InSpace Magazin #496 vom 23. Juli 2013

InSpace Magazin
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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #496
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

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Curiosity ist auf dem Weg zum Aeolis Mons

> Saturn Aktuell:
Cassini beginnt den Saturn-Umlauf Nummer 196

> ISS Aktuell:
Zweite EVA der Expedition 36 sehr erfolgreich

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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

am Donnerstag ist es nach einer etwas längeren Pause mal wieder so weit: Der Spacelivecast geht auf Sendung und berichtet von einem Start der Ariane V mit den beiden Satelliten Alphasat XL und INSAT 3D. Wenn Sie mehr zu der europäischen Rakete und den beiden Nutzlasten erfahren wollen, dann schalten Sie am Donnerstag ab 21:30 Uhr unter http://spacelivecast.de ein. Der eigentliche Start wird dann zwischen 21:53 Uhr und 23:11 Uhr stattfinden.

Viel Freude bei der Lektüre dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
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News

• ALMA beobachtet Geburt eines Monstersterns «mehr» «online»
• Der azurblaue Planet - HD 189733b «mehr» «online»
• Sparobjekt Erdbeobachtungsmissionen der NASA «mehr» «online»
• Shijian 11-05 gestartet «mehr» «online»
• Wasser auf Exoplaneten von der Erde aus nachweisbar «mehr» «online»
• 26. ASE-Kongress Köln - Erster Tag «mehr» «online»
• Atlas V mit Navy-Kommunikationssatellit gestartet «mehr» «online»
• 26. ASE-Kongress - Zweiter (und dritter) Tag «mehr» «online»
• China startet drei Technologiesatelliten «mehr» «online»
• Schneegrenze bei TW Hydrae bestimmt «mehr» «online»
• Ein Blick aus der Ferne auf Erde und Mond «mehr» «online»


» ALMA beobachtet Geburt eines Monstersterns
10.07.2013 - Mit dem Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) wurde eine kalte Gaswolke entdeckt, die vermutlich den Vorläufer eines Sterns darstellt. Dieser Protostern besitzt über 500 Sonnenmassen und aus ihm wird vermutlich ein Stern mit rund 100 Sonnenmassen entstehen.
ALMA beobachtete dazu die Gaswolke SDC 335.579-0.292 (SDC steht für Spitzer Dark Cloud - also eine vom Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer entdeckte dunkle Gaswolke). Neben Spitzer haben auch die Weltraumteleskope Hubble und Herschel diese Gaswolke aufgenommen, um über möglichst viele Wellenlängen dieses Objekt beobachten zu können. ALMA arbeitet von diesen Systemen mit den größten Wellenlängen, kann als großräumiger Teleskopverbund aber dennoch viel höhere Auflösungen und Empfindlichkeiten erreichen als die Weltraumteleskope. Daher konnte erst auf den ALMA-Bildern genau erkannt werden, wie viel Material vorhanden ist und wie die Dynamik dieser Gaswolke ist.

Im Inneren von SDC 335.579 befinden sich demnach zwei Massenzentren (MM1 und MM2 genannt), in denen sich große Mengen an Gas bereits relativ stark konzentriert haben. Aus diesen beiden Strukturen werden sich voraussichtlich durch weiteren Kollaps zwei Sterne bilden. MM1 besitzt dabei derzeit um die 545 Sonnenmassen, MM2 etwa 65. Diese Zahlen sind zwar mit sehr großen Unsicherheiten behaftet (so könnten beide auch mehr als doppelt so schwer oder auch zwei Drittel leichter sein), aber dennoch ist MM1 der wohl schwerste Protostern der jemals in der Milchstraße beobachtet wurde. Zu diesen Protosternen kommen noch 6 Filamente - also Gasströme, die in diese Zentren hineinströmen. Diese Filamente wurden mit F1 bis F6 bezeichnet. Alle Filamente strömen dabei in MM1, lediglich F2 strömt in MM2 hinein.

Wenn die Protosterne weiter kollabieren beginnt in ihnen irgendwann die Kernfusion. Durch den dann einsetzenden Sternwind wird eine Menge Material fortgeblasen, wodurch nicht das ganze Material des Protosterns auch Teil des Sterns werden kann. Daher wird aus MM1 vermutlich nur ein Stern von rund 100 Sonnenmassen entstehen, obwohl mehr als das fünffache dieser Masse zur Verfügung stehen würde. Aber auch ein solcher Stern würde zu den größten überhaupt bekannten gehören und damit ein sehr seltenes Exemplar darstellen. Zum einen enstehen überhaupt nur sehr wenige Sterne dieser Größe, zum anderen gilt, dass je größer ein Stern ist, umso größer auch seine Fusionsrate ist. Daher haben größere Sterne ein viel kürzeres Leben als kleinere und explodieren schon nach wenigen Millionen Jahren in einer Supernova, während kleinere Sterne viele Milliarden Jahre bestehen bleiben können.

Fachartikel:

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: ESO)


» Der azurblaue Planet - HD 189733b
11.07.2013 - Mithilfe des Hubble-Weltraumteleskops konnte erstmals die sichtbare Farbe eines Exoplaneten ermittelt werden. Durch die Beobachtung einer Sekundärbedeckung lies sich herausfinden, dass der heiße Gasplanet HD 189733b ähnlich wie die Erde aus der Ferne in tiefem Blau erstrahlt.
HD 189733b ist ein nur 63 Lichtjahre entfernter Planet, der zur Gruppe der "heißen Jupiter" gehört. Das sind Gasplaneten, die in großer Nähe um ihren Stern kreisen und dadurch sehr hohe Temperaturen aufweisen. Aus systematischen Gründen sind solche Planeten am einfachsten zu entdecken. In diesem Fall wurde der Planet 2005 mithilfe der Transitmethode entdeckt. Das heißt, dass der Planet vor seinem Stern entlangzieht und ihn dadurch verdunkelt. Dieser Helligkeitseinbruch erlaubt Rückschlüsse auf die Größe und Umlaufzeit des Planeten.

Weitere Erkenntnisse lassen sich durch präzise Analysen während eines Transits gewinnen. So geht Licht des Sterns durch die Atmosphäre hindurch. Daraus lassen sich durch sehr exakte Analysen des beobachteten Lichts Transmissionsspektren des Planeten erstellen. Damit sind in den letzten Jahren für HD 189733b viele Elemente und Moleküle nachgewiesen worden, die dessen Atmosphäre prägen. So konnten unter anderem Wasser, Methan, Kohlenmonoxid oder Natrium aufgespürt werden. HD 189733b ist einer der am besten untersuchten Planeten überhaupt.

Solche Beobachtungen liefern aber keine Erkenntnisse darüber, wie der Planet für uns erscheinen würde, wenn wir ihn mit unseren eigenen Augen sehen könnten. Dazu hat Hubble diesmal nicht während einer Primärbedeckung (Planet zieht vor dem Stern entlang), sondern während einer Sekundärbedeckung (Planet zieht hinter dem Stern entlang) HD 189733 beobachtet. Wenn das passiert, entfällt das vom Planeten reflektierte Licht, was ebenfalls zu einer Abdunkelung führt. Diese ist allerdings viel schwächer als die Verdunkelung während einer Primärbedeckung. Dabei wurde das STIS-Spektrometer von Hubble in sechs Spektralbereiche eingeteilt. Während der Bedeckung gab es im blauen Bereich einen deutlich sichtbaren Abfall (wenn auch nur von etwa 0,1 Promille). Die einfache Schlussfolgerung ist, dass dieser Planet blau ist.

Vermutete Ursache für die blaue Färbung sind Silikatpartikel in der rund 1000°C heißen, turbulenten Atmosphäre von HD 189733b. Hinweise auf dadurch verursachte Streuung fanden sich bereits in den Transmissionsspektren, aber erst jetzt kann man sicher sein, dass der Planet dadurch wirklich blau erscheint.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: ESA/NASA)


» Sparobjekt Erdbeobachtungsmissionen der NASA
15.07.2013 - Die Erdbeobachtungsmissionen der NASA könnten zum Sparobjekt werden. Die US-Weltraumbehörde nimmt dies zum Anlass, ihre diesbezügliche Satellitenflotte in Erinnerung zu rufen und vor Einschnitten zu warnen.
Die erdbeobachtenden Satelliten der NASA stehen sicherlich nicht im Zentrum des öffentlichen Interesses an Weltraummissionen. Im entsprechenden Direktorat wird man sich damit gezwungenermaßen arrangiert haben und sich vielleicht damit motivieren, dass hier zu etwas lebensnäheren Fragestellungen wissenschaftliche Grundlagenarbeit geleistet wird, etwa dem Klimawandel auf der Erde.

Doch in dieser gar nicht so kleinen Nische werden sich einige kräftig erschrocken haben, als sie von der Kampfansage im Gegenentwurf zum NASA-Haushalt 2014 der Republikaner im US-Kongress erfuhren. Nicht nur die Asteroiden-Mission soll gestrichen werden, auch das Teilbudget Erderforschung im Budget für Wissenschaftsmissionen der NASA soll kräftig reduziert werden. Es wurde vorgeschlagen, mal eben rund ein Drittel einzusparen und mit 1,2 statt 1,9 Mrd. US-Dollar auszukommen.

Die NASA regierte umgehend und erstellte eine Grafik, mit der sie an die laufenden US-Missionen im Erdorbit erinnert. NASA-Chef Charles Bolden persönlich ließ es sich nicht nehmen, auf den hohen Stellenwert der weltraumgestützten Erderforschung in der NASA-Budgetanforderung 2014 des US-Präsidenten hinzuweisen. Neben der kurzfristigen Wettervorhersage und der langfristigen Klimabeobachtung werden Umweltveränderungen, Waldbrände und der Zustand der Vegetation überwacht. Die inzwischen langen Zeitreihen vergleichbarer Daten sind dabei ein wichtiges Argument für die Fortsetzung von Missionen.

