InSpace Magazin #473 vom 5. August 2012

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #473
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Kurskorrektur für Mars Odyssey

> Saturn Aktuell:
Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 171

> ISS Aktuell:
Kounotori 3 an ISS angekommen

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

aus gegebenem Anlass erscheint die heutige Ausgabe des Magazins schon etwas früher, da wir Sie dazu einladen möchten, morgen früh mit uns die Landung des neuen Marsrovers Curiosity zu erleben. Der Touchdown, also der Moment, in dem die Räder den Marsboden berühren, ist für 7:31 MESZ geplant. Allerdings können Sie schon etwa eine Stunde früher den Spacelivecast verfolgen, wo Sie von zwei Moderatoren, die auch bei Raumfahrer.net mitarbeiten, über die Mission informiert werden. Schalten Sie einfach ab 06:30 Spacelivecast.de an.

Aber auch vorher können Sie sich schon mit dem Thema auseinandersetzen: Auf unserer Sonderseite zum Thema finden Sie Informationen zu allen Instrumenten, zu den Zielen der Missionen und zu vielem Mehr. Besonders möchten wir Ihnen den Artikel über die heiße Phase der Landung ans Herz legen, in welchem Sie über jedes noch so kleine Manöver während der so genannten „7 Minutes of Terror“ informiert werden.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

• Russlands Mondpläne in Bewegung «mehr» «online»
• Ariane 5 bringt zwei Kommunikationssatelliten ins All «mehr» «online»
• Dürrer als erlaubt – Warum ist die Erde zu trocken? «mehr» «online»
• US-Crewtransport: Boeing, SpaceX und SNC ausgewählt «mehr» «online»
• Die Spiralgalaxie NGC 1187 «mehr» «online»
• Interferenzen stören Eutelsat 25A «mehr» «online»
• Reaktionsradproblem an Bord von Kepler «mehr» «online»
• Galileo-Testsatellit GIOVE-B geht in Rente «mehr» «online»
• Sally Ride: Kritisch, unbequem, unbelehrbar «mehr» «online»
• China startet Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten «mehr» «online»
• AIS: exactView-1 im Arbeitsorbit «mehr» «online»
• Kepler 30 und was man so alles messen kann «mehr» «online»
• Zweimal Gonjez, Strela und ein Studentensatellit «mehr» «online»
• Chang`e 3: Chinesischer Rover fliegt 2013 zum Mond «mehr» «online»


» Russlands Mondpläne in Bewegung
01.08.2012 - Wie erwartet werden nach dem frühen Misserfolg der Fobos-Grunt-Mission Pläne zur Erforschung anderer Himmelskörper überarbeitet. Vorreiter soll vernünftigerweise der Mond werden, für dessen weitere Erkundung zeitliche Planungen bereits mehrfach umgestellt wurden.
Insbesondere wird zunächst eine Mission im Mondorbit einer unbemannten Landung vorgezogen. So soll 2015 der Luna-Glob-Orbiter den Missionsreigen eröffnen. Bis dahin möchte man sich mehr Zeit nehmen, alle Komponenten ausgiebiger zu testen. Dies wird gegenwärtig als Hauptgrund für das Versagen bei der Fobos-Grunt-Mission gesehen. Die ambitionierten Pläne nach dem gewaltigen Umbruch in der russischen Gesellschaft und Wirtschaft sowie jahrzehntelanger Unterfinanzierung kamen einfach zu früh.

Ihm könnte 2016 der Luna-Glob-Lander folgen. Bisher sollte im Rahmen von Luna-Resurs 1 bereits 2016 ein Lander mit indischem Rover auf den Weg geschickt werden, dem 2018 bereits ein größeres russisches Modell folgen sollte. Die russisch-indische Mission ist nun auf 2017 terminiert. Mit Luna-Grunt könnte 2019 eine Probenrückführung vom Erdtrabanten durchgeführt werden, eine Generalprobe für künftige Marspläne. Diese wandern ins kommende Jahrzehnt mit Fobos-Grunt 2 und einer für 2024 angepeilten Marsprobenrückführung.

Zuvor gilt es, eine umfassende Umstrukturierung und wirksame Prüfmechanismen in der russischen Raumfahrt auf den Weg zu bringen. Bisher litt diese unter Kompetenzgerangel, mangelhafter Kommunikation zwischen verschiedenen Gruppen, die an einem Projekt arbeiteten, teilweise unklarer Mittelverwendung und Überalterung in Forschung, Entwicklung und Raumfahrtindustrie. Selbst neue Projekte, wie der Bau des russischen Kosmodroms Wostotschny im fernen Osten des großen Landes, sind davon teilweise betroffen.

Offenbar will man nun aber in kleineren Schritten und veränderter Reihenfolge zurück auf den Erfolgspfad. Heutige Elektronik beispielsweise ist zwar erheblich leistungsfähiger als die der früheren russischen Erfolge aus den 1960er und 70er Jahren, allerdings auch deutlich empfindlicher gegen Strahlung und Temperaturschwankungen. Um die Grenzen auszuloten, muss umfassend und nachprüfbar getestet werden. Dafür wird vor allem Zeit benötigt. Etwas wurmt es die russische Seele aber schon, dass man damit bei der Mondforschung wahrscheinlich hinter China zurückfällt. Hier wird ein erstes Mondfahrzeug bereits für 2013 vorbereitet.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, IKI, Lawotschkin)


» Ariane 5 bringt zwei Kommunikationssatelliten ins All
03.08.2012 - Dabei handelt es sich um Intelsat 20 und HYLAS 2, die auf einen Transferorbit für die geostationäre Bahn gelangten.
Der Start erfolgte gegen 22.54 Uhr MESZ vom Raumfahrtzentrum Kourou aus. Dabei handelte es sich um den 64. Start einer Ariane 5 und den 50. erfolgreichen nacheinander. Als Oberstufe fand eine ECA Verwendung, wobei mit einer Gesamtmasse von 10.181 kg die größte Nutzlast dieser Rakete bisher in einen Transferorbit transportiert wurde.

Nach 28 Minuten und 2 Sekunden wurde zunächst Intelsat 20 vom Transportsystem getrennt. Dieser internationale Kommunikationssatellit (6,1 t) wurde von Space Systems Loral gebaut, verfügt über 60 Transponder im Ku-Band, 24 im C- sowie einen im Ka-Band und soll 24 Jahre lang im Geostationären Orbit seine Aufgaben erfüllen können.

Angeboten werden Kommunikationsdienste für Europa, den Mittleren Osten, Russland und Asien. Hier sollen vor allem Fernsehprogramme ausgestrahlt werden, während weltweit auch Video-, Telefon- und sonstige Daten übertragen werden.

Fünf Minuten nach dem Absetzen von Intelsat 20 wurde die SYLDA-Trägerstruktur entfernt, so dass die zweite Nutzlast startbereit wurde. Deren Aussetzen erfolgte gegen 23.28 Uhr MESZ. HYLAS 2 wurde von der Orbital Sciences Corporation für die britische Avanti Communications Group gebaut und verfügt über 24 Ka-Band-Transponder. Er hat eine Masse von 3,1 t und soll mindestens 15 Jahre lang im Geostationären Orbit arbeiten. Hauptversorgungsbereiche sind Afrika, Osteuropa und der Mittlere Osten. Allerdings verfügt HYLAS 2 über eine variable Richtantenne, die auch auf andere Zielgebiete ausgerichtet werden kann.

Beide Satelliten werden in den kommenden Tagen mit eigenem Antrieb in die Geostationäre Bahn gelangen und dort zu ihrer Zielposition driften. Dies ist für Intelsat 20 bei 68,5 Grad östlicher Länge über dem Äquator, HYLAS 2 soll auf der Position 33,5 Grad westliche Länge arbeiten.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceflightNow, Skyrocket, SSL)


» Dürrer als erlaubt – Warum ist die Erde zu trocken?
03.08.2012 - Auf den ersten Blick scheint es paradox: Wasser ist die häufigste Verbindung auf der Erdoberfläche. Vom All aus betrachtet, ist der blaue Planet zu 71% von Wasser bedeckt. Und dennoch ist die Erde mit Blick auf die Grundannahme ihrer Entstehung trockener, als sie sein sollte.
Der größte Anteil des Erdwassers befindet sich in den Ozeanen. Doch Wasser existiert auf der Erde auch in der Erdkruste (als Kristallwasser und frei beweglich) sowie in der Atmosphäre. Zudem ist Wasser maßgeblich am Aufbau organischer Substanzen beteiligt. Pflanzen, Menschen und Tiere bestehen zu 50 – 80 % aus Wasser. Der Wasseranteil im menschlichen Körper beträgt ungefähr 70 % seines Gesamtgewichts. Auf der Erdoberfläche haben sich seit ihrer Entstehung etwa 1,38 Milliarden Kubikkilometer Wasser angesammelt. Und dennoch macht das Wasser weniger als ein Prozent, genauer gesagt 0,023 % der Erdmasse aus.

Darüber hinaus war es nicht von Anfang an da, sondern wurde im Laufe der frühen Erdentwicklung durch den Eintrag von Kometen und vor allem von Asteroiden auf der jungen Erde etabliert. Vor etwa 4,5 Milliarden Jahren nahm alles seinen Anfang. Die Erde war eine feurige Materiekugel, ein Schmelztiegel der Elemente, ohne erkennbare Struktur. Von einer blauen Atmosphäre, geschweige denn von flüssigem Wasser war weit und breit nichts zu sehen. Doch bald kam Ordnung in das Chaos: Angetrieben von der Schwerkraft begannen sich die Elemente der Erde zu sortieren. Schweres Metall wie Eisen und Nickel sank hinab ins Zentrum der Erde und bildete den Kern. Leichtere Elemente dagegen trieben nach außen. So entstanden der Erdmantel und schließlich, als Schlacke auf dem brodelnden Inneren, die Erdkruste. Sie trennte von nun an das heiße Innen vom immer kühler werdenden Außen. Durch Ausgasungen dieses gigantischen Magmaballes und im weiteren Verlauf durch Vulkanismus gelangte ein Teil des irdischen Wassers in die Uratmosphäre.

Dieser Teil des Wassers auf der Erde entstammt also dem Erdinneren. Dennoch ist die Herkunft des irdischen Wassers, und insbesondere die Frage, warum auf der Erde zwar deutlich mehr Wasser vorkommt, als auf den anderen erdähnlichen Planeten des Sonnensystems, und sie dessen ungeachtet bei einem nur ein-prozentigen Anteil des Wassers an der Gesamtmasse der Erde an sich trotzdem ein eher trockener Planet ist, bis heute nicht vollständig geklärt.

Der womöglich größere Anteil des heute vorhandenen Wassers ist durch Einschläge (Impakte) von Kometen, transneptunischen Objekten oder wasserreichen Asteroiden (Protoplaneten) aus den äußeren Bereichen des Asteroidengürtels auf die Erde gelangt. Messungen des Mengenverhältnisses der beiden Wasserstoffisotope Deuterium und Protium (D/H-Verhältnis) deuten dabei eher auf Asteroiden hin, da in Wassereinschlüssen in kohligen Chondriten (eine besondere Form der Steinmeteorite) ähnliche Verhältnisse gefunden wurden wie in ozeanischem Wasser, wohingegen bisherige Messungen dieses Isotopen-Verhältnisses an Kometen und transneptunischen Objekten nur schlecht mit irdischem Wasser übereinstimmten.

Das Standardmodell erklärt die Entstehung des Sonnensystems aus einer sogenannten protoplanetaren Scheibe aus Gas und Staub. Aus ihr kondensierten etwa zeitgleich die großen Körper wie die Planeten. Die Wolke bestand zu über 99% aus den Gasen Wasserstoff und Helium sowie einem geringen Anteil aus nur mikrometergroßen Staubteilchen, die sich aus schwereren Elementen und Verbindungen, wie Wasser, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, anderen Kohlenstoffverbindungen, Ammoniak und Siliziumverbindungen zusammensetzten. In der protoplanetaren Scheibe nahm die Temperatur von innen (Sonnennähe) nach außen ab. Gleichzeitig nahm der Gasdruck in der zentralen Ebene der Scheibe zunächst zu, weiter außen (jenseits von etwa 10 AE, 1,5 Mrd. km) wieder ab. Welchen Einfluss übt das Standardmodell nun auf den geringen Wasseranteil aus?

In welchem der drei Phasenzustände (gasförmig, flüssig oder fest) Wasser vorliegt, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Der Temperatur und dem Druck. Die Verhältnisse in der protoplanetaren Scheibe gestalteten sich derart, dass Eis ab einer Entfernung vom Scheibenzentrum von ungefähr 2,5 AE stabil existieren konnte. Diese Entfernung wird in der Astrophysik auch als „Schneelinie“ (oder im englischen snow-line) bezeichnet. Planetesimale, (junge, kleinere Vorläufer der „ausgewachsenen“ Planeten), die sich jenseits der Schneelinie bildeten, enthalten darum auch große Mengen an Wassereis.

