademischen Kursen und Projekten einen Einstieg in eine Laufbahn in der Raumfahrt und Weltraumforschung ermöglichen möchte. Schlüsselaspekte ihrer Tätigkeit bilden dabei Konzepte wie Open Source, Open Data oder Crowd Sourcing, die eine Beteiligung und Einbeziehung weiter Teile der interessierten Allgemeinheit adressieren. Das ICE Reboot Project wird die erste größere Unternehmung der Stiftung und kann schon jetzt als bemerkenswerte Leistung betrachtet werden.

Status und Ausblick
Am 29. Mai 2014, vor bald zwei Wochen, gelang es Studenten des Space College eine Zwei-Wege-Kommunikation mit ICE herzustellen. Die Studenten hatten ihr Hauptquartier in einem geschlossenen Schnellrestaurant auf dem Gelände des NASA Ames Research Park aufgeschlagen. In diesem sog. Building 596 hatte sich zuvor bereits das Lunar Orbiter Image Recovery Project eingerichtet, dessen Ziel es ist, 50 Jahre alte Bandaufzeichnungen eines frühen NASA Mondorbiters zu digitalisieren. Von dieser auch als McMoons bezeichneten provisorischen Kommandozentrale kommunizieren die Space College-Studenten seit Kurzem über ihre Laptops mit dem über 30 Jahre alten Raumfahrzeug.

Als Bodenstation für das ICE Reboot Project fungiert das Radioteleskop in Arecibo. Um überhaupt mit dem Versuch der Rückholung von ICE beginnen zu können, benötigte Space College zunächst eine Genehmigung der NASA. Dieser mit der Firma SkyCorp Inc., die als Partner von SpaceCollege.org auftritt, abgeschlossene „Non-Reimbursable Space Act Agreement“ (NRSAA), der am 21. Mai 2014 unterzeichnet wurde, erlaubt die Kontaktaufnahme und ggf. Steuerung von ICE bis zum 25. Juni 2014.

In den folgenden Tagen wurde eine Auswertung der empfangenen Telemetrie vorgenommen. Die erreichte Bitrate lag bei 512 Bit pro Sekunde. Mit einer ihrer ersten Aktionen versetzten die Amateur-Spacecraft Operators ICE in den Engeneering Telemetry Mode, um den Zustand von Sonde und Instrumenten besser diagnostizieren zu können. Bei den ersten Kontakten mit ICE kam unter anderem ein eigens angepasster Transmitter der deutschen Dirk Fischer Elektronik zum Einsatz.

Laut empfangener Telemetrie verfügt ICE derzeit über eine Eigenrotation von 19,16 Umdrehungen pro Minute (rpm), die Missionsspezifikation lag bei 19,75 rpm bei einer Abweichung von +-0,2. Die Ausrichtung zur Ekliptik beträgt derzeit 90,71 Grad, der Missionsparameter sieht hier einen Wert von 90 Grad bei einer Abweichung von +-1,5 Grad vor. Die empfangenen Werte zeigen die Sonde somit vergleichsweise nah an den ursprünglichen Vorgaben, und das nachdem ICE inzwischen 14 Jahre auf sich selbst gestellt ist. Ferner konnten erste Erkenntnisse über den Status der wissenschaftlichen Nutzlast gewonnen werden, welche hier im Detail nachzulesen sind. ICE verfügt über eine Power Margin von +28 Watt, ein Wert, der für einen Zeitpunkt nach vier Jahren im Einsatz projektiert wurde.

Als ein nächster Schritt ist der Versuch eines Bahnkorrekturmanövers für den 17. Juni 2014 geplant, wie UniverseToday berichtet. Das wird u.A. nötig, um sicherzustellen, dass ICE nicht auf dem Mond zerschellt, da sich die Sonde nicht am vom JPL vorausberechneten Punkt befunden hat, als Space College den Kontakt wiederherstellte. Auch ein Einschlag auf der Erde, bzw. in diesem Fall das Verglühen der Sonde, läge im Bereich des Möglichen, auch wenn die Wahrscheinlichkeiten für beide Szenarien gering sind.

Ziel des ICE Reboot Project ist es, ISEE 3 / ICE wieder in eine stabile Umlaufbahn um die Erde zu bringen und ihre wissenschaftlichen Instrumente der weltweiten akademischen Öffentlichkeit als freie Forschungsplattform zur Verfügung zu stellen.


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(Autor: Roman van Genabith - Quelle: AMSAT-DL, NASA, Space College, UniverseToday)


» Neue Einblicke in die Frühzeit des Sonnensystems
15.06.2014 - Wissenschaftlern aus Deutschland, der Schweiz und den USA ist es durch die Untersuchung von Eisenmeteoriten gelungen, den Zeitpunkt der Bildung von Planetenkernen in unserem Sonnensystem genauer als bisher zu datieren. Demnach bildeten sich die Kerne bereits 100000 bis 300000 Jahre nach der Kondensation der ersten festen Stoffe.
Die untersuchten Eisenmeteoriten sind Bruchstücke von Kernen so genannter Planetesimale. Als Planetesimale bezeichnen die Astronomen und Geologen Vorläufer und Bausteine von Planeten, die sich aus Staubteilchen bilden, die in einer sehr frühen Stufe der Entstehung von Planetensystemen einen neu entstandenen Stern umkreisen. Die Staubteilchen lagern sich aneinander und bilden so nach und nach immer größere Körper. Ab etwa einem Kilometer Größe werden diese Körper als Planetesimale bezeichnet. Bei dieser Größe kommt es bereits zu einer Differenzierung der Stoffe durch deren spezifisches Gewicht. Schwere Metalle sinken in den Kern ab, leichtere Stoffe bleiben an der Oberfläche und bilden eine Art Kruste. Aus den Kernbereichen stammen die Eisenmeteoriten, die die Wissenschaftler untersucht haben.

Die Gruppe hat das Vorkommen von Wolframisotopen in den Meteoriten ermittelt. Dies ist früher schon gemacht worden, allerdings hatte man dabei immer Probleme mit der kosmischen Strahlung, die das Ergebnis jeweils verfälschte. Den Wissenschaftlern um Thomas Kruijer von der Universität in Münster haben es nun geschafft, die Verfälschung zu quantifizieren und aus den Ergebnissen heraus zu rechnen. So konnten sie zeigen, dass sich die Planetenkerne schneller und früher gebildet haben, als bisher angenommen wurde. Schon 100000 bis 300000 Jahre nach der Kondensation der ersten festen Stoffe haben sich die Mutterkörper der Eisenmeteorite gebildet. Allerdings dauerte es dann noch mal etwa zwei Millionen Jahre, bis sich die Mutterkörper soweit differenziert hatten, dass sich Eisenkerne ausbilden konnten. Der Grund: Die Mutterkörper waren zunächst zu kalt. Sie mussten sich erst erhitzen und aufschmelzen, damit in der Schmelze die schweren Metalle nach unten sinken und die Kerne bilden konnten.

Der weitere Prozess der Planetenbildung dauerte dann noch einmal etwa 100 Millionen Jahre. Dabei haben sich die Planeten der Theorie zufolge aus vielen Planetesimalen zusammengefügt.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: Universität Münster, weltderphysik.de)


» ALMA untersucht dunkle Gammastrahlenausbrüche
15.06.2014 - Durch Beobachtungen mit dem Radioteleskopverbund ALMA konnten Astronomen jetzt erstmals direkt den Anteil von Gas und Staub in Galaxien ermitteln, in denen sich in der Vergangenheit Gammastrahlenausbrüche ereignet haben. Völlig überraschend wurde dabei weniger Gas und entsprechend sehr viel mehr Staub beobachtet als erwartet. Dies könnte die Existenz von dunklen GRBs erklären, bei denen kein für derartige Ausbrüche typisches Nachleuchten zu beobachten ist.
Gammastrahlenausbrüche (kurz "GRB") stellen die hellsten und energiereichsten Explosionen dar, welche jemals im Universum beobachtet wurden. Bei etwa 70 Prozent aller beobachteten GRBs handelt es sich um Gammastrahlenblitze, welche länger als mindestens zwei Sekunden andauern. Derartige ’langandauernde GRBs’ werden von den Astronomen mit Supernova-Explosionen in Zusammenhang gebracht. Sobald ein Stern, welcher ursprünglich über mindestens etwa 20 Sonnenmassen verfügt, seinen für die Kernfusion benötigten nuklearen Brennstoff aufgebraucht hat, kollabiert dieser unter seiner eigenen Masse zu einem schwarzen Loch.

Im Rahmen dieser Explosion setzt ein typischer Gammastrahlenausbruch in nur wenigen Sekunden so viel Energie frei, wie die Sonne in ihrem gesamten, etwa zehn Milliarden Jahre andauernden Leben. Dabei bilden sich Plasma-Jets aus, welche mit nahezu Lichtgeschwindigkeit nach außen schießen. Diese Jets bahnen sich zunächst ihren Weg durch den kollabierten Stern und treffen dann mit dem zuvor ausgeworfenen Gas des Sterns zusammen. Dabei werden Schockfronten und ein auch im sichtbaren Lichtspektrum zu erkennendes helles ’Nachleuchten’ erzeugt, welches sich mit der Zeit abschwächt.

Allerdings erzeugen einige Gammastrahlenblitze seltsamerweise kein solches Nachleuchten, weshalb derartige Ausbrüche von den Astronomen auch als ’dunkle Blitze’ bezeichnet werden. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen bestand bereits seit längerem darin, dass relativ kompakte Staubwolken die Strahlung des Nachleuchtens absorbieren. Diese Vermutung hat sich jetzt durch neue Forschungen erhärtet.

ALMA entdeckt molekulares Gas...

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler versucht zu entschlüsseln, wie sich GRBs bilden und warum dabei bei einigen kein Nachleuchten zu beobachten ist. Hierzu wurden deren Ursprungsgalaxien untersucht. Die Astronomen gingen dabei allgemein davon aus, dass die massereichen GRB-Vorläufersterne in aktiven Sternentstehungsgebieten zu finden wären, welche naturgemäß von großen Mengen molekularen Gases umgeben sind. Allerdings konnte diese Theorie bisher nicht durch entsprechende Beobachtungen bestätigt werden.

Jetzt ist es allerdings einer Gruppe von japanischen Astronomen gelungen, mit dem in der nordchilenischen Atacamawüste befindlichen Radioteleskopverbund ALMA die Radioemissionen von molekularem Gas in zwei GRB-Ursprungsgalaxien zu detektieren, welche sich in Entfernungen von 4,3 Milliarden beziehungsweise 6,9 Milliarden Lichtjahren zu unserer Heimatgalaxie befinden. Ermöglicht wurde dies durch die bisher unerreichte hohe Empfindlichkeit des Radioteleskopverbundes. Die Sensitivität von ALMA fiel bei den entsprechenden Beobachtungen etwa fünfmal besser aus als bei vorherigen Observationen mit anderen Teleskopen.

"Wir haben seit über zehn Jahren mit verschiedenen Teleskopen auf der ganzen Welt nach molekularem Gas in GRB-Ursprungsgalaxien gesucht. Als Ergebnis unserer harten Arbeit ist uns nun endlich mit ALMA ein beachtlicher Durchbruch gelungen. Wir sind sehr begeistert von dem, was wir erreicht haben", so Professor Kotaro Kohno von der Universität Tokio, einer der Mitarbeiter der Forschungsgruppe.

