InSpace Magazin #495 vom 8. Juli 2013

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Ausgabe #495
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch an die Space Shuttles? Discovery? Endeavour? Atlantis? Genau heute vor zwei Jahren startete die Atlantis zur letzten Shuttle-Mission. Sicher sind das immer noch vertraute Namen, und doch scheint mir die Shuttle-Ära jetzt schon ein wenig zu verblassen... Von anderen, altvertrauten und brandneuen Missionen können Sie in unserem Nachrichtenrückblick der letzten zwei Wochen lesen.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

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• Werden Suborbital-Flüge auf die USA beschränkt? «mehr» «online»
• Proton-Fehlstart mit drei Navigationssatelliten «mehr» «online»
• Proton-Doppelstart: KazSat 3 fliegt mit Luch 5V «mehr» «online»
• OHB liefert SARah für Bundeswehr «mehr» «online»
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• Umkopplungstest mit Shenzhou 10 «mehr» «online»
• Gliese 667C: Ein Stern - 3 habitable Planeten «mehr» «online»
• Russlands neuer Erdbeobachter Resurs-P1 im All «mehr» «online»
• Ariane - Evolution in Revolution ? «mehr» «online»
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• Sojus startet die ersten vier O3b-Satelliten «mehr» «online»
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• TAS Hauptauftragnehmer für ESA-Teleskop Euclid «mehr» «online»
• ULA: Doppelstarts mit Bauteilen von RUAG «mehr» «online»
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» Erster indischer Navigationssatellit im All
02.07.2013 - Indien plant, in den nächsten Jahren durch eigene Satelliten, unabhängige und zuverlässige Navigationsdaten für das eigene Land sowie benachbarte Regionen bereitzustellen. Der erste Satellit von geplanten sieben gelangte gestern Abend ins All und soll in den nächsten Tagen die Zielbahn erreichen.
Der Start von IRNSS 1A fand am 1. Juli 2013, gegen 20.11 Uhr MESZ statt, am Startplatz in Sriharikota gilt indische Standardzeit, wonach es 23.41 Uhr war. Nach dem planmäßig verlaufenen Abheben der Trägerrakete vom Typ PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) wurde der Satellit auf einer hochelliptischen Übergangsbahn zwischen 278 und 20.548 km Höhe bei einer Bahnneigung von 17,9 Grad ausgesetzt. Anschließend entfalteten sich die Solarzellenpaneele.

Mit eigenem Antrieb soll IRNSS 1A im Verlaufe von 5 Antriebsphasen auf die geosynchrone Zielbahn gelangen und nach mehrmonatigem Testbetrieb mit weiteren Satelliten in den regulären Betrieb gehen. Insgesamt plant Indien 3 Satelliten auf der geostationären Bahn, bei 32,5, 83,0 und 131,5 Grad Ost sowie 4 Satelliten auf inklinierten geosynchronen Bahnen. Auf einer solchen Bahn, die ebenfalls eine Umlaufzeit wie die Rotationsdauer der Erde besitzt, scheint ein Satellit nicht über dem Äquator festzustehen, sondern um die Äquatorposition zu schwanken. Er wechselt dabei zwischen 29 Grad Nord und 29 Grad Süd. Erst dadurch wird eine verlässliche Dreipunktpeilung möglich, wobei die drei Satelliten eben nicht auf einer Gerade liegen dürfen.

Eine ähnliche Konstellation hat auch China in den letzten Jahren aufgebaut und war auch in Japan in Planung. Indien will diese nun für seinen Hoheitsbereich bis 2015 oder 2016 verwirklichen. Die in Indien gebauten Satelliten sind dreiachsenstabilisiert und basieren auf dem Satellitenbus I-1K. Die Leermasse liegt bei etwa 615 kg, die Masse mit Betriebsmitteln bei etwa 1.425 kg. Die Navigationsnutzlast besteht aus drei Rubidium-Atomuhren sowie Sendern und Antennen. Als Funktionsdauer plant man pro Satellit etwa 10 Jahre ein.

Die Navigationssignale im L5- und S-Band sollen für die Allgemeinheit eine Genauigkeit um 10 Metern bieten, für staatliche Institutionen, speziell das Militär werden weitere und genauere Dienste bereit gestellt.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ISRO, Raumcon, RN)


» Werden Suborbital-Flüge auf die USA beschränkt?
02.07.2013 - Noch bevor es richtig ernst wird, könnten die Geschäftsmodelle einiger Anbieter privater Weltraumflüge eine grundlegende Überarbeitung benötigen. Werden private bemannte Raumfahrzeuge nach einem Vorschlag des US-Außenministeriums zu Rüstungsgütern erklärt, sind Starts außerhalb der USA kaum realistisch. Wichtige Kundenkreise könnten verloren gehen.
In den USA bedroht eine Überarbeitung der ITAR (International Traffic in Arms Regulations) genannten Waffenexport-Kontrollregularie die Geschäftsmodelle der Anbieter suborbitaler Raumflüge. Nach einem Vorschlag des US-Außenministeriums könnte die in Verbindung mit der ITAR gültige Liste der einer Ausfuhrkontrolle unterliegenden US-Rüstungsgüter (USML oder United States Munition List) überarbeitet und erweitert werden. Dabei soll geprüft werden, ob bemannte Privat-Raumfahrzeuge als Rüstungsgüter klassifiziert werden. Die betroffenden Unternehmen können noch bis 8. Juli 2013 ihre Kommentare zur ITAR/USML-Überarbeitung abgeben.

Für Anbieter privater Weltraumflüge käme eine solche Klassifizierung unpassend. Das Angebot von Starts außerhalb der USA würde genehmigungspflichtig und damit erheblich erschwert bis unmöglich. Die Geschäftsmodelle sehen zwar die USA als Kernmarkt an. Die Expansion ins Ausland hin zur dort ansässigen zahlungskräftigen Kundschaft ist aber auch Teil der langfristigen Planung. Wenn eine gesetzliche Beschränkung bereits in der jetzigen Investitionsphase künftige Ertragspotenziale beschneidet, müssten alle Planungen überabeitet werden.

Die Suborbital-Anbieter haben sich bislang mit öffentlichen Stellungnahmen zurückgehalten. Immerhin hat XCOR Aerospace im eigenen Blog in diesem Zusammenhang auf die wenig erfreuliche Entwicklung der US-Satellitenindustrie hingewiesen. Kommerzielle Satelliten wurden 1999 in die USML aufgenommen. Nach Berechnungen des Branchenverbandes AIA (Aerospace Industries Association) ging der globale Marktanteil in den folgenden Jahren von 63% auf rund 40% zurück. Die entgangenen Umsätze werden auf 20 Mrd. US-Dollar geschätzt, der Arbeitsplatzabbau auf 250.000 Stellen. Und in Florida Today schreibt deren Raumfahrtindustrieexperte John Kelly, bei allem Verständnis für Sicherheitsfragen müssten auch die Zukunftschancen der US-Weltraumindustrie beachtet werden.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: Nasa Watch, XCOR, AIA, Florida Today)


» Proton-Fehlstart mit drei Navigationssatelliten
02.07.2013 - Um 4:38 Uhr MESZ am 2. Juli 2013 hob die von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-M-Trägerrakete mit einer DM-03-Oberstufe von Energia und drei Satelliten für das russische Navigationssystem GloNaSS an Bord ab. Wegen einer Fehlfunktion war ihr Flug nach rund 30 Sekunden bereits beendet, als die Rakete rund 4 Kilometer von ihrer Startstelle in Baikonur entfernt auf dem Boden aufschlug.
Weil Oxidator, Distickstofftretoxid (N2O4), und Brennstoff, unsymmetrisches Dimethlyhydrazin (UDMH), welche sich an Bord der Rakete befunden hatten, giftige Substanzen sind, wurden Anwohner von Siedlungen im Bereich des Unfalls angewiesen, Türen und Fenster verschlossen zu halten und Gebäude nicht zu verlassen. Nach bisherigen Angaben aus Russland kamen bei dem Fehlstart keine Personen zu schaden. An der Startanlage 81/24, von der die Rakete abgehoben hatte, entstanden keine Schäden, an einer anderen Startanlage (200/39), in deren Nähe die Rakete niederging, nach aktuellem Stand ebenfalls nicht.

Noch vor dem Einschlag im Steppenboden hatte die Rakete begonnen, unter der ungeplanten Belastung auseinander zu brechen. Videoaufzeichnungen zeigen, wie die Orbitaleinheit aus Oberstufe und Nutzlastspitze abknickt, und um den zentralen Oxidatortank angebrachte Treibstofftanks von der ersten Raketenstufe wegbrechen.

An der Spitze der Rakete befanden sich unter der Nutzlastverkleidung drei Navigationssatelliten vom Typ GloNaSS-M. Die Satelliten des Block 47 trugen die Seriennummern 48, 49 und 50. Sie waren als Ergänzung und Verstärkung des russischen Satellitennavigationssystems GloNaSS gedacht, dessen Ausbau seit Jahren nicht vorankommt.

Was als Ursache für den Fehlstart angenommen werden muss, wurde von offizieller Seite bisher nicht bekannt gegeben. Offensichtlich ist, dass die Rakete wenige Sekunden nach dem Abheben völlig ihre Fähigkeit verliert, der eigentlich vorgesehenen Flugbahn zu folgen. Ob eines oder mehrere der sechs Triebwerke vom Typ RD-276 nicht funktionierten wie geplant, ob bei der Treibstoffversorgung der Triebwerke Schwierigkeiten auftraten, ob es Probleme beim Schwenken oder Drosseln der Triebwerke gab oder die Flugsteuerung falsche Kommandos sendete ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt.

Zur Unfalluntersuchung hat die russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos eine Kommission eingesetzt, deren erste Aufgabe es ist, die Aufzeichnungen der Telemetriedaten vom Start zu untersuchen. Der Vermarkter von Proton-Starts für Kunden aus aller Welt International Lauch Services (ILS) hat angekündigt, eine eigene Arbeitsgruppe die Ergebnisse der Kommission von Roskosmos überprüfen zu lassen.

Der eigentlich für den 20. Juli 2013 vorgesehene Start des Kommunikationssatelliten Astra 2E wird sehr wahrscheinlich nicht an diesem Termin erfolgen können. Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete bereits wenige Stunden nach dem Fehlstart, dass in den nächsten zwei bis drei Monaten keine Starts mit Proton-Raketen stattfinden werden.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ILS, RIAN, Roskosmos)


» Proton-Doppelstart: KazSat 3 fliegt mit Luch 5V
07.07.2013 - Die beiden Satelliten, die vom russischen Satellitenhersteller Reschetnjow Informational Satellite Systems gebaut werden, möchte man nach Angaben ihres Erzeugers vom 4. Juli 2013 Anfang 2014 gemeinsam auf einer Trägerrakete in den Weltraum transportieren lassen.
Ob es zu einem Start der Satelliten im ersten Quartal 2014 kommt, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher. Starts von Russlands einziger Trägerrakete, die für Doppelstarts großer Satelliten geeignet ist, der Proton, wurden nach einem Fehlstart am 2. Juli 2013 ausgesetzt. Die Unterbringung unter der Nutzlastverkleidung der Rakete jedenfalls wird der beim Proton-Flug mit Luch 5A und Amos 5 folgen: Der kleinere Luch 5V wird zu oberst sitzen, direkt auf der Raketenoberstufe und mit entsprechender struktureller Standfestigkeit ausgestattet der größere KazSat 3.

KazSat 3 ist ein Kommunikationssatellit für die kasachische Behörde für Weltraumkommunikation (RTSKS), der eine von Thales Alenia Space (TAS) in Italien gebaute Kommunikationsnutzlast mit 28 Ku-Band-Transpondern und einer Leistung von insgesamt rund 5,5 Kilowatt tragen wird. Der Bus, auf dem KazSat 3 aufgebaut wird, ist der Express 1000H bzw. Ekspress 1000N von Reschetnjow, der für die beim Start mit einem zusätzlich aufgesetzten Satelliten auftretenden Belastungen geeignet ist.

Die Kommunikationsnutzlast aus Westeuropa befindet sich mittlerweile bei Reschentnjow im russischen Schelesnogorsk nordöstlich von Krasnojarsk und muss zur Zeit eine Reihe von Eingangstests überstehen. Anschließend erfolgt die Integration in den Satelliten, d.h. ihre Verbindung mit dem Satellitenbus.

Der Vertrag über den Bau von KazSat 3 zwischen Reschentnjow und Kasachstans Behörde für Weltraumkommunikation war am 20. Juni 2011 unterzeichnet worden. Im All soll KazSat 3 an einer Position von 58,5 Grad Ost im Geostationären Orbit eingesetzt werden. Als Auslegungsbetriebsdauer des Satelliten nennt Reschetnjow 15 Jahre.

Bei Luch 5V handelt es sich um einen Relaissatelliten mit einer Startmasse im Bereich von 1.150 Kilogramm, der als Bindeglied für Datenverbindungen zwischen verschiedenen Raumfahrzeugen und zwischen Raumfahrzeugen und entsprechenden Bodenstationen eingesetzt werden soll. Damit kommen ihm innerhalb russischer Raumfahrtprogramme Funktionen zu, die TDRS-Raumfahrzeuge für US-amerikanische Programme erfüllen. Positioniert werden soll Luch 5V bei 167 Grad West im Geostationären Orbit.

Aufbaut wird der Satellit auf Reschentnjows Satellitenbus Express 1000A bzw. Ekspress 1000K. Luch 5V wird 6 Transponder für das Ku- und das S-Band erhalten. Zu ihrer Energieversorgung gibt es zwei Solarzellenausleger des Herstellers Saturn aus Krasnodar mit Gallium-Arsenid-Zellen, die am Ende der Einsatzzeit des Satelliten noch eine elektrische Leistung von 2.200 Watt liefern sollen. Strom von den Solarzellen wird auch für den Betrieb der elektrischen, Xenon ausstoßenden Triebwerke vom Typ SPT-100 (SPT steht für stationary plasma thruster) vom russischen Konstruktionsbüro Fackel bzw. Fakel aus Kaliningrad benötigt.

