InSpace Magazin #517 vom 17. Mai 2014

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Ausgabe #517
ISSN 1684-7407


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Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

am 7. Mai starb der britische Weltraumforscher Prof. Colin Pillinger im Alter von 70 Jahren. Wenn Ihnen der Name bekannt vorkommt: Pillinger war die treibende Kraft hinter dem europäischen Marslander "Beagle-2", der bei "Mars Express" sozusagen huckepack mitflog. Am 19. Dezember 2003 wurde Beagle von Mars Express ausgeklinkt und sollte eigenständig per Fallschirm auf der Marsoberfläche landen, pünktlich zu Weihnachten sozusagen...

Ich erinnere mich noch sehr gut an diese spannenden Tage. Ein europäischer Lander!! auf dem Mars!!! Wir Raumfahrtfans hatten uns ja wirklich viel davon versprochen und als dann keine Antwort kam, haben wir noch tagelang gehofft, dass Beagle sich doch noch meldet. Unter welchen Umständen Beagle entstanden ist, habe zumindest ich erst im Nachgang des Verlustes erfahren...

Der Verlust von Beagle machte dann jedenfalls alle nachfolgende europäische Raumfahrt um so spannender! Als erstes natürlich gleich mal Mars Express - da war die Erleichterung groß, dass es diesmal keine Pannen gab. Aber einige Jahre später, bei Huygens am Titan, dessen Mission ja Beagle sehr ähnelte, ging es dann von vorne los: Da hatten wir dann, Beagles Schicksal eingedenk, wieder ein sehr mulmiges Gefühl im Bauch und es war der spannendste Tag meiner "Raumfahrt-Hobbykarriere"... aber natürlich war Huygens wesentlich besser finanziert und designed und alles klappte dann wie am Schnürchen.

Colin Pillinger hatte außer Beagle natürlich noch weitere Eisen im Feuer. Eines davon ist das Experiment "Ptolemy" an Bord der Raumsonde "Philae", die in einigen Monaten auf Rosettas Zielkometen Tschurjumov-Gerasimenko landen soll. Pillinger war der erste Principal Investigator (Forschungsleiter) dieses Instruments, eines Gasanalysators.

Ich hätte es Prof. Pillinger gegönnt, dass er, nach dem Reinfall mit Beagle, dann wenigstens noch den anzunehmenden Erfolg von Rosetta & Philae miterleben und genießen darf. Auch das ist ihm nun nicht mehr vergönnt gewesen. Schade, schade.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

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» Kometensonde Rosetta beginnt mit Kurskorrekturmanöver
09.05.2014 - Am vergangenen Mittwoch hat die Kometensonde Rosetta erfolgreich ein erstes von insgesamt zehn Kurskorrekturmanövern durchgeführt mit denen sichergestellt werden soll, dass die Raumsonde am 6. August 2014 in eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko eintreten kann.
Derzeit befindet sich die von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Raumsonde Rosetta in der Anflugphase zu dem eigentlichen Ziel der Mission, dem mittlerweile weniger als zwei Millionen Kilometer entfernten Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko. Das Ziel der Mission besteht darin, dass Rosetta im August 2014 in einen Orbit um den Kometen einschwenkt und diesen anschließend auf seinem weiteren Weg in das innere Sonnensystem ’begleitet’ und über mehrere Monate hinweg bis zum Ende des Jahres 2015 eingehend untersucht.

Mit dem bisher eingenommenen Kurs und der dabei gegebenen Geschwindigkeit - zu Beginn der Woche bewegte sich Rosetta noch mit einer relativen Geschwindigkeit von 775,1 Metern pro Sekunden zu dem Kometen - würde die Raumsonde den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko allerdings am 4. Juni 2014 in einer Entfernung von rund 50.000 Kilometern passieren. Aus diesem Grund sind in den nächsten Wochen und Monaten insgesamt zehn Kurskorrekturmanöver (kurz ’OCM’) vorgesehen, mit denen die relative Geschwindigkeit von Rosetta zu 67P/Tschurjumow-Gerasimenko schrittweise reduziert und der Verlauf der Flugbahn der Raumsonde relativ zu dem Kometen angeglichen werden soll.

"Durch diese Manöver verändern wir kontinuierlich die Geschwindigkeit von Rosetta, so dass diese am 6. August schließlich die gleiche Geschwindigkeit, Position und Flugrichtung wie auch der Komet einnehmen wird", so Andrea Accomazzo, der Flugdirektor dieser Mission vom Rosetta-Kontrollzentrum am ESOC in Darmstadt.

Das erste dieser OCMs erfolgte bereits am vergangenen Mittwoch Abend gegen 18:45 MESZ. Trotz seiner Bedeutung für den weiteren Flugverlauf der Raumsonde handelte es sich bei diesem Manöver lediglich um eine Art Testlauf, mit dem bestätigt werden sollte, dass die Triebwerke der Raumsonde auch nach der Beendigung des vorherigen 957 Tage andauernden ’Winterschlafs’ voll einsatzfähig sind und wie vorgesehen auf Kommandos reagieren.

