InSpace Magazin #474 vom 21. August 2012

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #474
ISSN 1684-7407


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Curiosity: Erste Ergebnisse des RAD-Instrumentes

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Details zum neuen Progress-Annäherungsverfahren

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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

kaum ist der größte und anspruchsvollste aller Rover, Curiosity, weitestgehend problemlos auf dem Mars gelandet, da verkündet die NASA schon die nächste Marslandemission: InSight wird ein Landegerät sein, das auf dem erfolgreichen Phoenix-Lander basiert und die geologische Forschung, die mit Spirit und Opportunity begonnen wurde, im wahrsten Sinne des Wortes vertiefen soll - nämlich um einige Meter ins marsianische Grundgestein. Das Beste an dieser Mission, die für 2016 geplant ist: Das Bohrinstrument soll von deutscher Seite beigesteuert werden und ein Seismometer von der französischen Raumfahrtagentur CNES. Das verspricht die engste Zusammenarbeit zwischen US-Amerikanern und Europäern seit der schon leicht in Vergessenheit geratenden Huygens-Mission zu werden.

InSight ist allerdings "nur" ein stationärer Lander, kein mobiler Rover. Der nächste Rover, ebenfalls als Koproduktion geplant, hätte ja ExoMars werden sollen, aber die NASA musste ihre Beteiligung an dieser Mission bekanntlich aus finanziellen Gründen absagen. Die NASA hat auch nicht etwa ein eigenes Ersatz-Roverprojekt in der Pipeline, sondern es gibt derzeit überhaupt keine weiteren Roverprojekte - es kann gut sein, dass Curiosity für lange Zeit der letzte NASA-Rover bleibt.

Nun ja, vorläufig geht es Curiosity noch blendend, sie dreht und streckt gerade ihre "Gliedmaßen" nach dem langen Flug, scharrt schon mit den Rädern und lässt ein bisschen ihre zehn Instrumente spielen, allen voran die spektakuläre ChemCam. Für morgen ist die erste richtige Fahrt geplant, und dann wird es wohl bald losgehen zum ersten Untersuchungsobjekt.

Wie es Curiosity seit der Landung ergangen ist, können Sie jetzt in unseren News der letzten zwei Wochen nachlesen, zu denen ich Ihnen viel Spaß wünsche.

Axel Orth

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Updates / Umfrage

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Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• Das Jahrhundert der Raumfahrt «mehr» «online»
• GCOM-W1 alias SHIZUKU im Regelbetrieb «mehr» «online»
• Fehleranalyse vom Proton-Start am 6. August «mehr» «online»
• Intelsat modernisiert kontinuierlich seine Flotte «mehr» «online»


» Das Jahrhundert der Raumfahrt
08.08.2012 - Warum es im 21. Jahrhundert zum Aufbruch ins All kommen wird. Ein Essay von unserem Gastautor Detlef Köhler.
Raumfahrt ist heute den meisten Menschen ein Begriff. Viele können zumindest damit assoziieren, dass Wettervorhersagen, Fernsehempfang, die Zielführung per Navigationsgerät oder das Telefongespräch aus dem Urlaub über Kontinente hinweg auch damit zu tun haben müssen, dass "weit oben im Weltraum" etwas kreist, das uns bei all diesen Dingen behilflich ist. Dass wir dort etwas stationiert haben, welches uns – ohne dass wir davon groß Notiz nehmen – das Leben allgemein erleichtert und die Lebensqualität erhöht. Selbst das mittlerweile allgegenwärtige weltumspannende Internet wäre heute ohne stabile Satellitenverbindungen nicht mehr realisierbar (Unterseekabel sind dafür nicht mehr ausreichend).

Doch was hat das alles wirklich mit Raumfahrt zu tun? In der nominellen Bedeutung des Wortes? Genau genommen eigentlichen recht wenig.
Wie das? Wo wir doch jedes Jahr allein in Europa mehr als 2 Milliarden Euro im Budget der europäischen Raumfahrtorganisation ESA dafür ausgeben! Wo doch selbst Staaten wie Brasilien, Indien, Korea, Japan oder China ähnlich große Summen dafür aufwenden, Raketen zu starten, Satelliten im Orbit zu platzieren und Taikonauten ins All zu schicken. Wo es doch sogar eine weltweit einmalige Kooperation im Orbit gibt, die dort oben eine Struktur geschaffen hat, welche als ständig bemannter Außenposten der Menschheit im Weltraum dient: ISS – die internationale Raumstation! Deren erfolgreicher Betrieb über Jahre und bald auch Jahrzehnte überdies allen zeigt, dass es durchaus möglich ist, weltweit friedlich über Kulturkreise hinweg zusammenzuarbeiten. Auf der ISS arbeiteten und arbeiten Astronauten aus mehr als 15 Ländern unseres Planeten und leisten dort wichtige Grundlagenforschung. Sie beantworten damit Fragen wie diese:
Wie vertragen wir Schwerelosigkeit? Kurzzeitig sehr gut (da macht sie sogar Spaß!), längerfristig jedoch überhaupt nicht. Wie können wir dort oben autark überleben? Da gibt es trotz der widrigen Bedingungen des Weltraum mittlerweile viele Möglichkeiten. Das Wichtigste bei der Arbeit der Astronauten ist jedoch die Forschung an Experimenten, die uns neue Materialien, neue Medikamente oder neue Technologien ermöglichen, welche man nur im Zustand der Mikogravitation entwickeln und testen kann.

Dass bei all dieser und ähnlicher Forschung in den mehr als 50 Jahren menschlicher Präsenz im Orbit der Erde mittlerweile für jeden von uns ein erheblicher Nutzen entstanden ist, dem wir sogar viele Dinge des Alltags verdanken, sei nur am Rande erwähnt. Hier einige Beispiele von Produkten, die es ohne die bemannte Raumfahrt vermutlich so nicht geben würde:
Taschenrechner, Klettverschluss, Mobiltelefon, Satellitenfernsehen, Radialreifen (hat heute praktisch jedes Auto), Akkuschrauber, gefriergetrocknete Nahrungsmittel (z.B. 5-Minuten-Terrine), Quarzuhren, Solarzellen (Stromerzeugung), Brennstoffzellen, Satellitenbilder (z.B. GoogleEarth, WorldWind), verspiegelte Sonnenbrillen, weltweite Wettervorhersagen (Urlaubswetter), Rauchmelder, flexible Brillengestelle (Memorylegierungen), Behandlung des Augeninnendrucks (entwickelt auf einer Raumstation), Nierensteinzertrümmerer (ohne OP), schussfeste Sicherheitswesten (aus Kevlar), Superkacheln (bis 2700 °C, z.B. für Bremsscheiben im ICE), Aerogel (z.B. für Expeditionskleidung bis -50 °C), Pit-Stop-Anzüge (Hitzeschutzanzüge), Hochdrucktanks (aus unbrennbaren Nomex für die Gasversorgung). Alle diese Dinge wurden zuerst für die Raumfahrt entwickelt und haben danach in unseren Alltag Einzug gehalten. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen und unsere in die Raumfahrt investierten Steuergelder haben sich demzufolge gut amortisiert ...

Und doch ist das, was wir gerade auf der ISS betreiben oder das, was die Chinesen heute in ihrer eigenen Raumstation Tiangong machen, zwar sehr wichtig im Hinblick auf die prinzipiellen Lebensmöglichkeiten im Weltraum – aber keine Raumfahrt im eigentlichen Sinne des Wortes. Denn es findet alles nur im Orbit der Erde statt. Auch wenn dafür oft – um den Nutzen besser heraus zu stellen – der Terminus "Raumfahrt für die Erde" verwendet wird. Denn echte bemannte Raumfahrt hat bisher nur sehr wenig stattgefunden: 9 Expeditionen vor mehr als 40 Jahren – als Menschen zum Mond geflogen sind. Denn nur auf diesen Flügen haben wir uns bisher so weit in den eigentlichen Weltraum hinaus gewagt, dass man es Raumfahrt nennen könnte. Alle anderen lediglich auf den Orbit der Erde beschränkten Flüge verdienen die Bezeichnung Raumfahrt eigentlich nicht, weil es mit Exploration des Weltraums wenig zu tun hat. Das wäre etwa so, als würde man die ersten Flugversuche Lilienthals im 19. Jahrhundert mit Luftfahrt gleichsetzen. Heute jedoch erreicht die Luftfahrt bis auf wenige Ausnahmen jeden Punkt der Erde. Raumfahrt verdient diese Bezeichnung als solche also erst dann, wenn wir viele entfernte Punkte im Weltraum erreichen – oder dazu zumindest technologisch in der Lage sind, also bei Bedarf einfach los fliegen könnten.

Könnten wir das heute schon – und vor allem: Welchen Sinn sollte das haben?
In ihren Anfängen und insbesondere zu Zeiten des kalten Krieges hatte die Raumfahrt vor allem einen Sinn: Militärische Nutzung. Ein wenig diente sie jedoch auch der Forschung und in diesem Zusammenhang zu einem gewissen Teil auch dem Prestige im Konkurrenzdenken der politischen Systeme von UdSSR und USA. Raketenbauer und Ingenieure durften gern ihre kühnen Pläne von Flügen zu Mond und Mars vorstellen und teilweise auch verwirklichen – wenn sich ihre Raketen gleichzeitig mit nuklearen Sprengköpfen bestücken ließen oder Aufklärungssatelliten in polare Orbits schießen konnten. So entstand der Wettlauf zum Mond und so entstanden die oben erwähnten 9 Expeditionen zum uns nächsten Himmelskörper, den bisher nur ganze 12 Menschen betreten haben – letztmalig 1972. Warum war seitdem niemand mehr dort? Warum gibt es gegenwärtig nur 2 Raumstationen (eine ziemlich große und eine sehr kleine) ganz nahe an der Erde? Warum haben sich all die hochfliegenden Vorhersagen aus den Anfangsjahren der Raumfahrt im 20. Jahrhundert nicht erfüllt (z.B. die der Besiedlung von Mond und Mars)? Weil es bis jetzt keine Notwendigkeit gab, weiter weg als in 400 km Höhe über die Erde zu fliegen. Denn was wir wissen wollen, kann man nach vorherrschender europäischer Forschungsdoktrin im Computerzeitalter doch problemlos mit Satelliten, ferngesteuerten Weltraumteleskopen und automatischen Raumsonden erforschen. Diese konnten ja wirklich auch vor allem in den letzten 20 Jahre eine aufsehenerregende Erfolgsbilanz vorweisen. Hier ein kleiner Abriss dessen, was wir ohne sie nicht wissen würden:

  • wie die Rückseite des Mondes aussieht
  • dass es auf der Venus Schwefelsäure regnet und 460 °C heiß ist
  • dass der Mars Wasser hat (Leben?)
  • dass es auf dem Jupitermond Io tätige Vulkane gibt
  • dass der Jupitermond Europa einen Ozean unter seiner Eisdecke hat (Leben?)
  • dass es auf dem Saturnmond Titan Flüsse und Seen aus Methan gibt (Leben?)
  • dass es mehr als 800 extrasolare Planeten gibt (darunter mindestens drei mal eine "zweite Erde"
  • dass uns relativ viele Asteroiden gefährlich werden könnten
  • das die Strahlung unserer Sonne nicht konstant ist
  • dass es gefährliche Gammastrahlenblitze aus den Tiefen des Alls gibt
  • wie alt das Weltall ist (knapp 14 Milliarden Jahre)

All diese Erkenntnisse verdanken wir der bisherigen Exploration des Alls mit Teleskopen im Weltraum (z.B. Hubble, Corot, Kepler, Herschel, Planck), Raumsonden und Landern (z.B. Venera, Opportunity, Mars Express, Galileo, Huygens, Stereo) und nicht zuletzt auch der Tätigkeit von Astronauten (auf Mondlandungen und in Raumstationen). Die weitestgehend automatisierte ferngesteuerte Raumfahrt mit Automaten hat unser Weltbild in den letzten 50 Jahren nahezu auf den Kopf gestellt! Auch hier wurden die Steuergelder also gut eingesetzt. Außerdem wird weltweit weiter an Raumsonden und Weltraumteleskopen geplant und gebaut – warum sollten dann überhaupt noch Menschen ins All fliegen? Warum etwas tun, das ohnehin sündhaft teuer ist und die Steuerzahler Milliarden kostet, welche man doch sicher besser "anlegen" könnte?

Weil es ganz anders kommen wird, als es im 20. Jahrhundert vorhersehbar war oder wie es die heutigen politischen Doktrinen erlauben. Denn die entscheidende Wende bei der Exploration des Weltalls erleben wir gerade jetzt: Raumfahrt im 21. Jahrhundert wird demnächst weniger von Staaten, sondern mehr von privaten Unternehmen betrieben! Dass dies dann auch noch wesentlich effizienter und preiswerter geht, hat z.B. die Firma SpaceX unlängst bewiesen. Sie haben beim Flug ihrer Dragon-Kapsel zur ISS den orbitalen Kilopreis nahezu um den Faktor 10 gesenkt und er wird weiter fallen, wenn die Raumfahrt nicht mehr ausschließlich aus Steuermitteln finanziert wird und davon nicht auch noch ihr heute gewachsener bürokratischer "Wasserkopf" mit ernährt werden muss. Unternehmen wie SpaceX, Bigelow Aerospace, XCOR, Blue Origin oder Planetary Resources werden die Raumfahrt zu neuen Zielen führen. Stichworte dafür sind beispielsweise Bergbau auf dem Mond und auf Planetoiden, solare Orbitalkraftwerke oder der gerade beginnende Weltraumtourismus. Es sind ökonomische und ökologische Notwendigkeiten, die uns ins All treiben werden!

Wenn z.B. weiterhin in Zukunft dann 9 Milliarden Menschen alle zwei Jahre ein neues Mobiltelefon oder einen neuen Tablet-PC haben möchten, werden die Vorräte an seltenen Erden schnell erschöpft sein – auf der Erde. Nicht jedoch auf tausenden für das Astromining in Frage kommenden Planetoiden und Asteroiden. Zwar wird Recycling zukünftig eine bedeutendere Rolle spielen – den weltweiten Bedarf aber letztlich nicht decken können. Das betrifft auch andere Materialien, die wir z.B. für Solarzellen oder die Akkus von Elektrofahrzeugen benötigen. Selbst Kupfer wird knapp – vom Öl ganz zu schweigen. Wirtschaftliches Wachstum ohne eine extensive Nutzung der unerschöpflichen Vorräte an Rohstoffen aller Art im Weltall – in Zukunft kaum vorstellbar. Um sie zu nutzen, werden noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts Tiefraum-Expeditionen starten – privat finanziert und ausgerüstet. Bei diesen Vorstößen ins Sonnensystem wird natürlich auch ein großer Teil nützliche Forschung "abfallen" und der Erkenntnisgewinn über das solare System enorm sein.