Mit dem seit dem 11. Dezember 2011 im All befindlichen Luch 5A und dem am 3. November 2012 gestarteten Luch 5B könnte sich ein annähernd erdumspannendes Netz ergeben, das es ermöglicht, von jeder erdenklichen Umlaufbahn aus Kontakt mit einer zuständigen Bodenstation in Russland herzustellen.

Bedauerlicherweise wurden beim Bau von Luch 5A problembehaftete Sternensensoren verwendet. Obwohl es Erfahrungen mit ähnlichen Sensoren an Bord von GEO-IK-2 gab, die sich als empfänglich für Interferenzen erwiesen hatten, wurden Sensoren von Luch 5A vor dem Start nicht angepasst. Im Weltraum gab es Schwierigkeiten, Schutzblenden für die zur korrekten Ausrichtung des Satelliten erforderlichen Sensoren vom Typ 348K von Geofizika-Cosmos richtig zu steuern.

Zwischenzeitlich sind mindestens zwei der drei Sternensensoren an Bord von Luch 5A nicht mehr benutzbar. Ob Luch 5A auch ohne Sternensensoren so ausgerichtet werden kann, dass ein anhaltender nützlicher Einsatz des Satelliten möglich ist, wurde von offizieller Seite nicht mitgeteilt. Es gibt Stimmen, die sagen, dass die Erd- und Sonnensensoren an Bord dafür ausreichend seien.

Luch 5V ist möglicherweise als Ergänzung oder Ersatz des angeschlagenen Luch 5A oder als Nachfolgeprojekt des fortgeschrittenen Relaissatelliten Luch 4 zu verstehen. Eigentlich sollte letzterer Luch 5A und 5B ergänzen, erlebte zwischenzeitlich jedoch eine Transformation in einen experimentellen Kommunikationssatelliten. Basierend auf dem Satellitenbus Express 2000 sollte das ehemals als Luch 4 bezeichnete Raumfahrzeug als Yenisey A1 nach Planungen mit Stand vor dem jüngsten Proton-Fehlschlag im Jahr 2013 ins All transportiert werden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Reschentnjow, Roskosmos, Russian Space Web)


» OHB liefert SARah für Bundeswehr
08.07.2013 - Am 2. Juli 2013 hat das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) in Koblenz die Orbitale Hochtechnologie Bremen System AG (OHB) mit Entwicklung und Lieferung des militärischen satellitengestützten Radar-Aufklärungssystems SARah beauftragt. Vorher hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages in einer Sitzung am 26. Juni 2013 seine Zustimmung zu dem Rüstungsprojekt geben.
Das aktuell im Einsatz befindliche militärische deutsche Radarsatellitensystem SAR-Lupe wurde ebenfalls von OHB aufgebaut. Es ist mit seinen Satelliten mit unbeweglich montierten Antennenschlüsseln in der Lage, Gegenstände am Erdboden zu identifizieren, die kleiner als ein Meter sind. Die Auslegungsbetriebsdauer dieses Systems reicht laut einer Information der Bundesregierung bis Ende 2017. Ein Vertrag mit OHB, in dessen Rahmen OHB betriebliche Aufgaben für SAR-Lupe erfüllt, läuft im November 2017 aus.

Das Radar-Aufklärungssystem SARah wird nach Fertigstellung aus zwei Bodenstationen und drei um die Erde kreisende Radarsatelliten bestehen. Nach derzeitigem Planungsstand soll das Bodensegment von SARah im Herbst 2016 einsatzbereit sein. Der Betriebsbeginn des fertiggestellten Gesamtsystems ist derzeit für Ende 2019 vorgesehen.

SARah wird nach Angaben der Bundeswehr dann für Kontinuität bei der Fähigkeit, Krisensituationen frühzeitig zu erkennen und sinnvoll zu bewältigen, sorgen. Die Leistungen des Systems sollen über denen von SAR-Lupe liegen. Beispielsweise erwartet man von SARah eine verbesserte Auflösung, schnellere Datendownloads von den Satelliten und reduzierte Systemantwortzeiten.

Der Start der Satelliten wird voraussichtlich auf Falcon-9-Raketen des US-amerikanischen Unternehmens SpaceX erfolgen, wurde anlässlich der Pariser Luftfahrtschau auf dem Flughafen Le Bourget im Juni 2013 bekannt. Für zwei der Satelliten ist ein gemeinsamer Flug geplant, für den dritten Satelliten der Konstellation ein zusätzlicher Start.

Bei zwei der drei Satelliten für SARah greift OHB auf Technologien zurück, die bereits bei SAR-Lupe verwendet werden. Für die neuen Satelliten will OHB insbesondere die von SAR-Lupe benutzte Reflektortechnologie weiterentwickeln.

Den dritten Satelliten für SARah möchte man mit Radartechnik ausrüsten, die auf der von der Astrium GmbH in den zivilen Radarsatelliten TerraSAR-X und Tandem-X verwendeten basiert. Auf letzteren kommen aktive phased-array Radaranlagen zum Einsatz, deren Antennen ohne bewegliche Teile auskommen und jeweils 384 horizontale sowie 384 vertikale einzelne Strahler besitzen.

OHB fungiert als Hauptauftragnehmer für das Projekt. Die beiden Satelliten mit der aus SAR-Lupe weiterentwickelten Technik und zentrale Bestandteile der Ausrüstung der Bodenstationen will OHB selbst liefern. Den Satelliten mit der Phased-Array-Technik bezieht OHB von Astrium.

Nach Angaben von OHB liegt das Gesamtvolumen des staatlichen Auftrags bei 816 Millionen Euro. Enthalten sind darin gemäß Informationen aus Le Bourget auch der Start der Satelliten und der Betrieb der gesamten Infrastruktur über einen Zeitraum von zehn Jahren. Den Anteil für Astrium beziffern gewöhnlich gut informierte Quellen auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Bundeswehr-Journal, OHB, Raumfahrer.net)


» Galaxien wachsen durch das Ansaugen von Gas
08.07.2013 - Astronomen ist es kürzlich gelungen eine weit entfernte Galaxie zu beobachten, welche durch ihre Gravitation das sie umgebende Gas ansaugt. Das Gas strömt auf die Galaxie zu und treibt dabei sowohl die Sternentstehung als auch die Rotation dieser Galaxie an. Die Messungen sind der bisher beste direkte Nachweis für eine Theorie welche besagt, dass Galaxien das sie umgebende Gas an sich ziehen und aufbrauchen, indem sie neue Sterne bilden und dabei wachsen.
Astronomen hatten schon länger die Vermutung, dass Galaxien an Masse gewinnen, indem sie Material aus ihrer Umgebung einsaugen, welches anschließend für die Bildung neuer Sterne verwendet wird. Allerdings erwies es sich in der Vergangenheit als sehr kompliziert, diesen Prozess auch direkt zu beobachten. Jetzt hat ein internationales Astronomenteam mit dem von der Europäischen Südsternwarte (ESO) in den chilenischen Anden betriebenen Very Large Telescope (kurz "VLT") im Sternbild Tucana (zu deutsch "Tukan") eine sehr seltene Anordnung zwischen einer entfernten Galaxie und einem noch weiter entfernten Quasar untersucht.

Bei einem Quasar handelt es sich um den extrem hellen Kernbereich einer aktiven Galaxie, welche sich in einer sehr großen Entfernung zu unserer Heimatgalaxie befindet und gewaltige Energiemengen abstrahlt. Im sichtbaren Licht erscheinen diese Objekte dabei nahezu punktförmig. Ihre Leuchtkraft, so die gängige Theorie, wird durch die Aktivität von einem supermassereichen Schwarzen Loch erzeugt, welches sich im Zentrum dieser Galaxie befindet. Die von ihnen erzeugte große Helligkeit macht Quasare quasi zu "kosmischen Leuchtfeuern", deren nähere Untersuchung es den Astronomen und Astrophysikern ermöglicht, die Anfänge der Entstehungsgeschichte unseres Universums und die Entstehung der ersten Sterne und Galaxien näher zu analysieren und zu interpretieren.

Im Falle der jetzt erfolgten Beobachtungen muss das von dem Quasar ausgehende Licht zuerst die im Vordergrund befindliche Galaxie und das sie umgebende Material durchlaufen, bevor es die Erde erreicht. Beim Passieren der Gaswolken werden allerdings einige Wellenlängen des Lichts absorbiert. Das Muster dieser "Absorptionsfingerabdrücke" enthüllt den Astronomen eine Vielzahl an Informationen bezüglich der Bewegungen des Gases und über dessen chemische Zusammensetzung. Dadurch ist es möglich, die Eigenschaften des Gases um der vom ihm umgebenen Galaxie im Detail zu untersuchen. Ohne den im Hintergrund befindlichen Quasar wären viele dieser Informationen im Verborgenen geblieben, da die Gaswolken keine eigene Strahlung aussenden und auf direkt angefertigten Aufnahmen nicht erkennbar sind.

"Diese Art von Anordnung ist sehr selten und hat es uns ermöglicht einzigartige Beobachtungen durchzuführen", so Nicolas Bouché vom Research Institute in Astrophysics and Planetology (IRAP) in Toulous/Frankreich und Erstautor eines entsprechenden Fachartikels. "Mit dem Very Large Telescope der ESO waren wir in der Lage sowohl die Galaxie selbst als auch das umliegende Gas zu beobachten. Erst das führte letztendlich dazu, dass wir ein wichtiges Problem der Galaxienentstehung angehen konnten: Wie wachsen Galaxien und wie nähren sie die Sternentstehung?"

Galaxien brauchen ihr ursprünglich vorhandenes Gasreservoir relativ schnell auf, indem sich in ihrem Inneren permanent neue Sterne entwickeln. Um diese Sternentstehungsprozesse jedoch auch über längere Zeiträume hinweg aufrecht erhalten zu können müssen die Galaxien einen steten Zustrom an "frischem Material" erleben. Die Astronomen hatten bereits vermutet, dass die Lösung dieses Problems darin besteht, dass Galaxien durch ihre gravitative Anziehungskraft kaltes Gas aus der galaktischen Umgebung ansaugen. In diesem Szenario zieht eine Galaxie Gas aus der Umgebung an, welches dann zuerst um die Galaxie kreist und zusammen mit dieser rotiert, bevor es schließlich in die Galaxie eindringt und sich dort in Sternentstehungsgebieten konzentriert.

Obwohl bereits in der Vergangenheit einige Anzeichen einer solchen Akkretion in Galaxien beobachtet wurden, konnten die Bewegung des Gases und seine weiteren Eigenschaften bisher nicht vollständig untersucht werden. Im Rahmen der jetzt durchgeführten Beobachtungen konnte deutlich nachgewiesen werden, dass sich das Material in Richtung der Galaxie und nicht etwa von ihr weg bewegt. Zusätzlich konnte dabei die Zusammensetzung des Gases ermittelt werden.

Für ihre Untersuchungen benutzten die Astronomen zwei Instrumente, welche am VLT montiert sind. Das SINFONI-Instrument (kurz für "Spectrograph for Integral Field Observations in the Near Infrared", zu deutsch "Spektrograph für integrierte Feldbeobachtungen im Nah-Infrarot") hat dabei die Bewegungen des Gases innerhalb der beobachteten Galaxie registriert. UVES (kurz für "Ultraviolet and Visual Echelle Spectrograph", zu deutsch "Ultravioletter und visueller Echelle-Spectrograf") hat dagegen die Effekte des Gases um die Galaxie auf das Licht des weiter entfernten Quasars enthüllt. Durch den Einsatz dieser beiden Instrumente konnte sowohl die Rotation der Galaxie auch die Zusammensetzung und die Bewegung des Gases außerhalb der Galaxie beobachtet werden.

"Die Eigenschaften dieser enormen Menge an umliegendem Gas fielen genau so aus, wie wir sie für kaltes Gas, das in die Galaxie gezogen wird, erwartet haben", erklärt Michael Murphy von der Swinburne University of Technology in Melbourne/Australien. "Das Gas bewegt sich wie erwartet und die Gasmenge und die Zusammensetzung sind in etwa so wie erwartet und passen perfekt zu den Modellen. Es ist wie zur Fütterungszeit für die Löwen im Zoo - diese bestimmte Galaxie hat einen gewaltigen Appetit und wir haben herausgefunden, wie sie sich selbst füttert, um so schnell zu wachsen."

"In diesem Fall hatten wir das Glück, dass der Quasar sich genau am richtigen Ort befindet, so dass sein Licht das Gas durchqueren muss. Die nächste Generation von noch größeren Teleskopen wird Untersuchungen mit mehreren Sichtlinien pro Galaxie ermöglichen und somit ein vollständiges Bild bieten", erklärt Crystal Martin von der University of California in Santa Barbara/USA, welche ebenfalls an den Untersuchungen beteiligt war.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 5. Juli 2013 unter dem Titel "Signatures of Cool Gas Fueling a Star-Forming Galaxy at Redshift 2.3" in der Fachzeitschrift "Science" publiziert.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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Fachartikel von Nicolas Bouché et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Umkopplungstest mit Shenzhou 10
25.06.2013 - Wie chinesische Medien melden, hat das Raumschiff Shenzhou 10 heute früh erneut von der Raumstation abgekoppelt und diese anschließend umflogen.
Zunächst entfernte sich das Raumschiff nach der Abkopplung gegen 1.02 Uhr MESZ in Flugrichtung nach vorn, wurde dann auf eine höhere Bahn gebracht, wodurch es langsamer wurde und hinter die Station zurück fiel. Anschließend wendete das Raumschiff und senkte die Bahn wieder ab. Etwa 300 Meter hinter Tiangong 1 begann nun ein erneuter Anflug. Auch Tiangong 1 drehte sich um 180 Grad und wandte dem Raumschiff nun wieder seinen Kopplungsstutzen zu. Hier erfolgte ein weiteres Rendezvous kurze Zeit später.

