InSpace Magazin #516 vom 3. Mai 2014

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #516
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

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Nachrichten der Woche

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ExoMars-Rover: Die Auswahl der Landezone hat begonnen

> Saturn Aktuell:
Raumsonde Cassini beginnt den Saturnumlauf Nummer 205

> ISS Aktuell:
Dragon CRS-3 endlich auf dem Weg zur ISS (Update)

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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Rosetta, Exoplaneten und Curiosity: Das sind nur drei der Themen, um die es in dieser Ausgabe geht. Auch die neuesten Satellitennachrichten, die letzten Raketenstarts und vieles mehr finden Sie in den nächsten Zeilen.

Viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
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News

• OSC baut, SpaceX startet Thaicom 8 «mehr» «online»
• SS/L baut EchoStar 23 für EchoStar «mehr» «online»
• Curiosity beginnt mit einer weiteren Bohrung «mehr» «online»
• Rotationsdauer eines Exoplaneten erstmals bestimmt «mehr» «online»
• Kometensonde Rosetta: Die Instrumente sind bereit! «mehr» «online»
• Die falsche Meldung am richtigen Tag «mehr» «online»
• Gum 41 - Eine rötlich leuchtende Wolke im Weltraum «mehr» «online»
• EgyptSat 2 nach Start auf Sojus U im All «mehr» «online»
• Kleinplanet (7984) 1980 SM heißt jetzt (7984) Marius «mehr» «online»
• Erdgroßer Planet in lebensfreundlicher Zone entdeckt «mehr» «online»
• SS/L baut weitere 2 Satelliten für JSAT «mehr» «online»
• Amazonas 4A hat Elektrik-Probleme «mehr» «online»
• Express-AT 1 und 2: Tests im Orbit erfolgreich «mehr» «online»
• Airbus Defence and Space baut Aufklärer für Peru «mehr» «online»
• DubaiSat 2 im Regelbetrieb «mehr» «online»
• Orion-Kapsel besteht Vibrationstests «mehr» «online»
• Neu auf dem Büchermarkt: Raumsonde Rosetta «mehr» «online»
• SS/L baut, Arianespace startet Satellit für BRI «mehr» «online»


» OSC baut, SpaceX startet Thaicom 8
01.05.2014 - Der US-amerikanische Satellitenhersteller Orbital Sciences Corporation (OSC) aus Dulles ist vom Kommunikationssatellitenbetreiber Thaicom Public Company Limited mit dem Bau von Thaicom 8 für den Betrieb im Geostationären Orbit beauftragt worden, der US-amerikanische Startanbieter SpaceX mit dem Transport des Satelliten ins All.
Am 29. April 2014 gab der Kommunikationssatellitenbetreiber mit Sitz in Nonthaburi in Thailand bekannt, dass man hoffe, den neuen Erdtrabanten in der ersten Hälfte des Jahres 2016 im Weltraum zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bei der thailändischen nationalen Regulierungsbehörde (National Broadcasting and Telecommunications Commission, NBTC) hatte sich Thaicom um eine Lizenz zum Betrieb des Satelliten beworben und sie erhalten.

Mit Thaicom 8 will Thaicom das eigene Geschäft ausbauen und insbesondere weitere Kapazitäten zur Ausstrahlung hochaufgelöster Fernsehprogramme für Empfänger in Thailand, dem Süden Asiens und in Afrika schaffen. Auch die Ausstrahlung von extrem hoch aufgelösten Fernsehprogrammen (Ultra-HD) soll Thaicom 8 gegebenenfalls erledigen.

Außerdem möchte Thaicom erweiterte Rechte für die Nutzung der Position von 78,5 Grad Ost im Geostationären Orbit wahrnehmen, die die Regulierungsorganisation International Telecommunications Union (ITU) erteilen kann.

OSC soll Thaicom 8 ausschließlich mit Ku-Band-Transpondern ausrüsten. Laut Thaicom will man 24 gleichzeitig kommerziell nutzbare Transponder einbauen lassen.

Den Transport in den Weltraum wird der US-amerikanische Startanbieter SpaceX übernehmen. Geplant ist, Thaicom 8 mit einer voraussichtlichen Startmasse im Bereich von 3.100 Kilogramm an Bord einer Falcon-9-Rakete ins All zu bringen.

Das gesamte Investment in das dem Ausbau der Satellitenflotte dienende Thaicom-8-Projekt liegt laut Thaicom bei nicht über 178,5 Millionen US-Dollar.

Thaicoms Thaicom 4 alias IPSTAR ist bei 119,5 Grad Ost im Geostationären Orbit stationiert und dient der Bereitstellung von Breitbandverbindungen und der Kopplung von Kommunikationsnetzwerkknoten.

Bei 78,5 Grad Ost im Geostationären Orbit setzt Thaicom derzeit Thaicom 5 sowie den von SpaceX gestarteten Thaicom 6 (alias Africom 1) ein, welche also 2016 von Thaicom 8 Verstärkung erhalten, wenn die aktuellen Planungen umgesetzt werden können.

Der derzeit für einen Start Mitte 2014 vorgesehene Thaicom 7 ist für den Einsatz bei 120 Grad Ost im Geostationären Orbit vorgesehen. Mit dem Transport von Thaicom 7 ist ebenfalls SpaceX beauftragt.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Thaicom)


» SS/L baut EchoStar 23 für EchoStar
01.05.2014 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber EchoStar Satellite Services L.L.C. hat bei Space Systems/Loral (SS/L) den Kommunikationssatelliten EchoStar 23 bestellt.
Am 29. April 2014 wurde bekannt, dass der US-amerikanische Satellitenhersteller SS/L aus Palo Alto in Kalifornien vom US-amerikanischen Kommunikationssatellitenbetreiber EchoStar den Auftrag bekommen hat, den Kommunikationssatelliten EchoStar 23 zu bauen, der für eine Stationierung im Geostationären Orbit vorgesehen ist.

Auf Grund der flexiblen Ausstattung, die EchoStar 23 erhalten soll, könnte sein Betreiber den Satelliten mit seinen Ku-Band-Transpondern an unterschiedlich Positionen einsetzen.

EchoStar 23 soll auf Basis der 1300er-Plattform von SS/L entstehen und nach den derzeitigen Planungen im Jahr 2016 ins All gebracht werden. Von dem neuen Kommunikationssatelliten erwartet Echostar eine Lebensdauer von mindestens 15 Jahren.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: EchoStar, Space Systems/Loral)


» Curiosity beginnt mit einer weiteren Bohrung
01.05.2014 - Im Rahmen seiner Untersuchung der Region Kimberley setzt der Marsrover Curiosity mittlerweile auch einen Gesteinsbohrer ein. Die dabei in den nächsten Tagen zu entnehmenden Bodenproben werden weitere Erkenntnisse über die geologische Geschichte unseres äußeren Nachbarplaneten liefern.
Erst vor wenigen Tagen erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity eine Stelle im Bereich der Bodenformation "The Kimberley", an der in den kommenden Wochen ausführliche Untersuchungen vorgesehen sind (Raumfahrer.net berichtete). Nach dem Abschluss diverser Arbeiten während der letzten Tage, welche der Vorbereitung dieser Analysen dienten, wurde jetzt mit der Durchführung einer weiteren Bohrung begonnen, in deren Rahmen letztendlich Material von der Marsoberfläche entnommen und anschließend durch die wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers eingehend untersucht werden soll.

Nach der Auswahl des exakten Ortes für die anstehende Bohrung wurde dieser Bereich in den letzten Tagen zunächst mit der MAHLI-Kamera, dem APX-Spektrometer und der ChemCam eingehend untersucht.

Anschließend kam am 26. April 2014 das "Dust Removal Tool" zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Bürste, mit der die von Curiosity zu untersuchenden Gesteinsformationen von der obersten Staubschicht befreit werden können. Eine solche Staubschicht, welche unter Umständen seit Jahrmillionen den auftretenden Umweltbedingungen - einschließlich der einfallenden Strahlung - ausgesetzt war, kann die Messergebnisse der anderen Instrumente verfälschen.

"An der ’gebürsteten’ Stelle erkennen wir, dass das dort freigelegte Gestein sehr feinkörnig ist und über eine dunklere Färbung als die eigentliche Oberfläche verfügt", so Melissa Rice vom California Institute of Technology vom wissenschaftlichen Team der Curiosity-Mission. "Einige Stellen des untersuchten Felsens sind anscheinend wiederstandsfähiger gegenüber der örtlich auftretenden Erosion als andere Bereiche."

Da die ausgewählte Region sowohl den wissenschaftlichen als auch den technischen Anforderungen für eine durchzuführende Bohrung entsprach, wurde an dieser mit dem Namen "Windjana" belegten Stelle am 29. April der erste Schritt einer weiteren Bohrung durchgeführt.

Wann kann beziehungsweise soll das Bohrsystem zum Einsatz kommen?

Vor dem Einsatz des Bohrsystems von Curiosity muss zunächst bestätigt sein, dass dabei verschiedenen technische und wissenschaftliche Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Aus technischer Sicht betrifft dies in erster Linie die aktuell gegebene ’Standfestigkeit’ des Rovers und dessen Ausrichtung zu dem angepeilten Ziel.

Curiosity muss über einen ’festen Stand’ verfügen - keines der sechs Räder des Rovers darf zum Beispiel zuvor auf der Kante eines größeren Steins zum Stillstand gekommen sein, was eventuell zu einem ’Abrutschen’ der Rovers führten könnte - und alle sechs Räder müssen über festen Bodenkontakt verfügen, damit der Rover während einer Bohrung nicht ins Rutschen gerät.

Durch das für den Einsatz des Bohrsystems notwendige Entfalten des Instrumentenarmes erfolgt automatisch eine Gewichtsverlagerung des Rovers, was unter bestimmten Umständen dazu führen könnte, dass der Rover im Rahmen dieses Manövers aufgrund eines unebenen oder ’nicht standsicheren’ Untergrundes ins Rutschen gerät. Dieses definitiv unerwünschte Szenario kann zum Beispiel dann eintreten, wenn eines der sechs Räder des Rovers auf der Kante eines größeren Steins zum Stehen gekommen ist oder der Boden mehr oder weniger stark geneigt und zudem von einer Sandschicht bedeckt wird.

Um die Möglichkeit eines "Wegrutschens" des Rovers und eines eventuell dadurch bedingten Bodenkontaktes der Instrumente ausschließen zu können wurde in den letzten Tagen durch die Auswertung verschiedener telemetrischer Daten - welchen Schlupf wiesen die Räder aufgrund eines lockeren Untergrundes während der letzten Fahrt auf - und weiterer Fotoaufnahmen - speziell die MAHLI-Kamera wurde hierbei eingesetzt, um die Räder und den Untergrund abzubilden - die gegenwärtige "Standfestigkeit" des Rovers ermittelt. Ein solches Abrutschen könnte zu ernsthaften Beschädigungen des Bohrsystems oder gar des gesamten Instrumentenarmes führen.

Außerdem darf die angepeilte Bohrzone keine zu große Neigung in Bezug auf die Marsoberfläche aufweisen. Das Probenentnahmesystem ist von seinem mechanischen Aufbau her so ausgelegt, dass Bohrungen auf einem ebenen Untergrund bis hin zu einer Hanglage mit bis zu 20 Grad Neigung durchgeführt werden können.

Parallel dazu muss das angepeilte Bohrziel auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant erscheinen und dabei den Zielen der Mission genügen. Bei diesen Missionszielen handelt es sich in erster Linie um die Suche nach Anzeichen für früher vorhandenes Wasser und die Klärung der Frage, ob eine solche früher einmal "feuchte Umgebung" Bedingungen lieferte, welche die Entstehung von einfachen Lebensformen ermöglicht haben könnte.

Die beiden zuvor von Curiosity durchgeführten Bohrungen hatten zwei Objekte zum Ziel, welche aus Tongestein bestanden. Tonminerale bilden sich bei nahezu neutralen pH-Werten. Ihr Vorhandensein im Bereich des Gale-Kraters wird als ein ziemlich eindeutiger Hinweis darauf interpretiert, dass sich in diesem Bereich der Marsoberfläche einstmals pH-neutrales Wasser befunden haben muss - und dies über einen auch in geologischen Zusammenhängen betrachtet längeren Zeitraum. Eine solche Umgebung könnte in der Vergangenheit unter bestimmten Umständen die Entstehung von primitiven Lebensformen auf dem Mars begünstigt haben (Raumfahrer.net berichtete).

Bei der jetzt für die nächste Bohrung ausgesuchten Stelle, welche den Namen "Windjana" erhielt, handelt es sich dagegen um eine Formation aus Sandstein. Eines der Ziele der jetzigen Analysen besteht in der Untersuchung des Materials, welches die einzelnen Sandkörner "zementiert" hat und in der Beantwortung der Frage, wie und unter welchen Umweltbedingungen sich aus ehemals lockeren Sandkörnern der Sandstein gebildet hat. Ein besonderer Schwerpunkt dürfte hierbei erneut die Entschlüsselung der Frage einnehmen, welche Rolle dabei das Wasser spielte.

Die Entschlüsselung der Mineralogie von "Windjana" wird letztendlich dabei helfen, die umfassenden Prozesse näher zu verstehen, welche vor Jahrmilliarden im Bereich des Gale-Kraters abliefen und dabei zu einer Veränderung der dortigen Oberfläche führten. Als ein erster Schritt hierfür setzte Curiosity am 29. April seinen Gesteinsbohrer dazu ein, um eine etwa zwei Zentimeter in die Tiefe führende Bohrung auszuführen. In den kommenden Tagen wird der Rover dann das volle Potential seines Bohrsystems ausschöpfen und eine bis zu sechs Zentimeter tiefe Bohrung durchführen.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 617 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mit seinen Kamerasystemen 144.620 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Rotationsdauer eines Exoplaneten erstmals bestimmt
02.05.2014 - Erstmals ist es Astronomen gelungen die Rotationsdauer eines Exoplaneten zu bestimmen. Ein kompletter Tag auf dem Planeten Beta Pictoris b dauert demzufolge lediglich rund acht Stunden.
Das System des rund 63 Lichtjahre von der Erde entfernt gelegenen Sterns Beta Pictoris wird von den Astronomen als ein ursprüngliches, noch in der Entstehungsphase befindliches Planetensystem angesehen. Bereits im Jahr 1983 konnte mit dem Infrarotsatelliten IRAS eine Trümmerscheibe entdeckt werden, welche diesen Stern umgibt und die über einen Durchmesser von bis zu 1.000 Astronomischen Einheiten (kurz "AE") - eine AE entspricht der Entfernung zwischen Erde und Sonne - verfügt. Der im Sternbild Maler (lat. "Pictor") gelegene Stern Beta Pictoris war einer der ersten Sterne, bei denen eine solche Scheibe nachgewiesen werden konnte.

Seit dem Jahr 2008 ist zudem bekannt, dass sich innerhalb dieser Scheibe ein Exoplanet um den Stern bewegt. Beta Pictoris b - so der Name dieses Planeten - verfügt in etwa über den 1,7-fachen Durchmesser und die siebenfache Masse des Planeten Jupiter und umrundet seinen Stern in einer mittleren Entfernung von rund 8,5 Astronomischen Einheiten (1,275 Milliarden Kilometern). Der Exoplanet konnte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) direkt abgebildet werden.

Die Rotationsgeschwindigkeit von Beta Pictoris b

Durch die Auswertung der Beobachtungsdaten des CRIRES-Instrumentes (kurz für "Cryogenic high-resolution InfraRed Echelle Spectrograph" - einem Spektrografen zur Aufnahme von hochaufgelösten Spektren im Wellenlängenbereich von einem bis fünf Mikrometern) am VLT konnte jetzt ein von dem niederländischen Astronomen Ignas A. G. Snellen von der Universität Leiden geleitetes Team die Rotationsdauer dieses Planeten ermitteln.

Für eine komplette Drehung um seine Rotationsachse benötigt Beta Pictoris b demzufolge 8,1 Stunden bei einem Unsicherheitsfaktor von maximal einer Stunde. Am Äquator des Exoplaneten, so die Astronomen, liegt die Rotationsgeschwindigkeit somit bei fast 100.000 Kilometern pro Stunde. Beta Pictoris b rotiert laut den Messungen deutlich schneller als jeder Planet in unserem heimatlichen Sonnensystem. Zum Vergleich: Der Jupiter rotiert am Äquator mit ungefähr 47.000 Kilometern pro Stunde, während die Rotationsgeschwindigkeit der Erde am Äquator 1674,4 Kilometer pro Stunde beträgt.

Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit erweitert die Kenntnisse über die Relation zwischen Masse und Rotationsgeschwindigkeit von Planeten, welche zuvor nur in unserem eigenen Sonnensystem untersucht werden konnte, jetzt auch auf den Bereich der Exoplaneten.

"Es ist nicht bekannt, warum sich manche Planeten schneller und andere langsamer drehen", so Remco J. de Kok vom Netherlands Institute for Space Research, einer der an der Studie beteiligten Wissenschaftler. "Aber diese erste Messung der Rotation eines Exoplaneten zeigt, dass der im Sonnensystem beobachtete Trend, nach dem schwerere Planeten sich auch schneller drehen, auch auf Exoplaneten zutrifft. Es muss sich dabei um eine universelle Auswirkung des Prozesses der Planetenentstehung handeln."

Beta Pictoris b ist - verglichen mit dem Alter der Erde von rund 4.5 Milliarden Jahren - ein noch sehr junger Planet mit einem Alter von lediglich etwa 21 Millionen Jahren. Die Astronomen gehen davon aus, dass der Exoplanet in den kommenden 100 Millionen Jahren noch weiter abkühlen und dadurch bedingt ’schrumpfen’ wird. Da bei diesem Vorgang allerdings der ursprüngliche Drehimpuls erhalten bleibt wird sich die Rotationsgeschwindigkeit des Planeten im Laufe der Zeit noch weiter erhöhen. Ein vergleichbarer Effekt kann bei einer Eiskunstläuferin beobachtet werden, die sich bei einer Pirouette schneller dreht, sobald sie ihre Arme näher an ihren Körper zieht.