...und ungewöhnlich viel Staub

Ebenfalls dank des hohen Auflösungsvermögens von ALMA war es dabei zudem möglich, den Anteil und die Verteilung des molekulares Gas im Vergleich zu dem interstellaren Staub in den GRB-Ursprungsgalaxien zu bestimmen. Das Verhältnis der Staubmasse zur Masse des molekularen Gases liegt im interstellarem Medium der Milchstraße und anderer nahegelegener, sternbildender Galaxien bei etwa einem Prozent. Die ALMA-Daten ergaben, dass der Staubanteil in der Umgebung von GRB 020819B dagegen mindestens 10mal höher ausfällt. Eine ähnliche Verteilung wurde im Bereich des weiter entfernt gelegenen GRB 051022 beobachtet, muss wegen der entfernungsbedingt geringeren Auflösung von ALMA allerdings erst noch durch Nachfolgebeobachtungen bestätigt werden.

"Wir haben nicht erwartet, dass GRBs in einem derartig staubigen Umfeld mit einem niedrigen Verhältnis von molekularem Gas zu Staub auftreten würden. Das deutet darauf hin, dass der Gammastrahlenausbruch sich in einer Umgebung ereignet hat, die sich stark von einem typischen Sternentstehungsgebiet unterscheidet", so Bunyo Hatsukade vom National Astronomical Observatory in Japan, der Leiter der Forschungsgruppe. Dies lässt darauf schließen, dass die massereichen Vorgängersterne der GRBs das Umfeld ihrer jeweiligen Sternentstehungsgebiete verändert haben, bevor sie als Supernova endeten.

Staub als Ursache für ’dunkle’ Gammastrahlenausbrüche

Eine Erklärung für den hohen Staubanteil in der Umgebung der untersuchten GRBs könnte darin liegen, dass molekulares Gas und Staub unterschiedlich auf ultraviolette Strahlung reagieren. Die Bindungen zwischen Atomen, aus denen sich Moleküle zusammensetzen, kann leicht durch ultraviolette Strahlung aufgebrochen werden. Dies hat zur Folge, dass interstellares molekulares Gas - anders als der interstellare Staub - auf Dauer nicht in einem Umfeld bestehen kann, welches der starken ultravioletten Strahlung ausgesetzt ist, die von einem heißen und massereichen Stern in seinem Sternentstehungsgebiet ausgeht.

"Die Ergebnisse, die wir jetzt erhalten haben, haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir müssen weitere Beobachtungen für andere GRB-Ursprungsgalaxien durchführen, um zu sehen, ob es sich dabei um allgemeine Bedingungen im Umfeld eines GRB handelt. Wir freuen uns auf die zukünftige Forschung mit der verbesserten Leistungsfähigkeit von ALMA", so Bunyo Hatsukade weiter. Auf jeden Fall stützen die bisherigen Beobachtungsdaten von ALMA jedoch die Vermutung, dass Staub in den Ursprungsgalaxien die Strahlung des Nachglühens eines GRBs absorbiert und somit für das Auftreten von ’dunklen’ Gammastrahlenblitzen verantwortlich ist.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden von den beteiligten Wissenschaftlern am 12. Juni 2014 unter dem Titel "Two gamma-ray bursts from dusty regions with little molecular gas" in der Fachzeitschrift Nature publiziert. Bei dieser Arbeit handelt es sich zugleich um die erste Veröffentlichung von wissenschaftlichen Ergebnissen, bei denen Daten des ALMA-Teleskopverbundes im Rahmen der Untersuchung von Gammastrahlenausbrüchen verwendet und publiziert wurden.

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Fachartikel von B. Hatsukade et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Google investiert in Raumfahrtsektor
16.06.2014 - Der Suchmaschinen- und Smartphoneriese steht vor größeren Investitionen im Raumfahrtbereich. So steigt Google durch die Übernahme von Skybox Imaging in die kommerzielle Erdbeobachtung ein und denkt über eine Beteiligung an Virgin Galactic nach.
Der Suchmaschinengigant steht scheinbar vor einem umfangreicheren Engagement im Raumfahrtbereich. Wie bereits länger vermutet, übernimmt Google den Satellitenbildanbieter Skybox Imaging, wie das Unternehmen am 10. Juni bekannt gab.

Bei Skybox Imaging handelt es sich um ein Startup, das hochauflösende Bilder der Erdoberfläche kommerziell vermarkten möchte. Zu diesem Zweck plant es bis 2017 eine Flotte von 24 Satelliten aufzubauen. Eine Besonderheit der Skybox-Satelliten soll ihr vergleichsweise günstiger Preis bei geringem Gewicht werden. So bemüht sich Skybox konsequent, Standard-Elektronikkomponenten, etwa aus der Automobil- und Smartphonefertigung, zu verwenden. Softwareseitig möchte Skybox auf OpenSource-Lösungen setzen.

Die Anfänge des Unternehmens liegen bei den sogenannten CubeSats, Kleinstsatelliten, die als zusätzliche Nutzlast bei Satellitenstarts mitgenommen werden, meist ohne eigenen Antrieb auskommen, und von Nachwuchsforschern oder Startupunternehmen ohne raumfahrtübliche Budgets realisiert werden. CubeSats wurden auch schon als Zusatznutzlast zur Internationalen Raumstation ISS befördert und dort von Astronauten manuell ausgesetzt, Raumfahrer.net berichtete.

Ende 2013 startete SkySat 1, der erste Satellit des geplanten Netzwerks, mit einem Arbeitsgewicht von ca. 100 kg vom russischen Jasny auf einer Dnepr-Rakete und liefert seitdem HD-Bilder und -Videos mit einer räumlichen Auflösung von bis zu einem Meter/Pixel. Zum Vergleich: NASAs Landsat 8 erzielt eine räumliche Auflösung von 50-100 Metern und verfügt über ein Gewicht von 2000 kg.

In wie weit sich die SkySat-Satelliten aufgrund der Verwendung handelsüblicher Elektronikkomponenten anfälliger gegenüber solarer und kosmischer Strahlung zeigen werden, bleibt abzuwarten. Der Einzelstückpreis der Satelliten soll jeweils unter 50 Millionen US-Dollar gehalten werden.

Eine bemerkenswerte Rolle spielte Skybox Imagings SkySat 1 vor Kurzem bei der Suche nach dem verschwundenen Flug MH370 der Malaysia Airlines, an der sich der Satellit beteiligte, leider ohne Erfolg.

Warum Google Satelliten braucht
Unternehmen wie Skybox passen hervorragend ins Portfolio des Suchmaschinenriesen. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht, füllt der 500 Millionen US-Dollar-Zukauf bei Google eine Lücke aus. Für seinen Kartendienst Maps, und den verwandten Dienst Google Earth benötigt Google eine enorme Menge an Bildmaterial, das es bislang auf verschiedenen Quellen zusammengetragen und zu der Karte der Welt zusammengesetzt hat, auf die viele Menschen tagtäglich zugreifen, ob am Smartphone, Tablet oder Desktopcomputer.

Diese Bilder sind stellenweise schon mehrere Jahre alt und lassen allgemein auch teils an Präzision vermissen. Eine eigene Satellitenflotte würde Google von dritten Quellen unabhängiger machen. Ein weiteres Motiv hinter dem Verkauf vermuten Branchenkenner in dem Bestreben Googles bisher unterversorgte Weltregionen mit dem Internet zu verbinden. Hierfür hat Google das Prokect Loon ins Leben gerufen. Hoch fliegende, mit solarbetriebener mobiler Zugangstechnik ausgestattete Ballons sollen einen einfach realisierbaren Internetzugang ohne aufwendige bodengebundene Infrastruktur ermöglichen.

Die Ballons verfügen dabei über keinen aktiven Antrieb, sondern sollen in Windströmungen auf genau kalkulierten Bahnen um die Erde treiben, ein Ansatz, der in der Vergangenheit noch zu größeren Problemen führte. Projektleiter Mike Cassidy erläuterte in einem Blogeintrag, wie man künftig gedenke die Kurse der Ballons zuverlässiger zu halten. Eine mögliche Ergänzung der Ballonlösung durch stratosphärische Drohnen spielt womöglich ebenfalls eine Rolle bei diesem Unternehmen, so kaufte Google vor Kurzem auch das Drohnenstartup Titan Aerospace, einen Hersteller von Drohnen, die von Titan wegen ihrer hohen Flughöhe auch „Satelliten für die Atmosphäre“ genannt werden.

Die solarbetriebenen Drohnen, von denen die Größere der bislang zwei Modelle eine Spannweite von 50 Metern aufweist, sollen bis zu fünf Jahre ohne Landung arbeiten können. Gedacht sind die Geräte des US-Startups u.A. für Kommunikations- und Katastrophenhilfsdienste.

Vor Google hatte auch das soziale Netzwerk FaceBook bereits 16 Millionen für Titan Aerospace geboten, Google machte, offenbar glaubhaft, deutlich, dass es jede Offerte des Social Networks überbieten würde. Über den letztendlichen Kaufpreis wurde zwischen beiden Firmen Stillschweigen vereinbart. Facebook arbeitet an einem ähnlichen Projekt wie Google mit seinen Onlineballon, dem internet.org, einer Initiative, in der noch zahlreiche weitere IT-Größen versammelt sind, darunter Nokia und Samsung.

Im Bereich der kommerziellen Erdbeobachtung sorgt zudem gerade eine Entscheidung der US-Regierung für Aufmerksamkeit, wie der IT-Branchendienst WinFuture berichtet. Die Grenze für die höchste zugelassene Auflösung von Aufnahmen des US-Staatsgebiets wird auf Dringen des Satellitenbetreibers Digital Globe von 50 auf 25 Zentimeter pro Pixel reduziert, eine Änderung, von der der im August von der Vandenberg Air Force Base startende WorldView 3 von Digital Globe mit einer maximalen Auflösung von 31 Zentimeter pro Pixel nach einer halbjährlichen Übergangsfrist bereits profitieren wird.

Aber der Skybox-Deal ist nicht Googles einziger Schritt in den Raumfahrtmarkt. Erst kürzlich wurden Gerüchte, wonach sich der Internetkonzern am Weltraumtouristikunternehmen Virgin Galactic beteiligen wollte, laut.

Demnach plane Google zunächst eine Minderheitenbeteiligung in Höhe von 30 Millionen US-Dollar, zusätzlich überlege man einige hundert Millionen US-Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen zu investieren, über das Google Zugriff auf Ressourcen von Virgin Galactic gewinnen könnte. Ob hier auf Technologie oder Patente spekuliert wird, steht dahin.

Und während die Engagements im Satelliten- und Drohnenmarkt relativ gut nachvollzogen werden können, gibt es für den Einstieg bei Virgin Galactic zunächst noch keine plausible Erklärung, zumal der Geschäftsbetrieb von Virgin Galactic bislang noch mit zahlreichen Fragezeichen behaftet ist.

