InSpace Magazin #455 vom 29. November 2011

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #455
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

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Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Atomstrom für Marsrover Curiosity

> ISS Aktuell:
Sojus-Kapsel landet unter winterlichen Verhältnissen

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

im Gegensatz zur russischen Sonde Fobos-Grunt, die leider nach wie vor im Erdorbit feststeckt, konnte der neue Marsrover Curiosity sich am letzten Samstag ohne Probleme auf den Weg machen, um in etwa neun Monaten den roten Planeten zu erreichen. Doch auch diese Mission ist nicht ohne Risikien. Bei der Landung soll erstmalig eine neuartige Landetechnik zum Einsatz kommen, der sogenannte Skycrane. Dabei soll der Rover von einem fliegenden Kran aus an Seilen auf die Marsoberfläche herabgelassen werden. Da jedoch auch andere Landetechniken (z.B. die Airbaglandung mit anschließendem Hüpfen über die Marsoberfläche) im ersten Versuch geglückt sind, bin ich zuversichtlich, dass auch diese Mission erfolgreich den Boden unseres äußeren Nachbarplaneten erreicht.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen,

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• China: Shijian 4 und Chuangxin 1-03 im All «mehr» «online»
• Das 24. Raumfahrtkolloquium in Aachen «mehr» «online»
• SpaceX plant dritten Startplatz für Falcon 9 «mehr» «online»
• TAS: Eigener Komsat für Turkmenistan «mehr» «online»
• QuetzSat 1 bereit für kommerziellen Einsatz «mehr» «online»
• AsiaSat 7 erfolgreich gestartet «mehr» «online»
• Curiosity auf dem Weg zum Mars «mehr» «online»
• Sternfossilien – Blick in die galaktische Kinderstube «mehr» «online»
• Weiterer Glonass-M im All «mehr» «online»
• Mapheus-3: Experimente in der Schwerelosigkeit «mehr» «online»


» China: Shijian 4 und Chuangxin 1-03 im All
22.11.2011 - Am 20. November 2011 wurden zwei chinesische Satelliten gestartet, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am gleichen Tag. In den Weltraum gelangten die Satelliten vom Startzentrum Jiuquan in der Wüste Gobi in der inneren Mongolei aus.
Befördert wurden die Raumfahrzeuge von einer Langer-Marsch-2D-4-Rakete. Sie hob um 08:15 Uhr Pekinger Zeit, das ist 1:15 Uhr MEZ, ab. Es war der 149. Start einer Rakete des Typs Langer Marsch zu einer Weltraummission, und der 13. erfolgreiche von 14 chinesischen Trägerstarts im Jahr 2011. Die nach rund einer Viertelstunde Flug ausgesetzten Satelliten erreichten annähernd kreisförmige Orbits in Höhen zwischen 780 und 803 Kilometern über der Erde.

Erneut handelt es sich laut Xinhua wie bei den zuvor gestarteten Shijian-Satelliten bei Shijian 4 um ein Raumfahrzeug, das experimentellen wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Zwecken dient und dabei Mess- und Kommunikationsaufgaben zu erledigen hat. Dementsprechend erfolgte die Namensgebung des Satelliten: Shijian bedeutet auf Deutsch etwa soviel wie Übung. Gebaut wurde er von der Dongfanghong Satellite Corporation, einem Unternehmen der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC).

Chuangxin 1-03 wurde von der chinesischen wissenschaftlichen Akademie entwickelt. Er ist nach Angaben von China Radio International insbesondere für die Datensammlung und -übertragung von verschiedenen Überwachungsstationen für Bewässerungsanlagen, Wasserkunde, Meteorologie, Stromleistung sowie Katastrophenbekämpfung gedacht.

Shijian 4 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.930 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-068A. Chuangxin 1-03 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.931 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-068B.

Verwandte Meldungen:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: China Radio International (CRI), raumfahrer.net, Xinhua)


» Das 24. Raumfahrtkolloquium in Aachen
22.11.2011 - Am 17. November 2011 fand das 24. von DLR, DGLR und FH veranstaltete Raumfahrtkolloquium in Aachen statt.
Die Erdbeobachtung ist eines der wichtigsten Gebiete der Raumfahrt. Sie ermöglicht vielfältige Dienste, die allen Menschen nützlich sind. So wäre beispielsweise die Wettervorhersage der nächsten Tage ohne Satelliten, welche das Geschehen in der Atmosphäre messen, nicht möglich. Auch die Erstellung von detaillierten Landkarten bezieht ihre Daten aus der Raumfahrt. Zu diesem aufregenden Thema fand in Aachen das 24. Raumfahrtkolloquium statt.

Den detaillierten Bericht finden Sie hier.
(Autor: Simon Plasger - Quelle: Raumfahrer.net)


» SpaceX plant dritten Startplatz für Falcon 9
23.11.2011 - Für kommerzielle Nutzlasten will SpaceX einen dritten Startkomplex errichten.
Mögliche Standorte sind nach Angaben von SpaceX Puerto Rico, Texas, Hawaii oder Florida. Die beiden bisherigen Startkomplexe in Cape Canaveral und Vandenberg befinden sich auf Militärgelände der USA und seien gut für Satellitenstarts im Auftrag der US-Regierung geeignet. Allerdings verursachen sie mit ihren hohen Sicherheits- und Kontrollstandards auch nicht unerhebliche Kosten.