Momentan dienen 16 Satelliten der NASA der Erderforschung. Nummer 17, Jason 1, wurde am 3. Juli 2013 außer Dienst gestellt. Die älteste der laufenden Missionen, TRMM (Tropical Rainfall Measuring Mission), wurde 1997 gestartet. Die jüngste ist Landsat 8, welche im Februar 2013 in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde. Bis 2020 stehen sieben weitere Starts von Erdbeobachtungssatelliten der NASA an, davon vier im Jahr 2014. Dies sind GPM (Global Precipitation Mission; Niederschlagsmessung), OCO 2 (Orbiting Carbon Observatory; CO2-Beobachtung), SMAP (Soil Moisture Active Passive, Messung der Bodenfeuchtigkeit) und SAGE III (Stratopheric Aerosol and Gas Experiment; Messung der vertikalen Zusammensetzung und Schichtung der Atmosphäre), das von SpaceX zur Internationalen Raumstation gebracht wird. Diese Projekte sind schon weit fortgeschritten und daher nicht ganz so stark gefährdet. Aber danach ab 2015 könnten als Teil eines Kompromisses zwischen US-Republikanern und -Demokraten Budgetstreichungen in der Erderforschung wirksam werden.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA)


» Shijian 11-05 gestartet
16.07.2013 - Gestern wurde der chinesische Satellit Shijian 11-05 vom Kosmodrom Jiuquan aus gestartet.
Über die Aufgaben des Orbiters ist international wenig bekannt. Shijian bedeutete etwa so viel wie Erprobung oder Übung. Offiziell dient der Satellit weltraumwissenschaftlichen und technologischen Experimenten. Vermutet wird, dass Shijian mit hochauflösenden Kameras ausgerüstet ist, welche die Erdoberfläche in verschiedenen Spektralbereichen erfassen und in erster Linie der Frühwarnung dienen.

Der Start an der Spitze einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 2C fand am 15. Juli 2013, gegen 11.27 Uhr MESZ statt. Die Umlaufbahn liegt in einer Höhe um 695 km bei einer Bahnneigung von etwa 98 Grad.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua)


» Wasser auf Exoplaneten von der Erde aus nachweisbar
16.07.2013 - Ein britisch-holländisches Team von Astronomen hat mit erdgebundenen Teleskopen Wasser in der Atmosphäre eines Exoplaneten nachgewiesen. Dies erleichtert den Astronomen die Suche nach potenziell Leben tragenden Planeten.
Die Existenz von Exoplaneten ist mittlerweile nichts Besonderes mehr. Daher gehen die Astronomen einen Schritt weiter und versuchen, die Atmosphären dieser Himmelkörper auf ihre Beschaffenheit hin zu untersuchen. Dabei hat nun ein Team unter der Leitung der britischen Astronomin Jayne Birkby von der Universität Leiden die Existenz von Wasser in der Atmosphäre eines Exoplaneten von der Erde aus nachgewiesen.

Bei dem Himmelskörper handelt es sich um den vor acht Jahren durch den Satelliten Hipparcos nachgewiesenen Planeten HD 189733b, einen sehr nah an seinem Heimatstern kreisenden jupiterähnlichen Planeten mit einer Oberflächentemperatur von wahrscheinlich mehr als tausend Grad Celsius. Sein Stern HD 189733 ist etwa 63 Lichtjahre von der Erde entfernt, also eigentlich nur einen Katzensprung.

Dieses Objekt nahmen die Wissenschaftler mit dem europäischen Very Large Telescope (VLT) in Chile unter die Lupe. Dabei suchten sie Wassermoleküle in der Atmosphäre des Planeten, was schon aus dem Grund nicht leicht war, weil man durch die irdische, ebenfalls mit Wasser durchsetzte Atmosphäre zunächst einmal hindurch sehen und das Spektrum des irdischen von dem des exoplanetaren Wassers sauber trennen musste. Indem dies nun gelungen ist, stehen den Wissenschaftlern neue Fenster zur genaueren Analyse der Atmosphären von Exoplaneten zur Verfügung. Sie sind nicht mehr allein auf Teleskope in den Umlaufbahnen oder auf Raumsonden angewiesen, sondern können von der Erde aus derartige Untersuchungen anstellen.

Die beteiligten Wissenschaftler haben als nächstes das Ziel, die Methode auch auf kleinere Planeten anzuwenden. Doch dazu sind auch bei den erdgebundenen Teleskopen größere Öffnungen notwendig. Daher warten auch Birkby und ihre Kollegen auf den Nachfolger des VLT – das Extremely Large Telescope der Europäer, welches in 9 Jahren seine Arbeit aufnehmen soll.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: Spiegel online, welt.de)


» 26. ASE-Kongress Köln - Erster Tag
19.07.2013 - Unter dem Motto „Citizens of Space – Stewards of Earth“ fand 1. bis zum 5. Juli 2013 in Köln und Umgebung der diesjährige Kongress der Association of Space Explorers (ASE) statt. Über achtzig Astro-, Kosmo- und Taikonauten aus siebzehn Ländern trafen sich, um sich über verschiedene Raumfahrtthemen auszutauschen.
Prominenteste Anwesende waren der Russe Alexej Leonow, der 1965 mit Wosschod 2 den ersten Ausstieg aus einem Raumschiff unternommen hatte, sowie Apollo-9-Astronaut Rusty Schweickart, außerdem viele russische Kosmonauten aus den Saljut- und MIR-Programmen, US-amerikanische Veteranen aus dem Space-Shuttle-Zeitalter, internationale europäische und asiatische ehemalige Raumfahrer, aktive US-amerikanische und russische ISS-Astro- und Kosmonauten sowie die beiden chinesischen Raumfahrer (Taikonauten) Yang Liwei und Liu Boming. Organisiert hatte den Kongress dieses Jahr der deutsche MIR-Astronaut Reinhold Ewald. Die ASE ist eine 1985 gegründete Non-profit-Vereinigung all jener, die jemals im Weltraum waren, und hat jetzt 375 Mitglieder aus 35 Ländern.

Die Veranstaltungen des Kongresses fanden an verschiedenen Orten statt: Köln, Aachen, Bonn, Porz-Wahnheide. Teils waren sie öffentlich, teilweise waren es technische halböffentliche Sitzungen.

1. Juli – Universität Köln

Bei der Eröffnungsveranstaltung am 1. Juli in der Universität Köln bekam Dr. Heinz Riesenhuber, Bundesforschungsminister während der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl, den Crystal Helmet Award dafür überreicht, dass er durch seine Arbeit die Raumfahrt nach Europa geholt hat.

In einer anschließenden Pressekonferenz wurde von verschiedenen Aktivitäten der ASE erzählt; so werden unter anderem Stipendien für junge Leute vergeben und Community-Tage veranstaltet. Auch sind einige Astronauten aktiv in den social media; so gibt es welche, die auf Twitter und Flickr über ihr Training berichten und man kann dem DLR-Tweetup folgen.

Auch hat sich nach dem Kalten Krieg das Verhältnis der Astro- und Kosmonauten zueinander geändert. Im Prinzip gibt es zwar verschiedene Namen: Astronauten, Kosmonauten und Taikonauten, aber alle trainieren sie für den gleichen Job. Eigentlich gibt es jetzt 3 Gruppen von Raumfahrern: eine, die nur Englisch spricht, eine die nur Russisch spricht und eine, die nach dem Kalten Krieg das Astronautentraining gemacht hat und beide Sprachen spricht. Damit verstehen sie sich jetzt besser und besser. Aktiven NASA-Astronauten ist es seit 1998 erlaubt, an den ASE-Kongressen teilzunehmen.

Die bemannte Raumfahrt in der Zukunft, 2030, wird von den Anwesenden verschieden gesehen: Dumitru Prunariu, ASE-Gründungsmitglied aus Rumänien, sieht vor sich, dass es dann jede Menge kommerzielle Raumfahrt und vielleicht sogar ein Hotel im Weltraum geben wird, während Kosmonaut Viktor Sawinych das eher skeptisch sieht. Er glaubt nicht, dass ein Mensch jetzt zum Mars fliegen kann, weil die Medizin trotz der technischen Fortschritte die Auswirkungen der kosmischen Strahlung noch nicht im Griff hat.

Karol Bobko sieht in 10 Jahren wohl das Orion-Programm vor sich, wo Europa das Service-Modul beisteuern möchte. Auch wird dann das US-amerikanische Space Launch System zur Verfügung stehen, eine neue Großrakete. Vor allem denkt er, dass die Raumfahrt - auch auf der ISS – mehr und mehr kommerziell werden wird.

Nachmittags fand die ISS-Themensitzung statt. Nach einer kurzen Vorstellung einiger signifikanter Kongressteilnehmer durch den ehemaligen ESA-Wissenschaftler und IAF-Präsidenten Dr. Berndt Feuerbacher hielt Dr. Rupert Gerzer vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin einen Vortrag über die Fähigkeit des menschlichen Körpers, Salz zu speichern, die Effekte der Schwerelosigkeit auf diese Fähigkeit und die Signifikanz hiervon für das Leben auf der Erde. Auch wurde auf die anstehende Eröffnung des Envihab-Institutes am darauffolgenden Freitag hingewiesen. Dort soll eine Verbindung gelegt werden zwischen Weltraum- und irdischer Medizin.

Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Stephan Hobe erzählte über die Relevanz von Weltraumrecht für Astronauten, und Prof. Dr. Stephan Schlemmer vom 1. Physikalischen Institut der Universität Köln stellte einige Hypothesen in den Raum, ob das Leben auf der Erde eigentlich aus dem Weltraum komme. Dies tat er anhand der Tatsache, dass das Herschel-Observatorium im All komplexe Moleküle gefunden habe, wie zum Beispiel Methanol, polyaromatische Kohlenwasserstoffe, Kohlenmon- und -dioxid, Silikate und Quinon. Auch sind im All Wasser und schweres Wasser angetroffen worden. Anschließend referierte Prof. Dr. Jürgen Stutzki (ESA), Principle Investigator des FT-IR-Instrumentes im Herschel-Observatorium, über Astronomie in der Luft- und Raumfahrt.

Kevin Ford, Kommandant der vor kurzem aus dem Weltraum zurückgekehrten ISS-34-Besatzung, hielt danach einen Vortrag über seine Mission und ging hierbei vor allem auf die an Bord geflogenen Experimente aus den Bereichen Humanmedizin, Materialwissenschaften, Biologie, Geowissenschaften und Technologie ein.

Für die anschließende Frage-Antwort-Sitzung war es möglich, im Vorfeld Fragen per Twitter einzuschicken. Unter anderem wurde gefragt, ob man später auch, wenn man durch privaten Weltraumtourismus ins All gekommen sei, zum ASE zugelassen würde. Antwort auf diese Frage war eigentlich die Anwesenheit des ASE-Mitglieds Anousheh Ansari auf dem Kongress. Ein weiterer Fragesteller schlug vor, mehr Politiker in den Weltraum zu schicken, weil ein Weltraumaufenthalt vielleicht deren Weltbild verändern könne. Hierauf wurde der ehemalige US-Senator Jake Garn vorgestellt, der zur Zeit seines Raumfluges tatsächlich Politiker war. Dieser betonte aber, er sei 25 Jahre lang Pilot gewesen, bevor er in die Politik ging und habe mehr Stunden Flugerfahrung gehabt als so mancher aktive US-Astronaut.

Für die Zukunft der ISS wünschte man sich, dass diese bis 2025 erhalten bleibt. Kevin Ford gab an, sie sei in guter Verfassung und die Wissenschaftler sollten für die Zukunft mit weiteren neuen Vorschlägen kommen, sie zu nutzen.

Zum Schluss kam ein Vortrag des deutschen Raumfahrers Hans Schlegel (STS 55 und STS 122), jetzt Chef der ESA-Astronautenausbildung in Houston. Mit Flugerfahrung sowohl auf einem Spacelab-Flug als auch bei der Mission, die den europäischen ISS-Beitrag Columbus in den Weltraum brachte, konnte er beide Systeme gut miteinander vergleichen. Columbus und Spacelab sind sich ziemlich ähnlich, mit dem Unterschied aber, dass Spacelab in das Space Shuttle integriert werden musste und Columbus an die ISS. Größtenteils zeigte Schlegel während seines Vortrages Impressionen der Columbus-Mission STS 122, und schloss ab mit der Erkenntnis, es gebe auf der Welt 7 Milliarden Raumfahrer und eigentlich sei jeder Mensch ein Astronaut.


(Autor: Kirsten Müller - Quelle: RN)


» Atlas V mit Navy-Kommunikationssatellit gestartet
20.07.2013 - Nach kurzer Verzögerung um zwölf Minuten hob am 19. Juli 2013 um 09:00 Uhr Ortszeit (15:00 Uhr MESZ) in Cape Canaveral eine Atlas V in einer ihrer größten Versionen erfolgreich ab. Knapp drei Stunden später wurde der militärische Kommunikationssatellit MUOS 2 wie geplant in der Erdumlaufbahn ausgesetzt.
Der x-te Start einer bewährten Schwerlastrakete – wenn es nicht gerade das Desaster mit der Proton gegeben hätte, könnte man sagen: Routine. Dieses Gefühl sollte in diesem Geschäft, in dem kleinste Fehler katastrophale Folgen haben, nie aufkommen. Und so war auch der Start einer Atlas V Evolved Expandable Launch Vehicle 551 am 19. Juli 2013 wieder spannend, zumal die voluminöse und schwere Nutzlast fünf Booster und eine Nutzlastspitze von 5,4 Metern Durchmesser notwendig machte. Darin enthalten war der US-Navy-Satellit MUOS 2 (Mobile User Objektive System) für taktische Kommunikationsaufgaben, der mit rund 6,8 Tonnen Masse die bis dato schwerste Nutzlast auf einer Atlas V darstellt. Taktische Kommunikation heißt in diesem Fall die Gewährleistung eines mobilen Sprach- und Datenfunkverkehrs außerhalb der Reichweite konventioneller, erdgebundener Kommunikationsinfrastruktur. Die geplante Nutzungsdauer beträgt 15 Jahre.

Der Start vom Komplex 41 in Cape Canaveral erfolgte wetterbedingt mit 12 Minuten Verzögerung im vierundvierzigminütigen Startfenster um 9.00 Uhr Ortszeit. Die aufsteigende Sonne sorgte offensichtlich noch rechtzeitig für Entspannung bei den Meterologen. Danach lief alles planmäßig. Nach 1:44 Minuten wurden die Feststoffbooster abgesprengt. Nach weiteren anderthalb Minuten entledigte sich die Rakete der Nutzlastverkleidung. Eine gute Minute später, nun 4:27 Minuten nach dem Abheben, wurde die erste Stufe, der sogenannte Atlas-Booster mit dem RD-180-Triebwerk, von der Centauer-Oberstufe getrennt. Diese wurde dreimal gezündet, bevor die Nutzlast gut drei Stunden nach dem Start ausgesetzt wurde. Der Satellit fliegt nun in den nächsten acht Tagen mit Hilfe seiner Bordtriebwerke in einen geosynchronen Orbit in 36.000 km Höhe.

Für die United Launch Alliance war es der sechste von zwölf geplanten Starts in diesem Jahr.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: ULA, SpaceflightNow)


» 26. ASE-Kongress - Zweiter (und dritter) Tag
20.07.2013 - Am 2. Juli fanden die ASE-Veranstaltungen in Aachen statt. Am 3. Juli nahmen Raumfahrer an verschiedenen Veranstaltungen über das ganze Bundesgebiet verteilt, teil.
Die geschlossene Veranstaltung am Vormittag bei der RWTH Aachen fing mit einer Präsentation von Soichi Noguchi (Japan) und Sergej Wolkow (RUS) über die Geschichte der Raumfahrt und des ASE an. Danach hielt der japanische Astronaut Akihiko Hoshide einen Vortrag über seine ISS-Mission 32/33. Der Höhepunkt selbiger war für ihn das Aussetzen des kleinen japanischen Satelliten Kibo. Anton Schkaplerow berichtete vom Training für seine Mission und von der Missionsplanung, untermalt mit russischsprachigen Powerpoint-sheets.

Höhepunkt der Veranstaltung war eine Präsentation der gesamten ISS-33/34-Crew: Oleg Nowizki, Jewgeni Tarelkin und Kevin Ford. Jewgeni Tarelkin benannte dabei, dass in den Jahren 2014 und 2015 auch geplant ist, ein SpaceX-Raumschiff an der ISS andocken zu lassen. Im Anschluss daran präsentierte Jean Francois Clervoy (ESA / Frankreich) über die Beiträge der ESA zur ISS und über die Zukunftsvisionen.

An einer anschließenden Pressekonferenz nahmen unter anderem Hans Schlegel, ehemaliger Physikstudent an der RWTH Aachen, und Reinhold Ewald, ehemaliger RWTH-Aachen–Dozent, teil. Schlegel erzählte von seiner Mitarbeit bei der Entwicklung des AMS (Alpha-Magnet-Spektrometer), bei der die RWTH Aachen auch einen Anteil gehabt hatte und das in Aachen gebaut worden war. Das wissenschaftliche Denken, das er im Weltraum angewandt habe, habe er bei der RWTH gelernt. Ewald erzählt mittlerweile bei Präsentationen nicht mehr so viele Fakten, weil die seinem Publikum durch soziale Medien mittlerweile sowieso bekannt sind. Viel lieber berichtet er von seinen Erfahrungen.

Nachmittags fand auf dem Katschhof in Aachen eine halböffentliche Veranstaltung statt. Dem Publikum als besonders prominente Raumfahrer wurden vorgestellt: Rusty Schweickart (Apollo 9), Alexei Leonow (1. Ausstieg in den freien Weltraum), Reinhold Ewald (MIR 1997) und Sheikh Muszaphar Shukor, der neben seiner Tätigkeit als Arzt und als Astronaut auch als Model gearbeitet hatte. Jetzt sei er aber mehr ein „role model“, Vorbild, für die Jugend.

Professor Dr. Stefan Schael von der RWTH Aachen erzählte dann vom AMS (Alpha Magnetic Spectrometer), das in Aachen gebaut worden war und mit STS 134, der letzten Endeavour-Mission, zur ISS gebracht worden war. Dieser Teilchendetektor ist das größte Experiment auf der ISS.