Da wir heute Wasser auf der Erde beobachten können, von dem wir wissen, dass es aus unterschiedlichen Quellen auf unseren Planeten gelangt sein muss, bildete sich die junge Protoerde demnach in einem Bereich, in dem die Temperaturen die Kondensation von Eis aus der Scheibe erlaubten. Eisreiches Material hätte also in großem Umfang bei der Erdentstehung zu Verfügung stehen müssen. Der Grund aber, warum unser Planet weder eine Eis- noch eine Wasserwelt geworden ist, liegt in einer verfeinerten Abgrenzung des Standardmodells zur Planetenentstehung.

Diese verfeinerte Abgrenzung verlegt den Entstehungsort der Protoerde in eine heißere und trockenere Region der Schneelinie, die auch als „Todeszone“ charakterisiert wird. Aktuell liegt die Grenze zur Schneelinie inmitten des Asteriodengürtels zwischen Mars und Jupiter. Jenseits dieser Grenze reicht der Einfluss der Sonne nicht mehr aus, um eisige Überbleibsel aus der Entstehungszeit des Sonnensystems dauerhaft aufzuschmelzen. Die bisherige Vorstellung des Standardmodells sieht die Schneelinie zur Entstehungszeit der Erde sehr viel weiter im inneren Sonnensystem.

In der Neudefinition der Schneegrenze bleibt diese jedoch im Wesentlichen ortstreu und befindet sich zu keiner Zeit innerhalb des Erdorbits, was letztlich eine verträgliche Erklärung zum Gestaltungszustand unseres Planeten liefert. Bei dem Erklärungsansatz spielt darüber hinaus auch der Ionisationsgrad der protoplanetaren Scheibe eine wesentliche Rolle. Unter Ionisation wird im Allgemeinen der Vorgang verstanden, bei dem aus einem Atom oder Molekül ein oder mehrere Elektronen durch hohe Energien „herausgeschlagen“ werden. Im konventionellen Modell stellt sich die Scheibe in einem voll ionisierten Zustand dar. Die Gase in ihr wiesen also eine elektrische Ladung auf. Dadurch spiralten sie in das Zentrum der Scheibe, in dem sich die Protosonne befand. Ein Prozess, der die Scheibe durch die somit anwachsende Protosonne weiter aufheizt, ein Umstand, der die Schneelinie weiter nach außen verschiebt.

Im laufenden Entstehungsprozess dünnt die Scheibe immer weiter aus, da ihr Baumaterial in den Planeten verwendet bzw. durch den stärker werdenden Strahlungsdruck der Protosonne in den Raum getrieben wird. Durch das Ausdünnen verringert sich die Temperatur der Scheibe, die Schneelinie verschiebt sich zurück Richtung Sonne und passiert den Erdorbit noch bevor die Erde vollständig ausgebildet ist. Die junge Erde hätte also zu dieser Zeit von eisreichem Baumaterial umgeben sein sollen. Wie man an Planeten wie Uranus oder Neptun gut ablesen kann, sollte der prozentuale Anteil des Wassers bei Körpern, die gesichert jenseits der Schneelinie entstanden sind, bei über 10% liegen. Ein Wert, den die Erde auch im Ansatz nicht erreicht.

Was ist also geschehen? Vermutlich hat die Strahlung der Protosonne nicht ausgereicht, um die gesamte Protoplanetare Scheibe vollständig zu ionisieren. Das Gas der Scheibe wies keine elektrische Ladung auf, der Zufluss weiteren Baumaterials in Richtung Zentralgestirn versiegte somit. Stattdessen sammelte es sich in einem Bereich von 0,1 AE bis etwa drei AE um die junge Sonne herum an und bildete dort eine Art Riegel, der immer dichter wurde und schließlich zu einer „Todeszone“ innerhalb der protoplanetaren Scheibe führte. Ähnlich wie im Zentrum der Scheibe, bewirkte auch innerhalb der „toten Zone“ die immer dichter werdende Materieansammlung ein Ansteigen der Temperatur in der „Todeszone“. Dadurch wurden leicht flüchtige Stoffe wie Wasser aus der „Todeszone“ herausgetrieben und das zurückbleibende Gemisch wurde „trocken“. Die Erde, Mars und Venus sowie Merkur bildeten sich dann aus diesem trockeneren Anteil und enthalten daher nur sehr wenig Wasser.

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(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland, USA)


» US-Crewtransport: Boeing, SpaceX und SNC ausgewählt
03.08.2012 - Die NASA hat die Gewinner der dritten Runde des kommerziellen Crewprogramms in den USA bekanntgegeben. Boeing und SpaceX bekommen je ca. 400 Millionen US-Dollar und Sierra Nevada Corp ca. 200 Millionen Dollar. Der ATK/Astrium-Vorschlag geht leer aus.
Heute hat die NASA die mit Spannung erwartete Entscheidung über die nächste Phase des kommerziellen Crewprogramms bekanntgegeben. Gewonnen haben Space Exploration Technologies (SpaceX) mit der Dragon-Kapsel, Boeing mit der Kapsel CST-100 und Sierra Nevada Corporation mit dem Dream Chaser, einem Lifting-Body-Design, das auf ein altes NASA-Projekt zurückgeht (HL-20). Im Rahmen der dritten Phase des kommerziellen Crewprogramms, welche den Namen Commercial Crew Integrated Capability (CCiCap) trägt und 21 Monate dauert, sollen die Konzepte möglichst bis zum Critical Design Review (CDR) weiterentwickelt werden.

Die Gewinner im Einzelnen:
Boeing bekommt 460 Millionen US-Dollar für die Crewkapsel CST-100 für bis zu sieben Personen, die auf der Atlas V von der United Launch Alliance (ULA) gestartet werden soll. Boeings Kapsel verfügt über ein neues Rettungssystem, das – anders als die Feststoffmotoren aus Apollozeiten – mit hypergolen Treibstoffen funktioniert und denjenigen Treibstoff benutzt, der im normalen Fall für die Orbitmanöver verwendet wird. Das Rettungssystem kann den ganzen Weg bis in den Orbit genutzt werden. Gestartet werden soll vom Startplatz 41 der Cape Canaveral Air Force Station, wobei die Atlas V hier in einer Variante der sogenannten Dual-Centaur zum Einsatz kommt. Das heißt, dass die Oberstufe von zwei RL-10 Triebwerken betrieben wird, um ausreichend Schub für die schwere Kapsel zu liefern. Im Rahmen von CCiCap (Commercial Crew-integrated Capability) möchte Boeing wichtige Vorarbeiten vor dem Critical Design Review absolvieren. Dazu gehören Windtunneltests, Avioniktests, Triebwerkstests von Rettungssystem und orbitalem Manövriersystem, Designarbeiten am Atlas-V-Adapter für die Kapsel sowie Tests der Software und dem Zertifizierungsplan. Der letzte Meilenstein ist das Critical Design Review. Sollte nach CCiCap in der finalen vierten Phase des kommerziellen Crewprogramms ausreichend Geld zur Verfügung stehen, rechnet Boeing mit einem ersten bemannten Testflug Ende 2016. Genau wie bei COTS bedeutet dieser Testflug nicht den Start der regulären bemannten Flüge zur ISS, sondern ist lediglich ein bemannter Demonstrationsflug, der nicht zwangsweise zur ISS gehen muss.

SpaceX bekommt 440 Millionen Dollar ebenfalls für eine Crewkapsel für bis zu sieben Personen, die auf der hauseigenen Falcon-9-Rakete fliegen soll und von Startplatz 40 in Cape Canaveral startet. Die Kapsel baut auf der Frachtversion auf, die vor zwei Monaten einen erfolgreichen ersten Flug zur ISS absolviert hat. Im Rahmen der 21 Monate möchte man eine Reihe von Tests und Reviews absolvieren. Besondere Höhepunkte bilden dabei ein Startabbruchtest vom Startplatz und ein Startabbruchtest im Flug. Vor dem Critical Design Review sind zwei separate Preliminary Design Reviews für Bodensysteme/Start und Orbit/Landung geplant. Weiter soll ein Zertifizierungsplan erstellt und die Performance der verbesserten Falcon 9 v1.1 mit erhöhter Nutzlastkapazität verifiziert werden. SpaceX ist etwas optimistischer und rechnet für frühestens Mitte 2015 mit einem bemannten Testflug - optimale Finanzierung vorausgesetzt.

Die Sierra Nevada Corp. bekommt 212,5 Millionen US-Dollar für ein Liftingbody-Design, ebenfalls für bis zu sieben Personen, das wie die Boeing-Kapsel auf der Atlas V gestartet werden soll. Im Gegensatz zu SpaceX und Boeing wird SNC nicht das Critical Design Review bei Ende von CCiCap erreichen. Stattdessen fokussiert man sich auf Risikoreduzierung in einigen wichtigen Bereichen. So soll das Rettungssystem vom Dream Chaser einen Hybridmotor benutzen, bei dem noch weitere Vorarbeiten notwendig sind. Des Weiteren braucht man mehr Zeit, um das „grüne“ orbitale Manövriersystem zu entwickeln, welches offenbar keine hochgiftigen Treibstoffe benutzt. Weiter möchte man Windtunneltests und atmosphärische Testflüge machen.

Und das ATK-Konzept mit europäischer Beteiligung?
Der ATK/Astrium-Vorschlag mit der Liberty-Rakete und Orion-Lite wurde nicht ausgewählt. Die Liberty-Rakete benutzt die Ariane-5-Hauptstufe als Oberstufe, hat also signifikanten europäischen Anteil. Die erste Stufe ist ein Feststoffbooster, wie er schon für die eingestellte Ares I vorgesehen war. Orion-Lite ist eine abgespeckte Version der Orionkapsel, welche für die Exploration jenseits des niedrigen Erdorbits eingesetzt werden soll und von Lockheed Martin gebaut wird. Die genauen Kriterien und Bewertungen für die Auswahl sollen in ca. einer Woche veröffentlicht werden, nachdem man den Firmen ein Feedback über ihre Konzepte abgegeben hat.

Wie gehts weiter?
Nach CCiCap soll in der nächsten Phase die Zertifizierung der Systeme durch die NASA erfolgen, worauf die bemannten Flüge zur ISS starten können. Es ist noch nicht klar, wie genau die nächste Phase aussehen soll. Sicher scheint zu sein, dass ab der nächsten Phase der bisherige Ansatz mit den auf Meilenstein basierenden Space Act Agreements (SAA) verlassen und wieder auf feste Verträge zurückgegriffen wird. Ebenfalls nicht klar ist, ob Zertifizierung und ISS-Auftrag zusammen oder nacheinander ausgeschrieben werden.

In den letzten beiden Jahren gab es bereits die CCDev-Phasen eins und zwei (CCDev = Commercial Crew Development), welche z.B. für Boeing und die Sierra Nevada Corp. mit dem Preliminary Design Review geendet haben. Während das Budget von CCDev1 noch ca. 50 Millionen Dollar betrug, war es bei CCDev2 schon fast 300 Millionen. Für die dritte Phase (CCiCap) werden nun etwas über eine Milliarde US-Dollar für 21 Monate bereitgestellt. Beworben hatten sich unter anderem Boeing, SpaceX, Sierra Nevada sowie ATK zusammen mit Astrium und Lockheed Martin. Eine andere Firma, die noch CCDev-Finanzierung erhalten hatte, Blue Origin, hat offenbar keinen Antrag gestellt. Blue Origin ist ein von Amazon-Gründer Jeff Bezos ins Leben gerufenes Raumfahrtunternehmen, über das nur sehr wenig öffentlich bekannt ist, obwohl dort von Bezos sehr viel Geld investiert wird.

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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: NASA)


» Die Spiralgalaxie NGC 1187
04.08.2012 - Eine am Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte veröffentlichte Aufnahme zeigt die im Sternbild Eridanus gelegene Spiralgalaxie NGC 1187.
Die Balkenspiralgalaxie NGC 1187 wurde bereits am 9. Dezember 1784 von dem deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel im Rahmen einer systematischen Himmelsdurchmusterung zum Auffinden von nebligen Himmelsobjekten entdeckt. Sie befindet sich in einer Entfernung von etwa 58 Millionen Lichtjahren zur Erde im Sternbild Eridanus. Die Galaxie verfügt über eine Winkelausdehnung von etwa 5,5 x 4,1 Bogenminuten und erscheint dem irdischen Betrachter in einer scheinbaren Helligkeit von 10,6 mag.

Die hier gezeigte, bereits am 1. August 2012 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme von NGC 1187 ist die detaillierteste Aufnahme, welche bisher von dieser Galaxie angefertigt wurde. Die Rohdaten für dieses Bild wurden mit dem FORS1-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium in Chile gewonnen. Das VLT blickte dabei fast genau senkrecht auf das Zentrum von NGC 1187, wodurch die Spiralstruktur dieser Galaxie besonders gut zur Geltung kommt. Auf der Aufnahme sind mehrere größere Spiralarme deutlich erkennbar. Jeder dieser Spiralarme enthält große Mengen an Gas und Staub. Bei den auf dem Bild sichtbaren "bläulichen Knoten" handelt es sich um Regionen innerhalb der Spiralarme, in denen sich diese Wolken aus interstellarem Gas und Staub aufgrund gravitativer Einflüsse verdichtet haben. Dieser Prozess gipfelt in der Entstehung neuer Sterne.

