InSpace Magazin #457 vom 28. Dezember 2011

InSpace Magazin
Raumfahrer.net

Inhalt

Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #457
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Curiosity nimmt den wissenschaftlichen Betrieb auf

> Saturn Aktuell:
Der Saturnorbit Nummer 160 von Cassini

> ISS Aktuell:
Wochen 3 + 4 der Expedition 30

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

wie Sie vielleicht bereits gelesen haben, gab es erneut einen Fehlstart einer russischen Sojus-Rakete. Das bringt weitere Probleme für die russische Raumfahrt, die seit etwa einem Jahr mit einem massiven Qualitätsproblem zu kämpfen hat: Im Dezember 2010 erreichte eine Proton-Rakete nicht ihr Ziel. Im Jahr 2011 folgten dann eine weitere Proton, eine Rokot und zwei Sojus-Raketen. Außerdem verunglückte die Marsmondsonde Fobos-Grunt, bevor sie den Erdorbit verlassen konnte. Die russische Raumfahrt muss sich renovieren und verbessern, ansonsten werden in Zukunft immer weniger Kunden auf russische Raketen setzen, was fatale Auswirkungen haben könnte.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht

Simon Plasger

^ Nach oben


Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

^ Nach oben  

News

• Galileo sendet Navigationssignale «mehr» «online»
• Thales Alenia Space baut neue Fabrik in L’Aquila «mehr» «online»
• Sojus bringt Satellitensextett ins All «mehr» «online»
• ESA-Versuchsraumgleiter IXV soll 2014 getestet werden «mehr» «online»
• Fobos-Grunt-Absturz zwischen 6. und 9. Januar 2012 «mehr» «online»
• China startet Kommunikationssatellit für Nigeria «mehr» «online»
• Das Astronomische Jahr im Posterformat «mehr» «online»
• Kepler-Teleskop mit ersten erdgroßen Planeten «mehr» «online»
• China startet Erderkundungssatellit «mehr» «online»
• PromISSe: Missionsstart erlebt in den Niederlanden «mehr» «online»
• Das Magnetfeld des Planeten Merkur «mehr» «online»
• Erneuter Sojus-Fehlstart «mehr» «online»
• Komet und Engel - Weihnachtsgrüße «mehr» «online»
• DAWN hat niedrigsten Orbit um Vesta erreicht «mehr» «online»
• TDRS 4 im Friedhofsorbit «mehr» «online»


» Galileo sendet Navigationssignale
15.12.2011 - Das europäische Satellitennavigationssystem hat einen weiteren Schritt hinter sich: Die ersten beiden gestarteten, operationellen Satelliten senden Navigationssignale zur Erde.
Nach dem Start am 21. Oktober befinden sich die beiden Satelliten derzeit etwa in der Mitte ihrer „On-Orbit“-Tests, welche von der Bodenstation in Redu, Belgien aus durchgeführt werden. Sinn und Zweck dieser Tests bestehen darin, sicherzustellen, dass die Satelliten keinen Schaden beim Start erlitten haben und bereit für ihren Einsatz sind.

Dazu werden nach und nach unter anderem die verschiedenen Funksignale der Satelliten aktiviert. Nachdem die Leistungsverstärker für die Nutzlast hochgefahren wurden, konnte in den Morgenstunden des 10. Dezember das erste Navigationssignal gesendet werden, welches dann in Redu empfangen wurde.

Das Signal wurde dabei im sogenannten „E1“-Band gesendet, über welches später die öffentlichen Daten von Galileo übertragen werden sollen. Bis zum Ende des Jahres soll die Testkampagne des ersten Galileo-Satelliten abgeschlossen sein, so dass man sich ab Januar auf den zweiten konzentrieren kann. Die gesamte Testreihe soll dann noch im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden können.

Galileo ist ein gemeinsames Navigationssystem der ESA und der europäischen Kommission mit der Aufgabe, Europa ein unabhängiges, globales System zur Verfügung zu stellen.

Verwandte Meldungen

Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)


» Thales Alenia Space baut neue Fabrik in L’Aquila
17.12.2011 - Der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space hat in L’Aquila mit dem Bau einer neuen Fabrikanlage begonnen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Dezember 2011.
Am italienischen Standort L’Aquila ist Thales Alenia Space bereits seit geraumer Zeit etabliert. Teile der dortigen Produktionsstätten erlitten beim Erdbeben am 6. April 2009 massive Schäden und wurde schließlich als abrissreif angesehen.

Seit rund dreißig Jahren wurden in L’Aquila von Thales Alenia Space elektronische Baugruppen und Antennen für Raumfahrzeuge gefertigt. Wegen des hochqualifizierten Personals und der ausgefeilten Produktionstechnik genoss der Standort weltweit einen ausgezeichneten Ruf. In dieser Tradition will Thales Alenia Space auch eine neue Fabrik betreiben.

Im Beisein von Amtsinhabern aus Lokal- und Regionalpolitik und Offiziellen von Thales Alenia Space fand am 14. Dezember 2011 die Grundsteinlegung für ein neues Fabrikgebäude im Industriepark Pile (Zona Industriale di Pile) statt.

Insgesamt rund 16.080 Quadratmeter umbaute Fläche soll es laut Plan geben. Davon sind 10.215 Quadratmeter der Produktion und 4.700 Büroräumen gewidmet, Gebäudetechnik und Versorgungseinrichtungen werden 1.550 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Arbeiten möchte man in der neuen Anlage mit schlanken Produktionsabläufen, um auf schwankenden Produktionsbedarf und rasch fortschreitende technische Entwicklungen jederzeit angemessen reagieren zu können. Beim Entwurf der Fabrik berücksichtigte man Möglichkeiten zu Ersparnissen beim Energieverbrauch, der Rückgewinnung von Abwärme und der Materialwiederverwendung.

Laut Thales Alenia Space wird sich das neue Gebäude als Muster für konsequente Qualitätsstandards nahtlos in die Umgebung einfügen.

Rund 15 Monate sollen die erforderlichen Bauarbeiten dauern. Nähern sich diese ihrem Ende, will man beginnen, in L’Aquila noch verwendungsfähige Anlagen und Geräte in die neuen Räumlichkeiten umzuziehen. Dabei möchte man insbesondere darauf achten, dass laufende Produktionstätigkeiten nicht unterbrochen werden.

Ist die Fabrik erst einmal fertiggestellt, wird sie nach Angaben ihres künftigen Betreibers zusätzlich zu den von Thales Alenia Space bisher in L’Aquila hergestellten Produkten auch große, besonders leichte Antennen für Radaranlagen mit synthetischer Apertur (SAR) liefern können.

Verwandte Meldung:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Thales Alenia Space)


» Sojus bringt Satellitensextett ins All
17.12.2011 - Startplatz war Kourou in Französisch-Guayana. Die Satelliten dienen der Erderkundung und der Überwachung bodengestützter Radarsysteme.
Der Start erfolgte heute gegen 3:03 Uhr MEZ, vor Ort war noch der 16. Dezember. Die Sojus-ST-A war mit einer Fregat-Oberstufe ausgerüstet, die insgesamt viermal gezündet wurde. Zunächst gelangte die Nutzlast auf eine elliptische Bahn zwischen 200 und 695 Kilometern Höhe. Während der zweiten Brennphase wurde der Orbit dann weitgehend kreisförmig. Nach knapp 1 Stunde wurde zuerst der Satellit Pléiades in einer Höhe von etwa 700 km ausgesetzt. Ihm folgten wenig später 4 Elisa-Kleinsatelliten.

Danach wurde die Bahn auf 610 km abgesenkt, bevor auch der chilenische Erderkundungssatellit SSOT (Sistema Satelital para Observación de la Tierra) auf seine Bahn entlassen wurde. Diese ist bei allen Satelliten mit etwa 98 Grad Bahnneigung weitgehend sonnensynchron.

Der heutige Start einer Sojus-Trägerrakete war der zweite vom neuen Startplatz in Südamerika. Hier war in den vergangenen Jahren ein entsprechender Startkomplex errichtet worden, um die Angebotspalette von Arianespace für Satellitenstarts zu erweitern. Bisher waren in Kourou lediglich Trägerraketen vom Typ Ariane gestartet. Die Ariane 5 ist für Nutzlasten bis etwa 20 t für erdnahe Umlaufbahnen und etwa 10 t für den Geostationären Orbit ausgelegt, die Sojus schafft etwa 8 t in erdnahe Umlaufbahnen. Komplettiert werden soll das Spektrum durch die VEGA für kleinere Nutzlasten bis etwa 2,5 t. Deren Erstflug ist gegenwärtig für Anfang 2012 geplant.

Der französische Satellit Pléiades 1 (970 kg, 1,5 kW) ist der erste von zwei geplanten Kundschaftern, die hochauflösende Aufnahmen der Erdoberfläche liefern sollen. Die dafür entwickelte Technik erlaubt ein Auflösungsvermögen von bis zu 70 Zentimetern monochromatisch. Multispektralaufnahmen liefern immerhin noch Details bis etwa 3 Meter. Der Satellit soll 5 Jahre lang bis zu 450 Bilder pro Tag übertragen. Die Kameras erfassen eine Abtastbreite von 20 Kilometern. Damit soll das System in der Lage sein, jeden Bereich der Erdoberfläche innerhalb eines Tages abzulichten, wenn der zweite Satellit ebenfalls im geplanten Orbit ist. Dies soll innerhalb eines Jahres erreicht werden.

Die 4 Elisa-Satelliten (ELectronic Intelligence by SAtellite) haben eine Masse von jeweils 120 kg und sollen bodengestützte Radarquellen und deren Charakteristik zur militärischen Aufklärung erfassen.

Sechster Satellit im Bunde ist SSOT. Er soll für das chilenische Verteidigungsministerium Aufnahmen der Erdoberfläche mit einer panchromatischen Auflösung von bis zu 1,45 m liefern können. Bei Multispektralaufnahmen in 4 Kanälen erreicht er logischerweise nur ein Viertel der Auflösung und kann Details bis etwa 6 Meter Größe widergeben. Der Satellit hat eine Masse von 117 kg und basiert wie die Elisa-Raumfahrzeuge auf dem Satellitenbus Myriade des CNES, Hauptauftragnehmer war EADS Astrium.


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: CNES, Arianespace, Skyrocket)


» ESA-Versuchsraumgleiter IXV soll 2014 getestet werden
17.12.2011 - Dies sieht eine Vereinbarung vor, die gestern zwischen ESA und Arianespace getroffen wurde.
Geplant ist ein Start mit der in Entwicklung befindlichen VEGA-Trägerrakete. Dabei soll eine Höhe von etwa 450 Kilometern erreicht werden. Der anschließende Wiedereintritt in die dichten Schichten der Erdatmosphäre geschieht dann mit einer Geschwindigkeit von 7,5 km/s, was annähernd der Orbitalgeschwindigkeit (7,9 km/s) entspricht und damit eine sehr realistische Simulation ergibt.

Beim Wiedereintritt wird eine Vielzahl an Daten über Temperatur, Belastung und Lage gesammelt, während der Flug mittels Triebwerken und zweier Klappen gesteuert wird. Die Wasserung soll im Pazifik erfolgen, nachdem das Raumgleitermodell mit Hilfe eines Fallschirms weiter abgebremst wird.

Das etwa 2 t schwere Intermediate eXperimental Vehicle hat die Form eines Auftriebskörpers, ist etwa 5 Meter lang, 2,20 m breit und 1,50 m hoch. Mit einer Gleitzahl von 0,7 ist ein aerodynamische gesteuerter Flug möglich.

Verwandte Meldung:

Verwandter Artikel:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ESA)


» Fobos-Grunt-Absturz zwischen 6. und 9. Januar 2012
17.12.2011 - Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos informierte die Öffentlichkeit am 16. Dezember 2011 über Daten zur aktuellen Erdumlaufbahn der gescheiterten Marssonde Fobos-Grunt und über das zu erwartende Absturzdatum.
Das Apogäum, der von der Erde am weitesten entfernte Bahnpunkt, lag laut Roskosmos am 16. Dezember 2011 bei 275,7 Kilometern über der Erde, das Perigäum, der der Erde am nächstliegende Bahnpunkt, bei 201,3 Kilometern über der Erde. Für einen Erdumlauf auf der 51,46 Grad gegen den Äquator geneigten Bahn benötigte Fobos-Grunt 89,2 Minuten.

Anhand der Daten, die von der militärischen russischen Weltraumüberwachung und von internationalen Partnern geliefert werden, versuchen Spezialisten immer exaktere Voraussagen für den Zeitpunkt des Wiedereintritts von Fobos-Grunt in die Erdatmosphäre. Russischerseits geht man derzeit davon aus, dass Fobos-Grunt zwischen dem 6. und dem 9. Januar 2012 in die Erdatmosphäre eintreten und dabei zum größten Teil zerstört werden wird. Genauere Angaben zu Zeitpunkt und Ort des Wiedereintritts werden erst einige Tage vor dem Ereignis möglich sein.

Nach Angaben von Roskosmos ist es möglich, dass zwischen 20 und 30 Bruchstücke mit einer Gesamtmasse von unter 200 Kilogramm die Oberfläche der Erde erreichen. Vom Inhalt der Treibstofftanks der Sonde erwartet Roskomos das nicht. Man glaubt, dass die Treibstoffkomponenten in den dichteren Schichten der Atmosphäre in einer Höhe von rund 100 Kilometern verbrennen.

Das radioaktive Inventar an Bord der Sonde besteht aus einer sehr kleinen Menge Kobalt 57 (rund 10 Mikrogramm) in einem wissenschaftlichen Instrument. Dem Isotop mit einer relativ kurzen Halbwertszeit spricht Roskosmos die Möglichkeit irgendwelcher Kontaminationen auf Grund der geringen Menge ab.

Roskosmos weist darauf hin, dass die Dynamik bei der Zerstörung eines Raumfahrzeugs beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zahlreichen technischen und umgebungsabhängigen Aspekten unterliegt, darunter solchen, die sich einer aktiven Kontrollmöglichkeit entziehen. Insbesondere die jeweilige Dichte der Atmosphäre, deutlich merkbar beeinflusst von der Sonnenaktivität, spielt eine erhebliche Rolle.

Eine bereichsübergreifende Untersuchungskommission soll ab dem 19. Dezember 2011 untersuchen, warum und wie es zum Scheitern von Fobos-Grunt kommen konnte. Ende Januar 2012 erwartet Roskosmos vorläufige Ergebnisse.

Fobos-Grunt ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.872 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-065A.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Roskosmos)


» China startet Kommunikationssatellit für Nigeria
20.12.2011 - Gestern startete am späten Nachmittag MEZ eine Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 3B/E mit dem TV-Satelliten NigComSat 1R.
Der Satellit mit einer geplanten Funktionsdauer von 15 Jahren und einer Startmasse von 5,1 t soll im Geostationären Orbit bei 42,5 Grad Ost stationiert werden. Er verfügt über 4 Transponder im C-Band, 14 im Ku-Band, 8 im Ka- und 2 im L-Band. Damit soll er Gebiete in Zentral- und Südafrika, Mittel- und Osteuropa sowie in Teilen Asiens mit Kommunikations-, Fernseh- und Datendienste versorgen.