Für kommerzielle Nutzlasten sei weiterhin ein Standort erforderlich, bei dem man nicht gegen Exportbestimmungen für bestimmte Technologien verstößt. Elon Musk, CEO von Space Exploration Technologies (SpaceX), stellt sich den neuen Startkomplex eher wie ein kommerziell funktionierendes Cape Canaveral vor.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Spaceflight Now, Raumcon)


» TAS: Eigener Komsat für Turkmenistan
25.11.2011 - Am 23. November 2011 gab der französisch-italienische Luft- und Raumfahrtkonzern Thales Alenia Space bekannt, mit dem Bau eines Kommunikationssatelliten für Turkmenistan beauftragt worden zu sein.
Anfang 2011 kam es zur Gründung der Turkmenischen Raumfahrtagentur (TNSA, Turkmenistan National Space Agency, in Landesprache Türkmenistanyň prezidentiň ýanynda Milli kosmos agentligi), zu deren Aufgaben auch die Satellitenkommunikation gehört. Zu diesem Zweck eingesetzte eigene Raumfahrzeuge sollen von turkmenischem Boden aus überwacht und gesteuert werden. Um dies zu ermöglichen, wurde neben dem Bau des Satelliten auch die Lieferung von zwei entsprechenden Bodenstationen durch Thales Alenia Space (TAS) vereinbart. Darüber hinaus wurde verabredet, dass Abgesandte aus Turkmenistan bei TAS in Satellitenbau und Managementtechniken unterwiesen werden.

Der zu bauende Satellit basiert auf der Plattform 4000 C2 von TAS. Das Raumfahrzeug aus der 10-Kilowatt-Klasse mit einem Startgewicht von voraussichtlich rund 4,5 Tonnen soll eine Anzahl von Ku-Band-Transpondern tragen, um Gebiete in Zentralasien mit einer Reihe von Kommunikationsdiensten zu versorgen.

Einsetzen will Turkmenistan, das derzeit keine Option für eine eigene Position im Geostationären Orbit besitzt, den Satelliten bei 52 Grad Ost. Zu diesem Zweck vereinbarte das turkmenische Kommunikationsministerium mit der Space Systems International (SSI) aus Monaco die Nutzung des zur Zeit Monaco zugewiesenen Slots für 15 Jahre, was der Auslegungsbetriebsdauer des neuen Satelliten entspricht.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Thales Alenia Space (TAS))


» QuetzSat 1 bereit für kommerziellen Einsatz
25.11.2011 - Der Kommunikationssatellitenbetreiber SES berichtete am 14. November 2011, dass QuetzSat 1 vollständig einsatzbereit ist und seit dem 10. November 2011 für den kommerziellen Einsatz zur Verfügung steht.
Das beim Start 5.514 Kilogramm schwere, von Space Systems/Loral (SS/L) auf Grundlage des 1.300-er Satellitenbus gebaute Raumfahrzeug der 20-Kilowatt-Klasse war am 29. September 2011 auf einer von Chrunitschew hergestellten Proton-M-Rakete vom kasachischen Startgelände Baikonur aus in den Weltraum gebracht worden.

Positioniert ist QuetzSat 1 bei 77 Grad West im Geostationären Orbit. Dort dient er mit seinen 32 gleichzeitig einsetzbaren Ku-Band-Transpondern der EchoStar Corporation zur Versorgung von Kunden in Mexiko, den Vereinigten Staaten von Amerika sowie Zentralamerika mit einer großen Bandbreite von Kommuniktionsdiensten und Programmen. Die geplante Einsatzzeit von QuetzSat 1 im All beträgt mindestens 15 Jahre.

QuetzSat 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.826 bzw. als Objekt 2011-054A.

Verwandte Meldung:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: SES)


» AsiaSat 7 erfolgreich gestartet
25.11.2011 - Heute um 20:11 Uhr MEZ startete vom kasachischen Kosmodrom Baikonur eine Proton-M mit Bris-M-Oberstufe in den Weltraum. Als Nutzlast startete sie den Satelliten AsiaSat 7.
Der Start erfolgte um 1:11 Uhr am 26. November Ortszeit (20:11 MEZ am 25. November) vom kasachischen Kosmodrom Baikonur von der Startrampe 200/39. Nach zwei Minuten wurde die erste Stufe abgetrennt, wobei die zweite Stufe schon kurz vor Brennschluss der Erststufe startete. Dieses Manöver wird "heiße Stufentrennung" genannt. Bei T + 5:27 Minuten wurde die Zweitstufe abgetrennt und die dritte Stufe gestartet. 21 Sekunden später wurde auch die Nutzlastverkleidung abgetrennt. Neun Minuten und 42 Sekunden nach dem Start wurde die Drittstufe abgetrennt und die Oberstufe Bris-M begann ihre erste von vier Zündungen. Diese erfolgte 11:16 Minuten nach dem Start. Nach einer Brenndauer von 4:31 Minuten wurde sie auch schon wieder abgeschaltet.

Im Laufe des Abends und des frühen Morgens sollen die restlichen drei Zündungen mit je einer Brenndauer von 17:44 Minuten, 17:48 Minuten sowie 11:33 Minuten erfolgen, bis der Satellit sicher auf seiner Umlaufbahn ausgeliefert worden ist.

Die Nutzlast war der Kommunikationssatellit AsiaSat 7. Der von der US-amerikanischen Firma Space Systems/Loral (SS/L) gebaute Satellit basiert auf der Satellitenplattform SS/L 1300 und wurde mit 28 C-Band-, 17 Ku-Band- sowie einem Ka-Band-Sender ausgestattet. Er hat dabei voll betankt eine Masse von 3.813 kg. Als Ersatz für den im Jahr 1999 gestarteten Satellit AsiaSat 3S soll AsiaSat 7, zunächst auch als AsiaSat 5C bekannt, auf einer Position von 105,5° Ost im geostationären Orbit 50 Nationen im Mittleren Osten, in Südost- und Zentral-Asien mit Fernsehsignalen versorgen. Er soll eine Lebensdauer von 15 Jahren haben.