Die Erkenntnis, dass der Mensch dabei letztlich vor Ort auf dem Mond oder den auszubeutenden Planetoiden unabdingbar ist, wird sich auch dabei schon sehr bald durchsetzen. Ein Beispiel: Schon jetzt ist klar geworden, dass die Forschungsergebnisse, die wir den Marsrovern Spirit und Opportunity zu verdanken haben, zwar wirklich bahnbrechend sind – aber es vergleichsweise ewig gedauert hat, bis man sie gewonnen hatte (nämlich mehr als 5 Jahre). Ein Mensch vor Ort auf dem Mars hätte die gleichen Experimente und Untersuchungen so ziemlich genau in einem halben Tag vornehmen und seine Schlussfolgerungen daraus ziehen können. Dass sich Wirtschaftsunternehmen bei der Exploration des Alls deshalb ausschließlich auf die vergleichsweise ewig dauernde jahrelange Untersuchung eines Planetoiden mit automatischen Sonden verlassen werden, ist unwahrscheinlich – denn hier gilt das Gesetz time is money. Außerdem ist der Mensch nach wie vor jeder noch so gut programmierten Software oder jedem ausgeklügelten Expertensystem an Bord eines automatischen Raumflugkörpers in Flexibilität, Intuition und vor allem seiner Neugier überlegen und deshalb unersetzbar. Das wissen private Raumfahrtunternehmen sehr genau. Alles Gegenteilige, das z.B. gern politische Vertreter staatlicher Raumfahrtagenturen zu diesem Thema kommunizieren, sind lediglich Bedenkenträgerargumente. Denn der Mensch im All ist der allerbeste Explorer, den es gibt.

Wenn irgendwann in diesem Jahrhundert dann die ersten extraterrestrischen Basen auf dem Mond, dem Mars oder einem auszubeutenden Planetoiden errichtet worden sind, kommt das einer Besiedlung des Weltraums gleich. Die Raumfahrt macht dann ihrem Namen auch endlich alle Ehre. Denn es wird in jedem Fall wirtschaftlicher sein, wenn die Raumfahrer nicht wieder zur Erde zurück kehren. Das wird maximal im Einzelfall so sein und es werden deshalb an vielen Punkten im Sonnensystem menschliche Niederlassungen entstehen. Dass dies auch technisch im Bereich des Machbaren liegt, ist bereits jetzt erkennbar.

Im 21. Jahrhundert wird sich die Antriebstechnologie von Raumflugkörpern weiter weg bewegen von rein chemisch-thermischen Raketen hin zu alternativen Antriebssystemen wie Ionenantrieb, solaren Segeln, Lasersegeln oder vielleicht sogar neuartigen nuklearen Triebwerken. Diese sind im Weltraum einfacher und vor allem ungefährlicher zu realisieren als z.B. ein Fusionsreaktor auf der Erde. Dann schmelzen die langen Reisezeiten, die bisher durch energiesparende Hohmannbahnen und jahrelange Swing-bys an anderen Himmelskörpern diktiert werden, von Monaten und Jahren auf Tage und Wochen.

Auch alle mit einem permanenten Aufenthalt des Menschen im All einher gehenden Gefahren sind heute bereits beherrschbar. An dieser Stelle nur kurz drei Beispiele: Die gefürchteten Phasen langer Schwerelosigkeit (auf monate- oder jahrelangen Raumflügen durch das Sonnensystem) wird man durch eine simple Konstruktion umgehen: Zwei redundante Raumschiffe werden – verbunden durch ein mehrere Kilometer langes Seil aus Kohlenstoffnanoröhren – gemeinsam auf die Reise geschickt. Das System wird in Drehung versetzt, so dass durch die Fliehkraft an Bord Schwerkraftersatz entsteht. Die Rotationsfrequenz wird so gewählt, dass die Astronauten genau 1G (wie auf der Erde) verspüren. Medizinische Probleme der Schwerelosigkeit? Nicht mehr existent (an Seilen aus Kohlenstoffnanoröhren wird bereits erfolgreich geforscht). Ein anderes existenzielles Problem ist die notwendige autarke Versorgung der Raumfahrer. Dies ist dank der Grundlagenforschung, die man z.B. auf der ISS betreibt, in greifbare Nähe gerückt. Man weiß mittlerweile, wie man Tomaten unter Weltraumbedingungen wachsen lassen kann, dass man Blüten am besten durch Hummeln bestäuben lässt, wie man Wasser komplett recycelt oder Luft regeneriert – all das auch so, dass sich damit Monate oder gar Jahre autark überbrücken lassen. Ein weiteres existenzielles Problem sind die kosmische Strahlung und solare Eruptionen, vor denen uns hier am Boden unsere Erdatmosphäre schützt. Um die Raumfahrer im All davor zu schützen, wird man sich auf fremden Himmelskörpern einfach in simpler Weise in den Boden eingraben und beim Flug dorthin aufblasbare und mit Wasser befüllbare Schiffsmodule und Schutzräume mit sich führen. Das löst gleich mehrere Probleme: Wasser benötigt jeder Mensch und es isoliert gut gegen die Strahlung. Bigelow Aerospace führt mit seinen aufblasbaren Raumstationsmodulen (Genesis) gerade vor, wie man so etwas auch kostengünstig bauen kann. Die aufblasbaren Module sollen übrigens zuerst touristischen Zwecken dienen. In einem Orbitalhotel aus solchen Modulen können demnächst Weltraumtouristen eine Woche im Orbit die Schönheit unseres Heimatplaneten genießen. Weltraumtourismus? Im 20. Jahrhundert oder mit staatlich organisierter Raumfahrt undenkbar – demnächst auf privater Basis vermutlich eines der Erfolgsmodelle für einen neuen Aufbruch ins All im Jahrhundert der Raumfahrt.

Dass es in unserem 21. Jahrhundert zur Ausbreitung unserer Spezies ins Weltall letztlich keine Alternative gibt, wird auch aus anderen Überlegungen deutlich. Denn bei 9 Milliarden Menschen werden 2050 für jeden nicht einmal mehr 8000 m² der gesamten Landfläche der Erde übrig bleiben (wenn man unproduktive Gegenden wie Wüsten, Hochgebirge und Eisfelder subtrahiert). Offenbar hat das noch niemand ernsthaft berechnet. Denn es ist ziemlich wenig, um es für jeden einzelnen mit Feld, Haus und Weg zu bebauen und sich dabei nicht gegenseitig auf die Nerven zu gehen! Dass dann irgendwann im Verlaufe des Jahrhunderts auch die Grenzen unseres wirtschaftlichen Wachstums erreicht sind, ist bei der gegenwärtigen Bevölkerungsexplosion bei den vorhandenen endlichen irdischen Ressourcen eine logische Konsequenz. Inder, Chinesen, Japaner, Koreaner und sogar die Brasilianer haben das offenbar längst begriffen. Denn sie alle betreiben ambitionierte und durchaus kostenintensive steuerfinanzierte Programme, um Menschen ins All zu schicken und letztlich irgendwann da draußen zu siedeln. Sie haben dabei – für uns in Europa kaum nachvollziehbar – ihre Bevölkerung zum Großteil hinter sich. Weil Raumfahrt eben mehr ist, als eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Sie befriedigt die menschliche Neugier, schafft Pioniergeist und Aufbruchstimmung, kann die Jugend wieder für etwas begeistern und macht wohl auch ein wenig stolz.

Was haben wir davon in Europa noch? Was ist davon in den USA nach der Apollo- und Shuttle-Ära geblieben? Allen pessimistischen Aussagen zum Trotz gibt es neben den wirtschaftlichen Faktoren noch eine ganz andere Triebkraft, welche die Gegner und Bedenkenträger der bemannten Raumfahrt völlig ignorieren: Die der menschlichen Neugier, der Drang nach Exploration und Besiedlung ferner Küsten. So, wie dies bereits vor Jahrtausenden Phönizier, Griechen und Römer getan haben, so, wie die USA und andere Länder Amerikas entstanden sind – so wird es sich aus genau diesem Grund auch im Sonnensystem und – vielleicht schon gegen Ende des Jahrhunderts der Raumfahrt mit Hilfe der ersten Generationsschiffe – auch interstellar wiederholen. Unsere heutige, hoch entwickelte europäische Zivilisation verdanken wir auch dem Wagemut und der Neugier der alten Seefahrer. Weil unsere antiken Vorfahren lieber Galeeren zum Erkunden statt Papierschiffchen zum Spielen gebaut haben. Weil sie die Gründung von Städten in fremden Ländern dem Bau kleiner Sandburgen am heimatlichen Strand vorzogen.

So wie damals gab es zu jeder Zeit Menschen, die aus Neugier aufgebrochen sind, die Kolonien gründeten, die ihre Ersparnisse für einen Neuanfang geopfert haben (z.B. bei der Besiedlung des amerikanischen Kontinents). Solche Menschen wird es auch in Zukunft geben. Menschen, die einfach nur neu anfangen wollen, sei es allein oder in Gruppen, Menschen, die vielleicht einfach nur eine neue Politik oder echte Demokratie abseits der auf der Erde eingetretenen Pfade wollen – all dies wird letztlich im Weltraum viel einfacher möglich werden und ein Auslöser zum dortigen Siedeln sein. Autarke Kolonien inklusive. Alle pessimistischen Prognosen – dass wir die Erde niemals verlassen werden oder maximal Nadelstiche in den Kosmos vornehmen werden – führen sich allein schon aus diesem einen Argument ad absurdum. Und auch die ganzen technischen Argumente, dass es niemals möglich sein wird, sind bereits aus heutiger Sicht unsinnig – selbst dann, wenn wir gegenwärtig über die notwendigen Technologien noch nicht verfügen oder sie uns gar nicht vorstellen können.

Dass wir sie uns nicht vorstellen können und Neues deshalb aus pessimistischer Sichtweise nicht sein kann, kennen wir aus allen vergangenen Zeiten. Unkenrufe wie der über die unsinnig teure oder nicht verwirklichbare echte Raumfahrt gab es seit Anbeginn der Industriegesellschaft und die vorschnellen Antworten waren immer die gleichen: UNMÖGLICH! Der Mensch könne unmöglich fliegen! Doch Lilienthal und die Gebrüder Wright flogen. Heute fliegen wir alle – in den Urlaub, zu Geschäftsterminen oder einfach nur so aus Spaß... Den Atlantik könne man unmöglich mit einem Flugzeug bezwingen! Doch die Mehrzahl von denen, die bereits in Amerika waren, sind dort sicher nicht mit dem Schiff angekommen... Auch vor Gagarins erstem Raumflug hieß es: Unmöglich, der Mensch wird sterben im All. Gagarin starb – aber nicht wegen seines Raumflugs. Mittlerweile waren etwa 500 Menschen im Weltraum. Gut – aber interstellare Reisen sind wirklich unmöglich. Viel zu groß die Entfernungen, viel zu hoch der Energieaufwand und unmöglich, dass man die Menschen im leeren interstellarem Raum so lange am Leben erhalten kann. Nun ja – was all die Pessimisten auch hier ignorieren, ist etwas ganz Profanes: Sie sind ihrer eigenen beschränkten Denkweise erlegen, die nur das als gegeben hinnimmt, was heute existiert. Ihre Analysen berücksichtigen weder die rasante technologische Entwicklung im 21. Jahrhundert noch die neuesten Erkenntnisse aus Astronomie, Physik und Technologie.

Dass der interstellare Raum nicht leer ist und sich vielleicht sogar zur Treibstoff- und Energiegewinnung nutzen lässt (z.B. mit dem Konzept eines Bussardkollektors) oder dass demnächst im LHC vielleicht wirklich so etwas wie SF-Technologie, z.B. ein "Antimateriekatalysator", entdeckt werden könnte, übersteigt ihre Vorstellungskraft. Doch das muss an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden, denn Pessimisten haben noch niemals zum Fortschritt beigetragen. Dies gelang immer nur den "Spinnern", den "Verrückten", den Neugierigen und Enthusiasten. Sie waren und sind die eigentlichen Pioniere. Sie bringen den Fortschritt zum Wohle der Menschheit voran und werden unser Jahrhundert zum Jahrhundert der Raumfahrt machen – und irgendwann auch zu nahen und weiter entfernten Sonnen und ihren Planetensystemen aufbrechen.

Es gibt darüber hinaus noch weitere Notwendigkeiten, die einen neuen Aufbruch ins All erfordern. Neben den wirtschaftlichen und ideellen Gründen ist da in erster Linie die Gefahrenabwehr zu nennen. Wie? Gefahren – etwa vor kriegerischen ETs? Nein – es sind ganz reale Gefahren, auf die wir erst in den letzten Jahren u.a. dank Erkundungen von Raumsonden und Satelliten richtig aufmerksam geworden sind. Es geht um die reale Gefahr des Einschlags von Asteroiden und Kometen auf unserem Planeten. Dass dies verheerende Auswirkungen inklusive dem Tod allen Lebens auf der Erde haben kann, wissen wir bereits seit dem Nachweis des "Dinosaurierimpakts" am Ende der Kreidezeit vor ca. 65 Millionen Jahren. Dass uns jedoch auch wesentlich kleinere Himmelskörper als der damalige Xixulub-Asteroid (ca. 10 km Durchmesser) gefährlich werden können, wissen wir erst seit kurzem. Dass es dabei einige Hundert potenzielle Einschlagskandidaten gibt, sogenannte NEOs (Near Earth Objects), von denen wir nicht einmal die genauen Bahndaten kennen, ist durchaus beunruhigend. Für einige davon – z.B. die Asteroiden Apophis oder 2011AG5 – bestehen relativ hohe Wahrscheinlichkeiten für eine Kollision mit der Erde noch in unserem Jahrhundert (für Apophis 2036 z.B. ~0,001% – klingt wenig, ist jedoch potentiell gefährlich).

Wenn wir also das Schicksal der Dinosaurier (und aller anderen mit ihnen untergegangenen Spezies) nicht teilen wollen, müssen wir einerseits die Beobachtung der NEOs forcieren sowie weltweit geeignete Abwehrmaßnahmen koordinieren, die allesamt ohne Raumfahrt und Raumfahrer vor Ort kaum denkbar sind. Da es dabei um die Menschheit als Ganzes geht, sollte diese Aufgabe bei der UN oder der UNESCO angesiedelt sein. Doch dazu bisher leider Fehlanzeige. Lediglich partielle Initiativen – staatlich gelenkt durch ESA und NASA sowie zwei private (Sentinel und Planetary Society) beschäftigen sich zur Zeit mit der Erkennung potentieller Impaktoren und deren Abwehrmöglichkeit. "Hätten die Dinosaurier ein Raumfahrtprogramm gehabt, wären sie nicht ausgestorben." – dieser bekannten Aussage des Astronoms Carl Sagan ist nichts hinzuzufügen. Wenn es dann soweit ist in den nächsten Jahrzehnten, wenn unser extensiver Drang keinen Platz mehr findet auf der Erde – wo sollen wir dann siedeln dort draußen?