Der Satellitenbus stammt aus China und wurde von CASC (Chinesische Vereinigung für Wissenschaft und Technologie in Luft- und Raumfahrt) entwickelt und gebaut. NigComSat 1R soll den Vorgängersatelliten ersetzen, der im Mai 2007 gestartet wurde und seit 2008 wegen Ausfalls eines Teils der Energieversorgung nur eingeschränkt nutzbar ist.

Der gestrige Start einer Rakete vom Typ Langer Marsch war der 18. in diesem Jahr und der 154-ste erfolgreiche des gesamten Programms. Er erfolgte vom Raumfahrtzentrum Xichang aus.

Verwandte Meldungen:

Startvideos:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NasaSpaceFlight)


» Das Astronomische Jahr im Posterformat
20.12.2011 - Neu am Himmel der Astronomie ist ein Poster der besonderen Art: „Das Astronomische Jahr 2012“ vom Astronomie-Verlag in Pörnbach.
Die Autoren, Susanne Friedrich, Peter Friedrich, beide promovierte Astronomen und Stephan Schurig, der das Plakat gestalterisch umsetzte, haben nach umfangreichen Berechnungen und Recherchen Dämmerungszeiten, den Lauf der Planeten durch die Monate sowie 45 interessante Ereignisse am Himmel in einem übersichtlichen, sanduhrförmigen Diagramm zusammengefasst.



Lesen Sie dazu unsere Rezension.

Verwandte Seite:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: RN)


» Kepler-Teleskop mit ersten erdgroßen Planeten
21.12.2011 - Mit Hilfe des Kepler-Weltraumteleskops der NASA konnten die ersten beiden Exoplaneten gefunden werden, die etwa so groß sind wie die Erde. Dies war erklärtes Ziel der Mission, die aber noch längst nicht am Ende ist.
Vielmehr gibt es noch mehr als 2.000 Planetenkandidaten, von denen einige ebenfalls in der Größenklasse unseres Heimatplaneten liegen sollen.

Die jetzt bekanntgegebenen beiden Planeten Kepler-20e und 20f umlaufen einen Stern, bei dem bereits drei größere Planeten entdeckt worden sind. Deren Bezeichnung erfolgt in der Reihenfolge der Entdeckung, nicht in der Reihenfolge des Abstandes von ihrem Stern. Dem Abstand nach sortiert ergibt sich die Reihenfolge Kepler-20b, e, c, f und d. Überraschenderweise wechseln sich große und kleine Planeten ab, während in unserem Sonnensystem die kleinen Planeten innen und die großen außen zu finden sind.

Bei Kepler-20b, c und d handelt es sich um große Gasplaneten, die neuen Begleiter sind hingegen offenbar Gesteinsplaneten. Alle aber umlaufen ihren Stern in relativer Nähe, weshalb es auf ihren Oberflächen wohl recht heiß ist. Die Umlaufzeiten liegen bei 3,7, 6, 10,9, 20 und 77,6 Erdtagen. Der Stern Kepler-20 ist ca. 950 Lichtjahre von uns entfernt und etwas kühler an der Oberfläche als die Sonne. Die Bahnen der ihn umlaufenden Planeten liegen aber allesamt näher an Kepler-20 als die des Merkur an der Sonne.

Das Weltraumteleskop Kepler, benannt nach einem deutschen Astronomen des 17. Jahrhunderts, umläuft die Sonne auf einer der Erde nachlaufenden Bahn seit März 2009 und erfasst mit seinem 1,4 m durchmessenden Spiegel einen kleinen Bereich im Sternbild Schwan, in dem sich etwa 140.000 sonnenähnliche Sterne befinden. Das Licht der Sterne wird auf 42 CCD-Sensoren mit einer Gesamtzahl von 95 Megapixeln gelenkt. Periodisch auftretende geringfügige Änderungen der Helligkeit einzelner Sterne weisen auf davor vorbeiziehende Planeten hin, deren Größe man aus der Stärke der Verdunklung berechnen kann.

Mit erdgestützten Teleskopen wird anschließend vermessen, wie stark der jeweilige Stern von seinem Begleiter hin und her gezogen wird. Daraus läst sich die Masse des Planeten errechnen. Die Periode der Helligkeitsschwankungen ergibt zudem die Umlaufzeit, aus der sich der mittlere Abstand des Planeten von seinem Stern folgern lässt. Diese Daten zusammen mit der Spektralklasse und Oberflächentemperatur des Sterns lassen auch Schlüsse über die ungefähre Temperatur auf dem Planeten zu.

Allerdings spielt hier das Vorhandensein einer mehr oder weniger dichten Atmosphäre sowie deren Zusammensetzung noch eine große Rolle. Darüber lassen sich aber mit beiden Methoden keine Aussagen treffen. Hierzu ist es erforderlich, Licht vom Planeten selbst zu empfangen und spektroskopisch zu untersuchen. Dies ist alledings bisher nur in wenigen Fällen gelungen. Größere Teleskope auf der Erde und im All können in Zukunft aber dazu in der Lage sein.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:

Verwandte Seite:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


» China startet Erderkundungssatellit
22.12.2011 - Heute startete eine Rakete vom Typ Langer Marsch 4 vom Weltraumbahnhof Taiyuan. An Bord war der Erdbeobachungssatellit Zi Yuan 1 (2C).
Der Start mit einer Rakete vom Typ Langer Marsch 4B erfolgte um 4:26 Uhr MEZ beziehungsweise 11:26 Uhr Ortszeit vom Taiyuan Satellite Launch Center in der Provinz Shanxi etwa 200 km südwestlich von Peking. Der Start verlief laut chinesischer Quellen erfolgreich.

Dieser Start kam vollkommen unerwartet. Zwar plante man ihn zunächst für den 19. Dezember, doch wurde dieser Termin aufgrund des Versagens einer Rakete vom Typ CZ 2C (Raumfahrer.net berichtete) verworfen, da die gesamte Langer Marsch-Raketenflotte ein befristetes Startverbot bekam. Zudem startete genau an diesem Tag eine CZ 3B/E-Rakete (Raumfahrer.net berichtete), weswegen man den heute erfolgten Start verschob. Für diesen gab es zudem keinen neuen, offiziellen Termin.

Als Nutzlast brachte man den Erderkundungssatellit Zi Yuan 1 (auch als Zi Yuan 2C bekannt) in einen Orbit. Dieser basiert auf den chinesisch-brasilianischen Satelliten der CBERS-Serie (China-Brazil Earth Resource Satellite für Chinesisch-Brasilianischer Erdbeobachtungssatellit), welche beide Länder zusammen entwickelt haben. Zi Yuan 1 wurde aber ohne brasilianische Mitwirkung gebaut und soll nun vor allem vom chinesischen Ministerium für Boden und Ressourcen verwendet werden. Die Hauptnutzlast des 2,1 t schweren Satelliten ist eine Multispektralkamera mit einer Auflösung von 5 bis 10 Metern.

Dieser Start war der nunmehr 19. einer chinesischen Langer Marsch-Rakete in diesem Jahr und der 154. Start insgesamt für die Raketenfamilie.

Zi Yuan 1 alias Zi Yuan 2C ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 38.038 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-079A.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: sinodefence.com, Xinhua, NSF)


» PromISSe: Missionsstart erlebt in den Niederlanden
22.12.2011 - Der Niederländer André Kuipers ist im Rahmen der Mission PromISSe unterwegs zur ISS. Anlässlich des Starts im kasachischen Baikonur fanden Sonderveranstaltungen bei der ESTEC in Noordwijk und der Noordwijk Space Expo statt.
Im niederländischen Fernsehen gibt es vergleichsweise viele Sondersendungen zum Thema. In den Zeitungen wird es relativ wenig erwähnt, doch beim European Space Research and Technology Centre (ESTEC) und der Noordwijk Space Expo finden Sonderveranstaltungen statt: Der niederländische Arzt und ESA-Astronaut André Kuipers startete zu seiner zweiten Weltraummission. 2004 war er für 10 Tage auf der ISS, nun wird er fast ein halbes Jahr auf der Raumstation verbringen.

Im Technologiezentrum ESTEC selbst wurde die Live-Übertragung für das niederländische Fernsehen moderiert. Bei der Veranstaltung der Noordwijk Space Expo waren einige von Kuipers‘ Verwandten und Bekannten anwesend, sowie ESA-Mitarbeiter und Journalisten von Zeitungen und Fernsehen.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Franco Ongaro, Leiter des ESTEC und Direktor des technischen und Qualitätsmanagements. Ongaro war 1991 zusammen mit Kuipers und dem Belgier Vladimir Pletser in der engeren ESA-Astronautenauswahl gewesen; Pletser und er waren aber nicht ausgesucht worden. Pletser machte sich später einen Namen mit Parabelflügen, Ongaro verfolgte seine Karriere im Management der ESA weiter.

Im Kontext mit André Kuipers Raumflug begann auch ein Schülerprojekt mit dem Thema „Raumschiff Erde“, in dessen Rahmen drei Schüler im Sojus-Simulator der Noordwijk Space Expo „gestartet“ wurden und sechs andere als „Bodenstation“ Unterstützung bieten sollten. Interessanter für ältere Teilnehmer war die Präsentation des ESA-Astronauten Jean Francois Clervoy, der anhand von Videoanimationen das Sojus-System und den Start erklärte, und das Leben auf der ISS beschrieb.

Anschließend wurde live nach Baikonur geschaltet und den Startvorbereitungen gefolgt. Anders als bei den Amerikanern findet bei den Russen kein richtiger "Countdown" statt. Die Kosmonauten und die Mitarbeiter am Boden arbeiten zwar beim Abwickeln der Startprozedur und ihrer Checklisten auf einen bestimmten Startzeitpunkt hin, doch wird nicht richtig offensichtlich abgezählt. Man muss also als Zuschauer ganz gut aufpassen, dass man den Start nicht verpasst. Ein anderer Unterschied zum US-Raumfahrtprogramm ist, dass die Zuschauer vor Ort auf dem Startgelände in Baikonur höchstens 900 Meter von der Startrampe entfernt stehen, während sie in den USA auf Cape Kennedy rund 5 Kilometer von der Rampe entfernt sind.

Der Start als solcher klappte reibungslos. Allerdings wurde auch im niederländischen Noordwijk russische Tradition respektiert – geklatscht wurde nicht schon nach dem gelungenen Start, sondern erst rund 9 Minuten später, als die Sojus eine Erdumlaufbahn erreicht hatte.

Einer Tanzperformance folgten Videogrüsse von drei musikalischen Favoriten André Kuipers‘: Marillion, Pink Floyd und Gitarrist Harry Sacksioni. Letzterer war auch als Gast der Noordwijk Space Expo anwesend. Die Veranstaltung wurde abgeschlossen mit der Vorstellung einer neuen Postkarten- und Briefmarkenserie der niederländischen Post und mit Musik von Kuipers‘ playlist.


(Autor: Kirsten Müller - Quelle: Kirsten Müller)


» Das Magnetfeld des Planeten Merkur
23.12.2011 - Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das ungewöhnlich schwach ausfallende Magnetfeld des Planeten Merkur durch einen Rückkopplungsprozess mit dem Sonnenwind beeinflusst und dabei abgeschwächt wird.
Der Merkur, der sonnennächste und mit einem Durchmesser von rund 4.880 Kilometern zugleich der kleinste der acht Planeten unseres Sonnensystems, gleicht von seinem äußeren Erscheinungsbild her eher dem irdischen Mond als unserem Heimatplaneten. Allerdings bestehen auch deutlich erkennbare Übereinstimmungen mit der Erde. So verfügt auch der Merkur im Gegensatz zu den beiden weiteren terrestrischen Planeten in unserem Sonnensystem, der Venus und dem Mars, wie auch die Erde über ein globales und somit den gesamten Planeten umfassendes Magnetfeld. Dieses den Merkur umgebende Magnetfeld fällt allerdings deutlich schwächer aus als das Magnetfeld unseres Heimatplaneten.

Planetare Magnetfelder werden durch konvektive Strömungen in den heißen, flüssigen Metallkernen der terrestrischen Planeten erzeugt. Die in den Jahren 1974 und 1975 durchgeführten Messungen der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebenen Planetensonde Mariner 10 haben gezeigt, dass auch der Merkur über ein solches Magnetfeld und somit auch über einen flüssigen Kern verfügt.

Nach den aktuellen Standardmodellen der Planetenforschung sollte der Dynamoeffekt im flüssigen Kern des Merkur ähnliche Feldstärken erzeugen wie bei der Erde. Merkurs Magnetfeld fällt allerdings laut den aktuellen Messungen des ebenfalls von der NASA betriebenen Merkurorbiters Messenger, welcher sich seit dem 18. März 2011 in einem Merkurorbit befindet (Raumfahrer.net berichtete), etwa 150-mal schwächer aus als das Magnetfeld der Erde.

Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig sowie des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau haben jetzt eine Erklärung für diesen ungewöhnlichen Vorgang gefunden, welche am gestrigen Donnerstag in der Fachzeitschrift "Science" publiziert wurde. Demnach soll der von Zentralgestirn unseres Sonnensystems ausgehende Sonnenwind dem inneren Dynamoprozess des Merkurs aktiv entgegenwirken und dabei dessen Magnetfeld abschwächen. Mit einer mittleren Entfernung von lediglich etwa 58 Millionen Kilometern , dies entspricht rund einem Drittel des Abstandes der Erde zu unserem Zentralgestirn, ist Merkur diesen Partikelstrom aus geladenen Teilchen besonders stark ausgesetzt.

"Wir müssen uns klarmachen, dass Merkur mit dem ihm umgebenden Sonnenwind eine enge Wechselwirkung eingeht", so Daniel Heyner, der Erstautor der publizierten Studie und Doktorand an der "International Max Planck Research School" in Katlenburg-Lindau. Dieser Effekt führt zu starken elektrischen Strömen in der Magnetosphäre des Merkur. Die Magnetfelder dieser Ströme aus geladenen Teilchen würden dabei dem inneren Dynamoprozess entgegenwirken. Die von dem Team um Daniel Heyner erstellten Computermodelle zeigen, dass ein auf diese Weise rückgekoppelter Dynamo in der Praxis tatsächlich möglich ist.

"Derartige Simulationen des Dynamoprozesses sind die einzige Möglichkeit, gewissermaßen in den Eisenkern [des Merkur] hineinzuschauen und Vorhersagen zur Stärke und Struktur des Magnetfelds zu treffen", so Johannes Wicht vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, der mit seinem Modell wesentlich zu den Ergebnissen der kürzlich publizierten Studie beigetragen hat. Die Ergebnisse der Simulation zeigen eindeutig, dass die Rückkopplung letztlich zu dem schwachen Magnetfeld führt. "Der Dynamoprozess im Merkurinnern wird durch die Wechselwirkung fast im Keim erstickt", ergänzt Karl-Heinz Glaßmeier von der TU Braunschweig.

Gespannt warten die an den Untersuchungen beteiligten Wissenschaftler jetzt auf die weiteren für die kommenden Monate vorgesehenen Magnetfeldmessungen der Merkursonde Messenger. Mit diesen Daten sollen die erstellten Computermodelle noch weiter verfeinert werden.

