InSpace Magazin #471 vom 12. Juli 2012

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #471
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Curiosity: Drittes Kurskorrekturmanöver durchgeführt

> ISS Aktuell:
Landung: Andre Kuipers beendet PromISSe Mission

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

und wieder war es soweit: Das Hubble-Weltraumteleskop hat einen weiteren Plutomond gefunden, welcher vorerst den Namen P5 erhalten hat. Zusammen mit der Entdeckung von P4 vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet sich damit ein weiteres Forschungsfeld für die Sonde New Horizons, welche 2015 den ehemaligen äußersten Planeten des Sonnensystems erreichen soll: Wie sieht des Mondsystem des Zwergplaneten aus?

Lange Zeit galt Charon als der einzige Mond, bis 2005 Hydra und Nix dazukamen, sowie 2011 und 2012 P4 und P5. Wie wird das weitergehen? Wird es 2015 eine wahre „Mondflut“ geben oder war es das jetzt mit fünf Monden?

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• Galileo: ESA beendet Mission von GIOVE-A «mehr» «online»
• ESA-Labor für Galileo-Tests ausgebaut «mehr» «online»
• Kofferraum für Liberty «mehr» «online»
• RadioAstron liefert - Bonn rechnet «mehr» «online»
• Ariane-5-Start mit Wetter- und Kommunikationssatellit «mehr» «online»
• YahSat Y1B an Betreiber übergeben «mehr» «online»
• VINASAT 2 hat Betrieb aufgenommen «mehr» «online»
• SES 5 im All «mehr» «online»
• Stärkste Rakete der Welt mit NROL-15: Ziel unbekannt «mehr» «online»
• Israel: IAI baut Amos 6 für Spacecom «mehr» «online»
• Shenzhou 9 wieder sicher auf der Erde «mehr» «online»
• Sentinel: Private Sonde bald auf Asteroidensuche? «mehr» «online»


» Galileo: ESA beendet Mission von GIOVE-A
04.07.2012 - Der Betrieb des ersten Galileo-Testsatelliten GIOVE-A für die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) wurde mit Ablauf des Monats Juni 2012 offiziell beendet.
Am 28. Dezember 2005 war GIOVE-A als erster von zwei Testsatelliten für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo in den Weltraum gelangt. Seine Aufgabe war es entsprechend seiner Bezeichnung (GIOVE engl. für Galileo In-Orbit Validation Element, Galileo-Testelement für Überprüfungen in einer Umlaufbahn), Tests wichtiger Komponenten für ein künftiges Satellitennavigationssystem zu ermöglichen und die Charakteristik der Strahlung in der Umgebung seiner Bahn um die Erde in mittlerer Höhe (MEO, Medium Earth Orbit) zu erkunden. Außerdem hatte der Satellit die wichtige Funktion, durch die Benutzung bestimmter Frequenzen diese für die künftige Verwendung durch Galileo-Satelliten im Rahmen der Regelungen der International Telecommunications Union (ITU) zu sichern.

Die Auslegungsbetriebsdauer von GIOVE-A betrug 27 Monate. Nach einem entsprechend langen erfolgreichen Einsatz konnte die ESA im Jahr 2008 das Erreichen aller Ziele der urspünglichen Mission des Satelliten vermelden. Weil der Satellit weiterhin betriebsfähig war, und das europäische Navigationssatelliten-Programm unter zahlreichen Verzögerungen litt, wurde seine Mission mehrfach verlängert. Anfang 2012 versorgte der Satellit die ESA noch immer mit Daten zur Leistungsfähigkeit seiner Navigationsnutzlast.

Das auf dem Satelitenbus SSTL-900 basierende, dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug mit einer Startmasse von rund 600 kg befindet sich immer noch in einem brauchbaren technischen Zustand. Daher nutzt der Hersteller, die Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) aus Großbritannien, die Gelegenheit, mit ihm weiter Daten zur Strahlung in der Umgebung des Satelliten und der Leistungsfähigkeit der Navigationsnutzlast zu sammeln.

Seit August 2009 ist GIOVE-A auf einer auf rund 23.322 km über der Erde angehobenen annähernd kreisförmigen Bahn unterwegs. Dort, so hofft man, wird er den Betrieb der in rund 100 km geringeren Flughöhe eingesetzten Satelliten der Galileo-Testkonstellation (IOV, in orbit verification, engl. für Überprüfung im Orbit) und der Galileo-FOC-Seriensatelliten (FOC für Full Operational Capability, engl. für volle Einsatzkapazität) nicht behindern oder gefährden.

Beginnend ab 2013 sollen die beim Start nach Angaben ihres Herstellers OHB jeweils 732,8 kg schweren Satelliten des Galileo-FOC-Programms in den Weltraum gebracht werden. Die ersten beiden Satelliten der IOV-Testkonstellation befinden sich seit dem 21. Oktober 2011 im All. Ergänzt wird die IOV-Testkonstellation durch zwei weitere Satelliten voraussichtlich im Oktober 2012.

GIOVE-B, der am 27. April 2008 gestartete zweite Galileo-Testsatellit überhaupt, war auf 50 Monate Betrieb im Weltraum ausgelegt worden. Das auf einem französischen Satellitenbus names Proteus basierende Raumfahrzeug will man im Sommer 2012 einsetzen, um Feineinstellungen der Naviagtionsnutzlasten der beiden um die Erde kreisenden Satelliten der IOV-Testkonstellation zu unterstützen. Für September 2012 ist derzeit die Beendigung der Mission von GIOVE-B angesetzt. Anschließend will man ihn in einen rund 300 km höher gelegenen Friedhofsorbit steuern, damit er anderen Satelliten nicht unmittelbar gefährlich werden kann.

GIOVE-A alias GSTB-V2/A ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 28922 bzw. als Objekt 2005-051A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» ESA-Labor für Galileo-Tests ausgebaut
04.07.2012 - Das am Technik-Zentrum ESTEC der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) angesiedelte Labor für Tests im Kontext mit der Entwicklung und dem Aufbau des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo hat jüngst eine erhebliche Vergößerung erfahren.
Durch den gerade abgeschlossenen Ausbau hat die ESA das als Radio Navigation Laboratory bezeichnete Labor für die kommenden Anforderungen, die sich im Rahmen des Aufbaus des Satellitennavigationssystem Galileo ergeben, ertüchtigt. Das Labor, das Teil des Technikzentrums ESTEC in Noordwijk in den Niederlanden ist, wurde in seiner Größe fast verdoppelt.

Die offizielle Einweihung des ausgebauten Labors erfolgte am 2. Juli 2012. Ein wichtiger Bestandteil des Labors ist eine PRS Laboratory genannte Einrichtung. Sie dient entsprechend ihrer Bezeichnung der Untersuchung der genauesten und sichersten Navigationssignale, die das Satellitennavigationssystem in Form des Galileo Public Regulated Service (PRS) öffentlichen Institutionen wie Feuerwehr, Polizei und Zivilschutz künftig liefern soll.

Angefangen hat die Unterstüzung der Entwicklung von Satellitennavigationssystemen am ESETC an einem einzelnen kleinen Tisch in einer Raumecke. Jetzt steht für diese Aufgabe eine eigene, gut ausgerüstete Einrichtung zur Verfügung. Das PRS Laboratory speziell ist dabei eine physikalisch und virtuell von den übrigen ESTEC-Einrichtungen völlig unabhängig angelegte Installation. Auf diese Weise wird man den Sicherheitsanforderungen bei der Arbeit mit den Navigationssignalen für den Galileo Public Regulated Service gerecht.

Im PRS Laboratory will man demnächst Prototypen von Empfängern für die Signale des Galileo Public Regulated Service testen, beim Erreichen einer sehr hohen Genauigkeit des PRS-Signals helfen und Techniken zur Unterdrückung absichtlicher Störungen und unautorisierter Eingriffe untersuchen.

Unter den vielen verschiedenen Anwendungen von Satellitennavigation, die ausserdem im Radio Navigation Laboratory getestet werden, befindet sich aktuell eine PARIS für Passive Reflectometry and Interferometry System genannte Mission, in deren Rahmen vorgesehen ist, reflektierte Signale von Navigationssatelliten zur Beobachtung von Stürmen über den Weltmeeren und von Tsunamis zu verwenden.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Kofferraum für Liberty
05.07.2012 - Das US-amerikanische Unternehmen ATK, das unter der Projektbezeichnung Liberty ein System für bemannte Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation (ISS) entwickelt, gab am 3. Juli 2012 bekannt, dass man an einer Erweiterung von Liberty um ein zusätzliches, druckbeaufschlagtes Fracht- bzw. Logistikmodul arbeite.
Das zusätzliche Frachtmodul, dass in einer erweiterten Frachttransportkonfiguration der Liberty-Rakete zum Einsatz kommen soll, wird von ATK als LLM für Liberty Logistics Module bezeichnet. Sein Transport erfolgt nach den Plänen von ATK in einem Bereich zwischen der bemannten Besatzungskabine und der Antriebseinheit des Raumschiffs an der Spitze einer Liberty-Rakete.

Konstruktiv möchte ATK das LLM aus dem Aufbau der in der Vergangenheit von Space-Shuttles zur ISS-Versorgung verwendeten Logistikmodule vom Typ MPLM (für Multi-Purpose Logistic Module) mit einem Durchmesser von rund 4,6 m ableiten. Wie ein MPLM soll ein LLM mit einem US-amerikanischen standardisierten Kopplungsmechanismus (common berthing mechanism) ausgerüstet werden.

Die Verbindung eines LLM mit der ISS würde in Zukunft deshalb genau so ablaufen, wie mit den MPLMs verfahren wurde. Ein Arm der Station greift das Modul und führt es millimetergenau an den entsprechenden Kopplungsstutzen der ISS heran, bis die Verbindungseinrichtungen von Station und Modul in Aktion treten können.