Wie vom chinesischen Kontrollzentrum mitgeteilt wurde, stellt das Manöver einen Test für die spätere große Raumstation dar. Hier könnten wie früher bei Saljut-Stationen, der Mir oder mitunter auch heute bei der Internationalen Raumstation Umkopplungsoperationen erforderlich werden. Außerdem wird die zukünftige chinesische Station sowohl am Bug als auch am Heck über Koppungsaggregate verfügen.

Ein Umfliegen der ISS war auch in den letzten Jahren am Ende von Shuttle-Missionen üblich, um Fortschritte beim Aufbau der Station zu dokumentieren.

Die Rückkehr der drei chinesischen Raumfahrer der Mission Shenzhou 10 ist für morgen etwa 8 Uhr Pekinger Zeit geplant, dies wäre 2 Uhr MESZ.

Update:
Zunächst wurde auf CCTV gemeldet, das Raumschiff habe noch einmal an die Raumstation angekoppelt. Dafür gab es bisher aber noch keine unabhängige Bestätigung. Auf jeden Fall befindet sich Shenzhou 10 jetzt auf einem Alleinflug und die Besatzung bereitet sich auf die Rückkehr zur Erde vor.

Verwandte Meldungen:

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, CCTV)


» Gliese 667C: Ein Stern - 3 habitable Planeten
25.06.2013 - Bislang kannte man beim roten Zwergstern Gliese 667C nur drei Planeten sicher. Es gab zwar Hinweise auf weitere, aber erst mit jetzt erfolgten zusätzlichen Beobachtungen konnten weitere Planeten bestätigt werden. Insgesamt kommt das System jetzt auf sechs oder sieben Planeten, von denen drei flüssiges Wasser beherbergen könnten.
Das Forscherteam mit Beteiligung der Universitäten in Göttingen und Dresden verwendete für seine Analysen Doppler-Spektren vom sehr erfolgreichen und bekannten Planetensucher HARPS in La Silla/Chile sowie von weiteren Spektrografen am VLT in Paranal/Chile, am Keck-Teleskop auf Hawaii und am Magellan-Teleskop, ebenfalls in Chile. Das Messprinzip dabei ist, dass an der durch den Dopplereffekt verursachten Verschiebung der Spektrallinien die Radialgeschwindigkeit des Sterns erkennbar wird. Planeten sorgen bei ihren Umkreisungen des Sterns dafür, dass die gemessene Radialgeschwindigkeit sich minimal verändert. Daher kann man aus dem Verlauf der Geschwindigkeitsmessungen auf die Masse und Umlaufbahn der Planeten eines Sterns schließen.

Je länger der Zeitraum ist, in dem solche Beobachtungen durchgeführt werden, umso mehr Daten werden also gewonnen und um so mehr Planeten, vor allem mit längeren Perioden können entdeckt werden. So wurden jetzt bei Gliese 667C, einem kleinen Stern mit etwa einem Viertel der Sonnenmasse mindestens vier bislang unbekannte Planeten entdeckt. Diese tragen die systematischen Bezeichnungen Gliese 667Ce bis Gliese 667Cg (667Cb bis Cd waren bereits früher bekannt).

Zusätzlich gibt es Hinweise auf einen siebten Planeten in diesem System. Ob dieser allerdings tatsächlich existiert, hängt von den Umlaufbahnen der anderen Planeten ab. Das gemessene Signal kann zum einen durch einen Planeten erklärt werden, wenn alle Planeten des Systems kreisförmige Umlaufbahnen haben, wenn diese Umlaufbahnen aber elliptisch sein sollten, wäre kein siebter Planet als Erklärung nötig. Um das sicher zu bestimmen werden weitere Messungen nötig sein. Derzeit lässt sich der Status von Gliese 667Ch nicht sicher bestimmen.

Alle Planeten von Gliese 667C sind sogenannte Super-Erden, ihre gemessenen Minimalmassen liegen zwischen 2,6 und 5,6 Erdmassen. Da die Neigung des Systems gegenüber unserer Blicklinie unbekannt ist, lässt sich die exakte Masse nicht bestimmen. Dynamische Analysen des Systems zeigen allerdings, dass die Planetenmassen maximal etwa doppelt so groß sein können, da das System sonst instabil wäre. Insgesamt handelt es sich hierbei um ein dicht gepacktes Planetensystem - wenn der siebte Planet existiert, wären alle stabilen Umlaufbahnen besetzt, lediglich weiter außen wäre noch Platz für weitere Planeten. Das alles in einem Bereich, der nur wenig über die Umlaufbahn des Merkur hinausragen würde.

Besonders interessant sind dabei die Planeten c, e und f. Sie liegen definitiv in der habitablen Zone des Sterns, dass heißt, dass sie flüssiges Wasser beherbergen könnten und damit Leben, wie wir es kennen. Wegen der Ungenauigkeit der Orbitbestimmung des äußeren Planeten d ist bei diesem nicht sicher, ob er vielleicht mit großem Treibhauseffekt auch noch in diese Kategorie fallen könnte. Auf jeden Fall ist aber die Entdeckung von drei Planeten in der habitablen Zone eines Sterns eine absolute Premiere.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: ESO)


» Russlands neuer Erdbeobachter Resurs-P1 im All
25.06.2013 - Um 19.28 Uhr MESZ startete in Baikonur eine Sojus-2.1b-Rakete mit dem Satelliten Resurs-P1 an Bord. Dieser führt die lange Serie der russischen Resurs-Erdbeobachtungssatelliten fort. Diese Satelliten fotografieren die Erde und ihre namensgebende Aufgabe war und ist es, verschiedene Ressourcen zu erfassen um diese nutzbar zu machen.
Resurs-P1 ist Teil von Russlands groß angelegtem Programm, seine Erdbeobachtungskapazitäten drastisch zu erweitern. Seit 2006 war Resurs-DK, der Vorgänger des heute gestarteten Resurs-P1, für lange Zeit der einzige aktive Satellit, den Russland für diese Aufgabe hatte. Mit einer Auslegungsbetriebsdauer von nur drei Jahren hat dieser aber seit längerem mit Problemen zu kämpfen und ist nicht mehr voll einsatzfähig.

Mitte 2012 wurde er dann durch den ersten Satelliten der Kanopus-Serie ergänzt. Diese Satelliten sind kleiner als die Resurs-Satelliten und verfügen über weniger Instrumente und Aufnahmeleistung, erreichen aber vergleichbare Bildauflösungen. In diesem Jahr wurde bereits der militärische Bildaufklärer Persona 2 gestartet, heute Resurs-P1 und in Kürze soll noch der Radarsatellit Kondor dazu kommen. In den kommenden Jahren will Russland ein ähnliches Tempo einhalten mit weiteren Starts von Satelliten der Serien Persona, Resurs-P, Kanopus sowie die neu geplante Obsor-Konstellation (sowohl optisch als auch Radar)

Resurs-P1 wurde von ZSKB Progress gebaut. Die gleiche Firma stellt auch die Sojus-Raketen her. Der Satellit verfügt über verschiedene Aufnahmemodi. Im panchromatischen Modus erreicht er eine Bildauflösung von 1 Meter, bei Farbaufnahmen sind es 3 bis 4 Meter. Resurs-P verfügt dabei über die Fähigkeit, stereoskopische Bilder (also 3D-Aufnahmen) zu erstellen. Außerdem ist eine Multispektralkamera mit 96 Kanälen und einer Auflösung von 25 m verbaut. Die Instrumente an Bord sind allesamt Zeilenscanner, so dass sie Streifen verschiedener Länge, aber fester Breite aufnehmen. Je nach Aufnahmemodus schwankt die Schwadbreite dabei zwischen 25 km (Multispektralaufnahmen) und 441 km (Weitwinkel-Farb/Panchromatische Aufnahmen).

Um diese Aufnahmen zu erstellen, wird Resurs-P1 in einem sonnensynchronen Orbit in 475 km Höhe um die Erde kreisen. Die Sojus-Rakete hat mit ihrem zehn Minuten dauernden Flug zunächst in eine leicht elliptische Umlaufbahn gesteuert, die der Satellit mit seinem eigenen Antrieb noch zirkularisieren muss. Der Sojus ist es nicht möglich, direkt einen solchen Orbit anzufliegen. Die Lebensdauer von Resurs-P1 soll nach Plan fünf Jahre betragen.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Tsenki/ZSKB Progress)


» Ariane - Evolution in Revolution ?
25.06.2013 - Der Raumfahrtsektor ist schon immer geprägt von großen Plänen und weitreichenden Entscheidungen, die aufgrund von vielen Beteiligten in internationaler Abstimmung mühevoll gestaltet werden. Wie soll sich die europäische Raumfahrt weiterentwickeln? Fragen an den DLR-Chef Prof. J. Wörner.
Eine gewisse Dynamik erfuhr in letzter Zeit das Thema, wie die Weiterentwicklung der Ariane 5 zur Ariane 6 aussehen sollte. Frankreich treibt das Thema mit immer neuen Vorschlägen stark voran, eine Dynamik, die man sich auch in anderen Raumfahrt-Bereichen wünschen würde. Andererseits scheint der Ariane 5-Nachfolger immer konventioneller zu werden.

Für uns war das Anlass, Informationen über die Rolle der deutschen Raumfahrt aus erster Hand zu erfragen. DLR-Chef Prof. Wörner stand uns dafür Rede und Antwort.

RN: Herr Wörner, Ariane 5 und ATV-4 haben zuletzt tolle Bilder geliefert. Zum ersten Mal sah man die Stufentrennung der Ariane 5 mit der Erde im Hintergrund ebenso, wie das Aussetzen des ATV. Ist das nicht ein tolles europäisches Projekt und macht das nicht Lust auf mehr?

J. Wörner: Ja, zumal das STEREX-Experiment, bei dem diese Aufnahmen entstanden sind, vom DLR gefördert wurde.

Früher war Raumfahrt vor allem Begeisterung und Nationalstolz. Heute ist Raumfahrt insbesondere durch zwei Bereiche gekennzeichnet: Zum einen ist sie nutzenorientiert, denken Sie an Satelliten-Bilder, die bei Flutkatastrophen helfen, Kommunikation, Navigation, Wetter, usw.

Zum Zweiten ist es die Wissenschaft, viele offen Fragen sind noch zu beantworten, was keineswegs abstrakt ist, sondern auch zu ganz praktischem Nutzen führt, z.B. selbst die Relativitätstheorie, die damals kaum jemand verstand und für relevant hielt, ermöglicht uns heute erst die genaue Positionsbestimmung unter Berücksichtigung von Geschwindigkeit und Zeit.

RN: Ganz aktuell, im deutschen Parlament soll die Entwicklung des Nachfolgesystems von SAR-Lupe beschlossen werden, ein 800-Millionen-Euro-Projekt. Es wurde berichtet, dass die Bundeswehr für den Satellitenstart dann möglicherweise Kunde von SpaceX wird?

J. Wörner: Weltweit werden Trägersysteme kommerziell angeboten, wir haben amerikanische und indische, wir haben chinesische und russische, also alle Möglichkeiten. Die SpaceX-Trägerrakete bedient einen bestimmten Markt, der nutzlastseitig sehr interessant ist. Die Ariane 5 bedient einen anderen Markt, der in der Gewichtsklasse aber deutlich darüber liegt. Klar, der Wettbewerb ist ein weltweiter Wettbewerb. Aber aus deutscher Sicht haben wir auch immer gesagt, dass wir das günstigste Angebot nehmen.

Jedoch müssen wir auch aufpassen, dass wir nicht die Eigenständigkeit verlieren. Denn wenn man diese verliert, ist man dem Markt ausgeliefert. Galileo ist ein gutes Beispiel, dass man mit Eigenständigkeit mehr erreicht und das sollten wir auch bei den Trägerraketen so beibehalten.

RN: Bei der Weiterentwicklung der Ariane 5 sind letztes Jahr in Neapel wichtige Weichenstellungen erfolgt. Im Vorfeld wurden verschiedene Ariane-6-Konzepte diskutiert, zur Konferenz bzw. danach aber nur eine Feststofflösung. War das nicht überraschend?

J. Wörner: Nein, ich war sehr intensiv in diesem Prozess eingebunden, habe auch die meisten Diskussionen im Vorfeld der ESA-Ministerratskonferenz entweder selber geführt oder auf der Konferenz mit dem deutschen Delegationsleiter Peter Hintze.

Die Diskussion um die Ariane 5 und deren Weiterentwicklung - die heißt dann "Ariane 5 ME - midlife evolution" - oder die Frage einer Ariane 6, die begann bereits ein Jahr vorher. Und man muss erst einmal sehen, dass beide Positionen - die deutsche, wie die französische durchaus begründet sind. Unsere französischen Kollegen sagen, wir können mit einem etwas kleineren und flexibleren Launcher den Markt besser bedienen und besser im Wettbewerb sein als z.B. SpaceX und andere. Und unsere Argumentation war, dass erstens die Ariane 5 in der jetzigen Form sehr, sehr gut ist, auch für den Transport großer Lasten und mit der Erweiterung zur Ariane 5 ME glauben wir, dass wir dort in der Wettbewerbsfähigkeit große Vorteile haben können.

Vor allem wissen wir, dass die Entwicklung der Ariane 5 ME um Faktoren günstiger ist, als eine komplette Neuentwicklung. Der Beschluss in Neapel, und das haben wir auch entsprechend vorbereitet, hat beide Themen miteinander verbunden - wir verfolgen die Ariane 5 ME weiter, um sie 2017/2018 zum Erstflug zu bringen. Parallel denken wir intensiv darüber nach - was könnte eine Ariane 6 sein und 2014 soll dann eine weitere Entscheidung fallen.

Und wir haben, damit es weitergeht, Gemeinsamkeiten gesucht, die Gemeinsamkeiten zwischen Ariane 5 ME und Ariane 6 betragen 600 Mio €. Geld, das man sparen kann, wenn technische Entwicklungen für die Ariane 5ME in die Ariane 6 einfließen.