Durch eine 45 Minuten andauernde Zündung der Triebwerke der Raumsonde wurde die Geschwindigkeit der Raumsonde - wie für dieses Manöver vorgesehen - um 20 Meter pro Sekunde reduziert. Das nächste Manöver, mit dem dann eine Geschwindigkeitsveränderung von 290,89 Metern pro Sekunde erreicht werden soll, ist für den 21. Mai vorgesehen. Zwei weitere OCMs werden danach in einen Abstand von jeweils zwei Wochen erfolgen. Ab dem 2. Juli werden zudem vier weitere Korrekturmanöver in Abständen von je einer Woche absolviert. Voraussichtlich am 3. August soll die Flugbahn von Rosetta so angepasst werden, dass die Raumsonde ohne weitere Korrekturen in einem Abstand von dann noch lediglich etwa 70 Kilometern an 67P/Tschurjumow-Gerasimenko vorüberfliegen würde. Mit einem finalen, am 6. August zu absolvierenden Flugmanöver soll Rosetta schließlich in eine Umlaufbahn um den Kometen gebracht werden.

Die exakte Einhaltung des vorgesehenen Zeitplans und das Erreichen der dabei vorgesehenen Geschwindigkeitsverminderungen sind für den weiteren Verlauf der Mission von essentieller Bedeutung, denn nur durch diese Manöver kann Rosetta letztendlich den Kometen erreichen. Treten im unmittelbaren zeitlichen Umfeld einer vorgesehenen Triebwerkszündung Probleme auf - eine fehlerhafte Kommandosequenz, ein unerwarteter Übertritt der Raumsonde in einen Sicherheitsmodus oder Komplikationen bei der Datenübertragung durch das ESTRACK der ESA oder des als ’Backup’ genutzten Deep Space Network der NASA, so könnte dies zu einer Verzögerung bei der Durchführung der Manöver führen.

Der erstellte Zeitplan ist allerdings so ausgelegt. dass die für die Steuerung der Raumsonde verantwortlichen Mitarbeiter des ESOC im Bedarfsfall über einen gewissen zeitlichen Spielraum verfügen, um auf auftretende Probleme angemessen und zeitnah reagieren zu können. Eine nicht rechtzeitig erfolgte Zündung der Triebwerke könnte so zum Beispiel durch spätere Manöver ausgeglichen werden. Dies hätte dann allerdings zur Folge, dass der damit verbundene Treibstoffverbrauch auch entsprechend höher ausfallen würde, was sich letztendlich negativ auf den weiteren Verlauf der Mission auswirken würde.

Einen genauen Zeitplan für die vorgesehen Manöver, die dabei zu erreichenden Veränderungen in der Geschwindigkeit der Raumsonde und die Entfernung zu dem Zielkometen finden Sie in einem entsprechenden Blog-Eintrag auf der Internetseite der ESA in englischer Sprache.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Wettbewerbe zu Navigation und Erdbeobachtung
14.05.2014 - Die Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen (AZO) kümmert sich derzeit um zwei Wettbewerbe, die im Rahmen von Aktivitäten zur Förderung von auf Raumfahrttechnologien basierenden Anwendungen stattfinden. Im Fokus des ESNC steht die Suche nach Anwendungen, Produkten und Service für die Navigationssysteme Galileo und EGNOS, im Rahmen der Copernicus Masters wird gleiches zum Thema Erdbeobachtungssystem Copernicus gesucht.
Die AZO wurde 2004 vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Unterstützung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums gegründet. Sie hat ihren Hauptsitz am Luft- und Raumfahrt Standort Oberpfaffenhofen bei München. Niederlassungen existieren seit 2012 in Nürnberg und Freilassing sowie seit 2013 in Bonn.

Zur Aufgabe hat sich die AZO die Förderung von Firmenneugründungen gemacht. Als ein Inkubator der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) unterstützte die AZO bislang 80 Firmenneugründungen. Für die Raumfahrtprogramme Galileo (Satellitennavigation) und Copernicus (Erdbeobachtung) koordiniert die AZO Innovationsnetzwerke in Europa. In diesem Rahmen organisiert sie auch die Ausrichtung entsprechender Wettbewerbe.

Der Innovationswettbewerb European Satellite Navigation Competition (ESNC) richtet sich an Einzelpersonen und Arbeitsgruppen aus Industrie, Forschung oder Universitäten weltweit. Preise gibt es unter anderem von der Europäischen GNSS Agentur (GSA), der ESA, dem DLR, dem Europäischen Patentamt (EPO) sowie dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Premieren will man richtungweisende Anwendungen für Galileo und EGNOS, die Teil eines attraktiven Wachstumsmarkts werden könnten, berichtet die AZO. Mögliche Anwendungen könnten Navigationsdaten zum Beispiel im Straßen- und Luftverkehr, bei Sportaktivitäten oder in der Landwirtschaft nutzen, glaubt man bei der AZO, wo man hofft, dass die ersten Galileo Dienste, die sogenannten "Galileo early services", ab einem Zeitpunkt noch vor Ende des Jahres 2014 zur Verfügung gestellt werden können. Im Rahmen dieser Dienste sollen Daten zur Navigation, Positionierung und Zeitmessung für die Allgemeinheit frei zugänglich über einen Offenen Dienst (Open Service, OS) sowie mit besonders hoher Genauigkeit und Zuverlässigkeit für Such- und Rettungsdienste (Search and Rescue, SAR) und staatliche Stellen (Public Regulated Service, PRS) bereitgestellt werden.