Die in einem druckbeaufschlagten LLM zur ISS transportierbare Frachtmenge beziffert ATK auf 5.100 Pfund, umgerechnet etwas über 2.313 kg. Der in einem LLM zur Verfügung stehende Raum könnte zum gleichzeitigen Transport von vier wissenschaftlichen Racks in voller Baugröße verwendet werden. Und beim entsprechenden Raketenstart könnten die zur Bedienung der Racks ausgebildeten Wissenschaftsastronauten in der aus Verbundwerkstoff gebauten Besatzungskabine von Liberty gleich mit zur ISS gebracht werden, preist ATK das System an.

Bei einem einzigen Flug einer Liberty-Rakete könnte außerdem neben den bis zu sieben Astronauten und den rund 2.300 kg Fracht in einem LLM zusätzliches Transportgut in einem nicht druckbeaufschlagten Bereich des Raumschiffs zur ISS gelangen. Während der Vorbereitung eines Fluges auf der Startanlage und dem anschließenden Aufstieg der Rakete ist der Frachtbereich des Liberty-Raumschiffs laut ATK von einer leichtgewichtigen Verkleidung geschützt, welche abgeworfen wird, sobald die Atmosphäre dünn genug geworden ist.

Einen ersten unbemannten Testflug der Liberty-Rakete, angetrieben von einem aus den Boostern des Space-Shuttles abgeleiteten Fünfsegment-Feststoffbooster von ATK und versehen mit einer von Astrium aus der Zentralstufe der Ariane 5 weiterzuentwickelnden zweiten Stufe, plant ATK für das Jahr 2014. Für 2015 ist ein weiterer unbemannter Testflug angesetzt. Erste bemannte Flüge erwartet ATK im Jahr 2015. Dann sollen Liberty-Besatzungen auch die ISS erreichen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ATK)


» RadioAstron liefert - Bonn rechnet
05.07.2012 - Ab jetzt kann auch das Bonner Max-Planck-Institut Daten von RadioAstron verarbeiten. Während die Planung für die nächste Beobachtungsphase anläuft werden bereits die ersten Ergebnisse veröffentlicht.
DiFX verarbeitet RadioAstron-Daten
Das DiFX-System des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn ist ein Großrechner, der dazu dient, Radio-Beobachtungen von einzelnen Teleskopen mathematisch zu überlagern und somit ein Interferenzbild zu erzeugen. Diese Methode erhöht das Auflösungsvermögen deutlich, da hierfür der Abstand der Einzelteleskope rechnerisch etwa der Größe eines Einzelteleskops mit der gleichen Auflösung entspricht. DiFX hat jetzt ein Softwareupdate bekommen, um auch für RadioAstron als Korrelator zur Verfügung zu stehen. Bislang konnte DiFX nur mit festen Positionen von Teleskopen umgehen, seit dem Update können auch bewegte Antennen (wie eben das im Orbit kreisende Spektr-R) verwendet werden. Dadurch dass jetzt auch DiFX die Daten von RadioAstron korrelieren kann ergeben sich für viele am Projekt beteiligte Astronomen deutliche Vereinfachungen. Sie sind gewohnt, mit Ergebnissen von DiFX zu rechnen, aber nur wenige arbeiten bislang mit Ergebnissen des Moskauer Korrelators, das bislang hauptsächlich die Datenanalyse für RadioAstron übernommen hat.

Beim MPIfR zeigt man sich sehr zufrieden mit dieser Neuerung, da man jetzt erstmals für den Radiobereich auf eine Auflösungsgenauigkeit von einigen Mikrobogensekunden kommen kann. Zu Beginn wurde damit eine Aufnahme des 900 Mio Lichtjahre entfernten Aktiven Galaxiekerns (Active Galactic Nucleus, AGN) BL Lacertae berechnet. BL Lacertae gilt als Prototyp für eine ganze Klasse von AGN und ist daher ein hochinteressantes Beobachtungsziel. Verwendet wurden am Anfang Daten, die auch in Moskau bereits ausgewertet wurden, um zunächst einen Vergleich der beiden Korrelatoren durchzuführen.

RadioAstron International Science Council Meeting 2012
Vom 18. bis 20. Juni wurde in Puschkino bei Moskau ein Treffen des RadioAstron International Science Council abgehalten. Beteiligt waren Vertreter von Forschungsinstitutionen und am Projekt beteiligten Observatorien aus aller Welt. In der Rückschau auf die bisherige Mission wurde der Freude über den Erfolg und Fortschritt des Programms Ausdruck verliehen. Vor allem aber wurde über die zukünftige Planung der Mission nach Abschluss des derzeit laufenden "Early Science Programm" diskutiert. Mitte 2013 soll sich an das aktuelle Programm eine "Open Skies Phase" anschließen. Bis August diesen Jahres sollen Forschergruppen, die ihre Beobachtungen mit RadioAstron durchführen sollen ihr Interesse mitteilen, bis Februar 2013 sollen dann die formalen Bewerbungen für Beobachtungszeit vorliegen. Den Vorsitz der Beurteilungskommission, die über die Bewerber entscheidet wird Phil Edwards übernehmen, der für die australische Teleskope verantwortlich ist, die an RadioAstron beteiligt sind.

Ausgewählte Ergebnisse
Nicht nur BL Lacertae, sondern auch andere aktive Galaxienkerne werden von RadioAstron beobachtet. So wurde zum Beispiel das Objekt 0716+714 von RadioAstron unter Beteiligung europäischer, russischer und japanischer Radioteleskope beobachtet. Der Abstand der Teleskope zueinander betrug dabei bis zu 5,2 Erddurchmesser. Trotz einer Phase geringer Aktivität während der Beobachtungen gelang es diesen Blazar im 6cm-Band zu detektieren und zu analysieren. Damit ließ sich die Größe des aktiven Kerns als 40 Mikrobogensekunden bestimmen, was in Verbindung mit dem Abstand einen Durchmesser von 0,65 Lichtjahren entspricht.

RadioAstron wird auch weiterhin aktive Galaxienkerne ins Visier nehmen. Den Rekord für eine solche Beobachtung wurde bei der 6cm-Messung von OJ287 aufgestellt, wo die Teleskope bis zu 7 Erddurchmesser Abstand hatten. Im Vergleich zu rein erdgebundenen Interferometern ist die Genauigkeit bei einer solchen Aufnahme um eine Größenordnung besser. Die Ergebnisse dieses Forschungsprogramms werden helfen, die Natur der relativistischen Jets in aktiven Galaxienkernen besser zu verstehen.

Es wurden auch die ersten Interferenzmuster im 1,35cm-Band für das Sternentstehungsgebiet W51 entdeckt. W51 ist einer der leuchtstärksten Wasser-Maser (Mikrowellen-Laser) unserer Milchstraße, 17.600 Lichtjahre von uns entfernt im Sagittarius-Spiral-Arm. Die Beobachtung wurde von Spektr-R gemeinsam mit dem Effelsberger Radioteleskop bei einem Abstand von rund 1,14 Erddurchmessern im Mai durchgeführt. Die dabei erreichte Winkelauflösung von 0,2 Millibogensekunden ist die beste, die jemals für diesen Spektralbereich erreicht wurde. Dadurch wird es möglich, Maser besser als je zuvor zu untersuchen.

Der Vela-Pulsar sendet seine Pulse Richtung Erde durch ein inhomogenes interstellares Plasma. Dieses verzerrt, streut und bündelt die Wellen, das Plasma funktioniert im Prinzip wie eine Sammlung von gewaltigen Linsen. Dadurch gibt es im Bereich der Erde ein eigenes Interferenzmuster von gestreuten Radiowellen. Dieses Interferenzmuster exakt zu analysieren ist nur mit der extremen Auflösung des RadioAstron-Systems möglich. Für diese Aufnahmen wurden Radioteleskope in Australien und Südafrika verwendet. Diese Daten erlauben eine präzise Analyse des interstellaren Materials, das sonst nur schwer zu beobachten ist. Theoretisch wäre es auch möglich, dass sich die Störungen durch das Plasma im Lauf der Zeit ändern. Sollte man dies beobachten können wäre es möglich den Strom des interstellaren Plasmas durch diesen Teil unserer Milchstraße genau zu bestimmen.

Verwandte Artikel

Diskutieren sie mit:


(Autor: Stefan Heykes - Quelle: ASC/MPIfR)


» Ariane-5-Start mit Wetter- und Kommunikationssatellit
07.07.2012 - Pünktlich am 5. Juli 2012 um 23:36 Uhr MESZ startete vom Raumfahrtgelände Kourou in Französisch-Guayana eine Ariane-5-Trägerrakete mit zwei Satelliten an Bord. Die Satelliten für EUMETSAT und HUGHES waren nach rund einer halben Stunde Flug erfolgreich ausgesetzt.
Verwendet wurde eine Ariane-5-ECA, die gleich zu Beginn des 29 Minuten breiten Startfensters von der Startrampe ELA-3 zum dritten Flug einer Ariane-5 im Jahr 2012 abhob. Transportiert wurden bei der Mission VA-207 der US-amerikanische Kommunikationssatellit EchoStar XVII (Masse beim Start 6.100 kg) und der europäische Wettersatellit MSG-3 (Startmasse rund 2.000 kg). Beide Satelliten waren zusammen unter einer 17 Meter hohen Nutzlastverkleidung mit einer Masse von rund 2.600 kg untergebracht. EchoStar XVII wurde als erster der Satelliten etwa 28 Minuten nach dem Start ausgesetzt, er saß zuoberst auf der Nutzlaststruktur SYLDA 5 B (SYLDA ist die Abkürzung von "Système de Lancement Double Ariane", Ariane-Doppelstartvorrichtung). Nach Abstoßen der SYLDA 5 B wurde MSG-3 rund 34 Minuten nach dem Start freigegeben.