Für ihre Untersuchungen nutzten die beteiligten Astronomen eine präzise Methode namens "hochdispersive Spektroskopie", um die verschiedenen Wellenlängen des Lichtspektrums von Beta Pictoris b zu trennen. Das Prinzip des Doppler-Effekts ermöglichte es ihnen zu erkennen, dass sich verschiedenen Teile des Planeten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und - relativ zu dem Beobachter - in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Indem sie sehr sorgfältig die Effekte des sehr viel helleren Zentralstern aus ihren Messdaten herausrechneten, war es ihnen möglich die Rotationssignatur des Planeten zu extrahieren.

"Wir haben die Wellenlänge der Strahlung, die von dem Planeten ausgeht, mit einer Präzision von 1 zu 100.000 gemessen. Dadurch wird die Messung empfindlich für den Dopplereffekt, der die Bestimmung der Geschwindigkeit eines strahlenden Objekts erlaubt", so Ingas Snellen. "Mittels dieser Methode sehen wir, dass sich verschiedene Teile der Planetenoberfläche mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf uns zu oder von uns weg bewegen. Das kann nur bedeuten, dass der Planet um seine Achse rotiert."

Bedeutung für die Exoplaneten-Forschung

Diese hier angewandte Methode ist eng mit der Doppler-Bildgebung verwandt, welche bereits seit mehreren Jahrzehnten verwendet wird, um die Oberfläche von Sternen und kürzlich auch von einem Braunen Zwerg zu kartieren (Raumfahrer.net berichtete). Die schnelle Rotation von Beta Pictoris b bedeutet, dass es in der Zukunft möglich sein wird, von dem Exoplaneten eine globale Karte zu erstellen, welche dort möglicherweise auftretende Wolkenstrukturen und Stürme zeigen könnte.

"Diese Methode kann mit der hervorragenden Auflösung und Empfindlichkeit des European Extremely Large Telescope und einem bildgebenden Hochdispersions-Spektrografen auf eine viel größere Auswahl an Exoplaneten angewendet werden. Mit dem geplanten ’Mid-infrared E-ELT Imager and Spectrograph’ METIS wird es uns mit dieser Methode möglich sein, globale Karten von Exoplaneten anzufertigen und sehr viel kleinere Planeten als Beta Pictoris b zu charakterisieren", ergänzt Bernhard Brandl von der Sternwarte Leiden, der ebenfalls an dieser Studie beteiligte METIS-Projektleiter.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 1. Mai 2014 von Ignas A. G. Snellen et al. unter dem Titel "The fast spin-rotation of a young extra-solar planet" in der Fachzeitschrift ’Nature’ publiziert.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Kometensonde Rosetta: Die Instrumente sind bereit!
02.05.2014 - Die von der ESA betriebene Kometensonde Rosetta ist auch weiterhin auf Kurs zu ihrem Ziel. Während der letzten Wochen wurden die von der Raumsonde mitgeführten Instrumente eingehenden Tests unterzogen, wobei keine signifikanten Probleme erkennbar waren. In Kürze werden mehrere Manöver erfolgen, durch welche die Raumsonde auf einen Rendezvous-Kurs mit ihrem Ziel gelangen soll.
Bereits am 20. Januar 2014 beendete die von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Kometensonde Rosetta ihren 957 Tage andauernden ’Winterschlaf’ und steht seitdem in einer regelmäßigen Verbindung mit ihrem Kontrollzentrum am ESOC in Darmstadt. Während der letzten Wochen erfolgte dabei die schrittweise Wiederinbetriebnahme der Raumsonde. Neben den verschiedenen Hardwarekomponenten wurden dabei auch die elf für wissenschaftliche Untersuchungen bestimmten Instrumente von Rosetta und die zusätzlichen zehn Instrumente an Bord des mitgeführten Kometenlanders Philae ausführlich getestet, kalibriert und anschließend aktiviert.

Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand haben alle Instrumente und auch die verschiedenen mechanischen Komponenten von Raumsonde und Lander den Winterschlaf gut überstanden und befinden sich in einem hervorragenden Zustand. Derzeit werden die in den vergangenen sechs Wochen während der Kommissionierungsphase von den einzelnen für den Betrieb der Instrumente verantwortlichen Teams gesammelten Daten allerdings noch abschließend ausgewertet. Eine endgültige Bestätigung der vollen Einsatzbereitschaft von Rosetta und Philae soll daher erst nach der vollständigen Auswertung aller bisher gesammelten Daten am 13. Mai 2013 erfolgten.

Parallel zu den in den letzten Wochen erfolgten Überprüfungen wurden einige der Instrumente mittlerweile auch mit Software-Upgrades ausgestattet. Durch diese Upgrades sollen die jeweiligen Instrumente eine optimale Leistungsfähigkeit erreichen und in den kommenden Monaten möglichst präzise Daten über das Ziel der Mission, den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, liefern.

Nach ihrer erstmaligen Aktivierung nach dem Ende der ’Schlafperiode’ wurde die Mehrheit der Instrumente mittlerweile jedoch zunächst einmal erneut reaktiviert. Erst nach einer weiteren Annäherung an den Zielkometen - dieser ist gegenwärtig noch etwas mehr als zwei Millionen Kilometer von Rosetta entfernt - sollen diese Instrumente ihre Tätigkeit erneut aufnehmen und ab dann permanent wissenschaftliche Daten zur Erde übertragen. Derzeit sind lediglich die OSIRIS-Kamera - die vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen entwickelte und betriebene Hauptkamera der Raumsonde - und die Navigationskameras von Rosetta aktiv.

Diese Kamerasysteme liefern dabei in erster Linie Aufnahmen, welche der Navigation der Raumsonde dienen. Zusätzlich werden die OSIRIS-Aufnahmen allerdings mittlerweile dazu genutzt, um eine langfristige Lichtkurve des Zielkometen zu erstellen. Neben der Dokumentierung der immer weiter zunehmenden Aktivität des Kometen soll hiermit auch die Rotationsperiode von dessen Kern ermittelt werden.

In den kommenden Wochen soll im Rahmen einer Reihe von mehreren kritische Kurskorrekturmanöver die Flugbahn von Rosetta soweit verändert werden, dass die Raumsonde auf einen korrekten Kurs für ein Rendezvous mit den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko gerät. Mit ihrem momentanen Kurs würde Rosetta den Kometen um etwa 50.000 Kilometer verfehlen und dessen Kern mit einer relativen Geschwindigkeit von 800 Metern pro Sekunde passieren.

Durch die vorgesehenen Schubmanöver soll nicht nur die Entfernung auf einen Wert von etwa 100 Kilometern sondern auch die Geschwindigkeit relativ zu dem Kometen auf einen Meter pro Sekunde gesenkt werden. Die entsprechenden Kommandosequenzen wurden in den vergangenen Tagen von dem Rosetta-Flugkontrollteam am Darmstädter ESOC-Zentrum ausgearbeitet und werden demnächst von den verschiedenen Kommunikationsstationen des ESTRACK der ESA und des Deep Space Network der NASA an die Raumsonde weitergeleitet.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Die falsche Meldung am richtigen Tag
15.04.2014 - Am 12. April 2014 hielt Andreas Weise im Rahmen der Yuri`s Night 2014 in Wien einen Vortrag mit dem Titel „Vergessene Kosmonauten“. Das Skript basiert auf dem folgenden Artikel – hier erstmalig veröffentlicht.
Die falsche Meldung am richtigen Tag
Worker, Iljuschin und der erste Flug in den Kosmos
von Andreas Weise, Sommer 2013

Das Wetter in London im April 1961 war mild, eher kühl mit Nieselregen. Im Gegensatz dazu ging es in der Weltpolitik eher heiß her.

Jenseits des Atlantik hatte in den USA J.F. Kennedy die Präsidentschaft im Januar übernommen. In der Karibik spitzte sich der Lage um Kuba zu. Am 17. April sollten mit massiver Unterstützung der USA, speziell der CIA, eine Invasion gegen die Revolutionsregierung um Fiedel Castro erfolgen, die dann im Fiasko endete. In Afrika eskalierte der Bürgerkrieg im Kongo. Der gestürzte Präsident Lumumba war bereits im Januar ermordet worden. In Algier, Nordafrika, gab es im April einen Putsch, der aber schnell zusammen brach. Anfang des Jahres war die Terrororganisation OAS gegründet worden, die gegen den damaligen französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und seine Algerien-Politik kämpfte.

In Europa standen sich Ost und West waffenstarrend gegenüber. Die NATO probte Anfang des Jahres mit den Manövern „Winter-Shield“ den Krisenfall. Bis zum 13. August und dem Bau der Berliner Mauer waren es nur noch vier Monate. In Israel begann am 11. April der international mit großer Aufmerksamkeit beachtete Gerichtsprozess gegen Aldolf Eichmann, einen der Hauptverantwortlichen am Holocaust. Es war also eine sehr bewegte Zeit.

Tageszeitungen hatten einen hohen Stellenwert bei der Berichterstattung über solche Ereignisse. Die Art Verbreitung der Nachrichten ist heute, wo Internet und Satellitenfernsehen uns mit Informationen geradezu überschwemmen, kaum noch nachvollziehbar.

Die Tageszeitung Daily Worker, heute Morning Star, war etwas Besonderes im britischen Zeitungswald. Sie war 1930 als Parteizeitung der kommunistischen Partei Großbritanniens gegründet worden und verfügte 1961 über ausgezeichnete Verbindungen hinter den sogenannten „Eisernen Vorhang“ nach Moskau. Und dort bediente man sich auch schon mal der Übermittlung von Informationen , die offiziell dementiert oder totgeschwiegen wurden. In sofern galt der Daily Worker als gut informiert, wenn es um Nachrichten aus Moskau ging.

Im Frühjahr 1961 verdichteten sich die Gerüchte über den ersten Flug eines Menschen in den Kosmos. Die Amerikaner hatten bereits 1959 in aller Öffentlichkeit ihre zukünftigen Kosmoshelden, die Mercury-Seven, präsentiert. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste US-Astronaut starten würde. So schienen die USA die Nase beim Rennen um den ersten bemannten Raumflug, zumindest medial, vorn zu haben. Gewiss, in der Sowjetunion hatte man mit dem Flug von Korabl-5 die Grundlagen für einen Menschenflug schon 1960 geschaffen. Waren doch die Hunde Belka und Strelka sicher aus dem Kosmos zur Erde zurück gekehrt. Aber über einen bevorstehenden Raumflug eines Sowjetbürgers drang nichts nach außen. Bestenfalls machten Gerüchte und Spekulationen im Westen dazu die Runde. Im Osten schwiegen die Medien.

Am Mittwoch dem 12. April 1961 in der Nachtausgabe, einem Vorabdruck der Hauptausgabe, erscheint im Daily Worker auf der Titelseite rechts oben eine einspaltige 30-Zeilen-Notiz. „Letzte Meldung: Erster Mensch im Weltraum.“ In London ist es mitten in der Nacht. Verblüffend ist auch, dass für diese Nachricht des Jahrhunderts nicht die gesamte Rotation des Zeitungsdruckes sofort angehalten wird. Kein Extra-Blatt, nur diese Notiz. Weiter ist der Kurzmeldung zu entnehmen: Die Sowjetunion hat einen Menschen in den Weltraum gestartet und ihn lebend zur Erde zurück gebracht. Vielsagend wird hinzugefügt, das der Astronaut noch unter den Strapazen des Fluges leidet und sich unter medizinischer Kontrolle befindet. Bei dem Astronauten handele es sich um einen Testpiloten und Sohn eines berühmten sowjetischen Flugzeugkonstrukteurs. Der Flug habe bereits am Freitag, also am 7. April, stattgefunden. Der Flug ging über drei Erdorbits. Mit einer offiziellen Stellungnahme sei am morgigen Tag zu rechnen. Als Quellen werden „gut informierte Kreisen“ benannt.

Einige Stunden später am frühen Morgen erscheint die Hauptausgabe des Daily Worker. Die Nachricht ist jetzt Titelstory. Immerhin fast eine halbe Seite! Ein großes Foto zeigte einen Piloten mit einem modifizierten Pilotendruckhelm, wie er seinerseits tatsächlich in der medizinischen Forschung für Höhen- und Raumflüge in der Sowjetunion eingesetzt wurde. Eine Zeichnung zeigt das mutmaßliche Raumschiff. Sieht man sich diese künstlerische Darstellung genauer an, so muss man zugeben: Der Zeichner kam der Realität einer Wostok-Kapsel sehr nahe. Instrumentenbrett, TV-Kamera, Raumanzug, Größenverhältnisse …. alles ist fast getroffen. Sogar die Masse, angegeben mit 4,5 Tonnen, ist in etwa korrekt. Nur die Kugelform der Kabine kannte der Zeichner nicht. Angaben zu Namen des Astronauten oder zusätzliche Informationen – Fehlanzeige. Nur soviel erfährt der Leser, dass man gespannt auf die Bestätigung des Fluges wartet.

Doch diese Bestätigung wird ausbleiben. Es ist eine Falschmeldung! Eine sogenannte Zeitungsente. Und vielleicht würde diese Meldung des Daily Workers vom 12. April 1961 auch sehr bald in Vergessenheit geraten, so wie die unzähligen UFO-Sichtungen dieser Zeit, wenn.... ja, wenn nicht just an jenem Tag sich die Ereignisse bald überschlagen sollten.

Denn inzwischen geschehen im fernen Kasachstan ganz reale Dinge. Um 6:07 UT, also Londoner Zeit, hebt eine Trägerrakete mit dem Raumschiff Wostok-1 vom Kosmodrom Baikonur ab. An Bord befindet sich ein Oberleutnant der sowjetischen Luftwaffe. Knapp einer Stunde später gegen sieben Uhr Londoner Zeit ist er bereits Major und Radio Moskau verkündet seinen Namen: Juri Gagarin. Der erste Mensch ist im Kosmos.

Am nächsten Tag überschlagen sich die Tageszeitungen in aller Welt. Gagarin ist auf allen Titelseiten. Und der Daily Worker? Der macht das, was jede andere Zeitung an seiner Stelle auch getan hätte. Die Falschmeldung vom Vortag wird totgeschwiegen, als ob es sie nie gegeben hätte. Dafür hat jetzt Gagarin die gesamte Titelseite für sich. „A COMMUNIST IN SPACE“ lautet jetzt die Schlagzeile. Man geht zur Tagesordnung über. Und das bedeutet. Gagarin-Berichte die nächsten Tage in allen Einzelheiten. Was kümmert mich mein Geschriebenes von gestern?! In den nächste Tagen ist das Blatt voll von Texten über Gagarin und den Flug von Wostok-1.

Aber ganz so einfach wie sich der Daily Worker das vorgestellt hatte, kam er aus der Geschichte nicht heraus. Schon einen Tag danach, am 13. April, hatte die internationale Presse, die den Gagarin-Flug als die Sensation des Jahrhunderts feierte, auch manchmal einen kurzen Beitrag dazu, daß Gagarin nicht unbedingt der Erste gewesen sein könnte. So zum Beispiel in der New York Herald Tribune und im französischen Le Figaro. Man bezog sich dabei natürlich auf den Daily-Worker-Artikel, versteckte aber diese Nachricht inmitten des Gagarin-Rummels aber auf Seite 2.

Die Franzosen wollten es übrigens ganz genau wissen. Der Rundfunk-Korrespondent Edouard Bobrowski, nach Bekanntwerden von Gagarins Flug nach Moskau entsandt, grub weiter an der Worker-Story, setzte dann das vermeintliche Puzzle zusammen und kam zu folgender Erkenntnis: Der Pilot, der am 7. April angeblich in den Weltraum geflogen war, heiße Wladimir Sergejewitsch Iljuschin. Das herauszufinden konnte nicht besonders schwer gewesen sein, war doch dieser Mann kein unbekannter. Wladimir war der Sohn des berühmten Flugzeugkonstrukteurs Sergei Iljuschin. Außerdem war er Testpilot und dazu noch ein ganz berühmter. Iljuschin hatte 1959 einen neuen Höhenweltrekord für Flugzeuge aufgestellt. Die Beschreibung passte also. Hinzu kam, dass Wladimir Iljuschin nicht auffindbar war. Bobrowski schlussfolgerte, er läge in einem Moskauer Krankenhaus, da er bei seinem Raumflug schwere gesundheitliche Schäden erlitten habe. Neun Tage später kam er mit der Nachricht heraus.

Am 22. April hakte die Westberliner MORGENPOST nach. Mit der Titelstory „War Gagarin nicht der erste Mensch im Raum?“ faßte sie alle bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Informationsschnipsel zu dem angeblichen Raumflug am 7. April unter Berufung auf Bobrowski zusammen: Es gab einen Raumflug am 7. April 1961. Der Pilot war Wladimir Iljuschin, Sohn des Flugzeugkonstrukteurs Sergei Iljuschin. Er habe dreimal die Erde umkreist. Während des dritten Orbits habe es eine Fehlfunktion gegeben, wobei er während des Fluges schwere gesundheitliche Schäden davon getragen habe. Jetzt liegt er in einem Moskauer Krankenhaus.

Die MORGENPOST bat auch den Daily Worker um Aufklärung und bekam diese: Der Korrespondent des Daily Worker in Moskau, Dennis Ogden, wurde zitiert: „ Es war seit einigen Tagen offensichtlich, dass ein Raumflug bevorstand, und viele Gerüchte waren im Umlauf. Genauso wie andere britische Zeitungen nahm ich davon Abstand, darüber zu berichten. Dann, am späten Dienstagabend (11. April) erreichte mich eine Information, von der ich annahm, daß sie aus zuverlässiger und gut informierter Quelle stamme. Ich dachte, es sei meine Pflicht, sie weiterzugeben, weil ich wusste, daß der „Daily Worker“ früher in Druck geht als andere englische Tageszeitungen. Diese hätten die Story haben können während es für den „Daily Worker“ zu spät gewesen wäre.

Unglücklicherweise zeigte der weitere Verlauf, dass die Quelle, von der ich die Nachricht erhalten hatte, in diesem Falle nicht gut informiert war.“ Und die MORGENPOST schrieb weiter: „Diese Erklärung Dennis Ogends entbehrt nicht der Wahrscheinlichkeit, wenn auch die Frage offen bleibt, ob „seine Quelle“ nicht doch zuverlässig und gut informiert war. Es ist bekannt, dass der „Daily Worker“ wegen seiner zeitlichen Erscheinungsweise offizielle Informationen aus Moskau früher erhält als andere Publikationsorgane.“ Natürlich hatte die MORGENPOST auch direkt die Nachrichrichten-Agentur TASS in Moskau angefragt. Die Antwort war klar, eindeutig und typisch sowjetisch: „Heute geben wir Ihnen keine Antwort.“.

