InSpace Magazin #468 vom 30. Mai 2012

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #468
ISSN 1684-7407


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Mars Express: Der Vulkan Hadriaca Patera

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Cassinis Saturnorbit Nummer 168

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SpaceX erfolgreich: Dragon auf dem Weg zur ISS

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Intro von Raumfahrer.net Redaktion

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

morgen soll der erste Flug der Dragon-Kapsel zur internationalen Raumstation um 17:44 MESZ mit einer Wasserung im Pazifik zu Ende gehen. Bereits einige Stunden früher erfolgt der Abflug von der Raumstation. Die Wasserung ist das Ende einer bisher sehr erfolgreichen Mission der Firma SpaceX im Rahmen des Commercial Orbital Transportation Services (COTS) Programms der NASA. Sollte auch der Abschluss gelingen, ist der Weg frei für die regulären amerikanischen Frachtversorgungsflüge ab Herbst diesen Jahres.

Ansonsten steht der Monat Juni vor der Tür, der natürlich auch wieder mehrere Höhepunkte zu bieten hat. Besonders freuen darf man sich auf den ersten bemannten Start der Chinesen zu ihrer Raumstation. Am 20. Juni soll das Raumschiff Shenzhou 9 abheben und einige Tage später an die chinesische Raumstation Tiangong-1 andocken. Des weiteren soll das Gammateleskop NuSTAR gestartet werden, es gibt einen weiteren Arianestart mit zwei Kommunikationssatelliten und die amerikanischen EELV Altas V und Delta IV beförden jeweils einen Spionagesatelliten für das NRO ins All.

Im Anhang finden Sie die Artikel der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Schmöckern und verpassen Sie nicht die Dragonlandung morgen Live auf NASA TV und mit aktuellen Informationen bei uns auf der Seite!

Ihre Raumfahrer.net Redaktion

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• Startet Dragon morgen zur Raumstation? «mehr» «online»
• Dragon-Start verschoben «mehr» «online»
• Die Untersuchung Schwarzer Löcher «mehr» «online»
• Die Radiogalaxie Centaurus A «mehr» «online»
• Iranische Hacker hatten Zugriff auf NASA-Netzwerk «mehr» «online»
• Chinasat 2A im All «mehr» «online»
• Chinesischer Kommunikationssatellit für Sri Lanka «mehr» «online»
• Yaogan 15 gestartet «mehr» «online»
• SpaceX gibt weiter Gas «mehr» «online»
• Venus zieht am 6. Juni an der Sonne vorbei «mehr» «online»


» Startet Dragon morgen zur Raumstation?
18.05.2012 - Nach vielen Verzögerungen soll es morgen endlich soweit sein: die erste US-amerikanische Kapsel soll zur ISS starten und diese drei Tage später erreichen.
Am Samstag um 10.55 Uhr MESZ soll eine von der Firma SpaceX entwickelte Raumkapsel Dragon zur ISS starten. Der vielerwartete erste Start eines Raumtransporters aus dem COTS-Programm (Commercial Orbital Transportation Services) hatte sich im Vorlauf häufig verschoben und war ursprünglich bereits für Ende 2009 geplant. Im Rahmen des COTS-Programms waren drei Demonstrationsflüge geplant: C1, C2 und C3. Nach dem erfolgreichen ersten Demonstrationsflug C1 im Dezember 2010 hatte SpaceX die NASA jedoch um die Erlaubnis gebeten, die verbleibenden Missionen C2 und C3 zu vereinen. Diesem Ersuchen ist die NASA in diesem Jahr nachgekommen. Die Rakete wurde heute zum Startplatz LC-40 am Cape Canaveral gerollt und aufgerichtet. Im Vorfeld gab es insbesondere Probleme bei der Software für die ISS-Annäherung. Diese wurden jedoch überwunden und das finale ISS-Review am 15. Mai hat die Software abgenommen. Gestern, am 17. Mai 2012, erfolgte das FRR (Flight Readiness Review), welches das "go" für den Start erteilte.

Die Mission

Bei diesem Flug müssen die Ziele der beiden Demonstrationsflüge C2 und C3 erfüllt werden. Konkret geht es bei C2 um den Aufbau der Kommunikation mit der Raumstation mittels der COTS UHF Communication Unit (CUCU). Weiter sollen Astronauten in der ISS der Dragon-Kapsel Befehle mittels des Crew Command Panel (CCP) geben und Dragon soll den Free-Drift-Modus demonstrieren, der notwendig ist, um mit dem ISS-Arm eingefangen zu werden. Die eigentliche ISS-Kopplung ist erst bei C3 geplant. Dabei nähert sich Dragon der ISS und die ISS-Crew testet verschiedene Befehle wie Abbruch, Freiflug und Annäherung an die ISS. Bei der Annäherung an die ISS kommt das Laser Imaging Detection and Ranging System (LIDAR), auch DragonEye genannt, zum Einsatz, das bei STS 127 getestet wurde. Bei dieser Demonstrationsmission werden insgesamt 460 kg Fracht zur ISS gebracht, darunter 306 kg Nahrung, 21 kg Nanoracks, 123 kg Cargobags und 10 kg Computer und Ausrüstung. Sollte der Start morgen stattfinden, ist das Koppeln mit der ISS für Dienstag geplant. Nach dem Erreichen der ISS soll die Fracht entladen werden und um den 5. Juni der Abflug mit 620 kg Fracht, die zur Erde zurückgebracht werden soll, erfolgen.

Dragon

Dragon ("Drache") ist der Raumtransporter von SpaceX. Er besteht aus zwei Komponenten: der Kapsel, in der die druckbeaufschlagte Fracht transportiert wird und dem "Trunk", der unter anderem für die Energieversorgung zuständig ist und nicht druckbeaufschlagte Fracht aufnehmen kann. Die Kapsel verfügt im Gegensatz zu allen anderen ISS-Frachtransportern über einen Hitzeschild und kann somit Fracht zur Erde zurückbringen.

Falcon 9

Falcon 9 ist eine Trägerrakete der mittleren Nutzlastklasse, welche laut Presskit 9.800 kg in einen ISS-Orbit transportieren kann. Sie hat einen Durchmesser von 3,66 m und eine Höhe von 48,1 m. Die Falcon 9 besteht aus zwei Stufen, welche beide flüssigen Sauerstoff und Kerosin als Treibstoffe verwenden. Die erste Stufe wird von 9 Merlin-1C-Triebwerken angetrieben, die einen Schub von 3,8 MN liefern. Die zweite Stufe verfügt über ein Merlin-Vac-Triebwerk, welches ein Merlin 1C mit größerer Düse ist. Dieses ist auch zweimal wiederzündbar.

COTS und CRS

COTS und CRS sind zwei von der NASA im Jahre 2006 gestartete Projekte, die die US-amerikanische ISS-Frachtversorgung an zwei private Anbieter auslagern. Dabei beinhaltet COTS die Entwicklung des Frachtransporters, wohingegen CRS (Commercial Resupply Services) das Programm für den Ankauf der Frachtdienstleistung beinhaltet. Für COTS war ursprünglich ein Budget von 500 Millionen vorgesehen, dieses wurde jedoch 2011 auf 800 Millionen erhöht. CRS hat einen finanziellen Rahmen von 3,5 Milliarden Dollar.

Als Anbieter wurden zunächst SpaceX und Rocketplane Kistler ausgewählt. Allerdings konnte Kistler im Jahr 2007 die Meilensteine nicht einhalten, worauf sich die NASA entschloss, die Übereinkunft mit Kistler aufzulösen. Als neuer zweiter Partner wurde 2008 Orbital Sciences ausgewählt. SpaceX bekommt dabei ca. 400 Millionen US-Dollar für COTS, wohingegen es bei Orbital ca. 300 Millionen sind. Beide Firmen haben einen Frachtversorungsvertrag für die ISS von 20 Tonnen Nutzlast. SpaceX soll 12 Flüge für 1,6 Milliarden Dollar durchführen, wohingegen Orbital 1,9 Milliarden Dollar für 8 Flüge bekommt.

Gesamtsituation bei SpaceX

Auf der heutigen Pressekonferenz hat SpaceX-Präsidentin Shotwell kurz Stellung zur finanziellen Situation von SpaceX bezogen. Demnach hat man bisher 1,2 Milliarden US-Dollar ausgegeben, wovon 680 Millionen in COTS geflossen sein sollen. Das Geld soll dabei nicht aussschließlich von der NASA gekommen sein. So will man 300 Millionen US-Dollar von kommerziellen Kunden eingenommen haben und 120 von externen Investoren angeworben haben. SpaceX verfügt inzwischen über ein großes Startmanifest mit vielen kommerziellen und internationalen Kunden, darunter auch große Satellitenbetreiber wie SES. Diesem beeindruckenden Startmanifest stehen jedoch Null Starts und weitere 2011 neu angekündigte Projekte gegenüber, worauf mehrere öffenliche Gegenkampagnen z.B. von PW Rocketdyne implizit und humorvoll hingewiesen haben.

