InSpace Magazin #492 vom 27. Mai 2013

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #492
ISSN 1684-7407


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Mars: Mehr als 200 neue Einschlagskrater pro Jahr

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

in einer unserer Meldungen der letzten 14 Tage können Sie den aktuellen Stand einer Diskussion nachlesen, was die USA mit ihrer neuen bemannten Orion-Kapsel wohl als Erstes unternehmen sollten (wenn sie denn fertig ist): Einen erdnahen Asteroiden besuchen oder nochmal zum Mond fliegen?

Die Diskussion ist ja nicht ganz neu und bisher hat mir persönlich die Idee, einen Asteroiden zu besuchen, sehr gut gefallen. Jetzt, wo ich in dem Artikel von Hans Lammersen nähere Details gelesen habe, bin ich allerdings doch wieder mehr für eine neue Mondlandung. Das hat mit der "Klasse" von Asteroiden zu tun, die nach Ansicht der Nasa wohl für eine solche Mission in Frage kommen. Mehr dazu in dem Artikel...

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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News

• ESA-Zentrum in UK eröffnet «mehr» «online»
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• Atlas V startet neuen GPS-Satelliten «mehr» «online»
• Teleskop Kepler mit technischen Problemen «mehr» «online»
• Ballistischer Raketenstart Chinas irritiert USA «mehr» «online»
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• Fliegender Zoo Bion-M 1 ist gelandet «mehr» «online»
• Charles Bolden und die Ziele der NASA «mehr» «online»
• Russland nimmt Ganymed ins Visier «mehr» «online»
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• Heiß, heißer, KIC 8435766b «mehr» «online»
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• Leistung letzter Rockot und ihrer Nutzlast rätselhaft «mehr» «online»
• Space Report 2013 – globale Raumfahrt im Überblick «mehr» «online»
• Herschel beleuchtet Geheimnis "junger alter" Galaxien «mehr» «online»
• WGS 5: Satellit zur Steuerung von Drohnen gestartet «mehr» «online»
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• Das Very Large Telescope der ESO feiert Jubiläum «mehr» «online»
• Asteroid oder Mond? «mehr» «online»
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• Hauptspiegel von Spektr-UF fertiggestellt «mehr» «online»


» ESA-Zentrum in UK eröffnet
15.05.2013 - Der britischen Raumfahrtindustrie soll innerhalb der European Space Agency ESA eine größere Rolle zukommen. Erste Schritte auf dem Weg dahin wurden bereits 2009 eingeleitet. Nun wurde die bestehende ESA-Einrichtung in Harwell-Oxford zum Europäischen Zentrum für Weltraumanwendungen und Telekommunikation, kurz ECSAT, aufgewertet, um dem Anliegen zusätzliche Schubkraft zu verleihen.
Die Briten mögen zwar keine überzeugten Europäer sein, aber die Eröffnung eines siebten ESA-Zentrums erfüllt sie doch mit Stolz. Jedenfalls waren keine Europa-skeptischen Töne zu vernehmen, als am 14. Mai 2013 der britische Minister für Hochschulen und Wissenschaft, David Willetts, zusammen mit Jean-Jacques Dordain, Generaldirektor der ESA, im Hochtechnologiepark Harwell-Oxford südlich von Oxford das ECSAT, das Kürzel steht für European Centre for Space Applications and Telecommunications, eröffnete. Bereits seit 2009 gab es dort das erheblich kleinere ESA Harwell Centre als Vorläufer.

Vielleicht half es dem britischen Ego, dass die ESA per se keine Veranstaltung der Europäischen Union ist, auch wenn von den 20 ESA-Mitgliedern alle bis auf die Schweiz und Norwegen der EU angehören. Geholfen hat den Briten sicherlich auch die eigene Erkenntnis, dass es um die industrielle Basis des Landes nicht zum Besten bestellt ist. Da ist europäisches Engagement in einem Hochtechnologiesektor immer willkommen. Der britsche Wissenschaftsminister betonte denn auch in seiner Ansprache die Rolle der heimischen Raumfahrtsindustrie für das Vereinigte Königreich. Sie sei für das Wachstum im Lande von steigender Bedeutung und trage jährlich umgerechnet über 8,3 Mrd. Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei. Rund 70 Prozent der Produktion des britischen Raumfahrtsektors gehe in den Export. Was er nicht sagte - das britische Bruttoinlandsprodukt wird sich 2013 auf etwa 2.000 Mrd. Euro belaufen. Da hat die dortige Raumfahrtindustrie noch einiges zu tun, bevor sie mit einer wenigsten einstelligen Prozentzahl ins Gewicht fällt.

Auf dem Weg dorthin soll das ECSAT künftig eine Schlüsselrolle übernehmen. Das Zentrum fokussiert sich auf Telekommunikation, Klimawandel, Technologie- und Wissenschaftstransfer sowie „integrierte“ Anwendungen. Konkret soll ECSAT die kombinierte Nutzung von sowohl im All als auch auf der Erde zur Anwendung kommenden Technologien voranbringen und Daten sowie Infrastrukturen zur Schaffung neuer Anwendungen für den Alltag bereitstellen. Dafür sei, so Wissenschaftsminister Willets, der Harwell-Oxford Campus ideal, erlaube der Standort doch die enge Zusammenarbeit mit anderen Weltraumwissenschaftlern und –unternehmen.

Eines der konkreten Projekte aus den oben genannten Arbeitsgebieten ist die Entwicklung von Radionuklid-Batterien für künftige Weltraummissionen, die eine Sonnenenergienutzung nicht zulassen. Die Briten sollen die Federführung bei der Entwicklung übernehmen, da sie mit ihrem Nuklearzentrum Sellafield die notwendige Infrastruktur zur Gewinnung und zum Umgang mit der ins Auge gefassten Energiequelle haben: aus Plutonium gewonnenes Americium 241. Die Franzosen sind nicht minder interessiert an nuklear-basierten Weltraumtechniken. Die Arbeitsteilung läuft darauf hinaus, dass sie sich auf die Sicherheitsaspekte beim Start derartiger Missionen konzentrieren, da der Startplatz Kourou französisches Staatsgebiet ist. Der hohe Sicherheitsstandard für eine Weltraummission soll dann auch wieder für die irdische Nukleartechnik Fortschritte bringen.

Unabhängig von der ECSAT-Eröffnung, aber in Verbindung damit, wurde am gleichen Tag in Harwell-Oxford das Satellite Application Catapult („Satellitenanwendungskatapult“) offiziell eröffnet. In das Wort „Katapult“ darf man nicht zu viel hineininterpretieren. Es handelt sich um ein Technologie- und Innovationszentrum für Satellitenanwendungen, in welches 2013 über das britische Technology Strategy Board umgerechnet rund 12 Mio. Euro öffentliche Gelder investiert werden. Für den Standort in Harwell-Oxford sprach nach Ansicht des Boards, dass dort neben der ESA unter anderem das International Space Innovation Centre (ISIC), das Science and Technology Facilities Council (STFC) und die Rutherford Appleton Laboratories (RAL) bereits angesiedelt sind. Insgesamt befinden sich auf dem Harwell-Oxford-Campus 150 Firmen und Organisationen, angefangen bei Neugründungen bis hin zu multinationalen Konzernen. Die Bandbreite der Tätigkeitsgebiete reicht von Raumfahrt über Gesundheit, digitale Kommunikation, Kryotechnik bis hin zu erneuerbarer Energie.

Das ECSAT wird die bestehenden Spitzenkapazitäten der ESA im Europäischen Weltraumforschungs- und -technologiezentrum (ESTEC) in den Niederlanden, im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Deutschland, im Europäischen Institut für Weltraumforschung (ESRIN) in Italien, im Europäischen Weltraumastronomiezentrum (ESAC) in Spanien, im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) in Deutschland und im Zentrum von Redu in Belgien, die gemeinsam mit der Hauptverwaltung in Frankreich die Hauptinfrastruktur der ESA bilden, ergänzen.

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  • ESA (ab Mai 2013)


(Autor: Roland Rischer - Quelle: ESA, Harwell News, Goodman Property)


» Eutelsat 3D im All
15.05.2013 - Der Start erfolgte am 14. Mai 2013, gegen 18.02 Uhr MESZ vom Kosmodrom Baikonur aus an der Spitze einer Proton-M-Trägerrakete.
Die Oberstufe vom Typ Bris-M absolvierte nach dem Start insgesamt 5 Brennphasen und brachte den Satelliten damit auf den geplanten Geotransferorbit. Das Perigäum liegt etwa bei 6.800 km, das Apogäum bei 35.725 km, die Bahneigung bei 17,55 Grad. Alle Abweichungen liegen unterhalb von 0,5 %.

Der beim Start 5.470 kg schwere Kommunikationssatellit Eutelsat 3D wurde von Thales Alenia Space auf Basis des Spacebus 4000-C3 im Auftrag von Eutelsat gefertigt und verfügt über 53 Ku- sowie 3 Ka-Band-Transponder. Er soll 15 Jahre im Geostationären Orbit seinen Dienst versehen. Die Bahn erreicht er mit eigenen Triebwerken, Einsatzposition ist 3° Ost.

Eutelsat (Abkürzung für European Telecommunications Satellite Organization) wurde 1982 als internationales Unternehmen gegründet und betreibt eine ganze Flotte von Kommunikationssatelliten. Das Unternehmen ist der drittgrößte kommerzielle Satellitenbetreiber weltweit. In Deutschland können Programme über Hotbird-Satelliten, die auf 13 Grad Ost stationiert sind, empfangen werden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ILS, Raumcon, Skyrocket)


» Atlas V startet neuen GPS-Satelliten
16.05.2013 - Gestern Nachmittag Ortszeit startete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral wieder eine Atlas V in den Orbit. An Bord befand sich ein neuer GPS-Satellit.
Der Start erfolgte um 17.38 Uhr Ortszeit (dies entspricht 23.38 Uhr MESZ) vom Startkomplex 41 der Cape Canaveral Air Force Station in Florida. Die Rakete vom Typ Atlas V 401 erfüllte ihren Auftrag perfekt und setzte den Satelliten mitsamt Centaur-Oberstufe im Weltraum aus, welche dann den Satelliten auf seinen ihm bestimmten Orbit brachte. Auch dies verlief laut Startdienstleister ULA, einem Zusammenschluss der Firmen Lockheed Martin, welche die Atlas V produziert, und Boeing, Produzent der Delta IV, erfolgreich.

Als Nutzlast wurde dabei der vierte GPS-Satellit des Blocks 2F gestartet. Diese auch als NAVSTAR 2F bekannte neue Generation der GPS-Satelliten werden dabei von Boeing gefertigt und wiegen nur 1.630 kg, was für heutige Satelliten relativ wenig ist. Zudem ist der auch als USA 242 bzw. Vega bezeichnete Satellit zur Energieversorgung mit zwei großen Solarzellenflächen sowie einem Satz von Batterien ausgerüstet. Als Nutzlast trägt er eine Reihe von Transpondern, mit denen die Navigationssignale zum Endnutzer auf der Erde gesendet werden, sowie mehrere extrem genaue Atomuhren, deren Zeit mit dem Signal gesendet wird und zur Berechnung der Position dient. Das gleiche Prinzip wird bei allen satellitengestützten Navigationssystemen, wie etwa GloNaSS aus Russland, dem chinesischen Beidou oder Europas Galileo, genutzt. Der Satellit verfügt aber im Gegensatz zu der großen Mehrheit der heute gestarteten Satelliten über keinen sogenannten internen Apogäumsmotor, welcher den letzen Bahneinschuss in den Zielorbit vornimmt. Diese Aufgabe fällt der Oberstufe der Trägerrakete zu.

Diese Besonderheit ist eine Anpassung an die Trägerraketen, die sogenannten Evolved Expendable Launch Vehicles (EELV) Atlas V und Delta IV, welche beide über mehrfach zündbare Oberstufen verfügen. Dadurch und durch die Tatsache, dass die Satelliten weit unterhalb der maximalen Nutzlastkapazität der jeweiligen Träger liegen. Somit kann die Lebensdauer der Satelliten auf 12 Jahre gesteigert werden. Auch wurden mit dieser neuen Generation laut Hersteller ein neues ziviles Signal für Rettungskräfte und die kommerzielle Luftfahrt sowie erweiterte Dienste für das US-Militär ergänzt.

Der gestern gestartete Satellit gesellt sich zu einer Reihe von insgesamt 34 Satelliten, die die Erde auf einem etwa 20.460 km hohen Orbit in sechs Ebenen mit unterschiedlicher Inklination und Rektaszension der Knoten ihrer Orbits umlaufen. Die Bahnhöhe ist dabei so gewählt, dass ein GPS-Satellit an einem Tag die Erde zwei Mal umrundet. Solch ein Orbit wird halbsynchron genannt. GPS-2F 4 nimmt dabei den Slot 2 in der Ebene C der GPS-Konstellation ein und ersetzt somit GPS-2A 6, welcher am 9. September 1992 mit einer Delta II gestartet und nunmehr nach über 20 Jahren deaktiviert wurde.

Bei diesem Start handelt es sich um den vierten einer Atlas V in diesem Jahr, den fünften Start der USA und den international 25. Start des Jahres 2013.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ULA, Boeing)


» Teleskop Kepler mit technischen Problemen
16.05.2013 - Der Exoplaneten-Jäger der US-amerikanischen Raumfahrbehörde NASA, das Weltraumteleskop Kepler, kämpft offenbar seit mehreren Tagen erneut mit einem technischen Defekt eines seiner Gyroskope. Diese, für die Lageregelung der Raumsonde zuständigen Drallräder waren in den letzten Monaten schon mehrmals Grund zur Sorge für das Kelper-Bodenteam.
Bereits im Sommer vergangenen Jahres, am 14. Juli 2012, war das Gyroskop 2 im „Attitude and Determination Control Subsystem“ (ADCS) an Bord Keplers endgültig ausgefallen und musste abgeschaltet werden. Zu diesem Zweipunkt ergaben sich für den wissenschaftlichen Missionsbetrieb des Teleskops noch keine gravierenden Konsequenzen, da durch insgesamt vier Gyroskope eine ausreichend hohe Redundanz für einen einzelnen Ausfall gewährleistet war. Vom 17. bis zum 28. Januar 2013 fiel zusätzlich das stabilisierende Schwungrad 4 aus, welches nach einer vorübergehenden Abschaltung jedoch vorläufig wieder in Betrieb genommen werden konnte.

Am vergangenen Dienstag wurde nun entdeckt, dass sich im Laufe der Woche erneut eine Komplikation mit diesem, inzwischen als „Problemkind“ bekannten, Gyroskop ergeben hatte. Diese hat, wie schon andere Störfälle zuvor, zu einem automatischen Umschalten des Raumfahrzeugs in den triebswerksgestützten Sicherheitsmodus geführt. In diesem Modus werden sämtliche nötigen Korrekturen in der Raumorientierung Keplers durch die Triebwerke ausgeführt, um die gyroskopische Lageregelung vorübergehend zu ersetzen. Zusätzlich wird das etwa eine Tonne schwere Teleskop frontal zur Sonne ausgerichtet und in eine langsame Rotation um die Längsachse versetzt. Dies dient sowohl der Sicherstellung einer ausreichenden Energieversorgung durch die Solarpanele, als auch der regelmäßigen Boden-Kommunikation etwa mit dem Deep Space Network (DSN) der NASA. Weiterhin werden sekundäre Systeme, etwa die für die genaue Lageerkennung nötigen „star tracker“, abgeschaltet.

Da sich Gyroskop 4 bisher wohl nicht wieder in Betrieb setzen ließ, stellt man sich bei der NASA offenbar auf einen mittelfristigen Betrieb im „Triebwerks-Modus“ ein. Das zentrale Problem hierbei ist, dass in dieser Konfiguration keine hochpräzise Ausrichtung Keplers möglich ist, wie sie die Suche nach Exoplaneten-Transits notwendig macht. Kepler erspähte diese bisher durch die winzige Veränderung in der Strahlungsintensität ferner Sterne, die der Vorbeiflug des jeweiligen Planeten verursacht. Weiterhin steigt der Treibstoffverbrauch zur Lageregelung stark an, was die Lebensdauer der Sonde auf mehrere Monate bis wenige Jahre reduzieren dürfte.

In den nächsten Tagen und Wochen will die NASA intensiv über Möglichkeiten zur „Rettung“ Keplers im Bezug auf seine bisherigen Missionsparameter nachdenken. Sollte dies nicht gelingen, wurde schon über alternative Einsatzmöglichkeiten der Raumsonde, etwa in der Beobachtung erdnaher Objekte (NEOs), spekuliert. Wenn beide Perspektiven sich nicht als vielversprechend herausstellen sollten, würde das im März 2009 gestartete Teleskop vermutlich bereits kurz nach seiner minimal veranschlagten Missionsdauer, bis November 2012, endgültig verloren gegeben. Dies gilt umso mehr, als erst vor zwei Wochen Haushaltskürzungen in den USA in Aussicht gestellt wurde, die unter anderem auch die US-Raumfahrt betreffen werden. Eigentlich wollte man die Beobachtungen mit Kepler bis mindestens 2016 fortführen.

Bisher konnten immerhin fast 3.000 wahrscheinliche Planeten ausgemacht werden, die fremde Sterne in unserer heimischen Milchstraße umkreisen. Mehrere Dutzend von ihnen konnte Kepler mit Sicherheit bestätigen, während die Übrigen noch zukünftiger Verifikation bedürfen. Insgesamt bestätigten seine Beobachtungen vorher umstrittene Theorien über die vielfache Existenz von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: sie scheinen möglicherweise eher die Regel als die Ausnahme in kosmisch relativ nahegelegenen Sternensystemen zu sein.

Das Weltraumteleskop nimmt sie von einem Sonnenorbit aus unter die Lupe, der dem der Erde sehr ähnlich ist. Kepler fliegt auf seiner Bahn um unser Zentralgestirn bislang sozusagen im "Windschatten" des blauen Planeten. Diese Umlaufbahn minimiert störende Effekte, wie sie etwa in einem Erdorbit auftreten würden und ermöglicht zugleich ein immer freies Blickfeld auf die anvisierte Raumregion.

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: NASA, NASAwatch.com, Raumcon)


» Ballistischer Raketenstart Chinas irritiert USA
17.05.2013 - Die Volksrepublik China hat eine Rakete zu einem ballistischen Flug bis in 10.000 km Höhe gestartet. Aufgrund der außerordentlichen Höhe und des Flugverlaufes interpretiert man den Start im US-Verteidigungsministerium als weiteren Versuch des Landes, sich auf dem Gebiet der Anti-Satelliten-Technik zu profilieren.
Am Montag, dem 13. Mai 2013, startete um 21.00 Uhr Ortszeit vom chinesischen Satelliten-Startzentrum Xichang aus eine Rakete zu einem ballistischen Flug bis in 10.000 km Höhe. Er endete über dem indischen Ozean. Es war der höchste ballistische Flug seit 1976. Damals überprüften die USA mit dem mit einer Atomuhr bestückten Flugkörper Gravity Probe A im Rahmen eines zweistündigen Fluges Aussagen der allgemeinen Relativitätstheorie.

Die US-Amerikaner verfolgten den Flug sehr genau. Laut Reuters konnten sie keine Objekte identifizieren, die in einen Orbit eingebracht wurden. China selbst erklärte, der Flug hätte der Erforschung energetischer Zustände in verschiedenen Höhen gedient. Die Nutzlast bestand unter anderem aus einer Langmuir-Sonde, einem Detektor für hochenergetische Partikel, einem Magentometer und Barium-Pulver, welches am Scheitelpunkt zur Beobachtung der damit erzeugten Pulverwolke ausgebracht wurde.

US-Stellen verwiesen darauf, dass die Flugbahn der Rakete mit einer Anti-Satellitenwaffe an Bord ebenso anderen Zwecken hätte dienen können. Allgemein würden sich die meisten wissenschaftlichen ballistischen Flüge auf Flughöhen von rund 1.500 km beschränken.

Bei der am Montag verwendeten Rakete handelt es sich nach Ansicht des konservativen US-Informationsdienstes FreeBeacon um eine Dong Ning 2. Sie sei zur Satellitenabwehr konzipiert. Ihre Existenz soll seit Oktober letzten Jahres bekannt sein. Raketenexperten hätten seit Januar 2013 auf Vorbereitungen zu einem ersten Test hingewiesen.