Und damit endete vorerst die Geschichte um die Daily-Worker-Falschmeldung. Die Welt hatte andere Probleme, wie man auf der Titelseite der MORGENPOST neben der Iljuschin-Story auch lesen konnte: „Exilkubaner geben schwere Rückschläge bekannt“ (Die Schweinebucht-Invasion war gescheitert), „Kennedy: Die USA wollen erste auf dem Mond sein“, „Gustav Scholz ist seinen Titel endgültig los“ und „Das Wetter von heute: Unverändert“.

Doch irgendwie muss es die Sowjetunion doch sehr geärgert haben, dass viele westliche Medien Bobrowskis Iljuschin-Story aufgriffen. So zum Beispiel auch die Times am 28. April. Das Ganze warf einen Schatten auf den über-hell strahlenden sowjetischen Superhelden Gagarin. Also sah man sich gezwungen, doch konkret darauf zu reagieren.

Der Pekinger TASS-Korrespondent A. Scharonow berichtete im Mai 1961, er habe Oberstleutnant Iljuschin in einem chinesischen Sanatorium im Kurort Chantschshou besucht. Iljuschin erhole sich dort von den Folgen einer schweren Beinverletzung. Diese habe er bei einem Autounfall vom 8. Juni 1960, in der Nähe von Moskau erlitten. Er sei seit dieser Zeit auch nicht mehr geflogen und könne somit gar nicht für den mutmaßlichen Raumflug zur Verfügung gestanden haben. Iljuschin wird mit sehr starken Worten zitiert: „ … glatter Unsinn...“ und „man muss die letzten Reste von Gewissen verloren haben ...“. Iljuschin wird weiter zitiert: „ Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal dem ersten sowjetischen Weltraumfahrer Juri Gagarin zu seiner hervorragenden Tat beglückwünschen.“ „Und natürlich beneide ich ihn ein wenig.“

Nun mag man diese Geschichte mit dem Autounfall und dem Sanatorium ausgerechnet in China sehr kritisch sehen. Aber wenn man genau betrachtet, womit sich der damalige Oberstleutnant Iljuschin, Testpilot und Held der Sowjetunion in der Zeit 1959/1960 beschäftigt hat, so wirft das ein ganz anderes Licht. Iljuschin war an der Erprobung des Höhenabfangjägers SU-9 beteiligt. Ein Projekt mit höchster Dringlichkeit für die Landesverteidigung. 1960 war die Sowjetunion noch nicht in der Lage, extrem hochfliegende Flugzeuge mit eigenen Flugzeugen abzufangen. Die genauen Ereignisse vom 1. Mai 1960, als ein amerikanisches Spionageflugzeug vom Typ U-2 bei Swerdlowsk mit einer Rakete abgeschossen wurde, belegen das. Und Testpiloten leben gefährlich. Vielleicht war es gar kein Autounfall, sondern ein ganz anderes Ereignis. Und der Aufenthalt in China? Die Beziehungen zu China hatten sich 1961 sehr verschlechtert. Aber es gab zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch Kontakte. Aber das ist alles reine Spekulation.

Genaues erfahren wird man vermutlich nie erfahren. Iljuschin war durch seine langjährige Tätigkeit an den sensibelsten Stellen der Luftrüstungsforschung zum Schweigen verpflichtet. Und schließlich war er Militär, war General. 2010 ist er im Alter von fast 83 Jahren gestorben.

Und ein weiterer Aspekt, warum Wladimir Iljuschin nicht für einen Weltraumflug vorgesehen seien konnte, wird meist unterschlagen: Oberflächlich betrachtet war er eigentlich die Idealbesetzung für den Weltraumflug, wenngleich mit 34 Jahren schon fast etwas zu alt. Aber die Denkweise für die Kosmonautenauswahl war eine ganz andere. Die Hauptaufgabe des ersten Kosmonauten war – zu überleben. Der Flug lief automatisch.

Die Raumflugkandidaten wurden medizinisch und physisch auf Höchstform getrimmt. Sie waren physisch und psychisch auf die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit trainiert. Isolierkammer, Unterdruckkammer, Zentrifuge, Stresstests, all das war zu bestehen. Hinzu kam ein ausgiebiges Training von Fallschirmspringen, Schleudersitztraining und Überleben in allen nur möglichen Landegebieten. Kein Kosmonaut musste ein Strahlflugzeug steuern. Fachliche Fähigkeiten eines Testpiloten waren nicht notwendig. Insofern war Iljuschin überqualifiziert. In den USA ging man anders an das Problem heran. Die US-amerikanischen Astronautenkandidaten waren diesbezüglich anders ausgewählt.

Und was ist mit dem Korrespondenten des Daily Workers? Er lieferte ja gewissermaßen den Auslöser für diese (falsche) Story. Dennis Ogden geht aus der Geschichte als tragische Figur heraus. In Moskau war er noch bis 1963 tätig. Nach dem heutigen Erkenntnisstand hat er viele Puzzle-Teile gehabt. Ein angebliches Foto von Iljuschin im Raumanzug, die Kenntnis, dass Iljuschin nicht anwesend war, die Gerüchte über einen bevorstehenden Raumflug u.s.w.. Er hat sie bloß nicht richtig zusammen gesetzt und somit falsche Schlussfolgerungen gezogen. Vielleicht hat man ihm aber auch bewußt falsche Informationen untergeschoben. Ogden hat übrigens seine Quelle nie verraten, wohl auch um sie zu schützen.

Zum Schluss:
Obwohl es keinen einzigen Beweis dafür gibt, geistert die Geschichte mit dem angeblichen Weltraumflug am 7. April 1961 immer noch herum und verbreitet sich nicht nur im Internet. Dabei wird gnadenlos aus den einzelnen Beiträgen voneinander abgeschrieben. Das Gerücht beruft sich auf sich selbst. Auch „weiß“ man mittlerweile auch, dass der angebliche Raumflug mit einer Notlandung, ausgerechnet in China, geendet haben soll. Die Quelle dafür ist unbekannt. Aufschwung erlebte diese Theorie durch eine Videodokumentation von Elliot H. Haimoff aus dem Jahre 1999. Beweise bleiben alle Beiträge schuldig – bis heute.

Und somit bleibt außer einer Geschichte über eine Falschmeldung in einer britischen Zeitung und deren Folgen die Tatsache: Am 12. April 1961 fand der erste Flug eines Menschen in den Kosmos statt. Der Kosmonaut war Juri Gagarin.


Danksagung:
Mein besonderer Dank gilt der Marx Memorial Library, London, stellvertretend Dr. John Callow und Jane Powell. Ohne die freundliche Unterstützung wäre dieser Beitrag nicht möglich gewesen.


Quellen:
Daily Worker, 12.04.1961 Nachtausgabe
Daily Worker, 12.04.1961 Hauptausgabe
Daily Worker, 13.04.1961
New York Herald Tribune, 13.04.1961
Le Figaro, 13.04.1961
Morgenpost, 22.04.1961
Die Sowjetunion heute, 6/15, 1961, Seite 21 Ein Rekord unverzeihlicher Unwahrheiten
Haimoff, The Cosmonaut Cover Up (1999) Videodokumentation

(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Andreas Weise)


» Gum 41 - Eine rötlich leuchtende Wolke im Weltraum
16.04.2014 - Eine am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt eine im Sternbild Zentaur gelegene Ansammlung von Wasserstoff. Die von mehrere im Inneren der Wasserstoffwolke gelegenen Sternen ausgehende Strahlung regt das die Sterne umgebende Gas zum Leuchten an. Dies führt dazu, dass sich die Wolke in einem rötlichen Farbton präsentiert.
Im Bereich des Sternbildes Zentaur (lateinischer Name "Centaurus") befinden sich diverse hauptsächlich aus Konzentrationen von Wasserstoff bestehende Emissions- und Reflexionsnebel. Im Inneren dieser Sternentstehungsgebiete befinden sich relativ junge und entsprechend ’heiße’ Sterne, welche eine energiereiche Strahlung abgeben, die den in der Umgebung gelegenen Wasserstoff in einem charakteristischen roten Farbton zum Leuchten bringen.

Bei einer dieser Regionen handelt es sich um eine Wasserstoffwolke, welche die Bezeichnung "Gum 41" trägt und die einen Teilbereich eines größeren Nebels - des "Lambda Centauri-Nebels" (im englischen Sprachgebrauch "Running Chicken Nebula") - darstellt. Dieser Nebel befindet sich in einer Entfernung von etwa 7.300 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem.

Entdeckt wurde Gum 41 von dem australischen Astronomen Colin Gum auf einer Fotografie, welche am Mount Stromlo-Observatorium in der Nähe von Canberra/Australien aufgenommen wurde. Der Astronom fügte dieses Objekt zu seinem im Jahr 1955 publizierten Gum-Katalog hinzu, in dem insgesamt 84 Emissionsnebel katalogisiert sind.

In Inneren von Gum 41 befinden sich gleich mehrere relativ junge und zugleich massereiche Sterne, deren Strahlung für das charakteristische rötliche Leuchten des Gases in der Umgebung verantwortlich ist.

Bei der am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichten Aufnahme von Gum 41 handelt es sich wahrscheinlich um eine der besten Abbildungen, welche bisher von diesem nur schwer zu erfassenden Objekt angefertigt wurden. Das Bild wurde aus Daten erstellt, welche mit dem Wide Field Imager des MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskops am La-Silla-Observatorium der ESO in den chilenischen Anden erfasst wurden. Es handelt sich dabei um eine Kombination von mehreren Aufnahmen, welche unter der Verwendung von Blau-, Rot- und Grünfiltern aufgenommen wurden. Zusätzliche Aufnahmen wurden mit einem Filter angefertigt, der für das rötliche Leuchten des Wasserstoffgases optimiert ist.

In der so erstellten Aufnahme von Gum 41 erscheinen die Wasserstoffwolken relativ dicht und hell. Hierbei handelt es sich allerdings um einen Trugschluss. Würde ein hypothetischer Astronaut durch diesen Nebel fliegen, so ist es wahrscheinlich, dass dieser Raumfahrer den Nebel gar nicht wahrnehmen würde, denn - selbst aus der Nähe betrachtet - wäre diese Konzentration von Wasserstoff immer noch zu "dünn" und lichtschwach, um vom menschlichen Auge wahrgenommen zu werden.

Dies erklärt auch, warum Gum 41 erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckt wurde. Das rote Leuchten des Nebels ist im visuellen Bereich nur sehr schlecht sichtbar und kann erst durch den Einsatz spezieller Beobachtungstechniken hervorgehoben werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» EgyptSat 2 nach Start auf Sojus U im All
18.04.2014 - Der Erdbeobachtungssatellit EgyptSat 2 für Ägypten wurde am 16. April 2014 auf einer russischen Sojus-U-Rakete vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum transportiert.
Die russische Rakete hob am 16. April 2014 wie geplant pünktlich um 18:20 Uhr MESZ von der Startrampe 6 der Anlage 31 in Baikonur ab. Eine neuerliche Startverschiebung wegen angeblicher, bei elektrischen Tests aufgetreten Schwierigkeiten mit dem Satelliten war nicht erforderlich.

Rund 9 Minuten Flugzeit benötigte die Sojus U (Erzeugniscode 11A511U), um ihre Nutzlast zum vorgesehen Aussetzpunkt bei direktem Bahneinschuss zu bringen. EgyptSat 2, der am Anfang des Fluges von einer Nutzlastverkleidung geschützt wurde, wie sie auch beim Start von Progress-Transportschiffen zur Internationalen Raumstation (ISS) verwendet wird, gelangte nach Angaben von Roskosmos gegen 20:29 Uhr Moskauer Zeit (18:29 Uhr MESZ) auf die vorgesehene Erdumlaufbahn.

Geplant ist ein kreisförmiger Einsatzorbit in rund 700 Kilometern Höhe über der Erde, der eine Neigung gegen den Erdäquator (Inklination) von 51,6 Grad aufweist. Der Hersteller des Satelliten aus Koroljow bei Moskau meldete, dass beim Aussetzen eine Bahn mit einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 720 über der Erde und einem Perigäum, dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, von rund 440 Kilometern über der Erde sowie einer Inklination von 51,6 erreicht wurde. Elektrische Triebwerke an Bord des Satelliten sollen ihn später in den Einsatzorbit bringen.

Künftige Nutzer des für die nationale Behörde für Fernerkundung und Weltraumwissenschaften Ägyptens (National Authority for Remote Sensing and Space Sciences, NARSS) gestarteten dreiachsstabilisierten Satelliten sind sicher hoch zufrieden, dass jetzt nach zahlreichen Programmverzögerungen ein neuer Erdbeobachtungssatellit zur Verfügung steht.

Zunächst als unter maßgeblicher Beteiligung Ägyptens zu bauendes Raumfahrzeug präsentiert nahm EgyptSat 2 schließlich in Form eines in Russland konstruierten Satelliten Gestalt an. EgyptSat 2 hatte eine Startmasse von rund 1.050 Kilogramm und basiert auf einer 559GK genannten Ableitung des Satellitenbus Jamal 100 (Yamal 100) von der Russian Rocket and Space Corporation "Energia" (RSC Energia / RKK Energia) ohne einen thermisierten Gerätebehälter wie bei früheren russischen Entwürfen üblich. Den Bordrechner für EgyptSat 2 leitete Energia aus einem für den Satellitenbus Jamal 300 ausgedachten Entwurf ab.

Zur Stromversorgung von EgyptSat 2 sehen drei ausklappbare Solarzellenausleger zur Verfügung, die so montiert sind, dass sie nicht autonom der Sonne nachgeführt werden können. Bis zu 3.000 Watt elektrischer Leistung können sie zusammen liefern. Der Speicherung elektrischer Energie an Bord dienen Nickelmetallhydrid-Akkumulatoren.

Die Auslegungsbetriebsdauer des nach nicht bestätigten Angaben umgerechnet rund 40 Millionen US-Dollar teuren Satelliten beträgt 11 Jahre. Während seines Einsatzes soll er Beiträge zur Kartographierung Ägyptens liefern, Umweltdaten erfassen und zur Erde senden, und bei der Katastrophenvorsorge und -Bewältigung helfen. Die via EgyptSat 2 gewonnenen georeferenzierten Informationen möchte die NARSS künftig in ein nationales Geoinformationssystem (GIS) einpflegen.

Bilddaten soll EgyptSat 2 im Bereich des sichtbaren Lichts und des Infraroten erfassen. Die elektrooptischen Systeme dafür und die zur Bildübertragung stammen vom Entwicklungsbüro Peleng (OAO Peleng) aus dem weißrussischen Minsk und dem nationalen Zentrum für Informationstechnik- und Quellen (NIRUP) aus der gleichen Stadt und ermöglichen eine Schwadbreite von 1.400 Kilometern. Bei Farbbildern beträgt die errechnete Auflösung 4 Meter, monochromatisch will man einen Meter Bodenauflösung erreichen. Zum Boden übertragen kann EgyptSat 2 Daten im X-Band mit 300 bis 600 Megabit pro Sekunde.

EgyptSat 2 alias MisrSat 2 (Misr Arabisch für Ägypten) und E-Star ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.678 und als COSPAR-Objekt 2014-021A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Energia, NARSS, RIA Novosti, Roskosmos, Tsenki)


» Kleinplanet (7984) 1980 SM heißt jetzt (7984) Marius
18.04.2014 - Der von der tschechischen Astronomin Zdeňka Vávrová entdeckte Kleinplanet (7984) 1980 SM wurde jetzt zu Ehren des fränkischen Astronomen Simon Marius vom für die Benennung von Kleinplaneten, Kometen und natürlichen Satelliten zuständigen Komitee der Internationalen Astronomischen Union (IAU) offiziell mit der Bezeichnung (7984) Marius versehen.
(7984) Marius umkreist die Sonne im sogenannten Hauptgürtel. Zdeňka Vávrová hatte ihn dort bei Beobachtungen im Kleť-Observatorium (Hvězdárna Kleť) am 29. September 1980 aufgespürt. Für eine Sonnenumrundung benötigt (7984) Marius bei einer mittleren Geschwindigkeit von 7,57 Kilometern pro Sekunde 4,27 Jahre. Sein mittlerer Abstand zur Sonne beträgt dabei das 2,63-fache der Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Das Minor Planet Center (MPC) gab die Entscheidung des Committee for Small-Body Nomenclature der IAU in Erinnerung an Simon Marius Ende März 2014 bekannt. Simon Marius lebte von 1573 bis 1624, war also ein Zeitgenosse Galileo Galileis, arbeitete als Hofastronom in Ansbach und entdeckte dort von einem Turm des Schlosses aus am 8. Januar 1610 vier um Jupiter kreisende Monde - nur einen Tag nach Galilei.

Erst im Jahre 1614 veröffentlichte der exakt arbeitende Marius in einer Schrift mit dem Titel "Mundus Iovialis" (Die Welt des Jupiter) seine Entdeckung der vier großen Jupitermonde. Anlässlich der Veröffentlichung vor 400 Jahren hat die Nürnberger Astronomische Gesellschaft (NAG) zusammen mit einer Reihe von Partnern und Unterstützern das "Simon-Marius-Jubiläum 2014" ausgerufen.

Neben der Planung und Durchführung einer Reihe von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr kümmerte sich die NAG auch um die Einrichtung eines mehrsprachigen Internetprotals, das alle elektronischen Quellen und Sekundärliteratur zu Simon Marius zusammenführt und sie allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich macht. Auch an den Bemühungen um die Benennung eines Himmelskörpers zu Ehren Marius` hat sich die NAG beteiligt.

Der jetzt nach Marius benannte Kleinplanet ist einer von einer ganzen Reihe von zwischen Mars und Jupiter um die Sonne ziehende Hauptgürtel-Asteroiden, die vom Kleť-Observatorium aus ausfindig gemacht wurden. Seit 1968 gibt es eine regelmäßige Beobachtungstätigkeit im Kleť-Observatorium, seit 1977 sucht man nach bisher nicht identifizierten Objekten. 1994 begann man dort mit der systematischen Vermessung von Asteroidenbahnen.