Links:


(Autor: Tobias Willerding - Quelle: SpaceX, NASA)


» Dragon-Start verschoben
19.05.2012 - Durch eine Abweichung von einem der eingestellten Triebwerksparameter wurde der bereits in die Wege geleitete Start kurz nach Zündung der Triebwerke abgebrochen.
Nach Angeben von SpaceX hat ein Sensor einen zu hohen Druck im Triebwerk Nummer 5 der ersten Stufe gemessen. Die Überwachungscomputer haben daraufhin den Startvorgang automatisch unterbrochen und den Status der Rakete gesichert. Ein neuer Startversuch kann am Dienstag gegen 9.44 Uhr MESZ unternommen werden. Bis dahin wird man das Problem analysieren und Korrekturen vornehmen.

Beim zuvor absolvierten zweisekündigen Triebwerkstest am 30. April war dieses Problem offenbar nicht aufgetreten. Ob man Eingriffe an der Rakete vornehmen muss oder nur Parameter in der Überwachungssoftware geändert werden, wird noch bekannt gegeben. Eine erste Äußerung von Elon Musk klang zunächst nach letzterem. Auf einer aktuellen Pressekonferenz war hingegen davon die Rede, dass der erhöhte Brennkammerdruck eine echte Anomalie war. Bis zum Startabbruch verlief der Countdown hingegen offenbar planmäßig und auch das Wetter war für einen Start passend.

Die Rakete Falcon 9 verfügt in der ersten Startstufe über 9 Triebwerke des Typs Merlin 1C, die im Quadrat angeordnet sind, Nummer 5 ist das mittlere. Bisher hat die Falcon 9 zwei weitgehend erfolgreiche Teststarts mit kleineren Problemen absolviert. Der genaue Einschuss in die ISS-Bahn stellt aber höhere Anforderungen an die Genauigkeit der Bahn. Zudem sollen verschiedene Manöver durchgeführt werden, die mit einem erhöhten Treibstoffverbrauch im Dragon-Raumschiff verbunden sind. Neue Triebwerke könnten der Falcon 9 in Zukunft bessere Reserven ermöglichen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceX, NASA, Raumcon)


» Die Untersuchung Schwarzer Löcher
21.05.2012 - Ein internationales Astronomenteam nutzte für die Erforschung eines Schwarzen Lochs im Zentrum der Galaxie NGC 3783 im infraroten Spektralbereich das Very-Large-Telescope-Interferometer (VLTI) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Die Messmethode der Nahinfrarot-Interferometrie ermöglichte es dem Team, eine ringförmige Ansammlung von Staub in der inneren Region des Galaxienkerns aufzulösen.
In vielen Galaxienkernen wurden von den Astronomen in der Vergangenheit supermassive Schwarze Löcher entdeckt, deren Masse oftmals millionenfach größer ausfällt als die Masse unserer Sonne. Diese zentralen Schwarzen Löcher sind von einer sogenannten Akkretionsscheibe, einer heißen, hellen Scheibe aus interstellarem Gas und Staub umgeben. Zur Aufrechterhaltung der von diesen Scheiben ausgehenden hohen Leuchtkraft müssen diese ständig mit frischen Material versorgt werden. Dieses Material stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus einem Staubtorus, welcher die Akkretionsscheiben ringförmig umgibt.

Da dieser das Schwarzes Loch umgebende Staubtorus sehr kompakt ausfällt, stellt seine Untersuchung für die Astronomen eine sehr große Herausforderung dar. Detaillierte Untersuchungen der zentralen Staubansammlungen in Galaxien sind wichtig, um die Struktur des Staubtorus und seine Wechselwirkung mit der Akkretionsscheibe besser zu verstehen. Für die hierfür benötigte Winkelauflösung ist allerdings ein Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von mehr als 100 Metern nötig. Da solche Teleskope derzeit nicht verfügbar sind, stellt sich den Astronomen die Frage nach einer alternativen Lösung.

Eine Möglichkeit für eine erfolgreiche Analyse besteht darin, bei der Beobachtung eines Schwarzen Lochs mehrere Teleskope gleichzeitig auf das zu untersuchende Objekt auszurichten und das so "eingefangene" Licht zu überlagern. Durch diese als Interferometrie bezeichnete Methode können die Astronomen hochaufgelöste Daten über die Umgebung der Schwarzen Löcher gewinnen.

Ein von Prof. Dr. Gerd Weigelt vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn geleitetes internationales Wissenschaftlerteam berichtete jetzt in einem kürzlich in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" publizierten Artikel über die auf diese Weise erfolgte Untersuchung des Zentrums der im Sternbild Zentaur (lateinischer Name Centaurus) gelegenen Galaxie NGC 3783 im infraroten Spektralbereich. Für ihre Messungen verwendeten die Astronomen das Interferometrie-Instrument AMBER des Very-Large-Telescope-Interferometers (VLTI) der Europäischen Südsternwarte (ESO).

Die dabei angewandte Interferometriemethode ermöglicht eine extrem hohe Auflösung des untersuchten Objektes, welche sich proportional zum Abstand der verwendeten Teleskope verhält. Da der größte Abstand zwischen den vier Teleskopen des VLTI 130 Meter beträgt, kann mit ihnen eine Winkelauflösung erreicht werden, welche der theoretische Auflösung eines Teleskops mit einem Spiegeldurchmesser von 130 Metern entspricht. Das ist 15 mal besser als die Auflösung eines einzelnen VLTI-Teleskops, welche über einen Spiegeldurchmesser von acht Metern verfügen.

"Das VLTI der ESO eröffnet für uns eine einmalige Gelegenheit, unser Wissen über Galaxienkerne zu verbessern", so Prof. Dr. Weigelt. "Wir können damit faszinierende physikalische Prozesse mit einer bisher nicht erreichten Auflösung und über einen weiten infraroten Spektralbereich untersuchen. Genau das ist nötig, um die physikalischen Eigenschaften dieser Objekte zu erforschen."

Dr. Makoto Kishimoto vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie, einer der Co-Autoren der Studie, ergänzt: "Wir hoffen, in den nächsten Jahren noch viel mehr Informationen zu bekommen, indem wir bei noch kürzeren Wellenlängen, mit größerem Teleskopabstand und mit höherer spektraler Auflösung messen. Ganz besonders wichtig ist, dass es in einigen Jahren zwei weitere Interferometrie-Instrumente für das VLTI geben wird, die komplementäre Informationen liefern werden."

Für die Untersuchung des Zentrums der Galaxie NGC 3783 fertigten die Astronomen mit dem VLTI mehrere Tausend Interferogramme an, welche sich aus den Einzelaufnahmen von jeweils zwei beziehungsweise drei Teleskopen zusammensetzen. Dabei lagen die Abstände zwischen den eingesetzten Teleskopen im Bereich von 45 bis 114 Metern. Die Auswertung dieser Interferogramme ermöglichte es den Wissenschaftlern, den Radius des kompakten Staubtorus im Zentrum der rund 150 Millionen Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegenen Galaxie zu bestimmen.

Dabei wurde ein Winkelradius von 0,74 Milli-Bogensekunden ermittelt, was einem Radius des Torus von lediglich einem halben Lichtjahr entspricht. Kombiniert mit früheren Messungen in längeren Wellenlängenbereichen ermöglichten die im nahen Infrarot-Bereich erfolgten Messungen zudem die Ableitung wichtiger physikalischer Eigenschaften des Staubtorus von NGC 3783.

"Die hohe VLTI-Auflösung ist auch bei Untersuchungen von vielen anderen Schlüsselobjekten der Astrophysik wichtig", betont Karl-Heinz Hofmann, ein weiteres Mitglied des Astronomen-Teams. "Es ist klar, dass die Infrarot-Interferometrie die Infrarot-Astronomie in der gleichen Weise revolutionieren wird, wie in der Vergangenheit die Radiointerferometrie die Radioastronomie revolutioniert hat."

Raumcon-Forum:

Abstract des Fachartikels:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Institut für Radioastronomie)


» Die Radiogalaxie Centaurus A
23.05.2012 - Eine bereits letzte Woche von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt die Galaxie Centaurus A. Mit einer Gesamtbelichtungszeit von mehr als 50 Stunden dürfte es sich hierbei um die am tiefsten gehende Ansicht dieser ungewöhnlichen Galaxie handeln, welche Astronomen jemals aufgenommen haben.
Bei der Galaxie Centaurus A, auch bekannt unter der Bezeichnung NGC 5128, handelt es sich um eine elliptische Galaxie, in deren Zentrum sich ein supermassereiches Schwarzes Loch befindet. Die am 29. April 1826 von dem schottischen Astronomen James Dunlop entdeckte Galaxie befindet sich in einer Entfernung von etwa 12 Millionen Lichtjahren zu unserem Sonnensystem im Sternbild Zentaur (lateinischer Name Centaurus). Mit einer Winkelausdehnung von 25,7 x 20,0 Bogenminuten und einer scheinbaren Helligkeit von 6,6 mag gehört sie zu den hellsten Galaxien am Nachthimmel und kann bereits mit kleineren Teleskopen auch von Amateurastronomen erfolgreich beobachtet werden.

