InSpace Magazin #518 vom 28. Mai 2014

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Ausgabe #518
ISSN 1684-7407


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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

vor wenigen Minuten ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur ISS gestartet. Mehr über seine Mission und deren weiteren Verlauf finden sie auf unserer Webseite sowie im Forum im Spezialbereich für seine Blue Dot-Mission: http://www.raumfahrer.net/forum/smf/index.php?board=35.0.

Viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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News

• Der Magnetar von Westerlund 1 «mehr» «online»
• Der offene Sternhaufen NGC 3590 «mehr» «online»
• Exoplanet GU Psc b durch direkte Abbildung entdeckt «mehr» «online»
• ILA Space Day - einen Tag Raumfahrt «mehr» «online»
• Japanischer Erdbeobachtungssatellit ALOS 2 gestartet «mehr» «online»
• Russland startet drei Militärkommunikationssatelliten «mehr» «online»
• Falsche Nachrichten vom Anfang des Universums? «mehr» «online»
• ILA: Arianespace CEO Stephane Israel im Gespräch «mehr» «online»
• Sealaunch: Zenit-3SL bringt Eutelsat 3B ins All «mehr» «online»


» Der Magnetar von Westerlund 1
18.05.2014 - Bei den Magnetaren handelt es sich um die Überreste von Supernovaexplosionen, die zugleich die stärksten bekannten magnetischen Objekte des Universums darstellen. Ein europäisches Astronomen-Team glaubt jetzt, zum ersten Mal den Begleitstern eines Magnetars entdeckt zu haben. Diese Entdeckung hilft bei der Klärung der Frage, wie sich Magnetare bilden - ein Rätsel, das seit 35 Jahren ungelöst ist - und warum dieser spezielle Stern trotz seiner ursprünglichen hohen Masse nicht zu einem Schwarzen Loch kollabiert ist.
Wenn ein massereicher Stern in der letzten Phase seiner Existenz unter der Wirkung seiner eigenen Schwerkraft in einer Supernovaexplosion kollabiert wird er - abhängig seiner ursprünglichen Masse - entweder zu einem Schwarzen Loch oder zu einem Neutronenstern. Bei einem Magnetar handelt es sich um eine ungewöhnliche und sehr exotische Form eines Neutronensterns, der über ein extrem starkes Magnetfeld verfügt. Großräumige Umordnungsprozesse eines instabil gewordenen Magnetfeldes führen dazu, dass von den Magnetaren in unregelmäßigen Abständen große Mengen an Gamma- und Röntgenstrahlung ausgehen.

Derzeit sind den Astronomen etwa zwei Dutzend in unserer Heimatgalaxie gelegene Magnetare bekannt. Eines dieser Objekte, der Magnetar CXOU J164710.2-45516, befindet sich in dem offenen Sternhaufen "Westerlund 1" und hat Astronomen in der Vergangenheit große Rätsel aufgegeben.

Dieser erst im Jahr 1961 von dem schwedischen Astronomen Bengt Westerlund entdeckte Sternhaufen befindet sich in einer Entfernung von etwa 16.000 Lichtjahren zur Erde im Sternbild Altar (lat. Name "Ara"). Der Sternhaufen liegt hinter einer ausgedehnten interstellaren Wolke aus Gas und Staub, die einen Großteil des von dem Sternhaufen ausgehenden sichtbaren Lichtes abschirmt. Nur ein Hunderttausendstel des Lichtes kann die Wolke dabei durchdringen. Dies ist auch der Grund dafür, dass es so lange gedauert hat, die Natur von Westerlund 1 zu enthüllen.

Alle Sterne im Bereich von Westerlund 1, die bislang von Astronomen eingehender analysiert wurden, verfügen über eine Masse, welche mindestens dem 30- bis 40-fachen Wert der Masse der Sonne entspricht. Da derartig massereiche Sterne - in astronomischen Maßstäben betrachtet - nur über eine vergleichsweise kurze Lebensdauer verfügen, muss dieser Sternhaufen noch sehr jung sein. Es wird angenommen, dass Westerlund 1 in einem einzigen Ausbruch der Sternentstehung gebildet wurde, da alle dort befindlichen Sterne eine ähnliche chemische Zusammensetzung aufweisen. Astronomen haben das Alter des Sternhaufens aufgrund der Massen der einzelnen dort vertretenen Sterne auf einen Wert von 3,5 bis 5 Millionen Jahren bestimmt.

Der Magnetar CXOU J164710.2-45516

"In einer früheren Arbeit haben wir gezeigt, dass der Magnetar im Sternhaufen Westerlund 1 durch den explosiven Tod eines Sternes mit der 40-fachen Masse der Sonne entstanden sein muss. Aber damit tat sich ein ganz eigenes Problem auf, da man von Sternen dieser Masse erwarten würde, dass sie zu Schwarzen Löchern und nicht zu Neutronensternen werden, wenn sie kollabieren. Wir konnten nicht verstehen, wie aus ihm ein Magnetar werden konnte", so Simon Clark von der Open University in Milton Keynes/Großbritannien, der Leiter des Astronomenteams.

Mittlerweile haben die Wissenschaftler eine Lösung für dieses Problem gefunden. Sie nehmen an, dass sich der Magnetar durch die vorherige Wechselwirkung zweier massereicher Sterne gebildet hat, welche sich in einem engen Doppelsternsystem umkreisen. Dieses System müsste dabei so kompakt ausfallen, dass es in die Umlaufbahn der Erde um die Sonne passen würde. Bis jetzt wurde jedoch kein entsprechender Begleitstern in der Nähe des Magnetars in Westerlund 1 entdeckt.

Für eine intensive Suchkampagne nutzten die Astronomen jetzt das in den chilenischen Anden befindliche Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Dabei konzentrierte sich die Suche auf sogenannte ’flüchtende Sterne’ - stellare Objekte, die den Sternhaufen mit hoher Geschwindigkeit verlassen. Ausgelöst durch die Supernovaexplosion, durch welche sich der Magnetar bildete - so die Vermutung der Wissenschaftler - wurden diese Sterne aus ihrer ursprünglichen Bahn katapultiert. Und tatsächlich - ein Stern mit der Bezeichnung Westerlund 1-5 zeigte das erwartete Verhalten.

Wechselwirkungen

"Dieser Stern besitzt nicht nur die hohe Geschwindigkeit, die durch den Rückstoß einer Supernovaexplosion zu erwarten wäre, sondern auch eine Kombination aus geringer Masse, hoher Leuchtkraft und einer kohlenstoffreichen Zusammensetzung, die für einen einzelnen Stern unmöglich erscheint. Das ist ein schlagender Beweis, der zeigt, dass dieser Stern ursprünglich zusammen mit einem Begleitstern entstanden sein muss", erklärt Ben Ritchie von der Open Univerity. Diese Entdeckung ermöglichte es den Astronomen, die Lebensgeschichte der beiden Sterne zu rekonstruieren und zu erklären, warum aus dem ’sterbenden Stern’ anstelle eines zu erwartenden schwarzen Lochs ein Magnetar entstand.

Im ersten Teil dieses Prozesses geht in dem massereicheren Stern des Sternpaares, nämlich Westerlund 1-5, der Brennstoff zur Neige. Er überträgt daraufhin seine äußeren Schichten auf den masseärmeren Begleitstern - den zukünftigen Magnetar. Dieser Begleitstern beginnt daraufhin immer schneller zu rotieren. Diese schnelle Rotation, so die Astronomen, scheint die essentielle Zutat für die Entstehung des extrem starken Magnetfeldes eines Magnetars zu sein. Im nächsten Schritt wird der Begleitstern als Konsequenz dieses Massentransfers selbst so schwer, dass er seinerseits einen großen Teil der erst kürzlich gewonnen Masse wieder abstößt. Hierdurch verliert der Begleitstern so viel Materie, dass er zum Zeitpunkt seines ’Todes’ nicht zu einem schwarzen Loch kollabiert. Ein Großteil dieser Materie geht verloren, aber etwas davon wird im Rahmen dieses Prozesses auch wieder auf den ursprünglich massereicheren Stern übertragen.

"Es ist dieser Austauschprozess von Materie, der Westerlund 1-5 seine einzigartige chemische Signatur verliehen hat und der die Masse seines Begleitsterns soweit schrumpfen lies, dass sich ein Magnetar anstelle eines schwarzen Lochs bildete. Ein stellares Materieballspiel mit kosmischen Konsequenzen", so Francisco Najarro vom Centro de Astrobiologia in Spanien.

Die hier kurz vorgestellten vorgestellten Forschungsergebnisse werden demnächst von J. S. Clark et al. unter dem Titel "A VLT/FLAMES survey for massive binaries in Westerlund 1: IV.Wd1-5 binary product and a pre-supernova companion for the magnetar CXOU J1647-45" in der Fachzeitschrift "Astronomy and Astrophysics" publiziert.

Der offene Sternhaufen Westerlund 1 gilt als ein einzigartiges natürliches Labor für die Erforschung extremer Stellarphysik, durch dessen Beobachtung die Astronomen den Lebenszyklus der massereichsten Sterne innerhalb unserer Galaxie untersuchen können. Aus ihren Beobachtungen schließen die Astronomen, dass dieser außerordentliche, aus mehreren Hundert Sternen bestehende Sternhaufen höchstwahrscheinlich nicht weniger als das 100.000-fache der Sonnenmasse besitzt, wobei sich all seine Sterne auf einem Gebiet mit einem Durchmesser von lediglich etwa sechs Lichtjahren befinden. Westerlund 1 gilt deshalb als der massereichste und zugleich kompakteste junge Sternhaufen, der bislang in der Milchstraße entdeckt wurde.

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Fachartikel von J. S. Clark et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Der offene Sternhaufen NGC 3590
21.05.2014 - Eine am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt den offenen Sternhaufen NGC 3590. Derartige Ansammlung von Sternen geben den Astronomen sowohl Hinweise darauf, wie diese Sterne entstanden sind und sich entwickelt haben, als auch darauf, wie die Struktur der Spiralarme unserer Heimatgalaxie beschaffen ist.
Bei einem der in unserer Galaxie angesiedelten offenen Sternhaufen handelt es sich um den im Sternbild "Schiffskiel" (lat. Name "Carina") gelegenen Sternhaufen NGC 3590. Dieser etwa 35 Millionen Jahre alte Sternhaufen besteht aus mehreren Dutzend Sternen, welche durch die von ihnen ausgehenden gravitativen Einflüsse schwach aneinander gebunden sind. Entdeckt wurde der rund 7.500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegene Haufen im Jahr 1835 durch den englischen Astronomen John Herschel.