Der Zentralbereich der Galaxie erscheint dagegen auf der Aufnahme eher gelblich. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich hier hauptsächlich ältere Sterne befinden. Aber auch im Zentrum von NGC 1187 laufen Prozesse ab, welche zur Entwicklung neuer Sterne führen. Ein Hinweis darauf ist ein zentraler "Balken" (daher die Bezeichnung Balkenspiralgalaxie) innerhalb von NGC 1187, welcher bei dieser Galaxie allerdings nur sehr schwach ausgeprägt ist. Derartige Balkenstrukturen, so die Annahme der Astronomen, entstehen dadurch, dass große Mengen an Gas und Staub aus den Spiralarmen in den Zentralbereich strömen, was dort anschließend zu einer erhöhten Sternentstehungsrate führt.

Auf der VLT-Aufnahme sind zudem auch verschiedene lichtschwächere und noch weiter entfernte Galaxien erkennbar. Einige dieser Galaxien leuchten sogar durch die Scheibe von NGC 1187 hindurch. Ihr rötliches Leuchten steht in einem interessanten farblichen Kontrast zum bläulich-weißen Leuchten der viel näher gelegenen Vordergrundgalaxie.

Die Galaxie NGC 1187 erscheint dem Betrachter auf den ersten Blick vielleicht als ein beschaulicher und unveränderlicher Ort im Universum. Seit dem Herbst 1982 wurden dort allerdings zwei Supernovaexplosionen beobachtet. Bei einer Supernova handelt es sich um eine gewaltige Explosion, welche das Ende der Existenz entweder eines sehr massereichen Sterns oder aber eines sogenannten "Weißen Zwergsterns" in einem Doppelsternsystem markiert.

Der erste Typ einer Supernovaexplosion besiegelt dabei das Ende eines Sterns mit mehr als rund acht Sonnenmassen. Sobald ein solcher Stern im Laufe der Zeit seinen Vorrat an nuklearem Brennstoff erschöpft hat, kann er dem gravitativen Kollaps nichts mehr entgegensetzen. Eine gewaltige Explosion ist die Folge. Ein anderer Typ einer Supernovaexplosion tritt in Doppelsternsystemen auf, in denen ein Weißer Zwergstern Materie von seinem massereicheren Begleiter abzieht. Sobald der Weiße Zwerg eine bestimmte Menge an zusätzlichem Material angesammelt hat, endet auch er als Supernova.

Supernovaexplosionen gehören zu den energiereichsten Ereignissen im Universum, welche den Astrophysikern bisher bekannt sind. Sie können innerhalb weniger Stunden so hell werden, dass sie für kurze Zeit sogar eine ganze Galaxie überstrahlen. Anschließend verblassen sie über einen Zeitraum von Wochen und Monaten wieder. Während der kurzen Zeit, in der sie leuchten, können sie allerdings so viel Energie abstrahlen wie unsere Sonne während ihrer gesamten Lebenszeit.

Die erste Supernova in NGC 1187 wurde bereits im Oktober 1982 am La Silla-Observatorium der ESO entdeckt und erhielt von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) die Bezeichnung SN 1982R. Im Jahr 2007 entdeckte der Amateurastronom Berto Monard von Südafrika aus eine weitere Supernova in dieser Galaxie: SN 2007Y. Ein internationales Astronomenteam hat diese Supernova anschließend mit verschiedenen Teleskopen über einen Zeitraum von etwa einem Jahr untersucht. Das jetzt von der ESO veröffentlichte Bild der Galaxie NGC 1187 stammt aus dieser Beobachtungskampagne. Obwohl der Zeitpunkt ihrer größten Helligkeit zum Aufnahmezeitpunkt bereits überschritten war, ist die Supernova SN 2007Y am unteren Bildrand nach wie vor deutlich zu erkennen.

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Fachartikel zur Supernova SN 2007Y von Stritzinger et al.:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» Interferenzen stören Eutelsat 25A
25.07.2012 - Die nationale französische Frequenzagentur (ANFR) meldete am 20. Juli 2012, dass es wegen Interferenzen zum Ausfall von Transpondern des von Eutelsat betriebenen Kommunikationssatelliten Eutelsat 25A gekommen ist. Als vermeintlicher Verursacher der Störungen wurde der multinationale Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat ausgemacht.
Eine Beschwerde von Eutelsat hat die ANFR sowohl bei der International Telecommunications Union (ITU) als auch bei der Regierung des Königreichs Saudi-Arabien als Eigner von Arabsat vorgelegt.

Sechs Transponder von Eutelsat 25A waren seit dem 14. Juli 2012 derartig gestört, dass Eutelsat von ihnen keine brauchbaren Signale mehr empfangen konnte. Der bei 25,5 Grad Ost im Geostationären Orbit positionierte und an anderer Position ursprünglich als Hot Bird 5 und später als EUROBIRD 2 bezeichnete Satellit wird von Eutelsat hauptsächlich zur Versorgung des Mittleren Ostens mit Fernseh- und Radioprogrammen sowie Breitbanddiensten eingesetzt.

Laut Eutelsat waren unter den für die Transponderausfälle ursächlichen Störsignalen Übertragungen von drei nicht autorisierten Fernsehkanälen in DVB-Formaten. Die Störsignale erreichten den Satelliten außerdem mit falscher Polarisation und/oder mit hoher Signalstärke, was zusätzliche Interferenzen verursachte, berichtete Eutelsat.

Um die eigenen Kunden weiter versorgen zu können, hielt es Eutelsat für erforderlich, verschiedene ursprünglich von Eutelsat 25A ausgestrahlte Dienste auf andere Satelliten zu transferieren.

Sicher ist man sich bei Eutelsat, dass als Quelle der Störsignale nur der Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat in Frage kommt. Es kann nur spekuliert werden, ob die Störsignale einfach Ergebnis menschlichen Versagens beim Ausrichten einer Sendeantenne sind, oder mit bestimmten Intentionen verursacht wurden.

Eutelsat sieht sich als einziger berechtigte Benutzer der Orbitalposition bei 25,5 Grad Ost. Eutelsat 25A steht nur rund ein halbes Grad entfernt von Satelliten, die Arabsat bei 26 Grad Ost unter anderem einsetzt, um Telekommunikationsdienste für den Iran zur Verfügung zu stellen.

Eutelsat kämpft seit zwei Jahren mit Arabsat und dem Iran um eine sinnvolle Nutzung von Frequenzen im Ku-Band-Bereich bei 25,5 Grad Ost. Bislang war von der ITU moderierten Einigungsversuchen kein Erfolg beschieden. Für Eutelsat drängt die Zeit, denn in weniger als einem Jahr soll Eutelsat 25B gestartet werden, den man im Geostationären Orbit ebenfalls bei 25,5 Grad Ost einsetzen möchte. Eutelsat 25B wird deutlich größer und leistungsfähiger sein als der seit Ende 1998 um die Erde kreisende Eutelsat 25A.

Einig sind sich Arabsat und Eutelsat, dass es in der derzeitigen Situation niemandem möglich ist, im Bereich von 25,5 bis 26 Grad Ost einen Kommunikationssatelliten problemlos zu betreiben. Iranischerseits werden Störungen der eigenen Signale angeführt, die wegen Interferenzen mit Signalen von Eutelsat 25A auftreten.

Eine bei einem Einigungsversuch vermutlich diskutierte mögliche Lösung könnte eine beiderseitige Begrenzung der Zahl auf Satelliten aktiver Transponder bei 25,5 Grad Ost und bei 26 Grad Ost sein. Arabsat und Eutelsat würden demzufolge künftig offiziell jeweils 12 Transponder mit einer Bandbreite von 36 MHz verwenden, um den Mittleren Osten und Nordafrika zu versorgen.

Um die Zusammenarbeit bei Eutelsat 25B mit Es’hailSat aus Qatar nicht einzuschränken, überlegt Eutelsat, bei Arabsat offiziell zusätzliche vier Transponder auf einem Satelliten bei 26 Grad Ost zu mieten. Praktisch würde man wohl einfach entsprechend mehr Transponder von Eutelsat 25B aktivieren, die Miete der Transponder wäre eine Geste zur Gesichtswahrung. Dienstleistungen oder Zahlungen an Arabsat für die Nutzungsmöglichkeit der vier Transponder hält Eutelsat für vorstellbar.

Eine Störung von Eutelsat 25A durch Arabsat wäre, wurde sie absichtlich ausgelöst, erst recht angesichts eines praktizierbaren Ausgleichs zwischen den beiden Kommunikationssatellitenbetreibern, unverständlich. Ob der Iran im Transponder- und Positionspoker zu unlauteren Mitteln gegriffen hat, konnte bislang nicht verifiziert werden. Den geschilderten Ausgleich unterstützt der Iran nicht.

Das jüngsten Treffen unter der Ägide der ITU fand an dem Tag statt, an dem das Nutzungsrecht der Orbitalposition bei 34 Grad Ost durch den Iran verfiel, weil es dem Iran bis zum Ende einer Frist von sechs Monaten nicht möglich war, einen Satelliten für diese Position anzugeben. Möglicherweise drückt sich die resultierende Unzufriedenheit der iranischen Delegation auch in dem Protest gegen den möglichen Vergleich zwischen Arabsat und Eutelsat aus. Ein Teilnehmer an der Veranstaltung berichtete außerdem, iranischerseits sei man unglücklich, dass der Vergleich ohne Beiträge der iranischen Seite entwickelt wurde.

Eutelsat 25A ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.495 bzw. als COSPAR-Objekt 1998-057A.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: advanced-television.com, cardsharinginfo.com, spacenews.com)


» Reaktionsradproblem an Bord von Kepler
25.07.2012 - Eines der vier Reaktionsräder an Bord des US-amerikanischen Weltraumteleskops Kepler bereitet Probleme. Die Schwierigkeiten wurden durch vom Raumfahrzeug gesendete Daten offenbar, die man am 16. Juli 2012 empfangen hat.
Das ADCS für Attitude and Determination Control Subsystem genannte System zur Bestimmung und Steuerung der Lage des Weltraumteleskops im All besitzt nach Angaben der US-amerikanischen Raumfahrtagentur (NASA) eine als RWA für reaction wheel assembly bezeichnete Baugruppe mit vier aktiv redundanten Reaktionsrädern.

Das Reaktionsrad mit der Nr. 2 reagierte nicht mehr auf Steuerbefehle, weshalb es am 19. Juli 2012 schließlich aus dem Prozess der Lagesteuerung von Kepler isoliert wurde. Mit den verbleibenden drei Reaktionsrädern ist Kepler weiter voll einsatzfähig. Den wissenschaftlichen Betrieb hat das seit dem 7. März 2009 im All befindliche Teleskop bereits wieder aufgenommen.

Als die Anomalie an Bord von Kepler am 14. Juli 2012 Wirkung zu zeigen begann, wechselte das Teleskop seinen Orientierungsmodus von fine-point auf coarse-point, und verblieb in der für den wissenschaftlichen Einsatz erforderlichen Lage. So konnten die anvisierten Sterne weiter beobachtet werden, wegen den im Modus coarse-point allerdings auftretenden größeren Abweichungen (jitter) hatten die so gewonnenen Informationen keinen wissenschaftlichen Wert.

Man schätzt, dass man etwa sechs Tage der wertvollen Beobachtungszeit wegen des Versagens des Reaktionsrads Nr. 2 verloren hat. In den kommenden Wochen sollen sämtliche verfügbaren Telemetriedaten von Kepler auf Hinweise für den Grund des Ausfalls des Reaktionsrads gesichtet werden. Vielleicht ergeben sich Erkenntnisse, die es zulassen, das Reaktionsrad Nr. 2 wieder in Betrieb zu nehmen.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)


» Galileo-Testsatellit GIOVE-B geht in Rente
25.07.2012 - Die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) meldete am 24. Juli 2012, dass der Orbit des am 27. April 2008 gestarteten zweiten Galileo-Testsatelliten jetzt schrittweise angehoben wird, um die endgültige Außerdienststellung des Raumfahrzeugs vorzubereiten.
Basierend auf Alcatels Proteus-Satellitenbus von Astrium gebaut war GIOVE-B unterschiedlichen Quellen zufolge auf 27 bzw. 50 Monate Betrieb im Weltraum ausgelegt worden. Nach etwas über vier Jahren im All wurde am 23. Juli 2012 die Navigationsnutzlast des Satelliten abgeschaltet.

An Bord von GIOVE-B befinden sich entsprechend seiner Bezeichnung (GIOVE steht für Galileo In-Orbit Validation Element, Galileo-Testelement für Überprüfungen in einer Umlaufbahn) zahlreiche Komponenten, die für einen künftigen Einsatz im Weltraumsegment des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo zu testen waren.