Ein größerer Umbau Anfang der 2000er bescherte dem Kleť-Observatorium moderne Beobachtungstechnik, die jetzt unter der Bezeichnung KLENOT zum Einsatz kommt. Gemäß der ausgeschriebenen Bezeichnung "KLEt’ Observatory Near Earth and Other unusual objects observations Team and Telescope" widmet man sich auf dem 1.083 Meter hohen Berg Kleť in Südböhmen insbesondere der Beobachtung von erdnahen Asteroiden und der Suche nach bisher unbekannten Planetoiden.

Die lichtgeschütze Lage auf 1.070 Metern über dem Meer im Blansker Wald (Blanský les) mit den für Himmelsbeobachtungen ausgezeichneten klimatischen Bedingungen macht hervorragende Beobachtungsergebnisse möglich.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NAG)


» Erdgroßer Planet in lebensfreundlicher Zone entdeckt
19.04.2014 - Astronomen haben bei der Auswertung der Daten des Weltraumteleskops Kepler den ersten erdgroßen Exoplaneten entdeckt, welcher seinen Zentralstern im Bereich der dortigen habitablen Zone umkreist. Der Planet Kepler 186f umkreist einen rund 500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegenen Zwergstern. Auf seiner Oberfläche könnten theoretisch Bedingungen vorherrschen, welche das Vorhandensein von flüssigem Wasser - und somit die Existenz von Leben - ermöglichen.
Seit der Entdeckung des ersten Exoplaneten im Jahr 1995 konnten Astronomen bis zum heutigen Tag außerhalb unseres Sonnensystems 1.783 Planeten nachweisen. Der Wunsch eines jeden "Exoplanetenjägers" ist es vermutlich, bei seiner Suche eine "zweiten Erde" zu entdecken - also einen außerhalb unseres Sonnensystems gelegenen Planeten, welcher theoretisch über die Umweltbedingungen verfügt, um dort die Entstehung und Weiterentwicklung von außerirdischen Lebensformen zu ermöglichen.

Hierbei, so eine der Minimalanforderungen, müsste es sich um einen terrestrischen Planeten handeln, der in etwa über die Größe und Masse der Erde verfügt und dessen Orbit innerhalb der habitablen Zone seines Sterns verläuft. Nur in diesem Bereich eines Sternsystems können auf der Oberfläche eines Gesteinsplaneten Bedingungen vorherrschen, welche das dauerhafte Vorhandensein von Wasser im flüssigen Aggregatzustand ermöglichen. Und nur unter dieser Voraussetzung, so die gegenwärtig allgemein anerkannte Meinung, besteht die theoretische Möglichkeit, dass sich dort auch "Leben" bilden und entwickeln kann.

Zwar gelang den Astronomen in den vergangenen Jahren die Entdeckung von Dutzenden von Exoplaneten, welche ihre jeweiligen Zentralsterne in deren habitablen Zonen umkreisen. Diese Planeten verfügen jedoch durchweg über Durchmesser, welche um mindestens 40 Prozent über dem Durchmesser der Erde liegen. Die mehr als 100 bisher entdeckten Planeten, welche in etwa über die gleiche Größe wie unser Heimatplanet verfügen, umkreisen ihre Sterne dagegen außerhalb der lebensfreundlichen Zonen. Jetzt sind die Astronomen der Entdeckung einer zweiten Erde jedoch einen deutlichen Schritt näher gekommen.

Das Sternsystem Kepler 186

Nach seinem Start am 7. März 2009 hat das auf die Exoplanetensuche spezialisierte Weltraumteleskop Kepler über einen Zeitraum von vier Jahren im Bereich der Sternbilder Schwan und Leier systematisch über 150.000 Sterne anvisiert und nach Anzeichen für dort befindliche Planeten Ausschau gehalten. Bei der Auswertung der in den beiden ersten Missionsjahren gesammelten Daten entdeckten die beteiligten Wissenschaftler vier Planeten, welche einen etwa 500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegenen Zwergstern umkreisen.

Der im Sternbild Schwan gelegene und mit dem Namen "Kepler 186" belegte "Rote Zwergstern" verfügt über lediglich rund 48 Prozent der Masse unserer Sonne und gibt somit deutlich weniger Strahlung als das Zentralgestirn unseres Sonnensystems in das umgebende Weltall ab. Aus diesem Grund verfügt die dortige lebensfreundliche Zone über eine geringere Ausdehnung und befindet sich zudem näher an dem Stern als in unserem Sonnensystem.

Die vier zuerst in diesem Sternsystem entdeckten Planeten, welche die Bezeichnungen Kepler 186b bis e erhielten, verfügen über Durchmesser, welche um weniger als 50 Prozent über dem Durchmesser der Erde liegen. Für einen vollständigen Umlauf um ihren Stern benötigen diese Planeten vier, sieben, 13 beziehungsweise 22 Tage. Selbst der äußerste der vier Planeten - Kepler 186e - befindet sich mit einer Entfernung von 0,129 Astronomischen Einheiten noch zu nahe an seinem Stern, als das auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser vorhanden sein könnte. Mit einer "Astronomischen Einheit" bezeichnen Astronomen die mittlere Distanz zwischen der Erde und der Sonne. Dieser Wert beträgt rund 149,6 Millionen Kilometer.

Kepler 186f - Ein ’Cousin’ der Erde

Bei der weiteren Auswertung der Kepler-Daten, welche jetzt auch das dritte Beobachtungsjahr enthielten, entdeckte ein von Elisa V. Quintana vom SETI Institute am Ames Research Center der NASA in Moffet Field/Kalifornien geleitetes Wissenschaftlerteam einen fünften Planeten, der den Stern Kepler 186 umkreist. Laut den Wissenschaftlern verfügt dieser mit dem Namen Kepler 186f belegte Planet, der seinen Stern in einer Entfernung von 0,356 Astronomischen Einheiten - dies entspricht rund 52,4 Millionen Kilometern - umrundet, in etwa über den lediglich 1,1-fachen Erddurchmesser. Für einen vollständigen Umlauf benötigt der Exoplanet eine Zeitspanne von 130 Tagen. In dieser Entfernung empfängt der Planet von seinem Stern lediglich noch 32 Prozent der Energiemenge, welche die Erde von der Sonne erhält.

Trotzdem befindet sich der Planet Kepler 186f, dessen Existenz inzwischen durch nachfolgende Beobachtungen mit den Teleskopen des W. M. Keck Observatory und des Gemini Observatory bestätigt werden konnte, immer noch innerhalb der habitablen Zone seines Stern, welche sich in diesem Sternsystem über einen Bereich von etwa 0,22 bis 0,4 Astronomischen Einheiten erstreckt. Dies, so die Wissenschaftler der NASA, muss allerdings keinesfalls bedeuten, dass sich auf dem Planeten auch Leben entwickelt haben könnte.

"Dass sich ein Planet in der habitablen Zone befindet, bedeutet nicht automatisch, dass auf ihm auch lebensfreundliche Bedingungen vorherrschen", so Thomas Barclay vom Bay Area Environmental Research Institute des Ames Research Center der NASA. "Die Temperatur auf der Oberfläche eines Planeten hängt stark davon ab, wie sich seine Atmosphäre zusammensetzt."

Somit weist der neu entdeckte Planet zwar zumindestens theoretisch die Grundvoraussetzungen auf, um ihn als potentiell lebensfreundlich zu bezeichnen. Ob sich dort jedoch auch flüssiges Wasser befindet, lässt sich mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden nicht feststellen. Neben der Analyse des Spektrums der Atmosphäre müsste hierfür unter anderem auch die Masse des Planeten bekannt sein, was derzeit nicht der Fall ist. Allerdings deuten bisherige Studien darauf hin, dass es sich bei erdgroßen Planeten aller Wahrscheinlichkeit nach generell um Gesteinsplaneten handelt.

Bei dem neu entdeckten Exoplaneten Kepler 186f handelt es sich sehr wahrscheinlich nicht um die gesuchte "zweite Erde". Aufgrund der geringen Energiemenge, welche der Planet von seinem Stern erhält, müsste die Atmosphäre zum Beispiel hohe Mengen an Kohlendioxid beherbergen, so dass ein Treibhauseffekt das Gefrieren von eventuell vorhandenem Wasser verhindert. Als ein ’Cousin’ der Erde kann der Planet wohl jedoch auf jeden Fall angesehen werden.

"Wir kennen bislang nur einen einzigen Planeten, auf dem Leben existiert - unsere Erde. Wenn wir außerhalb unseres Sonnensystems nach Leben suchen, dann konzentrieren wir uns bei dieser Suche auf Planeten, die der Erde so ähnlich wie nur irgend möglich sind", so Elisa V. Quintana. "Die Entdeckung eines erdgroßen Planeten in einer habitablen Zone ist dabei ein wichtiger Schritt in diese Richtung."

"Die Entdeckung des Planeten Kepler-186f ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu der Entdeckung von Welten, die unserer Erde gleichen", unterstreicht Paul Hertz, der Leiter der Abteilung für Astrophysik der NASA, die Bedeutung dieser Entdeckung und wagt dabei zugleich einen Blick in die Zukunft: "Künftige NASA-Missionen wie der Transiting Exoplanet Survey Satellite oder das James Webb Space Telescope werden die uns am nächsten gelegenen extrasolaren Gesteinsplaneten entdecken und zudem in der Lage sein, Informationen über deren Zusammensetzung und die jeweiligen Atmosphären zu sammeln und so die Suche nach einer wirklichen ’zweiten Erde’ weiter fortsetzen."

Rote Zwerge - vielversprechende Kandidaten für die Suche nach einer "Zweiten Erde"

Die Suche nach bewohnbaren Planeten in der Umgebung von Roten Zwergsternen mittels der "Transitmethode" - mit dieser Methode arbeitete auch das Kepler-Teleskop - gilt dabei als besonders vielversprechend, denn bei etwa 70 Prozent aller in unserer Heimatgalaxie beheimateten Sterne handelt es sich um Rote Zwerge. Da diese Sterne über eine nur sehr geringere Leuchtkraft verfügen, befinden sich die dort gelegenen habitablen Zonen zudem in einem relativ geringen Abstand zu dem Stern. Ein in diesem Bereich kreisender Planet verfügt somit über eine relativ kurze Umlaufzeit, so dass die von der Erde aus zu beobachtenden Planetentransits verhältnismäßig häufig stattfinden. Außerdem deckt ein dicht um seinen Stern umlaufender Planet während eines erfolgenden Transits einen vergleichsweise großen Bereich des Zentralstern ab, so dass sich ein Helligkeitsrückgang in der Transit-Lichtkurve deutlich abzeichnet.

"Rote Zwerge sind die am häufigsten in unserer Galaxie vorkommenden Sterne", so Elisa V. Quintana. "Die ersten Spuren von Leben in der Galaxie könnten sich also durchaus auf Planeten entwickelt haben, die um Rote Zwerge kreisen."

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 17. April 2014 von Elisa V. Quintana et al. unter dem Titel "An Earth-Sized Planet in the Habitable Zone of a Cool Star" in der Fachzeitschrift ’Science’ publiziert.

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Fachartikel von Elisa V. Quintana et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Science)


» SS/L baut weitere 2 Satelliten für JSAT
20.04.2014 - Der US-amerikanische Kommunikationssatellitenhersteller Space Systems/Loral (SS/L) ist vom japanischen Kommunikationssatellitenbetreiber SKY Perfect JSAT Corporation (JSAT) mit dem Bau der Satelliten JCSat 15 und JCSat 16 beauftragt worden.
Aktuell betreibt JSAT in der eigenen Flotte 16 Kommunikationssatelliten. Die beiden neuen, auf der Plattform 1300 von SS/L basierenden Satelliten sollen nach derzeitigem Planungsstand im Jahr 2016 in den Weltraum transportiert werden, teilte JSAT am 17. April 2014 mit.

JCSat 15 und JCSat 16 sind nicht die ersten Satelliten von SS/L für JSAT. Im Juni 2013 hatte JSAT bei dem Hersteller mit Sitz in Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien JCSat 14 bestellt.

Mit JCSat 15 will man den seit dem 7. Oktober 2000 um die Erde kreisenden JCSAT 110 alias Superbird 5, Superbird D, NSAT 110 und N-Sat 110 an einer Position bei 110 Grad Ost im Geostationären Orbit ersetzen.

JCSat 15 ist ein Raumfahrzeug der 10-Kilowatt-Klasse. Es wird ausschließlich mit Ku-Band-Transpondern ausgestattet. Mit ihnen sollen Nutzer in Japan, Ozeanien und im Bereich des Indischen Ozeans versorgt werden. Die Auslegungsbetriebsdauer liegt bei mindestens 15 Jahren.

JCSat 16 ist als im All stationierter Reservesatellit gedacht, der gegebenenfalls einspringen soll, wenn es mit auf anderen Satelliten etablierten Diensten für Nutzer aus Japan Schwierigkeiten gibt.

Er ist geringfügig schwächer als JCSat 15 ausgelegt und gehört zur 8,5-Kilowatt-Klasse. Er erhält Ka- und Ku-Band-Transponder. Seine Auslegungsbetriebsdauer liegt ebenfalls bei mindestens 15 Jahren.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JSAT, Space Systems/Loral)


» Amazonas 4A hat Elektrik-Probleme
20.04.2014 - An Bord des am 22. März 2014 auf einer Ariane-5-ECA-Rakete für Hispasat gestarteten Kommunikationssatelliten Amazonas 4A gibt es Probleme mit dem Stromversorgungssystem, die möglicherweise dazu führen, dass der Satellit nicht oder nicht in vollem Umfang eingesetzt werden kann.
Der spanische Kommunikationssatellitenbetreiber Hispasat mit Sitz in Madrid teilte am 14. April 2014 mit, dass eine Anomalie im Stromversorgungssystem von Amazonas 4A vorliegt, und dass der Satellit auf stabiler Bahn um die Erde kreist.

Nach dem Start des dreiachsstabilisierten Satelliten hieß es seitens einer nicht näher bezeichneten Quelle aus Industriekreisen zunächst, einer der Solarzellenausleger des von der Orbital Sciences Corporation (OSC) mit Sitz in Dulles im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia gebauten Erdtrabanten habe sich nicht richtig entfaltet.

Laut Hispasat sind beide Solarzellenausleger, die dem auf dem Bus GEOStar-2.4 basierenden Satelliten eine Spannweite von über 23 Metern geben, entfaltet. In einem Untersystem der Stromversorgung ist allerdings ein Fehler aufgetreten.

Hispasat und OSC untersuchen gemeinsam das Problem an Bord von Amazonas 4A. Um zu sagen, was genau passiert ist und ob der Fehler behoben werden kann, ist es laut Hispasat noch zu früh. David Thompson, CEO von OSC, führte anlässlich eines Quartalsberichts zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens aus, man überprüfe derzeit zwei wahrscheinliche Ursachen für den Fehler, welchen man nicht als systematisch oder für einen im Weltraum arbeitenden Satelliten als erwartbar betrachte.

Bei einem der beiden Szenarien gehe es um eine Besonderheit des Satelliten, die dieser mit keinem anderen gestarteten oder in Herstellung befindlichen Kommunikationssatelliten von OSC teile. Im anderen Fall wäre eine Komponente betroffen, die in vielen Raumfahrzeugen von OSC verbaut sei. Der Einsatz der betreffenden Komponente in Produkten von OSC läuft laut Thompson aus, in Amazonas 4A habe man sie letztmalig verbaut.

Der Start vom Amazonas 4A war am 14. Februar 2014 verschoben worden, weil es bei Tests des Satelliten im Startzentrum Kourou in Französisch Guayana Probleme mit einer Komponente gab. Eine erste notwendige Startverschiebung, um zusätzliche Tests des Satelliten zu ermöglichen, hatte Arianespace am 13. November 2013 gemeldet. Ob ein Zusammenhang mit den aktuell vorliegenden Schwierigkeiten besteht, ist nicht bekannt.

Sollte sich Amazonas 4A, Auslegungsbetriebsdauer 15 Jahre, als Totalausfall erweisen oder sein Einsatz fehlerbedingt Einschränkungen unterliegen, und er verspätet den kommerziellen Betrieb aufnehmen, kommt nach Angaben von Hispasat eine Versicherung für entstandene Schäden auf. Als Versicherungssumme wird ein Betrag von rund 145 Millionen Euro genannt.

Ursprünglich hatte man erwartet, dass Amazonas 4A nach einer Test- und Inbetriebnahmephase im Frühjahr 2014 mit seinen 24 gleichzeitig nutzbaren Ku-Band-Transpondern den kommerziellen Betrieb an einer Position bei 61 Grad West im Geostationären Orbit aufnimmt. Spätestens ab Juni 2014 wollte man den Satelliten einsatzbereit haben, um Südamerika mit hochaufgelösten Fernsehprogrammen zu versorgen und Bilder von der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien 2014 zu verbreiten.

Zur Zeit steht der Satellit, dessen Masse beim Aussetzen im All rund 2.940 Kilogramm betrug, bei 51 Grad West, der vorgesehenen Testposition. Für Kunden Hispasats, die eine Nutzung von Amazonas 4A geplant hatten, gibt es, berichtete Hispasat, einen Notfallplan. Einzelheiten zum Notfallplan nannte Hispasat nicht.

Amazonas 4A ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.616 und als COSPAR-Objekt 2014-011A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, FedBiz Daily, Hispasat, OSC, Spaceflight Now, Spacenews)


» Express-AT 1 und 2: Tests im Orbit erfolgreich
20.04.2014 - Am 16. April 2014 wurde bekannt, dass Tests der beiden russischen Kommunikationssatelliten Express-AT 1 und 2 im All erfolgreich verliefen. Einer der beiden Satelliten ist zwischenzeitlich an seinen Betreiber, die Russische föderale Satellitenkommunikationsgesellschaft (Russian Satellite Communications Company, RSCC) übergeben worden.
Express-AT 1 und 2 gelangten am 16. März 2014 zusammen auf einer Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe in den Weltraum. Die beiden von Reschetnjow Informational Satellite Systems mit Sitz in Schelesnogorsk nordöstlich von Krasnojarsk gebauten, mit Kommunikationsnutzlasten von Thales Alenia Space ausgestatteten Satelliten wurden danach intensiv getestet.