Als erstes bietet sich natürlich der kosmisch relativ nahe Mond an. Dort werden – vermutlich im Schutz der Schattenlage und unter der Annahme von vorhandenen Ressourcen aus Wassereis – an den Polen die ersten Basen entstehen. Dank der von Stephen Ashworth (Oxford) als Selenopolis vorgeschlagenen Pendelstation könnte eine gut geschützte zwischen Erde und Mond permanent hin und her pendelnde Raumstationen das Problem des Strahlenschutzes, der gigantischen Kosten und des regulären Mondtransportes lösen. Treibstoffe und Wasser können aus erdnahen Asteroiden gewonnen und himmelsmechanisch relativ leicht zu dieser Pendelstation gebracht werden. Mit einer solchen Pendelstation bietet sich somit ein reger Raumflugverkehr im monatlichen Turnus zum Mond an. Die Pendelstation müsste dafür nicht einmal die Größe der heutigen ISS haben – könnte also durchaus privat finanziert werden. Falls China als raumfahrender Staat das Projekt nicht allein und als erster verwirklicht.

Sind die Menschen erst einmal wieder auf dem Mond, ermöglicht das ganz andere, ungeahnte Perspektiven: Raumschiffe könnten dort am Fließband gebaut und auf Grund der fehlenden Atmosphäre und der geringen Fluchtgeschwindigkeit einfach per elektrischem Katapult in die Tiefe des Raumes gestartet werden. Ein solches Verfahren mit Startanlagen in Form eines ca. 98 km langen Linearmotors im Mare Crisium (berechnet für konstante 3G Beschleunigung) wird die Kosten für bemannte Raumflüge weiter drastisch senken und die Exploration des gesamten Sonnensystems ermöglichen. Denn die Energie für eine solche Startanlage in Transrapidtechnologie kommt dann direkt aus lunaren Solarzellen mit einer Effizienz, von der wir heute noch träumen. Das erste lunare Kosmodrom dieser Art ist bereits in wenigen Jahrzehnten denkbar.

Wohin fliegt man dann als nächstes? Diese Frage stellt sich eigentlich nicht mehr, denn es wird eine große Zahl von Zielen geben, die mehr oder weniger gleichzeitig angesteuert werden können. Ob dann der Mars wirklich der 2. von Menschen betretene Himmelskörper wird oder ob ihm ein Asteroid diesen Rang streitig macht, sei dahin gestellt. Beides werden im 21. Jahrhundert Ziele sein für Forschung, Exploration und extensive Erweiterung der menschlichen Einflusszone. Selbst zur unwirtlich heißen Venus könnte man fliegen und im Bedarfsfall dort siedeln. Bei 20 °C und 1.000 hPa Druck (wie zu Hause) würde dies in 50 km Höhe in schwebenden Ballonstädten möglich sein. Die wären dank der dichten Venusatmosphäre wesentlich einfacher zu bauen als Luftschiffe auf der Erde. Aber halt – auf der Venus fehlen Sauerstoff und Wasser! Doch das dürfte bei dem Überangebot an Solarenergie dort kein Problem sein. Man kann Wasser durch chemische und elektrolytische Prozesse direkt aus den Wolkenbestandteilen gewinnen und mit Hilfe von Solarstrom zu Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. Die zukünftigen Astronauten an Bord der Ballonsiedlungen auf der Venus werden erfinderisch sein.

Doch wie ist es mit den Regionen des ewigen Eises jenseits der Marsbahn? Wo zwar die Riesenplaneten Jupiter und Saturn mit ihrem ganzen Zoo von Monden, aber vor allem auch Kälte und Dunkelheit warten? Beides Dinge, die wir gar nicht gern mögen und Menschen nicht gerade anlocken, weil man zum Überleben ja irgendwie Energie, Nahrungsmittel, Wasser und Licht braucht. Nun – all das gibt es dort draußen in Massen.

Auf dem Saturnmond Titan wurden durch den Lander Huygens nicht nur Methan, Ethen und andere Kohlenwasserstoffverbindungen nachgewiesen, die auf dessen Oberfläche bei -178 °C sogar Flüsse und Seen bilden – aus heutiger Sicht ein absolutes Treibstoffparadies, wo sich überdies vielleicht sogar eigene Lebensformen tummeln könnten! Es gelang darüber hinaus mit Hilfe der Raumsonde Cassini kürzlich sogar, Beweise für die Existenz eines ca. 50 km mächtigen globalen unterirdischen Ozeans aus Wasser zu finden! Dieses Wasser stellt ein ähnlich riesiges Reservoir dar wie die irdischen Ozeane und lädt mit den zahlreichen organischen Verbindungen und der stickstoffhaltigen dichten Atmosphäre förmlich zum Siedeln auf Titan ein. Energie muss dort also nicht zwangsläufig aus Sonnenenergie gewonnen werden. Man kann auf viele andere natürliche Quellen der Titanchemie zurück greifen und damit wahrscheinlich dann sogar noch die äußeren Bereiche des Sonnensystems mit Treibstoffen, Nahrungsmitteln und anderen Produkten beliefern. Auf dem kalten Titan könnte so in der 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts eine warme prosperierende menschliche Kolonie entstehen. Ähnlich verhält es sich auf anderen Monden der Riesenplaneten. Auf Enceladus beispielsweise (ein weiterer, aber sehr kleiner Saturnmond) jagt ein Geysir den nächsten – sie speien mit organischen Verbindungen angereichertes warmes Wasser, das durch tektonische Vorgänge aus unterirdischen Reservoirs empor gedrückt wird! Zugegeben – man kann darin nicht einfach baden, weil die Luft fehlt. Doch Energie, Wasser und Kohlenstoffverbindungen sind auch dort im Überfluss vorhanden und laden ein, eine Raumbasis auf Enceladus zu gründen. Gleiches gilt für die beiden Jupitermonde Europa und Io. Während man auf ersterem unter seiner Eiskruste ebenfalls einen globalen flüssigen Ozean aus Salzwasser vermutet, ließen sich zwischen den über 300 tätigen Vulkanen auf dem warmen Io geothermische Kraftwerke betreiben, von deren Effizienz wir hier auf der Erde nur träumen können! Die Beispiele ließen sich fortsetzen – selbst bei einigen natürlichen Satelliten der fernen Planten Uranus und Neptun. Allen diesen Monden ist gemeinsam, dass sie ausreichende Ressourcen zur Gründung menschlicher Basen bieten.

Natürlich wird das Leben in solchen Außenposten und Raumkolonien dann gänzlich anders ablaufen als auf der Erde. Aber auch das war schon immer so – Koloniegründer haben zwar stets einen Teil ihrer Heimatkultur in die Ferne exportiert, ansonsten aber ihre eigenen Kulturen entwickelt. Was soll daran schlimm sein? Im Gegenteil – es wird die menschliche Vielfalt weiter bereichern. Auf den Monden der fernen Planeten mit ihren völlig anderen Umweltbedingungen und ihrer deutlich geringeren Gravitation wird sich dies sogar direkt biologisch auf die Nachkommen der Raumfahrer auswirken. Vermutlich werden sie größer als heute lebende Menschen sein und sich möglicherweise weiter oder anders entwickeln.

Das trifft dann auch zu, wenn vielleicht gegen Ende des Jahrhunderts der Raumfahrt das erste Generationenschiff zu einer weiten, Jahrhunderte langen Reise zum – ja wohin eigentlich? – aufbricht. Das Ziel könnte natürlich ein lebensfreundlicher Planet eines anderen, nahen Sterns sein, den man im Verlaufe des 21. Jahrhunderts mit fortschreitender spektroskopischer Beobachtungstechnik aufgespürt hat. Wo man eine zweite Erde vermutet (derer ja mittlerweile bereits 3 in weiter Ferne entdeckt wurden – aber es gibt auch mögliche Kandidaten unter den Exoplaneten "in der Nähe"). Einen Planeten, den man dann – sofern er nicht bewohnt ist – in Besitz nehmen wird. Das es dabei auch aus heutiger Sicht schier unlösbare Probleme gibt (Dürfen wir das?)

Wird uns die fremde Biosphäre nicht schlagartig umbringen? Oder bringen unsere eingeschleppten Bakterien der fremden Biosphäre den Tod?), dürfte klar sein. Aber dafür wird man Lösungen entwickeln. Im 14. Jahrhundert starb noch eine große Zahl von Menschen an Pest und Pocken. Im 20. Jahrhundert bereits nicht mehr – die Pocken gelangten unter Kontrolle der WHO. In späteren Jahrhunderten wird es eine universelle Immunisierung geben, die in beide Richtungen wirkt. Auch auf anderen Planeten.

Jedoch muss nicht unbedingt ein solch ferner Planet das Ziel sein. Da das "Schiff" ein gewaltiges, mehrere Kilometer großes, langsam rotierendes autarkes Habitat sein wird, dass seine eigene Schwerkraft durch Rotation erzeugt und sich auf seinem Weg durch die Oortsche Wolke von den dort vorhandenen Milliarden Kometen "ernährt", kann es letztlich auch dort bleiben – wenn es seine Bewohner so wünschen oder es eine demokratische Abstimmung an Bord so festlegt (schließlich wurde es privat finanziert, die Plätze an Bord waren nicht billig und jede Stimme zählt). Genau so kann es aber sein, dass es zu einem interstellaren Langstreckenflug ans andere Ende der Galaxis aufbricht. Wer will sie aufhalten? Eine Rückkehr ist nicht vorgesehen und Flugzeit spielt in autarken Systemen ohnehin keine Rolle mehr.

Interstellare Flüge? Ja, auch dass wird passieren – wir wissen nur nicht wann. Denn dazu bedarf es weder einer Science-Fiction-Technologie wie Warp oder Schwarzen Löchern. Es genügen dafür relativ langsam fliegende sogenannte Generationenraumschiffe, die als Antriebstechnologie z.B. große einfache solare Segel aus Mylarfolie nutzen könnten und auf denen sich die Raumfahrer an Bord fortpflanzen. Deren autarke Umwelt wird vielleicht 10.000 Menschen Platz bieten, denn diese Zahl ist ein mutmaßlicher Mindestwert für die Gewährleistung einer gesunden genetischen Durchmischung und den Erhalt der menschlichen Population über Jahrhunderte hinweg. Faszinierende Aussichten für die Raumfahrt!

Doch die Ausbreitung der Menschheit ins All ist nicht nur eine Notwendigkeit. Sie kann auch aus ganz anderen Gründen nur begrüßt werden: Es sichert der menschlichen Spezies letztlich das Überleben. Ganz gleich, ob wir uns auf der Erde im religiösen Wahn oder finanzieller Gier zu Grunde richten, ganz gleich, ob vielleicht doch ein Asteroid unsere Biosphäre und unsere Zivilisation auslöscht – viele der im Weltraum gegründeten Außenposten und Kolonien werden danach weiter existieren und unserer Art somit das Überleben garantieren. Und kosmisches Unheil kommt in jedem Fall: Schon in weniger als einer Milliarde Jahre wird sich die Strahlung unserer Sonne auf Grund der sich verändernden nuklearen Prozesse in ihrem Innern verstärken. Auf der Erde wird es dann unerträglich heiß und alle Ozeane werden verdampfen. Spätestens dann sind wir zum Auswandern in den Kosmos gezwungen. 4 Milliarde Jahre später wird sich unsere Sonne zu einem roten Riesenstern aufblähen und die Erde ganz verschlucken. Zeit also, heute schon den Aufbruch der Menschheit ins All vorzubereiten.

Abschließend noch ein Blick in die nähere Zukunft. Welchen Nutzen wird uns die Raumfahrt in den nächsten Jahren bieten? Eine kleine Aufstellung zur freudigen Erwartung, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Ab 2013: Galileo – ein europäisches und von den Militärs unabhängiges Navigationssystem mit Genauigkeiten im Zentimeterbereich! Zu spät abbiegen gehört dann endgültig der Vergangenheit an.
Ab 2016: Suborbitale Interkontinentalflüge – dafür notwendige Hyperschallflugzeuge (suborbitale Raumschiffe) befinden sich in der Entwicklung. Als Tourist in einer Stunde nach Südafrika – noch in dieser Dekade machbar.
Ab 2020: Weltraumtourismus für alle. Zum faszinierenden Kurztrip ins All? Die Schönheit unserer irdischen Heimat mit eigenen Augen aus dem Weltraum zu betrachten oder schwerelos zu schweben, sind tiefgreifende und prägende Erlebnisse. Warum sollen sie nur Astronauten vergönnt sein? Der Weltraum ist für alle da und die Raumschiffe bald startbereit. Auch wenn die Preise noch exorbitant hoch sind – das waren sie zu Anbeginn der Luftfahrt auch. Übermorgen vielleicht zur aufblasbaren Raumstation und später dann ins Mondhotel? Bereits mehr als 25 Unternehmen weltweit arbeiten daran.
Ab 2025: Zum Mond und ab 2030 zum Mars. Auch wenn diesmal vielleicht ein Chinese der erste ist – der Mensch wird zum Mond zurück kehren und auch den Mars betreten. Zu verlockend sind die sich dort bietenden Möglichkeiten für Forschung, Rohstoffgewinnung und Exploration des Alls. Auch andere Himmelskörper warten auf uns: Bergbau auf Asteroiden, Ballonstädte auf der Venus und die Besiedlung der lunaren Welten von Jupiter und Saturn könnten zu Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – des Jahrhunderts der Raumfahrt – werden.

Über den Essay können Sie bei uns diskutieren:


(Autor: Raumfahrer.net Gastautor - Quelle: Detlef Köhler)


» GCOM-W1 alias SHIZUKU im Regelbetrieb
11.08.2012 - Die japanische Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (JAXA) gab am 10. August 2012 bekannt, dass der japanische Ozeanbeobachtungssatellit GCOM-W1 alias SHIZUKU seinen regulären Beobachtungsbetrieb aufgenommen hat.
Der Satellit mit einer Startmasse von rund 1.880 kg war am 18. Mai 2012 vom japanischen Startzentrum Tanegashima an der Spitze einer Rakete des Typs H-IIA in den Weltraum gebraucht worden. Seit dem 29. Juni ist das Raumfahrzeug auf einem Orbit innerhalb einer A-Train genannten Konstellation (eigentlich: "The Afternoon Constellation") internationaler Erdbeobachtungssatelliten unterwegs. Seiner vollständigen Bezeichnung, die für Global Change Observation Mission 1st - Water steht, entsprechend ist es seine Aufgabe, Informationen über die Veränderung der Umweltbedingungen über den Weltmeeren zu liefern.