Der Aufbau unserer Heimatgalaxie

NGC 3590 bietet nicht nur den interessierten Hobbyastronomen einen faszinierenden Anblick - er stellt auch ein nützliches Beobachtungsobjekt für professionelle Astronomen dar. Durch eingehende Untersuchungen dieses und anderer relativ nahe zu unserem Sonnensystem gelegener Sternhaufen können die Astronomen die Eigenschaften der Spiralscheibe unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, näher erforschen.

Eine der massereichsten Komponenten unserer Heimatgalaxie ist der sogenannte Bulge, eine Materieverdichtung im Zentrum der Milchstraße. Diese riesige, zentrale ’Sternwolke’ besteht aus etwa 10 Milliarden Sternen und verfügt über einen Durchmesser von mehreren tausend Lichtjahren. Von dem zentralen Bulge ausgehend erstrecken sich mehrere lange, geschwungene Ströme aus Gas und Sternen ins Weltall - die sogenannten Spiralarme.

Diese Arme, zwei dicht mit Sternen angereicherte Hauptarme und zwei weniger dicht ’bevölkerte’ Nebenarme, sind nach den Sternbildern benannt, durch die sie hauptsächlich verlaufen. Dementsprechend tragen sie die Bezeichnungen Carina-Sagittarius, Norma, Scutum-Centaurus und Perseus.

Der offene Sternhaufen NGC 3590 befindet sich im größten Einzelsegment eines Spiralarms, welcher von unserer Position in der Galaxis aus betrachtet werden kann - die stark mit Sternen bevölkerte und im Carina-Sagittarius-Nebenarm gelegene Spiralstruktur im Bereich des Sternbildes Carina. Der astronomische Name dieses Spiralarmes - Carina beziehungsweise Schiffskiel - ist durchaus angemessen.

Diese Spiralarme können auch als ’Wellen’ von konzentrierten interstellaren Gas- und Staubansammlungen - sogenannten Sternentstehungsgebieten - und Sternen angesehen werden, welche sich durch die Milchstraßenebene bewegen und dabei gelegentlich Ausbrüche von Sternentstehungen verursachen.

Offene Sternhaufen - Ein Feldlabor zur Überprüfung der Sternentstehungstheorien

Aus solchen H-II-Regionen geht in der Regel jedoch nicht nur ein einzelner, isolierter Stern hervor. Vielmehr reicht die Anzahl der sich zeitgleich in einem H-II-Gebiet bildenden Sterne von einigen Dutzend bis hin zu mehreren Tausend Sternen, welche nach dem Abschluss der Sternentstehungsphase in dieser Region des Weltalls zunächst einen offenen Sternhaufen wie den hier weiter unten gezeigten Haufen NGC 3590 bilden. Im Laufe der Jahrmillionen driften die ursprünglich alle zur selben Zeit und in der gleichen Region entstandenen Sterne dann langsam auseinander, bis sie nicht mehr als einstmals zusammenhängender Sternhaufen erkennbar sind.

Offene Sternhaufen stellen aufgrund der Art und Weise ihrer Entstehung - alle Sterne bildeten sich ursprünglich aus der gleichen Materiewolke - perfekte Beobachtungsziele für Astronomen dar, um die verschiedenen Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Sternen zu überprüfen. Zudem ist es möglich, durch gezielte Analysen der in solchen Sternhaufen konzentrierten Sterne die Entfernungen der unterschiedlichen Teile eines Spiralarms genauer zu bestimmen und so mehr über die Struktur und den Aufbau unserer Heimatgalaxie zu erfahren.

Die hier gezeigte Aufnahme des offenen Sternhaufens NGC 3590 wurde mit dem Wide Field Imager (WFI) des MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskops am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in den chilenischen Anden angefertigt und zeigt sowohl den Sternhaufen als auch die interstellaren Wolken aus Gas und Staub, welche ihn umgeben. Angeregt durch die Strahlung von nahe gelegenen heißen Sternen leuchten diese Wolken orange und rot. Das große Sichtfeld des WFI fängt außerdem eine gewaltige Anzahl von weiter entfernt gelegenen Hintergrundsternen ein.

Zwecks der Erstellung des hier gezeigten Bildes wurden mehrere Beobachtungen mit verschiedenen Filtern durchgeführt, um die verschiedenen Farben der Szenerie einzufangen. Anschließend wurden die Einzelaufnahmen zu einem einzigen Bild kombiniert. Neben Filtern, welche für den sichtbaren und infraroten Spektralbereich ausgelegt sind, wurde hierzu auch ein spezieller Filter, der nur die Strahlung von leuchtendem Wasserstoff sammelt, eingesetzt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Exoplanet GU Psc b durch direkte Abbildung entdeckt
22.05.2014 - Einem internationalen Astronomenteam ist es gelungen, im Umfeld des Sterns GU Pisces einen Exoplaneten direkt abzubilden. Der neu entdeckte Gasriese benötigt rund 80.000 Jahre, um seinen Zentralstern einmal zu umkreisen.
Seit der Entdeckung des ersten Exoplaneten im Jahr 1995 konnten Astronomen bis zum heutigen Tag 1.792 Planeten nachweisen, welche ihre Zentralsterne außerhalb unseres Sonnensystems umkreisen. Während der letzten Jahre sorgte dabei speziell das auf die Exoplanetensuche spezialisierte Weltraumteleskop Kepler für Schlagzeilen.

Nach seinem Start am 7. März 2009 hat Kepler über einen Zeitraum von vier Jahren im Bereich der Sternbilder Schwan und Leier systematisch mehr als 150.000 Sterne anvisiert und nach Anzeichen für dort befindliche Planeten Ausschau gehalten. Bis zum heutigen Tag konnten die an dieser Mission beteiligten Wissenschaftler definitiv 962 Exoplaneten nachweisen. Mehrere Hundert weitere ’Planeten-Kandidaten’ warten noch auf eine Bestätigung durch nachfolgende Beobachtungen, welche von anderen Weltraumteleskopen oder von Observatorien auf der Erde durchgeführt werden müssen.

Aber nicht nur die Kepler-Wissenschaftler, sondern auch andere Astronomen waren in den letzten Monaten und Jahren im Bereich der Exoplaneten-Suche aktiv. So hat zum Beispiel ein von Marie-Ève Naud von der Universität Montreal in Kanada geleitetes internationales Team von Astronomen neben weiteren Großteleskopen das in den chilenischen Anden befindliche Acht-Meter-Teleskop des Gemini South-Observatoriums dazu eingesetzt, um gezielt junge und zugleich massearme Sterne in der näheren Umgebung unseres heimatlichen Sonnensystems zu untersuchen und dabei nach Anzeichen für dort befindliche Exoplaneten zu suchen.

Bei einem der dabei anvisierten Beobachtungsziele handelte es sich um den im Sternbild Fische (lat. Name "Pisces") gelegenen Roten Zwergstern GU Pisces. Dieser Stern verfügt in etwa über 33 Prozent der Masse unserer Sonne, gehört zu der Spektralklasse M3 und befindet sich in einer Entfernung von rund 155 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem.

GU Pisces ist einer von etwa 30 Sternen, die dem AB-Doradus-Bewegungshaufen angehören. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Sternen, welche in etwa über das gleiche Alter verfügen und deren Mitglieder sich mit ähnlichen Geschwindigkeiten und Bewegungsrichtungen durch unsere Heimatgalaxie bewegen. Das aus spektroskopischen Untersuchungen abgeleiteten Alter dieser Sterne liegt bei geschätzten 50 bis 119 Millionen Jahren.

Bei der im sichtbaren und im infraroten Spektralbereich erfolgten Beobachtung von GU Pisces suchten die Astronomen gezielt nach einem möglichen planetaren Begleiter des Sterns, da dieser wegen seines ’jugendlichen Alters’ noch relativ heiß sein dürfte und somit vergleichsweise viel Wärme in das umgebende Weltall abstrahlen sollte. Somit leuchten derartig ’junge’ Planeten im infraroten Spektralbereich verhältnismäßig hell, lassen sich dadurch bedingt leichter entdecken und gegebenenfalls sogar direkt abbilden. Und tatsächlich wurden die Wissenschaftler fündig.

Auf den im Rahmen der Untersuchungen erstellten Aufnahmen wurde ein Exoplanet entdeckt, der seinen Zentralstern in einer Entfernung von etwa 2.000 Astronomischen Einheiten (eine Astronomische Einheit - kurz AE - beschreibt den mittleren Abstand zwischen der Erde und der Sonne und beträgt rund 150 Millionen Kilometer) umkreist. Für einen kompletten Umlauf um seinen Stern benötigt der Exoplanet GU Psc b - so die offizielle Bezeichnung des Planeten - somit eine Zeitdauer von rund 80.000 Jahren. Dank dieses großen Abstandes zwischen Zentralstern und Planet, welcher rund 42 Bogensekunden beträgt, war es nicht nur möglich den Planeten direkt abzubilden. Vielmehr konnten die beteiligten Astronomen auch verschiedene Eigenschaften von GU Psc b entschlüsseln.

Ausgehend von spektroskopischen Untersuchungen leiten die Wissenschaftler ab, dass es sich bei dem Exoplaneten um einen Gasriesen handelt, welcher über die neun bis maximal dreizehnfache Masse des Planeten Jupiter verfügt. Aufgrund dieses Massewertes kann ausgeschlossen werden, dass GU Psc b zur Klasse der Braunen Zwerge gehört - einer Kategorie von Himmelskörpern, welche eine Sonderstellung zwischen einem Planeten und einem Stern einnimmt. Auf der ’Oberfläche’ des Gasplaneten dürften Temperaturen von rund 800 Grad Celsius herrschen.

Die Astronomen beabsichtigen, den Exoplaneten in Zukunft noch weiteren und eingehenderen Untersuchungen zu unterziehen. Aufgrund des großen Abstandes zu seinem verhältnismäßig leuchtschwachen Zentralgestirn lassen sich relativ einfach hochaufgelöste Daten gewinnen, welche weitere Aufschlüsse über die Zusammensetzung und die physikalischen und chemischen Eigenschaften von GU Psc b liefern werden. In den kommenden Jahren, so die Erwartungen der Astronomen, werden dann aufgrund neuer Beobachtungsinstrumente noch weitere Exoplaneten in die Kategorie der "direkt abzubildenden Exoplaneten" aufsteigen.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden kürzlich von Marie-Ève Naud et al. unter dem Titel "DISCOVERY OF A WIDE PLANETARY-MASS COMPANION TO THE YOUNG M3 STAR GU PSC" in der Fachzeitschrift ’The Astrophysical Journal’ publiziert.