Einen ebenfalls immens wichtigen Beitrag zur Untersuchung des Merkur-Magnetfeldes werden die Daten der europäisch-japanischen Merkur-Mission BepiColombo liefern, welche im Sommer 2014 starten und den Merkur im Jahr 2020 erreichen soll. Nach dem Erreichen des Merkurorbits wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler mit den Instrumenten der beiden an der BepiColombo-Mission beteiligten Raumsonden das Magnetfeld des Merkur mit großer Präzision vermessen. Spätestens mit diesen neu zu gewinnenden Daten wird sich die Idee eines durch den Sonnenwind abgeschwächten Merkur-Dynamos überprüfen lassen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Science:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Gesellschaft, Science)


» Erneuter Sojus-Fehlstart
23.12.2011 - Beim heutigen Start einer Trägerrakete vom Typ Sojus kam es erneut zu einer schweren Fehlfunktion mit Verlust des Satelliten.
Der Start erfolgte am frühen Nachmittag (13:08 Uhr MEZ) vom Kosmodrom Plesezk aus. An der Spitze befand sich ein Kommunikationssatellit der Meridian-Reihe. Diese werden zur Übermittlung von Nachrichten im zivilen und militärischen Bereich eingesetzt und operieren normalerweise in stark elliptischen Bahnen zwischen etwa 1.000 und 40.000 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung um 64 Grad gegen den Äquator.

Wie an verschiedenen Stellen gemeldt wurde, gab es während des Betriebs der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete einen Druckabfall in einer Zuleitung zu einer der 4 Brennkammern des RD-124-Triebwerkes. Dies führte danach entweder zu einer Abschaltung oder zu einer Explosion. Reste der Trägerrakete sowie der Oberstufe und der Nutzlast sollen über Sibirien abgestürzt sein.

Der heutige Fehlstart setzt eine ganze Reihe von Fehlern in diesem Jahr fort. Fachleute vermuten Qualitätsprobleme. Folge des Fehlschlages werden wahrscheinlich weitere Verschiebungen geplanter Starts sein.

Fehlstarts russischer Raketen der letzten 13 Monate:

  • 05.12.2010: 3 Navigationssatelliten für GloNaSS stürzen ab, weil die Oberstufe mit einer falschen Treibstoffmenge betankt worden war.
  • 01.02.2011: Der Satellit Geo-IK 2 gelangt auf einen zu niedrigen Orbit. Als Ursache wird ein Fehler in der Flugsteuerung oder der Kreiselplattform der Oberstufe der Rockot vermutet.
  • 24.08.2011: Progress-M 12M gelangt nicht in einen Erdorbit, weil ein Gasgenerator in der 3. Stufe der Sojus-U-Trägerrakete versagt.
  • 19.08.2011: Ekspress-AM 4 strandet im falschen Orbit, nachdem vermutlich ein Fehler im Steuerungssystem der Bris-M-Oberstufe auftrat. Andere Quellen berichten von einem falsch eingegebenen Wert.
  • 08.11.2011: Die geplante Marssonde Fobos-Grunt bleibt im Erdorbit, da die Transferstufe nicht zündet. Die Ursache ist nach wie vor ungeklärt.
  • 23.12.2011: Der Satellit Meridian 5 gelangt nicht auf eine Erdumlaufbahn wegen eines erneuten Versagens einer dritten Stufe einer Sojus-Trägerrakete.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: RIAN, Interfaks, Raumcon)


» Komet und Engel - Weihnachtsgrüße
24.12.2011 - Nachdem das Hubble Space Telescope im letzten Jahr eine "Christbaumkugel" im All aufgespürt hatte, ist es in diesem Jahr das Abbild eines Engels. Außerdem macht ein Komet derzeit auf der Südhalbkugel der Erde und im All Furore.
Bereits im Februar wurde das Bild von Sharpless 2-106 gemacht, das vor einigen Tagen von NASA und ESA veröffentlicht wurde. Es zeigt ein kleines Sternentstehungsgebiet im Sternbild Schwan, das etwa 2.000 Lichtjahre von uns entfernt ist. Im Zentrum befindet sich ein junger Stern mit etwa 15 Sonnenmassen, der Unmengen an Staub und Gas durch seinen Strahlungsdruck in der Umgebung verteilt. Zwei von uns aus gesehen flügelförmige Wasserstoffwolken links und rechts, die von kälteren Gas- und Staubansammlungen umgeben sind, werden dadurch stark aufgeheizt und zum Leuchten angeregt.

Das Bild wurde mit der Wide Field Camera 3 mit verschiedenen Weit- und Schmalbandfiltern aufgenommen und anschließend in Falschfarben coloriert. Die beiden Breitbandfilter lassen Licht im für uns nicht wahrnehmbaren UV-Bereich passieren, der Schmalbandfilter die Alpha-Linie leuchtenden Wasserstoffs (657 nm = rot). Im Bild werden die H-alpha-aktiven Zonen allerdings blau dargestellt. Die Wolke hat eine Ausdehnung von lediglich knapp 2 Lichtjahren. Am Himmel nimmt sie eine Breite von 2,9 Bogenminuten ein.

Ziemlich überraschend macht zum Jahresende zumindest auf der Südhalbkugel der Erde ein Komet Furore. Er wurde erst am 27. November vom Australier Terry Lovejoy entdeckt und bekam die Bezeichnung C/2011 W3 (Lovejoy). Genauere Bahndaten wurden erst im Verlaufe dieses Monats ermittelt. Danach passierte der "Sonnenstreifer" unser Zentralgestirn in geringem Abstand (ca. 850.000 km) und viele rechneten damit, dass der Komet auseinandergerissen würde. Am 16. Dezember tauchte er allerdings nach seiner nahen Sonnenbegegnung wieder auf und bezaubert seit wenigen Tagen durch seine beeindruckende visuelle Erscheinung. Lovejoy erreicht eine Helligkeit von -2 mag und ist damit sogar noch am Tageshimmel erkennbar.

Eine Vielzahl von Aufnahmen von Amateurastronomen der südlichen Hemisphäre und von der Internationalen Raumstation kursieren seit wenigen Tagen im Netz und bescheeren uns damit eine angenehme kosmische Weihnachtsüberraschung.

In diesem Sinne wünscht Raumfahrer.net allen Lesern und Forenmitgliedern ein besinnliches und heiteres Weihnachtsfest.

Verwandte Meldung:

Raumcon:

Verwandte Seite:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, ESA, Wikipedia)


» DAWN hat niedrigsten Orbit um Vesta erreicht
26.12.2011 - Bereits am 12. Dezember 2011 erreichte die Raumsonde DAWN ihre niedrigste Umlaufbahn um den Asteroiden Vesta. Die Sammlung von wissenschaftlichen Daten wird jetzt noch bis zum Februar 2012 aus einer Orbit-Höhe von lediglich rund 210 Kilometern erfolgen.
Nachdem die Raumsonde DAWN am 16. Juli 2011 in einer Entfernung von rund 16.000 Kilometern zur Asteroidenoberfläche erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Asteroiden (4) Vesta eingeschwenkt ist, wurde die Höhe der Umlaufbahn anschließend noch weiter abgesenkt. In den folgenden Wochen nahm die Asteroidensonde aus dem sogenannten "Survey Orbit" aus rund 2.700 Kilometern Höhe eine Vielzahl von Bildern auf und sammelte wertvolle Daten, mit deren alleiniger Auswertung die an der Mission beteiligten Wissenschaftler noch viele Jahre beschäftigt sein werden. Nachdem die aus dieser Umlaufhöhe vorgesehenen Messungen und Kartierungen der Asteroidenoberfläche abgeschlossen waren erfolgte eine weitere Absenkung der Höhe der Umlaufbahn. Seit dem 29. September 2011 sendete die Asteroidensonde Daten aus dem sogenannten "High Altitude Mapping Orbit" (kurz "HAMO"). In diesem Orbit befand sich DAWN in einer durchschnittlichen Entfernung von 680 Kilometern zur Asteroidenoberfläche und war Vesta damit etwa vier mal näher als im Survey Orbit.

Im November 2011 wurde die Orbitbahn erneut langsam abgesenkt. Seit dem 12. Dezember befindet sich DAWN im sogenannten "Low Altitude Mapping Orbit" (kurz "LAMO"), welcher in einer Höhe von etwa 210 Kilometern über der Asteroidenoberfläche verläuft. Die Raumsonde benötigt jetzt lediglich noch vier Stunden und 20 Minuten für eine vollständige Umrundung des Asteroiden. Die Kamera an Bord von DAWN, die in Deutschland entwickelte Framing Camera, kann dabei Teilbereiche der Vesta-Oberfläche mit einer Auflösung von etwa 20 bis 25 Metern pro Pixel abbilden.

Die in den vergangenen Wochen erfolgte Absenkung der Umlaufbahn stellte eines der schwierigsten und komplexesten Manöver im bisherigen Verlauf der am 27. September 2007 gestarteten Mission dar. Dank des bei dieser Mission verwendeten Ionenantriebs ist es einfacher, unterschiedlich hohe Umlaufbahnen um die beiden Ziele der Mission, den Asteroiden Vesta und den Zwergplaneten Ceres, zu erreichen als bei den herkömmlichen bei interplanetaren Missionen verwendeten Triebwerken. Allerdings spielen die genaue Form der Zielobjekte, deren innerer Aufbau und die sich daraus ergebende Massenverteilung in ihrem Inneren bei solchen Manövern eine entscheidende Rolle.

"Da Vesta zum ersten Mal von einer Raumsonde Besuch bekam, waren diese Daten vor der Ankunft von DAWN nicht hinreichend bekannt", so Dr. Marc Rayman vom Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena/ Kalifornien, der Chef-Ingenieur der DAWN-Mission. "Wir mussten also zunächst die groben, in der Folgezeit aber immer weiter verfeinerten Messungen der frühen Orbitalphasen zur ständigen Verbesserung der bestehenden Modelle des komplizierten Schwerefeldes von Vesta nutzen und unsere Planungen für den neuen Orbit entsprechend anpassen."

Besonders kompliziert gestaltete sich die Orbitplanung aufgrund der Tatsache, dass Vesta kein exakt kugelförmiger, sondern vielmehr ein leicht unregelmäßig geformter Körper ist, welcher deshalb unterschiedliche Anziehungskräfte auf die Raumsonde ausübt. Folglich kann der Orbit von DAWN nicht perfekt kreisförmig verlaufen, sondern fällt vielmehr leicht elliptisch aus. "Die Absenkung des Orbits war ein permanent erfolgender Prozess der Anpassung der Bahnparameter an immer wieder neue, präzisere Daten, welche uns Vesta geliefert hat," so Dr. Rayman über diese Missionsphase. "Ursprünglich wollten wir einen Orbit von durchschnittlich 180 Kilometern Höhe über der Oberfläche erreichen. Dann erkannten wir, dass Vesta etwas "schwerer" ist als angenommen und planten für eine Orbithöhe von 200 Kilometern. Am Ende haben wir für den LAMO eine Umlaufbahn gewählt, welche 210 Kilometer über dem Asteroiden verläuft."

Der nun erreichte Orbit soll bis Ende Februar 2012 beibehalten werden. Für die an der Mission beteiligten Wissenschaftler stehen bis dahin zwei Ziele im Vordergrund. Zum einen soll aus dieser geringen Höhe mit einem der drei Instrumente an Bord der Raumsonde, dem Gammastrahlen- und Neutronendetektor (GRaND), die chemische Zusammensetzung der Oberfläche von Vesta bestimmt werden. Zum anderen sollen durch eine Analyse des Funkverkehrs zwischen DAWN und den Bodenstationen des Deep Space Network (DSN) der NASA minimale Veränderungen der Umlaufbahn des Orbiters erfasst werden.

Infolge von Variationen im Schwerefelds des Asteroiden wird die Raumsonde minimal von der vorausberechneten Flugbahn abgelenkt. Diese Abweichungen machen sich in einem von DAWN ausgestrahlten Radiosignal durch eine Dopplerverschiebung bemerkbar. Durch die Messung des Dopplereffektes sollen Informationen über die innere Struktur des Asteroiden gewonnen werden. Speziell erhoffen sich die Wissenschaftler durch dieses Experiment Erkenntnisse über eventuell existierende Heterogenitäten und Massekonzentrationen im Inneren von Vesta.

Des weiteren sollen während der kommenden zwei Monate weitere Bilder angefertigt werden, welche die Oberfläche von Vesta in einer bisher noch nicht erreichten Qualität wiedergeben. "Seit dem Sommer haben wir etwa 10.000 Aufnahmen von Vesta aus den beiden höheren Umlaufbahnen erhalten", so Prof. Ralf Jaumann, welcher das DAWN-Wissenschaftsteam am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof leitet. "In den Bildern haben wir unglaublich spannende Dinge entdeckt. Gleichzeitig haben wir detailgetreue, hochauflösende Karten von Vesta erstellt und die genaue Form und Orientierung des Asteroiden berechnet."

Die ersten aus dem LAMO übermittelten Aufnahmen der Framing Camera zeigen - wie bereits die zuvor angefertigten Bilder - eine unregelmäßig geformte Oberfläche, welche von unzähligen Kratern, Hangrutschungen und Gräben übersät ist. Ergänzend zu früheren Aufnahmen werden dabei allerdings auch Krater aufgelöst, welche über Durchmesser von lediglich wenigen Dutzend Metern verfügen. Diese neuen Bilder fließen mit in die Karten, Höhenmodelle und dreidimensionalen Darstellungen des Asteroiden ein, welche im Rahmen der Mission am DLR-Standort in Berlin-Adlershof erstellt werden.

Die nebenstehende Aufnahme der Framing Camera, welche bereits am 11. Oktober 2011 aus einer Entfernung von rund 700 Kilometern angefertigt wurde, zeigt den etwa 30 Kilometer durchmessenden und 6,5 Grad südlich des Vesta-Äquators gelegenen Oppia-Krater. Dieser Krater ist besonders auffällig, da er über einen unregelmäßig geformten Rand verfügt, welcher eher an ein Rechteck erinnert. Die links zu sehende Aufnahme wurde direkt durch dem Clear-Filter der Framing Camera aufgenommen und zeigt den abgebildeten Bereich als Schwarz-Weiß-Aufnahme. Das Bild rechts hat das gleiche Foto als Grundlage, wurde aber mit einer farbkodierten Darstellung der Höhenunterschiede überlagert, um die Topographie der Oberfläche besser darzustellen. Die verschiedenen Farben entsprechen dabei den realen Höhen der Oberfläche.

So zeigen die grauen und roten Gebiete unten im Bild den höchsten Punkt der Region und das blaue Gebiet im Inneren des Kraters Oppia den tiefsten Punkt im Bild. Die erfolgten Hangrutschungen ins Innere des Kraters sind sowohl im Albedobild als auch in der farbkodierten Darstellung der Topographie erkennbar. Oberhalb des Kraters Oppia befindet sich eine Region mit zwei kleineren Kratern, die in dem Albedobild wie eine Vertiefung aussehen. In der topografischen Darstellung ist dagegen deutlich erkennbar, dass zwischen den Regionen keinen großen Höhenunterschied zur Umgebung existieren.