Das Hauptinstrument von GCOM-W1 ist ein Mikrowellenradiometer, mit dem es möglich ist, Niederschläge zu beobachten, die Menge von verdunstendem Wasser zu bestimmen, die Windgeschwindigkeit über der Meeresoberfläche zu messen, und die Höhe von gefallenem Schnee festzustellen. Das als AMSR2 für Advanced Microwave Scanning Radiometer 2 bezeichnete Instrument besitzt den größten jemals im All eingesetzten rotierenden Antennenreflektor. Sein Durchmesser beträgt rund 2 Meter. Gemessen wird in sechs verschiedenen Frequenzbändern zwischen 7 und 89 GHz.

Das AMSR2 und die gewählte annähernd kreisförmige sonnensynchrone Umlaufbahn des Satelliten in rund 710 Kilometern über der Erdoberfläche mit einer Neigung von 98,2 Grad gegen den Erdäquator ermöglichen es, über 99 Prozent der Erdoberfläche alle zwei Tage abzutasten. Die Breite des abgetasteten Streifens auf der Oberfläche beträgt rund 1.450 Kilometer. Die Auslegung des rotierenden Antennensystems erfolgte so, dass es bei einem Einsatz rund um die Uhr mit einer Drehgeschwindigkeit von einer Umdrehung alle 1,5 Sekunden über fünf Jahre Dauerbetrieb ohne Unterbrechung überstehen soll.

Wie vorher geplant läuft seit dem 10. August 2012 der reguläre Beobachtungsbetrieb, nachdem die erste Funktionsüberprüfung erfolgreich abgeschlossen wurde. Die aktuell vom Satelliten empfangenen Daten werden sorgfältig mit anderen, das gleiche Beobachtungsgebiet betreffenden Daten abgeglichen, um die Gültigkeit der Daten zu bestätigen und ihre Qualität gegebenenfalls durch weitere Kalibrierungen der Instrumente an Bord von GCOM-W1 verbessern zu können.

Am 7. August 2012 erfasste GCOM-W1 Messdaten vom Taifun HAIKUI, welche die Stärke der Regenfälle in unterschiedlichen Zonen des Taifuns erkennen lassen. In dem von der JAXA gezeigten Komposit-Bild stellen die blau markierten Bereiche Gebiete mit Regenfällen geringer Stärke dar, schwere Regenfälle gibt es in den rot markierten Bereichen.

Das Bild des Taifuns im Hintergrund in Graustufen steuerte der japanische geostationäre Multifunktionssatellit MTSAT, positioniert bei 145 Grad Ost, bei. Das Auge des Taifuns in dessen Mitte, einem Bereich ohne Niederschläge, wurde vom Mikrowellenradiometer von GCOM-W1 gut getroffen, auf dem ursprünglichen Wolkenphoto von MTSAT ist es nicht so deutlich zu erkennen.

GCOM-W1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.337 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-025A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: JAXA)


» Fehleranalyse vom Proton-Start am 6. August
16.08.2012 - Am 6. August 2012 startete gegen 21.31 Uhr MESZ eine Proton-M-Trägerrakete mit Bris-M-Oberstufe und zwei Satelliten, die eigentlich für den Geostationären Orbit vorgesehen waren. Aufgrund eines Fehlers in der Oberstufe gelangten sie jedoch nicht auf die geplante Bahn.
Stattdessen bewegt sich der indonesische Telkom 3 zwischen 266 und 5.012 km Höhe bei einer Bahnneigung von 49,9 Grad und der russische Express-MD 2 nur knapp darunter (266 x 5.009 km) auf praktisch nutzlosen Erdumlaufbahnen. Aufgrund des niedrigen Perigäums werden sie innerhalb kurzer Zeit in dichtere Atmosphärenschichten eintreten und wahrscheinlich restlos verglühen. Die Raumfahrzeuge sind mit 1,6 bzw. 1,14 t eher Leichtgewichte.

Mit Telkom 3 besteht vonseiten des Herstellers Reschetnjow offenbar Kontakt, so dass man nach entsprechenden Tests hier sogar einen gesteuerten Wiedereintritt ausführen könnte. Zum Problem könnte allerdings die Oberstufe mit ihren noch weitgehend gefüllten Tanks werden. Erwärmen sich diese zu sehr, so könnten sie platzen und Bruchstücke auf ähnlichen Bahnen hinterlassen. Kommt es gar zu einer Explosion, dann würden sich gefährliche Teile über einen weiten Orbitbereich verteilen und die Raumfahrt wahrscheinlich jahrelang zusätzlich behindern.

Nach zunächst reibungslosem Start der Proton-M-Trägerrakete hatte sich die Oberstufe gelöst und ihren ersten Arbeitszyklus absolviert. Ein thorusförmiger Tank wurde abgetrennt, bevor die zweite Antriebsphase begann. Hier zündete das Triebwerk allerdings lediglich für etwa 7 Sekunden und schaltete sich anschließend wegen eines zu niedrigen Treibstoffdrucks selbstständig ab, um größeren Schaden zu vermeiden. Später wurden offenbar die beiden Nutzlasten automatisch abgetrennt.

Nach Analyse auf russischer Seite behinderte eine "Verunreinigung" in einer erst kurzfristig ummontierten Treibstoffzuleitung den korrekten Zufluss. Diese Leitung hatte zuvor bereits zu einer mehrtägigen Verschiebung des Starts geführt. Vermutet wird nun eine nicht korrekte Ausführung der Montagearbeiten und eine fehlende oder unzureichende Überprüfung.

Die Satelliten sind zwar versichert, die Versicherungssumme deckt aber offenbar nicht deren Wert. Der mit 32 C- und 10 Ku-Band-Transpondern ausgerüstete Telkom 3 hätte seinen seit 2005 im All befindlichen Vorgänger ersetzen sollen. Der Satellit basiert auf dem Ekspress-1000N-Bus von Reschetnjow, die Kommunikationsnutzlast stammt von Alcatel. Ekspress-MD 2 wurde von Chrunitschew in Auftrag gegeben und ist mit 8 C- sowie einem L-Band-Transponder von Thales Alenia Spazio ausgestattet.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, RIA Nowosti, Skyrocket, Jakarta Post, Raumcon, SatObs)


» Intelsat modernisiert kontinuierlich seine Flotte
20.08.2012 - Gestern wurde Intelsat 21 an der Spitze einer Zenit 3 erfolgreich ins All transportiert und ist damit der vierte von fünf geplanten neuen Kommunikationssatelliten der Firma in diesem Jahr.
Der Start erfolgte am 19. August, gegen 8.55 Uhr MESZ von der schwimmenden Startplattform "Odyssey" aus, die in unmittelbarer Äquatornähe beste Bedingungen für einen Start in den Geostationären Orbit bot. 30 Minuten nach dem Start wurde der Satellit von der letzten Stufe der Trägerrakete abgetrennt und sendete kurze Zeit später seine ersten Signale zur Bodenstation.

Ausgrüstet ist das beim Start knapp 6 t schwere, durch Boeing Satellite Systems gebaute Raumfahrzeug mit 24 C- und 36 Ku-Band-Transpondern für Radio, Fernsehen und Datendienste. Intelsat 21 soll mindestens 15 Jahre lang funktionieren und bei 58 Grad westlicher Länge im Geostationären Orbit stationiert werden. Hier soll er Intelsat 9 ablösen, der vor gut 12 Jahren ins All gelangte.

Gegenwärtig bewegt sich Intelsat 21 auf einer Bahn zwischen 271 und 35.583 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von etwa 0,1 Grad gegen den Äquator. Den etwa kreisförmigen Zielorbit in 35.780 km Höhe erreicht er in den nächsten Tagen mit Hilfe eines eigenen Antriebs.

Intelsat 21 ist bereits der vierte Satellit des Kommunikationsdiensteanbieters in diesem Jahr. Im März gelangte Intelsat 22 an der Spitze einer Proton-Trägerrakete ins All, im Juni Intelsat 19 mit einer Zenit 3 und Anfang August Intelsat 20 mit einer Ariane 5. Noch für 2012 auf dem Plan steht Intelsat 23, der erneut mit einer Proton von Baikonur aus gestartet werden soll. Auftragnehmer für den Bau der Satelliten waren die Orbital Sciences Corporation, Space Systems Loral und Boeing (alle USA).

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Skyrocket, Raumcon, SeaLaunch)



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Mars Aktuell: Curiosity: Erste Ergebnisse des RAD-Instrumentes von Redaktion



• Curiosity: Erste Ergebnisse des RAD-Instrumentes «mehr» «online»
• Curiosity: Status Report vom 5. August «mehr» «online»
• Live-Blog: Mars-Rover Curiosity ist gelandet! «mehr» «online»
• Curiosity: Foto der Landestelle und ein Abstiegsvideo «mehr» «online»
• Curiosity: Neue Fotos und erreichte Meilensteine «mehr» «online»
• Opportunity setzt seine Fahrt fort «mehr» «online»
• Curiosity: Marslandschaft unter irdischer Sonne «mehr» «online»
• Curiositys Landung - ein Bericht aus dem ESOC «mehr» «online»
• Curiosity: Laserstrahlen auf dem Mars «mehr» «online»


» Curiosity: Erste Ergebnisse des RAD-Instrumentes
05.08.2012 - Es dauert nur noch wenige Stunden, bis der neueste Rover der NASA, der Marsrover Curiosity, auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten aufsetzen wird. Aber bereits vorher liegen erste wissenschaftlich verwertbare Erkenntnisse dieser neuesten Marsmission vor.
In nur wenigen Stunden wird der neueste Rover der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der Rover Curiosity, auf der Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten aufsetzen und sein Landegebiet anschließend mittels der mitgeführten wissenschaftlichen Instrumente für die Dauer von mindestens 23 Monaten ausführlich untersuchen.

Aber bereits auf dem Weg zum Mars war eines dieser Instrumente, der Strahlungsdetektor RAD, aktiviert und hat dabei im Rahmen seiner in regelmäßigen Abständen erfolgenden Messungen die Strahlungswerte ermittelt, denen zukünftige Astronauten auf ihrem Weg zum Mars ausgesetzt sein werden.

"Das RAD-Instrument ist [in der Missionsphase des Fluges zum Mars] vergleichbar mit dem Stellvertreter für einen Astronauten in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars", so die Erklärung von Dr. Donald Hassler vom Southwest Research Institute in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, dem für dieses Instrument verantwortlichen Wissenschaftler. "Das Gerät befindet sich tief im Inneren der Raumsonde, vergleichbar mit der Position eines Astronauten bei einer bemannten Mission. Zu sehen, wie die Raumsonde das Strahlungsfeld beeinflusst, wird uns wichtige Informationen darüber liefern, wie man ein Raumschiff für eine zukünftige Reise zum Mars am besten konstruieren muss."

Zu diesem Zweck nahm das RAD-Instrument seinen wissenschaftlichen Betrieb bereits am 6. Dezember 2011 auf und sammelte bis zum 13. Juli 2012 regelmäßig Daten über die Strahlungswerte, welchen die Cruise Stage des Rovers auf seinem Weg zum Mars ausgesetzt war. Neben der kosmischen Strahlung war die Cruise Stage dabei speziell der Strahlung ausgesetzt, welche sich im Rahmen mehrerer Sonnenstürme durch das innere Sonnensystem verteilte. In diesem Zeitraum konnte der RAD insgesamt fünf größere Sonnenstürme nachweisen, deren Strahlungspartikel im Februar, März und Mai 2012 nicht nur die Cruise Stage getroffen haben, sondern die auch in das Innere der Raumkapsel vordringen konnten.

"Der Rover hat diese Ereignisse gut überstanden und uns zudem unbezahlbare Daten über diese Ereignisse übermittelt", so Don Hassler. Eine erste Auswertung der bisherigen Daten zeigt, dass lediglich die stärksten der in diesem Zeitraum aufgetretenen Sonnenstürme die Außenhülle der Cruise Stage durchdringen und anschließend von dem RAD nachgewiesen werden konnten. Neben der eigentlichen, aus einer Aluminium-Struktur bestehenden Cruise Stage und dem Aeroshell sorgten dabei anscheinend auch die mit Hydrazin gefüllten Treibstofftanks für eine gewisse Abschirmung gegenüber der einfallenden Strahlung.

Insgesamt wurde der größere Teil der einfallenden Strahlung nicht durch die von der Sonne ausgehenden Strahlungspartikel verursacht, sondern vielmehr durch die Gesamtheit der kontinuierlich einfallenden kosmischen Strahlung. Vergleichende Messungen mit dem Advanced Composition Explorer (kurz "ACE") der NASA, welcher sich am Lagrange-Punkt L-1 zwischen der Sonne und der Erde befindet, zeigten zudem, dass die Struktur der Cruise Stage einen Großteil der auftreffenden Strahlung abschirmt. Der ACE wurde ebenfalls von den einzelnen Strahlungsevents getroffen, wobei die entsprechenden Messungen jedoch an der Außenseite des ACE erfolgten.

Allerdings zeigte die Analyse der auftretenden Strahlungsmengen, welche die Cruise Stage von Curiosity erreichten auch, dass die einfallende Strahlung in ihrer Gesamtheit trotz einer vergleichbaren Abschirmung höher ausfällt als die Strahlungsdosis, welcher sich die Astronauten der Internationalen Weltraumstation (ISS) bei einem längeren Aufenthalt im Erdorbit aussetzen. Um die gesundheitlichen Risiken zukünftiger Marsbesucher so weit wie möglich zu minimieren muss also noch eine Verbesserung der Abschirmung eines zukünftigen Mars-Raumschiffes ins Auge gefasst werden.

Welche Bedeutung haben diese Ergebnisse? Zum einen erhielten die an der Mission beteiligten Wissenschaftler mit ihren Messungen im freien Weltraum wertvolle Datensätze, welche ihnen weitere und in diesem Umfang bisher nicht mögliche Aufschlüsse über das Strahlungsfeld im inneren Sonnensystem geben. Zum anderen - und auch dies ist eine positive Nachricht für den weiteren Verlauf der Curiosity-Mission - können sie sich jetzt sicher sein: Das RAD-Instument funktioniert offensichtlich zuverlässig und liefert die im Rahmen der Mission vorgesehenen Daten.