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(Autor: Roman van Genabith - Quelle: Digital Globe, Google, SkyBox, Titan Aerosapce, WinFuture)


» Navsat GloNaSS-M 55 alias Kosmos 2500 im All
19.06.2014 - Vom Startplatz 43/4 des Kosmodroms Plessezk aus brachte eine Sojus-2.1b-Trägerrakete am 14. Juni 2014 einen neuen Satelliten für das russische Globale Navigations-Satelliten-System (Globalnaja Nawigationnaja Sputnikowaja Sistema) in den Weltraum. Der Start wurde von den russischen Raketentruppen durchgeführt, es war der vierte Satellitenstart in Pleszzek im Jahr 2014.
Die in allen Stufen mit Flüssigkeitstriebwerken ausgestattete Sojus-Rakete hob nach Angaben aus Russland um 19:16 Uhr und 48 Sekunden MESZ ab. Nach dem planmäßigen Verlassen der Startrampe um 21:16 Uhr Ortszeit (Moskauer Zeit) brachten die Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrennenden, von ZSKB-Progress gebauten Raketenstufen der Sojus die aus Fregat-Oberstufe von NPO Lawotschkin und dem Navigationssatelliten bestehende Orbitaleinheit auf eine Übergangsbahn.

Eine kurze Brennphase des Haupttriebwerks S5.92 der Oberstufe brachte die Orbitaleinheit dann von einer Übergangsbahn in einen Parkorbit. Anschließend war eine Transferbahn zu erreichen, deren von der Erde entferntester Bahnpunkt schon im Bereich des geplanten Zielorbits liegt. Danach brachte ein dritter Triebwerkseinsatz der Oberstufe die Orbitaleinheit auf die Zielbahn.

Der Navigationssatellit wurde schließlich um 22:48 Uhr MESZ von der Oberstufe abgetrennt. Er gelangte auf einen 19.133 x 19.163-Kilometer-Orbit mit einer Neigung gegen den Erdäquator von etwa 64,77 Grad. Nach Angaben von Aleksey Zolotukhin von den russischen Raketentruppen wurde die vorgesehene Umlaufbahn erreicht.

Das Bahnverfolgungs- und Satellitenkontrollzentrum German Titow alias Golizyno 2 in Krasnoznamensk westlich von Moskau übernahm um 22:53 Uhr MESZ die Kontrolle des Satelliten. Telemetriedaten vom Satelliten sprechen dafür, dass der neue Erdtrabant wie für den Moment vorgesehen funktioniert.

Der nach dem Start als Kosmos 2500 bezeichnete Satellit vom Typ GloNaSS-M besitzt zusätzlich zu seiner für die Modelle der Reihe M typischen Ausstattung für die Bandbereiche L1 und L2 eine Demonstrationsnutzlast für die Ausstrahlung von Signalen im L3-Bandbereich mit einer Mittenfrequenz von 1.202,025 MHz.

Kosmos 2500 ist ein Erzeugnis von Reschetnjow Informational Satellite Systems in Schelesnogorsk bei Krasnojarsk in Sibirien. Der Satellit mit einer Startmasse im Bereich von 1.415 Kilogramm basiert auf dem druckbeaufschlagten Satellitenbus vom Typ Uragan-M. Seine Auslegungsbetriebsdauer beträgt sieben Jahre.

In der GloNaSS-Konstellation belegt der Satellit in der Ebene 3 den Slot 21, wo er ein alterndes, vor sechs Jahren gestartetes Raumfahrzeug zu ersetzen hat.

GloNaSS-M 55 alias Kosmos 2500 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 40.001 und als COSPAR-Objekt 2014-032A.

Liste und Status der Satelliten der GloNaSS-Konstellation:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ITAR-TASS, Reschetnjow, RIA Novosti, RT)


» Chinas Wettersatellit Feng Yun 3C im Regelbetrieb
19.06.2014 - Am 5. Mai 2014 übergab die chinesische Behörde für Wissenschaft, Technik und Verteidigungsindustrie den Wettersatelliten Feng Yun 3C offiziell an das Chinesische Meteorologische Amt (CMA). Seit dem 10. Juni 2014 ist Feng Yun 3C im Regelbetrieb im Einsatz.
Bis mindestens 2018 soll der am 23. September 2013 vom Satellitenstartzentrum Taiyuan aus auf einer Rakete des Typs Langer Marsch 4C ins All transportierte Feng Yun 3C nun benutzt werden, um von seiner polaren Umlaufbahn in einer mittleren Höhe von 836 Kilometern aus Wetter- und Klimadaten zu erfassen und zur Erde zu senden.

Für einen Erdumlauf benötigt Feng Yun 3C auf seiner sonnensynchronen, rund 98,75 Grad gegen den Erdäquator geneigten Bahn rund 101 Minuten.

Feng Yun 3C, Startmasse nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) rund 2.300 Kilogramm (unbetankt lt. WMO rund 2.250 Kilogramm) ersetzt den am 27. Mai 2008 gestarteten Feng Yun 3A. Zusammen mit Feng Yun 3B, seit dem 4. November 2010 im All, ist es dem CMA weiter möglich, die Erde von zwei Wettersatelliten mit einer Wiederholrate von sechs Stunden beobachten zu lassen.

Feng Yun 3A, 3B und 3C gehören zur zweiten Generation chinesischer Wettersatelliten auf polaren Umlaufbahnen. Gegenüber älteren können sie ihre Beobachtungen auf einer größeren Zahl unterschiedlicher Frequenzen tätigen, und Bilder mit verbesserter Auflösung liefern. Sie messen unter anderem Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt der Luft, erfassen die Wolkenbedeckung und bestimmen die Intensität vom Erdboden reflektierter Strahlung.

Nach Angaben des CMA hat sich in einer dreimonatigen Testphase nach dem Start herausgestellt, dass die Leistungen des neuen Satelliten den Erwartungen entsprechen und über denjenigen liegen, die Feng Yun 3A und 3B zeigten bzw. zeigen.

Messdaten und Bilder von Feng Yun 3C empfangen die drei Bodenstationen Guangzhou, Jiamusi und Urumqi in China sowie eine im schwedischen Kiruna. In der chinesischen Hauptstadt Peking steht eine Reservestation bereit.

Daten von Feng Yun 3C spielten bereits eine Rolle bei Beobachtungen von Feuern in der inneren Mongolei, von Eis im Golf von Bohai, Schnee in Qinghai sowie von Staubstürmen und schweren Unwettern in Guangdong. Seit April 2014 kommt Feng Yun 3C außerdem im Rahmen der "International Charter on Space and Major Disasters" zum Einsatz.

Feng Yun 3C, auch als Fengyun-III 03 bezeichnet, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.260 und als COSPAR-Objekt 2013-052A.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: China News Service, China.org, Chainadaily.com, CMA, WMO)


» Rosetta: Viertes Korrekturmanöver erfolgreich beendet
20.06.2014 - Am vergangenen Mittwoch hat die Kometensonde Rosetta erfolgreich das vierte von insgesamt zehn Kurskorrekturmanövern durchgeführt. Mit diesen Manövern soll sichergestellt werden, dass die Raumsonde am 6. August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eintreten kann. Aktuelle Aufnahmen der Raumsonde zeigen zudem, dass die Aktivität des Kometen wieder abgenommen hat.
Am 6. August 2014 soll die von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Rosetta in einen Orbit um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko einschwenken und diesen auf seinem weiteren Weg in das innere Sonnensystem ’begleiten’. Voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2015 soll der Komet dabei mit insgesamt 21 verschiedenen wissenschaftlichen Instrumenten eingehend untersucht werden. Unter anderem soll hierzu im November 2014 auch ein von der Raumsonde mitgeführter Lander auf der Oberfläche des Kometen abgesetzt werden. Alleine Philae, so der Name dieser Landeeinheit, ist mit zehn Instrumenten ausgestattet.

Um erfolgreich in eine Umlaufbahn um ihr Ziel eintreten zu können muss Rosetta jedoch zuerst insgesamt zehn Kurskorrekturmanöver (engl. "Orbit Correction Manoeuvre", kurz "OCM") durchführen, mit denen die relative Geschwindigkeit der Raumsonde zu 67P/Tschurjumow-Gerasimenko schrittweise reduziert und der Verlauf der Flugbahn der Raumsonde relativ zu dem Kometen angeglichen wird. Die ersten drei Kurskorrekturen wurden bereits in den vergangenen Wochen durchgeführt (Raumfahrer.net berichtete).

Und auch bei dem am vergangenen Mittwoch durchgeführten vierten OCM, bei dem es sich um den dritten und zugleich letzten der "Big Burns" handelte, traten keine Probleme auf. Die vier bei dem entsprechenden Manöver eingesetzten Kurskorrekturtriebwerke zündeten um 15:17 MESZ und waren - wie vorgesehen - über einen Zeitraum von 136 Minuten aktiv.

Während des Manövers übermittelte die Raumsonde in Echtzeit aktuelle Telemetriewerte an die Erde. Diese Daten wurden nach einer Signallaufzeit von 24 Minuten und 22 Sekunden - immerhin betrug die Distanz zwischen der Erde und Rosetta während des Manövers etwa 434 Millionen Kilometer - von der in New Norcia/Australien befindlichen 35-Meter-Antenne des ESTRACK der ESA empfangen und von dort aus an das Rosetta-Kontrollzentrum am ESOC in Darmstadt weitergeleitet. Die exakte im Rahmen des Manövers erreichte Geschwindigkeitsreduzierung - geplant war eine Veränderung von 88,7 Metern pro Sekunde - wurde bisher noch nicht bekannt gegeben, dürfte aber den Erwartungen entsprechen.

In den kommenden Wochen - nämlich am 2., 9., 16. und 23. Juli sowie am 3. August - werden noch fünf weitere Korrekturmanöver erfolgen, durch welche allerdings jeweils deutlich geringere Veränderungen in der Geschwindigkeit der Raumsonde erreicht werden sollen. Im Rahmen dieser ’kleineren’ Korrekturen sollen auch die zuvor aufgetretenen minimalen Abweichungen in den vorherigen "Big Burns" ausgeglichen werden. Mit einem letzten Manöver soll Rosetta schließlich am 6. August in einer Entfernung von 100 Kilometern in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eintreten.

Die Aktivität des Kometen hat wieder nachgelassen

Verschiedene Aufnahmen, welche zwischen dem 24. März und dem 4. Mai 2014 von der OSIRIS-Kamera, der vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelten und betriebenen Hauptkamera der Raumsonde, aus Entfernungen zwischen fünf und zwei Millionen Kilometern zu ihrem Ziel angefertigt wurden, zeigten, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko in diesem Zeitraum eine den Kometenkern umgebende Koma ausgebildet hatte (Raumfahrer.net berichtete). Von dieser deutlich ausgeprägten Koma ist auf einer weiteren, erst am 4. Juni 2014 aus einer Distanz von rund 430.000 Kilometern angefertigten Aufnahme allerdings nicht mehr allzu viel zu erkennen.

"Der Komet ist mittlerweile zum Greifen nah - und lehrt uns dabei, das Unerwartete zu erwarten", so Dr. Holger Sierks vom MPS, der für die OSIRIS-Kamera verantwortliche wissenschaftliche Projektleiter. "Nachdem wir bereits Zeugen der einsetzenden Aktivität geworden sind, zeigen unsere aktuellen Bilder einen Kometen im Ruhezustand."