Laut FreeBeacon sei der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am Dienstag direkt gefragt worden, ob der Start vom Vortag einem Anti-Satellitentest gedient hätte. Er habe darauf geantwortet, dass er davon nichts wüsste. China setze sich unverändert für eine friedliche Nutzung des Weltraums ein und sei gegen jede Militarisierung und ein Wettrüsten im All. Von amerikanischer Seite wurde das offiziell nicht kommentiert. Hingegen wurde aber betont, dass die US-Satelliten-Infrastruktur prinzipiell stärker geschützt werden müsse.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: Reuters, China NSSC, NSF, FreeBeacon)


» Das feurige Band des Orion
18.05.2013 - Eine am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt ein gewaltiges Band aus Gas und Staub in der Orion-Molekülwolke. Das erkennbare orangefarbene Glimmen stellt ein schwaches Leuchten dar, welches von kaltem interstellarem Staub verursacht wird und dessen Wellenlänge zu groß ist, um für das menschliche Auge sichtbar zu sein.
Interstellare Molekülwolken bestehen aus Ansammlungen von Gas und Staubpartikeln und beherbergen das Rohmaterial, aus dem sich im Rahmen des Prozesses der Sternentstehung neue Sterne bilden. Allerdings verbergen die winzigen Staubkörnchen im sichtbaren Bereich des Lichts auch all das, was sich innerhalb oder hinter diesen Wolken befindet beziehungsweise abspielt. Dies wiederum erschwert den Astronomen jedoch das Beobachten von Sternentstehungsprozessen.

Aus diesem Grund verwenden Astronomen Instrumente, welche es ermöglichen, Molekülwolken und Sternentstehungsgebiete bei anderen Wellenlängen als denen des sichtbaren Lichts zu beobachten. Hierfür besonders geeignet sind Untersuchungen im Submillimeterbereich, in dem die Staubteilchen aufgrund ihrer niedrigen Temperatur von lediglich wenigen Grad über dem absoluten Nullpunkt Strahlung abgeben anstatt das Licht zu blockieren.

Heiße Objekte geben den größten Anteil ihrer Strahlung bei kürzeren Wellenlängen und kältere Objekte bei längeren Wellenlängen ab. So erscheinen zum Beispiel heiße Sterne mit Temperaturen von etwa 20.000 Kelvin in einer bläulichen Farbe. Kühlere Sterne mit Temperaturen von um die 3.000 Kelvin erscheinen dagegen rötlich. Eine Staubwolke mit einer Temperatur von nur zehn Kelvin hat ihr Emissionsmaximum bei einer Wellenlänge von etwa 0,3 Millimetern und lässt sich beispielsweise im Submillimeterbereich beobachten.

Die LABOCA-Kamera des Atacama Pathfinder Experiment (kurz APEX) ist auf solche Beobachtungen spezialisiert. Bei dem APEX handelt es sich um ein in einer Höhe von 5.000 Metern über dem Meeresspiegel auf dem Chajnantor-Plateau in der chilenischen Atacamawüste befindliches Radioteleskop, welches ursprünglich errichtet wurde, um Technologien für den Teleskopverbund ALMA zu testen.

Eine am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt einen Teilbereich eines im Sternbild Orion gelegenen größeren Komplexes, welcher allgemein als die Orion-Molekülwolke bekannt ist. Dieses Gebiet stellt einen geradezu unerschöpflicher Schmelztiegel aus hellen Nebeln, jungen und somit heißen Sternen und kaltem Staub dar, verfügt über einen Durchmesser von mehreren Hundert Lichtjahren und befindet sich in einer Entfernung von etwa 1.300 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem.

Das auf der nebenstehenden Aufnahme zu erkennende Leuchten im Submillimeterbereich stammt von den kalten Staubwolken, welche in diesem Bild orange dargestellt sind. Das Foto wurde mit einer vertrauteren Aufnahme dieser Himmelsregion im sichtbaren Licht überlagert. Die auffallend große, helle Wolke oben rechts im Bild ist der allgemein bekannte Orionnebel.

Dieser Emissionsnebel ist unter günstigen Sichtbedingungen bereits mit dem bloßem Auge als ein etwas verschwommener "Fleck" im "Schwert des Orion" unterhalb der drei Gürtelsterne dieses markanten Sternbildes zu erkennen. Der Orionnebel ist aber nur der hellste Teil eines riesigen Sternentstehungsgebietes, in dem sich nach wie vor neue Sterne bilden. Von der Erde aus gesehen ist der Orionnebel der nächst gelegene Ort im Universum, an dem eine Sternentstehung beobachtet werden kann.

Die Staubwolken bilden wunderschöne Filamente, Streifen und Blasen, welche durch unterschiedliche Prozesse wie etwa einen gravitativen Kollaps oder durch die Einwirkungen von Sternwinden entstehen. Solche Sternwinde sind der kontinuierliche Strom von Materie, welche von Sternen ausgestoßen wird. Diese Winde verfügen über genügend Kraft, um die in der Umgebung gelegenen Staubwolken in die gebogenen Strukturen zu bringen, welche wir auf dieser Aufnahme erkennen.

Astronomen haben mit Hilfe dieser Aufnahme und weiterer durch das APEX gewonnener Daten sowie anhand von Aufnahmen des Weltraumteleskops Herschel im Bereich der Orion-Molekülwolke nach sogenannten Protosternen, einem besonders frühen Stadium der Sternentstehung, gesucht. Bisher waren sie in der Lage, dort 15 solcher Objekte zu identifizieren, welche bei längeren Wellenlängen viel heller erscheinen als bei kürzeren. Diese neu entdeckten, seltenen Objekte gehören vermutlich zu den jüngsten Protosternen, welche jemals gefunden wurden.

Eine entsprechende Forschungsarbeit wurde am 10. April 2013 von Amelia M. Stutz et al. in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal " unter dem Titel "A Herschel and APEX Census of the Reddest Sources in Orion: Searching for the Youngest Protostars" publiziert.

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Fachartikel von Amelia M. Stutz et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Gamma 400: Auf der Jagd nach der Dunklen Materie
18.05.2013 - Derzeit entwickeln Russland, die Ukraine und Italien gemeinsam das Projekt Gamma 400. Dieses Weltraumteleskop soll Ende des Jahrzehnts starten und wird die Nachfolge aktueller Gammateleskope wie Fermi oder AGILE antreten, die dann ihr Lebensende erreicht haben werden. Kürzlich wurde das aktuelle Design vorgestellt.
Gammastrahlung ist die höchstenergetische elektromagnetische Strahlung überhaupt. Im Allgemeinen wird sie im Wesentlichen von der Atmosphäre der Erde aufgehalten, so dass sie von der Erde aus kaum direkt zu beobachten ist. Für die Erforschung dieser Strahlung ist man also auf den Einsatz von Weltraumteleskopen angewiesen. Die ersten astronomischen Beobachtungen in diesem Bereich geschahen eher aus Zufall - militärische Satelliten wurden gebaut, um Gammastrahlen aufspüren, die bei Atomwaffentests entsteht. Später wurden dann die ersten speziellen Gammateleskope gebaut.

Aktuell sind mit dem italienischen AGILE und dem amerikanischen Fermi zwei allgemein einsetzbare Gammateleskope im All. Zudem gibt es mit Swift einen Satelliten, der speziell auf die Untersuchung von Gamma-Blitzen ausgelegt ist. Diese sogenannten GRB (Gamma Ray Bursts) entstehen vermutlich vor allem bei Supernova-Explosionen und sind ein sehr gut geeignetes Mittel, um Supernovae oder sonstige extrem hochenergetische Vorgänge aufzuspüren. Diesen Satelliten gemeinsam ist jedoch, dass sie in einigen Jahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben werden - es wird also Zeit, einen Nachfolger zu entwickeln.

Dieser könnte Gamma 400 werden. Unter Führung des Physikalischen Lebedew-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften wird an diesem neuen Satelliten gearbeitet, der im Grundentwurf stark dem Fermi-Satelliten gleicht. Im Vergleich zu den bisher eingesetzten Teleskopen wird sich dieses durch eine bisher unerreichte Präzision sowie einen großen Energiebereich auszeichnen. Gammastrahlung kann aufgrund ihrer Eigenschaften nicht durch klassische Optiken umgelenkt werden - stattdessen muss man darauf hoffen, dass einzelne Gamma-Photonen mit dem Material reagieren. Wenn dies geschieht, kann man mit einem aus vielen Detektorlagen bestehenden Aufbau bestimmen, welche Energie das Photon besitzt und aus welcher Richtung es kommt.

Das abbildende Kalorimeter - das Hauptinstrument von Gamma 400 - kann ein Fünftel des gesamten Himmels auf einmal beobachten. Um die Richtung zu bestimmen, werden Detektorstreifen aus Silizium verwendet. Für die Messung der Energie sollen drei Detektormaterialien verwendet werden: Silizium, Bismutgermanat sowie Cäsiumiodid. Dieser Aufbau erlaubt es, Gammastrahlung im Bereich von 0,1 bis 3.000 Gigaelektronenvolt zu messen (zum Vergleich Fermi: 0,1 bis 300), die Genauigkeit der Energiemessung soll bei etwa 1% liegen (Fermi: 10%). Die Richtung, aus der die Strahlung kommt, soll von Gamma 400 auf 0,01° exakt bestimmt werden, was einen absoluten Bestwert für ein Gammateleskop darstellen wird (Fermi: 0,1°). Zudem wird Gamma 400 als erstes Gammateleskop nebenbei auch noch hochenergetische Teilchenstrahlung erfassen können, und damit auch im Bereich von Instrumenten wie dem AMS auf der Internationalen Raumstation arbeiten.

Insgesamt soll Gamma 400 eine Masse von 2.600 kg besitzen und eine Leistungsaufnahme von 2.000 W aufweisen. Pro Tag soll der Satellit eine Datenmenge von 100 Gigabyte (Fermi: 20 GB) produzieren, die von Wissenschaftlern auf der Erde ausgewertet werden müssen. Während der Mission soll sich Gamma 400 in einer Erdumlaufbahn in rund 100.000 km Entfernung befinden und damit weit außerhalb des irdischen Strahlungsgürtels. Wie bei weiteren russischen Weltraumteleskopen (als erstes davon befindet sich Spektr-R/RadioAstron bereits im Einsatz) auch soll dieser Satellit auf Basis des Navigator-Satellitenbusses entstehen.

Neben dem Hauptinstrument befindet sich an Bord auch noch ein Detektor namens Konus-FG für Gammablitze, der den ganzen Himmel abdecken kann. Ein Vorgänger dafür soll unter dem Namen Konus-M bereits nächstes Jahr auf einem russischen Kleinsatelliten (MKA-PN2) starten. Auch Fermi besitzt ein vergleichbares System. Solche kleinen Detektoren bieten nur eine sehr begrenzte räumliche und energetische Auflösung der Strahlung, reichen aber völlig aus, um den Himmelsbereich zu bestimmen, in dem man die jeweilige Quelle mit anderen Teleskopen beobachten kann.

Ein primäres Ziel ist die Erforschung der dunklen Materie. Vermutlich handelt es sich dabei um nur schwach wechselwirkende, massive Elementarteilchen. Wenn diese doch einmal interagieren, entsteht dabei aufgrund ihrer hohen Masse vermutlich Gammastrahlung. Beobachtungen mit höchster Präzision lassen vermutlich Rückschlüsse darauf zu, auf welchem Weg die Gammastrahlung entsteht und auch auf ihre räumliche Verteilung. Somit kann Gamma 400 möglicherweise eine Art Landkarte der dunklen Materie erstellen.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: LPI)


» Fliegender Zoo Bion-M 1 ist gelandet
19.05.2013 - Der russische Biosatellit Bion-M 1, der vor einem Monat mit einer ganzen Reihe Kleintieren an Bord gestartet wurde, ist heute morgen in der Nähe des südrussischen Orenburg gelandet.
Am 19. April hatte die Mission des russischen Forschungssatelliten begonnen. Eine Sojus-2.1a-Trägerrakete startete Bion-M 1. Anschließend kreiste Bion-M 1 in 575 km Höhe um die Erde. Am Morgen des 19. Mai zündeten dann die Bremstriebwerke des Satelliten und um 5.12 Uhr MESZ landete die Landekapsel etwa 100 km nördlich von Orenburg. Damit endete die Mission der tierischen Kosmonauten.

Zu den größeren Tieren an Bord gehörten 45 Mäuse, 8 mongolische Rennmäuse und 15 Geckos. Außerdem flog eine Vielzahl von Kleintieren wie Schnecken oder auch Fischlarven (in einem deutschen Aquarium) mit, aber auch einige Mikroorganismen. Nach der Landung soll jetzt der Einfluss der Schwerelosigkeit und der Strahlenbelastung auf diese Tiere untersucht werden. Neben Tieren befanden sich zum Beispiel auch Pflanzensamen an Bord, die jetzt ebenfalls untersucht werden.

Von den 30 tierischen Experimenten waren jedoch nur 29 erfolgreich. Das Experiment für die Rennmäuse zeigte eine Fehlfunktion, so dass diese ungeplant während des Fluges verstarben. Damit ist dieses Experiment fehlgeschlagen. Außerdem starb mehr als die Hälfte der 45 Mäuse, bei diesen war eine solche Sterberate aber erwartet worden und stellt daher keinen Fehlschlag dar. Davon abgesehen haben alle tierischen Kosmonauten den Flug überlebt.

Nach der Landung wurde die Kapsel nach Moskau zum Institut für biomedzinische Probleme (IBMP) geflogen. Dort werden die allermeisten Folgeuntersuchungen der mitgeflogenen Organismen durchgeführt. Einige wenige Materialien werden jedoch auch zu den sonstigen beteiligten Instituten gebracht und erst dort untersucht werden. Insgesamt sind 35 Institute an den Experimenten beteiligt, die Mehrzahl davon aus Russland. Viele Projektwissenschaftler sind jetzt am IBMP, um sich um ihre jeweiligen Experimente zu kümmern.

Die Ergebnisse dieser Experimente sollen das Verständnis des Einflusses der Schwerelosigkeit auf Organismen verbessern. Die Forscher hoffen, damit zukünftig bemannte Raumflüge besser beherrschbar machen zu können und die körperliche Belastung für Raumfahrer zu verringern. Dies ist vor allem für Langzeitflüge wie zum Beispiel zum Mars nötig.

In den kommenden Jahren sollen noch zwei weitere Flüge von Satelliten des Typs Bion-M erfolgen. Danach könnte ein vergleichbarer System "Woswrat-MK" zum Einsatz kommen, dass in einem hochelliptischen Orbit die Erde umlaufen würde. Dadurch wäre der Satellit die meiste Zeit außerhalb des schützenden Erdmagnetfelds und würde somit die Strahlenbelastung eines interplanetaren Fluges erfahren, was eine noch bessere Vorbereitung auf bemannte Flüge wäre.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Roskosmos, Interfax)


» Charles Bolden und die Ziele der NASA
20.05.2013 - In zwei Ansprachen hat sich der NASA-Adminstrator Charles Bolden Anfang Mai zu den Zielen der NASA bei schmaler werdendem Budget geäußert.
Bolden sprach Anfang Mai bei einem von der Space Transportation Association (STA) organsiertem Mittagessen auf dem Capitol Hill und ein paar Tage später anlässlich einer Konferenz unter dem Titel "Humans to Mars", ebenfalls in Washington

In beiden Reden verteidigte er die Fortführung des Commercial Crew Programmes und das Projekt, einen Asteroiden einzufangen und in eine Umlaufbahn um den Mond zu bringen, damit dieser dann von Astronauten besucht werden könne. Gleichzeitig sprach er sich für die geplanten Kürzungen im "Planetary Sciences"-Programm und die Neuausrichtung der Bildungsbemühungen der NASA aus.

Bolden forderte die Politik dazu auf, das Commercial Crew-Programm finanziell voll zu unterstützen, denn nur so könne man in der Zeitplanung bleiben. "Du musst dafür bezahlen, wenn du etwas willst", so Bolden auf dem Capitol Hill, "und wenn die Nation Kapazitäten haben will, Fracht oder eine Crew in den niedrigen Erdorbit zu bringen, dann muss sie dafür bezahlen." Dabei ging Bolden auch auf die Notwendigkeit ein, die ISS nach 2020 weiter zu betreiben. Denn, wenn die ISS aufgegeben werde, bräuchte man auch keine Fracht- oder Personenflüge durch private Raumfahrtunternehmen mehr. Dann würden hier Anreize zur Weiterentwicklung fehlen.

Zur Planung der NASA, einen Asteroiden einzufangen, ihn in eine Umlaufbahn um den Mond zu transportieren, um ihn dort etwa im Jahre 2021 von Astronauten besuchen zu lassen, äußerte sich Bolden zuversichtlich. Es sei geplant, dem Astroiden mit einer bemannten Orion-Kapsel einen Besuch abzustatten und die Wahrscheinlichkeit zur Durchführung der Planung wachse ständig, da man bereits mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten begonnen habe. Diese Mission sei ebenso wichtig für die Entwicklung und Erprobung von Technologien für eine spätere Mars-Mission.

In diesem Zusammenhang erteilte Bolden allen Gedankenspielereien eine Absage, diese Mission könnte ebenfalls durch private Raumfahrzeuge durchgeführt werden und sagte, die NASA wolle das Unternehmen mit der neuen Schwerlastrakete SLS (Space Launch System) und der Raumkapsel Orion durchführen. Sowieso sei die Entwicklung des SLS-Systems unabdingbar für die weiteren Pläne der NASA. Pläne, nach denen man die Schwerlastrakete durch kleinere Systeme und Treibstoffdepots in der Umlaufbahn ersetzen könne, wies er von sich. Wenn man dies anstrebe, so gäbe es keine Landung auf einem Astroiden 2021 und auch keine Landung auf dem Mars in den 2030ern.

In seiner Ansprache auf der Humans to Mars-Konferenz zeigte er sich sicher, dass der Mensch zum Mond zurückkehrt. Allerdings könne sich die NASA das derzeit wegen des sinkenden Budgets nicht leisten. Alle Anstregungen, wieder auf dem Mond zu landen, würden die NASA davon abhalten, den Mars in den 2030ern zu erreichen.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: spacenews.com, space politics)


» Russland nimmt Ganymed ins Visier
20.05.2013 - Nachdem das große internationale Projekt "EJSM Europa-Jupiter System Mission / Laplace" abgesagt wurde, hat Russland ebenso wie Europa seinen geplanten Beitrag dazu überarbeitet und arbeitet weiterhin am ersten Landeprojekt für einen Jupitermond - nur das Ziel hat gewechselt, jetzt soll Ganymed statt Europa angeflogen werden.
2008 hatten die NASA, die ESA und die japanische JAXA das EJSM-Konzept (auch Laplace genannt) entwickelt. 3 Raumsonden sollten gemeinsam das Jupiter-System erforschen. So wollte die NASA den "Jupiter Europa Orbiter" (JEO) starten, der die beiden Monde Io und vor allem Europa untersuchen sollte. Die beiden weiteren Monde Ganymed und Callisto sollte der "Jupiter Ganymede Orbiter" (JGO) der ESA untersuchen. Zudem sollte der japanische "Jupiter Magnetospheric Orbiter" (JMO) den Planeten selbst und vor allem seine enorm große Magnetosphäre untersuchen. Russland war ursprünglich kein Partner im Rahmen des EJSM-Projekts, wollte dann aber einen Lander für den Mond Europa bauen.

Relativ schnell lösten sich die gemeinsamen hochfliegenden Pläne jedoch wieder auf. Japan schied schon früh aus dem Projekt aus, und auch die NASA sagte ihren JEO ab. Bei der ESA wurde dann aus dem JGO das mittlerweile bewilligte Projekt JUICE - "Jupiter Icy Moons Explorer". Auch Russland hielt grundsätzlich an seiner Absicht fest, einen Mondlander ins Jupitersystem zu bringen, stand mit der Absage des JEO aber vor einem großen Problem. So war der geplante Lander (zu jener Zeit unter dem Namen Sokol-Laplace) darauf angewiesen, dass ein Orbiter vorher ein mögliches Landegebiet findet und nach der Landung als Kommunikationsrelais zur Verfügung steht. Beides war bei Europa nicht mehr gegeben, und angesichts der massiven Strahlenbelastung im Europa-Orbit (der Mond liegt mitten im stärksten Strahlungsgürtel Jupiters) sahen sich die russischen Wissenschaftler nicht in der Lage, einen eigenen kleinen Orbiter mitfliegen zu lassen. Diese Entscheidung stand auch noch unter dem Eindruck des Verlustes von Phobos-Grunt durch einen Strahlentreffer im Erdorbit, mit dem sowohl Elektronik als auch Software der Sonde überfordert waren.