Die beiden Satelliten werden aus dem Geotransferorbit mit einem geplanten Perigäum von 249.6 km über der Erde (erreicht 249.6 km, Schätzung Arianespace) und einem geplanten Apogäum von 35.942 km über der Erde (erreicht 35.923 km, Schätzung Arianespace) mit eigenen Antrieben den Geostationären Orbit ansteuern. Die Antriebe müssen auch den Abbau der Rest-Inklination, der verblieben Neigung der Bahn gegen den Erdäquator, von rund 6 Grad bewerkstelligen. EchoStar XVII wird dafür ab dem 8. Juli 2012 seinen mit Monomethylhydrazin (MMH) und Stickstofftetroxid (NTO) betriebenen Apogäumsmotor mit einer Schubkraft von 445 N verwenden und eine einstellige Anzahl von Brennphasen benötigen. MSG-3 soll laut Plan nach vier Brennphasen seiner mit Monomethylhydrazin (MMH) und einer Mischung von Stickstoffoxiden (MON-1, Stickstofftetroxid mit 1% Stickstoffmonooxid) betriebenen Apogäumsmotore mit einer Schubkraft von jeweils rund 420 N und einem Manöver zur Bahnzirkluarisierung knapp 10 Tage nach dem Start den Geostationären Orbit erreichen.

EchoStar XVII ist eine Konstruktion von Space Systems/Loral (SS/L) und basiert auf der 1300er-Satelliten-Plattform. Der auch als Jupiter 1 bezeichnete Satellit wird vom US-amerikanischen Betreiber von Kommunikationssatelliten Hughes Network Systems, LLC (HUGHES) für die Bereitstellung von Breitband-Datenverbindungen eingesetzt werden. EchoStar XVII soll im geostationären Orbit eine Position bei 107,1 Grad West beziehen, um von dort für HUGHES, dem derzeit größten Anbieter von Hochgeschwindigkeits-Internetanbindungen via Satellit in den Vereinigten Staaten, Kunden in Nordamerika zu versorgen. Dafür ist er mit einer Anzahl leistungsfähiger Ka-Band-Transponder ausgerüstet, die zur gleichzeitigen Ausleuchtung von 60 unterschiedlichen Empfangsgebieten nutzbar sind. Der mögliche gleichzeitige Gesamtdurchsatz des Satelliten liegt bei über 100 Gigabit pro Sekunde (Gbits/s).

Mit elektrischer Energie versorgt wird die Kommunikationsnutzlast von EchoStar XVII von zwei Solarzellenauslegern, die dem Raumfahrzeug zusammen eine Spannweite von insgesamt rund 26,07 m geben. Die vorgesehene Standzeit des dreiachsstabilisierten, mit drei Lithium-Ionen-Akkumulatorensätzen ausgestatteten Satelliten im Orbit beträgt 15 Jahre. An deren Ende erwartet man von den beiden Solarzellenauslegern die Bereitstellung von immer noch 16,1 Kilowatt elektrischer Leistung. Bisher ist nicht bekannt geworden, dass es nach dem Start Schwierigkeiten beim Entfalten der Solarzellenausleger, so wie es unlängst nach dem Transport von Intelsat 19 auf einer Zenit-3SL-Rakete ins All geschehen war, gegeben hätte. Statt dessen berichtete SS/L am 6. Juli 2012, dass EchoStar XVII vorgesehene Manöver nach dem Start wie geplant ausgeführt hat und seine beiden Solarzellenausleger entfaltet wurden.

MSG-3 soll für die europäische Organisation zum Betrieb von Wettersatelliten (EUMETSAT, European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites) im All voraussichtlich den am 28. August 2002 ebenfalls auf einer Ariane-5-Rakete gestarteten MSG-1 alias Meteosat-8, der aktuell als Reservesatellit fungiert, ersetzen. An einer Position bei 0 Grad im Geostationären Orbit über dem Golf von Guinea will man MSG-3 in Betrieb nehmen. Dort soll er rund 10 Tage nach dem Start an EUMETSAT übergeben werden. Dann wird MSG-3 auch seine operationelle Bezeichnung Meteosat-10 erhalten.

Der wie MSG-1 unter Regie des Hauptauftragnehmers Thales Alenia Space konstruierte spinnstabilisierte Wettersatellit kann in 12 unterschiedliche Frequenzbereichen, davon vier im Bereich des sichtbaren Lichts, und acht im Infraroten, Bilddaten erfassen. Dafür sorgt ein SEVIRI für Spinning Enhanced Visible and Infrared Imager genanntes, von Astrium gebautes Instrument. Die von SEVIRI bei einer Rotationsgeschwindigkeit des Satelliten von 100 Umdrehungen pro Minute erfassten und an Bord von MSG-3 aufgezeichneten Informationen können turnusmäßig alle 15 Minuten zu Erde übertragen werden. Eine einzelne Ansicht wird dabei mehr als ein Drittel der Erdoberfläche zeigen. Gleichzeitig abgebildet werden kann ein Bereich, der vom Nordpol zum Südpol und von Chile bis Indien reicht.

Die Energieversorgung der Satellitensysteme von MSG-3 erfolgt durch Solarzellen auf der Außenhaut des zylinderförmigen Raumfahrzeugs. Die Zellen sind auf acht getrennte Bereiche der Oberfläche verteilt. Sieben der Bereiche haben die gleiche Größe, der achte hat wegen des Ausschnitts für das Sichtfeld von SEVIRI in der Außenhaut des Satelliten eine etwas größere Ausdehnung. Die wirksame Oberfläche ist bei allen acht Bereichen die gleiche. Am Ende der projektierten Einsatzdauer von 7 Jahren sollen die Solarzellen von MSG-3 noch rund 700 Watt elektrische Leistung bereitstellen können. Für die Stromspeicherung besitzt der Satellit zwei Nickel-Cadmium-Akkumulatorensätze.

Vor EchoStar XVII besorgte Arianespace den Transport von 36 anderen von SS/L hergestellten Satelliten in den Weltraum. VA-207 mit EchoStar XVII und MSG-3 auf der Rakete L563 war beim 63. Start einer Ariane 5 die 49. erfolgreiche Ariane-5-Mission in Folge. Bei der Mission VA-207 wurde laut Arianespace bei einer Gesamtstartmasse von rund 780 Tonnen (laut Astrium rund 774 Tonnen) eine Gesamtnutzlast von 9.647 Kilogramm transportiert, von denen nach Angaben von Arianespace 7.563 Kilogramm auf die beiden Satelliten entfielen.

EchoStar XVII ist katalogisiert mit der NORAD Nr. 38.551 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2012-035A. MSG-3 ist katalogisiert mit der NORAD Nr. 38.552 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2012-035B.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, Astrium, ESA, EUMETSAT, SS/L)


» YahSat Y1B an Betreiber übergeben
07.07.2012 - Der Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space teilte am 5. Juli 2012 mit, dass der am 24. April 2012 auf einer Proton-Rakete gestartete Kommunikationssatellit YahSat Y1B von Astrium und Thales Alenia Space zwischenzeitlich betriebsbereit an die Al Yah Satellite Communications Company (Yahsat) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übergeben worden ist.
Die Übergabe von Y1B an Yahsat erfolgte offiziell am 3. Juni 2012. Y1B ist der zweite von Astrium und Thales Alenia Space gebaute Satellit für Yahsat. Er ist wesentlicher Bestandteil eines integrierten Satellitenkommunikationssystems, das von Astrium als Duales Satellitenkommunikationssystem bezeichnet wird, und aus den beiden Satelliten Y1A und Y1B sowie einem zugehörigen Bodensegment besteht. Die beiden europäischen Satellitenhersteller berechnen für das Gesamtsystem inklusive der Starts der beiden Satelliten rund 1,66 Milliarden US-Dollar.

Der im geostationären Orbit an einer Position von 47,5 Grad Ost etwa über den Vereinigten Arabischen Emiraten positionierte Y1B basiert auf dem von Astrium beigesteuerten Satellitenbus Eurostar E3000. Der Satellit ist mit einer von Thales Alenia Space konstruierten Kommunikationsnutzlast mit einer Leistung von 14 kW ausgestattet. Sie umfasst ausschließlich Ka- Band-Transponder, die 61 Ausleuchtzonen bedienen können. Über die Ka- Band-Transponder will Yasat Kunden in Afrika, Europa, dem Nahen Osten und in Südwestasien mit hochwertigen Breitband-Datendiensten versorgen. Dabei soll sich YahSat 1B für kommerzielle (unter der Bezeichnung YahClick) und für militärische Kommunikationsverbindungen (unter der Bezeichnung YahSecure) nutzen lassen.

Während des Starts und der ersten Tage im All erfolgten Steuerung und Kontrolle des beim Start rund 6.100 Kilogramm schweren Erdtrabanten von Astriums Kontrollzentrum im französischen Toulouse aus. Jetzt wird der Satellit von Yahsats Hauptkontrollzentrum in Abu Dhabi überwacht und gesteuert, von wo aus ab dem 11. Mai 2012 auch die Im-Orbit-Tests koordiniert wurden.

YahSat Y1B ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.245 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-016A.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, Thales Alenia Space)


» VINASAT 2 hat Betrieb aufgenommen
09.07.2012 - Der am 16. Mai 2012 in den Weltraum transportierte Kommunikationssatellit VINASAT 2 befindet sich mittlerweile im Einsatz für das staatliche Post- und Telekommunikationsunternehmen der Sozialistischen Republik Vietnam (Vietnam Posts and Telecommunications Group, VNPT).
Nachdem die Stationierung von VINASAT 2 bei 131,8 Grad Ost im Geostationären Orbit vollzogen worden ist, und alle Tests des neuen Raumfahrzeugs erfolgreich abgeschlossen werden konnten, steht der Satellit nun für einen Einsatz gemäß seiner vorher festgelegten Aufgaben bereit.