Für die professionellen Astronomen ist Centaurus A besonders deshalb von Interesse, da es sich bei dieser Galaxie um die nächstgelegene Radiogalaxie und zugleich um die dritthellste Radioquelle am Himmel handelt. Die von Centaurus A ausgehende Radiostrahlung konnte bereits in den 1950er Jahren nachgewiesen werden. Die Astronomen gehen davon aus, dass die Radiostrahlung von einem im Zentrum der Galaxie gelegenen supermassereichen Schwarzen Loch verursacht wird, welches über mehr als 100 Millionen Sonnenmassen verfügt. Zusätzlich ist Centaurus A eine starke Quelle von Röntgen- und Gammastrahlung.

Centaurus A wurde in den letzten Jahrzehnten von den Astronomen in diversen Wellenlängenbereichen - von Radiowellen bis hin zur Gammastrahlung - detailliert untersucht. Um die Wechselwirkung der energiereichen Strahlung aus dem zentralen supermassereichen Schwarzen Loch mit der direkten Umgebung des Schwarzen Loches besser zu verstehen, sind speziell die Radio- und Röntgenstrahlung von besonderem Interesse. Aber auch durch Untersuchungen im sichtbaren und infraroten Wellenlängenbereich des Lichts gewinnen die Astronomen neue Erkenntnisse über den Aufbau der Galaxie.

Die bereits am vergangenen Mittwoch von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme von Centaurus A wurde mit dem Wide Field Imager (WFI) am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop auf La Silla/Chile erstellt. Das Bild wurde aus einem Satz von WFI-Aufnahmen mit langer Belichtungszeit durch Rot-, Grün- und Blaufilter erstellt und durch Aufnahmen mit verschiedenen Spezialfiltern ergänzt, welche lediglich für das Licht leuchtenden Wasserstoffs und ionisierten Sauerstoffs durchlässig sind. Die Gesamtbelichtungszeit der verschiedenen Aufnahmen lag bei mehr als 50 Stunden. Dabei gelang es den Astronomen der ESO auch im sichtbaren Lichtbereich, jene jetartigen Strukturen in der Umgebung von Centaurus A deutlich abzubilden, welche in einer früheren Aufnahme des Wide Field Imager nur andeutungsweise auszumachen waren.

Auf der Aufnahme ist die elliptische Grundstruktur der Galaxie anhand ihres langgestreckten, lichtschwachen Außenbereichs erkennbar. Das Leuchten, welches weite Teiles des Blickfeldes ausfüllt, stammt von den mehreren Hundert Milliarden Sternen, aus denen sich Centaurus A zusammensetzt.

Im Gegensatz zu den meisten elliptischen Galaxien wird das optische Erscheinungsbild von Centaurus A allerdings durch ein breites, verschlissenes Band aus dunklem Material gestört, welches den Kernbereich der Galaxie verdeckt. Dieses dunkle Band enthält große Mengen an Gas, Staub und noch relativ jungen Sternen. An seinem oberen rechten und unteren linken Rand verraten zudem verschiedene helle und noch sehr junge Sternhaufen ihre Anwesenheit durch das rötliche Leuchten von Wolken aus interstellarem Wasserstoffgas, in deren Innerem sich weitere Sterne bilden. Einzelne Staubwolken heben sich dabei als dunkle Silhouetten vor dem Sternhintergrund ab.

In Kombination mit der starken von der Galaxie ausgehenden Radiostrahlung werden diese verschiedenen Strukturen als sichere Anzeichen dafür interpretiert, dass Centaurus A das Endresultat der Verschmelzung zweier ursprünglich unabhängig voneinander existierender Galaxien darstellt. Das Staubband stellt vermutlich die letzten Überreste einer Spiralgalaxie dar, welche einstmals einer massereicheren elliptischen Galaxie begegnete und dabei durch die Schwerkraft der größeren Galaxie vollständig zerrissen wurde.

Bei den rötlichen Strukturen oberhalb der linken Seite des Staubbandes (zu erkennen in der vergrößerten Darstellung des nebenstehenden Bildes) handelt es sich dagegen um Sternentstehungsgebiete, welche eine Vielzahl heißer und relativ junger Sterne enthalten. Die inneren Filamente weisen eine Entfernung von etwa 30.000 Lichtjahren zum Zentrum der Galaxie auf. Die äußeren Filamente liegen dagegen weiter außen und sind rund 65.000 Lichtjahre vom Kern entfernt.

Neben dem ästhetischen Wert dieser Aufnahme wurde mit der Erstellung der dafür verwendeten Einzelaufnahmen jedoch auch ein praktischer Zweck erfüllt. Anhand der Bilder, so die ursprüngliche Zielsetzung der beteiligten Astronomen, sollte überprüft werden, ob es möglich ist, im Rahmen von Himmelsdurchmusterungen mit bodengebundenen Teleskopen in weit entfernten Galaxien Veränderliche Sterne zu entdecken und diese zu überwachen. Im Fall von Centaurus A waren diese Bemühungen erfolgreich. Die Astronomen entdeckten auf den Bildern 200 bisher nicht bekannte Veränderliche Sterne. Diese Entdeckung wurde bereits im Jahr 2008 in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" publiziert.

Das MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop wurde im Jahr 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit einem besonders großen Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Aufnahmen, welche nicht nur von hohem wissenschaftlichen, sondern auch von besonderem ästhetischem Wert sind. Verschiedene höhere Auflösungen (bis zu 165,5 MB) des veröffentlichten Bildes finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der Europäischen Südsternwarte.

Raumcon-Forum:

Astronomy & Astrophysics:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» Iranische Hacker hatten Zugriff auf NASA-Netzwerk
23.05.2012 - Eine Gruppe von Hackern aus dem Iran behauptet, nicht ausreichend geschützte Informationen aus einem Computernetzwerk der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) gewonnen zu haben.
Der Branchendienst Space News meldet mit Datum vom 23. Mai 2012, dass die Hacker, angeblich Studenten, sich als Cyber Warriors Team bezeichnen. Sie wollen unter Ausnutzung einer seit längerem bekannten Sicherheitslücke in einem SSL für secure sockets layer genannten Datentransportprotokoll Zugriff auf Emails von tausenden NASA-Forschern und die Computeraccounts weiterer Nutzer gehabt haben.

Spezialisten für Computersicherheit des Softwareherstellers Kaspersky Lab sind nach Angaben der Securitynews Daily davon überzeugt, dass die Iraner eine Software zum automatischen Aufdecken von Sicherheitslücken, hier einen HTTPS-Protokollscanner, einsetzten, dem es ohne weiteres möglich war, das bei der NASA nicht geschlossene Leck zu identifizieren.

Die Securitynews Daily berichten außerdem, dass bei der NASA im März 2011 ein Notebook verloren gegangen sei, auf dem sich Algorithmen befunden hätten, die bei der Kontrolle der Internationalen Raumstation (ISS) zur Anwendung gekommen sind. Bei dem Rechner mit der Software zur ISS-Steuerung handelt es sich laut Securitynews Daily nicht um das einzige abgängige Gerät. Zwischen April 2009 und April 2011 sollen der NASA 48 Notebooks und mobile Endgeräte gestohlen worden sein.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Securitynews Daily, Space News)


» Chinasat 2A im All
27.05.2012 - Am 26. Mai 2012 wurde der chinesische Kommunikationssatellit Chinasat 2A in den Weltraum gebracht. Sein Ziel ist der Geostationäre Orbit ca. 35.786 Kilometer über dem Erdäquator.
Der Start erfolgte um 17.56 Uhr und 4 Sekunden MESZ vom Startkomplex Nr. 2 auf dem Startgelände Xichang (Xichang Satellite Launch Center, XSLC) in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. Es handelte sich um einen Nachtstart, vor Ort war es zu diesem Zeitpunkt kurz nach 23.56 Uhr Pekinger Zeit. Transportiert wurde der Satellit von einer dreistufigen Rakete des Typs Langer Marsch 3B/E (Chang Zheng-3B/E, CZ-3B/E). Sie flog nach chinesischen Angaben die 163. Mission einer Rakete aus der Serie Langer Marsch.

Chinasat 2A ist nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens dazu gedacht, einen Beitrag zur Befriedigung des wachsenden Bedarfs von Übertragungsmöglichkeiten von Radio- und Fernsehprogrammen und der Bereitstellung von Multimediadiensten in China zu leisten. Westliche Beobachter unterstellen dem Satelliten militärische Aufgaben. Das auf dem Satellitenbus DFH-4 basierende Raumfahrzeug wurde von der Chinese Academy of Space Technology (CAST) entwickelt.