Unter anderem besitzt GIOVE-B Atomuhren in zwei für Galileo-Satelliten vorgesehenen Varianten. Die beiden Rubidium-Uhren der Navigationsnutzlast ermöglichten exakte Zeitinformationen mit einem Fehler von etwa drei Sekunden in einer Millionen Jahre. Eine neuartige Wasserstoff-Maser-Uhr mit einem passiven Wasserstoff-Maser (engl. Passive Hydrogen Maser, PHM), auf GIOVE-B zum allerersten Mal überhaupt im Weltraumeinsatz, zeichnete sich durch noch wesentlich geringere Gangabweichungen aus. Ihr Fehler liegt bei nur rund einer Sekunde alle drei Millionen Jahre (~1 Nanosekunde pro Tag).

Zur Ausstrahlung von Testsignalen, insbesondere solchen zur Untersuchung eines gemeinsamen Betriebs von Galileo und des US-amerikanischen Satellitennavigationssystems (GPS), besitzt GIOVE-B verschiedene Antennen, zur Erzeugung und Aufbereitung der Signale entsprechende Generatoren und Verstärker. Außerdem an Bord ist ESAs standardisierter Strahlungsmonitor zur Erforschung der Charakteristik der Strahlung in der Umgebung eines Satelliten auf seiner Bahn um die Erde.

Die während des Regelbetriebs von GIOVE-B in rund 23.222 Kilometern über der Erde gewonnen Erkenntnisse bestätigten, dass Galileo künftig so funktionieren kann, wie es beim Entwurf des Systems angedacht worden war. Zusätzlich sicherte GIOVE-B im Zusammenspiel mit dem ersten Testsatelliten GIOVE-A die künftige Verwendung bestimmter Frequenzen durch Galileo-Satelliten, indem die Frequenzen im Einklang mit den Regelungen der International Telecommunications Union (ITU) regelmäßig benutzt wurden.

Damit der demnächst vollständig deaktivierte GIOVE-B anderen Satelliten nicht unmittelbar gefährlich werden kann, ist eine Anhebung seiner Bahn um rund 600 Kilometer vorgesehen. Eine erste diesbezüglich abgewickelte Triebwerksbrennphase sorgte am 24. Juli 2012 für eine Bahnanhebung um rund 30 Kilometer. Nach einer Reihe weiterer Brennphasen wird der Testsatellit laut Plan voraussichtlich Mitte August seinen sogenannten Friedhofsorbit erreicht haben.

Beginnend ab 2013 sollen die Galileo-FOC-Seriensatelliten (FOC für Full Operational Capability, engl. für volle Einsatzkapazität) in den Weltraum gebracht werden. Die ersten beiden Satelliten der Galileo-Testkonstellation (IOV, in orbit verification, engl. für Überprüfung im Orbit) befinden sich seit dem 21. Oktober 2011 im All. Ergänzt wird die IOV-Testkonstellation durch zwei weitere Satelliten voraussichtlich im Oktober 2012.

GIOVE-B alias GSTB V2/B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 32.781 bzw. als COSPAR-Objekt 2008-020A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Sally Ride: Kritisch, unbequem, unbelehrbar
25.07.2012 - Sie war die erste US-Astronautin im All - 20 Jahren nach dem ersten Flug einer sowjetischen Kosmonautin. Geprägt hat sie die amerikanische Raumfahrt dennoch wie kaum ein anderer Raumfahrer. Im Alter von 61 Jahren verstarb sie an Krebs.
Sally Kristen Ride hätte das Zeug zum Popstar gehabt. Sie flog als erste Amerikanerin ins All, auf der siebten Mission des Space Shuttles. Sie gestaltete die Zukunft der US-Raumfahrt in entscheidenden Momenten mit – und scheute nicht, mit ihrem kritischen Geist auch unbequeme Haltungen einzunehmen. Bis zu ihrem Tod setzte sie sich für die Förderung von Kindern und Mädchen in den Naturwissenschaften ein. Und doch blieb sie immer sie selbst.

Ihre Begeisterung für die Wissenschaft machte sie erst zur Astronautin: In der anbrechenden Shuttleära waren nicht mehr ausschließlich Kampfpiloten gefragt, wie noch bis zum Mondprogramm. Ingenieure und Naturwissenschaftler wurden gesucht. Sally Ride setzte sich als Physikerin gegen 8.000 Bewerber durch. Sie flog zweimal ins All. Während sie auf den dritten Einsatz trainierte, verunglückte die Challenger. Sie wirkte in der untersuchenden Rogers-Kommission mit – als einzige Frau. Auch als 17 Jahre später die Columbia beim Wiedereintritt verglühte, war ihr kritischer Geist immer gefragt. Als einzige Person in beiden Kommissionen: „Ich höre hier ein kleines Echo“, sagte sie zwei Monate nach dem Unglück von 2003. Sie hatte beim NASA-Management ähnliche Prozesse beobachtet, die schon die Explosion der Challenger begünstigt hatten.

Gegen die Stereotype

Von Anfang an hatte sie es nicht leicht: als eine von sechs Astronautinnen für das neue Shuttleprogramm ausgewählt, war sie an der Entwicklung des shuttleeigenen Roboterarmes beteiligt. Das befähigte sie für Kommandant Robert Crippen über alle Maßen, an der Mission STS-7 teilzunehmen – als Frau und noch dazu als jüngster Raumfahrer der US-Geschichte. Doch unter Druck gerät sie trotzdem: „Sie fühlt sich im Copilotensessel wohl, obwohl ihr die tausend Stunden Flugerfahrung fehlen“, schreibt ein US-Magazin. Auch die vor dem Flug angereisten Journalisten stellen unerträgliche Fragen: Ob sie bei Problemen im Beruf weinen müsse? Würden ihre reproduktiven Organe beim Raumflug nicht Schaden nehmen? Ride lässt sich nicht darauf ein: „Warum fragen sie das nicht auch den Kommandanten?“

Es war dieser Kampf gegen die Stereotype, der ihren Lebensweg kennzeichnen sollte. Sie arbeitet selbstverständlich weiter als Physikerin, geht 1987 zur Stanford University und wird 1989 Professorin an der University of California in San Diego, wo sie über Freie-Elektronen-Laser forscht. Auch die Zukunft der NASA gestaltet sie weiterhin mit: Im Ride-Bericht werden 1987 wichtige Projekte der kommenden Jahrzehnte vorgeschlagen. Er bewirkt etwa grünes Licht für die Raumsonde Cassini-Huygens ins Saturnsystem. Nebenbei setzt sie sich dafür ein, Jungen und Mädchen für Raumfahrtthemen zu begeistern. Die EarthKam geht auf ihre Initiative zurück: sie ermöglicht seit 1996 Schulkindern den Zugang zu hochaufgelösten Erdaufnahmen von Space Shuttle und Raumstation. Sie ist überzeugt: Dass weniger Frauen technische Berufe ergreifen, hänge kaum mit fehlendem Interesse zusammen. Erst gesellschaftliche Normen bewirkten, dass sich die heranwachsenden Mädchen unwohl fühlten.

Am Ende ist Sally Ride auf ihre Weise zur Ikone geworden. „Sie ist der Neill Armstrong der Shuttleära“, sagt US-Raumfahrtjournalist Miles O`Brien. Zwar flog sie erst 20 Jahre nach der Russin Valentina Tereschkowa ins All. Doch selbst zu dieser Zeit waren Frauen in klassischen Männerberufen in den USA Stein des Anstoßes. Sally Ride hat geholfen, das zu ändern.

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(Autor: Karl Urban - Quelle: Eigene Recherche)


» China startet Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten
26.07.2012 - Am 25. Juli 2012 wurde der chinesische Bahnverfolgungs- und Relaissatellit Tianlian I-03 gestartet. Sein Ziel ist der Geostationäre Orbit ca. 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.
Der Start erfolgte am 25. Juli 2012 um 15.43 Uhr MESZ bzw. um 23.43 Uhr Ortszeit. Die Mission begann vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan aus. Befördert wurde der von der Chinese Academy of Space Technology (CAST) unter Ägide der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASTC) entwickelte Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3C. Sie flog nach chinesischen Angaben die 166. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch und die neunte einer Langer Marsch 3C. Es war der 11. chinesische Raketenstart 2012, der eine Erdumlaufbahn zum Ziel hatte, und der sechste, der im XSLC begann.

Der transportierte, auf dem chinesischen Satellitenbus DFH-3 basierende Satellit gelangte auf eine sogenannte supersynchrone Transferbahn, von wo aus ein eigenes Triebwerk den Satelliten in den Geostationären Orbit bringen kann. Tianlian I-03 soll von dort künftig zusammen mit dem seit dem 25. April 2008 im All befindlichen und bei 76,9 Grad Ost im Geostationären Orbit positionieren Tianlian I-01 sowie dem am 11. Juli 2011 gestarteten, bei 176,77 Grad Ost stehenden Tianlian I-02 die zukünftigen Raumflüge Chinas mit der Lieferung von Bahn- und Navigationsdaten sowie der Herstellung von Kommunikationsverbindungen unterstützen.

Mit dem jetzt gestarteten dritten Satelliten verbessert sich die Abdeckung des chinesischen Bahnverfolgungs- und Relaisnetzwerkes noch einmal erheblich. Das chinesische Netzwerk für Bahnverfolgung und Weltraumkommunikation besitzt nun ein vollständiges Satellitensystem. Beim Aufbau einer eigenen Raumstation wird das Netzwerk chinesischen Angaben zufolge eine wichtige Rolle spielen. Den bis dato intensiv praktizierten Einsatz von Spezialschiffen, die mit entsprechender Technik ausgerüstet sind, kann China nun eventuell verringern.

Westlichen Angaben zufolge weisen die chinesischen Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten Startmassen von rund 2.100 Kilogramm auf. Die Kommunikationsnutzlast an Bord der Satelliten wird auf maximal rund 220 Kilogramm Masse geschätzt. Bei der Versorgung der Satellitensysteme mit elektrischer Energie stehen am Ende der Auslegungsbetriebsdauer eines solchen Satelliten von acht Jahren vermutlich ca. 1.700 Watt zur Verfügung. Zur Stromerzeugung sind die Satelliten mit zwei Solarzellenauslegern ausgerüstet.

Tianlian I-03 alias CTDRS-3 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.730 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-040A.

Bilder von den Startvorbereitungen und vom Start:

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CALT, CRI Online, The Satellite Encyclopedia, Xinhua)


» AIS: exactView-1 im Arbeitsorbit
27.07.2012 - exactView-1, ein von der Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) aus Großbritannien gebauter Satellit zur Überwachung des Schiffsverkehrs, gelangte nach Angaben von SSTL nach dem Start und der Abtrennung von der Raketenoberstufe auf die vorgesehene Erdumlaufbahn. An der Inbetriebnahme des Satelliten wird gearbeitet.
Am 22. Juli 2012 war exactView-1 alias EV-1 zusammen mit einer Anzahl anderer Satelliten auf einer Sojus-Trägerrakete vom Startkomplex 31/6 von Baikonur in Kasachstan aus in den Weltraum transportiert worden (Raumfahrer.net berichtete). Dort gelang rund 2,5 Stunden nach dem um 8.41 Uhr MESZ und 39 Sekunden erfolgten Start die Abtrennung von exactView-1 von der Fregat-Oberstufe der Sojus-Rakete, seitdem kreist der Satellit mit einer Startmasse von rund 100 Kilogramm (lt. Zenki 95 kg) in rund 817 Kilometern Höhe auf einer sonnensynchronen polaren Bahn um die Erde.

Überwacht wird das auf SSTLs Satellitenbus SSTL-100 basierende Raumfahrzeug von SSTLs Missionskontrollzentrum Guildford. Dort geht die Telemetrie von exactView-1 ein, und dort werden Kommandos an den Satelliten abgeschickt. Erste via Guildford abgewickelte Tests zeigten, dass wichtige Systeme an Bord von exactView-1, wie die zur Energieversorgung sowie der Flug- und Fernsteuerung, funktionieren wie vorgesehen. Die Solarzellen auf der Oberfläche des annähernd würfelförmigen Grundkörpers des Satelliten sind betriebsfähig, der zusätzliche Solarzellenausleger ist ausgeklappt.

In den kommenden Tagen wird SSTL die Tests von exactView-1 fortsetzen. Wenn alle Bussysteme von SSTL überprüft und betriebsbereit sind, wollen Arbeitsgruppen von SSTL und dem Nutzlastlieferanten Com Dev aus Kanada die Inbetriebnahme der Nutzlast an Bord des Satelliten, des Systems zur Überwachung des Schiffsverkehrs, AIS für Automatic Identification System genannt, angehen.

Satelliten mit einer Nutzlast für das AIS erweitern das System um ein Weltraumsegment, das den Empfang von Positionsdaten von Wasserfahrzeugen auch außerhalb der Reichweite terrestrischer AIS-Stationen ermöglicht. Auf Meereshöhe beträgt die Reichweite des AIS zwischen 50 und 100 Kilometern. Terrestrische AIS-Stationen gibt es in unterschiedlicher Dichte entlang der Küstenlinien, und zum Beispiel insbesondere im Bereich von Hafenanlagen und Meerengen. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit über 70.000 Wasserfahrzeuge mit AIS-Transmittern ausgestattet sind.