Obwohl der Einsatz der Kamera während des LAMO nicht über die höchste Priorität verfügt, werden von den neuen Aufnahmen trotzdem wichtige neue Erkenntnisse erwartet. "Im Moment berechnen wir mit den Stereo-Bilddaten vom HAMO ein digitales Geländemodell von Vesta, das eine horizontale Genauigkeit von einhundert Metern und eine vertikale Präzision von etwa zehn Metern haben wird", so Frank Preusker, Fachmann für Planeten-Geodäsie im DAWN-Team des DLR. Während der aktuellen LAMO-Phase ist allerdings keine systematische, globale Abdeckung der Vesta-Oberfläche mit Stereo-Bilddaten möglich. "Wir werden aber versuchen, die deutlich höher aufgelösten LAMO-Aufnahmen mit den bisher angefertigten HAMO-Bildern zur Stereo-Bildanalyse zu verwenden. Damit sollten wir in der Lage sein, unser Modell für Vesta an vielen Stellen erheblich zu verbessern."

Ab dem Januar 2012, so die aktuellen Planungen der DAWN-Wissenschaftler, sollen zudem auch noch weitere Daten mit dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIR), dem dritten Instrument an Bord von DAWN gesammelt werden. Diese Daten dienen der Bestimmung der Mineralogie von Vestas Oberfläche.

Nach dem Ende der LAMO-Phase soll DAWN schließlich erneut in eine größere Höhe über der Asteroidenoberfläche manövriert werden und dabei in einer spiralförmigen Flugbahn langsam an Höhe gewinnen. Aus einer Überflughöhe von dann vorgesehenen 680 Kilometern sollen im Rahmen einer vierten wissenschaftlichen Kampagne weitere Daten gesammelt werden. Neue Erkenntnisse werden dabei besonders aufgrund der Tatsache erwartet, dass ab diesem Zeitpunkt auch die Bereiche der nördlichen Hemisphäre von der Sonne beschienen sein werden. Diese gegenwärtig noch nicht vom Sonnenlicht beschienene Region von Vesta konnte bisher noch nicht von dem Kameraexperiment der Raumsonde erfasst werden.

Dieses Manöver dient zugleich der Vorbereitung des Verlassens des Vesta-Orbits von DAWN, welches im Juli 2012 erfolgen soll. Nach einem fast drei Jahre dauernden Flug durch den Haupt-Asteroidengürtels unseres Sonnensystems soll schließlich im Februar 2015 das zweite und letzte Ziel der Mission, der knapp 950 Kilometer durchmessende Zwergplanet Ceres, erreicht werden. Mit der Untersuchung des Asteroiden Vesta und des Zwergplaneten Ceres wollen die Planetenforscher fundamentale Erkenntnisse über die früheste Entwicklungsphase unseres Sonnensystems gewinnen.

Die DAWN-Mission wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA geleitet. Das JPL ist eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena/Kalifornien. Die University of California in Los Angeles ist für den wissenschaftlichen Bereich der Mission verantwortlich. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut. Das Kameraprojekt wird finanziell von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DLR und der NASA (JPL) unterstützt. Nach dem Abschluss der Untersuchungen bei Vesta im Sommer 2012 soll die Raumsonde ihre Reise durch unser Sonnensystem fortsetzen und ab dem Jahr 2015 den Zwergplaneten Ceres, das größte und massereichste Objekt im Asteroiden-Hauptgürtel, untersuchen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Verwandte Internetseite:

Technische Beschreibung der Framing Camera:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, JPL)


» TDRS 4 im Friedhofsorbit
28.12.2011 - Der US-amerikanische Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatellit TDRS 4 wurde nach über 22 Jahren im All in einen Friedhofsorbit verbracht und dort deaktiviert.
TDRS 4 mit einer Masse von 2.120 Kilogramm war im Rahmen der 8. Mission des US-amerikanischen Space Shuttle Discovery für die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) in den Weltraum transportiert worden. Das Shuttle mit einer Besatzung aus Commander Michael Coats, Pilot John Blaha und den Missionsspezialisten James Bagian, James Buchli and Robert Springer hatte seine Reise um 15:57 Uhr MEZ am 13. März 1989 mit dem Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatelliten in seiner Nutzlastbucht begonnen.

Im All ausgesetzt worden war TDRS 4 als 3. seiner Art zusammen mit einer als IUS bezeichneten Raketenoberstufe von Boeing, einer Kombination aus Feststofftriebwerken, bereits wenige Stunden nach dem Start. Der erste Feststoffmotor der Oberstufe mit der Seriennummer 9 hatte anschließend für das Erreichen einer geosynchronen Transferbahn gesorgt. Auf dieser war am 14. März 1989 um 4:30 Uhr MEZ der zweite Feststoffmotor gezündet worden, der die Ausbildung eines annähernd kreisförmigen geosynchronen Orbits sicherstellte.

Die erste geostationäre Einsatzposition von TDRS 4 lag bei 41 Grad West, welche auch als TDRS Ost bezeichnet wird. Dort wurde der Satellit unter anderem für die Kommunikation mit im All aktiven Shuttles und der Internationalen Raumstation (ISS) verwendet. 2005 erfolgte ein Positionswechsel, und der von TRW, heute ein Teil von Northrop Grumman, gebaute Satellit arbeitete anschließend bei 46 Grad West.

Im November 2011 endete der Betrieb von TDRS 4 als Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatellit, da die Kapazität seiner Akkumulatoren zur Speicherung elektrischer Energie so weit gesunken war, dass ein Beginn von Maßnahmen zur Außerdienststellung des Raumfahrzeugs angezeigt erschien.

Der Orbit von TDRS 4 wurde um rund 350 Kilometer soweit angehoben, so dass TDRS 4 anderen Satelliten nicht unmittelbar gefährlich werden kann. In diesem sogenannten Friedhofsorbit erfolgte am 9. Dezember 2011 schließlich die endgültige Abschaltung von TDRS 4.

Nach TDRS 1, der Ende Juni 2010 auf einer Friedhofsbahn deaktiviert worden war, ist TDRS 4 der zweite US-amerikanische Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatellit aus der TDRS-Serie, dessen Mission abgeschlossen ist. Aktuell befinden sich sieben einsatzfähige TDRS im All. Voraussichtlich 2015 wird auch die Mission des letzten US-amerikanischen Raumfahrzeugs der ersten von TRW gebauten TDRS-Generation enden.

Die NASA arbeitet bereits an der Erneuerung der Flotte ihrer Bahnverfolgungs- und Relaissatelliten. Beim nächsten TDRS-Start wird der erste Satellit der dritten TDRS-Generation aktuellen Planungen zufolge im Sommer 2012 auf einer Atlas-V-Rakete den Weltraum erreichen.

Die Aufgaben, die TDRS 4 zuletzt wahrnahm, übernimmt jetzt TDRS 3, der vorher als Reservesatellit die Erde umkreiste.

TDRS 4, vor dem Start als TDRS-D bezeichnet, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 19.883 bzw. als COSPAR-Objekt 1989-021B.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)



^ Nach oben

Mars Aktuell: Curiosity nimmt den wissenschaftlichen Betrieb auf von Redaktion



• Curiosity nimmt den wissenschaftlichen Betrieb auf «mehr» «online»
• Mars Express setzt seine Untersuchungen fort «mehr» «online»
• Schockwellen lösen Staublawinen auf dem Mars aus «mehr» «online»


» Curiosity nimmt den wissenschaftlichen Betrieb auf
14.12.2011 - Nach seiner Landung auf dem Mars am 6. August 2012 soll der von der NASA betriebene Rover Curiosity sein Landegebiet über einen Zeitraum von mindestens zwei Erdjahren mit 10 wissenschaftlichen Instrumenten ausführlich untersuchen und dabei ermitteln, ob auf unseren Nachbarplaneten einstmals Bedingungen geherrscht haben, welche die Entstehung und Weiterentwicklung von Leben ermöglicht haben könnten. Aber bereits auf dem Flug zum Mars werden für zukünftigen Marsmissionen wichtige Daten gesammelt.
Die am 26. November 2011 gestartete nächste Marsmission der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der Rover Curiosity, wird ihr Ziel nach einem 254 Tage dauernden Flug am 6. August 2012 erreichen und voraussichtlich zwischen 6:00 und 7:00 Uhr MESZ im Gale-Krater landen. In den folgenden zwei Jahren sollen mit insgesamt 10 wissenschaftlichen Instrumenten diverse Daten gesammelt werden. Dadurch erhoffen sich die Planetenforscher unter anderem neue Erkenntnisse darüber, ob auf dem Mars einstmals "lebensfreundliche" Bedingungen herrschten, welche die Entstehung von mikrobiologische Lebensformen ermöglichten und ob es vielleicht sogar denkbar ist, dass die Bedingungen auf dem Mars auch noch in der Gegenwart die Existenz solcher Lebensformen ermöglichen könnten.

Eines der dabei zum Einsatz kommenden Instrumente ist ein Strahlungsdetektor mit der Bezeichnung "Radiation Assessment Detector" (kurz "RAD"). Die Aufgabe dieses unter anderem an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel entwickelten Instrumentes besteht darin, auf dem Mars die in der Planetenatmosphäre und auf der Oberfläche auftretende Strahlung zu messen. Im Gegensatz zur Erde verfügt der Mars über kein relevantes Magnetfeld, welches den Planeten ausreichend vor dieser Strahlung schützen könnte, so dass die aus dem Weltall einfallende Strahlung die Planetenoberfläche nahezu vollständig erreicht.

Diese in der Marsatmosphäre auftretende Strahlung besteht zum einen aus der galaktischen kosmischen Strahlung (GCR), welche ihren Ursprung außerhalb unseres Sonnensystems hat und zum Beispiel durch Sternexplosionen - sogenannte Supernovas - freigesetzt wird. Zum anderen besteht sie aus der solaren Strahlung, die bei bestimmten physikalischen Prozessen auf der Sonne freigesetzt wird. Diese Sonnenwinde sind auf der Erde unter anderem für die Entstehung der Polarlichter verantwortlich. Des Weiteren beinhaltet die den Mars treffende Strahlung eine sekundäre Strahlungskomponente, welche durch eine Wechselwirkung der galaktischen Strahlung und der solaren Strahlung mit der Marsatmosphäre und der Oberfläche des Planeten entsteht.

Über die Bedeutung der vorgesehenen Messungen auf dem Mars äußert sich Prof. Robert Wimmer-Schweingruber von der Universität Kiel folgendermaßen: "Das ist besonders wichtig, um bestimmen zu können, in welcher Bodentiefe eventuell frühere Lebensformen die unwirtliche Strahlungsumgebung des Mars überlebt haben oder überleben könnten." Mit dem RAD sollen hochenergetische atomare und subatomare Partikel, speziell die Röntgen- und Gammastrahlung, sowie Neutronen und geladene Teilchen (Ionen und Elektronen), detektiert werden. Mit den ermittelten Strahlungswerten lassen sich die bisherigen Modelle über die Wechselwirkungen der Strahlung mit der Marsatmosphäre und der Planetenoberfläche überprüfen.

Diese Messungen werden allerdings nicht ausschließlich bei der Beantwortung der Frage hilfreich sein, ob in der Gegenwart Mikroben auf dem Mars existieren könnten. Vielmehr dienen die zu gewinnenden Daten auch der Planung einer zukünftigen bemannten Mission zu unserem Nachbarplaneten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden unter anderem dazu dienen, die zu erwartenden Strahlungsdosen zu ermitteln, denen die Raumfahrer bei zukünftigen Marsmissionen auf der Planetenoberfläche ausgesetzt sein werden. Dafür wird RAD nach der Landung von Curiosity stündlich für etwa 15 Minuten aktiv sein und entsprechende Messungen vornehmen.

Allerdings beginnen die Messungen der Strahlungswerte nicht erst nach der erfolgreichen Landung auf dem Mars. Vielmehr nutzen die an dem Instrument beteiligten Wissenschaftler bereits den etwa neun Monate dauernden Flug zum Mars, um Daten zu sammeln. Dabei sollen Daten über die Strahlungsmenge und die sich ergebende Intensität gesammelt werden, der interplanetare Raumfahrer auf dem Weg zum Mars ausgesetzt sein werden.

"Das RAD ist [in der gegenwärtigen Missionsphase] vergleichbar mit einem Stellvertreter für einen Astronauten in einem Raumschiff auf dem Weg zum Mars", so die Erklärung von Dr. Donald Hassler vom Southwest Research Institute in Boulder im US-Bundesstaat Colorado, dem verantwortlichen Wissenschaftler für das RAD-Instrument. "Das Gerät befindet sich tief im Inneren der Raumsonde, vergleichbar mit der Position eines Astronauten bei einer bemannten Mission. Zu sehen, wie die Raumsonde das Strahlungsfeld beeinflusst, wird uns wichtige Informationen darüber liefern, wie man ein Raumschiff für eine zukünftige Reise zum Mars am besten konstruieren muss."

Bisher hatten die Wissenschaftler diese im freien Weltall auftretende hochenergetische Partikelstrahlung ausschließlich mit Instrumenten messen können, welche unmittelbar an oder nahe der Außenhaut von diversen Raumsonden angebracht waren. Das RAD-Instrument wird dagegen auf dem Flug zum Mars durch verschiedenen Komponenten der Cruise Stage von der direkten Einwirkung der Weltraumstrahlung abgeschirmt. Solche Abschirmungen könnten aber eventuell auch die Entstehung von sekundären Strahlungspartikeln begünstigen, welche sich bilden könnten, sobald Partikel der kosmischen Strahlung mit der Hülle der Raumsonde kollidieren. Diese Sekundärpartikel, so die Einschätzung der Fachleute vom JPL, sind für die Crew einer bemannten Mission unter Umständen gefährlicher als die ursprünglich auftretenden Strahlungsteilchen.

Das RAD-Instrument nahm den Betrieb bereits am 6. Dezember 2011 auf. Seitdem werden alle 24 Stunden wissenschaftliche Daten des Instruments an das in Pasadena/Kalifornien befindliche Kontrollzentrum der Mission übermittelt. "Die ersten Datenpakete von RAD sehen vielversprechend aus", so Donald Hassler. "Wir erkennen darin einen starken Fluss an Strahlung, welcher etwa vier mal höher ausfällt als die Strahlung, welche von dem RTG [der atomaren Energiequelle des Rovers] auf der Startrampe erzeugt wurde. Es ist sehr aufregend, den Beginn der wissenschaftlichen Mission des Rovers mitzuerleben."

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist als Partner der NASA an der Curiosity-Mission beteiligt. Es förderte die Entwicklung der Sensoreinheit des RAD-Instruments an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR in Köln. Die Entwicklung der Sensoren erfolgte in enger Kooperation mit der in München ansässigen Firma Kayser-Threde. Die Entwicklung wurde zudem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. Die finanzielle Gesamtsumme des Kieler Projektes beläuft sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Für die Entwicklung der Elektronikeinheit von RAD war dagegen das Southwest Research Institute (SwRI) in Boulder, Colorado verantwortlich.