Da die ESA sich auf Ganymed konzentrierte und ihre Raumsonde weiter verfolgte, schwenkte auch Russland auf Ganymed als Ziel für den Lander um. So ist jetzt vorgesehen, dass JUICE zunächst Ganymed kartieren soll und dadurch die Landung vorbereitet. Auch nach der Landung könnte JUICE dann als Kommunikationsrelais dienen. Allerdings wird der Lander (jetzt unter dem Namen Laplace-L weiter verfolgt) auch direkt mit der Erde kommunizieren können, um nicht zwingend auf die Verfügbarkeit des Orbiters angewiesen zu sein. Neben dem Lander wird von russischer Seite auch erwogen, einen eigenen Ganymed-Orbiter (Laplace-O) zu starten. Dieser wäre eine relativ kleine Sonde von etwa 800 kg Masse - nicht mal halb so viel wie JUICE. Dementsprechend begrenzt wäre auch die Ausstattung dieses Orbiters, er würde hauptsächlich zur Kartierung (mit einer stereoskopischen Kamera mit einer Auflösung von etwa 1m) der Oberfläche dienen und damit zur Auswahl des Landeplatzes beitragen.

Technisch sollen sowohl Lander als auch Orbiter viel gemeinsam haben mit anderen, aktuell verfolgten, russischen Raumsondenprojekten. So wird ein großer Teil der Struktur mit den Mondsonden Luna-Glob und Luna-Resurs identisch sein. Die Landetriebwerke werden aus dem europäisch-russischen ExoMars-Projekt übernommen. Wenn diese Missionen, die in diesem Jahrzehnt fliegen sollen, also erfolgreich sind, wären viele Komponenten bereits erprobt und somit die frühestens 2022 startende Ganymed-Mission grundsätzlich ein sehr sicheres Projekt. Zum Start der beiden Sonden würde jeweils eine Proton-Rakete oder eine dann zur Verfügung stehende Angara-Rakete dienen.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Landers wird es gehören, die Möglichkeit von Leben auf Ganymed zu untersuchen. Ganymed ist ein kalter Mond, dessen Oberfläche überwiegend aus Eis besteht. Aus diesem Eis entsteht durch den Einfluss kosmischer Strahlung unter anderem Sauerstoff, Wasserstoff oder Wasserstoffperoxid. Damit besitzt Ganymed eine dünne Atmosphäre, die sich allerdings in den Weltraum verflüchtigt. Nichtsdestotrotz entstehen damit auf Ganymed potentielle Energieträger, zudem gilt ein Ozean unter dem Eispanzer als möglich. Laplace-L soll daher mit verschiedenen Instrumenten ausgestattet werden, um die Oberflächenchemie des Mondes zu untersuchen. Falls es an der Oberfläche sogar Mikroorganismen geben sollte, könnte der Lander diese ebenfalls mithilfe einer speziellen Kamera nachweisen.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: RIAN/IKI/NPO Lawotschkin)


» Raumcon-Treffen 2013 – Nachlese und Zusammenfassung
20.05.2013 - Von lauten Radioquellen, ungleichen Schwerkräften und chinesischen Himmelspalästen – das Raumcon-Treffen 2013
Kreuz und quer aus der Republik kamen sie angefahren, die Raumfahrt- und Astronomiebegeisterten aus dem Raumcon-Forum. Einmal im Jahr gibt es das Forenerlebnis live, von Angesicht zu Angesicht. 2008 und 2009 beispielsweise gab es Raumcon-Treffen in Hannover. Nach weiteren Treffen 2010 und 2011 in Darmstadt und 2012 in Bremen ging es dieses Jahr nach Bad Honnef. Die kleine Stadt am Rhein zwischen Bonn und Neuwied und Standort des wissenschaftlichen Tagungszentrums Physikzentrum Bad Honnef (PBH) ist bekannt als das „rheinisches Nizza“ und für den Stadtteil Rhöndorf, wo Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, bis zu seinem Tod im Jahr 1967 wohnte. Wir trafen uns in der Jugendherberge Bad Honnef, wo für uns neben Unterkünften ein gut geeigneter Tagungsraum reserviert war. Die Herberge am Rand der Stadt am Rhein war für uns Ausgangspunkt für Exkursionen in die Eifel zum Astropeiler Stockert, zum zweitgrößten frei beweglichen Radioteleskop der Welt in Effelsberg sowie zum Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Am Mittwoch, dem 1. Mai 2013 ging es los. Die ersten Teilnehmer waren bereits vor der Mittagszeit angereist und richteten unseren Tagungsraum her. Tische und Stühle wurden gerückt, großformatige Fotos mit Raumfahrt– und Astronomiemotiven zur Verschönerung des Tagungsraums an die Wände gebracht, ein Funknetzwerk aufgesetzt und die nacheinander eintreffenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen geheißen. Gegen 16.30 Uhr begann das Treffen dann offiziell. Pikarl und Olli begrüßten alle Anwesenden und stellten den Programmablauf vor. Neben Vorträgen einzelner Raumconler standen zwei Exkursionen an, die erste gleich am nächsten Morgen in die Eifel zu zwei Radioteleskopen.

Als Einstimmung hielt websquid nach dem Abendessen einen Vortrag über die Prinzipien der VLBI, Very Large Baseline Interferometry – einer Methode, um mit Radioteleskopen eine möglichste große Winkelauflösung und eine hohe räumliche Auflösung zu erzielen. Die Auflösung eines einzelnen Teleskops, das in einem Frequenzbereich von einigen hundert MHz bis in den Bereich um einhundert GHz misst, ist begrenzt durch die Größe der nutzbaren Fläche seines Primärspiegels. Durch das Zusammenschalten von Teleskopen, die räumlich möglichst weit auseinander liegen, kann die räumliche Auflösung massiv verbessert werden. Am besten gelingt dies im Zusammenwirken mit einem Radioteleskop im All – beispielsweise mit dem russischen Radioastron, wobei die größte Entfernung zum zweiten Teleskop bei rund 350.000 km liegt.

Astronomisch ging es weiter – GG, der leider nicht teilnehmen konnte, hatte einen Vortrag zum Thema „Methoden zur Entdeckung von Exoplaneten“ vorbereitet und an Olli weiter gegeben. Während des Vortrags diskutierten wir über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden und die mit ihrer Hilfe gelungenen Entdeckungen. Auf das Vorgehen zur Bestätigung von Exoplanetenkandidaten wurde ausführlich eingegangen. Ebenso wurde die aktuelle Situation des angeschlagenen Weltraumteleskops Kepler erörtert, dem Teleskop, das per Transitmethode erdähnliche Exoplaneten in der habitablen Zone nachweisen soll.

... laute Radioquellen ...

Am nächsten Morgen ging es dann mit einem gecharterten Bus in Richtung Eifel, zunächst zum Astropeiler Stockert, wo uns Elke Fischer, Heinz-Joachim Woelky und Thomas Buchsteiner begrüßten. Das 25-Meter-Teleskop auf dem 435 Meter hohen Stockert, offiziell eingeweiht am 17. September 1956, ist der direkte Vorgänger vom 100-Meter-Spiegel in Effelsberg und besitzt eine Antennenschüssel aus einem Stahl- und Leichtmetallgerippe, welches das Metallwerk Friedrichshafen am Bodensee, der Nachfolgebetrieb der Zeppelinwerft Friedrichshafen, konzipiert und hergestellt hatte. Zu Zeiten des aufziehenden Kalten Krieges wurde das Teleskop zunächst als militärisches Forschungsobjekt betrieben und hatte parallel dazu wissenschaftliche Aufgaben. Ende der neunziger Jahre nutzte das Digital-Audio-Unternehmen Creamware den Standort. Der nachfolgende Umbau zur ausschließlichen Verwendung als betriebsfähiges astronomisches Teleskop unter Denkmalschutz geriet zunächst ins Stocken. Erst mit dem Kauf des Geländes durch die NRW-Stiftung und die Gründung des gemeinnützigen Vereins Förderverein Astropeiler Stockert e. V. gelang der Umbau. Einige Komponenten wurden runderneuert und durch moderne Technik ersetzt, teilweise jedoch die ursprüngliche in Stand gesetzt. Die Restaurierung hat sich gelohnt, das Zusammenspiel aller Komponenten funktioniert ausgesprochen zufriedenstellend.

Die Führung über das Gelände bot neben einem Blick in die Antriebstechnik des Astropeilers und einer Klettertour auf eine Wartungsplattform unmittelbar unter dem Spiegel natürlich auch eine Live-Vorführung mit einer Messung an der stärksten galaktischen Radioquelle, Kassiopeia A, welche zum Nachweis der Spiralstruktur unserer eigenen Heimatgalaxie dient. Hier konnten wir alle erleben, was es bedeutet, astronomische Messungen selber durchzuführen. Das Radiosignal wurde nämlich nicht dort gefunden, wo es hätte sein sollen. Nach einigem Tüfteln, Überlegen, Neuausrichten des Teleskops, erneuter Kalibrierung der Position am Himmelskoordinatensystem war die Ursache schließlich gefunden und wir konnten ein wunderbares Absorptionsspektrum einer Wasserstoffwolke vor Kassiopeia A bewundern. Aus der Dopplerverschiebung der Spektrallinien lässt sich ermitteln, dass die Wasserstoffwolke mit einer anderen Geschwindigkeit als unsere Sonne, und damit eben auch mit einer anderen Geschwindigkeit als wir, um das galaktische Zentrum rotiert. Mit Hilfe von Messungen dieser Art, die der US-amerikanische Physiker und Radioingenieur Karl Guthe Jansky schon 1931 vorgenommen hatte, und vom US-amerikanischen Nachrichtentechniker und Funkamateur Grote Reber 1937 mit einem im eigenen Garten aufgebauten 9-Meter-Spiegel präzisiert wurden, konnte früh postuliert werden, dass wir in einer Spiralgalaxie leben.

Auf dem Stockert wird der kleinere der beiden Spiegel mit 10 Metern Durchmesser hauptsächlich für Amateurfunk genutzt – entweder um z.B. direkt das Signal von Amateurfunkbaken aufzunehmen und zu dekodieren oder um mittels rain scattering (Regenstreuung) bzw. atmospheric scattering (Atomsphärenstreuung) größere Distanzen zu überwinden, als es per direkter, durch die Erdkrümmung begrenzter Verbindung möglich wäre. Auch der Mond kann als Reflektor verwendet werden, um ein Signal über weite Strecken zu übertragen, was die ambitionierten Funkamateure vor Ort bereits vielfach erfolgreich praktizieren konnten. Es handelt sich dabei um sogenannte EME-Aktivitäten (EME steht für Erde-Mond-Erde). Die 10-Meter-Antenne mit einem Gewinn von ca. 57 dBd und einem Öffnungswinkel von nur 0,22° ist dafür ein geradezu luxuriöses Instrument.

Die nach einem Mittagsimbiss geplante Weiterfahrt zum Radioteleskop Effelsberg des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) verzögerte sich leider, da unser Bus eine Panne hatte. Ein Ersatzbus traf erst nach etwa anderthalb Stunden ein. Unser herzlicher Dank gebührt an dieser Stelle dem Team vom Astropeiler für die bedarfsweise unbürokratische Versorgung mit Kaffee und Tee, die enthusiastische Beantwortung unserer vielen Fragen und die aufmerksame Betreuung.

Effelsberg bot einen imposanten Anblick. Ein strahlend weißer, 100 Meter durchmessender Spiegel, gelegen in einem nach Süden geöffneten Tal saß dort wie ein geduckter Angreifer, bereit zum Sprung. Umso eigenartiger die Empfindung, den 3.200 Tonnen wiegenden Giganten, lautlos, langsam, aber mit Präzision sich auf sein nächstes Ziel ausrichten zu sehen. Im Einführungsvortag erfuhren wir, dass die nicht unerhebliche Verformung des Spiegels beim Kippen des Teleskops durch die trickreiche Konstruktion der Spiegelhalterung und Neufokussierung ausgeglichen wird. Außerdem berichtete Dr. Norbert Junkes uns, dass das galaktische Zentrum nach Himbeere schmeckt (das sogenannte Himbeerketon wurde in einer Molekülwolke nachgewiesen), und dass mehr Wasser im All vorhanden ist, als lange vermutet wurde.

Bei der an den Vortrag anschließenden Führung konnten wir das Radiointerferometer LOFAR (Low Frequency Array), ein nach dem Zufallsprinzip angeordnetes Dipolantennenfeld, das Teleskop selber von Nahem sowie den Kontrollraum besichtigen. Die momentanen Messungen des Teleskops erfolgten mit anderen VLBI-Radioteleskopen im Verbund und liefen vollautomatisch ab. Der anwesende Teleskopfahrer hatte deshalb stets ein wachsames Auge auf die Überwachungs- und Steuereinrichtungen der Teleskopsysteme, während er unsere zahlreichen Fragen beantwortete.

Nach der verspäteten Rückkehr in die Jugendherberge und der Stärkung beim für uns extra warmgehaltenen Abendessen ging es zum gemütlichen Teil des Abends weiter, der langsam, für den einen etwas früher, für andere etwas später, ausklang.

Nachdem der erste Teil des diesjährigen Treffens ganz im Zeichen der Astronomie stand, lag der Schwerpunkt der zweiten Hälfte im Bereich der Raumfahrt. Gleich zu Beginn unserer Exkursion zum Standort des DLR in Köln am 3. Mai 2013 verließen wir dieses wieder. Im gleichen Augenblick auch die Bundesrepublik Deutschland verlassend betraten wir Territorium der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA). In einem durch die ESA angemieteten Gebäudekomplex auf dem DLR-Gelände befindet sich das Ausbildungszentrum für alle europäischen Astronauten (European Astronauts Corps, EAC). Dort erfolgt die Grundausbildung der europäischen Astronauten, sowohl in der Theorie (u.a. Erwerben von Russischkenntnissen, Grundlagen des Raumflugs) und in der Praxis (Erlernen der Grundlagen eines Außenbordeinsatzes an der Internationalen Raumstation (ISS), Orientierung in den europäischen und russischen Stationsmodulen inklusive ATV-Mockup, Grundlagenübungen in einem Sojus-Simulator). Außerdem werden im EAC auch alle anderen Astronauten aus den teilnehmenden Nation am ISS-Programm in ihren Fertigkeiten zur Arbeit in ESA-Modulen und mit den darin enthaltenen Experimenten geschult. Leider war es uns nicht vergönnt, einen der ESA-Astronauten direkt zu erleben, da zum Zeitpunkt unseres Besuchs keiner im Gebäude tätig war.

... ungleiche Schwerkräfte ...

Neben der Ausbildung und Missionsvorbereitung von Astronauten werden am DLR-Standort in Köln auch die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus untersucht. Dazu wird im neu eingerichteten :envihab des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin zukünftig eine Kurzarmzentrifuge betrieben. Gegenüber einer Langarmzentrifuge kann diese im gleichen Augenblick unterschiedliche Beschleunigungskräfte auf den Körper einwirken lassen, so dass beispielsweise der Kopf eine geringere Schwerkraft spürt als die eine Körperlänge entfernten Füße. Die Effekte eines solchen Schwerkraftgradienten sollen unter verschiedenen Situationen untersucht werden, beim einfachen Liegen, beim Training auf einem Ergometer oder bei Kniebeugen bzw. dem Hüpfen eines Probanden innerhalb des Gradientenfelds. Hiervon erhofft man sich neue Erkenntnisse zur Verkürzung der Trainingszeit bei Langzeitaufenthalten im All, erläuterte uns Guido Petrat vom Biomedizinischen Wissenschafts-Unterstützungszentrum des Instituts.

Den Abschluss bildete ein Besuch beim Nutzerzentrum für Weltraumexperimente. Von hier aus werden vom sogenannten lebenswissenschaftlichen Teil des Deutschen Nutzerzentrums (Microgravity User Support Center, MUSC) alle im europäischen ISS-Modul Columbus befindlichen Experimente meist automatisch gesteuert. Zum Wechsel von Untersuchungsproben müssen zwar noch die Astronauten an Bord der ISS eingreifen, im Idealfall laufen die Experimente jedoch im durch das MUSC überwachten 24/7-Betrieb. Konkret am Beispiel des BioLab, einem Experimentierschrank zur Untersuchung von biologischen Proben, erfuhren wir, welcher Aufwand in der Planungs- und Umsetzungsphase eines einzelnen Experiments nötig ist, um von der Idee einer Messung zur tatsächlichen Durchführung zu gelangen.

Ebenfalls im Nutzerzentrum für Weltraumexperimente beheimatet ist das Team des Kometenlanders Philae, welcher zur Rosetta-Mission gehört und voraussichtlich im November 2014 auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko landen soll. An einem 1:1 Modell des Landers erklärte Dr. Koen Geurts uns ausführlich die einzelnen Instrumente an Bord von Philae, mit der während der Annäherung des Kometen an die Sonne das Ausgasverhalten direkt an der Oberfläche untersucht werden soll. Die aktuelle Aufgabe des Landerteams besteht in der Erprobung verschiedener autonom durchgeführter Landesequenzen, welche am voll integrierten Testmodell des Landers durchgespielt werden. Daran anschließend entwickelte sich eine spannende Diskussion um die Vor- und Nachteile der Anordnung der Landerbeine und der Konstruktion eines Ankersystems, mit denen Philae sich an der Kometenoberfläche festkrallen soll. Leider wurde die lebhafte Diskussion durch unsere DLR-Begleitperson etwas abrupt beendet. Ein kurzer Besuch im DLR-SpaceShop, der unter anderem zum Erwerb kulinarischer Spezialitäten – Raumfahrerverpflegung – genutzt wurde, bildete den Abschluss unserer DLR-Visite.

... chinesische Himmelspaläste ...

Zurück in unserem Tagungsraum in Bad Honnef entführte uns HausD in den chinesischen Himmelpalast – Tiangong 1. Die recht spärlich verfügbaren Informationen zur ersten chinesischen Raumstation hat HausD in einem ansehnlichen computeranimierten 3D-Modell zusammengeführt und bei der Umsetzung mit seiner Bemaßung Dimensionen getroffen, die gut mit dem Original zusammenpassen. Dies ermöglichte uns einen virtuellen Rundgang durch Tiangong 1 und die Diskussion der verschiedenen Details der Station, welche an einem Modell aus China im Maßstab 1:48 nachher in Einzelgesprächen fortgesetzt wurde. Das Modell zeichnete sich durch eine hervorragende Lackierung und eine insgesamt hohe Detailtreue aus. Im Bereich der Solarzellenausleger gab es allerdings erhebliche Abweichungen, möglicherweise griffen die Modellbauer einfach auf Ausleger eines anderen Raumfahrzeugs zurück.

Nach dem Abendessen erläuterten STS-125 und pikarl anhand der Nutzerstatistik die Entwicklung des Raumcon-Forums und des Raumfahrer.Net-Portals innerhalb des letzten Jahres. Die Zeichen der Zeit scheinen gut für das Projekt zu stehen. Die Besucherzahlen steigen, die Anzahl der Leser bei besonderen Ereignissen wie der Landung des Rovers Curiosity auf dem Mars zeugen davon, dass ein beachtlicher Anteil der Raumfahrt- und Astronomiebegeisterten Raumfahrer.Net als Informationsquelle nutzt.

Nun folgte die mit Spannung erwartete Auflösung des Bilderrätsels, das diesmal von STS-125 vorbereitet worden war. Auch in diesem Jahr waren die Bildausschnitte so gewählt, dass es schwierig war, diese einem Gesamtbild zuzuordnen. Glückliche Gewinner gab es dennoch. Platz 1 teilten sich fl67, Olli und trallala mit jeweils 7 Punkten, für Platz 2 reichten 4 Punkte, für Platz 3 3 Punkte, und der letzte mit einem Preis dotierte Platz 4 wurde mit zwei Punkten erreicht. Maximal zu erreichen waren 16 Punkte. Die Preisträger freuten sich über Gewinne, die von einzelnen Raumcon-Mitgliedern und dem Verein für Raumfahrt (VfR) gestiftet worden waren.

Im Anschluss an die Preisvergabe gab pikarl eine Einführung in die Untersuchung von Massensterbeereignissen auf der Erde und dem möglichen Zusammenhang mit Gammastrahlenausbrüchen (GRBs). Geologisch sind die ältesten Spuren eines globalen Ereignisses, das zum Aussterben von mehr als 60 % aller lebenden Spezies führt, maximal 180 Millionen Jahre nachweisbar. Bereits davor gab es jedoch Massensterben. Eine mögliche Ursache hierfür könnten kurze, nahe und sehr intensive Gammastrahlenausbrüche sein, welche eine tödliche Strahlendosis auf die Erde wirken ließen. Rein statistisch steht uns das nächste Artensterben übrigens unmittelbar bevor.