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Fachartikel von Marie-Ève Naud et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Gemini-Observatorium, Keck-Observatorium)


» ILA Space Day - einen Tag Raumfahrt
23.05.2014 - Die Raumfahrt ist natürlich während der ganzen ILA vertreten, aber mit dem Space Day soll ja die Raumfahrt einen besonderen Stellenwert auf der ILA erhalten. So wurden u.a. in vier Panel-Diskussionen mit viel Prominenz präsentiert, die solche Veranstaltungen sicher auch gerne nutzen, ihre Message öffentlich zu machen.
Das Konzept des Messeauftritts kennt man schon aus früheren ILAs - ein Highlight am Eingang, diesmal die Orion mit dem europäischen Servicemodul, ein aufwendig inszenierte Halle mit Exponaten und die sich daran anschließenden Messestände von DLR und Raumfahrtunternehmen. Mein letzter Besuch einer ILA zeigte den ESA Lunar Lander, der ja gestrichen wurde. Geht es allen Projekten so, die so prominent vor dem Space-Pavillion ausgestellt werden?

Thomas Reiter ist wohl zu Recht stolz, mit der NASA-Kooperation in der bemannten Exploration einen europäischen Fuß in der Tür zu haben und gewissermaßen den Motor des Systems beisteuern zu können. Dennoch sind die technischen wie auch organisatorischen Herausforderungen und Voraussetzungen nicht gerade optimal, den Erfolg des Unternehmens sicherzustellen.

Im Space Pavillion fanden dann die Diskussionsrunden statt. Vieles von den Themen ist von den Verantwortlichen und in Medien bereits diskutiert worden. Vor Ort bekommt man dann doch ein Gefühl, welche Fragen und Interessenkonflikte zwischen den Beteiligten noch abzuarbeiten sind.

- Erdbeobachtung und Telekommunikation
- Wettbewerb und Wachstum
- Die Zukunft des Träger Geschäfts - Kommerzialisierung vs. institutionelle Beschaffung
- Bemannte Raumfahrt - Forschung im All für die Erde

Erdbeobachtung und Telekommunikation sind der Anwendungsbereich der Raumfahrt, liefern mit den unterschiedlichsten Satelliten schöne Bilder, viele Messwerte und Dienste. ESA Direktor Volker Liebig gestand jedoch auch ein, dass dieser Bereich weitgehend öffentlich finanziert ist und weit mehr finanzielle Mittel in Europa erhält (ca. 915 Mio. €) als z.b. die bemannte Raumfahrt (ca. 370 Mio. €). Er kündigte an, dass die übernächste ESA-Ministerkonferenz 2016 sich mit der weiteren Finanzierung befassen wird.

Frau Zypries, Koordinatorin für Luft- und Raumfahrt im Bundesministerium für Wirtschaft, vertritt die politische Seite als öffentlicher Auftraggeber für die Raumfahrtindustrie, die unterstützt wird von DLR-Chef Wörner. Dordain verwies darauf, dass heute die Zukunft in 5 Jahren gestaltet wird, die die Verantwortlichen heute (bzw. auf der ESA-Ministerratskonferenz) entscheiden. Frau Zypries äußerte sich ua. begeistert von SpaceX als ein sehr innovatives und unternehmerisches Unternehmen und stellte die Frage gerichtet an die Industrie, warum das nicht auch in Europa möglich ist.

Dahinter steht natürlich der Wunsch, Raumfahrt in Europa billiger zu machen. Zypries forderte Verbesserungen und Kostenvorteile bei der Ariane 5. Und Deutschland erklärt gegenüber der ESA gleich formell, dass man nicht mehr Geld für die Trägerentwicklung zur Verfügung stellen wird. 2015-2024 soll die Budgethöhe wie bisher bei etwa 850 Mio € liegen. Naja, auch diese Vorgehensweise ist nicht besonders neu, innovativ oder innovationsfreundlich. Der Auftraggeber ist sozusagen durch seine Auftragsvergabe zu 50% für die Strukturen verantwortlich, die er vorfindet.

Die von der Industrie vorgeschlagene Konzentration auf weniger Standorte stellte DLR-Chef Wörner in Frage und verwies dabei auf das Beispiel der Airbus Flugzeugproduktion. Er verwies sicher zu Recht darauf, dass es ein europäisches Projekt bleiben sollte. Evert Dudok als Vertreter der Industrie schien da jedoch anderer Meinung zu sein. Immerhin brachte Herr Wörner Europa ins Spiel mit einem 20-Euro Schein der Europa als Satellitenfoto zeigt, so dass jeder von uns ein bisschen Raumfahrt in der Tasche hat.

Hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen den ISS-Partnern war die ILA wohl noch nicht der Zeitpunkt und die Gelegenheit, die Beteiligten ins Gespräch zu bringen oder die Situation zu verändern. Immerhin schärft die Diskussion die Frage um die Zukunft der ISS und die Frage des danach.

Nach der ESA-Ministerratssitzung 2012 hatte man sich geschworen, den Verhandlungsstress nicht noch einmal zu erleiden und die Zeit von 2 Jahren bis Ende 2014 für eine Einigung zu nutzen. Nach 1,5 Jahre sieht es aber noch nicht danach aus, dass man politische Fortschritte gemacht hat und die Zahl der Baustellen eher wächst.

Aber Abseits der politischen Zukunftsgestaltung ist die ILA in jedem Fall ein Event und Treffpunkt, wo man alles sehen und (das meiste) anfassen kann, was fliegt.

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(Autor: Thomas Brucksch - Quelle: Besuch der ILA)


» Japanischer Erdbeobachtungssatellit ALOS 2 gestartet
24.05.2014 - Um 5:05 Uhr und 14 Sekunden MESZ am 24. Mai 2014 startete eine HII-A-Rakete vom japanischen Raumfahrtzentrum Tanegashima, um den Erdbeobachtungssatelliten ALOS 2 alias DAICHI 2 in den Weltraum zu befördern. Der mit einer Radaranlage als Hauptinstrument ausgerüstete Satellit wurde nach einer Flugzeit von 15 Minuten und 47 Sekunden erfolgreich im All ausgesetzt.
Bei der 24. Mission einer HII-A-Rakete kam die Version 202 zu Einsatz. Diese Version zeichnet sich durch zwei seitlich montierte Feststoffbooster vom Typ SRB-A aus. Der Flug der Rakete begann von der Rampe Nummer 1 des Yoshinobu-Startkomplexes (YLP-1) an der Südküste der japanischen Insel Tanegashima. Vor Ort herrschte zum Zeitpunkt des Starts eine Temperatur von 24,4 Grad Celsius, Wind kam mit einer Geschwindigkeit von rund 3,4 Meter pro Sekunde aus Richtung Osten.

Zuerst lief das LE-7A genannte, flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennende Haupttriebwerk der ersten Stufe an. Nachdem dieses die vorgesehenen Betriebsparameter erreicht hatte, zündeten die beiden mit dem Treibstoff HTPB gefüllten Feststoffbooster und die von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) gebaute Rakete verließ die Rampe.

Rund 120 Sekunden nach dem Abheben waren die Feststoffbooster ausgebrannt und wurden rund 15 Sekunden später abgeworfen. Der Abwurf der Nutzlastverkleidung an der Spitze der Rakete folgte rund vier Minuten und 32 Sekunden nach dem Abheben.

Nach rund sechs Minuten und 37 Sekunden Flug hatte die erste Stufe ihre Arbeit erledigt und wurde rund neun Sekunden später abgetrennt. Zehn weitere Sekunden später zündete das LE-5B genannte, ebenfalls flüssigen Wasserstoff mit flüssigem Sauerstoff verbrennende Haupttriebwerk der zweiten Stufe der Rakete.

Ganz knapp über acht Minuten arbeitete des Haupttriebwerk der zweiten Stufe, bis sein Brennschluss erreicht war. Rund 51 Sekunden nach dem Abschalten erfolgte dann das Aussetzen von ALOS 2, den die Mitsubishi Electric Corporation (MELCO) für die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (JAXA) nach einem Auftrag aus dem Jahr 2009 gebaut hatte.

Die neben ALOS 2 mitgeführten Kleinsatelliten wurden von der zweiten Stufe anschließend mit einigem zeitlichen Abstand freigegeben. Raijin 2 alias Rising 2, (Atmosphärenforschungssatellit, Masse 50 Kilogramm) begann rund 25 Minuten nach dem Abheben mit dem eigenständigen Flug, und UNIFORM (Satellit zur Branderkennung, Masse ebenfalls 50 Kilogramm), SOCRATES (Testsatellit für Laserkommunikation, Masse 48 Kilogramm) sowie der SPROUT (Technologieerprobungssatellit, Masse 7,1 Kilogramm) nahmen danach in jeweils vier Minuten und zehn Sekunden Abstand den Soloflug auf.

ALOS 2 mit seiner Startmasse von rund 2.120 Kilogramm gelangte in einen annähernd kreisförmigen sonnensynchronen Orbit in rund 628 Kilometern Höhe, der rund 98 Grad gegen den Erdäquator geneigt ist und eine Wiederholrate zur Beobachtung der selben Stellen am Erdboden von 14 Tagen erlaubt. Auf der vorgesehenen Umlaufbahn entfalteten sich rund eine halbe Stunde nach dem Start die beiden bei Missionsbeginn zusammen rund 5,1 Kilowatt elektrische Leistung liefernden Solarzellenausleger des Satelliten, und das Raumfahrzeug mit einer Spannweite von 16,5 Metern orientierte sich in geeigneter Weise Richtung Sonne. Acht Stunden wird ALOS 2 so ausgerichtet um die Erde kreisen, bis eine automatische Neuausrichtung an der Erde erfolgt.

Geplant ist, dass sich rund 13 Stunden nach dem Start die große Radarantenne des Satelliten entfaltet, welche Bestandteil des als PALSAR-2 für Phased Array L-band Synthetic Aperture Radar bezeichneten Hauptinstruments des Satelliten ist. Entfaltet misst die für den Einsatz im L-Band mit einer Wellenlänge um 22,9 Zentimeter ausgelegte Antenne der Radaranlage mit synthetischer Apertur etwa 9,9 auf 2,9 Meter.