Am heutigen 14. Dezember befindet sich die Raumsonde in einer Entfernung von rund 5,3 Millionen Kilometern zur Erde. Relativ zur Erde liegt ihre Geschwindigkeit momentan bei etwa 12.000 Kilometern pro Stunde, relativ zur Sonne bei etwa 117.000 Kilometern pro Stunde. Seit seinem Start hat Curiosity mittlerweile über 51 Millionen Kilometer der insgesamt etwa 567 Kilometer langen Strecke bis zum Mars überbrückt. Das erste, ursprünglich bereits für den 10. Dezember 2011 vorgesehene Kurskorrekturmanöver soll laut dem JPL Mitte Januar 2012 erfolgen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Real-Time-Simulation:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, DLR, Universität Kiel)


» Mars Express setzt seine Untersuchungen fort
15.12.2011 - Die Experten der ESA konnten mittlerweile wieder einige Instrumente an Bord der Raumsonde Mars Express aktivieren und so die wissenschaftliche Arbeit des Marsorbiters fortsetzen. Das MARSIS-Team konnte dabei eine bereits seit dem Juni 2011 laufende Kampagne zur Untersuchung der nördlichen Polarregion des Mars erfolgreich beenden.
Nach mehreren kurz hintereinander auftretenden Problemen mit dem Computersystem des von der Europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Marsorbiters Mars Express und dadurch bedingten unvorhergesehenen Übertritten in den Sicherheitsmodus wurde der wissenschaftliche Betrieb der Raumsonde Mitte Oktober 2011 vorübergehend ausgesetzt (Raumfahrer.net berichtete). In den folgenden Wochen erfolgte eine enge Zusammenarbeit zwischen den für die Kontrolle von Mars Express zuständigen Mitarbeitern des Europäischen Raumflugkontrollzentrums ESOC in Darmstadt mit Ingenieuren der ESA und Mitarbeitern der verschiedenen Herstellerfirmen, um das zugrunde liegende Problem zu identifizieren und eine Lösung dafür zu finden.

Mars Express konnte den wissenschaftlichen Betrieb schließlich am 31. Oktober 2011 wieder aufnehmen (Raumfahrer.net berichtete). Um die Sicherheit der Raumsonde nicht zu gefährden, geschah dies allerdings lediglich in einer stark limitierten Form. Die an diesem Tag über einen kurzen Zeitraum mit dem Radarinstrument MARSIS durchgeführten Messungen und anschließenden Datenablagen hatten keinerlei unerwartetes Verhalten des Marsorbiters zur Folge. Durch diesen Erfolg ermutigt, veranlasste das Kontrollteam von Mars Express nach weiteren ausführlichen Analysen, dass die Sammlung von Daten ab Mitte November auch wieder über längere Zeiträume durchgeführt wurde.

Die erneute Inbetriebnahme der Instrumente erforderte die Erstellung spezieller Befehlssequenzen, sogenannter Makro-"On-board control procedures" (kurz "OBCPs"). Bei einem Makro handelt es sich um eine unter einer bestimmten Bezeichnung, dem sogenannten "Makronamen", zusammengefasste Folge von Anweisungen, welche anstelle von Einzelanweisungen mit nur einem einzigen Aufruf ausgeführt werden können. Die Makro-OBCPs ersetzen jetzt die zuvor in ihrer Gesamtheit deutlich umfangreicher ausgefallen Einzelkommando-Sequenzen, welche vor dem Eintreten der Computerprobleme für den Betrieb der Raumsonde vom Kontrollzentrum an Mars Express gesandt wurden.

Normalerweise werden die von dem Kontrollzentrum eingehenden Kommandos für die Raumsonde und deren Instrumente in der "Long Mission TimeLine" (kurz L-MTL), einer speziellen Datei innerhalb des "Solid-State Mass Memory Systems" (kurz SSMM), abgelegt. Durch die Erstellung der Makro-OBCPs kann die als Fehlerquelle ausgemachte SSMM umgangen werden. Stattdessen können eingehende Kommandos jetzt in der "Short Mission TimeLine" (kurz S-MTL), einer vom SSMM-System unabhängigen Datei, abgelegt werden.

Erste Kommandos für das Ein- und Ausschalten des OMEGA-Instruments, hierbei handelt es sich um ein Infrarot-Spektrometer zur Untersuchung der Zusammensetzung der Marsoberfläche, wurden am 5. Dezember an Mars Express übermittelt und am 7. Dezember erfolgreich durchgeführt. Zusätzlich wurden Kommandos für das Ein- und Ausschalten der Instrumente ASPERA, einem Gerät zur Analyse der Wechselwirkung der Marsatmosphäre mit dem interplanetaren Medium, und PFS, einem Infrarot-Spektrometer zur Untersuchung der Marsatmosphäre, übertragen.

Das ASPERA reagierte bei einem Test am 9. Dezember ebenfalls wie vorgesehen. Am 13. Dezember erfolgte ein weiterer Test, bei dem über einen Zeitraum von 43 Minuten Daten gesammelt werden konnten. Die für den Betrieb von ASPERA zuständigen Wissenschaftler sind momentan mit der Auswertung der Daten beschäftigt. Sofern bei den Messungen keine Fehler aufgetreten sind, soll das Instrument ab dem 9. Januar 2012 wieder in den "Vollbetrieb" versetzt werden.

Auch das MARSIS-Instrument sammelt mittlerweile wieder erfolgreich Daten und hat vor wenigen Tagen eine bereits im Juni 2011 begonnene Kampagne zur Untersuchung des Untergrundes im Bereich des Nordpols des Mars abgeschlossen. Dieses im niedrigen Frequenzbereich arbeitende Radarinstrument ist in der Lage, die Oberfläche in drei Dimensionen wiederzugeben und dabei den Marsboden bis zu einer Tiefe von fünf Kilometern zu analysieren. MARSIS arbeitet mit insgesamt vier Frequenzen im Bereich von 1,9 MHz, 2,8 MHz, 3,8 MHz und 4,8 MHz. Die beiden niedrigeren Frequenzen, welche über eine größere Wellenlänge verfügen, eignen sich am besten für die Aufgabe. Allerdings können diese nur nachts eingesetzt werden, da die Signale während des Marstages durch Interferenzen in der Ionosphäre unseres Nachbarplaneten zu stark beeinträchtigt werden. Aufgrund der Tatsache, dass das Radarinstrument gegenwärtig optimale Beobachtungsbedingungen für die Untersuchung der Nordpolregion des Mars vorfindet, war es das erste Instrument, welches nach der Beendigung des Sicherheitsmodus den wissenschaftlichen Betrieb wieder aufnahm.

Das primäre Ziel von MARSIS besteht darin, die Verteilung von Wasser und Eis in den oberen Bodenschichten des Mars zu kartieren. Ähnlich den Techniken, welche auf der Erde zur Suche nach Erdöllagerstätten verwendet werden, nutzen die Wissenschaftler dabei die Reflexion von Radarwellen. Radarwellen werden normalerweise von einer festen Oberfläche reflektiert. Besonders langwellige Radarsignale dringen jedoch in Abhängigkeit von ihrer Wellenlänge in das Material ein. Sie werden dabei erst an den Grenzflächen zwischen zwei Schichten reflektiert, welche sich aus unterschiedlichen Material, zum Beispiel Felsgestein und Wassereis, zusammensetzen. Aus der Stärke eines zweiten Echos kann dabei die Art der reflektierenden Schicht abgeleitet werden.

Die Polarregionen des Mars sind in diesem Zusammenhang von besonderem wissenschaftlichen Interesse, da die geschichteten Ablagerungen der dort befindlichen Wassereis- und Staubvorkommen im Verlauf von Jahrmillionen durch die erfolgten Klimaschwankungen beeinflusst wurden. Eine genaue Analyse der einzelnen Schichten ermöglicht somit einen Einblick in die Klimageschichte unseres Nachbarplaneten.

Die jetzt beendete Messkampagne wurde von Juni bis November während der Orbits 9.500 bis 10.100 von Mars Express durchgeführt. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit der Raumsonde in unmittelbarer Marsnähe standen pro Überflug lediglich drei bis sieben Minuten zur Verfügung, um Messungen mit dem Radarinstrument durchzuführen. Um die Oberfläche des Mars untersuchen zu können ist es notwenig, dass sich Mars Express nicht weiter als höchsten 1.000 Kilometer von dieser entfernt befindet. Aus größeren Höhen kann das Radarinstrument keine Daten sammeln. Insgesamt konnte MARSIS den Nordpol somit etwa 3.000 Minuten lang näher untersuchen, wobei etwa die Hälfte der Messungen während der Nacht erfolgten und die besten Daten lieferten.

Allerdings ging ein Teil der möglichen Überflüge "verloren". Neben dem zwischenzeitlichen Sicherheitsmodus des Marsorbiters war dafür auch die solare Aktivität verantwortlich. Durch die Interaktion der von der Sonne ausgehenden Strahlung, dem Sonnenwind, mit der Ionosphäre des Mars werden die vom MARSIS ausgesandten Radarwellen unter bestimmten Voraussetzungen gestört. Trotzdem sind die an der Mission beteiligten Wissenschaftler mit den gewonnenen Ergebnissen sehr zufrieden.

"Diese Kampagne zur Untersuchung des Untergrundes am Nordpol des Mars ist eines der Highlights der erweiterten Mission von Mars Express", so Olivier Witasse, der Mars Express-Projektwissenschaftler der ESA. "Trotz der zeitweiligen Aussetzung von Operationen ist es uns gelungen, die Kampagne dank der hervorragenden Unterstützung unserer Kollegen im Raumfahrtkontrollzentrum wie erwartet abzuschließen. Die gewonnenen Daten werden jetzt von dem MARSIS-Team analysiert und wir können es kaum erwarten, die Ergebnisse zu sehen." Durch diese werden dann eventuell auch weitere Geheimnisse der Polarkappen unseres Nachbarplaneten gelöst.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Schockwellen lösen Staublawinen auf dem Mars aus
16.12.2011 - Die Staublawinen auf dem Mars werden anscheinend nicht ausschließlich direkt durch die Einschläge von Meteoriten oder Asteroiden auf der Marsoberfläche verursacht. Vielmehr können auch die dem Impakt unmittelbar vorausgehenden atmosphärischen Druckwellen solche Lawinen auslösen.
Tag für Tag treten unzählige Meteore in die Erdatmosphäre ein und erzeugen dabei als sogenannte "Sternschnuppen" unverkennbare Leuchterscheinungen am Nachthimmel. Die meisten dieser Objekte verfügen lediglich über Durchmesser von bis zu wenigen Millimetern. Sie besitzen somit zu wenig Masse, um ihren Flug durch die dichte Atmosphäre unseres Planeten zu überstehen. Typischerweise verglühen diese Objekte in einer Höhe von rund 80 Kilometern über der Erdoberfläche. Einige wenige dieser täglich mit der Erde kollidierenden Objekte verfügen jedoch über genug Masse, um die Erdoberfläche trotz der durch die Interaktion mit der Erdatmosphäre auftretenden Reibungshitze zu erreichen. Solche Objekte werden als Meteoriten bezeichnet und erzeugen beim Aufprall auf der Erdoberfläche unter gewissen Umständen Impaktkrater, deren Durchmesser von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel der Masse des verursachenden Objekts, der Zusammensetzung, der Eintrittsgeschwindigkeit oder dem Eintrittswinkel in die Erdatmosphäre abhängig sind.

Aber nicht nur die Erde ist einem solchen permanent auftretenden "kosmischen Bombardement" ausgesetzt. Vielmehr werden alle Objekte in unserem Sonnensystem täglich von kleineren Objekten getroffen. So auch der Mars. Im Gegensatz zur Erde können auf dem Mars allerdings auch verhältnismäßig klein ausfallende Meteore die Planetenoberfläche relativ unbeschadet erreichen, da unser äußerer Nachbarplanet nur über eine relativ dünne Atmosphäre verfügt, welche eine etwa 100-mal geringere Dichte aufweist als die Erdatmosphäre.

Anhand der Aufnahmen der HiRISE-Kamera an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) konnte so zum Beispiel belegt werden, dass jährlich bis zu 50 neue Krater auf dem Mars entstehen, welche über Durchmesser zwischen einem und 50 Metern verfügen. Der von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Orbiter MRO befindet sich seit dem Jahr 2006 in einer Umlaufbahn um den Mars. Dessen HiRISE-Kamera liefert seitdem Aufnahmen der Oberfläche, welche eine Auflösung von bis zu 25 Zentimetern pro Pixel erreichen und die Marsoberfläche in einer bisher unerreichten Detailschärfe abbilden.

Bereits frühere Orbiter konnten mit teilweise deutlich geringeren Auflösungen Bilder liefern, welche in der Umgebung diverser Krater Anzeichen für die Abgänge von Staublawinen zeigten, welche sich in den Bildern als auffallend dunkle Strukturen auf der Oberfläche darstellten. Solche im Umfeld von Impaktkratern registrierten Staublawinen, so die bisherige Annahme, werden unmittelbar durch die tektonischen Erschütterungen ausgelöst, welche bei Meteoritenimpakten auftreten. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass nicht nur die direkten Impaktauswirkungen, sondern vielmehr bereits die einem solchen Impakt vorausgehenden atmosphärischen Schockwellen solche Staublawinen auslösen können.

"Wir hatten erwartet, dass die lawinenartigen Formationen, welche wir in der Umgebung der Krater beobachten konnten, durch seismische Erschütterungen entstanden, welche aufgrund der Impakte auftraten", so Kaylan J. Burleigh von der University of Arizona, der Leiter der Studie. "Wir waren überrascht als sich zeigte, dass vielmehr wohl eher atmosphärische Schockwellen die Lawinen auslösten, welche unmittelbar vor dem Impakt auftraten."

Für die Studie untersuchte das Team eine aus fünf Einzelkratern bestehende Kratergruppe, welche sich laut den Aufnahmen des Marsorbiters Mars Global Surveyor (MGS) zwischen dem Mai 2004 und dem Februar 2006 gebildet haben muss. Vermutlich entstanden diese fünf Krater alle infolge eines einzigen Meteoriteneintritts in die Marsatmosphäre. Der Meteorit zerbrach dabei infolge der auftretenden Reibungshitze in mehrere Bestandteile, welche die Oberfläche anschließend wie ein Schuss aus einer Schrotflinte trafen. Der größte der dabei entstandenen Krater verfügt über einen Durchmesser von etwa 22 Metern.

Die fast 65.000 in der unmittelbaren Umgebung - hierbei handelt es sich um einen Bereich von zwei bis drei Kilometern - erkennbaren dunklen Streifen variieren in ihrer Länge von lediglich wenigen Metern bis hin zu 50 Metern und erstrecken sich dabei rund um die gesamte Impaktzone. Aufgrund ihrer Anordnung wurden diese Streifen zunächst als Staublawinen interpretiert, welche unmittelbar durch den Impakt ausgelöst wurden. Nähere Analysen zeigten allerdings, dass einige dieser Strukturen in ihrer Gesamtheit eine ungewöhnliche Form aufweisen, welche sich nicht mit der ausschließlichen Entstehung durch tektonische Schockwellen in Einklang bringen lässt.

