InSpace Magazin #503 vom 31. Oktober 2013

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #503
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Marsrover Opportunity untersucht Solander Point

> Saturn Aktuell:
Sonnenaktivität beeinflusst die Atmosphäre des Titan

> ISS Aktuell:
Cygnus-COTS 1 ist Geschichte

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

die Curiosity-Mission auf dem Mars begann ja sehr verhalten, was das Fahren anging. Die Roverdriver schienen alle Zeit der Welt zu haben, ihr Vehikel von der Größe eines Autos endlich mal in Marsch zu setzen. Gut, sie hatten auch dank nuklearer Stromversorgung nicht den Druck, ihre Mission innerhalb von 3 Monaten abschließen zu müssen, wie man es vor 10 Jahren, zu Beginn der ersten Marsrovermission aufgrund drohender Verstaubung für die damalige erste Rovergeneration befürchten musste. (Zumindest einer dieser Rover, Opportunity, ist übrigens immer noch in Betrieb und betätigt sich gerade erstmals in seiner "Karriere" als Bergsteiger.)

Und auch bei Curiosity wird es spannend. Auch dieser Rover ist ordentlich in Fahrt gekommen und wird gerade in ein zunehmend schroffes Gelände gesteuert, in dem der wesentlich kleinere Opportunity sicher schon Probleme hätte, überhaupt vorwärts zu kommen. Die Räder von Curiosity, deren Lauffläche aus dünnem Aluminiumblech besteht, zeigen schon viele Dellen und erste kleine Löcher. Die NASA sagt allerdings, das mache den Rädern nichts aus, die Funktionsfähigkeit sei trotzdem voll gewährleistet...

Wie es dem kleinen und dem großen Marsrover geht, können Sie täglich in unseren entsprechenden Raumcon-Foren mitverfolgen:

Opportunity bei Raumcon.de

Curiosity bei Raumcon.de

Und nun viel Spaß mit den Nachrichten der letzten zwei Wochen!

Axel Orth

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• Sunjammer: Klar zum Ablegen «mehr» «online»
• Raumsonde Juno passiert die Erde im Sicherheitsmodus «mehr» «online»
• Planck im Ruhestand «mehr» «online»
• LADEE schickt Daten via Laserlicht «mehr» «online»
• Amos 5 mit zu wenig Antriebsenergie «mehr» «online»
• SpaceX bereitet Tests für Methantriebwerk vor «mehr» «online»
• GloNaSS-Satellit 728 aufgegeben «mehr» «online»
• Aktuell im Kino: GRAVITY «mehr» «online»
• Astrium baut weiteren Satelliten für DirecTV «mehr» «online»
• Proton erfolgreich mit Sirius-FM6 gestartet «mehr» «online»
• Chinesischer Technologiesatellit gestartet «mehr» «online»
• Dream-Chaser-Modell bei Test beschädigt - Update «mehr» «online»
• Vom Alltagsnutzen der Raumfahrt und darüber hinaus «mehr» «online»
• China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 18 «mehr» «online»
• Dream-Chaser-Testdetails «mehr» «online»
• Sieben Planeten bei dem Stern KOI-351 «mehr» «online»


» Sunjammer: Klar zum Ablegen
17.10.2013 - Für den Januar 2015 ist der Start des Sonnenseglers Sunjammer geplant und das ungewöhnliche Fluggerät hat am 30. September einen wichtigen Test absolviert: Dabei wurde das Segel zu einem Viertel der wahren Größe geöffnet um zu testen, ob eine Öffnung im Weltraum funktioniert.
Dabei ist zu beachten, dass die Öffnung unter irdischen Schwereverhältnissen stattfand, also unter schwierigeren Bedingungen als im Weltraum. Der Sunjammer ist der bisher größte Sonnensegler, der in den Weltraum gebracht wird. Seine Größe liegt bei 1200 Quadratmetern, trotzdem wiegt er nur 32 Kilogramm. Das verwendete Material ist der Kunststoff Kapton mit einer Stärke von einem fünfmillionstel Meter. Dementsprechend vorsichtig mussten die Ingenieure beim Test sein. Der Segler transportiert bei seinem Flug eine Nutzlast von 80 Kilogramm mit einem Schub von 0,01 Newton etwa drei Millionen Kilometer in den Weltraum. Das Gerät soll dann an einem der Lagrangepunkte anhalten und dort Position beziehen. Die Steuerung erfolgt über äußere, kleinere Segel.

Der Sunjammer ist nicht der erste Sonnensegler, der ins Weltall gebracht wird. Bereits 2011 hat die NASA die Nanosail-D-Mission durchgeführt. Die Größe des Segels betrug bei dieser Mission nur etwas über neun Quadratmeter. Bereits 2010 brachten die Japaner die Sonde Ikaros ins All, die mit einem Segler mit einer Fläche von 173 Quadratmetern angetrieben wird.

Für Sonnensegler lassen sich aber noch weitere Anwendungsmöglichkeiten denken. So könnte man Satelliten damit ausrüsten, die das Sonnensegel am Ende ihrer Lebensdauer entfalten und damit ihre Geschwindigkeit so reduzieren, dass sie in der Atmosphäre zur Vermeidung von Weltraumschrott verglühen.

Sonnensegler (auch Solarsegler genannt, im Englischen: solar sail propulsion, kurz ssp) wie Sunjammer nutzen den Strahlungsdruck der Sonne um zu beschleunigen. Dieser ist allerdings sehr gering. Daher müssen die Flächen möglichst groß und die Gerate mögllichst leicht sein. Der Name "Sunjammer" stammt von einer Kurzgeschichte des ScienceFiction-Autors Arthur Charles Clarke. Für Sonnensegler wie Sunjammer ist dies eine der ersten Reisen, für einen Teil der Fracht die letzte: An Bord ist auch die Asche des Filmemachers Gene Roddenberry (Star Trek, gestorben 1991) und seiner 2008 verstorbenen Frau.

Raumcon-Forum:

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


(Autor: Hans Lammersen - Quelle: Space.com, NASA)


» Raumsonde Juno passiert die Erde im Sicherheitsmodus
19.10.2013 - Am 9. Oktober 2013 passierte die Jupitersonde Juno die Erde und versetzte sich dabei in einen Sicherheitsmodus, welcher zwei Tage später wieder verlassen werden konnte. Bereits am 13. Oktober begab sich die Raumsonde jedoch erneut in einen abgesicherten Modus, welcher derzeit immer noch besteht. Beide Ereignisse, welche in keinem Zusammenhang zueinander stehen, bilden allerdings keine Gefahr für die Fortsetzung der Mission.
Bereits am 5. August 2011 startete die Raumsonde Juno an Bord einer Rakete vom Typ Atlas V (551) und begann ihre Reise zum Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems. "Die Atlas V konnte Juno nur die Hälfte der Geschwindigkeit geben, die nötig ist, um den Jupiter zu erreichen", so Dr. Scott J. Bolton vom Southwest Research Institute (SwRI) in San Antonio im US-Bundsstaat Texas, der für die Juno-Mission verantwortliche leitende Wissenschaftler. Aus diesem Grund konnte die Raumsonde auch keinen direkter Kurs zum Jupiter einschlagen, sondern bewegte sich während der vergangenen zwei Jahre zunächst durch das innere Sonnensystem.

Am Abend des 9. Oktober 2013 näherte sich Juno dabei erneut der Erde und passierte unseren Heimatplaneten in einer Entfernung von rund 560 Kilometern. Durch ein so genanntes Swing-by-Manöver erhöhte sich die Geschwindigkeit der Raumsonde um 7,3 Kilometer pro Sekunde relativ zur Sonne, wodurch Juno die nötige Geschwindigkeit für den weiteren Flug erlangte. Zudem wurde durch diesen Vorbeiflug an der Erde der Kurs der Raumsonde so umgeleitet, dass diese am 4. Juli 2016 nach einer Reise von insgesamt 2,8 Milliarden Kilometern durch unser Sonnensystem in eine Umlaufbahn um den Jupiter eintreten wird.

Neben der Veränderung von Fluggeschwindigkeit und Kurs wurde der Vorbeiflug genutzt, um mit den neun an Bord von Juno befindlichen wissenschaftlichen Instrumenten Daten von der Erde zu sammeln, wodurch die Funktionstüchtigkeit dieser Instrumente getestet werden sollte. Des weiteren sollen die gesammelten Daten genutzt werden, um die Instrumente zu kalibrieren. Aufnahmen der JunoCam, der einzigen Kamera an Bord der Raumsonde, zeigten zum Beispiel während der Anflugphase an die Erde das Erde-Mond-System sowie Detailaufnahmen von der Erde und dem Mond, welche unter anderem im nahinfraroten Spektralbereich angefertigt wurden.

Erd-Flyby trotz Safe Mode erfolgreich verlaufen

Juno erreichte die dichteste Annäherung an die Erdoberfläche am 9. Oktober um 21:21 Uhr MESZ über dem südlichen Afrika. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Raumsonde, deren Energieversorgung ausschließlich durch Solarzellen erfolgt, für einen Zeitraum von etwa 20 Minuten im Erdschatten. Kurz nach dem Verlassen des Erdschattens stellen die für die Steuerung der Raumsonde verantwortlichen Techniker und Ingenieure fest, dass sich Juno in den Minuten zuvor in einen "Safe Mode" versetzt hatte.

Dieser Sicherheitsmodus hatte zur Folge, dass alle nicht zwingend für den Betrieb der Raumsonde erforderlichen Instrumente - dazu zählen auch die wissenschaftlichen Experimente - abgeschaltet wurden und Juno auf weiterführende Anweisungen von seinem Kontrollzentrum wartete. Da es sich bei dem Flyby an der Erde um ein passives Manöver handelte, hatte dies jedoch keine negativen Auswirkungen auf den weiteren Ablauf des Manövers.

Die Missionskontrolleure konnten die Verbindung zu der Raumsonde sehr schnell wieder herstellen und es zeigte sich, dass Juno dabei wie vorgesehen auf die gesendeten Kommandos reagierte. Bereits zwei Tage später, am Abend des 11. Oktober, konnte Juno wieder in den normalen Operationsmodus versetzt werden.

Die genaue Ursache für den Übertritt in den Sicherheitsmodus ist derzeit noch nicht endgültig bestimmt. Allerdings wird vermutet, dass hierfür zu vorsichtig gesetzte Parameter bezüglich der Energieversorgung verantwortlich waren. Während der Passage des Erdschattens konnten die Solarzellen der Raumsonde keine Energie generieren und die für die Aktivitäten benötigte Energie wurde in diesem Zeitraum - wie vorgesehen - aus den Batterien der Raumsonde bezogen.

Möglicherweise, so die Annahme der Missionskontrolleure, sank die Ladung der Batterien dabei schneller als erwartet, so dass der Bordcomputer die Raumsonde nach dem Unterschreiten einer bestimmten Batteriespannung vorsorglich in einen Sicherheitsmodus versetzte, um Energie zu sparen. Die entsprechenden Parameter, so der für die Mission verantwortliche Projektmanager Rick Nybakken vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, waren offensichtlich zu konservativ gesetzt.

Auswertungen der Telemetriedaten zeigten, dass der Sicherheitsmodus um 21:31 MESZ, also zehn Minuten nach der dichtesten Annäherung an die Erde und 12 Minuten nach dem Eintritt in den Erdschattens begann. Diese etwa 20 Minuten andauernde Flugphase im Erdschatten war der einzige Zeitraum im gesamten Missionsverlauf, in dem sich Juno im Schatten eines Himmelskörpers befindet. Während des jetzt noch fast dreijährigen Fluges zum Jupiter und bei den anschließenden Umläufen um den Gasplaneten wird sich Juno stets im Sonnenlicht aufhalten. Lediglich bei zwei zukünftigen Manövern über jeweils etwa 70 Minuten, einmal während des Eintritts in den Jupiter-Orbit und kurz danach während der Verkürzung der Umlaufzeit um den Jupiter auf einen Zeitraum von 11 Tagen, werden die Solarpaneele der Raumsonde dabei nicht direkt auf die Sonne gerichtet sein.

In den Tagen nach dem Flyby an der Erde konnten alle von den Instrumenten gesammelten Daten sowie die Telemetriewerte der Raumsonde an die Erde übermittelt werden. Dabei zeigte sich, dass der Vorbeiflug ein voller Erfolg war. Juno befindet sich auf einer nahezu perfekten Flugbahn zum Jupiter und weist eine nur minimale Abweichung von dem optimalen Kurs auf. Außerdem konnten alle mit einer hohen Priorität eingestuften Messungen wie vorgesehen durchgeführt werden. Die dabei gesammelten Daten wurden mittlerweile an die jeweiligen Teams weitergeleitet, welche dies jetzt auswerten.

Ein weiterer Safe Mode am 13. Oktober 2013

Allerdings ergab sich bereits am Abend des 13. Oktober ein weiteres Problem. Dies geschah bei einer zu diesem Zeitpunkt vorgesehenen Neukonfiguration des Bordcomputers, welcher hierbei von der "Erd-Flyby-Phase" zur "Cruise-Phase" wechselte. Bei dieser Umschaltung verblieb die für die Navigation der Raumsonde benötigte "Stellar Reference Unit" fälschlicherweise im Erd-Flyby-Modus. Der Bordcomputer reagierte auf das Problem wie vorgesehen und versetzte die Raumsonde erneut in den Sicherheitsmodus. Auch bei diesem zweiten Safe Mode innerhalb weniger Tage verläuft die Kommunikation zwischen der Erde und Juno stabil und die Raumsonde arbeitet wie vorgesehen.

Da sich Juno auf dem vorgesehenen Kurs befindet und in den nächsten Tagen und Wochen auch keine weiteren Beobachtungen oder andere Aktivitäten vorgesehen sind besteht derzeit keine Notwendigkeit, die Raumsonde durch übereilte Maßnahmen wieder in den normalen Modus zu versetzen. Dies, so die gegenwärtige Planung, wird nach dem Abschluss einer eingehenden Analyse der Situation wahrscheinlich erst im Verlauf der kommenden Woche geschehen. Ein in Kürze vorgesehenes Kurskorrekturmanöver, das "Trajectory Correction Maneuver 9" (kurz "TCM-9"), mit dem die Flugbahn der Raumsonde noch weiter verfeinert werden soll, kann ohne negative Einflüsse auf den weiteren Missionsverlauf gegebenenfalls sogar bis zum Dezember 2013 aufgeschoben werden.

Während des weiteren Fluges sind dann lediglich noch einige wenige weitere Kurskorrekturmanöver vorgesehen. Bis zum Erreichen des Jupiters sollen - mit Ausnahme der JunoCam - keine weiteren Messungen durch die Instrumente erfolgen. Die Kamera des Jupiterorbiters soll dagegen in den kommenden Jahren mehrfach eingesetzt werden und dabei, wie zum Beispiel am 21. März 2012 geschehen, bestimmte Sternfelder abbilden (Raumfahrer.net berichtete). Erste entsprechende Aufnahmen sind unmittelbar nach dem 29. November 2013 vorgesehen. Außerdem ist geplant, zu Beginn des Jahres 2014 den Kometen ISON zu beobachten.

Nächstes Ziel: Jupiter

Die Ankunft der Raumsonde beim Jupiter wird am 4. Juli 2016 erfolgen. Dort angelangt wird Juno in eine elliptische polare Umlaufbahn einschwenken und den Riesenplaneten innerhalb eines Jahres 32 mal umrunden. Dabei wird sich die Raumsonde der obersten Wolkenschicht des Jupiters auf eine Entfernung von bis zu 5.000 Kilometern nähern.

Der Schwerpunkt der Mission liegt bei der Vermessung des Magnetfeldes, der Untersuchung der polaren Magnetosphäre und der Bestimmung des inneren Aufbaus des Gasplaneten. Bislang ist zum Beispiel nicht bekannt, ob der Jupiter über einen festen Kern verfügt. Außerdem wollen die Wissenschaftler anhand von Veränderungen in der Umlaufbahn der Raumsonde das Gravitationsfeld des Jupiters untersuchen und kartografieren.