Dabei wurde nach Angaben Reschetnjows vom 16. April 2014 festgestellt, dass die Kommunikationsnutzlasten und die raumflugtechnischen Systeme der Satelliten funktionieren wie geplant. Die Tests erfolgten auf Positionen bei 69,5 Grad Ost im Geostationären Orbit.

Express-AT 1 hat seine Einsatzposition bei 56 Grad Ost im Geostationären Orbit laut Reschetnjow zwischenzeitlich bezogen, die Kontrolle über den Satelliten wurde an seinen Betreiber übergeben. Am 22. April 2014 will RSCC beginnen, auf älteren Satelliten etablierte Dienste auf Express-AT 1 umzuziehen. Der neue Satellit ist dazu gedacht, russisches Gebiet von der Region Kaliningrad über die Krim bis Norilsk und Tschita mit Fernsehprogrammen und VSAT-Diensten zu versorgen, ebenso Empfänger in Ost- und Nordeuropa.

Express-AT 2 ist noch unterwegs zu seiner Einsatzposition bei 140 Grad Ost. Wenn er diese erreicht hat, will man die Kontrolle über ihn voraussichtlich im Mai 2014 an den künftigen Betreiber übertragen. Anschließend soll Express-AT 2 Empfänger in Regionen Russlands im fernen Osten mit hochaufgelösten Fernsehprogrammen und VSAT-Diensten versorgen.

Express-AT 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.612 und als COSPAR-Objekt 2014-010A. Express-AT 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.613 und als COSPAR-Objekt 2014-010B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ITAR-TASS, Reschetnjow, RSCC)


» Airbus Defence and Space baut Aufklärer für Peru
25.04.2014 - Mit Unterstützung des französischen Verteidigungsministeriums soll Airbus Defence and Space ein satellitengestütztes Erdbeobachtungssystem für den Andenstaat Peru realisieren.
Am 24. April 2014 wurde bekannt, dass Airbus Defence and Space als Hauptauftragnehmer zum Aufbau des Systems für und in Peru ausgewählt worden ist. Nach einem bilateralen Abkommen zwischen Frankreich und Peru, an dem ab November 2013 gearbeitet wurde, hat das Verteidigungsministerium Perus jetzt der Beschaffung des Systems für rund 150 Millionen Euro zugestimmt.

Auftragsgegenstand ist neben dem Bau und dem Start eines Erdbeobachtungssatelliten mit hochauflösender Optik auf Basis der NAOMI-Instrumentenserie auch der Aufbau eines entsprechenden Bodensegments in Peru, das für Empfang und Verarbeitung von Bildmaterial vom Satelliten geeignet ist, und die Unterweisung von Personal des Verteidigungsministeriums Perus. (NAOMI steht für New Astrosat Observation Modular Instrument).

Vor dem Start des neuen, auf dem Satellitenbus AstroSat 300 aufgebauten Raumfahrzeugs soll Airbus Defence and Space Daten von eigenen Rader- und optischen Satelliten an Peru weiterleiten.

2014 will Airbus Defence and Space notwendige Entwicklungsarbeiten erledigen, 2015 möchte man den Satelliten für Peru zusammensetzen. Der Start ist für 2016 geplant und soll von Kourou in Französisch Guayana aus erfolgen. In einem kurzen Video zeigt Airbus Defence and Space den Start auf einer Rakete vom Typ VEGA.

Mitte des Jahres 2016 könnte dann der gerade bestellte Satellit, dessen Preis und Ausstattung in Peru nicht unumstritten waren, um die Erde kreisen. Aus einem sonnensynchronen Orbit wird er dann, wenn alles so funktioniert wie geplant, Bilder in einer Auflösung im Bereich von 2,5 Metern oder besser liefern.

Peru ist an erweiterten Überwachungsmöglichkeiten insbesondere von unzugänglichen Gebieten im Anden-Gebirge und den Wäldern am Amazonas gelegen. Der neue Satellit ist unter anderem dazu gedacht, illegalen Aktivitäten wie unlizenziertem Bergbau, Anbau, Transport und Handel von Drogen und Grenzverletzungen auf die Spur zu kommen.

Auch die Gewinnung von Daten zur Kartierung des Landes und Informationen zur Vorbeugung und Bewältigung von Katastrophen unterschiedlichster Ursachen ist vorgesehen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Airbus Defence and Space, LA RAZÓN, La Tribune, Ministère de la Défense, The Malaysian Times)


» DubaiSat 2 im Regelbetrieb
25.04.2014 - Die Institution für fortschrittliche Wissenschaft und Technik der Vereinigten Arabischen Emirate (Emirates Institution for Advanced Science and Technology, EIAST) gab am 14. April 2014 bekannt, dass ihr Erdbeobachtungssatellit DubaiSat 2 den Regelbetrieb aufgenommen hat.
Die 2006 gegründete Regierungsorganisation zur Förderung von wissenschaftlichen Innovationen und Entwicklungen im Raumfahrtsegment hatte DubaiSat 2 am 21. November 2013 auf einer Rakete vom Typ Dnepr aus dem Silo 370/13 von Dombarovsky in Russland aus starten lassen. Ursprünglich war ein Start im letzten Quartal 2012 geplant.

Ab dem 21. November 2013 befand sich der Satellit mit einer Startmasse von rund 300 Kilogramm in der sogenannten Launch and Early Operations Phase (LEOP), innerhalb derer man das Funktionieren der einzelnen Elemente der raumflugtechnischen Systeme des Satelliten untersucht hat.

Unter anderem wurden zusammen mit der Japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung JAXA Tests des Antriebssystems von DubaiSat 2 vorgenommen. Der Satellit besitzt ein elektrisches Antriebssystem, das Xenon als Arbeitsgas benutzt und Bahnanpassungen sowie der Lageregelung dient.

Danach folgte eine Betriebsphase, in der die Beobachtungsnutzlast mit ihrem Teleskop kalibriert und und ihre Einsatzbereitschaft innerhalb vorgegebener Parameter hergestellt wurde. Das erste Bild durch den Satelliten wurde aber bereits etwa 24 Stunden nach dem Start aufgenommen und zeigt die Insel Seer Bani Yas in Abu Dhabi. Bis Ende des Jahres 2013 wurden rund 830 Bilder erfasst, was einer abgetasteten Fläche von rund 120.000 Quadratkilometern entspricht.

Jetzt will man die via DubaiSat 2 gewonnenen Daten im Rahmen von Umweltschutzprojekten, bei der Stadtplanung und beim Ausbau von Infrastruktur verwenden. Gemäß einer Vereinbarung zwischen der EIAST und der Satrec Initiative Company (SI) aus Südkorea sollen die Daten auch international angeboten und verbreitet werden.

DubaiSat 2 ist ein Erzeugnis von SI, basiert auf dem Satellitenbus SI-300 und entstand unter Beteiligung der EIAST, die 20 Ingenieure aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Mitarbeit bei Entwurf, Entwicklung, Bau und Tests des Raumfahrzeugs delegiert hatte. Seine Auslegungsbetriebsdauer beträgt fünf Jahre.

Im All benötigt DubaiSat 2 für einen Erdumlauf rund 96,5 Minuten. Dubai überfliegt der Satellit auf seinem annähernd kreisförmigen, polaren, rund 97,8 Grad gegen den Erdäquator geneigten Orbit viermal pro Tag. Die Bodenstation Al Khawaneej ist in der Lage, pro Tag Bilddaten zu einer abgetasteten Fläche von über 18.000 Quadratkilometern zu empfangen. Die Speicherkapazität an Bord des Satelliten reicht für eine abgetastete Fläche von rund 17.000 Quadratkilometern.

Panchromatische Bilder von DubaiSat 2 aus einer Flughöhe von rund 600 Kilometern über der Erde erreichen eine Bodenauflösung im Bereich eines Meters. Im Modus für Farbbilder liegt die erreichte Auflösung im Bereich von vier Metern. Die Schwadbreite der Abtastorgane des Satelliten, die zusammen als High Resolution Advanced Imaging System (HiRAIS) bezeichnet werden, liegt bei 12,2 Kilometern.

DubaiSat 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.419 bzw. als COSPAR-Objekt 2013-066D.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: arabianindustry.com, gulftoday.ae, mid-east.info, satelliteprome.com, satreci.com)


» Orion-Kapsel besteht Vibrationstests
26.04.2014 - Das Orion-Crew Modul für den unbemannten Testflug (EFT-1 oder Exploration Flight Test-1) im Dezember 2014 ist inzwischen weitgehend mit den notwendigen Komponenten zur Flugsteuerung ausgestattet. In der vergangenen Woche fanden im Operations and Checkout Building am Kennedy Space Center die obligaten Vibrationstests statt – ohne Probleme, wie die NASA meldet.
Raketenstarts und Landungen sind bis heute zum einen noch eine ziemlich ruppige Angelegenheit. Zum anderen treten beim Flug feinste Vibrationen auf. Um sicher zu sein, dass die neu entwickelte Orion-Kapsel derartigen Vibrationen bereits während ihres ersten Testfluges stand halten wird, wurde das Fluggerät vom 17. bis 24. April 2014 in der High Bay-Halle des Operations and Checkout-Building am Kennedy Space Center umfangreichen Tests unterworfen. Dafür wurde die inzwischen mit Avionik, Steuerungsdüsen, Fenster und Fallschirmen bestückte innere Orion-Zelle in einen speziellen Teststand transportiert. Der Testwoche vorausgegangen waren monatelange Vorbereitungen und die Ausarbeitung verschiedener Testabläufe. Dazu gehörte auch die Festlegung von Show-Stoppern, das heißt die Vorab-Definition von Grenzwerten, ab denen ein einzelner Vibrationstest abgebrochen werden muss.

Zum mobilen Vibrationsteststand gehören zwei elektromagnetische Shaker, die jeder eine Kraft entsprechend knapp zwei Tonnen Druck entwickeln können. Die Orion-Kapsel stand auf einen speziellen Podest, um Einflüsse vom Hallenboden auszuschließen. Vor Beginn den Testreihen wurden die Batterien geladen, die Avionik, Instrumente und elektrische Komponenten wurden unter Strom und die Tanks unter Druck gesetzt. Die Vibrationstests begannen bei fünf Hertz. Die Frequenz wurde schrittweise auf 500 Hertz erhöht. Das liegt im Bereich der auf Raketen und Nutzlasten üblicherweise angewendeten Anregungsfrequenzen. Nach jedem der 30-sekündigen Testläufe wurden die gegenüber liegenden Shaker versetzt, um die daraus resultierenden Abweichungen analysieren zu können.

Vorläufige Analysen der Werte der angebrachten Schwingungssensoren und Dehnungsmessstreifen zeigten keine größeren Probleme auf. Die Zellstruktur der Orion-Kapsel und die Aggregate verhielten sich demzufolge wie prognostiziert. Die Tests waren zwei Tage vor dem geplanten Termin beendet.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, Raumcon)


» Neu auf dem Büchermarkt: Raumsonde Rosetta
29.04.2014 - Das jüngst erschienene Werk "Raumsonde Rosetta - Die abenteuerliche Reise zum unbekannten Kometen" hat sich Steve Münker angesehen. Hier ist seine Rezension für Raumfahrer.net:
"Raumsonde Rosetta" ist ein 160 Seiten starkes, qualitativ gutes Hardcover und wird vom Kosmos-Verlag verlegt. Mit 57 Farbfotos, 21 Schwarzweißfotos und 44 Farbzeichnungen ist es reich bebildert. Der Preis in Deutschland liegt bei 24,99 €, die ISBN lautet 978-3-440-13083-4.

Die beiden Autoren des Buches sind Herr Dr. Diedrich Möhlmann, ein emeritierter Professor am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof, und Herr Dr. Stephan Ulamec, der Projektleiter der Landeeinheit von Rosetta, Philae, am DLR in Köln.

Dem Buch merkt man sofort an, dass die beiden Verfasser die Materie, über die sie schreiben, sehr gut kennen. Der Text ist dicht gepackt mit Informationen, bleibt aber gleichwohl übersichtlich, gut lesbar und verständlich. Dazu tragen sicherlich auch die zahlreichen Abbildungen, Zeichnungen und Tabellen bei, welche besonders den visuell geprägten Lesern sehr entgegenkommen.

Ein weiterer Pluspunkt des Buches sind die eingestreuten Glossare, die wichtige Begriffe gesondert erläutern. Zusätzliche Buchtipps und weiterführende Internetadressen runden das Informationsangebot ab.

Das Buch lässt sich generell in zwei, etwa gleichgroße Abschnitte einteilen: Die Gejagten (Kometen und Asteroiden) und die Jäger (allerhand Raumsonden).

Im ersten Teil wird auf die frühe Erforschungsgeschichte, den Aufbau, die Herkunft und die Eigenheiten von Kometen und Asteroiden eingegangen. Dies wird unter anderen am Beispiel der Kometen Halley, Shoemaker-Levy 9, Hale-Bopp und natürlich Rosettas Zielkometen Tschurjumow-Gerasimenko ausgeführt.

Im zweiten Teil werden alle Sonden, die an einem Kometen oder Asteroiden vorbei geflogen sind, auf ihm aufsetzten oder gar einschlugen, und ihre Missionen erwähnt. Ausführlicher werden hier die Giotto-Sonde und die Raumflottille zum Halley´schen Kometen im Jahre 1986 beschrieben.

Zu guter Letzt folgt dann die ausführliche Beschreibung der Rosetta-Mission. Dabei werden die Entwicklungsgeschichte und die Ziele der Mission, die wissenschaftliche Nutzlast, der Aufbau von Orbiter und Lander und zuletzt die lange Anreise der beiden beschreiben.

Meiner Meinung nach sollten an diesem Buch neugierige Einsteiger, wie auch alte „Missionshasen“ Gefallen finden, da es alle relevanten Informationen in gebündelter und gut nachvollziehbarer Form bereithält.

Das Gimmick zum Schluss: Das Buch enthält eine Bastelanleitung für den Philae-Lander. Die dafür nötigen Schablonen kann man sich kostenlos beim Verlag herunterladen.

Das große Manko des Buches: Es endet mit dem erfolgreichen Erwachen der Sonde. Was darauf folgt ist eine andere Geschichte, welche noch geschrieben werden muss und zur Zeit noch im Dunkel liegt. Ich hoffe auf jeden Fall auf eine Fortsetzung des Buches.

Steve Münker

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(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Steve Münker)


» SS/L baut, Arianespace startet Satellit für BRI
29.04.2014 - Der US-amerikanische Kommunikationssatellitenhersteller Space Systems/Loral (SS/L) ist vom Bankhaus PT. Bank Rakyat Indonesia (Persero) Tbk. (BRI) mit dem Bau des Kommunikationssatelliten BRIsat beauftragt worden.
Am 28. April 2014 gab der Satellitenhersteller mit Sitz in Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien den Auftragseingang bekannt. Nach Angaben von SS/L wird BRI mit BRIsat zur ersten Bank, die auf einen eigenen Kommunikationssatelliten zurückgreifen kann. BRI möchte auf dem Satelliten Dienste für ihre Kundschaft in Indonesien zur elektronischen Abwicklung von Bankgeschäften etablieren.

SS/L will BRIsat auf Basis des Satellitenbus 1300 aufbauen und das Raumfahrzeug mit C- und Ku-Band-Transpondern ausrüsten. Die Auslegung des Satelliten erfolgt so, dass mindestens 15 Jahre Regelbetrieb möglich sein sollten.

Den Transport in den Weltraum wird der europäische Startanbieter Arianespace übernehmen. Arianespace meldete am 28. April 2014, dass man BRIsat mit einer voraussichtlichen Startmasse im Bereich von 3.500 Kilogramm an Bord einer Ariane-5-Rakete von Kourou in Französisch Guayana aus ins All bringen werde.

Nach dem derzeit für das Jahr 2016 geplanten Start will BRI BRIsat bei 150,5 Grad Ost im Geostationären Orbit einsetzen. Von dort aus kann man Empfänger in Indonesien und anderen Regionen in Südostasien erreichen.

In Indonesien möchte BRI ihre über 9.800 Filialen und über 100.000 elektronische Bankterminals via BRIsat vernetzen, und den über 50 Millionen Kunden der Bank die sichere Abwicklung elektronischer Bankgeschäfte ermöglichen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, Space Systems/Loral)



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Mars Aktuell: ExoMars-Rover: Die Auswahl der Landezone hat begonnen von Redaktion



• ExoMars-Rover: Die Auswahl der Landezone hat begonnen «mehr» «online»
• Marsrover Opportunity: Ein Selbstporträt «mehr» «online»
• Marsrover Curiosity: Eine weitere Bohrung steht bevor «mehr» «online»
• Curiosity fotografiert zwei Asteroiden «mehr» «online»
• Opportunity überschreitet die 39-Kilometer-Marke «mehr» «online»


» ExoMars-Rover: Die Auswahl der Landezone hat begonnen
14.04.2014 - Im Januar 2019 soll der ExoMars-Rover auf dem Mars landen und in den folgenden Monaten nach Hinweisen auf früheres Leben auf unserem äußeren Nachbarplaneten suchen. Im Rahmen eines Workshops wurde die Liste der eventuellen Landeplätze dieses Rovers jetzt auf vier verbleibende Kandidaten eingegrenzt.
Eines der Aufgabengebiete der Exobiologie besteht in der Suche nach extraterrestrischem Leben und der Ergründung der Umweltbedingungen, welche die Entstehung und Weiterentwicklung von Leben in unserem Universum ermöglichen. Hierzu startet die Europäische Weltraumagentur ESA in den Jahren 2016 und 2018 in Kooperation mit der russischen Weltraumagentur Roskosmos in zwei Etappen die Mission ExoMars. Im Rahmen dieser unbemannten Erkundungsmission zu unserem äußeren Nachbarplaneten wird auch ein Rover zum Einsatz kommen, welcher im Mai 2018 zum Mars starten und voraussichtlich Mitte Januar 2019 auf der Marsoberfläche landen soll.

Im Gegensatz zu den beiden gegenwärtig von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Marsrovern Opportunity und Curiosity, deren Missionen in erster Linie auf die Beantwortung geologischer Fragestellungen ausgerichtet sind, wird dieser Rover in seiner wissenschaftlichen Zielsetzung mehr auf biologische Untersuchungen spezialisiert sein und auf dem Mars nach Anzeichen für einstiges oder sogar noch gegenwärtig existierendes Leben suchen.