Dieser Start war der insgesamt 371. einer Proton-Rakete seit 1965 sowie der 50. Start einer Proton-M mit zusätzlicher Bris-M-Oberstufe. Der Start wurde von der russisch-amerikanischen Vermarktungsfirma International Launch Services durchgeführt.

Verwandte Artikel und Websites:

Raumcon:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ILS, ZENKI)


» Curiosity auf dem Weg zum Mars
26.11.2011 - Der NASA-Marsrover Curiosity wurde heute gegen 16:02 Uhr MEZ an der Spitze einer Atlas-5-Trägerrakete vom Raumfahrtgelände Cape Canaveral aus gestartet. Er soll am 5. August 2012 den Roten Planeten erreichen, weich landen und anschließend 2 Jahre lang den Planeten erkunden.
Der Start erfolgte pünktlich zu Beginn des Startfensters mit einer Atlas 5 in der Konfiguration 541, also mit 5 Meter durchmessender Nutzlastverkleidung, 4 Feststoffboostern und 1 Triebwerk in der Centaur-Oberstufe. Letzteres ist mehrfach zündbar und sorgt bei ihrer zweiten Antriebsphase für den Einschuss in die Flugbahn zum Mars. Diese Konfiguration startete heute zum ersten Mal.

Die Atlas 5 hatte komplett eine Startmasse von 531 t und brachte die insgesamt gut 3,8 t schwere Nutzlast auf Kurs. Davon entfallen 899 kg auf den Rover und 2.940 kg auf Antriebsstufe, Eintritts- und Landesystem. Die Landung soll am 5. August 2012 nach gut achtmonatiger Reisezeit im etwa 3,5 Milliarden Jahre alten Gale-Krater bei etwa 4,5 Grad südlicher Breite sowie 137,4 Grad östlicher Länge erfolgen.

Im Jahre 2004 gelang hier aus der Marsumlaufbahn heraus der Nachweis von Tonmineralen, die auf der Erde nur unter Mitwirkung von Wasser entstehen. Das macht diese Landestelle besonders interessant. Zudem befindet sich der Kratergrund deutlich unter der Nullhöhe des Mars und ist damit früher mit hoher Sicherheit Ziel abfließenden Wassers gewesen. Man erwartet hier zudem verschiedene interessante Gesteinsarten in mehreren Schichten übereinanderliegend und geht davon aus, dass in wärmerer und feuchterer Frühzeit für längere Zeit Wasser an der Oberfläche hat existieren können.

Der Start verlief wie geplant. 1 Minute und 52 Sekunden nach dem Start wurden die ausgebrannten Feststoffbooster abgeworfen, 3 Minuten und 25 Sekunden nach dem Start folgte ihnen die Nutzlastverkleidung und nach gut 4 Minuten die erste Stufe. Die zweite zündete nach 4 Minuten und 38 Sekunden und beschleunigte das Gespann aus Oberstufe und Nutzlast in einen temporären Orbit zwischen 165 und 324 Kilometern Höhe. Nach weiteren 21 Minuten zündete die Centaur-Oberstufe ein zweites Mal und brachte die Nutzlast in einer achtminütigen Antriebsphase auf eine Flugbahn zum Mars. Gegen 16:46 Uhr MEZ wurde die Oberstufe inklusive der Nutzlast in eine stabilisierende Rotation um die Längsachse versetzt und die Nutzlast schließlich abgetrennt. Beides konnte über eine Kamera an der Spitze der Centaur live mitverfolgt werden.

In wenigen Minuten sollen nun erste Telemetriedaten von der Sonde selbst empfangen und anschließend die Flugbahn genauer vermessen werden.

Verwandte Artikel und Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon, Spacelivecast)


» Sternfossilien – Blick in die galaktische Kinderstube
28.11.2011 - Der hohe Gehalt von schweren chemischen Elementen in einigen der Halosterne in unserer Milchstraße überrascht. Für Astrophysiker gibt das Anlass, die Herkunft der Halosterne zu überdenken.
Die Ältesten unter den Sternen der Milchstraße befinden sich in ihrem kugelförmigen galaktischen Halo. Diese Art „Atmosphäre“ der Milchstraße besitzt einen Durchmesser von etwa 165.000 Lichtjahren. Neben fast ausschließlich älteren, sogenannten Population-II-Sternen, kommen dort noch etwa 150 Kugelsternhaufen, sowie große Mengen Dunkler Materie vor. Anders als die galaktische Scheibe ist der Halo weitgehend staubfrei. Sowohl der Orbit der Population-II-Sterne, als auch der der Kugelsternhaufen, zeichnet sich durch seine starke Neigung gegen die galaktische Ebene aus.

Nach gängiger Vorstellung der Sternentstehung sollten die Halosterne über keine höheren Anteile an Metallen verfügen. Die Metallizität, d. h. die Metallhäufigkeit, ist eine in der Astrophysik gebräuchliche Bezeichnung für die Häufigkeit der schweren chemischen Elemente in Sternen. Als „Metalle“ werden dabei, abweichend von der chemischen Bedeutung dieses Begriffes, meist alle Elemente mit Ausnahme des Wasserstoffs und des Heliums bezeichnet. Die schweren Elemente wurden im Universum erst durch Kernreaktionen in Sternen gebildet (der Nukleosynthese), daher hängt die Metallizität eng mit der Entstehungszeit eines Sternes zusammen. Sterne mit niedriger Metallizität, also die Population-II-Sterne des Halos, sind in einem früheren Entwicklungsstadium des Universums entstanden als erst wenige „Metalle“ vorhanden waren. Demgegenüber sind Sterne mit hoher Metallizität zu einem späteren Zeitpunkt aus der mit schweren Elementen angereicherten „Asche“ früherer Sternengenerationen entstanden.