Weitere Forschungsschwerpunkte sollen die Untersuchung der Zusammensetzung der Jupiteratmosphäre und des dort vorherrschenden Wetters bilden. Neben der Studie von allgemeinen Windprofilen und den äquatorparallelen Wolkenbändern in der Atmosphäre wird dabei auch der Große Rote Fleck in das Zentrum der wissenschaftlichen Studien rücken. Insgesamt erhoffen sich die beteiligten Wissenschaftler von der Juno-Mission neue Erkenntnisse darüber, wie sich der größte Planet unseres Sonnensystems einstmals gebildet und seitdem entwickelt hat.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: The Planetary Society, SwRI, NASA)


» Planck im Ruhestand
22.10.2013 - Das weltraumgestützte Radio- und Mikrowellenteleskop Planck der europäischen Weltraumorganisation (ESA) wird noch diese Woche, am 23. Oktober 2013, endgültig abgeschaltet. Zeit für ein vorläufiges Fazit zum Abschluss einer bereits jetzt als Erfolg betrachteten, europäischen Wissenschaftsmission im All.
Dem Missionsende am kommenden Mittwoch gingen sowohl die am Samstag den 19. Oktober erfolgte Abschaltung des letzten wissenschaftlichen Instruments an Bord, als auch der erst gestern durchgeführte Einschuss des Weltraumteleskops in einen finalen Parkorbit voraus. Damit verlässt das Raumfahrzeug seine bisherige Position im Orbit um den Lagrange-Punkt 2 des Erde-Sonne Systems, in den es, wenige Wochen nach seinem Start mit einem Ariane 5 ECA am 14. Mai 2009, eingeschwenkt war. Die mit demselben Ariane-Flug transportierte Schwestermission Herschel ging ebenfalls bereits in diesem Jahr außer Betrieb. Ursache für die planmäßige Stilllegung beider Geräte waren die endgültig aufgebrauchten Vorräte an mitgeführtem Kühlmittel für die Präzisionssensoren. Insgesamt führte Planck zu Beginn seiner Reise mehrere hundert Liter flüssigen Heliums und Wasserstoffs zu diesem Zweck mit. Das empfindlichere von Plancks Instrumenten, das High Frequency Instrument (HFI) mit einer erforderlichen Betriebstemperatur zwischen 0,1 und 1,6 Kelvin, war entsprechend bereits im Januar 2012 deaktiviert worden.

Ursprünglich war eine wissenschaftlich produktive Einsatzdauer von nicht einmal zwei Jahren geplant, die von beiden Instrumenten übertroffen werden konnte. Für das Low Frequency Instrument (LFI) endete der eigentliche Betrieb mit dem Sammeln von Beobachtungsdaten am 3. Oktober 2013 nach der fünften Durchmusterung des gesamten Himmels.

Planck, im Jahr 1996 konkret angekündigt, stellte zusammen mit Herschel die Abschlussmission des bereits 1984 angelaufenen Horizon 2000-Programms der ESA zur wissenschaftlichen Erforschung des Kosmos durch Raummissionen dar. Die Fortsetzung der erprobten Missionsreihe wird gegenwärtig mit dem sogenannten Horizon 2000+-Konzept (Gaia, BepiColombo) weitergeführt und zukünftig von Cosmic Vision 2015-2025 (Solar Orbiter, Euclid, JUICE) ersetzt werden.

Das primäre Missionsziel war, von Anfang an, die bisher genaueste, flächendeckende Kartierung der kosmischen Hintergrundstrahlung im Mikrowellen-Bereich (CMB), zur Überprüfung bisher empirisch unbestätigter Erklärungsansätze zu Natur und Entwicklung des Universums. Plancks Vorgänger COBE und WMAP hatten auf diesem Gebiet schon zuvor Ergebnisse geliefert, jedoch nicht in vergleichbarer Detailqualität, wie die vom Planck-Konsortium am 21. März 2013 veröffentlichen Flächenkarten des CMB zeigten.

Der kosmische Mikrowellenhintergrund bildet die Materie- und Strahlungsverteilung des frühen Universums nur rund 380.000 Jahre nach dem Urknall ab, als dieses erstmals ausreichend „abgekühlt“ war um für messbare Strahlung durchlässig zu sein. Interessant ist dabei, dass diese ältestmögliche Strahlung, stammend aus einem Moment nur einen kosmischen Bruchteil nach dem Beginn der Zeit, geringe räumliche Unterschiede in ihrer Intensität aufweist, die sich mit den Mustern der Materiedistribution unseres heutigen Universums, mehr als 13,82 Milliarden Jahre später, abgleichen und in Verbindung setzen lassen. Planck ermöglichte die verbesserte Darstellung dieses Zusammenhangs, warf aber mit der gleichzeitigen Entdeckung großflächiger Asymmetrien und „kalter Flecken“ im Sensorbild des Hintergrunds auch neue, bisher nicht vollständig gelöste Fragen auf.

Unter anderem zum Abgleich des CMB, wurde von Planck auch umfangreiches Datenmaterial über die Position von Galaxienhaufen, die Gas-Filamenten zwischen ihnen, und weitere makroskopische, massereiche Gebilde im Universum, etwa Ansammlungen sogenannter „Dunkler Materie“, produziert. Dabei konnte der „Sunyaev-Zel’dovich-Effekt“ ausgenutzt und einer direkten Überprüfung unterzogen werden. Im Zuge dessen ergab sich auch eine in neuer Qualität fundierte Schätzung über die anteilsmäßige Zusammensetzung des Universums: neben den nur 4,9%, die die klassische, baryonische Materie ausmacht, wurde die Dunkle Materie mit nun immerhin 26,8% und die Dunkle Energie mit 68,3% beziffert. Quasi als Nebenprodukt seiner Beobachtungstätigkeit konnte Planck weiterhin auch kleinere kosmische Phänomene, etwa bisher unverstandene, warme Staubstrukturen in der Raumebene unserer Milchstraße, entdecken. Sogar zum Alter, und damit ebenfalls zur Expansionsrate des Universums, konnten nach Übermittlung von Plancks Aufnahmen neue Aussagen getroffen werden. Mit einem Alter von, wie bereits genannt, 13,82 Milliarden Jahren, erwies sich das Universum als geringfügig älter als bisher angenommen. Entsprechend konnte die „Hubble-Konstante“ H0 im Laufe der Mission auf nur 67,15 +/- 1,2 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec präzisiert werden: Weniger als von bisherigen Messungen angedeutet.

Erst vor wenigen Tagen konnte, mit Hilfe von Herschel, die Tür in eine bislang unerreichbar frühe Periode des Universums aufgestoßen werden: Wie sich herausstellte, ist es grundsätzlich möglich Informationen über die Beschaffenheit des Universums noch während seines „undurchsichtigen“ Lebensabschnitts durch Teleskope zu erlangen. Plancks Daten werden, so hofft man, schon im kommenden Jahr Herschels Vorarbeit ergänzen können. Es geht darum, bestimmte polarisierte Anteile der kosmischen Hintergrundstrahlung, sogenannte „primordiale B-modes“, nachzuweisen. Sie wurden von Gravitationseffekten beeinflusst, die noch deutlich älter als das unmittelbar sichtbare Universum sind und entsprechend Rückschlüsse auf die frühe Zeitperiode ihres Ursprungs erlauben.

Immer wieder wurde bei den Veröffentlichungen auf Planck gestützter Resultate während der letzten Monate deutlich, dass die beteiligten wissenschaftlichen Institute und Forschungsgruppen mit den erbrachten Leistungen ihres Teleskops außerordentlich zufrieden sind. Ebenso oft wurde auf das Potential der verbleibenden, noch nicht ausgewerteten Datenvorräte der Mission hingewiesen, die noch für die kommenden Jahre weiterführende Ergebnisse versprächen. Dennoch unterlag auch Planck, so viel lässt sich mit einiger Sicherheit bereits jetzt vermuten, unausweichlich Fluch und Segen der modernen (Astro-)Physik: aus jedem mit großem Aufwand gelüfteten Geheimnis des Kosmos ergaben sich bisher (mindestens) zwei Neue. Die Weiterführung der begonnenen kosmologischen Gralssuche wird das Privileg der nächsten Generation von Weltraumteleskopen bleiben. Planck jedenfalls, kann nach seiner erbrachten Leistung den Staffelstab mit Stolz und einiger Zuversicht übergeben.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Michael Clormann - Quelle: ESA, Planck Collaboration, Raumcon)


» LADEE schickt Daten via Laserlicht
23.10.2013 - Die um den Mond kreisende US-amerikanische Sonde LADEE hat mit Hilfe einer LLCD für Lunar Laser Communications Demonstrator genannten experimentellen Kommunikationsnutzlast zum ersten Mal Daten mit hoher Geschwindigkeit via Laserlicht zur Erde geschickt.
Dabei wurde im Verlauf des vergangenen Wochenendes die rund fünffache der gewöhnlich möglichen Datenübertragungsgeschwindigkeit erreicht. LADEE sendete Daten mit 622 Megabit pro Sekunde. Beim Goddard-Zentrum für Weltraumflug (GSFC) der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) freut man sich über den Erfolg und bescheinigt der Laser-Kommunikationsnutzlast ein über den Erwartungen liegendes gutes Funktionieren. Das Experiment ist ein Gemeinschaftsprojekt des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und des Lincoln Laboratory LI mit dem GSFC.

Die Verwendung von Laserlicht für die Kommunikation von Raumfahrzeugen mit der Erde und untereinander eröffnet neue Möglichkeiten, so etwa die Übertragung von 3D-Videodatenströmen. Der Geschwindigkeitsunterschied bezogen auf das vollständige Übertragungssystem ist erheblich, Laser ermöglicht unter Ausnutzung der gegenüber Funk deutlich geringeren Wellenlänge des Lichtes, pro Zeiteinheit eine größere Menge Bits zu übertragen. Beispielsweise könnte LADEE einen Spielfilm üblicher Länge in gewöhnlicher HD-Qualität in weniger als 8 Minuten zur Erde senden, beim Einsatz herkömmlicher Funktechnik für das S-Band würde die Übertragung etwa 640 Stunden dauern.

Die Datenübertragungsrate von 622 Megabit pro Sekunde erreichte LADEE, als das Laserlicht von der Sonde im Mondorbit einigermaßen steil durch die Erdatmosphäre geschickt werden konnte. Mussten deutlich mächtigere Atmosphärenschichten durchdrungen werden, weil LADEE gegenüber der Empfangsstation weniger hoch am Himmel stand, ließen sich noch 311 Megabit pro Sekunde übertragen. Die Umschaltung der Datenübertragungsrate erfolgte nach Plan, und war dazu gedacht, die Anpassungsfähigkeit des Laser-Datenübertragungssystems zu demonstrieren.

Erfasst wurden die durch LADEE gesendeten Daten mit einem Empfangsterminal namens Lunar Lasercom Ground Terminal (LLGT) auf dem Testgelände White Sands in Las Cruces im US-amerikanischen Bundesstaat Neumexiko. Dieses Bodenterminal sendete vor der eigentlichen Datenübertragung ein Ortungssignal, damit das Lunar Lasercom Space Terminal (LLST) der Kommunikationsnutzlast an Bord von LADEE das Bodensystem anvisieren konnte. Man erwartete eine gewisse Suchzeit, doch es stellte sich heraus, dass das Bodenterminal mit seinen vier 40-Zentimeter-Teleskopen für den Empfang exzellent ausgerichtet war, und Daten unmittelbar übertragen werden konnten.

Der Strahl, den LADEE mit seiner LLCD aussendete, übertrug in der Kommunikationstechnik übliche Testdaten über eine Strecke von rund 383.000 Kilometern. Er wurde von einem 0,5 Watt-Laser erzeugt, der ein 10-Zentimeter-Cassegrain-Teleskop an Bord von LADEE bediente. Neben dem Senden von Daten via Laserlicht gelang LADEE auch der Empfang von via Laserlicht transportierten Informationen. Aus Neumexiko errichten Daten mit 20 Megabit pro Sekunden den Mondorbiter.

Die LLCD will man jetzt weiter testen. Insgesamt rund 30 Einsatztage sind vorgesehen. Die Einbindung einer Bodenstation der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) auf der Kanareninsel Teneriffa ist vorgesehen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, Popular Mechanics)


» Amos 5 mit zu wenig Antriebsenergie
23.10.2013 - An Bord des Kommunikationssatelliten Amos 5 trat nach Angaben seines Betreibers Spacecom Satellite Communications (Spacecom) aus Israel erneut eine Anomalie im Stromversorgungssystem auf, die den Einsatz der elektrischen Triebwerke zum Positionshalten behindert.
Nach Angaben verschiedener Brancheninformationsdienste teilte Spacecom am 22. Oktober 2013 mit, dass das Energieversorgungssystem Nr. 2 von Amos 5 zusammengebrochen sei, was Einfluss auf die Nutzbarkeit von zwei weiteren Triebwerken habe.

Amos 5 ist mit chemischen und elektrischen Triebwerken vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad ausgerüstet. An Bord des basierend auf dem Satellitenbus Express 1000H bzw. Ekspress 1000N von Reschetnjow aufgebauten Raumfahrzeugs sind neben Hydrazin-Triebwerken für die Lageregelung vom Typ K50-10 acht elektrische, Xenon ausstoßende Triebwerke vom Typ SPT-100 bzw. SPD-100 (SPT steht für stationary plasma thruster) installiert.

Zur Stromerzeugung besitzt der dreiachsstabilisierte Amos 5 zwei Solarzellenausleger mit Galliumarsenid-Zellen von OAO NPP KVANT aus Moskau. Der Speicherung elektrischer Energie dienen zwei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätze von SAFT aus Frankreich, die sich aus jeweils 40 Zellen des Typs VES 180 SA zusammensetzen.

Der Zusammenbruch eines Energieversorgungssystems an Bord von Amos 5 geschah jetzt nicht zum ersten Mal, von Problemen mit dem Antriebssystem des Satelliten war bereits vor rund einem Jahr die Rede. Das aktuelle Problem folgt zwei Ereignissen, die ein nur noch zur Hälfte arbeitendes Energieversorgungssystems Nr. 1 hinterließen, und einem Fehler im Energieversorgungssystem Nr. 2, das zum Ergebnis hatte, dass sich nur noch die Hälfte der acht elektrischen Triebwerke an Bord nutzen ließ.

Der am 11. Dezember 2011 direkt in einen (annähernd) geosynchronen Orbit gestartete Satellit sollte sich mindestens 15 Jahren im All betreiben lassen. Dass das bei 17 Grad Ost im Geostationären Orbit positionierte Raumfahrzeug seine Auslegungsbetriebsdauer erreicht, kann mit einiger Berechtigung bezweifelt werden.

Der aktuell aufgetretene Fehler soll zur Folge haben, dass sich der Satellit um eine rund 11 Monate geringere Zeit sinnvoll betreiben lassen wird, wenn es nicht wieder gelingt, zusätzliche Triebwerke über das Energieversorgungssystem Nr. 2 mit Energie zu beliefern. Man hofft derzeit, die Triebwerke über einen alternativen Schaltungsweg zu erreichen.

Amos 5 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.950 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-074A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: advanced-television.com, Fakel, globes.co.il, Reschetnjow, satellitefinance.com, Spacecom, tmcnet.com)


» SpaceX bereitet Tests für Methantriebwerk vor
24.10.2013 - Wie lokalen Medien aus dem Hancock County im US-Bundesstaat Mississippi (USA) zu entnehmen ist, hat Space Exploration Technologies (SpaceX) mit der NASA einen Vertrag zu Umbau und Nutzung eines großen Teststandes für Raketentriebwerke geschlossen.
Dabei handelt es sich um den Teststand E2 des John C. Stennis Space Center, der für kleine bis mittlere Triebwerke ausgelegt ist. Hier kann man einzelne Komponenten testen, für das gesamte Triebwerk benötigt man allerdings einen größeren Teststand. Die Modifikationen betreffen unter anderem die Installation einer Treibstoffzuführung für Methan und eines Hochdrucksystems. Als Testbeginn wird Anfang nächsten Jahres angestrebt. Der US-Staat Mississippi unterstützt den Umbau mit 500.000 US-Dollar, die NASA gibt weitere 600.000 Dollar dazu.