Attila Wohlbrandt (DLR) demonstrierte das Konzept Science Slam, mit dem man einem allgemeinen Publikum erklären kann, was die Wissenschaft eigentlich macht; dies anhand einer einfachen Demonstration der Schwerkraft und einiger Erklärungen zur Bildung von Dendriten. Diesem Vortrag folgte eine Präsentation über Weltraumschrott und über das Rexus-Programm für Studenten. Dieses beinhaltet, dass kleine Satelliten ein Segel dabei haben, das sie am Ende ihrer Mission entfalten, damit ihr Eintritt und das Verglühen in der Erdatmosphäre schneller gehen. Anschließend wurde nochmals eine Botschaft von Luca Parmitano aus der ISS übertragen, und alle anwesenden 85 Raumfahrer betraten die Bühne. Einige Fragen wurden gestellt, unter anderem, was denn die Familien der Raumfahrer von deren Beruf halten. Ulf Merbold antwortete über seine Weltraummissionen: „Das war das einzige Mal, dass meine Frau genau wusste, wo ich bin!“

Am Mittwoch, dem 3. Juli, war „Ausschwämtag“. Die Raumfahrer nahmen über ganz Deutschland verstreut an über 30 verschiedenen, teilweise internen und teilweise öffentlichen Veranstaltungen teil.

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(Autor: Kirsten Müller - Quelle: RN)


» China startet drei Technologiesatelliten
20.07.2013 - Die Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 4C hob heute Nacht gegen 1.37 Uhr MESZ vom Startzentrum in Taiyuan ab.
An Bord befanden sich die Satelliten Chuangxin 3 (Innovation), Shiyan 7 (Experiment) und Shijian 15 (Praxis). Bei letzterem vermutet man, dass damit ein experimenteller Manipulatorarm ins All gelangt, mit dem man Wartungs- und Transportarbeiten simulieren möchte. Ein Manipulatorsystem soll auch Bestandteil einer chinesischen Raumstation werden.

Die Chuangxin-Serie umfasst normalerweise kleinere Kommunikationssatelliten zum Sammeln und Übertragen von Daten verschiedener Überwachungsstationen für Bewässerungsanlagen, Wasserkunde, Meteorologie, Stromleistung sowie Katastrophenbekämpfung. Shiyuan 7 dient offiziell der Erfassung von Weltraumschrott. Alle drei Missionen dienen der Erprobung neuer Technologien.

Alle Satelliten gelangten in sonnensynchrone Orbits mit einer mittleren Bahnhöhe von etwa 675 km bei einer Bahnneigung um 98 Grad.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, NSF)


» Schneegrenze bei TW Hydrae bestimmt
21.07.2013 - Astronomen ist es erstmals gelungen, die sogenannte Schneegrenze um den sonnenähnlichen Stern TW Hydrae zu ermitteln. Durch die Untersuchung dieser Grenzregion können Wissenschaftlern nicht nur mehr über die Entstehung von Planeten und Kometen im Allgemeinen erfahren. Vielmehr lässt sich dadurch auch die Entstehungsgeschichte unseres eigenen Sonnensystems näher ergründen.
Was den Ägyptologen ihr Stein von Rosette und den Genetikern ihre Fruchtfliegen, das ist für Astronomen, welche sich mit der Entstehung von Planetensystemen befassen, der im Sternbild Wasserschlange (lateinischer Name "Hydra") gelegene Stern TW Hydrae: Ein besonders gut zugängliches Schlüsselobjekt, dessen eingehende Untersuchung die Forschungsgrundlagen für ein ganzen Fachgebiet legen kann. Dieser lediglich 176 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt befindliche Vertreter der T-Tauri-Sterne verfügt über ein noch sehr junges Alter von etwa drei bis zehn Millionen Jahren und ist von einer sogenannten protoplanetaren Scheibe umgeben.

In dieser flachen, ringförmig verlaufenden Scheibe verbinden sich die darin enthaltenen Partikel aus Staub und Eis zu immer größeren Objekten, aus denen letztendlich ganze Planeten hervorgehen werden. Auf diese Weise ist vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren auch unser Sonnensystem entstanden. Allgemein wird davon ausgegangen, dass das angehende Planetensystem von TW Hydrae ähnliche Eigenschaften aufweist wie unser eigenes Sonnensystem in einem Alter von nur wenigen Millionen Jahren.

Astronomen ist es jetzt erstmals gelungen, eine der sogenannten "Schneegrenzen" im Inneren der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae zu ermitteln. Für ihre Untersuchungen verwendeten die beteiligten Wissenschaftler das erst kürzlich offiziell in Betrieb gestellte, in den chilenischen Anden befindliche Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (kurz "ALMA").

Die Schneegrenze

Auf der Erde wird mit der Schneegrenze eine Höhengrenze bezeichnet, oberhalb derer die Luftfeuchtigkeit aufgrund von niedrigen Umgebungstemperaturen in Schnee umgewandelt wird. Speziell an Berghängen ist diese Schneegrenze in den Bereichen, wo die schneebedeckten Berggipfel in nacktes Gestein übergehen, auf Satelliten- oder Luftaufnahmen deutlich erkennbar. In der Astronomie wird mit der Schneegrenze dagegen der Bereich einer protoplanetaren Scheibe bezeichnet, ab dem sich erdähnliche Planeten oder Gasriesen um einen jungen Stern bilden können.

Im inneren Bereich einer protoplanetaren Scheiben sind die Temperaturen so hoch, dass die dort vorhandenen Stoffe lediglich im gasförmigen Zustand existent sind. Mit einem zunehmenden Abstand zu dem Stern und den damit verbundenen immer weiter abfallenden Temperaturen frieren diese Materialien jedoch aus. Aufgrund der unterschiedlichen Schmelztemperaturen der verschiedenen Stoffe finden sich dabei mehrere Schneegrenzen bei unterschiedlichen Abständen vom Stern. Zunächst friert dabei das Wasser aus und bildet eine erste Schneegrenze. Noch weiter vom Stern entfernt frieren bei noch niedrigeren Temperaturen weitere Stoffe wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Kohlenstoffmonoxid aus und werden ebenfalls zu "Schnee".

In diesem "festen Zustand" lagern sich diese ausgefrorenen Stoffe an den ebenfalls in der protoplanetaren Scheibe vorhandenen Staubpartikeln ab und umschließen diese mit einer Art klebriger Hülle. Hierdurch wird verhindert, dass die Staubkörner bei Kollisionen mit anderen festen Partikeln wieder auseinanderbrechen. Stattdessen gewinnen die Staubkörner bei den Kollisionen mit anderen Partikeln immer weiter an Masse und werden so schließlich zu den Grundbausteinen von Planeten und Kometen. Die gefrorenen Gaspartikel vergrößern zusätzlich den Anteil der festen Materie in der protoplanetaren Scheibe und könnten dadurch den Prozess der Planetenentstehung beschleunigen.

Jede einzelne dieser Schneegrenzen - für Wasser, Kohlenstoffdioxid, Methan und Kohlenmonoxid - könnte mit der Entstehung bestimmter Planetentypen in Zusammenhang stehen. Gesteinsplaneten bilden sich so zum Beispiel nach den gängigen Modellen der Planetenentstehung im Bereich der Wasser-Schneegrenze, welche sich noch relativ nahe am Zentralstern befindet. Auf der anderen Seite entstehen Gasplaneten lediglich jenseits der weiter außen gelegenen Kohlenstoffmonoxid-Schneegrenze. Um einen sonnenähnlichen Stern, welcher über ein Planetensystem wie dem unsrigen verfügt, würde die Wasser-Schneegrenze dem Bereich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter entsprechen, während die Kohlenstoffmonoxid-Schneegrenze etwa bei der Umlaufbahn des Planeten Neptun liegen würde.

Die Schneegrenze bei TW Hydrae

Astonomen ist es jetzt erstmals gelungen, mit dem Radioteleskop ALMA, welches besonders gut für den Nachweis der Strahlung von Molekülen bei niedriger Umgebungstemperaturen geeignet ist, die Kohlenstoffmonoxid-Schneegrenze um den Stern TW Hydrae zu identifizieren. Bis zu den neuen Beobachtungen war es nicht möglich, die exakte Position und Ausdehnung der Schneegrenze zu bestimmen, da der Beginn dieser Übergangszone nur einem relativ schmalen Bereich im Inneren der protoplanetaren Scheibe einnimmt.

Bei den Beobachtungen wandte das Astronomenteam einen Trick an. Anstatt direkt nach dem Schnee Ausschau zu halten, welcher nicht direkt beobachtet werden kann, suchten die Wissenschaftler nach einem Molekül namens Diazenyl.

Diazenyl-Ionen weisen zwei Eigenschaften auf, durch welche sie sich für solche Untersuchungen anbieten. Zum einen "strahlen" sie im Millimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums und lassen sich deshalb mit ALMA hervorragend detektieren. Zum anderen reagiert Diazenyl sehr leicht mit gasförmigen Kohlenstoffmonoxid und wird dabei von diesem vollständig zerstört. In nachweisbaren Mengen ist Diazenyl deshalb nur in einem Bereich der protoplanetaren Scheibe aufzufinden, wo das Kohlenstoffmonoxid bereits zu Schnee ausgefroren ist und das Diazenyl daher nicht zerstört werden kann. Auf diese Weise wird der Nachweis von Diazenyl zu einem Schlüssel für den indirekten Nachweis von Kohlenstoffmonoxid-Schnee.

Die einzigartige Empfindlichkeit und das Auflösungsvermögen von ALMA ermöglichten es den Astronomen, das Vorhandensein und die Verteilung von Diazenyl in der Umgebung von TW Hydrae im Detail zu untersuchen.

"Auf diese Weise haben wir gewissermaßen ein Fotonegativ des Kohlenmonoxid-Schnees in der Scheibe um TW Hydrae erhalten", so Karin Oberg von der Harvard University, eine der an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen. Dabei sind die Astronomen auf eine scharfe Grenze für den Übergang zwischen gasförmigem und gefrorenem Kohlenmonoxid bei einem Abstand von etwa 30 Astronomischen Einheiten vom Stern gestoßen.