Vor dem Start des Satelliten hatte die VNPT VINASAT 2 im März 2012 bei den beiden vietnamesischen Versicherern Telecommunication Joint Stock Insurance Corporation (PTI) and Bao Viet Insurance Group für insgesamt 20 Millionen US-Dollar versichert.

Gesteuert und kontrolliert wird VINASAT 2 jetzt im Auftrag der VNPT durch das Unternehmen Viet Nam Telecom International (VTI) vom Kontrollzentrum Qui Duong in Hanoi aus, nachdem der Satellit von seinem Hersteller, dem US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtkonzern Lockheed Martin, am 4. Juli 2012 an die VNPT übergeben worden war. Die VNPT berichtet, dass am 7. Juli 2012 in Hanoi eine entsprechende offizielle Zeremonie stattfand. In den kommenden drei Monaten sollen zwei Spezialisten von Lockheed Martin in Vietnam zusätzliche Unterstützung beim Betrieb des Satelliten leisten.

VINASAT 2 ist dazu gedacht, als Ergänzung zu dem seit dem 18. April 2008 im All befindlichen VINASAT 1 die Möglichkeiten und die Zuverlässigkeit des vietnamesischen staatlichen Satellitenkommunikationssystems zu verbessern. Außerdem verspricht man sich in Vietnam vom Betrieb des neuen Satelliten eine Unterstützung bei der schnellen ökonomischen Entwicklung des Landes. Der Satellit wurde gebaut, um Radio- und Fernsehprogramme auszustrahlen, sowie Telefon- und Datenverbindungen zu ermöglichen.

Wie VINASAT 1 basiert VINASAT 2 auf dem Satellitenbus A2100. Ausgestattet hat man VINASAT 2 mit einer 24 Ku-Band-Transponder umfassenden Kommunikationsnutzlast. Der ältere VINASAT 1 besitzt dagegen nur 20 Ku-Band-Transponder. Die Übertragungskapazität von VINASAT 2 entspricht nach Angaben der VNPT einem Äquivalent von 13.000 gleichzeitigen Telefon- oder Internetverbindungen, bzw. der gleichzeitigen Ausstrahlung von rund 150 Fernsehkanälen.

Versorgt mit elektrischer Energie werden die Kommunikationsnutzlast von VINASAT 2 und die übrigen Satellitensysteme von zwei Solarzellenauslegern. Die beiden Ausleger, die dem Satelliten eine Spannweite von insgesamt rund 18,90 m geben, sollen der Kommunikationsnutzlast gegen Einsatzende des Satelliten noch 7,6 Kilowatt elektrische Leistung liefern können.

Die Auslegungsbetriebsdauer des neuen, dreiachsstabilisierten Erdtrabanten mit einer Startmasse von 2.969 kg liegt bei mindestens 15 Jahren, zusätzlichen Treibstoff für einen über 15 Jahre hinausgehenden Einsatz hat VINASAT 2 an Bord.

VINASAT 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.332 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-023B.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, Arianespace, Lockheed Martin, VNPT)


» SES 5 im All
10.07.2012 - Am 9. Juli 2012 hob pünktlich um 20:38 Uhr MESZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 81/24 im kasachischen Baikonur ab, um den Kommunikationssatelliten SES 5 für SES World Skies in den Weltraum zu befördern.
Der Start um 22:38 Uhr Moskauer Zeit wurde im Namen des Unternehmens International Launch Services, abgekürzt ILS, durchgeführt, das sich um die Vermarktung von kommerziellen Starts mit Proton-Raketen kümmert. Mit dem Start von SES 5 gelangte der fünfte Satellit einer Serie von Ersatzsatelliten zur Erneuerung und Ergänzung der Satellitenflotte von SES ins All. Der Transport des Satelliten erfolgte beim 378. Flug einer Proton-Rakete, und der fünften Proton-Mission im Jahr 2012. Zum 21. Mal flog ein Satellit für SES bzw. Astra auf einer Proton-Rakete.

Der von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-Träger verwendete drei Raketenstufen, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M und der Nutzlast, auf den Weg zu bringen. Nach etwas über neun Minuten und dreiundvierzig Sekunden Flugzeit wurde die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt.

Eine erste Zündung der auch von Chrunitschew konstruierten Breeze-M-Oberstufe brachte die Orbitaleinheit in einen Parkorbit. Nach weiteren vier Brennphasen der Oberstufe wurde SES 5 schließlich nach rund neun Stunden und zwölf Minuten Flugdauer am 10. Juli 2012 in einem Orbit mit einem Perigäum von etwa 4.143,81 Kilometern über der Erde, einem Apogäum von rund 35.781,98 Kilometern über der Erde und einer Inklination von etwa 23,6 Grad ausgesetzt (Abschätzungen des Ballistikzentrums laut Chrunitschew).

Da SES 5 für einen Kommunikationssatelliten eine vergleichsweise große Masse hat, gelangte er auf eine Bahn mit einem recht niedrigen Perigäum. Das Apogäum lag beim Aussetzten bereits fast auf der Höhe einer geostationären Umlaufbahn. Diese muss der Satellit nun mit eigenem Antrieb ansteuern. SES 5 wird dafür ab dem 10. Juli 2012 seinen mit Monomethylhydrazin (MMH) und Stickstofftetroxid (NTO) betriebenen Apogäumsmotor vom Typ R-4D mit einer Schubkraft von rund 445 N verwenden und eine einstellige Anzahl von Brennphasen benötigen.

Der mit 36 C-Band- und 24 Ku-Band-Transpondern sowie einer im L-Band-Bereich arbeitenden Navigationsnutzlast für den European Geostationary Navigation Overlay Service (EGNOS) ausgerüstete Satellit mit einer Startmasse von rund 6.007 Kilogramm soll eine Position bei 5 Grad Ost im Geostationären Orbit einnehmen. Dort will SES ihn als 51. Satellit der eigenen Flotte betreiben und über ihn Kunden mit einer großen Bandbreite von Telekommunikationsdiensten versorgen. Die erwartete Lebensdauer des von Space Systems/Loral aus den Vereinigten Staaten gebauten und auf dem 1300er Satellitenbus basierenden Raumfahrzeugs beträgt 15 Jahre. Mit SES 5 befinden sich jetzt 71 von SS/L gebaute Raumfahrzeuge im All.

SES 5 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.652 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-036A.

Verwandte Meldung bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie in unserem Forum mit:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ILS, Roskosmos, SS/L)


» Stärkste Rakete der Welt mit NROL-15: Ziel unbekannt
27.06.2012 - Wenn das Wetter am Freitag mitspielt, startet um 12:13 Uhr die amerikanische Schwerlastrakete vom Typ Delta-IV Heavy. Mit an Bord befindet sich eine geheime militärische Nutzlast. Das Netz ist voller Spekulationen über das Ziel dieser Mission.
Wenn die stärkste Version der Delta-IV auf der Startplattform 37 von Cape Canaveral für einen Start vorbereitet wird, ist der militärische Nachrichtendienst (NRO) der USA nicht weit weg. Denn die größten Satelliten im Erdorbit sind nur selten zivil und der Bedarf, mehr als 23 Tonnen in die Umlaufbahn zu schicken resultierte in der Entwicklung der Delta IV Heavy als Nachfolger der mittlerweile veralteten Titan IV. Anfang der 80er Jahre noch orientierten sich alle Spionagesatelliten an der Nutzlastkapazität des Space Shuttles, das als eierlegende Wollmilchsau konkurrenzlos günstig alle amerikanischen Nutzlasten befördern sollte.

Die Sichtweise veränderte sich nach dem Unglück der Challenger dramatisch und führte zur Einstellung der Bauarbeiten der Shuttle-Startanlagen an der Westküste der USA. Die daraus resultierende Unfähigkeit, größere Nutzlasten in hoch inklinierte Orbits zu fliegen, führte zur Entwicklung dieser neuen Generation von Schwerlast-Raketen, welche die für das Shuttle geplanten und gebauten Nutzlasten autonom starten können. Seit 2004 hob die Delta IV Heavy vier Mal von Florida und einmal vom Luftwaffenstützpunkt in Vandenberg, Kalifornien, jener ursprünglich für Shuttle Starts an der Ostküste vorgesehene Startanlage, ab.

Um der geheimen Nutzlast auf die Spur zu kommen, bedient man sich einerseits der niedrigen NROL-Zahl (15), welche auf einen ursprünglich geplanten Start Anfang des Jahrtausendes hindeutet, andererseits kann man auf Grund der Wahl der großen Delta-IV Heavy Rakete auf eine schwere militärische Nutzlast schließen. Kombiniert liegt der Schluss nahe, dass es sich um einen Satelliten aus der "Misty"-Reihe handelt. Diese sind vermutlich von den Hubble-ähnlichen KH-11 Aufklärungssatelliten abgeleitet, jedoch 25% schwerer. Der erste Satellit dieser Art wurde noch vom Space Shuttle in den Orbit transportiert und hatte unbestätigten Informationen zu Folge ein Gewicht von 17 Tonnen.

Bei jener STS-36 Mission startete die Atlantis mit 62° in die höchste Inklination des gesamten Shuttle-Programmes. War der Satellit die ersten Wochen noch gut vom Boden aus zu beobachten, sowohl optisch als auch mit Radar, so verschwand er von einem Tag auf den anderen und ließ nur eine kleine Trümmerwolke zurück. Doch war der Satellit keineswegs zerstört. Das Militär täuschte diese Tatsache nur vor und verschob den ursprünglichen Orbit von Misty-1 um 3° in der Inklination und 800 km in der Höhe. Doch das wurde erst in den 90er Jahren bekannt, als der Satellit dort unerwartet wieder auftauchte. In der Zwischenzeit, so vermutet man, war Misty-1 der erste Satellit mit einer Tarnvorrichtung.