Aus diesem Grunde überrascht der spektroskopische Nachweis von abnorm hohen Gold-, Platin- und Urananteilen in einigen der Halosterne unserer Milchstraße, die zwar schon länger bekannt, deren Herkunft nichtsdestoweniger ungeklärt blieb. Zwei unterschiedliche Ansichten dominieren in dieser Frage. Ein neuer Erklärungsansatz könnte nun helfen, mehr Klarheit zu schaffen.

In der unmittelbaren Folge des Urknalls, während der sogenannten primordialen Nukleosynthese, die einen Zeitraum ab etwa drei Minuten nach der Anfangssingularität beschreibt, bestand das Universum nach den Vorstellungen des kosmologischen Standardmodells im Wesentlichen aus Dunkler Materie sowie den Elementen Wasserstoff und Helium.

Aus diesen Elementen setzten sich dann auch die Sterne der ersten Generation, die sogenannten Population-III-Sterne, zusammen. In ihrem Inneren erbrüteten sie die ersten schwereren Metalle wie Kohlen- und Sauerstoff. Einmal in Gang gesetzt, bildeten die nach und nach weiter entstehenden Sterne in kosmologisch relativ kurzen Zeitskalen von einigen hundert Millionen Jahren alle natürlichen Elemente des Periodensystems. Als Ergebnis dieser ungeheuren Produktivität, weist unsere Sonne heute eine tausendfach höhere Metallhäufigkeit als ihre Vorgängergenerationen auf.

Nicht so recht ins Bild wollen daher ca. 2% der Sternfossilien im galaktischen Halo passen, die einen für ihr Alter nicht nachvollziehbar hohen Metallanteil aufweisen. Die bis jetzt am intensivsten diskutierte Theorie geht davon aus, dass die Mehrheit dieser alten aber doch metallreichen Sterne die übriggebliebenen Mitglieder früherer enger Binärsysteme darstellen. Ihr jeweiliger Partner ist längst in einer Supernovaexplosion vergangen. Die im Rahmen seines Untergangs in die lokale Umgebung abgegebenen Elemente haben sich wie ein feiner Gold- oder Platinüberzug auf das masseärmere Mitglied des ehemaligen Doppelsternsystems gelegt.

Eine zweite Überlegung sieht eher eine Art „Gießkannenprinzip“ als Verteilungsgrundlage. Auch hierbei spielen Supernovaexplosionen die entscheidende Rolle, allerdings verteilen sie die zuvor erbrüteten Elemente durch Jets in verschiedene Richtungen. Die Metalle lagern sich schließlich in diffusen Gaswolken an, aus denen dann wiederum die heute im Milchstraßenhalo zu beobachtenden Population-II-Sterne kondensierten.

Das möglicherweise entscheidende Indiz zur Klärung der Frage lieferten jetzt drei Sterne dieser rätselhaften 2%. Sie weisen im Gegensatz zum Rest klar definierbare orbitale Bewegungen auf, aus denen sich mit Hilfe numerischer Simulationen nachweisen ließ, dass die große Mehrheit der bekannten 17 metallreichen Halosterne tatsächlich als Einzelsterne angesehen werden muss. Bei lediglich drei Sternen, knapp 20% von ihnen, konnte ein Binärzusammenhang aufgeschlüsselt werden. Ein Ergebnis, des in seiner Gesamtschau gut mit dem allgemein akzeptierten Wert der Milchstraße verträglich ist. Etwa 50% aller Sterne der Milchstraße sind nach dieser Annahme keine Einzelsterne. Allerdings beinhaltet diese Hälfte Sternpopulationen von gravitativen und scheinbaren Doppel- sowie Mehrfachsystemen. Der Wert von reinen Binärsystemen in der Milchstraße wird bei ebenfalls 20% angenommen.

Die generelle Annahme einer Historie als Zweifachsystem kann demzufolge als Erklärung der hohen Metallizität der Halosterne nicht so ohne Weiteres übernommen werden. Weitaus plausibler erscheint die Anreicherung der lokalen Umgebung bzw. Gaswolken aus verschiedenen Richtungen als Folge von Supernovaexplosionen.

Raumcon:


(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen)


» Weiterer Glonass-M im All
28.11.2011 - Mit dem heutigen Start eines Navigationssatelliten wächst der russische Gegenpart zu GPS weiter.
Heute am frühen Morgen, um 9:26 Uhr MEZ, startete Russland den nächsten Glonass-M (Kosmos) in eine Umlaufbahn. Zum Einsatz kam hier erneut eine Rakete vom Typ Sojus-2.1b mit Fregat-Oberstufe. Der Start erfolgte vom russischen Militärraumhafen Plesezk und die Trägerrakete setzte die Oberstufe mit ihrer Nutzlast rund zehn Minuten später aus. Nach drei Zündungen trennten sich dann Oberstufe und Satellit gegen 12:57 Uhr MEZ im geplanten Orbit von 19.300 Kilometern Höhe. Wenig später übernahm die Bodenstation die Kontrolle über Glonass-M mit der Bezeichnung Kosmos-2478.