Zu inzwischen vorgerückter Stunde war die Gruppe jedoch noch nicht müde und weiterhin wissenshungrig, so dass Olli spontan einen Vortrag zu Strahlungstests in der Raumfahrt unter Verwendung sogenannter Laser-Plasma-Beschleuniger gab. Diese noch im experimentellen Stadium befindliche Bestrahlungsmethode soll es ermöglichen, unter realitätsnäheren Bedingungen die vor jeder Mission notwendigen Tests durchführen zu können. Erste Experimente im vergangenen Jahr verliefen erfolgreich, momentan wird an der Weiterentwicklung und Optimierung gearbeitet.

Am folgenden Morgen baute technician sein Teleskop zur Sonnenbeobachtung auf. Das Wetter war hervorragend geeignet und die Blickrichtung zur Sonne nicht von Wolken behindert. Selbstverständlich war die Öffnung des Teleskops mit einer speziellen Filterfolie abgedeckt, und auch bei der Benutzung des Sucherfernrohrs kam geeignete Filtertechnik zum Einsatz. Durch ein Teleskop, ein Fernglas oder eine Kameraoptik darf man niemals direkt in die Sonne schauen, da dies zur Erblindung führen kann. Filterfolie oder Schraubfilter sind immer in Richtung Beobachtungsobjekt, das heißt vor der Optik, anzubringen. Durch das Sonnenlicht plötzlich ansteigende Temperaturen könnten andernfalls Teile des Beobachtungsgerätes beschädigen, so dass Augenverletzungen beispielsweise durch splitterndes Glas nicht ausgeschlossen werden können. Unter Verwendung digitaler Spiegelreflexkameras (DSLRs) gelang eine Reihe ansehnlicher Photos unseres Zentralgestirns, auf denen auch einige der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Sonnenflecken zu sehen sind. Um die Schnappschüsse der Sonne zu verwirklichen, wurden die Kameras jeweils über einen T2-Anschluss mit dem Teleskop, einem f/5 Parabol Newton Reflektor vom Typ Skywatcher Explorer-150PDS, das auf parallaktischer Montierung EQ5 SkyScan Pro mit einer Nachführung und automatischer Objektpositionierung ausgestattet war, verbunden. Da die Automatikfunktionen der Kameras durch die Anschlusstechnik bedingt zum großen Teil nicht eingesetzt werden konnten, war es nun Aufgabe der Bediener, Schärfe und Aufnahmezeit auf geeignete Werte einzustellen. Die hier geziegte Aufnahme von technician wurde mit einer Sony Alpha DSLR angefertigt, die Belichtungszeit betrug 1/250s bei ISO 200.

Noch einmal im Tagungsraum der Herberge versammelt, erfuhren die Anwesenden in einem Vortrag von F-D-R etwas über die Folgen vorauseilenden Gehorsams. Eine auch in Moskau zu bekommende, englischsprachige Tageszeitung hatte am Morgen des 12. April 1961 den ersten bemannten Raumflug schon bekannt gegeben, als Gagarin noch gar nicht gestartet war. Auch über den Mann an Bord und die Zahl der Erdumkreisungen erhielten die Lesers des Londoner Daily Worker falsche Informationen. Dass Testpilot Wladimir Iljuschin die Erde drei Mal umkreiste, die Landung nicht unversehrt überstand, und sich daher anschließend in einem chinesischen Sanatorium aufhielt, konnte nicht bestätigt werden, und der Autor der Meldung im Daily Worker musste schließlich einräumen, dass seine gewöhnlich gut informierten Kreise ihn diesmal im Stich gelassen hatten.

Schließlich hieß es Abschied nehmen - ein Erlebnis der besonderen Art ging zu Ende. Auch wenn nicht alles glatt ging, es wie für Raumfahrtmissionen typisch zu Verzögerungen kam und Zeitpläne nicht ganz eingehalten wurden, man ging zufrieden und mit vielen neuen Eindrücken auseinander. Wie in den Jahren zuvor fanden sich Enthusiasten, bekannte und neue Gesichter, die gemeinsam einige Tage lang das Raumcon-Forum live erlebbar machten. Auch 2014 wird das wieder geschehen, da war sich die versammelte Gruppe einig. Wo das sein wird? Daran wird momentan gearbeitet – als mögliche Ziele stehen Berlin, Lampoldshausen und Noordwijk in Niederlanden zur Diskussion. Die Auswahl des Ziels dürfte spannend werden. Die Bekanntgabe der Entscheidung wird dort zu finden sein.


(Autor: Oliver Karger - Quelle: Oliver Karger / Thomas Weyrauch / Raumfahrer.net)


» Heiß, heißer, KIC 8435766b
21.05.2013 - Auf der neu entdeckten Super-Erde mit der unaussprechlichen Katalogbezeichnung KIC 8435766b dauert ein Jahr gerade mal 8,5 Stunden. Das bedeutet einen neuen Rekord für die kürzeste bekannte Jahreslänge eines Planeten.
Entdeckt wurde der neue Planet in Lichtkurven, die das Kepler-Weltraumteleskop aufgezeichnet hat. Allerdings nicht mithilfe der üblichen Suchverfahren, sondern mit einem speziellen Algorithmus, der für kurze Jahreslängen optimiert ist und von einem unabhängigen Team aus Cambridge entwickelt wurde. Daher hat KIC 8435766b auch keine Bezeichnung der Art Kepler-X bekommen, sondern behält die KIC-Nummer. KIC steht für "Kepler Input Catalog", jeder von Kepler beobachtete Stern hat eine solche Bezeichnung bekommen.

Bisher sind zwar viele Planeten bekannt, die Jahreslängen von wenigen Tagen haben. Planeten, die weniger als einen Tag für einen Umlauf um ihren Stern brauchen sind jedoch extrem selten. Es scheint so zu sein, dass in solch großer Nähe viele Planeten nicht lange überleben können und zerstört werden. Dafür spricht auch, dass in diesem Bereich keine Gasplaneten bekannt sind. Lediglich massive terrestrische Planeten scheinen in der Lage zu sein, in dieser Umgebung bestehen zu bleiben. Der bisherige Rekordhalter für die Jahreslänge war der 2012 entdeckte Kepler-42c mit einer Jahreslänge von 10,9 Stunden. Zudem gibt es den ebenfalls von Kepler entdeckten Kandidaten im System KOI 1843 mit einer Jahreslänge von nur 4,5 Stunden, der aber noch nicht bestätigt werden konnte. Damit ist der jetzt entdeckte KIC 8435766b der gesicherte Planet mit der kürzesten Jahreslänge.

Sein Heimatstern ist ein sonnenähnlicher Stern (Spektraltyp G), dessen Masse 84% der Sonnenmasse beträgt. Damit ist er etwas kleiner und kühler als unsere Sonne. Durch die extrem kleine Umlaufbahn wird der Planet jedoch extrem aufgeheizt. Je nachdem, welche Eigenschaften seine Oberfläche hat, besitzt er eine Oberflächentemperatur von 2.500 bis 3.100 Kelvin. Zum Vergleich wird am heißesten Ort des Sonnensystems auf der Venus lediglich eine Temperatur von 770 K erreicht. Aus dem Helligkeitseinbruch während der Planet vor dem Stern entlangzieht, kann man die Größe des Planeten bestimmen. Daher weiß man, dass KIC 8435766b einen 1,8-mal so großen Durchmesser wie die Erde hat. Mithilfe anderer Beobachtungen kann auch die Masse bestimmt werden, allerdings ist dies noch nicht gelungen. Dem Team stand noch kein hinreichend genaues Instrument zur Verfügung, um die nötigen Beobachtungen durchzuführen. So ist derzeit nur die theoretische Obergrenze von 8 Erdmassen bekannt.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: arxiv.org:1305.4180)


» Heller Meteoriteneinschlag auf dem Mond
22.05.2013 - Am 17. März konnte man im Rahmen eines speziellen Überwachungsprogramms einen Meteoriteneinschlag mit einer besonders hellen Leuchterscheinung aufzeichnen.
Dies gab die NASA am 17. Mai bekannt. Mittlerweile sucht man seit 8 Jahren speziell nach derartigen Ereignissen, der Einschlag vom 17. März war bisher der hellste. Von der Erde aus hätte man die sekundenlange Leuchterscheinung sogar durch Zufall mit bloßem Auge beobachten können, erreichte der Lichtblitz doch eine Helligkeit der Magnitude 4. Er war damit in etwa so hell wie der sogenannte Augenprüfer, der Stern Alkor, der in geringem Abstand zu Mizar in der Deichsel des Großen Wagen zu sehen ist.

Bill Cooke vom Meteoroid Environment Office der NASA: "Am 17. März traf ein Objekt der Größe eines kleinen Felsbrockens die Mondoberfläche im Mare Imbrium. Es explodierte in einem Blitz, der nahezu 10-mal heller war, als alles, was wir bisher gesehen haben."

Das Projekt verzeichnet mittlerweile Hunderte Meteoroideneinschläge auf dem Mond. Man schätzt die Größe des Brockens vom 17. März auf 30 bis 40 cm und die Masse auf etwa 40 kg. Die Einschlaggeschwindigkeit lag zudem bei etwa 90.000 km/h. Der entstandene Krater könnte einen Durchmesser um 20 Meter aufweisen und wäre damit ein gutes Ziel für die Kameras des Lunar Reconnaissance Orbiters, eines Mondsatelliten der NASA mit einer besonders hochauflösenden Optik und Elektronik.

In der Nacht des 17. März verzeichneten Kameras der NASA und der Universität von West-Ontario im Rahmen einer kompletten Himmelsüberwachung auch auf der Erde eine ungewöhnlich hohe Anzahl von tief eindringenden, also schnellen Meteoriten. Diese bewegten sich offenbar auf ähnlichen Bahnen wie der Himmelskörper, der den hellen Mondeinschlag verursachte. Bill Cooke vermutet einen Zusammenhang.

Ein Ziel des Mondüberwachungsprogramms, welches im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde, ist, neue Meteoritenströme mit potentiell für die Erde gefährlichen Bahnen im All aufzuspüren. Offenbar hat man nun durch die Sternschnuppen auf der Erde und den Einschlag auf dem Mond einen Kandidaten gefunden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


» Leistung letzter Rockot und ihrer Nutzlast rätselhaft
23.05.2013 - Am 15. Januar 2013 hatte eine konvertierte russische Interkontinentalrakete drei militärische Kommunikationssatelliten in den Weltraum transportiert. Beteiligte Unternehmen und staatliche Stellen bezeichneten den Start damals als Erfolg. Jetzt mehren sich die Anzeichen für Probleme mit der Raketenoberstufe und den im Weltraum ausgesetzten Satelliten.
Kurz nach dem Start der sogenannten Konversionsrakete, einer ehemaligen Rakete des Typs SS-19 (alias Stiletto, russische Bezeichnung RS-18), hatte unter anderem flightglobal.com bereits auf den ungewöhnlichen Umstand hingewiesen, dass die Raketenoberstufe Breeze-KM zusammen mit den ausgesetzten Satelliten in ähnlichen Bahnen die Erde umkreist. Es hatte eventuell kein größeres Kollisionsvermeidungsmanöver und vermutlich keine Aktivitäten der Oberstufe zur Vorbereitung eines Deorbitings gegeben.

Aus Unterlagen des Vermarkters der Rakete Eurockot geht hervor, dass die Raketenoberstufe im Verlauf einer typischen Mission rund 11 Minuten nach dem Aussetzen des letzten Satelliten mit einer letzten Brennphase ihres Hauptantriebs beginnen sollte, damit die Umlaufgeschwindigkeit und damit das Perigäum der Bahn - der erdnächste Bahnpunkt - der Stufe herabgesetzt wird, um so eine Flugbahn zu erreichen, die einen rascheren zerstörerischen Wiedereintritt des nicht mehr benötigten Flugkörpers ermöglicht.

Hat die letzte geplante Brennphase nicht stattgefunden, ist davon auszugehen, dass sich noch nicht unerhebliche Mengen Treibstoffe an Bord der Oberstufe befinden. Liefen die automatischen Vorgänge an Bord der Stufe nicht wie ursprünglich geplant ab, ist es außerdem nicht unwahrscheinlich, dass sich die Stufe nicht passiviert hat, was bedeutet, dass es neben den Treibstofftanks andere Behälter und Leitungen gibt, die unter Druck und Spannung stehen. In diesem Zustand und auf dieser Bahn stellt die Oberstufe eine reale Gefahr für andere Raumfahrzeuge dar. Andere Raketenoberstufen, die ihre Missionen in der Vergangenheit nicht abwickelten wie geplant, explodierten nach einiger Zeit und sorgten für eine maßgebliche Vermehrung gefährlichen Weltraumschrotts.

Dass die Oberstufe nach dem Start am 15. Januar 2013 sich nicht wie geplant verhielt, meldete zwischenzeitlich die russische Tageszeitung Iswestija unter Bezug auf hochrangige Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Nach Angaben der Quelle der Zeitung wurden die Satelliten nicht auf den ursprünglich vorgesehenen Bahnen ausgesetzt und bewegten sich schneller als geplant - was bedeutet, dass die Bahnen von Kosmos 2.482, 2.483 und 2.484 zumindest zum Teil zu niedrig ausfielen.

In der Iswestija hieß es weiter, dass die drei ausgesetzten Satelliten drei Monate lang unter nachteiligen Bedingungen um die Erde kreisten, während man versuchte, von Kontrollzentren aus die Einsatzbereitschaft der Satelliten herzustellen. Zwei der Satelliten habe man derzeit unter Kontrolle, den dritten könne man als Totalverlust betrachten. Die drei Satelliten mit einer Masse von jeweils rund 280 Kilogramm befinden sich nach aktuellen Daten auf Bahnen mit einer Inklination von rund 82,5 Grad mit den erdnächsten und erdfernsten Bahnpunkten wie folgt: 1.480,7 x 1.522,7 km, 1.484,1 x 1.510,1 km und 1.482,0 x 1.521,3 km. Die nicht entsorgte Oberstufe läuft ebenfalls auf einer Bahn mit einer Neigung von 82,5 Grad gegen den Äquator um die Erde, ihr erdnächster Bahnpunkt liegt bei 1,482 km, ihr erdfernster Bahnpunkt bei 1.521,3 km.

Die Fehlersignatur der Oberstufe ähnele nach Angaben des Herstellers des Geräts Chrunitschew der beim Start des Geodäsisatellliten GEO-IK-2 aufgetretenen, berichtete spacesafetymagazine.com am 16. Mai 2013. GEO-IK-2 war nach der Abtrennung von der Oberstufe in einem Orbit mit einem Apogäum von rund 1.021 und einem Perigäum von rund 369 Kilometern über der Erde unterwegs, statt wie geplant auf einer annähernd kreisförmigen Bahn in rund 1.000 Kilometern Höhe.

Nach monatelangem Kampf gelang es, den Satelliten immerhin unter ein stabiles Betriebsregime zu bringen, und als Ausbildungssatelliten zur Verfügung zu stellen. Seinen ursprünglichen Einsatzzweck kann GEO-IK-2 auf seiner jetzigen Bahn nicht erfüllen. Die ungeeignete Bahn wird auf einen Fehler im Kontrollsystem der Oberstufe zurückgeführt. Nach dem neuerlichen Oberstufenfehler könnten Starts von Rockot-Raketen im Juli 2013 wieder aufgenommen werden, habe der Chrunitschew-Sprecher Alexander Bobrenew mitgeteilt, meldete spacesafetymagazine.com. Roskosmos habe verlauten lassen, dass es keine Rockot-Starts geben werde, bis ein Komitee unter Beteiligung verschiedener russischer Ministerien eine vom Hersteller vorgeschlagene Veränderung an Oberstufen des Typs Breeze-KM abgenommen hat, schrieb das Magazin weiter.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: flightglobal.com, Raumfahrer.net, spacesafetymagazine.com)


» Space Report 2013 – globale Raumfahrt im Überblick
24.05.2013 - „The Space Report 2013“ liefert auf 160 Seiten einen Überblick über die weltweiten Raumfahrtaktivitäten des Jahres 2012. Der Report ist Ergebnis einer mit wissenschaftlicher Akribie geführten Quellenarbeit, die selbst kleinsten Raumfahrtnationen Platz einräumt. Eine Buchbesprechung.
Einem abgewandelten Bonmot unter Statistikern zufolge könnte man sagen, wir wissen – amtlich statistisch gesichert - in Deutschland mehr über die Eier-Produktion als über die Leistungen der Raumfahrtindustrie. Immerhin hat Geflügel eine eigene Fachserie beim Statistischen Bundesamt. Die Raumfahrtbranche fristet dort hingegen ein kümmerliches Dasein. Ihre Umsätze und sonstige Strukturdaten gehen in der Rubrik „Luft- und Raumfahrzeugbau“ mehr oder weniger unter. Rund drei Viertel davon ist eben Luftfahrzeugbau.

Die Unzulänglichkeiten in der statistischen Ausgangsbasis stellen sich in anderen Ländern kaum besser dar. Sie lassen daher auch viel Spielraum für Industrieverbände oder Beratungsunternehmen. Die durch sie ermittelten Branchendaten müssen als Abbild der Realität genommen werden. Dessen muss man sich auch bei der jährlich von der US-amerikanischen Space Foundation herausgegebenen Publikation "The Space Report 2013" bewusst sein. Die Macher unter Leitung von Chef-Researcher Micah Walter-Range von der Space-Foundation wissen um dieses Manko. Sozusagen als vertrauensbildende Maßnahme erklären sie daher ganz offen die Vorgehensweise in Bereichen, wo man von der amtlichen Statistik schnell im Stich gelassen wird: die Auswertung einer Vielzahl inoffizieller Quellen sowie Expertenschätzungen. Insbesondere für die weitgehend geheim gehaltenen Zahlen des militärischen Teils der Raumfahrt und zu Staaten wie der Volksrepublik China bleibt kaum etwas anderes übrig. Wenn für letzteres eine nachvollziehbare und über die Zeit konsistente Herangehensweise gewährleistet ist, kann das als ein durchaus akzeptables Verfahren angesehen werden. Für Außenstehende ist das schwer zu beurteilen. Aber weil man mit dem Space Report jedoch einen kritischen Adressatenkreis von Entscheidern in Politik und Wirtschaft sowie Multiplikatoren in den Medien anspricht, ist eine solide Arbeit essentiell.

Statistische Herausforderungen

Mit diesen leichten Einschränkungen, die anderwo auch gemacht werden müssen, kann „The Space Report“ als Standardwerk für global vergleichbar gemachte Zahlen über die Raumfahrtbranche angesehen werden. Der Erscheinungstermin Anfang April ist dabei angesichts eines zeitlichen Nachlaufes von zwei Monaten in der amtlichen Statistik und einer in der Regel im März beginnenden Bilanzberichtssaison der Unternehmen ambitioniert. Indikationen gibt es zwar schon vorher, testierte Zahlen liegen aber erst dann vor. Das führt auch zu dem einen oder anderen Kompromiss durch Rückgriff auf Prognosen, Planbudgets oder Zahlen aus 2011. Warum man aber in einer Tabelle die Bruttoinlandsprodukte 2011 mit den Raumfahrtausgaben 2012 der jeweiligen Länder in Beziehung setzt, bleibt schleierhaft.

Zum Pflichtprogramm gehört der Überblick über sämtliche Raumfahrtaktivitäten des Berichtsjahres 2012 und der Ausblick auf die mittlere Zukunft. Das leisten auch andere gedruckt oder online verfügbare Publikationen, auch das Raumfahrer.net. Im „Space Report 2013“ bekommt man es ausführlich und in einheitlich strukturierter Form für alle relevanten Länder und Organisationen geboten.

Besonderes Augenmerk legt man auf das Thema Technologietransfer, ein Lieblingsthema der NASA. Für die Space Foundation ist die medienwirksame Herausarbeitung von Spinoffs im Grunde die Kernaufgabe. Raumfahrt und die damit zusammenhängende Forschung und Entwicklung ist teuer. Der Nutzen der Raumfahrt erschließt sich für den Bürger nicht immer so leicht wie beispielsweise beim Navigationsgerät. Weil das so ist, verwendet der „Space Report 2013“ viel Platz darauf, diesen Nutzen zu verdeutlichen. Die Space Foundation selbst würdigt herausragende Transferleistungen in einer „Space Technology Hall of Fame“. Zu den Preisträgern zählt unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) zusammen mit IQ Wireless. 2012 wurde ihr System zur Brandüberwachung großer (Wald-)Flächen gewürdigt. Bis zu 260 Quadratkilometer werden von einer Kamera auf Rauch hin überwacht. Zum Einsatz kommen Sensoren, die ursprünglich für die Analyse von Gasen und Partikeln im All entwickelt wurden.