Weitere Fotos sind geplant

Diese Entwicklung ist nicht unbedingt überraschend, denn es ist bekannt, dass Kometen manchmal mehr, manchmal weniger aktiv sind. Langfristige Prognosen über die zukünftige Entwicklung sind dabei nur sehr schwierig zu tätigen. Die während der letzten Wochen angefertigten Aufnahmen verdeutlichen somit lediglich, wie schnell sich die Situation ändern kann. Die regelmäßigen Abbildungen des Kometen ermöglichen es den beteiligten Wissenschaftlern jedoch, das Einsetzen der Staubproduktion und deren weitere Entwicklung kontinuierlich zu dokumentieren und zu untersuchen.

"Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis wir eine detaillierte Gestalt ausmachen können", so Carsten Güttler, der OSIRIS-Projektmanager vom MPS. "Doch wir sind schon jetzt nicht mehr darauf beschränkt, die Helligkeit des Kerns zu untersuchen."

Derzeit beträgt der Abstand zwischen Rosetta und dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko weniger als 160.000 Kilometer und verringert sich weiter kontinuierlich. Die für die nächsten Wochen geplanten Aufnahmen werden deshalb deutlich mehr Informationen enthalten, da der Komet einen zunehmend größer werdenden Bildausschnitt im Gesichtsfeld der OSIRIS-Kamera einnehmen wird.

Gegenwärtig nimmt der lediglich vier Kilometer durchmessende Kern des Kometen auf den Aufnahmen der "Narrow Angle Camera" von OSIRIS noch eine Fläche von lediglich etwa einem Pixel ein. Dies ist deutlich zu wenig, um Details erkennen zu können. Schon in wenigen Wochen wird sich diese Situation jedoch grundlegend ändern. Bereits Anfang Juli wird der Komet eine Fläche von fünf Pixeln bedecken und zu Beginn des Monats August werden es dann bereits sogar 500 Pixel sein.

Öffentlichkeitsarbeit

Sowohl die OSIRIS-Kamera als auch die Navigationskameras von Rosetta haben während der letzten Monate immer wieder Aufnahmen von dem Zielkometen angefertigt, welche allerdings - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht im Internet veröffentlicht wurden. Die in Kürze deutlich besser werdende Auflösung der OSIRIS-Aufnahmen will die ESA jetzt jedoch zum Anlass nehmen, um auch der interessierten Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen Fotos des Kometen zugänglich zu machen. Ab dem 3. Juli ist dabei bis zum Rendezvousmanöver Anfang August die Veröffentlichung von jeweils einer Aufnahme pro Woche vorgesehen. Die entsprechenden Fotos sollen dann in der Rosetta-Bildgalerie sowie im Rosetta-Blog der ESA erscheinen.

So erfreulich dies auch sein mag. Es bleibt zu hoffen, dass diese Rate - ein Foto pro Woche erscheint dann doch noch etwas mager - in den danach folgenden Monaten noch erhöht wird...

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung)


» Planetenjäger CoRoT endgültig abgeschaltet
21.06.2014 - Das Weltraumteleskop CoRoT, das etliche Beträge bei der Suche von Exoplaneten lieferte, wurde diese Woche endgültig abgeschaltet. Sein letztes Kommando empfing das Raumfahrzeug am 17. Juni 2014.
Seit dem 27. Dezember 2006 kreist CoRoT, entstanden unter der Ägide der französischen Raumfahrtagentur (CNES) und in Zusammenarbeit mit einer Reihe von wissenschaftlichen Institutionen sowie der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA), um die Erde. Seit seiner Inbetriebnahme spürte es eine Reihe von Planeten auf, und lieferte Daten über die Sterne in den entsprechenden Systemen.

Seiner Aufgabe der Namensgebung "Convection, Rotation and Planetary Transits" entsprechend wurde CoRoT also gerecht. Unter den aus den von ihm gelieferten Daten herauslesbaren Objekten werden 37 bereits sicher als Exoplaneten verstanden. Für hunderte weitere Kandidaten ist die Datenauswertung noch nicht abgeschlossen.

Ursprünglich war die Missionsdauer des Weltraumteleskops auf drei Jahre festgelegt worden. Der gute Zustand von CoRoT erlaubte eine erste Missionserweiterung 2009, und eine zweite im Jahre 2012.

Am 2. November 2012 stellte das Hauptinstrument von CoRoT aber leider seine Arbeit ein. Der Ausfall geschah vermutliche wegen den Auswirkungen der permanent das Raumfahrzeug auf seinem Orbit um die Erde erreichenden Strahlung. Versuche, das Instrument wieder in Betrieb zu nehmen, waren nicht von Erfolg gekrönt.

Am Boden war es möglich, den aufgetretenen Fehler zu reproduzieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war das wissenschaftliche Instrument durch die ungeplante Abschaltung selbst nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Allerdings fand eine Komponente, die für einen Neustart der wissenschaftlichen Nutzlast benötigt wird, keine Verbindung mehr mit der Nutzlast.

Im Juni 2013 gab die CNES schließlich bekannt, dass man die endgültige Außerbetriebnahme des Weltraumteleskops in Angriff nehmen werde. Bis letztere begann, führte man eine Reihe technologischer Experimente durch, die auf Grund des Zustands von CoRoT noch möglich waren.

Im Dezember 2013 begannen die Arbeiten zur Stilllegung. In ihrem Rahmen wurde unter anderem die Flugbahn des Weltraumteleskops so verändert, dass sich ein möglichst tief liegender der Erde nächstliegender Bahnpunkt ergab. Um das zu erreichen, und einer Explosionsgefahr entgegenzuwirken, wurden die Triebwerke von CoRoT eingesetzt, bis die Treibstofftanks völlig entleert waren.

Das Perigäum von CoROT, also sein der Erde nächstliegender Bahnpunkt, lag Mitte dieser Woche im Bereich von 610 Kilometern über der Erde. Das Apogäum, der von der Erde am weitesten entfernte Bahnpunkt, lag zur gleichen Zeit im Bereich von 901 Kilometern über der Erde.

Am 17. Juni 2014 wurde von einem Kontrollzentrum der CNES im französischen Toulouse aus ein letztes Kommando zu CoRoT geschickt. Es wies das Raumfahrzeug an, die eigene Energieversorgung abzuschalten und bewirkte ohne Versorgung durch die Solarzellenausleger - Spannweite rund neun Meter - eine vollständige Entladung des Lithium-Ionen-Akkumulatorensatzes des Typs VES 100 vom Hersteller SAFT an Bord. Dr. Annie Baglin, mission PI (Projektleiterin) vom Observatoire de Paris Meudon, erledigte den nötigen Handgriff.

Einige Stunden nach dem letzten Kommando war es dann soweit, CoRoT verstummte nach 2.729 Tagen im All. Das Weltraumteleskop mit einer Startmasse von rund 605,2 Kilogramm wird noch eine gewisse Zeit die Erde umrunden und dann irgendwann beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerstört werden.

Wann mit einem Wiedereintritt zu rechnen ist, wurde aktuell nicht konkret mitgeteilt, jedoch gesagt, dass es bald sein wird. Im Astrophysikalischen Institut Paris (IAP) wurde im Oktober 2013 berichtet, dass die CNES für CoRoT von einem 649 x 906 km-Orbit aus mit etwas über 40 Jahren bis zum Wiedereintritt rechnet.

CoRoT ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 29.678 und als COSPAR-Objekt 2006-063A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CES, DLR, ESA, IAP, SAFT)


» Wettersatellit NOAA 16 nach Anomalie außer Dienst
21.06.2014 - Der US-amerikanische Wettersatellit NOAA 16 wurde am 9. Juni 2014 nach einer schwerwiegenden Anomalie außer Dienst gestellt. Genauere Informationen zu den jüngsten Fehlfunktionen an Bord des Satelliten am 6. Juni 2014 gab die US-amerikanische Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) nicht heraus.
NOAA 16 war als NOAA L am 21. September 2000 von der Luftwaffenbasis Vandenberg (Vandenberg Air Force Base, VAFB) aus auf einer Titan-II-Rakete in den Weltraum transportiert worden. Das Abheben der Trägerrakte war um 10:22 Uhr UTC erfolgt. Die Startmasse des unbetankt 1.479 Kilogramm schweren Satelliten hatte rund 2.232 Kilogramm betragen. Betankt war er mit 756,7 Kilogramm Treibstoff.

Nach einer rund halbjährigen Test- und Inbetriebnahmephase war der Satellit am 20. März 2001 in den Regelbetrieb überführt worden. Auf einem sonnensynchronen, polaren Orbit umkreiste er seit dem die Erde. Zunächst zog er seine Kreise in rund 870 Kilometern Höhe, mittlerweile ist er in und 849 Kilometern Höhe unterwegs.

Der von der Lockheed Martin Space Systems Company (LMSSC) gebaute Satellit, zuletzt als Reserveraumfahrzeug eingesetzt, ist einer der bisher am längsten betriebenen polaren Wettersatelliten der NOAA. Seine Regelaufgaben gab er im Jahre 2005 an NOAA 18 ab.

Bis zu seiner Außerdienststellung am 9. Juni 2014 um 14:20 Uhr UTC umrundete NOAA 16 die Erde 70.655 Mal. Dabei legte er über 3,38 Milliarden Kilometer zurück.

Die Auslegungsbetriebsdauer von NOAA 16 lag bei drei Jahren, man rechnete mit einem sinnvollen Einsatz des Raumfahrzeugs über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Ein zeitgenössisches Booklet zum Satelliten von NASA und NOAA gibt als Lebenserwartung "mehr als zwei Jahre" an.

Der zweite Satellit der fünften Generation polarer NOAA-Wettersatelliten (Advanced Television Infrared Observation Satellites, TIROS-N / ATN) ließ sich jedoch deutlich länger nutzbringend betreiben.

Der Satellit erfüllte neben seinen meteorologischen Aufgaben auch eine im Weltraumsegment des internationalen Such- und Rettungssystems SARSAT. SARSAT steht für "Search and Rescue Satellite-Aided Tracking", auf Deutsch "Satellitenortungssystem für den Such- und Rettungsdienst". Das System verbessert seit 1982 die Sicherheit in Luft- und Seefahrt.

Weltweit konnten über 37.000 Menschenleben seit Einführung von SARSAT mit dessen Unterstützung gerettet werden. In den Vereinigten Staaten von Amerika und den angrenzenden Gewässern waren es seit dem Programmstart über 7.300 Menschen.

NOAA 16 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 26.536 und als COSPAR-Objekt 2000-055A.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NOAA)


» Plutomission New Horizons: Der letzte Checkout
21.06.2014 - Vor wenigen Tagen hat die Raumsonde New Horizons erneut ihren Hibernationsmodus verlassen. Während der kommenden neun Wochen stehen ausführliche Überprüfungen der Systeme auf dem Programm, bevor die Raumsonde am 29. August zum letzten Mal vor dem Erreichen des Pluto in den Tiefschlafmodus versetzt werden soll.
Seit ihrem Start am 19. Januar 2006 hat die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde New Horizons auf ihrem Weg zu dem Zwergplaneten Pluto mittlerweile eine Distanz von mehr al 4,76 Milliarden Kilometern zurückgelegt. Nach ihrem am 28. Februar 2007 erfolgten Vorbeiflug an dem Planeten Jupiter befand sich die Raumsonde dabei die meiste Zeit in einem Hibernations-Modus - einem "Schlafmodus", in dem sämtliche nicht für den Betrieb der Sonde zwingend benötigten Instrumente und Systeme vorübergehend deaktiviert sind.

