InSpace Magazin #485 vom 4. Februar 2013

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #485
ISSN 1684-7407


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Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 181

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

unter den Nachrichten des heutigen Inspace-Magazins stechen für mich zwei besonders hervor, die den technischen Fortschritt in der Raumfahrt illustrieren. Bei beiden Nachrichten geht es um Raumstationen. Die eine (im Erdorbit) soll aufblasbar sein. Die andere (auf dem Mond) soll ausdruckbar sein. Noch vor 20 oder 30 Jahren hätte man beide höchstens in Science-Fiction-Geschichten vermutet. Bisher sind beide Stationen zwar noch im Planuingsstadium, aber die jeweiligen Grundlagentechnologien sind bereits erprobte Realität und müssen "nur noch" im Weltraum angewendet werden. Mehr dazu in den nachfolgenden News, zu denen ich Ihnen jetzt viel Spaß wünsche.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• Zenit fliegt statt ins All ins Meer «mehr» «online»
• Bigelow will seine Station 2016 starten ... «mehr» «online»
• ESA: Mondbasis selbstgedruckt «mehr» «online»
• Kepler wieder im Beobachtungseinsatz «mehr» «online»
• Euclid soll Licht ins Dunkel bringen «mehr» «online»
• Feuer in der Dunkelheit bei NGC 1999 «mehr» «online»
• Zwei japanische Aufklärungssatelliten gestartet «mehr» «online»
• Arianespace resümiert und blickt in die Zukunft «mehr» «online»
• Atlas V mit TDRS-K in Rekordzeit startklar gemacht «mehr» «online»
• Ein kometenartiger Plasmaschweif bei der Venus «mehr» «online»
• Naro 1 im dritten Anlauf erfolgreich «mehr» «online»
• Iran schickt Äffchen zu Kurztrip ins All «mehr» «online»
• SNC präsentiert Lockheed-Martin als Dream-Partner «mehr» «online»
• Chamäleon-Pulsar verwirrt die Astronomen «mehr» «online»
• Atlas V: Premiere „Start ohne Generalprobe“ gelungen «mehr» «online»
• Die Masse der Staubscheibe um TW Hydrae «mehr» «online»


» Zenit fliegt statt ins All ins Meer
01.02.2013 - Heute früh endete ein Startversuch mittels einer Zenit-Trägerrakete mit einem Absturz. Bereits kurz nach dem Abheben wich die Rakete offenbar weit von ihrem vorprogrammierten Kurs ab.
Daraufhin wurden das Triebwerk abgeschaltet. Dies geschah etwa 25 Sekunden nach dem Abheben. Danach wurde die Übertragung des Starts abgebrochen.

Bisher wurde nur wenig über die Ursache des Versagens bekannt. Wahrscheinlich aber hat es mit der Steuerung zu tun. Vermutet wird ein Defekt im Gyroskop-System. Dieses liefert Basisinformationen für die Lage der Rakete. Wenn diese Informationen fehlerhaft sind, dann sind auch die auf deren Basis berechneten Korrekturen falsch und verschlimmern die Situation nur.

Offenbar hatte man dies bereits kurz nach dem Start erkannt und das Triebwerk der Rakete deaktiviert. Infrage käme aber auch ein automatisches Abschaltsystem, welches in Aktion trat, als erkannt wurde, dass die Fehler nicht mehr korrigierbar waren.

Die Zenit hätte eigentlich den Kommunikationssatelliten Intelsat 27 in einen Geo-Transferorbit bringen sollen. Dieser verfügte über je 20 Transponder im C- bzw. Ku-Band sowie über die Möglichkeit 20 UHF-Kanäle nutzen zu können. Geplant war ein etwa 15-jähriger Betrieb bei 55,5 Grad West im Geostationären Orbit. Dort sollte er die in die Jahre gekommenen Satelliten Galaxy 11 und Intelsat 805 ersetzen.

Zwar waren sowohl Satellit als auch Start versichert, allerdings ist das Auftragsbuch von SeaLaunch aufgrund früherer Fehlschläge gegenwärtig praktisch leer. Es existieren lediglich ein paar Optionen und Reservebuchungen. Der neuerliche Totalverlust ist nicht geeignet, das Vertrauen potenzieller Kunden in die Sea-Launch-AG zu stärken.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: RIA Nowosti, Raumcon)


» Bigelow will seine Station 2016 starten ...
01.02.2013 - ... und diese an "Unternehmen, Regierungen, vermögende Einzelpersonen oder Jeden sonst, der einen Platz im All haben möchte" vermieten. Dies gab Robert Bigelow gegenüber der Zeitschrift "Popular Mechanics" preis.
Bereits kurz zuvor waren Informationen über die zu erwartenden Preise für den Start von Personen mit einem Dragon-Raumschiff von Space Exploration Technologies (SpaceX) sowie einem CST-100 von The Boeing Company bekannt geworden. Offenbar hat Bigelow entsprechende Vereinbarungen getroffen. Diese sehen vor, dass Flug und Aufenthalt in der Station Bigelow Alpha mit einem Dragon-Raumschiff als Zubringer 26,25 Millionen US-Dollar und mit einer CST-100-Kapsel 36,75 Millionen US-Dollar kosten sollen. Dies schließt den Start mit einer Falcon 9 bzw. einer Atlas 5 ein.

Geht man davon aus, dass jeweils 6 Personen Gäste an Bord des Raumschiffes sein werden, kommt man auf Missionskosten von reichlich 150 Millionen bzw. rund 220 Millionen US-Dollar.

Die Station soll wahrscheinlich (zunächst) aus zwei BA-330-Modulen bestehen, von denen jedes einen Rauminhalt umfasst, der etwa dem Zweieinhalbfachen des Volumens des US-Labors Destiny der Internationalen Raumstation entspricht.

Vor wenigen Wochen hatte Bigelow mit der NASA die Entwicklung eines kleineren Testmoduls vereinbart, welches 2015 im Rumpf einer Dragon zur Internationalen Raumstation transportiert werden soll. Hier soll es an Tranquility angedockt und anschließend entfaltet werden. Zwei Jahre soll der Test dauern, bei dem die NASA herausfinden möchte, ob derartige Module die gleiche Sicherheit bieten wie solche mit starrer Hülle.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NewSpaceWatch)


» ESA: Mondbasis selbstgedruckt
02.02.2013 - Die Raumfahrt lebt von öffentlichem Zuspruch, und der braucht Visionen. Die ESA hat dazu die Idee in den Ring geworfen, die Bauteile einer Mondbasis mit einem 3D-Drucker vor Ort herzustellen. Das wäre so ungewöhnlich nicht, auf der Erde kommt diese Technik in der Architektur nicht erst seit gestern zum Einsatz.
Die Raumfahrt ist ein Gebiet, auf dem Profis und Laien immer etwas hin- und her gerissen sind. Auf der einen Seite verlässt man sich gerne auf Altbewährtes, auf der anderen Seite ist man Plattform für technologische Innovationen. Wo wären wir, wenn es die eher robuste Sojus-Technik nicht gäbe. Und was würde uns fehlen, wenn uns die Shuttle-Technik nicht neue Visionen erlaubt hätte.

Die ESA hat nun eine solche Vision für ihre Mond-Ambitionen veröffentlich: Selbstdruck der Behausung vor Ort. Beim Thema „Drucken“ erschrickt der Laie zunächst, denkt er doch gleich an den exorbitanten Kilogramm-Preis der Tinte seines 2D-Druckers und an das Gewicht des Papiers. Das soll, so die ESA, nicht das Problem sein. Das Bindemittel, die „Tinte“, und insbesondere der Baugrundstoff, das „Papier“, könnten weitgehend aus dem Mondboden gewonnen werden. Die Vision ist so gesehen, das sei zwischendurch angemerkt, eigentlich ein menschheitsgeschichtlicher Rückschritt. Raumfahrt ist modernste Fertigteil-Bauwirtschaft. Die künftigen Mondpioniere müssen sich eher wie Siedler vergangener Tage vorkommen, die sich ihre Hütte erst mal selber aus dem vorhandenen Holz erstellten mussten und bis dahin im Schiff oder Planwagen schliefen.

Die Eignung des Mondmaterials für ein 3D-Druckverfahren wird im Auftrag der ESA gegenwärtig von Industriepartnern getestet – natürlich nicht mit Tonnen von originalem Mondstaub, sondern mit vergleichbaren irdischen Materialien. In Italien hat man eine Lagerstätte mit ausreichenden Mengen von mit Mondregolith vergleichbarem Basaltgestein gefunden (99,8 Prozent Übereinstimmung). Problem ist dabei nicht nur die prinzipielle Eignung des Materials und der Energiebedarf. Produktionsherausforderung sind auch die völlig anders gearteten Umweltbedingungen auf dem Mond: geringe Schwerkraft, Vakuum, extreme Temperaturschwankungen und Strahlung. Und nicht zuletzt – Mondstaub ist wie jeder Feinstaub gefährlich, darf also am Schluss auch nicht die Atemluft in der Station zu sehr belasten.

Mit im Boot ist das britische Architekturbüro Foster + Partners. Dort wurde laut ESA das Konzept für eine lasttragende Kuppel entwickelt. Außen besteht sie aus einer zellenförmig strukturierte Wand zur Abwehr von Mikrometeoriten und Weltraumstrahlung. Das Innere ist ein aufblasbarer Druckkörper. Zu Demonstrationszwecken wurde bereits ein 1,5 Tonnen schwerer Baustein gedruckt. Das Bauteil ist, so die Architekten, eine hohle Zellstruktur, vergleichbar einem Vogelknochen, die eine gute Kombination aus Stabilität und Gewicht gewährleistet.


(Autor: Roland Rischer - Quelle: ESA, Foster + Partners)


» Kepler wieder im Beobachtungseinsatz
03.02.2013 - Die Probleme mit einem zur Lageregelung benötigten Drallrad des Weltraumteleskops Kepler der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur NASA sind überwunden. Der Planetenjäger wird wieder zur Suche nach erdähnlichen Planeten eingesetzt.
Nach einer zehntägigen Ruhepause für das Drallrad mit der Nr. 4, die am 17. Januar 2013 begann, lässt sich das Teleskop wieder ohne Einsatz kleiner Lageregelungstriebwerke im Raum ausrichten. Dank der durch die wieder hochgefahrenen Drallräder ermöglichte Exaktheit kann Kepler seit dem 28. Januar 2013 wieder wissenschaftliche Daten sammeln.

Anfang Januar 2013 waren für das Drallrad Nr. 4 erhöhte Reibungswerte verzeichnet worden, weshalb man die Drehzahl aller Drallräder an Bord von Kepler schließlich auf Null absenkte, und das Weltraumteleskop in einem speziellen Sicherheitsmodus, in dem die Lageregelung mit Hilfe kleiner Triebwerke erfolgt, ausruhen ließ.

Im Zeitraum des Betriebs im Sicherheitsmodus war keine Beobachtungstätigkeit möglich. Der solarzellenbedeckte Rücken des Raumfahrzeugs war während dieser Zeit dauerhaft Richtung Sonne ausgerichtet, um eine ununterbrochene Energieversorgung sicherzustellen.

Seit dem Ausfall des ersten Drallrads, dem mit der Nr. 2, im Juli 2012 war die Leistung des Raumfahrzeugs mit den drei verbliebenen, laufenden Drallrädern ohne Anlass zur Kritik. Das Drallrad Nr. 2 hatte im Janaur 2012 mit ansteigenden Reibungswerten auf sich aufmerksam gemacht und war schließlich nach einer Periode mit sich immer wieder verändernden Reibungswerten stillgelegt worden.

Auch das Drallrad Nr. 4 zeigte veränderliche Reibungswerte, ließ aber bis dato keine Signaturen erkennen, die solchen in den Daten zum abgeschalteten Drallrad Nr. 2 ähneln.