Anhand von Computersimulationen konnte die Gruppe um Kaylan J. Burleigh ein Modell erstellen, mit dem die Wissenschaftler in der Marsatmosphäre auftretende Schockwellen für die Entstehung dieser säbelförmigen Strukturen ausmachen konnten. Beim Durchqueren der Atmosphäre erzeugt ein Meteorit eine Bugwelle aus komprimierter Luft, welche beim Auftreffen auf die Planetenoberfläche ihre kinetische Energie auf diese überträgt. Dadurch werden Sand und Staub in Bewegung versetzt, was wiederum einen Teil der Lawinen auslöste. Dieser Prozess erfolgte unabhängig von den erst unmittelbar darauf auftretenden tektonischen Erschütterungen der Oberfläche.

Das von Kaylan J. Burleigh erstellte Computermodell deckt sich dabei nahezu perfekt mit den beobachteten Gegebenheiten. "Wir gehen davon aus, dass Interferenzen zwischen verschiedenen Druckwellen den auf der Oberfläche abgelagerten Staub in Bewegung versetzt haben und dass dadurch Lawinen losgelöst wurden. Diese Interferenzen und die Lawinen treten dabei in einem [durch das Computermodell] reproduzierbaren Muster auf", so Kaylan J. Burleigh. Verschiedene Untersuchungen von weiteren Impaktgebieten und den dort zu beobachtenden Lawinenstrukturen untermauern diese Theorie.

In Anbetracht der Abwesenheit von Plattentektonik oder flüssigem Wasser, so die Schlussfolgerung der Autoren der Studie, könnten solche relativ geringfügigen und jeweils lokal begrenzten Auswirkungen von Meteorimpakten in ihrer Gesamtheit und über einen im geologischen Kontext betrachteten längeren Zeitraum einen wichtigen Faktor bei der gegenwärtig stattfindenden Umgestaltung der Marsoberfläche darstellen.

"Dies ist lediglich ein Teil einer größeren Geschichte, welche die gegenwärtig stattfindenden Aktivitäten auf der Marsoberfläche beschreibt", so Alfred McEwen, der verantwortliche Wissenschaftler für die HiRISE-Kamera an Bord des MRO. "Wir müssen zuerst verstehen wie der Mars in der Gegenwart funktioniert. Erst anschließend können wir korrekt interpretieren, was dort in der Vergangenheit unter anderen klimatischen Bedingungen passiert ist. Und erst dann können wir Vergleiche zur Erde ziehen."

Diese hier kurz vorgestellte Studie wird demnächst in der Fachzeitschrift ICARUS publiziert.

Verwandte Meldung:

Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: University of Arizona)



 

^ Nach oben

Saturn Aktuell: Der Saturnorbit Nummer 160 von Cassini von Redaktion



• Der Saturnorbit Nummer 160 von Cassini «mehr» «online»


» Der Saturnorbit Nummer 160 von Cassini
23.12.2011 - Heute beginnt der mittlerweile 160. Umlauf der Raumsonde Cassini um den Planeten Saturn. Den Höhepunkt dieses 24 Tage dauernden Umlaufs bildet ein am 2. Januar 2012 erfolgender Vorbeiflug an dem Saturnmond Titan.
Am heutigen 23. Dezember 2011 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn um 20:14 MEZ erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,84 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 160. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich auch in den kommenden fünf Monaten weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Diese äquatoriale Flugbahn der Raumsonde ermöglicht es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern unter anderem, die Kanten der Saturnringe abzubilden. Durch die Auswertung dieser Bilder ist es somit zum Beispiel möglich, deren vertikale Ausdehnung zu bestimmen. Zudem ist aus dieser Perspektive ein Blick auf die Wolkenschichten in der Saturnatmosphäre gegeben, welcher nur minimal durch das Ringsystem des Planeten oder einen von den Ringen auf den Saturn geworfenen Schatten beeinträchtigt ist. Außerdem ergibt sich bei dieser Bahn die Möglichkeit, sich im Rahmen eines einzigen Orbits gleich mehreren Saturnmonden zu nähern, deren Bahnen ebenfalls in der Äquatorebene liegen.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der jetzt beginnende Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 159", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in erster Linie dazu genutzt werden, den Ringplaneten und den größten seiner 62 bisher bekannten Monde, den etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, einem von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 24 Tage dauernden Orbits insgesamt 78 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Ein großer Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt (Raumfahrer.net berichtete). Den Höhepunkt des gegenwärtigen Orbits bildet ein am 2. Januar 2012 erfolgender gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan.

Die erste ISS-Kampagne soll bereits sieben Stunden nach dem Beginn des neuen Umlaufs starten und wird die nördliche Saturnhemisphäre und das dortige Sturmgebiet zum Ziel haben. Hierbei sollen durch die Kameraaufnahmen weitere Daten über die gegenwärtige Ausdehnung des während der letzten Monate immer mehr an Stärke verlierenden Sturmgebietes sowie über die dort gegenwärtig vorherrschenden Windgeschwindigkeiten und -richtungen gesammelt werden. Bis zum 1. Januar 2012 sind insgesamt 18 Beobachtungen der nördlichen Saturnhemisphäre vorgesehen. Weitere 31 Beobachtungskampagnen der nördlichen Saturnhemisphäre sind für den Zeitraum zwischen dem 6. und dem 15. Januar vorgesehen.

Für den 24. Dezember stehen sogenannte astrometrische Beobachtungen von mehreren kleineren Saturnmonden auf dem Arbeitsprogramm der ISS-Kamera. Die Umlaufbahnen dieser kleinen und entsprechend massearmen Saturnmonde unterliegen einer permanenten gravitativen Beeinflussung durch den Saturn und dessen größeren Monden, was zu minimalen Veränderungen von deren jeweiligen Umlaufbahnen führen kann. Das wissenschaftliche Ziel der am 24. Dezember anzufertigenden Aufnahmen der Monde Prometheus, Atlas, Anthe, Methone, Calypso, Polydeuces und Epimetheus bestand darin, die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können. Am 26. Dezember werden vergleichbare Beobachtungssequenzen die Monde Telesto, Pallene, Janus, Helene, Pandora, Methone und Calypso zum Ziel haben.

Am 25. Dezember wird der Titan in den Fokus der ISS-Kamera rücken. Dabei wird sich die Kamera aus einer Entfernung von rund 3,94 Millionen Kilometern auf die Fensal-Aztlan-Region richten. Mit diesen Bildern sollen eventuell erkennbare Wolkenstrukturen in der Titan-Atmosphäre näher untersucht werden. Diese Untersuchung der Mondatmosphäre werden am 26. und am 30. Dezember fortgesetzt, wobei sich Cassini dann 3,71 beziehungsweise 1,73 Millionen Kilometer von Titan entfernt befinden wird.

Am 2. Januar erfolgt schließlich der erste von insgesamt neun für das Jahr 2012 vorgesehenen gesteuerten, dichten Vorbeiflügen an diesem größten Saturnmond. Dieser als "T-80" bezeichnete Vorbeiflug, es handelt sich hierbei um den mittlerweile 81. Vorbeiflug der Raumsonde am Titan, wird allerdings in einer für einen gesteuerten Vorbeiflug relativ großen Entfernung stattfinden. Zum Zeitpunkt der größten Annäherung wird sich Cassini um 16:13 MEZ in einer Entfernung von 29.415 Kilometern zur Mondoberfläche befinden. Die Überfluggeschwindigkeit wird 5,5 Kilometer pro Sekunde betragen.

Während der Anflugphase an den Titan wird sich dieser der Raumsonde zuerst lediglich als eine schmale Sichel präsentieren. In dieser Phase des Vorbeifluges soll das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), eines der Spektrometer an Bord der Raumsonde, auf den Mond ausgerichtet sein und diesen aus unterschiedlichen Entfernungen und in verschiedenen Spektralbereichen abbilden. Die entsprechenden Beobachtungen beginnen um 03:21 MEZ. Das Ziel der durchzuführenden CIRS-Messungen besteht darin, die Verteilung von Aerosolen über der nördlichen Hemisphäre zu bestimmen. Zudem sollen bei dieser Gelegenheit Messungen durchgeführt werden, mit denen die zu dieser Zeit vorherrschenden Temperaturen in der Atmosphäre und auf der Mondoberfläche bestimmt werden können.

Während der dichtesten Annäherung wird ein anderes Spektrometer, das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), "übernehmen" und zusammen mit der ISS-Kamera die südliche Hemisphäre des Titan abbilden. Dabei sollen die Instrumente verschiedene zuvor in dieser Region erkennbare Oberflächenstrukturen erneut abbilden, was Rückschlüsse auf dort stattfindende Veränderungsprozesse erlauben wird. Etwa zwei Stunden nach dem Erreichen der dichtesten Annäherung soll schließlich auch das RADAR-Instrument der Raumsonde aktiviert werden. Die dabei vorgesehen Abtastungen der Titan-Oberfläche werden ebenfalls die südliche Hemisphäre zum Ziel haben. Mit diesen Messungen sollen einige der gegenwärtig noch existierenden Lücken in den bisher erstellten Radar-Karten der Titanoberfläche geschlossen werden.

Anschließend wird erneut das VIMS-Spektrometer aktiviert. Das Instrument soll bei dieser Gelegenheit beobachten, wie zwei Sterne - es handelt sich um die im Sternbild Löwe befindlichen stellaren Objekte R Leonis und CW Leonis - vom Titan bedeckt werden. Bei diesen Sternokkultationen wird das von den beiden Sternen ausgesandte Licht durch die Atmosphäre des Titan auf eine charakteristische Weise abgeschwächt. Durch die Analyse des Verlaufs dieser Abschwächung erhoffen sich die an der Mission beteiligten Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Ausdehnung, die Dichte und die Zusammensetzung der Atmosphäre des Titan.

Zudem wird währendes Vorbeifluges am 2. Januar auch das Radio and Plasma Wave Science Instrument (RPWS) aktiviert sein. Dieses soll während des Flyby-Manövers die Wechselwirkung der Ionosphäre des Titan mit dem umgebenden Weltall und der Magnetosphäre des Saturn näher untersuchen und zudem nach eventuell in der Titanatmosphäre auftretenden Blitzen Ausschau halten. Der Downlink der während des Vorbeifluges durch die diversen Instrumente gesammelten Daten zum Cassini-Kontrollzentrum in Pasadena/Kalifornien soll am 3. Januar um 10:46 MEZ beginnen.

Am 4. Januar wird Cassini um 14:03 MEZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 160. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 206.330 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Während der Passage des Saturn sind verschiedene Beobachtungen vorgesehen, mit denen die dynamischen Vorgänge in der Saturnatmosphäre näher untersucht werden sollen. So wird zum Beispiel das CIRS dazu eingesetzt werden, um deren thermale Struktur unmittelbar südlich des Ringschattens zu bestimmen. Eine Okkultation des Trapez-Sternhaufens im Sternbild Orion soll dagegen dazu genutzt werden, um mit dem UVIS-Spektrometer die Schichtstrukturen innerhalb der oberen Atmosphärenschichten zu untersuchen. Außerdem sollen das VIMS und die ISS den Ringplaneten aus unterschiedlichen Blickwinkeln und unter sich dabei verändernden Beleuchtungsverhältnissen durch die erfolgende Sonnenlichteinstrahlung abbilden.

Für den 6. Januar ist eine aus einer Entfernung von rund 18 Millionen Kilometern erfolgende und etwa acht Stunden andauernde Beobachtung des kleinen, äußeren Saturnmondes Ymir vorgesehen. Außer den Daten von dessen Umlaufbahn um den Saturn, seinem Durchmesser von etwa 18 Kilometern und seiner mittleren Dichte von 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter, welche auf eine Zusammensetzung aus Wassereis mit einem hohen Anteil an Silikatgestein hindeutet, ist über diesem erst im Jahr 2000 entdeckten Saturnmond bisher nur sehr wenig bekannt.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung am 6. Januar ergebenden Lichtkurve und dem Abgleich mit vorherigen Beobachtungen sollen dessen Helligkeitsvariationen und die sich daraus ergebende Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist ein Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben den Rotationsgeschwindigkeiten der Monde wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen. Entsprechende Ergebnisse wurden Anfang Oktober 2011 auf dem EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem internationalen Planetologen-Kongress, im französischen Nantes präsentiert.

Den Abschluss des in wenigen Stunden beginnenden neuen Saturnorbits werden verschiedenen Beobachtungskampagnen bilden, welche erneut den Titan und die Atmosphäre des Saturn zum Ziel haben werden. Durch die Vermessung der Geschwindigkeiten, mit denen sich die Wolken innerhalb der Atmosphären bewegen, sollen dabei unter anderem die jeweiligen Windgeschwindigkeiten und die vorherrschenden Windrichtungen ermittelt werden. Solche Messungen sind ein wichtiger Beitrag, um die komplexen meteorologischen Prozesse besser zu verstehen, welche sich auf diesen beiden faszinierenden Objekten im äußeren Sonnensystem abspielen.

Nach einer kurzen Aktivierung der Triebwerke der Raumsonde am 15. Januar 2012, dieses Manöver dient einer notwenigen Kurskorrektur, wird Cassini schließlich am 16. Januar um 16:47 MEZ in einer Entfernung von rund 3 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und den 160. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 161 wird am 30. Januar 2012 ein weiterer gesteuerter Vorbeiflug an dem Mond Titan erfolgen. Dieser wird dabei in einer Höhe von 31.130 Kilometern überfolgen werden. Außerdem wird sich das Augenmerk von Cassini während des Orbits Nummer 161 erneut auf den Saturn richten, welcher dabei aus unterschiedlichen Entfernungen mit den verschiedenen Instrumenten untersucht werden soll.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Verwandte Seiten:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)



 

^ Nach oben

ISS Aktuell: Wochen 3 + 4 der Expedition 30 von Redaktion



• Wochen 3 + 4 der Expedition 30 «mehr» «online»
• PromISSe: Letzte Aktivitäten der Crew und Countdown «mehr» «online»
• Ein Niederländer unterwegs zur ISS «mehr» «online»
• ISS-Besatzung wieder vollständig «mehr» «online»
• ESA Astronaut Kuipers moderner Stern von Bethlehem «mehr» «online»


» Wochen 3 + 4 der Expedition 30
16.12.2011 - Auch in dieser und der letzten Woche hatte die dreiköpfige Besatzung der ISS einen vollen Terminplan. So waren etliche Experimente zu betreuen, medizinische Übungen zu absolvieren und einige Probleme zu bewältigen. Weiterhin fand in der vorherigen Woche ein Test des japanischen Roboterarms und eine Bahnanhebung statt. (Newsbild: Anatoli Iwanischin mit einer Kamera im Destiny-Modul)
Anatoli Iwanischin, Dan Burbank und Anton Schkaplerow begannen in der vorangegangenen Woche mit Wartungs- und Kontrollaufgaben. So wurden im russischen Segment die Öffnungen und Staubfilter der Luftumwälzungsanlage gereinigt, sowie die STTS-Audio-Systeme im Swesda-Modul gewartet. Im US-Teil der Station erfolgten Prüfungen der Trinkwasserqualität mit dem TOCA-Hardware-Kit. TOCA (Total Organic Carbon Analyzer) ist ein Gerät zur Prüfung der Reinheit des Wassers in der Wasser-Recycling-Anlage (WPA). Weiter erfolgte ein fünfstündiger Lauf von AQM (Air Quality Monitor) zur Überprüfung der Stationsluft. Anatoli Iwanischin absolvierte im Swesda-Modul eine Sitzung der russischen Verhaltensbewertung mit dem Namen MBI-20 Tipologija (Typologie). Dabei sollen die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Personen getestet werden, unter Stress zu arbeiten und zu kommunizieren. Ein Elektroenzephalogramm misst und registriert die elektrische Tätigkeit des Gehirns eines Besatzungsmitgliedes.