Eine Wettbewerbsteilnahme ist noch bis zum 30. Juni 2014 unter www.galileo-masters.eu möglich. In über 30 unterschiedlichen Kategorien werden Preise in einer Höhe von insgesamt einer Millionen Euro vergeben. Neben den Geldpreisen bietet man Gewinnern auch rechtliche, organisatorische und technische Unterstützung bei der Umsetzung vorgestellter Anwendungs- und Geschäftsideen.

Im Hinblick auf das Erdbeobachtungssystem Copernicus sieht die AZO großes Potenzial für innovative Neugründungen sowie kleine und mittelständische Unternehmen, welche Erdbeobachtungs- und Umweltdaten nutzen wollen, die die Satelliten von Copernicus liefern. Der erste der Copernicus-Satelliten, Sentinel 1A, ist seit dem 3. April 2014 im Weltraum.

Sentinel 1A wurde mit einer Radaranlage ausgerüstet, die rund um die Uhr und bei jedem Wetter Erdbeobachtungsdaten liefern kann. Mit Hilfe der gewonnenen Daten lassen sich laut AZO beispielsweise Eisberge oder Ölteppiche verfolgen und Schifffahrtsrouten planen. Im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sieht die AZO Möglichkeiten bei der Bestimmung der Landnutzung und der Ermittlung von Bewuchsänderungen. Daten von Sentinel 1A können auch bei der Bewältigung von natürlichen und menschgemachten Katastrophen nützlich sein, so die AZO.

Insbesondere Jungunternehmer, Forscher und Studenten ruft die AZO auf, Anwendungsideen noch bis zum 13. Juli 2014 auf www.copernicus-masters.com einzureichen. ESA und DLR sowie eine Reihe von Industrieunternehmen vergeben im Rahmen einer Reihe thematisch abgegrenzter Kategorien Preise. Experten aus Forschung und Industrie ermitteln die jeweiligen Sieger und bestimmen den Gesamtgewinner. Ihm winkt ein Preis von 20.000 Euro sowie ein Paket Satellitendaten, dessen Wert die AZO auf 60.000 Euro beziffert.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: AZO, DLR, ESA)


» Rosettas Zielkomet wird aktiv
16.05.2014 - Am 6. August dieses Jahres wird die von der ESA betriebene Raumsonde Rosetta den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko erreichen und diesen bis mindestens Ende 2015 auf seinem Weg durch das innere Sonnensystem begleiten und dabei ausführlich untersuchen. Während der letzten Wochen mit der OSIRIS-Kamera der Raumsonde angefertigte Aufnahmen zeigen, dass der Komet mittlerweile eine Koma ausgebildet hat.
Derzeit befindet sich die von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Raumsonde Rosetta in der Anflugphase zu dem eigentlichen Ziel der Mission, dem mittlerweile weniger als 1,5 Millionen Kilometer entfernten Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko (Raumfahrer.net berichtete). Das Ziel der Mission besteht darin, dass Rosetta am 6. August 2014 in einen Orbit um den Kometen einschwenkt und diesen anschließend auf seinem weiteren Weg in das innere Sonnensystem ’begleitet’ und über mehrere Monate hinweg bis zum Ende des Jahres 2015 untersucht. Unter anderem soll dabei im November 2014 ein mitgeführter Lander auf der Oberfläche des Kometen abgesetzt werden.

Der Komet wird aktiv

Trotz der immer noch großen Entfernung zu dem Zielkometen konnte die OSIRIS-Kamera, die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelte und betriebene Hauptkamera der Raumsonde, bereits erste auch aus wissenschaftlicher Sicht wertvolle Aufnahmen von 67P/Tschurjumow-Gerasimenko anfertigen. Verschiedenen Bilder, welche zwischen dem 24. März und dem 4. Mai 2014 aus Entfernungen zwischen fünf und zwei Millionen Kilometern angefertigt wurden, zeigen, dass der Komet in den letzten Wochen eine den Kometenkern umgebende Koma ausgebildet hat.

Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ist zwar immer noch rund 600 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, doch auf seinem Flug in das innere Sonnensystem erwärmt sich dessen Oberfläche jetzt zunehmend. Dieser Temperaturanstieg führt dazu, dass Teile der auf der Kometenoberfläche abgelagerten gefrorenen Gase und Eispartikel verdampfen. Diese flüchtigen Bestandteile des Kometen entweichen in das umgebende Weltall und reißen dabei Staubpartikel mit sich, aus denen sich die jetzt beobachtete Koma bildet. Anfang Mai erreichte die den rund vier Kilometer durchmessenden Kometenkern umgebende Staubwolke bereits einen Durchmesser von rund 2.600 Kilometern.

"Er fängt an, wie ein richtiger Komet auszusehen", so Dr. Holger Sierks vom MPS, der Leiter des OSIRIS-Teams. In Kürze wird sich aus der Koma auch der für Kometen charakteristische Schweif formen.