Dass Drallrad Nr. 4 aktuell wieder einen störungsfreien Betrieb ermöglicht, führt man darauf zurück, dass es den Schmiermitteln im Drallrad während der verordneten Zwangspause möglich war, sich neu in der Mechanik zu verteilen, und so wieder für ausreichend geringe Reibungswerte zu sorgen.

Im Februar 2013 wollen die mit den Drallrädern von Kepler beschäftigten Ingenieure die Daten zum Drallrad Nr. 4 aus der Einsatzpause sowie aus den Betriebszeiten davor und danach sorgfältig auswerten, um Aussagen über Erfolg und Wert des Sicherheitsmodus mit angehaltenen Drallrädern treffen zu können.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)


» Euclid soll Licht ins Dunkel bringen
25.01.2013 - Gestern wurde offiziell die Kooperation zwischen NASA und ESA im Bezug auf das zukünftige Weltraumteleskop Euclid bekanntgegeben. Euclid wird eine der Missionen des Cosmic Vision-Programms der ESA für den Zeitraum zwischen 2015 und 2025 sein. Der Start zum Lagrange-Punkt 2 soll 2020 erfolgen.
Ziel Euclids ist es, bisher nicht endgültig geklärte Phänomene im Expansionsverhalten des Universums besser verstehen zu helfen. Inzwischen ist klar, dass das Universum, anders als zunächst angenommen, nicht durch die Gravitation der "gewöhnlichen" in ihm enthaltenen Materie langsam in seiner Expansion gebremst wird. Stattdessen steht fest, dass sich diese Expansion sogar noch beschleunigt. Hierfür wird die sogenannte Dunkle Energie verantwortlich gemacht, die sich allerdings gegenwärtig noch schwer wissenschaftlich dingfest machen lässt.

Das Weltraumteleskop soll im sichtbaren Spektralbereich und im nahen Infrarotbereich arbeiten und eine Vielzahl alter Galaxien im Universum kartieren. Aus der Analyse ihrer Form, ihrer Helligkeit und ihrer räumlichen Verteilung erhofft man sich Rückschlüsse auf die seltsame Wirkung Dunkler Energie und Dunkler Materie.

Die NASA wird, der neuesten Vereinbarung entsprechend, Bauteile für die nah-infrarot Sensorik des 1,2 Meter durchmessenden Teleskops beisteuern. Zusätzlich werden die federführenden europäischen Forscher durch Kollegen aus den USA unterstützt werden. Eine entsprechende Kooperation mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde war zuvor schon längere Zeit im Gespräch.

Das Cosmic Vision-Programm nahm Mitte des vergangenen Jahrzehnts Fahrt auf und wurde in seiner Ausrichtung durch wiederholte Auswahlverfahren konkretisiert. Grundsätzlich soll es wissenschaftliche Raummissionen in drei finanziellen Größenordnungen, Large, Medium und Small, umfassen. Euclid ist, neben der priorisierten Mission Solar Orbiter, das zweite Projekt der mittleren Kategorie bis etwa 300 Millionen Euro Kosten. CHEOPS, eine kleinere Mission, soll ab 2017 nach Exoplaneten spähen, während das erste Großprojekt, JUICE, die Jupitermonde Ganymed, Kallisto und Europa genauer erforschen wird. Sein Start ist gegenwärtig für 2022 angesetzt.

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(Autor: Michael Clormann - Quelle: ESA, NASA)


» Feuer in der Dunkelheit bei NGC 1999
26.01.2013 - Eine kürzlich von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme bietet eine prächtige Ansicht von kosmischen Staubwolken im Sternbild Orion. Auf diesem Bild konnten Astronomen ein regelrechtes Loch im Himmel ausmachen.
Bei den in den Weiten des Weltalls verteilten Wolken aus kosmischem Gasmolekülen und Staubpartikeln handelt es sich um die Geburtsstätten neu entstehender Sterne. Im Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts erscheinen diese Staubkonzentrationen dunkel und undurchsichtig, da der Staub das von den dahinter befindlichen Sternen ausgehende Licht blockiert und diese Sterne somit vor den Augen der Astronomen "verbirgt". Der Astronom Friedrich Wilhelm Herschel war sogar der Meinung, er hätte eine Himmelsregion entdeckt, welche vollkommen frei von Sternen ist, als er im Jahr 1774 eine solche Dunkelwolke im Sternbild Skorpion beobachtete. "Hier ist wahrhaftig ein Loch im Himmel", soll er damals gesagt haben.

Durch den Einsatz moderner Teleskope, welche den Nachthimmel auch in anderen Wellenlängenbereichen darstellen können, konnten die Astronomen der Entschlüsselung der Geheimnisse dieser Dunkelwolken in den letzten Jahren einen beträchtlichen Schritt näher kommen. Bei längeren Wellenlängen, etwa im Submillimeterbereich, "leuchten" die Staubkörner nämlich anstatt das Licht zu absorbieren.

Erst durch solche Aufnahmen zeigte sich, dass auch diese vermeintlichen Löcher im Weltraum mit interstellarer Materie gefüllt sind. Durch entsprechende Beobachtungen konnten die Astronomen mittlerweile viel über die Prozesse in Erfahrung bringen, welche sich bei der Entstehung von Sternen im Inneren solcher Sternentstehungsgebiete abspielen.

Bei einem der hierfür eingesetzten Teleskope handelt es sich um das "Atacama Pathfinder Experiment" (APEX) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Das auf dem Chajnantor-Plateau in den chilenischen Anden platzierte APEX-Radioteleskop ist das größte Einzel-Submillimeterteleskop auf der Südhemisphäre und ideal für Astronomen, welche die Geburt von Sternen untersuchen wollen.

Eine der dabei immer wieder beobachteten Himmelsregionen befindet sich im Sternbild Orion. Mit einer Entfernung von etwa 1.500 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem handelt es sich bei dem sogenannten Orion-Molekülwolkenkomplex um das der Erde nächstgelegenste Sternentstehungsgebiet, in dem sich gegenwärtig eine Vielzahl massereicher Sterne bilden. Es präsentiert sich dabei als eine regelrechte Schatztruhe voller leuchtender Nebel, Dunkelwolken und noch verhältnismäßig junger Sterne.

Die am vergangenen Mittwoch von der ESO veröffentlichte Aufnahme zeigt einen Teil dieses ausgedehnten Komplexes im sichtbaren Licht in Kombination mit einer Falschfarbendarstellung der APEX-Daten in leuchtendem Orange, so dass es beinahe so aussieht als würden die Dunkelwolken in Flammen stehen. Die hellsten Knoten im APEX-Bild präsentieren sich dabei im sichtbaren Lichtbereich oftmals als besonders dunkle Regionen. Erst im Submillimeter-Bereich verraten sich diese dichten Staubwolken, welche das sichtbare Licht absorbieren und in denen sich möglicherweise gerade neue Sterne bilden.

Bei der weißen, fast kreisförmigen Struktur unterhalb des Zentrums der hier gezeigten Aufnahme handelt es sich um den Reflexionsnebel NGC 1999, welcher auch unter der Bezeichnung "Schlüsselloch-Nebel" bekannt ist. Im sichtbaren Spektralbereich wird hier blaues Sternlicht an Staubwolken reflektiert beziehungsweise - genau genommen - gestreut.

Der größte Teil dieses energiereichen Lichtes wird von dem jungen veränderlichen Stern V380 Orionis ausgesandt. Dieser Stern verfügt über eine Oberflächentemperatur von etwa 10.000 Grad Celsius und ist damit fast doppelt so heiß wie unsere Sonne. Die Masse von V380 Orionis beläuft sich auf etwa 3,5 Sonnenmassen.

Im Zentrum des Nebels ist ein dunkler Fleck erkennbar, welcher auf einer bekannten Aufnahme des von der NASA und der ESA betriebenen Weltraumteleskops Hubble noch deutlicher in Erscheinung tritt.

Oftmals ist ein solcher dunkler Fleck ein Anzeichen für eine dichte Wolke aus kosmischem Staub, welche das Licht der hinter ihr liegenden Sterne und Nebelbereiche verschluckt. Auf dem hier gezeigten Bild fällt jedoch auf, dass dieser "Fleck" auch im APEX-Wellenlängenbereich wirklich "dunkel" ausfällt.

In Kombination mit Infrarotbeobachtungen durch weitere Teleskope ermöglichen die APEX-Daten den Astronomen somit eine erstaunliche Entdeckung: Bei dem beobachteten "dunklen Fleck" handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Hohlraum in dieser Wolke, welcher vermutlich durch die Sternwinde von Stern V380 Orionis verursacht wurde. Wir sehen hier also tatsächlich ein "Loch im Himmel".

Die in dieser Aufnahme gezeigte Himmelsregion befindet sich etwa zwei Grad südlich des bekannten großen Orionnebels, auch unter der Bezeichnung Messier 42 bekannt, welcher am oberen Rand der nebenstehenden Weitfeldaufnahme, erstellt aus den Daten des Digitized Sky Survey, im sichtbaren Licht zu sehen ist. Die für das Bild verwendeten APEX-Beobachtungen wurden unter der Leitung von Thomas Stanke von der ESO, von Tom Megeath von der University of Toledo/USA und von Amy Stutz vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg durchgeführt. APEX ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory, OSO) und der ESO, welche auch für den Betrieb des Teleskops verantwortlich ist.

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Fachartikel von T. Stahnke et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO)


» Zwei japanische Aufklärungssatelliten gestartet
27.01.2013 - Heute früh wurden zwei japanische Satelliten in Erdumlaufbahnen gebracht, die vor allem der militätischen Aufklärung dienen.
Dies ist zum einen IGS-Radar 4 (IGS: englischsprachige Abkürzung für Intelligence Gathering Satellite, dt. so viel wie Geheimdienstlicher Erfassungssatellit), der mit einem Radarsystem ausgestattet ist, welches eine Auflösung hat, die unter einem Meter liegen soll. Damit lassen sich Oberflächenformationen auch bei Nacht mit großer Genauigkeit erfassen.

Der zweite Satellit trägt die Bezeichnung IGS-Optical 5V. Dabei handelt es sich um einen Aufklärungssatelliten, der Bilder im sichtbaren Licht anfertigt und überträgt, die eine Auflösung von etwa 40 cm besitzen sollen. Die Daten beider Satelliten sollen außer für das japanische Militär auch für den Katastrophenschutz verwendet werden. Während es sich bei IGS-R 4 um einen Satelliten der zweiten Generation japanischer Radaraufklärer handelt, bildet IGS-O 5V das erste Versuchsmodell der dritten Generation optischer Auflärungssatelliten Japans.

Der Start erfolgte mit einer Rakete des Typs H-IIA vom Startplatz 1 des Raumfahrtzentrums Tanegashima gegen 5.40 Uhr MEZ. Nach Angaben der japanischen Raumfahrtorganisation JAXA verlief das Aussetzen der beiden Satelliten in Bahnen mit Höhen zwischen etwa 480 und 500 Kilometern bei einer Bahnneigung von rund 97 Grad erfolgreich. Es handelte sich demnach um den 16. erfolgreichen Einsatz einer Trägerrakete des Typs H-IIA in Folge.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: JAXA, Raumcon, Skyrocket)


» Arianespace resümiert und blickt in die Zukunft
28.01.2013 - Auf dem diesjährigen Neujahrsempfang gratulierte Jean-Yves Le Gall, Geschäftsführer von Arianespace, seinen Mitarbeitern zu einem erfolgreichen Jahr 2012. Nach einigen Statistiken wurde der Fokus durch anwesende Journalisten, zu denen auch Raumfahrer.net zählte, schnell auf das zukünftige Trägerprogramm rund um die Ariane 6 gelenkt.
Mit sieben Ariane-V-, zwei Sojus- und dem ersten Start der Vega konnte Arianespace sein Geschäftsjahr 2012 erfolgreich abschließen. Insbesondere der Blick in die Zukunft des europäischen Trägerprogrammes lenkte die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich. Das aktuelle Design besteht bis auf die Oberstufe ausschließlich aus Feststoffraketen, ähnlich wie sie bei der VEGA verwendet werden. War die Ariane V noch entwickelt worden, um maßgeblich neue Technologien zu erarbeiten, so ist die Vorgabe beim Nachfolger Ariane 6 unmissverständlich der Kostenfaktor. Günstig soll sie werden, vor Allem für die Kunden.