Bei Überblicksaufnahmen werden Radarbilder von PALSAR-2 laut Plan eine Auflösung von 100 oder alternativ 60 Metern aufweisen, die Schwadbreite bei Überblicksaufnahmen liegt dann bei 350 oder 490 Kilometern. In einem Betriebsmodus für kleinere Aufnahmeregionen sind Schwadbreiten zwischen 50 und 70 Kilometern möglich, die erreichte Auflösung liegt dann zwischen 3 und 10 Metern. Mit einer Auflösung zwischen einem und drei Metern können einzelne Gebiete abgetastet werden, die Schwadbreite beträgt dann 25 Kilometer.

Gewonnene Daten sind dazu gedacht, bei der Vermeidung und Bewältigung von Katastrophen zu helfen, der Erkundung von Bodenschätzen zu dienen, Umweltschutzbestrebungen zu unterstützen und im Forstbetrieb verwendet zur werden.

Zwei Kommunikationsantennen an Bord von ALOS 2 für das X- und das Ka-Band sollen 37 und 47 Stunden nach dem Start ausgeklappt werden. Über sie werden auch die nach Aufnahme des Regelbetriebs vom Satelliten zu erfassenden Nutzdaten zur Erde gefunkt. 51 Stunden nach dem Start schließlich wird der Satellit laut Plan zum ersten mal einen nominalen Betriebsmodus mit einsatzbereiten Reaktionsrädern erreicht haben.

Die Auslegungsbetriebsdauer von ALOS 2 beträgt fünf Jahre. Man hofft allerdings auf eine Nutzbarkeit von rund sieben Jahren, innerhalb derer die Radaranlage sowie die CIRC für Compact Infrared Camera genannte Infrarotkamera und das SPAISE2 für SPace based Automatic Identification System Experiment 2 genannte System zur Erfassung und Weiterleitung von Positionsdaten von Seeschiffen möglichst kontinuierlich die gewünschten Daten liefern.

ALOS 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.766 und als COSPAR-Objekt 2014-029A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA, MELCO, MHI)


» Russland startet drei Militärkommunikationssatelliten
24.05.2014 - Am 23. Mai 2014 um 7:27 Uhr und 54 Sekunden MESZ wurde eine dreistufige Rockot-Rakete im russischen Plessezk vom Startplatz 133/3 gestartet. An Bord befanden sich drei Satelliten vom Typ Rodnik alias Strela-3M, die die Bezeichnungen Kosmos 2496 bis Kosmos 2498 erhielten.
Die verwendete Rakete setzte sich aus zwei Stufen einer ehemaligen Interkontinentalrakete des Typs SS-19 (alias Stiletto, russische Bezeichnung RS-18) und einer Breeze-KM-Oberstufe zusammen. Die Triebwerke RD-244 der ersten und RD-235 der zweiten Stufe sowie die der Breeze-KM-Oberstufe wurden mit unsymmetrischem Dimethylhydrazin und Distickstofftetroxid betrieben. Alle Raketenstufen wurden vom russischen Raketenbauer Chrunitschew hergestellt.

Der erste Satellit des Typs Rodnik bzw. Strela-3M gelangte am 21. Dezember 2005 auf einer Kosmos-3M-Rakete für das russisches Verteidigungsministerium ins All, drei weitere Satelliten erreichten am 23. Mai 2008 auf einer Rockot-Rakete den Weltraum. Die zuletzt gestarteten Satelliten haben gegen 9:12 Uhr MESZ am 23. Mai 2014 ihre Zielorbits erreicht, das Kommando- und Messzentrum der Russischen Weltraumstreitkräfte hat die Kontrolle der Satelliten übernommen. Nach Angaben von Reschetnjow Informational Satellite Systems (JSC ISS), Hersteller der drei Satelliten, funktionieren sie wie vorgesehen.

Erste Bahnverfolgungsdaten legen nahe, dass neben den drei militärischen Kommunikationssatelliten und der Raketenoberstufe Breeze-KM ein weiteres Objekt eine Endumlaufbahn erreichte.

Kosmos 2496 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.761 und als COSPAR-Objekt 2014-028A, Kosmos 2497 mit der NORAD-Nr. 39.762 und als COSPAR-Objekt 2014-028B, Kosmos 2498 mit der NORAD-Nr. 39.763 sowie als COSPAR-Objekt 2014-028C. Das zusätzliche Objekt ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.765 und als COSPAR-Objekt 2014-028E.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ITAR-TASS, Reschetnjow, RIA Novosti)


» Falsche Nachrichten vom Anfang des Universums?
25.05.2014 - Vor kurzem veröffentlichte eine Forschergruppe Daten des am Südpol befindlichen BICEP-2-Observatoriums, mit denen sie aus der Frühzeit des Universums stammende Gravitationswellen belegen wollte. Diese würden starke Indizien für die so genannte Inflationstheorie, die die Astronomen und Kosmologen benötigen um die Struktur des heutigen Universums erklären zu können, liefern. Nun mehren sich die Zweifel daran, ob die Interpretation der Daten richtig ist.
Die Theorie der Inflation postuliert eine schnelle Expansionsbewegung zu Beginn des Universums. Sie wurde bereits in den 80er Jahren entwickelt, um ungeklärte Fragen der Urknalltheorie zu lösen. Allerdings kann man sie (bisher) nicht beweisen. Denn alles, was sich unmittelbar nach dem Urknall abgespielt hat (die Inflation soll sich in einem Zeitraum von 10-35 Sekunden nach dem Urknall ereignet haben), ist bisher einer direkten Beobachtung verschlossen gewesen. Denn erst nach etwa 380.000 Jahren wurde das Universums für Strahlung durchlässig. Wir können also nicht weiter als bis in eine Zeit von 380.000 Jahren nach dem Urknall zurückschauen. Diese Grenze wird als Mikrowellenhintergrund bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten hat man sie aber durch verschiedene Satelliten immer genauer vermessen.

Die Forschergruppe von BICEP-2 hatte nun behauptet, im Mikrowellenhintergrund Polarisationen nachgewiesen zu haben, die nur von Gravitationswellen stammen können, die infolge der Inflation entstanden sind. Dies wäre eine außerordentlich wichtige Entdeckung. Doch diese Aussage gerät nun immer mehr unter Beschuss.

Erste Zweifel an den Aussagen wurden schon relativ schnell laut. So hielten Physiker wie William Jones (Princeton) sie für eine Überinterpretation der vorliegenden Daten. Die Zahl der Zweifler hat sich nun vermehrt, da einige Forschergruppen die Berechnungen nicht nachvollziehen konnten. Außerdem wurden und werden systematische Mängel genannt: Der Studie fehlt ein Abschnitt, in dem mögliche Fehlerquellen aufgelistet werden (der bisher auch, entgegen einem Versprechen der Forschergruppe, nicht nachgeliefert worden ist). Weiterhin fehlt bisher die Veröffentlichung in einem Journal, bei dem die Aufsätze vor der Veröffentlichung kritisch durchgesehen werden. Am schwersten wiegt aber der Vorwurf, dass die Daten möglicherweise durch Staub verfälscht worden sind. Die BICEP-2-Studie beruht auf Messungen bei einer einzigen Wellenlänge. Dabei bezogen sich die Wissenschaftler auf Daten des Satelliten Planck, der eine Karte der Staubverteilung erstellt hat. Diese Daten sind aber noch gar nicht veröffentlicht, sondern es gibt sie derzeit nur in vorläufiger Form, die eventuell noch korrigiert werden muss. Es gibt nicht wenige Astronomen, die es für verwegen halten, eine so wichtige Aussage über einen Eckpfeiler der Urknalltheorie auf der Basis von Daten zu treffen, die noch gar nicht vernünftiger Form vorliegen. Überdies hat das BICEP-2 Team auch die Störungen durch weit entfernte, staubreiche Galaxien nicht heraus gerechnet.

Der Konflikt wird wohl bald gelöst. Es gibt weitere Gruppen, die an Studien zu der Polarisation der Hintergrundstrahlung. Daher wird man in absehbarer Zeit wissen, ob man wirklich Signale vom Beginn des Universums nachweisen kann.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: Sterne und Weltraum.de)


» ILA: Arianespace CEO Stephane Israel im Gespräch
25.05.2014 - Nach etwa einem Jahr im Amt berichtet Mr. Israel im Gespräch mit Raumfahrer.net & Flugrevue auf der ILA 2014 über Weltraumtourismus, Wiederverwendbarkeit und die Rolle, die Arianespace bei der Entwicklung der Ariane 6 spielen kann. Auch der Wunsch nach mehr Onboardkameras kommt zur Sprache.
Flugrevue: Sie sind sehr jung und neu in der Position als Chef von Arianespace. Wenn Sie nun auf die letzten Monate zurückblicken, ist es dass, was Sie erwartet haben?

Stéphane Israël: Ich würde sagen ja. Ich hatte vorher schon viel Erfahrung im Raumfahrtbereich. Im Jahr 2007 bin ich diesen Weg erstmals eingeschlagen, zunächst als Berater von Louis Gallois, CEO von EADS. Gefolgt von mehreren Management-Positionen im operativen Geschäft von Astrium. Ich wusste also gut, wie der Raumfahrtsektor in Europa funktioniert. Wir müssen unsere Auftragsbücher abarbeiten und dabei erfolgreich sein. Sowohl für private Kunden, als auch für staatliche. Was mich dagegen etwas überrascht hat, war die große Anzahl der beteiligten Stakeholder. Da ist der Kunde, die ESA, das politische Umfeld usw. Es ist nun mal Tatsache, dass Arianespace ganz Europa gehört und das hatte ich mir weniger zeitraubend vorgestellt. Man muss gleichzeitig Diplomat sein, aber wenn man das Glück hat ein Unternehmen zu führen, zugleich auch einen klaren Weg vorgeben. Diese beiden Eigenschaften sind oft nicht kompatibel. Dies zu meistern, ist eine meiner Aufgaben.

Flugrevue: Mr. Le Gall (anm. der Redaktion: ehemaliger CEO von Arianespace) antwortete auf Fragen zur Zukunft des Unternehmens immer, dass Airanespace ein Serviceunternehmen sei. Sie führen Aufträge aus, ganz egal welche Rakete da nun auf dem Startplatz steht. Denken Sie in die gleiche Richtung in Hinblick auf die unklare Situation mit der Ariane 6? Die Franzosen wollen Feststoff, die deutschen etwas anderes und jeder wartet auf eine Entscheidung bei der Ministerratskonferenz.