Chinasat 2A ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.352 bzw. als COSPAR-Objekt 2012-028A.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CCTV, Xinhua)


» Chinesischer Kommunikationssatellit für Sri Lanka
28.05.2012 - Die Regierung von Sri Lanka ließ am 25. Mai 2012 vermelden, dass man über ein Privatunternehmen als Mittler den Bau und Start eines Kommunikationssatelliten bei einem chinesischen Partner beauftragt habe.
Dem neu gegründeten Unternehmen SupremeSAT (Pvt) Ltd. aus Sri Lanka wurden im Sinne der Umsetzung des Satellitenprojekts finanzielle Mittel in Höhe von zunächst 20 Millionen US-Dollar zugesichert. Bei entsprechendem Fortschritt könnten es nach Regierungsangaben aus Sri Lanka schließlich insgesamt 320 Millionen US-Dollar werden, die man für das Projekt bereitstellt.

Chinas 1980 gegründete internationale Vermarkterin von Trägerraketen und Satelliten, die China Great Wall Industry Corporation (CGWIC) mit Sitz in Peking, ist Partner von SupremeSAT und soll die Entwicklung und den Bau des Satelliten koordinieren und seinen Start organisieren. Im Jahr 2015 oder 2016 könnte der Satellit an Bord einer Rakete des Typs LM-3B/E bzw. CZ-3B/E eine Umlaufbahn um die Erde erreichen.

SupremeSAT beabsichtigt, das auf Basis des chinesischen Satellitenbus DongFangHong-4 (DFH-4) zu bauende Raumfahrzeug im Geostationären Orbit an einer Position bei 50 Grad Ost zu betreiben. Über den dreiachsstabilisierten Satelliten möchte man Netzwerk- und Breitbanddienste zur Verfügung stellen, außerdem ist beabsichtigt, mit seiner Hilfe spezielle Bedürfnisse von Telekommunikationsunternehmen, der Regierung von Sri Lanka und des Bildungsbereichs zu befriedigen.

Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua werden für die Belange Sri Lankas zur Zeit Transponder auf zwei chinesischen Satelliten eingesetzt. Ein eigener Satellit, möglicherweise mit der Bezeichnung SupremeSAT 1, bietet dem Inselstaat im Indischen Ozean sicher zusätzliche Perspektiven.

Verwandte Website:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: CGWIC, priu.gov.lk, Xinhua)


» Yaogan 15 gestartet
29.05.2012 - Vom chinesischen Raumfahrtzentrum Taiyuan startete heute morgen eine Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 4C mit einem staatlichen Fernerkundungssatelliten an der Spitze.
Der Start von Yaogan 15 erfolgte gegen 9.31 Uhr MESZ. Wenige Minuten später befand sich die Nutzlast im sonnensynchronen Zielorbit in einer Höhe von etwa 1.200 Kilometern bei einer Bahnneigung von ca. 100 Grad.

Der Satellit soll nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua für wissenschaftliche Experimente, Landvermessung, Landwirtschaft und Katastrophenvermeidung verwendet werden. Er verfügt dazu über optische Systeme, zwei Solarzellenpaneele zur Energieversorgung sowie Kommunikationsanlagen.

Staatliche Satelliten der Yaogan-Serie werden sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt. Aus diesem Grund werden nur wenige Angaben zur Ausrüstung und Nutzung veröffentlicht.

Der heutige Start war der 9. chinesische in diesem Jahr, bei denen insgesamt 11 Satelliten in Erdumlaufbahnen transportiert wurden. Außerdem war dies der 28. erfolgreiche Raumfahrtstart 2012.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua, Skyrocket, Raumcon)


» SpaceX gibt weiter Gas
29.05.2012 - Die letzten Tage brachten für die US-Firma nicht nur einen erfolgreichen Flug ihres Dragon-Raumschiffes zur ISS. Am Boden werden fleißig Neuentwicklungen getestet, Allianzen geschmiedet und Kunden gewonnen.
Neuester Coup ist die Unterzeichnung einer Vereinbarung durch Intelsat, einen geostationären Satelliten mit einer Falcon Heavy zu starten, wenn die Trägerrakete gründliche Flugtests erfolgreich absolviert hat. Intelsat ist einer der führenden Betreiber geostationärer Kommunikationssatelliten weltweit.

Vor zwei Wochen hatte Space Exploration Technologies (SpaceX) eine Vereinbarung mit Bigelow getroffen, die eine Zusammenarbeit beim Betrieb einer Bigelow-Station anvisiert. Die Falcon Heavy wäre mit einer projektierten Nutzlastkapazität von 53 Tonnen für erdnahe Umlaufbahnen auch für den Start großer entfaltbarer Raumstationsmodule geeignet. Außerdem entwickelt SpaceX seinen gegenwärtig erstmals an der ISS angekoppelten Frachter Dragon zu einem bemannten Raumschiff weiter.

In den letzten Wochen waren auch verbesserte Triebwerke getestet worden. Super Draco soll im Dragon-Raumschiff für im Notfall erforderliche Fluchtmanöver bei Problemen mit einer Trägerrakete verwendet werden und für die Rettung der Besatzung sorgen. Außerdem überlegt man auch, diese Triebwerke bei der Landung der Dragon-Kommandokapsel ohne Unterstützung durch Fallschirme einzusetzen.

Ebenfalls im Test befindet sich das Triebwerk Merlin 1D, eine Weiterentwicklung des gegenwärtig in der Falcon 9 eingesetzten Merlin 1C. Mit verlängerter Erststufe und vergrößertem Tankvolumen würde sich die Nutzlastkapazität der Falcon 9 deutlich erhöhen oder Sicherheitsreserven bei Triebwerksausfällen bieten. Drei der vergrößerten Erststufen mit verbesserten Triebwerken sollen dann die Basis der Falcon Heavy bilden, die bereits 2013 erstmals getestet werden könnte.

Schließlich präsentierte Elon Musk ein Bild von einem Landegestell, genannt Grashopper (Grashüpfer), welches bei der Landung der Erststufe nach erfolgreichem Start eingesetzt werden soll. Damit will man die Erststufe für eine Wiederverwendung fit machen, was unter Umständen die Startpreise senken könnte.

Währenddessen entladen Raumfahrer an Bord der Internationalen Raumstation die Fracht des ersten Drachens, der dort angelegt hat. Dragon soll am 31. Mai wieder von der Raumstation gelöst werden und seine Kommandokapsel im Pazifischen Ozean wassern. Die Abbremsung erfolgt aerodynamisch und in der Endphase über mehrere Fallschirme. Mehr als 600 kg Fracht sollen so auf die Erde zurück transportiert werden.

Gestern wurde zudem der hohle Rumpfteil des Dragon-Raumschiffes mit einer Kamera am Ende des Stationsmanipulatorsystems Canadarm2/Dextre unter die Lupe genommen. Hier sollen bei späteren Missionen Außennutzlasten für die ISS transportiert werden können. Dieser Teil wird nach dem Ablegen von der Station abgetrennt und verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Bei der gegenwärtigen Mission dient er als Wärmeabstrahler und Träger für die beiden Solarzellenpaneele des Dragon-Raumschiffs.

Verwandte Meldungen bei Raumfahrer.net:

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceX, NASA, Hobbyspace, Raumcon)


» Venus zieht am 6. Juni an der Sonne vorbei
30.05.2012 - Auf der ganzen Welt bereiten sich Astronomen auf das seltene Ereignis vor. War der letzte Venustransit noch im Juni 2004, wird der nächste erst wieder im Jahr 2117 stattfinden. Also definitiv eine einmalige Gelegenheit, die Sie nicht verpassen sollten. Wir zeigen Ihnen, was zu tun ist, um in den Genuss der Beobachtung zu kommen.
Es muss einiges stimmen, damit wir auf der Erde das Vorbeiziehen der Venus an der Sonne beobachten können. Nur wenn die Bahn der Venus genau im Sichtfeld zwischen Erde und Sonne liegt, kann es überhaupt eine Möglichkeit geben, etwas zu sehen. Doch nicht nur die Bahn muss stimmen, auch Venus muss zum gleichen Zeitpunkt an dieser Stelle ihrer Bahn auftauchen. Da die Umlaufbahn der Venus eine geringfügig andere Neigung als die der Erde aufweist, sind derartige Transits sehr selten. Sie treten paarweise im Abstand von jeweils acht Jahren auf, dann allerdings über ein Jahrhundert lang nicht mehr.

Vergangene Transits brachten neue Erkenntnisse

In der Vergangenheit konnte die Menschheit viel von dem Transit der Venus lernen. Im 18. Jahrhundert maß man an verschiedenen Orten die Zeit, die Venus für einen Vorbeiflug an der Sonne benötigte. Durch die Anwendung einfacher Trigonometrie konnten man so den Abstand der Erde zur Sonne messen. Doch das war nicht alles. Durch genauere Beobachtung mit den ersten Teleskopen konnte auch ein leuchtender Halo am Rand des Planeten ausgemacht werden, ein erster Beweis für die Existenz einer Venus-Atmosphäre wurde erbracht.