Ähnlich spannend verfuhr Amerika mit Misty-2, der auf einer Titan IV in den Orbit gelangte. Jahrelang verfolgte man ein Objekt in der Annahme, es sei Misty-2. Doch in der Praxis sah man die ganze Zeit nur einen Köder mit ähnlicher Leuchtstärke wie die originale Nutzlast. Das kam erst ans Licht, nachdem sich das Objekt bei solaren Protuberanzen wie ein Objekt verhielt, welches nur wenige Hundert Kilogramm wiegen kann.

Welches Ziel verfolgt man nun mit dem am Freitag anstehenden Start von Misty-3? Um die Frage zu beantworten muss zunächst das weiterentwickelte Triebwerk der Delta IV angesprochen werden. Im Normalfall sollte die Delta IV Heavy mehr als ausreichend dimensioniert sein um Titan-IV Nutzlasten in den Orbit zu bringen. Dennoch entschied man sich im Pentagon für die 200 Millionen Dollar teure Weiterentwicklung des RS-68 Haupttriebwerkes, welches die Leistungsfähigkeit der Delta IV Heavy weiter steigert und bei diesem Start zum ersten mal als RS-68A zum Einsatz kommen soll.

Möglicherweise plant man also ein Ablenkungsmanöver neuen Ausmaßes. Schaut man sich das gesperrte Seegebiet im Osten der Startanlage an, deutet alles auf einen Start in einen niedrig inklinierten Orbit von 28,5° und suggeriert damit eine Nutzlast für den geostationären Orbit. Dort wäre Misty-3 allerdings nicht zu gebrauchen. In Anbetracht dieser Tatsache gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten, die Öffentlichkeit zu verwirren.

1.) Nach dem Start in den niedrigen Erdorbit wird Misty-3 ausgesetzt, aktiviert seinen Tarnmodus (Raumfahrer.net berichtete), manövriert sich selbst in eine höhere Inklination und die Oberstufe macht sich dann mit einer Dummy-Nutzlast auf in den geostationären Orbit und täuscht dort das Aussetzen der Primärnutzlast vor. Ob die Delta IV Heavy trotz Ihres verbesserten Triebwerkes eine solche Mission fliegen kann, ist unbekannt.

2.) Die zweite Stufe bringt sich nach Abtrennung der Hauptnutzlast lediglich in eine Transferbahn zum geostationären Orbit und täuscht damit einen Fehlstart vor. Diese Variante es weniger wahrscheinlich, möchte doch keine Nation der Welt freiwillig einen Fehlschlag veröffentlichen, selbst wenn es in Wahrheit keiner war.

3.) Die Oberstufe bringt sich sofort nach Abtrennung in einen solaren Orbit, wie bereits geschehen nach dem Aussetzen des Minishuttles X-37b. Nach Aktivierung eines Tarnmodus bei der Primärnutzlast blieben alle Orbitteile unauffindbar und der genaue Standort von Misty-3 damit ebenfalls wie gewünscht unbekannt.

Auch wenn jedes dieser Szenarien das Triebwerksupgrade erklärt, bleibt abzuwarten, ob eine dieser Vermutungen zutrifft, oder eine ganz andere Idee dahinter steckt. Fest steht dagegen, dass Hobby-Astronomen aus aller Welt bereits großes Engagement im Auffinden der X-37B, die ebenfalls in einen geheimen Orbit startete, gezeigt haben. Vielleicht finden Sie nach einiger Zeit tatsächlich dann den wahren Orbit von Misty-3. Sobald es soweit ist, werden wir Sie natürlich an dieser Stelle informieren.

Zum Start der Delta-IV Heavy wird es wieder einen deutschen Livestream geben am Freitag ab 11:50 Uhr auf spacelivecast.de.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: satobs.org, ulalaunch.com, nasaspaceflight.com, bisbos.com)


» Israel: IAI baut Amos 6 für Spacecom
28.06.2012 - Der Technologiekonzern Israel Aircraft Industries (IAI) ist vom Kommunikationssatellitenbetreiber Spacecom Satellite Communications (Spacecom) aus dem gleichen Land mit dem Bau des Kommunikationssatelliten Amos 6 beauftragt worden.
Die Vereinbarung über Herstellung und Kauf des Satelliten wurde an 24. Juni 2012 bekannt. Spacecom investiert in Amos 6 insgesamt umgerechnet rund 200 Millionen US-Dollar. Neben dem Satellit wird IAI auch das zugehörige Bodensegment aufbauen, und Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb des Satelliten erbringen, wurde verabredet.

Die Kosten für Start, Versicherung und ein Jahr Betrieb von Amos 6 schätzt Spacecom auf umgerechnet 85 Millionen US-Dollar. Einen Startanbieter, der den Transport des Satelliten ins All besorgt, hat man noch nicht ausgewählt. Derzeit geht man von einem Start von Amos 6 im ersten Quartal 2015 aus. Im Weltraum soll sich Amos 6, der 14. von IAI konstruierte Erdtrabant, anschließend mindestens 16 Jahre lang einsetzten lassen.

Im Geostationären Orbit möchte Spacecom den neuen Satelliten bei 4 Grad West positionieren, wo er Amos 2 ersetzten soll, welcher seit Dezember 2003 um die Erde kreist, und vermutlich im Jahr 2016 stillgelegt werden muß. Im Unterschied zu Amos 2, der ebenfalls ein Produkt von IAI ist, wird Amos 6 eine bedeutend höhere Transponder-Kapazität aufweisen. Auf Amos 2 gibt es 14 Ku-Band-Transponder, davon 3 als Reserve.

Die voraussichtlich mit bis zu 80 Ka-Band- und Ku-Band-Transpondern ausgerüstete Kommunikationsnutzlast von Amos 6 steuert MacDonald, Dettwiler and Associates Ltd. aus dem kanadischen Richmond bei. In Kanada beziffert man den Auftragswert dafür auf über 90 Millionen kanadische Dollar, die Arbeit an dem Auftrag hat MDA eigenen Angaben zufolge bereits aufgenommen.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Globes, IAI, MDA, Spacecom)


» Shenzhou 9 wieder sicher auf der Erde
29.06.2012 - Heute morgen unserer Zeit landete in der Inneren Mogolei die chinesische Raumkapsel Shenzhou 9 mit drei Mann Besatzung wieder sicher auf der Erde. Die 13-tägige Mission hatte als Ziel die erste chinesische Raumstation, Tiangong 1. In den vergangegen Tagen kam es noch zur ersten manuellen Kopplung an die Raumstation.
Nach dem Start am 16. Juni (Raumfahrer.net berichtete) näherte sich Shenzhou 9 erstmal an die Bahn von Tiangong 1 an, welche sie dann zwei Tage später erreichte. Die Kopplung, welche noch automatisch verlief, erfolgte dann um 10:08 MESZ und die Taikonauten Jing Haipeng, Kommandant der Mission, sowie Bordingenieur Liu Wang betraten um 11:10 MESZ als erste Menschen die Station. Währenddessen blieb Liu Yang, die erste Chinesin im All, in Shenzhou 9, damit die Crew bei einem eventuellen Zwischenfall schnell aus der Station flüchten können und mit dem Raumschiff schnell zur Erde zurückkehren können.

Im Verlauf der nächsten Tage lebte sich die Besatzung in der Station ein. Man aktivierte nach und nach alle Systeme und begann mit einem straff organisieren Programm. So wurden etwa sportliche Aktivitäten geübt, welche zur Vorbeugung beziehungsweise zur Minimierung von Folgen des Muskel- und Knochenabbaus durchgeführt werden. Dies wird auch von den Besatzungsmitgliedern der Internationalen Raumstation ISS gemacht. Darüber hinaus führte man auch ein Kontingent an wissenschaftlichen Experimenten durch. Auch wurde der Betrieb der Station geübt, was eine Voraussetzung für Chinas weitere Schirtte im Erdorbit ist.

Am letzten Sonntag, dem 24. Juni, stieg die Crew von Shenzhou 9 nochmal in ihr Raumschiff und koppelte von Tiangong 1 ab. Nachdem man sich 400 m von der Station entfernt hat, begann Liu Wang mit dem Anflug zur Raumstation. Die zweite Kopplung erfogte dann um 14:48 unserer Zeit. Nachdem die Verbindung zwischen beiden Raumschiffen geprüft wurde, stiegen die Taikonauten wieder in die Raumstation und bereiteten sich für das entgültige Abkoppeln und die Rückkehr zur Erde vor.

Gestern stieg die Besatzung schließlich wieder in ihr Raumschiff ein und schloss hinter sich die Luke, um dann um 4:05 MESZ abzukoppeln. Nachdem heute um 3:05 MESZ das Orbitalmodul abgetrennt wurde, begann das Bremsmanöver und um 3:20 wurde das Servicemodul abgetrennt. Nach dem Wiedereintritt und der Entfaltung des Fallschirms landete die Kapsel um 4:04 MESZ wieder auf der Erde. Im Verlauf der nächsten Minuten kamen Bergungsmannschaften und halfen der Besatung von Shenzhou 9 aus ihrer Kapsel. Der Flug war laut des Leiters des bemannten chinesischen Weltraumprogramms, General Chang Wanquan, ein voller Erfolg.