Vom Weltraum aus können einzelne Schiffe über weite Strecken verfolgt werden. Dies funktioniert insbesondere dann besonders gut, wenn ein Satellitenbetreiber über eine entsprechend ausgebaute Satellitenkonstellation verfügt. Die Betreiberin von exactView-1, die exactEarth Ltd. aus dem kanadischen Cambridge im Bundesstaat Ontario, ein Joint Venture der kanadischen Com Dev International Ltd. und der spanischen Hisdesat Servicios Estratégicos S.A., arbeitet am Aufbau einer solchen Konstellation.

Bis zum Start von exactView-1 konnte exactEarth seinen Kunden Daten von den vier Satelliten AprizeSat-3, AprizeSat-4, AprizeSat-5 und AprizeSat-6 liefern. AprizeSat-3 und AprizeSat-4 kreisen seit dem 29. Juli 2009 um die Erde, AprizeSat-5 und AprizeSat-6 ziehen seit dem 17. August 2011 um unseren Planeten.

Kommt exactView-1, Auslegungslebensdauer im All fünf Jahre, ebenfalls seinen Aufgaben nach, wird er zum fünften Satelliten der AIS-Konstellation von exactEarth. Dann wird er seine S- und C-Band-Sendeanlagen regelmäßig einsetzten, um empfangene AIS-Datenpakete an die großen Bodenstationen im englischen Guildford und auf der norwegischen Insel Svalbard in der Arktis sowie an weitere rund um den Erdball verteilte Stationen weiterzuleiten.

exactEarth hat sich zum Ziel gesetzt, zum Betreiber der ersten AIS-Konstellation zu werden, deren Satelliten alle 90 Minuten jeden Punkt der Erdoberfläche überfliegen. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Satellit (EV-2) für exactEarth gestartet werden. Für das Jahr 2013 hat exactEarth den Start von zwei zusätzlichen Satelliten geplant.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: exactEarth, SSTL, Tsenki)


» Kepler 30 und was man so alles messen kann
27.07.2012 - Auf Umwegen sind Astronomen vom MIT in Cambridge (USA) darauf gekommen, dass die bisher entdeckten 3 Planeten des Sterns Kepler-30 diesen in derselben Ebene und senkrecht zu seiner Rotationsachse umlaufen.
Die Entdeckung aller drei Planeten um den etwa 10.000 Lichtjahre entfernten, in Größe und Helligkeit recht sonnenähnlichen Stern im Sternbild Leier war im Januar bekannt gegeben worden. Kepler-30b hat etwa 20% der Masse des Planeten Jupiter, 33% seines Radius’ und benötigt 29,3 Erdentage für einen Umlauf um seinen Stern in etwa 27 Millionen Kilometern Entfernung von ihm. Kepler-30c ist gut neunmal so schwer und fast 1,3 Mal so groß wie Jupiter. Er umläuft den Stern in 45 Millionen Kilometern Entfernung und benötigt dafür gut 60 Tage. Dritter im Bunde ist Kepler-30d mit 17 Jupitermassen bei etwas geringerer Größe als Jupiter (also deutlich dichter) und 143 Tagen Umlaufzeit in etwa 75 Millionen Kilometern (jeweils große Halbachse).

Damit ist es auf allen Planeten recht heiß, was diese zunächst für die Suche nach Leben uninteressant macht. Allerdings konnte man auf dem Stern selbst auch einen größeren Sonnenfleck messen, der mit der Rotation des Sterns regelmäßig auftaucht und verschwindet. Sonnenflecken sind Bereiche an der Oberfläche eines Sterns in denen es durch starke Magnetfelder zu einer Abkühlung um bis zu 2000 K kommt. Sie unterscheiden sich also deutlich von einer Bedeckung durch einen Planeten. Dabei wird ja die gesamte Strahlung des bedeckten Bereiches abgeschirmt.

Das Astronomenteam am Massachussetts Institute of Technology hat nun die Daten der 27 bisher beobachteten Bedeckungen des Planeten Kepler-30b mit den 12 von 30c und den 5 von 30d verglichen und dabei herausgefunden, dass alle drei Planeten auch den Sonnenfleck "überflogen". Damit stimmen die Bahnebene des Sonneflecks mit der jedes einzelnen Planeten bis auf wenige Grad überein. Daraus kann man schlussforlgern, dass die Planeten alle in derselben Ebene ihren Stern umlaufen und diese auch noch senkrecht zur Rotationsachse des Sterns liegt.

Dies ist auch bei unserem Sonnensystem so. Die 8 Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun umlaufen die Sonne in einer Ekliptik genannten Ebene in derselben Richtung, wie die Sonne rotiert. Als Grund dafür gilt die gemeinsame Entstehung von Sonne und Planeten aus einer riesigen Gaswolke. Aus dieser Gemeinsamkeit mit dem System Kepler-30 kann man nun schlussforlgern, dass dies auch in diesem System so ist.

Übrigens vermutet man dies für alle oder zumindest die meisten Planetensysteme. Immerhin hat man bereits bei einigen mehrere Planeten gefunden. Dazu müssen sich diese zwischen ihren Stern und unsere Position schieben. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass die Bahnen nicht in einer Ebene verlaufen, sondern sich nur (zufällig) an einem solchen Punkt schneiden würden. Kepler-30 ist nur eben das erste System außer unserem eigenen, bei dem man diesen Fakt nachweisen kann.

Kepler-30A ist ein sonnenähnlicher Stern, der von der Erde aus eine scheinbare Helligkeit von 15,5 mag besitzt, also nur in besseren Amateurteleskopen als Punkt zu sehen ist. Der NASA-Satellit Kepler war am 7. März 2009 gestartet worden und hatte kurz darauf seine Zielbahn um die Sonne erreicht. Er verfügt über ein Spiegelteleskop und 42 CCD-Chips mit insgesamt 95 Megapixeln, das bisher leistungsfähigste Bildsensorsystem im All. Es wurde speziell für die Suche nach Exoplaneten konstruiert und gebaut. Das Teleskop bleibt über mehrere Jahre auf dieselbe Zielregion gerichtet und erfasst regelmäßige Verdunklungen einzelner Sterne. Nach einer Überprüfung mit erdgestützten Teleskopen kann danach auf die Existenz, Größe und Umlaufzeit von Exoplaneten geschlossen werden. Aus der Sternenmasse und der Umlaufzeit lässt sich zudem der Bahnradius berechnen. Bekannt gegeben wurden bisher 61 Planetenentdeckungen, weitere 2.326 Kandidaten stehen auf der Liste. Außerdem wurden 2.165 einander umlaufende Doppelsterne identifiziert.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Wikipedia)


» Zweimal Gonjez, Strela und ein Studentensatellit
28.07.2012 - Heute morgen, gegen 3.35 Uhr MESZ startete vom Kosmodrom Plesezk eine Rokot-Trägerrakete mit Bris-KM-Oberstufe und den Satelliten Gonjez-M 3, Gonjez-M 4, Strela-3 143 und MiR.
Die Satelliten wurden bis 5.19 Uhr in ihren Zielbahnen in etwa 1.400 km Höhe bei 82,6° Bahnneigung abgesetzt.

Die beiden Gonjez (auf deutsch: Bote) gehören zu einer im Aufbau befindlichen Konstellation für multifunktionale persönliche Satellitenkommunikation. Dazu zählen Sprach- und Datendienste wie Email, Fax und Telex. Die Satelliten können aber auch Daten von Einbruchs- und Brandmeldeanlagen sowie Umweltsensoren entgegennehmen und weiterleiten. Gefunkt wird im A- bzw. B-Band (UHF/VHF) mit bis zu 64 kBit/s. Der Speicher an Bord jedes etwa 280 kg schweren Satelliten liegt bei 8 MByte, die Sendeleistung bei 10 W.

Vorversuche mit dem zivilen System wurden ab 1992 angestellt, die ersten funktionsfähigen Satelliten gelangten 1996 ins All. Die Gonjez-M-Serie gibt es seit 2005, da die geplante Funktionsdauer bei 5 bis 7 Jahren liegt, ist das Netz, das zunächst auf 36, später auf 12 Satelliten ausgelegt war, nach wie vor unvollständig. Ab 2014 sollen Satelliten der verbesserten Serie Gonjez-M1 folgen. Die Raumfahrzeuge werden bei Reschetnjow gefertigt.

Wesentlich erfolgreicher hingegen ist die militärische Version dieses Satellitentyps, Strela (Pfeil). Diese werden seit 1964, die aktuelle Serie Strela-3 seit 1985 gestartet und für die militärisch-taktische Kommunikation in unwegsamem Gelände verwendet. Vom Typ Strela-3 wurden etwa 130 Satelliten erfolgreich gestartet. Strela-3 143 ist weitgehend baugleich zu den zivilen Gonjez.

Zusatznutzlast ist der Jubiläumssatellit MiR (Jubilejni 2), der ebenfalls von Reschetnjow gebaut wurde, allerdings Ausbildungszwecken dient. Studenten und Absolventen der Sibirischen Staatlichen Universität für Luft- und Raumfahrt Krasnojarsk haben MiR mit einem Laserreflektor, einer Kamera zur Fernerkundung, zwei Webcams und einem neuartigen Schaltnetzteil ausgerüstet. Zudem arbeitet er mit neuen Elektronik-Komponenten und funkt im Amateurbereich. Der Satellit dient pädagogisch-studentischen Projekten.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Skyrocket)


» Chang`e 3: Chinesischer Rover fliegt 2013 zum Mond
28.07.2012 - China beabsichtigt, nach Angaben des Nachrichtenportals china.org.cn im Jahr 2013 im Rahmen des nationalen Programms zur Erforschung des Mondes einen mit Atomstrom betriebenen Rover zum Mond zu bringen.
Die Mission Chang’e 3, wie bereits erfolgte chinesische Mondmissionen nach einer chinesischen Mondgöttin aus chinesischen Märchen benannt, soll die mit den Mondsatelliten Chang’e 1 und Chang’e 2 begonnene Arbeit fortsetzen.

Mit dem eigenen Programm zur Erforschung des Mondes möchte China eine Datengrundlage schaffen, die man als Voraussetzung für künftige bemannte chinesische Expeditionen zum Mond betrachtet. Vor einem Aufenthalt von Raumfahren aus China auf dem Mond soll die Oberfläche des Trabanten möglichst genau untersucht und beschrieben werden.

Gelingt es einer Landstufe im Jahr 2013, von Bremsraketen verzögert, einen chinesischen Rover auf dem Mond zu platzieren, wird es sich um die erste weiche Landung auf dem Mond nach 37 Jahren seit dem sowjetischen Lander von Luna 24 im Jahr 1976 handeln.

Nach 1976 erreichte eine Anzahl von Raumfahrzeugen den Mond, deren Aufgabe es war und ist, ihn aus einer Umlaufbahn heraus zu untersuchen. Unter ihnen war auch Chang’e 1. Der Orbiter traf am 1. März 2009 am Ende seiner Mission auf der Mondoberfläche auf, ein Schicksal, dass er mit zahlreichen seiner von anderen Nationen betriebenen Vorgänger teilte.

Im Rahmen der Mission von Chang’e 3 soll zunächst ein Raumfahrzeug mit einer Gesamtmasse zwischen 3.700 und 3.800 Kilogramm, bestehend aus Überflugeinheit, Lander und Rover, von einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 3B vom Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan aus ins All transportiert werden. Danach folgt der Überflug zum Mond und das Einbremsen auf eine annähernd kreisförmige Umlaufbahn in rund 100 Kilometern über der Mondoberfläche.

Aus dem Mondorbit heraus kann der Abstieg der Landeeinheit beginnen. Der Lander, der zusammen mit dem sechsrädrigen Rover eine Masse von voraussichtlich 1.200 Kilogramm haben wird, hat dann die Aufgabe, in einem Sinus Iridum genannten Gebiet niederzugehen.

Der eigentliche Bremsvorgang soll bei einer Geschwindigkeit von etwa 1,7 Kilometern pro Sekunde aus einer Bahn mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 15 Kilometern über der Oberfläche beginnen. Er endet 4 Meter über dem Mondboden, vor dem Aufsetzen wird das letzte Stück Weg laut Plan im freien Fall bewältigt. Anschließend kann der Rover los geschickt werden, um wie der Lander mit der Untersuchung der basaltlavahaltigen Umgebung des Sinus Iridum zu beginnen.

Man hofft, dass sowohl der Lander als auch der Rover mindestens 3 Monate auf der Mondoberfläche arbeiten werden können. Vom Rover, Masse etwa 120 Kilogramm, berichtet China.org.cn, dass seine Energieversorgung mit Hilfe eines Radioisotopengenerators ("nuclear-powered battery") erfolgen wird.

In einem Radioisotopengenerator (Radioisotope Thermoelectric Generator, RTG) wird die beim spontanen Zerfall von Atomkernen entstehende Wärme zur Erzeugung von elektrischer Energie verwendet. Nach Angaben von China.org.cn könnte eine derartige Stromquelle, die die langen und rund -160 Grad Celsius kalten Mondnächte unbeschädigt übersteht, bis zu 30 Jahre arbeitsfähig bleiben. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass die übrigen Bestandteile eines Mondrovers ähnlich lange funktionieren.