Zudem sollen im Rahmen dieser zunächst auf eine Dauer von sechs Monaten ausgelegten Mission die geochemischen Bedingungen im Landegebiet des Rovers analysiert werden. Neben verschiedenen wissenschaftlichen Instrumenten kommt dabei auch erstmals in der Geschichte der Marsforschung ein Bohrsystem zum Einsatz, welches Bodenproben aus einer Tiefe von bis zu zwei Metern zutage fördern und anschließend mit einem speziellen Instrumentenset analysieren soll.

Die Auswahl eines geeigneten Landeplatzes

Entscheidend für die erfolgreiche Durchführung einer Mission auf der Marsoberfläche ist unter anderem die Auswahl eines geeigneten Landeplatzes, welcher mit der wissenschaftlichen Zielsetzung der Mission vereinbar ist, gleichzeitig aber auch verschiedene technische Anforderungen erfüllen muss. Zwecks der Auswahl des Landeplatzes für den ExoMars-Rover riefen die ESA und das Institut für Weltraumforschung der russischen Akademie der Wissenschaften (IKI) die internationale Gemeinde der Marsforscher im Dezember 2013 dazu auf, geeignete Vorschläge einzureichen. Hierbei mussten allerdings bestimmte Kriterien berücksichtigt und erfüllt werden.

Wissenschaftliche Anforderungen

Der Planet Mars stellt in der Gegenwart eine lebensfeindliche Umgebung dar, in der selbst extremophile Organismen aufgrund des Mangels an Wasser und Luft, der extremen Umgebungstemperaturen sowie der relativ hohen Strahlungsdosen, welche die nahezu ungeschützte Planetenoberfläche fast ungehindert erreichen, wohl kaum existieren können. Allerdings hat sich der Mars sehr wahrscheinlich nicht immer als eine solche "lebensfeindliche Wüste" präsentiert. Vor Jahrmilliarden verfügte unser äußerer Nachbarplanet noch über eine dichtere Atmosphäre, welche in Kombination mit den dabei gegebenen höheren Temperaturen das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf der Planetenoberfläche ermöglichte.

Somit besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren, als die Umweltbedingungen noch deutlich "lebensfreundlicher" waren als in der Gegenwart, auf dem Mars primitive Lebensformen entwickelt haben könnten. Und ganz eventuell könnten einige dieser denkbaren Organismen sich nach der Verschlechterung der Lebensbedingungen in den Untergrund zurückgezogen haben, wo sie eventuell sogar noch in der Gegenwart geeignete Nischen, welche sich zum Beispiel in der Nähe von vulkanischen Hotspots befinden könnten, besiedeln. Das Auffinden der Überreste solcher Organismen ist das Ziel der Mission des ExoMars-Rovers.

Auf der Erde finden sich die Biosignaturen von organischen Lebensformen unter anderem in feinkörnigen Sedimentgesteinen von Flussdeltas, welche dort durch langsam fließendes Wasser abgelagert wurden. Einige der dort zu findenden Gesteine, zum Beispiel Tongestein, sind sehr gut dazu geeignet, um organische Verbindungen aufzunehmen und zu erhalten. Tonminerale sind zudem auch ein Hinweis auf eine über auch in geologischen Zeiträumen betrachtet länger andauernde Verwitterung von Gesteinen in einer wasserhaltigen Umgebung.

Aus diesem Grund, so die Vorgabe von ESA und Roskosmos, soll sich der zukünftige Landeplatz des Rovers in einem Gebiet befinden, welches in der Vergangenheit eindeutig über längere Zeiträume hinweg von stehenden oder fließendem Wasser beeinflusst und dabei nicht nur rein mechanisch sondern auch chemisch verändert wurde. Das Mindestalter des zu untersuchenden Oberflächenbereiches soll mindestens 3,6 Milliarden Jahre betragen.

Das Grundgestein, welches sich in diesem Bereich befindet, sollte außerdem über möglichst lange Zeiträume hinweg dauerhaft von einer Schicht aus Lockermaterial bedeckt gewesen sein. Anderenfalls besteht die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die aus dem Weltraum auf die Marsoberfläche einfallende kosmische Strahlung im Laufe der Jahrmillionen und Jahrmilliarden die organischen Substanzen, nach denen ExoMars suchen soll, zerstört hat. Zusätzlich soll der zu untersuchende Oberflächenbereich idealerweise nur von einer möglichst dünnen Schicht aus Staub bedeckt sein.

Technische Anforderungen

Neben diesen hier nur kurz angerissenen wissenschaftlichen Anforderungen an den zukünftigen Landeplatz stellen auch die an der Mission beteiligten Ingenieure gewisse Anforderungen.

Im Gegensatz zu dem durch einen Radioisotopengenerator mit Strom versorgten Marsrover Curiosity wird der mit Solarpaneelen ausgestattete ExoMars-Rover bezüglich seiner Energieversorgung ausschließlich auf die Sonnenenergie angewiesen sein. Aus diesem Grund muss das zukünftige Landegebiet dieses Rovers in einem Bereich liegen, welches sich zwischen fünf Grad südlicher und maximal 25 Grad nördlicher Breite befindet. Nur in diesem Bereich wird der Rover auch während der Wintermonate und dem damit verbundenen tiefen Sonnenstand genügend Energie gerieren können, um weiterhin operationsfähig zu sein.

Aufgrund des Landeverfahrens - die Landeplattform, welche den Rover beherbergt, wird an einem Fallschirm durch die Marsatmosphäre zur Oberfläche absteigen - muss sich das Landegebiet außerdem in einem Bereich der Marsoberfläche befinden, welches mindestens zwei Kilometer unterhalb einer Linie liegt, welche auf der Erde dem "Meeresspiegel" entspricht. Mangels eines solchen Meeresspiegels, welcher auf der Erde als Bezugsniveau für Höhenangaben dient, beziehen sich die Höhenangaben auf dem Mars auf einen Referenzkörper, den sogenannten Areoid. Hierbei handelt es sich um einen imaginären dreidimensionalen Körper, dessen Mittelpunkt mit dem Zentrum des Mars identisch ist und dessen Oberfläche sich in einer Entfernung von 3.396 Kilometern von diesem Zentrum befindet. Diese Grenze wird durch einen Wert konstanter Schwerkraft, dem sogenannten Schwerepotential, definiert.

Zusätzlich darf sich innerhalb der Landeellipse, welche voraussichtlich über eine Ausdehnung von 104 x 19 Kilometern verfügen wird, nur eine begrenzte Anzahl von größeren Felsen, Impaktkratern und Berghängen befinden. Anderenfalls wäre das Risiko bei der Landung zu groß. Außerdem muss der Rover in der Lage sein, das Gelände nach seiner Landung ohne größere Risiken einigermaßen gefahrlos zu befahren.

Aus acht Kandidaten werden vier

Trotz dieser großen Anforderungen wurden bis zum 28. Februar 2014 acht Vorschläge für die zukünftige Landeregion des ExoMars-Rovers eingereicht, welche anschließend vom 26. bis zum 28. März im Rahmen eines ersten "Landing Site Selection Workshops" näher begutachtet wurden. An dieser Konferenz, welche am "European Space Astronomy Centre" (ESAC) in der Nähe von Madrid stattfand, nahmen 60 Wissenschaftler und in die Mission involvierte Ingenieure teil. Im Rahmen ihrer Diskussionen konnte die an dieser Arbeitsgruppe beteiligten Missionsmitarbeiter die Liste der Landekandidaten auf jetzt nur noch vier potentielle Landeplätze eingrenzen.

Zwei der verbliebenen Kandidaten, die Regionen Hypanis Vallis und Oxia Palus, weisen hohe Konzentrationen von Sedimentgesteinen auf. Hier, so die Einschätzung, muss in der Vergangenheit Wasser über die Marsoberfläche geflossen sein, wobei sich mitgeführte Schwebstoffe absetzen konnten. In den im Rahmen dieses Prozesses gebildeten Sedimentablagerungen könnten sich Spuren von organischen Verbindungen auch über längere Zeiträume hinweg gehalten haben.

Die beiden anderen Kandidaten, die Regionen Mawrth Vallis und Oxia Planum, zeichnen sich dagegen dadurch aus, dass in diesen Bereichen von verschiedenen Marsorbitern aus sogenannte Schichtsilikate und Tonminerale entdeckt wurden. Für deren Entstehung ist jedoch das längerfristige Vorhandensein von flüssigem Wasser mit einem nahezu neutralen pH-Wert notwendig. Eine solche Umgebung könnte in der Vergangenheit unter bestimmten Umständen die Entstehung von primitiven Lebensformen auf dem Mars begünstigt haben.

Detaillierte Beschreibungen der ursprünglich acht vorgeschlagenen Landeplätze finden Sie in englischer Sprache auf dieser Internetseite der ESA.

Die weitere Vorgehensweise

In den kommenden Monaten werden die Mitglieder der "Landing Site Selection Group" die verbliebenen Kandidaten auch weiterhin eingehend auf ihre Tauglichkeit als zukünftige Operationsgebiete für den ExoMars-Rover analysieren, dabei aber auch weiterhin ihr Augenmerk auf die kürzlich ausgeschiedenen Kandidaten richten. Das Ziel dieser Arbeiten besteht darin, das wissenschaftliche Verständnis dieser Regionen weiter zu verbessern und gleichzeitig die technischen Risiken einer dort zu absolvierenden Landung noch besser als bisher zu analysieren. Über einen gewissen Vorteil könnte dabei das Mawrth Vallis verfügen, welches bereits bei der finalen Auswahl des Landeplatzes des NASA-Rovers Curiosity in der engeren Auswahl zur Debatte stand (Raumfahrer.net berichtete).

Spätestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 soll die Anzahl der möglichen Landeorte noch weiter eingegrenzt werden. Die endgültige Entscheidung soll dann im Jahr 2017 getroffen werden. Im Rahmen des bis dahin laufenden Entscheidungsprozesses sollen auch weiterhin regelmäßig Daten herangezogen werden, welche bisher und auch zukünftig durch die drei derzeit aktiven Marsorbiter der NASA (Mars Reconnaissance Orbiter und Mars Odyssey) und der ESA (Mars Express) gesammelt werden. Und auch die beiden derzeit im Anflug auf den Mars befindlichen Orbiter MAVEN und Mangalyaan sowie der im Jahr 2016 zu startende Trace Gas Orbiter könnten neben ihren jeweiligen Primärmissionen in diesem Zusammenhang noch wertvolle Dienste leisten.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Marsrover Opportunity: Ein Selbstporträt
20.04.2014 - Ein am vergangenen Donnerstag von der NASA veröffentlichtes Selbstporträt des Marsrovers Opportunity dokumentiert dessen gegenwärtig außergewöhnlich staubfreie Solarpaneele.
Bereits in unserem letzten Bericht über den aktuellen Verlauf der Mission des von der US-amerikanischen Weltraumbehörde betriebenen Marsrovers Opportunity zeigte sich, dass sich die derzeitige Energiesituation des ausschließlich mit Sonnenenergie betriebenen Rovers in Anbetracht des gerade erst zu Ende gehenden Marswinters gegenwärtig als außergewöhnlich positiv darstellt. Hierfür verantwortlich waren in erster Linie verschiedene sogenannte ’Dust Cleaning Events’.

Die im Bereich des westlichen Randes des rund 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters - des gegenwärtigen Operationsgebietes des Rovers - fast kontinuierlich wehenden Winde ’fegten’ seit dem Februar 2014 mehrfach über die Solarpaneele des Rovers und ’reinigten’ diese dabei teilweise von dem zuvor dort abgelagertem Staub. Hierdurch bedingt erreichte in den letzten Wochen immer mehr Sonnenlicht die Oberfläche der Solarpaneele und konnte zur Energiegewinnung genutzt werden.

Dieser Prozess konnte mittlerweile auch mit Aufnahmen belegt werden, welche die an einem Kameramast montierte Panoramakamera von Opportunity von der Oberseite des Roverdecks anfertigte. In den entsprechenden Mosaikaufnahmen ist gut erkennbar, dass der Bedeckungsgrad der Solarpaneele mit Staub in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen ist und dass sich die Paneele gegenwärtig in einem ungewöhnlich staubfreien Zustand befinden. Vergleichbar ’saubere’ Solarpaneele wurden zuletzt im September 2008 registriert.

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte des Marsrovers Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele des Rovers trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Bei komplett staubfreien Paneelen würde dieser Wert 100 Prozent betragen. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des ausschließlich mittels Sonnenenergie betriebenen Rovers.

  • 15.04.2014: 0,622 kWh/Tag , Tau-Wert 0,413 , Lichtdurchlässigkeit 83,10 Prozent
  • 08.04.2014: 0,642 kWh/Tag , Tau-Wert 0,423 , Lichtdurchlässigkeit 84,30 Prozent
  • 01.04.2014: 0,661 kWh/Tag , Tau-Wert 0,433 , Lichtdurchlässigkeit 86,80 Prozent
  • 20.03.2014: 0,574 kWh/Tag , Tau-Wert 0,450 , Lichtdurchlässigkeit 77,70 Prozent

Der hier zu erkennende Rückgang um fast 40 Wattstunden pro Tag seit dem 1. April resultiert in erster Linie aus mehreren in den letzten Tagen erfolgten Positionsveränderungen. Aufgrund der extrem günstigen Energiesituation positionierte sich der Rover an den Endpunkten dieser Fahrten an Stellen, welche keine optimale Ausrichtung der Solarpaneele in Richtung Sonne gestatteten. Vielmehr waren die an der Mission beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure darum bemüht, im Rahmen dieser Fahrten Oberflächenbereiche zu erreichen, deren Untersuchung eine möglichst hohe wissenschaftliche Ausbeute versprachen.

Am 10. April wurde dabei im Rahmen einer Fahrt über rund acht Meter eine lokale Erhöhung erreicht, von der aus sich den Kameras des Rovers ein spektakulärer Blick über den Endeavour-Krater bot. Am 13. und 14. April wurde die Panoramakamera schließlich dazu eingesetzt, um von hier aus unter der Verwendung verschiedener Farb- und Spektralfilter eine aus mehreren Einzelbildern bestehende Panoramaaufnahme der Umgebung anzufertigen. Nach dem Abschluss dieser Arbeiten setzte der Rover seine Fahrt in die südliche Richtung fort. Hierbei wurden am 15. und 18. April insgesamt weitere rund 34 Meter überbrückt. Eine weitere Fahrt war für den heutigen Missionstag vorgesehen.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3639 seiner Mission, hat der Rover Opportunity mehr als 38.950 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei über 191.250 Aufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre des "Roten Planeten" aufgenommen und an sein Kontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Marsrover Curiosity: Eine weitere Bohrung steht bevor
21.04.2014 - Mittlerweile hat der Rover Curiosity eine Region ereicht, wo in den kommenden Wochen ausführliche Bodenanalysen durchgeführt werden sollen. Unter anderem wird dabei erneut ein Gerät zur Entnahme von Bodenproben zum Einsatz kommen.
Bereits seit Ende März 2014 ist der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity damit beschäftigt, einen mit dem Namen "The Kimberley" belegten Oberflächenabschnitt im Inneren des Gale-Kraters eingehend zu untersuchen. Bei der Region "Kimberley" handelt es sich um einen von mehreren von den an dieser Mission beteiligten Wissenschaftlern ausgewählten "Waypoints", an denen der Rover längere Pausen für ausführlichere wissenschaftliche Untersuchungen einlegen soll.

Das wissenschaftliche Ziel der Analysen dieser "Wegpunkte" besteht darin, Informationen über die Geologie des jeweiligen Geländes zu sammeln, welches sich zwischen dem Landegebiet des Rovers und dem zukünftigen Ziel der Mission - der Basis des im Inneren des Kraters gelegenen Zentralberges "Aeolis Mons" - befindet. Die gesammelten Daten sollen den Wissenschaftlern dabei helfen, die zwischenzeitlich gewonnenen Informationen in einen geologischen und geochemischen Kontext zu den Erkenntnissen zu setzen, welche zukünftig bei den geschichteten Gesteinsablagerungen des Zentralberges erlangt werden sollen. Ein spezielles Augenmerk soll dabei auf geologische Strukturen gerichtet werden, welche in der Vergangenheit offensichtlich durch stehendes beziehungsweise fließendes Wasser erzeugt oder verändert wurden.

Letztendlich entscheidend für die Auswahl der Region "Kimberley" als einer dieser Wegpunkte war das in geologischen Zeitskalen betrachtet relativ junge Alter dieser Region. Wie auch bereits zuvor im Bereich von "Yellowknife Bay" (Raumfahrer.net berichtete über die dortigen Untersuchungen) dürften die im Bereich der Region "Kimberley" abgelagerten Gesteine seit weniger als etwa 100 Millionen Jahren auf der Planetenoberfläche abgelagert und den dort vorherrschenden unfreundlichen Umweltbedingungen ausgesetzt sein. Verantwortlich für die erst kürzlich erfolgte "Freilegung" der jetzt an der Marsoberfläche abgelagerten Gesteine sind verschiedene erosive Prozesse, welche in erster Linie durch eine Winderosion bedingt sind.

Die so freigelegten Gesteine könnten aufgrund des relativ geringen Zeitraumes, in dem sie auf der direkten Oberfläche frei liegen, organisches Material beherbergen. Die Suche nach solchen komplexen, kohlenstoffhaltigen Verbindungen, welche auch als die "Grundbausteinen des Lebens" bezeichnet werden, gilt als eines der erklärten Hauptziele der Curiosity-Mission.

Sollten im Rahmen der Mission organische Verbindungen auf dem Mars nachgewiesen werden, so könnten diese eventuell biologischen Ursprungs sein. Als eine alternative Quelle kommen jedoch zum Beispiel auch eine bestimmte Meteoritenart, die sogenannten Kohligen Chondrite, oder Fragmente von Kometenkernen in Frage, welche organischen Verbindungen eigentlich regelmäßig auf die Oberfläche des Mars transportieren sollten. Ein eindeutiger positiver Nachweis von organischen Materialien ist im Rahmen der bisherigen Marsmissionen allerdings noch nicht erfolgt.