Im Verlauf des nächsten Jahres soll mit Shenzhou 10 eine zweite Mission zu Tiangong 1 starten. Diese soll, wie die erste, etwa zwei Wochen dauern und Besatzungen weiter Erfahrung mit dem Betrieb einer Raumstation sammeln lassen. In den nächsten Jahren sollen auch eine Rehe von neuen Raumstationen starten: Tiangong 2, dessen Start für 2013/2014 angesetzt ist, soll erstmals über Wasseraufbereitungsanlagen besitzen. Tiangong 3 soll nach 2015 starten und ist ein Versuchsmodell einer modularen Raumstation, mit deren Start man nicht vor 2020 rechnen kann. Dabei gleicht Tiangong 3 dem Kernmodul der modularen Station und soll diese verifizieren.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: CCTV, Raumcon, SpaceFlightNow.com)


» Sentinel: Private Sonde bald auf Asteroidensuche?
29.06.2012 - Eine US-amerikanische Stiftung plant, bis 2017 ein privat finanziertes Teleskop ins All zu schießen. Es soll Asteroiden suchen, die der Erde gefährlich werden könnten.
Das Weltraumteleskop Sentinel (Grenzwächter) soll einen blinden Fleck bei der Suche nach Asteroiden abdecken. Nach ihnen spähen nämlich bislang fast nur erdgestützte Teleskope. Doch ihnen entgeht alles, was sich aktuell hinter der Sonne bewegt.

Das 1,5 Tonnen schwere Teleskop soll deshalb ins innere Sonnensystem starten und nach einem Swingby-Manöver an der Venus rund 270 Millionen Kilometer von der der Erde entfernt postiert werden. Hier soll es einen ungetrübten Blick auf alle Asteroiden haben, die von der Erde nur schwer zu entdecken sind. Rund 90 Prozent aller Körper größer als 140 Meter soll Sentinel aus seinem Sonnenorbit aufspüren können. Der vermutete Einschlagskörper im sibirischen Tunguska aus dem Jahr 1908 dürfte nur unwesentlich kleiner gewesen sein. Vergleichbare Einschläge könnten bei rechtzeitiger Entdeckung heute abgewehrt werden.

Die Pläne für das private Teleskop sind bereits ausgearbeitet. - Sentinel soll mit kryogen gekühlten Infrarotsensoren ausgestattet sein, die besonders kalte und lichtschwache Objekte abbilden. Über einen 50 Zentimeter großen Spiegel soll es alle 26 Tage den Himmel komplett durchmustern, bevor es wieder von vorn beginnt. Am Ende sollen Forscher aus den Daten herausrechnen, wie sich die schwachen Lichtpunkte bewegen, um schließlich ihre Bahnen zu berechnen.

Zumindest technisch dürfte das Team der B612-Stiftung den Plan umsetzen können – trotz ihres Namen: B612 heißt der Heimatplanet des kleinen Prinzen im gleichnamigen Roman von Antoine de Saint-Exupéry. Für die Stiftung arbeiten allerdings ehemalige NASA-Astronauten, Astronomen und frühere Manager von Raumfahrtinstituten. Sie alle hätten erkannt, dass die öffentlichen Gelder für die US-Raumfahrt heute rar sind. „Sie sind, wie sie sind“, sagt etwa der Shuttle-Veteran und Stiftungsvorsitzende Ed Lu. Besonders bei planetaren Missionen hatte die NASA nach Budgetüberschreitungen in den letzten Jahren mehrfach gekürzt.

Für Sentinel muss die B612-Stiftung nun allerdings zahlungskräftige Geldgeber finden. Wissenschaftliche Forschung mithilfe von Spendern zu finanzieren, ist kein völlig neuer Ansatz. Doch in dieser Größenordnung ist es ein Novum: Einige hundert Millionen US-Dollar soll ihre Mission kosten. Der genaue Preis werde gerade mit dem Raumfahrtkonzern Ball Aerospace & Technologies verhandelt. Das Unternehmen spendierte vorab immerhin die aktuellen Pläne für Sentinel, da es selbst einige Erfahrung mit vergleichbaren Aufträgen von der NASA besitzt. Ball entwickelte zuvor das Infrarotteleskop Spitzer oder das milliardenteure James Webb-Teleskop.

Trotz dieser immensen Missionskosten preist die B612-Stiftung die großen Kostenvorteile ihres privaten Teleskops an. Immerhin sei der Betrag allein durch die Wahl der günstigen Rakete Falcon 9 des privaten Anbieters Space X stark verringert worden. Auch Fortschritte bei Bau und Betrieb von Bordcomputern und Infrarotsensoren mache Sentinel heute vergleichsweise günstig.

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Karl Urban - Quelle: B612 Foundation)



^ Nach oben

Mars Aktuell: Curiosity: Drittes Kurskorrekturmanöver durchgeführt von Redaktion



• Curiosity: Drittes Kurskorrekturmanöver durchgeführt «mehr» «online»
• Mars Odyssey sendet wieder Daten «mehr» «online»
• Marsrover Opportunity: Der Sol 3.000 beginnt «mehr» «online»


» Curiosity: Drittes Kurskorrekturmanöver durchgeführt
27.06.2012 - Die Sonde Curiosity hat auf ihrem Weg zum Mars am gestrigen Dienstag auch ihr drittes Kurskorrekturmanöver erfolgreich durchgeführt. Neben einer minimalen Veränderung der Fluggeschwindigkeit wurde dabei der Kurs der Raumsonde leicht verändert und auf das vorgesehene Landegebiet auf dem Mars ausgerichtet.
Laut einer Pressemitteilung des Jet Propulsion Laboratory (JPL) hat die Raumsonde Curiosity auf ihrem Weg zum Mars am gestrigen Dienstag ein drittes Kurskorrekturmanöver durchgeführt. Die im Anschluss an das Manöver von Curiosity an das JPL-Kontrollzentrum übermittelten Telemetriewerte und Veränderungen des Dopplersignals zeigen, dass das Manöver wie geplant durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen wurde.

Im Rahmen dieses als "Trajectory Correction Maneuver 3" (kurz TCM-3) bezeichneten Flugmanövers wurden vier der acht Manövertriebwerke der Raumsonde über einen Zeitraum von insgesamt 40 Sekunden aktiviert. Hierdurch wurde eine minimale Veränderung der Fluggeschwindigkeit um rund 50 Millimeter pro Sekunde und eine verbesserte Ausrichtung der Flugbahn in Richtung auf das angepeilte Ziel erreicht. Die gegenwärtige Flugbahn des nächsten Marsrovers der NASA zeigt nach dem Abschluss des TCM-3 mit einer Abweichung von weniger als 200 Kilometern auf den für den Atmosphäreneintritt vorgesehen Punkt der Marsatmosphäre.

Während der verbleibenden 39 Tage bis zur Landung auf dem Mars werden die für die Navigation der Raumsonde verantwortlichen Techniker und Ingenieure des JPL die weitere Flugbahn Curiositys permanent überwachen. Curiosity soll den Mars in den Morgenstunden des 6. August 2012 erreichen und um 07:31 MESZ unmittelbar südlich des Äquators im Inneren des Gale-Kraters landen (Raumfahrer.net berichtete).

Sollte sich in den kommenden Wochen zeigen, dass die aktuelle Flugbahn nicht optimal für das Erreichen der vorgesehenen Landezone auf dem Mars ausgerichtet ist, so besteht die Möglichkeit, in den letzten acht Tagen vor der Landung bis zu drei weitere Kurskorrekturmanöver durchzuführen.

Auf dem 567 Millionen Kilometer langen Weg zum Mars hat Curiosity bis zum heutigen 27. Juni über 494,3 Millionen Kilometer zurückgelegt. In den kommenden 39 Tagen müssen noch weitere rund 72,7 Millionen Kilometer überbrückt werden. Derzeit befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 197,2 Millionen Kilometern zur Erde. Die direkte Entfernung zum Mars beträgt dagegen rund 12,3 Millionen Kilometer.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Mars Odyssey sendet wieder Daten
28.06.2012 - Die Raumsonde Mars Odyssey befindet sich nach der Aktivierung eines Reserve-Reaktionsrades wieder in ihrem normalen Betriebsmodus.
Die von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marssonde Mars Odyssey hatte sich nach dem Auftreten eines Problems mit einem der drei für die Lageorientierung im Raum benötigten Reaktionsräder bereits am 8. Juni 2012 in einen vorsorglichen Sicherheitsmodus versetzt (Raumfahrer.net berichtete). Nach einer ausführlichen Analyse des zugrunde liegenden Problems und der Aktivierung eines Reserve-Reaktionsrades konnte Mars Odyssey den Sicherheitsmodus am 16. Juni 2012 verlassen (Raumfahrer.net berichtete).

Mittlerweile befindet sich der dienstälteste Marsorbiter der NASA wieder in seinem normalen Betriebsmodus. Bereits am vergangenen Montag wurden die beiden noch einsatzfähigen Instrumente des Orbiters, das Thermal Emission Imaging System (THEMIS) und das Gammastrahlen-Spektrometer, reaktiviert und begannen mit der erneuten Sammlung von wissenschaftlichen Daten. Am Mittwoch nahm der Orbiter schließlich auch erneut seine Funktion als Datenrelaisstation zwischen dem auf der Marsoberfläche operierenden Marsrover Opportunity und dem Deep Space Network (DSN) der NASA auf.

Die am 7. April 2001 an Bord einer Delta-II-Trägerrakete gestartete Raumsonde Mars Odyssey erreichte den Mars am 24. Oktober 2001 und trat unmittelbar darauf in eine Umlaufbahn um unseren äußeren Nachbarplaneten ein. Die Mission wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC geleitet.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net

Raumcon-Forum


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» Marsrover Opportunity: Der Sol 3.000 beginnt
01.07.2012 - Die Erfolgsgeschichte des Marsrovers Opportunity setzt sich auch weiterhin fort.
Am morgigen 2. Juli 2012 wird der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity - ursprünglich ausgelegt für eine Missionsdauer von lediglich 90 Sols, um 03:52 MESZ seinen Missionstag Sol 3.000 beginnen. Alleine die damit verbundenen technischen Leistungen und die Arbeiten aller direkt und indirekt in diese Mission involvierten Personen spotten jeder Beschreibung und überschreiten sämtliche Erwartungen, welche selbst die größten Optimisten in diese Mission gesetzt haben!