Offenbar handelt es sich bei dem zu testenden Triebwerk um ein "Raptor" genanntes Methantriebwerk für die in Entwicklung befindliche Schwerlastrakete MCT. Methan bietet im Vergleich zu Kerosin einen etwas höheren spezifischen Impuls. Angegeben wurde des Weiteren, dass der Schub eines einzelnen Raptor-Triebwerkes nur wenig unter 3.000 kN liegen soll. Damit ist es etwa viermal stärker als das bisher stärkste SpaceX-Triebwerk, welches einen Vakuumschub von etwa 690 kN erbringt.

Seit 2002 wurden bei SpaceX mehrere Triebwerke unter der Bezeichnung Merlin für ihre Falcon-Raketen entwickelt. Dabei hat die US-Firma relativ oft Pläne umgeworfen, schnelle Fortschritte gemacht und auch so manchen Rückschlag einstecken müssen. Mit der aktuellen Version Merlin 1D hat man nun offenbar einen Stand erreicht, der auch kommerzielle Erfolge real erscheinen lässt. Die Falcon 9 v1.1 ist mit 9 Triebwerken dieses Typs in der Startstufe ausgestattet und verfügt über ein weiteres, für den Einsatz im Vakuum modifiziertes Triebwerk in der zweiten Stufe. Damit will man eine Nutzlast von etwa 16 Tonnen in erdnahe Umlaufbahnen erreichen.

Drei Erststufen im Parallelbetrieb sollen zudem eine deutliche Steigerung der Nutzlast bei einer Falcon Heavy genannten Rakete erlauben. Zudem möchte man die Erststufe(n) wiederverwendbar auslegen und auf einem Landeplatz nahe der Startrampe mittels Triebwerkseinsatz auf Beinen niedergehen lassen. Von vorn herein ist alles auf eine rasche Startvorbereitung und -durchführung ausgelegt. Technische Probleme haben aber einen regelmäßigen Einsatz der Rakete bisher behindert.

MCT steht laut SpaceX-Triebwerksentwickler Tom Mueller für Mars Colonial Transporter und klingt gegenwärtig noch weit in die Zukunft gerichtet. Die geplante Schwerlastrakete soll eine Nutzlastkapazität besitzen, die über der der legendären Saturn 5 liegt.

Verwandte Meldung:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Sun Herald, seatlepi)


» GloNaSS-Satellit 728 aufgegeben
24.10.2013 - Der russische Navigationssatellit Kosmos 2448 mit der GloNaSS-Nr. 728 war am 25. Dezember 2008 ins All gebracht worden. Am 1. Juli 2013 gegen 3:22 Uhr UTC hatte der Satellit aufgehört, Navigationssignale zu senden. Jetzt hat die russische Raumfahrtagentur mitgeteilt, dass der Satellit nicht mehr Bestandteil der GloNaSS-Konstellation ist.
GloNaSS steht für Globalnaya Navigationnaya Sputnikovaya Sistema und bedeutet so viel wie globales erdumlaufendes Navigationssatellitensystem. Im Weltraumsegment des Systems werden achtzehn aktive Satelliten für die Abdeckung russischen Territoriums benötigt, vierundzwanzig für die Abdeckung des gesamten Erdballs.

Am heutigen 24. Oktober 2013 werden exakt 24 GloNaSS-Satelliten als in Betrieb befindlich gemeldet, außerdem umfasst die Konstellation im All zum jetzigen Zeitpunkt zusätzlich drei Reservesatelliten und einen, der sich im Flugtest (in flight tests phase) befindet.

GloNaSS 728, ein Satellit der zweiten Generation namens GloNaSS-M bzw. Uragan-M mit drei Cäsium-Uhren an Bord, sorgte am 1. Juli 2013 für eine Unterbrechung der weltweiten Abdeckung des russischen Navigationssatellitensystems, weil er keine Navigationssignale mehr sendete. Ersatz erfolgte in Form des Reservesatelliten GloNaSS 747, der am 4. Juli 2013 erfolgreich in die Gruppe der aktiven Satelliten integriert werden konnte.

Nach dem 1. Juli 2013 hatte man den von Reschetnjow gebauten GloNaSS 728 als in einem Wartungsmodus befindlich geführt und vor seiner jetzt erfolgten Außerdienststellung zum Schluss als "im Test durch den Chefkonstrukteur" gelistet. Sämtliche Bemühungen um den Satelliten wurden zum 16. Oktober 2013 endgültig eingestellt. Alle Versuche, die Fehlfunktion an Bord des Satelliten mit einer Startmasse von rund 1.415 kg zu beheben, hatten sich als erfolglos erwiesen.

GloNaSS 728 hatte eine Auslegungsbetriebsdauer von 7 Jahren, deren Ende um den Jahreswechsel 2015/2016 erreicht worden wäre. Der nachhaltige Ausfall des am 20. Januar 2009 in die Gruppe der aktiven Satelliten integrierten Raumfahrzeugs kam also rund 2,5 Jahre zu früh.

Andere GloNaSS-Satelliten des gleichen Typs, wie Nr. 726 und Nr. 729, versagten ebenfalls deutlich zu früh. Diese Ausfälle machen es zusammen mit einer Reihe von älteren Satelliten, die ihre Auslegungsbetriebsdauer bereits überschritten haben, und Fehlstarts von Trägerraketen mit neuen Satelliten an Bord für die staatlichen russischen Stellen, die mit dem GloNaSS-Betrieb befasst sind, schwer, eine globale, kontinuierliche Versorgung mit präzisen Navigationssignalen sicherzustellen, und noch schwerer, ambitionierte Modernisierungs- und Ausbaupläne umzusetzen.

Aktuell hofft man, im Jahr 2020 auf insgesamt 30 aktive bzw. funktionsbereite GloNaSS-Satelliten der Generationen GloNaSS-M und GloNaSS-K zurückgreifen zu können - einschließlich 6 Reservesatelliten.

Kosmos 2448 alias GloNaSS 728 und GloNaSS 39-2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 33.468 und als COSPAR-Objekt 2008-067C.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: glonass-iac.ru, ITAR-TASS, Raumfahrer.net, RIA Novosti)


» Aktuell im Kino: GRAVITY
25.10.2013 - Andreas Weise hat für uns GRAVITY gesehen. Hier ist sein fundierter Bericht über das aktuelle Weltraum-Kinospektakel. Mit Empfehlungen für Kinogänger, Raumfahrtbegeisterte, Wissensdurstige und Regie.
A star is born... .
Lange vor dem Kinostart in Deutschland am 3. Oktober 2013 hatte der Weltraumfilm GRAVITY die raumfahrtbegeisterten Kinobesucher neugierig gemacht. Die vorab veröffentlichten Trailer zeigten überwältigende Szenen, die den Zuschauer in ihren Bann zogen. Auch wussten einige Rezensenten vor dem Kinostart schon genau, was wir zu sehen bekommen würden. Etwas Einmaliges!
Der Filmregisseur James Cameron soll über GRAVITY gesagt haben: „Der beste Weltraumfilm aller Zeiten!“ Nun, das ist ein Superlativ, das misstrauisch macht. Also habe ich mir den Film gleich nach seinem Erscheinen angesehen: In meinem kleinen Heimatkino, schon in 3D und auf Berlins größer Kinoleinwand, im IMAX im Sonycenter am Potsdamer Platz. Das Ergebnis war grandios, berauschend, überwältigend und ernüchternd zu gleich.

Die Story
Die Geschichte ist schnell erzählt und könnte auf dem berühmten Bierdeckel Platz finden: Zeit und Ort der Handlung: Das Jetzt im Weltraum mit dem technologischen Stand von heute. Bei einer Schuttle-Mission am Hubble-Teleskop werden die Raumfahrzeuge durch einen Trümmerregen, verursacht durch die Sprengung eines russischen Satelliten komplett zerstört. Einzige Überlebende sind der alte Raumfahrt-Hase Kowalsky (George Clooney) und die Missionsspezialistin Dr. Stone (Sandra Bullock). Beide schweben jetzt im All allein, nur durch die Sicherungsleine miteinander verbunden. Über die Zwischenstationen ISS, Sojus, und die chinesische Raumstation Tiangong mit dem Raumschiff Shenzhou gelangt schließlich Stone zurück auf die Erde. Unterwegs ist ihr der Begleiter verloren gegangen und alles, was im All so herum flog, ist zertrümmert. Über weite Strecken ist der Film damit fast ein Einpersonenstück. Die Geschichte ist zu geradlinig und ohne wirkliche dramatische Wendungen. Der Zuschauer weiß, das es trotz aller Pannen und Zerstörungen gut ausgehen muss, da sonst die dünne Story vorzeitig beendet wäre.

Die Schauspieler
Mit der Besetzung der Rolle von Stone durch Sandra Bullock ist ein großer Wurf gelungen. Bullock spielt Ihre Rolle als ums Überleben kämpfende Astronauten sehr überzeugend. Angst, Panik, Überlebenswille – all das kommt überzeugend herüber. Außerdem trägt sie den Film als One-Woman-Show über weite Strecken allein. Ob es für den Oscar reicht, wird sich zeigen.
Für den männlichen Part, die Rolle des altgedienten Weltraum-Hasen Kowalsky konnte Georg Clooney gewonnen werden. Auch hier ein Glücksfall. Clooney gelingt es, der sehr überzogen und klischeehaft aufgebauten Figur Kowalsky wenigstens etwas Charme abzugewinnen. Sei es beim Herumkurven wie eine Hummel um die Blume mit dem Jetpack im Weltraum, der Suche nach dem russischen Wodka oder seinen flachen Sprüchen, die selbst die Bodenstation langweilen. Auch hat er dauernd diese durchdringende Mischung zwischen Lächeln und Grinsen in seinem Gesicht. Für mich sah das Gesicht immer irgendwie wie Buzz Lightyear aus Toystory aus. Zu erwähnen wäre, das in der US-Version Ed Harris als die Stimme von Mission Control zu hören ist. Man erinnere sich an seine Rolle als Flugleiter Gene Kranz in Apollo 13.

Das Szenenbild
Im krassen Gegensatz zur dünnen Geschichte steht die bildnerische Umsetzung. Diese ist grandios und überwältigend. Hier werden alle technischen Möglichkeiten des 3D-Films bis an ihre Grenzen voll ausgereizt. Die beste Wirkung entfalten die Bilder auf einer wirklich großen Kinoleinwand. Das Wohnzimmerkino mit Blueray wird hier später nicht mithalten können. Die überwältigenden Bilder der Eröffnungsszene und der ersten 10 Minuten Film sind in ihrer Wirkung vergleichbar mit dem für damalige Verhältnisse geradezu umwerfenden Erdanblick aus der Umlaufbahn in Kubrick’s 2001 aus dem Jahre 1968. Nachdem das Inferno der Zerstörung durch den Trümmerregen losbricht, sind atemberaubende Kamerafahrten zu sehen. Die Kamera erfasst die Totale der beginnenden Zerstörung, folgt dann den wilden Rotationen von Stone auf dem Greifarm und fängt zum Schluss ihr Gesichtsfeld ein. Und das alles ohne Schnitt!
Überhaupt ist es manchmal unfassbar, wie die Schwerelosigkeitsszenen umgesetzt worden sind. Sei es im freien Raum oder in den jeweiligen Raumfahrzeugen. Bei den Möglichkeiten der Computeranimation und Bildüberblendung wurden alle Register gezogen. Kleinere Fehlerchen haben sich zwar eingeschlichen, Stones Haar liegt in der Schwerelosigkeit wie angeklebt, aber das fällt nicht weiter auf.

Die Kulissen ...
... zeugen von eine absoluten Liebe zum Detail. Es macht hier eine riesige Freude, mit den Augen auf Entdeckungsreise zu gehen. Es ist eigentlich fast alles da. So erinnert das Innere der russischen Schleuse stark an Bilder aus der alten Raumstation MIR und die Steuerhebel der Sojus haben sogar die Handballenaufleger, um nur zwei Beispiele zu nennen. Der Wiedererkennungswert ist auf alle Fälle gegeben. Kleinere konstruktive Änderungen, die aus dramaturgischen Gründen notwendig sind, übersieht der Betrachter, wenn er sich nicht gerade im Detail der Sojus-Konstruktion auskennt. Ob es eine fachlich kompetente Unterstützung, zum Beispiel durch die NASA oder Roskosmos gab, bleibt anzuzweifeln. Periodisch erlebt man im Laufe des Films eine Orgie der Zerstörung: Bunt, schrill und grandios in Szene gesetzt. Die Lautlosigkeit im All wird durch entsprechend aufpeitschende Filmmusik kompensiert. Man kann sich diesen Bildern der Zerstörung einfach nicht entziehen. Warum muss eigentlich in fast jedem US-Film, der an der Kinokasse Erfolg haben will, etwas vernichtet werden? Nun, diese Frage werde ich hier nicht klären können.

Als Fazit bleibt ...
... eine extrem dünne Story, gegen die eine Sandra Bullock verbissen ankämpft. Eine (Fast-) Nebenrolle von George Clooney, der dramaturgisch aber auch nichts verbessert. Dagegen ein überwältigendes Szenenbild, an dem man sich einfach nicht satt sehen kann. Und das natürlich in 3D! Der Zuschauer hat zwei verschiedene Seiten einer Medaille vor sich und muss nun entscheiden, welche er nach oben dreht. Zweifellos wird das jeder irgendwie anders entscheiden.

Und der Sinn?
Jeder Film sollte einen Sinn haben (außer Geld einzuspielen). Aber welchen Sinn kann dieser Film ergeben? Was ist nun seine Aussage an das Publikum? Große Raumfahrtfilme wie 2001, 2010, Verschollen im Weltraum oder Apollo 13 hatten eindeutige Aussagen.
Man könnte es sich einfach machen, und sagen: "Bei GRAVITY: Gar keinen!" Er ist ein Bombardement von tollen 3D-Bildern und rasanten Kamerafahrten. Wortwörtlich genommen also ein sinnloser Film?
Vielleicht.

Versucht man das Ganze aus Sicht des US-amerikanischen Publikums zu betrachten, so könnte man auf ganz andere Gedanken kommen. GRAVITY zeigt nichts anderes, als das Ende der bemannten Raumfahrt. All die investierten Milliarden Steuergelder der letzten Jahrzehnte in Shuttle, Hubble und ISS sind in Trümmern aufgegangen. Der Traum von der US-amerikanischen Supermacht im All ist dahin. Und Schuld daran sind, wie klischeehaft, die Russen mit ihrem stümperhaften Abschießen eines Satelliten. Da fragt man sich, warum es nicht gleich eine nordkoreanische Rakete war, die einen indischen Militärsatelliten getroffen hat.

Dass die USA sich selbst ihrer Spitzenerrungenschaften beraubt haben, wird verdrängt. Die Einstellung des Shuttle-Programms, damit die nicht mehr mögliche Erreichbarkeit von Hubble, die Demütigung, bei den Russen per Anhalter zur ISS mit fliegen zu müssen, sind hausgemacht. Ja selbst die Chinesen können jetzt allein bemannt ins All gelangen. Aber es soll nicht der mangelnde Wille der Politik oder der fehlende visionäre Blick sein, die dazu führten, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sich ihres bemannten Weltraumzugang beraubt haben.
Es ist ein „höheres Ereignis“, was schlussfolgern lässt: Im Weltraum ist kein Leben möglich! Also keine bemannte Raumfahrt! Und alles wird wie beim Jüngsten Gericht in Trümmer gelegt. Der Film ist für alle Kreise in den USA Oberwasser, die meinen, aus Ermangelung an potentiellen Gegnern wie im Kalten Krieg sei es sowieso Unfug, sich mit bemannter Raumfahrt, Marsmenschensuche und ähnlichem zu beschäftigen. Und dafür setzt GRAVITY den Schlusspunkt.