Allerdings werden entsprechende chemische Verbindungen durch die auf der Marsoberfläche herrschenden Umweltbedingungen sehr wahrscheinlich auch relativ schnell zerstört. Erst ab einer Tiefe von etwa zwei Metern unter der Oberfläche wird die kosmische Strahlung so weit abgeschirmt, dass entsprechende Verbindungen nicht zersetzt werden (Raumfahrer.net berichtete).

Ein geeigneter Ort für Analysen wurde gesucht...

Nach dem Erreichen des Nordrandes von "Kimberley" hat der Rover mit dem Umfahren dieser Region begonnen, wobei Curiosity sich zunächst in die östliche und schließlich in die südliche Richtung bewegte (Raumfahrer.net berichtete). Dabei wurden in regelmäßigen räumlichen Abständen einzelne Oberflächenabschnitte mit den Kamerasystemen des Rovers abgebildet und anschließend bezüglich ihrer Eignung für eine ausführliche Analyse bewertet.

Bei diesen durchzuführenden Untersuchungen, welche diesmal voraussichtlich mehrere Wochen andauern werden, wird es sich um die umfangreichsten Untersuchungen eines einzelnen Oberflächenabschnitts des Gale-Kraters seit dem Verlassen der Region "Yellowknife Bay" im Sommer 2013 handeln.

Neben den wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers wird dabei auch erneut ein Gesteinsbohrer zum Einsatz kommen, mit dessen Hilfe Material von der Marsoberfläche entnommen und anschließend mit mehreren Instrumenten näher analysiert werden soll. Auch aufgrund der Dauer dieser Untersuchungen ist die Auswahl des zu untersuchenden Oberflächenbereiches von besonderer Bedeutung.

...und gefunden

Während der vergangenen Woche fand in Pasadena/Kalifornien schließlich ein dreitägiges Treffen der an der Mission beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure statt. Dabei wurde unter anderem auch der Ort ausgewählt, an dem im Rahmen dieser Kampagne die nächste Bohrung stattfinden wird. Dabei standen mehrere vielversprechende Stellen zur Auswahl. Der im Verlauf dieses Meetings ausgewählte Oberflächenbereich, welcher letztendlich auch aufgrund der Passierbarkeit des Geländes festgelegt wurde, befindet sich im südlichen Randbereich des "Mount Remarkable", eines lediglich etwa fünf Meter hohen Hügels am südlichen Rand von "Kimberley".

Diese Region wurde am gestrigen Missionstag im Rahmen einer Fahrt über rund 24 Meter erreicht. In den kommenden Tagen werden weitere Auswertungen der in dieser Region anzufertigenden Fotoaufnahmen sowie die Analyse der Daten der restlichen Instrumente des Rovers erfolgen. Sollten dabei keine unvorhergesehenen Ergebnisse auftreten, so wird sich Curiosity anschließend dem angepeilten "Bohrgebiet" weiter annähern und letztendlich sein Probeentnahmesystem zum Einsatz bringen.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 607 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mit seinen Kamerasystemen 142.185 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar. Insgesamt hat der Rover mittlerweile mehr als 6.200 Meter auf der Marsoberfläche zurückgelegt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS, University of Arizona)


» Curiosity fotografiert zwei Asteroiden
25.04.2014 - Der Marsrover Curiosity hat mittlerweile eine Position eingenommen, von der aus in den nächsten Tagen eine ausführliche Untersuchungskampagne erfolgen soll. Zudem gelang dem Rover im Rahmen einer Beobachtungssequenz zur Untersuchung der Marsatmosphäre die Abbildung von zwei Asteroiden, welche das Ziel einer weiteren Weltraummission der NASA sind.
Die kommenden Wochen wird der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity damit verbringen, einen Teilbereich einer mit der Namen "The Kimberley" belegten Region im Inneren des Gale-Kraters auf dem Mars zu untersuchen. Neben den wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers wird dabei auch erneut ein Gesteinsbohrer zum Einsatz kommen, mit dessen Hilfe Material von der Marsoberfläche entnommen und anschließend näher analysiert werden soll. Als die dabei zu untersuchende Region wurde ein Teilstück des südöstlichen Randbereiches des "Mount Remarkable", eines lediglich etwa fünf Meter hohen Hügels am südlichen Rand von "Kimberley" ausgewählt (Raumfahrer.net berichtete).

Durch eine Fahrt über eine Distanz von 23,77 Metern näherte sich Curiosity dieser Region am 20. April 2014 bis auf eine Entfernung von nur noch wenigen Metern. Nach dem Abschluss der Fahrt fertigten die Kameras des Rovers eine Vielzahl von Aufnahmen an, welche das potentielle Untersuchungsgebiet zum Ziel hatten.

Anhand dieser Fotos wurde schließlich von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern und Ingenieuren die Stelle ausgewählt, wo demnächst die nächste Bohrung durchgeführt werden soll. Bei dem gewählten "Zielgebiet" handelt es sich um einen flachen Gesteinsaufschluss, welcher sich in einer Entfernung von etwa vier Metern zu dem Rover befand.

Nach dem Abschluss verschiedener Messungen, unter anderem kam hierbei erneut die ChemCam des Rovers zum Einsatz, nahm Curiosity durch eine weitere Fahrt am 23. April eine Position ein, von der aus dieser Bereich der Marsoberfläche in die direkte Reichweite des Instrumentenarmes und des daran befestigten Bohrsystems gelangte.

In den kommenden Tagen soll mit der eingehenden Untersuchung der Bohrstelle begonnen werden, wobei unter anderem auch die ebenfalls am Instrumentenarm platzierte MAHLI-Kamera sowie das gleichfalls dort befindliche APX-Spektrometer zum Einsatz kommen sollen. Im Rahmen ihrer Arbeiten müssen diese beiden Instrumente sehr dicht über der Marsoberfläche platziert werden, dürfen dabei jedoch eine jeweilige minimale Distanz zu dieser nicht unterschreiten. Besonders ein unvorhergesehener heftiger Bodenkontakt könnte zu ernsthaften Beschädigungen führen.

Die Gefahr eines ungeplanten Bodenkontaktes

Durch das für den Einsatz der Instrumente notwendige Entfalten des Instrumentenarmes erfolgt allerdings zugleich auch automatisch eine Gewichtsverlagerung des Rovers, was unter bestimmten Umständen dazu führen könnte, dass der Rover im Rahmen dieses Manövers aufgrund eines unebenen oder "nicht standsicheren" Untergrundes ins Rutschen gerät. Dieses definitiv unerwünschte Szenario kann zum Beispiel dann eintreten, wenn eines der sechs Räder des Rovers auf der Kante eines größeren Steins zum Stehen gekommen ist oder der Boden mehr oder weniger stark geneigt und zudem von einer Sandschicht bedeckt wird.

Um die Möglichkeit eines "Wegrutschens" des Rovers und eines eventuell dadurch bedingten Bodenkontaktes der Instrumente ausschließen zu können soll durch die Auswertung verschiedener telemetrischer Daten - welchen Schlupf wiesen die Räder aufgrund eines lockeren Untergrundes während der letzten Fahrt auf - und weiterer Fotoaufnahmen - speziell die MAHLI-Kamera kann eingesetzt werden, um die Räder und den Untergrund abzubilden - deshalb zunächst die gegenwärtige "Standfestigkeit" des Rovers ermittelt werden.

Sollte die entsprechende Beurteilung positiv ausfallen, so dürften die ersten der vorgesehenen Untersuchungen noch an diesem Wochenende beginnen. Die ersten Schritte der zu absolvierenden Bohrung werden dagegen frühestens in der kommenden Woche erfolgen.

Zwei Asteroiden in einer Nacht

Während der letzten Tage waren aber nicht nur die in die Curiosity-Mission involvierten Ingenieure und Geologen beschäftigt - auch die Astronomen und die auf die Marsatmosphäre spezialisierten Wissenschaftler kamen voll und ganz auf ihre Kosten...

Neben der Abbildung der Planetenoberfläche können die Aufnahmen der verschiedenen Kamerasysteme des Rovers auch dazu genutzt werden, um die aktuelle Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen zu ermitteln, indem die Kameras zu diesem Zweck den Himmel abbilden. Üblicherweise werden hierfür zu verschieden Zeitpunkten eines Marstages Aufnahmen von der Sonne angefertigt.

Je mehr Staub sich in der Marsatmosphäre befindet oder je niedriger die Sonne über dem Horizont steht, desto mehr wird das Sonnenlicht beim Passieren der Marsatmosphäre gedimmt. Diese Opazität, auch als "Tau-Wert" bezeichnet, ist besonders für solche Rover-Missionen von Bedeutung, welche für ihren Betrieb aufgrund einer Ausstattung mit Solarpaneelen ausschließlich auf Sonnenenergie angewiesen sind.

Außerdem lassen sich durch eine langfristig erfolgende Dokumentation der Entwicklung des Tau-Wertes aus Aussagen über verschiedene atmosphärische Prozesse, über die Verteilung des Staubes auf dem Mars und über dessen Interaktion zwischen der Planetenoberfläche und der Atmosphäre oder über das allgemeine, von den jeweiligen Jahreszeiten beeinflusste Wettergeschehen tätigen.

In der Nacht des 21. April wurde deshalb die MastCam des Rovers auf den Nachthimmel ausgerichtet, um die beiden Marsmonde Phobos und Deimos abzubilden. Durch die sich im Rahmen dieser Beobachtungssequenzen verändernde Helligkeit der Monde sollte die zu diesem Zeitpunkt gegebene Opazität der Atmosphäre ermittelt werden.

"Die entsprechende Beobachtungen waren Bestandteil eines Experiments, mit dem die Opazität der Marsatmosphäre während der Nachtstunden am Standort von Curiosity analysiert werden sollte. Während der gegenwärtigen Jahreszeit entwickeln sich vermehrt aus Wassereiskristallen und Wasserdampf bestehende Wolken", so Dr. Mark Lemmon von der Texas A&M University in College Station/USA. "Die beiden primären Beobachtungsziele in dieser Nacht waren dabei die beiden Marsmonde."

Allerdings wurden für die damit verbundenen Observationen bewusst ein Beobachtungszeitpunkt ausgewählt, zu dem sich der kleinere der beiden Marsmonde - Deimos - vom Mars aus betrachtet in der unmittelbaren Nähe des Asteroiden (4) Vesta und des Zwergplaneten (1) Ceres befand. Somit konnten im Rahmen dieser Beobachtungskampagne erstmals von der Marsoberfläche aus zwei Objekte abgebildet werden, welche im Bereich des Asteroiden-Hauptgürtels um unsere Sonne kreisen. Neben diesen beiden Kleinkörpern und den zwei Marsmonden konnte die MastCam von Curiosity im Rahmen dieser Beobachtungssequenz neben diversen Hintergrundsternen auch die beiden Planeten Jupiter und Saturn abbilden.

Die Mission DAWN

Sowohl Vesta als auch Ceres sind übrigens die beiden Hauptziele der ebenfalls von der NASA geleiteten Mission DAWN. Nach dem Abschluss der Untersuchungen bei Vesta im September 2012 begab sich diese Asteroidensonde auf den Weg zu Ceres. Der Zwergplanet soll im März 2015 erreicht und anschließend über mehrere Monate hinweg aus einen engen Orbit erkundet werden. Die jetzt durch den Rover Curiosity angefertigten Aufnahmen werden allerdings keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf der DAWN-Mission haben. Außer den Positionen dieser beiden Objekte und deren aktuellen Helligkeit lassen sich daraus keine weiteren wissenschaftlich relevanten Informationen gewinnen.

Status Curiosity

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 611 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity mit seinen Kamerasystemen 143.252 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar. Insgesamt hat der Rover zudem mittlerweile mehr als 6.200 Meter auf der Marsoberfläche zurückgelegt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS, The Planetary Society)


» Opportunity überschreitet die 39-Kilometer-Marke
01.05.2014 - Im Rahmen seiner Erkundungen am Westrand des Endeavour-Kraters hat der Marsrover Opportunity am 20. April 2014 die Marke von insgesamt 39 auf der Marsoberfläche zurückgelegten Kilometern überschritten.
Während der letzten Monate war der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity mit der Untersuchung eines mit dem Namen "Cook Haven" belegten Bereiches der Marsoberfläche beschäftigt, welcher sich im Bereich des "Solander Point" - einer mehrere Kilometer langen und etwa 60 Meter hohen Geländeformation am Westrand des rund 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters - befindet (Raumfahrer.net berichtete). Nach dem Abschluss der dortigen Arbeiten verließ Opportunity diese Region im März 2014.

Im Rahmen der weiteren Fahrten bewegte sich der Rover noch weiter in die südliche Richtung und setzte dabei seine Untersuchungen an der westlichen, dem Krater abgewandten Hangseite des Solander Point fort. Bei der dabei als zukünftiges Ziel angepeilten Region handelt es sich um eine ausgedehnte Formation von offen zutage tretenden Grundgestein, welche sich etwa 600 Meter von der Region "Cook Haven" entfernt befindet. In diesem Bereich, so Ray Arvidson von der Washington University in St. Louis/USA, konnte das CRISM-Spektrometer des Mars Reconnaissance Orbiter eindeutige Signaturen von Tonmineralen nachweisen.

Durch die eingehende Untersuchung der dort abgelagerten Minerale, welche sich nur unter dem langfristigen Einfluss von Wasser mit einem nahezu neutralen pH-Wert gebildet haben können, erhoffen sich die an der Opportunity-Mission beteiligten Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Vorgänge, welche zu der Bildung dieser Tonminerale führten und über die Umweltbedingungen, welche dabei vor Jahrmilliarden in diesem Bereich der Marsoberfläche vorherrschten.

39 Kilometer

Im Rahmen einer Fahrt über eine Distanz von etwa 70 Metern überschritt Opportunity am 20. April 2014, dem Sol 3639 seiner Mission, die Marke von insgesamt 39 auf der Marsoberfläche zurückgelegten Kilometern. Bei fünf weiteren Fahrten, von denen die letzte erst am gestrigen Missionstag erfolgte, konnten in den folgenden Tagen nochmals rund 180 Meter überbrückt werden.

Fahrten im Rückwärtsgang

Während einer normal verlaufenden Fahrt beträgt die Stromaufnahme eines jeden der sechs Räder des Rovers etwa 0,3 bis 0,35 Ampere. Bereits seit einigen Wochen signalisieren die Telemetriewerte von Opportunity jedoch, dass das rechte Vorderrad des Rovers im Vergleich zu den restlichen fünf Rädern im Fahrbetrieb in letzter Zeit wieder einen erhöhten Stromverbrauch aufweist. Dieses Phänomen einer erhöhten Stromaufnahme trat erstmals im Sommer 2008 bei der Erkundung des Inneren des Viktoria-Kraters auf und konnte seit dem Februar 2009 mehr oder weniger regelmäßig beobachtet werden. In extremen Fällen wurden dabei im Jahr 2009 Werte von 0,6 bis 0,7 Ampere erreicht.

Als wahrscheinlichste Ursache, so die Analysen der Ingenieure des JPL und der in die Entwicklung und Herstellung der Räder involvierten Firmen, kommt hierfür ein Problem mit dem Schmiermittel des betreffenden Radgetriebes in Frage, welches sich aufgrund seines hohen Einsatzalters eventuell nicht mehr gleichmäßig in dem zuständigen Antriebsaktuator verteilt. Ebenfalls denkbar ist, dass eventuell Staub in das Innere des für den Antrieb des Rades verantwortlichen Aktuators gelangt sein könnte, der jetzt einen zusätzlichen mechanischen Reibungswiderstand erzeugt. Dies könnte erklären, warum jetzt bereits seit mehren Jahren nur das rechte Vorderrad betroffen ist.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben allerdings gezeigt, dass der Energiebedarf dieses Rades durch eine veränderte Fahrweise des Rovers - nämlich eine "Vorwärtsbewegung" im "Rückwärtsgang" - wieder auf einen nahezu normaleren Wert sinkt. Bei dieser Fortbewegungsweise liegt der Wert des Vorderrades durchschnittlich nur noch 40 bis 50 Milliampere über den Werten der restlichen Räder.

Die Antriebsmotoren der Räder können eine Stromaufnahme von etwa 1,0 Ampere verkraften, ohne dass ernsthafte Komplikationen auftreten. Trotzdem würde eine dauerhaft deutlich erhöhte Stromaufnahme des rechten Vorderrades sehr wahrscheinlich zu verfrühten Abnutzungserscheinungen bis hin zu einem kompletten Ausfall führen.

Aus diesem Grund haben sich die für die Steuerung von Opportunity verantwortlichen ’Roverdriver’ des JPL jetzt dazu entschlossen, den Rover wieder im Rückwärtsgang über die Marsoberfläche zu manövrieren. Als zusätzliche Maßnahme wurde zudem vor und während der letzten Fahrten ein Heizelement aktiviert, wodurch der für den Antrieb des rechten Vorderrades zuständige Aktuator auf eine höhere Betriebstemperatur gebracht wurde. Durch diese Prozedur soll die Viskosität des Schmiermittels reduziert werden.

Obwohl die für die Durchführung der Opportunity-Mission verantwortlichen Techniker und Ingenieure des JPL derzeit damit beschäftigt sind, die Ursache für die jetzt erneut registrierte "Auffälligkeit" des rechten Vorderrades eingehender zu analysieren, setzt der Rover seine Fahrt auch weiterhin fort. Die nächste Fahrt ist dabei für den heutigen Tag vorgesehen.

Die Energiesituation

Neben dem allgemeinen technischen Zustand des mittlerweile seit mehr als zehn Jahren auf der Marsoberfläche aktiven Rovers - und dieser kann trotz des bereits seit Jahren bekannten Problems mit dem rechten Vorderrad immer noch als gut bezeichnet werden - muss bei den Planungen der zukünftigen Aktivitäten jedoch auch immer ein Blick auf die aktuelle Energiesituation geworfen werden. Und diese entwickelt sich gegenwärtig auch weiterhin positiv (Raumfahrer.net berichtete).

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte des Marsrovers Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele des Rovers trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Bei komplett staubfreien Paneelen würde dieser Wert 100 Prozent betragen. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des ausschließlich mittels Sonnenenergie betriebenen Rovers.