Stéphane Israël: Nun ich denke, dass Arianespace eine einzigartige Expertise im Betreiben von Raketen mitbringt. Wir operieren seit mehr als 30 Jahren in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Kunden. Auf Basis dieser Erfahrungen ist Arianespace absolut in der Lage, Vorschläge und Konzepte in die Diskussion bei der Ministerratskonferenz einzubringen. Deswegen haben wir umfangreiche Marktanalysen durchgeführt um zu sehen, wohin er sich entwickeln könnte. Durch den kommenden Durchbruch all-elektrischer Satelliten werden wir uns wohl in einer Situation mit mehr kleineren Satelliten im geostationären Orbit befinden. Daher benötigen wir die Ariane 6, dessen Design wir übrigens unterstützen, für große, aber eben auch kleinere Satelliten. Dies gesagt ist es also klar, dass wir zwei kleinere Satelliten zusammen starten wollen, einfach, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Zudem unterstütze ich das Konzept der Ariane 5 ME für die mittlere Zukunft. Grade durch Mitbewerber wie SpaceX und Poroton, die im Bereich von 6 Tonnen starten, wird es mehr Satelliten dieser Größenordnung geben. Dort sind wir zurzeit nicht gut aufgestellt, da wir nicht zwei dieser Satelliten gleichzeitig starten können. Die Ariane 5 ME wird uns diese Möglichkeit geben, die frühestens 2018 einsatzbereit sein wird.
Daher, wir können unseren Beitrag leisten, sind aber nicht die ESA und auch nicht die Industrie, die für die Produktion und Entwicklung der Rakete verantwortlich ist.

Flugrevue: Sie haben in Ihren Reihen ja durchaus Ingenieure, wie Sie sagten auch mit viel Erfahrung. Diese könnten doch schon sagen, mit welchem Raketentyp es sich besser arbeiten ließe.

Stéphane Israël: Das stimmt zwar, aber bezüglich des Designs denke ich ehrlicherweise, dass dies mehr in der Verantwortung der Industrie liegt. Ob nun Feststoff oder Flüssigtriebwerke, ich möchte Arianespace da nicht in der Debatte sehen. Ich sehe uns da eher von der operativen Seite. So wichtig diese Diskussion auch ist, sie liegt nicht in unserer Verantwortung.

Raumfahrer.net: Als Startanbieter haben Sie ein Interesse an einer preislich konkurrenzfähigen und zuverlässigen Rakete. Wie passt da eine der teuersten & kompliziertesten Oberstufen zum sonst eher konservativen Konzept der Ariane 6 mit Ihren Feststoff-Basisstufen?

Stéphane Israël: Die Oberstufe soll sowohl für die Ariane 5 ME, als auch die Ariane 6 zur Verfügung stehen. Ich sehe das also eher positiv. Wir nutzen das gleiche Triebwerk für beide Raketen, was natürlich zu Preiseinsparungen führt. Ich sehe das Vinci Triebwerk aus technologischer Sicht für einen großen Fortschritt. Sie wird Arianespace eine wiederzündbare Oberstufe geben was sich für elektrische Nutzlasten besonders eignet. Wenn es um günstige Raketen geht, was natürliche eine Priorität für Arianespace ist um auf dem Markt bestehen zu können, kann man durch das Design der Rakete günstiger werden aber auch durch die Betriebsführung. Ich habe diese Oberstufe jedenfalls immer als einen großen Vorteil angesehen.

Raumfahrer.net: Sie haben vorher bereits SpaceX angesprochen. Diese versuchen grade wiederverwendbare Raketen zu etablieren. Wäre das für Europa auch ein gangbarer Weg?

Stéphane Israël: Ich denke wir sollten aufmerksam sein bei allen Innovationen. Und in der Raumfahrt geht es natürlich grade um Innovationen. In diesem Punkt müssen Sie aber unterscheiden zwischen der technischen Betrachtungsweise und dem Business-case. Von der technischen Seite her denke ich, es ist möglich die Wiederverwendbarkeit umzusetzen. Ob danach aber ein Business-Case daraus wird ist eine andere Frage. Hier gibt es viele Bedenken, so ist es nicht leicht die Rakete wieder zu bergen. Außerdem vernichtet man die Preisvorteile durch höhere Produktionsraten, da weniger gefertigt wird.
Zudem muss man wissen, wofür man Wiederverwendung benötigt. Ist die Ambition Satelliten in den geostationären Orbit zu bringen oder zum Mars zu fliegen? So wie ich das verstanden habe, ist die Wiederverwendbarkeit ein Schritt Richtung Mars. Um dorthin zu fliegen und wieder zurück, braucht man eine wiederverwendbare Rakete. Die Ambitionen von SpaceX, das haben Sie mehrfach geäußert, liegen nicht im GEO, sondern beim Mars. Wir werden uns die Entwicklung sehr sorgfältig anschauen und dies ist etwas, was wir im Hinterkopf behalten müssen.
In dem Fall, das die Ariane 6 nicht den Weg für diese Technologie frei macht, müssen wir das natürlich erklären, damit, dass dies nicht der Weg für Europa ist. Jetzt ist die Wiederverwendbarkeit auf jeden Fall mit in der Debatte und ich bin mir sicher, dass es eine Rolle spielt bei der Designentscheidung. Auch wenn Sie nicht kommt.

Flugrevue: Am Anfang sprachen Sie von der Proton als Konkurrenz. Ist sie das wirklich, grade im Hinblick auf den misslungenen Start vor wenigen Wochen.

Stéphane Israël: Ja, das denke ich schon. Obwohl die Tatsache von einem Fehlstart pro Jahr in jüngerer Vergangenheit natürlich den Druck von uns nimmt. Aber die Proton ist weiter da, wenn auch mit einem größeren Fragezeichen bezüglich der Zuverlässigkeit. Auch letztes Jahr ist Sie nach dem Fehlstart schnell wieder am Markt gewesen. Auch uns erinnert es daran, dass wir in einem komplizierten Markt vertreten sind und selbst nach 59 erfolgreichen Starts in Reihe müssen wir fokussiert bleiben.

Raumfahrer.net: Zudem waren die kommerziellen Proton Flüge, operiert von ILS, in den letzten Jahren immer erfolgreich. Sehen Sie ein Problem darin mit möglicherweise 5 Raketenkonfigurationen parallel zu arbeiten, sobald die Ariane 6 da ist?

Stéphane Israël: Nein, dies wird alles nacheinander geschehen. Ariane 5 auf Ariane 5 ME wird ein sanfter Übergang und die Ariane 6 bekommt Ihren eigenen Startplatz. Schon heute können wir 3 Raketen erfolgreich betreiben mit lediglich 2 Wochen Mindestabstand zwischen zwei Starts, was sehr bemerkenswert ist.

Raumfahrer.net: Glauben Sie, dass es möglich ist, mit Weltraumtouristen Geld zu verdienen?

Stéphane Israël: Wir sind nicht in diesem Geschäft, daher bin ich da auch kein Experte. Es gibt da einige Projekte, Airbus Defense & Space hat eins sowie einige amerikanische Firmen. Es ist Fakt, dass es in dieser Welt einige Menschen gibt, die bereit und in der Lage sind für einige Minuten im All sehr viel Geld zu bezahlen. Ich sehe die Raumfahrt eher als etwas an, dass der gesamten Menschheit dienen soll und nicht einigen wenigen. Ich wünsche mir lieber, dass Arianespace Satelliten startet, welche für Navigation, Wetter & Erdbeobachtung Vorteile für jeden schafft.

Raumfahrer.net: Eine kurze Frage hätte ich noch. In Ihren Liveübertragungen zeigen Sie oft Konservenbilder von Onboardkameras. Wäre es nicht toll, diese live immer dabei zu haben?

Stéphane Israël: Wir hatten Kameras beim Start von Kopernikus mit der Sojus. Mit fantastischen Aufnahmen der Stufentrennung und ich bin der Überzeugung, dass die Raumfahrt zu allen sprechen muss, nicht nur einigen wenigen Experten. Als ich die Bilder zum ersten Mal sah, war ich ebenfalls mehr als beeindruckt und wollte, dass diese Bilder an die Öffentlichkeit gehen.

Raumfahrer.net: Also können wir diese Onboardkameras bei zukünftigen Starts ebenfalls erwarten?

Stéphane Israël: Nun, wir haben jetzt dieses Video und auch eines vom ATV Start letztes Jahr.

Flugrevue: Vielleicht könnte man diese kleinen Kameras bei mehr Starts dabei haben, sie sollten klein und günstig zu haben sein.

Stéphane Israël: Es ist leider nicht so einfach. Wenn man unseren Ingenieuren sagt, sie sollen an einer Stelle der Rakete etwas ändern, muss man durch eine Vielzahl von Studien gehen. Wir sind nicht hier nur um eine Show zu machen.

Flugrevue: Aber ich denke, Sie müssen eine Show machen, grade für die jungen Leute um Sie zu inspirieren, um den Steuerzahlern etwas zurückzugeben. Es sollte nicht nur ein Business sein, sondern es sollte auch um die Schönheit des Weltraums gehen und dies den Menschen zu zeigen.

Raumfahrer.net: Auf Ihrem eigenen youtube Kanal ist es das einzige Video mit einer wirklich beeindruckenden Zahl an Aufrufen.

Stéphane Israël: Deswegen habe ich einen neuen Direktor für Kommunikation ernannt und einer seiner Aufgaben wird es sein, die Dinge die wir hier tun nach außen zu bringen für jeden Start. Ich teile auf jeden Fall Ihre Ansicht hier, vieles ist vom Steuerzahler finanziert und er sollte hier auch etwas zurückbekommen.

Raumfahrer.net & Flugrevue: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Das Gespräch führten Klaus Donath für Raumfahrer.net und Matthias Gründer für Flugrevue, dem hier auch noch einmal gedankt sei für das zur Verfügung stellen seiner Audioaufzeichnung. Ebenso gilt der Dank Arianespace für das Ermöglichen des Interviews.
(Autor: Klaus Donath - Quelle: Raumfahrer.net)


» Sealaunch: Zenit-3SL bringt Eutelsat 3B ins All
27.05.2014 - Am 26. Mai 2014 brachte eine dreistufige Rakete vom Typ Zenit-3SL den Kommunikationssatelliten Eutelsat 3B ins All. Der Start erfolgte um 23:09 Uhr und 59 Sekunden MESZ von Sealaunchs Startplattform "Odyssey" im Pazifik aus zu Beginn eines 54 Minuten langen Startfensters.
Eutelsat 3B mit einer Startmasse von 5.967 Kilogramm wurde im Rahmen der 36. Mission von Sealaunch von einer Zenit-3SL mit einer auf einer Entwicklung im Rahmen des sowjetischen Mondprogramms aufbauenden Oberstufe vom Typ Block-DM-SL in den Weltraum gebracht. Die erste Stufe mit RD-171-Triebwerk der von Juschnoje in der Ukraine gebauten und aus einem Flüssigkeitsbooster für die sowjetische Schwerlastrakete Energia entwickelten Trägerrakete wurde kurz vor dem Abheben gezündet und brannte nach rund zweieinhalb Minuten aus.