Die Rotationsdauer wurde neu bestimmt

Das OSIRIS-Team gelangte aber noch zu einer weiteren Erkenntnis, welche für die weiteren Arbeiten der Raumsonde von Bedeutung ist. Bisher gingen die Wissenschaftler davon aus, dass 67P/Tschurjumow-Gerasimenko rund 12,7 Stunden benötigt, um einmal um die eigene Achse zu rotieren. Durch eine Analyse der bisher beobachteten Helligkeitsveränderungen des Kometen wurde dieser Wert jetzt auf eine Rotationsdauer von lediglich 12,4 Stunden korrigiert.

"Die genaue Kenntnis der Rotationsperiode des Kometen ist von äußerster Wichtigkeit - sowohl für die optimale Planung der Mission und der wissenschaftliche Aufnahmen als auch für die Interpretation der gewonnenen Daten", so Dr. Stefano Mottola, Kometenforscher am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof und Mitglied des OSIRIS-Teams. Jede noch so kleine Information, die bereits während der Annäherungsphase an den Kometen gewonnen wird, hilft den zuständigen Mitarbeitern der ESA zugleich auch bei der Planung der erforderlichen Manöver während des Eintritts in den Orbit um den Kometen und bei der Landung des Kometenlanders Philae.

Alle Instrumente sind voll einsatzfähig

Die an der Mission beteiligten Wissenschaftler können jetzt zudem sicher sein, dass die Raumsonde auf einen ’aktiven’ Kometen stoßen wird, welcher die Untersuchung von dessen Koma und Schweif ermöglicht. Hierfür können die Wissenschaftler auf insgesamt 21 Instrumente zugreifen. Elf Instrumente befinden sich auf dem Orbiter Rosetta. Der Lander Philae hat weitere zehn wissenschaftliche Experimente an Bord, mit denen nach der Landung erstmals Messungen direkt auf einer Kometenoberfläche vorgenommen werden sollen. In den letzten Wochen durchgeführte ausführliche Tests, so das am 13. Mai von der ESA verkündete Ergebnis dieser ’Gesundheitsschecks’, haben ergeben, dass alle 21 Instrumente den 957 Tage andauernden und am 20. Januar 2014 beendeten ’Winterschlaf’ der Raumsonde gut überstanden haben und voll funktionsfähig sind.

"Einige der Instrumente waren anfangs etwas ’schläfrig’, aber wir sind sehr zufrieden und auch darüber erleichtert, dass sie sich jetzt alle in einem guten Zustand befinden und dazu bereit sind, den Kometen und seine Umgebung zu analysieren", so Fred Jansen von der ESA, der für die Rosetta-Mission verantwortliche Missionsmanager.

Der nächste Schritt auf dem Weg zu dem Zielkometen wird bereits in der kommenden Woche erfolgen. Für den 21. Mai 2014 ist das zweite von insgesamt 10 Kurskorrekturmanövern vorgesehen, mit denen sich Rosetta in den kommenden Wochen ihrem Ziel weiter annähern soll.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, ESA)


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17.05.2014 - Das Raumfahrer.net-Portal sucht regelmäßig Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die die Redaktion mit Artikeln und aktuellen Beiträgen unterstützen.
Zum Mitmachen ist es nicht wichtig, ob man schon viel Erfahrungen beim Erstellen von journalistischen Beiträgen oder Artikeln gesammelt hat. Besondere Kenntnisse werden also nicht benötigt. Nur der nötige Enthusiasmus für Raumfahrt und Astronomie, je nach dem, in welcher Sparte man sich einbringen möchte, ist notwendig.

Raumfahrer.net ist eines der größten Astronomie- und Raumfahrtportale im deutschsprachigen Raum. Unsere Redakteurinnen und Redakteure berichten seit 2001 über bemannte Raumflüge, ins Sonnensystem vordringende Sonden, über extrasolare Planeten und Schwarze Löcher und vieles anderes mehr. Daneben führen sie Interviews und übertragen live aus den Kontrollzentren von ESA und DLR.

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Weil uns das so wichtig ist, brauchen wir immer wieder Redakteurinnen und Redakteure, die uns helfen, die Ereignisse in Astronomie und Raumfahrt mit Veröffentlichungen auf unserem Portal zu begleiten.

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Wir sind erreichbar über unsere E-Mail-Adresse


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(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Raumfahrer.net)



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Mars Aktuell: Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich von Redaktion



• Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich «mehr» «online»
• Mars Express: Dunkle Dünen im Rabe-Krater «mehr» «online»
• Marsrover Curiosity fährt wieder «mehr» «online»


» Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich
07.05.2014 - Im Rahmen seiner Untersuchung der Region Kimberley hat der Marsrover Curiosity durch eine Bohrung Material aus einer Tiefe von rund sechs Zentimetern an die Marsoberfläche befördert. Die so gewonnene Bodenprobe soll jetzt eingehend analysiert werden.
Bereits vor etwa zwei Wochen erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity eine Stelle im Bereich der Bodenformation "The Kimberley", an der in den kommenden Wochen ausführliche Untersuchungen vorgesehen sind (Raumfahrer.net berichtete). Neben den wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers kommt dabei auch erneut ein Gesteinsbohrer zum Einsatz, mit dessen Hilfe Material von der Marsoberfläche entnommen und anschließend näher analysiert werden soll.