Zahlreiche Illustrationen eines künftigen chinesischen Mondrovers zeigen das Vehikel in einer Ausstattung mit Solarzellenpanelen. Sehr gut möglich ist, dass sich mindestens eine auf dem Zerfall von Atomen basierende Wärmequelle (Radioisotope heater unit, RHU) an Bord befinden wird, um das Einfrieren und die Zerstörung von Roversystemen während der Mondnächte zu verhindern.

Die projektierte Reichweite des Rovers von Chang’e 3 beträgt 10 Kilometer, was für eine intensive Untersuchung einer Fläche von 3 Quadratkilometern reichen soll.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: BACC, CAST, China.org.cn, CRI, SASTIND, Xinhua)



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Mars Aktuell: Kurskorrektur für Mars Odyssey von Redaktion



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• Curiosity: Status-Report vom 30. Juli «mehr» «online»
• Curiosity: Status-Report vom 2. August «mehr» «online»
• Mars Express: Die Ladon Valles auf dem Mars «mehr» «online»


» Kurskorrektur für Mars Odyssey
25.07.2012 - Der Mars-Orbiter 2001 Mars Odyssey hat eine Kurskorrektur durchgeführt und befindet sich jetzt sechs Minuten weiter vorne auf seiner Umlaufbahn. Dadurch wird ermöglicht, dass die Sonde die Daten der Landung des Rovers Curiosity in Echtzeit zur Erde senden kann.
Durch ein sechs Sekunden langes Brennmanöver wurde am Dienstag, dem 24. Juli, die Bahn des Mars-Orbiters, welcher sich seit mehr als 10 Jahren in einer Marsumlaufbahn befindet, angepasst. Dadurch wird sich Mars Odyssey, kurz MODY, während der Landung des neuen Rovers Curiosity über diesem befinden und kann so als Relais dienen.

Das Manöver war notwendig, da die Sonde sich aufgrund eines Problems mit einem Reaktionsrad in einen Sicherheitsmodus versetzte und dabei ein wenig die Bahn veränderte. Hieraus resultierte ein Orbit, in dem MODY erst zwei Minuten nach der Landung die Landestelle überflogen hätte und so die Daten der Landung nicht zur Erde hätte weiterleiten können.

Eine direkte Kommunikation mit der Erde ist auch nicht möglich, da nach dem Öffnen des Fallschirms und dem Einschweben in den Gale-Krater keine „Sichtverbindung“ zur Erde besteht. Die Kraterwände verhindern in diesem Fall die direkte Übertragung der Informationen.

Auch über die beiden anderen Orbiter, die Landedaten aufzeichnen, den europäischen Mars Express und der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter, ist keine Echtzeitkommunikation möglich: Die beiden Raumschiffe beherrschen nur eine „Store and forward“-Kommunikation, können die Daten also nur zwischenspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt zur Erde senden. Als direktes Relais kann nur der im Jahre 2001 gestartete MODY dienen.

Mit der Kurskorrektur steht einer Liveberichterstattung der Landung am Montag, dem 6. August, nichts mehr im Wege. Gegen 7.31 Uhr MESZ soll die frohe Botschaft, dass Curiosity erfolgreich die Marsoberfläche erreicht hat, die Erde erreichen.

Verfolgen Sie die Landung ab 6.30 Uhr MESZ live auf spacelivecast.de.

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(Autor: Simon Plasger - Quelle: NASA)


» Mars Express hilft bei der Landung des MSL
26.07.2012 - NASAs Marsrover Mars Science Lab (MSL), auch Curiosity genannt, bekommt bei seiner Landung Unterstützung von verschiedenen Marssatelliten. Darunter befindet sich auch ESAs Mars Express.
Voraussichtlich am 6. August 2012 wird Curiosity auf spektakuläre Art und Weise die Marsoberfläche erreichen. Der Marssatellit Mars Express der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) wird den Weg des Rovers der US-amerikanischen Raumfahrtagentur (NASA) bis zum Aufsetzen auf dem Marsboden verfolgen und entsprechende Daten aufzeichnen.

In den Morgenstunden des 6. August wird also das bisher größte aller Marsmobile die Oberfläche des roten Planeten erreichen, wenn alles gut geht. Das Ende des Flugs zum Mars von Curiosity mit seiner Landung im Krater Gale ist gleichzeitig Beginn eines ambitionierten Forschungsprogramms. Der Rover soll Klima und Geologie des Planeten untersuchen, Daten zur Einschätzung der Möglichkeit von Leben auf dem Mars sammeln und grundlegende Informationen gewinnen, die der Vorbereitung künftiger bemannter Marsmissionen dienen.

Erreicht der Rover mit der Abstiegsstufe die Atmosphäre vom Mars mit einer Geschwindigkeit von rund 21.000 Stundenkilometern, liegen noch etwa sieben Minuten Flugzeit vor ihm. Beteiligte Wissenschaftler bezeichneten diesen Zeitraum als ‘seven minutes of terror’ - sieben Minuten des Schreckens. Am Ende des geplanten Horrorszenarios bewegt sich Curiosity mit nur noch 3,6 Stundenkilometern auf den Marsboden zu, wenn alle System gearbeitet haben wie geplant.

Eine internationale Flotte von Marssatelliten wird Curiosity bei seinem abenteuerlichen Abstieg beobachten. Zwei NASA-Orbiter, Mars Odyssey und Mars Reconnaissance Orbiter, werden die vom Rover während der Annäherung an die Oberfläche gesendeten Daten erfassen und sie zur Erde weiterleiten. Zusätzlich wird der seit 2003 um den Mars kreisende europäische Orbiter Mars Express die Daten von Curiosity mitschreiben - und sie anschließend zur Erde weiter senden. Eventuell werden die Daten zu Diagnosezwecken benötigt, falls etwas schief gelaufen ist.

Vor einigen Monaten hat die ESA damit begonnen, die Umlaufbahn von Mars Express so anzupassen, dass der Orbiter sich während des Abstiegs von Curiosity an geeigneter Position befinden wird. Man geht davon aus, ein gutes Sichtfeld zu haben.

Spezialisten des Europäischen Raumfahrtkontrollzentrums (ESOC) in Darmstadt haben für die Ausrichtung des zum Empfang der Daten von Curiosity vorgesehenen Kommunikationssystems von Mars Express ein neues System entwickelt und getestet. Das Kommunikationssystem war ursprünglich entworfen worden, um mit dem Marslander Beagle 2 Daten auszutauschen.

Um 7.10 Uhr MESZ, so die aktuellen Planungen, wird Mars Express auf Empfang gehen. Die Bestätigung Curiositys Aufsetzens auf der Marsoberfläche wird gegen 7.31 Uhr MESZ erwartet und soll die Erde via Mars Odyssey erreichen. Vorgesehen ist, dass Mars Express zwischen 7.10 Uhr und 7.38 Uhr MESZ von Curiosity gesendete Daten aufzeichnet.

Hat Mars Express die vorgesehene Datenerfassung abgeschlossen, ist es die Aufgabe des Orbiters, sich Richtung Erde auszurichten und die Daten aus seinem Speicher nach New Norcia in Australien zu senden, wo eine ESA-Antenne mit einem Durchmesser von 35 Metern zum Empfang bereit steht. Den Eingang der Daten erwartet die ESA gegen 8.40 Uhr MESZ. Unmittelbar nach Erhalt will die ESA sie dann an die NASA weiterleiten.

Das Netzwerk der Bodenstationen der ESA wird Curiositys Landung ebenfalls direkt unterstützen. Die ESA stellt ihre Bodenstationen als Backup des DSN (deep-space network) der NASA zur Verfügung. Im Bedarfsfall können ESA-Stationen unmittelbar mit dem Empfang der rund 250 Millionen Kilometer weit gereisten Informationen beginnen.

Im Jahre 2003 unterstützte die NASA die Ankunft von Mars Express am Mars. Immer wieder konnte die ESA in den letzten Jahren mit der Weiterleitung von Daten der US-amerikanischen Rover Spirit und Opportunity aushelfen. Mars Express verfolgte 2008 den Abstieg des US-amerikanischen Landers Phoenix. Die Zusammenarbeit in Sachen Marskommunikation ist also bereits erprobt. Curiosity kann kommen ...

Verfolgen Sie die Landung am 6. August 2012 ab 6.30 Uhr MESZ live auf spacelivecast.de!

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Curiosity: Status Reports der 30. Kalenderwoche
29.07.2012 - Die Vorbereitungen für die Lande- und Oberflächenoperationen von Curiosity sind in dieser Woche fortgesetzt worden. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der neuesten Status-Reports der NASA.
Am Montag wurden die beiden Inertialsensoren (IMUs) in der Abstiegsstufe des Mars Science Laboratory konfiguriert, gemeinsam mit anderen Kontrollparametern für Atmosphäreneintritt, Abstieg und Landung. Bei den IMUs handelt es sich um elektronische Geräte, die die Abstiegsstufe des Raumfahrzeugs steuern und dabei ihre Geschwindigkeit, Ausrichtung und Gravitationskräfte messen. Die Abstiegsstufe leistet ihre Hauptarbeit während der letzten Minuten vor der Landung auf dem Mars, wobei sie die Sinkgeschwindigkeit nach Abtrennung des Landefallschirms mit Raketentriebwerken reduziert und die Telekommunikation in zwei verschiedenen Frequenzbändern während der finalen Phase der Ankunft auf dem Mars sicherstellt.
Weiterhin wurden verschiedene Updates der Kommunikationsparameter für die Oberflächenoperation von Curiosity in den Hauptcomputer des Rovers geladen.

Am Dienstag wurden die beiden Lithium Ionen-Akkus des Rovers in Vorbereitung der Landung auf 100 Prozent ihrer Kapazität geladen. Die hierfür notwendige Energie lieferten die Solarzellen des Flugmoduls (engl. "Cruise Stage"). Während des bisherigen Flugs lag der Ladezustand der Akkus konstant bei 70 Prozent. Die beiden Akkus mit einer Kapazität von jeweils 42 Amperestunden werden während der Curiosity-Mission auf dem Mars dazu dienen, kurzzeitige Verbrauchsspitzen abzudecken, die die Leistung des Radioisotopengenerators (engl. Abk. "MMRTG") in Höhe von 115 Watt übersteigen. Den Planungen der NASA zufolge wird dies relativ häufig eintreten, so dass die Leistung der beiden Akkus mehrmals pro Marstag in Anspruch genommen werden wird.

Ein anderer wichtiger Meilenstein an diesem Tag war die erfolgreiche Anpassung der Umlaufbahn des Orbiters Mars Odyssey, der bereits seit über zehn Jahren um den Roten Planeten kreist. Dadurch wird Mars Odyssey als einziger der drei aktiven Mars-Orbiter während der Landung von Curiosity in der Lage sein, Funksignale in Echtzeit zur Erde zu übermitteln.

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen einer Überprüfung des Landeradars von Curiosity. Während Curiositys Landung wird dieses in der Abstiegsstufe montierte Radar ab einer Höhe von etwa acht Kilometern über Grund kontinuierlich wichtige Daten zur Höhe und Abstiegsgeschwindigkeit liefern.

Nachdem am Donnerstag und Freitag außer der routinemäßigen Bahnverfolgung von Curiosity durch das Deep Space Network der NASA keine weiteren Aktivitäten auf dem Programm standen - und damit dem Flight-Team vor den anstrengenden Tagen der "heißen Landephase" eine wohlverdiente Pause ermöglicht wurde - stand am Samstag erneut eine minimale Kurskorrektur an. Mit zwei zusammen nur sieben Sekunden andauernden Zündungen der Manövriertriebwerke des Flugmoduls von Curiosity wurde die Fluggeschwindigkeit dabei um gerade einmal einen Zentimeter pro Sekunde verändert - genug, um den Eintrittspunkt des Mars Science Laboratory in die Marsatmosphäre am 6. August um rund 21 Kilometer in die gewünschte Richtung zu verschieben.

In den letzten 48 Stunden vor der Landung existieren noch zwei weitere Möglichkeiten zur Kurskorrektur, falls sich dies als notwendig erweisen sollte. Nicht zuletzt können geringfügige Abweichungen des Eintrittspunkts in die Marsatmosphäre dann auch noch während des Flugs durch die Lufthülle des Roten Planeten korrigiert werden.
Die am Samstag erfolgreich durchgeführte Kurskorrektur markiert gleichzeitig den Beginn der finalen Anflugphase.

In den kommenden Tagen bis zur Landung werden wir Sie auf unserer Curiosity-Sonderseite weiterhin mit den neuesten Statusmeldungen des Jet Propulsion Laboratory der NASA auf dem Laufenden halten.