Damit befinden sich nun 31 Glonass-Satelliten im Weltall. 23 davon sind allerdings im Moment nur einsatzbereit. Von der restliche Flotte befinden sich vier Einheiten im Prozess der Aktivierung, zwei sind zeitweise außer Funktion, eine dient als Reserve und eine befindet sich in einer Erprobungsphase. Für den Normalbetrieb sind jedoch 24 funktionstüchtige Navigationssatelliten nötig. Wie das US-System GPS kann Glonass sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke verwendet werden.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: Roskosmos, SFN, RussianSpaceWeb)


» Mapheus-3: Experimente in der Schwerelosigkeit
29.11.2011 - Wissenschaftler vom DLR haben mit vier Experimenten an Bord der Forschungsrakete Mapheus-3 Stoßprozesse sowie das Verhalten von flüssigen Metallen in der Schwerelosigkeit untersucht.
Nachdem es zunächst mit hoher Beschleunigung hinauf ging, konnten innerhalb von dreieinhalb Minuten erfolgreich verschiedene Experimente ausgeführt werden. Dabei wurde die Schwerelosigkeit genutzt, um ungewollte Einflüsse auf die Experimente auszuschließen, welche im Labor auf der Erde auftreten würden. Zur Restschwerkraft im Inneren der Rakete sagte Raumfahrtingenieur Josef Ettl, dass ein Ball über 500 Sekunden brauchen würde, um aus einem Meter Höhe den Boden zu erreichen.

Ein Experiment an Bord, das MEGraMa-M (Magnetically Excited Granula Matter on Mapheus) getauft wurde, untersuchte beispielsweise das Stoßverhalten von Granulat. Dazu wurden kugelförmige Teilen mit einem Durchmesser von unter einem Millimeter zwischen vier Magneten positioniert, welche die Kügelchen im Flug beschleunigten. Durch Videoaufnahmen kann nun genauer bestimmt werden, wie viel Energie diese Teilchen durch den Aufprall auf andere Teilchen bzw. die Außenwände des Experiments verlieren.

Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: DLR)



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Mars Aktuell: Atomstrom für Marsrover Curiosity von Redaktion



• Atomstrom für Marsrover Curiosity «mehr» «online»
• ESA hat Kontakt mit Fobos-Grunt «mehr» «online»
• Atlas V mit Marsrover Curiosity startbereit «mehr» «online»
• Mars Express wieder im Routinebetrieb «mehr» «online»


» Atomstrom für Marsrover Curiosity
19.11.2011 - Der für einen Start am 26. November 2011 vorgesehene Marsrover Curiosity wurde auf der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida mit dem Flugmodell eines Radioisotopengenerators ausgerüstet. Der Generator wird die beim Zerfall von Plutonium entstehende Wärme in Verbindung mit Thermoelementen nutzen, um den Rover mit elektrischer Energie zu versorgen.
Am 17. November 2011 wurde die auch als MMRTG für Multi-Mission Radioisotope Thermoelectric Generator bezeichnete Anlage mit einem Durchmesser von circa 64 Zentimetern und einer Länge von rund 67 Zentimetern vom RTGF für RTG Facility genannten Vorbereitungsgebäude zum Integrationsgebäude auf der Startanlage 41 mit der Atlas-V-Trägerrakete und dem Rover an ihrer Spitze gebracht.

Durch spezielle Zugangsluken in der großen Nutzlastverkleidung an der Raketenspitze und in der aerodynamischen Verkleidung der Marslandestufe konnte die Stromerzeugungsanlage unter Zuhilfenahme einer speziellen Lademaschine anschließend in eine Halterung am hinteren Ende des Rovers eingeführt werden. Vier Bolzen halten den etwa 45 Kilogramm schweren Generator jetzt an seiner Einbauposition. Wegen seiner möglichen Gefährlichkeit bei Missgeschicken wurde er als letzte Komponente am Rover angebracht.

Am 18. November 2011 begann eine Reihe von abschließenden Tests des ab da mit Strom vom Radioisotopengenerator versorgten Rovers. Von diesem Zeitpunkt an hat die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) keine Abschaltung ihres Rovers mehr vorgesehen.

Nach dem aktuell für den 26. November 2011 vorgesehenen Start dauert es nicht ganz ein Jahr, bis der Rover mit einer Masse von rund 890 Kilogramm den Mars erreicht. Mit Hilfe eines neuartigen Himmelskrans ("Sky Crane") soll Curiosity den derzeitigen Planungen zufolge im August 2012 im Krater Gale die Marsoberfläche erreichen.

Auf dem Mars ist es vorrangige Aufgabe von Curiosity, festzustellen, ob der Mars in der Vergangenheit einmal geeignet war für Formen des Lebens, wie wir sie kennen. Die Auslegung des Rovers erfolgte so, dass er eine Fahrstrecke von mindestens 20 Kilometern zurücklegen kann. Für die Primärmission des Rovers auf der Marsoberfläche ist ein Marsjahr, das entspricht etwa zwei Erdjahren, angesetzt. Möglicherweise reicht die vom Radioisotopengenerator bereitgestellte elektrische Energie mit einer Spannung zwischen 28 und 32 Volt für eine anschließende Missionsverlängerung.

Beladen ist Curiositys von Boeing und Teledyne Technologies Incorporated (TESI) gebaute Stromquelle mit rund 4,8 Kilogramm vom US-Energieministerium (Department of Energy, DOE) bereitgestellten Plutoniumdioxid, dass das Isotop Plutonium 238 enthält. Das keramische Plutioniumdioxid steckt in acht sogenannten universellen Hitzequellen (General Purpose Heat Source, GPHS). Erfährt es Schlageinwirkung, beispielsweise beim Aufprall auf der Erde nach einem Fehlstart, soll es in größere Bruchstücke zerplatzen und dabei keine lungengängigen Stäube erzeugen.

Nach Angaben von Steve Brisbin von NASAs Kennedy Space Center (KSC) in Florida liegt die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Fehlstart Plutonium frei wird, bei 1:400. Um Plutoniumfreisetzungen bei einem katastrophalen Versagen der Trägerrakete zu verhindern, ist das Radionukleid in kleinen Kapseln, die aus korrosionsbeständigem Iridium bestehen, untergebracht, welche in Graphitzylindern stecken. Je zwei dieser Graphitzylinder wiederum sind zusammen von einem Graphitblock umgeben, der einen unbeabsichtigten Wiedereintritt überstehen können soll.