Eine Ausnahme stellt dabei lediglich das "Venetia Burney Dust Counter"-Experiment dar. Hierbei handelt es sich um ein Instrument zur Untersuchung von kosmischen Staubpartikeln entlang der gesamten Flugroute der Raumsonde, welches die auftreffenden Partikel zählt und zugleich deren Masse bestimmen kann. Venetia ist das einzige der sieben von New Horizons mitgeführten wissenschaftlichen Instrumente, welches während der meisten Zeit des Fluges aktiv ist und Daten sammelt.

Lediglich einmal pro Woche wird von der Raumsonde ein kurzes Zustandssignal an das Deep Space Network (DSN) der NASA übermittelt, welches den für den Betrieb von New Horizons zuständigen Technikern und Ingenieuren Aufschluss über den Gesamtzustand der Raumsonde gibt.

Außerdem wird die Raumsonde in regelmäßigen Abständen für jeweils mehrere Wochen aus diesem Schlaf-Modus aufgeweckt, um die Software der Raumsonde mit Updates zu versehen und eventuell notwendige Kurskorrekturmanöver durchzuführen. Zugleich werden bei diesen als "Annual Checkouts" (kurz "ACO") bezeichneten Gelegenheiten die während der letzten Monate von dem Dust Counter Experiment gesammelten Daten sowie ausführliche Telemetriewerte der Sonde an das Kontrollzentrum übermittelt. Zusätzlich werden diese Wachphasen außerdem dazu genutzt, um die wissenschaftlichen Instrumente und die verschiedenen elektronischen Komponenten von New Horizons einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen.

Der achte und finale "Annual Checkout" hat begonnen

Und genau dies ist jetzt wieder der Fall. New Horizons hat am 15. Juni 2014 den Hibernationsmodus verlassen und das für die Kontrolle der Raumsonde verantwortliche Team hat mit einem weiteren Annual Checkout begonnen. Dieser ACO-8 stellt dabei die letzte umfassende Systemüberprüfung vor dem Beginn der eigentlichen Anflugsphase an den Pluto dar. Eine erste Auswertung der an diesem Tag übermittelten Telemetriewerte ergab, dass alle Systeme der Raumsonde wie vorgesehen arbeiten.

"New Horizons befindet sich in einem guten Gesamtzustand und ist bereit für den letzten großen Sommer-Check vor dem Erreichen des Pluto", so Alice Bowman vom Applied Physics Laboratory (JHU/APL) an der Johns Hopkins University in Laurel im US-Bundesstaat Maryland, von wo aus die Mission geleitet wird.

Während der letzten Tage wurden über das NASA-DSN zunächst weiterführende Kommandos an New Horizons übermittelt, durch welche die Raumsonde für den finalen Checkout konfiguriert werden sollte. Erste Checkout-Aktivitäten beinhalten dabei die intensive Überprüfung des Computersystems. Anschließend soll unter anderem auch der Zustand der Sternsensoren und der Sonnensensoren ermittelt werden, durch deren Einsatz es New Horizons möglich ist, die jeweilige aktuelle Position und Orientierung im Weltraum autonom zu bestimmen und gegebene Abweichungen durch den Einsatz von Lagekontrolltriebwerken selbstständig zu korrigieren. Eine solche Lageregelung ist zum Beispiel nötig, um die Instrumente der Raumsonde exakt auf ein zu untersuchendes Ziel ausrichten zu können.

Ende Juni soll dann im Rahmen einer viertägigen Kampagne die endgültige Version der New Horizons-Flugsoftware an die Raumsonde übertragen werden, durch die alle während des Vorbeifluges an Pluto durchzuführenden Aktivitäten autonom gesteuert werden sollen. Aufgrund der großen Entfernung zwischen dem Pluto und der Erde - obwohl New Horizons bis zum Erreichen des Pluto in den kommenden fast 13 Monaten noch mehr als 450 Millionen Kilometer zurücklegen muss beträgt die Signallaufzeit bereits jetzt drei Stunden und 58 Minuten - hat das für die Steuerung der Raumsonde verantwortliche Team keine Möglichkeit, um zeitnah aktiv in den vorgesehenen Arbeitsablauf einzugreifen.

Vielmehr müssen die Kommandos für die durchzuführenden Beobachtungssequenzen bereits im Vorfeld an New Horizons übermittelt, zunächst im Speicher des Bordcomputers abgelegt und anschließend autonom durchgeführt werden. Außerdem beinhaltet diese Software verschiedene Szenarios, mit denen New Horizons selbstständig auf während des Vorbeifluges auftretende Probleme reagieren kann.

Des weiteren sollen in den kommenden Wochen sowohl das Primär- als auch das Backupsystem der Raumsonde sowie die verschiedenen Instrumente intensiv getestet werden. Letztere sollen bei dieser Gelegenheit ebenfalls mit Software-Updates versehen und erneut kalibriert werden. Durch diese Updates sollen die Instrumente in die Lage versetzt werden, auch bereits aus größeren Entfernungen wissenschaftlich verwertbare Daten von dem Zwergplaneten Pluto und seinen derzeit fünf bekannten Monden zu sammeln.

Außerdem soll die LORRI-Kamera, die wissenschaftliche Hauptkamera der Raumsonde, erstmals eingesetzt werden, um eine optische Navigationskampagne durchzuführen, welche dem verantwortlichen Team dabei helfen soll, den Kurs der Raumsonde zu verfolgen und den Verlauf der Flugbahn zu verfeinern.

Sollte es sich als nötig erweisen, so ist für den 15. Juli 2014 außerdem ein zusätzliches Kurskorrekturmanöver vorgesehen, durch welches die Raumsonde auf einen exakten Kurs zu dem Rendezvouspunkt gebracht werden soll, an dem New Horizons am 14. Juli 2015 den Pluto gegen 14:50 MESZ passieren wird.

Zuvor wird die Raumsonde jedoch am 25. August 2014 die Umlaufbahn des Neptun, des sonnenfernsten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems überschreiten. Am 29. August 2014 soll New Horizons dann zum letzten Mal vor dem Erreichen des Pluto in den Tiefschlafmodus versetzt werden, welcher dann allerdings bereits im Dezember 2014 wieder beendet werden soll. Ab diesem Zeitpunkt sind regelmäßige Beobachtungen des Zwergplaneten vorgesehen, welche ab dem April 2015 täglich erfolgen werden. Ab etwa 90 Tage vor dem Vorbeiflug wird die LORRI-Kamera in der Lage sein, Aufnahmen der Plutooberfläche zu erstellen, welche über bessere Auflösungen als das Weltraumteleskop Hubble verfügen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JHU/APL)


» New Horizons: Die Suche nach dem nächsten Ziel
22.06.2014 - Die an der Mission New Horizons beteiligten Wissenschaftler suchen derzeit nach einem im Kuipergürtel des Sonnensystems gelegenen Zielobjekt, welches von der Raumsonde nach dem Passieren des Pluto angesteuert und ebenfalls untersucht werden soll. Hierfür wurde in den letzten Tagen auch das Weltraumteleskop Hubble eingesetzt.
Zeitgleich zu dem gegenwärtig stattfindenden "Annual Checkout" (Raumfahrer.net berichtete) sind die in die Mission der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde New Horizons involvierten Mitarbeiter derzeit noch mit einer weiteren Aufgabe beschäftigt.

Seit ihrem Start am 19. Januar 2006 hat die Raumsonde New Horizons auf ihrem Weg zu dem Zwergplaneten Pluto mittlerweile eine Distanz von mehr als 4,76 Milliarden Kilometern zurückgelegt. Nach weiteren 3,08 Astronomischen Einheiten - dies entspricht in etwa einer Entfernung von 460 Millionen Kilometern - wird die Raumsonde am 14. Juli 2015 den Pluto erreichen und dessen Oberfläche in einer Entfernung von etwa 12.500 Kilometern passieren. Neben dem Zwergplaneten sollen in den Wochen und Monaten vor und nach dem Vorbeiflug auch dessen fünf derzeit bekannte Monde ausführlich mit den sieben Instrumenten der Raumsonde untersucht werden.

Allerdings ist es aufgrund der hohen Geschwindigkeit, mit der sich New Horizons durch das Weltall bewegt nicht möglich, die Raumsonde in eine Umlaufbahn um den Pluto zu dirigieren. Hierfür müsste die Geschwindigkeit der Raumsonde um etwa 90 Prozent reduziert werden. Für ein derartiges Bremsmanöver wäre allerdings deutlich mehr Treibstoff notwendig als New Horizons mitführt. Aus diesem Grund wird die Raumsonde nach dem Vorbeiflug am Pluto weiter in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vordringen.

Um New Horizons trotzdem auch weiterhin für wissenschaftliche Forschungen einsetzen zu können wurde bereits bei der Erstellung des Missionsprofils vorgeschlagen, die Raumsonde nach der Plutopassage mit dem dann noch zur Verfügung stehenden Treibstoff zu eine weiteren, eventuell auch zu zwei Objekten im Bereich des inneren Kuiper-Gürtels zu dirigieren. Sehr wahrscheinlich, so die damalige Prognose, würden diese neuen Ziele über Durchmesser von weniger als 100 Kilometern verfügen und aufgrund der größeren Distanz zur Sonne fotografisch weniger gut zu beobachten sein als der Pluto. Um trotzdem aussagekräftige Daten gewinnen zu können müsste New Horizons diese Objekte in einem möglichst dichten Abstand - als wünschenswert wird hierbei eine Entfernung von wenigen Tausend Kilometern genannt - passieren.

Diese Vorbeiflüge sind für den Zeitraum von frühestens Mitte 2016 bis in etwa 2020 vorgesehen. Allerdings rechnet das New Horizons-Team damit, dass der mit einem Radioisotopengenerator ausgestatteten Raumsonde noch bis etwa zum Jahr 2025 genügend Energie zur Verfügung stehen wird, um eine sinnvolle Beobachtung dieser Objekte durchzuführen. Je mehr Zeit jedoch vergeht, umso größer wird allerdings die Wahrscheinlichkeit, aus Energiemangel eines oder mehrere Instrumente deaktivieren zu müssen und auch die Datentransferrate würde aufgrund der sich ständig vergrößernden Entfernung zur Erde immer weiter sinken. Zum Vergleich: Für die vollständige Übermittlung aller bei Pluto zu sammelnden Daten ist ein Zeitraum von etwa sechs Monaten veranschlagt.

Die Suche nach einem KBO

Bereits seit mehreren Jahren befinden sich die Astronomen auf der Suche nach einem geeigneten "Kuiper Belt Object" (kurz "KBO"), waren dabei bisher aber leider nicht erfolgreich. Keiner der bisher im Rahmen der entsprechenden Beobachtungskampagnen entdeckten 52 KBOs kann mit den nach dem Pluto-Flyby noch zur Verfügung stehenden Treibstoffvorräten erreicht werden. Zum Ansteuern des am ehesten zu erreichenden Objektes, dem KBO 2011 HZ102, wäre eine Geschwindigkeitsveränderung von 210 Metern pro Sekunde erforderlich. Der Treibstoff von New Horizons reicht jedoch lediglich aus, um nach dem Pluto-FlyBy eine Veränderung von etwa 130 Metern pro Sekunde zu erzeugen.