Mit Transits auf der Jagd nach einer zweiten Erde

Transits sind nicht nur für die Erforschung unseres Sonnensystem wertvoll. In den Tiefen des Alls wurden durch diese Ereignisse schon Planeten um andere Sonnen gefunden. Die sogenannten Exoplaneten verdecken dabei einen Teil vom eintreffenden Licht ihres Sterns und besitzt dieser Planet eine Atmosphäre, verändert diese das bei uns ankommende Licht. Durch das Erstellen eines genauen Spektrums vom empfangenen Licht kann sogar nachgewiesen werden, aus welchen Stoffen die Atmosphäre des fernen Planeten besteht. Die Passage am 6. Juni versetzt Astronomen nun in die Lage, diese Techniken weiter zu testen und bereits vorhandene Daten zu ergänzen, um in Zukunft noch präziser Exoplaneten zu jagen, auf der Suche nach einem erdähnlichen Planeten.

Transit mit bloßem Auge sichtbar - Aber Vorsicht!

Auf keinen Fall dürfen Sie mit bloßem Auge, einer Sonnenbrille oder durch ein Teleskop direkt in die Sonne schauen. Wenn am 6. Juni bei uns die Sonne aufgeht, nur mit speziellen Sofi-Brillen (Sofi = Sonnenfinsternis) in ihr Richtung blicken. Eine kurze Recherche bei google bringt Sie zu einem Händler, der diese günstig (unter 10 €) anbietet. Zwar können wir in Europa nur noch das Ende dieses Transits beobachten, aber bei gutem Wetter wird definitiv etwas zu sehen sein. Gleichzeitig wird die ESA von Spitzbergen, wo die Sonne um diese Jahreszeit niemals untergeht, live berichten und faszinierende Bilder von der Sonne zu uns nach Hause schicken. Zu gegebener Zeit einfach auf www.esa.int gehen und nach Sonnenaufgang mit Sonnenfinsternisbrille bei gutem Wetter selbst rausgehen und staunen. Der komplette Transit ist von 0.04 Uhr MESZ am 6. Juni bis 6.52 Uhr MESZ zu beobachten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Sonne zwischen 4.40 Uhr und 5.40 Uhr MESZ aufgehen. Also früh aufstehen für dieses, zumindest in unserem Leben, letzte Schauspiel dieser Art!


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(Autor: Klaus Donath - Quelle: ESA)



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Mars Aktuell: Mars Express: Der Vulkan Hadriaca Patera von Redaktion



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» Mars Express: Der Vulkan Hadriaca Patera
21.05.2012 - Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen den Vulkan Hadriaca Patera auf dem Mars. Mehrere Talsysteme in dessen Umgebung haben sich vor mehreren Milliarden Jahren unter der Einwirkung von Wasser gebildet.
Bereits seit Beginn des Jahres 2004 umkreist die von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express unseren äußeren Nachbarplaneten, den Mars, und untersucht diesen mit insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumenten. Speziell die High Resolution Stereo Camera (HRSC) versorgt dabei sowohl die an der Mission beteiligten Wissenschaftler als auch die interessierte Öffentlichkeit immer wieder mit faszinierenden Detailaufnahmen der Planetenoberfläche.

Dabei geriet auch die auf der südlichen Planetenhemisphäre gelegene Region rund um den Vulkan Hadriaca Patera des öfteren in das Aufnahmefeld der HRSC-Kamera. Bei dem Hadriaca Patera handelt es sich um einen Schildvulkan, welcher östlich des Impaktbeckens Hellas Planitia gelegen ist. Mit einem Durchmesser von über 300 Kilometern an seiner Basis ist dieser Vulkan in seiner Ausdehnung mit der Inselkette Hawaii, der größten Vulkaninsel auf der Erde, vergleichbar.

Im Gegensatz zu anderen Schildvulkanen auf dem Mars erreicht Hadriaca Patera allerdings lediglich eine Höhe von etwa einem Kilometer über das umliegende Gelände. Damit gehört der Hadriaca Patera zu einer besonderen Klasse von Vulkanen auf dem Mars - den sogenannten "Paterae" (lat. Patera: flache Schale).

Unmittelbar südlich des Hadriaca Patera verlaufen drei markante Flusssysteme: das Dao Vallis, das Niger Vallis und das Harmakhis Vallis (lat. Vallis: Tal). Diese drei Flusstäler sind - wie auch alle anderen marsianischen Flusssysteme - in der Gegenwart ausgetrocknet. Allerdings gehen die Planetologen davon aus, dass diese Flusssysteme vor sehr langer Zeit - die Rede ist hierbei von einem Zeitraum von vor bis zu 3,5 Milliarden Jahren - zumindestens zeitweise Wasser führten.

Der Prozess, welcher zur Entstehung der Talsysteme führte, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Analog zu dem Geschehen auf der Erde könnten die Täler infolge von ausgedehnten und über längere Zeiträume erfolgenden Regenfällen ausgespült worden sein. Hierfür wäre allerdings erforderlich, dass der Mars über einen längeren Zeitraum über ein Klima verfügte, welches das Auftreten von Wasser im flüssigen Aggregatzustand ermöglichte.

Eine alternative Theorie geht davon aus, dass es sich bei dem einwirkenden Wasser um Grundwasser handelte, welches - gespeist aus längerfristig existenten unterirdischen Quellen - lediglich sporadisch und in verschiedenen Zeitaltern an die Oberfläche austrat. Eine weitere Hypothese besagt, dass die Täler durch Wasservorkommen geformt wurden, welche durch abrupt abschmelzendes, zuvor unter der Planetenoberfläche befindliches Eis freigesetzt wurden. Dieses könnte zum Beispiel in Folge der bei vulkanischen Aktivitäten auftretenden Wärme geschmolzen sein.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin)


» Opportunity: Die nächste Etappe beginnt
26.05.2012 - Der Marsrover Opportunity profitiert mittlerweile von einer sich immer weiter verbessernden Energiesituation und wird seine Fahrt nach einer mehrtägigen Unterbrechung in wenigen Stunden fortsetzen.
Der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity hatte aufgrund des anstehenden Marswinters und der daraus resultierenden sinkenden Energiereserven bereits im Dezember 2011 eine Position an einem Hang des am Rande des Endeavour-Kraters gelegenen Cape York bezogen und dort die letzten Monate ohne weitere Fahrten verbracht (Raumfahrer.net berichtete).

Neben der Analyse des Gesteinsaufschlusses "Greeley Haven", so der Name für Opportunitys bisheriges Winterquartier, durch ein Mikroskop und zwei Spektrometer und einem "Radio Science"-Experiment zur Untersuchung des inneren Aufbaus unseres Nachbarplaneten wurden die letzten Monate von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern auch dazu genutzt, um die Umgebung des Rovers mittels der zur Verfügung stehenden Kamerasysteme ausführlich abzubilden.

Dabei entstand auch das nebenstehende Bild. Im Vordergrund sind die verstaubten Solarpaneele des Rovers und ein von Opportunity geworfener Schatten zu erkennen. Der hintere Teil des Bildes wird dagegen von dem in östlicher Richtung gelegenen Bassin des 22 Kilometer durchmessenden Endeavour-Kraters dominiert.

Es handelt sich um eine Falschfarbenaufnahme, welche es den Wissenschaftlern ermöglicht, Unterschiede in der mineralogischen Zusammensetzung des Bodens hervorzuheben. Neben einem Dünenfeld, welches im sichtbaren Licht relativ dunkel erscheint, ist hier auch der sehr flach ausfallende Zentralberg im Inneren des Kraters andeutungsweise erkennbar.

Der Großteil der für dieses Mosaik verwendeten Einzelaufnahmen wurde von der Panoramakamera des Rovers am 9. März 2012, dem Sol 2.888 der Mission, zwischen 16:30 und 17:00 lokaler Marszeit angefertigt. Hierbei wurden Spezialfilter eingesetzt, welche das Licht bei Wellenlängen von 753 Nanometern (nahes Infrarot), 535 Nanometern (grün) und 432 Nanometern (violett) wiedergeben. Größere Versionen des Bildes mit Auflösungen von bis zu 14 MB finden Sie auf der entsprechenden Internetseite des JPL.

Nach seiner am 9. Mai 2012 erfolgten Abfahrt von Greeley Haven (Raumfahrer.net berichtete) bewegte sich Opportunity im Rahmen mehrerer kurzer Fahrten um etwa 15 Meter in die nördliche Richtung. Das Ziel war eine als "North Pole" bezeichnete Oberflächenformation, bei der es sich um eine Konzentration von Staubpartikeln auf der Planetenoberfläche handelt.