Erstmals wurde der Bohrer dabei bereits am 29. April 2014 eingesetzt, um eine etwa zwei Zentimeter tiefe ’Testbohrung’ durchzuführen. Durch diese Bohrung sollte zunächst bestätigt werden, dass das für die Bohrung ausgesuchte Ziel - eine mit dem Namen "Windjana" belegte Oberflächenformation aus Sandstein - auch wirklich den Anforderungen der an der Mission beteiligten Wissenschaftler entspricht (Raumfahrer.net berichtete). Und dies war offensichtlich der Fall.

"Die Rückstände der Bohrung bei diesem Stein sind dunkler gefärbt und weniger rötlich als bei den beiden vorherigen Bohrungen [im Frühjahr 2013 an anderer Stelle]", so Dr. Jim Bell von der Arizona State University in Tempe/USA, der stellvertretende leitende Wissenschaftler für die MastCam - die Hauptkamera des Rovers. "Dies deutet darauf hin, dass wir bei einer detaillierten chemischen und mineralogischen Analyse des gewonnenen Materials mithilfe der Instrumente von Curiosity andere Materialien zu Gesicht bekommen werden als zuvor. Wir können die Ergebnisse daher kaum erwarten."

Da auch die an der Mission beteiligten Ingenieuren keine Einwände erhoben wurde der Bohrer in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai dazu eingesetzt, um eine ’vollständige’ Bohrung durchzuführen. Da dabei erzeugte Bohrloch befindet sich unmittelbar neben dem Loch der Testbohrung und verfügt über einen Durchmesser von 1,6 Zentimetern und über eine Tiefe von 6,5 Zentimetern, was der maximalen Kapazität des Bohrsystems von Curiosity entspricht.

Das im Rahmen dieser Bohrung an die Oberfläche beförderte pulverförmige Material soll in den kommenden Tagen zunächst mit dem Bodenprobenaufbereitungssystem CHIMRA (kurz für "Collection and Handling for Interior Martian Rock Analysis") aufbereitet und gesiebt werden. Anschließend werden Teile der so präparierten Bodenprobe an die beiden im Inneren des Rovers befindlichen Instrumentenkomplexe SAM und CheMin weitergeleitet. Diese Analyseinstrumente sollen dann die chemische und mineralogische Zusammensetzung des zu untersuchenden Materials ermitteln.

Zeitgleich sollen auch die restlichen Instrumente des Rovers genutzt werden, um weitere Daten zu sammeln. Die Entschlüsselung der chemischen und mineralogischen ’Geheimnisse’ von "Windjana" wird den auf die Erforschung des Mars spezialisierten Planetologen letztendlich dabei helfen, die umfassenden Prozesse näher zu verstehen, welche vor Jahrmilliarden im Bereich des Gale-Kraters abliefen und dabei zu einer Veränderung der dortigen Oberfläche führten.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 623 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mit seinen Kamerasystemen 146.973 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Mars Express: Dunkle Dünen im Rabe-Krater
15.05.2014 - Am heutigen Tag veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die Umgebung des Rabe-Kraters auf dem Mars. In dessen Inneren befindet sich ein ausgedehntes Dünenfeld, welches durch die Ablagerung von vulkanischen Aschepartikeln entstand. Die Form des Kraterbodens deutet außerdem darauf hin, dass sich dort in der Vergangenheit Wassereis im Untergrund befunden haben könnte.
Bereits seit dem 25. Dezember 2003 befindet sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express in einer Umlaufbahn um den Mars und liefert den an dieser Mission beteiligten Wissenschaftlern seitdem regelmäßig eine Vielzahl an Daten und Fotoaufnahmen von der Atmosphäre und speziell von der Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten. Durch die Auswertung der gewonnene Daten und Bildprodukte ergeben sich für die Planetenforscher wertvolle Einblicke in dessen Entwicklungsgeschichte.

Eine am heutigen Tag von der ESA veröffentlichte Aufnahme zeigt den nach dem deutschen Astronomen Wilhelm F. Rabe (1893-1953), dem ehemaligen Leiter der Universitätssternwarte in München-Bogenhausen, benannten Rabe-Krater. Für die hier gezeigten Bildprodukte wurden Daten verwendet, welche die Raumsonde Mars Express bei zwei zeitlich sehr weit auseinanderliegenden Überflügen gewann. Der erste Überflug erfolgte bereits am 7. Dezember 2005 während des Umlaufs Nummer 2.441. Der zweite Überflug wurde am 9. Januar 2014 im Rahmen des Orbits Nummer 12.736 durchgeführt.

Bei beiden Überflügen wurde die Marsoberfläche mit der High Resolution Stereo Camera (kurz "HRSC"), einem der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters, abgebildet. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die HRSC dabei eine Auflösung von ungefähr 15 Metern pro Pixel.

Der Rabe-Krater

Der rund 108 Kilometer durchmessende Rabe-Krater befindet sich bei 44 Grad südlicher Breite und 35 Grad östlicher Länge und liegt somit im Bereich des südlichen Hochlandes des Mars. Das südliche Mars-Hochland verfügt über ein höheres Alter als die Tiefebenen auf der nördlichen Marshemisphäre und weist deshalb auch zahlreiche Impaktkrater unterschiedlichster Größe auf. Diese topographische Zweiteilung der Planetenoberfläche, auch als Dichotomie bezeichnet, ist eines der auffälligsten Oberflächenmerkmale unseres Nachbarplaneten.