Der jetzt mit Curiosity verbundene Generator sollte mit seinen tellurhaltigen Thermoelementen ursprünglich in der Lage sein, insgesamt rund 14 Jahre lang Strom zu erzeugen. Da der Generator aber einen vorher nicht erwarteten Leistungsabfall aufweist, und der Start des Rovers wegen Entwicklungsschwierigkeiten um rund 2 Jahre verschoben wurde, wird die tatsächliche Nutzbarkeit des Generators vermutlich kürzer ausfallen.

Für den Zeitpunkt seiner Fertigstellung (beginning of life, BOL) wurden dem Generator 125 Watt elektrische Leistung zugeschrieben. Im Jahr 2011 wurden für die elektrische Leitung bei Missionsbeginn (beginning of mission, BOM) noch 115 Watt genannt. Der schnellere Abfall der Wärmeproduktion durch den Plutoniumzerfall könnte auch zu längeren Ladezeiten der beiden Lithiumionenakkumulatorensätze des Rovers mit einer Kapazität von jeweils 20 Amperestunden und einer Nennspannung von 28 Volt führen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: INL, JPL, NASA)


» ESA hat Kontakt mit Fobos-Grunt
23.11.2011 - Die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) meldet mit Datum vom 23. November 2011 die erfolgreiche Kontaktaufnahme zur russischen Marssonde Fobos-Grunt.
Update:

Mittlerweile hat man im Laufe des Abends nach verschiedenen Angaben erste Telemetriedaten empfangen.

Originalmeldung:

Am Dienstag, dem 22. November, gelang es der ESA, um 20:25 Uhr UTC mit ihrer Bahnverfolgungsstation im australischen Perth die ersten Signale von Fobos-Grunt seit dem Start am 8. November 2011 zu erfassen, heißt es auf einer Website der ESA. Mit russischen Ingenieuren arbeite man eng zusammen, um herauszufinden, wie eine dauerhafte Kommunikationsverbindung zu dem Raumfahrzeug sichergestellt werden könnte.

Bereits seit dem 9. November versucht die ESA täglich, Kontakt mit der havarierten Sonde herzustellen. Das es ausgerechnet jetzt geklappt hat, liegt an mehreren Faktoren. Zunächst mehrten sich die Vermutungen, dass die Sonde im Erdschatten sämtliche Systeme abschaltete, da die Sonde nie für einen Betrieb im Erdorbit konstruiert wurde. Daher waren viele Versuche aus Baikonur schon aus diesem Grund zum Scheitern verurteilt. Dazu kommt, dass man eine 15-Meter-Antenne in Perth, Australien, nun modifiziert hat, um ein optimales Signal an die Sonde senden zu können. Außerdem ist es erforderlich gewesen, die Position der Sonde sehr exakt zu kennen, um die Signale präzise genug auszurichten.

Wie es nun weiter geht, steht in den Sternen. Die nächste Möglichkeit der Kontaktaufnahme besteht heute Abend um 21:21 Uhr MEZ und 22:53 Uhr MEZ. Während einige Nachrichtenagenturen bereits vom Ende der Mission gesprochen haben, liegt eine Aussage von Roskosmos vor, noch bis Anfang Dezember Richtung Mars aufbrechen zu können. Die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen lässt sich aber noch nicht abschätzen. Primär geht es jetzt erstmal darum herauszufinden, wo der Fehler der Marssonde liegt, dass diese nicht wie geplant automatisch ihre Triebwerke wenige Stunden nach dem Start gezündet hat, um sich auf eine Marstransferbahn zu bringen. Es bleibt weiter spannend.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Atlas V mit Marsrover Curiosity startbereit
25.11.2011 - Die Atlas-V-Trägerrakete mit dem US-amerikanischen Marsrover Curiosity steht seit dem heutigen 25. November 2011 auf der Startrampe 41 der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida. Einem Start für die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtagentur (NASA) am morgigen Tag steht bisher nichts entgegen.
Gegen 14:00 Uhr MEZ am 25. November 2011 erfolgte der sogenannte Rollout der zweistufigen, mit seitlichen Feststoffboostern ausgestatteten Rakete aus dem VIF für Vertical Integration Facility genannten Integrationsgebäude. Die Startstelle des Startkomplexes 41 erreichte die rund 58 Meter hohe Rakete rund 40 Minuten später.

Der Start ist für 16:02 Uhr MEZ am 26. November 2011 zu Beginn des Startfensters angesetzt. Das 103 Minuten breite Startfenster schließt sich um 17:45 Uhr MEZ, bis dahin sollte die Rakete ihren Flug begonnen haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter eine Startverschiebung notwendig machen könnte, lag zu Beginn des 25. November 2011 bei rund 30 Prozent.

Sollte am 26. November 2011 aus meteorologischen, organisatorischen oder technischen Gründen kein Start möglich sein, müsste er wegen Erfordernissen der Bahnmechanik bis spätestens zum 18. Dezember 2011 erfolgen.

Gelingt der Start morgen wie vorgesehen, und arbeiten die einzelnen Stufen der Rakete wie geplant, gelangt das den Rover mit einer Masse von rund 899 Kilogramm transportierende Raumfahrzeug nicht ganz 43 Minuten nach dem Abheben auf eine Flugbahn Richtung Mars. Der Überflug wird nicht ganz ein Jahr in Anspruch nehmen und hängt maßgeblich vom Funktionieren einer inklusive Treibstoff 539 Kilogramm schweren Transferstufe ab.

Am Mars angekommen soll Curiosity den derzeitigen Planungen zufolge im August 2012 mit Hilfe eines neuartigen, zusammen mit Abstiegsstufe, aerodynamischer Verkleidung und Treibstoff rund 2.401 Kilogramm schweren Himmelskrans ("Sky Crane") im Krater Gale die Oberfläche des roten Planeten erreichen.