Ab dem 19. Mai wurde diese Staubansammlung ausführlich mit dem Mikroskop und dem APXS-Spektrometer untersucht. Nach dem Abschluss dieser Analysen wird der Rover seine Fahrt am morgigen Sonntag, dem Sol 2965 der Mission fortsetzen. Dabei soll Opportunity in den kommenden Tagen und Wochen im nördlichen Bereich des Cape York nach weiteren Gipsadern Ausschau halten und diese anschließend näher untersuchen.

Zugute kommt dem Rover dabei die sich immer weiter verbessernde Energiesituation. Auch in den letzten Tagen konnte Opportunity von mehreren so genannten "Cleaning Events" profitieren. Hierbei handelt es sich um kurzen Windstößen, welche einen Teil des auf der Oberseite des ausschließlich mit Solarenergie betriebenen Rovers abgelagerten Staubes wegwehten.

Hier ein Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des Rovers.

  • 23.05.2012: 0,395 kWh/Tag , Tau-Wert 0,387 , Lichtdurchlässigkeit 55,90 Prozent
  • 16.05.2012: 0,359 kWh/Tag , Tau-Wert 0,423 , Lichtdurchlässigkeit 53,20 Prozent
  • 09.05.2012: 0,357 kWh/Tag , Tau-Wert 0,476 , Lichtdurchlässigkeit 52,60 Prozent
  • 01.05.2012: 0,365 kWh/Tag , Tau-Wert 0,480 , Lichtdurchlässigkeit 53,40 Prozent

Auch die gegenwärtige Wetterlage auf dem Mars stellt kein Problem für den Rover Opportunity dar. Entsprechend der aktuellen Jahreszeit - auf der nördlichen Hemisphäre herrscht gerade Sommer - führt die fortschreitende Sublimation der nördlichen Polarkappe zu einem Anstieg des Mengenanteils des in der Marsatmosphäre enthaltenen Wasserdampfes. Diese erhöhte Wasserdampfkonzentration äußert sich in der Bildung von Wolken aus Wassereiskristallen in der Äquatorregion des Mars.

Speziell konnten diese Wolken während der letzten Woche über den Gipfeln der größeren Vulkane der Tharsis-Region und in der Umgebung des Valles Marineris beobachtet werden. Verschiedene lokal begrenzte und sehr kurzlebige Staubsturmgebiete konnten zudem weitab vom Standort des Rovers über dem Solis Planum im südöstlichen Bereich der Tharsis-Region registriert werden.

Bis zum heutigen Tag, dem Sol 2964 der Mission, hat Opportunity insgesamt 34.380,58 Meter auf der Oberfläche des Mars zurückgelegt und dabei über 168.100 Bilder von der Oberfläche und der Atmosphäre des Roten Planeten aufgenommen und an sein Kontrollzentrum in Pasadena/Kalifornien übermittelt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Malin Space Science Systems)



 

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Saturn Aktuell: Cassinis Saturnorbit Nummer 168 von Redaktion



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» Cassinis Saturnorbit Nummer 168
26.05.2012 - Am 28. Mai 2012 beginnt der mittlerweile 168. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Dabei wird sich die Raumsonde dem Mond Titan am 7. Juni bis auf eine Entfernung von 959 Kilometern nähern und mit verschiedenen Instrumenten untersuchen.
Am 28. Mai 2012 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 07:16 MESZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum zweitgrößten Planeten innerhalb unseres Sonnensystems, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,2 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden und damit zugleich ihren mittlerweile 168. Umlauf um den Ringplaneten beginnen. Den Höhepunkt dieses Orbits, er trägt die Bezeichnung "Rev 167", bildet ein gesteuerter Vorbeiflug an dem Saturnmond Titan, welcher am 7. Juni in einer Entfernung von 959 Kilometern passiert werden wird.

Die für die Steuerung der Raumsonde verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) wollen diese nahe Mondpassage dazu nutzen, um die Inklination der Raumsonde zu verändern und Cassini in eine Umlaufbahn um den Saturn manövrieren, welche über eine deutlich größere Neigung gegenüber der Äquatorebene des Planeten verfügt. Die aktuelle Bahnneigung von rund 16 Grad wird dabei auf einen Wert von 21,1 Grad erhöht werden. Bis Mitte 2013 soll die Neigung der Umlaufbahn im Rahmen verschiedener weiterer Titan-Passagen in mehreren Schritten sogar auf fast 62 Grad erhöht werden. Dieser Flugverlauf ermöglicht den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in den kommenden Monaten eine detaillierte Untersuchung der Polarregionen des Saturn. Zusätzlich wird auch das Ringsystem des Saturn von den abbildenden wissenschaftlichen Instrumenten der Raumsonde zukünftig in seiner "Gesamtheit" besser erfasst werden können als bisher.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem der insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 19 Tage dauernden Orbits insgesamt 51 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Die ISS-Kamera wird den wissenschaftlichen Betrieb während des Orbits Nummer 168 am 29. Mai aufnehmen. Das Ziel der Beobachtung wird die nördliche Saturnhemisphäre und das immer noch dort befindliche, mittlerweile aber stark abgeschwächte Sturmgebiet sein. Bis zum 17. Juni sind insgesamt 24 solcher jeweils nur wenige Minuten andauernde Beobachtungssequenzen vorgesehen, mit denen die aktuelle Ausdehnung und Entwicklung des Sturmgebietes dokumentiert werden soll.

Ebenfalls am 29. Mai sollen zudem mehrere der kleineren inneren Saturnmonde im Rahmen sogenannter astrometrischer Beobachtungen abgebildet werden. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen der jeweiligen Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der anzufertigenden Aufnahmen der Monde Epimetheus, Telesto, Atlas, Calypso, Polydeuces und Daphnis besteht darin, die derzeit verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können. Eine weitere astrometrische Beobachtungskampagne wird am 2. Juni die Monde Helene, Pallene, Janus, Pan und Polydeuces zum Ziel haben.

Im Anschluss an die Kampagne vom 29. Mai wird sich die ISS-Kamera auf den kleinen, äußeren Saturnmond Ymir ausrichten und diesen aus einer Entfernung von rund 15 Millionen Kilometern über einen Zeitraum von 10 Stunden und 30 Minuten mehrfach abbilden. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn, seinem Durchmesser von etwa 18 Kilometern und seiner relativ hohen mittleren Dichte von 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter, welche auf eine Zusammensetzung aus Wassereis mit einem hohen Anteil an Silikatgestein hindeutet, ist über diesem erst im Jahr 2000 entdeckten Saturnmond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung ergebenden Lichtkurve und einem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtungssequenz ist ein Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben den Rotationsgeschwindigkeiten der Monde wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen. Entsprechende Ergebnisse wurden Anfang Oktober 2011 auf dem EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem internationalen Planetologen-Kongress, im französischen Nantes präsentiert.

Bis zum 2. Juni wird auch der größte der Saturnmonde, der 5.150 Kilometer durchmessende Mond Titan, mehrfach in den Fokus der ISS-Kamera geraten. Die Wissenschaftler wollen die aus mehreren Millionen Kilometern Distanz anzufertigenden Aufnahmen dazu nutzen, um auch hier das aktuelle Wettergeschehen zu dokumentieren. Aufgrund der Veränderungen in eventuell zu beobachtenden Wolkenstrukturen lassen sich so zum Beispiel die vorherrschenden Windströmungen und -geschwindigkeiten ermitteln.

Am 5. Juni wird Cassini um 06:53 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn während des 168. Orbits, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich die Raumsonde 126.590 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Während dieser Phase gilt das spezielle Interesse dem Mond Mimas, welcher bereits wenige Minuten später im Rahmen eines nicht zielgerichteten Vorbeifluges in einer Entfernung von 43.563 Kilometern passiert und durch die ISS-Kamera abgebildet werden wird. Parallel dazu wird das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) eingesetzt, um die nördliche Hemisphäre des Mondes zu untersuchen.

Außerdem soll bei dieser Gelegenheit der A-Ring des Saturn näher untersucht werden. Das besondere Interesse gilt hierbei den sogenannten "Propeller-Strukturen", welche durch gravitative Anomalien innerhalb des Ringsystems erzeugt werden. Verantwortlich hierfür sind sogenannte "Moonlets" - lediglich mehrere hundert Meter durchmessende Minimonde. Alleine im Bereich des A-Ringes befinden sich mehrere Tausend solcher Propellerstrukturen. Die Beobachtung am 4. und 5. Juni dient der Katalogisierung dieser Strukturen. Durch ihre Untersuchung erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Prozesse, welche zur Bildung der Saturnringe geführt haben.

Am 7. Juni wird Cassini den Mond Titan um 02:07 MESZ mit einer Geschwindigkeit von 5,9 Kilometern pro Sekunde in einer Entfernung von 959 Kilometern passieren und mit verschiedenen Instrumenten analysieren. Während der Anflugsphase werden dabei das CIRS-Spektrometer und das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS) auf die Nachtseite des Titan ausgerichtet sein und die Oberfläche und die oberen Atmosphärenschichten des Mondes untersuchen. Die ISS-Kamera wird dabei unterstützende Daten im Bereich des sichtbaren Lichts liefern.