Die Signale, welche die erfolgte Landung des Rovers bestätigen, werden am morgigen 6. August gegen 7.31 Uhr MESZ auf der Erde eingehen. Sie können die Landung Curiositys, welcher die Marsforschung während der kommenden Jahre wesentlich mitbestimmen wird, auch im Rahmen einer deutschsprachigen Internet-Übertragung verfolgen. Spacelivecast.de wird an diesem Tag um 06:30 MESZ auf Sendung gehen und Sie neben den Bildern von NASA-TV mit entsprechenden Kommentaren und vielen interessanten Hintergrundinformationen versorgen.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, NASA Science News, DLR)


» Curiosity: Status Report vom 5. August
05.08.2012 - Wenige Stunden vor der Landung des Mars-Rovers Curiosity auf unserem äußeren Nachbarplaneten arbeiten alle Systeme des Raumfahrzeugs wie erwartet, so dass einer planmäßigen Landung am morgigen Montag um 7.31 Uhr (Funkkontakt in MESZ) nichts im Wege steht.
Wie aufgrund der stabilen und konsistenten Flugbahn bereits vor einigen Tagen absehbar war, konnte die für Freitag eingeplante fünfte Kurskorrektur seit dem Start am 26. November 2011 abgesagt werden, da sie nicht notwendig war. Auch die am heutigen Sonntag mögliche sechste und letzte Möglichkeit zur Kurskorrektur vor der Landung wurde vom Flugkontrollteam nicht genutzt - ein weiteres Zeichen für die perfekte Flugbahn, auf der sich das Mars Science Laboratory (MSL) Curiosity seinem Ziel nähert. Ebenfalls am heutigen Sonntag wurden letzte geringfügige Korrekturen für verschiedene Navigationsparameter in den Bordcomputer des MSL hochgeladen.

Bereits gestern nachmittag wurden im Rahmen der eigenständig vom MSL durchgearbeiteten Sequenz von Aktivitäten die Heizelemente der acht Landetriebwerke des Mars-Landers aktiviert, mit denen die Triebwerke auf ihren Einsatz in den letzten Minuten vor der Landung von Curiosity vorbereitet werden.

Wie bestellt hat sich der Beobachtung des um den Roten Planeten kreisenden Mars Reconaissance Orbiters zufolge auch ein Staubsturm auf der südlichen Marshemisphäre gelegt, so dass die atmosphärischen Bedingungen für die Landung des Rovers keine besonderen Probleme aufwerfen sollten: "Mars kooperiert durch Bereitstellung von gutem Wetter für die Landung", so kommentierte der stellvertretende Curiosity-Projekt-Wissenschaftler Ashwin Vasavada vom NASA-eigenen Jet Propulsion Laboratory (JPL) diesen erfreulichen Umstand.

Auch der zweite aktive NASA-Orbiter in einer Umlaufbahn um unseren äußeren Nachbarn, der bereits seit 2001 dort seine Bahnen ziehende Methusalem Mars Odyssey, funktioniert derzeit störungsfrei. Ihm kommt morgen früh eine wichtige Aufgabe zu, wird er doch der einzige Mars-Orbiter sein, der die Daten von Curiosity während und unmittelbar nach der Landung in Echtzeit zur Erde senden kann. Zu diesem Zweck muss die Ausrichtung des Orbiters jedoch vor der Landung noch verändert werden, damit die Echtzeitübertragung erfolgen kann. Sollte dieses Manöver - aus welchen Gründen auch immer - nicht erfolgreich verlaufen, so wird sich das Missionsteam der NASA auf nervenaufreibende zwei Stunden Wartezeit gefasst machen müssen, bevor erste Signale vom Mars den Erfolg oder das Scheitern der Curiosity-Landung verkünden werden.

Zwischenzeitlich hat die NASA bereits erste Ergebnisse des Strahlungsdetektors RAD veröffentlicht. Dieses Instrument hat bereits während des mehrmonatigen Fluges von Curiosity auf dem Weg von der Erde zum Mars Strahlungsmessungen durchgeführt. Eine Zusammenfassung der interessanten und für zukünftige bemannte Missionen zum Roten Planeten sehr bedeutsamen Ergebnisse können Sie in unserer entsprechenden News-Meldung vom heutigen Abend nachlesen.

Mit zunehmend geringerer Distanz zum Mars steigt aufgrund des Schwerkraft-Einflusses des Roten Planeten auch die Geschwindigkeit des MSL stetig an: während das Raumfahrzeug am Samstagmorgen noch mit rund 3.600 Metern pro Sekunde auf den Planeten zustürzte, wird dieser Wert bis auf etwa 5.900 Meter pro Sekunde beim Erreichen der obersten Bereiche der Marsatmosphäre ansteigen - bevor dann die neben dem Start wohl sieben spannendsten Minuten des bisherigen Missionsverlaufs beginnen, in denen Curiosity kontrolliert durch die Marsatmosphäre bis zur hoffentlich weichen Landung rast.

Wir werden Sie auf Raumfahrer Net von 6.00 bis 11.00 Uhr im Rahmen eines Live-Blogs über den Verlauf der Landung von Curiosity auf dem Mars informieren, alternativ kommentieren die Kollegen von spacelivecast.de die Landung ab 6.30 Uhr in Form eines Videostreams.


(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Live-Blog: Mars-Rover Curiosity ist gelandet!
06.08.2012 - Hinweis: Diese Seite wird mittlerweile nicht mehr aktualisiert! Einen Überblick über die laufenden Geschehnisse rund um den neuesten Mars-Rover der NASA erhalten Sie auf unserer Curiosity-Sonderseite. Darüber hinaus berichten wir natürlich auch im Rahmen unserer aktuellen News-Meldungen ständig über neue Entwicklungen der Rover-Mission.
Da auch der europäische Mars-Orbiter Mars Express Daten des Mars-Rovers während der Landephase zur Erde übertragen hat, wurde von der europäischen Raumfahrtagentur ESA am Morgen der Landung von Curiosity eine Presseveranstaltung im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt veranstaltet.

Raumfahrer.net war mit zwei Redakteuren für Sie vor Ort, die Meldungen aus Darmstadt sind im Live-Blog mit dem Zusatz [ESOC] versehen.

Hinweis: Alle Zeitangaben in diesem Live-Blog sind in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ).

17:00 Uhr:
Die Aufzeichnung der spannenden Landung können Sie sich hier anschauen: [spacelivecast.de].

07.08.2012 - 01:41 Uhr:
Jetzt geht es darum, die entsprechende Softwareversion für die Oberfläche zu laden und zu testen, die dann alle Funktionen vom Rover "freischaltet". Das wird an Sol 5 (Marstag 5) beginnen und bis Sol 6 dauern. An Sol 7 und Sol 8 wird die Backup-Software eingerichtet, so dass dann ab Sol 9 der Rover voll einsatzbereit sein wird. Natürlich nur, wenn alles problemlos verläuft. Alleine das Ausprobieren vom Roboterarm wird wohl 6-7 Tage in Anspruch nehmen.

23:47 Uhr:
Neues hochauflösendes Bild der vorderen Navigationskamera. Im Hintergrund der große Zentralberg mit den zu untersuchenden Sedimentschichten.


19:19 Uhr:
MRO hat dieses Bild vom Abstieg Curiositys gemacht. Man sieht sehr schön den entfalteten Fallschirm.


12:05 Uhr:
Die ESA-Sonde Mars Express hat kurz nach der Landung ebenfalls Daten von Curiosity empfangen und die wurden aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt an die NASA weitergeleitet. Hier wurden die ersten Radio-Signale Curiositys vom Roten Platen hörbar gemacht.

11:55 Uhr:
Der letzte Odyssey-Überflug endete um 10:04 Uhr. Der nächste ist erst für 20:30 Uhr heute abend vorgesehen.

11:50 Uhr:
Offenbar hat der Mars Reconnaissance Orbiter, der Marssatellit mit der aktuell besten Kamera, wie geplant das Landemanöver abgelichtet. Das Bild zeige Curiositys Abstiegsstufe samt Fallschirm. Es soll in wenigen Stunden veröffentlicht werden. [Quelle]

10:15 Uhr:
Nach der Übertragung der neuesten Aufnahmen von der Curiosity-Landesstelle beenden wir nun unseren Live-Blog zur Landung des Mars Science Laboratorys. Selbstverständlich werden wir Sie auf Raumfahrer.net in den kommenden Wochen und Monaten ständig über den Verlauf und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Curiosity-Mission informieren.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
 
10:00 Uhr:
Mittlerweile sind neue Bilder der hinteren HazCam übertragen worden. Die Qualität ist gegenüber den ersten Aufnahmen bereits deutlich besser, da zwischenzeitlich die Staubschutzhaube entfernt worden ist. Man sieht dort die sich dem Mars-Horizont nähernde Sonne, einen recht flach erscheinenden Boden und am rechten Bildrand wahrscheinlich den Rand des Gale-Kraters. (Sie können dieses Foto am Anfang unseres Live-Blogs sehen.)
 
09:54 Uhr:
Gerade wird der Empfang neuer Daten von Curiosity mit Hilfe von Mars Odyssey bestätigt, unter anderem auch von neuen Aufnahmen.

09:44 Uhr:
Morgen wird die sogenannte Hochgewinn-Antenne des Mars-Rovers in Betrieb genommen, was die direkte Übermittlung von Kommandos und damit eine Zwei-Wege-Kommunikation ermöglichen wird. In wenigen Minuten sollen neue Telemetrie-Daten und einzelne Bilder über den als Relais-Satelliten fungierenden Orbiter Mars Odyssey zur Erde übertragen werden, nachdem die Raumsonde erneut die Landestelle von Curiosity im Gale-Krater überflogen hat.
 
09:16 Uhr:
Die erste NASA-Pressekonferenz nach der Landung des Mars-Rovers Curiosity ist beendet. Um 09:40 Uhr beginnt ein neuer Überflug des Orbiters Mars Odyssey über die Landestelle des Rovers, so dass anschließend mit neuen Aufnahmen gerechnet werden kann. Wir werden Sie in unserem Live-Blog informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.

09:10 Uhr:
Nach der erfolgreichen Landung steht nun erst einmal die gründliche Überprüfung aller Systeme und wissenschaftlichen Instrumente des Curiosity-Rovers an. Im Rahmen dieser mehrere Wochen andauernden Phase wird es immer wieder erste Fotoaufnahmen und etwa eine Woche nach der Landung auch erste kurze Testfahrten des Rovers geben, wie gerade auf der Pressekonferenz erläutert wird.

09:04 Uhr [ESOC]:
Unseren Chat besuchten heute früh 214 Nutzer, auf spacelivecast gab es mehr als 2.000 Zuschauer. Danke & einen weiterhin guten Tag!
(Hiermit beenden wir die Berichterstattung von der ESA-Presseveranstaltung in Darmstadt.)

09:00 Uhr [ESOC]:
Schlusssatz von Michel Denis, Mars Express-Flugleiter: MSL-Daten empfangen, werden aber noch verarbeitet. Sie liegen auf ESA-Rechnern.

08:57 Uhr [ESOC]:
Reiter schätzt: erstmal landen Menschen wieder auf dem Mond. Ist immer noch schwierig. Mars: nur international, in Jahrzehnten.

08:56 Uhr [ESOC]:
Thomas Reiter blickt in die Zukunft, nach der ISS. Menschen werden schon bald niedrige Orbits verlassen. Die Frage ist das Ziel.

08:55 Uhr:
Die Landung erfolgte mit 140 Kilogramm Treibstoffreserve (von insgesamt 400 Kilogramm Treibstoff). Den ersten, vorläufigen Daten zufolge scheint die Landung sehr rund und problemlos verlaufen zu sein, Genaueres lässt sich aber erst nach Empfang detaillierter Telemetriedaten sagen.

08:52 Uhr:
Nun werden auch die Beiträge der internationalen Partner - unter ihnen auch Deutschland - gewürdigt.

08:48 Uhr [ESOC]:
Philosophisches über Leben im Sonnensystem. Thomas Reiter: vielleicht finden wir Indizien schon auf dieser oder nächster Mission.

08:42 Uhr [ESOC]:
Ein letzter Programmpunkt bei der ESA: die ersten MSL-Bilder, die an Mars Express übertragen wurden, werden jetzt nebenan bearbeitet.

08:40 Uhr:
John Grunsfeld, der zuständige Manager des Science Mission Directorate der NASA, würdigt noch einmal die Leistungen des Curiosity-Teams.

08:33 Uhr:
Auf dieser Internet-Seite des JPL können die bisher empfangenen Fotos von Curiosity heruntergeladen werden - sofern die NASA-Server dazu in der Lage sind, was derzeit eher nicht der Fall zu sein scheint. Das enorme Interesse der Öffentlichkeit hat auch die ansonsten gut ausgestatteten NASA-Server (und die für diesen Zweck von der NASA hinzugemieteten Server) wieder einmal an ihre Leistungsgrenzen gebracht.

08:29 Uhr:
Die Mitglieder des für die erfolgreiche Landung verantwortlichen "Entry, Descent and Landing"-Teams betreten unter lauten Beifallsbekundungen den Raum der Pressekonferenz.

08:26 Uhr:
Die Bedeutung der Curiosity-Mission für die Pläne von US-Präsident Obama für einen bemannten Flug zum Mars wird hervorgehoben, ebenso, dass die Messlatte für kommende Mars-Missionen mit der erfolgreichen Landung des fast eine Tonne schweren Mars-Rovers deutlich höher gelegt worden ist.

08:22 Uhr:
Strahlende Gesichter bei den Mitgliedern des Curiosity-Teams auf der Pressekonferenz. Gerade wird noch einmal verdeutlicht, wie riskant Mars-Missionen sind und wie hoch die Misserfolgsquote in der Vergangenheit war.

08:19 Uhr:
Die NASA-Pressekonferenz mit Mitgliedern des Curiosity-Teams beginnt!
 
08:18 Uhr:
Die bisher empfangenen Fotos wurden mit den sogenannten "HazCams" aufgenommen, kleinen Schwarz-Weiß-Kameras, die Hindernisse im Weg des Rovers erkennen sollen; qualitativ kein Vergleich mit den Aufnahmen, die wir zu erwarten haben.
 
08:06 Uhr [ESOC]:
Ein paar Freudentränen bei der ESA.


08:04 Uhr:
Frühestens um 08:15 Uhr beginnt die erste NASA-Pressekonferenz nach der erfolgreichen Landung des Mars-Rovers Curiosity auf dem Roten Planeten. Wir werden Sie an dieser Stelle natürlich über die wichtigsten Inhalte informieren.
 
08:01 Uhr:
Auf diesem Foto sieht man gut eines der sechs Räder von Curiosity auf dem Mars-Boden.

 
07:56 Uhr:
Weitere Bilder von Curiosity werden wir sehen können, sobald der amerikanische Mars-Orbiter Mars Odyssey die Landestelle erneut überflogen und Daten des Rovers empfangen und zur Erde übertragen haben wird.

