InSpace Magazin #488 vom 3. April 2013

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #488
ISSN 1684-7407


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Cassinis Saturnorbit Nummer 186

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Dragon-CRS-2-Kapsel gewassert

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

eigentlich wollte ich Ihnen von unseren News der letzten zwei Wochen jetzt eine als mein persönliches Highlight vorstellen, aber ich kann mich nicht entscheiden, welche ich nehmen soll. Eine Meldung ist zwar richtig schön skurril: Iran schießt seinen Präsidenten zum Mond. Aber das war nur unser diesjähriger Aprilscherz. Naja, lesen Sie selbst.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• Aprilscherz: Ahmadinedschad auf dem Weg zum Mond «mehr» «online»
• Substellarer Körper als Dessert «mehr» «online»
• Atlas 5 startet SBIRS-GEO 2 «mehr» «online»
• China plant Bodenprobenrückführung vom Mond vor 2020 «mehr» «online»
• SpaceX: Merlin 1D ist qualifiziert «mehr» «online»
• Plancks weiter Blick «mehr» «online»
• Simulierter Marseinsatz nach echtem Raumflug «mehr» «online»
• Die Supernova in der Galaxie NGC 1637 «mehr» «online»
• Die Atmosphären von Exoplaneten - Teil 1 «mehr» «online»
• Die Atmosphären von Exoplaneten - Teil 2 «mehr» «online»
• Proton-M startet SatMex 8 «mehr» «online»
• Junge Sterne im Sternhaufen NGC 2547 «mehr» «online»
• Sojus-TMA 08M pünktlich gestartet «mehr» «online»
• Erste Charge O3B-Comsats lieferbereit «mehr» «online»
• Titanoxide beim Riesenstern VY Canis Majoris «mehr» «online»
• Neue Klasse von Supernova-Explosionen entdeckt «mehr» «online»


» Aprilscherz: Ahmadinedschad auf dem Weg zum Mond
01.04.2013 - [Achtung Aprilscherz: Selbstverständlich ist dieser Artikel rein fiktiv gewesen] Vor einigen Monaten hatte er es bereits angekündigt: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad wollte der erste Iraner sein, der mit einem staatlichen Raumflug ins All startet. Gestern war es soweit - weit früher und weit spektakulärer als erwartet.
Bislang beschränkte sich das Raumfahrtprogramm des Iran darauf, kleine Satelliten zu starten und suborbitale Testflüge mit Affen durchzuführen. Eine bemannte orbitale Mission schien weit entfernt, von noch größeren Projekten ganz zu schweigen. Tatsächlich hieß es, dass ein bemannter Raumflug frühestens für das Jahr 2018 zu erwarten sei.

Jetzt zeigt sich jedoch, dass diese Angaben lediglich Verschleierungspropaganda waren. Womöglich inspiriert vom Projekt der Falcon Heavy mit immerhin 27 Triebwerken in der ersten Stufe entschied sich der Iran, Raketenstufen mit massiver Triebwerksbündelung zu entwickeln. Auf diesem Weg war es offenbar möglich, eine Großrakete zu konstruieren, die eine Raumkapsel auf den Weg zum Mond schicken kann.

Das Gesamtsystem wurde vom Iran auf den Namen "Omid" ("Hoffnung") getauft. Laut offiziellen Aussagen soll dieser Name darauf verweisen, dass mit dieser Demonstration technologischer und wirtschaftlicher Stärke die Hoffnung verbunden wird, endlich als ebenbürtiger Partner des Westens anerkannt zu werden. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums: "Wir sind zu der Einsicht gelangt, dass Atomwaffen zwar ein hervorragendes Mittel der militärischen Abschreckung sind, aber letztlich ist diese Methode ein Mittel des kalten Krieges und der imperialistischen Großmächte. Wir haben uns daher vor einiger Zeit entschieden, voll auf die Raumfahrt als Demonstrationsmethode zu setzen. Daher wurden auch einige Anlagen des nuklearen Waffenprogramms demontiert beziehungsweise die Räumlichkeiten gesprengt."

Es sind nur wenige Angaben zum Omid-Komplex bekannt. Die Startmasse soll etwa 3.000 t betragen. Die vierstufige Rakete verwendete in der ersten Stufe 26 Triebwerke (6 in einem zentralen Ring, 20 in einem äußeren Ring) mit einer Schubkraft von jeweils 1.800 kN und nutzte die Treibstoffkombination UDMH/NTO. Über die drei weiteren Stufen sind allerdings keine genauen Informationen bekannt. Vermutlich verwenden diese jedoch ebenfalls eine Variante des Erststufentriebwerks.

Definitiv sicher ist, dass Mahmud Ahmadinedschad gemeinsam mit einem bislang nicht namentlich genannten Oberst der iranischen Luftwaffe unterwegs ist. Die beiden fliegen in einem Komplex, bestehend aus einer Bremsstufe für den Eintritt in eine Mondumlaufbahn, einer Beschleunigungsstufe für den Start zurück zur Erde, einer kleinen Wiedereintrittskapsel für die Landung auf der Erde sowie dem eigentlichen Mondlander.

In 3 Tagen soll der Komplex in den Mondorbit eintreten und danach soll die Landung durchgeführt werden. "Um zu beweisen, dass wir wirklich auf dem Mond sind, werden wir an der wohl bekanntesten Stelle des Mondes überhaupt landen: Der Landestelle von Apollo 11. Die Zielgenauigkeit unseres Mondlanders ist - so Gott will - vollkommen ausreichend, um in einigen Dutzend Metern Entfernung zum "Eagle" zu landen", so der Sprecher des Außenministeriums weiter.

Der iranische Mondlander soll sich nach weiteren Aussagen etwa 1 Woche auf dem Mond aufhalten. Neben der Aufnahme von Bildern der Umgebung steht auch der Rücktransport von etwa 150 kg Mondgestein zur Erde auf dem Plan. Um möglichst interessante Stücke zur Erde zu transportieren, sollen iranische Wissenschaftler ständig in Verbindung mit den beiden Raumfahrern stehen um diesen Anweisungen zu erteilen.

"Präsident Ahmadinedschad versteht sich als erster Diener seines Volkes und wird daher bereitwillig die Anweisungen der Experten am Boden befolgen. Er trat diesen Raumflug im vollen Bewusstsein an, dass es zu einem Scheitern kommen kann. Der erste bemannte Raumflug, und das gleich zu einem solch fernen Ziel, ist selbstverständlich ein großes Risiko, daher muss jederzeit mit dem Tod der Raumfahrer gerechnet werden. Aufgrund dieser Tatsache hat sich unser Präsident bereit erklärt, höchstpersönlich dieses Risiko zu tragen."

Offen bleibt bei dieser Angelegenheit, wieso es vorher keine Informationen der westlichen Geheimdienste über diese Mission gab. Das absolute Stillschweigen des Irans ist verständlich, wenn es darum geht, einen maximalen Propagandaeffekt zu erzielen. Als wahrscheinlich gilt, dass die Geheimdienste den Bau der Startrampe für reinen Bluff hielten und dies daher nicht ernst genommen haben. Außerdem spricht viel dafür, dass die iranische Raketentechnologie einfach nicht ernst genommen wurde.

Aus CIA-Kreisen wurde mittlerweile die Aussage vernehmbar, dass man sich jetzt umso mehr Sorgen mache, über welche technologischen Fähigkeiten der Iran noch verfüge. Es sei zwar glaubhaft, dass das Atomwaffenprogramm tatsächlich eingestellt wurde, aber andererseits gebe es zum Beispiel das zunächst als schlechten Modellbau verlachte Kampfflugzeug "Qaher-313". Möglicherweise sei der Iran tatsächlich auf dem technologischen Stand, ein derart kompaktes und leistungsfähiges System zu erschaffen. Daher sei die Mondmission ein Besorgnis erregender Beweis der technologischen Leistungsfähigkeit des Gottesstaates und müsse zu einer Neubewertung des politischen Konfrontationskurses führen. Insofern scheint der Iran sein "Propagandaziel" bereits jetzt zu Beginn des Mondfluges erreicht zu haben.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Iranisches Außenministerium)


» Substellarer Körper als Dessert
02.04.2013 - In der Galaxie NGC 4845, also in einer Entfernung von gut 47 Millionen Lichtjahren von der Milchstraße, scheint ein spektakuläres kosmisches Phänomen erstmals beobachtet worden zu sein: Ein Objekt deutlich unterhalb der Masse eines Sterns wurde gut sichtbar von einem Schwarzen Loch "verschlungen". Eine Forschergruppe gelangte in den letzten Monaten zu dieser Schlussfolgerung.
NGC 4845 ist, wie auch unsere Heimatgalaxie, Teil des Virgo-Superhaufens. Dementsprechend befindet sie sich, in astronomischen Maßstäben, in relativer Nachbarschaft zu uns. Sie ist eine Galaxie des Seyfert-Typs, welcher sich durch einen besonders hell leuchtenden und aktiven galaktischen Kern auszeichnet.

Aufmerksam geworden auf das neuartige Schauspiel waren die Astronomen eher zufällig im Januar 2011. Bei Beobachtungen einer anderen Region des Weltraum fing das europäische Weltraumobservatorium Integral in der Peripherie seines Blickfelds einen ungewöhnlich hellen Ausbruch im Spektralbereich harter Röntgenstrahlung auf, der bis Juli 2011 gut instrumentell erfassbar blieb. Die genaue Lokalisierung im Zentrum der Galaxie NGC 4845 erfolgte anschließend innerhalb weniger Tage mit der Hilfe weiterer Teleskope, darunter das ebenfalls europäische XMM-Newton, das US-amerikanische Swift und das japanische MAXI-Instrument an Bord der Internationalen Raumstation.

Zuvor war die Galaxie als eher ruhig eingeschätzt worden und verhielt sich im Hinblick auf Röntgen-Ausbrüche überwiegend unauffällig. In den Jahren zuvor war sie vor allem in anderen Bereichen, etwa dem Infraroten, astronomisch beobachtet worden.

Nach eingehenderer Untersuchung stellte sich heraus, dass die Quelle der starken Strahlung die Umgebung des verhältnismäßig kleinen supermassiven Schwarzen Loch im Zentrum von NGC 4845 sein musste. Offenbar war ein sogenanntes Objekt planetarer Masse, also in der Regel ein "frei fliegender Planet" ohne Umlaufbahn um einen Stern, von der Gravitation des Schwarzen Lochs zerrissen worden. Die vorliegenden Erkenntnisse weisen darauf hin, dass es sich um einen Körper mit einer Masse zwischen dem 14- und 30-fachen des Jupiter gehandelt haben muss. Wahrscheinlich war er, dieser Masse nach, als Brauner Zwerg oder sehr großer Gasriese einzustufen. Ob er vollständig zerstört wurde oder nur seine äußere Hülle an den Gravitationssog verloren hat ist dabei bisher nicht abschließend geklärt.

Braune Zwerge sind große Himmelskörper, deren Masse dennoch nicht ganz ausreicht um den Prozess der Wasserstoff-Fusion in ihrem Inneren in Gang zu bringen. Aus diesem Grund handelt es sich bei ihnen, nach gängiger Definition, nicht um Sterne.

Interessant ist die Beobachtung des Verschlingens nicht-stellarer Körper auch in Hinblick auf die Vorgänge in der Milchstraße. Schon seit längerem ist bekannt, dass eine relativ kleine Gaswolke dem Schwarze Loch im Zentrum unserer eigenen Galaxie immer näher kommt. Sie wird in naher Zukunft womöglich ein ähnliches Schicksal ereilen wie nun in NGC 4845 beobachtet. Weiterhin ist davon auszugehen, dass Ereignisse solcher Art sich auch in weiteren fremden Galaxien regelmäßig auffinden lassen. Die Chancen sie zu entdecken stehen mit dem heutigen astronomischen Instrumentarium nicht schlecht: Geräte wie das genannte Monitor of All-sky X-ray Image (MAXI) im japanischen Kibō-Modul der ISS durchmustern den Himmel gegenwärtig im Stundentakt nach vergleichbaren Strahlungsausbrüchen.