Eine Lücke füllt der Space Report durch die Analyse der Raumfahrtambitionen von Ländern aus Lateinamerika, Afrika oder Asien mit eher kleinen Budgets. Wer schnell mal nachlesen möchte, wie Nigeria oder Bolivien zu eigenen Satelliten gekommen sind, kann es hier - Lösung: mit chinesischer Hilfe.

Bei so viel Dokumentationsfreude selbst für Randbereiche vermisst man ein eigenes Kapitel zum Thema Weltraumschrott. Da sollte die Space Foundation nochmal in sich gehen und das Thema proaktiv aufnehmen.

Rund 304 Milliarden US-Dollar ausgegeben

Die Stärke des Space Report liegt sicherlich in der statistischen Aufarbeitung der Themen. Dabei liefert man keinen Zahlenfriedhof. Auffällig, weil viel Platz beanspruchend, ist ein intensiver Quellennachweis. Die Dominanz des US-amerikanischen Raumfahrtbudgets und hier wiederum des US-Verteidigungsministeriums wird in vernünftig visualisierten Übersichten sofort ersichtlich. Die Erkenntnis ist sicherlich keine Überraschung, ebenso wie jene, dass die kommerzielle Raumfahrt im Wesentlichen durch die Schaffung und Aufrechterhaltung von TV-Übertragungskapazitäten geprägt ist. Kommunikationsdienstleistungen folgen mit einigem Abstand.

Insgesamt wurden laut „The Space Report 2013“ im Jahr 2012 in der Raumfahrt rund 304 Mrd. US-Dollar (USD) ausgegeben, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfallen 116 Mrd. USD auf privatwirtschaftliche Weltraumdienstleistungen wie Rundfunk (93 Mrd. USD), Kommunikation (21 Mrd. USD) oder Erdbeobachtung (2 Mrd. USD). Rund 110 Mrd. USD wurden privatwirtschaftlich hauptsächlich in Bodenstationen, deren Ausrüstung, Satelliten-Produktionskapazitäten und Startanlagen investiert.

Die verbleibenden 78 Mrd. USD entfallen auf staatliche Budgets. Rund 48 Mrd. USD investierte Washington in Weltraumaktivitäten, davon knapp 18 Mrd. USD über die NASA und 27 Mrd. USD über das US-Verteidigungsministerium. Staatliche Raumfahrtbudgets außerhalb der USA summierten sich auf 30 Mrd. USD. Davon entfielen auf ESA und Russland jeweils ca. 5 Mrd. USD. Die Größenordnung der außerhalb der USA getätigten Weltraumausgaben für militärische Zwecke belief sich laut „Space Report 2013“ auf knapp 9 Mrd. USD.

Das Weltraumbudget der USA blieb trotz einer Zunahme von lediglich 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr das mit Abstand größte. Kräftige Zuwächse der staatlichen Raumfahrtausgaben gab es in Brasilien (plus 27 Prozent auf umgerechnet 219 Mio. USD), Russland (plus 30 Prozent auf die bereits genannten knapp 5 Mrd. USD) und Indien (plus 51 Prozent auf 1,2 Mrd. USD). Das ESA-Budget stieg um 0,7 Prozent.

Erstmals mit Beschäftigungsdaten

Hinsichtlich der Beschäftigung in der US-Raumfahrtindustrie lagen dem „Space Report 2013“ nur Zahlen bis Anfang 2012 vor. Die Kernbelegschaft belief Ende des ersten Quartals 2012 auf 237.300 Personen. Damit setzte sich der Negativtrend seit dem Hoch mit 266.700 Beschäftigten im Jahr 2006 fort. Allein die Einstellung des Shuttle-Programms im Jahr 2011 kostete in Florida rund 7.000 Arbeitsplätze. Immerhin, wer auf der Gehaltsliste der US-Raumfahrtindustrie steht, kann sich über ein gegenüber dem Durchschnitt in der US-Privatwirtschaft rund doppelt so hohes Gehalt freuen. Und bei der NASA bietet die Altersstruktur gute Chancen für Hochschulabsolventen. Wir werden sehen, ob diese Aussage im Space Report des kommenden Jahres angesichts der Budgetkürzungen aufrecht erhalten werden kann.

Außerhalb der USA steigt dagegen die Beschäftigung in der Raumfahrtindustrie. Teilweise ist dies ein Ausgleich für frühere Rückgänge. In Europa wurde 2011 mit knapp 35.600 Arbeitnehmern wieder der Beschäftigungsstand von 2001 erreicht. Auf Deutschland entfielen davon 5.700 Arbeitnehmer, auf Frankreich 12.900. In der japanischen Raumfahrtindustrie wurde 2011 mit 7.400 Personen der höchste Beschäftigungsstand seit zehn Jahren erreicht, obwohl bei der staatlichen Raumfahrtagentur JAXA Personalabbau angesagt war.

Die Arbeitsmarktzahlen zur Raumfahrtbranche wurden im „Space Report 2013“ erstmalig zusammengestellt. Laut Space Foundation wurde die 2013er Ausgabe insgesamt intensiv überarbeitet. Beschreibung und Analyse würden nun mehr denn je in die Tiefe gehen. Dem Rezensenten fehlt der Vergleich zu den Ausgaben der Vorjahre, aber hinsichtlich seines umfassenden Ansatzes und der Professionalität setzt „The Space Report 2013“ hohe Maßstäbe – genauso wie der Preis.

Die Space Foundation wurde 1983 gegründet. Hinter ihr stehen unter anderem Unternehmen der US-Raumfahrtindustrie und Veteranen des US-Raumfahrtprogramms.

„The Space Report 2013 – The Authoritative Guide to Global Space Activity“. Hrsg. v. The Space Foundation, Colorado Springs, Colorado, USA, April 2013. ISBN-13: 978-0-9789993-6-0. Englisch, 160 S., geb. oder pdf, 399,- US-Dollar.
(Autor: Roland Rischer - Quelle: The Space Report 2013)


» Herschel beleuchtet Geheimnis "junger alter" Galaxien
24.05.2013 - Das Weltraumteleskop Herschel der Europäischen Weltraumorganisation hält auch nach der Einstellung seiner Beobachtungstätigkeit, jüngst in diesem Monat, noch vielfältige Überraschungen in seinem bisher gesammelten Datenmaterial bereit. Etwa gelangen Aufnahmen, die Licht auf die außergewöhnliche Entstehung und Eigenschaften einiger großer und alter, elliptischer Galaxien zu werfen scheinen.
Astronomen haben bei einer genaueren Analyse bereits vorliegender Daten des Teleskops den Verschmelzungsprozess zweier Galaxien aufgelöst. Bei einer weiterführenden Untersuchung, auch mit Hilfe weiterer Teleskope, stellte sich dann heraus, dass diese erste Abbildung im fernen Infrarotbereich möglicherweise im Stande ist, ein vergleichsweise neues, bislang ungelöstes kosmisches Verständnisproblem zu lösen: Wieso existierten schon vor etwa zehn Milliarden Jahren, im noch recht jungen Universum, scheinbar alte Galaxien, die ihren Materievorrat zur Neubildung von Sternen bereits aufgebraucht hatten? Ihre Vorkommen widerspricht bisher insofern wissenschaftlichen Erwartung, als zu einem Zeitpunkt, nur drei bis vier Milliarden Jahre nach dem Urknall, das Vorkommen junger, aktiver Galaxien die Regel darstellen sollte.

Herschel hilft nun zu zeigen, so das gestern veröffentlichte Ergebnis der Forscher, wie Galaxien einen beschleunigten „Alterungsprozess“ erfahren können, wenn sie aus der Verschmelzung mehrerer solcher aktiver Spiralgalaxien hervorgehen. Im Zuge ihrer Kollision wird die Entstehungsrate neuer Sterne so enorm gesteigert, dass der Vorrat an frei vorkommenden Gaswolken, die das Ausgangsmaterial neuer Sterne darstellen, rasch aufgebraucht ist. Dieser beschleunigte Prozess kann, wie im Falle der nun beobachteten Verschmelzung, den besagten Materievorrat der aufeinandertreffenden Galaxien innerhalb nur weniger hundert Millionen Jahre verschlingen. Zurück bleiben als Endprodukt große, elliptische Galaxien mit einer erheblichen Anzahl relativ kalter und langlebiger, roter Sterne. Die Geburt neuer Gestirne findet dort weitgehend nicht mehr statt, was diese Riesengebilde, in kosmischer Hinsicht, zu quasi "toten" Zonen macht.

Das konkret von Herschel abgelichtete verschmelzende Galaxiensystem, bisher mit HXMM01 bezeichnet, befindet sich noch in der Anfangsphase seiner voraussichtlich etwa eine Milliarde Jahre dauernden Kollisionsbewegung. In seinem gegenwärtig sichtbaren Zustand stellt HXMM01 die aktivste und effizienteste bisher bekannte Entstehungsstätte für neue Sterne überhaupt dar. Etwa 2000 Objekte von ähnlicher Dimension wie unsere Sonne entstehen dort Schätzungen zufolge pro Jahr. In anderen Galaxien sind dies im selben Zeitraum nur einige wenige, in unserer Milchstraße gar nur etwa ein Stern.

Nach der Entdeckung des Phänomens im Ferninfrarot durch Herschel, erfolgte weitere Beobachtung durch bodengestützte Observatorien rund um den Globus, sowie die Hubble-, Spitzer- und das XMM-Newton-Weltraumteleskope der NASA und der ESA.

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: ESA, NASA)


» WGS 5: Satellit zur Steuerung von Drohnen gestartet
25.05.2013 - Am 25. Mai 2013 wurde der militärische Kommunikationssatellit WGS 5 für das US-Verteidigungsministerium ins All gebracht. Der zur Fernsteuerung von unbemannten Drohnen des Typs Global Hawk geeignete Satellit gelangte auf einen supersynchronen Transferorbit.
Der von Boeing auf Basis des BSS-702-Satellitenbusses für das US-amerikanische Verteidigungsministerium (Department of Defence, DOD) gebaute Satellit wurde von der Delta-Rakete mit der Nummer 362 befördert. Im 30 Minuten breiten, von 2:26 Uhr bis 2:57 Uhr MESZ reichenden Startfenster hob die Rakete um 2:27 Uhr MESZ mit dem beim Start rund 6.000 Kilogramm schweren Satelliten, angetrieben von einem Treibwerk Pratt & Whitney Rocketdyne RS-68 in der ersten Stufe und vier Feststoffboostern, von der Startrampe SLC37B auf der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida ab.

Nachdem die vier Feststoffbooster nach rund 94 Sekunden und die Zentralstufe der in Medium+(5,4)-Konfiguration (Nutzlastverkleidung mit 5 Metern Durchmesser, 4 Feststoffbooster des Typs ATK GEM-60, 1 Pratt & Whitney Rocketdyne RL10B-2-Triebwerk in der Oberstufe DCSS) fliegenden Rakete nach rund 247 Sekunden ausgebrannt waren, kam die DCSS an die Reihe. Zwei Brennphasen der DCSS folgten, unterbrochen von einer acht Minuten dauernden Freiflugphase. Anschließend wurde WGS 5 nach knapp über 40 Flugminuten in einem supersynchronen Transferorbit ausgesetzt.

Gemäß Angaben des Startanbieters United Launch Alliance (ULA), der zusammen mit der US-amerikanischen Luftwaffe den Start durchführte, sollte die supersynchrone Bahn ein Perigäum, das heißt, einen der Erde nächstliegenden Punkt, von 441,5 Kilometern und ein Apogäum, das heißt, einen erdfernsten Punkt, von 66.922 Kilometern über der Erdoberfläche aufweisen. Die Inklination, das heißt die Neigung der Bahn gegen den Äquator zum Zeitpunkt des Aussetzens von WGS 5, war auf einen Wert von 24 Grad angesetzt. Der Start von WGS 5 war laut ULA ein Erfolg.

Zum Erreichen der für seinen Einsatz vorgesehenen Umlaufbahn steht dem Satelliten ein eigenes R-4D-Flüssigkeitstriebwerk zur Verfügung, das nun innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen mehrfach zum Einsatz kommen wird. Außerdem ist der Satellit mit vier Ionentriebwerken des Typs XIPS-25 ausgestattet, die zum Abbau der Exzentrizität, der Abweichung der Bahn des Satelliten von der Kreisform, benutzt werden können. Nach der Zirkularisierung seiner Umlaufbahn soll WGS 5 eine Position im Geostationären Orbit einnehmen und dort amerikanischen Militäreinheiten im Feld zur Verfügung stehen. Betreiben wird den Satelliten die US-amerikanische Luftwaffe.

WGS 5 ist der fünfte in einer Reihe militärischer Kommunikationssatelliten, deren Konstellation insbesondere die der ältern DSCS-III-Satelliten ergänzt und ablöst (DSCS = Defense Satellite Communications System - Verteidigungs-Satellitenkommunikationssystem). Im Unterschied zu den DSCS-Satelliten tragen die Raumfahrzeuge des WGS-Typs auch Ka-Band-Transponder und sind erheblich leistungsfähiger. Jeder WGS kann 19 unterschiedliche Ausleuchtzonen gleichzeitig, darunter 10 richtbare im Ka-Band und 8 richtbare im X-Band, bedienen.

Das Block-2-Raumfahrzeug WGS 5 mit zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen wird seine Aufgaben nach Angaben aus den Vereinigten Staaten zwischen 10 und 15 Jahre lang erfüllen können. Block 2 unterschiedet sich von Block 1 beispielsweise durch eine um rund das dreifache größere Datenübertragungsrate beim Transport von Bildmaterial von bis zu bis 311 Megabit pro Sekunde. Drohnen des Typs Northrop Grumman RQ-4 Global Hawk beispielsweise lassen sich über die Block-2-Satelliten steuern.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, ULA, USAF)


» GOES 14 übernimmt erneut für GOES 13
25.05.2013 - Der US-amerikanische geostationäre Wettersatellit GOES 14 übernimmt erneut die Aufgaben von GOES 13. Die Beobachtungsnutzlast von GOES 13 wurde nach am 22. Mai 2013 gegen 5:30 Uhr MESZ aufgetretenen technischen Problemen an Bord des Satelliten abgeschaltet.
Nach Angaben der US-amerikanischen Wetterbehörde, der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar, wann GOES 13 wieder zur Wetterbeobachtung aus dem Geostatioären Orbit eingesetzt werden wird. Das von Boeing gebaute, dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug befindet sich seit dem 24. Mai 2006 im Weltraum und löste im Jahr 2010 GOES 12 bei 75 Grad West im Geostationären Orbit ab.

Zwischenzeitlich arbeitete der am 5. März 2010 gestartete und bei 135 Grad West positionierte GOES 15, der vorher Bildmaterial von der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika geliefert hatte, als Ersatz für GOES 13 im sogenannten Full-Disk-Scan-Modus, bei dem die gesamte Erdscheibe abgebildet wird. GOES 15 war so in der Lage, die Vereinigten Staaten vollständig zu erfassen, allerdings mit verminderter Bildqualität im Bereich der Ostküste.

Jetzt nimmt der seit dem 28. Juni 2009 im All befindliche GOES 14 die Aufgaben von GOES 13 wahr. Wenn die Probleme an Bord von GOES 13 nicht behoben werden können, wird man die Postion von GOES 14 im Geostationären Orbit ändern. Im Augenblick steht GOES 14 bei 105 Grad West, nach einem Umzug würde er weiter östlich bei 75 Grad West zum Einsatz kommen, der aktuellen Position von GOES 13. Diese Position wird auch als GOES-East bezeichnet.

GOES 13 musste bereits im Herbst 2012 zeitweilig aus dem Beobachtungsdienst abgezogen werden, weil seine Instrumente eine ungenügende Bildqualität lieferten. Damals hatte vermutlich alterndes Schmiermittel in einem Motor eines Filterrades in einem der Instrumente an Bord von GOES 13 für Vibrationen gesorgt, welche letztlich zu der erheblich verringerten Bildqualität führten. Der aktuell vorliegende Fehler könnte auf ein möglicherweise vorliegendes Problem mit einer Komponente zurückgeführt werden, die der Satellit benötigt, um eine korrekte, stabile Ausrichtung des Satellitenkörpers beziehungsweise der am Satellitenkörper angebrachten Beobachtungsinstrumente Richtung Erde sicherzustellen. Die problembehaftete Komponente könnte beispielsweise ein Sternensensor sein, den der Satellit zur Orientierung im Raum verwendet.

GOES 13 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 29.155 und als COSPAR-Objekt 2006-018A, GOES 14 mit der NORAD-Nr. 35.491 und als COSPAR-Objekt 2009-033A, und GOES 15 mit der NORAD-Nr. 36.411 bzw. als COSPAR-Objekt 2010-008A.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NOAA, Raumfahrer.net)


» Das Very Large Telescope der ESO feiert Jubiläum
25.05.2013 - Heute vor 15 Jahren, am 25. Mai 1998, fertigte das erste von vier Großteleskopen, aus denen sich das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte zusammensetzt, seine ersten Aufnahmen an. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlichte die ESO am vergangenen Donnerstag eine Aufnahme, welche den Emissionsnebel IC 2944 zeigt.
Auf dem Gipfel des 2.635 Meter hohen Cerro Paranal, einem in der Atacamawüste im Norden der chilenischen Anden gelegenen Berg, befindet sich das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betriebene Very Large Telescope (kurz "VLT"). Diese Anlage setzt sich aus vier Großteleskopen ("Unit"-Teleskope) zusammen, welche jeweils über einen Hauptspiegeldurchmesser von 8,2 Metern verfügen, und die mit Hilfe eines Interferometers für ihre astronomischen Beobachtungen gegebenenfalls zu einem einzigen Teleskop "zusammengeschaltet" werden können. Ergänzt wird das VLT durch vier kleinere Hilfsteleskope mit jeweils 1,8 Metern Spiegeldurchmesser, die sogenannten "Auxiliary-Teleskope", welche ausschließlich für die Interferenzteleskopie eingesetzt werden und für Interferenzmessungen mit bis zu 200 Metern Abstand eingesetzt werden können.

Durch die Verwendung einer adaptiven Optik ist es mittlerweile gelungen, mit den VLT-Aufnahmen das Auflösungsvermögen des Hubble-Weltraumteleskops zu übertreffen. Aber nicht nur deshalb gilt das VLT als eine der fortschrittlichsten, leistungsstärksten und produktivsten bodengebundenen astronomischen Beobachtungseinrichtungen, welche sich gegenwärtig im Betrieb befindet. Alleine im Jahr 2012 wurden von professionellen Astronomen mehr als 600 wissenschaftliche Fachartikel veröffentlicht, welche auf den Beobachtungsdaten des VLT basieren.

First Light vor 15 Jahren

Das erste dieser vier Einzelteleskope, das Teleskop "Antu", erlebte sein "First Light" vor genau 15 Jahren. Am 25. Mai 1998 wurden mit dem Antu-Teleskop unter der Verwendung einer Testkamera die ersten Aufnahmen des südlichen Sternhimmels erstellt. Anlässlich dieses Jubiläums veröffentlichte die ESO am vergangenen Donnerstag eine Aufnahme des Emissionsnebels IC 2944.

Die veröffentlichte Aufnahme zeigt dichte Klumpen aus Staub, welche sich vor einem rötlichen Hintergrund abzeichnen. Die undurchsichtigen Flecken auf dem Bild wirken dabei wie die Tropfen dunkler Tinte. Diese eigenartigen Strukturen werden durch die energiereiche Strahlung verursacht, welche von nahegelegenen hellen und relativ jungen Sternen ausgeht.

Dieses Bild ist die schärfste Aufnahme, welche jemals von diesem Objekt von der Erde aus gemacht wurde. Der Emissionsnebel befindet sich in einer Entfernung von etwa 6.500 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem im südlichen Sternbild Centaurus (der Zentaur). In diesem Bereich des Himmels sind viele ähnliche Nebel beheimatet, welche von Astronomen detailliert untersucht werden, um den Mechanismus der Sternentstehung zu erforschen.

Kinderstuben für neu geborene Sterne

Interstellare Molekülwolken bestehen aus Ansammlungen von Gas und Staubpartikeln und beherbergen das Rohmaterial, aus dem sich im Rahmen des Prozesses der Sternentstehung neue Sterne bilden. Sobald sich in einem abgegrenzten Bereich einer solchen Wolke, welche hauptsächlich aus Wasserstoffgas besteht, genügend Materie ansammelt hat, beginnt diese unter ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammenzufallen. Bedingt durch das Kollabieren des Gases wird das Zentrum dieses Bereiches immer dichter und zugleich auch heißer. Schließlich wird dabei ein Punkt erreicht, an dem die thermonukleare Fusion von Wasserstoff zu Helium einsetzt und ein neuer Stern "geboren" wird. Die durch den Fusionsprozess freigesetzte Energie lässt die neugeborenen Sterne leuchten.