Auf dem Mars ist es vorrangige Aufgabe von Curiosity, festzustellen, ob der Mars in der Vergangenheit einmal geeignet war für Formen des Lebens, wie wir sie kennen. Für die erforderlichen Messungen und Untersuchungen befinden sich 10 wissenschaftliche Instrumente mit einer Gesamtmasse von circa 75 Kilogramm an Bord des Rovers. Seine Auslegung erfolgte so, dass er eine Fahrstrecke von mindestens 20 Kilometern zurücklegen kann. Für die Primärmission des Rovers auf der Marsoberfläche ist ein Marsjahr, das entspricht etwa zwei Erdjahren, angesetzt. Über weitere Details zur Misson des bisher größten und schwersten Marsrovers der NASA berichtet Raumfahrer.net in einem ausführlichen Hintergrundartikel.

Die NASA beginnt mit ihrer ausführlichen, auf eine Dauer von 4,5 Stunden angesetzten Berichterstattung im Internet auf NASA-TV am 26. November 2011 gegen 13:30 Uhr MEZ. Die United Launch Alliance als Betreiberin der Atlas-V-Raketen beabsichtigt eine Übertragung der letzten Vorbereitungen und des Starts im Internet ebenfalls ab 13:30 Uhr MEZ. Spacelivecast kommentiert die Ereignisse am 26. November 2011 ab 15:00 Uhr MEZ in deutscher Sprache.

Verwandte Artikel und Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, JPL, ULA)


» Mars Express wieder im Routinebetrieb
28.11.2011 - Laut einer Meldung der Europäischen Weltraumagentur ESA konnte der von ihr betriebene Marsorbiter Mars Express wieder in den Routinebetrieb versetzt werden. Die wissenschaftlichen Arbeiten der Raumsonde sind gegenwärtig allerdings nur eingeschränkt möglich.
Nach mehreren kurz hintereinander auftretenden Problemen mit dem Computersystem des Marsorbiters Mars Express und dadurch bedingten unvorhergesehenen Übertritten in den Sicherheitsmodus wurde der wissenschaftliche Betrieb der Raumsonde Mitte Oktober 2011 vorübergehend ausgesetzt (Raumfahrer.net berichtete). In den vergangenen Wochen erfolgte eine enge Zusammenarbeit zwischen den für die Kontrolle von Mars Express zuständigen Mitarbeitern des Europäischen Raumflugkontrollzentrums ESOC in Darmstadt mit weiteren Ingenieuren der ESA und Mitarbeitern der verschiedenen Herstellerfirmen, um das zugrunde liegende Problem zu identifizieren und eine Lösung dafür zu finden.

Als Quelle der aufgetretenen Probleme wurde das "Solid-State Mass Memory System" (kurz SSMM) identifiziert. Hierbei handelt es sich um eine zentrale Speichereinheit des Bordcomputers, welche für die Zwischenspeicherung der Telemetriedaten und der durch die wissenschaftlichen Instrumente gesammelten Daten an Bord der Raumsonde Mars Express vor der Übermittlung zur Erde verantwortlich ist. Zudem werden hier die von dem Kontrollzentrum auf der Erde eingehenden Kommandos für Mars Express bis zu ihrer Ausführung abgelegt.

Trotz aller Bemühungen war es bisher leider nicht möglich, das aufgetretene Problem vollständig zu verstehen beziehungsweise eine direkte Lösung für dessen Behebung zu finden. Stattdessen entwickelten die Missionsmitarbeiter eine Serie von Prozeduren, mit denen Daten und Kommandos unter einer Umgehung der SSMM an Bord des Orbiters gespeichert werden können. "Das gesamte Team hat intensiv daran gearbeitet, um eine provisorische Lösung zu finden", so Michel Denis, der Leiter des Mars Express-Operationsteams der ESA. "Es handelt sich hier um ein von den Entwicklern der Raumsonde nicht vorhergesehenes Problem."

Bei der neu konzipierten Lösung werden die zu speichernden Kommandos und Daten nicht "en bloc" im Computerspeicher abgelegt, sondern vielmehr zuvor in viele kleinere Chargen aufgeteilt. Zusätzlich wurden verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen, welche verhindern sollen, dass sich die Raumsonde aufgrund dieses speziellen omputerproblems erneut in einen Sicherheitsmodus versetzt.

Aufgrund dieser Maßnahmen konnte Mars Express den wissenschaftlichen Betrieb bereits am 31. Oktober wieder aufnehmen. Um die Sicherheit der Raumsonde nicht zu gefährden, geschah dies zuerst allerdings lediglich in einer stark limitierten Form. Die an diesem Tag über einen kurzen Zeitraum mit dem Radarinstrument MARSIS durchgeführten Messungen und anschließenden Datenablagen hatten keinerlei unerwartetes Verhalten des Marsorbiters zur Folge.

Durch diesen Erfolg ermutigt, veranlasste das Kontrollteam von Mars Express nach weiteren ausführlichen Analysen, dass die Sammlung von Daten ab Mitte November auch wieder über längere Zeiträume durchgeführt wurde. Um die Menge der dabei in den Speicher des Bordcomputers zu übertragenden Daten zu begrenzen, wurde dabei jeweils immer nur eines der insgesamt sieben Instrumente an Bord der Raumsonde eingesetzt. Ab Anfang 2012, so die Erwartungen der Missionsmitarbeiter, sollte aber auch wieder ein zeitgleicher kombinierter Betrieb von mehreren Instrumenten möglich sein.