Vorbereitend auf den Zusammenbau und die Aufstellung des Amin-Swingbed-Systems im Destiny-Laboratorium konfigurierte Dan Burbank Verbindungen des VES/VRS (Vacuum Exhaust System / Vacuum Resource System). Das Amin-Swingbed-System ist ein Prototyp der Kohlendioxid- und Feuchtigkeitskontrolltechnologie, die im Orion MPCV (Multi Purpose Crew Vehicle) zur Anwendung kommen soll. Orion ist das nächste bemannte US-Raumfahrzeug, dass Raumfahrer über die niedrige Erdumlaufbahn hinaus transportieren soll. Beim Aufbau der Komponenten wurden jedoch einige Probleme mit den Anschlüssen festgestellt, so dass die Geräte wieder verstaut wurden, bis die Techniker am Boden eine Lösung der Probleme erarbeitet haben. Eine Vorstufe des Systems kam bereits bei verlängerten Space-Shuttle-Missionen in Form des RCRS (Regenerative Carbon Dioxide Removal System) zum Einsatz. Am Tag darauf wechselte Dan Burbank eine Brennstoffflasche im Experimentalschrank für Verbrennungsexperimente (CIR = Combustion Integrated Rack) des Destiny-Moduls.

In der zweiten Wochenhälfte fanden Tests des japanischen Robotic-Arms JEMRMS (Japanese Experiment Module Remote Manipulator System) am Kibo-Labormodul statt. Eine Reihe von Bewegungstests sollten hier sicherstellen, dass die Kontrolle des 10 Meter langen Arms auch von der Bodenstation aus möglich ist. Mit dem Demo-1-Test wurden Drehbewegungen des Nutzlastgreifers, auch End-Effector genannt, geprobt, bei dem Demo-2-Test erfolgten Längsbewegungen des gesamten Arms. Am 9. Dezember 20:50 Uhr erfolgte die nächste planmäßige Bahnanhebung des Orbitalkomplexes. Die zwei KD-Triebwerke des ODU-Systems (Integriertes Antriebssystem) des Swesda-Moduls arbeiteten 82 Sekunden und erhöhten mit einem Δv = 1,33 m/s die mittlere Umlaufbahn um 2,36 Kilometer auf insgesamt 393,2 Kilometer. Einen Tag darauf fand ein weiterer Test des CUCU (COTS UHF Communications Unit) im Harmony-Modul für den Dragon-Demoflug im Februar statt. Ziel war es hier, die Kommunikation des CUCU und den ISS-Antennen im S-Bandbereich mit einer möglichst niedrigen Bit-Fehlerrate nachzuweisen.

Der Beginn dieser Woche stand ganz im Zeichen der medizinischen Selbstversorgung der Crew. Anton Schkaplerow prüfte im russischen Segment die Medikamentenvorräte auf Vollständigkeit und Haltbarkeitsdatum. Ebenso wurden die Bestände an Nahrungsergänzungsmitteln, Salz, Vitamin C, usw. abgerufen. Im Anschluss daran machte er sich, unterstützt von Kommandant Dan Burbank, mit dem „Crew Medical Restraint System“ in seiner Funktion als medizinischer Offizier CMO (Crew Medical Officer) vertraut. Das CMRS ist eine Vorrichtung, auf der Patienten für Behandlungen, Defibrillationen und andere Notfälle in der Schwerelosigkeit gehalten werden können. Es kann in zwei Minuten an der ISS-Struktur befestigt werden, um dann Notarztverfahren am Patienten mit maximal zwei medizinischen Offizieren durchführen zu können. Im Destiny-Labormodul übten sie die Nutzung eines HMS RSP (Health Maintenance System Respiratory Support Pack) zur Beatmung bei Notfällen. In seiner Funktion als CMO absolvierte Anton Schkaplerow etwas später noch ein 30-minütiges On-Bord-Training. Die bereits am Boden erlangten Kenntnisse zu möglichen Notfällen, wie Atem- und Herzstillstand, werden einmal im Monat aufgefrischt und per Selbstbewertungsfragebogen überprüft.

Zur Wochenmitte arbeitete Dan Burbank im japanischen Kibo-Modul am 2D Nano Template 2 Experiment. Hierbei geht es um die Erzeugung von Nano-Schablonen zur Herstellung elektronischer Materialien auf der Erde. Zur selben Zeit arbeitete Anton Schkaplerow am KPT-10-Experiment “Kulonovskiy Kristall” (Coulomb-Kristall) im Miniforschungsmodul Poisk, welches Wissenschaftlern helfen soll, neue Materialien und Elektronikgeräte zu entwickeln. Dabei geht es um die Erforschung der Dynamik und der strukturellen Eigenschaften eines Coulomb-Systems, dass mit aufgeladenen Makropartikeln in einem Magnetfeld entsteht. Weiterhin fuhr er fort, Fracht aus dem Progress-Transporter auszuladen und in das stationseigenen Inventar-Management-Systems (IMS) einzubuchen. Die Inventar-Datei wird regelmäßig mit den drei Bodenstationen (Houston, Moskau, Baikonur) ausgetauscht und abgeglichen. Im Sarja-Modul absolvierte Anatoli Iwanischin wichtige Reinigungsaufgaben. Er säuberte die Räume hinter den Panelen 204, 205 und 303, um mögliche Schimmelpilzbildungen zu vermeiden. Eine Fotodokumentation dieser Bereiche erfolgte im Anschluss. Unterstützt vom Payload Operations Center in Huntsville arbeitete Dan Burbank erneut am CIR, wo er eine Führungsschiene und eine Sammelflasche austauschte.

Einen Teil seiner Zeit verbrachte Dan Burbank mit dem Trainer ROBoT (Robotics Onboard Trainer). Mit ROBoT werden Trainingseinheiten zur Steuerung des Stationsarms Canadarm2, hier in Vorbereitung auf die Kopplung der Dragon-Kapsel im nächsten Jahr, durchgeführt. In der zweiten Wochenhälfte erfolgte eine mehrstündige Softwareaktualisierung der russischen Stationscomputer auf die Version 8.05. Dies erforderte die teilweise Abschaltung von Gerätschaften im russischen Segment. So waren das Steuerungssystem MCS (Motion Control System), der Sauerstoffgenerator Elektron und das Wosduch-Kohlendioxyd-Eliminierungssystem außer Funktion. Nach erfolgter Prüfung der Installation wurden alle Systeme in die Ausgangskonfiguration zurückversetzt. Im US-Teil der Station führte Dan Burbank einige Tests an R2 (Robonaut 2) durch. R2 wurde dafür kurzzeitig aktiviert und nachfolgend wieder im Destiny-Modul verstaut. Weitere größere Aktivitäten mit dem menschenähnlichen Roboter sind nicht vor Januar 2012 geplant.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 15.12.2011:
392,8 km bei einem Höhenverlust von rund 130 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 23. Dezember, Sojus-TMA 03M erreicht die ISS
  • 18. Januar, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 25. Januar, Progress-M 13M verlässt die ISS
  • 28. Januar, Progress-M 14M erreicht die ISS

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» PromISSe: Letzte Aktivitäten der Crew und Countdown
20.12.2011 - Crew und Rakete sind bereit für einen Start am 21. Dezember.
Nachdem André Kuipers und seine Mannschaftskameraden, der russische Kosmonaut Oleg Kononjenko und der US-Astronaut Don Pettit, das Training abgeschossen hatten, begannen sie mit den direkten Vorbereitungen auf den Flug. Zunächst legte die Crew ihre Flugbereitschaft den führenden verantwortlichen Personen von Roskosmos vor, welche diese akzeptierten. Danach legte die Crew zeremoniell wie jede Sojus-Crew vor ihnen an der Kreml-Mauer Blumen im Gedenken an Juri Gagarin, den ersten Kosmonauten, Sergej Koroljow, den Chefkonstrukteur der Sowjets in den frühen Sechzigern sowie die bei Weltraummissionen verstorbenen Kosmonauten Wladimir Komarow (Sojus 1), Georgi Dobrowolski, Wiktor Pazajew und Wladislaw Wolkow (Sojus 11) nieder.

Am 8. Dezember war es dann soweit. Die Crew verließ Moskau in Richtung Baikonur, Kasachstan, und begab sich in Quarantäne, was auch die Verabschiedung von der Familie bedeutete. Früh in der Nacht verabschiedeten sich die drei Raumfahrer herzlich von Familie und engen Freunden, bevor sie zusammen mit ihren Ärzten in ein von Roskosmos bereitgestelltes Flugzeug stiegen, das sie nach Baikonur bringen sollte.

Früh am 9. Dezember erreichte die Crew dann Baikonur, wo sie noch auf dem Flugfeld von dem vor Ort verantwortlichen Cheftechniker Nikolai Selintschikow von RKK Energia, der Firma, die für die Abfertigung der Sojus-Kapsel und -Rakete verantwortlich ist, begrüßt wurde. Er bestätigte, dass alles nach Plan laufe.

In der folgenden Woche war die Besatzung mit diversen Aufgaben beschäftigt: Sie inspizierte ihre Sojus-Kapsel, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen und um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist. Ihre Sokol Start- und Landeanzüge mussten die Raumfahrer testweise anlegen, um zu überprüfen, ob diese dicht sind und auch wirklich passen. Ebenso überprüften die Kosmonauten letzte Fluggegenstände und machten sich mit diesen vertraut.

Doch es gab auch erfreulichere Aufgaben für die Crew. Ein wichtiger zeremonieller Akt, den jede Mannschaft vor dem Start erledigt, ist das Hissen ihrer Nationalflaggen sowie ein Besuch im Koroljow-Museum mit Führung und anschießender Verewigung durch Unterschrift.

Ebenso hatte die Crew Zeit für sich, um sich noch vor der Mission zu entspannen. Dazu konnte Billard, Tischtennis oder Schach gespielt werden. Auch gab man der Besatzung Gelegenheit, sich um letzte wichtige persönliche Dinge zu kümmern, wie das Bezahlen von Rechnungen, was in den kommenden sechs Monaten auf der ISS nur schwer möglich wäre. Außerdem wurden letzte medizinische Test mit der Crew durchgeführt.

Während sich die Raumfahrer so auf ihre Mission einstimmten, wurden auch die Sojus-Raumkapsel und die Trägerrakete auf ihre Mission vorbereitet. Nachdem die Crew ihre Kapsel inspiziert hatte, wurde diese mit der Nutzlastverkleidung versehen und dann an der Sojus-FG Rakete montiert.

Der Rollout via Eisenbahn erfolgte am frühen Morgen des 19. Dezember kasachischer Zeit. An der Startrampe angekommen, der gleichen Startrampe übrigens, von der 1961 Juri Gararin ins All startete, wurde die Rakete aufgerichtet und für den Start bereit gemacht.

Der Countdown für den Start, der am 21. Dezember um 14:16:15 Uhr MEZ erfolgen soll, begann 34 Stunden davor mit dem Vorbereiten der ersten Stufe der Sojus-FG-Rakete (international auch Booster genannt) auf das Betanken.

Nach dem Start braucht die Sojus-Kapsel etwa 2 Tage, um die ISS zu erreichen. Gesteuert wird die Sojus vom russischen Kosmonauten Oleg Kononjenko. Doch auch André Kuipers ist ausgebildet, die Sojus im Notfall zu bedienen. Kuipers beschreibt seine Aufgabe in der Sojus wie folgt: „Ich werde dem Kommandanten Oleg Kononjenko assistieren müssen vom linken Sitz aus, wenn wir uns der ISS nähern. Ich genieße es wirklich, die Kapsel zusammen mit ihm zu manövrieren und sanft mit der ISS zu koppeln. Sogar während den Simmulationen merkte ich, wie mein Herz schneller klopfte und mein Adrenalinpegel stieg.“

Die für den Flug eingesetzte Sojus-TMA-03M-Raumkapsel gehört zur neuesten Kapsel-Generation, die in ihrer jüngsten Version, der TMA-M, viele kleinere Verbesserungen erhalten hat. Im Gegensatz zur Kapsel der derzeit auf der ISS residierenden Crew, die noch mit der letzten Version der TMA-Serie gestartet ist, besitzt die TMA-M-Variante ein moderneres Computersystem, welches erstmalig in der Lage ist, ohne Einwirken der Mannschaft mit den Bordcomputern der ISS zu kommunizieren. Es kann sich auf diese Art automatisch mit regelmäßigen Updates in Form von neusten Bahndaten versorgen, welche der Computer der Sojus in dem unwahrscheinlichen Fall, dass die ISS-Crew ungeplant die Station verlassen und landen muss, benötigt. Bei der alten Sojus musste die ISS-Crew solche Updates regelmäßig manuell von der Bodenstation einspielen. Diese Arbeit fällt nun weg. Durch neuere Komponenten konnte die Masse der Sojus außerdem um ca. 70 kg reduziert werden, was bedeutet, dass jetzt mehr Nutzlast mitgenommen werden kann.

Im folgenden eine Liste der Startvorbereitungen (Zeitangaben in Stunden)



Aufstiegszeitliste (Zeitangaben in Minuten)


(Autor: Ian Benecken - Quelle: ESA)


» Ein Niederländer unterwegs zur ISS
21.12.2011 - Gemeinsam mit seinen Raumfahrer-Kollegen, dem Russen Oleg Kononjenko und dem Amerikaner Donald Pettit, startete ESA-Astronaut André Kuipers zu seiner rund fünf Monate dauernden Langzeitmission an Bord der Internationalen Raumstation. (Newsbild: Die Triebwerke der Sojus-FG haben gezündet)
Nach zwei Jahren gemeinsamer missionsspezifischer Ausbildung war es endlich soweit, die drei Raumfahrer erhielten von der staatlichen Kommission die Freigabe für ihren Flug. Rund zwei Stunden vor dem Start begaben sie sich, mit ihren Sokol-Fluganzügen bekleidet, zum Startplatz und stiegen in das Rückkehrmodul ihres Raumschiffes. Dort verharrten sie angeschnallt in den speziell eingestellten Kazbek-UM-Schalensitzen die restliche Zeit bis zum Start. Dieser erfolgte planmäßig um 14:16 Uhr MEZ und die Sojus-FG-Trägerrakete mit Sojus-TMA 03M als Nutzlast hob sich in den frostigen Abendhimmel über dem Startplatz 1 in Baikonur. Es ist der 135. Flug eines Sojus-Raumschiffes, der 29. bemannte Sojus-Flug zur ISS und der dritte einer neuen digital gesteuerten Sojus-Kapsel.