Ein Team von 150 CNES-Ingenieuren wurde darauf angesetzt, ein Design zu erarbeiten. Der Antrieb kommt primär aus Frankreich, welches viel Erfahrung in der Entwicklung aufweist und die vorhandenen Ressourcen gerne effektiv einsetzen möchte. Noch auf der vergangenen Ministerratskonferenz hatte diese Idee einen Dämpfer bekommen, als Deutschland die Zwischenlösung Ariane-V ME durchsetzte, damit das in Lampholdshausen entwickelte Vinci-Triebwerk nicht vollständig umsonst war. Daraufhin integrierten französische Studien diese Oberstufe in das Design der Ariane 6 und setzen nun alles daran, dass die Entwicklung bei der kommenden ESA-Ministerratskonferenz auch finanziell grünes Licht bekommt. Bis dahin läuft das Programm auf Sparflamme. Die Entwicklungszeit bezifferte Mr. Le Gall mit sieben Jahren.

Das Design vom kommenden Aushängeschild europäischer Raketentechnik stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. Der massive Einsatz fester Treibstoffe und die Begrenzung der Nutzlast auf 7 Tonnen blockiert Europa den Zugang zur autonomen bemannten Raumfahrt auf Jahrzehnte. Auch Projekte wie das ATV werden dann unmöglich. Darauf angesprochen antwortete Le Gall nüchtern, dass es keine Bestrebungen in dieser Richtung gibt und der Fokus durch die Politik klar vorgegeben wird.

Europa möchte also keine technologische Spitzenleistung mit der Ariane 6 vollbringen, sondern preislich konkurrieren. Hat Arianespace finaziell überhaupt eine Chance gegen SpaceX, Russland oder China? Angesprochen auf das Schlagwort „SpaceX“ wird sein Gesichtsausdruck kämpferisch. „Selbstverständlich haben wir eine Chance“, meint Le Gall. SpaceX rede viel, habe aber bisher keinen einzigen kommerziellen Satelliten in den geostationären Orbit gebracht und würde zusätzlich von Jahr zu Jahr immer teurer. Laut nicht näher spezifizierter Kunden soll SpaceX dabei mittlerweile in preisliche Regionen vorgedrungen sein, die mit Arianespace vergleichbar seien. Und das ohne die Erfahrung sowie den 53 erfolgreichen Starts in Folge. „Mit dem Argument „China“ sind wir bereits mehrfach totgesagt worden, aber Sie sind auf dem kommerziellen Markt durch Ausfuhrbeschränkungen praktisch nicht existent“, so Le Gall.

Kann Europa aber durch den „Geo-Return“ überhaupt preislich international konkurrieren? Bisher mussten Aufträge an die geldgebenden Länder im selben Maße zurückführen, wodurch sich nicht immer der günstigste oder beste Anbieter durchsetzen konnte. „Der Geo-Return ist sicherlich eine Sache, die andere Länder für verrückt halten. Aber es ist die logische Konsequenz der Idee eines gemeinsamen Europas. Und diese Idee sei keinesfalls verrückt. Europa sei es wert um mit solchen Einschränkungen im Wettbewerb fertig zu werden“, meint Le Gall.

Auch technisch gesehen ist die neue Ariane in einigen Punkten fragwürdig. Ob nicht viel technisches Know-How bezüglich flüssiger Antriebssysteme verloren gehe, wollte Raumfahrer.net von Mr. Le Gall wissen. Er antwortet ausweichend. Die Ariane 6 sei eine politische Entscheidung und auf die Nachfrage, ob eine flüssige Erststufe denn vielleicht preislich ähnlich zu gestalten wäre, gab es ebenfalls keine Antwort. Mit dem Design trage man vor allem den Wünschen der Kunden „Rechnung“. Mit den anvisierten 70 Millionen Euro pro Start und der Flexibilität durch Einzelstarts nicht auf andere Kunden warten zu müssen, möchte man auch wieder die ESA als Kunden gewinnen, die bislang viele Nutzlasten auf ausländischen Trägern startete. Auf einen signifikanten Anstieg der Aufträge spekuliert man bei Arianespace aber nicht. Mit 14 Starts pro Jahr möchte man mit der Ariane 6 ähnlich viele Nutzlasten starten wie letztes Jahr.

Betrachtet man die technischen Eigenschaften und den geplanten Startpreis wird schnell klar, dass die Sojus hier zur Konkurrenz im eigenen Haus werden kann. Ob die Ära der europäisch-russischen Zusammenarbeit dann endet, steht laut Le Gall allerdings noch in den Sternen.

Bei der Einführung möchte man auf jeden Fall aus alten Fehlern lernen. So wird der Erststart im Gegensatz zur Ariane V ein reiner Teststart. Eine gute Entscheidung, bedenkt man den Ausgang der ersten Mission der Ariane V. Auch die Anzahl der Starts möchte man anfänglich klein halten und einen weicheren, sprich längeren Übergang zwischen den beiden Trägern Ariane V ME und Ariane 6 ermöglichen. Eine zu große Startfrequenz in der Übergangszeit von Ariane 4 und Ariane V führte durch die damit verbundene Überlastung zu einigen Fehlern.

Für die nächsten Jahre sind die Auftragsbücher von Arianespace jedenfalls gut gefüllt. So deutete Mr. Le Gall die Verkündung eines bedeutenden Auftrages noch in den nächsten Monaten an. Mit Galileo bekommt die Ariane V auch eine weitere Nutzlast, die bisher ausschließlich bei der Sojus vermutet wurde. In drei Starts sollen insgesamt 12 Galileo Satelliten mit der EPS-Oberstufe gestartet werden, um das künftige Satellitennavigationssystem schnellstmöglich in volle Einsatzbereitschaft zu bringen.

In der Vergangenheit gab es eine Diskussionen, ob nicht die ESA selbst oder gar die EU Teilhaber von Arianespace werden könnte. Hier sieht Mr. Le Gall allerdings in naher Zukunft keine Veränderungen auf sein Unternehmen zukommen. Die aktuellen Startkosten einer Ariane V beziffert er mit ca. 200 Millionen Dollar.


(Autor: Klaus Donath - Quelle: Arianespace Neujahrsempfang 2013)


» Atlas V mit TDRS-K in Rekordzeit startklar gemacht
29.01.2013 - Wenn alles nach Plan geht, wird die NASA am Mittwoch, dem 30. Januar 2013 (8.48 Uhr, Ortszeit Cape Canaveral) nicht nur einen neuen geostationären Kommunikationssatelliten (TDRS-K – Tracking and Data Relay Satellite) ins All heben lassen.
Es wird auch ein Rekord gebrochen. Die als Trägerrakete dienende Atlas V der United Launch Alliance (ULA) wurde in bislang kürzester Zeit montiert. Der Zusammenbau der Raketenstufen im Montagegebäude vor Ort einschließlich der abschließenden Tests bis zum Start dauert in der Regel 60 bis 90 Tage, im bislang besten Fall 44 Tage. Das ausgereifte Trägersystem und vor allem die Optimierung der Montageabläufe erlauben nun erstmals einen Start bereits nach 27 Tagen.

Dem Optimierungsprozess war laut ULA eine intensive Suche und Prüfung von Maßnahmen zur Beschleunigung der Arbeiten vorausgegangen. Der Starterfolg durfte dabei keinesfalls negativ tangiert werden. Das Ergebnis seien nicht nur verlässliche Startvorbereitungsprozeduren, sondern auch spürbare Kostensenkungen.

Mit rund sieben Tagen Zeitgewinn hatte der Verzicht auch ein Wet Dress Rehearsal genanntes Prüfverfahren substantiellen Anteil am Zeitvorteil. Bei dieser Generalprobe wird die noch nicht mit der Nutzlast bestückte Rakete zum Startplatz gefahren, aufgetankt und im Rahmen eines Probe-Countdowns auf technische Probleme untersucht.

Bei der ULA sieht man zwar ein erhöhtes Risiko, dass erst mit dem Betanken am Starttag Probleme auftauchen. Aber auch wenn das den Start verzögere, gefährde es nicht den Erfolg der Mission. Bei engen Startfenstern, wie sie insbesondere bei Planetenmissionen gegeben sind, wird man dieses Risiko ausschließen wollen und weiterhin nicht auf eine Wet-Dress-Generalprobe verzichten.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA, ULA)


» Ein kometenartiger Plasmaschweif bei der Venus
30.01.2013 - Durch Messungen der Raumsonde Venus Express gelangen neue Einblicke in die Interaktion zwischen der Venusatmosphäre und dem Sonnenwind. Sobald dieser Strom aus geladenen Teilchen nahezu vollständig abreißt, dehnt sich die Ionosphäre der Venus aus und bildet einen kometenartigen Schweif. Möglicherweise können dabei sogar Partikel der Venusatmosphäre in Erdnähe gelangen.
Bereits seit längerem ist bekannt, dass von der Sonne ein steter Strom aus Protonen und Elektronen ausgeht, welcher sich mit einer hohen Geschwindigkeit durch das Sonnensystem erstreckt und dabei mit den Atmosphären der Planeten interagiert. Allerdings verhält sich dieser Sonnenwind sowohl in Bezug auf seine Dichte als auch in Bezug auf seine Geschwindigkeit sehr variabel. Unter normalen Bedingungen erreicht der Sonnenwind im Bereich der Umlaufbahn der Erde eine Partikeldichte von etwa fünf geladenen Teilchen pro Kubikzentimeter. Gelegentlich reißt der Strom aus geladenen Teilchen jedoch auch fast vollständig ab.

Solche nur selten auftretenden Ereignisse wurden in der Nähe der Erde, welche von einem starken Magnetfeld umgeben ist, bereits mehrfach untersucht. Über die Auswirkungen eines schwachen Sonnenwindes auf die Atmosphären andere Planeten unseres Sonnensystems war dagegen bisher nur sehr wenig bekannt. Am 3. und 4. August 2010 bot sich den Wissenschaftlern jedoch die Gelegenheit, ein solches Phänomen bei der Venus zu studieren.

Nach mehreren heftigen Teilchenausbrüchen, sogenannten koronalen Masseauswürfen kam der von unserem Zentralgestirn ausgehende Sonnenwind für einen Zeitraum von etwa 18 Stunden fast vollständig zum Erliegen. Messungen der NASA-Raumsonde STEREO-B zeigten, dass die Teilchendichte im Bereich der Erdumlaufbahn dabei auf einen bemerkenswert niedrigen Wert von nur noch 0,1 geladenen Teilchen pro Kubikzentimeter abgesunken war. Dieser geringe Wert blieb anschließend über einen Zeitraum von etwa 24 Stunden konstant. Die Venus erreichten in diesem Zeitraum nur noch 0,2 Teilchen pro Kubikzentimeter. An normalen Tagen sind es dagegen etwa 25 bis 50 Mal so viele.

"Phasen mit solch schwachem Sonnenwind kommen selten aber immer wieder vor", so Dr. Markus Fränz vom Max Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. "Allerdings war das Ereignis im August 2010 das erste dieser Art seit dem Start der Raumsonde Venus Express vor etwa sieben Jahren", fügt er hinzu. Dank der stark elliptischen Umlaufbahn der von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Raumsonde um die Venus bot sich den Wissenschaftlern dabei die Gelegenheit zu untersuchen, welche Prozesse ein nur schwach ausfallender Sonnenwind in der Atmosphäre unseres inneren Nachbarplaneten auslöst.

Wie unser Heimatplanet ist auch die Venus von einer Hülle aus Elektronen und Ionen, einer so genannten Ionosphäre, umgeben, welche die Venus in 150 bis 300 Kilometern Höhe umgibt. Die Ionisation der Gasmoleküle in der Hochatmosphäre eines Planeten erfolgt, sobald von der Sonne ausgehendes extrem kurzwelliges ultraviolettes Licht und Röntgenstrahlung über der Tagseite des Planeten auf dessen äußerste Schichten der Atmosphäre treffen.