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: ESA, Astronomy&Astrophysics)


» Atlas 5 startet SBIRS-GEO 2
20.03.2013 - Der US-amerikanische Frühwarnsatellit SBIRS-GEO 2 wurde am gestrigen 19. März 2013 gegen 22.21 Uhr von Cape Canaveral aus ins All gebracht.
SBIRS-GEO steht für Space Based Infra Red Sensor - Geostationary, auf deutsch etwa Weltraumgestützter Infrarotsensor - Geostationär. Das zukünftige Netzwerk von Frühwarnsatelliten soll aus insgesamt 6 Einheiten bestehen und eine lückenlose Überwachung des Erdballs mit Ausnahme polarer Regionen gewährleisten. Bisher werden dafür Satelliten der Serie DSP (Defense Support Program) eingesetzt.

Die neuen SBIRS-GEO verwenden zwei hochentwickelte Infrarot-Sensoren, von denen einer starr ausgerichtet wird, der zweite über bewegliche Spiegel die gesamte sichtbare Erdoberfläche rasch abscannen kann. Damit erhält man in kürzerer Zeit als bisher ein Komplettbild. Der zweite Sensor soll anschließend für Detailuntersuchungen auf eingegrenzten Arealen eingesetzt werden.

SBIRS-GEO basiert auf dem A2100M-Bus von Lockheed Martin und ist dreiachsenstabilisiert. Er ist mit zwei entfaltbaren Solarzellenpaneelen ausgestattet und soll 12 Jahre lang in Funktion bleiben. Die Masse liegt bei etwa 4.500 kg.

Der gestrige Start einer Atlas 5 war der vierte erfolgreiche und pünktliche einer Trägerrakete dieses Typs innerhalb von 4 Monaten. Damit beweist der Träger seine Einsatzfähigkeit und Zuverlässigkeit. Eine modifizierte Version könnte in Zukunft auch für bemannte Raumflüge eingesetzt werden. So ist die Atlas 5 vorgesehen als Träger für die Boeing-eigene Kapsel CST 100 und für den Dream Chaser von der Sierra Nevada Corporation (SNC).

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: US Air Force, United Launch Alliance, Skyrocket, Spaceflight Now, Raumcon)


» China plant Bodenprobenrückführung vom Mond vor 2020
20.03.2013 - Zuvor soll der Wiedereintritt einer Rückkehrkapsel mit hoher Geschwindigkeit bis 2015 getestet werden. Außerdem steht der Start des ersten chinesischen Landers mit Mondfahrzeug noch für 2013 im Plan.
Chang’e 3 soll in der zweiten Hälfte des Jahres starten und ein Fahrzeug auf dem Mond absetzen. Mit diesem will man anschließend mehrere Wochen lang die Oberfläche des Erdtrabanten untersuchen. Mit Chang’e 4 gibt es auch eine Reserve- oder Folgemission, mit der man weitere Erfahrungen sammeln könnte. Damit wäre die zweite Stufe des dreistufigen Plans zur unbemannten Erkundung des Mondes geschafft: Umlaufbahn, Landung, Rückkehr.

Bis 2015 will man parallel dazu eine Sonde konstruieren, bauen und ins All bringen, die eine Rückkehrkapsel mit hoher Geschwindigkeit in der Erdatmosphäre absetzt. Ziel ist die unversehrte Bergung der Kapsel. Noch vor 2020 soll dann eine Probenrückführung erfolgen. Dazu startet man Chang’e 5 zum Mond und bringt sie in einen Orbit um den Erdtrabanten. Anschließend sollen 2 Lander abgesetzt werden, von denen einer eine Bodenprobe nimmt und diese in einem Aufstiegsteil unterbringt. Dieses soll dann vom Mond starten und ein Rendezvous mit dem Orbiter ausführen. Hier wird die Probe in ein Rückkehrfahrzeug übernommen, welches anschließend zur Erde fliegt und eine hitzebeständige Kapsel absetzt.

Bisher hat die Volksrepublik China zwei erfolgreiche unbemannte Mondmissionen absolviert. Chang’e 1 startete am 27. Oktober 2007 und wurde drei Tage später auf eine Flugbahn zum Mond gebracht. Hier traf sie am 5. November ein und erkundete den Erdtrabanten aus einer Umlaufbahn, die zunächst zu einer Kreisbahn in 200 Kilometern Höhe angepasst und etwa 1 Jahr später auf 100 Kilometer abgesenkt wurde. Anfang 2009 ließ man die Raumsonde gezielt auf dem Mond aufschlagen.

Am 1. Oktober 2010 startete Chang’e 2 mit vielen Detailverbesserung auf direkter Bahn zum Mond und gelangte somit erheblich schneller und mit größeren Treibstoffvorräten ans Ziel. Bereits am 9. Oktober befand sich die Sonde im Arbeitsorbit, etwa 100 km über der Oberfläche des Mondes. Im Verlaufe der Mission wurde die Kreisbahn in eine elliptische mit einem mondnächsten Punkt bei etwa 15 Kilometern abgesenkt und dabei vorgesehene Landestellen detailliert abgelichtet. Später wurde der Orbit erneut angehoben.

Am 9. Juni entfernte sich Chang’e 2 vom Mond und gelangte im Verlaufe mehrerer Wochen zum Lagrangepunkt 2 des Sonne-Erde-Systems, der etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt liegt. Hier wurden Untersuchungen des Raumes und der Strahlung vorgenommen sowie Kommunikationstests durchgeführt.

Im April 2012 startete Chang’e 2 erneut seine Triebwerke und wurde damit auf eine Flugbahn gebracht, auf der sie am 13. Dezember 2012 den Asteroiden Toutatis passierte und Bilder zur Erde übertrug. Mit diesem Erfolg haben die chinesischen Ingenieure die Zuverlässigkeit der von ihnen entwickelten Technik unter Beweis gestellt.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua)


» SpaceX: Merlin 1D ist qualifiziert
20.03.2013 - Dies gab die US-Raumfahrtfirma Space Exploration Technologies (SpaceX) heute bekannt.
Demnach wurde das Triebwerk im Rahmen von 28 Einzeltests insgesamt 1.920 Sekunden lang betrieben. Dies entspricht etwa der zehnfachen Dauer eines normalen Einsatzes. Bei 4 Tests wurde mit einem Schub von mindestens 670 kN gearbeitet, was dem nominellen Wert des Triebwerks am Boden entspricht. Insgesamt hat man hinsichtlich Betriebsdauer und Wiederzündung eine Sicherheitsmarge von 4:1 eingehalten. Allgemein üblich ist in der Industrie ein Verhältnis von 2:1.

"Das Merlin 1D absolvierte jeden Test dieses extrem gründlichen Qualifikationsprogramms erfolgreich", sagte Elon Musk, CEO und Chefdesigner von SpaceX. "Nachdem die Qualifikation nun abgeschlossen ist, schauen wir nach vorn auf den ersten Einsatz der Merlin 1D beim sechsten Flug einer Falcon 9 noch in diesem Jahr."

Zusätzlich zum vergrößerten Schub der Triebwerke gegenüber den Vorgängern Merlin 1C wurden auch Verbesserungen und Effizienzerhöhungen bei der Herstellung realisiert. Mittlerweile ist man bei der Herstellung der Triebwerke und aller anderen Teile der Trägerraketen so weit, dass jeden Monat eine komplette Falcon 9 die Werkshallen verlassen kann.

Der erste Start einer Falcon 9 mit den stärkeren Triebwerken, verlängertem Rumpf und veränderter Triebwerksanordnung ist für Juni dieses Jahres geplant.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceX, Raumcon)


» Plancks weiter Blick
21.03.2013 - Das europäische Weltraumteleskop ermöglicht den bisher weitestgehenden Blick zurück in das junge Universum. Heute wurden erste umfangreiche Ergebnisse der wissenschaftlichen Mission veröffentlicht, die, zusammen mit dem Schwesterteleskop Herschel, im Mai 2009 zum Lagrange-Punkt 2 des Systems Sonne-Erde startete. Mehrere Dutzend europäische und amerikanische Forschungseinrichtungen hatten die Sonde unter Koordination der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelt.
Planck operiert mit seiner Sensorik im Mikrowellen- und Submillimeterbereich, konkret also einem Frequenzspektrum von etwa 25 bis 1.000 GHz. Dies ist eine vergleichsweise breite Abdeckung, die durch den kombinierten Einsatz zweier Instrumente im Teleskop ermöglicht wird. Diese lassen, so das Kalkül bei der Entwicklung der Sonde, aufgrund ihrer Empfindlichkeit und hohen Auflösung bisher einmalige Beobachtungen des Untersuchungsgegenstandes von Planck zu: der kosmischen Hintergrundstrahlung. Das Konzept scheint sich nun tatsächlich bewährt zu haben. Heute veröffentlichte die ESA, zusammen mit ihren Partnern, umfangreiche Erkenntnisse der astronomischen Forschung die auf Plancks Messdaten basieren.

Kernstück der Ergebnisse ist eine neue, in ihrer Genauigkeit bislang unerreichte, Karte der Mikrowellenstrahlung aus der Frühzeit des Universums. Die grafische Darstellung der Strahlungsverteilung nur 380.000 Jahre nach dem Urknall weist dabei auf eine erstaunliche Homogenität des damaligen Kosmos’ hin.

Die präzise Analyse der Hintergrundstrahlung ermöglicht, neben der Nachvollziehbarkeit gegenwärtiger Materieverteilung im Universum, auch eine verbesserte Schätzung des Vorkommens Dunkler Materie und Dunkler Energie. Letztere ist wohl doch deutlich seltener im Universum vorhanden als bisher angenommen. Rund 68,3 Prozent soll ihr kosmischer Anteil ausmachen. Das sind mehr als 4% weniger als bis dato angenommen. Entsprechend in größerem Umfang vorhanden sind wohl hauptsächlich die Dunkle Materie, aber eben auch die uns unmittelbar bekannte, "gewöhnliche" Materie. Sie macht den jetzt aktuellsten Erkenntnissen zufolge 4,9% der Zusammensetzung des Universums aus.

Die Dunkle Materie ist ein astronomisches Postulat, das die beobachteten Gravitationswirkungen im Universum erklären soll, die sich nicht nur mit "gewöhnlicher" Materie schlüssig begründen lassen. In ähnlicher Weise soll die Dunkle Energie eine fremdartige Triebkraft anschaulich machen, die das Universum in seiner Expansion auf bisher nicht völlig verstandene Weise beschleunigt.

Eine weitere Folgerung aus den aufgearbeiteten Daten Plancks ist eine neue Angabe zum Alter des Universums. Es soll etwa 100 Millionen Jahre älter sein als bislang vermutet, nämlich 13,82 Milliarden Jahre. Entsprechend geringer als angenommen scheint demnach auch seine (gegenwärtige) Expansionsrate auszufallen. Sie wird durch die Hubble-Konstante repräsentiert, deren Wert jetzt, nach Daten des Weltraumteleskops, auf 67,15 +/- 1,2 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec geschätzt wird.

Zusätzlich konnten auch Rückschlüsse auf die unmittelbare Zeitperiode nach dem Urknall, die sogenannte Inflation, gezogen werden. Die homogene Struktur des Hintergrundrauschens lässt darauf schließen, dass die Inflation bereits sehr früh von zufälligen Prozessen auf Quantenebene geprägt war. Dies revidiert einige bisherige Theorien über den Ablauf der extremen Expansion zu Beginn des Universums.

In diesem Sommer wird das abschließende Ende von Plancks Mission gekommen sein. Eines seiner Instrumente wurde bereits vor gut einem Jahr abgeschaltet. Der zweite Sensor wird in wenigen Monaten ebenfalls außer Betrieb gehen müssen. Das Kühlmittel zur aufwändigen Tiefkühlung der Präzisionsgeräte ist dann endgültig aufgebraucht. Insgesamt bildete das europäische Teleskop im Laufe seiner Betriebszeit den gesamten Himmel fünf Mal im Mikrowellenspektrum ab. Die so gesammelten Daten werden noch einige Zeit der Auswertung in Anspruch nehmen. Weitere umfangreiche Forschungsresultate sollen im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: ESA, NASA)


» Simulierter Marseinsatz nach echtem Raumflug
22.03.2013 - Die Kosmonauten Oleg Nowizki und Jewgeni Tarelkin nahmen nach ihrem fünfmonatigen Raumflug an einer mehrtägigen Simulation einer Marslandung teil.
Am 16. März landete die Kommandokapsel des Raumschiffes Sojus-TMA 06M nach rund fünfmonatigem Flug in der kasachischen Steppe. Nach der Bergung wurden die Kosmonauten ins Sternenstädtchen nahe Moskau geflogen. Hier wurden sie zunächst eingehend untersucht.