"Dies ist die erste permanent auftretende Anomalie, welche wir in den mittlerweile acht Jahren im Marsorbit erleben", so James Godfrey, einer der Ingenieure der Mars Express-Mission am ESOC. "Wir untersuchen auch weiterhin die Ursache für die aufgetretenen Probleme und wollen eine langfristige Lösung dafür finden. Das Ziel besteht darin, wieder auf ein möglichst hohes Niveau der wissenschaftlichen Operationen zurückzukehren - möglichst nahe an die zuvor erreichten 100 Prozent", so Michel Denis weiter.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)



 

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ISS Aktuell: Sojus-Kapsel landet unter winterlichen Verhältnissen von Redaktion



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» Sojus-Kapsel landet unter winterlichen Verhältnissen
22.11.2011 - Heute morgen um 3:26 Uhr MEZ ging die Rückkehrkapsel von Sojus-TMA 02M zielgenau in der kasachischen Steppe nieder. Damit beendete auch das zweite rein digital gesteuerte russische Raumschiff seine Mission nach 167 Tagen im All erfolgreich. (Newsbild: Die Landekapsel beim Wiedereintritt)
Die drei Rückkehrer, Sergej Wolkow, Michael Fossum und Satoshi Furukawa, verabschiedeten sich am Tag zuvor von ihren zurückbleibenden Kollegen auf der ISS. Sie schlossen gestern gegen 20:41 Uhr MEZ die Luken zwischen den Raumfahrzeugen und führten die obligatorischen Dichtigkeitstests durch. Genau um Mitternacht lösten sich die Andockklammern und Sojus-TMA 02M schob sich langsam von der ISS, an der es seit dem 9. Juni dauerhaft befestigt war. Mit Sojus-Kommandant Sergej Wolkow an den Kontrollen entfernte sich das Raumschiff langsam vom Kopplungs- und Forschungsmodul Rasswjet. Rund eine Stunde vor dem Ablegen wurde die Lagekontrolle der ISS bereits an das russische Segment übertragen, um den Ablegevorgang nicht durch automatische Lagekorrekturen zu beeinflussen. In 50 Metern Entfernung führte der Sojus-Kommandant noch einige Tests des neuen digitalen Steuerungssystems RODK (Manuelle Lageregelung im Digitalmodus) durch.

Nach knapp zweieinhalb Stunden Flug und einigen Bahnmanövern wurden um 2:32 Uhr MEZ die Bremstriebwerke für 4 Minuten und 16 Sekunden aktiviert, um die endgültige Rückkehr zur Erde einzuleiten. Um einen Eintritt in die ersten Schichten der Erdatmosphäre zu erreichen, war ein Impuls von 115,2 m/s vonnöten, was eine Verlangsamung um 414 km/h bewirkte. Kurz vor dem Eintritt in die obere Erdatmosphäre, gegen 3 Uhr unserer Zeit, wurden Orbitalmodul, Landekapsel und Servicemodul per Sprengbolzen voneinander getrennt. Alle drei Teile traten in die obersten Luftschichten ein, aber nur die Landeeinheit ist mit einem ablativen Hitzeschutzschild ausgestattet und übersteht nach der entsprechenden Ausrichtung zum Abbremsen durch Luftreibung den Wiedereintritt.

Die Kapsel wurde nun durch den Luftwiderstand und danach durch einen kleinen Bremsfallschirm auf eine Geschwindigkeit von etwa 350 km/h verzögert. Der größten G-Belastung waren die Raumfahrer gegen 3:09 Uhr MEZ in rund 33 km Höhe ausgesetzt. Anschließend öffnete sich in 11 Kilometern Höhe der große Hauptfallschirm, der für eine weitere Verlangsamung auf ungefähr 21 km/h sorgte. In sieben Kilometern Höhe wurde der Hitzeschutzschild abgeworfen und unmittelbar vor dem Aufsetzen zündeten die sechs Bremstriebwerke, um die Landung weiter zu dämpfen. Die Geschwindigkeit der Landekapsel betrugt im Moment des Aufsetzen noch ca. 10 km/h. Die Landung erfolgte bei 51 Grad nördlicher Breite und 67 Grad 10 Minuten östlicher Länge rund 80 Kilometer nördlich der Stadt Arqalyq in Kasachstan.

Alle drei Besatzungsmitglieder überstanden Rückkehr und Landung in gesundheitlich gutem Zustand. Die Bergungsmannschaften waren mit 12 Hubschraubern, 3 Flugzeugen sowie 6 Such- und Rettungsfahrzeugen im Landegebiet und erreichten die Landestelle wenig später nach dem Aufsetzen, kurz vor Sonnenaufgang. In Landegebiet herrschen zu diesem Zeitpunkt winterliche Bedingungen mit sehr niedrigen Temperaturen. Sofort von Ärzten und Betreuungspersonal umgeben, auf speziellen Sitzen und in Decken eingehüllt, wurden erste medizinische Werte geprüft. Das russische Personal entlud währenddessen die wissenschaftliche Fracht, welche mit dem Landemodul zur Erde gelangte. Sergej Wolkow reiste nach der Bergung in das russische Kosmonauten-Ausbildungszentrum nahe Moskau, Michael Fossum und Satoshi Furukawa sofort in die USA weiter.

Den längsten Aufenthalt der drei im All kann jetzt Sergej Wolkow mit 366 Tagen und zwei Missionen für sich verbuchen, gefolgt von Michael Fossum mit 194 Tagen bei drei Missionen und Satoshi Furukawa mit 167 Tagen, da er seine erste Mission bestritt. Als nächstes werden die Raumfahrer André Kuipers, Oleg Kononjenko und Donald Pettit mit Sojus-TMA 03M am 21. Dezember zur ISS aufbrechen und die heute begonnene Expedition 30 verstärken.

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos, SFN)



 

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"InSpace" Magazin #455
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
29. November 2011
Auflage: 4560 Exemplare


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