Der Grund für die geringe Anzahl der im Rahmen der bisherige Suchkampagne neu entdeckten KBOs ist, dass diese Himmelskörper aufgrund ihrer großen Entfernung zur Sonne und des geringen Durchmessers nur sehr wenig Sonnenlicht reflektieren. Zudem fällt ihre Eigenbewegung am Himmel nur minimal aus. Zusätzlich erschwert wurde die Suche dadurch, dass sich Pluto - und damit auch das Gebiet, welches New Horizons nach dem Passieren des Zwergplaneten erreichen kann - in den vergangenen Jahren vor einem sehr sternreichen Hintergrund im Sternbild Schütze bewegt hat. Mit diesen unzähligen Lichtpunkten im Sichtfeld der Teleskope ist es überaus schwierig, ein lichtschwaches Objekt auszumachen, welches sich in mehreren Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde gegenüber dem Sternenhintergrund nur äußerst langsam bewegt. Einen Eindruck über das damit verbundene ’optische Chaos’ vermitteln eventuell die Aufnahmen in diesem Bericht auf unserer Portalseite, der allerdings nicht auf die Mission New Horizons bezogen ist.

Potentielle Zielobjekte fallen deshalb in dem dicht mit Hintergrundsternen vollgepackten Himmelsabschnitt kaum auf und können bestenfalls durch den Einsatz von Großteleskopen entdeckt werden. Allerdings wurden einige der bisherigen Beobachtungskampagnen von schlechten Witterungsbedingungen oder technischen Problemen mit den vorgesehenen Beobachtungsinstrumenten beeinträchtigt, so dass die an der Suchkampagne beteiligten Astronomen weniger Beobachtungsdaten erhielten als geplant. Mittlerweile hat sich diese Situation jedoch etwas verbessert. Der ’Hintergrund’ enthält inzwischen weniger Sterne als noch vor wenigen Monaten. Aus diesem Grund wurde die Suche nach einem geeigneten KBO jetzt noch einmal intensiviert.

Die Zeit wird knapp

Dies ist auch dringend notwendig, denn langsam läuft den an der New Horizons-Mission beteiligten Wissenschaftlern die Zeit davon. Um nach dem Pluto-FlyBy ein weiteres Objekt ansteuern zu können muss dessen Umlaufbahn um die Sonne zunächst mit extrem hoher Genauigkeit bekannt sein. Ein entsprechendes Kurskorrekturmanöver von New Horizons müsste zudem baldmöglichst nach der Plutopassage erfolgen. Um dieses Manöver im Sommer 2015 auch mit der erforderlichen Präzision durchzuführen muss ein potentielles Ziel deshalb innerhalb der nächsten zwei Monate entdeckt werden. Nur dann bleibt genügend Zeit, um den Orbit des potentiellen Ziels mit der erforderlichen Genauigkeit zu ermitteln.

Das Hubble Space Telescope soll helfen

Neben den bereits zuvor eingesetzten erdgebundenen Observatorien kommt hierbei mittlerweile auch das Weltraumteleskop Hubble zum Einsatz. Im Gegensatz zu Teleskopen auf der Erdoberfläche verfügt das Hubble Space Telescope (kurz "HST") über den Vorteil, dass die durchzuführenden Beobachtungen nicht durch die Erdatmosphäre beeinträchtigt werden. Dies hat allerdings auch zur Folge, dass die Beobachtungszeit mit dem HST unter professionellen Astronomen extrem begehrt ist. Jede Anfrage auf Beobachtungszeit ist mit einem Antrag verbunden, in dem die Wissenschaftler ihre wissenschaftlichen Zielsetzungen beschreiben und zudem erläutern müssen, warum nur das HST und nicht etwa andere Teleskope diese Ziele erreichen kann.

Dementsprechend groß war die Freude unter den Mitarbeitern der New Horizons-Mission, als der für die Vergabe der Beobachtungszeiten verantwortliche Experten-Ausschuss am 13. Juni 2014 einen Antrag bewilligte, mit dem die Suche nach einem weiteren Ziel für New Horizons im Kuipergürtel fortgesetzt werden kann. Mit dem HST, so die Erwartungen der beteiligten Astronomen, sollten sich KBOs abbilden lassen, die bis zu 1,8 mag dunkler sind als die lichtschwächsten, durch erdbasierte Teleskope nachzuweisenden Kuipergürtel-Objekte.

Für eine erste Beobachtungskampagne mit dem HST wurde dabei zunächst eine Beobachtungszeit von 40 Stunden bewilligt, in der das Weltraumteleskop den kleinen, in Frage kommenden Himmelsabschnitt im Sternbild Schütze mehrfach abbilden soll. Während der entsprechenden Beobachtungen wird das HST mit exakt der Geschwindigkeit nachgeführt, mit der sich ein KBO erwartungsgemäß über den Himmel bewegen dürfte. Potentielle Kuipergürtel-Objekte sollten auf diesen Aufnahmen aufgrund der langen Beobachtungszeit punktförmig erscheinen, während weiter entfernt gelegenen Objekte wie Hintergrundsterne oder näher gelegene Himmelskörper wie die im inneren Sonnensystem beheimatete Asteroiden als leicht in die Länge gezogene ’Strichspuren’ dargestellt werden.

Die entsprechenden Aufnahmen müssen anschließend zunächst ausgewertet werden. Sollte dabei die Entdeckung von mindestens zwei KBOs gelingen, so wäre dies ein Indiz dafür, dass das HST theoretisch dazu in der Lage ist, ein geeignetes Ziel für New Horizons aufzuspüren. In diesem Fall würde dem New Horizons-Team eine weitere Beobachtungszeit von dann nochmals 156 Stunden bewilligt, bei der ein Himmelsabschnitt abgesucht werden soll, welcher in etwa dem Durchmesser des Vollmondes am Himmel entspricht.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Suche erfolgreich verläuft, denn auf absehbare Zeit wird New Horizons wohl die letzte Raumsonde sein, die in die äußeren Regionen unseres Sonnesystems vordringen wird und damit die Gelegenheit erhält, die dort beheimateten Kuipergürtel-Objekte näher zu untersuchen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: NASA, JHU/APL, The Planetary Society, HST)


» Europas Raumfahrtindustrie verändert sich
28.06.2014 - Frankreichs Präsident Hollande lud Spitzenvertreter der Raumfahrt in den Elysée Palast ein, um über die industrielle Zukunft des Ariane-Systems zu beraten. Airbus und Safran kündigten dabei ein gemeinsames Joint Venture an, dass die ESA Ministerratstagung im Dezember beeinflussen dürfte. Diese Kooperation favorisiert ein alternatives Ariane-6-Konzept mit einem Flüssigkeitstriebwerk in der Hauptstufe.
Der Satellitentransport ist ein mehr oder weniger wettbewerbsorientierter und kommerzieller Bereich der Raumfahrt. Die Ariane hat einen Marktanteil von 25%, die USA nur 16% am weltweiten Raumtransportmarkt.

ESA und die Politik verbrachten mehr als 10 Jahre mit zum Teil innovativen Konzepten für ein Nachfolgesystem (FLPP), um dann doch ein relativ konventionelles Design vorzuschlagen. Die ESA-Mitgliedsstaaten verschoben immer wieder konkrete Maßnahmen, aus Furcht vor den Kosten und Projektrisiken.

Frankreich drängt mit dem Ariane-6-Entwurf auf einen Nachfolger, der mit SpaceX wettbewerbsfähig sein soll. Das Feststoffkonzept erntete jedoch auch Kritik von verschiedenen Seiten.

Ein neues Kapitel schlug jetzt die Industrieseite auf, in dem Airbus DS und Safran ein Joint Venture gründen. Der offizielle Auftrag:
- Weiterentwicklung und beschleunigte Indienststellung der Trägerrakete Ariane 5 ME als logische Evolution der Ariane 5 mit verbesserter Oberstufe auf Basis des Vinci-Antriebs; und
- Weiterentwicklung der Trägerrakete Ariane 6 in einer gemeinsam vereinbarten Konfiguration, die dem Anforderungsprofil der ESA, den nationalen Raumfahrtagenturen, von Arianespace und Satellitenbetreibern entspricht.

Immerhin repräsentieren beide Partner etwa 2/3 der Arianeproduktion. Die Industrie will damit die Design-Hoheit zurückgewinnen und auch die Vermarktung übernehmen, so dass in einem weiteren Schritt auch Arianespace integriert werden soll.

Während Minister Gabriel mit seinem französischen Amtskollegen in Toulouse die Airbus Flugzeugfertigung besichtigte, verhandelte man in Paris das neue Industriebündnis. Teilnehmer waren (vlnr): Verteidiungsminister Jean-Yves Le Drian, -, CNES-Chef Le Gall, Jean-Lin Fournereaux (Safran), Staatssekretärin Genevieve Fioraso, Safran-Chef Jean-Paul Herteman, Präsident Hollande, Eutelsat Chef Michel de Rosen, Airbus Strategiechef Marwan Lahoud, -, ESA-Chef Dordain und Arianespace-Chef Israel.

Und wie das so üblicherweise ist, alle finden es gut, und äußern ihre Gedanken in den Nebensätzen. So meinte DLR-Chef Wörner im Nachgang, dass das ja nur eine Businesslösung sei. Wenn es um Wettbewerbsfähigkeit geht, kommt man daran aber wohl kaum vorbei. Mittlerweile erfuhr man von Safran, dass man in einem gemeinsamen Team von 40 Ingenieuren in einem Monat ein alternatives Konzept erarbeitet hat: zwei Trägersysteme für 3-7 t und 8,5 t auf Basis der Ariane 5 Technologie.

Staatssekretärin Fioraso wies darauf hin, dass man hier ein europäisches Projekt realisiert und Airbus Strategiechef M. Lahoud auch ihre deutsche Kollegin Zypries über den Fortgang informieren werde.

Le Gall zeigte sich einer neuen Konfiguration aufgeschlossen, hielt jedoch an den Kostenzielen fest. Arianespace rechnet schon mal den Umsatz mit ca. 2 Mrd € des gemeinsamen Unternehmens zusammen.

Der Hauptvertragspartner im Ariane-Projekt wird also größer - nicht mehr Airbus, sondern Airbus/Safran/Arianespace-JV. Gewichtige Fragen bleiben offen oder stellen sich jetzt um so mehr: Wird die angestrebte Effizienzsteigerung durch Verringerung von Standorten industriell umgesetzt. Bedeutet das Ende der Ariane 5 und der Übergang zur Ariane 6 eine Reduzierung der Kapazitäten um 50 %, da ja dann kleinere, weniger Träger gebaut werden. Was bedeutet eine vertikale Unternehmensstruktur für andere europäische Raumfahrtfirmen und die staatlichen Agenturen.

Die ESA wollte im Wettbewerb Angebote der Industrie einholen und sich Ende 2014 von den jeweiligen Ländern finanzieren lassen. Mit dem JV und dem alternativen Trägerkonzept könnte man wieder auf Anfang stehen.