Auf der Erde hält ein starke Magnetfeld die Teilchen gefangen. Sie rotieren deshalb im Gleichtakt mit der Erde und deren Magnetfeld um die Erdachse und erreichen so auch die Nachtseite. Auf diese Weise entsteht eine Hülle aus geladenen Teilchen, einem so genannten Plasma, welche die Erde vollständig umschließt.

"Auf der Venus ist dies völlig anders", so Dr. Yong Wei vom MPS und Erstautor einer neuen Studie, welche im Dezember 2012 in der Fachzeitschrift "Planetary and Space Science" publiziert wurde. "Unserem Schwesterplaneten fehlt nicht nur das eigene Magnetfeld. Auch die Drehung um die eigene Achse vollzieht sich hier deutlich langsamer." Immerhin benötigt die Venus für eine vollständige Drehung um die Rotationsachse fast 225 irdische Tage.

Dennoch lässt sich auch auf der Nachtseite der Venus eine Ionosphäre beobachten. "Messungen älterer Sonde hatten gezeigt, dass Elektronen und Ionen - im Fall der Venus hauptsächlich Sauerstoff-Ionen - von der Tag- zur Nachtseite strömen," so Dr. Markus Fränz. Der Antriebsmotor für diese Bewegung ist der hohe Plasmadruck, welcher auf der Tagseite der Venus vorherrscht. Ähnlich wie ein komprimiertes Gas, das aus einer Druckflasche entweicht, strömt das Plasma aus dem Gebiet mit hohem Druck in ein Gebiet mit geringerem Druck.

Mit Hilfe der beiden Instrumente MAG, einem Magnetometer zur Analyse des Magnetfeldes der Venus, und ASPERA-4 (kurz für "Analyzer of Space Plasmas and Energetic Atoms", unter anderem einsetzbar für die Untersuchung des Einflusses des Sonnenwindes auf die Venusatmosphäre) an Bord der Raumsonde Venus Express konnten die Planetenforscher nun eine genauere Vorstellung über diese Vorgänge erlangen.

Im Rahmen ihrer Datenauswertungen zeigte sich, dass bei fehlendem Sonnenwind die Ionosphäre der Venus nicht magnetisiert wird. Unter normalen Bedingungen binden diese induzierten Magnetfelder die geladenen Teilchen der Ionosphäre in unmittelbarer Planetennähe. Bei schwachem Sonnenwind hingegen, kann sich die Ionosphäre innerhalb der Übergangsregion zwischen der Tag- und der Nachtseite ausdehnen.

"Die geladenen Teilchen können so einfacher und deshalb in größerer Zahl zur Nachtseite gelangen", so Dr. Markus Fränz. Auf diese Weise bildet sich dort anschließend eine Art Plasmaballon, welcher sich schweifartig ins Weltall erstreckt. Die gesamte Venus-Ionosphäre erhält so eine tropfenförmige Gestalt, welche entfernt an einen Kometen erinnert. Die Messungen von Venus Express belegen, dass sich der Plasmaschweif bei dem beobachteten Ereignis innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Stunden bis zu einer Distanz von etwa 15.000 Kilometern in den Weltraum ausdehnte.

"Er könnte aber auch deutlich länger sein und sich möglicherweise sogar über Millionen von Kilometern erstrecken", so Dr. Yong Wei. Während der Messungen führte die vorgesehene Flugbahn Venus Express leider nicht direkt hinter die Venus, so dass sich diese Frage nicht abschließend beantworten lässt.

Ebenfalls unklar ist derzeit noch, ob sich die Ionosphäre der Venus auf diese Weise prinzipiell sogar bis zur Erde ausdehnen könnte. Im Jahr 1996 konnten Wissenschaftler des Max Planck-Instituts für Sonnensystemforschung durch die Auswertung von Messdaten des Weltraumteleskops SOHO Venusplasma in Erdnähe nachweisen. Möglicherweise bietet der Mechanismus, den die Wissenschaftler um Dr. Yong Wei jetzt beschrieben haben, eine Erklärung für solche Ereignisse.

"Vielleicht bieten Phasen extrem schwachen Sonnenwinds planetaren Teilchen die Möglichkeit, von den sonnennahen Planeten zu weiter außen gelegenen zu wandern", so Dr. Yong Wei.

Die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene und mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattete Raumsonde Venus Express wurde am 9. November 2005 an Bord einer Sojus-FG/Fregat-Rakete vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur gestartet. Nach einer Flugdauer von 153 Tagen trat die Raumsonde am 11. April 2006 in den Venusorbit ein. Nach dem derzeitigen Stand soll Venus Express die Erkundung unseres Nachbarplaneten noch bis zum 31. Dezember 2014 fortsetzen.

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Fachartikel von Yong Wei et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, ESA)


» Naro 1 im dritten Anlauf erfolgreich
30.01.2013 - Somit gehört nun auch die Republik Südkorea zu den Raumfahrt betreibenden Nationen, obwohl ein Großteil der als Naro 1 bezeichneten Rakete aus russischer Produktion stammt.
Der Start erfolgte heute früh, gegen 8.00 Uhr MEZ vom Naro-Raumfahrtzentrum im Süden der Provinz Jeolla, etwa 500 Kilometer südlich von Seoul. Vor Ort war es 16 Uhr am Nachmittag, Nutzlast war der Satellit STSat 2C.

Zunächst flog die Rakete mehrere deutliche Richtungsänderungen, um das Überfliegen bewohnter Gebiete zu vermeiden. Anschließend stieg sie immer schneller in den blauen Himmel über dem Startgelände. Nach knapp 4 Minuten wurde die ausgebrannte erste Stufe abgeworfen und die zweite nahm ihre Arbeit auf. Etwa 9 Minuten nach dem Start war offenbar der geplante Orbit erreicht und der Satellit wurde ausgesetzt.

Die Naro 1, die auch als KSLV-1 für Korean Space Launch Vehicle bezeichnet wird, entstand in Kooperation zwischen Russland und Südkorea. Die erste Stufe entspricht in weiten Teilen dem Antriebsblock UM 1 der geplanten russischen Trägerrakete Angara, die in diesem Jahr ihren Jungfernflug absolvieren soll. Statt des dort verwendeten Triebwerks RD 191 verwendet die Naro 1 allerdings das schubschwächere RD 151. Die Oberstufe arbeitete mit einem Feststofftriebwerk und wurde in Südkorea entwickelt und gebaut.

Zwei vorherige Versuche waren gescheitert. Beim ersten Fehler im August 2009 löste sich die Nutzlastverkleidung nicht vollständig, wodurch die Nutzlast zu schwer wurde und den geplanten Orbit nicht erreichte. Sie stürzte stattdessen zurück auf die Erde. Beim zweiten Versuch im Juni 2010 ging das Signal nach 137 Sekunden verloren.

Der heutige Erfolg datiert 7 Wochen nach dem ersten erfolgreichen Start einer Rakete aus Nordkorea. Am 12. Dezember startete eine Unha 3 mit dem Satelliten Kwangmyŏngsŏng 3 ins All und setzte diesen in einem Erdorbit ab. Allerdings konnte der Satellit nicht unter Kontrolle gebracht werden. Südkorea zieht nun mit STSat 2C nach.

ST steht für Science & Technology. Der weniger als 100 kg schwere Satellit ist mit einem Laserreflekor zur zentimetergenauen Bahnvermessung, einer Langmuir-Sonde für Plasmamessungen, dem Space Radiation Effects Monitor (SREM), einem Gerät zur Messung der Umgebungsbedingungen des Satelliten sowie verschiedenen Testapparaturen ausgerüstet. Zu letzteren gehören ein Drallrad, ein Infrarot-Sensor sowie ein Femtsosekunden-Laseroszillator, die ihre Tauglichkeit für den Weltraumeinsatz nachweisen sollen. Energie bezieht STSat 3C über zwei kleine Solarzellenpaneele sowie Solarzellen, die auf der Außenseite des Körpers angebracht sind.

Die Systeme des Satelliten sollen 1 Jahr lang funktionieren. Der Überprüfungsprozess wird allerdings zunächst einige Stunden in Anspruch nehmen. Die geplante, elliptische Bahn liegt in Höhen zwischen 300 und 1.500 Kilometern bei einer Bahnneigung von 80 Grad gegenüber dem Äquator.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: KAIST, Raumcon, Skyrocket)


» Iran schickt Äffchen zu Kurztrip ins All
30.01.2013 - Am Montag berichteten staatliche Medien des Iran, man habe vergangene Woche einen kleinen Affen ins All geschickt.
Nach einem ballistischen Flug bis in etwa 120 Kilometer Höhe sei die Kapsel wieder auf der Erde gelandet. Das Tier wurde kurze Zeit darauf lebend aus der Kapsel geborgen. Bei einem ballistischen Flug wird nicht die für eine Erdumlaufbahn erforderliche Geschwindigkeit erreicht. Es handelt sich dabei eher um eine sehr hohen Wurf. Als Rakete kam eine Pishgam Kavoshgar zum Einsatz.

Offenbar wurden bereits 2010 eine Ratte, Schildkröten und Würmer auf eine ballistische Bahn gebracht. Als Träger kam die damals neu entwickelte Kavoshgar 3 zum Einsatz. Im Februar 2011 wurde ein erster Test der neuen Kapsel durchgeführt. Die aktuelle Mission wird als großer Schritt auf dem Weg zum ersten bemannten Raumflug Irans gesehen.

Der Iran startete im Jahre 2009 seinen ersten Satelliten in eine Erdumlaufbahn. Seitdem wurden sowohl bei der Satellitenentwicklung als auch beim Raketenbau bedeutende Fortschritte gemacht. Gegenwärtig verfolgt man das Ziel, bis 2020 aus eigener Kraft einen Iraner ins All zu bringen.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Farsnews, Speceref, Raumcon)


» SNC präsentiert Lockheed-Martin als Dream-Partner
30.01.2013 - Auf einer Pressekonferenz präsentierte die Sierra Nevada Corporation (SNC) einige Neuigkeiten zur Firma und dem Vorzeigeprojekt Dream Chaser. Dazu gehört auch die künftige Zusammenarbeit mit Lockheed-Martin.
Zum einen soll Lockheed Martin die mechanische Struktur des zweiten Dream-Chaser-Modells bauen und SNC zum anderen während der Certifikationsphase für den bemannten Betrieb unterstützen. Außerdem ist Lockheed-Martin Teil der United Launch Alliance (ULA), unter deren Flagge die Trägerraketen Atlas 5 und Delta 4 vermarktet werden. SNC plant, den ersten orbitalen Testflug des Dream Chasers an der Spitze einer Atlas 5 zu starten.

Mit dem bisherigen Ingenieursmodell des Dream Chasers sollen in 6 bis 8 Wochen Abwurf- und Landetests beginnen. Dabei soll der Gleiter mittels Hubschrauber auf etwa 3,5 km Höhe transportiert und im Vorwärtsflug ausgeklinkt werden. Während des autonomen Fluges soll das Fluggerät eine Geschwindigkeit von mehr als 500 km/h erreichen, als Landegeschwindigkeit sind etwa 350 km/h geplant. Mit dem Prototypen will man zwei bis fünf derartige Tests unternehmen.

Das Nachfolgemodell soll sowohl bemannt einsetzbar als auch raumflugtauglich sein. Es soll in einer NASA-Einrichtung in Michaud gebaut werden. Für die Nutzung des Geländes gibt es einen Vertrag mit Lockheed-Martin, ein weiterer Grund für die neue Partnerschaft. Die Nutzung von Einrichtungen am Kennedy Space Center in Florida sei erst für einen späteren Zeitraum vorgesehen.