Während der Phase der dichtesten Annäherung wird das RADAR-Instrument der Raumsonde aktiviert und die Mondoberfläche abtasten. Durch diese Untersuchung wollen die Wissenschaftler eine bisher bestehende Datenlücke füllen und ihre Kenntnisse über die Topografie der nördlichen Titanhemisphäre vervollständigen. In der Abflugphase werden schließlich das CIRS und das Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS) auf Titan gerichtet. Diese Messungen dienen unter anderem der Ermittlung der vorherrschenden Oberflächentemperatur. Begleitend dazu soll die ISS-Kamera den Mond erneut abbilden und Wolkenformationen in dessen Atmosphäre wiedergeben. Die entsprechende ISS-Kampagne wird bis zum 8. Juni andauern.

Während der folgenden Tage sind verschiedenen weitere astrometrische Beobachtungen der inneren, kleineren Saturnmonde sowie meteorologische Beobachtungen des Titan und des Saturn vorgesehen, welche durchweg aus größeren Entfernungen erfolgen werden. Am 16. Juni wird Cassini die Suche nach weiteren bisher noch nicht entdeckten Saturnmonden fortsetzen. Zu diesem Zweck soll die ISS- Kamera die Region um den Lagrange-Punkt L5 des Mondes Titan abbilden, welcher sich 60 Grad hinter dem Titan befindet.

An den fünf Lagrangepunkten heben sich die Gravitationskräfte benachbarter Himmelskörper und die Zentrifugalkraft der Bewegung gegenseitig auf. Dadurch entstehen an diesen Punkten Zonen mit einem niedrigen Gravitationspotenzial. Drei der Lagrange-Punkte, nämlich L1, L2 und L3, sind dabei relativ instabil, so dass bereits geringe gravitative Wechselwirkungen zu einem Entweichen von eventuell dort befindlichen Objekten führen können. Die Punkte L4 und L5, welche sich 60 Grad vor beziehungsweise hinter dem Himmelskörper befinden, sind dagegen stabil, so dass sich dort kleinere Objekte sammeln und anschließend über einen nahezu unbegrenzt langen Zeitraum aufhalten können.

Im Mondsystem des Saturn befindet sich so zum Beispiel der kleine Mond Telesto in der L4-Region des größeren Mondes Tethys, während der Mond Calypso sich in der Region von dessen L5-Punkt befindet. Der L5-Punkt von Dione wird dagegen von dem Mond Polydeuces eingenommen. Die geplante Beobachtung des Lagrange-Punktes L5 von Titan dient der Suche nach einem oder mehreren eventuell dort befindlichen und bisher noch unentdeckten weiteren Begleitern des Ringplaneten.

Am 17. Juni 2012 wird Cassini um 03:46 MESZ in einer Entfernung von rund 2,9 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und diesen 168. Orbit um den Ringplaneten beenden. Für den damit beginnenden Orbits Nummer 169 sind diverse Beobachtungen des Ringsystems des Saturn vorgesehen. Außerdem wird am 28. Juni ein nicht gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Tethys erfolgen, welcher dabei in einer Entfernung von rund 68.500 Kilometern passiert werden wird.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission im Auftrag des Direktorats für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: SpaceX erfolgreich: Dragon auf dem Weg zur ISS von Redaktion



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» SpaceX erfolgreich: Dragon auf dem Weg zur ISS
22.05.2012 - Die erste US-amerikanische Kapsel eines privaten Startanbieters ist unterwegs zur Internationalen Raumstation (ISS). Sofern weiterhin alles wie vorgesehen funktioniert, wird die Kapsel am kommenden Freitag mit der Station verbunden.
Heute um 9.45 Uhr MESZ startete die langerwartete COTS-C2+-Mission von SpaceX zur Internationalen Raumstation (ISS). Neun Minuten und 49 Sekunden später wurde die Raumkapsel Dragon erfolgreich von der Falcon 9 abgetrennt und entfaltete weitere 2 Minuten später ihre Solarzellenpanele. Dragon befindet sich nun auf dem Weg zur ISS, mit der eine Kopplung für den 25. Mai geplant ist. Dabei wird Dragon wie das HTV vom Stationsarm gegriffen und an Harmony angekoppelt. Vorher sind noch eine Reihe von Demonstrationsmanövern geplant, die die ISS-Kapsel Interaktion testen sollen.

Die Mission

Beim jetzt begonnenen Flug müssen die Ziele der beiden Demonstrationsflüge C2 und C3 erfüllt werden. Konkret geht es bei C2 um den Aufbau der Kommunikation mit der Raumstation mittels der COTS UHF Communication Unit (CUCU). Weiter sollen Astronauten in der ISS der Dragon-Kapsel Befehle mittels des Crew Command Panel (CCP) geben und Dragon soll den Free-Drift-Modus demonstrieren, der notwendig ist, um mit dem ISS-Arm eingefangen zu werden. Die eigentliche ISS-Kopplung ist erst bei C3 geplant. Dabei nähert sich Dragon der ISS und die ISS-Crew testet verschiedene Befehle wie Abbruch, Freiflug und Annäherung an die ISS. Bei der Annäherung an die ISS kommt das Laser Imaging Detection and Ranging System (LIDAR), auch DragonEye genannt, zum Einsatz, das bei STS 127 getestet wurde. Bei dieser Demonstrationsmission werden insgesamt 460 kg Fracht zur ISS gebracht, darunter 306 kg Nahrung, 21 kg Nanoracks, 123 kg Cargobags und 10 kg Computer und Ausrüstung. Nach dem Erreichen der ISS soll die Fracht entladen werden, um Platz für rund 620 kg Fracht zu machen, die Dragon später zur Erde zurückbringen soll. Die erfolgreiche Absolvierung des Flugs ist eine Voraussetzung für die 12 weiteren Flüge im Rahmen der ISS Commercial Resupply Services (CRS), welche im Herbst diesen Jahres anlaufen sollen.

Dragon

Dragon ("Drache") ist der Raumtransporter von SpaceX. Er besteht aus zwei Komponenten: Der Kapsel, in der die druckbeaufschlagte Fracht transportiert wird und dem "Trunk", der unter anderem für die Energieversorgung zuständig ist und nicht druckbeaufschlagte Fracht aufnehmen kann. Die Kapsel verfügt im Gegensatz zu allen anderen ISS-Frachtransportern über einen Hitzeschild und kann somit Fracht zur Erde zurückbringen.

Falcon 9

Falcon 9 ist eine Trägerrakete der mittleren Nutzlastklasse, welche laut Presskit 9.800 kg in einen ISS-Orbit transportieren kann. Sie hat einen Durchmesser von 3,66 m und eine Höhe von 48,1 m. Die Falcon 9 besteht aus zwei Stufen, welche beide flüssigen Sauerstoff und Kerosin als Treibstoffe verwenden. Die erste Stufe wird von 9 Merlin-1C-Triebwerken angetrieben, die einen Schub von 3,8 MN liefern. Die zweite Stufe verfügt über ein Merlin-Vac-Triebwerk, welches ein Merlin 1C mit größerer Düse ist. Dieses ist auch zweimal wiederzündbar.

Defektes Rückschlagventil

Der Start sollte ursprünglich bereits am Samstag stattfinden. Nach Zündung der Haupttriebwerke hatte der Bordcomputer bei T-0,5 Sekunden einen erhöhten Brennkammerdruck in Triebwerk Nr. 5 festgestellt und den Start abgebrochen. Die Falcon 9 verfügt wie die meisten anderen Raketen über ein "Hold down"-System, soll heißen, dass die Rakete am Boden festgehalten wird, bis die einwandfreie Funktionalität der Triebwerke festgestellt ist. Nach Fehleranalyse am Wochenende hat sich herausgestellt, dass die Ursache für den erhöhten Brennkammerdruck ein im offenen Zustand blockiertes Rückschlagventil der Stickstoffleitung war, welche das Triebwerk vor der Zündung reinigt. Durch diese Leitung konnte laut Presseberichten offenbar flüssiger Sauerstoff, der für die Brennkammer bestimmt war, in den Gasgenerator gelangen, wodurch sich dort eine höhere Temperatur und ein höherer Massenstrom eingestellt hat. Dadurch hat die Turbine mehr Leistung für die Pumpen geliefert, was zum erhöhten Brennkammerdruck führte. Allerdings haben laut SpaceX Simulationen gezeigt, dass ein Flug mit defektem Ventil aufgrund ausreichender Sicherheitsreserven wahrscheinlich gut gegangen wäre. Nichtsdestotrotz wollte man kein Risiko eingehen und hat das Ventil getauscht, außerdem wurden alle anderen Triebwerke überprüft, ob ein ähnlicher Fehler vorliegt, was jedoch nicht der Fall war.