"Dank ALMA haben wir jetzt das erste echte Bild einer Schneegrenze um einen jungen Stern. Das verrät uns zugleich auch einiges über die erste Phase der Entstehungsgeschichte unseres eigenen Sonnensystems", so Chunhua Qi vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge/USA, ein weiterer an der Arbeit beteiligter Wissenschaftler. "Wir sind jetzt in der Lage Details über die eisigen Außenbereiche eines fernen, sonnenähnlichen Planetensystems zu erfahren, die uns zuvor verborgen geblieben sind."

Tatsächlich, so die Wissenschaftler, könnte das Vorhandensein der Kohlenstoffmonoxid-Schneegrenze und die damit verbundene Entstehung von Eispartikeln in einer protoplanetaren Scheibe allerdings noch weitreichendere Konsequenzen als "nur" die Entstehung von Planeten haben. Kohlenstoffmonoxid-Eis wird für die Entstehung von Methanol benötigt - einem der Grundbausteine komplexerer organischer Moleküle. Kometen und Asteroiden, welche sich gegenwärtig in diesem Bereich der Scheibe von TW Hydrae bilden, können dieses Methanolmoleküle jetzt aufnehmen, später in das innere Planetensystem befördern und auf diese Weise eventuell die dortige Entstehung von Leben auslösen.

Das Verbundteleskop ALMA

"Für unsere Beobachtungen standen uns lediglich 26 der 66 Antennen von ALMA zur Verfügung. Anzeichen für den Nachweis der Schneegrenzen bei anderen Sternen haben sich inzwischen noch in weiteren ALMA-Daten gezeigt, und wir gehen daher davon aus, dass zukünftige Beobachtungen mit der gesamten Anlage noch viele weitere solcher Schneegrenzen werden nachweisen können. Uns erwarten viele spannende Einblicke in die Entstehung und Entwicklung von Planeten - wir müssen nur abwarten", schließt Michiel R. Hogerheijde von der Sterrewacht Leiden in den Niederlanden.

Das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array ist eine internationale astronomische Einrichtung, welche gemeinsam von Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Von europäischer Seite aus wird ALMA über die Europäische Südsternwarte (ESO) finanziert, in Nordamerika von der National Science Foundation (NSF) der USA in Zusammenarbeit mit dem kanadischen National Research Council (NRC) und dem taiwanesischen National Science Council (NSC), und in Ostasien von den japanischen National Institutes of Natural Sciences (NINS) in Kooperation mit der Academia Sinica (AS) in Taiwan. Bei der Entwicklung, dem Aufbau und dem Betrieb von ALMA ist die ESO federführend für den europäischen Beitrag, das National Radio Astronomy Observatory (NRAO), das seinerseits von Associated Universities, Inc. (AUI) betrieben wird, für den nordamerikanischen Beitrag und das National Astronomical Observatory of Japan (NAOJ) für den ostasiatischen Beitrag. Dem Joint ALMA Observatory (JAO) obliegt die übergreifende Projektleitung für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb von ALMA.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 18. Juli 2013 unter dem Titel "Imaging of the CO Snow Line in a Solar Nebula Analog" in der Online-Ausgabe von Science Express veröffentlicht.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Science)


» Ein Blick aus der Ferne auf Erde und Mond
23.07.2013 - Am vergangenen Freitag haben gleich zwei Raumsonden, der Saturnorbiter Cassini und der Merkurorbiter Messenger, Bilder angefertigt, welche die Erde und den Mond aus Entfernungen von mehreren Millionen Kilometern zeigen. Erste Bilder dieser Beobachtungskampagnen wurden im Laufe der letzten Nacht von der NASA veröffentlicht.
Am 19. Juli 2013 wurde das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehenden ISS-Kameraexperiment, eines der insgesamt 12 an Bord der Raumsonde Cassini befindlichen wissenschaftlichen Instrumente, dazu eingesetzt, um das Ringsystem des Saturn im Gegenlicht der Sonne abzubilden. Hierbei geriet auch unser Heimatplanet in das Aufnahmefeld der Kamera (Raumfahrer.net berichtete).

Insgesamt fertigten die beiden Kameras von Cassini 323 Aufnahmen an, welche derzeit von den Mitarbeitern der Mission bearbeitet und zu einem Gesamtporträt zusammengefügt werden. Aufgrund der Komplexität dieser Arbeit - das Mosaik teilt sich in 33 einzelne Aufnahmebereiche auf, welche jeweils mit verschiedenen Spektralfiltern abgebildet wurden - werden voraussichtlich noch mehrere Wochen vergehen, bis das gesamte Porträt des Saturn-Systems der Öffentlichkeit präsentiert werden kann. Der Teilausschnitt, auf dem die Erde erkennbar ist, wurde jedoch bereits am gestrigen Tag von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA veröffentlicht.

Erde und Mond vom Saturn

Zeitgleich mit der Weitwinkelkamera wurde auch die nochmals deutlich höher auflösende NAC-Kamera dazu eingesetzt, um speziell die Erde abzubilden. Hierbei gelang es den für den Betrieb der ISS-Kamera verantwortlichen Wissenschaftlern vom Cassini Imaging Central Laboratory for Operations (kurz "CICLOPS") erstmals, auch den Erdmond aus dem Saturnorbit heraus erfolgreich wiederzugeben.

"Auf diesem Porträt der Erde können wir zwar keine einzelnen Kontinente oder gar Menschen erkennen. Dieser kleine blaue Punkt ist jedoch eine bündige Zusammenfassung und zeigt, wo wir alle uns am 19. Juli aufgehalten haben", so Linda Spilker, die Projektmanagerin der Cassini-Mission am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/USA. "Die Cassini-Aufnahme erinnert uns daran, wie klein unser Heimatplanet in der Unendlichkeit des Alls ist und ist gleichzeitig ein Zeugnis für den Erfindungsreichtum ihrer Bewohner, welche in der Lage sind, eine Raumsonde in die Weiten des Weltalls zu schicken, den Saturn zu untersuchen und von dort aus ein Bild von der Erde anzufertigen."

Die jetzt angefertigten Aufnahmen werden in ihrer finalen Fassung das dritte im Gegenlicht der Sonne erstellte Mosaik des Saturnsystems ergeben und dürften nicht nur für die interessierte Öffentlichkeit einen spektakulären Anblick bieten. Auf diesen Aufnahmen können die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler besonders gut die Dichte, die Struktur und die Zusammensetzung der einzelnen Ringe analysieren, welche in der Regel aus lediglich millimetergroßen Partikeln aus Eis und Staub bestehen. Auf früher angefertigten Gegenlichtaufnahmen konnten zum Beispiel zuvor nicht bekannte Ringe entdeckt werden.

Erde und Mond vom Merkur

Aber nicht nur aus dem Saturnorbit heraus wurden am vergangenen Wochenende Aufnahmen von der Erde erstellt. Auch von der anderen Seite des Sonnensystems konnte das Erde-Mond-System erfolgreich abgebildet werden.

Bereits am 18. März 2011 trat die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde Messenger nach einem fast sieben Jahre dauernden Flug durch das innere Sonnensystem in eine Umlaufbahn um den Planeten Merkur ein und untersuchte diesen innersten Planeten unseres Sonnensystems in den folgenden Jahren mit den sieben an Bord der Raumsonde befindlichen wissenschaftlichen Instrumenten eingehend. Seit dem Februar 2013 wird das Kamerasystem des Orbiters, das Mercury Dual Imaging System (kurz "MDIS") neben der Abbildung der Merkuroberfläche gelegentlich auch dazu eingesetzt, um in der Umgebung des sonnennächsten Planeten in unserem Sonnensystem nach bisher nicht entdeckten Merkur-Monden zu suchen.

Im Februar 2013 befand sich der Merkur auf seiner stark elliptischen Umlaufbahn um die Sonne im Bereich seiner größten Sonnenentfernung. Dadurch bedingt waren die Sensoren der Kamera relativ niedrigen Umgebungstemperaturen ausgesetzt, was wiederum dazu führte, dass sich das "Rauschen" auf den Aufnahmen der MDIS-Kamera auf einen minimalen Wert beschränkte. Ein solches Rauschen vermindert die Qualität der angefertigten Aufnahmen und führt dazu, dass eventuell vorhandene Monde, welche über einen nur geringen Durchmesser verfügen dürften, auf den Aufnahmen nicht erkennbar wären. Die Kehrseite der Medaille besteht darin, dass eventuell vorhandene Merkur-Monde im Bereich des sonnenfernsten Punktes der Merkurbahn entsprechend weniger Licht von der Sonne reflektieren und somit auf Kameraaufnahmen dunkler erscheinen dürften.

Das von Clark Chapman vom SwRI geleitete Team für die Mondsuche musste deshalb entscheiden, ob man ein "Rauschen" auf den Bildern in Kauf nimmt oder bei einem minimalen Rauschen in einer größeren Entfernung zur Sonne nach lichtschwächeren Objekten Ausschau hält. Letztere Option hat dabei den Zuschlag bekommen, führte bisher aber noch zu keinem positiven Beobachtungsergebnis. Die im Februar 2013 gesammelten Daten werden gegenwärtig immer noch von den Mitarbeitern der Messenger-Mission ausgewertet.

Inzwischen wurde die Suchmethode allerdings noch weiter verfeinert. Die MDIS-Kamera nimmt bei entsprechenden Beobachtungskampagnen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes mehrere Bilder in unterschiedlichen Zeitintervallen auf, wobei eine möglichst lange Belichtungszeit verwendet wird. Abhängig von der Entfernung zwischen Merkur und Messenger - die Suche erfolgt bei Entfernungen, welche zwischen dem 2,5fachen und dem 25fachen Merkurradius liegen - beträgt der Zeitintervall zwischen den einzelnen Bildern mehrere Sekunden bis hin zu fast einer Stunde. Theoretisch, so die beteiligten Wissenschaftler, kann die Kamera auf ihrer Suche nach Merkurmonden auf diese Weise Objekte auflösen, welche über einen Durchmesser von lediglich etwa 100 Metern verfügen.