  • 23.04.2014: 0,658 kWh/Tag , Tau-Wert 0,273 , Lichtdurchlässigkeit 81,70 Prozent
  • 15.04.2014: 0,622 kWh/Tag , Tau-Wert 0,413 , Lichtdurchlässigkeit 83,10 Prozent
  • 08.04.2014: 0,642 kWh/Tag , Tau-Wert 0,423 , Lichtdurchlässigkeit 84,30 Prozent
  • 01.04.2014: 0,661 kWh/Tag , Tau-Wert 0,433 , Lichtdurchlässigkeit 86,80 Prozent
  • 20.03.2014: 0,574 kWh/Tag , Tau-Wert 0,450 , Lichtdurchlässigkeit 77,70 Prozent

Trotz eines in den letzten Wochen wieder leicht gestiegenen Bedeckungsgrades der Solarpaneele mit Staub kann der Rover Dank eines aktuell extrem niedrigen Tau-Wertes weiterhin sehr viel Energie gewinnen.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3650 seiner Mission, hat der Rover Opportunity rund 39.200 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei über 191.600 Aufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre des "Roten Planeten" aufgenommen und an sein Kontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Unmanned Spaceflight)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini beginnt den Saturnumlauf Nummer 205 von Redaktion



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» Raumsonde Cassini beginnt den Saturnumlauf Nummer 205
27.04.2014 - Am heutigen Tag beginnt für die Raumsonde Cassini der mittlerweile 205. Umlauf um den Planeten Saturn. In den folgenden 32 Tagen werden sich in erster Linie erneut das Ringsystem und die Atmosphäre des Saturn im Fokus des wissenschaftlichen Interesses befinden. Den Höhepunkt dieses neuen Orbits bildet jedoch ein für den 17. Mai vorgesehener Vorbeiflug der Raumsonde an dem Saturnmond Titan. Im Rahmen des Vorbeifluges soll mit dem RadioSubSystem der Raumsonde die Struktur der Atmosphäre dieses Mondes näher analysiert werden.
Am heutigen Tag, dem 27. April 2014, wird die Raumsonde Cassini um 15:47 MESZ auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zu dem zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 3,38 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 205. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell weist die Flugbahn von Cassini eine Inklination von 40,7 Grad auf.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des jetzt beginnenden, diesmal 32 Tage andauernden Umlaufs, dessen offizielle Bezeichnung "Rev 204" lautet, insgesamt 39 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Wie üblich wird ein Großteil dieser Kampagnen erneut die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn zum Ziel haben. Den Höhepunkt der Beobachtungen stellt allerdings ein für den 17. Mai 2014 vorgesehener gesteuerter Vorbeiflug an dem größten der derzeit 62 bekannten Saturnmonde, dem 5.150 Kilometer durchmessenden Mond Titan, dar.

Verschiedene Monde aus der Ferne

Der Titan wird auch lediglich fünf Stunden nach dem Beginn des neuen Orbits das erste Ziel für die ISS-Kamera darstellen. Aus einer Distanz von 4,46 Millionen Kilometern soll dabei die Atmosphäre über der nördlichen Titan-Hemisphäre abgebildet werden. Durch die Dokumentation von kleineren Sturmgebieten und markanten Wolkenformationen lassen sich zum Beispiel Aussagen über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten tätigen. In Kombination mit früheren und zukünftigen Beobachtungen lässt sich dadurch auch die "Großwetterlage" auf dem Titan dokumentieren, welche sich aufgrund der Bewegung des Saturn um die Sonne in einem etwa 30 Jahre dauernden Rhythmus kontinuierlich verändert (Raumfahrer.net berichtete).

Im Anschluss an diese Kampagne werden diverse sogenannte "astrometrische Beobachtungen" von mehreren der kleineren, inneren Saturnmonde durchgeführt. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der jeweiligen Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der anzufertigenden Aufnahmen der Monde besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren Umlaufbahnen noch weiter zu präzisieren. Weitere astrometrische Beobachtungskampagnen sind für den 3. und 7. Mai vorgesehen.

Der Saturn und das Ringsystem

Auch der Saturn wird in den folgenden Tagen mehrfach das "Ziel" der ISS-Kamera sein. Auch hierbei sollen - wie zuvor bereits beim Titan - auffällige Strukturen in der Atmosphäre dokumentiert werden, welche Aufschlüsse über das dortige aktuelle Wettergeschehen liefern werden.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai steht dann der lediglich etwa 1,8 Kilometer durchmessende Mond Anthe und ein in der unmittelbaren Umgebung verlaufender "Ringbogen" auf dem Beobachtungsprogramm der ISS-Kamera. Diese ringähnliche Struktur bildet keinen geschlossenen Ring, sondern erstreckt sich über mehrere tausend Kilometer vor und hinter diesem Mond. Sehr wahrscheinlich wird dieser nur sehr lichtschwache Teil-Ring durch Staubpartikel und Eis gespeist, welches durch die kontinuierlich erfolgenden Einschläge von Mikrometeoriten auf die Oberfläche des Mondes Anthe in das umgebende Weltall befördert wird. Weitere Beobachtungen werden sich auf die feinen Ringstrukturen des inneren D-Ringes konzentrieren.

Tethys, Enceladus und Periapsis

Am 11. Mai gilt das Interesse der an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler den beiden Monden Tethys und Enceladus. Neben der ISS-Kamera soll hierbei eines der Spektrometer der Raumsonde, das Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS), dazu eingesetzt werden, um aus größeren Entfernungen von jeweils rund 1,6 Millionen Kilometern Helligkeitsvariationen auf den Oberflächen dieser beiden Monde zu untersuchen.

Am 15. Mai wird Cassini um 13:30 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während dieses Orbits Nummer 205 erreichen und den Ringplaneten in einer Entfernung von 686.290 Kilometern passieren. Bei dieser Gelegenheit sollen die ISS-Kamera und das UVIS-Spektrometer eventuell zu diesem Zeitpunkt über der Südpolregion des Saturn auftretende Polarlichter abbilden und untersuchen.

Der Titan-Vorbeiflug T-101

Am 17. Mai 2014 steht dann der Höhepunkt dieses 205. Umlaufs der Raumsonde Cassini um den Saturn an. Um 18:12 MESZ wird die Raumsonde den größten der Saturnmonde im Rahmen eines gerichteten Vorbeifluges mit einer Geschwindigkeit von 5,7 Kilometern pro Sekunde in einer Entfernung von diesmal 2.994 Kilometern passieren. Die mit diesem 102. Vorbeiflug am Titan - das Manöver trägt die Bezeichnung "T-101" - assoziierten Beobachtungen beginnen bereits mehrere Stunden zuvor mit Fotoaufnahmen durch die ISS-Kamera, welche dabei mit verschiedenen Spektralfiltern die südliche Titanhemisphäre abbilden wird. Unterstützt wird das Kamerasystem dabei durch ein weiteres Instrument - das Composite Infrared Spectrometer (CIRS). Das Ziel der CIRS-Messungen besteht darin, die zu diesem Zeitpunkt in der Stratosphäre der Titanatmosphäre vorherrschenden Temperaturen zu ermitteln.

Ebenfalls noch während der Anflugsphase an den Titan sollen die Instrumente der Raumsonde eine Sternbedeckung dokumentieren. Hierbei wird der im Sternbild "Großer Bär" gelegenen Stern Eta Ursae Majoris von dem Titan bedeckt. Duch den sich dabei ergebenden Abfall in der Lichtkurve des Sterns erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Daten über die Verteilung von Kohlenwasserstoffverbindungen sowie über die Dichte der Staubschichten in den oberen Bereichen der Titanatmosphäre.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt dieses Vorbeifluges wird allerdings während der zwei Stunden vor und nach der dichtesten Annäherung durch den Einsatz des "Radio Science Subsystems" (kurz "RSS") der Raumsonde Cassini dominiert. Dieses Instrument besteht aus drei Sende-Empfangsanlagen, welche unter anderem die Veränderungen von Radiowellen messen können, sobald diese Signale die Atmosphäre des Titan (beziehungsweise bei alternativen Messkampagnen das Ringsystem des Saturn oder die dichte Saturnatmosphäre) durchdringen. Je nach Frequenzband werden die ausgestrahlten Radiosignale durch Cassini selbst oder durch die Empfangsanlagen des Deep Space Network (DSN) der NASA empfangen.

Im Bereich des S-Bandes sendet Cassini dazu eine hochstabile Trägerwelle in Richtung des DSN, ohne selbst Signale zu empfangen. Hierfür wird der Sender der Kommunikationsanlage der Raumsonde verwendet, welcher die Trägerwelle mit einer Sendeleistung von zehn Watt abstrahlt. Analog wird auch im X-Band gesendet, wobei auch vom DSN abgestrahlte Signale empfangen und ausgewertet werden können. Für Messungen bei Frequenzen von 32.028 MHz und 34.316 MHz (Ka-Band) verwendet das RSS einen eigenen Transmitter, welcher speziell für die Erfordernisse des Instruments konstruiert wurde. Dieser kann sowohl Signale zum DSN senden als auch empfangen.

Durch die Auswertung der im Rahmen dieser Kampagne ausgestrahlten Radiosignale wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler die Temperatur, die Dichte und die Zusammensetzung der oberen Schichten der Titanatmosphäre ermitteln. Des weiteren soll ein vertikales Profil der Ionendichte in der Ionosphäre des Titan gewonnen werden.

Zusätzlich soll im Rahmen dieses Vorbeifluges zudem ein sogenanntes "bistastisches Messverfahren" zum Einsatz kommen. Von der Raumsonde auszustrahlende Radiowellen werden dabei von der Oberfläche des Titan reflektiert und anschließend von den Empfangsstationen des DSN auf der Erde empfangen. Das Experiment dient dazu, um Aussagen über die physikalischen Eigenschaften der Titanoberfläche - besteht diese aus feste Material oder ist sie eventuell von einer Flüssigkeit überzogen und wie "eben" oder "rau" fällt der untersuchte Oberflächenbereich aus - zu tätigen.

Im Anschluss an die RSS-Kampagne sollen CIRS, UVIS und ISS weitere Daten über die Temperatur, die Struktur und den Aufbau der Titanatmosphäre sammeln. Auch in den folgenden Tagen wird vordergründig der Titan das Untersuchungsziel der verschiedenen abbildenden Instrumente der Raumsonde darstellen.

Am 31. Mai 2014 wird die Raumsonde Cassini schließlich um 10:37 MESZ in einer Entfernung von rund 3,1 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis ihrer Umlaufbahn erreichen und damit auch diesen 205. Umlauf um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbit Nummer 206 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn sowie der Saturnmonde vorgesehen. Den Höhepunkt dieses nächsten Orbits bildet dabei ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan, welcher von der Raumsonde am 18. Juni 2014 in einer Entfernung von dann 3.658 Kilometern erneut passiert werden soll.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Dragon CRS-3 endlich auf dem Weg zur ISS (Update) von Redaktion



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» Dragon CRS-3 endlich auf dem Weg zur ISS (Update)
19.04.2014 - Nach langem Anlauf hat es der dritte Versorgungsflug zur internationalen Raumstation endlich geschafft. Am 18. April 2014 startete die Mission SpaceX CRS-3 um 21:25 Uhr MESZ oder 03:25 p.m. Ortszeit Florida vom Startplatz 40 der Cape Canaveral Air Force Station. An Bord sind rund 2,1 Tonnen Nutzlast. Update: Die geplante sanfte Wasserung der ersten Stufe der Falcon 9 v1.1 könnte gelungen sein.
Die dritte Commercial Resupply-Mission von SpaceX (SpaceX CRS-3 oder kürzer und neuerdings offiziell in Gebrauch: SpaceX-3 oder SpX-3) startete mit einer spektakulär nach oben schießenden Schlammwolke am 18. April 2014 um 21:25 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit zur ISS. Vorausgegangen waren etliche Terminverschiebungen. Ursprünglich war mal der 11. November 2013 als Starttermin anvisiert. Pessimisten hielten das bereits lange davor für zu optimistisch und tippten auf einen Start weit im ersten Quartal 2014. Selbst das sollte nicht wahr werden. Man könnte sagen, SpaceX hatte bei den Vorbereitungen nicht immer Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Über die Ursachen der ständigen Startverschiebungen wurde viel spekuliert. Vermutete technische Probleme mit der Rakete und zu schlechtes Wetter für den Transport von Raketenteilen mussten herhalten. Neuplanungen bei der Reihenfolge der ISS-Anflüge taten ihr übriges. Den Start am 16. März 2014 verhinderte ein Verdacht auf Kontamination der Ladung. Als man mit dem Starttermin endlich am 30. März 2014 angekommen war, fiel eine als Backup dienende Radarbodenstation aus. Wegen fehlender Redundanz hieß es, zurück in den Hangar. Beim nächsten Versuch am 14. April 2014 (also im 2. Quartal) streikte ein Ventil der Stufentrennung. Obwohl hier das redundante Teil funktionierte, wollte man kein Risiko eingehen. Vorsicht ist die Mutter eines gelungenen Raketenstarts. Am 18. April war es dann endlich soweit, trotz lange Zeit eher kritischen Wetters hob die Falcon 9 v1.1 ab. Zuletzt verbesserten sich die Wetterdaten in den grünen Bereich. Nach gegenwärtigem Stand lief der Start anscheinend wie geplant. Neun Minuten nach Lift-off und sechs Minuten nach Trennung der ersten Stufen erfolgte die Separation des Dragon-Transporters von der zweiten Stufe und das Einschwenken in die vorläufige Umlaufbahn (313 x 332 km x 51.6°). Wesentliche Aktion der anschließenden Dragon-Inbetriebnahme war das erfolgreiche Ausklappen der Solarzellenflügel 15 Minuten nach dem Start. Kleinere Probleme mit den Steuerungsdüsen der Dragon konnten umgehend gelöst werden.

Neben dem Aussetzen des Raumtransporters in der Umlaufbahn nutze SpaceX den Start erneut zum Test der angestrebten Wiederverwendbarkeit der ersten Stufen. Was daraus geworden ist, war in der noch am Startabend (um 23:00 Uhr MESZ) angesetzten Pressekonferenz noch weitgehend unklar. Wegen des schlechten Wetters wurde das Vorhaben kurz vor dem Start ganz oder teilweise in Frage gestellt. Geplant war, über Wasser eine sanfte Landung zu simulieren. Über Wasser deshalb, weil für die Genehmigung einer Landung an Land erst der Nachweis erbracht werden muss, dass die erste Stufe auch zielgenau gesteuert werden kann. Die erste Stufe der Falcon 9 ist für diesen Zweck neben Treibstoffvorrat und Steuerungsvorrichtungen erstmals mit Landebeinen ausgestattet. Die Planung sah eine Bergung der ersten Stufe vor, um die Beanspruchung der Triebwerke sowie der gesamten Raketenstruktur beim Rücksturz zur Erde zu untersuchen und daraus Schlüsse für die Wiederverwendbarkeit nach einer erfolgreichen Landung an Land ableiten zu können. SpaceX-Gründer Elon Musk erklärte in der Pressekonferenz, dass die Daten des die erste Stufe verfolgenden Überwachungsflugzeuges zumindest ein erfolgreiches Abbremsen auf Mach 1.1 in 8,5 Kilometer Höhe belegen. Die Roll-Rate sei Null und damit unter Kontrolle gewesen. Die Wasserung habe die erste Stufe wahrscheinlich nicht ohne Zerstörung überstanden. Ein Bergungsversuch sei wegen der schweren See unwahrscheinlich.

An Bord des Dragon-Transporters befinden sich rund 2,1 Tonnen Nutzlast. Im kegelförmigen Druckmodul sind 1,5 Tonnen verstaut, unter anderem 715 Kilogramm an wissenschaftlichen Experimenten und 476 Kilogramm Nachschubmaterial für die Besatzung. Hinzu kommen Geräte für den Außenbordeinsatz, Ersatzteile und IT-Equipment. Im drucklosen Teil des Frachters (der zylindrische Trunk) befinden sich 571 Kilogramm Ladung. Die wissenschaftliche Nutzlast beinhaltet zwei ESA-, sieben Jaxa- und 15 NASA-Experimente, darunter ein Minitreibhaus für Salatzucht (VEGGIE), ein Instrument zur optischen Kommunikation (OPALS oder Optical Payload for Lasercomm Science), ein Experiment zum Wachstum von Proteinkristallen und eines zur Alterung der menschlichen T-Zellen. Für den Robonaut-2-Torso werden zwei Beine mitgeführt, um diesem zu einer eigenständigen Mobilität zu verhelfen. Für den dauerhaften Außeneinsatz wird ein aus vier Kameras bestehendes System zur permanenten Videobeobachtung der Erde (HDEV oder High Definition Earth Viewing) mitgeführt. Der entsprechende Live-Stream soll der breiten Öffentlichkeit im Internet verfügbar gemacht werden.

Zudem führte die zweite Falcon-Stufe als Sekundärnutzlast fünf CubeSats mit, die 16 Minuten nach der Dragon-Separation freigesetzt wurden. Einer der Cubesats („KickSat“) wird in 16 Tagen und mit ausreichendem Abstand zur ISS in 300 Kilometer Höhe einen Schwarm von 104 Mikrosatelliten (3,5 mal 3,5 mal 0,3 Zentimeter) für verschiedene Experimente unter anderem zur Lagesteuerung und Temperaturmessung freisetzen. Die Lebensdauer bis zum Verglühen in der Erdatmosphäre beträgt nur wenige Tage.

Das Andockmanöver an das Harmony-Modul der ISS ist in zwei Tagen vorgesehen.

Update 19. April 2014, 14:00 Uhr

SpaceX meldet, dass die vom Überwachungsflugzeug empfangenen Daten auf eine annähernd sanfte Wasserung hindeuten. Die Flugcomputer der ersten Stufe sendeten demnach noch acht Sekunden nach Kontakt mit der Wasseroberfläche Daten. Per Ferndiagnose kommt man zu dem Schluss, dass sich die Raketenstufe leicht verzögert horizontal legte und die Elektronik danach ihre Arbeit einstellte. Es sind mehrere Schiffe unterwegs zur Eintauchstelle. Die Wetterbedingungen sind unverändert schlecht für eine Bergung.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, SpaceX, Raumcon)



 

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"InSpace" Magazin #516
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3. Mai 2014
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