Wie geplant arbeiteten die Flüssigkeitstriebwerke der Sojus-Trägerrakete zuverlässig und brachten das bemannte Raumfahrzeug nach einem neunminütigen Flug in die vorgesehene Umlaufbahn. Gesteuert von Kommandant Oleg Kononjenko, welcher seine zweiten Raummission absolviert, befindet sich die Sojus nun im freien Flug im All. Es wurden bereits die Solarzellenpaneele und Kommunikationsantennen ausgefahren. Eine Reihe von Zündungen der Manövriertriebwerke, die heute und am morgigen Tag vorgesehen sind, werden das Raumschiff in seine endgültige Umlaufbahn bringen. Die automatisierte Annäherung und Kopplung ist am Freitag, dem 23. Dezember gegen 16:20 Uhr MEZ, am Docking- und Forschungsmodul Rasswjet geplant. Sojus-TMA 03M, im ISS-Flugplan auch als ISS AF-29S bezeichnet, wird voraussichtlich bis zum 16. Mai 2012 an der ISS verbleiben.

Die drei Besatzungsmitglieder von Sojus-TMA 03M werden ab Freitag die Langzeitbesatzung 30 mit Anatoli Iwanischin, Dan Burbank und Anton Schkaplerow für die nächsten drei Monate verstärken. Damit klettert die Sollstärke der ISS-Besatzung wieder auf die geplante Personenzahl von sechs. Während dieser Missionszeit stehen einige wichtige Höhepunkte auf dem Programm. So sollen bis Mitte März ein Progress-Versorger und der neue kommerzielle US-Versorger, die Dragon-Kapsel von SpaceX, an der ISS ankoppeln. Weiterhin wird Progress-M 13M die ISS verlassen und Anton Schkaplerow gemeinsam mit Oleg Kononjenko den 30. russischen ISS-Außenbordeinsatz durchführen. Für den ESA-Astronaut André Kuipers ist dies der Beginn seiner Mission mit dem Namen PromISSe.

Replay vom Start:

Verwandte Meldungen:

PromISSe-Sonderseite bei Raumfahrer.net:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, ESA)


» ISS-Besatzung wieder vollständig
23.12.2011 - Das vor zwei Tagen vom Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) gestartete Raumschiff Sojus-TMA 03M erreichte heute die Internationale Raumstation. (Newsbild: Sojus-TMA 03M im Anflug)
Vorbereitend auf die Ankunft von Sojus-TMA 03M testetet Dan Burbank das Ku-Band-System an Bord der ISS mit einer Videoübertragung. Dabei geht es um die Umwandlung der russischen Videosignale einer SONY-HDV Kamera in das amerikanische NTSC-Format und deren drahtlose Übertragung zur Erde. Zuvor musste dafür noch ein Problem mit der Ethernetverbindung eines Stationshilfslaptops gelöst werden, Anatoli Iwanischin wurde mit dieser Aufgabe betraut. Mit mehreren Bahnkorrekturmanövern näherte sich das Raumfahrzeug heute der ISS, umkreiste sie kurz und setzte zum Endanflug mit nachfolgender Kopplung an.

Diese erfolgte um 16:19 Uhr MEZ über dem südlichen Russland im automatischen Modus. Die feste Verbindung mit dem Orbitalkomplex konnte um 16:31 Uhr MEZ mit dem Schließen der Andockklammern zwischen den Raumfahrzeugen vollzogen werden. Die nun anstehenden Prozeduren dienten der Dichtigkeitsprüfung zwischen Sojus und der ISS. Sie dauerten fast zweieinhalb Stunden. Somit öffneten sich, nach einem positiven Ergebnis der Dichtigkeitsprüfung, die Luken zwischen den Raumfahrzeugen um 18:43 Uhr MEZ. Kurz darauf schwebten die drei Neuankömmlinge in ihr neues Zuhause und wurden dort von der Stammbesatzung herzlich begrüßt. Oleg Kononjenko, Donald Pettit und André Kuipers werden von nun an diese Langzeitbesatzung 30 komplettieren und rund drei Monate gemeinsam arbeiten und forschen.

ISS-Kommandant Dan Burbank führte zuerst die vorgeschriebene Sicherheitsunterweisung mit den drei neu Angereisten durch, bevor alle sechs Raumfahrer gemeinsam mit der Bodenstation sprachen. Dies ist der 118. Raumflug zur ISS, welche sich aufteilen auf 36 US-Missionen, 78 russische, 2 europäische und 2 japanische Missionen. An Bord von Sojus-TMA 03M befinden sich 117 Frachtanteile (35 Roskosmos, 57 NASA, 21 ESA, 4 JAXA) mit insgesamt 172 Kilogramm, darunter auch Geschenke von den Angehörigen für die Raumfahrer.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 22.12.2011:
392,1 km bei einem Höhenverlust von rund 130 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 18. Januar, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 25. Januar, Progress-M 13M verlässt die ISS
  • 28. Januar, Progress-M 14M erreicht die ISS

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» ESA Astronaut Kuipers moderner Stern von Bethlehem
28.12.2011 - Heilig Abend 2011 - es ist gegen 17:25 Uhr. Manche sind auf dem Weg zu ihren Lieben, andere gehen mit ihrem Hund Gassi. Dort wo der Himmel frei ist, erleben sie folgendes: Ein gold`ner, langer Schweif, der still seine Bahn zieht, stärker wird und zerfällt. Kurze Zeit später überschlagen sich die Nachrichten - in den Foren tauchen Videos auf - es wird nachgefragt: Was war das? Ein Ufo, oder ein Meteorit, ein sogenannter Bolide, oder Weltraummüll - was schuf den modernen Stern von Bethlehem?

Leuchtstreifen über Deutschland


Mitteleuropa wurde am frühen Heiligen Abend 2011 Zeuge eines gewaltigen Feuerwerks. Tausende aus Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten dieses Spektakel beobachten. Eine Leuchtspur, die gut 26 Kilometer südlich von Saarbrücken begann und sich dann über den Süden Deutschlands hinwegzog. Videos aus der Gegend um Frankfurt am Main zeigen die Leuchtspur am Firmament in der Nähe des Jupiters vorbeiziehen. Im tieferen Thüringen wird vom Auseinanderbrechen des Objektes und mehreren Leuchtspuren berichtet.

Einige Agenturen rufen das Lagezentrum im Thüringer Innenministerium an. Dort wird die Leuchterscheinung bestätigt aber ein ebenfalls vermuteter Flugzeugabsturz ausgeschlossen. Auch im RaumCon Forum von Raumfahrer.net tauchen Anfragen, Videos und Erklärungsversuche auf. Die Recherche der Fachleute in den Satellitendatenbanken beginnt....


ESA Astronaut Andre Kuipers sorgt mit seiner Mission zur ISS für den modernen Stern von Bethlehem

Als der europäische Astronaut, der Niederländer Andre Kuipers am 21. Dezember 2011 mit Sojus TMA-03M zur Internationalen Weltraumstation ISS aufbrach, dachte er sicherlich nicht daran, dass ein Teil der Sojus-Rakete über Deutschland in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen könne. Gute 528 Sekunden nach dem Start trennt sich die Sojus Kapsel von der Raketenstufe SL-4 der Sojus FG Trägerrakete, nachdem beide einen, für mindestens dreißig Umläufe, stabilen Orbit erreicht haben.

Während sich die Sojus TMA-03M mit Kuipers an Bord nach der Trennung in einer Umlaufbahn von 248 km mal 193 km befindet und sich auf den Weg zur ISS macht, nähert sich die vierte Stufe der Sojus FG die SL-4 aus einer Umlaufbahn von 244 km mal 193 km ihrem Ende.

Auch in einer Höhe von 200 Kilometern sind Luftmoleküle anzutreffen. Um auf dieser Höhe zu bleiben sind Bahngeschwindigkeiten von rund 7,79 Kilometer pro Sekunde notwendig. Bei diesen Geschwindigkeiten sind die Bremskräfte der einzelnen Luftmoleküle schon sehr wirksam. Ohne Antrieb können sich Objekte in dieser Höhe nur wenige Tage im Orbit halten.

So auch die SL-4. Von der Restathmosphäre kontinuierlich gebremst, machte sie sich auf den unvermeidlichen Abstieg - ihrer Zerstörung entgegen. Wie die Grafik zeigt verlor die Raketenstufe am 24.12.2011 zwischen 09:00 Uhr und 12:00 Uhr Weltzeit 11 Kilometer Höhe und ihr erdnächster Punkt befand sich auf rund 145 Kilometern. Zu dieser Zeit hatte sie bereits 48 Erdumkreisungen hinter sich. Ganze vier Umkreisungen lagen noch vor ihr.

Während dieser Zeit wurde die Stufe, wie alle im Erdorbit befindlichen Objekte, kontinuierlich verfolgt. Das strategische Kommando der US-Streitkräfte USSTRATCOM ist eine Organisation, welche die Bahn- und Wiedereintrittsbestimmung von Objekten vornimmt. Mittels ihrer Daten wurde der Wiedereintritt der Raketenstufe für ca. 17:37 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) mit einer Genauigkeit von plus minus drei Stunden angegeben. Die Vorhersage von Wiedereintritten ist keine leichte Angelegenheit, da hierbei die Ausdehnung der Erdatmosphäre berücksichtigt werden muss, welche von der aktuellen Sonnenaktivität abhängig ist.

Um 19:01 Uhr MEZ berichtete das USSTRATCOM vom Wiedereintritt der Raketenstufe "Object 38037, SL-4 R/B" (R/B für Rocket Body- Raketenstufe) um 17:25 Uhr bei 49° Nord und 7° Ost cirka 26 Kilometer südlich von Saarbrücken. Der nächste größere Wiedereintritt ist die verunfallte russische Mars Mission Phobos-Grunt. Da diese Sonde mit einer Inklination also einer Bahnneigung von 51,4° unterwegs ist, besteht auch hier die Möglichkeit des Wiedereintritts über Deutschland. Im Moment wird der Eintritt dieser Marssonde um den 15. Januar 2012 erwartet.


Vektor Daten der letzten Stunden von SL-4
      SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11357.88056780 .03755511 12255-4 51366-3 0 145
2 38037 051.6232 285.8384 0021043 080.9865 279.3540 16.33601602 385
SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11358.06400032 .04420953 12270-4 45240-3 0 151
2 38037 051.6234 284.8043 0025756 103.1369 257.8770 16.35772970 419
SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11358.12497262 .05318734 12327-4 51088-3 0 164
2 38037 051.6365 284.4700 0018953 088.7946 271.7865 16.36914159 429
SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11358.24697129 .06970141 12366-4 52695-3 0 201
2 38037 051.6264 283.7691 0016466 092.6787 268.0071 16.39091340 443
SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11358.36876963 .09286142 12438-4 43632-3 0 215
2 38037 051.6230 283.0912 0015207 091.0841 269.3908 16.41605936 461
SL-4 R/B (Decayed 2011-12-24)
1 38037U 11078B 11358.49032868 .12429261 12486-4 31801-3 0 221
2 38037 051.6250 282.3996 0011447 105.0465 255.1538 16.44922867 489


Verwandte Meldungen


RaumCon Meldungen


(Autor: Thomas Wehr - Quelle: ESA, Raumfahrer.net, USSTRATCOM)



 

^ Nach oben


"InSpace" Magazin #457
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
28. Dezember 2011
Auflage: 4577 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

Redaktion InSpace Magazin:
Axel Orth
Simon Plasger

Redaktion:
Johannes Amann
Ian Benecken
Igor Bissing
Lars-C. Depka
Klaus Donath
Günther Glatzel
Sascha Haupt
Stefan Heykes
Thomas Hofstätter
Oliver Karger
Hans J. Kemm
Mandy Kobs
Andreas Kurka
Timo Lange
Daniel Maurat
Ralf Möllenbeck
Kirsten Müller
Thomas Pallmann
Simon Plasger
Ralph-Mirko Richter
Peter Rittinger
Markus Rösken
Daniel Schiller
Ralf Mark Stockfisch
Karl Urban
Thomas Wehr
Thomas Weyrauch
Tobias Willerding
Julian Wohlstein
Kontakt / Impressum / Disclaimer


Kontaktformular

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

Ihre Nachricht:

Bitte vor dem Absenden online gehen.



Herausgeber
Das "InSpace"-Magazin ist eine Publikation des Raumfahrer Net e.V., Petersburger Straße 5, 10249 Berlin vertreten durch die Vorsitzenden Karl Urban und David Langkamp.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts ist Thomas Weyrauch (Anschrift wie Herausgeber).

Abmeldung
Eine sofortige Abmeldung vom Magazin ist jederzeit unter Magazin.Raumfahrer.net möglich. Bei Problemen hierbei können Sie sich jederzeit vertrauensvoll an webmaster@raumfahrer.net wenden.

Newsletter-Archiv
Sämtliche bisher erschienenen Ausgaben des "InSpace" Magazins können Sie auf dessen Seite unter http://magazin.raumfahrer.net nachlesen.


TrekZone
Raumfahrer.net ist die Raumfahrtrubrik des TrekZone Networks. Es entsteht in enger inhaltlicher und redaktioneller Kooperation mit TrekZone.

Urheberrecht
Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Newsübernahme
Die Übernahme von Newsmeldungen - sowohl in ganzer Form wie auch sinngemäß - ist nur für gedruckte Publikationen erlaubt. Wir bitten dabei ausdrücklich um die Nennung unseres Namens (Quellenangabe), "Raumfahrer.net", und einen Verweis auf unsere Webseiten unter http://www.raumfahrer.net.

Betreibern von Internet-Seiten ist die Übernahme von Newsmeldungen ohne schriftliche Genehmigung des Chefredakteurs (Nachricht an Thomas Weyrauch) streng untersagt. Das Umschreiben von Newsmeldungen stellt - wie die ganzheitliche Übernahme einer Meldung - eine Verletzung unserer Rechte dar. Wir behalten uns vor, gegen derartige Fälle rechtlich vorzugehen.

Links
Gemäß eines Urteiles des Landgerichts (LG) Hamburg vom 02. Juni 1998 - Aktenzeichen 312 0 85/98: "Haftung für Links" - distanzieren sich die Redaktion von Raumfahrer.net sowie sämtliche an der Produktion Beteiligte hiermit von Aussagen und Inhalten gelinkter Seiten. Jegliche rechtlichen und gesetzlichen Verstöße auf diesen waren zum Redaktionszeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grund sind wir nicht verantwortlich bzw. haftbar für Probleme oder Schäden in jeglicher Form, die durch Existenz, Kenntnis, Besuch oder Nutzung gelinkter Seiten entstehen.

Weiterverwendung persönlicher Daten
Hiermit wird gemäß 28 Abs. 3 und 4 des Bundesdatenschutzgesetzes die Verwendung von persönlichen Daten dieser Publikation zu Werbezwecken sowie zur Markt- und Meinungsforschung ausdrücklich untersagt.

2011 by Raumfahrer.net.