Und was bringt der Film für die deutsche Raumfahrt-Szene?
GRAVITY ist keine Werbung oder gar eine Förderung des Raumfahrtgedankens. Kinder und Jugendliche werden nach Ansicht dieses Films nicht spontan überlegen, ob Sie Astronaut werden. Insofern ist der Film kontraproduktiv.
Aber ich möchte, nicht ganz ohne Augenzwinkern, diesem brillant in Szene gesetzten Streifen doch etwas lehrreiches abgewinnen. Ich rufe alle raumfahrtbegeisterten Lehrer für Naturwissenschaften auf, sich mit Ihren Schülern den Film genau anzusehen und im Unterricht zu fragen: "Wäre das möglich?". Wo verlaufen die Bahnen von ISS und Hubble wirklich? Funktioniert ein Feuerlöscher im All? Was trägt man für Anziehsachen im Raumanzug? Hat man nicht wenigstens Socken an? Kann beim Wiedereintritt der Landekapsel und entsprechender Abbremsung ein Kugelschreiber schwerelos durch das Bild schweben?
Es gibt ja so viel schöne und liebevoll in Szene gesetzte Ungereimtheiten zu entdecken! Und dabei unterstelle ich nicht, unbedingt nach dem berühmten Haar in der Suppe suchen zu müssen. Die Diskussion ist jedenfalls bereits im Gange. Nicht nur unter den Raumfahrt-Fans. Auch ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti und Ex-Astronaut Prof. Ulrich Walter haben sich zum Realitätsgehalt geäußert. Es lohnt sich bestimmt!

Die mögliche Rettung:
Es gäbe eine Möglichkeit, alle Schwächen des Filmes mit einem Schlag zu beseitigen. Dazu müssten nur ganze 2 Minuten zusätzlich gedreht werden. Vielleicht erleben wir das noch in einer späteren Version. Ich könnte mit das so vorstellen: In der Schlussszene bricht Stone auf der Erde zusammen. Das Bild wird verschwommen, sie wird ohnmächtig. Von Ferne hört sie die Stimme von Kowalsky: „Dr. Stone. Hören Sie mich? Dr. Stone! Aufwachen! Sie sind an der Reihe. ...“ Stone schlägt die Augen auf. Sie befindet sich im Ausbildungszentrum der NASA in Houston und soll gleich in das Wasserbecken zu einem Schwerelosigkeitstraining an einem ISS-Modell steigen. Die Erkenntnis reift: Es war nur ein Traum... . Ein Alptraum... .

Bleibt zum Schluss nur noch eine Frage:
Wann erscheint die DVD oder die Blueray?

Andreas Weise

Raumcon-Forum:


(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: Andreas Weise)


» Astrium baut weiteren Satelliten für DirecTV
25.10.2013 - Der europäische Satellitenhersteller Astrium gab am 24. Oktober 2013 bekannt, dass er ausgewählt wurde, einen Rundfunk- und Fernsehsatelliten für den lateinamerikanischen Unternehmensteil von DirecTV, DirecTV Latin America, zu bauen.
DirecTV ist Anbieter einer großen Anzahl von Programmen, die er über eine Flotte eigener Satelliten in Lateinamerika, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet. Das in Konkurrenz zu Dish stehende Unternehmen nutzt derzeit von Boeing, Hughes Electronics und Space Systems/Loral (SS/L) konstruierte Raumfahrzeuge, die zwischen 1999 und 2009 gestartet wurden. Der erster Bauauftrag von DirecTV an Astrium erfolgte im Herbst 2011 mit der Bestellung von DirecTV 15.

Der jetzt beauftragte Satellit wird wie DirecTV 15 auf Astriums Satellitenbus Eurostar E3000 aufgebaut werden und voraussichtlich eine Startmasse von rund 6,3 Tonnen aufweisen. Nach einem derzeit für Anfang 2016 geplanten Start soll sich der neue Satellit mindestens 15 Jahre lang im Orbit betreiben lassen. Das Raumfahrzeug ist dazu gedacht, mit bis zu 60 Ku-Band-Transpondern Kunden von Sky Brazil in Brasilien mit Rundfunk- und Fernsehsendungen zu versorgen. Sky Brazil hat nach Angaben von DirecTV aktuell rund 5 Millionen zahlende Nutzer.

Geplant ist, über den neuen Satelliten einerseits bisher ausgestrahlte Dienste und Programme auch künftig bereitzustellen, und andererseits, eine zusätzliche Versorgung brasilianischen Territoriums mit hochaufgelösten Fernsehprogrammen zu verwirklichen. Um letztere Aufgabe zu erfüllen, wird der Erdtrabant so ausgerüstet, dass er Gebiete Brasiliens in 20 getrennten Ausleuchtzonen bedienen kann.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, DirecTV)


» Proton erfolgreich mit Sirius-FM6 gestartet
26.10.2013 - Gestern abend startete eine Rakete des Typs Proton-M/Briz-M erfolgreich von Baikonur aus in den Kosmos. An Bord befand sich ein Satellit für die Ausstrahlung von Radioprogrammen.
Der Start der Trägerrakete vom Typ Proton-M/Briz-M erfolgte pünktlich um 22:08:46 Uhr Moskauer Zeit, was 20:08 Uhr MESZ entsprach, vom Kosmodrom Baikonur in der kasachischen Steppe. Die Brennperioden der dreistufigen Proton verliefen ohne Komplikationen und setzten das Gespann aus Nutzlast und Briz-M in eine suborbitale Transferbahn aus. Im Verlauf von fünf Brennperioden, welche über acht Stunden verteilt waren, wurde der Satellit auf seinen Geotransferorbit (kurz GTO) gebracht. Dieser Orbit zeichnet sich dadurch aus, dass sein erdfernster Punkt, auch Apogäum genannt, auf Höhe des Geostationären Orbits (GSO) befindet, welcher der Zielorbit der Nutzlast ist. Ausgesetzt wurde der Satellit schließlich nach 9 Stunden und 11 Minuten. Die restlichen Bahnkorrekturen führte und führt zurzeit der Satellit mit seinem eigenen Triebwerk, vor allem dem R-4D-Triebwerk, durch.

Bei der besagten Nutzlast handelt es sich um den Satelliten Sirius-FM6, einem Kommunikationssatelliten der Firma Sirius XM Radio Inc. Dieser wurde von Space System/Loral (SSL), einer Tochterfirma von MDA, in Palo Alto, Kalifornien, gebaut. Er basiert auf der SS/L 1300-Plattform, wog beim Start 6.018 kg und verfügt über zwei Solarzellenpaneele für die Energieversorgung im Weltraum. Als Nutzlast verfügt der Satellit über eine große X/S-Band-Antenne, mit der das Radioprogramm bei einer Position bei 116.15° West vor allem die die USA und Kanada abdecken soll. Dabei werden Signale zum Satelliten im X-Band und Signale zum Konsumenten im S-Band gesendet. Der Satellit ist darüber hinaus drei-achsenstabilisiert und verfügt dafür über vier elektrische Triebwerke des Typs SPT-100. Für eine Lebensdauer von 15 Jahren soll der Satellit nun seinen Aufgaben nachkommen.

Der gestrige Start war der siebte Start einer Proton in diesem Jahr und ihr 389. überhaupt sowie der 22. einer russischen Rakete in diesem Jahr und der insgesamt 60. in 2013.

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ILS, SS/L)


» Chinesischer Technologiesatellit gestartet
28.10.2013 - Am 25. Oktober gelangte der Satellit Shijian 16 in eine erdnahe Umlaufbahn.
Er soll dort verschiedene Parameter der kosmischen Umgebung erfassen, darunter Strahlung und deren Auswirkung auf die Hochatmosphäre. Außerdem sollen sich weitere Experimente an Bord befinden. Shijian 16 umläuft die Erde auf einer Bahn mit einer Neigung von 74,98 Grad in einer Höhe zwischen 599 und 616 Kilometern.

Als Startrakete wurde eine CZ 4B verwendet, die eine Kapazität von etwa 2,8 t für erdnahe Bahnen besitzt. Erstmals startete die dreistufige Rakete von einer Rampe des Geländes bei Jiuquan. Die vorherigen 18 Starts der 4B waren alle von Taiyuan aus erfolgt.

Ebenso wie im Vorfeld nichts über den geplanten Start bekannt gegeben wurde, existieren kaum Informationen zu Aufbau und Ausrüstung des Satelliten.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, Raumcon)


» Dream-Chaser-Modell bei Test beschädigt - Update
28.10.2013 - Ein flugfähiges Testmodell des Dream Chasers wurde bei einem Abwurftest am Samstag beschädigt, als es sich nach dem Aufsetzen auf der Landebahn überschlug. Update vom 30. Oktober 2013: Mittlerweile hat sich ein Vertreter der Sierra Nevada Corporation dahingehend geäußert, dass es nicht zu einem Überschlag gekommen sei. Das Simulationsmodell sei lediglich über die Landebahn geschlittert.
Hauptsächliche Ursache dafür war die Tatsache, dass sich die Klappe, hinter der das linke Rad verborgen war, nicht geöffnet hatte, so dass ein normales Aufsetzen auf beiden Rädern des Fahrwerkes unmöglich war.

Dies hatte bei einem Test ohne Abwurf am Dienstag noch reibungslos geklappt. Am 22. Oktober hatte man insgesamt drei Testflüge unternommen, bei denen das Modell mittels eines Kabels an einem Hubschrauber befestigt war und blieb. Beim dritten Testflug hatte man zudem das Ausklappen des Fahrwerks und des Gleitsporns am Bug im Vorwärtsflug ausprobiert. Generell wird das Fluggerät beim Absetzen immer auf das ausgeklappte Fahrwerk gestellt.

Nach dem Abheben am Samstag hatte zunächst alles nach einem Erfolg ausgesehen. Die Flugelektronik und -mechanik funktionierte und nach dem Ausklinken des Fluggerätes in etwa 3.600 Metern Höhe glitt dies eine ganze Zeit lang stabil in einem Winkel von im Mittel 23 Grad durch die Luft und setzte wie geplant zur Landung an.

In den Monaten Mai und August hatte man das Dream-Chaser-Modell bereits erfolgreich bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten von einem Fahrzeug auf der Landebahn ziehen lassen und anschließend ausgeklinkt. Damit hatte man Lenkung und Bremsen getestet. Außerdem erfolgte im August auch ein Flugtest am Kabel, bei dem das Fahrwerk ausgefahren wurde.

Der Dream Chaser wird von der Sierra Nevada Corporation unter Mitfinanzierung durch die NASA im Rahmen des Commercial Crew Development Program entwickelt und basiert auf einem NASA-Entwurf. Das Projekt HL 20 wurde bei der NASA jedoch eingestellt. Der Dream Chaser soll an der Spitze einer modifizierten Atlas-5-Trägerrakete Raumflüge im erdnahem Weltraum, etwa zur Internationalen Raumstation, durchführen können. Seine Entwicklung ist allerdings von weiterer Finanzierung durch die staatliche Weltraumbehörde abhängig. Diese wird nur gewährt, wenn zuvor vereinbarte Zwischenziele erreicht werden. Konkurrenten sind CST-100 von Boeing und Dragon von SpaceX.

Video

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, NASASpaceFlight, Parabolic Arc, Sierra Nevada Corporation, Raumcon)


» Vom Alltagsnutzen der Raumfahrt und darüber hinaus
28.10.2013 - „Vom All in den Alltag“ lautete ein Vortrag, den Ex-Astronaut Ernst Messerschmid kürzlich im Bad Homburg hielt. Das ist ziemlich zweideutig. Wäre da nicht der Untertitel „für neues Wissen und Innovationen“, könnte man sich fragen, ob es da nicht auch um sein persönliches Befinden während und nach seinem Weltraumflug geht. So war es natürlich nicht. Aber die eigentliche Faszination ging dennoch weniger von den vielen Fakten als von den Schilderungen seines persönlichen Erlebens aus.
„Vom All in den Alltag“ lautete ein Vortrag, den Professor Dr. Dr.-Ing. E.h. Ernst Messerschmid am 21. Oktober 2013 in Bad Homburg vor der Höhe auf Einladung des dortigen Diskussionskreises Taunus. hielt. So ein Diskussionskreis deckt in der Regel eine große Spanne von Themen ab. Deshalb darf dort zwar ein intellektuell anspruchsvolles, aber eben doch kein ausschließliches Fachpublikum erwartet werden. Daran sollte man sich aber nicht stören, denn schließlich geht es darum, den Nutzen der Raumfahrt einem breiteren Publikum plausibel zu machen.

So ähnlich muss Ernst Messerschmid gedacht haben, als er zusagte. Und er wird sich auch Gedanken gemacht haben, wie man denn ein solches Publikum angemessen erreicht. Sind es die harten Fakten, vielleicht auch unterlegt mit Kosten-/Nutzenanalysen? Ist es die persönliche Faszination, die nur ein Raumfahrer authentisch vermitteln kann? Oder sind es die grundlegenden Einsichten über unser Dasein, die man in 50 Jahren Weltraumfahrt und damit verbundener Erforschung von Erde, Sonnensystem und des übrigen Weltalls gewonnen hat und weiterhin gewinnt?

Messerschmid ging alle drei Wege. Dabei darf man sich das nicht in einer strikten Dreiteilung des Vortrags vorstellen. Routiniert schaffte er fließende Übergänge zwischen den Eckpunkten aus Geschichte und Gegenwart der Raumfahrt, von aus dieser Branche ausgehenden Innovationen, persönlichen Anekdoten und fast schon philosophischen Einsichten. Das führte dazu, dass das Publikum seinen Ausführungen durchweg gespannt und da, wo gewollt und angemessen, amüsiert folgte. Dieses nahm beispielsweise seinen Hinweis auf die von ihm im Rahmen der Astronautenausbildung geflogenen Militärjets ebenso höflich zur Kenntnis wie seine Erklärungen zu den Vorteilen der Herstellung von Metalllegierungen unter den Bedingungen des freien Falls, vulgo Schwerlosigkeit. Es folgte aber sichtlich gespannter seinen Ausführungen etwa zum unvergleichlichen Schlafkomfort im All und der nur hier erlebbaren natürlichen Körperhaltung. Jeder konnte nachvollziehen, wenn er von „schwäbischen Landjägern“ sprach, die er als Ergänzung zur faden Astronautennahrung mit in den Weltraum brachte. Sie erwiesen sich 1985 bei seinem einwöchigen Flug im Rahmen deutschen Spacelab-Mission D1 an Bord der Raumfähre Challenger STS-61A als harte, weil begehrte Tauschwährung, in seinem Fall gegen Filmrollen. Spürbares Staunen im Publikum rief nicht zuletzt eine Aufnahme hervor, die mit dem Saturn im Vordergrund die Erde als winzigen Lichtpunkt im Hintergrund zeigte. Mehr oder weniger ein Nichts im Weltraum, so Messerschmid.

Die Raumfahrt hat seit den 1960-iger Jahren entscheidende Fortschritte auf dem Gebiet der Materialforschung, Miniaturisierung der Elektronik, der Systemtechnik und der Zuverlässigkeit und Sicherheit gebracht, letzteres wegen der prinzipiellen Anforderungen an ein Raumfahrzeug. Leicht und Dauerhaft beziehungsweise auch über lange Zeiträume wartungsfrei sind laut Messerschmid die entscheidenden Kriterien für den Einsatz im Weltall. Bei Metalllegierungen und in der Kristallzüchtung konnten neue Qualitäten erzielt werden. In der Werkstoffwissenschaft konnten so Werkstoffe und Produktionsverfahren auf der Erde optimiert werden. Bauteile wie Turbinenschaufeln wurden damit temperaturresistenter oder langlebiger. Hochleistungsbremsen gehen auf Grundlagenforschungen im All zurück. Bei ICE-Züge sparen sie über sechs Tonnen an Gewicht und sind erheblich wartungsärmer, weil bis 300.000 Kilometer wartungsfrei. Feuerwehranzüge mit Schutzwirkung von -60 Grad Celsius bis 600 Grad Celsius für eine Stunde gehen ebenso auf raumfahrtinduzierte Innovationen zurück wie Sensoren für eine sekundenschnelle Atemgasanalyse.