Deshalb war die ESA-Ministerratskonferenz wegweisend für die Zukunft, die versucht, verschiedene Systeme auch immer zusammenzubringen - wir machen jetzt die Ariane 5 ME weiter und wir werden sehen, wie viel Finanzkraft Europa aufbringt und auch wann, unter welchen Randbedingungen, um dann ggf. eine Ariane 6 zu entwickeln. Aber das werden wir im nächsten Jahr entscheiden.

RN: Wird eine Ariane 5 auch in Zukunft genügend Nutzlasten erhalten, das ATV fällt ja dann weg? All-Electric Satelliten sollen evtl. kleiner sein als der klassische Satellit mit chemischen Antrieben.

J. Wörner: Im Moment sehen wir eher, dass die Satelliten immer größer werden. So ist der Alphasat, der im Juli mit einer Ariane 5 starten soll, der größte Kommunikationssatellit, der je gebaut wurde. Er verfügt über Solarpanele mit einer Spannweite von ca. 40 m, damit ist er größer als ein Airbus 320. Der Markt will aber Wettbewerb und Satelliten-Betreiber/Hersteller achten darauf, dass mindestens zwei Trägersysteme in der Lage sind, die Satelliten zu transportieren, um eine zu große Abhängigkeit zu vermeiden.

Ariane 5 war auch auf bemannte Raumfahrt ausgelegt und das derzeitige Konzept der Ariane 6 verzichtet auf diese Möglichkeit. Es bräuchte unglaubliche Investitionen, zudem wäre die Flexibilität für große Nutzlasten nicht mehr gegeben. Deswegen hat sich Deutschland bisher ganz klar aus finanziellen wie auch aus technischen Gründen für die Ariane 5 ME ausgesprochen.

RN: Deutschland investiert mit ca. 40% den größten europäischen Anteil an der ISS-Beteiligung. Müssten dann nicht öfter deutsche Astronauten fliegen dürfen?

J. Wörner: Für Deutschland steht die Wissenschaft im Vordergrund. Sonst hätten wir schon bei der Auswahl auf eine entsprechende Quote geachtet. Das haben wir nicht getan. Natürlich freuen wir uns, wenn ein deutscher Astronaut an Bord der ISS ist. Wir setzen uns auch bei der ESA dafür ein, möglichst viele Fluggelegenheiten zu bekommen. Das wichtigere ist aber, dass wir deutsche Experimente über die ESA zu ISS bringen, unsere gemeinsame Europäische Weltraumagentur. Für mich ist Alexander Gerst ein europäischer Astronaut deutscher Nationalität. So sehe ich das auch im Fall eines britischen ESA-Astronauten.

Der britische Beitrag zur ISS ist sehr gering. Das kann man eher ansprechen, als zu sagen, bei einem hohen Beitrag müssen auch mehr Fluggelegenheiten herausspringen. Ich sag eher, es würde mich freuen, wenn die Briten mehr Finanzmittel in die Raumfahrt einbringen.

Die ISS ist nun mal eine Internationale Raumstation, die uns die Möglichkeit zu Experimenten in der Schwerelosigkeit gibt, mit Astronauten, die wir sonst nicht haben. Das ist eine tolle Infrastruktur - ein großes, vielseitiges Labor und das sollte im Verhältnis zu den früheren Investitionskosten auch genutzt werden. Und ich fordere in der ESA immer auf, dass wir diesen Beitrag solidarisch gemeinsam tragen sollten.

RN: Herr Wörner, vielen Dank für das Interview und Ihre Erläuterungen zu unseren Fragen.


Weitere Fragen des Interviews fasse ich hier inhaltlich zusammen:

1. Europa - ESA / EU-Kommission
Hr. Wörner betonte, dass ESA und EU eng zusammenarbeiten sollten, zumal die meisten Länder sowohl in der EU als auch ESA vertreten sind. Vor dem Wahljahr 2014 wird man, zumindest politisch, noch einiges abarbeiten wollen, da danach ja die EU-Direktorate wieder neu besetzt werden.
Mein Eindruck war, dass er aus deutscher Sicht das EU-Copernicus-Programm (Erdbeobachtung) als umfassendes Datensystem (Satelliten+Bodensysteme) verstanden wissen will.

2. Galileo
Die Frage war, ob hier der gewünschte Nutzen erzielt wird. Das EU-Programm hat sich um viele Jahre verschoben und das Vorhaben wird weitaus teurer als geplant. Dennoch verspricht man sich weiterhin neue Möglichkeiten und Nutzen durch das sichere Signal, dass z.B. lärmmindernde Flugzeuglandeanflüge verbessern könnte.

3. Militärische Nutzung
Militärische Nutzung scheint die zivile Nutzung in den Hintergrund zu drängen. Die Diskussion sollte sich in diesem Zusammenhang um Sicherheit drehen, sowohl zivile als auch militärische. Jeder möchte in Sicherheit leben. Auch können militärische Programme in den zivilen Bereich übertragen und genutzt werden, wie das Beispiel GPS zeigt. Als ESA-Ratsvorsitzender betont er stets die zivile Rolle der ESA.

4. Internationale Zusammenarbeit
Im deutschen RN-Forum sind sowohl die amerikanische als auch russische Raumfahrt gleichermaßen vertreten. Chinas Raumfahrt ist durch die spektakulären bemannten Flüge ebenso in der Diskussion.

Für das DLR gilt primär natürlich zunächst die nationale Sicht. Danach kommen Europa, die USA und weitere Länder wie Japan und Russland. China ist ein Sonderfall, man will wissenschaftlich zusammenarbeiten und muss sich auf technologischer Ebene eher zurückhalten.

Beim MPCV-ESM Projekt hofft das DLR auf eine gute und langjährige Zusammenarbeit mit den USA.

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(Autor: Thomas Brucksch - Quelle: Raumfahrer.net)


» Chinesische Raumfahrer zurück auf der Erde
26.06.2013 - Die chinesischen Raumfahrer Nie Haisheng, Zhang Xiaoguang und Wang Yaping sind heute Nacht gegen 2.07 Uhr MESZ nach mehr als zweiwöchigem Flug in der Inneren Mongolei gelandet.
Bereits etwa 10 Minuten zuvor war die Landekapsel per Radar und mit optischen Instrumenten noch vor Öffnen des Hauptfallschirms erfasst worden. Vor Ort war es gegen 8 Uhr, bei gutem Wetter war die Sicht ordentlich. Die Bergungsmannschaft konnte entsprechend gut dirigiert werden und erwartete die Landekapsel in unmittelbarer Nähe.

Nach der Landung wurde den Raumfahrern aus dem Inneren der Kapsel geholfen. Gut eine halbe Stunde nach dem Bodenkontakt saßen die Drei bereits außerhalb und genossen die Morgensonne. Damit ging eine weitere erfolgreiche bemannte Mission aus dem Land der Mitte zu Ende.

Die drei Raumfahrer waren am 11. Juni gestartet und hatten 2 Tage später an der Raumstation Tiangong 1 angekoppelt. Anschließend wurden kleinere Umbauten vorgenommen, medizinische Untersuchungen angestellt, technische Erprobungen vorgenommen und im Verlaufe einer Unterrichtsstunde physikalische Phänomene der Schwerelosigkeit vorgeführt sowie Fragen von Schülern chinesischer Schulen beantwortet. Etwa 60 Millionen von ihnen verfolgten die Veranstaltung live.

Am 23. Juni legte das Raumschiff für etwa 2 Stunden von der Raumstation ab. Danach koppelte Kommandant Nie mittels manueller Steuerung erneut an, nachdem man sich mehr als 100 Meter von der Station entfernt hatte. Gestern wurde zudem ein Manöver ausgeführt, bei dem das Raumschiff die Station nach dem erneuten Abkoppeln teilweise umflog und sich erneut annäherte. Damit simulierte man erstmals ein Umkopplungsmanöver. Zuvor hatte man Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung im Rückkehrmodul des Raumschiffs verstaut.

Shenzhou 10 war das fünfte bemannte Raumschiff Chinas und führte die bisher längste Mission aus. Die Gesamtflugzeit betrug 14 Tage, 14 Stunden und 30 Minuten. Nie Haisheng hält nun nach zwei Flügen mit 19 Tagen 10 Stunden und 2 Minuten den chinesischen Rekord für die Gesamtflugzeit, weltweit schaffte er es immerhin auf Platz 312 von 531.

Kurz nach der Landung wurde von offizieller Seite darauf hingewiesen, dass in den nächsten drei Jahren eine neue Generation von Trägerraketen mit höherer Nutzlast und umweltfreundlicheren Treibstoffen erprobt wird. Dafür stehen Startrampen auf einem neuen Startplatz auf der Insel Hainan kurz vor der Fertigstellung. Der Nachfolger der ersten Raumstation, Tiangong 2 soll etwa 2015 gestartet werden und über zwei Kopplungsstutzen verfügen. Damit ließen sich weitere Prozeduren testen, die für den langfristigen Betrieb einer größeren, modularen Raumstation benötigt würden. Dazu gehören das Nachtanken der Station die Belieferung mit Frachtgut und ein fliegender Besatzungswechsel. Zudem rief man von offizieller Seite zu internationaler Zusammenarbeit in der bemannten Raumfahrt auf.

Die ESA ist offenbar bereit dazu. So lernen aktuelle Astronautengruppen bereits die chinesische Sprache und Wissenschaftler üben regen Austausch über verschiedene Projekte. 2011 flog bereits ein in Deutschland geplantes und gebautes Experiment mit dem unbemannten Raumschiff Shenzhou 8 zur Raumstation Tiangong 1.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, CCTV)


» Sojus startet die ersten vier O3b-Satelliten
26.06.2013 - Der Start erfolgte gestern Abend gegen 21.27 Uhr MESZ vom Gelände in Kourou. Trägerrakete war eine Sojus STB mit Fregat-MT-Oberstufe.
Nach dem reibungslosen Start absolvierte die Oberstufe insgesamt 4 Brennphasen, bis sie im Zielorbit in einer Höhe von etwa 7.825 Kilometern direkt über dem Äquator angekommen war und nacheinander die Satelliten paarweise absetzte. Das Manöver war kurz vor Mitternacht unserer Zeit abgeschlossen.

Die O3b-Satelliten dienen der Weiterleitung von Internet-Daten in strukturschwachen Gebieten in Äquatornähe rund um den Globus. Geplant sind insgesamt 16 Satelliten, die jeweils in Vierergruppen gestartet werden und auf ähnliche Bahnen gelangen sollen. Jeder Satellit hat eine Masse von etwa 700 kg und wurde von Thales Alenia auf der Basis des ELiTeBus gefertigt. Er verfügt über 12 Ka-Band-Transponder mit kleinen Antennen, zwei entfaltbare Solarzellenpaneele, ein Antriebs- bzw. Lageregelungssystem über 8 kleine Triebwerke sowie Batterien zur Energiespeicherung.

O3b steht für "(The) Other 3 Billion". Damit sind die rund 3 Milliarden Menschen gemeint, die keinen unkomplizierten Zugang zum Internet haben. Mit dem neuen Satellitennetz will die britische O3b Networks diesen Missstand beheben. Die Satelliten fliegen in deutlich niedrigeren Bahnen als geostationäre Kommunikationssatelliten. Dadurch sind sie mit geringerer Sendeleistung ansprechbar, zudem entstehen geringere Latenzzeiten.

Auf dem Boden sollen rund um den Globus mehrere sogenannte Gateways dazu verwendet werden, die Signale zwischen Satelliten und Glasfaserbackbones zu vermitten. Insgesamt dürften die Kosten deutlich niedriger sein als eine drahtgebundene Lösung oder ein Netzwerk von bodengestützten Funkstationen.

Weitere Satelliten sollen noch 2013 und 2014 folgen. Für die letzte Vierergruppe gibt es noch keinen Startzeitraum.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Thales Alenia, Skyrocket, Raumcon)


» Russland startet neuen Radarsatelliten Kondor
27.06.2013 - Beim überhaupt erst zweiten Start der Trägerrakete Strela (einer weitgehend unveränderten Interkontinentalrakete der Baureihe UR-100N) wurde ein Radar-Aufklärungssatellit vom Typ Kondor gestartet.
Die Kondor-Satellitenreihe wird von NPO Maschinostrojenija (kurz NPO Masch) seit 1993 entwickelt. Es handelt sich dabei um kleine Satelliten mit rund 1.150 kg Masse zur Erdbeobachtung. Sie sollen wahlweise mit optischen Instrumenten oder mit einer Radarantenne ausgestartet werden. Beim heute erfolgten ersten Flug war die Radarversion an Bord. Wenn dieser erste Kondor erfolgreich funktioniert, wird in Kürze der zweite Satellit Kondor-E starten. Dieser wird für eine bislang nicht bekannte Nation gebaut (daher E wie Export).

Die Strela ist eine Abwandlung der Interkontinentalrakete UR-100NU, die wie auch der Satellit von NPO Masch entwickelt und gebaut wurde. Diese Rakete wird vom russischen Militär als RS-18 geführt, die NATO bezeichnet sie als SS-19 Stiletto. Um als Trägerrakete eingesetzt zu werden, wird lediglich die Steuerung verändert, so dass sie eine stabile Umlaufbahn anfliegt. Eine weitere Trägerversion der UR-100 ist die deutlich häufiger eingesetzte Rockot. Bei ihr wird der MIRV-Bus, der normalerweise zum Aussetzen von Atomsprengköpfen dient, durch die Oberstufe Bris-KM ersetzt. Daher kann die Rockot bis zu 2.000 kg in eine Umlaufbahn bringen, während die Strela nur 1.500 kg schafft.