Diese neu gebildeten Sterne führen dem in der Umgebung verbliebenen Wasserstoffgas dabei mehr und mehr Energie zu. Die neu entstandenen Sonnen gehören üblicherweise zu den Sternen vom Spektraltyp "O" oder "B" und verfügen daher über Oberflächentemperaturen im Bereich von 10.000 bis 50.000 Kelvin. Sie strahlen große Mengen hochenergetischer UV-Strahlung in ihre Umgebung ab, welche in der Lage ist, Wasserstoffatome zu ionisieren. Das verbliebene Gas gibt diese zugeführte Energie wieder ab, wobei das rote Leuchten entsteht. Ein solches Objekt wird von den Astronomen auch als Emissionsnebel bezeichnet.

Im Fall von IC 2944 zeichnen sich gegen diese rötliche Kulisse eigenartig dunkle Strukturen ab, welche aus im sichtbaren Bereich des Lichtspektrums undurchsichtigen Staubkonzentrationen bestehen. Diese Wolken aus interstellarem Staub sind auch unter dem Namen Bok-Globulen bekannt. Sie sind nach dem niederländisch-amerikanischem Astronomen Bart Bok benannt, welcher in den 1940er Jahren als erster die These vertrat, dass sie möglicherweise als Stätten für eine Sternentstehung in Frage kommen. Diejenigen Globulen, welche in dem hier gezeigten Bild zu sehen sind, tragen zusätzlich nach ihrem Entdecker den Spitznamen Thackeray-Globulen. Sie wurden im Jahr 1950 von dem Astronomen Andrew David Thackeray von Südafrika aus entdeckt.

Die Untersuchung der Globulen

Von besonderem wissenschaftlichen Interesse sind die Bedingungen, denen solche Globulen ausgesetzt sind. Größere Bok-Globulen kollabieren normalerweise und erzeugen dabei neue Sterne, sofern die weiteren äußeren Einflüsse dies zulassen. Die Globulen in diesem Bild befinden sich jedoch sozusagen unter einem permanent erfolgenden heftigen Beschuss durch die UV-Strahlung, welche von den nahegelegenen heißen, jungen Sternen ausgeht. Sie werden durch die Strahlung sowohl erodiert als auch fragmentiert, vergleichbar mit Butterstücken, welche in eine heiße Pfanne geworfen werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Thackeray-Globulen zerstört werden, bevor sie kollabieren und Sterne bilden können.

Solche Bok-Globulen zu untersuchen gestaltet sich für die Astronomen allerdings als relativ kompliziert, da die Globulen für sichtbares Licht undurchlässig sind. Dadurch wird es für Astronomen schwer, die in ihrem Inneren ablaufenden Vorgänge zu beobachten, so dass andere Mittel benötigt werden, um die Geheimnisse zu enthüllen. Das hierfür verwendete Werkzeug stellen Beobachtungen im Infrarot- und Submillimeterbereich des elektromagnetischen Spektrums dar (Raumfahrer.net berichtete). In diesem Wellenlängenbereich leuchten zum Beispiel Staubwolken hell auf, deren Temperatur nur einige Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt. Entsprechende Untersuchungen der Thackaray-Globulen haben bestätigt, dass in deren Inneren gegenwärtig kein aktiver Sternentstehungsprozess abläuft.

Die hier gezeigte Himmelsregion wurde bereits in der Vergangenheit unter anderem durch das Hubble-Weltraumteleskop abgebildet. Diese gezeigte Aufnahme des FORS-Instruments am Very Large Telescope der ESO deckt jedoch einen größeren Ausschnitt des Himmels ab und zeigt die gesamte Sternentstehungslandschaft unter einem für ein bodengebundenes Teleskop außergewöhnlich guten Seeing von lediglich 0,5 Bogensekunden. Der interessierte Betrachter erhält somit einen umfassenden Überblick über eine faszinierende Landschaft der Sternentstehung.

Diese Aufnahme wurde im Rahmen des "Cosmic Gems Programm" (übersetzt "kosmische Edelsteine"), einer ESO-Initiative zur Erstellung von astronomischen Aufnahmen für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, erstellt. Dieses Programm nutzt dabei hauptsächlich Zeiten, während derer die Beobachtungsbedingungen nicht den strengen Ansprüchen wissenschaftlicher Beobachtungsarbeit genügt. Hierbei werden in erster Linie Bilder von interessanten und faszinierenden Himmelsobjekten angefertigt, welche neben dem wissenschaftlichern Interesse auch ästhetische Gesichtspunkte erfüllen. Die Bilddaten sind anschließend im wissenschaftlichen Archiv der ESO für jedermann zugänglich. Auch professionelle Astronomen können sie für ihre Zwecke nutzen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Asteroid oder Mond?
26.05.2013 - Das Vorhaben der NASA, einen Asteroiden einzufangen, ihn in eine Umlaufbahn um den Mond zu verfrachten um anschließend Astronauten dorthin zu entsenden, war vor einigen Tagen Thema eines Hearings des Komitees für Wissenschaft, Weltraum und Technologie des US-Repräsentantenhauses.

Zweck der Veranstaltung war es, die Frage zu erörtern, welchen Weg die amerikanische Raumfahrt einschlagen soll um das Fernziel einer bemannten Marslandung zu erreichen. Während die NASA und das weiße Haus die Asteroidenmision planen, gibt es in den USA zahlreiche Stimmen, die den Sinn einer solchen Aktion bezweifeln und stattdessen lieber eine erneute Landung und eine permanente Station auf dem Mond sehen würden. Als Teilnehmer bzw. Redner waren neben den Politikern auch Wissenschaftler geladen, darunter auch Dr. Louis Friedman, einer der Autoren der Studie, auf der das Asteroidenkonzept beruht.

Zur Erinnerung: Das Konzept der NASA sieht die Asteroidenmission als einen Weg vor, Technologien, die man auch bei einem Flug zum Mars brauchen würde, zu erproben. Also will man 2017 einen etwa sieben Meter großen Brocken einfangen (robotgesteuert) und diesen dann in eine lunare Umlaufbahn bugsieren um ihn dort auszusetzen. Dann soll eine bemannte Orionkapsel ihn (nach zwei Testflügen in den Jahren 2014 und 2017) 2021 ansteuern, damit amerikanische Astronauten ihn betreten können. Soweit der Plan, der die vorherigen Konzepte einer Mondlandung als Zwischenschritt zum Mars ersetzen soll.

Auf dem Hearing zeigte sich aber, dass nicht jeder der amerikanischen Politiker und Wissenschaftler mit dieser Konzeption der zukünftigen bemannten amerikanischen Raumfahrt einverstanden ist. Vielmehr würde es einige von ihnen als sinnvoller ansehen, den Mond als Zwischenstation zum Mars zu präferieren. Die Gründe dafür sind:

  • Durch eine Mondlandung können ebenfalls Technologien erprobt werden, die für den Mars von Bedeutung sein können und dieses z.T. auch besser. Dazu gehört die Landung auf und der Aufstieg von einem großen Gesteinskörper mit einem bemannten Raumfahrzeug, etwas, was die NASA seit der letzten Mondlandung nicht mehr gemacht hat.
  • Wenn man eine ständig besetzte Station auf dem Mond aufbauen würde, würden Astronauten die Möglichkeit erhalten, dauerhaft in einer Umgebung zu leben, die der des Mars nahe kommt. So wäre ein Aufenthalt auf dem Mond ein Training für den Aufenthalt auf dem Mars. Der Vorsitzende des Komitees, der Republikaner Lamar Smith aus Texas, hieb in diese Kerbe, als er davon sprach, dass er sich keinen besseren Ort als den Mond vorstellen könne um das Leben und Arbeiten auf einem anderen Himmelskörper zu lernen und zu trainieren.

Louis Friedman hielt dem entgegen, dass der Weg über die Asteroidenmission im Moment aus technischen und finanziellen (laut der Keck-Studie sollen die Kosten für das komplette Missionskozept bei etwa 2,6 Milliarden US-Dollar liegen) Gründen der einzig gangbare sei um eine Marsmission vorzubereiten. Dies hat auch der Administrator der NASA, Charles Bolden, vor einigen Tagen bei zwei Ansprachen in Washington bestätigt, als er sagte, eine erneute Landung auf dem Mond halte die NASA davon ab, den Mars in den 2030er Jahren zu erreichen.

Grundlegendere Kritik an der Entscheidungsfindung für die Asteroidenmission hatte dagegen Douglas Cooke, ein früherer NASA-Mitarbeiter, der jetzt eine Consulting-Firma leitet. Seiner Meinung nach habe man zu wenige Experten in den Prozess eingebunden.

Einig war man sich hingegen darin, dass die NASA für die Ziele, die sie erreichen soll, auch mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden muss. Da habe sich die Lage in den letzten Jahren verschlechtert.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: US House of the Representatives, space.com)


» Astrium und OHB vereinbaren Bau von EDRS-C
27.05.2013 - Die deutschen Raumfahrtunternehmen OHB System AG und Astrium GmbH haben am 27. Mai 2013 eine verbindliche Vereinbarung über den Bau des europäischen Datenrelais- und Kommunikationssatelliten EDRS-C getroffen.
Die Astrium GmbH fungiert als Hauptauftragnehmer der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) und organisiert Aufbau und Betrieb des gesamten europäischen Datenrelais- und Kommunikationsstallitensystems (European Data Relay System, EDRS). Das System soll künftig eine schnellere und breitbandigere Weiterleitung von Informationen zwischen wissenschaftlichen Raumfahrzeugen, Anwendungssatelliten, anderen Vehikeln wie unbemannten Drohnen sowie den Bodenstationen ermöglichen.

Die OHB System AG wurde mit dem neuen Vetrag beauftragt, einen der Träger von Datenrelais- und Kommunikationsnutzlasten des EDRS, nämlich den Satelliten EDRS-C, zu entwickeln und zu bauen. Für die Lieferung des auf OHBs SmallGEO-Plattform basierenden Satelliten durch die OHB System AG erhält diese 157,5 Millionen Euro. Der Satellitenbus SmallGEO entstand im Rahmen eines ESA-Programms zur Entwicklung eines kleinen Busses für geostationäre Satelliten (small European geostationary platform, SGEO) unter dem Titel ARTES-11.

Die Tesat Spacecom GmbH, eine Tochter von Astrium, steuert die eigentliche Datenrelais- und Kommunikationsnutzlast bei. Diese besteht aus einem Laserkommunikationsterminal (Laser Communication Terminal, LCT) und einem im Ka-Band arbeitenden Kommunikationssystem. Das LCT will man für Datenverbindungen zwischen EDRS-C und anderen entsprechend ausgerüsteten Raumfahrzeugen einsetzen, die Ka-Band-Komponenten sind insbesondere für die Verbindung mit Bodenstationen vorgesehen.

An Bord von EDRS-C wird sich außerdem eine Kommunikationsnutzlast für die Avanti Communications Ltd. aus Großbritannien befinden. Diese ist bei MacDonald, Dettwiler and Associates (MDA) beauftragt. Die Avanti Communications Ltd. führt den Satelliten mit der Bezeichnung Hylas 3 und will mit ihm wachsenden Bedarf auf dem afrikanischen Kontinent bedienen.

Im Jahr 2016 soll EDRS-C alias Hylas 3 an einer Position im Geostationären Orbit einsatzbereit sein. Geplant ist eine Stationierung des Raumfahrzeugs mit einer voraussichtlichen Startmasse von rund 3.350 Kilogramm bei 31 Grad Ost. Überwachung und Steuerung sollen von einem Kontrollzentrum am Standort Oberpfaffenhofen aus erfolgen. Die vorgesehene Lebenserwartung des Satelliten liegt bei 15 Jahren.

Den Aufbau des europäischen Datenrelais- und Kommunikationssatellitensystems hatte die ESA-Ministerratskonferenz 2008 im niederländischen Den Haag beschlossen. Deutsche Industrieunternehmen aus der Raumfahrtbranche setzen den Beschluss mit maßgeblicher Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) um.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, ESA, OHB)


» Hauptspiegel von Spektr-UF fertiggestellt
27.05.2013 - Bei der Entwicklung des "russischen Hubble" Spektr-UF (auch bekannt als WSO-UV: Word Space Observatory - Ultraviolet) wurde jetzt ein wichtiger Meilenstein erreicht. Der 1,7m durchmessende Hauptspiegel erhielt seine reflektierende Beschichtung und ist jetzt bereit für den Einbau.
Bei Spektr-UF, das 2016 starten soll, handelt es sich um ein großes optisches Weltraumteleskop. Federführend bei diesem Programm ist Russland, aber eine breite internationale Kooperation trägt dieses Projekt, das deshalb auch seinen Zweitnamen WSO-UV erhielt. Der Aufbau ähnelt stark dem bekannten Hubble-Weltraumteleskop, allerdings ist Spektr-UF etwas kleiner und ausschließlich für ultraviolettes Licht gedacht, während Hubble von UV bis Infrarot arbeitet. Dank dieser Fokussierung übertrifft Spektr-UF im UV-Bereich die Leistung von Hubble sogar deutlich.

Mit dem Start im Jahr 2016 wird Spektr-UF für seinen Arbeitsbereich auch fast der direkte Nachfolger von Hubble, das nach derzeitigen Erwartungen bis 2018 funktionieren könnte. Während im sichtbaren Licht dank moderner aktiver Optiken auch Teleskope auf der Erde äußerst scharfe Bilder erzeugen können und somit Hubble ersetzen können und im Infrarotbereich das JWST (James Webb Space Telescope) die Hubble-Nachfolge antreten soll, gab es für den UV-Bereich praktisch keine direkte Nachfolgeplanung. Dies führt dazu, dass ein bereits in der Sowjetunion verfolgtes Konzept, das gewissermaßen als Konkurrenz zu Hubble gedacht war, jetzt die Nachfolge antreten könnte.

Spektr-UF wird zu einer ganzen Reihe von Forschungsbereichen seinen Beitrag leisten können. Grundsätzlich gilt, dass im UV-Bereich insbesondere energiereiche Vorgänge und heiße Objekte zu beobachten sind. Im Gegenzug sind zum Beispiel viele normale Sterne in diesem Bereich relativ leuchtschwach und überstrahlen hier nicht Objekte wie Pulsare, einander eng umlaufende Sternpaare oder auch bestimmte heiße Sternentstehungsgebiete. Innerhalb unseres Sonnensystems bieten sich zum Beispiel die Polarlichter von Saturn oder Jupiter als Studienobjekte an, die auch hell im UV-Licht strahlen.

Auch zur Erforschung der Atmosphären von Exoplaneten kann Spektr-UF seinen Beitrag leisten. Inzwischen ist die sogenannte Transit-Spektroskopie ein etabliertes Forschungsverfahren. Verschiedene Gase in Atmosphären führen dabei zu verschiedenen Absorptionslinien im empfangenen Licht. Spektr-UF ergänzt die bestehenden und geplanten Teleskope dabei um die Möglichkeit, weitere Moleküle nachzuweisen und somit ein vollständigeres Bild zu erhalten.

Spektr-UF wird zwei große Instrumente erhalten. Das erste ist das russische WUVS (WSO Ultraviolet Spectrographs). Es besteht aus drei einzelnen Spektrografen. Zwei davon haben eine hohe spektrale Auflösung und sind für den Wellenlängenbereich von 110-176nm (VUVES) beziehungweise 174-310nm (UVES). Dazu kommt noch ein drittes System (LSS), mit deutlich geringerer spektraler Auflösung, dass dafür aber noch eine räumliche Auflösung bietet. UVES und VUVES hingegen können im Prinzip nur einen einzelnen Punkt untersuchen.

Um Bilder aufzunehmen dient das zweite große Instrument ISSIS. ISSIS wird in Spanien gebaut und arbeitet in zwei verschiedenen Kanälen, für fernes UV (FUV, 115-175 nm) und nahes UV-Licht (NUV, 185-320 nm). Die FUV-Kamera hat einen Cäsiumiodid-Detektor mit einer Auflösung von 2048 x 2048 Pixel. Die NUV-Kamera hingegen verwendet einen Cäsiumtellurid-Detektor mit 4096 x 4096 Pixel. Diese Detektor-Typen sind nötig, da UV-Licht relativ energiereich ist. Für optisches Licht werden hingegen meistens Silizium-CCDs verwendet.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: INASAN)



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Mars Aktuell: Mars: Mehr als 200 neue Einschlagskrater pro Jahr von Redaktion



• Mars: Mehr als 200 neue Einschlagskrater pro Jahr «mehr» «online»
• Opportunity mit jetzt zweitlängster Fahrstrecke «mehr» «online»
• Landeplatzsuche für die Marsmission InSight «mehr» «online»
• Marsrover Opportunity ist auf Südkurs «mehr» «online»
• Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich «mehr» «online»


» Mars: Mehr als 200 neue Einschlagskrater pro Jahr
16.05.2013 - Aktuelle Auswertungen der Daten der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter führen zu dem Schluss, dass auf dem Mars aufgrund von Asteroideneinschlägen pro Jahr mehr als 200 neue Impaktkrater mit Durchmessern von mehr als 3,9 Metern entstehen.
Bereits seit dem März 2006 umkreist die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) den Mars und liefert seitdem fast täglich neue und immer wieder faszinierende Detailaufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre unseres äußeren Nachbarplaneten.

Die wissenschaftliche Hauptkamera an Bord des MRO, die von der University of Arizona betriebene HiRISE-Kamera, erreicht dabei mit ihren Aufnahmen eine Auflösung der Planetenoberfläche von bis zu 25 Zentimetern pro Pixel. Eine zweite Kamera an Bord des Orbiters, die CTX-Kamera, erreicht zwar lediglich eine Auflösung von etwa sechs Metern pro Pixel. Durch das bei den CTX-Aufnahmen erreichte größere Gesichtsfeld kann das durch die HiRISE abgebildete Gebiet dabei jedoch in einen räumlich weiter ausgedehnten Kontext versetzt werden.

Im Rahmen ihrer Aktivitäten bilden diese beiden Kameras auch immer wieder regelmäßig die gleichen Abschnitte der Marsoberfläche ab und erfassen dabei Veränderungen, welche sich dort erst in jüngster Vergangenheit ergeben haben. Durch den Vergleich mit älteren Aufnahmen konnten dabei während der letzten Jahre auf aktuelleren Abbildungen der Marsoberfläche definitiv 248 erst kürzlich entstandene Impaktkrater nachgewiesen werden.

Eine auf dieser Zahl basierende Hochrechnung, welche sich auf die gesamte Marsoberfläche bezieht, führte jetzt zu dem Schluss, dass pro Jahr mehr als 200 kleinere Asteroiden oder Kometenfragmente auf dem Mars einschlagen und dabei Krater mit einem Durchmesser von mehr als 3,9 Metern Durchmesser erzeugen. Die hierfür verantwortlichen Objekte verfügen vor dem Eintritt in die Marsatmosphäre typischerweise über Durchmesser von lediglich ein bis zwei Metern.

Vergleichbar große Objekte, welche auch regelmäßig in die Erdatmosphäre eintreten, zerbrechen und "verglühen" noch innerhalb der Lufthülle unseres Heimatplaneten, bevor sie die Erdoberfläche erreichen können. Hierbei liefern sie den Betrachtern jedoch ein faszinierendes Spektakel und werden allgemein als Boliden oder "Feuerkugeln" bezeichnet. Aufgrund der im Vergleich zur Erdatmosphäre deutlich dünneren Atmosphäre, welche den Mars umgibt, erreichen solche "kosmischen Trümmerstücke" die Marsoberfläche jedoch nahezu unbeschadet und verursachen bei ihrem Einschlag entsprechend große Impaktkrater.

"Es ist aufregend, diese neu entstandenen Krater unmittelbar nach ihrer Bildung aufzuspüren", so Ingrid Daubar von der University of Arizona. "Dies verdeutlicht uns, dass der Mars ein aktiver Planet ist - und wir sind in der Lage, die dabei ablaufenden Prozesse zu verfolgen und zu studieren."

Laut den an der Studie beteiligten Wissenschaftlern entsteht pro Jahr im Durchschnitt ein Einschlagskrater mit einem Durchmesser von mindestens 3,9 Metern auf einer Fläche, welche in etwa über eine Ausdehnung von rund 700.000 Quadratkilometern - dies entspricht in etwa der Größe des US-Bundesstaates Texas - verfügt. Frühere Schätzungen gingen dagegen noch von einer etwa drei bis zehn mal größeren Impaktrate aus.