Breiten Raum nahmen bei Messerschmid die im Weltraum gewonnenen Erkenntnisse über den menschlichen Körper ein. Stichworte waren Raumkrankheit, Lungenventilation oder Herz-Kreislaufsystem. Viele physiologische Erscheinungen im Weltraum hätten etwas mit Alterung zu tun. Zudem liefen diese Effekte dort beschleunigt ab. Die Effekte könnten kontrolliert eingeleitet werden und seien teilweise auch reversibel, wenn der Astronaut wieder auf der Erde ankomme. Große Fortschritte hätte man daher in der Osteoporose-Forschung gemacht. Bei Weltraumfahrern sei der Vorgang um den Faktor 10 bis 20 schneller als auf der Erde bei älteren Frauen. Bei Langzeitflügen verliere der Mensch je ein Prozent an Muskel- und Knochenmasse pro Monat. Frauen seien zu 80 Prozent stärker betroffen als Männer. Funktionsnahrung, Hormone und Training hätten, so Messerschmid, gegen Knochenschwund wenig geholfen. Am besten helfe eine Vibrationsplattform, heute Übungsgerät in jedem besseren Sportstudio.

In der Raumfahrt gibt es verschiedene Nutzergruppen. Da sind zum einen die kommerziellen Nutzer, also Dienstleister beispielsweise für Erdbeobachtung, Satellitenkommunikation oder Satellitennavigation. Hier wird privates Geld investiert. Ein kommerzieller Rundfunk/Fernseh-Satellit von 5 Tonnen und 20 Kilowatt Leistungsaufnahme kostet, so Messerschmid, rund 100 bis 150 Mio. EUR. Das sei etwa ein Zehntel dessen, was man mit ihm verdienen könne. Selbst komplexe Systeme wie die Satellitennavigation könnten ihr Geld verdienen. Weltraum-Tourismus wird sich nach seiner Meinung nicht durchsetzen, weil zu teuer, zu riskant und zu umweltbelastend und von daher generell zu kontingentieren. Der kommerziellen Seite gegenüber stehe die rein wissenschaftliche Weltraumforschung mit Hilfe öffentlicher Gelder. Daneben gebe es noch Aktivitäten, die originäre Staatsaufgabe seien, wie etwa Meteorologie oder militärisch-strategische Aufklärung.

Man konnte Messerschmid anmerken, dass er vom europäischen Beitrag zur Weltraumfahrt einigermaßen enttäuscht ist. In Deutschland würden auf jeden Bürger etwa 28 EUR pro Jahr für die Raumfahrt entfallen. In den USA seien es ca. 150 EUR pro Jahr. Der europäische Anteil an der ISS sei mit 8% relativ gering. Insgesamt belaufe sich der Weltmarkt für Raumfahrt laut Messerschmid auf 200 Mrd. EUR p.a. Davon seien zwei Drittel privates Geld. Weltweit würden etwa 250.000 Menschen in der Weltraumindustrie beschäftigt, davon 30.000 in Europa und darunter rund 7.000 in Deutschland. Die Raumfahrt in Deutschland mache nur etwa 0,4 Prozent des produzierenden Gewerbes aus. Das Mondlande-Programm der USA sei zwar politisch begründet worden, es sei aber letztendlich ein gigantisches Innovations- und Konjunkturprogramm gewesen, von dem die US-Amerikaner noch heute profitieren würden. Innerhalb von drei Jahren sei damals das Forschungs- und Entwicklungsbudget in den USA von anderthalb auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes verdoppelt worden. In Europa betrage es noch heute etwas unter zwei Prozent, in Deutschland komme es gerade an drei Prozent heran.

Messerschmid schloss mit den seiner Ansicht nach drei wesentlichen Gründen für die Weltraumfahrt: Erforschen – Verstehen – Vereinen. Erforschen heißt für ihn, die Grenzen menschlicher Erfahrung auszuweiten und zu inspirieren. Danach komme das Verstehen – Raumfahrt versuche Antworten darauf zu geben, woher wir kommen und wohin wir gehen, was die Erde und das Leben auf ihr konkret bedroht und wie wir uns dagegen schützen können. Und schließlich das Vereinen - Raumfahrt biete Ansätze für globale Unternehmungen ohne nationale Grenzen. Überhaupt sei der größte Nutzen der Raumfahrt die Wahrnehmung der Vielfalt auf der Erde und ihre Einordnung als eine kleine Insel, die es in einer lebensfeindlichen Umgebung zu erhalten gelte. Wer wollte da sagen: „Brauchen wir nicht!“ Nach diesem Abend keiner.


(Autor: Roland Rischer - Quelle: Veranstaltung)


» China startet Erdbeobachtungssatelliten YaoGan 18
30.10.2013 - Der chinesische Erdbeobachtungssatellit YaoGan 18 gelangte am 29. Oktober 2013 in den Weltraum, berichtete beispielsweise das chinesische Staatsfernsehen am gleichen Tag. Der Start erfolgte vom Taiyuan Satellite Launch Center (TSLC) in der nordchinesischen Provinz Shanxi.
Befördert wurde der Satellit von einer zweistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 2C. Es war der 183. Start einer Rakete des Typs Langer Marsch und der 10. erfolgreiche Start eines chinesischen Raumfahrzeugs im Jahr 2013. Er erfolgte um 10:50 Uhr Pekinger Zeit, das ist 3:50 Uhr MEZ, von der Startanlage Nr. 9 des Satellitenstartzentrums Taiyuan.

Nach Angaben aus China handelt es sich bei YaoGan 18, wie bei den schon zuvor gestarteten YaoGan-Satelliten, erneut um ein Raumfahrzeug, das bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung sowie wissenschaftlichen Untersuchungen nützlich sein soll.

Möglicherweise handelt es sich bei YaoGan 18 um einen weiteren Aufklärungssatelliten mit einer Radaranlage an Bord. YaoGan bedeutet schlicht Fernerkundung. Der Satellit umkreist die Erde auf einer etwas über 97 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn in einer Höhe um die 500 Kilometer. Die Bahnparameter und Startumstände gleichen bestimmten früheren Satelliten aus der YaoGan-Serie.

Wahrscheinlich ist der neue Satellit mit einer Radaranlage mit synthetischer Apertur (SAR) mit einer Auflösung im Bereich von 1,5 Metern ausgestattet. Er ähnelt dabei dem möglicherweise als Nachfolger von YaoGan 6 zum Einsatz gebrachten YaoGan 13. Die in Darstellungen des Satelliten erkennbaren flächigen Strukturen an den Seiten des Satelliten könnten noch nicht entfaltete Antennen der Radaranlage sein.

YaoGan 18 alias YG-18 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 39.363 bzw. als COSPAR-Objekt 2013-059A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Raumcon-Forum:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CCTV, chinesisches Verteidigungsministerium, Raumfahrer.net, Xinhua)


» Dream-Chaser-Testdetails
30.10.2013 - Obgleich die Landung aufgrund eines kleinen mechanischen Fehlers spektakulär daneben ging, sind die Ergebnisse insgesamt recht positiv ausgefallen.
Bereits am Kabel hängend wurden vom Testmodell viele Daten erfasst und die Bordelektronik hatte das Fluggerät unter Kontrolle. Nach dem Ausklinken in etwa 3.600 Metern Höhe und zunächst steilem Abstieg zum Aufbauen einer für aerodynamische Flugmanöver erforderlichen Geschwindigkeit, gelangte der Dream Chaser auf eine stabile Flugbahn mit etwa 23 Grad mittlerem Abstiegswinkel. Dabei steuerte er aktiv die Landebahn an.

Veränderungen in der Fluglage ließen anschließend den Winkel abflachen, so wie dies bei einem vom Menschen gesteuerten Landeanflug auch geschieht. Über der Mittellinie der Landebahn maß ein Radarabstandsmessgerät die Flughöhe und löste zum geeigneten Zeitpunkt das Ausklappen des Fahrwerks aus. Beim Aufsetzen bemerkte die Steuerungselektronik die inkorrekte Fluglage und versuchte durch Ausschläge der Steuerruder zu kompensieren.

Lösbar war das Problem auf diese Weise allerdings nicht, so dass der linke Flügelbereich Bodenkontakt bekam. Dadurch wurde das Fluggerät aus der Bahn und in eine heftige Rotation versetzt, so dass es von der Landebahn rutschte und dort eine spektakuläre Sand- und Staubwolke aufwirbelte.

Im Nachhinein wurden allerdings nur verhälnismäßig geringe Beschädigungen festgestellt. Die Kabine blieb heil und das Fahrzeug im Wesentlichen intakt. Insofern war der Testflug ein Erfolg.

Seit mehreren Monaten arbeitet man gemeinsam mit Lockheed am ersten Flugexemplar des Dream Chasers. Für 2014 ist ein bemannter Abwurf geplant, bei dem Piloten den Landevorgang überwachen oder steuern sollen. Nun erwägt man, diesen Test bereits mit dem Flugexemplar vorzunehmen und auf weitere Tests mit dem Testexemplar zu verzichten.

Ein Problem bleibt allerdings die keineswegs gesicherte Finanzierung des Programms. Obwohl der Dream Chaser aufgrund seines Designs eine hohe Sympatie genießt und bisweilen als legitimer Nachfolger des Space Shuttles bezeichnet wird, ist er doch keine eigentliche NASA-Entwicklung. Ein NASA-Programm zum Bau von bemannten Raumschiffen für den erdnahen Raum stellt gegenwärtig die Finanzierungsgrundlage dar. Allerdings haben die politischen Querelen der letzten Monate auch die Teile des NASA-Budgets ins Wanken gebracht, die für die Fördergelder kommerzieller Raumfahrtentwicklung zur Verfügung stehen sollen.

So nimmt man an, dass in der nächsten Förderrunde nur noch maximal zwei der bisher drei konkurrierenden Projekte gefördert würden. Dabei wird mittlerweile von allen drei Kontrahenten das Jahr 2016 für einen ersten Testflug angestrebt. SpaceX hat mit Dragon bereits ein funktionierendes unbemanntes Transportsystem und führt bei jedem Flug Neuerungen ein, die auf den bemannten Einsatz abzielen, Boeing gilt mit der CST-100-Kapsel als erfahrenster Bewerber und kann auf eine bewährte Rakete zurück greifen und der Dream Chaser der Sierra Nevada Corporation genießt in der Öffentlichkeit große Sympatien. Wir werden abwarten müssen, wie das Rennen ausgeht.

Video

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASASpaceFlight, Parabolic Arc, Sierra Nevada Corporation, Raumcon)


» Sieben Planeten bei dem Stern KOI-351
30.10.2013 - Ein internationales Astronomenteam hat das bisher umfangreichste Planetensystem bei einem fremden Stern entdeckt. Der Stern KOI-351 wird von sieben Planeten umkreist. Diese Exoplaneten sind ähnlich angeordnet wie die acht Planeten in unserem Sonnensystem, sind dabei allerdings wesentlich dichter zusammengedrängt. Das System KOI-351 bietet aber trotzdem einen interessanten Vergleich zu unserem Heimatsystem.
Bereits seit mehreren Jahren befinden sich Astronomen und Astrophysiker auf der ganzen Welt auf der Suche nach einem Sternensystem, welches von seinem Aufbau her unserem Sonnensystem ähnelt. Jetzt gelang einem von dem Astrophysiker Dr. Juan Cabrera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof geleitetem Team einen großen Schritt in diese Richtung.

Der rund 2.500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegene Stern KOI-351, so die Astronomen, wird von insgesamt sieben Planeten umkreist. Dr. Juan Cabrera und seine Kollegen betonen in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" die Ähnlichkeit zwischen dem Sternsystem KOI-351 und unserem Sonnensystem: "Kein anderes Planetensystem zeigt eine solche Übereinstimmung mit der ’Architektur’ unserer kosmischen Heimat wie dieses System um KOI-351", so Dr. Cabrera.

Drei der Exoplaneten bei KOI-351 wurden bereits während der letzten Jahren entdeckt. Sie umkreisen ihren Zentralstern mit Perioden von 331, 211 und 60 Tagen und verfügen somit über Umlaufzeiten, welche mit denen der Erde, der Venus und des Merkur vergleichbar sind. Die vier Planeten, welche erst kürzlich von Dr. Cabrera und seinem Team entdeckt wurden, befinden sich zum Teil noch näher an dem Stern und weisen Umlaufzeiten von sieben, neun, 92 und 125 Tagen auf. Der äußerste der sieben Planeten - KOI-351h - umkreist den Stern in einer Entfernung von etwa 150 Millionen Kilometern, was ziemlich genau der Distanz entspricht, in der sich die Erde von der Sonne befindet. Das gesamte Planetensystem von KOI-351 ist somit auf einem relativ engen Raum zusammengedrängt, weist von seinem Aufbau her jedoch sehr große Ähnlichkeiten mit unserem Sonnensystem auf.

Das Planetensystem von KOI-351

"Genau wie bei unserem Sonnensystem sind auf den inneren Bahnen Gesteinsplaneten in ähnlicher Größe wie die Erde zu finden, und auf den äußeren Bahnen Gasriesen ähnlich zu Jupiter und Saturn", so Dr. Cabrera weiter.

Die beiden innersten Planeten - KOI-351b und KOI-351c - sind nur 31 Prozent beziehungsweise 19 Prozent größer als die Erde. Bei beiden Planeten dürfte es sich somit um sogenannte terrestrische Planeten handeln. Neben der Größe dieser Planeten ist bemerkenswert, dass sie sich in einer sogenannten "5:4 Resonanz" befinden. In dem Zeitraum, in dem der Planet "b" seinen Stern fünf mal umrundet, hat der Planet "c" den Stern genau vier mal umkreist. Ähnliche Resonanzen treten in unserem Sonnensystem auch bei den inneren Monden des Jupiter auf.

Der Planet KOI-351d umkreist seinen Stern mit einer Periode von 60 Tagen. Der Durchmesser dieses Planeten ist 2,9-mal größer als der Durchmesser der Erde. Es handelt sich hierbei somit sehr wahrscheinlich um eine sogenannte "Super-Erde" oder um einen "Mini-Neptun". Da die Masse von KOI-351d nicht bekannt ist, ist es bisher nicht möglich zu bestimmen, welcher dieser beiden Kategorien dieser Planet angehört. Die beiden noch weiter außen gelegenen Planeten KOI-351e und KOI-351f sind in etwa so groß wie ihr innerer Nachbar KOI-351d. Das Phänomen, dass benachbarte Planeten in Planetensystemen über ähnliche Größen verfügen, ist den Astronomen bereits aus unserem Sonnensystem bekannt, nämlich von Neptun und Uranus beziehungsweise von der Venus und der Erde. Bei Sternsystemen, in denen sich mehrere Exoplaneten befinden, wurde dies jetzt allerdings erstmalig beobachtet. Auch dies unterstreicht die Ähnlichkeit des Systems KOI-351 zu unserem Sonnensystem.

Bei den beiden äußersten Planeten - KOI-351g und KOI-351h - handelt es sich dagegen um Gasriesen, welche in etwa über den 8-fachen beziehungsweise 11-fachen Durchmesser der Erde verfügen, und die ihren Stern auf langperiodischen Umlaufbahnen innerhalb von 211 beziehungsweise 331 Tagen umkreisen. Auch dies erinnert sehr an unser Sonnensystem, in dem außerhalb der Umlaufbahnen der vier inneren Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars zwei Gasriesen (Jupiter und Saturn) mit 10- beziehungsweise 8-fachem Erddurchmesser die Sonne umrunden.

"Wir können nicht genug betonen, wie wichtig diese Entdeckung ist. Es ist ein großer Schritt auf der Suche nach einem ’Zwilling’ zu unserem Sonnensystem und damit auch auf der Suche nach der zweiten Erde", so Dr. Cabrera. Heike Rauer, die Leiterin der Abteilung "Extrasolare Planeten und Atmosphären" am DLR-Institut für Planetenforschung und Professorin am Zentrum für Astronomie und Astrophysik an der TU Berlin fügt hinzu: "Die Entdeckung dieses komplexen Planetensystems hilft uns, die Prozesse, die solche Planetensysteme entstehen lassen, besser zu verstehen." Und Prof. Dr. Tilman Spohn, der Leiter des DLR-Instituts für Planetenforschung, betont: "Das DLR ist stolz, einen wesentlichen Beitrag zur Entdeckung von neuen Planetensystemen geleistet zu haben."