Anschließend wurden sie in einer Zentrifuge des Kosmonautenausbildungszetrums Juri Gagarin (ZPK) den Beschleunigungen ausgesetzt, die bei einer bemannten Marslandung durch die Bremswirkung der Atmosphäre in etwa zu erwarten sind. Diese Prozedur überstanden die beiden Raumfahrer offenbar gut.

Am 18. und 19. März unternahmen Nowizki und Tarelkin simulierte Ausstiege auf der Marsoberfläche. Dazu wurde ein spezieller Raumanzug vom Typ Orlan-MK T verwendet, der zusätzlich mit einem System versehen war, das für eine Gewichtsanpassung an Marsverhältnisse sorgte. Auf dem Mars beträgt die Schwerkraft nur etwa 38% des Wertes auf der Erde. Das System sorgte nun dafür, dass die Raumfahrer nur dieses Gewicht tragen mussten. Zusammen mit dem etwa 120 kg schweren Raumanzug sind dies aber dennoch etwa 70 kg und dies unmittelbar nach einem längeren Raumflug.

Mit gegenwärtiger Technik würde ein idealer Flug zum Mars ebenfalls etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. In der Schwerelosigkeit bilden sich Knochen und Muskeln zurück, da sie normalerweise kaum noch Belastung erfahren. Um diesem Schwund entgegenzuwirken, trainieren Raumfahrer täglich etwa 1 bis 2 Stunden mit verschiedenen Sportgeräten. Damit kann vor allem die Schwächung bestimmter Muskelgruppen gestoppt werden. Gegen Knochenschwund kann man bisher aber nur wenig unternehmen. Zudem sind Raumfahrer erhöhten Strahlendosen ausgesetzt und ihr Immunsystem verliert seine Wirksamkeit.

Während dieses bisher einzigartigen Tests mussten die Kosmonauten verschiedene Aufgaben bewältigen, so Messgeräte ablesen, mit Ausrüstung einen (simulierten) "Felsen" überwinden, eine Leiter hinabsteigen oder eine Schleusentür öffnen und passieren. All dies klingt für sich genommen einfach, ist nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit, in einem unförmigen Raumanzug und nach den Strapazen einer Landeprozedur aber durchaus nicht trivial.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ZPK, Roskosmos, Raumcon)


» Die Supernova in der Galaxie NGC 1637
22.03.2013 - Eine am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte veröffentliche Aufnahme zeigt die Spiralgalaxie NGC 1637. Im Jahr 1999 konnten Astronomen in dieser Galaxie eine Supernova entdecken. Die veröffentlichte Aufnahme entstand im Rahmen der Untersuchung dieser Supernova.
Am 1. November 1786 entdeckte der Astronom Friedrich Wilhelm Herschel die in dem Sternbild Eridanus gelegene Spiralgalaxie NGC 1637. Mit einer visuellen Helligkeit von 10,8 mag kann diese etwa 35 Millionen Lichtjahre von unser Heimatgalaxie entfernt gelegene Spiralgalaxie allerdings nur durch ein Teleskop beobachtet werden. Am 29. Oktober 1999 entdeckten Astronomen mit dem "Katzman Automatic Imaging Telescope "des auf dem Gipfel des Mount Hamilton im US-Bundesstaat Kalifornien gelegenen Lick-Observatoriums eine 13,5 mag helle Supernova in dieser Galaxie.

Bei einer Supernova handelt es sich um eine gigantische Sternexplosion, welche sich am Ende der letzten "Lebensphase" eines bestimmten Sterntyps ereignet. Sobald Sterne mit einer ursprünglichen Ausgangsmasse von mehr als acht Sonnenmassen ihren nuklearen Brennstoff verbraucht haben, kollabiert ihr Kern unter der eigenen Masse. Daraus resultiert eine gewaltige Explosion, bei der große Teile der Sternmaterie nach außen geschleudert werden, woraus sich dann ein Supernovaüberrest bildet.

Unmittelbar nach der Entdeckung der mit dem Namen "SN 1999em" versehenen Supernova in der Galaxie NGC 1637 führten verschiedene astronomische Teams Nachfolgebeobachtungen durch, mit denen diese Entdeckung zuerst bestätigt und anschließend weiter untersucht werden konnte. Im Rahmen ihrer Arbeiten haben die Astronomen die Helligkeitsentwicklung der Supernova sorgfältig vermessen und dabei über die Jahre hinweg einen relativ langsamen Helligkeitsrückgang dokumentiert. Die Supernova wurde als sogenannte Kernkollaps-Supernova klassifiziert, genauer gesagt als Supernova vom Typ IIp. Das "p" steht dabei für "Plateau", was bedeutet, dass eine Supernova dieses Typs nach dem Erreichen des Helligkeitsmaximums die dabei erreichte Helligkeit noch für eine vergleichsweise lange Zeit beibehält (die Lichtkurve zeigt also einen plateauförmigen Verlauf).

Für die Nachfolgeuntersuchungen wurde unter anderem auch das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in den chilenischen Anden eingesetzt. Die dabei angefertigten Aufnahmen zeigen nicht nur die Supernova SN 1999em sondern auch deren Heimatgalaxie NGC 1637. Aus diesen VLT-Aufnahmen wurde das jetzt veröffentlichte Bild zusammengesetzt.

Die Spiralstruktur von NGC 1637 offenbart sich in dieser Aufnahme durch das bläuliche Leuchten einer Vielzahl noch relativ junger und heißer Sterne. Des Weiteren sind im Bereich der Galaxie diverse Wolken aus interstellarem Gas und dunkle Staubbänder erkennbar.

Obwohl die Galaxie NGC 1637 auf den ersten Blick sehr symmetrisch erscheint, weist sie doch einige interessante Eigenschaften auf. Der relativ locker gewundene Spiralarm links oberhalb des Kernbereichs der Galaxie erstreckt sich zum Beispiel viel weiter in das Weltall als der viel kompaktere Arm unten rechts, welcher dadurch verkürzt erscheint.

Auf der Aufnahme sind außerdem diverse in unserer eigenen Heimatgalaxie gelegene Vordergrundsterne und weit entfernte Hintergrundgalaxien zu erkennen, welche sich zufällig alle in derselben Richtung am Himmel befinden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Die Atmosphären von Exoplaneten - Teil 1
24.03.2013 - 1995 wurde der erste Exoplanet zweifelsfrei nachgewiesen. Zwar hatte man schon vorher drei Planeten eines Pulsars ermittelt, aber die Messungen von Michel Mayor und Didier Queloz ergaben als erste einen Planeten, der einen Stern ähnlich der Sonne umkreist (51 Pegasi b). Damit waren die Astronomen und Astrophysiker in die Welt der Exoplaneten vorgestoßen, und aus dieser Entdeckung entwickelte sich recht schnell ein wichtiges Forschungsgebiet der Astronomie.
Inzwischen sind über 800 Exoplaneten bekannt und die Raumsonde Kepler hat noch über 2.700 Kandidaten detektiert (Stand: 27.02.2013). Die Entdeckung von Exoplaneten hat den Reiz des Neuen weitgehend eingebüßt. Mediale Aufmerksamkeit wird nur noch Entdeckungen geschenkt, bei denen die Vermutung im Raum steht, es handele sich um einen Gesteinsplaneten, weil damit implizit die Frage nach der Existenz von Leben verbunden ist.

Mit immer genaueren Messmöglichkeiten geht es nun darum, die Massengrenze der Planeten, die man entdeckt, nach unten zu drücken und natürlich auch darum, sie auf ihr Potenzial für Leben zu überprüfen. Während man am Anfang der Erforschung fremder Sonnensysteme aufgrund der Messmethoden nur große Planeten finden konnte, entdeckt man nun auch kleinere und solche, die in habitablen Zonen ihre Sterne umkreisen, also in Entfernungen vom Muttergestirn, welche die Existenz flüssigen Wassers erlauben, was als notwendige Voraussetzung für Leben gilt. Die Zeit ist also reif für den nächsten Schritt in diesem Gebiet und der heißt: Erforschung der planetaren Atmosphären, um etwas über die klimatischen Bedingungen auf Exoplaneten zu erfahren. Erst wenn in dieser Richtung Daten gesammelt werden, kann man in einem weiteren Schritt versuchen, Aussagen darüber zu machen, ob Leben auf diesen Planeten möglich ist.

Die Wissenschaftler setzen dabei ihre Hoffnungen u.a. auf zwei zukünftige Sonden, die mit Hilfe spektroskopischer Messungen über einen längeren Zeitraum hinweg Daten zur Chemie und Dynamik exoplanetarer Atmosphären sammeln sollen. Es handelt sich dabei um die ESA-Sonde EchO und die US-amerikanische Sonde FINESSE.

Beide Sonden bedienen sich der Transitmethode, um mehr über die exoplanetaren Atmosphären herauszufinden. Liegt die Bahnebene eines Exoplaneten genau in unserer Blickrichtung, dann kommt es zu Sternbedeckungen durch den Planeten, wenn dieser vor seinem Stern herzieht (primäre Bedeckung) oder zu Bedeckungen des Planeten, wenn er hinter seinem Stern herzieht (sekundäre Bedeckung). Dementsprechend wird die Gesamtlichtmenge, die man beobachten kann, abgesenkt. Die Absenkung kann gemessen werden, wobei der Effekt bei der primären Bedeckung stärker auftritt.

In beiden Fällen, also sowohl bei der primären als auch bei der sekundären Bedeckung, lassen sich auf spektroskopischem Wege weiter gehende Erkenntnisse gewinnen, z.B. bezüglich der Gashüllen der Exoplaneten. Wird der Stern durch einen Planeten bedeckt, durchquert seine Strahlung die planetare Atmosphäre. Es kommt zur Absorption, die je nach Wellenlänge verschiedene Stärken haben kann. Untersuchungen der Spektren zu diesem Zeitpunkt können Erkenntnisse über die Temperatur, die chemische Zusammensetzung und die Häufigkeiten der Elemente zutage fördern. Zieht der Planet hinter seinem Stern her, so ist für diesen Zeitraum nur das Sternenspektrum sichtbar. Zieht man dieses vom Gesamtspektrum des Systems ab, bleibt das Planetenspektrum übrig, welches dann genauer analysiert werden kann. Nachfolgend sollen beide Projekte nach dem derzeitigen Informationsstand vorgestellt werden.

EChO

Die Abkürzung EChO steht für Exoplanet Characterisation Observatory. Die Sonde ist der Erforschung exoplanetarer Atmosphären gewidmet, wobei die Frage nach der Möglichkeit von Leben im Mittelpunkt steht.

Zur Erforschung der exoplanetaren Atmosphären sollen auf der Sonde hochauflösende, spektroskopische Instrumente installiert werden, die ihre Beobachtungen in einer großen Breite von Wellenlängen absolvieren können. Dabei geht es um die atmosphärische Zusammensetzung, die Temperatur und den Albedo einer repräsentativen Auswahl bereits bekannter und bestätigter Exoplaneten. Die exemplarischen Planeten sind so ausgewählt, dass Sterne verschiedener Spektralklassen (F, G, K und M) berücksichtigt werden, ebenso wie Planeten in Zonen weit entfernt und nah zu ihren Muttersternen sowie in habitablen Zonen. Außerdem sind die Instrumente in der Lage die Atmosphären von Planeten bis hinunter zum Durchmesser von etwa 1,5 Erdradien zu messen.

Weiterhin soll die Mission dabei helfen, Modelle der inneren Strukturen dieser Exoplaneten zu erstellen um unser Verständnis der Bildung und Entwicklung von Planeten zu vertiefen. Die Sonde wird also keine Massenbeobachtung durchführen, wie die Kepler-Sonde, sondern ausgewählte, bereits bekannte Exoplaneten genauer untersuchen. Die Instrumente sitzen auf einer stabilen Plattform, die lang andauernde Aufnahmen ermöglicht. Die Instrumente können passiv heruntergekühlt werden, enthalten nur wenige bewegliche Teile, so dass die Messungen über einen langen Zeitraum ohne weitergehende technische Probleme ablaufen können.