"Der Mars verfügt jetzt über die am besten bekannte Kraterentstehungsrate innerhalb unseres Sonnensystems", so Alfred McEwen von der University of Arizona, der Principal Investigator (PI) der Mars Reconnaissance Orbiter-Mission.

"Durch die lang anhaltende Dauer dieser Mission ergibt sich für uns die wunderbare Möglichkeit, die gegenwärtig erfolgenden Veränderungen auf dem Mars direkt zu verfolgen", ergänzt Leslie Tamppari vom Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena/Kalifornien, die stellvertretende Projektwissenschaftlerin der Mission.

Einige Beispiele für erst kürzlich erfolgte Impakte auf dem Mars finden Sie hier. Neben diesen Aufnahmen der HiRISE-Kamera sind derzeit auf den Internetseiten der University of Arizona mehr als 28.700 weitere HiRISE-Aufnahmen einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, University of Arizona)


» Opportunity mit jetzt zweitlängster Fahrstrecke
17.05.2013 - Der NASA-Marsrover Opportunity hat sich mittlerweile den zweiten Platz in der Liste der von Fahrzeugen auf anderen Himmelskörpern zurückgelegten Strecken erobert.
Das erste motorgetriebene Fahrzeug auf der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers war das Lunar Roving Vehicle der Mission von Apollo 15 im Jahre 1971. Die beiden Astronauten David Scott und James Irvin legten damit im Verlaufe von zwei Fahrten 27,8 km auf dem Mond zurück, und dies trotz defekter Lenkung. Da der Rover aber auch über eine Hinterradlenkung verfügte, war der Einsatz nicht gefährdet. Der dritte Mondrover, der mit der Mission Apollo 17 auf den Mond gelangte, schaffte im Jahre darauf 35,74 km. Die Fahrer waren Eugene Cernan und Harrison Schmitt.

1973 gelangten zwei ferngesteuerte Fahrzeuge auf den Mond: Lunochod 1 und 2. Während Lunochod 1 zunächst 10,5 km auf der Oberfläche des Erdtrabanten zurücklegte, stellte Lunochod 2 mit 37 km Fahrstrecke einen bis heute bestehenden Rekord auf. Seitdem wurden keine Fahrzeuge auf der Mondoberfläche mehr eingesetzt. Das könnte sich aber Ende dieses Jahres ändern, wenn Chang’e 3 eine weiche Landung gelingt. An Bord befindet sich nämlich ein kleines Fahrzeug.

1997 begann die Ära der computergesteuerten Marsrover. Der etwa Schuhkarton-große Sojourner galt als Testvehikel und fuhr etwa 100 m auf dem Roten Planeten. Ihm folgten 2004 Spirit und Opportunity, zwei etwa Handwagen-große Rover, die mit wissenschaftlichen Instrumenten gespickt sind. Eigentlich sollten sie 90 Tage funktionieren und dabei etwa 1 km auf der Marsoberfläche zurücklegen. Natürlich hatten die Techniker und Wissenschaftler die Hoffnung auf eine längere Funktionsdauer. Dass im Falle Opportunity mittlerweile aber mehr als 3.000 Tage daraus geworden sind, hätten wohl auch die kühnsten Schätzungen nicht ergeben.

Der Zwilling Spirit hatte sich nach einer Fahrstrecke von 7,7 km in einer Sandfalle festgefahren und den kalten Marswinter in ungünstiger Stellung nicht heil überstanden. Opportunity aber fährt auch heute noch auf dem Mars und hat mittlerweile mit 35,74 km auch das Lunar Roving Vehicle der Apollo-17-Mission hinter sich gelassen. Allerdings benötigte er für die Strecke mehr als 9 Jahre.

In den nächsten Jahren soll eine ganze Reihe von Fahrzeugen auf Mond und Mars zum Einsatz kommen. Ob sie allerdings einen derart langen Atem haben wie Oppy, darf bezweifelt werden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


» Landeplatzsuche für die Marsmission InSight
18.05.2013 - Im Jahr 2016 wird die NASA mit der Raumsonde InSight eine weitere Marsmission starten, welche sich auf die Untersuchung des inneren Aufbaus unseres äußeren Nachbarplaneten konzentrieren wird. Bereits jetzt wird nach einem geeigneten Landeplatz gesucht.
Am 20. August 2012 gab die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA bekannt, dass im Jahr 2016 eine weitere Mission zu unserem äußeren Nachbarplaneten starten soll. InSight - so der Name der Mission - steht als Abkürzung für "Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport" und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, von Lockheed Martin Space Systems, der französischen Weltraumagentur CNES, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und verschiedener weiterer Institute.

Die Mission wird von Dr. Bruce Banerdt vom JPL, einem der renommiertesten US-amerikanischen Marsforscher, geleitet. Das Design von InSight beruht auf dem Aufbau der Marslander-Mission Phoenix, welche im Jahr 2008 über einen Zeitraum von fünf Monaten auf unserem Nachbarplaneten aktiv war. Im Gegensatz dazu soll InSight allerdings über einen Zeitraum von 24 Monaten Daten sammeln.

Der Marslander soll im Frühjahr 2016 zu unserem Nachbarplaneten aufbrechen und nach seiner Landung im September 2016 den inneren Aufbau des Mars untersuchen.

Das Ziel der Mission

Das wissenschaftliche Ziel der InSight-Mission besteht darin, zum ersten Mal überhaupt durch direkte Messungen einen Einblick in das Innere des Planeten Mars zu gewinnen.

Der Mars dient hierbei als ein Vertreter der Klasse der terrestrischen Planeten. Durch das Studium der Struktur und der Zusammensetzung des Marsinneren erhoffen sich die Planetenforscher fundamentale Erkenntnisse über die Prozesse, welche bei der Entstehung und Entwicklung eines erdähnlichen Planeten ablaufen.

Die Auswahl der Landezone

Einer der vielen komplizierten Aspekte, welche bei der Planung einer Mission auf einem fremden Planeten berücksichtigt werden müssen, besteht in der Auswahl eines geeigneten Landeplatzes.

Da der Lander InSight ausschließlich mit Solarenergie betrieben werden wird, muss sich dieser Landeplatz in der Äquatorregion des Mars zwischen einem Grad nördlicher und 14 Grad südlicher Breite befinden. Nur in diesen Breiten besteht die Möglichkeit, dass die Solarpaneele des Landers auch während der Wintermonate auf dem Mars und dem damit verbundenen niedrigen Sonnenstand über dem Horizont genügend Energie generieren können, um den Betrieb der wissenschaftlichen Instrumente und der an Bord befindlichen Hardware zu gewährleisten.

Des Weiteren muss die auszuwählende Landezone auf einer Fläche von mehreren Dutzend Quadratkilometern über ein sehr ebenes Terrain verfügen, auf dem sich außerdem nur eine begrenzte Anzahl von größeren Steinen befinden darf. Um eine erfolgreiche Landung überhaupt zu ermöglichen muss sich das ausgewählte Gelände zudem mindestens 2.500 Meter unterhalb des durchschnittlichen Höhenniveaus der Marsoberfläche befinden.

Detailaufnahmen des MRO

Bei der Auswahl einer geeigneten Landezone für die Mission InSight kommt dem ebenfalls von der NASA betriebenen Marsorbiter Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) eine Schlüsselrolle zu. Der MRO umkreist unseren Nachbarplaneten bereits seit dem März 2006 und liefert seitdem sowohl den in die Marsforschung involvierten Wissenschaftlern als auch der interessierten Öffentlichkeit fast täglich neue und immer wieder faszinierende Detailaufnahmen von der Oberfläche und der Atmosphäre des Roten Planeten.

Die wissenschaftliche Hauptkamera an Bord des MRO, die von der University of Arizona betriebene HiRISE-Kamera, erreicht dabei mit ihren Aufnahmen eine Auflösung der Planetenoberfläche von bis zu 25 Zentimetern pro Pixel. Eine zweite Kamera an Bord des Orbiters, die CTX-Kamera, erreicht zwar lediglich eine Auflösung von etwa sechs Metern pro Pixel. Durch das bei den CTX-Aufnahmen erreichte größere Gesichtsfeld kann das durch die HiRISE abgebildete Gebiet dabei jedoch in einen räumlich weiter ausgedehnten wissenschaftlichen Kontext versetzt werden.

Aufnahmen dieser beiden Kameras waren bereits maßgeblich für die Auswahl des Landeplatzes für den Marsrover Curiosity verantwortlich, welcher am 6. August 2012 erfolgreich im Inneren des Gale-Kraters die Marsoberfläche erreichte.

Am 15. Mai 2013 wurde von der University of Arizona eine Aufnahme der HiRISE-Kamera veröffentlicht, welche eine potentielle Landezone für den Marslander InSight zeigt. Die abgebildete Region befindet sich bei 1,284 Grad südlicher Breite und 142,038 Grad östlicher Länge am südlichen Rand des Elysium Planitia. Hierbei handelt es sich um eine Tiefebene, welche sich unmittelbar südlich der aus den drei Marsvulkanen Hecates Tholus, Elysium Mons und Albor Tholus bestehenden Elysium-Vulkanregion befindet.

Die hier gezeigte Aufnahme wurde am 27. März 2013 angefertigt. Aus einer Überflughöhe von 270,3 Kilometern erreichte die HiRISE-Kamera dabei eine Auflösung von 27 Zentimetern pro Pixel. Auf dem Bild können somit Objekte auf der Marsoberfläche erfolgreich aufgelöst werden, welche über eine Ausdehnung von mindestens etwa 81 Zentimetern verfügen. Neben dieser Aufnahme der HiRISE-Kamera sind derzeit auf den Internetseiten der University of Arizona mehr als 28.700 weitere HiRISE-Aufnahmen einsehbar.

Bis zu der endgültigen Entscheidung, an welcher Stelle auf dem Mars InSight letztendlich im September 2016 landen wird, werden allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Neben weiteren Detailaufnahmen der Marsoberfläche werden die an dem Auswahlverfahren beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure dabei auch auf Daten zurückgreifen, welche durch andere Orbitermissionen aufgezeichnet wurden beziehungsweise erst noch gesammelt werden müssen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: University of Arizona)


» Marsrover Opportunity ist auf Südkurs
20.05.2013 - Der Marsrover Opportunity hat seine Untersuchungen am Cape York zu Beginn der letzten Woche beendet und befindet sich mittlerweile auf dem Weg zu einer rund zwei Kilometer entfernten Geländeerhebung namens Cape Tribulation. Hier soll der Rover ab dem August 2013 den nächsten Winter auf dem Mars verbringen.
Bereits am 9. August 2011, dem Sol 2.681 seiner Mission, erreichte der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity die Südspitze des Cape York. Hierbei handelt es sich um eine mehrere hundert Meter lange und nur wenige Meter über die Umgebung herausragende Geländeerhebung, welche sich direkt am westlichen Rand des etwa 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters befindet. Vorherige Untersuchungen des NASA-Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) deuteten zweifelsfrei darauf hin, dass sich am Westrand dieses Kraters an verschiedenen Stellen Schichtsilikate und Tonminerale abgelagert haben. Dies, so die Wissenschaftler der NASA, ist ein eindeutiger Hinweis auf eine früher erfolgte Interaktion der dortigen Oberfläche mit Wasser.

Die folgenden Monate verbrachte Opportunity damit, den Bereich des Cape York ausführlich mit seinen Kameras abzubilden und mit seinen wissenschaftlichen Instrumenten zu analysieren (Raumfahrer.net berichtete mehrfach). Seit dem Oktober 2012 konzentrierten sich die wissenschaftlichen Aktivitäten des Rovers dabei auf die im östlichen Bereich des Cape York gelegene Region "Matijevic Hill". Dort konnte das CRISM-Spektrometer an Bord des MRO zuvor die höchste Konzentration von Smektiten registrieren.

Eingehende Analysen verschiedener Formationen von offen zutage liegenden Grundgestein zeigten den an den Untersuchungen beteiligten Wissenschaftlern, dass diese Region tatsächlich einstmals über längere Zeiträume hinweg mit Wasser interagiert haben muss.

Messungen durch das vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entwickelte APX-Spektrometer zeigten zum Beispiel, dass die zuletzt untersuchte Gesteinsformation "Esperance" einen deutlich höheren Anteil an Aluminium- und Siliziumoxiden aufweist als andere Gesteine, welche der Rover während seiner mittlerweile über neunjährigen Erforschung der Marsoberfläche untersuchte. Dagegen fällt der gemessene Anteil von Kalzium und Eisen hier niedriger aus.

Vorläufige Interpretationen dieser Daten gehen davon aus, dass sich Esperance aus Tonmineralen zusammensetzt, welche in der Vergangenheit durch eine intensive, durch Wasser verursachte Veränderung der dortigen Oberfläche erzeugt wurden.

"Es scheint so, als ob es umfangreiche, aber schwache Veränderungen bei ’Whitewater Lake’ [einer weiteren Gesteinsformation in diesem Bereich] gegeben hat. Bei ’Esperance’ kam es dagegen besonders entlang von verschiedenen Rissen, durch welche einstmals Wasser geströmt sein könnte, zu intensiven Veränderungen", so Dr. Steve Squyres von der Cornell University, der leitende Wissenschaftler der Opportunity-Mission.

Ein neuer Streckenrekord

Die Untersuchungen im Bereich des Cape York wurden schließlich am 13. Mai, dem Sol 3307der Mission, beendet und am darauffolgenden Tag absolvierte der Rover eine Fahrt über 24,9 Meter in die südliche Richtung. Hierauf folgten in schneller Folge drei weitere Fahrten, bei denen am 15., 16. und 19. Mai insgesamt weitere 270 Meter in die südwestliche Richtung zurückgelegt werden konnten. Am 15. Mai stellte Opportunity dabei nach einer Fahrt über 80 Meter und mit einer bis dahin zurückgelegten Strecke von 35.760 Metern einen neuen NASA-internen Rekord auf. Kein von der US-amerikanischen Weltraumbehörde betriebenes Fahrzeug konnte bisher auf einem fremden Himmelskörper eine größere Entfernung überbrücken (Raumfahrer.net berichtete).

Auch in den kommenden Tagen soll sich der Rover weiter zügig in die südliche Richtung bewegen. Das dabei angepeilte Ziel ist eine weitere, derzeit noch etwa 2,2 Kilometer entfernt liegende Geländeerhebung namens Solander Point. Wie auch bei dem zuvor untersuchten Cape York handelt es sich bei Solander Point um einen Teilbereich vom Westrand des Endeavour-Kraters. An der Nordseite dieser etwa 80 Meter hohen Geländeerhebung soll Opportunity dann den kommenden Marswinter verbringen.

Ein Quartier für den nächsten Winter

Im Gegensatz zu dem zweiten derzeit aktiven Marsrover, dem durch einen Radioisotopengenerator mit Strom versorgten Rover Curiosity, ist der mit Solarpaneelen ausgestattete Rover Opportunity bezüglich seiner Energieversorgung ausschließlich auf die Sonnenenergie angewiesen. Aufgrund des Fortschreitens der Jahreszeiten - am 31. Juli 2013 beginnt auf der südlichen Hemisphäre des Mars der Herbst und Opportunitys gegenwärtiges Operationsgebiet befindet sich bei 2,3 Grad südlicher Breite - wird die Sonne in der zweiten Hälfte des Jahres von Tag zu Tag eine immer niedrigere Höhe über dem Horizont erreichen, was letztendlich zu einer immer geringeren täglichen Energieausbeute der Solarzellen führen wird.

Dieser Effekt kann teilweise ausgeglichen werden, indem der Rover die "dunkle Jahreszeit" auf einem nach Norden ausgerichteten Berghang verbringt. Dabei werden die Solarpaneele des Rovers automatisch in Richtung auf die Sonne ausgerichtet, was wiederrum eine höhere Energieausbeute zur Folge haben wird. Ein solches "Parken" in einem Winterquartier war in den vergangenen Jahren bei dem weiter südlich operierenden, mittlerweile aber nicht mehr aktiven Zwillingsrover von Opportunity, dem Rover Spirit, üblich. Und auch Opportunity verbrachte seinen bisher letzten Marswinter "stationär" am Nordhang des Cape York (Raumfahrer.net berichtete).

"Basierend auf unseren aktuellen Berechnungen bezüglich der zu erwartenden Bedeckung der Solarpaneele des Rovers mit Staubablagerungen sind wir bemüht, noch vor dem Einsetzten des mittlerweile sechsten Winters, den Opportunity auf dem Mars verbringen wird, ein Gebiet zu erreichen, welches eine Neigung von mindestens 15 Grad in die nördliche Richtung aufweist", so Scott Lever, einer der Projektmanager der Mars Exploration Rover-Mission vom JPL. "Solander Point bietet uns diese Neigung."

Im Gegensatz zum letzten Marswinter wird Opportunity in diesem Jahr aufgrund der deutlich größeren Anzahl von steileren Hängen im Bereich des Solander Point aller Wahrscheinlichkeit auch dazu in der Lage sein, seine Positionen während des etwa sechs Monate andauernden Marswinters zu verändern und dabei immer wieder neue Ziele anzusteuern, welche dann in Form von weiteren Fotoaufnahmen und spektroskopischen Messungen untersucht werden sollen.

Auf dem Weg zu seinem nächsten Winterquartier wird der Rover jedoch zunächst eine flache, etwa 200 Meter breite Ebene namens Botany Bay durchqueren und sich dabei zwei weiteren Geländeerhebungen namens "Sutherland Point" und "Nobby’s Head" nähern. Abhängig von der aktuellen Situation beim Erreichen dieser Formationen besteht hier ein gewisser Spielraum für weitere, diesmal aber nur kurz andauernde Untersuchungen.

Staubsturmsaison auf dem Mars

Neben dem technischen Zustand, und dieser kann trotzt des hohen Einsatzalters immer noch als gut bezeichnet werden, muss bei der Durchführung der Mission jedoch immer auch ein Auge auf die aktuelle Energiesituation des ausschließlich mittels Sonnenergie betriebenen Rovers geworfen werden.

Während der letzten Wochen haben sich auf dem Mars verschiedene Staubstürme entwickelt, welche Opportunity jedoch nicht direkt getroffen haben. Trotzdem führte der dabei in Marsatmosphäre beförderte Staub zu einer deutlich erkennbaren Eintrübung der Luft und einer daraus resultierenden Abnahme der täglich zur Verfügung stehenden Energiemenge. Diese allgemeine Entwicklung, welche in den vergangenen Jahren immer wieder beobachtet werden konnte, ist jedoch in Anbetracht der gegenwärtigen Jahreszeit auf dem Mars normal und hat sich auch in diesem Jahr nicht weiter negativ auf den operativen Betrieb des Rovers ausgewirkt.

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele des Rovers trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des ausschließlich mittels Sonnenenergie betriebenen Rovers.

  • 15.05.2013: 0,431 kWh/Tag , Tau-Wert 1,210 , Lichtdurchlässigkeit 57,60 Prozent
  • 08.05.2013: 0,385 kWh/Tag , Tau-Wert 1,450 , Lichtdurchlässigkeit 58,40 Prozent
  • 30.04.2013: 0,506 kWh/Tag , Tau-Wert 0,672 , Lichtdurchlässigkeit 57,30 Prozent
  • 09.04.2013: 0,557 kWh/Tag , Tau-Wert 0,677 , Lichtdurchlässigkeit 61,70 Prozent
  • 01.04.2013: 0,559 kWh/Tag , Tau-Wert 0,741 , Lichtdurchlässigkeit 63,60 Prozent

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3313 seiner Mission, hat der Rover Opportunity insgesamt rund 35.950 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei fast 179.500 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des "Roten Planeten" aufgenommen und an sein Kontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, The Planetary Society, Unmanned Spaceflight, Malin Space Science Systems)


» Marsrover Curiosity: Bohrung verlief erfolgreich
21.05.2013 - Der Marsrover Curiosity hat am vergangenen Sonntag eine zweite Gesteinsformation auf dem Mars angebohrt und dabei erneut eine pulverförmige Materialprobe entnommen. Diese Probe soll in den kommenden Tagen eingehend mit den verschiedenen Analyseinstrumenten des Rovers untersucht werden.
Wie geplant hat der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity zu Beginn der vergangenen Woche eine kurze Fahrt auf der Marsoberfläche durchgeführt und sich dabei einem neuen Untersuchungsziel zugewandt. Die lediglich 2,75 Meter von dem vorherigen Standort entfernt befindliche Oberflächenformation "Cumberland" wurde in den folgenden Tagen unter anderem mit dem am Instrumentenarm des Rovers befestigten APX-Spektrometer analysiert sowie mit den diversen Kamerasystemen mehrfach abgebildet.