Dabei wäre der Zusammenschluss im Grunde eine Fortsetzung dessen, was einmal zu Airbus geführt hatte, der Zusammenschluss einzelner Firmen zu einem Konzern, der im transatlantischen Wettbewerb steht. Möglicherweise bedeutet es aber auch den Ausstieg von Airbus aus der Raumfahrt durch die Schaffung eines vor allem französischen Raumfahrtkonzerns.

Europas Raumfahrtindustrie verändert sich - vielleicht - oder auch nicht.

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(Autor: Thomas Brucksch - Quelle: Airbus Group, Safran, SpaceNews, LesEcho, Le Revenu, Le Observateur, NordNet)



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Mars Aktuell: Mars Express: Tonminerale im Atlantis Chaos von Redaktion



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» Mars Express: Tonminerale im Atlantis Chaos
13.06.2014 - Am gestrigen Tag veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die auf dem südlichen Hochland des Mars gelegene Region Atlantis Chaos. Verschiedene Landschaftsmerkmale sowie das Vorhandensein von Schichtsilikaten deuten darauf hin, dass sich dort in der Vergangenheit Wasser befunden haben muss.
Die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express befindet sich bereits seit mehr als zehn Jahren in einer Umlaufbahn um den Mars und liefert den an dieser Mission beteiligten Wissenschaftlern seitdem regelmäßig eine Vielzahl an Daten und Bildern von der Atmosphäre und speziell von der Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten. Durch die Auswertung der gewonnene Daten und Fotoaufnahmen ergeben sich für die Planetenforscher wertvolle Einblicke in dessen Entwicklungsgeschichte.

Bei einem der dabei eingesetzten sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters handelt es sich um die High Resolution Stereo Camera (kurz "HRSC"). Im bisherigen Missionsverlauf konnte die HRSC-Kamera rund 90 Prozent der Marsoberfläche in einer Qualität abbilden, welche eine wissenschaftlich sinnvolle Auswertung der Aufnahmen ermöglicht. Etwa 61,5 Prozent der Oberfläche konnten dabei sogar mit einer Auflösung von mindestens 20 Metern pro Pixel wiedergegeben werden.

Bei einem der dabei abgebildeten Gebiete handelt es sich um die Region Terra Sirenum - einer auf der südlichen Marshemisphäre gelegenen Hochebene, welche über eine maximale Ausdehnung von bis zu 3.900 Kilometern verfügt. Das Terra Sirenum wartet mit vielfältigen Landschaftsformen auf. Die für deren Entstehung notwendigen geologischen Prozesse sind stellenweise auf engsten Raum abgelaufen. Ein Beispiel hierfür ist das etwa 200 Kilometer durchmessende Atlantis-Becken, in dessen Inneren sich eine zerfurchte Landschaft namens Atlantis Chaos befindet. In einem am gestrigen Tag veröffentlichten Bildmosaik des Atlantis Chaos sind Strukturen erkennbar, welche auf eine früher erfolgte Einwirkung von Wasser hindeuten.

Das Mosaik wurde aus vier Aufnahmesequenzen der HRSC zusammengesetzt, welche die Kamera während der Orbits 6.393, 6.411, 6.547 (in den Jahren 2008/2009) und 12.724 (2014) anfertigte. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern wurde dabei eine Bildauflösung von etwa 14 Meter pro Pixel erreicht. Die Aufnahmen geben einen bei etwa 34 Grad südlicher Breite und 183 Grad östlicher Länge gelegenen Ausschnitt der Marsoberfläche wieder. Die dargestellte Landschaft verfügt über eine Ausdehnung von etwa 600 Kilometern in Nord-Süd-Richtung und 250 Kilometern in Ost-West-Richtung. Dies entspricht in etwa der doppelten Größe Österreichs.

Chaotisches Gebiet im Atlantis-Becken

Das Atlantis Chaos ist eine zerfurchte und wild strukturierte Landschaft in dem nahezu kreisrunden Atlantis-Becken, welche sich aus einer Ansammlung von mehreren hundert kleineren Bergspitzen und Tafelbergen zusammensetzt. Vermutlich handelt es sich bei diesen Strukturen um so genannte Zeugenberge, also die Überreste einer einstmals zusammenhängenden Hochebene, welche durch erosive Vorgänge zum größten Teil abgetragen wurden. Die Oberflächen dieser Berge sind mit einem hellen Material überzogen.

Ursprünglich, so die Annahme, wurden feinkörniger Sand und Staubpartikel durch den Wind in das Innere des Beckens verfrachtet, wo sie ein äolisches Sediment bildeten. Diese Sedimentschicht wurde anschließend durch den Einfluss von Wasser verändert. Auf der Erde sind derartige Sedimentdecken auch als Löß bekannt. In China gibt es zum Beispiel Löß-Vorkommen, welche über eine Mächtigkeit von bis zu 400 Metern verfügen.

Hinweise auf ein einstmaliges stehendes Gewässer

Außer dem Atlantis-Becken existieren im Bereich des Terra Sirenum noch mehrere weitere größere Becken, welche vermutlich bereits vor fast vier Milliarden Jahren in der Frühzeit des Mars durch die Einschläge von Asteroiden auf der Marsoberfläche entstanden sind. Die Planetologen vermuten, dass die zum Teil durch Täler miteinander verbundenen Senken dieser Krater einstmals ein zusammenhängendes stehendes Gewässer bildeten. Sollte dies zutreffen, so wäre dieser hypothetische "Eridana-See" von seiner Ausdehnung her in etwa halb so groß ausgefallen wie das Mittelmeer.

Viele Fragen zur geologischen Geschichte dieser Region sind bisher allerdings noch nicht abschließend beantwortet. So wird zum Beispiel diskutiert, ob die in der Vergangenheit möglicherweise mit Wasser gefüllten und miteinander verbundenen Kraterbecken des Terra Sirenum eventuell auch das Quellgebiet eines Flusses waren, welcher einstmals das markante Ausflusstal Ma’adim Vallis in das Marshochland gegraben hat. Das Ma’adim Vallis hat seinen Ursprung im nordwestlichen Bereich des Terra Sirenum und mündet fast 700 Kilometer weiter nördlich in den 166 Kilometer durchmessenden Gusev-Krater, dem ehemaligen Operationsgebiet des mittlerweile nicht mehr aktiven NASA-Marsrovers Spirit.

Uralte Tonminerale

Das Atlantis-Becken ist durch eine Art Kanal mit einem weiter südlich gelegenen kleineren Becken von 175 Kilometern Durchmesser verbunden. Auch im Inneren dieser Krater-Senke sind einige mit einem hellem Material bedeckte Überreste von Bergen zu erkennen. Mittels verschiedener Spektrometer, welche sich an Bord von Mars Express und dem von der NASA betriebenen Mars Reconnaissance Orbiter befinden, konnten die Marsforscher feststellen, dass es sich bei diesen hellen Ablagerungen um Schichtsilikate handelt.

Da in dem Kristallgerüst dieser Minerale Raum für Wassermoleküle ist, deutet ihr Vorhandensein auf das frühere Vorhandensein von Wasser in diesem Gebiet hin. Vermutlich wurden die vom Wind abgelagerten Löß-Sedimente durch die Einwirkung von Wasser verändert. Das Alter der Schichtsilikate Alter wird von den Wissenschaftlern auf 3,8 Milliarden Jahre geschätzt.

Ein weiterer Hinweis auf die frühere Existenz von Wasser sind die Rinnen an den Abhängen der Senken, durch welche zusätzliche Sedimente in das Innere der Kraterbecken geschwemmt wurden. Die Bergrücken im Osten der beiden Becken (am unteren Rand der verschiedenen Draufsichten erkennbar) lassen eine markante, von Norden nach Süden verlaufende Schichtung von Gesteinen erkennen. Auffallend ist auch eine große Störungszone im Süden der abgebildeten Region (links in den Draufsichten), welche genau durch einen Impaktkrater verläuft. Auch am inneren Rand dieses jüngeren und noch gut erhaltenen Kraters sind Schichten von Gesteinsablagerungen, Hangrutschungen und ausgeprägte Rinnen zu sehen.

Bildverarbeitung und HRSC-Kamera

Die weiter oben gezeigte Nadir-Farbansicht des Atlantis Chaos wurde aus dem senkrecht auf die Marsoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- beziehungsweise rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Marslandschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren konnten die für die Bildauswertung zuständigen Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wurde, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann geleitet. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche wissenschaftliche Team besteht derzeit aus 52 Co-Investigatoren, welche von 34 Instituten aus elf Ländern stammen.

Die hochauflösenden Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit mehreren industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des "Planetary Sciences Group" des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof erstellt.

Die hier gezeigten Aufnahmen der Region Atlantis Chaos finden Sie auch auf den entsprechenden Internetseiten des DLR und der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin, DLR)


» Curiosity: Das erste Marsjahr ist geschafft!
24.06.2014 - Der Rover Curiosity ist mittlerweile seit 669 Tagen - dies entspricht exakt einem Marsjahr - auf der Marsoberfläche aktiv. Dies markiert zugleich auch das Ende der Primärmission für den Rover, dessen Mission ursprünglich für die Dauer von einem Marsjahr ausgelegt war. Allerdings hatte sich die NASA erwartungsgemäß bereits vor längerer Zeit dazu entschlossen, diese bisher überaus erfolgreich verlaufene Mission auch weiterhin fortzusetzen. Sollten keine unvorhergesehenen technischen Probleme auftreten, so dürfen wir in den kommenden Monaten und Jahren auch weiterhin auf faszinierende Bilder und Messergebnisse von unserem Nachbarplaneten gespannt sein.
Heute vor 687 Tagen - dies entspricht 669 "Sols" auf dem Mars beziehungsweise genau einem Marsjahr - erfolgte die Landung des von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Marsrovers Curiosity. Bereits kurz darauf begann der Rover damit, die unmittelbare Umgebung seines im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Landeplatzes mit den zehn mitgeführten Instrumenten zu untersuchen. Noch während der Inbetriebnahmephase der Instrumente konnten dabei einige der wissenschaftlichen Zielsetzungen, welche die NASA mit dieser Mission verknüpft hat, erfüllt werden.

Bereits Ende September 2012 gaben die an der Mission beteiligten Wissenschaftler bekannt, dass Curiosity offenbar in einem uralten Flussbett gelandet war, in dem vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren größere Mengen an Wasser geflossen sind (Raumfahrer.net berichtete). Die Untersuchung einer am 9. Februar 2013 durch den Gesteinsbohrer des Rovers entnommenen Bodenprobe führte nur wenige Wochen später zu dem historischen Befund, dass unser äußerer Nachbarplanet in der Vergangenheit tatsächlich Umweltbedingungen aufwies, welche die Entstehung von einfachen mikrobiologischen Lebensformen prinzipiell ermöglicht haben könnten (Raumfahrer.net berichtete).

Das Ziel: Der Zentralberg im Inneren des Kraters

Nach dem Abschluss seiner ersten Untersuchungskampagne in der Region "Glenelg/Yellowknife Bay" begann Curiosity schließlich im Juni 2013 mit der Fahrt zu seinem eigentlichen Ziel - dem im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Zentralberg Aeolis Mons. Aufnahmen von verschiedenen Marsorbitern zeigten bereits im Vorfeld der Curiosity-Mission, dass dieser etwa 5.500 Meter hohe Berg über einen ausgeprägten Schichtaufbau verfügt. In den einzelnen Schichten ist - vergleichbar mit den Steilwänden des Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona - die langfristige klimatologische und geologische Geschichte dieser Region der Marsoberfläche enthalten.