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(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Curiosity: Status-Report vom 30. Juli
31.07.2012 - Genau eine Woche vor der Landung des Mars-Rovers Curiosity begann für das Flugkontrollteam des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA die Endphase des Fluges zum Roten Planeten und die heiße Phase der Landevorbereitungen.
Am Montag begann das Flugkontrollteam mit der Ausführung der vordefinierten Prozeduren für das sogenannte „Entry, Descent and Landing“ (EDL, dt. [Atmosphären-]Eintritt, Abstieg und Landung). Gleichzeitig startete auch das Raumfahrzeug eine Serie autonomer Aktivitäten, deren Schlusspunkt die Landung des Rovers am 6. August bilden wird. Zu diesen Aktivitäten zählen die Inbetriebnahme notwendiger Komponenten und das Setzen verschiedener Parameter. In den kommenden Tagen besteht darüber hinaus für das Flugkontrollteam noch die Möglichkeit, bei Bedarf verschiedene für das Landemanöver notwendige Software-Parameter zu verändern, mit denen die Ereignisabfolge während des autonom ablaufenden Abstiegs durch die Mars-Atmosphäre gesteuert wird.

Einige dieser Parameter informieren den Hauptcomputer des Raumfahrzeugs über seine Lage relativ zum Mars. Andere Parameter für das EDL werden möglicherweise in den kommenden Tagen noch angepasst, um neueste Informationen des Mars Reconnaissance Orbiters der NASA über den Zustand der Marsatmosphäre zu berücksichtigen. So können beispielsweise aktuelle Angaben zur Atmosphärendichte über dem Landegebiet Auswirkungen auf den Zeitpunkt der Entfaltung des Bremsfallschirms haben.

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(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Curiosity: Status-Report vom 2. August
03.08.2012 - Bis jetzt verläuft die letzte Flugphase von Curiosity planmäßig. Das Mars Science Laboratory (MSL) fliegt seit Mittwoch unter Kontrolle der autonomen Entry, Decent and Landing Timeline Software.
Für das Flugkontrollteam des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA verläuft die letzte Flugphase vor der Landung am kommenden Montag erfreulich unspektakulär. Mit der Aktivierung der autonomen Entry, Decent and Landing Timeline Software des MSL am 31. Juli ist gewährleistet, dass die Landung ohne Echtzeitkontrolle von der Erde aus durchgeführt werden kann - was angesichts einer Signallaufzeit von der Erde zum Mars in der Größenordnung einer Viertelstunde auch nicht anders machbar ist, da jede Reaktion des Flugkontrollteams auf Ereignisse während der Landephase notwendigerweise zu spät kommen würde.

Ebenfalls am vergangenen Dienstag wurde noch einmal Software für die Steuerung des MSL-Abstiegsmotors getestet und das Raumfahrzeug für den Wechsel zum sogenannten "Entry, Descent and Landing Approach Mode" konfiguriert.

Weiterhin stand die Aktivierung der sogenannten pyrotechnischen Geräte des Mars Science Laboratory an diesem Tag auf dem Programm. Dabei handelt es sich um insgesamt 76 Sprengladungen unterschiedlicher Größe, die während des Landevorgangs zu verschiedenen Zeiten gezündet werden. Den Anfang wird 17 Minuten vor der Landung die Zündung von zehn Sprengladungen bilden, mit denen das Flugmodul von der Landeeinheit des Rovers abgetrennt werden wird. In der Raumfahrt sind Sprengladungen seit jeher sehr beliebt, um beispielsweise Ventile in Treibstoffleitungen von Raumsonden zu öffnen, nicht mehr benötigte Abdeckungen und Schutzhüllen zu entfernen oder Kabelverbindungen mit Hilfe von Miniatur-Guillotinen zu kappen. Gegenüber Elektromotoren oder elektrisch betriebenen Haltevorrichtungen haben Sprengladungen den Vorteil der extrem schnellen Reaktionsgeschwindigkeit und der hohen Zuverlässigkeit.

Da sich Curiosity weiterhin stabil auf dem vorgesehenen Kurs bewegt, ist die Durchführung einer für den 3. August geplanten fünften Kurskorrektur unwahrscheinlich geworden. Vor der Landung besteht noch eine weitere, sechste Möglichkeit zur Kurskorrektur. Daneben ist die Landestufe von MSL in der Lage, während des Sturzes durch die Marsatmosphäre die Flugbahn durch kleine Steuertriebwerke aktiv zu beeinflussen, was die definitiv letzte Möglichkeit der Kurskorrektur darstellt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Fähigkeit wird Curiosity exakter als sämtliche Mars-Lander der Vergangenheit auf unserem äußeren Nachbarplaneten landen - erst durch diese Fähigkeit war es möglich, das ausgewählte Landegebiet innerhalb des Gale-Kraters in Betracht zu ziehen.

Sofern vorher keine außerplanmäßigen Ereignisse stattfinden sollten, wird am kommenden Sonntagabend ein letzter Curiosity-Statusbericht vor der Landung auf Raumfahrer Net veröffentlicht werden. Natürlich werden Sie hier am Montagmorgen auch die Landung des neuesten Mars-Rovers verfolgen können.

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(Autor: Michael Stein - Quelle: NASA/JPL)


» Mars Express: Die Ladon Valles auf dem Mars
05.08.2012 - Bereits am Donnerstag veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die Region der Ladon-Täler auf dem Mars.
Bereits vor mehreren Monaten führte die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express in der Umlaufbahn des Mars ein Orbitmanöver durch. Durch die dabei entstandene Veränderung des Orbits wird es der Raumsonde möglich sein, während der in den frühen Morgenstunden des 6. August 2012 erfolgenden Landung des von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Marsrovers Curiosity wichtige Zustandssignale aufzufangen und diese später an die Erde zu übermitteln (Raumfahrer.net berichtete).

Unabhängig davon setzte die Raumsonde in den letzten Monaten jedoch auch ihre regulären Forschungsaktivitäten fort. Während des Marsorbits Nummer 10.602 überflog Mars Express dabei am 27. April 2012 einen Bereich der Marsoberfläche, welcher sich unmittelbar westlich der Landon Valles befindet. Bei den Landon Valles, benannt nach einem Fluss in Griechenland, handelt es sich um ein im südlichen Hochland des Mars gelegenes Talsystem, welches sich unmittelbar nordöstlich der beiden Impaktkrater Holden und Eberswalde über eine Länge von etwa 250 Kilometern ausdehnt.

Aus einer Überflughöhe von mehreren hundert Kilometern erreichte die High Resolution Stereo Camera (HRSC), eines der insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord des Marsorbiters, eine Auflösung von etwa 20 Metern pro Pixel. Die so gewonnenen Aufnahmen zeigen einen Ausschnitt der Marsoberfläche, welcher sich bei 18 Grad südlicher Breite und 329 Grad östlicher Länge befindet.

Auf der nebenstehenden topografischen Übersichtskarte geht hervor, dass sich einstmals beträchtliche Wassermassen aus der südlichen Richtung kommend nach Norden ergossen haben und dabei in ein altes, mehrere hundert Kilometer durchmessendes Impaktbecken geflossen sind. Am südwestlichen Rand dieses Impaktbeckens befinden sich zwei sich teilweise überlappenden Krater - der Sigli-Krater (südlich) und der Shambe-Krater (nördlich) - welche auf den HRSC-Aufnahmen deutlich zu erkennen sind.

In der nebenstehenden Farbansicht der abgebildeten Region sind westlich (im Bild oberhalb) dieses Doppelkraters mehrere kleine Flussläufe zu erkennen, welche sich scheinbar in das Einschlagbecken erstrecken. Unmittelbar östlich (unterhalb) der beiden Krater befindet sich dagegen die Mündung der Ladon Valles in das Impaktbecken. Speziell in diesem Bereich, aber auch an vereinzelten Stellen weiter nördlich, sind helle Ablagerungen auf der Marsoberfläche erkennbar.

In hochaufgelösten Aufnahmen der Landschaft ist erkennbar, dass es sich hierbei um geschichtete Ablagerungen handelt. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich hierbei unter anderem um Tonminerale handelt. Das Vorhandensein dieser Minerale lässt darauf schließen, dass in dieser Region flüssiges Wasser über einen relativ langen Zeitraum auf der Marsoberfläche vorhanden war, wahrscheinlich in einem größeren stehenden Gewässer wie einem See oder einem kleinen Binnenmeer.

Im mittleren und rechten Bildausschnitt sind neben vereinzelten, kleineren Impaktkratern auch ausgedehnte, teilweise bogenförmige Bruchstrukturen zu erkennen. Diese Brüche bildeten sich vermutlich durch eine Auflast und die damit verbundene Kompaktion großer Sedimentmassen, welche im Laufe der Zeit in dem Einschlagsbecken abgelagert wurden und dadurch Spannungen in der Planetenkruste erzeugten.

Die beiden Krater Sigli und Shambe sind vermutlich durch den Doppeleinschlag eines Asteroiden, welcher beim Durchqueren der Marsoberfläche in zwei Teile zerbrach, nahezu gleichzeitig entstanden. Dieser Doppelkrater wurde ebenfalls teilweise mit Sedimentablagerungen aufgefüllt.

Im Gegensatz zu dem größeren Einschlagsbecken weisen diese beiden Krater viele Brüche auf, welche jedoch vermutlich nicht durch tektonische Spannungen in der Marskruste verursacht wurden. Das Muster der Bruchstrukturen erinnert vielmehr an ein in einem großen Umfang erfolgtes Auftreten von Trockenrisse. Diese Risse könnten somit von einst feuchten Sedimentschichten herrühren, welche im Laufe der Zeit austrockneten, dadurch bedingt ihr Volumen verringerten und Dehnungsrisse entstehen ließen.

Die hier gezeigten Nadir-Farbansicht der Umgebung der Ladon Valles wurde aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- beziehungsweise rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die perspektivischen Schrägansichten wurden aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Das weiter unten zu sehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal der Kamera abgeleitet. Des Weiteren können die Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wird, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

Weitere während des Orbits Nummer 10.602 durch die HRSC-Kamera angefertigte Aufnahmen des Melas Dorsa finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders gut zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin, DLR, ESA)



 

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Saturn Aktuell: Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 171 von Redaktion



• Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 171 «mehr» «online»


» Raumsonde Cassini: Der Saturnorbit Nummer 171
04.08.2012 - Bereits am 2. August 2012 begann der mittlerweile 171. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Neben der Untersuchung der Saturnatmosphäre gilt das wissenschaftliche Interesse während dieses Orbits speziell dem Ringsystem des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems.
Bereits am 2. August 2012 erreichte die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 12:52 MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,55 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 171. Umlauf um den Ringplaneten. Aktuell verfügt die Raumsonde auf ihrer Saturnumlaufbahn über eine Inklination von 32,2 Grad. Bis Mitte des Jahres 2013 soll die Neigung der Cassini-Umlaufbahn im Rahmen verschiedener Passagen an dem Saturnmond Titan in mehreren Schritten noch auf fast 62 Grad erhöht werden.

Dieser Flugverlauf wird es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern bis zum März 2015 ermöglichen, speziell die Polarregionen des Saturn und des größten Mondes innerhalb des Saturnsystems, des etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Mondes Titan, im Detail zu untersuchen. Zusätzlich wird auch das Ringsystem des Saturn von den abbildenden wissenschaftlichen Instrumenten der Raumsonde zukünftig auch wieder in seiner "Gesamtheit" besser erfasst werden können als dies seit dem Oktober 2009 möglich war.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 21 Tage andauernden Orbits Nummer 171, er trägt die Bezeichnung "Rev 170", insgesamt 33 Beobachtungskampagnen vorgesehen.

Die ISS-Kamera nahm ihren wissenschaftlichen Betrieb bereits wenige Stunden nach dem Beginn des neuen Saturnumlaufs auf. Das Ziel dieser lediglich wenige Minuten andauernden Beobachtungssequenz war die Saturnatmosphäre. Durch die Aufnahmen der WAC-Kamera sollten dort befindliche Wolkenformationen und Sturmgebiete mit verschiedenen Kamerafiltern abgebildet werden. Diese Beobachtungen sollen auch in den folgenden Tagen in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt werden.

Am 13. August wird Cassini schließlich um 03:32 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während des 171. Orbits, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 286.380 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Noch vor dem Erreichen der Periapsis wird eines der Spektrometer der Raumsonde, das Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS), eine Sternokkultation verfolgen. Hierbei wird sich der im Sternbild Orion gelegenen Stern Kappa Orionis von der Raumsonde aus betrachtet dem Saturnmond Dione annähern und schließlich von diesem bedeckt werden.

Diese Gelegenheit soll genutzt werden, um die Dichte und Zusammensetzung der extrem dünnen Sauerstoffatmosphäre dieses 1.123 Kilometer durchmessenden Saturnmondes näher zu analysieren. Die Messungen des UVIS-Spektrometers werden dabei durch dokumentierende Aufnahmen der ISS-Kamera ergänzt, welche Dione aus einer Entfernung von rund 710.000 Kilometern zeigen werden.

Anschließend gerät das Ringsystem des Saturn in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Nach der Anfertigung hochaufgelöster Aufnahmen des F-Ringes soll am 13. August auch die Untersuchung des C-Ringes fortgesetzt werden. Wie bereits die unmittelbar zuvor angefertigten F-Ring-Aufnahmen wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftlern diese Aufnahmen der Saturnringe dazu nutzen, um nach bisher noch nicht entdeckten Minimonden innerhalb der Ringstrukturen und den durch sie ausgelösten Mini-Jets zu suchen.