Der erste Start der Strela wurde bereits 2003 durchgeführt. Dabei wurde ein 978 kg schweres Mock-Up eines Kondor-Satelliten gestartet. Heute um 18.53 Uhr MESZ wurde dann der erste einsatzfähige Kondor gestartet. Der Satellit trägt eine Antenne, die entfaltet einen Durchmesser von etwa 6 Metern aufweist. Verwendet wird ein S-Band-Radar, dass mit einer Wellenlänge von 9,5 cm arbeitet. Damit lässt sich eine Auflösung von 1-3 m erreichen. Gestartet wurde in eine kreisförmige Umlaufbahn in 504,7 km Höhe mit einer Bahnneigung von 74,75°. Kondor wird für das russische Militär im Einsatz sein und daher voraussichtlich die Kosmos-Nummer 2.487 erhalten.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: NPO Masch/Interfax)


» NASA-Budget – eine unendliche Kürzungsgeschichte
27.06.2013 - Im Unterausschuss Weltraum des Ausschusses für Wissenschaft, Weltraum und Technologie des US-Repräsentantenhauses stand kürzlich das NASA-Budget auf der Tagesordnung. Um gut eine Milliarde auf 16,8 Milliarden US-Dollar wollen die Abgeordneten der Republikaner das NASA-Budget kürzen. Und auf diesem Niveau soll es im kommenden Jahr weitergehen. Insbesondere im Einfangen eines Asteroiden sehen sie wenig Sinn.
Für die die Mehrheit im US-Repräsentantenhauses stellenden Republikaner sind Kürzungen im NASA-Haushalt und anderen bundesstaatlichen Budgets unvermeidlich, um endlich in Übereinstimmung mit den Vorschriften des US-Budgetkontrollgesetzes von 2011 zu kommen. Die NASA arbeitet deshalb bereits im Sparmodus, nachdem im März dieses Jahres mangels politischer Einigung über das Budget 2013 automatische Zwangskürzungen auf die fortgeschriebenen Budgetansätze 2012 in Kraft traten. Diese Zwangskürzungen entziehen den Volksvertretern jedoch die Gestaltungshoheit. Und das will man natürlich auch nicht. Neben maximaler Steuerentlastung soll gleichzeitig die Führungsrolle der USA bei der Weltraumforschung gesichert werden.

Für die Republikaner heißt dies, dass einige Prioritäten neu gesetzt werden müssen. Ihr Gesetzentwurf für ein NASA-Budget 2013 in Höhe von 16,8 Mrd. US-Dollar (USD) legt die Schwerpunkte auf das Space Launch System, das Orion-Raumschiff, die Erforschung des Weltraums und die Internationale Raumstation. Im laufenden Haushaltsjahr 2013 sieht der Gesetzentwurf 1,77 Mrd. USD für die Entwicklung des SLS und der zugehörigen Bodensysteme vor. 1,12 Mrd. USD sind für die Orion-Kapsel reserviert, 2,9 Mrd. USD für die ISS und 4,62 Mrd. USD für die Weltraumforschung einschließlich des aufwendigen James-Webb-Weltraumteleskops. Während man bei SLS, Orion, ISS und der Erforschung des Weltraums ex Erde nahe an den Budget-Vorstellungen der NASA-Administration und des US-Präsidenten bleibt, wurde im Haushaltsgesetzentwurf bei der Erforschung der Erde (Earth Science), ein Unterposten der Weltraumforschung, kräftig der Rotstift angesetzt. Um gut ein Drittel auf 1,2 Mrd. USD soll der Etat gekürzt werden. Unter Earth Science laufen 15 Satellitenmissionen, aber auch die nicht weltraumgestützte Klimaforschung wie zum Beispiel das Projekt Ice Bridge.

Der Gesetzentwurf würde, wenn so verabschiedet, jegliche Arbeiten am Asteroiden-Projekt sofort zum Stillstand bringen. Im Mai wurde seitens der NASA die Idee veröffentlicht, anstelle einer Mondlandung einen Klein-Asteroiden einzufangen und in eine Mondumlaufbahn zu bringen. Das sei, so die kritischen Abgeordneten, nicht nur teuer, es lenke die Mittel auch in eine falsche Richtung. Den Nutzen zur Vorbereitung einer bemannten Mars-Landung in den 2030er Jahren könne man nicht erkennen. Die Abgeordneten plädierten denn auch für den Aufbau einer Mondbasis als Vorbereitung für spätere Mars-Landungen. Sollte das nicht ausreichen, sieht ein altes NASA-Konzept als Zwischenschritt noch den Anflug an einen der Mars-Monde vor.

Seitens der NASA beeilte man sich festzustellen, dass man hinsichtlich des Asteroiden-Projektes erst am Anfang der Debatte stehe. Lori Garver, stellvertretende NASA-Chefin, betonte, dass neben Grundlagenerkenntnissen zur Entstehung des Sonnensystems auch bei Analysen zur Asteroiden-Bedrohung und nicht zuletzt in der Technik enorme Fortschritte zu erwarten seien. „Ich denke“, so wird sie bei Spaceflightnow zitiert, „dass wir in der Lage sind, den Nutzen einer solchen Mission aufzuzeigen.“

Da wird die NASA noch einiges zu tun haben, denn Skepsis war im Wissenschaftsausschuss nicht nur von Politikern zu vernehmen. Als Experten waren Steven Squyres, Astronom und leitender Forscher im Mars Exploration Rover-Programm und Thomas Young, ehemaliger Lockheed Martin-Manager, geladen. Beide sahen keinen direkten Bezug zwischen dem Asteroiden-Projekt und einer späteren Mars-Expedition. Sie plädierten für eine langfristige Planung eines bemannten Mars-Fluges, bei der die NASA sich selbst die Zwischenziele setzt. Auf die Frage, wann denn unter der aktuellen Budget-Planung mit einem bemannten Mars-Flug gerechnet werden könne, sagte Young: „Nie“. Und Squyres stimmte ihm zu.

Nicht nur die Fernziele standen im Fokus. Auch bei kommerziellen Flügen zur ISS möchten die Republikaner über 100 Mio. USD gegenüber dem NASA-Planwert von 830 Mio. USD einsparen. Diese Summe wäre laut NASA-Chef Charles Bolden jedoch jährlich mindestens notwendig, um bis Ende 2017 einen ersten bemannten Flug zur ISS im Rahmen des Commercial Spaceflight-Programms darstellen zu können. Die Republikaner stellten im Ausschuss auch gleich klar, dass dieses späteste Datum trotz der angedachten Kürzungen nicht verhandelbar sei. Die Demokraten erinnerten daran, dass Budgetrestriktionen in Verbindung mit ehrgeizigen Zeitplänen auch für die Challenger- und Columbia-Katastrophen verantwortlich waren.

Für die Finanzmanager bei Orbital Sciences Corporation und SpaceX dürfte der Kürzungsvorschlag nicht das erste Warnsignal gewesen sein. Wenige Tage vor der Diskussion im Weltraum-Unterausschuss hat die Innenrevision der NASA (Office of Inspector General) vorgeschlagen, die Zahlungen an Orbital zeitlich zu strecken. Auch das hilft der NASA beim Sparen. Offiziell wird eine Neuverhandlung der Terminierung von Auszahlungstranchen mit den bereits eingetretenen Verzögerungen und Risiken begründet, denen künftige Orbital-Versorgungsflüge zur ISS unterliegen. Immerhin könnte der anstehende Demonstrationsflug im September technische Modifikationen an der Antares-Rakete und/oder dem Cygnus-Transporter notwendig machen, die zu weiteren substanziellen Verzögerungen im Zeitplan führen.

Unter dem gegenwärtig gültigen Auszahlungsplan hat Orbital bereits Anspruch auf 70 Prozent des insgesamt für seine Dienstleistungen vorgesehenen Budgets. Damit sind sechs der acht vereinbarten Versorgungsflüge abgedeckt, bevor überhaupt der Demonstrationsflug voraussichtlich im September 2013 gelungen ist. Konkret schlägt die Innenrevision vor, die Auszahlung von rund 150 Mio. USD für die Orbital-Versorgungsflüge 4 und 5 in das nächste Haushaltsjahr 2014 (beginnt am 1. Oktober 2013) zu verschieben. Gleiches gilt für Mission 6, für die Orbital bereits erste Zahlungen erhalten müsste. Und an einer Aufnahme der Arbeiten an Mission 7 und damit einer ersten Zahlung ist man bei Orbital dringend interessiert.

Die den US-Senat dominierenden Demokraten kündigten für Juli einen Gegenentwurf zum vorgeschlagenen NASA-Budget-Gesetz der Republikaner an. Es bleibt also spannend.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, Spaceflight now, NASA Watch)


» TAS Hauptauftragnehmer für ESA-Teleskop Euclid
28.06.2013 - Am 27. Juni 2013 gab der Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space (TAS) bekannt, dass er von der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) zum Hauptauftragnehmer für den Bau des Weltraumteleskops und Kosmologiesatelliten Euclid bestimmt worden ist.
Nach aktuellem Planungsstand ist der Start von Euclid, welcher voraussichtlich auf einer Sojus-Rakete von Kourou in Französisch Guyana aus erfolgt, für das Jahr 2020 vorgesehen. Ist der Satellit erst einmal im All und seine wissenschaftliche Nutzlast am Lagrange-Punkt 2 in rund 1,5 Millionen Kilometern Abstand zur Erde in Betrieb gesetzt worden, soll er nach dunkler Energie und dunkler Materie suchen, welche im kosmologischen Standardmodell eine wesentliche Rolle spielen. Das Modell geht davon aus, dass ein Großteil der im Universum vorhandenen Masse nicht sichtbar ist, also dunkle Materie darstellt, und dass die mit ansteigender Rate stattfindende Ausdehnung des Universums von einer bisher nicht verstandenen Energiequelle, der dunklen Energie, gespeist wird.

Den Bau des Nutzlastmoduls von Euclid mit dem eigentlichen Teleskop und einer optischen Bank hat die ESA 2013 an Astrium SAS vergeben. Das Korsch-Teleskop mit Siliciumcarbid-Spiegeln und einem Durchmesser von rund 1,2 Metern wird zwei weitwinklige Instrumente mit Licht versorgen können. Die beiden Instrumente sind eine Kamera für sichtbares Licht, dementsprechend als VIS für visible light camera bezeichnet, und ein Spektrometer für nahes Infrarot mit der Bezeichnung NISP, die für near infrared spectro-photometer steht.

Sechs Jahre möchte man die Instrumente von Euclid einsetzen, um große Teile der Himmelsregionen außerhalb unserer eigenen Galaxis zu durchsuchen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte des gesamten Himmels soll abgetastet werden. Der Blick des Teleskops wird bis zu 10 Milliarden Lichtjahre tief in den Weltraum reichen. Sehr lichtschwache Objekte werden noch mit einer scheinbaren Helligkeit bis hinunter zur Magnitude 24,5 erfasst werden können.

Form von und Abstand zu über 2 Milliarden Galaxien will man mit Euclids Hilfe bestimmen. Aus den Daten, die Euclids Instrumente sammeln, plant man eine dreidimensionale Karte des Universums zu erarbeiten. Man hofft, an Hand der aus der Karte ablesbaren Struktur des Universums und der Verteilung von Galaxien in ihm Rückschlüsse auf die Entwicklung des Universums sowie die Auswirkungen dunkler Materie und dunkler Energie ziehen zu können.

Um seine Beobachtungsaufgaben mit bisher unerreichter Präzision erledigen zu können, muss die Ausrichtung von Euclid im Weltraum besonders stabil erfolgen. Gleichzeitig sollen Wechsel der Beobachtungsrichtung möglichst zügig erfolgen. Im Beobachtungseinsatz wird das Raumfahrzeug alle 80 Minuten eine vollständige Drehung ausführen. Die Anforderungen an eine akkurate Positionierung, die Agilität des Satelliten und die Stabilität im Messeinsatz sind für TAS besondere Herausforderungen. Um diesen gerecht zu werden, will TAS ein neuartiges Ausrichtungsverfahren einsetzen und auf ein anwendungsgerechtes Thermalmanagement besonderes Augenmerk legen.

TAS erhält für die Arbeiten an Euclid nach eigenen Angaben 322,5 Millionen Euro.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, ESA, Thales Alena Space)


» ULA: Doppelstarts mit Bauteilen von RUAG
28.06.2013 - Der Rüstungs- und Technologiekonzern RUAG aus der Schweiz ist vom US-amerikanischen Trägerraketenkonsortium United Launch Alliance (ULA) beauftragt worden, für Raketen der Typen Atlas V und Delta IV zentrale Strukturteile aus Kompositmaterial für die Doppelstarteinrichtungen der Raketen zu entwickeln.
Der Schweizer Konzern setzte sich nach Angaben der ULA in einem sechsmonatigen Auswahlverfahren gegen zwei andere hochqualifizierte Mitbewerber durch.

RUAG und ULA arbeiten bereits 17 Jahre lang zusammen. Jetzt soll RUAG dabei helfen, die Atlas V bis Mitte 2017 doppelstartfähig zu machen, und die Delta IV bis Mitte 2018, teilte die ULA am 27. Juni 2013 mit. Bei der europäischen Rakete Ariane 5 sind Doppelstarts mit Kommunikationssatelliten sowie großen Anwendungs- und Forschungssatelliten seit langem Praxis.

Aktuell wird die ULA durch RUAG mit von ihr entwickelten Nutzlastverkleidungen mit einem Durchmesser von 5,4 Metern und Zwischenstufenadaptern der Serie ISA 400 für die Atlas V beliefert. Arianespace bezieht die Nutzlastverkleidungen für die Ariane 5 ebenfalls von RUAG.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: RUAG, ULA)


» IRIS öffnen!
28.06.2013 - Der Interface Region Imaging Spectrograph (IRIS) der US-Raumfahrtbehörde NASA wurde in der vergangenen Nacht erfolgreich ins All befördert. Er soll örtlich begrenzte Beobachtungen der mittleren Schichten der Sonnenatmosphäre ermöglichen, um zum Verständnis ihrer bislang weitgehend unbekannten Dynamik beizutragen.
IRIS wurde von der NASA in Kooperation mit dem amerikanischen Unternehmen Lockheed Martin realisiert und mit Hilfe eines Pegasus-XL-Launchers der Orbital Sciences Corporation gestartet. In den frühen Morgenstunden europäischer Zeit wurde die Rakete von ihrem Trägerflugzeug knapp zwölf Kilometer über dem kalifornischen Pazifik abgeworfen und erreichte mit Zündung des eigenen Motors wenig später den vorgesehenen sonnensynchronen Orbit für ihre Nutzlast. Abgehoben hatte die Lockheed L-1011 "Stargazer" der Orbital zu dieser Startkampagne von der Vandenberg Air Force Base an der nahegelegenen US-Westküste. Das Teleskop selbst gehört zum Small Explorer Programm (SMEX) der NASA, dessen Ziel die Durchführung preisgünstiger Wissenschaftsmissionen zur Erforschung unseres Sonnensystems und des Tiefenraums ist. Erst im Juni vergangenen Jahres war mit dem Röntgen-Teleskop NuSTAR ein weiterer SMEX-Satellit von einer Pegasus XL in die Umlaufbahn befördert worden.