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(Autor: Tobias Willerding - Quelle: NASA, SpaceX, wired.com)


» Dragon-Demonstrationsmanöver erfolgreich
24.05.2012 - Ein Dragon-Raumschiff der Firma Space Exploration Technologies (SpaceX), das am Dienstag ins All gestartet war, hat eine Reihe von Manövern zu Annäherung und Passage der Internationalen Raumstation ISS offenbar problemlos absolviert.
Nach dem Start in eine weitgehend mit den vorgegebenen Werten übereinstimmende Bahn wurden am zweiten und dritten Flugtag mehrere Bahnanhebungsmanöver ausgeführt. Die heutige zweiteilige Bahnkorrektur wurde durch zwei kurze Brennphasen der Triebwerke des Raumschiffs gegen 9.58 Uhr MESZ und 45 Minuten später auf der anderen Seite der Erde vorgenommen. Damit wurde der Durchflug des Raumschiffes etwa 2,5 Kilometer unterhalb der Station eingeleitet. Bei der ersten Zündung war Dragon noch 60 Kilometer hinter der Station, bei der zweiten etwa 40 Kilometer.

Gegen 11.30 Uhr begann ein Test eines Systems, mit dem Daten eines GPS-Senders an der Außenseite der ISS ausgewertet werden, um Entfernungs- und Geschwindigkeitsdaten relativ zur Raumstation mit höherer Genauigkeit ermitteln zu können. Der Test verlief nach Angaben der NASA erfolgreich. Gleiches gilt für einen Zweiwege-Kommunikationstest zwischen Raumstation und Raumschiff. Gegen 12.47 Uhr MESZ wurde von Bord der Raumstation aus ein Kommando gesendet, welches ein Blinklicht an der Außenseite der Raumkapsel aktivierte. Dies war ein erster Test für die Übermittlung von Kommandos aus der ISS heraus. Morgen sollen damit ein Annäherungsabbruch (Fluchtmanöver) und ein Annäherungsstopp (Halten der relativen Position) initiiert werden.

Gegen 13.25 Uhr MESZ befand sich Dragon direkt unterhalb der Raumstation und zog auf etwas niedrigerer Bahn langsam vorbei. Don Pettit hatte das Raumschiff kurz vor 12 Uhr als kleinen hellen Punkt gesehen, 12.41 Uhr hatte eine Wärmebildkamera an Bord von Dragon ihrerseits die Station im Visier. Ebenso konnte Dragon von den Außenkameras der ISS optisch erfasst werden, wobei man Rumpf und Solarzellen erkennen konnte. Gegen 13.57 Uhr wurde eine weitere Triebwerkszündung durchgeführt, die Bahn des Raumschiffes um einige Kilometer angehoben, so dass Dragon - nun langsamer als die Raumstation - zurückfiel. Beide Raumflugkörper bewegen sich relativ zur Erdoberfläche allerdings mit mehr als 28.000 Kilometern pro Stunde.

Offenbar einziges Problem war ein Defekt an der Steuerung des Manipulatorarms an Bord des ISS-Moduls Cupola. Da es im Modul Destiny ein redundantes System gibt, ist die für morgen vorgesehene Verbindung des Raumschiffs mit einem Stutzen des Moduls Harmony allerdings nicht in Gefahr.

Der US-Präsident Barack Obama gratulierte SpaceX-Gründer Elon Musk kurze Zeit später telefonisch zu dem Erfolg. Musk twitterte daraufhin, er habe den Call zunächst wegen der unterdrückten Telefonnummer für einen Werbeanruf gehalten.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, SpaceX, Raumcon, SpaceflightNow)


» Der Drache ist eingefangen - SpaceX jubelt
25.05.2012 - Historischer Moment für die kommerzielle Raumfahrt. Um 15.56 Uhr (MESZ) machte der Roboterarm der Internationalen Raumstation an der Dragon-Kapsel fest. Damit erreicht zum ersten Mal nach dem Space-Shuttle-Programm wieder eine amerikanische Raumfähre die Weltraumstation. Nun stellt sich große Erleichterung auf allen Seiten ein, denn selten war ein Erfolg so wichtig.
Nicht irgendein Transporter machte heute an der Station fest, sondern eine komplette Neuentwicklung, von Träger bis Raumkapsel. Die Skepsis, ob eine private Firma schaffen kann, wozu bisher große staatliche Weltraumbehörden nötig waren, war von Anfang an sehr groß. Noch nie stand eine Mission so unter Erfolgszwang wie dieser Flug der Dragon-Kapsel von SpaceX. Denn die Weltraumpolitik unter Barack Obama ist gewagt. Ziele im niedrigen Erdorbit sollen von kommerziellen Anbietern viel günstiger erreicht werden und die NASA soll in Zukunft ihre Fühler weiter ausstrecken dürfen mit ihrer in Entwicklung befindlichen Schwerlastrakete SLS. Der Erfolg privater Raumfahrtfirmen wie SpaceX ist dafür Voraussetzung und so war die Erleichterung groß, als alles geklappt hat. Kritik hagelte es bis vor Kurzen von allen Seiten. Doch nun sind die Kritiker, zumindest für heute, verstummt. Dieser Tag gehört der kommerziellen Raumfahrt und allen voran SpaceX.

In den vergangenen Monaten sah es zunächst nicht nach einem vollen Erfolg aus. Den ohnehin straffen Zeitplan kürzte SpaceX weiter und legte die Ziele der letzten beiden Testflüge (C2 und C3) auf diesen einen Flug (genannt C2+) zusammen. Zahlreiche Verschiebungen und Software-Probleme ließen an einem Erfolg der Mission zweifeln. Konkret ging es bei C2 um den Aufbau der Kommunikation mit der Raumstation mittels der COTS UHF Communication Unit (CUCU). Weiter sollten Astronauten in der ISS der Dragon-Kapsel Befehle mittels des Crew Command Panel (CCP) geben und Dragon sollte den Free-Drift-Modus demonstrieren, der notwendig ist, um mit dem ISS-Arm eingefangen zu werden. Die eigentliche ISS-Kopplung war erst bei C3 geplant. Beide Ziele konnten nun ohne ernsthafte technische Pannen während der Mission, erreicht werden. Ein voller Erfolg.

Bei der Annäherung an die ISS kommt das Laser Imaging Detection and Ranging System (LIDAR), auch DragonEye genannt, zum Einsatz, das bei STS 127 getestet wurde. Während der Annäherung erfasste das System kurzzeitig einen falschen Reflektor im japanischen Modul. Durch eine Begrenzung des Sichtfeldes konnte das Problem gelöst werden und Dragon näherte sich weiter an. Am letzten Haltepunkt gab es dann abermals Probleme mit dem LIDAR, eines der beiden redundanten Systeme fiel aus. Das zweite System reichte aber aus, um die Kapsel sicher in Position zu halten. Bei dieser Demonstrationsmission werden insgesamt 460 kg Fracht zur ISS gebracht, darunter 306 kg Nahrung, 21 kg Nanoracks, 123 kg Cargobags sowie 10 kg Computer und Ausrüstung. Nach dem Erreichen der ISS soll die Fracht entladen werden, um Platz für rund 620 kg Fracht zu machen, die Dragon später zur Erde zurückbringen soll. Die erfolgreiche Absolvierung des Flugs ist eine Voraussetzung für die 12 weiteren Flüge im Rahmen der ISS Commercial Resupply Services (CRS), welche im Herbst diesen Jahres anlaufen sollen.

Dragon

Dragon ("Drache") ist der Raumtransporter von SpaceX. Er besteht aus zwei Komponenten: Der Kapsel, in der die druckbeaufschlagte Fracht transportiert wird, und dem "Trunk", der unter anderem für die Energieversorgung zuständig ist und nicht druckbeaufschlagte Fracht aufnehmen kann. Die Kapsel verfügt im Gegensatz zu allen anderen ISS-Frachtransportern über einen Hitzeschild und kann somit Fracht zur Erde zurückbringen.

Falcon 9

Falcon 9 ist eine Trägerrakete der mittleren Nutzlastklasse, welche laut Presskit 9.800 kg in einen ISS-Orbit transportieren kann. Sie hat einen Durchmesser von 3,66 m und eine Höhe von 48,1 m. Die Falcon 9 besteht aus zwei Stufen, welche beide flüssigen Sauerstoff und Kerosin als Treibstoffe verwenden. Die erste Stufe wird von 9 Merlin-1C-Triebwerken angetrieben, die einen Schub von 3,8 MN liefern. Die zweite Stufe verfügt über ein Merlin-Vac-Triebwerk, welches ein Merlin 1C mit größerer Düse ist. Dieses ist auch zweimal wiederzündbar.

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(Autor: Klaus Donath - Quelle: NASA)



 

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"InSpace" Magazin #468
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
30. Mai 2012
Auflage: 4662 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Ian Benecken
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Thomas Hofstätter
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Hans J. Kemm
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