Am vergangenen Sonntag wurde dann ein ebenfalls am Instrumentenarm montierter Gesteinsbohrer eingesetzt, um die Felsformation anzubohren. Das dabei erzeugte Loch verfügt über einen Durchmesser von 1,6 Zentimetern und ist 6,6 Zentimeter tief.

Am heutigen Tag, dem "Sol" 281 der Curiosity-Mission, soll ein Teil des dabei entnommenen, durch den Bohrvorgang pulverisierten Materials gesiebt und in den späten Nachmittagsstunden dem im Inneren des Rovers befindlichen Analyseinstrument SAM zugeführt und dort anschließend untersucht werden. Hierbei soll die chemische Zusammensetzung der Probe ermittelt werden. Weitere Teile der gewonnenen Probe sollen dann in den kommenden Tagen einem weiteren Instrument, dem auf mineralogische Untersuchungen spezialisierten CheMin-Spektrometer, zugeführt werden.

Durch die Untersuchung dieser zweiten Bohrprobe, welche nur wenige Meter von der Stelle entfernt genommen wurde, wo bereits vor drei Monaten eine erste Bohrung erfolgte, sollen die Ergebnisse dieser ersten Bohrung bestätigt werden. Die Analysen der Ende Februar 2013 bei dem Stein "John Klein" entnommenen Bodenprobe führten zu dem Ergebnis, dass der Mars in diesem Bereich seiner Oberfläche in der Vergangenheit Bedingungen aufwies, welche die Existenz von primitiven organischen Lebensformen prinzipiell begünstigt haben könnten (Raumfahrer.net berichtete).

Bis zum heutigen Tag hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von etwa 740 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. In diesem Zeitraum haben die Kamerasysteme des Rovers bisher 54.055 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS)



 

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Saturn Aktuell: Eine topografische Karte zeigt die Titan-Oberfläche von Redaktion



• Eine topografische Karte zeigt die Titan-Oberfläche «mehr» «online»
• Raumsonde Cassini: Der Umlauf Nummer 192 steht bevor «mehr» «online»


» Eine topografische Karte zeigt die Titan-Oberfläche
19.05.2013 - Wissenschaftler haben kürzlich eine globale topografische Karte der Oberfläche des Saturnmondes Titan erstellt. Durch dieses Kartenwerk wird es zukünftig unter anderem möglich sein, den auf dem Titan bestehenden Flüssigkeitskreislauf noch besser zu analysieren und zu verstehen.
Mit einem Durchmesser von 5.150 Kilometern handelt es sich bei dem bereits im Jahr 1655 durch den niederländischen Astronomen Christiaan Huygens entdeckten Mond Titan um den größten der bisher 62 bekannten Monde des Planeten Saturn und - nach dem Jupitermond Ganymed - zugleich um den zweitgrößten Mond innerhalb unseres Sonnensystems. Als einziger Mond ist der Titan von einer dichten Atmosphäre umgeben. Diese Gashülle besteht hauptsächlich aus Stickstoff, welcher dort mit einem Anteil von rund 98 Prozent vertreten ist. Neben dem Edelgas Argon sind zudem Spuren von Methan, Ethan und weiteren komplexen Kohlenwasserstoffverbindungen enthalten.

Auf der Oberfläche des Titan ist diese Atmosphäre etwa fünfmal dichter als auf unserem Heimatplaneten und erreicht einen Atmosphärendruck von 1,5 bar, was einen etwa 50 Prozent höheren Wert als auf der Erde darstellt. Die Lufthülle, deren gesamte Masse etwa 1,19 mal größer ausfällt als die Masse der Erdatmosphäre, erreicht eine Höhe von mehreren hundert Kilometern und ist zudem mit Wolken und Dunstschleiern durchsetzt.

In den letzten Jahren haben sich die Hinweise darauf verdichtet, dass auf dem Titan ein regelrechter Flüssigkeitskreislauf stattfindet, welcher im Gegensatz zu dem vergleichbaren Kreislauf auf der Erde allerdings nicht auf Wasser basiert. Bei Oberflächentemperaturen von rund minus 180 Grad Celsius regnen Methan und Ethan aus den Wolken ab, welche sich anschließend in ausgedehnten Abflusssystemen sammeln, von wo aus diese flüssigen Kohlenwasserstoffverbindungen zu verschiedenen Seen transportiert werden. Derzeit sind den Planetenforschern etwa 400 Seen auf der Titanoberfläche bekannt, welche sich größtenteils auf der nördlichen Hemisphäre des Mondes konzentrieren.

Somit hat sich der Titan neben der Erde als der einzige bekannte Ort innerhalb unseres Sonnensystems herauskristallisiert, an dem auch in der Gegenwart ein Flüssigkeitskreislauf stattfindet. Aus den daran beteiligten Kohlenwasserstoffen könnten sich unter bestimmten Bedingungen auch komplexere organische Verbindungen bilden, welche als die "Grundbausteine des Lebens" angesehen werden. Unter den Exobiologen gilt der Titan daher als einer der derzeit aussichtsreichsten Kandidaten für den Nachweis von extraterrestrischen Lebensformen.

"Der Titan weist viele interessante aktive Prozesse wie strömende Flüssigkeiten oder Wanderdünen auf. Um diese Prozesse jedoch verstehen zu können ist es nützlich zu wissen, wie sich das Gelände auf der Oberfläche gestaltet", so Ralph D. Lorenz vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University in Laurel/USA. "Besonders hilfreich für das Studium der Hydrologie und dem Erstellen von Klima- und Wettermodellen sind dabei genaue Kenntnisse über die Gestalt und die Höhe der Oberfläche."

Die extrem dichte, mit Wolken und Dunstschichten durchsetzte Atmosphäre macht es allerdings nahezu unmöglich, die Oberfläche des Titan mit herkömmlichen Teleskopen oder Kameras direkt zu beobachten, was der übliche Ansatz zur Erstellung einer topografischen Karte der Oberfläche dieses Mondes wäre. Nahezu alle Daten, welche den Planetologen über den Titan gegenwärtig zur Verfügung stehen, wurden während der letzten Jahre durch die Raumsonde Cassini gewonnen, welche sich bereits seit dem 1. Juli 2004 in einer Umlaufbahn um den Saturn befindet und dabei auch den Titan mittlerweile 91 mal im Rahmen von dichten Vorbeiflügen passieren konnte.

Bei vielen dieser Vorbeiflüge wurde ein an Bord der Raumsonde befindliches Radarinstrument eingesetzt, um Radarkarten der Titanoberfläche zu erstellen, aus denen sich dann auch Höhendaten über die dort befindlichen Geländestrukturen ableiten lassen konnten. Anhand der so gewonnenen Daten konnten die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler jetzt eine topografische Karte der Oberfläche des Titan erstellen.

"Mit dieser neuen Landkarte erscheint eine der faszinierendsten und dynamischsten Welten in unserem Sonnensystem jetzt in einer dreidimensionalen Ansicht", so Steve Ward, der stellvertretende Leiter des Cassini-RADAR-Teams vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/USA. "Auf der Erde stehen die Aktivitäten von Flüssen, Vulkanen und sogar von dem Wetter in einer engen Beziehung zu der Gestaltung der Oberfläche. Wir sind gespannt zu erfahren, in welcher Form sich dieser Zusammenhang auf dem Titan zeigen wird."

Bei der Erstellung der Karte ergaben sich allerdings diverse Herausforderungen, da sich die Raumsonde Cassini dem Titan nur bei bestimmten Zeitpunkten weit genug nähert, um das RADAR-Instrument erfolgreich einsetzen zu können. Für eine erfolgreiche Vermessung der Oberfläche, so Ralph Lorenz, sind jedoch mehrere Observationen der gleichen Oberflächenbereiche notwendig. Aus diesem Grund konnten bisher lediglich rund 11 Prozent der Titanoberfläche mit dem Instrument in einem Umfang erfasst werden, welcher definitiv zutreffende Daten über die Struktur der Oberfläche liefert. Um die verbliebenen Datenlücken aufzufüllen verwendete das RADAR-Team einen speziellen mathematischen Algorithmus.

"Hierbei wählen wir einen Punkt aus, von dem es keine Daten gibt, und schauen nach, wie weit dieser Punkt von den nächsten Stellen entfernt ist, von denen wir Daten haben. Anschließend verwenden wir verschiedene Ansätze, um die Lücken anhand von Mittelungen und Schätzungen zu füllen", so Ralph Lorenz. "Wenn Sie einen Punkt, von dem keine Daten existieren, auswählen, und in der Umgebung dieses Punktes befinden sich ausschließlich hoch gelegene Oberflächenbereiche, dann müssten Sie schon einen besonderen Grund aufführen, um davon ausgehen zu können, dass der spezielle Punkt tiefer liegt als die Umgebung."

Neben den RADAR-Daten wurden dabei auch Messdaten welche durch die Spektrometer der Raumsonde, zum Beispiel durch das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), oder durch das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment gesammelt wurden.

Die auf diese Weise erstellten Abschätzungen über die Geländehöhen der bisher nicht durch das RADAR-Instrument erfassten Gebiete decken sich gut mit dem bisherigen Wissensstand über die Topografie der Titanoberfläche demzufolge zum Beispiel die Polarregionen tiefer gelegen sind als der Äquatorbereich. Durch die Auffüllung der Datenlücken können die Wissenschaftler jetzt auch die auf der Titanoberfläche vorhandenen Abflusssysteme besser modellieren, welche durch die jahreszeitlich bestimmte Menge und Verteilung von Niederschlägen reguliert werden.

"Die Bewegungen von Sand und Flüssigkeiten werden durch Berghänge beeinflusst und diese Berge können zudem eine Wolkenbildung und damit verbundene Niederschläge auslösen. Dieser global erfolgende Prozess, welcher eine Schlüsselrolle in dem dynamischen Klimasystem des Titan einnimmt, kann jetzt dank einer Beschreibung der Titanoberfläche besser nachvollzogen werden", so Ralph Lorenz weiter. Im Rahmen der Erstellung der Karte konnten die Wissenschaftler mehrere bisher nicht bekannte Bassins und Hochländer nachweisen.

Die jüngsten Daten, welche für die jetzt erstellte Karte verwendet wurden, stammen aus dem Jahr 2012. Bis zum Ende der Cassini-Mission im Jahr 2017 erwarten die beteiligten Wissenschaftler jedoch noch weitere Daten des RADAR-Instrumentes, mit denen sich die bisher bestehenden "Lücken" auf der Titanoberfläche noch weiter auffüllen lassen werden, was dann auch eine Verbesserung der für die jetzt erstellten Karte verwendeten Algorithmen bedeuten wird.

Eine erste Gelegenheit dazu ergibt sich bereits in wenigen Tagen, denn am 23. Mai 2013 wird die Raumsonde Cassini dem Titan einen erneuten Besuch abstatten (Raumfahrer.net berichtete).

Während der Phase der dichtesten Annäherung an den Titan, welcher diesmal in einer Entfernung von 970 Kilometern überflogen werden wird, soll das RADAR-Instrument erneut verschiedene Bereiche der nördlichen Hemisphäre dieses Mondes abtasten. Unmittelbar vor der dichtesten Annäherung soll das Instrument die südlichen und östlichen Bereiche des Kraken Mare, des mit einer Fläche von etwa 400.000 Quadratkilometern größten Methansees auf dem Titan im SAR-Modus abtasten. Kurz darauf wird das Ligeia Mare, ein weiterer mit Kohlenwasserstoffverbindungen gefüllter See, in den Aufnahmebereich des RADAR rücken.

Durch die Messungen, so die Erwartungen der Wissenschaftler der Cassini-Mission, können minimalste Höhenunterschiede auf der Oberfläche dieser Seen erkannt werden, welche sich im Millimeterbereich bewegen und die durch Wellenbewegungen ausgelöst werden, welche ihren Ursprung in Windeinflüssen, durch die Strömungen der diversen Zuflüsse von Kohlenwasserstoffverbindungen oder in Gezeitenbewegungen haben können. Weitere Beobachtungen des Instruments werden verschiedene weitere Seen in der Nordpolregion des Titan zum Ziel haben, welche bereits im Juli und Oktober 2006 durch das RADAR untersucht wurden. In der Abflugphase wird sich das RADAR dann unter anderem auf die Region Ardiri - hierbei handelt es sich um ein ausgedehntes Dünenfeld im Bereich des Äquators des Titan - richten.

Die für den 23. Mai geplanten Beobachtungen stehen dabei in einem direkten Zusammenhang mit dem nächsten Vorbeiflug von Cassini am Titan. Beim nächsten Vorbeiflug der Raumsonde, welcher am 10. Juli 2013 erfolgen wird, soll das RADAR die gleichen Regionen bei einer identischen Überflughöhe unter einen nur minimal veränderten Blickwinkel erneut abbilden. Aus den Aufnahmen von dann zwei Beobachtungsstandorten lassen sich im Anschluss dreidimensionale Bilder der beobachteten Regionen erstellen. Anhand dieser Daten sollen dann unter anderem die Höhen der "Uferböschungen" ermittelt werden, durch welche diese Seen begrenzt werden.

Ein Fachartikel über die neu erstellten und hier kurz beschriebenen topografischen Karten der Titanoberfläche wurde kürzlich von Ralph D. Lorenz et al. in der Fachzeitschrift "Icarus" unter dem Titel "A global topographic map of Titan" publiziert.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn und seine Monde noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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Fachartikel von Ralph D. Lorenz et al:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Raumsonde Cassini: Der Umlauf Nummer 192 steht bevor
25.05.2013 - Am Vormittag des 26. Mai wird die Raumsonde Cassini ihren mittlerweile 192. Umlauf um den Planeten Saturn beginnen. Während der folgenden 12 Tagen sollen speziell die Atmosphäre des Saturn und dessen Ringsystem mit den wissenschaftlichen Instrumenten der Raumsonde eingehend untersucht werden.
Am 26. Mai 2013 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 9.38 Uhr MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 1,34 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 192. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell verfügt Cassini auf ihrer Umlaufbahn um den Saturn über eine Inklination von 59,4 Grad.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des diesmal 12 Tage andauernden Umlaufs - dieser trägt die Bezeichnung "Rev 191" - insgesamt 26 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Die meisten dieser Kampagnen werden sich auf die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn fokussieren.

Nach einer kurzen Aktivierung der Triebwerke - dieses Manöver dient einer notwendigen Kurskorrektur der Raumsonde - wird sich die ISS-Kamera jedoch nur wenige Stunden nach dem Beginn des neuen Umlaufs zuerst auf den kleinen, äußeren Saturnmond Siarnaq richten. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn und seinem Durchmesser von rund 40 Kilometern ist über diesen erst im Jahr 2000 entdeckten Mond bisher nur sehr wenig bekannt. Die ISS-Kamera soll Siarnaq über einen Zeitraum von mehreren Stunden aus einer Distanz von rund 11,5 Millionen Kilometern wiederholt abbilden.

Anhand der Variationen in der sich bei dieser Beobachtungssequenz ergebenden Lichtkurve und einem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode dieses Mondes näher bestimmt werden. Vergleichbare Beobachtungen in den Jahren 2009 und 2010 führten zu widersprüchlichen Resultaten. Die jetzt geplante Messung wird - zusammen mit weiteren für das Jahr 2013 vorgesehenen Siarnaq-Beobachtungen - diese Widersprüche hoffentlich bereinigen. Die Beobachtung von Siarnaq ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus jeweils mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Am 27. Mai steht der F-Ring des Saturn auf dem Beobachtungsprogramm wobei einige von dessen diversen Verästelungen und gewundene Einzelringe abgebildet werden sollen. Frühere Beobachtungen zeigten, dass vor allem gravitative Wechselwirkungen mit dem weiter innen liegenden A-Ring und den beiden den F-Ring begrenzenden Saturnmonden Prometheus und Pandora die Struktur des F-Ringes gestalten. Speziell die gravitativen Einflüsse dieser beiden als "Schäfermonde" fungierenden Monde sind für die Ausbildung der beobachteten Wellenstrukturen des F-Ringes verantwortlich (Raumfahrer.net berichtete).

Für den 28. Mai sind die Abbildungen von mehreren der kleinen inneren Saturnmonde vorgesehen, welche dabei im Rahmen sogenannter astrometrischer Beobachtungen fotografiert werden sollen. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der Mond-Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der anzufertigenden Aufnahmen der Monde besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern.

Ebenfalls an diesem Tag wird die ISS-Kamera zusammen mit einem weiteren Instrument der Raumsonde, dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (kurz "VIMS"), eine Sternokkultation dokumentieren. Hierbei wird der halbregelmäßig veränderliche Stern My Cephei von Teilen den Ringsystems bedeckt. Durch die sich dabei ergebenden Helligkeitsschwankungen in der Lichtkurve von My Cephei erhoffen sich die an der Kampagne beteiligten Wissenschaftler Aufschlüsse über den Aufbau, die Materialdichte und die Struktur der Ringbereiche, welche den Stern bei dieser Okkultation bedecken.

Am 29. Mai wird die ISS-Kamera dann zunächst den äußeren Bereich des A-Ringes abbilden. Mit den entsprechenden Aufnahmen sollen zum wiederholten Mal sogenannte "Propellerstrukturen" in diesem Ring dokumentiert werden. Bei diesen entfernt an Flugzeugpropeller erinnernden, lediglich etwa 15 bis 25 Kilometer großen Strukturen handelt es sich um kleine "Hohlräume" innerhalb des A-Ringes, welche durch die gravitativen Einflüsse von vermutlich lediglich wenige Dutzend Kilometer durchmessenden Mini-Monden - so genannten Moonlets - verursacht werden. Durch die anzufertigenden Aufnahmen sollen die bisher bekannten Bahnparameter dieser Moonlets noch weiter eingegrenzt werden.

Weitere für diesen Tag vorgesehenen Beobachtungen werden den größten der Saturnmonde, den 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, zum Ziel haben. Aus einer Entfernung von rund 1,2 Millionen Kilometern soll auf dessen südlicher Hemisphäre nach markanten Wolkenformationen Ausschau gehalten werden. Durch eine kontinuierlich erfolgende Dokumentation solcher Strukturen lassen sich zum Beispiel Aussagen über die gegenwärtig in der Titanatmosphäre vorherrschenden Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten tätigen.

Nach der Beobachtung einer weiteren Sternokkultation - diesmal wird der Rote Riesenstern R Cassiopeiae von dem Ringsystem bedeckt - soll die ISS-Kamera zuletzt die Roche-Teilung abbilden, welche sich zwischen dem A-Ring und dem F-Ring des Saturn befindet.

Am 30. und 31. Mai steht erneut der Titan auf dem Beobachtungsprogramm. Auch hierbei gilt das Interesse der an der Mission beteiligten Wissenschaftler in erster Linie der Dokumentation des dortigen Wettergeschehens. Zusätzlich wird die ISS-Kamera einen ausgedehnten, über dem Südpol dieses Mondes befindlichen Wolkenwirbel abbilden.

Am 1. Juni wird Cassini schließlich um 9.01 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während dieses Orbits Nummer 192 erreichen und den Planeten in einer Höhe von 557.370 Kilometer über dessen oberster Wolkenschicht passieren. In dieser Phase wird sich die ISS-Kamera in Zusammenarbeit mit anderen Instrumenten in erster Linie auf verschiedene Bereiche des Ringsystems des Saturn konzentrieren und dabei sowohl den F-Ring als auch den A-Ring erneut abbilden. Hierbei sind auch die Dokumentationen von zwei weiteren Sternbedeckungen vorgesehen.

Am 3. Juni wird das VIMS-Spektrometer eingesetzt, um auch auf der Nordhemisphäre des Saturn nach markanten Wolkenformationen zu suchen. Diese Scans werden durch begleitende Aufnahmen der ISS-Kamera ergänzt. Einen Tag später sollen dann durch die ISS in erster Linie mehrere Wolkenstrukturen im Detail abgebildet werden. Außerdem sollen die gesammelten Daten genutzt werden, um die Dichte der oberen Bereiche der Saturn-Atmosphäre näher zu bestimmen.

Am 7. Juni 2013 wird die Raumsonde Cassini schließlich um 8.29 MESZ in einer Entfernung von rund 1,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und damit auch diesen 192. Umlauf um den Ringplaneten beenden. Für den dann beginnenden Orbit Nummer 193 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn sowie verschiedener Saturnmonde vorgesehen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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