In einer Entfernung von etwa 320 Kilometern zu dem Rabe-Krater befindet sich der westliche Rand des Impaktbeckens Hellas Planitia. Das Hellas Planitia verfügt über einen Durchmesser von etwa 1.600 x 2.200 Kilometern und ereicht eine Tiefe von bis zu neun Kilometern. Nach dem Südpol-Aitken-Becken auf dem irdischen Mond handelt es sich hierbei nach dem derzeitigen Wissensstand der Planetenforscher um das zweitgrößte Einschlagbecken in unserem Sonnensystem.

’Dunkle’ Dünenfelder im Inneren des Rabe-Kraters

Im Zentrum des Impaktkraters ist auf den Fotos ein ausgedehntes Feld aus Sanddünen zu erkennen, welche teilweise eine Höhe von bis zu 200 Metern erreichen. Die charakteristische dunkle Farbe dieser Formationen ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich diese Dünen in erster Linie aus vulkanischen Aschepartikeln zusammensetzen. Derartige ’Dunkle Dünen’ kommen auf dem Mars verhältnismäßig häufig vor und stellen einen Großteil der dortigen äolischen, also durch Windeinflüsse gebildeten, Oberflächenformationen dar. Aufgrund ihrer Zusammensetzung aus vulkanischen Mineralen werden solche Dünen auch als ’basaltische Dünen’ bezeichnet.

Auf unserem Heimatplaneten treten vergleichbare Dünenformationen dagegen nur relativ selten, nämlich in vulkanischen Regionen mit einem sehr trockenem Klima, auf. Speziell können sie auf Grönland, auf Island, auf Neuseeland, in den westlichen Gebieten der USA, in Peru und in der Ka’u-Wüste auf Hawaii beobachtet werden (Raumfahrer.net berichtete).

Die ’dunklen Dünenfelder’ auf dem Mars sind erst in jüngerer geologischer Vergangenheit - nämlich vor vermutlich weniger als 100 Millionen Jahren - entstanden, nachdem kein Wasser mehr auf der Planetenoberfläche vorhanden war. Dies ist daran erkennbar, dass es zu keiner chemischen Verwitterung, also einer Oxidation von eisenreicher Asche, gekommen ist und die Dünen deshalb auch nicht über die sonst allgemein typische rötliche Färbung des überwiegenden Teils der Marsoberfläche verfügen.

Die Spuren von Wind und Wasser

Die Dünen weisen verschiedene Muster auf, welche auf die unterschiedlichen im Bereich des Rabe-Kraters vorherrschenden Windrichtungen hindeuten. Die Planetologen ’lesen’ die für die Dünenbildung verantwortliche Windrichtung an der Ausrichtung des Dünenkammes und der windzugewandten Seite, der Luv-Seite, der Düne ab. So ist zum Beispiel an manchen Orten erkennbar, dass sich die Dünen über einen Abhang in die Vertiefung hinunter bewegen. Man nennt solche Dünen daher auch ’fallende Dünen’. Andernorts bewegen sich die Dünen in dem Dünenfeld in völlig unterschiedliche Richtungen.

Ungewöhnlich beim Rabe-Krater ist, dass ein großer Teil des Kraterbodens in der Vergangenheit offenbar abgesackt ist. Von der ursprünglichen, von geschichteten Sedimenten gebildeten Verfüllung des Kraters ist nur noch eine Art Tafelberg übrig geblieben, der aus dieser Vertiefung herausragt. Der Prozess, welcher den Kraterboden stellenweise absacken ließ, ist noch nicht bekannt.

Möglicherweise wurde dieser Vorgang durch die Verflüchtigung von Wassereis ausgelöst, welches ursprünglich in Hohlräumen unter dem Krater vorhanden war. Umwelteinflüsse wie zum Beispiel Vulkanismus oder der Impakt von Asteroiden oder Meteoriten führten eventuell zu einer vorübergehenden Erwärmung des Untergrundes, wodurch das Eis taute. Das durch diesen Schmelzprozess freigesetzte Wasser floss anschließend entweder ab oder verflüchtigte sich in die Atmosphäre.

’Terrain Softening’

Wie die überwiegende Mehrzahl der größeren Impaktkrater auf der südlichen Marshemisphäre weist auch der Rabe-Krater deutliche Spuren einer im Laufe der Jahrmillionen und Jahrmilliarden erfolgen Erosion auf. Verschiedene signifikante Merkmale wie zum Beispiel hohe Kraterwände, Terrassen oder Zentralberge in ihrem Inneren, welche - in geologischen Zeiträumen betrachtet - relativ junge Krater charakterisieren, sind bei diesem Einschlagskrater nur noch schwach ausgeprägt oder mittlerweile sogar komplett verschwunden.

Einige Impaktkrater in der näheren Umgebung, speziell nördlich des Rabe-Kraters, sind sogar nur noch andeutungsweise in ihren Umrissen erkennbar. Durch das ’Kriechen’ (engl. ’creep’) von Material entlang eines natürlichen Gefälles erfolgt nach und nach eine Einebnung des Geländes. Der geologische Prozess, welcher eine Oberfläche auf diese Weise gestaltet, wird in der Fachsprache als ’Terrain Softening’ (zu deutsch ’Oberflächenglättung’) bezeichnet. Vermutlich wird dieser Vorgang durch hohe Konzentrationen von Eis im Untergrund unterstützt, so dass Oberflächenmaterial auf den eisigen, unterirdischen Schmierschichten schon bei geringen Hangneigungen ’kriechen’ kann.