Derzeit findet eine weitere Suchkampagne nach Merkur-Monden statt. Im Rahmen dieser Kampagne bildete die Kamera von Messenger am 19. und 20. Juli auch mehrfach einen Bereich des Weltalls ab, in dem sich zu diesem Zeitpunkt die Erde befand. Aus einer Distanz von rund 98 Millionen Kilometern konnte dabei auch die MDIS-Kamera die Erde und den Mond räumlich trennen und in Schwarz-Weiß wiedergeben. Beide Objekte nehmen dabei weniger als eine Pixel ein. Aufgrund der langen Belichtungszeit wurden Erde und Mond dabei allerdings überbelichtet, weshalb die beiden Himmelskörper deutlich größer und zudem "verzerrt" erscheinen.

Die nebenstehende Aufnahme zeigt einen Teilbereich des Himmels, welcher die Grenzregion zwischen den beiden Sternbildern Schütze und Schild bildet. Ebenfalls im Aufnahmebereich befindet sich dabei der Zwergplanet Pluto, welcher allerdings viel zu lichtschwach ist, um durch die MDIS-Kamera aufgelöst zu werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, CICLOPS, JHUAPL)



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Mars Aktuell: Curiosity ist auf dem Weg zum Aeolis Mons von Redaktion



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» Curiosity ist auf dem Weg zum Aeolis Mons
11.07.2013 - Der Marsrover Curiosity hat seine im Dezember 2012 begonnenen Untersuchungen im Bereich der Yellowknife Bay abgeschlossen und befindet sich seit Anfang der Woche auf dem Weg zum seinem nächsten Forschungsziel, dem etwa acht Kilometer entfernt gelegenen Aeolis Mons.
Wie bereits in unserem letzten Statusupdate vom 6. Juli 2013 erwähnt hat der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity seine im Dezember 2012 begonnenen Untersuchungen der Region "Yellowknife Bay" mittlerweile erfolgreich abgeschlossen und diese Region des Gale-Kraters endgültig verlassen.

Im Anschluss an eine Fahrt über 17,96 Meter, welche bereits am "Sol" 324, dem 5. Juli 2013, der Mission erfolgte, fanden am 8. Juli, dem Sol 327, und am 10. Juli, dem Sol 329, zwei weitere Fahrten über diesmal 39,89 Meter beziehungsweise 41,05 Meter statt. Beide Fahrten erfolgten in die westliche Richtung und führten den Rover Curiosity in einen Bereich der Marsoberfläche, welche bereits im Oktober 2012 passiert wurde. Während der zukünftigen Fahrt in die Richtung des im Zentrum des Gale-Kraters gelegenen Zentralberges Aeolis Mons, welcher auch als Mount Sharp bezeichnet wird, wird Curiosity aller Wahrscheinlichkeit zunächst auch weiterhin der während des letzten Jahres befahrenen Route folgen, sich dabei jedoch etwas weiter südlich orientieren.

Auf diesem Weg soll dann auch wieder vermehrt die an der Unterseite des Rovers montierte MARDI-Kamera, eines der zehn wissenschaftlichen Instrumente des Rovers, zum Einsatz kommen. Durch diese Kamera wird es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern möglich sein, die Beschaffenheit der Marsoberfläche auch während einer erfolgenden Fahrt im Detail zu untersuchen, ohne hierfür länger andauernde Zwischenstopps einzulegen.

Allerdings musste für den erfolgreichen zukünftigen Einsatz dieser Kamera zunächst ein im Vorfeld aufgetretenes Problem gelöst werden. Während der letzten Phase des Landemanöver des Rovers auf der Marsoberfläche, welches durch die MAHLI-Kamera im Detail dokumentiert wurde, setzte sich von der Planetenoberfläche aufgewirbelter Staub auf der Optik der MARDI-Kamera ab. Dies hatte zur Folge, dass die Aufnahmen dieser Kamera in der Folgezeit über einen deutlich reduzierten Kontrast verfügten, was den wissenschaftlichen Wert dieser Aufnahmen beeinträchtigt.

Bereits am Sol 318 der Mission, dem 29. Juni 2013, wurden deshalb zu verschiedenen Zeiten des Marstages diverse Aufnahmen mit der MARDI-Kamera angefertigt. Das Ziel dieser Aufnahmen bestand darin zu ermitteln, zu welchen Zeitpunkten des Tages trotz dieses Handicaps die besten, also detailreichsten Aufnahmen angefertigt werden können. Die im Rahmen dieses Tests angefertigten Aufnahmen zeigten, dass die besten Resultate offenbar während der Dämmerung unmittelbar nach Sonnenuntergang erzielt werden. Unter den hierbei gegebenen Beleuchtungsverhältnissen werden die Aufnahmen am wenigsten durch die Staubablagerungen auf der Linse der MARDI-Kamera beeinträchtigt.

Weitere während der letzten Tage erfolgte Tests bezogen sich auf die am Instrumentenarm des Rovers befestigte MAHLI-Kamera. Um eine Fahrt ohne Risiken durchzuführen muss sich dieser Instrumentenarm in einem bestimmten Winkel, einem sogenannten "verstauten Zustand", zu dem Rover befinden. Die Tests ergaben, dass die MAHLI-Kamera in der Lage ist, auch während einer erfolgenden Fahrt erfolgreich aussagekräftige Aufnahmen von der Marsoberfläche anzufertigen ohne dass hierfür der Instrumentenarm neu ausgerichtet werden muss. Dabei wird mit den Aufnahmen das Gelände abgebildet, welches sich auf der linken Seite des Rovers befindet.

Die dabei gewonnenen Aufnahmen zeigen sowohl die direkt vorausliegende Marsoberfläche als auch den Horizont. Anhand von Aufnahmen, welche im Rahmen der zukünftigen Fahrten in kurzen und regelmäßigen Abständen angefertigt werden, und die zum Beispiel mit Daten von einem weiteren Instrument, dem DAN, kombiniert werden, lassen sich sehr wahrscheinlich wertvolle Erkenntnisse über die geologischen und geochemischen Veränderungen auf den zuvor passierten Abschnitten der Marsoberfläche gewinnen.

Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil der Rover auf seinem Weg zur Basis des Zentralberges Mount Sharp laut den aktuellen Planungen keine weiteren länger andauernden Zwischenstopps einlegen soll. Lediglich besonders auffällige Oberflächenformationen werden die für die Durchführung der Mission verantwortlichen Wissenschaftler und Ingenieure dazu verleiten können, die Reise von Curiosity während der voraussichtlich mindestens 12 Monate andauernden Fahrt zum Mount Sharp zu unterbrechen.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 331 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von etwa 956 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. Seit dem Erreichen des Mars haben die Kamerasysteme von Curiosity 66.964 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Quelle : JPL, USGS, Unmanned Spaceflight)


» Rover Curiosity: Der erste Kilometer ist geschafft
16.07.2013 - Der Rover Curiosity hat mittlerweile mehr als einen Kilometer auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt.
Der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity hat am heutigen Tag, dem "Sol" 335 seiner Mission, eine weitere Fahrt durchgeführt. Durch diese Fahrt, bei der der Rover in einem Zeitraum vom 51 Minuten und 31 Sekunden weitere 38,16 Meter zurücklegte, erhöhte sich die mittlerweile auf der Marsoberfläche zurückgelegte Distanz auf einen Wert von 1.037 Metern. Wie bereits die beiden vorherigen Fahrten, welche am 12. Juli (27,95 Meter) und am 14. Juli (15,48 Meter) erfolgten, führte auch die heutige Fahrt in die südwestliche Richtung.

Das derzeitige Ziel des Rovers ist der etwa 5,5 Kilometer hohe Zentralberg im Zentrum des Gale-Kraters. Um den dabei angepeilten Ankunftspunkt - hierbei handelt es sich um ein kleines Seitental an der Basis des Mount Sharp - zu erreichen muss Curiosity jedoch zunächst noch weitere rund acht Kilometer zurücklegen.

Auf seinem zukünftigen Weg wird der Rover in regelmäßigen Abständen kurze Pausen einlegen, um verschiedene auf der Route gelegene Oberflächenformationen eingehender zu untersuchen. Nach der bisherigen Planung wird sich das Interesse der an der Mission beteiligten Wissenschaftler dabei in erster Linie auf Formationen aus offen zutage liegenden Grundgestein konzentrieren. Allerdings sollen die jeweiligen Untersuchungen nur kurze Zeit andauern und die Weiterfahrt des Rovers möglichst wenig verzögern. Trotzdem werden vermutlich mindestens weitere 12 Monate vergehen, bis Curiosity den Mount Sharp erreicht.

Unabhängig von zukünftigen "Zwischenstopps" wird der Rover auch weiterhin täglich Fotoaufnahmen von der Umgebung anfertigen und mit seinen verschiedenen Instrumenten Messungen durchführen und das zu passierende Gelände dabei sozusagen en passant analysieren und dokumentieren.

Nach seiner Ankunft am Mount Sharp wird Curiosity mit der Erkundung der dort befindlichen geschichteten Ablagerungen beginnen, welche sich auf den Fotoaufnahmen des Rovers bereits aus der Distanz an den Hängen dieses Berges erkennen lassen. Zu diesem Zweck soll der Rover langsam von der Basis des Berges in die Richtung zu dessen Gipfel manövriert werden und dabei die einzelnen Gesteinsschichten im Detail analysieren. Hierdurch erhoffen sich die an der Mission beteiligten Wissenschaftler weitere Informationen über das Klima, welches in der Vergangenheit auf dem Mars geherrscht hat, und über die geologische Entwicklungsgeschichte dieser Region der Marsoberfläche.