Erst ein speziell entwickeltes Computerprogramm ermöglichte die Entdeckung

"KOI" ist die Abkürzung für "Kepler Object of Interest". Dies bedeutet, dass der Stern KOI-351 während der Mission des NASA-Weltraumteleskops Kepler - dieses war zwischen den Jahren 2008 und 2013 aktiv und diente in erster Linie der Suche nach extrasolaren Planeten - beobachtet und dabei als 351. Kandidat für die Existenz von Exoplaneten eingestuft wurde. Bei weiterführenden Beobachtungen konnten in diesem Sternsystem dann bereits vor mehreren Jahren drei Exoplaneten bestätigt werden. Bei weiterführenden Auswertungen der Kepler-Daten gelang dem Team um Dr. Cabrera schließlich der Nachweis von vier weiteren Planeten.

Alle Planeten bei KOI-351 wurden dabei mit der so genannten Transitmethode beobachtet. Als "Transit" bezeichnen Astronomen ein minimal ausfallendes, periodisch auftretendes "Abdimmen" des von einem Stern ausgehenden Lichts, welches durch das Vorbeiziehen eines Planeten vor der Sternenscheibe hervorgerufen wird. Diese Beobachtungsmethode hat allerdings den Nachteil, dass dabei nur der Durchmesser eines Planeten, nicht jedoch dessen Masse bestimmt werden kann.

Überhaupt war der Nachweis der "neuen" Planeten erst nach der Entwicklung eines speziellen Computer-Algorithmus möglich. Erst durch die Verwendung dieses Algorithmus waren die Wissenschaftler in der Lage, die charakteristischen Lichtkurven der kleineren Planeten im System von KOI-351 nachzuweisen. Diese neue Technik, so die Wissenschaftler, dürfte wegweisend für die Suche nach ähnlichen Mehrfachsystemen in den großen Datensätzen zukünftiger Weltraumteleskope sein. Die Entdeckung des Teams um Dr. Cabrera wurde kurz darauf auch von einer amerikanischen Forschergruppe um Joseph R. Schmitt von der US-amerikanischen Yale-Universität durch visuelle Überprüfungen der vom Kepler-Weltraumteleskop aufgezeichneten Lichtkurven bestätigt.

Ungewöhnliche Resonanzen zwischen den einzelnen Planeten

"Die Resonanzen der Planetenbahnen sind ein weiteres interessantes Merkmal dieses Systems", so Dr. Szilárd Csizmadia vom DLR und Mitglied des Teams um Dr. Cabrera. Von Resonanzen sprechen Astronomen, wenn zwei oder mehrere Himmelskörper auf ihren Umlaufbahnen in periodischen Zeitabständen so zueinander stehen, dass sie sich mit ihrer Schwerkraft gegenseitig beeinflussen. "Resonanzen spielen auch in unserem Sonnensystem eine wichtige Rolle, beispielsweise bei den Jupitermonden. Sie machen KOI-351 zu einer Art ’Goldmine’ für alle Forscher, die sich mit Planetenformation und der Stabilität von Mehrkörpersystemen beschäftigen".

Diese Resonanzen bei KOI-351 erschwerten die Suche nach den dortigen Planeten allerdings erheblich. Durch die starke Wechselwirkung zwischen den Planeten waren die Signale, die Dr. Cabrera in den Kepler-Daten suchte, nicht mehr wie üblich streng periodisch, sondern wiesen starke Abweichungen in den Umlaufzeiten auf. Prof. Rudolf Dvorak von der Universität Wien hebt dabei den Planeten KOI-351g als besonders interessant hervor.

"Bei ihm dauerte der zuletzt beobachtete Umlauf überraschend einen Tag länger als der vorangegangene. Störungen dieser Art kannte man schon vorher, aber bisher nur mit maximalen Abweichungen von wenigen Minuten."

Eine wegweisende Entdeckung für die Zukunft der Exoplanetenforschung

Die jetzt gelungene Entdeckung ist auch ein Signal für zukünftige Projekte zur Suche nach extrasolaren Planeten und deren Erforschung. Nachdem die beiden erfolgreichen Weltraumteleskope Kepler und CoRoT erst vor wenigen Monaten ihren Dienst einstellen mussten, schauen die "Exoplanetenjäger" unter den Astronomen derzeit voller Hoffnung auf die zur Entscheidung anstehende PLATO-Mission. PLATO (kurz für "PLAnetary Transits and Oscillations of Stars") soll auf den Erfahrungen von Kepler und CoRoT aufbauen und nach Planetensystemen um nahe gelegene und damit relativ helle Sterne suchen, bei denen die umfangreiche Nachbeobachtungen durch erdgestützte Großteleskope relativ einfach möglich sind.

Durch entsprechende Beobachtungsprogramme könnte man neben dem Durchmesser der dabei zu entdeckenden Planeten auch deren genaue Masse bestimmen. Entsprechende Daten würden einen ersten Blick auf die Zusammensetzung und den inneren Aufbau dieser Planeten erlauben. Außerdem wäre es bei solchen nahen Systemen sogar möglich, die Atmosphäre der dort befindlichen Planeten zu untersuchen, in denen sich dann ganz vielleicht sogar Hinweise auf die Aktivität von Lebewesen finden lassen könnten. Entsprechende Untersuchungen wären ein entscheidender Durchbruch auf der Suche nach der ’zweiten Erde’. Die Europäische Weltraumorganisation ESA wird Anfang des Jahres 2014 eine Entscheidung bezüglich der PLATO-Mission treffen.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seite:

Fachartikel von Juan Cabrera et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR)



^ Nach oben

Mars Aktuell: Marsrover Opportunity untersucht Solander Point von Redaktion



• Marsrover Opportunity untersucht Solander Point «mehr» «online»
• Marsrover Curiosity: Der Waypoint 2 ist fast erreicht «mehr» «online»


» Marsrover Opportunity untersucht Solander Point
15.10.2013 - Der Marsrover Opportunity untersucht derzeit eine Geländeerhebung am Westrand des Endeavour-Kraters, wo die Instrumente eines Marsorbiters zuvor Tonminerale nachweisen konnten. In dieser Region soll der Rover auch den demnächst beginnenden Winter verbringen.
Bereits seit dem August 2011 ist der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity damit beschäftigt, einen Teilbereich des westlichen Randes des Endeavour-Kraters zu untersuchen. Durch den Einschlag, welcher zur Entstehung dieses etwa 22 Kilometer durchmessenden Impaktkraters führte, wurde Material freigelegt, welches aus der sogenannten "Noachischen Periode", dem ältesten der drei geologischen Zeitalter des Mars, stammt und das jetzt in dem allerdings bereits stark erodierten Randgebirge enthalten ist, welches den Krater umgibt. Während der letzten Jahre richten die an der Mission beteiligten Wissenschaftler ein besonderes Augenmerk auf die Untersuchung der Grenzschicht zwischen den Gesteinen aus der noachischen Epoche und den unmittelbar benachbarten jüngeren Gesteinsablagerungen.

Verschiedene Untersuchungen des ebenfalls von der NASA betriebenen Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) zeigten, dass sich am Westrand dieses Kraters an verschiedenen Stellen Schichtsilikate und Tonminerale abgelagert haben. Diese Minerale bilden sich auf der Erde ausschließlich unter der Einwirkung von Wasser, welches über einen nahezu neutralen pH-Wert verfügt.

Das Vorhandensein dieser Minerale im Bereich des Endeavour-Kraters wird deshalb als ein Beweis dafür interpretiert, dass sich in diesem Bereich der Marsoberfläche einstmals pH-neutrales Wasser befunden haben muss - und dies über einen auch in geologischen Zusammenhängen betrachtet längeren Zeitraum. Diese Minerale, so die Vermutung, könnten sich zu einer Zeit gebildet haben, welche noch vor der Bildung der sulfathaltigen Minerale begann, die der Marsrover Opportunity zu früheren Zeitpunkten bei der Untersuchung von Gesteinen in der zuvor durchquerten Meridiani-Ebene untersucht hat. Im Gegensatz zu den Tonmineralen bildeten sich die Sulfate durch die Einwirkung von säurehaltigem Wasser.

Solander Point

Im Rahmen seiner Analysen erreichte der Rover bereits im August 2013 den nordöstlichen Rand einer mit dem Namen "Solander Point" belegten Geländeformation, welche einen Teilbereich des stark erodierten Kraterrandes bildet (Raumfahrer.net berichtete). Solander Point verfügt über eine Länge von mehreren Kilometern und erhebt sich um bis zu 60 Meter über den Endeavour-Krater. Somit fällt diese Geländeerhebung deutlich größer aus als die in den Jahren 2011 und 2012 untersuchte Formation "Cape York" und sollte - so die Erwartung der Wissenschaftler - einen noch besseren Einblick in die geologische Geschichte des Mars gewähren.

Während der letzten Tage der Annäherung wurden verschiedene Formationen aus offen zutage liegenden Grundgesteinen, welche anscheinend nicht zu den Ablagerungen aus dem Noachium gehören, sowie mehrere größere Felsbrocken eingehend mit den Analyseinstrumenten und den Kameras des Rovers untersucht. Anschließend begab sich Opportunity noch näher an die Basis des Solander Point und begann mit einer langsamen Umrundung von dessen Nordspitze, wobei systematisch weitere Messungen durchgeführt wurden.

Anfang September erreichte der Rover dabei eine mit dem Namen "Coal Island" belegte Gesteinsformation. Bei Coal Island, so zeigte sich in den folgenden Wochen, handelt es sich lediglich um einen Teil einer etwa 90 Meter langen Hangböschung, welche zugleich die Überganszone zwischen dem alten, noachischen Gestein, aus dem sich Solander Point zusammensetzt, und jüngeren Ablagerungen bildet. Nach dem Abschluss der Analysen von Coal Island bewegte sich Opportunity, dem Verlauf dieser Böschung folgend, über mehrere Wochen hinweg in die nördliche Richtung und untersuchte dabei verschiedene Gesteinsformationen auf beiden Seiten der Übergangszone. Mit einer Fahrt über eine Distanz von 12 Metern, welche am 16. September 2013 - dem Sol 3430 der Mission - erfolgte, erreichte Opportunity schließlich die Nordspitze von Solander Point.

In den folgenden Tagen setzte Opportunity seine Umrundung von Solander Point fort und bewegte sich dabei im Rahmen mehrerer Fahrten in die südwestliche Richtung. Auch hierbei wurden verschiedene interessant erscheinende Gesteinsformationen mit den Instrumenten des Rovers ausführlich untersucht. Das dabei angestrebte Ziel befindet sich etwa 200 Meter südlich der Nordspitze an der Westflanke von Solander Point. Speziell dort, so die neuesten Datenauswertungen des CRISM-Spektrometers an Bord des Orbiters MRO, konzentrieren sich anscheinend größere Mengen an Tonmineralen. Bei dem "Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars", so der vollständige Name dieses Instrumentes, handelt es sich um ein Spektrometer, welches die Marsoberfläche regelmäßig mit 544 verschiedenen Spektralkanälen abtastet und dabei gezielt nach dem Vorkommen von verschiedenen Mineralen sucht.

Der nächste Winter

Auf dem Weg zu dieser "geologischen Schatztruhe" müssen die für den Betrieb des Rovers verantwortlichen Mitarbeiter des JPL derzeit aber ein verstärktes Augenmerk auf die Energiesituation des Rovers richten.

Im Gegensatz zu dem zweiten derzeit aktiven Marsrover der NASA, dem durch einen Radioisotopengenerator mit Strom versorgten Rover Curiosity, ist der mit Solarpaneelen ausgestattete Rover Opportunity bezüglich seiner Energieversorgung ausschließlich auf die Sonnenenergie angewiesen. Aufgrund des Fortschreitens der Jahreszeiten - am 31. Juli 2013 begann auf der südlichen Hemisphäre des Mars der Herbst und Opportunitys Operationsgebiet befindet sich bei 2,3 Grad südlicher Breite - erreicht die Sonne gegenwärtig eine immer niedrigere Höhe über dem Horizont, was letztendlich zu einer immer geringeren täglichen Energieausbeute der Solarzellen führt.

Dieser Effekt kann teilweise dadurch ausgeglichen werden, indem der Rover während der "dunklen Jahreszeit" auf dem Mars nach Norden ausgerichtete Berghänge aufsucht und dort einen Teil des Winters verbringt. Dabei werden die starr am Rover montierten Solarpaneele von Opportunity aufgrund der dadurch gegebenen Ausrichtung des Roverchassis automatisch in Richtung auf die Sonne ausgerichtet, was wiederrum eine höhere Energieausbeute zur Folge haben wird. Eine auf diese Weise herbeigeführte Veränderung des Einfallswinkels des Sonnenlichtes von lediglich zwei bis drei Grad kann zu einer um zehn Prozent veränderten Energieausbeute führen. Ein solches Verweilen in einem Winterquartier war in den vergangenen Jahren bei dem weiter südlich operierenden, mittlerweile aber nicht mehr aktiven Zwillingsrover von Opportunity, dem Rover Spirit, üblich. Und auch Opportunity verbrachte seinen bisher letzten Marswinter "stationär" am Nordhang des Cape York (Raumfahrer.net berichtete).

Aus diesem Grund sind die für die Steuerung von Opportunity verantwortlichen "Roverdriver" des JPL bemüht, für den Rover eine zukünftige Route zu wählen, welche an den Endpunkten einer jeden Fahrt eine gewisse Neigung in die nördliche Richtung aufweist. Aufgrund der in den letzten Wochen immer weiter abgesunkenen täglichen Energieausbeute wurde Opportunity aus diesem Grund am 8. Oktober in die südöstliche Richtung dirigiert. Am Ende dieser Fahrt wurde dadurch eine Neigung von etwa fünf Grad erreicht.

Die Bestrebungen der JPL-Mitarbeiter gehen dahin, dass Opportunity während der kommenden Wintermonate permanent mehr als 0,250 kWh Energie pro Tag generiert. Aber selbst mit einer täglichen Energieausbeute von etwa 220 Wattstunden könnte der Rover noch wissenschaftliche Arbeiten verrichten und sich dabei ein bis zwei mal pro Woche von Ort zu Ort weiterbewegen. Erst ab einen Wert von weniger als 200 Wattstunden pro Tag würde der Rover in einen energiesparenden "Survival Mode" versetzt werden, in dem sämtliche nicht unbedingt notwendigen Aktivitäten auf das absolute Minimum reduziert werden.

Derzeit gehen die für die Missionsplanung verantwortlichen Mitarbeiter davon aus, dass noch bis etwa Mitte Dezember eine Neigung von rund fünf Grad ausreicht, um die gewünschte Energiemenge zu erzeugen. Ab dann wird der Rover Positionen ansteuern, welche Neigungen von zehn Grad aufweisen. Mit der Wintersonnenwende, welche auf dem Mars am 14. Februar 2014 erfolgt, wird dann wahrscheinlich eine Neigung von 15 Grad erforderlich sein. Allerdings zeigen die detaillierten Aufnahmen der an Bord des MRO befindlichen HiRISE-Kamera, dass sich in dieser Region für den Rover zugängliche Bereiche befinden, welche über Neigungen von sogar mehr als 20 Grad verfügen.

Somit, so die Erwartung der Roverdriver und der an der Mission beteiligten Wissenschaftler, sollte Opportunity im Gegensatz zum letzten Marswinter diesmal in der Lage sein, auch in den kommenden Monaten seine Fahrt fortzusetzen und dabei Ziel für Ziel anzusteuern und zu untersuchen.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3458 seiner Mission, hat der Rover Opportunity mehr als 38.000 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei über 185.000 Aufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre des "Roten Planeten" aufgenommen und an sein Kontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Die bisher letzte Fahrt führte dabei am heutigen Tag über eine Entfernung von 23,5 Meter in die ost-südöstliche Richtung.