Gegenwärtig arbeiten etwa 100 der 2.700 Angestellten von Sierra Nevada am Dream Chaser. Man habe aber 12 Partner, die ebenfalls Komponenten und Know How zulieferten. Falls der Dream Chaser in der nächsten Förderrunde der NASA leer ausgehen sollte, verfolge man andere Ansätze, die eine Nutzung als Raumfahrzeug in erdnahen Orbits beispielsweise für Forschungs- oder Reparaturmissionen sowie für den orbitalen Weltraumtourismus vorsehen.

Dazu wurden die Vorteile des Dream Chasers noch einmal zusammengefasst. Das Raumschiff bietet 7 Personen weit mehr Platz als die gegenwärtigen Sojus-Kapseln. Die Belastungen bei der Landung sind deutlich geringer. Jede Raumfähre soll 25 bis 35 Einsätze fliegen können, wobei gegenwärtig noch nicht klar ist, wie viele Gleiter man bauen würde. Dies richte sich nach dem Bedarf. Mit einer möglichen Seitenabweichung von etwa 1.000 km und der Landefähigkeit auf beinahe jedem normalen Flughafen sei man in der Landung auch deutlich flexibler als Kapselkonzepte.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NewSpaceWatch)


» Chamäleon-Pulsar verwirrt die Astronomen
30.01.2013 - Seit ihrer Entdeckung im Jahr 1967 werfen Pulsare, kleine, schnell rotierende Neutronensterne, mit Massen größer als die Sonnenmasse, aber lediglich einer Ausdehnung einer Kleinstadt, immer wieder neue Fragen auf. Beobachtungen des Teams um Joanna Rankin von der Universität von Vermont zeigen eine neue, bizarre Seite dieser Objekte.
Die schon generell exotischen Eigenschaften von Pulsaren wurden um eine weitere, bisher noch unbekannte Eigenschaft erweitert. Bekannt sind Pulsare als Leuchttürme im All. Neutronensterne mit extrem hohen Magnetfeldstärken (bis zu 10.000 Tesla) rotieren sehr schnell und strahlen dabei von den Magnetpolen intensive Strahlung ab, besonders im Radiobereich. Kurz nach ihrer Entdeckung wurde beobachtet, dass sich das Emissionsverhalten im Radiobereich auf Zeitskalen der Rotationsperiode ändern kann.

Am Pulsar PSR B0943 10 stellten Wissenschaftler der Universität Vermont um Joanna Rankin fest, dass dieser innerhalb weniger Sekunden sein Emissionsverhalten nicht nur im Radiobereich dramatisch ändert. PSR B0943 10 ist nun einer von zehn bisher bekannten, alten (> 1 Millionen Jahre) Radiopulsaren, an denen bisher Röntgenemission festgestellt werden konnten. Bekannt war, dass der Pulsar innerhalb von ein paar Stunden von starker („heller“) auf schwache („ruhige“) Radioemission wechselt. Bei gemeinsamen Beobachtungen mit dem europäischen Röntgenteleskop XMM-Newton und zwei bodengestützten Radioteleskopen, dem Giant Meter Wave Telescope (GMRT) in Indien und dem Low Frequency Array (LOFAR) in den Niederlanden, wurde nun die abwechselnde Emission von Radio- und Röntgenstrahlung festgestellt. Wird ein starkes Radiosignal gemessen, kann kein signifikantes Röntgensignal detektiert werden. Umgekehrt, bei einem deutlichen Röntgensignal im Bereich von 0,5 bis 2 keV nimmt die Intensität im Radiobereich deutlich ab.

Es ist das erste Mal, dass ein Intensitätswechsel der Röntgenemission bei Pulsaren gemessen wurde. Dieses veränderte Verhalten dieser beiden extremen Zustände, einer dominiert von Röntgenpulsen, der andere von Radioemission, „ist sehr überraschend“, so Joanna Rankin. Zum einen konnte an einem weiteren Pulsar die Emission von Photonen im Röntgenbereich festgestellt werden, zum anderen, dass es sich um einen Umschaltprozess zwischen zwei verschiedenen Modi zu handeln scheint. Kein aktuelles Modell ist in der Lage dies zu erklären.

Über den Ursprung der Radiostrahlung an Pulsaren herrscht allgemein Einigkeit: hochenergetische Elektronen, Positronen und Ionen werden in der Magnetosphäre des Pulsars entlang der Feldlinien beschleunigt und emittieren Strahlung im Radiobereich. Wie die Partikel von der Oberfläche des Neutronensterns in dessen Magnetosphäre gelangen, ist jedoch unklar.

Mit dem Studium der Emissionen bei unterschiedlichen Wellenlängen hatte das Team herausfinden wollen, welche verschiedenen physikalischen Prozesse in der Nähe der magnetischen Pole von Pulsaren stattfinden.

Die Tatsache, dass der Pulsar nicht nur einmalig, sondern dauerhaft mit einer Periode von wenigen Sekunden zwischen beiden Modi, Radio- und Röntgenemission, wechselt, legt den Schluss nahe, dass hier etwas Grundsätzliches vorhanden sein muss, dass bisher nicht verstanden wurde.

Nach den Ausführungen von Rankin deuten die neuen Ergebnisse darauf hin, dass sehr plötzlich eine globale Dynamik der Magnetosphäre auftritt, die nicht nur auf die Pole oder andere Hotspots an der Neutronensternoberfläche beschränkt ist.

Um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen, plant das Team in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 die gleiche Studie bei einem weiteren Pulsar, PSR B1822 09, zu wiederholen, welcher ähnliche Eigenschaften der Radiostrahlung aufweist, aber eine andere Magnetfeldgeometrie hat.

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Fachartikel von W. Hermsen et al.:


(Autor: Gertrud Felber - Quelle: University of Vermont, Science 339, 436 (2013))


» Atlas V: Premiere „Start ohne Generalprobe“ gelungen
31.01.2013 - Etwas Mut gehörte schon dazu, aber die Verantwortlichen von NASA und United Launch Alliance (ULA) hielten das Risiko für überschaubar. Der heutige Start einer Atlas V mit dem ersten Exemplar einer neuen Generation von Kommunikationssatelliten verlief auch ohne die übliche Generalprobe erfolgreich.
Der Verzicht auf ein Wet Dress Rehearsal genanntes Prüfungsprocedere, bei dem die aufgetankten Antriebsstufen vor der endgültigen Fertigstellung der Rakete am Startplatz durchgecheckt werden, ersparte sieben Tage Startvorbereitung. Dies und weitere Maßnahmen zur Optimierung des Stacking genannten Zusammenbaus der Rakete reduzierte den Zeitbedarf auf 27 Tage statt der üblichen 60 und mehr. Fast pünktlich auf die Minute hob die Rakete ab, alles weitere lief mit der Präzision eines Uhrwerks, ganz so wie man es von einem bewährten Raketenmuster erwarten konnte.

Gleiches Ergebnis zu geringeren Kosten – man kann die ULA nur dazu beglückwünschen, dass sie es geschafft hat, unter anderem auch mit organisatorischen Maßnahmen den Routinestart einer Rakete effizienter zu gestalten. Jeder, der in Großorganisationen arbeitet, weiß, welche dicken Bretter dabei zu bohren sind.

Umgekehrt muss man aber auch warnen. Diesmal unterlagen die Startvorbereitungen mit verkürzten Prozessen naturgemäß einer intensiven Qualitätskontrolle. Die Premiere „Start ohne Generalprobe“ musste einfach gelingen. So etwas diszipliniert alle Beteiligten, wirkt aber nicht auf Dauer. Von Führerscheinanfängern ist bekannt, dass die Unfallquote steigt, weil die nach ein bis zwei Jahren gewonnene Routine im Straßenverkehr zu Nachlässigkeiten verleitet. Das ist bei komplexen Projekten wie einem Raketenstart auch eine ständige Gefahr.

Es bleibt zu hoffen, dass die ULA dies in ihren Risikomodellen zur Abschätzung der Starterfolgswahrscheinlichkeit berücksichtigt, damit diese Premiere viele gelungene Folgevorstellungen hat.

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(Autor: Roland Rischer - Quelle: NASA)


» Die Masse der Staubscheibe um TW Hydrae
31.01.2013 - Mittels des ESA-Weltraumteleskops Herschel hat eine Gruppe von Astronomen die Masse der protoplanetaren Scheibe neu bestimmt, welche den Stern TW Hydrae bestimmt. Der neue, deutlich genauere Wert für deren Masse fällt größer aus als die meisten der früheren Schätzungen und zeigt, dass zukünftig in diesem System Planeten ähnlich denen unseres Sonnensystems entstehen können.
Was den Ägyptologen ihr Stein von Rosette und den Genetikern ihre Fruchtfliegen, das ist für Astronomen, welche sich mit der Entstehung von Planetensystemen befassen, der im Sternbild Wasserschlange (lateinischer Name "Hydra") gelegene Stern TW Hydrae: Ein besonders gut zugängliches Schlüsselobjekt, dessen eingehende Untersuchung die Grundlagen für ein ganzen Fachgebiet legen kann.

Dieser Stern verfügt über ein noch sehr junges Alter von etwa drei bis zehn Millionen Jahren und ist von einer sogenannten protoplanetaren Scheibe umgeben. Hierbei handelt es sich um eine flache, ringförmig verlaufende Ansammlung von Gas und Staub, welche den Stern umgibt. In dieser dichten Scheibe verbinden sich die darin enthaltenen Partikel aus Staub und Eis zu immer größeren Objekten, aus denen letztendlich ganze Planeten hervorgehen werden. Auf diese Weise ist vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren auch unser eigenes Sonnensystem entstanden.

Protoplanetare Scheiben wurden in den vergangenen Jahren von den Astronomen bereits bei einer Vielzahl von jungen Sternen beobachtet. Das Besondere an der Scheibe von TW Hydrae ist jedoch die in astronomischen Maßstäben betrachtet geringe Entfernung von lediglich 176 Lichtjahren, welche unser heimisches Sonnensystem von TW Hydrae trennt. Alle anderen derzeit bekannten Scheiben sind mindestens zweieinhalb soweit von der Erde entfernt. Damit stellt die TW Hydrae umgebende protoplanetare Scheibe für die Astronomen im Vergleich zu vergleichbaren Beobachtungsobjekten ein konkurrenzlos gutes Beobachtungsziel dar.

Zwar können die Astronomen aufgrund der gegebenen Größen- und Entfernungsverhältnisse keine direkten Aufnahmen der protoplanetaren Scheibe anfertigen (trotz einer Ausdehnung von fast 400 Astronomischen Einheiten ist die Staubscheibe hierfür aufgrund der Entfernung immer noch zu klein) - durch spektroskopische Untersuchungen des Lichts, welche von diesem Sternsystem bei unterschiedlichen Wellenlängen ausgesandt werden, und dem Vergleich der dabei gewonnenen Daten mit theoretischen Modellen lassen sich die Anwesenheit und wichtige Eigenschaften der Scheibe aber trotzdem gut erschließen und nachvollziehen. Dementsprechend verfügt der Stern TW Hydrae über eine der am häufigsten beobachteten und dabei am gründlichsten untersuchten protoplanetaren Scheiben überhaupt.

Allerdings war den untersuchenden Astronomen eines der grundlegenden Parameter dieser Scheibe bislang nur sehr ungenau bekannt, nämlich die Masse des in der Scheibe enthaltenen Wasserstoffs (Raumfahrer.net berichtete bereits über dessen Entdeckung in den äußeren Regionen der Scheibe). Dieser Massenwert ist jedoch entscheidend, um letztendlich auch abschätzen zu können, wie viele und welche Arten von Planeten zukünftig aus der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae hervorgehen können. Die bisherigen Versuche, diese Masse zu bestimmen, hingen empfindlich von Modellannahmen ab und waren dementsprechend ungenau. Die Abschätzungen für die Masse des molekularen Wasserstoffs in der Scheibe variierten zwischen einer halben und etwa 63 Jupitermassen.