Anschließend trug die zweite Stufe mit einem RD-120-Triebwerk und einer Lenktriebwerkseinheit vom Typ RD-8 den Block-DM-SL und die Nutzlast weiter in die Höhe. Während des Betriebs der zweiten Stufe wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Rund achteinhalb Minuten nach dem Start war auch die zweite Stufe ausgebrannt und abgetrennt.

Danach war es Aufgabe des Block-DM-SL, mit zwei Brennphasen seines RD-58M-Triebwerks, das wie die der Startstufen Kerosin mit flüssigem Sauerstoff verbrannte, die Nutzlast in den vorgesehenen Zielorbit zu bringen. Der neue Erdtrabant für den Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat Communications mit Hauptsitz in Paris ist nach dessen Informationen im richtigen Transferorbit angekommen, nachdem er sich von der Raketenoberstufe um 0:10 Uhr und 28 Sekunden MESZ am 27. Mai 2014 getrennt hatte.

Laut Eutelsat gelang es, direkt nach dem Aussetzen des Raumfahrzeugs erste Daten von ihm zu empfangen. Die Orbitzirkularisierung wird Eutelsat 3B mit einem eigenen Triebwerk vornehmen. Der von Airbus Defence and Space basierend auf der Plattform Eurostar E3000 gebaute, dreiachsstabilisierte Satellit soll im Geostationären Orbit bei 3 Grad Ost positioniert werden.

Das neue, im Juli 2011 bestellte Raumfahrzeug ist nach Angaben von Eutelsat das 20., das man bei Airbus Defence and Space bzw. Astrium beauftragt hat, und das 8., das auf dem Bus Eurostar E3000 basiert. Eutelsat will den Satelliten künftig verwenden, um mit seinen C-, Ka- und Ku-Band-Transpondern Europa, Afrika, den Nahen Osten, Zentralasien und Teile Südamerikas (insbesondere Brasilien) mit Video-, Daten-, Telekommunikations- und Breitbanddiensten zu versorgen.

Die Lebenserwartung von Eutelsat 3B liegt bei mindestens 15 Jahren. Der von zwei Solarzellenauslegern mit elektrischer Energie versorgte Satellit hat nach Angaben seines Herstellers eine Nutzlastleistung von 12 Kilowatt.

Eutelsat 3B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.773 und als COSPAR-Objekt 2014-030A.

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(Autor: Axel Nantes - Quelle: Astrium, Eutelsat, Sealaunch)



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Mars Aktuell: Marslander InSight: Der Bau kann beginnen von Redaktion



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» Marslander InSight: Der Bau kann beginnen
20.05.2014 - Während der vergangenen Woche bestand das Konzept der zukünftigen Marsmission InSight eine letzte Begutachtung. Nach der finalen Freigabe durch die verantwortliche NASA-Kommission kann jetzt mit dem Bau des Marslanders begonnen werden.
Im Rahmen ihres Discovery-Programms absolviert die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA in regelmäßigen Abständen kleinere und relativ kostengünstige Raummissionen mit einem Budget von bis zu etwa 500 Millionen US-Dollar, mit denen in erster Linie wissenschaftliche Fragestellungen in Rahmen der Erkundung unseres Sonnensystems beantwortet werden sollen. Am 20. August 2012 gab die NASA bekannt, dass für die nächste Discovery-Mission der Marslander InSight ausgewählt wurde (Raumfahrer.net berichtete).

InSight steht als Abkürzung für "Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport". Der Lander soll im März 2016 von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien aus zu unserem Nachbarplaneten aufbrechen und nach seiner Landung im September 2016 den inneren Aufbau des Mars untersuchen. Das primäre wissenschaftliche Ziel der InSight-Mission besteht darin, zum ersten Mal überhaupt durch direkte Messungen einen Einblick in das Innere des Planeten Mars zu gewinnen. Der Mars dient hierbei allerdings lediglich als ein Vertreter der Klasse der terrestrischen Planeten. Durch das Studium der Struktur und der Zusammensetzung des Marsinneren erhoffen sich die Planetenforscher nicht nur fundamentale Erkenntnisse über den Mars, sondern auch über die verschiedenen Prozesse, welche bei der Entstehung und Entwicklung eines erdähnlichen Planeten ablaufen.

Die Mission InSight ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, der französischen Weltraumagentur CNES und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Neben deren Mitarbeitern sind außerdem Wissenschaftler von verschiedenen US-amerikanischen Einrichtungen sowie Forscher aus Österreich, Belgien, Kanada, Japan, Polen, Spanien, der Schweiz und aus Großbritannien in die Mission eingebunden. Für den Bau der Raumsonde ist die Firma Lockheed Martin Space Systems verantwortlich. Die Mission wird von Dr. Bruce Banerdt vom JPL, einem der renommiertesten US-amerikanischen Marsforscher, geleitet. Das Design von InSight beruht auf dem Aufbau der Marslander-Mission Phoenix, welche im Jahr 2008 über einen Zeitraum von fünf Monaten in der Nordpolregion unseres Nachbarplaneten aktiv war. Im Gegensatz zu Phoenix soll InSight allerdings über einen Zeitraum von 24 Monaten Daten sammeln.

Die Instrumente von InSight

Hierbei werden drei Instrumentenpakete zum Einsatz kommen, von denen zwei von europäischen Einrichtungen beigesteuert werden.

Ein Seismometer zum Nachweis von ’Marsbeben’, welches unter der Leitung des französischen Institut de Physique du Globe de Paris (IPGP) entwickelt wurde, soll die bei einem Beben auftretenden seismischen Wellen registrieren. Durch die Aufzeichnung und Auswertung der Stärke und des Verlaufs der Amplitude und der Laufzeiten der Bebenwellen, welche sich vom Hypozentrum eines Bebens ausgehend durch das gesamte Innere des Planeten fortpflanzen, sollen neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung, die Beschaffenheit und die Ausdehnung der Planetenkruste, des Mantels und des Planetenkerns gewonnen werden.

Ein weiteres Instrument trägt die Bezeichnung "Heat Flow and Physical Properties Package" oder kurz "HP3". Hierbei handelt es sich um einen mit verschiedenen Messinstrumenten ausgerüsteten elektromechanischen ’Maulwurf’, welcher vollautomatisch bis zu fünf Meter tief in den Marsboden vordringen soll. Mit seinen Sensoren soll HP3 den Wärmefluss, die elektrische Leitfähigkeit, die Temperaturverteilung, die physikalischen Eigenschaften und den Wassergehalt in diesem Bereich des Untergrundes bestimmen. Aus den so zu gewinnenden Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die thermische Entwicklung des gesamten Planeten, denn aus der Vermessung des Wärmeflusses direkt unter der Oberfläche lässt sich auch auf die gegenwärtig stattfindende thermale Aktivität im Marskern schließen. Diese wiederum liefert Hinweise über die fortwährend erfolgende Abkühlung des Kerns und dessen Zusammensetzung.

An der Entwicklung dieses Gerätes war das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) maßgeblich beteiligt. Die Sensoren von HP3 wurden am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof in Zusammenarbeit mit dem Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz entwickelt. Die Tests für den elektromechanischen Schlagmechanismus wurden dagegen in Bremen am dortigen DLR-Institut für Raumfahrtsysteme durchgeführt.

Bei dem dritten Experiment handelt es sich um das "Rotation and Interior Structure Experiment" (kurz "RISE") zur Erforschung des Planetenaufbaus und der inneren Struktur des Mars. Hierbei soll das X-Band-Kommunikationssystem von InSight dazu genutzt werden, um eine durch gravitative Einflüsse verursachte Dopplerverschiebung in den Radiosignalen des Landers zu ermitteln. Durch eine äußerst präzise Messung der Doppler-Signatur der von dem Lander ausgestrahlten Funksignale lassen sich minimale Veränderungen in der Achsenausrichtung des Planeten registrieren. Diese Veränderungen ermöglichen den Wissenschaftlern wiederum Rückschlüsse über die innere Struktur des Planetenmantels und des Kerns sowie über die dortigen Masseverteilungen. Für die Entwicklung des RISE-Experiments ist die US-amerikanische Firma Lockheed Martin zuständig.

Des weiteren soll InSight mit zwei Kameras, einer vom spanischen Centro de Astrobiologia beigesteuerten Wetterstation und einem Magnetometer zur Untersuchung der Ionosphäre des Mars ausgestattet werden.

Critical Design Review bestanden

Während der vergangenen Woche wurde die InSight-Mission von den Verantwortlichen der NASA einer letzten Begutachtung, der "Critical Design Review", unterzogen. Hierbei stellten die einzelnen Teamleiter noch einmal ihre jeweiligen Arbeiten und deren bisherigen Verlauf vor. Am vergangenen Freitag erteilte die zuständige Kommission schließlich ihre Zustimmung für die Fortsetzung der Arbeiten an InSight.

"Unsere Partner in der ganzen Welt haben in der letzten Zeit erhebliche Fortschritte bei ihren Arbeiten erreicht und sind bereit, ihre Komponenten rechtzeitig zum Beginn der Systemintegration zu liefern" so Tom Hoffman, der Projektmanager der InSight-Mission am JPL in Pasadena/Kalifornien. Die Montage der Raumsonde soll noch im November 2014 beginnen und stellt den nächsten großen Meilenstein des Projektes dar. "Unsere Aktivitäten verlagern sich jetzt von der Phase des Entwurfs und der Analyse hin zum Bauen und Testen der Hard- und Software, die uns zum Mars bringen und das Erreichen der Missionsziele gewährleisten wird."

Bereits vor diesem finalen ’Go’ wurde während der letzten Jahre im Rahmen von mehreren Workshops eine Liste der möglichen Landegebiete für den Marslander erstellt und anschließend ausgewertet. Derzeit stehen noch vier potentielle Landestellen zur Debatte, welche sich alle im Bereich der Region Elysium Planitia - einer ausgedehnten Ebene im nördlichen Tiefland des Mars - und dort unmittelbar nördlich des Marsäquators befinden (Raumfahrer.net berichtete).