Sie wird am Lagrange-Punkt 2 platziert, etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt auf der sonnenfernen Seite der Erde. Der Start der Sonde ist für einen Zeitraum zwischen 2020 und 2022 vorgesehen.

Die mit Hilfe der Sonde zu beantwortenden Grundfragen sind:

  • Unter welchen Bedingungen bilden sich Planeten und wie bildet sich Leben heraus?
  • Sind Systeme wie unser Sonnensystem selten oder üblich im Universum?

Die wissenschaftlichen Ziele der Mission im Einzelnen

  • Die Mission soll die klimatischen Bedingungen in den exoplanetaren Atmosphären messen. Die klimatischen Bedingungen von Planeten hängen ab von der Zusammensetzung der Atmosphäre, der Albedo und der Spektralklasse des Muttersterns. Daher soll die Sonde die Zusammensetzungen der exoplanetaren Atmosphären, ihre Temperatur und Albedo messen bzw. analysieren. Dabei werden u.a. die folgenden Bestandteile der planetaren Atmosphären gemessen: Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Methan, Ammoniak, Helium, Kalium, Ozon, Wasserstoff und verschiedene weitere Kohlenwasserstoffe. Weiterhin erfolgen Messungen der Reflexionsrate des Planeten im Zusammenhang mit der Temperatur im infraroten Bereich, weil dadurch der Prozess der Verteilung der Energie in der planetaren Atmosphäre besser verstanden werden kann. Kennt man den Albedo-Wert, können daraus auch Rückschlüsse auf die Gegenwart von Kondenswasser und Dunst in der Atmosphäre gezogen werden.
  • Ein weiteres Ziel ist die Messung der räumlichen und zeitlichen Variabilität der thermischen und chemischen Struktur von jupiterähnlichen Planeten und Super-Erden entlang der Längengrade. Dies ist wichtig, um die Temperaturverteilung in den Atmosphären zu verstehen, insbesondere bei Exoplaneten, die ihren Muttersternen so nah stehen, dass sie ihnen immer die gleiche Seite zuwenden. Dadurch kommt es zu einer sehr inhomogenen Temperaturverteilung, da große Unterschiede zwischen der Tag- und der Nachtseite vorliegen. Würde es mit den Instrumenten der Sonde EChO gelingen, die Helligkeitsunterschiede der planetaren Atmosphären entlang der Längenkreise zu messen bzw. Karten dazu zu erstellen, wäre dies ein bedeutender Fortschritt hin zu einem Verständnis der atmosphärischen Dynamik.
  • Weiterhin sollen natürlich auch die Muttersterne der Exoplaneten genau beobachtet und analysiert werden, da sie die wichtige Enegiequelle für die Planeten und ihre Atmosphären sind. Außerdem kann die genaue Untersuchung des Muttersterns dabei helfen, Interpretationsfehler bei den Planetendaten auszuschließen.
  • EChO wird ebenfalls Aussagen über das Planeteninnere zulassen. Die genaue Analyse der planetaren Atmosphären ermöglicht Rückschlüsse auf ihre innere Struktur.
  • Aus den Messungen EChO´s lassen sich natürlich auch neue Erkenntnisse zur Bildung von Planetensystemen gewinnen bis hin zur Struktur der protoplanetaren Scheiben.
  • Mit EChO können die Wissenschaftler weiterhin nach Exomonden Ausschau halten. Dabei geht man davon aus, dass die Instrumente der Sonde noch Körper bis hinab zu 0,33 Erdradien detektieren kann. So können auch diese, erst kürzlich in den Fokus gerückten Mitglieder von Planetensystemen genauer untersucht werden.
  • Auch kann man mit der Sonde nach Biosignaturen in planetaren Atmosphären von sogenannten Super-Erden suchen. Die Anwesenheit von Leben auf einem Planeten verändert die atmosphärische Zusammensetzung, was durch die Analyse der Atmosphären festgestellt werden kann.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: ESA, Autor)


» Die Atmosphären von Exoplaneten - Teil 2
26.03.2013 - Im zweiten Teil des Überblicks über die beiden geplanten Sonden EChO und FINESSE, die in der nächsten Dekade die Atmosphären extrasolarer Planeten untersuchen sollen, geht es um die Instrumente an Bord der europäischen EChO-Sonde und um ihr US-amerikanisches Pendant FINESSE.
Die Instrumente von EChO

Die gesamte EChO-Sonde ist in drei Bereiche aufgeteilt: Das Teleskop, die Einheit mit den Messinstrumenten und das sogenannte Servicemodul. Wichtigstes Element ist das Teleskop, ein afokales Korsch-Teleskop mit einer Spiegelgröße von 1,28 Meter. Hinter dem Teleskop, genauer gesagt hinter dem Hauptspiegel, sind die Messinstrumente positioniert. Dazu gehören Spektrometer, Detektoren und Kameras. Wiederum hinter den Instrumenten sitzt eine passive Kühlung. Daher wird der Bereich hinter dem Hauptspiegel des Teleskops auch als „kalter Bereich“ bezeichnet.

Unterhalb der Instrumente ist das sogenannte Servicemodul platziert. Darin sitzen die Instrumente, die bei ihrem Betrieb Wärme erzeugen (die Instrumentenkontrolle, die Elektronik für die Detektoren und Teile der aktiven Kühlung). Die Wärme dieses Bereichs wird durch Abschirmungen vom kalten Bereich ferngehalten um die Messungen nicht zu beeinflussen.

FINESSE

FINESSE steht für Fast Infrared Exoplanet Spectroscopy Survey Explorer. Der Start der NASA-Sonde ist für das Jahr 2017 vorgesehen und das Gerät soll mit seinem Teleskop und seinen Messgeräten 200 bekannte Exoplaneten, die per Transitmethode festgestellt wurden, untersuchen. Auch dabei stehen die Atmosphären der Planeten im Mittelpunkt. FINESSE wird in der Lage sein, die Zusammensetzung, die thermische Struktur und die Chemie der exoplanetaren Atmosphären untersuchen und soll dadurch eine Kategorisierung der Exoplaneten ermöglichen, um sie besser miteinander vergleichen zu können.

Die Ziele der Sonde im Einzelnen:

  • Die Untersuchung der Zusammensetzung und thermischen Struktur der Atmosphären, um detalliertere Kenntnis über die physikalischen und chemischen Prozesse innerhalb der Atmosphären zu erwerben.
  • Die Untersuchung der Veränderungen von Zusammensetzung und Temperatur entlang der Längenkreise und in bestimmten zeitlichen Abständen, insbesondere bei den Tag-Nacht-Unterschieden, die dabei helfen sollen, die klimatischen Zustände und den Einfluss der Muttersterne zu verstehen.

Umlaufbahn und Instrumente

Die Sonde wird in einer Umlaufbahn mit einer Höhe von 570 Kilometern über der Erde positioniert. Damit die Solarzellenpaneele ständig Sonnenlicht erhalten, verläuft der Orbit an der Tag-Nacht-Grenze von Pol zu Pol. So können die Paneele der Sonne zugewendet werden, während die Instrumente in die Dunkelheit gerichtet sind. Die Instrumente an Bord der Sonde werden auf -166 °C heruntergekühlt, indem die Wärme sowohl der Erde als auch der Sonne durch zwei Schilde abgeschirmt wird. Für die aktive Kühlung wird ein Kühlgerät eingesetzt.

Hauptinstrument an Bord ist ein 76-Zentimeter-Teleskop mit einem Spektrometer und der Elektronik, um Teleskop und Nachführeinrichtung zu kontrollieren. Während das Teleskop das Licht sammelt, wird durch das Spektrometer festgestellt, aus welchen Bestandteilen die exoplanetare Atmosphäre des jeweiligen Planeten besteht. Das Design des Spektrometers wird dem Moon-Mineralogy-Mapper-Instrument nachempfunden sein, welcher an Bord der indischen Sonde Chandrayaan-1 zum Mond geflogen ist.

Die Sonde soll im Jahr 2017 starten, die ersten Daten werden für den April 2017 erwartet. Die Mission soll im Jahre 2019 beendet sein.

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(Autor: Hans Lammersen - Quelle: ESA, NASA, Autor)


» Proton-M startet SatMex 8
27.03.2013 - Der Start erfolgte am 26. März 2013, gegen 20.07 Uhr MEZ von Baikonur aus. Mittlerweile hat auch die Bris-M-Oberstufe ihre Arbeit erfolgreich beendet und den Satelliten ausgesetzt.
Dies erfolgte offenbar mit großer Präzision. Geplant war eine Bahn zwischen 6.160 und 35.786 Kilometern bei 18,38° Bahnneigung. Abgesetzt wurde SatMex 8 auf einer Bahn mit einem erdnächsten Punkt bei 6.146 km, einem erdfernsten Punkt bei 35.803 km und einer Inklination von 18,36°. Der Zielorbit wurde 9 Stunden und 13 Minuten nach dem Start erreicht.

Dabei hatte die Bris-M-Oberstufe insgesamt 5 Brennphasen zu absolvieren, zwischen denen immer wieder antriebslose Zeiträume lagen. Den geplanten geostationären Orbit in einer Höhe von etwa 35.780 Kilometern über dem Äquator muss der Satellit nun mit seinen eigenen Triebwerken erreichen.

SatMex 8 gehört der Satélites Mexicanos S.A. de C.V. und wurde von Space Systems/Loral auf Basis des LS-1300-Busses gebaut. Er verfügt über 24 C- und 40 Ku-Band-Transponder zur Übertragung von Fernseh- und Radioprogrammen sowie für Breitband-Sprach- und allgemeine Datenübermittlungen. Er soll etwa 15 Jahre lang arbeiten und hat zu Beginn eine Masse von 5.474 kg. Stationiert werden soll er bei 114,9 Grad West, so dass der gesamte amerikanische Kontinent in seinem Sendebereich liegt.

Zuletzt hatte es mit der Bris-M-Oberstufe der Proton mehrfach Probleme gegeben, die offenbar auf mangelnde Qualitätsprüfung zurückzuführen sind. Zur Behebung derartiger Probleme wird in der russischen Raumfahrt derzeit eine Reihe von Umstrukturierungen vorgenommen bzw. geplant.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ILS, Zenki, SSL, Raumcon, Skyrocket)


» Junge Sterne im Sternhaufen NGC 2547
27.03.2013 - Eine am heutigen Tag von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt den offenen Sternhaufen NGC 2547. Die dort gelegenen Sterne verfügen über ein relativ junges Alter von etwa 20 bis 30 Millionen Jahren.
Einige der in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, befindlichen Sterne sind mit einem Alter von über 13 Milliarden Jahren nur wenige hundert Millionen Jahre jünger als das Universum, dessen Alter von den Astronomen auf etwa 13,8 Milliarden Jahre geschätzt wird. Mit einem Alter von "lediglich" rund 4,6 Milliarden Jahren handelt es sich bei dem Zentralgestirn unseres Sonnensystems somit um einen noch verhältnismäßig jungen Stern, welcher gerade einmal die Mitte seines Lebens erreicht hat. Andere Sterne der Milchstraße verfügen jedoch über ein noch deutlich geringeres Alter von lediglich wenigen Millionen Jahren.

Diese Sterne haben sich erst vor kurzem in sogenannten Sternentstehungsgebieten entwickelt. Aus so einer H-II-Region geht jedoch nicht nur ein einzelner, isolierter Stern hervor. Vielmehr reicht die Anzahl der sich zeitgleich in einem H-II-Gebiet bildenden Sterne von einigen Dutzend bis hin zu mehreren Tausend Sternen, welche nach dem Abschluss der Sternentstehungsphase in dieser Region des Weltalls zunächst einen offenen Sternhaufen bilden.