Das UV-Spektrometer von IRIS soll nach seiner Inbetriebnahme, in voraussichtlich etwa zwei Monaten, nach der technischen Überprüfung und Kalibrierung seiner Komponenten, als Ergänzung zu den bestehenden Weltraumteleskopen Solar Dynamics Observatory (SDO) und Hinode der USA und Japans fungieren. Von ihnen hebt sich das neue Teleskop vor allem durch den eng fokussierten Beobachtungsausschnitt seines Primärinstruments ab. Während etwa das SDO die solare Aktivität makroskopisch erfasst, wird IRIS Phänomene von nur rund 250 Kilometern Durchmesser in der Atmosphäre unseres Zentralgestirns auflösen können. Auch der Untersuchungsgegenstand unterscheidet sich: während andere Sonnenbeobachtungs-Missionen vor allem deren Oberfläche oder die äußere Korona ins Visier nehmen, ist IRIS auf die dazwischen liegende Chromosphäre, Quelle der solaren UV-Strahlung, und die sogenannte Übergangsregion zur Korona spezialisiert.

In diesen mittleren Schichten der Sonnenatmosphäre, so glauben Forscher, liegt der Schlüssel zum Verständnis der zentralen Vorgänge beim Transfer von Energie und Plasma von der Sternoberfläche nach außen. Die Chromosphäre ist dabei, im Vergleich zur Korona, noch relativ dicht, energiereich und beherbergt aller Wahrscheinlichkeit nach die maßgeblichen thermischen und magnetischen Prozesse für die Entstehung des Sonnenwindes und koronaler Massenauswürfe. Ihre Auswirkungen spüren wir von Zeit zu Zeit noch auf der Erde, etwa in Form von Wettereinflüssen oder der Gefährdung von empfindlichen elektronischen Instrumenten wie Satelliten im Erdorbit. IRIS wird nun in der Lage sein, eng begrenzte Ausschnitte der Chromosphäre in ihrem vollen thermischen Spektrum im Zeitverlauf zu beobachten und daraus entsprechende neue Schlüsse zu erlauben.

Eine konkrete Frage, die in diesem Kontext nach Antworten verlangt, ist jene nach der extrem hohen Temperatur der Korona: während die Sonnenoberfläche nur rund 6.000 Kelvin heiß ist, steigt die Temperatur des Atmosphärenmaterials bis zu den äußeren, dünnen Schichten auf mehrere Millionen Kelvin an. Eine befriedigende Erklärung für dieses schon lange bekannte Phänomen besteht bisher nicht und könnte womöglich aus den Daten von IRIS gewonnen werden.

Bahndaten des IRIS: 669,98 km (Apogäum) X 622,96 km (Perigäum) / 97,899° (Bahnneigung)

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: NASA, Raumcon)


» Die Mission GALEX ist beendet
30.06.2013 - Nach mehr als zehn Jahren wurde am vergangenen Freitag die Mission des Weltraumteleskops GALEX endgültig beendet.
Das Weltraumteleskop GALEX wurde am 28. April 2003 mit einer Rakete vom Typ Pegasus XL in eine Erdumlaufbahn befördert und anschließend hauptsächlich zur Beobachtung von Galaxien im UV-Bereich des elektromagnetischen Spektrums eingesetzt. Nach dem Ablauf der Primärmission im Herbst 2007 wurde die Mission trotz diverser mittlerweile aufgetretener technischer Probleme zunächst verlängert. Im Jahr 2009 führte ein weiterer Kurzschluss in der Elektronik dazu, dass der für die Beobachtung des fernen UV-Bereiches benötigte Detektor des Teleskops nicht mehr eingesetzt werden konnte.

Am 7. Februar 2012 wurde das Weltraumteleskop zunächst in einen Standby-Modus versetzt (Raumfahrer.net berichtete). Bei dieser Maßnahme handelte es sich um einen ersten Schritt für die vorgesehene vollständige Dekommissionierung des Weltraumteleskops, welche laut des für die Kontrolle von GALEX zuständigen Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien noch im selben Jahr erfolgen sollte. Zeitgleich wurden jedoch auch Verhandlungen zwischen der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA und dem California Institute of Technology (Caltech) geführt, welches die GALEX-Mission gerne fortsetzen wollte. Hieraus resultierte letztlich ein Vertrag, mit dem die NASA das GALEX ab dem 16. Mai 2012 an das Caltech auslieh, welches die Mission somit weiterbetreiben konnte.

Jetzt wurde die überaus erfolgreiche Mission dieses Weltraumteleskops jedoch endgültig beendet. Die Kommandos für die Stillegung wurden am Freitag, dem 28. Juni 2013 um 21.09 Uhr MESZ an GALEX übermittelt. Das Teleskop wird allerdings noch mindestens weitere 65 Jahre in einer Umlaufbahn um die Erde verbleiben, bevor es in die Erdatmosphäre eintritt und in dieser verglüht.

Im Rahmen der GALEX-Mission wurden weite Teile des Universums mit einer großen Detailgenauigkeit im UV-Bereich abgebildet. Dies ermöglichte den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern eine Katalogisierung von Galaxien, welche sich bis zu 10 Milliarden Lichtjahre von unserer Heimatgalaxie entfernt befinden. Wissenschaftliche Höhepunkte der Mission waren unter anderem:

  • Die Entdeckung eines "Schweifs", welcher dem Stern Mira im Sternbild Cetus (zu deutsch "Walfisch) folgt, und der über eine Ausdehnung von etwa 13 Lichtjahren verfügt.
  • Die Beobachtung eines Schwarzen Lochs, welches gerade einen Stern verschlingt.
  • Das Auffinden von jungen Sternen in den Halos verhältnismäßig alter, inaktiver Galaxien.
  • Die unabhängige Bestätigung der Natur der Schwarzen Materie.
  • Die Entdeckung von "Teenager"-Galaxien, welche offenbar über ein sehr junges Alter verfügen.

Nach dem Weiterbetrieb der Mission durch das Caltech wurde das Weltraumteleskop von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt dazu genutzt, um sowohl die Sterne in unserer Heimatgalaxie als auch Hunderttausende von bis zu fünf Milliarden Lichtjahren entfernten Galaxien zu studieren. Während des letzten Jahres scannten die Astronomen dabei erneut weite Bereiche des Himmels. Neben der Entdeckung diverser Supernovae konnten dabei auch die Zentren einer Vielzahl von aktiven Galaxien untersucht werden. Des Weiteren untersuchten die Wissenschaftler das Zentrum unserer eigenen Heimatgalaxie, studierten massereiche Schwarze Löcher und analysierten die Stoßfronten, welche von früheren Supernovae-Explosionen ausgehen.

"Die Mission von GALEX ist jetzt zwar beendet, aber die Auswertung der wissenschaftlichen Daten dauert auch weiter an", so Kerry Erickson, der Projektmanager der Mission vom JPL.

"Während der letzten Jahre studierten wir mit dem GALEX Objekte, von denen wir niemals gedacht hätten, dass wir sie beobachten könnten. Dies reicht von den Magellanschen Wolken über helle Nebel bis hin zu den Supernova-Überresten in der galaktischen Ebene", so David Schiminovich von der Columbia University in New York/USA, welcher die GALEX-Beobachtungen während des letzten Jahres geleitet hat. "Einige der schönsten und aus wissenschaftlicher Sicht überzeugendsten Aufnahmen stammen aus diesem letzten Beobachtungszyklus." Die dabei gewonnenen Daten sollen der Öffentlichkeit im nächsten Jahr zugänglich gemacht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)



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Mars Aktuell: Opportunitys nächstes Ziel ist fast erreicht von Redaktion



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» Opportunitys nächstes Ziel ist fast erreicht
29.06.2013 - Während der letzten Wochen hat sich der Marsrover Opportunity weiter in die südliche Richtung bewegt. Solander Point, so der Name der jetzt angepeilten Geländeformation, ist mittlerweile nur noch wenige hundert Meter entfernt. In den kommenden Monaten soll der Rover die dort befindlichen geschichteten Gesteinsformationen mit seinen Instrumenten im Detail untersuchen.
Bereits am 13. Mai 2013, dem Sol 3307 seiner Mission, beendete der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity seine im August 2011 begonnene Untersuchung des "Cape York". Bei dem Cape York handelt es sich um eine mehrere hundert Meter lange und nur wenige Meter über die Umgebung herausragende Geländeerhebung, welche sich direkt am westlichen Rand des etwa 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters befindet.

Nach seiner Abfahrt vom Cape York (Raumfahrer.net berichtete) bewegte sich der Rover zunächst in die südwestliche Richtung und näherte sich dabei im Rahmen einer Serie von schnell aufeinander folgender Fahrten einem weiteren Segment des den Endeavour-Krater umgebenden, allerdings stark erodierten Ringgebirges. Der östliche Rand von "Sutherland Point", so der Name dieser Geländeerhebung, wurde am 31. Mai durch eine Fahrt über 80 Meter erreicht.

Die folgenden Tage verbrachte Opportunity damit, dem östlichen Rand von "Sutherland Point" in die südliche Richtung zu folgen. Neben der Anfertigung diverser Fotoaufnahmen der Umgebung wurde dabei stellenweise auch das vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entwickelte APX-Spektrometer eingesetzt, um die chemische Zusammensetzung der passierten Oberflächenbereiche zu ermitteln.

Computerprobleme

Am 9. Juni, dem Sol 3333 der Mission, erreichte Opportunity schließlich die unmittelbar südlich von "Sutherland Point" gelegene Geländeerhebung "Nobby’s Head" und führte auch hier diverse Untersuchungen durch. Unterbrochen wurden diese Arbeiten durch ein am 12. Juni aufgetretenes Problem mit dem Flash-Speicher des Bordcomputers des Rovers. Dieses letztmals am 28. Februar 2013 aufgetretene Problem macht sich dadurch bemerkbar, dass Daten nicht wie beabsichtigt im Flash-Speicher abgelegt und gespeichert werden können und der Bordcomputer dadurch bedingt einen Reboot ausführt.

Als Reaktion auf den dadurch ausgelösten Computer-Reset stoppte der Rover automatisch alle für diesen Tag vorgesehenen Aktivitäten - unter anderem wurde dadurch auch eine geplante Fahrt nicht durchgeführt - und versetzte sich stattdessen in einen als "Automode" bezeichneten Zustand, in dem der Rover lediglich passiv auf der Marsoberfläche verharrte und auf weiterführende Kommandos von der Erde wartete.

Der Grund für diese in letzter Zeit öfters auftretenden Probleme, so die Mitarbeiter des für die Steuerung des Rovers verantwortlichen Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, liegt in der langjährigen Einsatzdauer des Bordcomputers, welcher seine "Garantiezeit" bereits deutlich überschritten hat. Das Problem wird von den Ingenieuren und Technikern des JPL bisher allerdings nicht als bedrohlich eingestuft. Sollten solche Vorfälle in Zukunft allerdings öfters auftreten, so ist eventuell eine Formatierung des Flashspeichers erforderlich.

Am 15. Juni konnte Opportunity von den Ingenieuren des JPL wieder in den "normalen Betriebsmodus" versetzt werden. Noch am selben Tag führte der Rover eine weitere Fahrt über 75 Meter durch. In den folgenden Tagen komplettierte der Rover die teilweise Umrundung von "Nobby’s Head" auf dessen westlichen Seite. Die Südspitze von "Nobby’s Head" wurde schließlich am 20. Juni erreicht. Bereits drei Tage später setzte Opportunity seine Forschungsreise über die Marsoberfläche im Rahmen einer 90-Meter-Fahrt in die südliche Richtung fort.

Das jetzt angestrebte Ziel ist eine weitere Erhebung am Westrand des Endeavour-Kraters, welche spätestens Anfang August 2013 erreicht werden soll. An der Nordseite dieser etwa 80 Meter hohen Geländeerhebung namens "Solander Point" soll Opportunity dann den kommenden Marswinter verbringen. Bis zum Frühjahr 2014 stehen dem Rover hier diverse vielversprechende Forschungsziele zur Verfügung. Zudem ergibt sich hier eventuell die Möglichkeit, eine hochaufgelöste Panoramaaufnahme des Endeavour-Kraters anzufertigen.

Mehr als 37 Kilometer

Auf seinem Weg zu "Solander Point" überschritt Opportunity bereits am 25. Juni im Rahmen einer Fahrt über rund 90 Meter die Marke von 37 auf der Marsoberfläche zurückgelegten Kilometern. Im Gegensatz zu früheren Pressemitteilungen reicht diese auf dem Mars zurückgelegte Distanz von bis dahin 37.028,11 Metern allerdings immer noch nicht aus, um damit den bisherigen Rekordhalter für eine Fahrt auf einem extraterrestrischen Himmelskörper, den sowjetischen Mondrover Lunochod-2, abzulösen. Der ferngesteuerte Rover Lunochod-2, so die bisherigen offiziellen Verlautbarungen, hat im Jahr 1973 eine Distanz von 37,0 Kilometern auf der Oberfläche des Mondes überbrückt. Diese auf unzureichenden Daten basierende Angabe war allerdings offenbar nicht korrekt.