Am 14. August richtet sich das Augenmerk der Raumsonde dann auf den 396 Kilometer durchmessenden Mond Mimas. Neben dem UVIS soll dabei die ISS-Kamera genutzt werden, um die von dem Saturn abgewandte Seite des Mondes aus einer Entfernung von rund 802.000 Kilometern abzubilden.

Für den 17. August steht eine weitere Untersuchung der Saturnatmosphäre auf dem Beobachtungsprogramm. Neben der ISS-Kamera, welche im Rahmen einer zehnstündigen Beobachtungskampagne erneut die dort befindlichen Wolkenformationen abbilden wird, kommt dabei auch ein weiteres Spektrometer der Raumsonde, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), zum Einsatz. Eine vergleichbare, dann allerdings lediglich fünf Stunden andauernde Beobachtungskampagne ist für den 19. August vorgesehen.

Durch diese Untersuchungen sollen die in unterschiedlichen Höhen in der Saturnatmosphäre vorherrschenden Windrichtungen und -geschwindigkeiten ermittelt werden. Ähnliche Beobachtungen werden mit der gleichen wissenschaftlichen Zielsetzung - der Bestimmung der aktuell vorherrschenden Windverhältnisse - am 19. und am 21. August auch den größten der Saturnmonde, den Titan, zum Ziel haben.

Am 23. August 2012 wird Cassini um 18:39 MESZ in einer Entfernung von rund 2,6 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und diesen 171. Orbit um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbit Nummer 172 sind erneut diverse Beobachtungen des Ringsystems und der Atmosphärenschichten des Saturn vorgesehen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary)



 

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ISS Aktuell: Kounotori 3 an ISS angekommen von Redaktion



• Kounotori 3 an ISS angekommen «mehr» «online»
• Kurs-NA-Test im zweiten Anlauf erfolgreich «mehr» «online»
• Express-Fracht mit Progress-M 16M zur ISS «mehr» «online»


» Kounotori 3 an ISS angekommen
27.07.2012 - Das japanische Frachtraumschiff Kounotori 3 (HTV 3) wurde heute gegen 14.20 Uhr MESZ mit dem kanadischen Manipulatorarm der Internationalen Raumstation verbunden und ist nun bereit für die Ankopplung an den zur Erde zeigenden Port des Moduls Harmony.
Es bringt rund 4,6 Tonnen Fracht in Form von Experimentiereinrichtungen, Nahrungsmitteln, Bekleidung und Gebrauchsgegenständen. Außerdem sind fünf Kleinsatelliten an Bord, die in den nächsten Wochen einzeln vom japanischen Teilkomplex Kibo ins All entlassen werden sollen. Dazu befindet sich auch eine spezielle Startvorrichtung an Bord des HTV 3.

Weitere Fracht sind zwei Rekorder, die Daten beim Wiedereintritt und dem Auseinanderbrechen des Transportraumschiffs auf dem Rückweg erfassen und aufzeichnen sollen. Eines davon stammt aus den USA, das zweite aus Japan. Der Großteil der unbemannten Transportraumschiffe, welche Fracht zur ISS bringen, ist nicht dafür konstruiert, weich auf der Erdoberfläche niederzugehen. Vielmehr werden sie mit Abfällen und nicht mehr benötigten Geräten beladen und danach kontrolliert zum Absturz gebracht. Die hohen mechanischen Belastungen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre lassen sie auseinander brechen und die durch die starke Bremswirkung entstehende Hitze führt dazu, dass ein Großteil verglüht. Reste fallen in unbefahrenen und unbewohnten Gebieten ins Meer.

Ebenfalls an Bord von HTV 3 ist das Space Communication and Navigation Testbed (SCaN) der NASA. Es verfügt über drei programmierbare Funkgeräte und zugehörige Antennen im S-, L- und Ka-Band. Mit der an der Gitterstruktur anzubringenden Apparatur will man verschiedene Funkkonfigurationen, die per Software gesteuert werden, testen.

Bei den Satelliten handelt es sich um Raiko, FITSat 1, We Wish, F-1 und TechEduSat. Raiko ist quaderförmig mit kleinen Solarzellenpaneelen, wurde von den Universitäten Wakayama und Tohoku entwickelt und soll mehrere Aufgaben übernehmen. Zum einen sollen Bilder der Erde über eine Kamera mit Fischaugenlinse gemacht werden. Außerdem wird durch ihn die Messung der Relativgeschwindigkeit gegenüber der ISS ermöglicht. An Bord gibt es einen experimentellen Sternsensor, eine entfaltbare Membran zum beschleunigten Abstieg aus der Umlaufbahn, Geräte zur Bahnvermessung über Dopplereffekt sowie Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung im Ku-Band-Bereich.

We Wish ist ein würfelförmiger Minisatellit mit einer Kantenlänge von knapp 10 cm und einer Masse von etwa 1 kg. Er wurde von Meisei Electric gebaut und dient der Ausbildung. Außerdem wird eine schmalbandige Infrarotkamera erprobt. FITSat ähnelt We Wish, stammt aber vom Fukuoka Institute of Technology und dient der Erprobung optischer Kommunikationseinrichtungen mittels leistungsfähiger Leuchtdioden.

F-1 (1 kg) stammt von der FPT-Universität Hanoi (Vietnam) und umfasst eine einfache Kamera, ein 3-Achsen-Magnetometer sowie verschiedene Temperatursensoren. Die Lageregelung soll über Magnetfelder erfolgen. Der fünfte Cubesat im Bunde, TechEduSat (1 kg) ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der San Jose State University (USA), ÅAC Microtec (Schweden) und dem NASA Ames Research Institute (USA). Dabei steht ein Kommunikationsexperiment über Iridium- bzw. Orbcom-Satelliten im Mittelpunkt. Der Satellit soll direkt mit diesen Telefonnetzen Kontakt aufnehmen und so einen Informationsaustausch zwischen Orbit und Erde ermöglichen.

Im Rahmen von Youtube Spacelab wurden im März zwei Sieger benannt, deren Experimente nun zur Internationalen Raumstation transportiert werden. Dabei handelt es sich zum einen um eine Untersuchung, wie sich die Fähigkeit von Bakterien zur Bekämpfung von Pilzwachstum in der Schwerelosigkeit verändert, zum anderen wird die Anpassung einer Zebraspinne an die Schwerelosigkeit erforscht.

Das Ergreifen des Transportschiffes erfolgte etwa eine Viertelstunde später als ursprünglich geplant, da die Stationsbesatzung von einer unscharfen Abbildung einer Kamera bei Dunkelheit berichtete und den Vorgang lieber bei Tageslicht durchführen wollte.

Update: (17 Uhr)

Konotouri 3 ist mittlerweile fest mit der Station verbunden. Die Luken zwischen Raumfahrzeug und Station sollen morgen Mittag geöffnet werden. Die Außenfracht soll am 6. August ausgeladen werden, Abkopplung und Abflug sind für den 6. September geplant.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, JAXA)


» Kurs-NA-Test im zweiten Anlauf erfolgreich
29.07.2012 - Das unbemannte Raumschiff Progress-M 15M hat in der Nacht erneut an der Internationalen Raumstation angekoppelt. Für die Steuerung wurden Daten des neuen Rendezvoussystems Kurs-NA verwendet.
Beim ersten Versuch am Dienstag hatte das System sofort nach seiner Aktivierung einen Fehler festgestellt und den Annäherungsvorgang gar nicht erst eingeleitet. Stattdessen passierte das Raumschiff die Station in gut 2 Kilometern Abstand und ging anschließend wieder in eine Parkposition.

Nach der Analyse der vorliegenden Daten, gehen die russischen Techniker davon aus, dass die Temperatur in der Steuerungseinheit zu niedrig war. Drei daraufhin unter veränderten Bedingungen vorgenommene Aktivierungen des Systems verliefen erfolgreich. So wurde ein weiterer Kopplungsversuch für Montag angesetzt, dann aber auf Sonntag vorgezogen.

Die Aktivierung von Kurs-NA erfolgte nach vorheriger Aufheizung gegen 1.01 Uhr MESZ. Im Verlaufe von 6 Antriebsphasen passte das Raumschiff seine Bahn der der ISS an, verringerte die Distanz und umflog die Station so weit, dass es direkt vor dem Kopplungs- und Ausstiegsmodul Pirs zum Halten kam. Ab 2.51 Uhr MESZ erfolgte der Endanflug, der 3.01 Uhr mit der Kopplung abgeschlossen wurde. Diese erfolgte mit einer Geschwindigkeit von etwa 12 cm/s.

Bereits in der Nacht zum Dienstag wird Progress-M 15M wieder abkoppeln und anschließend seine Mission beenden. Am Mittwoch startet der Nachfolger, Progress-M 16M. Dieser soll innerhalb von nur 4 Erdumläufen ankoppeln. Damit wird ein weiteres neues Verfahren getestet, das die Ankopplungszeit vor allem für bemannte Sojus-Raumschiffe von derzeit etwa 48 Stunden auf 6 Stunden verkürzen soll. Das Raumschiff bringt zudem etwa 2,5 Tonnen Versorgungsgüter, Verbrauchsmaterialien und Experimentiergut zur Station.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA)


» Express-Fracht mit Progress-M 16M zur ISS
02.08.2012 - Nach nur 5 Stunden und 43 Minuten hat ein gestern Abend gestarteter Progress-Frachter in der Nacht gegen 3.18 Uhr MESZ an der Internationalen Raumstation festgemacht.
Damit wurde ein neues Rendezvousverfahren erprobt, das künftig bei bemannten Sojus-Raumschiffen angewendet werden soll. Bisher wurden für Anflug, Annäherung und Kopplung etwa 50 Stunden eingeplant. Dieser etwa zweitätige Flug zu Raumstationen war seit Progress 1 im Januar 1978 üblich und wurde mit dem Aufbau der Raumstation Mir 1986 auch für bemannte Raumschiffe übernommen. Zuvor waren hier für Annäherung und Kopplung ca. 24 Stunden üblich. Damals wurde der Übergang zum zweitägigen Anflug mit Treibstoffersparnis begründet.

Den drei Raumfahrern an Bord eines Sojus-Raumschiffes stehen etwa 7,5 m3 nutzbarer Raum zur Verfügung. Für einen zweitägigen Flug zur Station ist dies nicht gerade viel. Im Space Shuttle waren es bei der üblichen siebenköpfigen Besatzung pro Mitglied etwa 9 Kubikmeter. Mit Rückkehr zum Kapseldesign bzw. zu kleineren Raumschiffen wird sich hier der Raum aber wieder verringern.

Progress-M 16M startete gegen 21.35 Uhr MESZ von Baikonur aus ins All. Nach 9 Minuten wurde das Raumschiff, das mit 2.639 Kilogramm Fracht beladen ist, von der Oberstufe getrennt und entfaltete seine Solarzellenpaneele. An Bord befinden sich neben Treibstoff, Sauerstoff, Wasser, Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern auch Materialien für die Experimente Visier, MATI 75, Relaksazija, SLS, Vektor-T, Tipologija, Aseptik, Schenschen 2, Kaskad, Biodegradazija und Kulonowski Kristall sowie Ausrüstung für das russische und das US-basierte Segment der ISS.

Nach einem Selbsttest wurden die Triebwerke des Raumschiffes gegen 22.25 Uhr zum ersten Mal in Betrieb genommen. Es folgte eine Serie von Korrekturmanövern, welche das Raumschiff innerhalb von 3 Erdumläufen in die Nähe der Internationalen Raumstation brachte.

Danach umflog Progress-M 16M die Station so, dass es das Modul Pirs direkt vor sich hatte. Anschließend wurde die Distanz planmäßig verringert und gegen 3.18 Uhr angekoppelt. Mittlerweile wurde das Raumschiff fest und luftdicht mit der Station verbunden. Das Abkoppeln ist für November oder Dezember geplant. Bis dahin werden die Fracht in die Station entladen und im Gegenzug Abfälle und nicht mehr benötigtes Equipment im Laderaum verstaut.

Am 31. Juli hatte der Vorgänger, Progress-M 15M von Pirs abgekoppelt und sich von der Station entfernt. Er war im April zur ISS gelangt und hatte bereits am 22. Juli abgelegt. Danach wurde ein erneutes Ankoppeln getestet, wobei mit Kurs-NA ein verbessertes Radarsystem zum Einsatz kam. Aufgrund eines Temperatur- oder Sensorproblems hatte das Ankoppeln erst im zweiten Versuch geklappt. Mittlerweile fliegt Progress-M 15M autonom und dient noch etwa 3 Wochen als Beobachtungsziel. Von der Erde aus werden die Auswirkungen von Triebwerkszündungen auf die dünnen oberen Atmosphärenschichten studiert.

An der Internationalen Raumstation sind derzeit die bemannten Raumschiffe Sojus-TMA 04M und 05M sowie die unbemannten Frachter Edoardo Amaldi (ATV 3), Kounotori 3 (HTV 3) und Progress-M 16M angekoppelt.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, NASA, SpaceflightNow)



 

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"InSpace" Magazin #473
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
5. August 2012
Auflage: 4690 Exemplare


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