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Neuer Marskrater mit Wetterkamera entdeckt
23.05.2014 - Bei der Auswertung von Aufnahmen einer Kamera an Bord des Marsorbiters MRO stießen die Wissenschaftler der NASA auf einen erst kürzlich auf dem Mars entstandenen Impaktkrater. Das besondere dabei - eigentlich dienen die Aufnahmen dieser speziellen Kamera lediglich dazu, um das aktuelle Wettergeschehen auf unserem Nachbarplaneten zu dokumentieren.
Bereits seit dem März 2006 umkreist die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene und mit sechs wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattete Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (kurz "MRO") den Mars und liefert den an dieser Mission beteiligten Wissenschaftlern seitdem fast täglich neue und immer wieder faszinierende Detailaufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre unseres äußeren Nachbarplaneten.

Die Hauptkamera an Bord des MRO, die von der University of Arizona betriebene HiRISE-Kamera, erreicht dabei mit ihren Aufnahmen unter optimalen Bedingungen eine Auflösung der Planetenoberfläche von bis zu 25 Zentimetern pro Pixel. Eine zweite Kamera an Bord des Orbiters, die CTX-Kamera, erreicht zwar ’lediglich’ eine Auflösung von etwa sechs Metern pro Pixel. Durch das bei den CTX-Aufnahmen erreichte größere Gesichtsfeld kann das durch die HiRISE abgebildete Gebiet jedoch in einen räumlich weiter ausgedehnten Kontext versetzt werden.

Im Rahmen ihrer Aktivitäten bilden diese beiden Kameras bei passenden Gelegenheiten auch immer wieder die gleichen Abschnitte der Marsoberfläche ab und dokumentieren dabei Veränderungen, welche sich dort erst in jüngster Vergangenheit ergeben haben. Durch den Vergleich mit älteren Aufnahmen zeigte sich dabei mehrfach, dass der Mars im geologischen Sinn keinesfalls eine "tote Welt" ist, sondern dass die Oberfläche unseres Nachbarplaneten vielmehr einem permanent ablaufenden Veränderungsprozess unterliegt.

Durch aeolische Prozesse herbeigeführte Veränderungen von Sanddünen, der Wechsel der Jahreszeiten und immer wieder erfolgende Meteoriteneinschläge führen auch in der unmittelbaren Gegenwart dazu, dass die Marsoberfläche immer wieder neu gestaltet wird.

Bei einer weiteren an Bord des Marsorbiters befindlichen Kamera handelt es sich um die in der interessierten Öffentlichkeit eher unbekannte "Mars Color Imager"-Kamera (kurz "MARCI"), welche als einziges Kamerasystem des MRO den Mars in seiner ’Gesamtheit’ abbilden kann. Die mit dieser Kamera angefertigten Aufnahmen werden seit dem Beginn der MRO-Mission in erster Linie dazu genutzt, um routinemäßig aktuelle Wetterberichte vom Mars zu erstellen.

Diese mittlerweile über einen längeren Zeitraum erfolgende Beobachtung des täglichen marsianischen Wettergeschehens erlaubt es den Wissenschaftlern, Rückschlüsse auf die Prozesse zu ziehen, welche das Wetter auf dem Mars bestimmen. Außerdem sind aktuelle Wetterdaten vom Mars notwendig, damit die für den Betrieb der derzeit aktiven Marsorbiter und -rover verantwortlichen Wissenschaftler und Ingenieure die zukünftigen Aktivitäten dieser Forschungsmissionen planen können.

Ein ungewöhnlicher ’Fleck’ auf der Oberfläche

Seit dem Beginn der systematischen Beobachtung des Mars durch den MRO ist Bruce Cantor von der in San Diego/Kalifornien angesiedelten Firma Malin Space Science Systems (MSSS) - der Herstellerfirma der MARCI-Kamera - einer der Wissenschaftler, welche für die Auswertung und Interpretation der gewonnenen Wetterdaten verantwortlich sind. Dabei fiel ihm bei der Bearbeitung der MARCI-Fotos vom 20. März 2014 ein dunkler Fleck auf, der sich in der Nähe des Marsäquators befand.

"Das war eigentlich nicht das, wonach ich gesucht habe", so Bruce Cantor. "Ich war mit meiner üblichen Wetterüberwachung beschäftigt als mir dieser Fleck auffiel. Es sah aus wie Strahlen, die von einem zentralen Punkt ausgehen."

Daraufhin überprüfte Cantor weitere Aufnahmen der betreffenden Region, die zu früheren Zeitpunkten angefertigt wurden. Der ’Fleck’ war bereits auf Aufnahmen zu erkennen, welche ein Jahr zuvor von der MARCI-Kamera angefertigt wurden. Auf fünf Jahre alten Abbildungen war er dagegen nicht vorhanden. Bei weiteren Vergleichen der Aufnahmen entdeckte Cantor, dass die besagte Struktur am 27. März 2012 noch nicht vorhanden war, ab dem darauf folgenden Tag jedoch regelmäßig auf den MARCI-Aufnahmen erkennbar ist.

Impaktkrater

Nachdem somit bestätigt war, es sich um eine relativ neue Struktur auf der Marsoberfläche handeln muss, wurde am 6. April zunächst die CTX-Kamera eingesetzt, um die Region etwas näher in Augenschein zu nehmen. Die CTX hatte dieses Gebiet, welches sich zwischen dem Olympus Mons und der weiter südwestlich gelegenen Region Gordii Dorsum befindet, bereits am 16. Januar 2012 dokumentiert. Bei einem Vergleich mit den im April 2014 neu erstellten Aufnahmen zeigte sich, dass sich dort jetzt zwei Impaktkrater befinden, die zu Beginn des Jahres 2012 noch nicht vorhanden waren.

Somit konnte bestätigt werden, dass es sich bei der von Bruce Cantor entdeckten Struktur um eine ’frische’ Einschlagsstelle handelt. In den vergangenen Jahren konnten die an der Mars Reconnaissance Orbiter-Mission beteiligten Wissenschaftler durch den Vergleich von zu unterschiedlichen Zeitpunkten angefertigten Oberflächenaufnahmen rund 400 erst kürzlich entstandene Impaktkrater identifizieren. Die jetzt entdeckte Einschlagstelle ist dabei der erste Nachweis eines Impaktes, welcher durch die deutlich niedriger auflösende MARCI-Kamera gelang. Immerhin liegt die Auflösung dieser Kamera bei lediglich etwa einen Kilometer pro Pixel.

Zusätzliche, ebenfalls im letzten Monat angefertigte Aufnahmen der HiRISE-Kamera zeigten dann, dass sich neben den beiden größeren Kratern in diesem Gebiet ein Dutzend weitere, allerdings kleinere Krater befinden, welche vermutlich alle durch das gleiche Impaktereignis entstanden sind. Das bei dem zugrunde liegenden Impakt freigesetzte Ejektamaterial bedeckt eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa acht Kilometern.

Der größte der Krater verfügt über einen Durchmesser von etwa 48,5 x 43,5 Metern und ist somit zugleich der größte erst kürzlich auf dem Mars entdeckte Einschlagkrater. Und er gibt den Wissenschaftlern zugleich Rätsel auf.

"Der größte dieser Krater ist ungewöhnlich. Im Vergleich zu anderen frischen Kratern fällt er relativ flach aus", so Alfred McEwen von der University of Arizona in Tucson/USA. Der Wissenschaftler schätzt, dass der für die Entstehung dieses Kraters verantwortliche Himmelskörper über einen Durchmesser von etwa drei bis fünf Metern verfügt haben muss. Die leicht ovale Form und die geringe Tiefe des Kraters, so eine mögliche Interpretation, könnte eventuell durch einen relativ flachen Aufprallwinkel des Impaktors erklärt werden.

Tscheljabinsk

Ein mehr als dreimal so großer Asteroid ist erst am 15. Februar 2013 über der russischen Stadt Tscheljabinsk in die Erdatmosphäre eingetreten. Durch die dabei erzeugte Druckwelle wurden mehr als 1.000 Menschen verletzt (Raumfahrer.net berichtete über dieses Ereignis und über die später bekanntgegeben Parameter des Asteroiden).

Allerdings ist dieser Asteroid beim Durchqueren der unteren, dichteren Schichten der Erdatmosphäre in mehrere kleine Einzelteile zerbrochen. Deshalb haben nur Bruchstücke des Tscheljabinsk-Asteroiden die Erdoberfläche erreicht und dabei keinen Krater erzeugt. Ähnliches dürfte sich auch am 27./28. März 2012 auf dem Mars abgespielt haben.

Infolge der auftretenden thermischen und mechanischen Belastungen zerbrach der in die Marsatmosphäre eintretende Asteroid kurz vor dem Erreichen der Oberfläche in mehrere einzelne Bestandteile, die anschließend auf engen Raum auf der Marsoberfläche auftrafen und das jetzt dort zu beobachtende Kraterfeld erzeugten.

Für die in die Marsforschung involvierten Planetologen sind relativ frische Krater deshalb von besonderem Interesse, weil hier durch den Impakt eines Asteroiden Material sichtbar wird, welches sich bis vor Kurzem noch einige Meter unterhalb der Planetenoberfläche befand. Neben anderen Umwelteinflüssen, welche ihre Quelle direkt auf dem Mars haben, führt auch die aus dem Weltall einfallende kosmische Strahlung dazu, dass direkt auf der Marsoberfläche abgelagerte Gesteine im Laufe der Jahrmillionen erodieren. Bei der Untersuchung von erst kürzlich entstandenen Kratern ist diese Erosion noch nicht fortgeschritten. Speziell den Spektrometern, mit denen die derzeit aktiven Marsorbiter ausgestattet sind, ergibt sich somit die Gelegenheit, einen ’indirekten’ Blick unter die Marsoberfläche zu werfen.

Weitere mit diesem ’frischen’ Krater in Zusammenhang stehende Bildprodukte finden Sie hier in hoher Auflösung. Neben dieser Aufnahme der HiRISE-Kamera sind auf den Internetseiten der University of Arizona derzeit mehr als 33.000 weitere HiRISE-Aufnahmen einsehbar.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, University of Arizona)


» Mars 2020 - Wo wird der nächste NASA-Rover landen?
25.05.2014 - Bereits am 4. Dezember 2012 gab die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA bekannt, dass im Jahr 2020 eine weitere Rovermission zu unserem äußeren Nachbarplaneten aufbrechen soll. Während der vergangenen Woche fand in den USA ein erstes Arbeitstreffen statt, bei dem das zukünftige Landegebiet dieses nächsten von der NASA zu betreibenden Marsrovers diskutiert wurde.
Der von der NASA geplante Rover soll im Juli/August 2020 zum Mars starten, diesen im Februar 2021 erreichen und anschließend über einen Zeitraum von mindestens 24 Monaten erkunden.