Anders als in Bohrkernen liegen diese Informationen dabei offen zutage und sind für Curiosity mehr oder weniger leicht einsehbar. Durch eine langsame, mit ausführlichen Analysen von aus geologischer Sicht interessant erscheinenden Ablagerungen verbundene ’Besteigung’ des Berges soll diese Geschichte in den kommenden Jahren Schritt für Schritt entschlüsselt werden. Auf diese Weise erhoffen sich die auf die Erforschung des Mars spezialisierten Planetologen Erkenntnisse darüber, wann, wie, warum und in welchem Zeitraum sich das Klima und die Umweltbedingungen auf dem Mars einstmals so dramatisch verändert haben.

Auf dem Weg dorthin: Kurze Untersuchungen

Vor dem Erreichen des geplanten ’Einstiegspunktes’ an der Basis des Aeolis Mons lag allerdings noch eine Strecke von mehr als acht Kilometern vor dem Rover. Auf der dabei vorgesehenen Route hatten die beteiligten Wissenschaftler mehrere Stellen ausgewählt, an denen der Rover jeweils mehrtägige Stopps für ausführlichere wissenschaftliche Untersuchungen einlegen soll.

Das wissenschaftliche Ziel dieser Analysen besteht darin, Informationen über die Geologie des Geländes zu sammeln, welches sich zwischen der Region "Glenelg/Yellowknife Bay" und dem Aeolis Mons befindet. Diese Daten sollen den Wissenschaftlern dabei helfen, die bisher gewonnenen Informationen in einen Kontext zu den Erkenntnissen zu setzen, welche zukünftig bei den geschichteten Gesteinsablagerungen des Zentralberges erlangt werden sollen. Ein spezielles Augenmerk wird dabei auf geologische Strukturen gerichtet, welche offensichtlich durch fließendes Wasser erzeugt beziehungsweise verändert wurden.

Der bisher letzte dieser Wegpunkte, die Region "Kimberley", wurde am 15. Mai 2014 verlassen (Raumfahrer.net berichtete). Seitdem hat Curiosity im Rahmen von insgesamt 24 einzelnen Fahrten eine Gesamtstrecke von etwa 1.560 Metern zurückgelegt.

Weite Fahrten in kurzer Abfolge

Die Priorität der an der Mission beteiligten Wissenschaftler und der für die Steuerung von Curiosity verantwortlichen Roverdriver besteht dabei darin, sich möglichst schnell dem vorgesehenen Ankunftspunkt an der Basis des Aeolis Mons zu nähern. Statt die zur Verfügung stehende Zeit und Energie in erster Linie für wissenschaftliche Untersuchungen zu nutzen werden deshalb stattdessen möglichst große Tagesetappen absolviert. Bei einigen der in den letzten Tagen absolvierten Fahrten wurden dann pro Tag auch Strecken von teilweise deutlich mehr als 100 Metern überbrückt.

"Wir können mittlerweile auch längere Fahrten durchführen und dabei das anwenden, was wir zuvor gelernt haben", so Jim Erickson, der Projektmanager der Curiosity-Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien.

Speziell bezieht sich dies auf den aktuellen Zustand der sechs Räder, mit denen der Rover ausgestattet ist. Jedes dieser Räder verfügt über einen Durchmesser von 51 Zentimetern und eine Breite von 40 Zentimetern. Die lediglich 0,75 Millimeter starken Laufflächen dieser Räder, auf denen das gesamte Gewicht des 899 Kilogramm schweren Rovers lastet, bestehen aus einer Aluminiumlegierung und sind mit verschiedenen Querrippen an den Oberseiten und Ringen an den Innenwänden verstärkt.

Bereits im Rahmen der ausführlichen Tests, welche im Vorfeld der Mission auf der Erde durchgeführt wurden, zeigte sich, dass diese Räder bei ihrem Einsatz auf dem Mars nach einer gewissen Zeit verschiedene Beschädigungen wie zum Beispiel Dellen, aber auch Löcher und Risse aufweisen würden. Diese zu erwartenden Beschädigungen wurden von den für die Planung der Mission verantwortlichen Ingenieuren der NASA als für die Mission nicht bedrohlich eingeschätzt. Auch mit erheblich beschädigten Laufflächen, so zum Beispiel Matt Heverly, der Leiter des Roverdriver-Teams, welches für die Steuerung des Rovers verantwortlich ist, wird Curiosity auch weiterhin in der Lage sein, seine Fahrt fortzusetzen.

Und tatsächlich - schon nach wenigen Fahrten über die Marsoberfläche zeigten sich bereits im Jahr 2012 auf den Laufflächen der Räder einzelne Kratzer und Dellen. In der Folgezeit bildeten sich zudem verschiedene Löcher und teilweise mehrere Zentimeter lange Risse. Diese zuletzt vermehrt auftretenden ’Abnutzungserscheinungen’ resultieren laut den Einschätzungen der in die Mission eingebundenen Techniker und Ingenieure daraus, dass Curiosity speziell im vierten Quartal des Jahres 2013 ein Gelände überquerte, auf dessen felsigen Untergrund sich eine Vielzahl zwar nur wenige Zentimeter großer, dafür aber scharfkantiger Steine befand. Beim Überfahren dieser Steine traten dann die Mehrzahl der jetzt zu beobachtenden Beschädigungen auf.

Um die Belastung der Räder in Zukunft möglichst gering zu halten sind die Roverdriver mittlerweile darum bemüht, Curiosity über ein Gelände zu steuern, welches möglichst wenig Steine oder felsigen Untergrund beherbergt. Aus diesem Grund wurde auch die zukünftige Route leicht abgeändert. Auf dem zukünftigen Kurs wird der Rover einen größtenteils sandigen Untergrund überqueren.

"Wenn man einen fremden Planeten erkunden will, dann muss man auch mit Überraschungen rechnen. Die scharfkantigen Steine im Sand waren eine böse Überraschung, Yellowknife Bay dagegen eine gute", so die Beurteilung von Jim Erickson.

Auch in den kommenden Wochen soll zunächst einmal hauptsächlich gefahren werden, um dem Aeolis Mons möglichst schnell näher zu kommen. Nach der bisher letzten Fahrt, welche erst vor wenigen Stunden erfolgte - hierbei wurden innerhalb von 65 Minuten weitere 42 Meter zurückgelegt - beträgt die Entfernung zu dem Ankunftspunkt noch etwa 3.700 Meter.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 669 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mehr als 8.000 Meter auf der Marsoberfläche zurückgelegt. Dabei hat der Rover mit seinen Kamerasystemen über 160.000 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini: Zehn Jahre im Saturn-Orbit von Redaktion



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» Raumsonde Cassini: Zehn Jahre im Saturn-Orbit
30.06.2014 - Heute vor zehn Jahren - am 1. Juli 2004 - schwenkte die Raumsonde Cassini in eine Umlaufbahn um den Planeten Saturn ein. Dank der durch diese Raumsonde gewonnenen Daten hat sich das Wissen der Menschheit über diesen Planeten sowie dessen Monde und Ringe in der letzten Dekade enorm erweitert.
Nach einer Flugdauer von fast sieben Jahren und einer bis dahin zurückgelegten Distanz von über drei Milliarden Kilometern trat die Raumsonde Cassini am 1. Juli 2004 nach einem komplexen, 96 Minuten andauernden Bremsmanöver in eine Umlaufbahn um den Saturn, dem zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems, ein (Raumfahrer.net berichtete). In den folgenden zehn Jahren hat die Raumsonde den Ringplaneten bis zum heutigen Tag 206 mal umkreist und dabei weitere mehr als 3,5 Milliarden Kilometer im Saturnorbit zurückgelegt. Um die Raumsonde dabei auf dem vorgesehenen Kurs zu halten wurden bisher 291 Kurskorrekturmanöver durchgeführt.

Während der einzelnen Orbits wurden der Saturn, dessen 62 bisher bekannten Monde und das faszinierende Ringsystem ausführlich mit den 12 von Cassini mitgeführten wissenschaftlichen Instrumenten untersucht. Unter anderem absolvierte der Saturnorbiter hierzu bisher 132 dichte Vorbeiflüge an den größeren, inneren Saturnmonden. Damit die Raumsonde ihre Arbeit wie geplant verrichten konnte wurden von den für die Steuerung verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien in den letzten zehn Jahren rund zwei Millionen Kommandos verfasst und über das Deep Space Network (DSN) der NASA an Cassini übermittelt.

Insgesamt konnten in den letzten zehn Jahren 514 Gigabyte an wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, welche unter anderem mehr als 332.000 Fotoaufnahmen enthalten. Die zuletzt an die Erde übermittelten, allerdings noch nicht kalibrierten Aufnahmen finden Sie über diese Internetseite. Durch die Auswertung dieser enormen Datenmenge konnten die an der Cassini-Mission beteiligten Forscher, welche von Instituten und Forschungseinrichtungen aus 26 Ländern stammen, bisher 3.039 wissenschaftliche Publikationen veröffentlichen.

Besonders erwähnenswert sind hierbei die folgenden Entdeckungen:

Des weiteren gelang den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern die Entdeckung von sieben zuvor unbekannten Saturnmonden und der Nachweis von diversen zuvor unbekannten Einzelringen. Ein ausführliches Nachrichtenarchiv von Raumfahrer.net über die Erforschung des Saturn finden Sie hier. Aktuellere Berichte sind hier aufgeführt.

Aber auch in den kommenden Jahren soll die bisher überaus erfolgreich verlaufene Mission der Raumsonde Cassini nach dem derzeitigen Planungsstand fortgesetzt werden. Bereits am 2. Juli 2014 wird Cassini um 08:52 MESZ auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zu dem Ringplaneten erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Raumsonde dann in einer Entfernung von rund 2,92 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 207. Umlauf um den Ringplaneten.

Aktuell weist die Flugbahn von Cassini dabei gegenüber der Bahnebene des Saturn eine Inklination von 46,5 Grad auf. Diese Bahnneigung wird es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern letztendlich bis zum März 2015 ermöglichen, speziell die Polarregionen des Saturn und des Titan im Detail abzubilden und zu untersuchen. Zusätzlich wird auch das Ringsystem des Saturn von den abbildenden wissenschaftlichen Instrumenten der Raumsonde während der kommenden Monate in seiner ’Gesamtheit’ erfasst werden können.

Für das Kamerasystem an Bord von Cassini, dem aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, sind während des in Kürze beginnenden, diesmal 32 Tage andauernden Umlaufs, dessen offizielle Bezeichnung "Rev 206" lautet, insgesamt 54 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Wie üblich wird ein Großteil dieser Kampagnen erneut die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn zum Ziel haben. Den Höhepunkt der Beobachtungen stellt allerdings ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan dar, welcher von der Raumsonde am 20. Juli 2014 in einer Entfernung von 5.103 Kilometern passiert werden soll.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, CICLOPS)



 

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"InSpace" Magazin #520
ISSN 1684-7407


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30. Juni 2014
Auflage: 5055 Exemplare


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