07:51 Uhr:
Ein weiteres Bild von Curiosity: Der Schatten des Rovers auf dem Mars-Boden!


07:48 Uhr [ESOC]:
Wo nun der Skycrane seine Funktionsfähigkeit bewiesen hat: er könnte zur Standardmethode für große Marslandungen werden.

07:40 Uhr [ESOC]:
Der Odyssey-Überflug ist gleich zu Ende. Weitere Überflüge anderer Marsorbiter folgen im Laufe des Morgens. More to come :-)

07:36 Uhr:
Das erste Bild von Curiosity ist auf der Erde eingetroffen (ein schwarz-weißes Vorschaubild)!


07:35 Uhr:
Mars Odyssey sendet weiter stabil Echtzeit-Daten, erste Fotos werden übertragen!

07:34 Uhr:
LANDUNG BESTÄTIGT! Curiosity ist auf dem Mars gelandet! Unbeschreiblicher Jubel im Kontrollzentrum!

07:33 Uhr:
Der Sky Crane tritt in Aktion.

07:32 Uhr:
Sky Crane macht sich bereit zum Abseilen.

07:32 Uhr [ESOC]:
Ab jetzt entsteht der Landefilm, der später übertragen wird.
 
07:30 Uhr [ESOC]:
Hitzeschild ist abgeworfen!

07:27 Uhr:
Ein gutes Zeichen: Weiterhin werden Kontrolltöne von MSL empfangen! Nun werden auch Signale vom Mars-Orbiter Odyssey empfangen - alles sieht bisher sehr gut aus!

07:26 Uhr:
Curiosity tritt etwa 131 Kilometer über der Marsoberfläche mit einer Geschwindigkeit von rund 5.900 Meter pro Sekunde in die Marsatmosphäre ein - die entscheidenden letzten sieben Minuten der Landephase haben begonnen, nun heißt es, Daumen drücken ... Während des Flugs durch die Marsatmosphäre muss der Schutzschild des Rovers Temperaturen bis zu 2.100 Grad Celsius widerstehen.

07:17 Uhr
Die Ausführung der nun folgenden Schritte in der Landephase werden durch das Senden unterschiedlicher Signaltöne zur Erde vom Rover bestätigt.
 
07:15 Uhr:
Nun ist die Bestätigung über die erfolgte Trennung von MSL von seinem Flugmodul auch auf der Erde mit dem Empfang eines entsprechenden Signaltons eingetroffen.
 
07:13 Uhr:
Der Mars-Orbiter Mars Odyssey hat seine Ausrichtung erfolgreich so verändert, dass er die Daten von Curiosity während und nach der Landung in Echtzeit übertragen kann - das erspart dem Flugkontrollteam (und uns) zwei Stunden Wartezeit ...

07:11 Uhr:
Bis jetzt läuft unverändert alles nach Plan.
 
07:09 Uhr:
Kurz nach der Abtrennung des Flugmoduls wurden zwei je 75 Kilogramm schwere Gewichte abgestoßen, um den Schwerpunkt der Landestufe so zu verändern, wie es für den Flug durch die Marsatmosphäre und die gewünschte Ausrichtung des Raumfahrzeugs notwendig ist.
 
07:08 Uhr:
Die Abtrennung der Landestufe vom Flugmodul ist erfolgt. Curiosity sendet jetzt bis zur Landung nur noch Signaltöne direkt zur Erde, die die Durchführung der einzelnen Schritte des Landevorgangs signalisieren sollen.

07:00 Uhr:
Curiosity befindet sich unverändert in bester Verfassung, so ein Sprecher des Flugkontrollteam. Der Rover wird am Nachmittag lokaler Mars-Zeit gegen 15:00 Uhr im Gale-Krater niedergehen.

06:52 Uhr:
Aus dem Kontrollzentrum beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA im kalifornischen Pasadena kommt die Nachricht, dass bisher alles nach Plan verläuft.

06:45 Uhr:
Aufgrund der Signallaufzeit von 14 Minuten vom Mars zur Erde erfährt das Flugkontrollteam von Curiosity erst mit rund einer Viertelstunde Verspätung von allen Ereignissen des Landevorgangs - so lange brauchen die Funkwellen mit Lichtgeschwindigkeit bis zu den riesigen Antennen des Deep Space Network der NASA in der australischen Bodenstation Canberra.

06:30 Uhr:
Falls Sie mögen und Ihre Bandbreite ausreicht: Die Kollegen auf spacelivecast.de beginnen nun mit ihrer Live-Kommentierung der Curiosity-Landung per Video-Stream.
 
06:22 Uhr:
Auch die sechste und letzte Möglichkeit für eine Kurskorrektur musste heute morgen aufgrund der perfekten Flugbahn von MSL nicht genutzt werden - Curiosity ist auf dem direkten Weg zu seiner Landestelle im Gale-Krater.
 
06:15 Uhr:
Curiosity befindet sich nun innerhalb der Umlaufbahn des Mars-Mondes Deimos, d.h. weniger als 23.000 Kilometer von der Marsoberfläche entfernt.
 
06:11 Uhr:
Die Verbindung zum MSL ist nun abgebrochen - ab jetzt ist Curiosity auf sich alleine gestellt, es wird nun keine Parameter-Updates oder ähnliches von der Erde aus mehr geben ...
 
06:00 Uhr:
Guten Morgen und willkommen zum Live-Bog von Raumfahrer.net!

In 90 Minuten - also gegen 07:31 Uhr - könnten die ersten Funksignale des amerikanischen Mars-Rovers Curiosity auf der Erde eintreffen, sofern die technisch extrem anspruchsvolle Landung des offiziell auch "Mars Science Laboratory" (MSL) genannten Rovers gelungen ist. Wir informieren Sie in diesem Live-Blog zeitnah über die neuesten Ereignisse auf dem Mars und im Missionskontrollzentrum beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena, Kalifornien.


(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL/ESA)


» Curiosity: Foto der Landestelle und ein Abstiegsvideo
07.08.2012 - Eine Menge Neuigkeiten rund um den neuesten Mars-Bewohner: Rund 24 Stunden nach der Landung hat der US-amerikanische Mars Reconnaissance Orbiter die Landezone des Mars-Rovers Curiosity fotografiert und dadurch auch die exakte Landestelle des Rovers identifiziert. Mittlerweile gibt es auch ein erstes Video der Landung aus Rover-Perspektive sowie ein erstes von Curiosity auf dem Mars geschossenes Farbfoto.
Nachdem gestern dem Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) bereits ein außergewöhnliches Foto vom am Landefallschirm hängenden Mars-Rover Curiosity gelungen war, konnte heute eine erste Aufnahme der Landezone gemacht werden. Das Foto mit einer Auflösung von rund 40 cm je Pixel zeigt deutlich, wie verschieden stark die einzelnen Komponenten des Mars Science Laboratorys Curiosity bei ihrem Sturz auf den Marsboden den Staub an der Oberfläche aufgewühlt haben, wodurch dunkleres Bodenmaterial darunter zum Vorschein gekommen ist. Um diese ersten Aufnahme vom Landegebiet des Rovers anfertigen zu können musste MRO mit 41° sehr stark seitlich relativ zur Flugrichtung geneigt werden, um das Areal mit seiner starr im Orbiter eingebauten HiRISE-Kamera aufnehmen zu können. Dies hat zur Folge, dass die Aufnahme weniger kontrast- und detailreich ist, als sie es unter idealen Bedingungen - eine klare Marsatmosphäre und günstige Beleuchtungsverhältnisse bei direktem Flug über die Landestelle - sein könnte: wir werden zukünftig also mit hoher Wahrscheinlichkeit noch deutlich brillantere Aufnahmen des Landegebiets sehen können.

Die Absturzstelle des sogenannten Sky Cranes (dt. "Himmelskran"), der mit vier seiner acht Triebwerke die Sinkgeschwindigkeit während der Landung soweit reduzierte, dass der Rover sanft auf dem Marsboden abgesetzt werden konnte, ist dabei besonders gut sichtbar. Ebenfalls ist rund um die Landeposition von Curiosity ein recht großes Gebiet erkennbar, in dem die Triebwerke des Sky Cranes den Staub auf dem Marsboden aufgewirbelt haben.

Der Effekt dieser Triebwerke ist ebenfalls im ersten, qualitativ noch recht schlichten und doch spektakulären Video von der Landung sehr gut zu erkennen. Auch dieses aus knapp 300 Fotos zusammengesetzte Video ist heute veröffentlich worden. Die einzelnen Aufnahmen sind von der an der Unterseite des Rovers montieren MARDI-Kamera aufgenommen worden und zeigen die letzte Landephase von der Abtrennung des Hitzeschildes bis zur Landung. Heute wurden mit Hilfe des als Relais-Satelliten fungierenden MRO nur 297 kleine Vorschaubilder mit einer Auflösung von 192 x 144 Pixel zur Erde übertragen. Das Video beginnt mit einer Aufnahme, die den etwa drei Sekunden zuvor abgetrennten Hitzeschild in 15 Metern Distanz zu Boden stürzend zeigt, und endet unmittelbar vor der Landung.

Auf den letzten Aufnahmen des Videos ist gut zu sehen, wie die vier aktiven Bremstriebwerke des Sky Cranes den Staub auf dem Marsboden aufwirbeln. Auch die teilweise heftige Rotation von Curiosity während der Phase, als der Rover am Landefallschirm Richtung Mars schwebt, ist auf dem Video gut zu erkennen. Insgesamt hat die MARDI-Kamera etwa 1.500 Aufnahmen mit einer Auflösung von 1.600 x 1.200 Pixel während des Landevorgangs angefertigt, die sich derzeit noch im acht Gigabyte großen internen Speicher der Kamera befinden. Diese Aufnahmen in voller Auflösung werden erst in den kommenden Wochen und Monaten sukzessive zur Erde übermittelt, so dass es bis zur Präsentation des Landefilms in seiner vollen Pracht noch eine Weile dauern kann. Das jetzt von der NASA veröffentliche erste Video der Landung können Sie auf dieser NASA-Seite anschauen.

Zu guter Letzt präsentierte die NASA heute auch das erste Farbfoto, das Curiosity nach seiner Ankunft auf dem Roten Planeten gemacht hat. Aufgenommen wurde dieses Foto mit der am Instrumentenarm des Rovers angebrachten MAHLI-Kamera, die eigentlich für die detaillierte optische Untersuchung der Marsoberfläche - und weniger für die Anfertigung von Panorama-Aufnahmen - bei dieser Mission dabei ist. Das ungewöhnliche Bildformat resultiert aus der Tatsache, dass der Instrumentenarm des Rovers mitsamt der daran angebrachten MAHLI-Kamera derzeit noch auf dem "Oberdeck" von Curiosity ruht und die Kamera daher schräg auf die Marsoberfläche blickt. In der Ferne ist der nördliche Rand des Gale-Kraters zu sehen. Auch hier ist wieder der Effekt der Bremstriebwerke des Sky Cranes unübersehbar, ist dieses Foto doch durch die offensichtlich erheblich mit bei der Landung aufgewirbeltem Staub bedeckte transparente Staubschutzhaube der Kamera hindurch aufgenommen worden.

Insgesamt zeigen sowohl das Abstiegsvideo wie auch Curiositys erste Farbaufnahme, dass die NASA mit der Entscheidung für die Landung per Sky Crane eine gute Wahl getroffen hat. Durch das Abseilen des Rovers in der letzten Landephase sind die Triebwerke des Sky Cranes dem Marsboden nicht näher als etwa 7,5 Meter gekommen, was jedoch offensichtlich immer noch für erhebliche Staubaufwirbelungen gesorgt hat. Ein Landeverfahren ähnlich wie bei den amerikanischen Viking-Marslandern der 1970er Jahre, bei denen die Landetriebwerke erst wenige Dutzend Zentimeter über dem Marsboden ausgeschaltet worden sind, hätte die aufgewirbelte Staubmenge noch einmal deutlich erhöht und damit auch das Risiko anwachsen lassen, dabei Beschädigungen am Rover bzw. seinen Instrumenten zu verursachen.


(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Curiosity: Neue Fotos und erreichte Meilensteine
10.08.2012 - In den letzten zwei Tagen hat der Mars-Rover Curiosity einige wichtige Meilensteine auf dem Weg zur vollen Einsatzfähigkeit erreicht. Daneben wurden neue und hochauflösende Fotos von Curiosity zur Erde übertragen, darunter auch ein erstes farbiges 360-Grad-Panorama der Landestelle.
Bisher verläuft die Curiosity-Mission seit der Landung am Montagmorgen auf unserem äußeren Nachbarplaneten bilderbuchmäßig: "Curiosity funktioniert weiterhin reibungslos und hat alle geplanten Aktionen für den gestrigen Tag ausgeführt", so Mike Watkins, Missionsmanager des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA auf der Pressekonferenz am Donnerstagabend (MESZ). Mehrere wissenschaftliche Instrumente und Kameras an Bord des Rovers wurden zwischenzeitlich ersten Tests unterzogen, die allesamt ohne Beanstandungen absolviert wurden.

Mit der erfolgreichen Inbetriebnahme der Hochgewinn-Antenne sowie dem Aufrichten des 1,10 Meter hohen Kameramastes sind mittlerweile zwei weitere wichtige Meilensteine auf dem Weg zur vollen Einsatzbereitschaft des Rovers erreicht worden. Die schwenkbare, auf dem Rover-Deck montierte sechseckige Hochgewinn-Antenne erlaubt es, Status- und Telemetriedaten von Curiosity direkt zur Erde sowie Befehlssequenzen vom Missionskontrollzentrum in Pasadena (Kalifornien) direkt zum Rover zu senden. Damit gibt es nun drei voneinander unabhängige Kommunikationskanäle unterschiedlicher Leistungsfähigkeit zwischen dem Rover-Kontrollzentrum und Curiosity. Mehr dazu können Sie in unserem Artikel Curiosity: Kommunikation mit der Erde erfahren.

Mittlerweile laufen auch die Vorbereitungen für einen umfassenden "Software-Tausch" im Rover-Bordcomputer. Die bisher aktive - und nun nicht mehr erforderliche - Software zur Steuerung des Fluges von der Erde zum Mars sowie des Landevorgangs wird in den kommenden Tagen schrittweise durch eine Software ersetzt, die für die anstehenden Bodenoperationen von Curiosity optimiert ist.