Mittlerweile weisen die meisten Krater in dieser Gegend einen ebenen Boden auf, welcher mit Sedimenten angefüllt wurde. Lediglich ein kleinerer, deutlich jüngerer und relativ tiefer Einschlagskrater, welcher in der Nadiransicht links unterhalb von dem Rabe-Krater zu sehen ist, bildet eine Ausnahme. Hier sind noch Kanäle und Rillen an den Kraterwänden erkennbar.

Bildverarbeitung und HRSC-Kamera

Die weiter oben gezeigte Nadir-Farbansicht des Rabe-Kraters wurde aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- beziehungsweise rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die perspektivische Schrägansicht wurde aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Marslandschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren konnten die für die Bildauswertung zuständigen Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wurde, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Ralf Jaumann geleitet. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Instituten aus zehn Ländern.

Die hochauflösenden Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit mehreren industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof erstellt.

Die hier gezeigten Aufnahmen des Rabe-Kraters finden Sie auch auf den entsprechenden Internetseiten des DLR und der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin. DLR, ESA)


» Marsrover Curiosity fährt wieder
17.05.2014 - Der Marsrover Curiosity hat am 14. Mai 2014 seine Untersuchungen in der Region Kimberley beendet und befindet sich jetzt wieder auf seinem Weg zu dem im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Zentralberg.
Bereits Ende April 2014 erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity eine Stelle im Bereich der Bodenformation "The Kimberley", an der in den folgenden Wochen ausführliche Untersuchungen durchgeführt wurden. Neben den wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers kam dabei auch erneut ein Gesteinsbohrer zum Einsatz, mit dessen Hilfe Material von der Marsoberfläche entnommen und anschließend näher analysiert wurde.

Als Ziel für die Untersuchungen wurde eine mit dem Namen "Windjana" belegte Oberflächenformation aus Sandstein ausgewählt. Nach der erfolgreichen Durchführung einer ’Testbohrung’ am 29. April wurde am 6. Mai eine ’vollständige’ Bohrung durchgeführt. Das dabei erzeugte Bohrloch verfügte über einen Durchmesser von 1,6 Zentimetern und über eine Tiefe von 6,5 Zentimetern, was der maximalen Kapazität des Bohrsystems von Curiosity entspricht. Nach der Beendigung der Bohrung angefertigte Aufnahmen des Bohrers zeigten, dass dieser bei dem Vorgang keine erkennbaren Beschädigungen erlitt.

Am folgenden Tag wurde der Bereich der Bohrstelle zunächst mit den verschiedenen Kamerasystemen des Rovers eingehend fotografisch dokumentiert. Anschließend kamen das APX-Spektrometer und die ChemCam zum Einsatz, um die mineralogische Zusammensetzung des freigelegten Materials zu bestimmen.

Das im Rahmen der Bohrung an die Oberfläche beförderte pulverförmige Material wurde am 8. Mai zunächst mit dem Bodenprobenaufbereitungssystem CHIMRA (kurz für "Collection and Handling for Interior Martian Rock Analysis") aufbereitet und gesiebt. Anschließend wurden Teile der so präparierten Bodenprobe an die beiden im Inneren des Rovers befindlichen Instrumentenkomplexe CheMin und SAM weitergeleitet. Diese beiden Analyseinstrumente sind derzeit damit beschäftigt, die exakte mineralogische und chemische Zusammensetzung des freigelegten Materials zu ermitteln.

Die Entschlüsselung der chemischen und mineralogischen ’Geheimnisse’ von "Windjana" wird den auf die Erforschung des Mars spezialisierten Planetologen letztendlich dabei helfen, die umfassenden Prozesse näher zu verstehen, welche vor Jahrmilliarden im Bereich des Gale-Kraters abliefen und dabei zu einer Veränderung der dortigen Oberfläche führten.

Trotzdem haben sich die an der Curiosity-Mission beteiligten Wissenschaftler dazu entschlossen, im Bereich von "The Kimberley" keine weiteren Bohrungen durchzuführen. Vielmehr sollte diese Region baldmöglichst in die Richtung des im Inneren des Gale-Kraters, dem Operationsgebiet des Rovers, gelegenen Zentralberges Aeolis Mons verlassen werden. Durch die Untersuchung der geschichteten Gesteinsablagerungen an den unteren Hängen des rund 5.500 Meter hohen Zentralberges erhoffen sich die Planetologen weitere Erkenntnisse über die Umweltbedingungen, welche einstmals auf unserem Nachbarplaneten vorherrschten.

Nach weiteren In-situ-Untersuchungen - unter anderem wurden dabei am 11. Mai mit dem Laser der ChemCam mehrere kleine Löcher in die Wand des Bohrlochs ’geschossen’ - verließ Curiosity schließlich am 15. Mai die Region "The Kimberley" und bewegte sich um etwa 25 Meter in die südliche Richtung. Im Rahmen einer weiteren Fahrt wurden am gestrigen Tag weitere 29 Meter überbrückt. Auch für die kommenden Tage sind weitere Fahrten vorgesehen, mit denen sich Curiosity seinem nächsten Forschungsziel nähern soll.