Während der letzten Jahre durchgeführte Analysen der Aufnahmen der NAC-Kamera an Bord des NASA-Mondorbiters Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) führten vielmehr zu dem Ergebnis, dass Lunochod-2 sogar 42,1 bis 42,2 Kilometer auf dem Mond zurückgelegt hat. Dieser "neue" Kilometerstand wurde der Fachwelt bereits im Jahr 2012 mehrfach von russischen Wissenschaftlern auf verschiedenen Kongressen präsentiert. Unter anderem wurde der neu ermittelte Kilometerstand Ende September 2012 auf dem damaligen EPSC-Kongress im Rahmen einer Präsentation erwähnt, in der eine Analyse des von dem sowjetischen Rovers passierten Geländes vorgestellt wurde.

Der bisherige Wert der von Lunochod-2 zurückgelegten Strecke basierte ausschließlich auf der Auswertung verschiedener technischen Daten. Für die Ermittlung der zurückgelegten Entfernungen wurde dabei in erster Linie ein zusätzliches neuntes, nicht aktiv angetriebenes Rad verwendet, welches der Mondrover hinter sich herzog und das offenbar einem gewissen Schlupf unterlag. Zum Beispiel bedingt durch Sensorfehler ergaben sich hierbei sehr schnell größere Abweichungen. Es gab keine Möglichkeit, die so gewonnenen Daten in einer ausreichenden Weise mit Bilddaten abzugleichen, da die hierfür zur Verfügung stehenden Aufnahmen aus dem Mondorbit über eine zu geringe Auflösung verfügten. Erst durch die eingehenden Analysen der hochaufgelösten und teilweise dreidimensionalen LRO-Aufnahmen, auf denen die Radspuren des sowjetischen Landers eindeutig zu erkennen sind, konnte jetzt nachträglich die tatsächlich auf dem Mond zurückgelegte Distanz ermittelt werden (Raumfahrer.net berichtete).

Weiter auf Südkurs

Bereits am 26. Juni setze Opportunity seine Fahrt zum "Solander Point" fort. Allerdings wurde diese Fahrt nach einer zurückgelegten Distanz von lediglich etwa 63 Metern vorzeitig abgebrochen - vorgesehen war eine deutlich längere Fahrstrecke. Der Grund für den Abbruch bestand darin, dass ein Potentiometergeber, welcher an einem der Gelenke des an der Vorderseite des Rovers befindlicher Instrumentenarmes (engl. Bezeichnung "Instrument Depoyment Device", kurz "IDD") befestigt ist, während der Fahrt eine angebliche Bewegung des Instrumentenarmes registrierte.

Weiterführende Analysen der Telemetriedaten des betreffenden IDD-Gelenks und Auswertungen von Bildern zeigten jedoch keine erfolgte Bewegung des IDD, so dass für den folgenden Tag eine weitere Fahrt angesetzt wurde. Allerdings trat hierbei erneut der gleiche Fehler auf. Nach einer ausführlichen Analyse des Problems starteten die für die Steuerung des Rovers verantwortlichen Roverdriver des JPL am gestrigen Tag, dem Sol 3351 der Mission, einen weiteren Versuch. Und diesmal verlief die Fahrt wie erwartet. Opportunity konnte dabei erfolgreich weitere rund 120 Meter in die südliche Richtung überbrücken.

Die Nordflanke des "SolanderPoint" ist mittlerweile lediglich noch etwas über 800 Meter vom aktuellen Standort des Rovers entfernt. Sollten keine weiteren Probleme auftreten, so wird der Rover voraussichtlich in etwa zwei bis drei Wochen - aus der nordwestlichen Richtung kommend - mit der "Besteigung" dieses Berghanges beginnen und dort sein vorläufiges Winterquartier einnehmen. Neben dem technischen Zustand, und dieser kann trotzt des hohen Einsatzalters und zeitweilig auftretender Probleme mit einzelnen Komponenten der Hardware immer noch als gut bezeichnet werden, muss bei der Durchführung der Mission jedoch immer auch ein Auge auf die aktuelle Energiesituation des ausschließlich mittels Sonnenergie betriebenen Rovers geworfen werden.

Energiestatus

Glücklicherweise haben die zuletzt im Mai 2013 auf dem Mars beobachteten Staubstürme mittlerweile deutlich an Kraft und Kontinuität verloren. Während der letzten Wochen wurden nur noch wenige und zudem lokal begrenzte Sturmgebiete registriert, welche sich über der nördlichen Tiefebene des Mars bewegten. Der Himmel über dem Meridiani Planum, dem Operationsgebiet von Opportunity, war dagegen weitgehend staubfrei.

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele des Rovers trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des ausschließlich mittels Sonnenenergie betriebenen Rovers.

  • 26.06.2013: 0,457 kWh/Tag , Tau-Wert 0,805 , Lichtdurchlässigkeit 60,07 Prozent
  • 20.06.2013: 0,497 kWh/Tag , Tau-Wert 0,801 , Lichtdurchlässigkeit 62,60 Prozent
  • 12.06.2013: 0,517 kWh/Tag , Tau-Wert 0,829 , Lichtdurchlässigkeit 64,50 Prozent
  • 05.06.2013: 0,535 kWh/Tag , Tau-Wert 0,806 , Lichtdurchlässigkeit 66,30 Prozent
  • 29.05.2013: 0,546 kWh/Tag , Tau-Wert 0,838 , Lichtdurchlässigkeit 66,40 Prozent
  • 22.05.2013: 0,541 kWh/Tag , Tau-Wert 0,903 , Lichtdurchlässigkeit 64,90 Prozent
  • 15.05.2013: 0,431 kWh/Tag , Tau-Wert 1,210 , Lichtdurchlässigkeit 57,60 Prozent

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3352 seiner Mission, hat der Rover Opportunity insgesamt rund 37.210 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei fast 181.000 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des "Roten Planeten" aufgenommen und an sein Kontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

Für den heutigen Tag sind kurze Messungen mit dem APX-Spektrometer sowie Anfertigungen von Bildaufnahmen der Marsoberfläche durch die Mikroskopkamera vorgesehen. Opportunitys nächste Fahrt ist für den morgigen Sonntag, den Missionstag 3353, geplant und soll erneut in die südliche Richtung führen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, The Planetary Society, Unmanned Spaceflight, Malin Space Science Systems, Nature)


» Mars Express: Lavaströme am Fuße des Olympus Mons
05.07.2013 - Gestern veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die südöstliche Basis des Schildvulkans Olympus Mons auf dem Mars. Dieser Bereich der Marsoberfläche wurde durch diverse Lavaströme geprägt, welche von dem höchsten Berg des bekannten Sonnensystems ausgehen.
Bereits seit dem Dezember 2003 befindet sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express in einer Umlaufbahn um den Mars und liefert den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern seitdem regelmäßig eine Vielzahl an Bildaufnahmen und weitere Daten über die Atmosphäre und die Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten, durch deren Auswertung sich für die Planetenforscher wertvolle Einblicke in dessen Entwicklungsgeschichte ergeben.

Am 21. Januar 2013 überflog Mars Express während des Orbits Nummer 11.524 den südöstlichen Bereich des Schildvulkans Olympus Mons und bildete dieses Gebiet mit der High Resolution Stereo Camera (kurz "HRSC"), einem der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters, ab. Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die HRSC dabei eine Auflösung von ungefähr 17 Metern pro Pixel.

Mit einer Gipfelhöhe von über 22 Kilometern relativ zu dem umgebenden Gelände und einem Basisdurchmesser von rund 550 Kilometern handelt es sich bei dem Olympus Mons um den höchsten derzeit bekannten Vulkan in unserem Sonnensystem. Aus dieser Ebene aus erstarrter Lava ragt zunächst ein markanter Steilhang auf, an dessen Oberkante sich der eigentliche Vulkanschild 250 Kilometer weit bis zu dem Gipfel des Vulkans erstreckt.

Die Ränder dieses Hanges erreichen eine Höhe von bis zu neun Kilometer und sind teilweise von Lavaströmen überdeckt, welche ihren Ursprung in Förderzentren auf dem oberen Schild haben und die während der verschiedenen Aktivitätsphasen des Olympus Mons über den oberen Steilhang herabflossen. Dieser Steilhang, der den Olympus Mons ringförmig umgibt, ist typisch für einige der höchsten Marsvulkane, welche sich in der weiter südöstlich gelegenen Tharsis-Region befinden.

In den Bereichen, in denen der Steilhang des Olympus Mons nicht durch geologische Prozesse verändert wurde, liegt dessen Hangneigung bei über 20 Grad. Auffallend sind vereinzelte Felsmassive mit abgeflachten Spitzen, welche aus dem Lavafeld hervorstechen. Diese Massive wurden umgedreht oder emporgehoben, als die äußeren Abhänge des Olympus Mons in sich zusammenstürzten und so den Steilhang formten.

Auf dem oberen Schild und auf dem Steilhang des Vulkans sind unzählige erstarrte Lavaströme zu erkennen. Diese schmaleren Ströme weisen die für sie charakteristischen lobenförmigen Ränder, Dämme und Kanäle auf. Ebenfalls erkennbar sind eine Vielzahl an Lavaröhren, welche kleine Hügelketten mit Kanalsystemen bilden. In den Bereichen, wo diese Lavaströme den Steilhang hinunterflossen, formten sie zudem breite Lavafächer. Diese Lavafächer wurden teilweise von weiteren Lavaströmen überdeckt, welche am Fuße des Vulkans eine Lavaebene entstehen ließen.

Anhand der Anordnung der einzelnen Strukturen kann zugleich auch auf die zeitliche Abfolge von deren Entstehung geschlossen werden. Demnach sind die Lavaströme in der Ebene jünger als die Ströme und Lavafächer, welche sich auf dem Abhang befinden. Das Fehlen von Impaktkkratern auf den Lavaströmen belegt zudem, dass diese Formationen erst in der jüngeren Geschichte des Vulkans, also vor wenigen Millionen Jahren, entstanden sind. Im Rahmen früherer Analysen kamen die Planetologen zu dem Schluss, dass die letzten Ausbrüche des Olympus Mons erst etwa zwei Millionen Jahre zurückliegen.

Auf der ausgedehnten Lavaebene am Fuße des Olympus Mons sind verschiedenen Landschaftsformen zu erkennen. So genannte Runzelrücken (engl. "wrinkle ridges") - hierbei handelt es sich um quer verlaufende, rückenartige Strukturen, die wie verwundene Seile erscheinen, bildeten sich im Rahmen vulkanisch-tektonischer Aktivitäten und Oberflächenbewegungen. Des weiteren sind ein Kanalsystem sowie einzelne größere Lavaströme erkennbar. Diese Strukturen sind allerdings zum Teil bereits stark verwittert und wurden durch später ablaufende Prozesse überprägt, so dass sie nicht mehr deutlich zu erkennen sind.

Ein Kanalsystem am unteren Rand der Nadir-Farbansicht wurde durch flüssiges Material geformt. Die Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass diese Kanäle durch Lava gebildet wurden. Trotzdem kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass vielleicht auch Wasser die Kanäle ausgeschürft hat und hier im Rahmen dieses Prozesses Sedimentmaterial abgelagert wurde.

Umgeben ist der Olympus Mons von einem weitläufigen "chaotischen Gelände", welches sich über Distanzen von mehreren hundert Kilometern in die Umgebung erstreckt (Raumfahrer.net berichtete).

Die weiter oben gezeigte Nadir-Farbansicht des Olympus Mons wurde aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- beziehungsweise rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die perspektivische Schrägansicht wurden aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren konnten die für die Bildauswertung zuständigen Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wurde, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit mehreren industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

Die hier gezeigten, während des Orbits Nummer 11.524 durch die HRSC-Kamera angefertigte Aufnahmen des Olympus Mons finden Sie auch auf der entsprechenden Internetseite der ESA. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, ESA)


» Marsrover Curiosity verlässt Yellowknife Bay
06.07.2013 - Der Marsrover Curiosity hat seine im Dezember 2012 begonnenen Untersuchungen im Bereich der Yellowknife Bay mittlerweile fast komplett abgeschlossen und bereitet sich darauf vor, diese Region des Gale-Kraters endgültig zu verlassen.
Bereits im Dezember 2012 erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity die Region "Yellowknife Bay", welche in den folgenden Monaten ausführlich mit den zehn wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers untersucht wurde. Unter anderem kam dabei auch wiederholt ein kleiner Gesteinsbohrer zum Einsatz, mit dessen Hilfe Material von der Oberfläche entnommen und anschließend analysiert werden konnte (Raumfahrer.net berichtete).

Shaler

Als letztes Ziel für seine wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der "Yellowknife Bay" wurde von den an der Mission beteiligten Mitarbeitern eine mit dem Namen "Shaler" belegte Oberflächenformation ausgewählt, deren nordöstlichen Rand der Rover am 19. Juni 2013, dem "Sol" 309 seiner Mission, erreichte. Unmittelbar nach seiner Ankunft an dieser Gesteinsformation, bei der es sich vermutlich um die Überreste eines mehrere Milliarden Jahre alten Flussbettes handelt, begann Curiosity mit seiner Arbeit. Neben den verschiedenen Kamerasystemen kamen dabei wiederholt das APX-Spektrometer, die ChemCam und das DAN-Instrument zum Einsatz.

Etwas erschwert wurden diese Arbeiten durch das teilweise recht unebene Gelände, welches der Rover dabei passieren musste. Nach dem Ende einer kurzen Fahrt über 5,95 Meter am 23. Juni 2013, dem Sol 313, kam Curiosity so zum Beispiel mit seinem linken Mittelrad auf einem mehrere Zentimeter hohen Felsbrocken zum Stehen, während sich die restliche fünf Räder auf ebenem Untergrund befanden. Der Rover wies hierdurch bedingt eine Neigung von über 12 Grad in Bezug auf die Oberfläche auf, was allerdings kein Problem darstellte. Curiosity ist darauf ausgelegt, sich auf einem Gelände zu bewegen, welches deutlich größere Neigungen aufweist.