Das Aufrichten des Kameramastes war Voraussetzung für die Inbetriebnahme der dort angebrachten vier Navigations- und zwei hochauflösenden Mast-Kameras wie auch der sogenannten ChemCam; weiterhin ist auch die Wetterstation REMS an ihm befestigt. Nach dem Aufrichten des Kameramastes haben die dort angebrachten Navigationskameras eine ganze Reihe von Aufnahmen des Rovers und seiner Umgebung fabriziert, die mittlerweile mit Hilfe der beiden US-amerikanischen Mars-Orbiter Mars Odyssey sowie Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) zur Erde übertragen worden sind.
 
Neue und beeindruckende Bilder aus dem Gale-Krater

Das gestern veröffentlichte Selbstportrait von Curiosity zeigt unter anderem große Teile des Rover-Decks in beeindruckender Auflösung und Schärfe. Auf der aus mehreren Einzelaufnahmen zusammengesetzten Ansicht des Rovers sind unter anderem relativ viele, bis zu etwa einem Zentimeter große Geröllstücke und kleine Steine zu sehen, die auf dem Rover-Deck liegen. Offensichtlich sind sie während der Landung durch die Triebwerke des Sky Cranes aufgewirbelt worden. Die Mitarbeiter des EDL-Teams (= "Entry, Descent and Landing", dt. "Eintauchen, Abstieg und Landung") hatten derartig viele und große Geröllstücke vom Mars-Boden nach der Landung nicht auf dem Rover-Deck vermutet - möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die auf dem Mars-Boden liegenden Geröllstücke und kleinen Steine leichter sind als angenommen. Ein Problem für die Funktionsfähigkeit der auf dem Rover-Deck angebrachten Geräte und Instrumente stellen sie jedoch nach bisherigem Erkenntnisstand nicht dar.

Ein anderes Highlight war ohne Frage das erste farbige 360-Grad-Panorama der Umgebung von Curiosity. Das Panorama setzt sich aus 130 Vorschaubildern zu je 144 x 144 Pixel zusammen, die von der 34 Millimeter Mast-Kamera aufgenommen wurden. Vor der Veröffentlichung wurden das Panorama etwas aufgehellt, da es an der Landestelle von Curiosity zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits Nachmittag und deshalb nicht mehr besonders hell war.

Sehr gut sind auf dieser Aufnahme links und rechts im Mars-Boden die grau eingefärbten Furchen zu sehen, die die Abgase der Triebwerke des Sky Cranes während des Landevorgangs verursacht haben. In der Bildmitte ist am oberen Rand die Basis des "Mount Sharp" genannten zentralen Kraterhügels zu sehen. Im Laufe der kommenden Wochen und Monate wird Curiosity zum Fuß des Kraterhügels fahren, um dort Sedimentschichten näher zu untersuchen. An den Bildrändern sind - aufgrund der großen Entfernung in leichten Dunst gehüllt - die Wände des Gale-Kraters zu sehen. Relativ nah beim linken Bildrand ist auch die sechseckige Hochgewinn-Antenne des Rovers erkennbar, und etwa in der Mitte des Panoramas wirft der Kopf des Kamera-Mastes von Curiosity einen deutlich identifizierbaren Schatten auf dem Mars-Boden.

Eine Vielzahl weiterer Fotos von Curiosity können Sie in unserer Mediengalerie entdecken. Immer aktuelle Neuigkeiten und interessante Diskussionen rund um den Fortgang der neuesten Rover-Mission auf dem Mars finden Sie auch in dem Curiosity-Diskussionsthread in unserem RaumCon-Forum.
(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Opportunity setzt seine Fahrt fort
12.08.2012 - Im Anschluss an die am 6. August 2012 erfolgte Landung des Marsrovers Curiosity wird auch Opportunity, der zweite der gegenwärtig funktionsfähigen Rover auf dem Mars, bereits in wenigen Stunden seine Forschungsreise auf unserem Nachbarpalneten fortsetzen.
In Bezug auf den Mars hat sich das Interesse der Öffentlichkeit während der letzten Tage fast ausschließlich auf den neuesten Marsrover der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, den Rover Curiosity, gerichtet. Trotz der berechtigten Freunde über dessen erfolgreiche Landung und die ersten aus dem Gale-Krater übermittelten Bilder (Raumfahrer.net berichtete), sollte dabei allerdings nicht vergessen werden, dass sich mit dem Rover Opportunity bereits seit dem Januar 2004 ein weiterer Rover auf dem Mars befindet. Im Vorfeld der erwarteten Curiosity-Landung waren Opportunitys Aktivitäten auf dem Mars während der letzten Wochen allerdings stark eingeschränkt. Dies wird sich jedoch bereits in wenigen Stunden ändern.

Auch nach dem 1. Juli 2012, dem Sol 3.000 der Opportunity-Mission (Raumfahrer.net berichtete), wurde zunächst weiterhin die Gesteinsformation "Grasberg 1" eingehend untersucht. Neben der Anfertigung diverser Abbildungen durch das Mikroskop des Rovers wurde dabei auch mehrfach das APXS-Spektrometer dazu verwendet, um die Zusammensetzung des Gesteins zu ermitteln. Erste Ergebnisse dieser Untersuchung deuten darauf hin, dass Grassberg deutlich weniger Schwefel enthält als das umgebende Gelände. Diese Untersuchungen dauerten bis zum 9. Juli an.

Am darauffolgenden Tag, dem Sol 3.008 der Mission, bewegte sich Opportunity zunächst um etwa 32 Meter in die östliche Richtung. Nach der Anfertigung diverser Aufnahmen der Umgebung des Rovers durch die Navigations- und Panoramakameras wurde die Fahrt zwei Tage später fortgesetzt. Das Ziel dieser Fahrt war der rund 55 Meter südlich des damaligen Standortes befindliche, nur wenige Meter durchmessende Impaktkrater "Sao Gabriel".

Nach einer Pause von neun Tagen, welche unter anderem durch einen zwischenzeitlichen "Safe Mode" des für die Datenübermittlung zwischen dem Rover und seinem Kontrollzentrum benötigten Marsorbiters Mars Odyssey bedingt war, erreichte Opportunity schließlich am 22. Juli 2012, dem Sol 3.019 der Mission, nach einer weiteren Fahrt über rund 42 Meter einen auffälligen Einschnitt im Gelände. Diese als "Whim Creek" bezeichnete Geländeformation ist bereits auf den Orbitaufnahmen der an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) befindlichen HiRISE-Kamera deutlich zu erkennen.

Über die Entstehungsgeschichte dieses Einschnittes herrscht bisher unter den an der Mission beteiligten Geologen noch keine Klarheit. Allerdings ergibt sich hier eine gute Gelegenheit, um verschiedene Gesteinsschichten in einer geologischen Übergangszone zu untersuchen. Neben den Gesteinen der Meridiani-Ebene welche bereits während der letzten Jahre intensiv von dem Rover studiert wurden, können hier Gesteinsschichten analysiert werden, welche erst bei der Entstehung des etwa 3,7 bis 4,1 Milliarden Jahre alten Endeavour-Kraters freigelegt wurden. Die Randzone des Endeavour-Kraters bietet dabei - wie alle Impaktkrater - ein auf natürliche Weise entstandenes "Beobachtungsfenster" in den Untergrund des Mars.

Zwei Tage später verließ der Rover am Sol 3.021 den Rand des Whim Creek und begab sich im Rahmen einer Fahrt über 10,52 Meter in das Innere dieses kleinen und für die an der Mission beteiligten Wissenschaftler überaus interessanten "Tals". Um den Grund des Whim Creek zu erreichen, musste Opportunity jedoch zuerst ein Gelände passieren, welches über ein Gefälle von bis zu 23 Grad verfügte. Der Rover konnte auch diesen Bereich der Marsoberfläche erfolgreich überbrücken.

Die folgenden Tage wurden mit weiteren ausführlichen Fotoaufnahmen der Umgebung verbracht. Zudem wurden mehrere ausgewählte Gesteins- und Oberflächenformationen angesteuert und durch das Mikroskop und das APXS-Spektrometer untersucht. Aufgrund der jetzt immer näher rückenden Landung des Marsrover Curiosity und der damit verbundenen Auslastungen des Deep Space Network der NASA konnte Opportunity zwischen dem 3. und dem 10. August keine weiteren Fahrten mehr unternehmen. Die in diesem Zeitraum zur Verfügung stehenden Kommunikationskapazitäten wurden fast ausschließlich für die Landung des neuen Marsrovers und die in den folgenden Tagen notwendigen Systemchecks und Softwareupdates benötigt. Opportunity konnte deshalb lediglich die wichtigsten Telemetriewerte, aber keine umfangreicheren wissenschaftlichen Daten zur Erde übermitteln.

Diese "Zwangspause" wurde allerdings trotzdem für weitere wissenschaftliche Untersuchungen genutzt. Noch vor dem Beginn der "heißen Phase" der Curiosity-Landung positionierte sich Opportunity vor einer als "Rushall1" bezeichneten Gesteinsformation. Diese Formation aus offen zutage tretenden Grundgestein wurde anschließend nach einem vorgegebenen Arbeitsplan über mehrere Tage hinweg mit dem Mikroskop und dem APXS untersucht. Zeitgleich fertigten die Kameras des Rovers ein hoch aufgelöstes Panoramabild der Umgebung an. Die dabei gewonnenen Bilder und Daten wurden zunächst im Bordcomputer des Rovers abgelegt und sollen erst jetzt Stück für Stück an das Roverkontrollzentrum des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien übertragen werden.

Der Rover befindet sich nach wie vor in einem guten Zustand und wird seine Fahrt sehr wahrscheinlich noch am heutigen Tag, dem Sol 3.040 der Mission fortsetzen. Der Plan sieht vor, dass sich Opportunity in dem kommenden Tagen und Wochen am östlichen Rand des Cape York in die südliche Richtung bewegen soll. Das dabei angepeilte Fern-Ziel ist ein weiterer Teilbereich des westlichen Kraterrandes des Endeavour-Kraters - das noch mehrere Kilometer entfernt liegende "Cape Tribulation". Hier konnte eines der Instrumente an Bord des Marsorbiters MRO, das "Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars" (CRISM), Schichtsilikate und Tonminerale identifizieren. Diese Mineralien bilden sich nur unter feuchten und warmen Umweltbedingungen, welche außerdem ph-neutrales Wasser voraussetzen.

Neben dem technischen Zustand des Rovers muss dabei jedoch immer auch ein Auge auf die aktuelle Energiesituation geworfen werden. Während der letzten Wochen traten speziell auf der südlichen Hemisphäre des Mars mehrfach kleinere, lokal begrenzte Sturmgebiete auf, welche dabei größere Mengen an Staub in die Atmosphäre befördert haben. Zwei dieser Sturmgebiete waren in der unmittelbaren Umgebung von Opportunity aktiv, was sich allerdings nur unwesentlich auf den Energiehaushalt auswirkte.

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des ausschließlich mittels Sonnenenergie betriebenen Rovers.

  • 07.08.2012: 0,531 kWh/Tag , Tau-Wert 0,715 , Lichtdurchlässigkeit 70,70 Prozent
  • 24.07.2012: 0,547 kWh/Tag , Tau-Wert 0,642 , Lichtdurchlässigkeit 72,00 Prozent
  • 12.07.2012: 0,523 kWh/Tag , Tau-Wert 0,571 , Lichtdurchlässigkeit 70,70 Prozent
  • 10.07.2012: 0,559 kWh/Tag , Tau-Wert 0,443 , Lichtdurchlässigkeit 71,60 Prozent
  • 03.07.2012: 0,577 kWh/Tag , Tau-Wert 0,346 , Lichtdurchlässigkeit 70,50 Prozent
  • 27.06.2012: 0,559 kWh/Tag , Tau-Wert 0,330 , Lichtdurchlässigkeit 69,80 Prozent
  • 20.06.2012: 0,526 kWh/Tag , Tau-Wert 0,229 , Lichtdurchlässigkeit 68,40 Prozent

Der in den letzten Wochen erfolgte Anstieg des Staubanteils in der Marsatmosphäre über dem Meridiani Planum, dem Operationsgebiet des Rovers Opportunity, führte lediglich zu einer minimalen Abnahme der täglich zur Verfügung stehenden Energiemenge. Dank der gegenwärtig am Rand des Endeavour-Kraters vorherrschenden oberflächennahen Windströmungen konnte sich zudem kein weiterer Staub auf den Solarpaneelen des Rovers ablagern.

Zwischen dem 21. Dezember 2011 und dem 8. Mai 2012 war Opportunity im Rahmen seiner Winterpause damit beschäftigt, ein hochaufgelöstes Panorama seiner Umgebung anzufertigen (Raumfahrer.net berichtete). Dieses "Greeley Panorama", welches sich aus insgesamt 817 Einzelaufnahmen der Panoramakamera zusammensetzt, wurde bereits am 5. Juli 2012 der Öffentlichkeit präsentiert und ist in seiner vollen Auflösung (124 MB) auf dieser Internetseite des JPL in einer Falschfarben-Version abrufbar.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 3.040 der Mission, hat Opportunity insgesamt 34.639,45 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei über 170.000 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des Roten Planeten aufgenommen und an sein Kontrollzentrum in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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  • (Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Planetary Society, Malin Space Science Systems, UMSF-Forum)


    » Curiosity: Marslandschaft unter irdischer Sonne
    13.08.2012 - Am Wochenende ist ein großes Softwareupdate im Bordcomputer des Mars-Rovers durchgeführt worden. Gleichzeitig hat die NASA ein erstes hochauflösendes Farbpanorama der Landestelle veröffentlicht und dabei gleichzeitig veranschaulicht, wie es auf dem Mars unter irdischer Sonne aussehen würde.
    In den letzten Tagen war es ein wenig ruhiger um Curiosity geworden. Das Wochenende benötigten die Ingenieure des Missionskontrollzentrums, um ein geplantes Softwareupdate durchzuführen. Danach wird es dem Rover beispielsweise möglich sein, mit Hilfe seiner an Front und Heck angebrachten "HazCams" Hindernisse automatisch zu erkennen und ihnen auszuweichen. Auch die Verwendung des Roboterarms von Curiosity mitsamt dem daran angebrachten Probenentnahmesystem ist erst nach der erfolgreichen Installation des Softwareupdates in vollem Umfang möglich. Am heutigen Montag soll der primäre Bordcomputer des Rovers dauerhaft auf die neue Softwareversion umgestellt werden, womit der Updatevorgang beendet und die Voraussetzung für die Fortsetzung der wissenschaftlichen Mission von Curiosity geschaffen wäre.