Trotz der derzeitigen Haushaltssituation in den USA ist der Weiterbetrieb der Opportunity-Mission - wie auch die Fortführung aller anderen durch das JPL betriebenen Weltraummissionen - für noch mindestens eine weitere Woche garantiert.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, The Planetary Society, Unmanned Spaceflight)


» Marsrover Curiosity: Der Waypoint 2 ist fast erreicht
28.10.2013 - Der Marsrover Curiosity befindet sich gegenwärtig nur noch wenige Meter von dem sogenannten Waypoint 2 entfernt. An dieser Stelle wird der Rover seine Fahrt für mehrere Tage unterbrechen und die dort befindlichen Gesteinsformationen ausführlicher analysieren.
Nach dem Abschluss seiner Untersuchungen in der Region Shaler begann der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity seine Fahrt zu dem im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Zentralberges Aeolis Mons (Raumfahrer.net berichtete). Auf der hierfür vorgesehenen Route zum Rand des etwa 5,5 Kilometer hohen Berges wurden von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern insgesamt fünf Punkte - die sogenannten "Waypoints" - ausgewählt, an denen der Rover jeweils mehrtägige Stopps für ausführlichere wissenschaftliche Untersuchungen einlegen soll.

Das wissenschaftliche Ziel dieser Analysen besteht darin, Informationen über die Geologie des Geländes zu sammeln, welches sich zwischen der Region Shaler und dem Aeolis Mons befindet. Diese Daten sollen den Wissenschaftlern dabei helfen, die bisher gewonnenen Informationen in einen Kontext zu den Erkenntnissen zu setzen, welche zukünftig bei den geschichteten Gesteinsablagerungen des Zentralberges erlangt werden. Ein spezielles Augenmerk soll dabei auf geologische Strukturen gerichtet werden, welche offensichtlich durch fließendes Wasser erzeugt beziehungsweise verändert wurden.

Nach dem Abschluss seiner Untersuchungen am ersten dieser Wegpunkte verließ Curiosity diese mit dem Namen "Darwin" belegte Gesteinsformation bereits am 23. September 2013 (Raumfahrer.net berichtete) und begab sich in den folgenden Wochen auf einem fast direkten Weg zu dem zweiten, in südwestlicher Richtung gelegenen Wegpunkt. Auf diesem Weg überbrückte Curiosity dabei bis zum heutigen Tag im Rahmen von 17 Fahrten weitere rund 1.200 Meter.

Vor dem Beginn und nach der Beendigung einer jeden Fahrt wurde das den Rover umgebende Gelände ausführlich mit den verschiedenen Kamerasystemen abgebildet. Des weiteren erfolgten in regelmäßigen Abständen Messungen mit den Instrumenten REMS, RAD, DAN und ChemCam. All diese wissenschaftlichen Aktivitäten waren jedoch zeitlich so geplant, dass dadurch keine Verzögerungen bei der Weiterfahrt auftraten.

Waypoint 2 ist fast erreicht

Nach einer Fahrt über eine Distanz von etwa 93 Metern, welche am heutigen Tag erfolgte, befindet sich Curiosity mittlerweile nur noch wenige Meter nördlich des zweiten Waypoints. In den kommenden Tagen wird sich der Rover seinem neuen Erkundungsgebiet noch weiter annähern und sich dabei so platzieren, dass eine den Wissenschaftlern als interessant erscheinende Gesteinsformation in die Reichweite der beiden am Roboterarm montierten Instrumente, dem APX-Spektrometer und der MAHLI-Kamera, gelangt. Diese Oberflächenformation soll dann in den folgenden Tagen mit dem Großteil der Instrumente des Rovers eingehend analysiert werden.

Allerdings planen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler, sich bei diesen Untersuchungen möglichst kurz zu fassen, damit Curiosity seine Reise zu dem immer noch mehr als fünf Kilometer entfernt gelegenen Ankunftspunkt an der Basis des Aeolis Mons möglichst schnell fortsetzen kann. Die Ankunft am Aeolis Mons ist nach wie vor für den Sommer 2014 vorgesehen.

Der nahende Winter führt zu niedrigeren Temperaturen

Momentan haben die für den Betrieb des Rovers zuständigen Ingenieure und Wissenschaftler etwas mit den immer weiter absinkenden Temperaturen auf dem Mars zu kämpfen. Die maximale Tageshöchsttemperatur, welche kurz nach Mittag erreicht wird, betrug während des vergangenen Wochenendes am Standort des Rovers in einer Höhe von rund 1,5 Metern über der Oberfläche lediglich noch etwa minus 26 Grad Celsius. Die Tiefsttemperatur in der Nacht liegt derzeit bei minus 81 Grad Celsius. Die Temperaturen am Boden schwankten dagegen zwischen minus 11 und minus 92 Grad Celsius. Der Grund hierfür ist das Voranschreiten der Jahreszeiten und der bevorstehende Wechsel vom Herbst zum Winter auf der südlichen Hemisphäre des Mars. Die Wintersonnenwende auf dem Mars erfolgt am 14. Februar 2014 und zumindestens bis dahin dürften die Temperaturen noch weiter absinken.

Die einzelnen Komponenten des Rovers sind so ausgelegt, dass sie für ihren Betrieb eine bestimmte Temperatur benötigen, welche im Bedarfsfall durch die Aktivierung eines internen Heizsystems erreicht wird. Die im Vergleich zu früheren Zeitpunkten der Mission gegenwärtig relativ niedrigen Umgebungstemperaturen haben zur Folge, dass der Rover derzeit eine erhöhte Energiemenge benötigt, um die lebensnotwendigen Systeme auf dieser vorgesehenen Betriebstemperatur zu halten.

Außerdem haben die niedrigen Temperaturen zur Folge, dass vor der Aktivierung eines jeden Instrumentes oder von beweglichen Teilen - zum Beispiel den Gelenken, welche für die Ausrichtung des Instrumentenarms, der HGA-Antenne, des Kameramastes oder der Radgetriebe benötigt werden - zuerst eine im Vergleich zu früheren Missionsphasen erhöhte Energiemenge benötigt wird, um diese Instrumente, Gelenke und Motoren auf die für ihren Einsatz benötigte Betriebstemperatur zu erwärmen. Dies hat zur Folge, dass die tägliche Betriebszeit der Instrumente derzeit entsprechend reduziert werden muss.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 437 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von rund 4.000 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. Seit dem Erreichen des Mars haben die Kamerasysteme von Curiosity 95.797 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit in Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten bei Raumfahrer.net:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS)



 

^ Nach oben

Saturn Aktuell: Sonnenaktivität beeinflusst die Atmosphäre des Titan von Redaktion



• Sonnenaktivität beeinflusst die Atmosphäre des Titan «mehr» «online»
• Raumsonde Cassini: Ein Blick auf die Seen des Titan «mehr» «online»


» Sonnenaktivität beeinflusst die Atmosphäre des Titan
18.10.2013 - Der Mond Titan umrundet die Sonne zusammen mit dem Saturn in einem mittleren Abstand von etwa 1,43 Milliarden Kilometern. Trotz dieser großen Entfernung übt die Sonne einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die oberste Atmosphärenschicht des Saturnmondes aus. Aktuelle Messungen zeigen, dass die Elektronendichte in der Ionosphäre des Titan in einer direkten Verbindung mit der Sonnenaktivität steht.
Mit einem Durchmesser von 5.150 Kilometern handelt es sich bei dem im Jahr 1655 durch den niederländischen Astronomen Christiaan Huygens entdeckten Mond Titan um den größten der 62 bisher bekannten Monde des Planeten Saturn und - nach dem Jupitermond Ganymed - zugleich um den zweitgrößten Mond innerhalb unseres Sonnensystems. Der Titan ist als einziger Mond im Sonnensystem von einer dichten Atmosphäre umgeben. Diese Gashülle besteht hauptsächlich aus Stickstoff, welcher dort mit einem Anteil von rund 98 Prozent vertreten ist. Neben dem Edelgas Argon sind zudem Spuren von Methan, Ethan und weitere komplexe Kohlenwasserstoffverbindungen vertreten.

Nahe der Oberfläche fällt diese Atmosphäre etwa fünfmal dichter aus als auf unserem Heimatplaneten und erreicht dort einen Atmosphärendruck von 1,5 bar, was einen etwa 50 Prozent höheren Wert als auf der Erde darstellt. Die Lufthülle, deren gesamte Masse etwa 1,19 mal größer ausfällt als die Gesamtmasse der Erdatmosphäre, erreicht eine Höhe von mehreren hundert Kilometern und ist mit Wolken und Dunstschleiern durchsetzt.

Der Großteil der Daten, welche den Planetologen gegenwärtig über den Titan zur Verfügung stehen, wurden während der letzten knapp 9,5 Jahre durch die Raumsonde Cassini gewonnen, welche sich bereits seit dem 1. Juli 2004 in einer Umlaufbahn um den Saturn befindet und dabei auch dessen Mond Titan mittlerweile 96 mal im Rahmen von dichten Vorbeiflügen passiert und bei diesen Gelegenheiten mit verschiedenen Instrumenten eingehend untersucht hat.

Neben der Untersuchung des Saturn und dessen Ringsystems stellt der Titan einen der Forschungsschwerpunkte der überaus erfolgreichen Cassini-Mission dar. Ein besonderes Augenmerk richten die beteiligten Wissenschaftler dabei auf die Atmosphäre dieses Mondes, dessen Zusammensetzung vermutlich eine gewisse Ähnlichkeit mit der frühen Atmosphäre unseres Heimatplaneten aufweist.

Sonnenaktivität beeinflusst die Titan-Atmosphäre

Eine kürzlich veröffentlichte Studie führt zu dem Ergebnis, dass das Zentralgestirn unseres Sonnensystems einen deutlich nachweisbaren Einfluss auf die oberste Atmosphärenschicht des Titan ausübt. Diese so genannte Ionosphäre befindet sich in einer Höhe von etwa 1.000 bis 1.300 Kilometern über der Oberfläche des Mondes, wobei Dichte und Ausdehnung dieser Atmosphärenschicht in einem direkten Zusammenhang mit der einfallenden Sonnenstrahlung stehen.

Für diese Studie verwendete ein von Niklas J. T. Edberg vom Institut für Weltraumphysik in Uppsala/Schweden geleitetes Team die Daten, welche zwischen den Jahren 2004 und 2012 im Rahmen von 72 dichten Titan-Vorbeiflügen von einer Langmuir-Sonde gesammelt wurden. Die Langmuir-Sonde ist einer von drei Detektoren, aus denen sich das "Radio and Plasma Wave Science Experiment" (kurz RPWS), eines der 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, zusammensetzt.

Die Langmuir-Sonde von Cassini verfügt über einen Auslegerarm mit einer Länge von einem Meter, an dessen Ende eine Kugel mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern montiert ist. Sie kann Elektronendichten von fünf bis 10.000 Elektronen pro Kubikzentimeter und Energiespektren von 0,1 bis vier Elektronenvolt erfassen. Mit diesem Instrument können die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler die Dichte, die Temperatur und die Geschwindigkeit von geladenen Partikeln in der Umgebung des Saturn registrieren und diese untersuchen.

Im Rahmen ihrer Arbeit stellten die Wissenschaftler fest, dass die Elektronendichte in der Ionosphäre des Titan zu den Zeitpunkten besonders hoch ausfällt, an denen die Sonne erhöhte Dosen an energiereicher Ultraviolett- und Röntgenstrahlung freisetzt. Dieser Fall tritt ein, sobald sich die Sonne in eine aktive Phase während ihres durchschnittlich etwa elfjährigen Sonnenfleckenzyklus befindet. Die von der Sonne ausgehende UV- und Röntgenstrahlung trifft dabei auch auf die Atmosphäre des Titan und spaltet die dort in großen Höhen befindlichen Luftmoleküle in Ionen und Elektronen auf, welche dann von der Raumsonde Cassini beobachtet und untersucht werden können.

Zwischen den Jahren 2004 und 2010 konnten die Wissenschaftler in ihren Messergebnissen keine nennenswerten Veränderungen oder auffällig erhöhte Elektronendichten feststellen. Typischerweise, so zeigten die in diesem Zeitraum erfolgten Messungen, konzentrierten sich in diesem Zeitraum auf der Tagseite des Titan etwa 3.000 Partikel pro Kubikzentimeter in dessen Ionosphäre, auf der Nachtseite dagegen lediglich rund 1.000 Partikel. Zu den Zeitpunkten, an denen die entsprechenden Messungen durchgeführt wurden, wies die Sonne allerdings eine nur geringe Sonnenfleckenaktivität auf und gab dadurch bedingt auch nur geringe Mengen an energiereicher Strahlung ab.

Nach dem Jahr 2010 stieg die Aktivität der Sonne jedoch deutlich an, was sich durch eine Zunahme der Sonnenflecken bemerkbar machte. Bei sechs weiteren Titan-Vorbeiflügen im Jahr 2012, welche zwischen dem 22. Mai und dem 29. November erfolgten, registrierte die Langmuir-Sonde parallel zu dieser angestiegenen Aktivität dann auch einen signifikanten Anstieg der Elektronendichte in der Ionosphäre des Titan, welche 15 bis 30 Prozent betrug. Die Ergebnisse der Messungen lassen sich gut mit der zeitgleich beobachteten Sonnenaktivität und dem dadurch erhöhten Strahlungsausstoß in Einklang bringen.

Hierbei haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftler auch berücksichtigt, dass sich der Saturn seit dem Beginn der Messungen auf seiner elliptischen Umlaufbahn um die Sonne inzwischen um mehr als 100 Millionen Kilometer von dem Zentralgestirn unseres Sonnensystems entfernt hat. Obwohl der Saturnmond Titan somit gegenwärtig immer weniger Sonnenstrahlung empfängt, fällt die absolute Strahlungsdichte an energiereicher UV- und Röntgenstrahlung derzeit aufgrund der erhöhten Sonnenaktivität höher aus als zuvor. Dieser Effekt bewirkt, dass gegenwärtig mehr Moleküle in der Titanatmosphäre ionisiert werden.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Sonnenaktivität derzeit zwar das Maximum des derzeitigen Aktivitätszyklusses erreicht, diese Aktivität aber deutlich geringer ausfällt als bei früheren Aktivitätsmaxima. Theoretische Berechnungen haben ergeben, dass die Elektronendichte in der Titan-Ionosphäre bei einem stärker ausfallenden - sprich "eigentlich normalen" - Aktivitätsmaximum einen Wert von etwa 6.500 Partikeln pro Kubikzentimeter erreichen würde.

Die Erforschung des Titan verbessert das Verständnis der Erde

"Fast die gleichen Mechanismen treten auch auf der Erde auf, wo die möglichen Auswirkungen einer erhöhten Sonnenaktivität auf das Erdklima immer noch diskutiert werden", so Nicolas Altobelli, ESA-Projektwissenschaftler der Cassini-Mission.

Obwohl der Titan die Sonne in einer etwa zehnmal größeren Entfernung als die Erde umkreist kann die Untersuchung von dessen Atmosphäre und des dort ablaufenden Wettergeschehens den Wissenschaftlern somit wertvolle Erkenntnisse über das aktuelle Klimageschehen auf der Erde liefern.

Die Beobachtung des aktuellen Wettergeschehens auf dem Titan ist einer der Beobachtungsschwerpunkte der Raumsonde Cassini und erfolgt in erster Linie durch das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment. Aus Entfernungen von teilweise mehreren Millionen Kilometern werden dabei Aufnahmen angefertigt, welche die Titan-Atmosphäre zeigen.

Durch die dadurch ermöglichte Beobachtung von kleineren Sturmgebieten und markanten Wolkenformationen in den Atmosphären des Titan lassen sich zum Beispiel Aussagen über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten tätigen, welche – vergleichbar mit dem Wetter auf der Erde - einer jahreszeitlich bedingten Veränderung unterliegen. Die nächste Möglichkeit für eine etwas "direktere" Untersuchung der Titanatmosphäre bietet sich dagegen bereits am 1. Dezember 2013. An diesem Tag wird die Raumsonde Cassini den Titan um 01:41 MEZ im Rahmen eines gesteuerten Vorbeifluges passieren und aus einer Überflughöhe von diesmal 1.400 Kilometern erneut mit verschiedenen Instrumenten untersuchen.