Solche offene Sternhaufen stellen für die professionellen Astronomen interessante Forschungsobjekte dar, da sich die dort konzentrierten Sterne ursprünglich alle aus derselben Molekülwolke gebildet haben und somit in etwa über das gleiche Alter und eine sehr ähnliche chemische Zusammensetzung verfügen. Durch eine eingehende Untersuchung ist dabei unter anderem ein Vergleich der Entwicklung von Sternen möglich, welche über unterschiedliche Ausgangsmassen verfügten. Dies erleichtert es den Astronomen und Astrophysikern, die Auswirkungen anderer Eigenschaften der Sterne auf ihre jeweilige Entwicklung zu ermitteln. Des weiteren kann die gemeinsame Bewegungsrichtung der in einem offenen Sternhaufen konzentrierten Sterne zur Bestimmung der Entfernung genutzt werden.

Allerdings handelt es sich bei den offenen Sternhaufen um - in kosmischen Zeiträumen betrachtet - relativ kurzlebige Gebilde. Normalerweise sind die Sterne eines solchen Haufens bereits nach wenigen Hundert Millionen Jahren soweit auseinandergedriftet, dass der ursprüngliche Haufen nicht mehr als solcher zu erkennen ist.

Ein Beispiel für einen noch sehr jungen Sternhaufen ist der am südlichen Himmel im Sternbild "Segel des Schiffs" (lateinischer Name "Vela") gelegene offene Sternhaufen NGC 2547. Der etwa 1.500 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegene Sternhaufen erreicht eine scheinbare Helligkeit von +4,7 mag und kann somit von einem auf der südlichen Hemisphäre gelegenen Beobachtungsstandort bereits problemlos mit einem Fernglas erkannt werden.

Entdeckt wurde NGC 2547 im Jahr 1751 von dem französischen Astronomen Nicolas-Louis de Lacaille während einer astronomischen Forschungsreise zu dem in Südafrika gelegenen Kap der Guten Hoffnung. Die Entdeckung gelang dem Wissenschaftler unter der Verwendung eines winzigen Teleskops mit einer Objektivöffnung von weniger als zwei Zentimetern.

Kürzlich wurde NGC 2547 auch mit dem Wide Field Imager des MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskops am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) abgebildet, welches sich in den chilenischen Anden befindet. Die Sterne von NGC 2547 offenbaren ihr noch relativ junges Alter - die Astronomen gehen von etwa 20 bis 30 Millionen Jahren aus - durch ihr helles, bläuliches Leuchten.

Neben diesen Sternen sind noch weitere Objekte erkennbar. Hierbei handelt es sich um weiter entfernt gelegene oder lichtschwache Sterne in der Milchstraße. Diese gelb oder rot leuchtenden Sterne verfügen über ein deutlich höheres Alter und haben sich teilweise bereits zu Roten Riesen entwickelt. Bei einigen weiteren Objekten, welche in der vergrößerten Version der Aufnahme als unscharfe, räumlich ausgedehnte Objekte erscheinen, handelt es sich dagegen um Galaxien, welche sich viele Millionen von Lichtjahren entfernt befinden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Sojus-TMA 08M pünktlich gestartet
28.03.2013 - Mit dem Raumschiff soll der zweite Teil der ISS-Expedition 35 zur Internationalen Raumstation gelangen. Die Sojus-Trägerrakete hob gegen 21.43 Uhr MEZ vom Startplatz auf dem Kosmodrom Baikonur ab.
Die Besatzung besteht aus Pawel Winogradow, Christopher Cassidy und Alexander Misurkin. Erstmals soll das bemannte Raumschiff die Station innerhalb von nur 4 Erdumläufen, also etwa 6 Stunden nach dem Start, erreichen. Dieses Verfahren wurde zuvor drei Mal mit unbemannten Transportraumschiffen des Typs Progress-MM getestet.

Dies erfordert gegenüber dem bisher üblichen Vorgehen einige Änderungen. Diese betreffen sowohl die ISS-Bahn als auch die Technik an Bord des anfliegenden Raumschiffes. Am Prinzip des Verfahrens ändert sich allerdings nichts. Mit dem Start des Raumschiffes muss man warten, bis der Startplatz möglichst genau in der Bahnebene der Internationalen Raumstation liegt. Zusatzbedingung ist, dass die ISS erst kurz vor diesem Zeitpunkt den darüberliegenden Bahnpunkt durchflogen hat. Hier kommt nun der wesentliche Unterschied zum Tragen.

Beim Annäherungsverfahren innerhalb von 50 Stunden, wie es in den letzten Jahren immer zum Einsatz kam, kann die ISS bis zu 270 Grad dem Raumschiff vorausfliegen. Dafür benötigt sie 67 bis 68 Minuten. Dieser Umstand, dass die Bahnebene den Startort kreuzt und die ISS maximal 68 Minuten voraus ist, tritt täglich einmal ein.

Beim neuen Verfahren müssen die Anpassungsmanöver in kürzerer Zeit aufeinander folgen. In dieser Zeit kann das Raumschiff aber einen so hohen Phasenwinkel von 270 Grad nicht aufholen und gleichzeitig die Bahn der des Ziels angleichen. Der Winkel muss auf etwa 30 Grad begrenzt sein. Das bedeutet, dass die ISS keine 8 Minuten zuvor den Startplatz überflogen haben darf. Dieser Fall tritt nur im Abstand von etwa 3 Tagen einmal ein.

Um langfristig planen zu können, müssen daher die Bahnparameter der Raumstation, insbesondere Flughöhe und Umlaufzeit, über einen längeren Zeitraum konstant bleiben und können nicht an die Bedürfnisse wechselnder Nutzlastanforderungen angepasst werden. Dies ist seit Ende der Shuttle-Flüge gewährleistet. Die Bahn der ISS wurde seit 2011 mehrfach auf derzeit durchschnittlich etwa 410 Kilometer angehoben, die Umlaufzeit auf etwa 92,8 Minuten justiert.

Mit Progress-M16M wurde das schnellere Rendezvousverfahren erstmals getestet. Dabei wurden nach dem ersten Umlauf die Bahnparameter des Raumschiffes mit hoher Präzision vom Boden aus gemessen und zusammen mit den aktuellen Werten der ISS an das Raumschiff übermittelt. Es folgten zwei Bahnmanöver des Raumschiffs zur Reduzierung des Phasenwinkels. Diese müssen vom Raumschiff autonom ausgeführt werden.

Ergibt die anschließende Messung, dass die Manöver im Rahmen der festgelegten Toleranzen erfolgreich waren, werden zwei weitere Bahnkorrekturen ausgeführt, welche das Raumschiff im 4. Orbit zur ISS führen. Hier werden dann mittels des Rendezvoussystems Kurs relativ zur Station die notwendigen kleinen Lage- und Geschwindigkeitskorrekturen berechnet und vorgenommen, die letztlich zum Ankoppeln führen.

Auch der Zeitraum nach der Kopplung wurde etwas gestrafft. Der zunächst in den Konus eingdrungene Dorn wird eingezogen und sorgt dafür, dass sich die eigentlichen Haltebolzen den dafür vorgesehenen Einrastvorrichtungen nähern. Nach dem Einrasten werden die beiden Raumfahrzeuge mit großer Kraft aneinander gepresst, wodurch eine luftdichte Verbindung zustande kommt. Die Prüfung der Dichtheit dieser Verbindung soll nun schneller erfolgen, so dass die Raumfahrer bereits etwa 1,5 Stunden nach der Kopplung die Luken öffnen und ihre Sicherheitsanzüge ablegen können.

Zehn Minuten nach dem Start wurden das Erreichen des Orbits sowie das erfolgreiche Ausfahren der Solarzellenpaneele und Antennen gemeldet. Das erste Bahnmanöver ist bereits 45 Minuten nach dem Start geplant, die Kopplung soll gegen 3.30 Uhr MEZ stattfinden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA, Raumcon, RN)


» Erste Charge O3B-Comsats lieferbereit
30.03.2013 - Der französisch-italienische Satellitenhersteller Thales Alenia Space (TAS) meldete am 28. März 2013, dass die ersten vier Kommunikationssatelliten für O3B Networks (O3B) mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey fertiggestellt wurden und bereit für den Transport zum europäischen Startgelände in Französisch-Guayana sind.
Anfang April will TAS die Satelliten auf den Weg von einem Werk bei Rom in Italien Richtung Kourou in Französisch-Guayana bringen. Von dort aus soll dann eine in Russland gebaute Sojus-Rakete die vier beim Start jeweils rund 700 Kilogramm schweren Satelliten in den Weltraum transportieren. Der Start der Rakete in der Version Sojus-STB mit einer Oberstufe vom Typ Fregat-MT und der Arianespace-Flugnummer VS05 in Kourou ist derzeit für den 26. oder 27. Mai 2013 geplant.

Zwei weitere Gruppen aus jeweils vier Satelliten sollen später in 2013 und im ersten Halbjahr 2014 folgen. Zusammen werden die Raumfahrzeuge eine neue Satellitenkonstellation bilden, die in Umlaufbahnen in mittlerer Höhe, MEO für Medium Earth Orbit genannt, Bindeglieder für Verbindungsstrecken geringer Latenz für Internet- und Kommunikationsdaten bereitstellt.

Die Satelliten werden bei ihren Umkreisungen der Erde rund vier mal näher sein, als es im Geostationären Orbit (GEO) positionierte Erdtrabanten sind. Die kürzere Wegstrecke für Funksignale zwischen der Erde und einem im MEO stationierten Satelliten ermöglicht wegen der resultierenden geringeren Signallaufzeit eine Kommunikation mit weniger Verzögerungen. Kommerziellen Betreibern von Telekommunikationsnetzen und Internetserviceprovidern verspricht O3B Datenübertragungsgeschwindigkeiten, die mit solchen in Glasfasernetzen vergleichbar sind.

Insbesondere für Regionen mit nicht vorhandener oder kaum ausgebauter Netzwerkinfrastruktur am Boden könnten die Satelliten von O3B in rund 8.000 Kilometern über der Erde eine bedeutende Rolle spielen. In diesem Kontext ist auch Namensgebung des Unternehmens zu sehen: O3b steht für "(The) Other 3 Billion", und meint die rund 3 Milliarden Menschen auf der Erde, die aktuell keinen Zugang zum Internet haben.

Auf den Satelliten von O3B kommen Transponder für das Ka-Band zum Einsatz. Pro Satellit werden 12 "duplex Ka-Band communication links" zur Verfügung stehen. Die Verbindung zu vorhandenen Netzen wird über acht sogenannte Gateways am Boden, auch Teleports genannt, hergestellt. Vier dieser Bodenstationen sollen sich künftig auch um die Überwachung und Steuerung der Orbits der Satelliten kümmern. Das zentrale Betriebszentrum für das Netz (network operations center - NOC) von O3B befindet sind in Manassas im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: O3B, TAS)


» Titanoxide beim Riesenstern VY Canis Majoris
30.03.2013 - Einem internationalen Astronomen-Team ist es kürzlich gelungen, in der unmittelbaren Umgebung des Sterns VY Canis Majoris zwei spezielle Titan-Molekül-Verbindungen zu identifizieren. Dieser Stern ist einer der größten bekannten Sterne überhaupt und dürfte seinen Lebenszyklus in naher Zukunft im Rahmen einer Supernova-Explosion beenden. Von ihren Beobachtungen erhoffen sich die beteiligten Astronomen neue Erkenntnisse über die Entstehung von Staub und komplexen Molekülen im Universum.
Im Rahmen ihrer Untersuchungen analysierten die an der Studie beteiligten Astronomen einen im Sternbild "Großer Hund" (lateinischer Name "Canis Major") gelegenen veränderlichen Stern. Der Rote Überriese VY Canis Majoris - oder kurz VY CMa - befindet sich in einer Entfernung von etwa 4.900 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem und gilt als einer der am hellsten leuchtenden Sterne im derzeit untersuchten Universum.

"VY CMa ist kein gewöhnlicher Stern. Es ist einer der größten Sterne, die wir kennen, und er steht nahe am Ende seines Lebens", so Tomasz Kamiński vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR). Dieser Stern verfügt über den 1.000 bis 2.000fachen Durchmesser der Sonne und wäre er in unserem Sonnensystem platziert, so würde er fast die Umlaufbahn des Saturn erreichen.