Wenn Astronomen die Menge oder Häufigkeit eines bestimmten Stoffes in einer bestimmten Region des Weltalls nachweisen wollen, so suchen sie dabei mittels spektroskopischer Untersuchungen nach bestimmten Lichtemissionen, welche für diesen spezifischen Stoff charakteristisch sind. Bei dem Nachweis von Wasserstoffmolekülen funktioniert dieses Prinzip jedoch nur unzureichend, da diese Moleküle kaum Strahlung aussenden. Frühere Bemühungen, die Masse der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae zu bestimmen, basierten deshalb auf Indikatorstoffen, so genannte "Tracer", welche typischerweise zusammen mit molekularem Wasserstoff auftreten, um dessen Menge indirekt abzuschätzen. Die Astronomen beobachteten so zum Beispiel das in der Scheibe enthaltene Kohlenmonoxid oder den in der Scheibe vorhandenen Staub und verließen sich dann auf Modelle und weitere Messungen, um so Rückschlüsse auf die enthaltene Menge des molekularen Wasserstoffs zu ziehen.

Dieses Vorgehen birgt allerdings mehrere potentielle Fehlerquellen. Abschätzungen der Masse aufgrund der Wärmestrahlung von Staubkörnern in der Scheibe beruhen auf Annahmen über den Grad der Undurchsichtigkeit, der Opazität, des Staubs. Dieser Wert ändert sich jedoch drastisch, während der Staub zu immer größeren Körnern zusammenklumpt. Unsicherheiten über das Verhältnis der Gasmenge zur Staubmenge, welche aus Messungen des interstellaren Mediums abgeleitet werden, fließen ebenfalls ein.

Abschätzungen aufgrund der Anwesenheit von Kohlenmonoxid sind zudem deshalb kompliziert, da die Scheibe für die betreffende Art von Strahlung undurchsichtig ist. Entsprechende Beobachtungen zeigen daher nur die unmittelbare Oberfläche der Scheibe. Wie sich dieser Werte dann zum Gesamtvolumen verhält, muss anschließend aus geeigneten Modellen erschlossen werden. Je nach dem verwendeten Modell ergibt sich so ein weites Spektrum an Massewerten, was die weiter oben erwähnten Differenzen bezüglich der Masse des molekularen Wasserstoffs bei TW Hydrae erklärt.

Bei den jetzt mit dem Weltraumteleskop Herschel durchgeführten Messungen wurde dagegen ausgenutzt, dass es bei den Wasserstoffmolekülen subtile Unterschiede gibt. Einige wenige Moleküle bestehen nicht aus zwei normalen Wasserstoffatomen, sondern enthalten vielmehr ein Deuteriumatom (während der Atomkern von Wasserstoff nur aus einem einzigen Proton besteht, enthält Deuterium ein zusätzliches Neutron). Diese Wasserstoffdeuterid-Moleküle senden eine bis zu eine Million mal stärkere Strahlung aus als "normale" Wasserstoffmoleküle. Die reale Intensität dieser Strahlung hängt dabei von der Temperatur des Gases ab, welche im Fall von TW Hydrae mittels des von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betriebenen Teleskopverbund "ALMA" ermittelt wurde.

Das Weltraumteleskop Herschel bietet speziell im Wellenlängenbereich dieser Strahlung eine bisher einmalige Kombination aus Empfindlichkeit einerseits und "Feinheit" der spektrale Auflösung andererseits. Für die Beobachtungen von TW Hydrae kam das Herschel-Instrument PACS (kurz für "Photodetector Array Camera & Spectrometer") zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein Kombinationsinstrument aus einer astronomischen Kamera und einem Spektrografen für Wellenlängen zwischen 57 und 210 µm.

Durch die Verwendung dieses Instruments gelang es den an der Untersuchung beteiligten Astronomen nicht nur, die Wasserstoffdeuterid-Molekülen nachzuweisen, sondern auch deren Anzahl zu bestimmen. Beobachtungen an verschiedenen kosmischen Objekten bis zu Entfernungen von rund 300 Lichtjahren zeigen, dass das Mengenverhältnis zwischen Deuterium und normalem Wasserstoff in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft anscheinend weitgehend konstant ausfällt.

Weist man Wasserstoffdeuterid in einer gegebenen Menge nach und rechnet anhand dieses Häufigkeitsverhältnisses um, so ergibt sich somit auch eine gute Abschätzung für die Gesamtmenge an molekularem Wasserstoff. Die Auswertung der so gewonnenen Daten, welche eine zehn Mal genauere Massebestimmung als alle vorigen Studien erlaubt, ergab, dass die protoplanetare Scheibe von TW Hydrae über eine Mindestmasse von rund 52 Jupitermassen verfügt. Sollten sich zudem einige der Deuteriumatome in molekularem Eis oder in komplexeren organischen Molekülen, zum Beispiel in polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (kurz "PAK") verbergen, oder sollten Teilbereiche der Scheibe undurchlässig für die charakteristische Strahlung des Wasserstoffdeuterids sein, dann wird die Menge an molekularem Wasserstoff mit dieser Methode jedoch unterschätzen. Aus diesem Grund stellt der jetzt veröffentlichte Massenwert eine Untergrenze dar.

Die Temperaturschätzung wurde aus Kohlenmonoxid-Spektrallinien abgeleitet und fällt aller Wahrscheinlichkeit nach zu niedrig aus. Mittels dieser Methode wurden lediglich die äußeren Schichten der Scheibe erfasst. Im Inneren der Scheibe, von wo die meiste Strahlung des Wasserstoffdeuterids stammt, sollte die Temperatur noch höher ausfallen. Alle eventuell möglichen Korrekturen über die Gesamtmasse der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae sollten von daher zu noch höheren Werten führen.

Abschätzungen bezüglich des Alters von TW Hydrae führen die Astronomen auf Werte zwischen drei und zehn Millionen Jahre - ein Alter, welches für Sternsysteme mit protoplanetaren Scheiben relativ hoch liegen. Normalerweise, so die bisherigen Theorien über die Bildung von Planeten, sollte sich das gerade entstehende Planetensystem um TW Hydrae bereits vollständig ausgebildet haben. Die neuen Massenmessungen zeigen jedoch, dass trotz dieses hohen Alters noch genügend Materie in der Scheibe vorhanden ist, um dort ein Planetensystem entstehen zu lassen, welches dabei sogar größer ausfallen könnte als unser heimisches Planetensystem.

"Diese Scheibe weist noch genügend Masse auf, um das Äquivalent von 50 Jupitern zu bilden", so Edwin A. Bergin von der University of Michigan, der Hauptautor einer Publikation, welche sich mit den aktuellen Untersuchungen beschäftigt,.

Basierend auf dieser soliden Grundlage und unter Einbeziehungen weiterer Eigenschaften wie zum Beispiel der Temperaturverteilung, welche sich aus Folgebeobachtungen mit dem von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betriebenen Teleskopverbund "ALMA" noch deutlich genauer erschließen lassen sollte, wird es zukünftig möglich sein, noch weit realistischere Modelle für die Scheibe von TW Hydrae zu entwickeln als bisher. Der Vergleich dieser Modelle mit den bisher gewonnen Beobachtungsdaten wird es den an den Forschungen beteiligten Astronomen wiederum erlauben, die derzeit gängigen Theorien über die Entstehung von Planeten und Planetensystemen zu überprüfen und noch weiter zu verfeinern.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden heute in der Fachzeitschrift "Nature" von unter dem Titel "An old disk still capable of forming a planetary system" veröffentlicht.

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Abstract des Fachartikels bei Nature:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Astronomie, ESA, JPL)



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Mars Aktuell: Curiositys Bohrer ist auf der Oberfläche platziert von Redaktion



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» Curiositys Bohrer ist auf der Oberfläche platziert
29.01.2013 - Am vergangenen Sonntag hat der Marsrover Curiosity erstmals seinen Bohrer auf einen Stein aufgesetzt. Vor dem Beginn des eigentlichen Bohrvorganges sind allerdings noch verschiedene Untersuchungen nötig, welche sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen erstrecken werden.
Bereits seit Anfang Dezember 2012 befindet sich der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Curiosity in der Region "Yellowknife Bay". Speziell der nordwestliche Bereich dieser seichten Vertiefung innerhalb des Gale-Kraters, des Operationsgebietes des Rovers, wurde seitdem ausführlich mit den diversen wissenschaftlichen Instrumenten des Rovers untersucht. Hier soll in den kommenden Tagen auch erstmals Curiositys Gesteinsbohrer zum Einsatz kommen (Raumfahrer.net berichtete).

Dieses "Powder Acquisition Drill System" (kurz "PADS") kann mittels eines Schlagbohrmechanismus 1,6 Zentimeter durchmessende und bis zu fünf Zentimeter tiefe Löcher in die Marsoberfläche oder in die dort befindlichen Gesteine bohren. Das im Rahmen eines solchen Bohrvorganges pulverisierte Marsgestein kann anschließend durch die verschiedenen Analyseinstrumente des Rovers eingehend untersucht werden. Zur Vorbereitung dieser ersten Bohrung wurde der hierfür ausgewählte Bereich der Marsoberfläche, es handelt sich um eine flache Formation aus offen zutage liegenden Grundgestein, während der vergangenen Tage ausführlich mit dem APX-Spektrometer, der Mikroskopkamera MAHLI und der ChemCam analysiert und mehrfach abgebildet.

Vorsichtige Vorgehensweise

Am vergangenen Sonntag wurde dann auch erstmals der Bohrer auf der Marsoberfläche platziert und mit Druck gegen die dort gelegene Gesteinsformation gepresst. Durch die so erzeugten Bedingungen wurden Kräfte entwickelt, welche auch in etwa bei einer tatsächlich erfolgenden Bohrung erzeugt werden. Die an der Mission beteiligten Ingenieure wollten durch diesen "Pre-Load"-Test ermitteln, ob die Kräfte, welche dabei auf den Instrumentenarm des Rovers einwirken, ihren vorherigen Berechnungen entsprechen.

In einem nächsten Schritt soll ein weiterer Pre-Load-Test durchgeführt werden, bei dem der Bohrer auch während der Marsnacht auf die Oberfläche gepresst wird. Hierbei soll ermittelt werden, welche Auswirkungen die erheblichen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht auf den unter Spannung stehenden Arm haben. Gegenwärtig fallen die Umgebungstemperaturen an Curiositys Standort von etwa 4 Grad Celsius während des frühen Nachmittags auf bis zu fast minus 70 Grad Celsius während der Marsnächte.

Bedingt durch diese extremen Temperaturschwankungen dehnen sich das Fahrgestell des Rovers und der Instrumentenarm leicht aus beziehungsweise ziehen sich wieder zusammen. Laut den Schätzungen der an der Mission beteiligten Techniker und Ingenieure belaufen sich diese Schwankungen auf etwa 2,4 Millimeter. Dieser nächtliche Pre-Load-Test sollte am gestrigen Tag beginnen und würde demzufolge immer noch andauern.

"Eigentlich beabsichtigen wir nicht, den Bohrer bei seinen Einsätzen auch über Nacht in dem angebohrten Gestein zu belassen. Aber für den Fall, dass dies doch einmal nötig sein sollte wollen wir wissen, welchen Belastungen das System dabei ausgesetzt sein wird", so Daniel Limonadi vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, der leitende Systemingenieur für das Probenentnahmesystem des Rovers. "Bei diesem Test drücken wir den Arm allerdings nicht ganz so stark auf den Boden wie bei einer real erfolgenden Bohrung. So können wir etwas über die Auswirkungen der Temperaturschwankungen in Erfahrung bringen, ohne die Hardware dabei einer Gefahr auszusetzen."

Die weiteren Vorbereitungen für die demnächst anstehende Bohrung werden voraussichtlich noch mindestens den Rest dieser Woche in Anspruch nehmen. In mehreren Schritten sollen dabei nach diesem ersten nächtlichen Pre-Load-Test noch weitere Tests durchgeführt werden. Parallel dazu ist die Gewinnung weiterer Daten über die geologische Beschaffenheit der für die Bohrung ausgesuchten Gesteinsformation durch zusätzliche Analysen vorgesehen.