Seit dem Erreichen des Mars haben die Kamerasysteme von Curiosity bisher 67.723 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Unmanned Spaceflight)



 

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Saturn Aktuell: Cassini beginnt den Saturn-Umlauf Nummer 196 von Redaktion



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» Cassini beginnt den Saturn-Umlauf Nummer 196
14.07.2013 - In den Vormittagsstunden des 15. Juli 2013 beginnt für die Raumsonde Cassini einen neuen Umlauf um den Planeten Saturn. Während der folgenden 21 Tage stehen erneut die Atmosphäre und das Ringsystem dieses Planeten im Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Neben einen gesteuerten Titan-Vorbeiflug am 26. Juli soll zudem am 19. Juli auch unser Heimatplanet von der Saturnsonde abgebildet werden.
Am 15. Juli 2013 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 8.15 Uhr MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 1,46 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 196. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell weist die Flugbahn von Cassini eine Inklination von 56,7 Grad auf.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 21 Tage andauernden Umlaufs - dieser trägt die Bezeichnung "Rev 195" - insgesamt 36 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Ein Großteil dieser Kampagnen wird erneut die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn zum Ziel haben. Den Höhepunkt dieses Umlaufs bildet jedoch ein am 26. Juli erfolgender gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan. Des weiteren sind für den 19. Juli Fotoaufnahmen des Ringsystems vorgesehen, auf denen auch unser Heimatplanet als kleiner blauer Punkt zu erkennen sein wird.

Während der ersten Tage des neuen Umlaufs wird die ISS-Kamera jedoch zunächst einmal im Rahmen mehrerer Beobachtungssequenzen die Atmosphären des Saturn und dessen größten Mondes, des 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, abbilden. Mittels der dabei geplanten Aufnahmen, welche Bestandteil einer langfristig ausgelegten "Sturmbeobachtungskampagne" sind, sollen erneut aktuelle Daten über das dortige Wettergeschehen gesammelt werden. Durch die Beobachtung von kleineren Sturmgebieten und markanten Wolkenformationen in den Atmosphären des Saturn und des Titan lassen sich zum Beispiel Aussagen über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten tätigen.

Ringsystem und Erde im Gegenlicht der Sonne

Am 19. Juli steht schließlich eine ausgedehnte Beobachtung des Ringsystems des Saturn auf dem Arbeitsprogramm der Raumsonde. Cassini wird sich an diesem Tag für mehrere Stunden im Schatten des Saturn bewegen und soll diese Konstellation nutzen, um die verschiedene Bereiche des Ringsystems sowohl mit der NAC-Kamera als auch mit einem der Spektrometer, dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), im Gegenlicht der Sonne abzubilden. Anhand solcher Aufnahmen können die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler besonders gut die Dichte, die Struktur und die Zusammensetzung der einzelnen Saturnringe analysieren, welche in der Regel aus lediglich millimetergroßen Partikeln aus Eis und Staub bestehen. Auf zu früheren Zeitpunkten angefertigten Gegenlichtaufnahmen konnten die Wissenschaftler außerdem zuvor nicht bekannte Ringe entdecken.

Die am 19. Juli anzufertigenden Einzelbilder wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler anschließend zu einer Mosaikaufnahme zusammensetzen. Auf diesem Mosaik wird dann zusätzlich auch unser Heimatplanet als ein kleiner, unscheinbarer blauer Punkt zu erkennen sein (Raumfahrer.net berichtete). Obwohl die Erde auf diesen Aufnahmen bestenfalls mehrere Pixel groß erscheinen wird dürften diese Aufnahmen ein spektakuläres Bild ergeben, welches neben seiner wissenschaftlichen Bedeutung auch über einen hohen ästhetischen Wert verfügt.

Anlässlich der geplanten Fotoaufnahmen durch Cassini werden für diesen Tag derzeit von Amateurastronomen weltweit verschiedene "Saturn-Beobachtungsabende" vorbereitet. Weitere Informationen zu dieser "Wave at Saturn"-Kampagne finden Sie in englischer Sprache auf den entsprechenden Internetseiten des JPL oder bei den Astronomers without Borders. Und vielleicht ist ja auch in Ihrer Nähe für dieses Abend eine entsprechende Veranstaltung von einer Volkssternwarte oder einem astronomischen Verein geplant.

Weitere Saturnbeobachtungen durch Cassini

Auch in den folgenden Tagen wird die ISS-Kamera im Zusammenarbeit mit dem VIMS und einem weiterem Spektrometer, dem Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS), mehrfach den Saturn abbilden. Jeder dieser Scans wird typischerweise bis zu 12 Stunden andauern. Neben der Dokumentation der Südpolregion des Ringplaneten - hierbei soll nach Anzeichen für dort auftretende Polarlichter gesucht werden - wird dabei auch die nördliche Saturnhemisphäre in das Blickfeld der Instrumente geraten. Das primäre Ziel dieser Aufnahmen besteht in der Abbildung des direkt über dem Nordpol gelegenen Nordpol-Hexagons.

Am 23. Juli wird Cassini um 7.40 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während dieses Orbits Nummer 196, erreichen und den Planeten dabei in einer Entfernung von 867.010 Kilometern passieren.

Vorbeiflug am Titan

Drei Tage nach dem Passieren der Periapsis wird die Raumsonde Cassini schließlich am 26. Juli 2013 zum 94. mal den Saturnmond Titan im Rahmen eines zielgesteuerten Vorbeifluges passieren. Im Rahmen dieses als "T-93" bezeichneten Vorbeifluges wird die Raumsonde die Oberfläche des Titan mit einer Geschwindigkeit von 5,8 Kilometern pro Sekunde in einer Höhe von 1.400 Kilometern überfliegen.

Während der Annäherungsphase an den Titan wird ein weiteres Instrument, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), dazu genutzt werden, um diverse Scans auf der Nachtseite des Titan durchzuführen. Das Ziel der Messungen besteht darin, die zu diesem Zeitpunkt in der Stratosphäre der Titanatmosphäre vorherrschenden Temperaturen zu ermitteln. Zusätzlich sollen hierbei durch Abtastungen, welche im mittleren und fernen Infrarotbereich erfolgen, die Verteilung von Aerosolen und verschiedener chemischer Verbindungen in den oberen Schichten der Titanatmosphäre bestimmt werden.

Im Anschluss an diese Messungen wird die ISS-Kamera Teilbereiche der Nordpolregion des Titan und von dessen nördlichen Hemisphäre abbilden und ein aus sieben Einzelaufnahmen bestehendes Mosaik erstellen. Diese Aufnahmen sollen diverse Details über die dort befindlichen Seen aus Kohlenwasserstoffverbindungen enthüllen, eine immer noch existierende größere Datenlücke in den bisherigen Titanaufnahmen der ISS-Kamera schließen und zudem hochaufgelöste Aufnahmen des Impaktbeckens Menrva liefern, welches sich bei etwa 25 Grad nördlicher Breite befindet.

Während der Phase der dichtesten Annäherung an den Titan wird schließlich das VIMS-Instrument von Cassini für etwa zwei Stunden die wissenschaftlichen Arbeiten der Raumsonde dominieren und dabei diverse Abbildungen der Oberfläche dieses Mondes erstellen. Neben verschiedenen Kohlenwasserstoffseen werden dabei auch ausgedehnte Dünenfelder in den Aufnahmebereich des VIMS-Spektrometers geraten. Durch den Abgleich mit früheren Beobachtungsresultaten sollen eventuell erfolgte Veränderungen auf der Titanoberfläche untersucht werden. Nach dem Passieren des Titan wird dann die ISS-Kamera weitere Aufnahmen anfertigen, mit denen in erste Linie eventuell zu diesem Zeitpunkt vorhandene Wolkenstrukturen in dessen Atmosphäre abgebildet werden sollen.

Für die folgenden Tagen sind dann erneut mehrere Saturnbeobachtungen vorgesehen, bei denen neben der ISS-Kamera auch erneut das UVIS-Spektrometer zum Einsatz kommen wird. Eine zusätzliche Beobachtungssequenz wird am 30. Juli den Titan zum Ziel haben, wobei aus einer Distanz von 1,44 Millionen Kilometern dessen Atmosphäre beobachtet werden soll.

Am 31. Juli wird sich die ISS-Kamera schließlich auf den kleinen, äußeren Saturnmond Paaliaq richten. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn und seinem Durchmesser von rund 22 Kilometern ist über diesen Mond bisher nur sehr wenig bekannt. Die ISS-Kamera soll Paaliaq an diesem Tag über einen Zeitraum von mehreren Stunden aus einer Distanz von rund 10,7 Millionen Kilometern wiederholt abbilden. Frühere Beobachtungen mit der Raumsonde Cassini führten zu dem Ergebnis, dass die Rotationsperiode dieses erst im Jahr 2000 entdeckten Mondes zwischen 19 und 20,5 Stunden beträgt. Anhand der Variationen in der sich bei dieser Beobachtungssequenz ergebenden Lichtkurve und einem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen die Helligkeitsvariationen auf dessen Oberfläche und die sich daraus ergebende Rotationsperiode jetzt noch weiter eingegrenzt werden.