Der Stern setzte im Verlauf der letzten etwa 1.000 Jahre große Mengen an Material frei, welches dabei einen unregelmäßig geformten Nebel aus Staub und Gas bildete. Der somit sichtbar gewordene Reflexionsnebel entstand dadurch, dass die in der freigesetzten Molekülwolke enthaltenen Staubpartikel das Licht des Zentralsterns reflektieren. Die komplexe Struktur dieses Nebels hat die Astronomen schon über Jahrzehnte hinweg vor ein Rätsel gestellt. Allgemein anerkannt ist, dass sich dieser Nebel als Resultat eines Sternwinds gebildet hat. Aber es ist längst nicht verstanden, worauf die sehr unregelmäßige Struktur dieses Nebels zurückgeführt werden kann. Und es ist ebenfalls noch nicht bekannt, welcher physikalische Prozess die von dem Stern ausgehenden Winde ganz allgemein antreibt. Aufgrund welcher Vorgänge bewegt sich das Material von der Sternoberfläche weg und dehnt sich anschließend in den umgebenden Raum aus?

"Das Schicksal von VY CMa wird sein, als Supernova zu explodieren, aber wir wissen nicht genau, wann das tatsächlich stattfinden wird", so Karl Menten, der Leiter der Forschungsabteilung "Millimeter- und Submillimeter-Astronomie" am MPIfR.

Durch die Beobachtung des Sterns bei verschiedenen Wellenlängen ergeben sich dabei eine Vielzahl von charakteristischen Einzelinformationen über die in der Umgebung befindlichen atomaren und molekularen Gase und Staubteilchen. Daraus können wiederrum die physikalischen Eigenschaften des beobachteten Objekts abgeleitet werden, denn jedes Atom oder Molekül sendet eine in einer ganzen Anzahl von charakteristischen Linien erkennbare Strahlung aus. Diese stellen eine Art "Strichcode" dar, mit dessen Hilfe sich die in diesem Nebel enthaltenen Moleküle identifizieren lassen.

"Die Strahlung in kurzen Radiowellenlängen, den sogenannten Submillimeter-Wellen, ist für die Untersuchung von Molekülen und deren Eigenschaften hervorragend geeignet", so Sandra Brünken von der Universität zu Köln. "Die Identifizierung der Moleküle ist leichter möglich und normalerweise kann man auch eine größere Anzahl von Molekülen beobachten als in anderen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums."

Im Rahmen ihrer Studie des Sterns VY Canis Majoris gelang es dem Astronomenteam dabei erstmals Titanoxid und Titandioxid im Bereich der Radiowellenlängen in der unmittelbaren Umgebung des Sterns zu beobachten. Darüber hinaus ist dies das erste Mal überhaupt, dass Titandioxid im Kosmos identifiziert werden konnte. Dieses Molekül ist uns aus dem alltäglichen Leben als Hauptbestandteil des unter Malern als "Titanweiß" bekannten Weißpigments und ebenso als Zutat von Sonnenschutzmitteln bekannt. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie Titandioxid schon einmal als Bestandteil Ihrer Nahrung aufgenommen haben, da es zur Färbung von Lebensmitteln benutzt wird (aufgeführt unter der Codenummer "171").

Theoretische Überlegungen lassen vermuten, dass Sterne - und hierbei speziell Sterne mit einer sehr niedrigen Oberflächentemperatur - Titanoxide in großen Mengen produzieren, welche anschließend durch den Sternwind in weiter außen gelegene Regionen transportiert werden.

"Titanoxide neigen dazu, sich in Form von Staubpartikeln zusammenzuballen, die dann im Optischen oder im Infraroten sichtbar werden", so Nimesh Patel vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. "Und die katalytische Wirkung von Titandioxid beeinflusst vermutlich die chemischen Prozesse, die auf den Staubkörnern stattfinden", ergänzt Holger Müller von der Universität zu Köln. "Das ist sehr wichtig für die Entstehung von größeren Molekülen im Weltraum."

Absorptionsbanden von Titanoxid (kurz "TiO") im sichtbaren Bereich des Lichtspektrums sind der Wissenschaft dagegen bereits seit mehr als 100 Jahren bekannt. Tatsächlich benutzen die Astronomen diese Linien mittlerweile sogar zur Klassifikation von bestimmten Sterntypen mit niedrigen Oberflächentemperaturen (gemeint sind hierbei Sterne der "Spektralklassen" "M" und "S"). Das Pulsationsverhalten von "Mira-Sternen", einer bestimmten Gruppe von in einem sehr späten Entwicklungsstadium befindlichen veränderlichen Überriesen-Sternen, wird ebenfalls auf den Einfluss von TiO zurückgeführt.

Die Beobachtungen von Titanoxid und Titandioxid zeigen, dass diese beiden Moleküle in der Umgebung von VY CMa in größerer Menge vorhanden sein müssen, und zwar in Regionen, welche auch mehr oder weniger mit den bisherigen theoretischen Überlegungen übereinstimmen. Es scheint jedoch, dass ein bestimmter Anteil dieser Moleküle keinen Staub bildet, sondern gegenwärtig vielmehr in der Gasphase beobachtet wird. Eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass der Staub in der Vergangenheit in dem umgebenden Nebel zerstört wurde und sich daher derzeit wieder im gasförmigen Aggregatzustand befindet. Ein solches Szenario wird dadurch unterstützt, dass Bestandteile des Sternwindes um VY CMa offenbar miteinander kollidieren.

Die neuen Entdeckungen in Submillimeter-Wellenlängen sind vor allem deshalb von Bedeutung, weil dadurch allgemein der Prozess der Staubentstehung detailliert erforscht werden kann. Bei Beobachtungen im optischen Wellenlängenbereich tritt das Problem auf, dass die von den Molekülen ausgesandte Strahlung an Staubpartikeln in dem umgebenden Nebel gestreut wird und sich daraus ein verschwommenes Bild ergibt. Dieser Effekt kann bei Radiowellen im Submillimeter-Bereich vernachlässigt werden und ermöglicht den Astronomen dadurch wesentlich präzisere Messungen.

Die Entdeckung von Titanoxid und Titandioxid im Spektrum von VY CMa erfolgte mit dem "Submillimeter-Array" (kurz "SMA"), einem "Radiointerferometer" auf dem Mauna Kea auf Hawaii/USA. Da dieses Radioteleskop insgesamt acht Einzelantennen miteinander verbindet, welche ein virtuelles Teleskop von 226 Metern Durchmesser ergeben, konnten die Astronomen ihre Messungen mit bislang nicht erreichter Empfindlichkeit und Winkelauflösung durchführen. Eine Bestätigung der neuen Entdeckungen erfolgte später mit dem Plateau-de-Bure-Interferometer (kurz "PdBI") des IRAM-Instituts in den französischen Alpen.

Erst kürzlich erfolgte am 13. März 2013 die offizielle Inbetriebnahme des "Atacama Large Millimeter/submillimeter Array" (kurz "ALMA") durch die Europäische Südsternwarte (ESO). "ALMA wird die Untersuchung von Titanoxiden und weiteren Molekülen in VY CMa bei sogar noch besserer Auflösung ermöglichen", so Tomasz Kamiński. "Damit lassen unsere Resultate einiges für zukünftige Entdeckungen erwarten."

Die im Rahmen der Studie von VY Canis Majoris gewonnenen Erkenntnisse wurden kürzlich von Tomasz Kamiński et al. in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" unter dem Titel "Pure rotational Spectra of TiO and Tio2 in VY Canis Majoris" publiziert.

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Fachartikel von Tomasz Kamiński et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Universität Köln, HST)


» Neue Klasse von Supernova-Explosionen entdeckt
31.03.2013 - Astronomen gelang kürzlich die Entdeckung einer bisher unbekannten Art von Supernova-Explosionen.
Im Universum befinden sich unzählige Wolken aus interstellarem Gas und Staub, welche sogenannte Sternentstehungsgebiete bilden. Bedingt durch das Kollabieren dieser Wolken setzt bei diesen neu entstehen Sternen schließlich ein Wasserstoffbrennen ein und die neu "geborenen" Sterne beginnen damit, Strahlung in das umgebende Weltall auszusenden. Abhängig von verschiedenen Faktoren ist jedoch nach mehreren Millionen bis Milliarden von Jahren der für dieses Wasserstoffbrennen benötigte Vorrat an Wasserstoff aufgebraucht und die Sterne treten in die letzte Phase ihres Lebenszyklus’ ein.

Relativ massearme Sterne beenden ihr Leben dabei als sogenannte Weiße Zwerge - ein Schicksal, welches zum Beispiel auch das Zentralgestirn unseres Sonnensystems in etwa acht Milliarden Jahren ereilen wird. Deutlich massereichere Sterne beenden die letzte Phase ihrer Existenz dagegen mit einem "kosmischen Knalleffekt" - einer Supernova-Explosion.

Bei einer Supernova handelt es sich um eine gigantische Sternexplosion, welche sich am Ende der letzten "Lebensphase" eines bestimmten Sterntyps ereignet. Sobald Sterne mit einer ursprünglichen Ausgangsmasse von mehr als acht Sonnenmassen ihren nuklearen Brennstoff verbraucht haben, kollabiert ihr Kern unter der eigenen Masse. Daraus resultiert eine gewaltige Explosion, bei der große Teile der Sternmaterie nach außen geschleudert werden, woraus sich dann ein Supernovaüberrest bildet.

Abhängig von verschiedenen Kriterien werden diese Supernovae von den Astronomen in zwei Haupt- und verschiedene Unterkategorien unterteilt. Im Rahmen ihrer Forschungen ist es jetzt einem internationalem Astronomenteam gelungen, eine bisher unbekannte Art dieser Supernovae zu identifizieren. "Seit mittlerweile über tausend Jahren beobachten Menschen Supernovaexplosionen", so Ryan Foley vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge/USA. "Und die ganze Zeit über hat sich diese neue Klasse im Verborgenen versteckt."

Dabei tritt diese neu entdeckte Klasse von Sternexplosionen - sie wurde von den Entdeckern mit der Bezeichnung "Supernovaexplosion vom Typ Iax" belegt - keineswegs selten auf. Nach dem bisherigen Kenntnisstand dürften die "Iax"-Sternexplosionen einen nicht unwesentlichen Teil der stattfindenden Supernovae-Explosionen repräsentieren. Auf etwa drei Explosionen der Kategorie Ia sollte statistisch gesehen eine weitere Supernova des Typs Iax entfallen. Der Grund für die erst kürzlich erfolgte Entdeckung liegt vielmehr darin begründet, dass solche Explosionen bisher schlichtweg "übersehen" wurden, da sie etwa hundertmal schwächer als "normale" Supernovae leuchten.

Im Rahmen ihrer Arbeit, welche kürzlich für eine Publikation in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal" akzeptiert wurde, konnten die Astronomen 25 Supernovae der Kategorie Iax identifizieren. Durch die Bezeichnung "Iax" soll deren Ähnlichkeit zu den bereits bekannten Supernovaexplosionen des Typs "Ia" ausgedrückt werden. Bei einer "Ia"-Supernova handelt es sich um das letzte Stadium von einem in einem Doppelsternsystem befindlichen Weißen Zwerg, welcher zuvor Materie von seinem Partnerstern abgezogen hat. Nach dem Überschreiten einer kritischen Masse zündete im Inneren des Weißen Zwerges erneut ein Kernfusionsprozess, welcher den Stern in der Folge komplett zerrissen hat.

Aufgrund ihrer Beobachtungsdaten gehen Ryan Foley und seine Kollegen bei Supernovae vom Typ Iax von einen ähnlichen Mechanismus aus. Die Partnersterne der Weißen Zwerge haben demzufolge ihre aus Wasserstoff bestehenden Außenschichten bereits in das umgebende Weltall abgestoßen und bestehen fast nur noch aus Helium. Teile des Heliums strömen jetzt langsam zu dem Weißen Zwerg, wo es sich auf dessen Oberfläche sammelt und so langsam die Masse des Weißen Zwerges erhöht.

Der dann letztendlich einsetzende Kernfusionsprozess verläuft jedoch langsamer als bei Supernovae des Typs Ia und dürfte eher einer Verpuffung als einer Explosion ähneln. Aus diesem Grund, so die Astronomen, könnte der Weiße Zwerg daher den erfolgenden Ausbruch überstehen ohne vollständig zerrissen zu werden.

"Eine Supernova vom Typ Iax ist somit im Wesentlichen eher eine Art Mini-Supernova", so Ryan Foley.