"Wir bereiten uns mit Bedacht sehr vorsichtig auf diese erste Bohrung vor, denn dieser Vorgang stellt eine große Herausforderung für uns dar", so Daniel Limonadi. "Es wird das erste Mal sein, dass ein Roboter einen Stein anbohrt, um so eine Bodenprobe vom Mars zu entnehmen."

Auch diese erste Bohrung wird dann in mehreren, bereits jetzt genau festgelegten Schritten erfolgen. So soll zunächst ein "drill-on-rock checkout" erfolgen, bei dem ausschließlich der Schlagmechanismus des Bohrers zum Einsatz kommen wird, ohne den Bohrer dabei in eine Rotationsbewegung zu versetzen. Dabei soll getestet werden, ob die dabei erfolgenden Schlagbewegungen dazu führen, dass der Bohrer auch nach wiederholten Auf- und Abwärtsbewegungen die Oberfläche des Gesteins an dem gewünschten Punkt trifft.

In einem weiteren, als "mini-drill" bezeichneten Schritt soll die Oberfläche anschließend lediglich bis zu einer Tiefe von etwa zwei Zentimetern angebohrt werden. Das dabei gewonnene, durch den Bohrvorgang pulverisierte Marsgestein wird dabei aufgrund der geringen Bohrtiefe nicht direkt in die Probeentnahmekammer des Bohrers gelangen, sondern sich vielmehr an der Marsoberfläche ablagern. Hierbei soll mittels anschließend anzufertigender Aufnahmen der MAHLI-Kamera überprüft werden, ob das zerkleinerte Material die erwarteten charakteristischen Eigenschaften zum Beispiel bezüglich der Größe der Gesteinskörner aufweist.

Erst die anschließend erfolgenden Bohrungen werden tief genug gehen, um das dabei gewonnene Material auch den beiden im Inneren des Rovers befindlichen Analyseinstrumenten CheMin und SAM zuzuführen.

Das Problem mit der Marszeit

Derzeit wird der erste Einsatz des Bohrers allerdings durch die Zeitdifferenz erschwert, welche gegenwärtig zwischen dem in Pasadena/Kalifornien befindlichen Roverkontrollzentrum und dem Gale-Krater auf dem Mars herrscht, und die sich täglich um etwa 40 Minuten verschiebt. Curiosity übermittelt seine zuvor gesammelten Daten üblicherweise am späten Nachmittag örtlicher Marszeit zur Erde, wo sie dann bereits wenige Minuten später den an der Mission beteiligten Mitarbeitern zu Verfügung stehen. Erst nach der Auswertung dieser Daten können die an der Mission beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure die nächsten Operationen des Rovers festlegen und entsprechende Kommandos zum Mars übermitteln.

Derzeit unterscheiden sich die lokalen Zeiten auf dem Mars und in Pasadena allerdings lediglich um rund 30 Minuten. Dies hat zur Folge, dass zum Beispiel die heute von Curiosity gesammelten Daten erst morgen analysiert werden können. Auf diesen Daten basierende Kommandos für die nächsten Aktivitäten können von dem Rover deshalb frühestens übermorgen ausgeführt werden. Die "mini-drill"-Aktivitäten können somit - und dies auch nur unter optimalen Umständen - frühestens zwei Tage nach den vorher durchzuführenden "drill-on-rock checkout"-Aktivitäten durchgeführt werden.

Bis zum heutigen Tag, dem "Sol" 172 der Mission, hat der Marsrover Curiosity eine Distanz von etwa 746 Metern auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurückgelegt. In diesem Zeitraum haben die Kamerasysteme des Rovers mittlerweile über 41.000 Bilder aufgenommen und an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) übermittelt. Diese Aufnahmen sind für die interessierte Öffentlichkeit auf einer speziellen Internetseite des JPL einsehbar.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, USGS)


» Wenn auf dem Mars der Frühling beginnt...
01.02.2013 - Bedingt durch die extremen Temperaturunterschiede lagert sich im Laufe der Jahreszeiten das in der Marsatmosphäre enthaltenen Kohlendioxid teilweise auf der Planetenoberfläche ab. Bei der später erfolgenden Sublimation werden auch Sand und Staub neu auf der Oberfläche platziert. Die sich hierbei ergebenden Umgestaltungen der Marsoberfläche werden durch die HiRISE-Kamera des Marsorbiters MRO dokumentiert.
Die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) umkreist den Mars bereits seit dem März 2006 und liefert dabei fast täglich neue und immer wieder faszinierende Detailaufnahmen von der Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten. Die Hauptkamera an Bord des MRO, die von der University of Arizona betriebene HiRISE-Kamera, erreicht dabei mit ihren Aufnahmen eine Auflösung der Planetenoberfläche von bis zu 25 Zentimetern pro Pixel. Durch die Auswertung dieser Bilder ist es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern unter anderem möglich, die gegenwärtig stattfindenden Veränderungen auf der Marsoberfläche oder kurzzeitig auftretende atmosphärische Phänomene zu beobachten und näher zu untersuchen. Mehrere Teams von Wissenschaftlern haben sich dabei auch auf die Phänomene konzentriert, welche sich beim Einsetzen des Frühlings in den Polarregionen des Mars abspielen.

Neben verschiedenen Spurengasen wie zum Beispiel Sauerstoff, Kohlenmonoxid, Wasserdampf oder auch Methan besteht die Atmosphäre des Mars zum überwiegenden Teil aus Kohlendioxid, welches dabei mit einen Anteil von 95,32 Prozent vertreten ist. Zwei weitere bedeutende Bestandteile der Marsatmosphäre sind Stickstoff (2,7 Prozent) sowie das mit einem Mengenanteil von 1,6 Prozent vorhandene Edelgas Argon. Diese Mengenanteile sind jedoch nicht konstant, sondern sie verändern sich vielmehr in einem bestimmten, jahreszeitlich bedingten Rhythmus.

Auf seiner sehr exzentrischen Umlaufbahn um die Sonne - der Wert der Exzentrizität der Marsbahn beträgt 0,0935 und weist nach der Umlaufbahn des Planeten Merkur die größte aus dem Sonnensystem bekannte Abweichung einer Planetenbahn von einer idealen Kreisbahn auf - durchlebt der Mars eine regelmäßig erfolgende Veränderung in der Dichte und Zusammensetzung seiner Atmosphäre. Sobald auf einer der beiden Hemisphären des Mars der Winter einsetzt, friert das über dem betroffenen Pol in der Atmosphäre befindliche Kohlendioxid aufgrund der damit verbundenen Lufttemperaturen von bis zu minus 130 Grad Celsius in einem großen Umfang aus der Atmosphäre aus und lagert sich in Form von Trockeneis im Bereich des jeweiligen Pols ab.

Im Rahmen dieses Prozesses fällt der Druck der Marsatmosphäre über dem jeweiligen Polargebiet um rund ein Drittel ab. Es bildet sich ein ausgedehntes atmosphärisches Tiefdruckgebiet, welches die Luft des Planeten regelrecht in die Richtung des betroffenen Pols zieht. Mit dem einsetzenden Frühling erhöht sich die Lufttemperatur wieder und das zuvor im festen Zustand in der Polarregion abgelagerte Kohlendioxid geht - bedingt durch diesen Temperaturanstieg - wieder in den gasförmigen Zustand über, was zu einer erneut erfolgenden Verdichtung der Atmosphäre führt. Dadurch bildet sich jetzt über dem betroffenen Pol ein Hochdruckgebiet, welches die Luftmassen wieder in Richtung des Marsäquators schiebt. Durch diesen Prozess werden in den oberen Atmosphärenschichten des Mars unter bestimmten Bedingungen Windgeschwindigkeiten von bis zu 650 Kilometern pro Stunde erzeugt.

Aber auch auf der Marsoberfläche bleibt dieser Sublimationsprozess nicht ohne Folgen. Eine Besonderheit bei der Sublimation des Trockeneises besteht darin, dass dieser Vorgang nicht an der Oberseite, sondern vielmehr an der Unterseite der Eisschicht beginnt. Das Trockeneis hat sich auf der Oberfläche von dunklen Bodenschichten - zum Beispiel auf Sanddünen - abgelagert, welche die beiden Pole des Mars großflächig umgeben. Diese Bodenformationen werden mit dem Einsetzen des Frühlings durch die Sonnenstrahlung aufgeheizt, welche das transparente Trockeneis durchdringen kann. Durch die so erzeugte Wärmeenergie geht das Eis schließlich an der Unterseite der Eisschicht in den gasförmigen Aggregatzustand über, während es sich an der Oberseite der Eisschicht zunächst noch stabil verhält.

Der so erzeugte und stetig ansteigende Gasdruck wird abgebaut, indem sich das Kohlendioxid schließlich einen Weg durch die darüber liegende Eisschicht bahnt und diese an deren schwächsten Punkten durchbricht. Bei diesem schlagartig erfolgenden Durchbrechen der Eisdecke reißt das aufsteigende Kohlendioxid auch Sand und Staubpartikel mit sich, welche unmittelbar nach dem Erreichen der Oberfläche von den dort vorherrschenden Windströmungen erfasst und verfrachtet werden. Im Rahmen dieses aeolischen Prozesses lagern sich Sand und Staub in Form von dunklen Streifen oder fächerförmigen Strukturen auf der Oberfläche der Trockeneisschicht ab.

Aber auch ein Teil des kurz zuvor freigesetzten Kohlendioxides lagert sich dabei neu auf der Oberfläche ab, da es aufgrund der in wenigen Metern Höhe wieder deutlich niedrigeren Temperaturen erneut in den festen Zustand übergeht. Auch hier verfrachtet der Wind die Trockeneiskristalle und es bilden sich helle Flecken frischen Eises. Erst mit einem weiteren Fortschreiten der Sublimation des Trockeneises verschwinden dann auch diese neu entstandenen Strukturen.

Neben den ästhetischen Aspekten, welche sich durch die fotografischen Dokumentationen dieser Prozesse für die interessierte Öffentlichkeit ergeben, ermöglichen diese Aufnahmen den Marsforschern weitreichende Einblicke in die vielfältigen Prozesse, welche das aktuelle Wettergeschehen und auch noch gegenwärtig erfolgende Veränderungen auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten beeinflussen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, University of Arizona)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 181 von Redaktion



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» Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 181
26.01.2013 - Am gestrigen Tag begann der mittlerweile 181. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Saturn. Auch die kommenden zwei Wochen sollen in erster Linie dazu genutzt werden, um die Atmosphäre und das Ringsystem des Saturn eingehend zu untersuchen.

Am gestrigen 25. Januar 2013 hat die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 14:55 Uhr MEZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems erreicht. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini in einer Entfernung von rund 1,66 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 181. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell verfügt die Raumsonde auf ihrer Saturnumlaufbahn immer noch über eine Inklination von 53 Grad. Bis Mitte des Jahres 2013 soll die Neigung der Cassini-Umlaufbahn im Rahmen verschiedener naher Vorbeiflüge an dem größten und massereichsten Saturnmond, dem 5.150 Kilometer durchmessenden Mond Titan, in mehreren Schritten allerdings noch auf fast 62 Grad erhöht werden.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 13 Tage andauernden Orbits Nummer 181 - dieser trägt die Bezeichnung "Rev 180" - insgesamt 31 Beobachtungskampagnen vorgesehen.

Die erste dieser Beobachtungen erfolgt am heutigen Tag und wird den Saturn zum Ziel haben. Durch die hierbei geplante Abbildung der Saturnatmosphäre durch die WAC-Kamera, welche Bestandteil einer langfristig ausgelegten "Sturmbeobachtungskampagne" ist, sollen aktuelle Daten über das dortige Wettergeschehen gesammelt werden. Durch die Beobachtung von markanten Wolkenformationen in der Atmosphäre des Ringplaneten lassen sich so zum Beispiel Aussagen über die gegenwärtig vorherrschenden Windrichtungen und -geschwindigkeiten tätigen. Bis zum 7. Februar sind 15 weitere solcher Beobachtungssequenzen vorgesehen.