Die hier kurz vorgestellten Resultate der Untersuchung der Titanatmosphäre wurden bereits am 13. August 2013 unter dem Titel "Solar cycle modulation of Titan’s ionosphere" in der Fachzeitschrift "Journal of Geophysical Research: Space Physics" publiziert.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn und seine Monde noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Internetseiten:

Fachartikel von Niklas J. T. Edberg et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Raumsonde Cassini: Ein Blick auf die Seen des Titan
27.10.2013 - Der Raumsonde Cassini sind in den vergangenen Monaten einige beeindruckende Aufnahmen der in der Nordpolregion des Saturnmondes Titan gelegenen Kohlenwasserstoffseen gelungen. Der Flüssigkeitspegel einiger dieser Seen scheint Schwankungen aufzuweisen. Von den neuen Daten erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Hinweise auf den Flüssigkeitskreislauf des Titan.
In den letzten Jahren durchgeführte Studien haben zu dem Resultat geführt, dass auf dem 5.150 Kilometer durchmessenden Mond Titan, dem größten der 62 bisher bekannten Saturnmonde, ein regelrechter Flüssigkeitskreislauf stattfindet, welcher im Gegensatz zu dem vergleichbaren Kreislauf auf der Erde allerdings nicht auf Wasser basiert. Bei Oberflächentemperaturen von rund minus 180 Grad Celsius regnen Methan und Ethan aus der Titanatmosphäre ab, welche sich anschließend auf der Oberfläche in ausgedehnten Abflusssystemen sammeln, von wo aus diese flüssigen Kohlenwasserstoffverbindungen zu verschiedenen Seen transportiert werden.

Somit hat sich der Titan neben der Erde als der einzige bekannte Ort innerhalb unseres Sonnensystems herauskristallisiert, an dem auch in der Gegenwart ein Flüssigkeitskreislauf stattfindet. Aus den daran beteiligten Kohlenwasserstoffen könnten sich unter bestimmten Bedingungen auch komplexere organische Verbindungen bilden, welche als die "Grundbausteine des Lebens" angesehen werden. Unter den Exobiologen gilt der Titan daher als einer der derzeit aussichtsreichsten Kandidaten für den Nachweis von extraterrestrischen Lebensformen.

Der Großteil der Daten, welche den Planetologen gegenwärtig über den Titan zur Verfügung stehen, wurden während der letzten knapp 9,5 Jahre durch die Raumsonde Cassini gewonnen, die sich bereits seit dem 1. Juli 2004 in einer Umlaufbahn um den Saturn befindet und dabei auch dessen Mond Titan mittlerweile 96 mal im Rahmen von dichten Vorbeiflügen passiert und bei diesen Gelegenheiten mit verschiedenen Instrumenten eingehend untersucht hat. Dank der dabei gesammelten Daten sind den Planetenforschern derzeit etwa 400 Seen auf der Titanoberfläche bekannt. Ein größerer See, der Ontario Lacus, und mehrere kleinere Seen befinden sich in der Nähe des Südpols des Titan. Der Großteil dieser Seen konzentriert sich jedoch in den hohen nördlichen Breiten des Titan, wo sich eine regelrechte Seenlandschaft befindet.

Im Juli und September 2013 fertigte die Raumsonde im infraroten Spektralbereich detaillierte Aufnahmen der Nordpolarregion des Titan an, mit denen erstmals die gesamte Ausdehnung der dort befindlichen Seen erfasst werden konnte. Dass die dort befindlichen Seen erst jetzt vollständig abgebildet werden konnten, liegt zum einen an den ausgeprägten Jahreszeiten, welche im Saturn-Titan-System auftreten. Als Cassini im Sommer 2004 bei Saturn eintraf, herrschte auf der Nordhemisphäre des Ringplaneten und auf dem Titan noch Winter. Mittlerweile ist dort jedoch der Frühling angebrochen, wodurch sich die Beleuchtungsverhältnisse für Aufnahmen von der nördlichen Hemisphäre entsprechend verbessert haben.

Zusätzlich erschwerte zudem bisher die Titanatmosphäre einen Blick auf die Oberfläche des Mondes. Der Titan ist als einziger Mond in unserem Sonnensystem von einer dichten Atmosphäre umgeben. Diese Gashülle besteht hauptsächlich aus Stickstoff, welcher dort mit einem Anteil von rund 98 Prozent vertreten ist. Neben dem Edelgas Argon sind zudem Spuren von Methan, Ethan und weitere komplexe Kohlenwasserstoffverbindungen vertreten. Nahe der Oberfläche fällt diese Atmosphäre etwa fünfmal dichter aus als auf unserem Heimatplaneten und erreicht einen Atmosphärendruck von 1,5 bar, was einen etwa 50 Prozent höheren Wert als auf der Erde darstellt. Die Lufthülle, deren gesamte Masse etwa 1,19 mal größer ausfällt als die Gesamtmasse der Erdatmosphäre, erreicht eine Höhe von mehreren hundert Kilometern und ist mit Wolken und Dunstschleiern durchsetzt.

Speziell diese aus feinen Aerosolen bestehenden Dunstschichten verhindern jeglichen Blick im Bereich des sichtbaren Lichtes auf die Titanoberfläche, welche lediglich bei Wellenlängen im Infrarotbereich des Lichtes abgebildet werden kann. Außerdem konzentrierte sich in den letzten neun Jahren über dem Nordpol des Titan eine zusätzliche und besonders dichte Schicht aus Wolken und Dunst, welche auch für die im Infrarotbereich arbeitenden Abbildungsinstrumente der Raumsonde nahezu undurchdringlich war. Mit dem Fortschreiten der Jahreszeiten und dem damit verbundenen leichten Temperaturanstieg auf der Nordhalbkugel des Titan hat sich diese Schicht jetzt weitgehend aufgelöst.

Ein weiterer Grund für die erst jetzt erfolgreichen Aufnahmen ist die Flugbahn der Raumsonde durch das Saturnsystem. Aktuell verfügt die Raumsonde auf ihrer Umlaufbahn um den Saturn über eine Inklination von 51,9 Grad. Dieser Flugverlauf ermöglicht es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern speziell die Polarregionen des Saturn und des Titan im Detail abzubilden und zu untersuchen.

"Die Aufnahmen von Cassinis Visual and Infrared Imaging Mapping Spectrometer bieten uns eine Gesamtansicht von einer Region, die wir bislang nur in kleinen Teilbereichen und mit niedriger Auflösung gesehen haben", so Jason Barnes von der University of Idaho, einer der Mitarbeiter des Teams des Visual and Infrared Imaging Mapping Spectrometers (VIMS), mit dem die Beobachtungen durchgeführt wurden. "Dabei hat sich herausgestellt, dass der Nordpol von Titan noch interessanter ist, als wir bisher annahmen. Es existiert ein komplexes Wechselspiel der Flüssigkeiten in den Seen und Meeren mit Ablagerungen, die durch Verdunstung entstanden sind."

Ein Teilbereich der nördlichen Seenlandschaft des Titan wurde dabei mit den neu angefertigten Aufnahmen erstmals abgebildet. Die Oberfläche scheint sich hier deutlich von der Oberfläche in anderen Regionen des Saturnmondes zu unterscheiden. Dies, so die Wissenschaftler, könnte eventuell erklären, warum sich fast alle Seen des Titan ausgerechnet in dieser Region befinden. Aufgrund der variierenden Form der Titanseen werden für diese gegenwärtig verschiedene Entstehungsszenarien diskutiert, welche vom Einsturz der Oberfläche nach vulkanischen Eruptionen bis hin zu Prozessen reichen, die auf der Erde zur Entstehung von Karstlandschaften geführt haben.

"Seit der Entdeckung der Seen auf dem Titan haben wir uns gefragt, warum diese sich in den hohen nördlichen Breiten konzentrieren", so Elizabeth Turtle vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University in Laurel im US-Bundesstaat Maryland. "Die Entdeckung, dass die Oberfläche dort irgendwie besonders ist, könnte ein wichtiger Hinweis sein, um die möglichen Erklärungen einzugrenzen."

Die jetzt gewonnenen Aufnahmen beruhen auf Daten, welche während der Cassini-Vorbeiflüge "T-92" bis "T-94" am Titan - diese erfolgten am 10. Juli, am 26. Juli und am 12. September 2013 - gesammelt wurden. Die angefertigten Aufnahmen zeigen die variierende Zusammensetzung der Oberfläche rund um die großen Seen auf der Nordhemisphäre.

Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass einige der Seen von hellen Säumen umgeben sind. Dies, so die an der Mission beteiligten Wissenschaftler, könnte darauf hindeuten, dass der Flüssigkeitspegel in diesen Seen nicht konstant ist sondern vielmehr gewissen Schwankungen unterliegen. Vergleichbar mit den Salzseen auf der Erde, trocknen manche der Seen auf dem Titan anscheinend teilweise aus und hinterlassen eine ebene Fläche, auf der sich die ehemals in der Flüssigkeit gelösten Stoffe abgelagert haben.

"Die nördliche Seenlandschaft des Titan ist eine der erdähnlichsten und faszinierendsten Regionen im Sonnensystem", so Linda Spilker, Cassini-Projektwissenschaftlerin am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena/Kalifornien. "Wir wissen, dass sich die Seen auf der Erde im Laufe der Jahreszeiten verändern. Die langlebige Cassini-Mission ermöglicht es uns, solche saisonalen Veränderungen auch auf dem Titan zu beobachten."

Die nächste Möglichkeit für eine direkte Untersuchung des Titan bietet sich bereits am 1. Dezember 2013. An diesem Tag wird die Raumsonde Cassini den Titan um 01:41 MEZ erneut im Rahmen eines gesteuerten Vorbeifluges passieren und aus einer Überflughöhe von diesmal 1.400 Kilometern mit verschiedenen Instrumenten untersuchen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn und seine Monde noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit im Raumcon-Forum:

Verwandte Internetseiten:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)



 

^ Nach oben

ISS Aktuell: Cygnus-COTS 1 ist Geschichte von Redaktion



• Cygnus-COTS 1 ist Geschichte «mehr» «online»
• ATV 4 verabschiedet sich von der ISS «mehr» «online»


» Cygnus-COTS 1 ist Geschichte
23.10.2013 - Der erste Cygnus-Frachter der Firma Orbital Sciences Corporation wurde gestern gegen Mittag (13.31 Uhr MESZ) frei gegeben und verglühte heute nach 20 Uhr unserer Zeit in dichten Schichten der Erdatmosphäre.
Bei seiner Demonstrationsmission war Cygnus 23 Tage am ISS-Modul Harmony angekoppelt. Er brachte etwa 590 Kilogramm Fracht, darunter Lebensmittel, Bekleidung und Experimente von Studenten US-amerikanischer Universitäten, zur Internationalen Raumstation, die nach dem Andocken am 29. September in die Raumstation transportiert wurden.

Der Start war zuvor bereits am 18. September gestartet und sollte ursprünglich wenige Tage danach ankoppeln. Zunächst hatte man jedoch ein kleines Kompatibilitätsproblem mit der Formatierung der GPS-Datensätze zu lösen und anschließend ließ man einem anfliegenden Sojus-Raumschiff den Vortritt. Alle geplanten Manöver zur Annäherung verliefen danach reibungslos und so konnte die NASA einen weiteren Erfolg im Rahmen eines Programmes verkünden, bei dem kommerzielle Unternehmen Fertigung und Transport eines Frachters anbieten und die Weltraumorganisation lediglich eine Dienstleistung in Anspruch nimmt (COTS = Commercial Orbital Transportation Services/CRS = Commercial Resupply Services).

Der erste Cygnus-Flug im Rahmen des CRS-Programmes soll noch in diesem Jahr gestartet werden. Im Laufe der Zeit sollen dann stärkere Oberstufen eingesetzt werden, so dass sich die mögliche Nutzlastkapazität erhöht. Ab dem vierten Flug soll sich dies auch im Volumen des Frachtraumes ausdrücken. Dessen Länge wird von 3,66 m auf 4,86 m steigen, das Volumen von gegenwärtig 19 auf dann 27 Kubikmeter. So können auch sperrigere Teile zur ISS transportiert werden.

Interessanterweise wurde nach dem Lösen der Verbindung zum großen Manipulatorarm der Station das Abbruch-Kommando gegeben, nach dem sich der Frachter relativ zügig von der Station entfernte. Dieses Kommando wurde eingentlich implementiert, um bei einem Zwischenfall beim Annäherungsmanöver dieses sofort abzubrechen und den Frachter in Richtung Erde navigieren zu lassen. Dafür gibt es auf einem speziellen Bedienpaneel an Bord der Station einen Schalter. Also wurde auf die Programmierung einer weiteren Prozedur für den Abflug von der Station verzichtet und das ohnehin bereits vorhandene und getestete Programm verwendet.

Die USA verfügen nun mit Dragon der Firma Space Exploration Technologies und Cygnus von OSC über zwei Frachtraumschiffe zur Belieferung der Internationalen Raumstation mit Nahrungsmitteln, Bekleidung, Experimenten, Werkzeugen, Ersatzteilen aber auch neuen Anlagen. Cygnus bietet hierbei nach seiner Erweiterung über einen größeren Innenraum als Dragon. Dafür kann Dragon Außenfracht zur Station und Rückkehrfracht zur Erde transportieren. Beide Systeme ergänzen sich also gegenseitig.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)


» ATV 4 verabschiedet sich von der ISS
28.10.2013 - Heute früh wurde der vierte Frachter der Europäischen Weltraumorganisation ESA nach erfolgreichem Einsatz vom Heck der Internationalen Raumstation abgekoppelt.
Nach mehreren Bremsmanövern soll der Frachter am Samstag in dichte Schichten der Erdatmosphäre eintreten und weitgehend verglühen. Ihm folgt im kommenden Jahr noch ein fünftes Raumschiff, bevor diese kurze Ära europäischer Raumfahrt zu Ende geht.

Das ATV mit der Nummer 4 wurde am 5. Juni vom Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch Guayana an der Spitze einer Ariane-5-Trägerrakete gestartet und trägt den Beinamen Albert Einstein. Es besaß mit Treibstoffen und Fracht eine Gesamtmasse von reichlich 20,2 Tonnen. Davon entfielen etwa 6,6 Tonnen auf die einzelnen Bestandteile der Nutzlast.

Den größten Anteil daran besaßen mit 3,44 Tonnen Treibstoffe für Bahnanhebungsmanöver der ISS mit den ATV-Triebwerken sowie zum Nachfüllen der ISS-Tanks. In weiteren Tanks befanden sich zudem 570 kg Wasser, 66 kg Luft und 33 kg Sauerstoff. Die sogenannte Trockenfracht umfasste etwa 1.400 verschiedene Teile mit einer Gesamtmasse von 2,5 Tonnen. Dazu zählten Bekleidung, Nahrungsmittel, Experimentiereinrichtungen und -materialien sowie Werkzeuge.

Der Frachter hatte am 15. Juni mit höchster Präzision am ISS-Modul Swesda angekoppelt und in den Monaten August, September und Oktober drei größere Bahnanhebungsmanöver für die gesamte, mehr als 400 t träge Station durchgeführt. Nach dem Entladen der Fracht waren Tanks und Frachtraum des Raumschiffs mit Abfällen versehen worden. Am 25. Oktober wurden die Luken am Heck der Station geschlossen.

ATV 4 machte damit heute Platz für das Raumschiff Sojus-TMA 09M, das in den kommenden Tagen (1.11.2013) von seinem bisherigen Anlegeplatz am Modul Rasswjet abgekoppelt wird und anschließend am Heck wieder andockt. Am 7. November startet dann das Raumschiff Sojus-TMA 11M, das dann an Rasswjet festmacht. Am 9. November soll dann bei einem Außenbordeinsatz eine Olympische Fackel symbolisch auch den erdnahen Weltraum erhellen.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Roskosmos, Raumcon)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #503
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
31. Oktober 2013
Auflage: 4950 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Timo Lange
Daniel Maurat
Kirsten Müller
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Peter Rittinger
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding
Hans Lammersen
Michael Clormann
Roland Rischer

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Karl Urban und David Langkamp.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2013 by Raumfahrer.net.