Auffällig bei der Entdeckung war, dass diese neu entdeckten Supernovae durchweg nicht in elliptischen Galaxien auftraten, welche relativ alte Sterne beherbergen. Dies verleitet zu den Schluss, dass Iax-Supernovae vornehmlich in Galaxien auftreten, welche über ein relativ junges Alter verfügen. Speziell durch die Verwendung des derzeit noch im Bau befindlichen Large Synoptic Survey Telescope erhoffen sich die an den Untersuchungen beteiligten Astronomen den Nachweis von weiteren mehreren Tausend Supernovae des Typs Iax.

"Je genauer wir hinschauen, desto mehr Wege finden wir, auf denen Sterne explodieren", so Mark Phillips vom Carnegie Institution for Science, einer der an der Studie beteiligten Astronomen.

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Fachartikel von Ryan J. Foley et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Carnegie Institution for Science, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics)



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Mars Aktuell: Curiosity setzt seine Untersuchungen fort von Redaktion



• Curiosity setzt seine Untersuchungen fort «mehr» «online»
• MOM: Integration der wissenschaftlichen Nutzlast «mehr» «online»


» Curiosity setzt seine Untersuchungen fort
26.03.2013 - Nach einer durch ein Computerproblem bedingten dreiwöchigen Zwangspause hat der Marsrover Curiosity in der vergangenen Woche sein wissenschaftliches Programm wieder aufgenommen.
Bereits Ende Februar 2013 trat bei dem von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Marsrover Curiosity ein Computerproblem auf, welches zur Folge hatte, dass sich der Rover in einen Sicherheitsmodus versetzte. Dadurch bedingt konnte der Rover in den folgenden Wochen keine weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen mehr durchführen. Im Rahmen der Fehlerbehebung wurde Curiosity von den für die Kontrolle des Rovers zuständigen Mitarbeitern des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien auf ein redundantes Computersystem umgeschaltet und zudem mit verschiedenen Updates seiner Betriebssoftware ausgestattet (Raumfahrer.net berichtete).

Diese Arbeiten konnten Ende der vergangenen Woche erfolgreich abgeschlossen werden und bereits seit dem 21. März sammelt Curiosity wieder wissenschaftliche Daten. Als erstes wurde dazu an diesem Tag die Wetterstation REMS reaktiviert. Am 23. März wurde dem Analyseinstrument SAM zudem zwecks weiterer Untersuchungen erneut Material aus einer Bodenprobe zugeführt, welches zuvor im Rahmen einer Bohrung aus der Marsoberfläche gewonnen wurde. Auch der Strahlungsdetektor RAD befindet sich mittlerweile wieder im Betriebsmodus und die wissenschaftliche Hauptkamera des Rovers, die MastCam, konnte in den vergangenen Tagen eine Vielzahl neuer Aufnahmen anfertigen und an das Kontrollzentrum übermitteln.

"Wir befinden uns somit wieder im vollen wissenschaftlichen Betriebsmodus", so Jim Erickson, der stellvertretende Projektmanager der Curiosity-Mission vom JPL.

Umschaltung der Steuerungskameras

Die Wiederinbetriebnahme des Rovers war mit einer komplizierten und zeitaufwändigen Prozedur verbunden. Bedingt durch das Umschalten von der zuvor verwendeten A-Side des Computersystems auf die jetzt als primäres System eingesetzte B-Side mussten auch verschiedene, fest mit diesem Computersystem verbundene redundante Subsysteme aktiviert und anschließend überprüft werden.

Bei einem dieser Systeme handelt es sich um die für die Steuerung des Rovers auf der Marsoberfläche benötigten Navigationskameras (kurz "NavCams") und die vorderen und hinteren Gefahrenvermeidungskameras (kurz "Front HazCams" und "Rear HazCams"). Jedes dieser Systeme besteht aus jeweils vier einzelnen Kameras, von denen immer zwei fest mit einem Computersystem verbunden und ausschließlich von diesem genutzt werden können.

Aus diesem Grund waren bis Ende Februar lediglich die sechs fest mit der A-Side verbundenen Steuerungskameras aktiv und die erstmalige Inbetriebnahme der "Reservekameras" wurde von den Mitarbeitern des JPL mit einer gewissen Spannung erwartet. Die Anordnung dieser Kameras ermöglicht unter anderem die Anfertigung von 3D-Bildern, mit deren Hilfe die Umgebung des Rovers räumlich dargestellt werden kann. Solche Aufnahmen sind notwendig, damit die für die Planung einer Fahrt verantwortlichen Roverdriver eine sichere Route durch das zu passierende Gelände festlegen können oder damit der an der Frontseite des Rovers montierte Instrumentenarm mit der notwendigen Präzision gesteuert werden kann.

Sollten die mit der B-Side verbundenen Kameras nicht einwandfrei funktionieren, so würde dies zu erheblichen Komplikationen im Weiterbetrieb des Rovers führen. Es zeigte sich jedoch, dass alle sechs redundanten Kameras einwandfrei arbeiten.

"Seit dem April 2012 - damals befanden wir uns noch auf dem Weg zum Mars - haben wir die Steuerungskameras der B-Side jetzt erstmalig erneut eingesetzt", so Justin Maki, der Leiter des für diese Kameras verantwortlichen Teams des JPL. "Jetzt haben wir diese Kameras auch erstmals auf dem Mars benutzt und alle arbeiten fehlerfrei."

Sonnenkonjunktion

Neben der Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeiten konzentrieren sich die Mitarbeiter der Curiosity-Mission derzeit auch auf die demnächst anstehende Sonnenkonjunktion. Hierbei handelt es sich um eine spezielle, etwa alle 26 Monate auftretende Planetenkonstellation, bei der sich der Mars von der Erde aus gesehen in einem Abstand von weniger als fünf Grad von der Sonne befindet. Zum Zeitpunkt seines geringsten Abstandes wird sich der Mars dabei am 18. April lediglich 0,4 Grad - dies ist weniger als ein Vollmonddurchmesser - unterhalb der Sonne befinden.

Aus diesem Grund wird die Datenübertragung zwischen der Erde und dem Mars im April 2013 stark eingeschränkt beziehungsweise für die Dauer von mehren Tagen sogar nahezu unmöglich sein, da die von der Sonne ausgehende Strahlung die Funksignale, welche zwischen den beiden Planeten hin und her gesandt werden, zu sehr stört.

Im Zeitraum zwischen dem 4. April und dem 1. Mai wird deshalb keine Transmission von Kommandos von der Erde aus in Richtung Mars erfolgen, um den Empfang von eventuell unvollständigen und damit fehlerhaften Kommandosequenzen durch Curiosity zu vermeiden.

Deshalb werden die Missionsmitarbeiter dem Rover in den kommenden Tagen ein ausführliches "Arbeitsprogramm" übermitteln, welches der Rover anschließend in den folgenden Wochen automatisch abarbeiten soll. Die in diesem Zeitraum von dem Rover gesammelten Daten sollen dann zunächst in dessen Bordcomputer abgelegt und erst nach dem Ende der Sonnenkonjunktion zur Erde übermittelt werden. Nach der Auswertung dieser Daten ist für Anfang Mai mindestens eine weitere Bohrung vorgesehen. Erst nach der Analyse der dabei gewonnenen Bodenproben wird der Rover seine Fahrt wahrscheinlich frühestens Mitte Mai 2013 fortsetzen und sich dabei zu der Basis des im Inneren des Gale-Kraters gelegenen Zentralberges Aeolis Mons begeben.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 226 seiner Mission, hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von etwa 746 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. In diesem Zeitraum haben die Kamerasysteme des Rovers bisher 49.339 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena/Kalifornien übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» MOM: Integration der wissenschaftlichen Nutzlast
31.03.2013 - Nach Informationen aus unterschiedlichen Quellen hat die Indische Weltraumforschungsorganisation (ISRO) mit der Integration der wissenschaftlichen Instrumente in ihren Marsorbiter namens Mangalyaan begonnen.
Ende November 2013 soll die gerade im Entstehen befindliche Raumsonde, von der ISRO auch als MOM für Mars Orbiter Mission bezeichnet, Richtung Mars auf den Weg gebracht werden. Nach einem 10 Monate dauernden Überflug würde die Sonde den Mars im September 2014 erreichen und in einen Orbit um den roten Planeten einschwenken, wenn alle Manöver so abgewickelt werden können wie geplant.

Die Grundstruktur des Marsorbiters befindet sich laut nicht konkret bezeichneter Quellen in einem Reinraum, wo der Einbau des Antriebssystem für den unbetankt insgesamt rund 500 Kilogramm schweren Orbiter vor dem Abschluss stehe.

Entwurf und Konstruktion der Instrumente, die Indien an Bord des Marsorbiters zur Untersuchung des Mars einsetzen will, sind abgeschlossen. Die Instrumente wurden nach Angaben aus Indien zwischenzeitlich an das ISRO Satellite Centre (ISAC) in Bangalore geliefert. Dort habe man mittlerweile mit den Arbeiten für den Einbau der Instrumente in das Raumfahrzeug mit einem zuletzt genannten projektierten Startgewicht von rund 1.350 Klioramm begonnen, heißt es.

Indiens erste Planetenmission wird laut Plan mit dem Start auf einer Rakete des Typs PSLV-XL mit der Flugnummer C25 vom Satish Dhawan Space Centre (SDSC) auf der Insel Sriharikota beginnen. Die Rakete soll die Marssonde nach Angaben der ISRO auf einer idealer Weise um 17,864 Grad gegen den Erdäquator geneigten Erdumlaufbahn mit einem Perigäum, dem der Erde nächstliegenden Bahnpunkt, von etwa 250 Kilometern und einem Apogäum, dem erdfernsten Bahnpunkt, von rund 23.000 Kilometern aussetzen. Anschließend müssen sechs Brennphasen des 440 Newton starken Apogäumsmotors an Bord erfolgreich abgewickelt werden, bevor Mangalyaan schließlich auf einen hoch elliptischen Orbit um Mars gelangt.

Auf der Umlaufbahn um Mars wird Mangalyaan regelmäßig einen größten Abstand von rund 80.000 Kilometern zur Planetenoberfläche erreichen, und sich genauso regelmäßig der Oberfläche auf rund 372 Kilometer annähern. Dabei durchdringt die Sonde immer wieder die oberen Atmosphärenschichten und die Ionosphäre von Mars, was es ermöglicht, deren veränderliche Zusammensetzungen zu untersuchen. Für einen solchen Umlauf wird die Sonde rund drei Erdtage benötigen.

Neben der Technik für die Atmosphärenforschung besitzt die wissenschaftliche Nutzlast von Mangalyaan auch Geräte für die Untersuchung der Planetenoberfläche und mineralogische Forschung. Ausgewählt wurden die zum Mitflug an Bord der Sonde vorgesehenen Instrumente von einer indischen Beratergruppe für Weltraumwissenschaften, einem ADCOS für Advisory Committee for Space Sciences genannten Gremium.

Das erste in der Umsetzung befindliche indische Marsprojekt leidet unter Gewichtsbeschränkungen, da man für den Start nicht wie ursprünglich einmal vorgesehen eine leistungsstärkere Rakete des Typs GSLV verwenden kann. Die für die wissenschaftliche Nutzlast zur Verfügung stehende Masse wurde zuletzt von rund 25 auf ca. 15 Kilogramm reduziert.

Jetzt soll Mangalyaan mit fünf zu Forschungszwecken vorgesehenen Gerätekomplexen mit einer Gesamtmasse von ~ 14,49 Kilogramm ausgerüstet werden:

1.) Das LAP für Lyman Alpha Photometer genannte Photometer vom Labor für elektrooptische Systeme (LEOS) aus Bangalore mit einer Masse von rund 1,5 Kilogramm soll die Ausdünnung der Hochatmosphäre des Mars untersuchen und dazu das aktuelle Wasserstoff/Deuterium-Verhältniss ermitteln. Dessen Vergleich mit dem über Kometen und Asteroiden beobachtetem soll Aussagen über den Wasserstoff- bzw. Wasserverlust von Mars ermöglichen.