Trotz einer Vielzahl von zuvor nicht vorhersehbaren komplizierten Situationen und den daraus resultierenden Problemen, welche im Laufe der Jahre wieder und wieder die Fortsetzung der Opportunity-Mission in Frage stellten, war es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern, Ingenieuren und Rover-Drivern immer wieder möglich, die Funktionalität des Rovers seit seiner am 25. Januar 2004 erfolgten Landung auf dem Mars aufrecht zu erhalten. Dabei gelang es den an der Mission beteilten Wissenschaftlern immer wieder, neue Daten zu sammeln, welche den Kenntnisstand der Menschheit über die Entwicklungsgeschichte unseres äußeren Nachbarplaneten ungemein erweiterten. Eine ausführliche Berichterstattung über die bisherigen Aktivitäten Opportunitys und des mittlerweile leider nicht mehr aktiven Partner-Rovers Spirit finden Sie auf einer entsprechenden Sonderseite von Raumfahrer.net.

Am vergangenen Wochenende war der Marsrover Opportunity primär damit beschäftigt, mittels seines Gesteinsbohrers, dem Rock Abrasion Tool (RAT), ein Loch in die Oberfläche einer mit dem formellen Namen "Grasberg 1" versehenen Gesteinsformation zu bohren. Dieser Gesteinsaufschluss wurde vor und nach der erfolgten Bohrung intensiv mit zwei weiteren Instrumenten, den ebenfalls am Instrumentenarm des Rovers befestigten APXS-Spektrometer und einem Mikroskop, ausführlich untersucht. Die entsprechenden Analysen werden noch bis mindesten Anfang der kommenden Woche fortgesetzt. Nach dem Abschluss der Untersuchungen wird Opportunity seine Fahrt fortsetzen. Die Wiederaufnahme der Fahrt soll dabei - abhängig von der Qualität der während des Wochenendes angefertigten APXS-Messungen und Mikroskopaufnahmen - frühestens am kommenden Mittwoch, spätestens jedoch am kommenden Wochenende erfolgen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, UMSF, PLanetary Society)



 

^ Nach oben

ISS Aktuell: Landung: Andre Kuipers beendet PromISSe Mission von Redaktion



• Landung: Andre Kuipers beendet PromISSe Mission «mehr» «online»
• Presseveranstaltung zur PromISSe-Expedition «mehr» «online»


» Landung: Andre Kuipers beendet PromISSe Mission
01.07.2012 - Heute Morgen um 10:14 Uhr (MESZ) landeten die ISS Expedition-31 Crewmitglieder Oleg Kononenko, Don Pettit und Andre Kuipers sicher in der kasachischen Steppe. Damit endete nach 6 Monaten auch die ESA-Mission PromISSe.
Während der sechs-monatigen Forschungsmission konnte der niederländische ESA Astronaut Andre Kuipers allerhand erleben. Neben mehr als 50 durchgeführten Experimenten war er auch Zeuge beim ersten Kopplungsmanöver des neuen amerikanischen Frachttransporters Dragon. Auch den Andockvorgang des europäischen Frachters ATV-3 konnte er begleiten. Nun wird es zusammen mit dem amerikanischen Astronauten Don Pettit für weitere medizinische Untersuchungen nach Houston geflogen.

Als nächster ESA-Astronaut wird der Italiener Luca Parmitano an Bord der Sojus TMA-09M im Jahr 2013 zu ISS fliegen. Die Crew der ISS wird allerdings schon am 15. Juli beim Start von Sojus TMA-05M mit Kommandant Juri Iwanowitsch Malentschenko (5. Raumflug) von Roskosmos, Sunita Lyn Williams (2. Raumflug) von der NASA und Akihiko Hoshide (2. Raumflug) von der japanischen Weltraumorganisation JAXA wieder verstärkt.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: NASA, ESA)


» Presseveranstaltung zur PromISSe-Expedition
08.07.2012 - Etwa 1,5 Millionen Menschen haben am 1. Juli im niederländischen Fernsehen die Landung von André Kuipers in der Steppe in Kasachstan miterlebt. Mit 193 Tagen auf der ISS hat er einen Rekord für europäische Astronauten aufgestellt. Vor ein paar Tagen konnte auch die Presse erstmals Fragen stellen.
Als man ihn und seine Kollegen Oleg Kononjenko (Russland) und Don Pettit (USA) nach der Landung aus der Sojus-Kapsel gehoben hatte, machte er einen vergleichsweise fitten Eindruck und telefonierte erst mal mit seiner Familie. Vom Landeplatz ging es zuerst per Hubschrauber zum Flughafen nach Kasachstan, von dort aus zusammen mit Don Pettit nach Houston, wo er seine Familie wieder in die Arme schließen konnte und einiges an medizinischen Tests zu absolvieren hat.

Interessant ist natürlich: wie geht es einem, wenn man über 6 Monate in der Schwerelosigkeit verbracht hat? Nicht immer gleich gut. Das Laufen ist am Anfang noch schwierig. Die kurze Pressekonferenz und Begrüßungszeremonie am Flughafen in Kasachstan hat er nicht mitgemacht, weil ihm schwindelig wurde. Geschenke gab es für ihn aber trotzdem.

Am 6. Juli hatten Medien erstmals nach der Landung die Gelegenheit, von ESTEC Noordwijk aus per Satellitenverbindung mit Kuipers in Houston zu sprechen. Es war noch viel zu früh, nach Ergebnissen der Experimente zu fragen, da diese noch größtenteils laufen und ausgewertet werden müssen. Das wissenschaftliche Magazin „Nature“ hat gerade diese Woche erst Ergebnisse von Forschungen veröffentlicht, welche Kuipers 2004 während seiner Delta-Mission durchgeführt hatte; dies betraf Experimente an Fadenwürmern der Gattung C. elegans.

Größtenteils ging es während dieser Pressekonferenz um Kuipers’ Gesundheitszustand. Laufen ging wieder, aber ist die ersten paar Tage noch immer etwas schwierig. Die Muskelkoordination ist etwas gestört, auch die Blutdruckreflexe im Kopf haben sich ein halbes Jahr nicht geregt und bereiten jetzt Probleme, den Blutdruck im Kopf ordentlich zu koordinieren. Auch muss sich das Gleichgewichtsorgan wieder an die Schwerkraft gewöhnen; wenn man sich hinlegt, dreht sich einem alles. Es ist es ein etwas komisches Gefühl, aus der Kapsel zu kommen und nicht mehr laufen zu können; man wird beinahe aus der Kapsel noch einmal geboren und muss wie ein Baby neu wieder laufen lernen. Dass es ihm bei der Landung so gut ging, lag daran, dass alles während der Landung so gut lief.

Bloß war die Kapsel für ihn als relativ langen Menschen ziemlich eng, so dass er sich das rechte Bein eingeklemmt hatte. Dies war auf 5,5 km Höhe beim Abstoßen des Hitzeschildes passiert, wenn in der Kapsel die Sitze der Kosmonauten für die Landung aufrecht gestellt werden, wobei zum Dämpfen des Aufschlages ein Federmechanismus in Kraft tritt. Auch freute er sich, viele bekannte Gesichter zu sehen, musste aber auch aufpassen, seinen Kopf nicht zu sehr zu bewegen, weil ihm sonst schwindlig würde. Dass die Landung im Fernsehen so viele Zuschauer gehabt hat, hat er hinterher gehört, bloß hat er selbst nicht alles gemerkt, was um ihn herum passierte, weil er so konzentriert bei der Sache war. Die Landung war zweifellos der spannendste und riskanteste Moment des Fluges; man kriegt mehr G-Kräfte auszuhalten als beim Start (bis zu 4,7 G), man sieht beim Wiedereintritt draußen die Umgebung glühen und orange werden, wird in seinen Stuhl gedrückt, hört die Knalls beim Abtrennen des Orbital- und des Servicemoduls, wird beim Öffnen der Fallschirme hin und her geschleudert und sieht auf einmal 20 Bildschirme statt zweien, und die Landung selbst fühlt sich an wie bei einem Autounfall. Es war etwas anders, etwas heftiger als 2004 bei seinem ersten Flug, und er fühlte sich schwerer. Das lag aber daran, dass er diesmal nach 193 Weltraumtagen zurückkehrte und 2004 nach elf Tagen. Es war eine normale Landung, und es ist normal, dass es allen Astronauten nach Langzeitflügen erst mal schlecht geht.

Am meisten gefreut nach der Landung hatte er sich auf eine warme Dusche, ausserdem nach Ruhe, weil ja nach so einem Flug doch alles etwas hektisch läuft, und natürlich auf das Wiedersehen mit seiner Familie. Bloß mit der warmen Dusche sollte man am Anfang etwas vorsichtig sein; die Blutgefäße können sich dadurch weiten, und das Blut hat man eigentlich im Kopf ganz nötig.

Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er wohl gerne noch mal einen Flug machen, empfindet aber die lange Vorbereitungszeit vor dem Flug, die häufige Trennung von seiner Familie und die vielen Reisen als Nachteil, wogegen man das halbe Jahr, das man dann im Weltraum ist, beinahe nicht mehr merkt. Aber am schönsten im Weltraum sind das Schweben und die atemberaubende Aussicht. Am meisten vermisst man das dann auch auf der Erde. Man hat wohl auf der ISS seine eigene Kabine, wie klein die auch ist, seine Kollegen, macht aber sein eigenes Programm und bestimmt seinen eigenen Rhythmus mit Arbeiten, Essen und Freizeit.