Ebenfalls für den heutigen Tag ist die Beobachtung einer Sternokkultation vorgesehen. Hierbei wird der Stern R Lyrae von Teilen den Ringsystems bedeckt. Im sichtbaren Licht erreicht dieser im Sternbild Leier (lat. Lyra) gelegene Veränderliche Rote Riesenstern lediglich eine Helligkeit zwischen 3,9 bis 5,0 mag. Im Infrarotbereich des Lichtes handelt es sich dagegen um einen der hellsten Sterne am Himmel, welcher mit einer maximalen Helligkeit von -0,7 mag sogar heller als der Stern Wega, der Hauptstern des Sternbildes Leier, erstrahlt. Aus diesem Grund wird zur Beobachtung der Bedeckung neben der ISS-Kamera auch eines der Spektrometer der Raumsonde, das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), eingesetzt.

Durch die sich dabei ergebenden Helligkeitsschwankungen in der Lichtkurve von R Lyrae erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über den Aufbau und die Struktur der einzelnen Ringe. Durch die zeitliche Abfolge der auftretenden Helligkeitsschwankungen und deren Intensität können so zum Beispiel Rückschlüsse über die Lichtdurchlässigkeit und somit auch über die Materialdichte der einzelnen Ringstrukturen gewonnen werden. Bei zwei vergleichbaren Beobachtungskampagnen sollen am 30. Januar und am 2. Februar weitere Sternokkultationen der Sterne R Cassiopeiae und W Hydrae beobachtet werden.

Zwischen dem 27. und dem 29. Januar stehen diverse Beobachtungen des Ringsystems auf dem Beobachtungsprogramm der Raumsonde. Mittels der geplanten Aufnahmen des F-Ringes sollen erneut die diversen Wellen und Kanäle innerhalb der dortigen Ringstruktur untersucht werden, welche durch eine gravitative Interaktion mit dem Saturnmond Prometheus verursacht werden.

Mit weiteren Aufnahmen sollen anschließend speziell die Speichenformationen im B-Ring des Saturn näher untersucht werden. Diese Strukturen konnten erstmals auf den Aufnahmen der Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 ausgemacht werden, welche den Saturn bereits Anfang der 1980er Jahre passierten. Diese auf Fotoaufnahme in hellen Farben erkennbaren Speichen sind im Durchschnitt etwa 100 Kilometer breit und erstrecken sich radial über eine Strecke von bis zu 20.000 Kilometer in das Ringsystem hinein.

Es handelt sich hierbei um lediglich vorübergehend auftretende Phänomene, welche jeweils innerhalb von einigen Stunden auftauchen und dann wieder verschwinden. Die Planetenforscher sind sich mittlerweile weitgehend sicher, dass diese Speichenstrukturen durch elektrisch aufgeladenen Staub verursacht werden, welcher durch elektrischen Abstoßungskräfte vorübergehend aus dem B-Ring herausgedrückt wird.

Auch für die Entstehung dieser elektrischen Aufladungen gibt es einen Erklärungsansatz. In der Saturnatmosphäre auftretende Gewitter ziehen demzufolge zumindestens zeitweise nach außen gerichtete elektrische Entladungen nach sich, welche dabei zehntausendfach stärker sind als die bei irdischen Gewittern auftretenden Blitze.

Zu solchen nach außen gerichteten Entladungen - so genannten Sprites - kommt es auch bei irdischen Gewittern. Während die meisten Blitze zu Entladungen zwischen Wolken und Erdboden führen, können aus dem Weltall einfallende, hochenergetische Partikel eine in die Höhe gerichtete Entladung auslösen. Dabei "schießen" Ströme von Elektronen in den Weltraum und laden die dort befindlichen Staubteilchen des B-Ringes elektrostatisch auf.

Am 1. Februar wird Cassini um 06:32 MEZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während des Orbits Nummer 181, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 388.490 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden.

Bereits wenige Stunden zuvor soll der äußere Bereich des A-Ringes durch die ISS-Kamera abgebildet werden. Mit den geplanten Aufnahmen sollen zum wiederholten Mal sogenannte "Propellerstrukturen" in diesem Ring dokumentiert werden. Bei diesen entfernt an Flugzeugpropeller erinnernden, lediglich etwa 15 bis 25 Kilometer großen Strukturen handelt es sich um kleine "Hohlräume" innerhalb des Ringes, welche durch die gravitativen Einflüsse von vermutlich lediglich wenige Dutzend Kilometer durchmessenden Mini-Monden - so genannter Moonlets - verursacht werden (Raumfahrer.net berichtete über den bei der Entstehung solcher "Propellerstrukturen" zugrunde liegenden Prozess). Durch die anzufertigenden Aufnahmen sollen die bisher bekannten Bahnparameter dieser Moonlets noch weiter verfeinert werden.

Am 3. Februar wird sich die ISS-Kamera auf den kleinen, äußeren Saturnmond Erriapus richten und diesen über einen Zeitraum von 20 Stunden aus einer Entfernung von mehreren Millionen Kilometern abbilden. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn, seinem Durchmesser von etwa acht bis zehn Kilometern und seiner mittleren Dichte von etwa 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter ist über diesen erst im Jahr 2000 entdeckten Mond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung ergebenden Lichtkurve und einem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtungssequenz ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus jeweils mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Am 4. und 5. Februar sollen zudem mehrere der kleineren inneren Saturnmonde im Rahmen sogenannter astrometrischer Beobachtungen abgebildet werden. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der jeweiligen Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der anzufertigenden Aufnahmen der Monde besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können.

Am 7. Februar 2013 wird Cassini schließlich um 22:12 MEZ in einer Entfernung von rund 1,7 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und auch diesen 181. Orbit um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbit Nummer 182 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphäre des Saturn vorgesehen. Zusätzlich wird am 17. Februar ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Saturnmond Titan erfolgen. Dieser soll dabei in einer Distanz von rund 2.000 Kilometern passiert und erneut mit verschiedenen Instrumenten untersucht werden.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll Cassini den Saturn noch bis zum Jahr 2017 erkunden und am 15. September 2017 aufgrund des dann nahezu komplett aufgebrauchten Treibstoffvorrates kontrolliert in der Atmosphäre des Ringplaneten zum Absturz gebracht werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, The Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Betankungsexperiment außerhalb der ISS von Redaktion



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» Betankungsexperiment außerhalb der ISS
30.01.2013 - In der letzten Woche fand ein erfolgreiches Experiment an der Außenseite der Internationalen Raumstation statt, bei dem das Betanken eines Satelliten simuliert wurde.
Das entsprechende Equipment war beim letzten Shuttle-Flug STS 135 im Sommer 2011 zur ISS gebracht worden. Es besteht im Wesentlichen aus einer quaderförmigen Apparatur mit Einfüllstutzen, die mit Muttern, Kappen und Sicherungsdrähten versehen sind. Außerdem sind auch die erforderlichen Spezialwerkzeuge Bestandteile der Robotic Refueling Mission (RRM).

Für die Operationen wurde die am Ende des Stationsmanipulators angebrachte Erweiterung DEXTRE (Special Purpose Dexterous Manipulator) verwendet, was etwa Spezialmanipulator für Geschicklichkeit erfordernde Aufgaben bedeutet. Er verfügt über zwei Arme, an denen unterschiedliche Werkzeuge angebracht werden können. Diese trägt er normalerweise in einer dafür vorgesehenen Vorrichtung bei sich. Die für die Betankungssimulation erforderlichen Tools wurden allerdings nur für diese Aufgabe konstruiert und zur Station gebracht.

Am 14. Januar begann das Experiment, musste allerdings aufgrund eines Software-Problem gleich wieder abgebrochen werden. Nachdem dieses behoben war, nahm Dextre die Aufgabe ein paar Tage später erneut in Angriff. Alle Kommandos kamen dabei von der Erde, die ISS-Besatzung war also in das Experiment nicht direkt involviert. Dies entspricht auch dem Ziel der Mission. Mit einem derartigen unbemannten System sollen in Zukunft Satelliten in beliebigen Erdumlaufbahnen betankt werden können.

Am ersten Tag (14. Januar) entnahm Dextre der RRM ein Werkzeug, mit dem sich Sicherungsdrähte durchschneiden lassen. Damit wurde dann genau das gemacht, wofür das Werkzeug geschaffen wurde: ein Sicherungskabel wurde durchtrennt. Mit dem anderen Arm wurde zudem eine äußere Abdeckung, die als dritte Sicherung dient, abgezogen. Dazu "ergriff" Dextre zuvor das ein Multifunktionswerkzeug. Am zweiten Tag (15. Januar) wurde diese Kappe verstaut und zur Behebung des Software-Problems eine Pause eingelegt.

Fortgesetzt wurde am 17. Januar mit dem Durchtrennen zweier weiterer Sicherungskabel und dem Verstauen der beiden Werkzeuge. Am 22. Januar wurde zunächst ein spezielles Tool an einem Arm angesteckt, mit dem Abdeckkappen von einem Nachfüllstutzen entfernt und in einem speziellen Behälter untergebracht werden können. Nach einem Test wurde die zweite Sicherungskappe abgezogen und anschließend das Werkzeug wieder verstaut.

Am 23. Januar wurde nun das Nachfüllwerkzeug ausgewählt und montiert. Außerdem benutzte Dextre seinen zweiten Arm dazu, sich an der Struktur festzuhalten. Mit dem Nachfüllwerkzeug, das in der Lage ist, eine Ventilmutter zu lockern und durch einen innenliegenden Schlauch Äthanol in den Tank der RRM zu füllen, wurden am 24. und 25. Januar die letzten Arbeiten durchgeführt. Anschließend wurde die Ventilmutter wieder festgezogen, ein Schnellverschluss übergestülpt und das Werkzeug wieder an seinen Platz gebracht.

Damit war das Experiment mit einer kleinen Verzögerung erfolgreich abgeschlossen worden. Beteiligt waren Techniker der NASA und der kanadischen Weltraumagentur CSA. Die auszuführenden Kommandos kamen vom Marshall Space Flight Center in Huntsville (USA).


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, CSA)


» Zweiwege-Laserkommunikation mit Raumstation
31.01.2013 - Am vergangenen Freitag wurden erstmals aktuelle wissenschaftliche Daten per Laser von der Internationalen Raumstation zu einer Bodenstation geschickt. Diese sandte auf dieselbe Weise auch Informationen ins All.
Die zugehörige Hardware war bei Außenbordarbeiten im Jahre 2011 (ISS-Expedition 28) an der Außenseite des Moduls Swesda installiert und am 2. Oktober 2012 erprobt worden. Nun wurde sie erstmals zur Übermittlung wissenschaftlicher Daten genutzt. Die Datenrate auf dem Weg zur Erde lag bei 125 MBit/s, zurück zur Station gelangten Daten mit 3 MBit/s. Insgesamt konnten während eines Überflugs der bodengestützten Empfangsstation im kaukasischen Archuis (Архыз) 400 MByte fehlerfrei übermittelt werden.

Dabei handelte es sich überwiegend um Bilddaten, die in den vergangenen Tagen im Rahmen von Experimenten zur Erderkundung gesammelt wurden und ohnehin zur Erde übertragen werden mussten. Bisher hatte man häufig eine Datenübertragung über Funkkapazitäten der NASA genutzt. Mittlerweile verfügt man aber selbst wieder über zwei geostationäre Bahnverfolgungs- und Datenweiterleitungssatelliten vom Typ Lutsch. Auch dieses System soll nach einer Testphase noch 2013 in Betrieb gehen.

Die Bodenstation entstand in Zusammenarbeit der Produktionsvereinigung "Systeme von Präzisionsinstrumenten" mit Energija und Roskosmos. Das Forschungsinstitut war erst 2009 gegründet worden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos)



 

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"InSpace" Magazin #485
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
4. Februar 2013
Auflage: 4844 Exemplare


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