    Gleichzeitig hat die NASA am Wochenende ein neues Farbpanorama veröffentlicht, das mit der 34-mm-Mastkamera aufgenommen worden ist. Für die Geologen im Missionsteam ist vor allem ein Bereich im Kraterwall nördlich der Landestelle interessant, wo ein Netz von Tälern zu sehen ist, das augenscheinlich durch in den Gale-Krater geflossenes Wasser geformt worden ist. Auch die im Detail sichtbaren Stellen, an denen die Abgase der Landetriebwerke die obere Staubschicht des Marsbodens hinweggeweht haben, weckten das Interesse der Geologen: an einer Stelle ist eine Schicht zu sehen, die Gesteine in einer Matrix feineren Materials enthält.

    Das komplette Farbpanorama setzt sich aus 130 Einzelbildern mit jeweils 1.200 x 1.200 Pixeln zusammen, die im Laufe einer Stunde am 8. August auf dem Mars aufgenommen worden sind. Das nun von der NASA veröffentlichte Panorama enthält noch einige schwarze Bereiche, da wegen des in den letzten Tagen durchgeführten Softwareupdates noch nicht alle Einzelbilder zur Erde übertragen werden konnten.

    Interessanterweise hat die NASA das hochauflösende Farbpanorama in zwei Versionen veröffentlicht: einmal genau so, wie es die Mastkamera aufgenommen hat (und wie es auch jede andere Digitalkamera auf dem Mars aufnehmen würde), und einmal nach der Durchführung eines so genannten Weißabgleichs. Dabei wurden die Farben der Aufnahmen so angepasst, als ob die ganze Szene auf der Erde fotografiert worden wäre. Diese Farbanpassung hilft Geologen dabei, Gesteine auf dem Mars leichter zu erkennen und auseinanderzuhalten: nach erfolgtem Weißabgleich stellen sie sich so dar, wie es die Wissenschaftler von irdischen Aufnahmen her gewohnt sind. Auf dieser Seite können Sie beide Fassungen des Panoramas ansehen und bei Interesse auch herunterladen.

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    (Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


    » Curiositys Landung - ein Bericht aus dem ESOC
    19.08.2012 - Zur Landung des NASA-Rovers Curiosity lud die ESA in das European Space Operation Center, kurz ESOC, ein, um über die Unterstützung durch ihre Sonde Mars Express zu berichten. Die Unterstützung der ESA bei diesem Vorhaben ist ein weiteres Beispiel für die gute Zusammenarbeit von ESA und NASA - Raumfahrer Net war dabei.
    Am Montagmorgen, dem 6. August, um 6.10 Uhr in der Frühe, herrschte angespannte Ruhe im Hauptkontrollraum des European Space Operations Center (ESOC) in Darmstadt.
    Der Medienraum war trotz der Uhrzeit bereits mit zahlreichen Pressevertretern gut gefüllt. Insgesamt drängten sich mehr als 50 Journalisten aus ganz Europa in dem kleinen Raum. Alle fragten sich, ob das unmittelbar bevorstehende Manöver der amerikanischen Kollegen und Freunde wie geplant funktionieren würde - die Landung des Rovers Curiosity auf unserem Nachbarplaneten Mars. Die ESA wirkte an diesem Morgen unterstützend - Mars Express sollte die Landung beobachten, übermittelnde Daten zwischenspeichern und nach der hoffentlich erfolgreichen Landung nach Darmstadt übermitteln. Weiterhin stellte die ESA ihre Deep-Space-Empfangsstation in New Norcia als Ausweichsystem zur Verfügung (siehe auch Mars Express hilft bei der Landung des MSL).

    Pünktlich um 6.30 Uhr MESZ eröffneten Bernhard von Weyhe aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Thomas Reiter, ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt, die Veranstaltung. Das Programm an diesem Morgen war eng - Prof. Mark McCaughrean fasste die Ergebnisse der bisherigen Mission von Mars Express zusammen und unterstrich damit die Wichtigkeit und die Bedeutung der Erforschung des Roten Planeten. Eines der wichtigsten Resultate ist, neben einer fast vollständigen Kartierung der Marsoberfläche, die Entdeckung von Methan auf dem Mars. Freies Methan wird schnell durch die kosmische Strahlung zersetzt und sollte daher eigentlich nicht detektierbar sein. Da es von Mars Express jedoch gemessen werden konnte, muss Methan ständig neu freigesetzt werden. Der Urspru
     

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ISS Aktuell: Details zum neuen Progress-Annäherungsverfahren von Redaktion



• Details zum neuen Progress-Annäherungsverfahren «mehr» «online»
• Kounotoris Außenfracht komplett entladen «mehr» «online»
• ATV-Bahnkorrekturmanöver zu kurz «mehr» «online»


» Details zum neuen Progress-Annäherungsverfahren
05.08.2012 - Am 1. August startete der unbemannte Frachter Progress-M 16M zur Internationalen Raumstation und koppelte hier nach nicht einmal 6 Stunden, also weniger als 4 Erdumläufen an. Dies erforderte gegenüber dem bisher üblichen Vorgehen einige Änderungen.
Diese betreffen sowohl die ISS-Bahn als auch die Technik an Bord des anfliegenden Raumschiffes. Am Prinzip des Verfahrens ändert sich allerdings nichts. Mit dem Start des Raumschiffes muss man warten, bis der Startplatz möglichst genau in der Bahnebene des Ziels, hier also der Internationalen Raumstation, liegt. Zusatzbedingung ist, dass die ISS erst "vor kurzem" den darüberliegenden Bahnpunkt durchflogen hat. Hier kommt nun der wesentliche Unterschied zum Tragen.

Beim Annäherungsverfahren innerhalb von 50 Stunden, wie es in den letzten Jahren immer zum Einsatz kam, kann die ISS bis zu 270 Grad dem Raumschiff vorausfliegen. Dafür benötigt die ISS 67 bis 68 Minuten. Dieser Umstand, dass die Bahnebene den Startort kreuzt und die ISS maximal 68 Minuten voraus ist, tritt täglich einmal ein.

Beim neuen Verfahren müssen die Anpassungsmanöver in kürzerer Zeit aufeinander erfolgen. In dieser Zeit kann das Raumschiff aber einen so hohen Phasenwinkel von 270 Grad nicht aufholen und gleichzeitig die Bahn der des Ziels angleichen. Der Winkel muss auf etwa 30 Grad begrenzt sein. Das bedeutet, dass die ISS keine 8 Minuten zuvor den Startplatz überflogen haben darf. Dieser Fall tritt nur im Abstand von etwa 3 Tagen ein.

Um langfristig planen zu können, müssen daher die Bahnparameter, insbesondere Flughöhe und Umlaufzeit, über einen längeren Zeitraum konstant bleiben und können nicht an die Bedürfnisse wechselnder Nutzlastanforderungen angepasst werden. Dies soll nun für die Zukunft gewährleistet werden. Die Bahn der ISS wurde seit Anfang Juni 2011 auf relativ konstante 400 Kilometer angehoben, die Umlaufzeit auf etwa 92,6 Minuten justiert.

Mit Progress-M16M wurde nun ein neues, schnelleres Rendezvousverfahren erstmals getestet. Dabei werden nach dem ersten Umlauf die Bahnparameter des Raumschiffes mit hoher Präzision vom Boden aus gemessen und zusammen mit den aktuellen Werten der ISS an das Raumschiff übermittelt. Es folgen zwei Bahnmanöver des Raumschiffs zur Reduzierung des Phasenwinkels. Dies muss und kann bei Progress-MM nun aufgrund der verbesserten Rechentechnik autonom gesteuert werden.

Ergibt die anschließende Messung, dass die Manöver im Rahmen der festgelegten Toleranzen erfolgreich waren, werden zwei weitere Bahnkorrekturen ausgeführt, welche das Raumschiff im 4. Orbit zur ISS führen. Hier werden dann mittels des Rendezvoussystems Kurs relativ zur Station die notwendigen kleinen Lage- und Geschwindigkeitskorrekturen berechnet und ausgeführt, die letztlich zum Ankoppeln führen.

Das neue Verfahren wurde zwar bei einem unbemannten Raumschiff getestet, ist aber eigentlich für die bemannten Sojus-Raumschiffe gedacht. Diese sind in Form, Masse, elektronischer und Triebwerksausrüstung den unbemannten Progress-Raumschiffen recht ähnlich. Auch die Trägerraketen sind vom gleichen Grundtyp. Ein erster bemannter Test des deutlich kürzeren Anfluges auf die Internationale Raumstation soll in der ersten Jahreshälfte 2013 erfolgen. Damit wird die Zeit, welche die Raumfahrer in den recht beengten Verhältnissen innerhalb der Kapsel zubringen, deutlich verkürzt, was auch das eigentliche Ziel der Neuerung ist.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASASpaceflight)


» Kounotoris Außenfracht komplett entladen
16.08.2012 - In der vergangenen Woche wurde die Fracht aus dem japanischen Transportraumschiff entladen, die in einem drucklosen Teil untergebracht ist und außenbords Verwendung findet.
Dabei handelt es sich um einen US-amerikanischen und einen japanischen Gerätekomplex. Beide Teile waren auf einer entnehmbaren Palette in Kounotori 3 montiert. Diese Palette wurde am 6. August mit Hilfe des kanadischen Manipulatorarms aus dem Inneren des Raumschiffes herausgezogen und temporär am japanischen Laborkomplex befestigt.

Am 7. August wurde mit Hilfe der Manipulatorerweiterung Dextre, vom Boden aus gesteuert, das Space Communication and Navigation Testbed (SCaN) gelöst und zur Haupt-Gitterstruktur der Station transportiert. Hier wird es auf Dauer seinen Dienst versehen. SCaN verfügt über drei Software-programmierbare Funkgeräte und zugehörige Antennen im S-, L- und Ka-Band. Entwickelt wurde SCaN unter Leitung des Glenn Research Centers der NASA, Zulieferer waren General Dynamics, die Harris Corporation und das Jet Propulsion Laboratory (alle USA). Mit SCaN will man verschiedene Funkkonfigurationen, die per Software gesteuert werden, testen.

Am 9. August wurde mit Hilfe des japanischen Manipulatorarmes eine Einheit zur gemeinsamen Betreuung verschiedener Experimente (MCE) von der Palette gelöst und in der offenen Experimentierplattform an Kibo verstaut. In der MCE sollen aufblasbare Strukturen und eine normale HD-Kamera getestet sowie Plasma- und Lichtphänomene in der oberen Erdatmosphäre gemessen werden.

Die leere Transportpalette wurde am 10. August zurück in den Frachtraum von Kounotori 3 geschoben. Sie wird mit dem übrigen Raumschiff beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, der für den 6. September geplant ist, verglühen.

Kounotori 3 ist der dritte japanische Frachter, der Materialien zur Internationalen Raumstation gebracht hat. Er startete am 21. Juli und wurde am 28. Juli mit Hilfe des Canadarm2 an der Unterseite des Moduls Harmony angekoppelt. Die Innenfracht wurde seit dem Folgetag entladen. Im Gegenzug wird der Frachtraum mit nicht mehr benötigten Dingen gefüllt. Bei Wiedereintritt sollen zwei Datenrekorder Messwerte der Bedingungen erfassen.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


» ATV-Bahnkorrekturmanöver zu kurz
16.08.2012 - Ein gestern durchgeführtes Manöver zur Anhebung der mittleren Bahnhöhe der Internationalen Raumstation mittels der Triebwerke des am Heck angekoppelten Automated Transfer Vehicle Edoardo Amaldi war kürzer als geplant. UPDATE
Anstelle der vorgesehenen 31 Minuten und 16 Sekunden für eine Geschwindigkeitssteigerung um 4,4 Meter pro Sekunde wurde der Antrieb des ATV bereits nach etwa 22 Minuten und 30 Sekunden abgeschaltet. Damit wurde nur eine Geschwindigkeitserhöhung um 2,91 Meter pro Sekunde erreicht. Als Ursache dafür wird vonseiten der ESA angegeben, dass ein Temperatursensor an einem der beiden nicht am Antriebsprozess beteiligten Triebwerke des ATV einen zu hohen Wert ermittelt und an die Steuerung an Bord der ISS weitergegeben hat. Daraufhin wurde der Antriebsvorgang abgebrochen, was nicht die eigentlich erwartete Reaktion auf einen solchen Vorgang darstellte. Um den Verantwortlichen ausreichend Zeit für die Fehleranalyse und die Planung weiterer Maßnahmen zu lassen, ist man übereingekommen, die zusätzliche Korrektur gegebenenfalls am 22. August nachzuholen. An diesem Tag ist ohnehin ein Bahnanhebungsmanöver vorgesehen.

Bahnanhebungen werden normalerweise in unregelmäßigen Abständen durchgeführt, um einerseits den Höhenverlust aufgrund der Reibung in der auch in mehr als 400 Kilometern Höhe noch vorkommenden, äußerst dünnen Luft auszugleichen. Ein weiterer Grund ist aber die Feinjustierung der Bahn für bevorstehende Ereignisse wie Kopplungen oder Landungen. Damit das Raumschiff Sojus-TMA 04M Mitte September im vorgesehenen Gebiet landen kann, werden geringfügige Korrekturen vorgenommen.

Auch für bevorstehende Kopplungen werden derartige Feinkorrekturen vorgenommen. Mit einem neuen, nur sechsstündigen Anflug zukünftiger Sojus-Raumschiffe, werden an die Bahnpräzision noch höhere Anforderungen gestellt. Dazu muss die Bahnebene den Startort zu einem Zeitpunkt kreuzen, zu dem die Station nur etwa 8 Minuten voraus ist. Je höher die Bahn der Raumstation ist, umso größer ist die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen dem anfliegenden Raumschiff und der ISS. Damit kann in kurzer Zeit ein größerer "Vorsprung" aufgeholt werden. Gleichzeitig muss aber die Bahn des Raumschiffes der der Station angeglichen werden, damit man sie an einem bestimmten Punkt mit fast derselben Geschwindigkeit trifft. Erst dadurch wird aus einem möglichen Vorbeiflug ein Rendezvous. Russische Raumschiffe koppeln im Normalfall mit einer Geschwindigkeit von 12 bis 15 Zentimetern pro Sekunde an.

Das neue Express-Verfahren war am 1. August, also vor wenigen Tagen beim Frachter Progress-M 16M erstmals angewandt worden. Die bemannte Prämiere erlebt es aber erst im nächsten Frühjahr. Die mit einem Gewinn von mehr als 40 Kilometern bisher umfangreichste Bahnanhebung der ISS war im Juni vergangenen Jahres mit den Triebwerken das ATV 2 Johannes Kepler vorgenommen worden.

2012 wurde die ISS bisher von 2 bemannten und 6 unbemannten Raumschiffen angeflogen. In den kommenden Monaten sind noch 2 bemannte und bis zu 4 unbemannte Transporte geplant.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, ESA)



 

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"InSpace" Magazin #474
ISSN 1684-7407


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21. August 2012
Auflage: 4721 Exemplare


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