2.) Die Farbkamera namens MARS Colour Camera (MCC) ist in der Lage, Farbbilder vom Planeten, seiner Oberfläche und Himmelskörpern in seiner Umgebung zu liefern. Die Masse der Kamera vom Zentrum für Raumfahrtanwendungen (SAC) in Ahmedabad beträgt ~ 1,4 Kilogramm. Von ihr erwartet man sich insbesondere topographische Informationen, Daten zur Kartierung der Polkappen von Mars und neue Anhaltspunkte über Ursache, Auftreten und Verhalten von Staubstürmen und Staubteufeln, einer Art marsiansicher Wirbelstürme.

3.) Das als Martian Exospheric Neutron Composition Explorer (MENCA) bezeichnete Instrument dient der Bestimmung der Zusammensetzung der oberen Atmosphärenschichten von Mars. Ihre Untersuchung soll Nutzen bringen für das Vertändnis des Verlusts einer dichten Atmosphäre und den durch den Verlust verursachten Einfluss auf das Mars-Klima. Die Masse von MENCA liegt bei rund 4 Kilogramm. Es ist ein Beitrag des Vikram Sarabhai Labors für Weltraumphysik (VSSC) aus Thiruvananthapuram.

4.) Der vom SAC bereitgestellte Methane Sensor for MARS (MSM) ist in der Lage, das Vorhandensein von Methan mit einer Genauigkeit im Bereich von einem Teilchen pro einer Milliarde Teilchen festzustellen. Methan kann ein Indikator dafür sein, dass einmal Leben auf dem Mars existiert hat. Die Masse des Sensors beträgt 3,59 Kilogramm.

5.) Das TIS für TIR (thermal infrared) imaging spectrometer genannte Instrument mit einer Masse von rund 4 Kilogramm ermöglicht die Gewinnung von Daten über Struktur und Zusammensetzung der Marsoberfläche. Dabei bedient es sich der vom Planeten ausgesendeten Wärmestrahlung. Das Gerät kommt ebenfalls vom SAC.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Deccan Herald, DNA, Indian Express, ISRO)



 

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Saturn Aktuell: Cassinis Saturnorbit Nummer 186 von Redaktion



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» Cassinis Saturnorbit Nummer 186
28.03.2013 - Vor wenigen Stunden begann die Raumsonde Cassini einem neuen Umlauf um den Saturn. Den Höhepunkt dieses 12 Tage andauernden Orbits Nummer 186 bildet ein am 5. April erfolgender dichter Vorbeiflug an dem Saturnmond Titan.
Vor wenigen Stunden erreichte die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 03:17 Uhr MEZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini in einer Entfernung von rund 1,47 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren 186. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell verfügt die Raumsonde auf ihrer Saturnumlaufbahn immer noch über eine Inklination von 57 Grad.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 12 Tage andauernden Orbits Nummer 186 - dieser trägt die Bezeichnung "Rev 185" - insgesamt 26 Beobachtungskampagnen vorgesehen.

Die erste dieser Kampagnen hatte vor wenigen Stunden den kleineren, äußeren Saturnmond Hyrrokkin zum Ziel, welcher sich dabei in einer Distanz von rund 9,49 Millionen Kilometern zu der Raumsonde befand. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn und einem mittleren Durchmesser von rund acht Kilometern ist über diesen erst im Jahr 2006 entdeckten Mond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Unterschiede in den sich bei den Beobachtungen ergebenden Lichtkurven und einem Abgleich mit vorherigen Beobachtungsdaten sollen die Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebenden Rotationsperiode von Hyrrokkin näher bestimmt werden. Diese Beobachtungssequenz ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus jeweils mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Bis zum 31. März wird sich die ISS-Kamera dann mehrfach auf den Saturn und den größten von dessen bisher 62 bekannten Monden, den 5.150 Kilometer durchmessenden Mond Titan, richten und deren obersten Atmosphärenschichten abbilden. Durch diese Aufnahmen sollen erneut aktuelle Daten über das dortige Wettergeschehen gesammelt werden. Durch die Beobachtung von markanten Wolkenformationen lassen sich zum Beispiel Aussagen über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und -geschwindigkeiten tätigen.

Für den 1. April ist schließlich die Beobachtung einer Sternokkultation geplant. Hierbei wird der im Sternbild Kassiopeia gelegene veränderliche Rote Riesenstern R Cassiopeiae von Teilen den Ringsystems bedeckt. Durch die sich dabei ergebenden Helligkeitsschwankungen in der Lichtkurve von R Cassiopeiae erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über den Aufbau und die Struktur der den Stern bedeckenden Ringe.

Durch die zeitliche Abfolge der auftretenden Helligkeitsschwankungen und deren Intensität können so zum Beispiel Rückschlüsse über die Lichtdurchlässigkeit und somit über die Materialdichte der einzelnen Ringstrukturen gewonnen werden. Neben der ISS-Kamera ist für diese Beobachtung der Einsatz von einem der Spektrometer der Raumsonde, dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), vorgesehen.

Am 3. April wird Cassini um 03:46 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während dieses Orbits Nummer 186, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 423.880 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Zwischen dem 2. und dem 4. April sind mehrere Beobachtungen der inneren Saturnmonde Enceladus und Mimas und des Ringsystems des Saturn vorgesehen. Außerdem sollen in diesem Zeitraum zwei weitere Sternokkultationen dokumentiert werden.

Zwei Tage nach dem Passieren der Periapsis wird Cassini am 5. April schließlich um 23:44 MESZ im Rahmen eines gesteuerten Vorbeifluges den Saturnmond Titan in einer Entfernung von 1.400 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 5,8 Kilometern pro Sekunde passieren. Bedingt durch diesen Vorbeiflug wird sich die Inklination der Raumsonde auf einen Wert von 61,7 Grad erhöhen. Dieser mittlerweile 91. gesteuerte Vorbeiflug am Titan, das Manöver trägt die Bezeichnung "T-90", ist der zweite von insgesamt acht in diesem Jahr erfolgenden Vorbeiflügen am Titan. Der nächste aktiv gesteuerte Vorbeiflug wird am 23. Mai 2013 erfolgen.

Während der Annäherungsphase an den Titan wird das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) die Nachtseite dieses Mondes abtasten und dabei Daten über die in der Stratosphäre herrschenden Temperaturen sammeln. Außerdem sollen die gesammelten Daten genutzt werden, um die Verteilung von Aerosolen und verschiedener chemischer Verbindungen in den oberen Schichten der Titanatmosphäre zu bestimmen.

Während der Phase der dichtesten Annäherung wird das VIMS-Instrument die wissenschaftlichen Aktivitäten der Raumsonde bestimmen. Das Spektrometer soll dabei speziell die Oberfläche des Titan untersuchen und im Rahmen dieser Arbeiten verschiedene ausgedehnte Dünenfelder abbilden. Während der Abflugsphase wird dann das CIRS seine Temperaturmessungen fortsetzen. All diese Instrumentenaktivitäten sollen durch begleitende Aufnahmen der ISS-Kamera unterstützt werden, welche dabei zusätzlich die im sichtbaren Wellenlängenbereich des Lichtes erkennbaren Wolkenformationen in der Titanatmosphäre dokumentieren soll.

Am 7. April 2013 wird die Raumsonde Cassini schließlich um 19:49 MESZ in einer Entfernung von rund 1,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und auch diesen 186. Orbit um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbit Nummer 187 sind erneut verschiedene Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn vorgesehen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Dragon-CRS-2-Kapsel gewassert von Redaktion



• Dragon-CRS-2-Kapsel gewassert «mehr» «online»
• Kopplung erfolgreich, ISS-Besatzung komplett «mehr» «online»


» Dragon-CRS-2-Kapsel gewassert
26.03.2013 - Die zweite reguläre Frachtmission des kommerziellen Anbieters Space Exploration Technologies (SpaceX) zur Internationalen Raumstation ist erfolgreich zu Ende gegangen. Vor wenigen Minuten wasserte die Kapsel im Pazifik, nahe der kalifornischen Küste.
Eine Bergungsoperation ist bereits angelaufen. An Bord der Kapsel befinden sich etwa 1.210 kg Rückfracht. Der größte Teil davon, etwa 660 kg, sind gut verpackte, teils tiefgekühlte Ergebnisse wissenschaftlicher Experimente sowie Teile von Experimentiereinrichtungen, die im Auftrag der NASA und anderer Raumfahrtorganisationen der ISS-Partner an Bord der Internationalen Raumstation durchgeführt bzw. verwendet wurden.

Für die kanadische CSA sind Proben und Hardware-Teile von Microflow und Vascular an Bord, für die ESA Ergebnisse bzw. Teile von Energy und Biolabs und für die JAXA Materialien von Medaka, Hair, Stem Cells, Hikari, EPO und MIP2. Der größte Teil der Proben und zurückgeführten Utensilien stammen von Experimenten der NASA, darunter HRP, BCAT, BRIC, Cell Bio Tech, CGBA, PIG und SCK.

Es wurde aber auch ein Teil der Stationseinrichtung für Untersuchungen zur Erde zurückgeführt. Dies sind insgesamt 401 kg eines medizinischen Systems (Crew Health Care System), eines Umweltkontrollsystems (Environmental Control and Life Support System), des Stromversorgungssystems EPS (Electric Power System) sowie von TCTT.

Dragon war heute Mittag gegen 11.56 Uhr MEZ vom Manipulatorarm der ISS entlassen worden und hatte nach mehreren Abstandsmanövern gegen 16.42 Uhr MEZ mit dem etwa zehnminütigen finalen Bremsmanöver begonnen. Kurz darauf trat die Kommandokapsel in dichtere Schichten der Erdatmosphäre ein und wurde dadurch stark abgebremst. Anschließend öffneten sich zunächst Pilot- und später die drei Hauptfallschirme, die den Flug weiter bremsten. Gegen 17.34 Uhr wasserte die Kapsel im Pazifik bei den Koordinaten 30,5° Nord, 120° West.

Dragon-CRS 2 war am 1. März an der Spitze einer Falcon-9-Trägerrakete gestartet und wurde zwei Tage später an der Internationalen Raumstation festgemacht. Mit der Wasserung ging die dritte erfolgreiche Mission eines Dragon-Raumschiffs zur ISS zu Ende.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceX, Raumcon)


» Kopplung erfolgreich, ISS-Besatzung komplett
29.03.2013 - Das gestern Abend gestartete Raumschiff Sojus-TMA 08M hat planmäßig gegen 3.28 Uhr MEZ an der Internationalen Raumstation angekoppelt.
Damit ist die Besatzung der Internationalen Raumstation wieder komplett. In den kommenden Monaten werden Pawel Winogradow, Christopher Cassidy und Alexander Misurkin gemeinsam mit Chris Hadfield, Roman Romanjenko und Thomas Marshburn Experimente betreuen bzw. durchführen und die Station in Betrieb halten. Auf dem Programm stehen 181 wissenschaftlich-technische Experimente auf den Gebieten Medizin, Biologie, Physik, Technologie und Erderkundung. Außerdem sollen mehrere Außenbordeinsätze absolviert werden.

Bereits Mitte April sollen Pawel Winogradow und Roman Romanjenko ein Plasmaexperiment an der Außenseite installieren und Proben eines Biologieexperiments sowie eines Materialexperiments bergen. Drei weitere Einsätze erfolgen während der Expedition 36, an denen Alexander Misurkin beteiligt sein wird. Ebenfalls im Rahmen der Expedition 36 wird Christopher Cassidy an zwei Ausstiegen beteiligt sein, in deren Verlauf u.a. Vorbereitungen für die Ankunft des Mehrzweckmoduls Naúka getroffen werden sollen.

Erstmals hatte man den schnellen Anflug an die ISS mit einem bemannten Raumschiff ausgeführt. Dabei erfolgen die notwendigen Bahnmanöver in kürzeren Zeitabständen, was eine präzise und autonome Berechnung der Bahndaten und Korrekturen an Bord des Raumschiffes erfordert.

Die Luken zwischen Raumschiff und Station wurden gegen 5.35 Uhr geöffnet und die Neuankömmlinge willkommen geheißen. Anschließend gab es eine kurze Videokonferenz mit dem Kontrollzentrum in Moskau mit offiziellen Glückwünschen und kurzen Gesprächen mit Verwandten.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA)



 

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"InSpace" Magazin #488
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
3. April 2013
Auflage: 4888 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Timo Lange
Daniel Maurat
Kirsten Müller
Simon Plasger
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