Während dieser Fahrten werden die Analysen der bisher in den SAM-Instrumentenkomplex und an das CheMin-Instrument gelieferten Bodenproben fortgesetzt. Weiteres bei "Windjana" entnommenes Material befindet sich zudem im Inneren des CHIMRA und soll in den kommenden Wochen ebenfalls noch zu den beiden Analyseinstrumenten befördert und anschließend untersucht werden. Da diese beiden Instrumente im Betriebsmodus relativ viel Energie verbrauchen werden die entsprechenden Arbeiten größtenteils während der Nachtstunden erfolgen. So ist garantiert, dass der Fahrbetrieb des Rovers nicht beeinträchtigt wird.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 632 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mit seinen Kamerasystemen 148.698 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS, The Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Besatzung von Sojus-TMA 11M gelandet von Redaktion



• Besatzung von Sojus-TMA 11M gelandet «mehr» «online»


» Besatzung von Sojus-TMA 11M gelandet
14.05.2014 - Am Morgen des 14. Mai 2014 ist die Rückkehrkapsel des Raumschiffs Sojus-TMA 11M mit ihrer dreiköpfigen Besatzung in Zentralkasachstan gelandet.
Mit der Landung von Rick Mastracchio (NASA), Michail Tjurin (Roskosmos) und Koichi Wakata (JAXA) gegen 3:58 Uhr MESZ im vorhergesehenen Gebiet wurde die ISS-Expedition 39 erfolgreich beendet. Die Raumfahrer waren am Morgen des 7. November 2013 zur Internationalen Raumstation (ISS) aufgebrochen und verbrachten rund sechs Monate im All. In den 188 Tagen im Weltraum erlebten sie über 3.000 Erdumrundungen und legten dabei eine Strecke von rund 130 Millionen Kilometern zurück.

Am gestrigen 13. Mai 2014 legten die drei Raumfahrer ihre Sokol-Fluganzügen an und bereiteten sich in der Besatzungskabine von Sojus-TMA 11M auf die Landung vor. Die Luken zur ISS wurden gegen 21:26 Uhr MESZ geschlossen. Nach der Überprüfung des hermetischen Abschlusses koppelte das Sojus-Raumschiff mit Kommandant Michail Tjurin an den Kontrollen um 0:36 Uhr MESZ am 14. Mai 2014 vom Kopplungsstutzen am Modul Rassvet/Рассве́т bzw. Dawn alias Mini Research Module 1 (MRM1)/Малый исследовательский модуль (МИМ 1) am russischen Segment ab, als die Station gerade die Monoglei überflog. Anschließend entfernte sich Sojus-TMA 11M langsam von der der Erde zugewandten Seite der Station.

Die ISS befand sich während dieses Manövers im freien Flug, um den Ablegevorgang nicht durch automatische Lagekorrekturen zu stören. Gegen 3:04 Uhr MESZ begann eine vier Minuten und 41 Sekunden dauernde Brennphase der Triebwerke am Servicemodul zum Abbremsen von Sojus-TMA 11M. Das Raumschiff wurde dadurch soweit verlangsamt, dass der erdnächste Punkt seiner Umlaufbahn innerhalb der Erdatmosphäre lag. In rund 140 Kilometern Höhe wurden dann Orbitalmodul, Landekapsel und Servicemodul voneinander getrennt.

Während Orbital- und Servicemodul beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre weitgehend verglühten, passierte dies mit der Landekapsel nicht, da sie an ihrer Unterseite mit einem Hitzeschild versehen ist. Die Kapsel wurde durch den Luftwiderstand und danach durch einen kleinen Bremsfallschirm auf eine Geschwindigkeit von etwa 350 Kilometer pro Stunde abgebremst. Anschließend öffnete sich der große Hauptfallschirm, der eine weitere Reduzierung der Geschwindigkeit auf etwa 21 Stundenkilometer bewirkte.

In rund sieben Kilometern Höhe über dem Boden wurde schließlich der Hitzeschild abgeworfen, um unter anderem den Einsatz der Landetriebwerke zu ermöglichen. Diese zündeten unmittelbar vor dem Aufsetzen. Die sechs Bremstriebwerke dämpften den Aufprall der Kapsel auf den Steppenboden, die Landegeschwindigkeit liegt bei diesem Verfahren im Bereich von rund 10 Kilometern pro Stunde. Nach der Landung blieb die Besatzungskabine von Sojus-TMA 11M in aufrechter Position stehen, was die Bergung der Besatzung vereinfachte.

Da die Landung im vorgesehenen Gebiet rund 150 Kilometer südöstlich der Stadt Schesqasghan in Zentralkasachstan erfolgte, waren die Bergungsmannschaften mit Hubschraubern vom Typ Mi-8 und Fahrzeugen schnell vor Ort. Nicht viel später hatten alle drei Besatzungsmitglieder die Kapsel verlassen und konnten die Morgenluft genießen. Eine erste Überprüfung verschiedener medizinischer Werte ergab, dass sich die Besatzung in guter gesundheitlicher Verfassung befindet.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, Roskosmos)



 

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