Aufgrund des unsicheren Standes - es bestand die Gefahr, dass das Mittelrad von dem Felsen abrutscht und sich der Rover somit bewegt - wurde allerdings darauf verzichtet, den Instrumentenarm des Rovers unmittelbar über der Oberfläche zu platzieren und Messungen mit dem daran montierten APX-Spektrometer durchzuführen. Sollte der Rover ins Rutschen geraten und der Instrumentenarm dadurch einen plötzlichen ungewollten Bodenkontakt erhalten, so könnte dies zu irreparablen Beschädigungen an dem Arm oder an den daran montierten Instrumenten führen.

Mittlerweile wurden die Arbeiten an "Shaler" jedoch erfolgreich beendet. Curiosity verließ diesen Bereich des Gale-Kraters am 5. Juli 2013, dem Sol 324, und bewegte sich im Rahmen einer acht Minuten und 40 Sekunden dauernden Fahrt weitere 17,96 Meter in die nördliche Richtung. Der Rover ist gegenwärtig nur noch wenige Meter von einer als "Bell Island" bezeichneten Region entfernt, welche bereits im November 2012 auf dem damaligen Weg zur "Yellowknife Bay" passiert wurde. Nach der Durchführung einiger kurzer Messungen und der Anfertigung weiterer Bildaufnahmen, so die aktuelle Planung, soll der Rover seine Abfahrt von "Yellowknife Bay" noch an diesem Wochenende fortsetzen.

Aufbruch zum Aeolis Mons

Das nächste "Fernziel" von Curiosity ist der Aeolis Mons, der etwa 5,5 Kilometer hohe Zentralberg im Inneren des Gale-Kraters. Auf dem Weg zu dem etwa acht Kilometer vom aktuellen Standort entfernt gelegenen "Ankunftspunkt" am Fuße des Zentralberges, welcher auch als "Mount Sharp" bezeichnet wird, soll der Rover in regelmäßigen Abständen kurze Pausen einlegen, um auf der Route gelegene Oberflächenformationen zu untersuchen. Nach der bisherigen Planung wird sich das wissenschaftliche Interesse dabei auf Formationen aus offen zutage liegenden Grundgestein konzentrieren. Allerdings sollen die jeweiligen Untersuchungen nur kurze Zeit andauern und die Weiterfahrt des Rovers möglichst wenig verzögern.

"Wir wissen derzeit noch nicht, wann wir den Mount Sharp erreichen werden", so Jim Erickson, der Projektmanager für die Curiosity-Mission vom Jet Propulsion Laboratory der NASA. "Diese Mission ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Entdeckungsmission. Dies bedeutet allerdings, dass wir, obwohl unser eigentliches Ziel der Mount Sharp ist, auch interessante Strukturen untersuchen werden, welchen wir auf dem Weg dorthin begegnen." Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass Curiosity für das Erreichen des Zentralberges aller Voraussicht nach einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten benötigen wird.

Nach seiner Ankunft am Mount Sharp wird Curiosity schließlich mit der Erkundung der dort befindlichen geschichteten Ablagerungen beginnen, welche sich bereits aus der Distanz an den Hängen dieses Berges erkennen lassen. Hier erhoffen sich die an der Mission beteiligten Wissenschaftler weitere Informationen über die Umweltbedingungen, welche früher auf dem Mars geherrscht haben, und über die geologische Entwicklungsgeschichte dieser Region.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 325 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von etwa 875 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. Seit dem Erreichen des Mars haben die Kamerasysteme von Curiosity 66.139 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS, Unmanned Spaceflight)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini: Der Saturn-Umlauf Nummer 195 von Redaktion



• Raumsonde Cassini: Der Saturn-Umlauf Nummer 195 «mehr» «online»


» Raumsonde Cassini: Der Saturn-Umlauf Nummer 195
30.06.2013 - In den Morgenstunden des 1. Juli 2013 beginnt für die Raumsonde Cassini der mittlerweile 195. Umlauf um den Saturn. Den Höhepunkt dieses 15 Tage andauernden Orbits bildet ein für den 10. Juli geplanter dichter Vorbeiflug der Raumsonde an dem Saturnmond Titan. Hierbei sollen mit einem Radar-Instrument speziell die mit Kohlenwasserstoffverbindungen gefüllten Seen auf diesem Mond untersucht werden.
Am 1. Juli 2013 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 6.39 Uhr MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 1,34 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 195. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell weist die Flugbahn von Cassini eine Inklination von 59,4 Grad auf.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 15 Tage andauernden Umlaufs - dieser trägt die Bezeichnung "Rev 194" - insgesamt 33 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Ein Großteil dieser Kampagnen wird erneut die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn zum Ziel haben. Den Höhepunkt der Beobachtungen stellt jedoch ein gesteuerter Vorbeiflug am größten der derzeit 62 bekannten Saturnmonde, dem 5.150 Kilometer durchmessenden Mond Titan dar.

Die ersten Beobachtungen sollen bereits wenige Stunden nach dem Beginn des neuen Orbits erfolgen, wobei die ISS-Kamera den Saturn abbilden wird. Mittels der dabei geplanten Abbildungen der Saturnatmosphäre durch die WAC-Kamera, welche Bestandteil einer langfristig ausgelegten "Sturmbeobachtungskampagne" sind, sollen erneut aktuelle Daten über das dortige Wettergeschehen gesammelt werden. Durch die Beobachtung von kleineren Sturmgebieten und markanten Wolkenformationen in den Atmosphären des Saturn lassen sich zum Beispiel Aussagen über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten tätigen.

Ringe und kleine Saturnmonde

Im Anschluss an diese Fotoaufnahmen sind zunächst diverse Beobachtungen des Ringsystems des Saturn vorgesehen. Zunächst steht dabei der G-Ring des Saturn auf dem Beobachtungsprogramm der ISS-Kamera, welcher in erster Linie durch Material gespeist wird, das von der Oberfläche des kleinen Saturnmondes Anthe stammt. Einen Tag später wird die ISS-Kamera mehrfach den F-Ring abbilden. Dessen diverse Verästelungen und die gewundene Einzelringe werden durch gravitative Wechselwirkungen mit dem weiter innen liegenden A-Ring und den beiden den F-Ring begrenzenden Saturnmonden Prometheus und Pandora erzeugt. Aus den gewonnenen Einzelaufnahmen wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler eine kurze Videosequenz erstellen.

Direkt nach der entsprechenden Beobachtungskampagne sollen dann mehrere der kleineren inneren Saturnmonde im Rahmen sogenannter astrometrischer Beobachtungen abgebildet werden. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der jeweiligen Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der anzufertigenden Aufnahmen der Monde besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren Umlaufbahnen noch weiter zu präzisieren.

Am 3. Juli soll die ISS-Kamera schließlich zusammen mit einem weiteren Instrument der Raumsonde, dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (kurz "VIMS"), eine Sternokkultation dokumentieren. Hierbei wird der halbregelmäßig veränderliche Stern My Cephei von Teilen den Ringsystems bedeckt. Durch die sich dabei ergebenden Helligkeitsschwankungen in der Lichtkurve von My Cephei erhoffen sich die an der Kampagne beteiligten Wissenschaftler weitere Aufschlüsse über den Aufbau, die Materialdichte und die Struktur der Ringbereiche, welche den Stern bei dieser Okkultation bedecken.

Am 7. Juli wird Cassini um 6.09 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während dieses Orbits Nummer 195 erreichen und den Planeten in einer Entfernung von 557.030 Kilometern passieren. Dabei wird sich die Raumsonde erneut in erster Linie auf das Ringsystem konzentrieren. Neben dem D-Ring wird dabei auch erneut der äußere Bereich des A-Ringes in den Fokus der ISS-Kamera geraten, wo zum wiederholten Mal sogenannte "Propellerstrukturen" dokumentiert werden sollen. Bei diesen lediglich etwa 15 bis 25 Kilometer großen Strukturen handelt es sich um Bereiche innerhalb des Ringsystems, wo das Material der Ringe durch die gravitativen Einflüsse von Mini-Monden - so genannten Moonlets - verdichtet wird. Durch die anzufertigenden Aufnahmen des durchschnittlich lediglich etwa 10 bis 30 Meter dicken A-Ringes sollen die bisher bekannten Bahnparameter dieser Moonlets noch weiter verfeinert werden.

Im Anschluss an diese Beobachtungen wird die ISS-Kamera am 7. und 8. Juli in Zusammenarbeit mit drei weiteren Instrumenten - neben dem VIMS kommen dabei auch das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) und das Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS) zum Einsatz - drei weitere Sternokkultationen dokumentieren, wobei Teile des F-Rings die Sterne Eta Carinae, Delta Centauri und 2 Centauri bedecken werden.

Vorbeiflug am Titan

Drei Tage nach dem Passieren der Periapsis wird die Raumsonde Cassini schließlich am 10. Juli 2013 zum 93. mal den Saturnmond Titan im Rahmen eines zielgesteuerten Vorbeifluges passieren. Im Rahmen dieses als "T-92" bezeichneten Vorbeifluges wird die Raumsonde die Oberfläche des Titan in einer Höhe von 964 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 5,9 Kilometern pro Sekunde überfliegen.

Während der Annäherungsphase an den Mond wird die ISS-Kamera Teilbereiche der Nordpolregion des Titan und von dessen nördlichen Hemisphäre abbilden und ein aus sieben Einzelaufnahmen bestehendes Mosaik erstellen. Diese Aufnahmen sollen diverse Details über die dort befindlichen Seen aus Kohlenwasserstoffverbindungen enthüllen, eine größere Datenlücke in den bisherigen Titanaufnahmen der ISS-Kamera schließen und zudem die bisher bestaufgelösten Aufnahmen des Impaktbeckens Menrva liefern, welches sich bei etwa 25 Grad nördlicher Breite befindet.

Zusätzlich wird das CIRS-Spektrometer dazu eingesetzt, um diverse Scans auf der Nachtseite des Titan durchzuführen. Das Ziel der Messungen besteht darin, die zu diesem Zeitpunkt in der Stratosphäre der Titanatmosphäre vorherrschenden Temperaturen zu ermitteln. Zusätzlich sollen hierbei durch Abtastungen, welche im mittleren und Fern-Infrarotbereich erfolgen, die Verteilung von Aerosolen und verschiedener chemischer Verbindungen in den oberen Schichten der Titanatmosphäre bestimmt werden.

In der Phase der dichtesten Annäherung wird schließlich das RADAR-Instrument von Cassini die wissenschaftlichen Arbeiten der Raumsonde dominieren. Unmittelbar vor der dichtesten Annäherung soll das Instrument durch Scatterometrie- und Radiometriemessungen Daten über die Beschaffenheit des Geländes auf der nördlichen Hemisphäre sammeln.

Im Anschluss an diese Messungen wird das RADAR die östlichen Bereiche des Kraken Mare, des mit einer Fläche von etwa 400.000 Quadratkilometer größten Methansees auf dem Titan im SAR-Modus abtasten. Direkt während der dichtesten Annäherung wird schließlich das Ligeia Mare, ein weiterer mit Kohlenwasserstoffverbindungen gefüllter See, in den Aufnahmebereich des RADAR rücken.

Durch die Messungen, so die Erwartungen der Wissenschaftler der Cassini-Mission, können minimalste Höhenunterschiede auf der Oberfläche dieser Seen erkannt werden, welche sich im Millimeterbereich bewegen und die durch Wellenbewegungen ausgelöst werden, welche ihren Ursprung in Windeinflüssen, durch die Strömungen der diversen Zuflüsse von Kohlenwasserstoffverbindungen oder in Gezeitenbewegungen haben können. In der Abflugphase wird sich das RADAR dann unter anderem auf die Region Ardiri (hierbei handelt es sich um ein ausgedehntes Dünenfeld im Bereich des Äquators des Titan), erneut auf das Ligeia Mare, direkt auf die Region Concordia Regio und auf das Gebiet zwischen Concordia Regio und Hetpet Regio richten.

Einige dieser Radar-Aufnehmen können in Kombination mit früheren Messungen, welche während des Cassini-Orbits Nummer 191 angefertigt wurden, genutzt werden, um ein hochaufgelöstes dreidimensionales Radarbild der Titan-Oberfläche zu erzeugen.

Im Anschluss an die Radar-Dokumentationen wird erneut die ISS-Kamera "übernehmen" und den Titan in Zusammenarbeit mit dem VIMS abbilden. Hierbei sollen speziell Wolkenformationen dokumentiert werden, welche sich zu diesem Zeitpunkt über die südliche Hemisphäre bewegen. Auch hier geht es darum, anhand der Bewegung dieser Wolken Rückschlüsse über das derzeitige Wettergeschehen zu ziehen. Zusätzlich soll im Rahmen dieser Abbildungen nach Albedovariationen gesucht werden. Zwei der zu erstellenden Aufnahmen werden dabei die südliche Polarregion des Titan wiedergeben. Hierbei soll speziell der gegenwärtig direkt über dem Südpol des Titan befindliche Wolkenwirbel dokumentiert werden.

Für die folgenden Tage sind weitere Aufnahmen durch die ISS-Kamera geplant, welche sowohl den Titan als auch den Saturn zum Ziel haben werden. Zudem wird am 13. Juli eine kurze Zündung der Triebwerke, der sogenannte "short engine burn number 353", erfolgen, um eine notwendige Kurskorrektur der Raumsonde durchzuführen.

Im Anschluss an dieses Manöver wird die Raumsonde Cassini schließlich am 15. Juli 2013 um 8.15 MESZ in einer Entfernung von rund 1,5 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis ihrer Umlaufbahn erreichen und damit auch diesen 195. Umlauf um den Ringplaneten beenden. Für den dann beginnenden Orbit Nummer 196 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn sowie verschiedener Saturnmonde vorgesehen. Zusätzlich wird im Rahmen dieses nächsten Orbits am 26. Juli ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Titan erfolgen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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"InSpace" Magazin #495
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8. Juli 2013
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