Hier auf der Erde kommt Schwimmen dem Gefühl des Schwebens noch am nächsten. Zum Rehabilitationsprogramm gehört das Schwimmen auch, deshalb wird er in der Zukunft wohl häufig im Schwimmbad anzutreffen sein. Was die schöne Aussicht angeht: am schönsten fand er die Bahamas, dort war er aber schon tauchen. Außerdem gefielen ihm die Farben der Salzseen im Outback in Australien, die er gerne noch einmal besuchen möchte. Irgendwann, wenn man öfter nach draußen schaut, fängt man auch an, Dinge auf der Erde wiederzuerkennen.

Mit sechs Leuten lässt es sich auf der 80 m langen Raumstation mit dem Inhalt von 1200 m3 und den vielen Modulen gut aushalten; man hat seine eigene Kabine und es kann manchmal passieren, dass man einen ganzen Tag in einem Modul am Arbeiten ist und seine Kollegen nicht zu Gesicht bekommt. Auch sind die Aktivitäten auf dem russischen Teil und die im USOS, wo die amerikanischen und europäischen Aktivitäten stattfinden, getrennt. Man trifft sich wohl zwischendurch zum Essen und in der Freizeit. Streit gab es keinen, das Zusammenleben mit den Kollegen war ausgezeichnet.

Sein emotionalster Moment im Weltraum war: man hatte einen Traum, aber die Wirklichkeit ist dann anders. Man träumt z.B. sein Leben lang vom Weltraum, hat davon seit seiner Jugend ein bestimmtes Bild im Kopf, und wenn man dann da oben ist, fühlt man sich vielleicht körperlich nicht so gut, hat allerlei Geräusche um sich herum und ist man überwiegend professionell am Arbeiten. Zwischendurch ist es schön, wenn man Momente hat, in denen man wieder in diesen Traum zurück kommt: zum Beispiel, wenn man Zeit hat, sich die Aussicht anzuschauen. An einen Augenblick erinnert er sich ganz besonders: über Norditalien konnte er ganz Europa sehen, die Lichter von Irland und die Lichter von Kairo. Von der Cupola aus die Erde zu sehen ist immer wieder überwältigend, aber man kann von dort nachts auch ganz gut das Weltall sehen: ganz viele Sterne, ganz schön die Milchstrasse und die dunklen Flecken darin, die kleineren Galaxien, die Magellanschen Wolken und die Planeten, und dann fühlt man sich als Teil des Kosmos und merkt, dass es mehr gibt als die Erde.

Das erste Wiedersehen mit den Kindern nach einem halben Jahr könnte man sich vielleicht als einen Moment der Entfremdung vorstellen, das war aber nicht so. Kuipers hatte von der ISS aus jeden Tag die Möglichkeit, mit seiner Familie zu telefonieren, außerdem konnte man sich einmal pro Woche per Videokontakt sehen und sprechen, so haben sich die Kinder am Flughafen in Houston nicht gefragt: „wer ist der Onkel, der da aus dem Flugzeug kommt?“.

Die nächsten Tage und Wochen nach dem Flug ist Kuipers noch immer beschäftigt mit Untersuchungen über seine Körperfunktionen, um zu sehen, wie sich der Körper wieder neu an die Schwerkraft gewöhnt. Sofort am zweiten Tag muss man direkt wieder viele Reaktionstests und EKGs machen, Blutproben abgeben, Speichelproben angeben für Hormonuntersuchungen, danach Revalidationstraining im Schwimmbad und durch Physiotherapie, um den Gleichgewichtssinn wieder normal zu kriegen, und Debriefings mit allen missionsrelevanten Leuten in Houston, wie dem ESA-Management, Flight directors und anderen Dies kann auch zukünftigen Astronauten helfen. In Houston bleiben sie vier Wochen, danach passiert das Gleiche in Russland noch mal vier Wochen und danach noch mal vier Wochen in Köln. Bis zum Wochenende wird er noch in den Crew Quarters in Houston sein und seine Familie nur ab und an zu Gesicht bekommen, danach werden sie aber zusammen in der gemeinsamen Wohnung in Houston sein können.

Wahrscheinlich wird sein Körper genauso lange brauchen, sich wieder zu regenerieren, wie er im Weltraum gewesen ist, zum Beispiel hinsichtlich Kalkverlust in den Knochen. Die Körperfunktionen und die Erfahrungen von zurückkehrenden Astronauten kannte er schon und hat sie als Arzt schon wissenschaftlich untersucht, bevor er selbst Astronaut wurde; es war nun interessant für ihn, das alles selbst mitzuerleben und ist sich auch der Bedeutung bewusst, die die Untersuchungsergebnisse für die Wissenschaft haben. In Zukunft wird Kuipers in der Raumfahrt weiter arbeiten. Er rechnet nicht damit, noch mal in den Weltraum fliegen zu können, wird aber gerne andere Raumflüge von ESTEC, Köln oder München aus operationell unterstützen. Daneben würde ihn mal ein Aufenthalt in der Südpolstation Concordia interessieren, wo Leute bei -80 °C überwintern, oder auf der Unterwasserstation in Florida, wo manche Astronauten sich auf Raumflüge vorzubereiten. Das Abenteuer lockt also noch immer. Dass das für ihn wahrscheinlich der letzte Flug gewesen ist, findet er von der einen Seite her schade; von der anderen Seite her aber gibt es für ihn auf der Erde noch genug zu entdecken. Besonders angenehm war es für ihn jetzt auf dem Rückflug von Kasachstan, bei einer Zwischenlandung in Schottland kurz aus dem Flugzeug zu steigen und etwas Natürliches wie nasses Gras zu riechen. Davon wird er jetzt auf der Erde wieder öfter genießen können.

Klaustrophobie ist bei ihm im Weltraum nicht entstanden, obwohl er damit gerechnet hätte. Auf dem Boden, z.B. beim Training in der Kapsel oder sechs Stunden im Raumanzug im Wasserbecken, kriegt man diese Gefühle viel eher, auch wenn man sich irgendwann daran gewöhnt. Im Weltraum hat er kein einziges Mal Angstgefühle bekommen, auch wenn er es ein paar Mal versucht hat, das hervorzurufen. Einer der Höhepunkte der Mission war das Andocken von Dragon an die ISS. Dazu gehörte das Steuern der Dragon durch die ISS-Besatzung, sowie das Greifen und Manövrieren der Dragon mit dem ISS-Roboterarm, um sie schließlich andocken zu können.

An Bord hat Kuipers sich um 55 Experimente gekümmert. Bei manchen davon war er selbst Versuchskaninchen oder arbeitete selbst dran, bei anderen ist man als Astronaut einen halben Tag damit beschäftigt, sie einfach nur zu installieren, und dann werden sie von der Erde aus weiter gesteuert. Manche Experimente gingen schief durch kleine Fehler und technische Probleme, die dann von den Astronauten gelöst werden mussten. Manchmal musste Kuipers auch Experimente machen, die er auf dem Boden nicht trainiert hatte; das war aber auch interessant, man konnte dann den Prozeduren nachgehen und wusste dann, was wo liegt. Nach dem Mehrwert von Experimenten gefragt gegen das Geld, das da ausgegeben wurde, antwortete Kuipers, die seien natürlich von Universitäten und Instituten weltweit. Er hat europäische, amerikanische und japanische Experimente gemacht, die schon auf der Erde gemacht worden waren. Im Weltraum hat man eine gute Möglichkeit, die Experimente bei Schwerelosigkeit zu machen; Experimente sind aber nur ein Teil der ganzen Raumfahrt. Die ISS ist ein Laboratorium, aber auch ein Testzentrum für Innovationen und gibt die Möglichkeit, sich auf die Zukunft im Weltraum vorzubereiten und schon erste Schritte zur Erweiterung des menschlichen Horizonts zu machen. Außerdem tragen die Experimente bei zum Sammeln von Erkenntnissen für Wissenschaft und Technologie.

In den Niederlanden sind 2 Tage nach der Landung die Sparmassnahmen zur Raumfahrt zurückgedreht worden; auf die Frage, ob er sich dieses Einflusses bewusst sei und ob er das noch weiter machen wolle, sagte er, man werde bei der Selektion als Astronaut bewusst gemacht, dass man irgendwo auch „Botschafter“ seines Landes für die Raumfahrt wird und Teil eines Teams ist. Viele andere Leute beschäftigen sich mit der Raumfahrt, aber auf den Astronauten sind alle Augen gerichtet.

Ob er seine heutige Popularität benutzen wird, öfter in den Medien aufzutreten, kann er noch nicht sagen. Er hat zwar nach seinem ersten Flug an einer Fernsehsendung mitgearbeitet, hat aber ansonsten hauptsächlich seine Arbeit bei der ESA. Er schließt aber nicht aus, neben dieser Arbeit ab und zu etwas an Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

In der Zukunft hofft er, noch Menschen auf dem Mars und den Nachweis außerirdischen Lebens zu erleben.

Verwandte Meldungen:

Diskutieren Sie mit:


(Autor: Kirsten Müller - Quelle: Pressekonferenz)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #471
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
12. Juli 2012
Auflage: 4675 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Ian Benecken
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Thomas Hofstätter
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Mandy Kobs
Andreas Kurka
Timo Lange
Daniel Maurat
Ralf Möllenbeck
Kirsten Müller
Thomas Pallmann
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Peter Rittinger
Markus Rösken
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding
Julian Wohlstein

Kontakt / Impressum / Disclaimer

Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Karl Urban und David Langkamp.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2012 by Raumfahrer.net.