Dabei wird der Rover in weiten Teilen auf der Technologie des aktuell auf unserem Nachbarplaneten operierenden Marsrovers Curiosity basieren. Neben einem vergleichbaren Aufbau des Roverchassis und des Antriebssystems soll auch dieser zukünftige Rover für seine Energieversorgung mit einem Radioisotopengenerator ausgestattet werden. Und wie bereits sein Vorgänger soll auch der nächste Marsrover der NASA mittels des "Sky Crane"-Verfahrens auf die Oberfläche des Mars gelangen.

Durch die Verwendung von bereits in der Praxis erprobten Systemkomponenten erhofft sich die NASA, die Kosten für die nächste Rovermission auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar zu begrenzen. Diese vergleichsweise geringen Kosten - für die Entwicklung und den Bau von Curiosity wurden noch 2,5 Milliarden US-Dollar benötigt - kommen unter anderem auch dadurch zustande, weil für die zukünftige Rovermission auf zahlreiche noch vorhandene Reserveteile zurückgegriffen werden kann, welche bei dem Bau von Curiosity nicht benötigt wurden.

Lediglich bei der Ausstattung mit wissenschaftlichen Instrumenten wird die NASA teilweise neue Wege beschreiten, welche auf den Zielen der Mission Mars 2020, so der vorläufige Name für diesen neuen Rover, beruhen. Die Mars 2020-Mission soll auf den Erkenntnissen der Rover Spirit, Opportunity und Curiosity sowie der verschiedenen Marsorbiter aufbauen. Ergänzend zu den Zielen der Curiosity-Mission soll Mars 2020 allerdings nicht nur die Frage beantworten, ob der Mars einstmals Umweltbedingungen aufwies, welche theoretisch die Entstehung von einfachen Lebensformen ermöglicht haben könnten.

Die Ziele der Mission Mars 2020

Vielmehr soll dieser Rover auch direkt nach Anzeichen für eventuell einstmals oder sogar noch gegenwärtig auf dem Mars existierende Mikroorganismen suchen und zudem die Durchführung einer in drei Stufen zu absolvierenden Sample-Return-Mission vorbereiten, in deren Rahmen Bodenproben von der Marsoberfläche zur Erde befördert werden sollen. Einen ausführlichen, 154 Seiten umfassenden Bericht über die vorgeschlagenen Ziele und den dafür notwendigen Aufbau des geplanten Rovers, welcher am 1. Juli 2013 von dem Mars 2020 Science Definition Team veröffentlicht wurde, finden Sie hier (engl., 9 MB).

Bereits im März 2013 konnte der Rover Curiosity nachweisen, dass auf dem Mars einstmals Bedingungen vorherrschten, welche die Entstehung von Leben prinzipiell begünstigt haben könnten (Raumfahrer.net berichtete). Die Suche nach den Spuren dieses in der Vergangenheit möglicherweise einmal vorhandenen Lebens ist für das Science Definition Team der nächste logische Schritt bei der Erkundung des "Roten Planeten". In dem Bericht wird detailliert beschrieben, wie der zukünftige Rover mittels seiner Instrumente fotografische, chemische und mineralogische Untersuchungen durchführen könnte, um die Umgebung seiner Landestelle zu analysieren und dabei auch die Signaturen von früherem Leben zu detektieren.

"Das Konzept der Mission Mars 2020 geht nicht davon aus, dass es auf dem Mars einstmals Leben gab", betont Jack F. Mustard, der Leiter des Science Definition Teams. "Allerdings erscheint es nach den jüngsten Funden von Curiosity zumindestens denkbar, dass Leben auf dem Mars früher einmal möglich war und wir sollten mit der schwierigen Aufgabe beginnen, nach Spuren davon zu suchen. Unabhängig davon, was wir dabei feststellen werden, sollten wir auf diese Weise signifikante Fortschritte bei dem Verständnis der Umstände machen, unter denen früher Leben auf der Erde entstehen konnte. Außerdem sollten wir so auch etwas über die Möglichkeit von außerirdischem Leben in Erfahrung bringen können."

Die Instrumente sind noch nicht ausgewählt

"Die Festlegung der wissenschaftlichen Ziele ist ein bedeutender Meilenstein für die Vorbereitung unserer nächsten großen Marsmission", so John M. Grunsfeld, der für das Wissenschaftsprogramm der NASA zuständige Administrator anlässlich der Vorstellung dieses Reports im Juli 2013. "Die von der NASA festgelegten Vorgaben bilden - zusammen mit den Erkenntnissen dieses Teams - die Grundlage für die Ausschreibung der Instrumente, die als wissenschaftliche Nutzlast bei diesem nächsten Schritt der Marserkundung dabei sein werden."

Bis zum 15. Januar 2014 gingen bei der NASA insgesamt 58 Vorschläge für die Ausstattung des zukünftigen Rovers mit wissenschaftlichen Instrumenten ein, wovon 17 Vorschläge von nicht in den USA ansässigen Instituten oder Industrieunternehmen stammen. Diese ungewöhnlich große Anzahl von Vorschlägen wird von der NASA auch als ein Indikator für das außerordentliche Interesse an der Erforschung des Mars interpretiert. Derzeit ist die NASA noch mit der Prüfung dieser Vorschläge beschäftigt, um eine möglichst optimale Kombination an verschiedenen Instrumenten und Experimenten auszuwählen.

Im Rahmen des Festlegung der Missionsziele für die Mars 2020-Mission hatte das Science Definition Team unter anderem vorgeschlagen, bis zu 31 Bodenproben zu sammeln, welche dann im Rahmen einer späteren Mission zur Erde gebracht werden könnten. Die Instrumente, mit denen der Rover ausgestattet werden soll, werden bei der Auswahl der entsprechenden Proben von großer Bedeutung sein.

Die Landeplatzsuche hat begonnen

Einer der vielen komplizierten Aspekte, welche bei der Planung einer Mission auf einem fremden Planeten berücksichtigt werden müssen, besteht in der Auswahl eines geeigneten Landeplatzes. Obwohl die endgültige Ausstattung mit Instrumenten noch nicht festgelegt wurde begann deshalb bereits jetzt die Suche nach einem möglichen Landeplatz für Mars 2020. Zwecks der Erfüllung der gestellten wissenschaftlichen Aufgaben, aber auch um eine möglichst sichere Landung auf der Marsoberfläche zu ermöglichen, muss das zukünftige Landegebiet verschiedene Voraussetzungen erfüllen.

Eine potentiellen Landestelle sollte sich vorzugsweise in einem Gebiet befinden, in dem die Marsoberfläche allem Anschein nach in früheren Zeiten über längere Zeiträume hinweg mit Wasser in Kontakt gestanden hat, denn Wasser im flüssigen Aggregatzustand - so die allgemein anerkannte Meinung - ist eine der Grundvoraussetzung für die Entstehung und Weiterentwicklung von Leben. Daher konzentriert sich der Auswahlprozess in erster Linie auf Regionen, in denen sich Minerale befinden, welche sich nur unter dem Einfluss von Wasser gebildet haben konnten, was auf eine "feuchte Vergangenheit" dieser Gebiete hindeutet.

Bei den für Mars 2020 in Frage kommenden Regionen richtete sich das Augenmerk deshalb auf solche Bereiche der Planetenoberfläche, welche aus geologischer Sicht betrachtet über ein sehr hohes Alter verfügen. Denn nur in seiner Frühzeit, so der aktuelle Wissensstand, verfügte der Mars über eine dichte Atmosphäre, welche das Vorhandensein von flüssigem Wasser über einen längeren Zeitraum ermöglichte.

Vom 14. bis 16. Mai 2014 trafen sich in Arlington/Virginia mehr als 100 Planetologen von verschiedenen Instituten, um sich im Rahmen eines ersten "Landing Site Selection Meetings" über das zukünftige Operationsgebiet von Mars 2020 zu beraten. Im Rahmen des Treffens wurden 27 potentiellen Landeplatz-Kandidaten vorgestellt, diskutiert und anschließend bezüglich ihrer Tauglichkeit für die Mission bewertet und eingestuft.

Bei einem der zur Diskussion gestellten Vorschläge handelt es sich um die östlich der Valles Marineris gelegenen Region Margaritifer Terra - einer ausgedehnten Ebene, die verschiedene Chaotische Gebiete und Ausflusstäler beherbergt. In dieser Region konnten durch spektroskopische Untersuchungen der NASA-Marsorbiter in der Vergangenheit verschiedene Salze und Tonminerale nachgewiesen werden. Durch diese Minerale, so Philip Christensen von der Arizona State University in Tempe/USA, ergeben sich optimale Bedingungen, um Biosignaturen dauerhaft zu konservieren.

Ein weiterer Vorschlag hat dagegen den Gusev-Krater zum Ziel, wo der Marsrover Spirit in der Vergangenheit deutliche Anzeichen für früher dort aktive hydrothermale Quellen nachweisen konnte. Viele Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen halten es für wahrscheinlich, dass vergleichbare Regionen auf unserem Heimatplaneten einstmals eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Leben auf der Erde eingenommen haben könnten.

Bei dem jetzt durchgeführten Treffen wurde allerdings noch kein endgültiger Beschluss gefasst. Die nächste Zusammenkunft der "Landing Site Selection Group" ist für den Sommer 2015 vorgesehen. Das endgültige Landegebiet von Mars 2020 wird sehr wahrscheinlich sogar erst im Jahr 2019 ausgewählt werden.

In der Zwischenzeit werden die an der Landeplatzauswahl beteiligte Wissenschaftler weitere Daten von den bisherigen Landeplatzkandidaten analysieren, diese erneut bewerten und die Liste der potentiellen Landestellen dabei im Rahmen der zukünftigen Treffen Schritt für Schritt ’zusammenstreichen’.

"Die Mars 2020-Mission wird es uns ermöglichen, der großen Frage nach der Bewohnbarkeit und nach Leben im Sonnensystem nachzugehen", so Jim Green, der Direktor der Planetary Science Division der NASA. "Diese Mission stellt einen wichtigen Schritt bei der Entwicklung von Methoden dar, die der Gewinnung und Untersuchung von Bodenproben dienen, welche schließlich im Rahmen von Probenrückholmissionen zur Erde gelangen werden."

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Report des Science Definition Teams vom 1. Juli 2013:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Arizona State University, JPL)



 

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