Am 5. August 2013 wird die Raumsonde Cassini schließlich um 18.38 MESZ in einer Entfernung von rund 2,1 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis ihrer Umlaufbahn erreichen und damit auch diesen 196. Umlauf um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbit Nummer 197 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn sowie verschiedener Saturnmonde vorgesehen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Zweite EVA der Expedition 36 sehr erfolgreich von Redaktion



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» Zweite EVA der Expedition 36 sehr erfolgreich
10.07.2013 - Die Astronauten Chris Cassidy und Luca Parmitano haben den zweiten Außenbordeinsatz der ISS Expedition 36 sehr erfolgreich abgeschlossen. Parmitanos Einsatz war der erste Ausstieg eines Italieners.
Für die aktuell laufende ISS-Expedition 36 sind insgesamt 5 Außenbordeinsätze (EVAs, Extra Vehicular Activities) geplant, um Wartungsarbeiten zu verrichten, Außenexperimente auszutauschen und die ISS auf neue Module und Besuchsraumschiffe, unter anderem das russische Forschungsmodul Naúka (MLM) vorzubereiten.

Ähnlich wie bei der russischen EVA Nr. 33 standen für diese US-EVA Nr. 22 zahlreiche Aufgaben auf dem Plan, die sich im Laufe des letzten Jahres angesammelt hatten. Chris Cassidy und Luca Parmitano waren bei der Bewältigung dieser vielseitigen Aufgaben sehr erfolgreich.

Es war die fünfte EVA für Cassidy nach seinen drei Ausstiegen bei STS 127 und der Reparatur einer Ammoniak-Pumpeinheit bei Expedition 35 sowie die erste EVA für Luca Parmitano.
Parmitano ist der erste Italiener, der einen Außenbordeinsatz durchgeführt hat und der erste ESA-Astronaut außerhalb der Station seit dem deutschen Hans Schlegel bei der Shuttlemission STS 122 im Februar 2008.

Nach dem Verlassen der Quest-Luftschleuse arbeiteten die beiden Astronauten zunächst getrennt: Chris Cassidy tauschte einen im letzten Jahr ausgefallenen Transmitter für eine der beiden KU-Band Antennen der Station aus. Dabei hatte er zunächst Probleme, weil eine Schraube des neuen Transmitters klemmte. Bei einem neuen Versuch mit mehr Drehmoment lies sich der Transmitter dann aber installieren.

Währenddessen deinstallierte Luca Parmitano das Materialexperiment MISSE-8, das für zwei Jahre Proben dem freien Weltraum ausgesetzt hatte. Dabei hatte er auch die Möglichkeit, das Alpha-Magnetic-Spectrometer (AMS) zu fotografieren. Ingenieure hatten eine etwas schwächere Leistung eines der Radiatoren des AMS beobachtet. Die Fotos sollen dabei helfen, die Ursache dafür zu finden.

Nach dem Austausch des Transmitters verlegte Chris Cassidy ein Stromkabel für das MLM (Nauka), das im nächsten Jahr zur Station starten soll, von Unity zu PMA-1, dem Übergang zum russischen Modul Sarja. Das Kabel war bei einem Außenbordeinsatz im letzten Jahr an Unity zurückgeblieben, weil nicht mehr genug Zeit geblieben war.

Anschließend arbeiteten Cassidy und Parmitano zusammen, um die beiden mit dem Dragon-CRS-2-Flug angelieferten RGBs (Radiator Grapple Bars) zu den Radiatoren an den S1- und P1-Truss-Gittersegmenten zu bringen. Diese Halterungen, die zum Austauschen eines der beiden großen Radiatoren benötigt würden, falls einer davon ausfallen sollte, wurden im März mit dem Roboterarm zunächst temporär an der POA befestigt. Die POA (Payload and ORU Attachment Assembly) befindet sich am Mobile Base System (MBS) auf dem Mobile Transporter, der sich auf Schienen entlang der Truss-Struktur der ISS bewegen kann. Sie ist im Prinzip identisch mit den Enden des Roboterarms SSRMS und kann Nutzlasten an den gleichen Greifpunkten (Grapple Fixtures, GFs) halten.

Für diese Aufgabe befestigte Luca Parmitano eine Fußhalterung am Ende des SSRMS und bestieg diese. Nachdem die beiden RGBs voneinander gelöst waren, manövrierte Karen Nyberg vom Inneren der Station aus den SSRMS mitsamt Parmitano und der ersten RGB zum S1-Truss. Die zweite RGB verbliebt zunächst am POA. Nach der Installation der ersten RGB am Truss ging es zurück zum MBS, wo Luca Parmitano zunächst eine defekte Kamera deinstallierte. Sie soll bei der Dragon CRS-3 Mission zur Reparatur zurück auf die Erde gebracht werden. Dann holte er die zweite RGB vom POA und wurde mit dem Roboterarm zum zweiten großen Radiator an P1 herübergeschwenkt, wo er sie gemeinsam mit Cassidy installierte.

Nach dem Abschluss der Arbeiten mit den RGBs machte sich Chris Cassidy daran, zwei Überbrückungskabel an der Z1-Trussstruktur zu installieren, die den Ausfall wichtiger Systeme im Fall eines Defekts an einem der Gleichstromtransformatoren (DDCU) verhindern sollen. Diese Arbeiten sollen bei der nächsten EVA in einer Woche abgeschlossen werden. Es können nicht beide Kabel bei einer EVA komplett installiert werden, da dazu jeweils Systeme herunter gefahren werden müssen, die nicht gleichzeitig außer Betrieb sein sollen.

Nachdem Luca Parmitano Aufräumarbeiten am SSRMS und der Fußhalterung abgeschlossen hatte, befestigte er eine Schutzabdeckung an PMA-2 vorne am Harmony-Modul der Station. PMA-2 ist der Adapter, an dem bis vor zwei Jahren regelmäßig die Space Shuttles angedockt hatten. Jetzt wird er bis zur Einführung von kommerziellen bemannten US-Raumschiffen nicht mehr benötigt und soll deshalb durch die Abdeckung vor Mikrometeoriten, kleinem Weltraumschrott und Temperaturschwankungen geschützt werden.

Da die Astronauten nach Erledigung dieser geplanten Aufgaben dem Zeitplan über 30 Minuten voraus waren, konnten noch Zusatzaufgaben angegangen werden: Chris Cassidy begab sich zum vorderen Ende des russischen Moduls Sarja, wo sich eine PDGF (Power and Data Grapple Fixture), also ein "Fußpunkt", von dem aus der kanadische Roboteram (SSRMS) operieren kann, befindet. Cassidy kontrollierte zunächst den Mechanismus dieser PDGF und stellte fest, dass sich entgegen der Befürchtungen der Ingenieure kein Erdungskabel im Mechanismus befindet. Anschließend legte er ein Datenkabel von der PDGF zu PMA-1. Bei der nächsten EVA soll dann ein Kabel von PMA-1 zu Traquility (Node-3) verlegt werden.

Mit dem Schließen der äußeren Luke der Luftschleuse und dem wieder Unter-Druck-Setzen von Quest endete der Außenbordeinsatz nach 6 Stunden und 7 Minuten, geplant waren 6 Stunden und 30 Minuten.

In einer Woche, am 16. Juli, geht es für Cassidy und Parmitano wieder "vor die Tür". Dann stehen die endgültige Installation des zweiten Überbrückungskabels an Z1, das Verlegen des zweiten Teils des Datenkabels für die PDGF an Sarja sowie eines Ethernetkabels für das MLM, die Installation von Führungsschienen an den heute installierten RGBs, das Umsetzen einer Antenne und das Entfernen der Schutzabdeckung von der im letzten Jahrs ausgefallenen MBSU (Main Bus Switching Unit, einem Schaltkasten) auf dem Programm.

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(Autor: Sascha Haupt - Quelle: NASA-TV, NASA, Raumcon)


» Abgebrochener Ausstieg
17.07.2013 - Der für gestern geplante Ausstieg von Chris Cassidy und Luca Parmitano wurde aufgrund von Wasser in Lucas Raumanzug nach etwa einer Stunde vorzeitig abgebrochen.
Das Wasser unbekannter Herkunft stammte nach Aussage von Luca Parmitano weder aus dem Trinkbehälter noch aus dem Kühlsystem des Anzugs. In der Schwerelosigkeit sinkt Wasser nicht zu Boden sondern bildet kleine Kugeln, die entweder durch den Anzug schweben oder sich großflächig an Körperteilen anlagern. Dabei besteht immer die Gefahr, dass man Wasser einatmet und sich dieses in der Lunge sammelt.

So geschah dies auch beim gestrigen Ausstieg. Zudem bedeckte ein Wasserfilm auch Ohren, Nase und Augen des Astronauten, so dass dieser zeitweilig nichts mehr hören oder sagen konnte. Als die erste Wasseransammlung im Nacken von Parmitano festgestellt war, wurde der Außenbordeinsatz sofort abgebrochen. Nach dem Wiedereinstieg in die Luftschleuse Quest schloss Luca seinen Raumanzug nicht an die externe Stromversorgung an, um nicht das Risiko eines Kurzschlusses oder eines Stromschlages einzugehen.

Nach dem Öffnen der inneren Luke half man Parmitano aus dem Anzug und versuchte dabei, die umherschwebenden Wassertröpfchen sowie die Wasserfilme im Inneren des Anzugs einzufangen bzw. zu binden.

Insgesamt dauerte der Einsatz 1 Stunde und 32 Minuten, geplant waren mehr als 6 Stunden. Ursprünglich sollte während des Ausstiegs ein zweites Überbrückungskabel am Gitterelement Z1 installiert, Datenkabel für Sarja und das zukünftige Modul Naúka verlegt, Führungsschienen angebracht, eine Antenne umgesetzt und eine Schutzabdeckung an einer Schalteinheit entfernt werden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)



 

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23. Juli 2013
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