InSpace Magazin #454 vom 19. November 2011

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #454
ISSN 1684-7407


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Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

am 8. November 2011 setzte die russische Weltraumbehörde Roskosmos nach langer Pause eine Tradition fort, die schon von der Sowjetunion in den 1960er-Jahren begründet wurde: Den Start einer Raumsonde zu einem Körper unseres Sonnensystems. Diesmal handelte es sich um Fobos-Grunt, eine ehrgeizige Mission, die schon seit 10 Jahren vorbereitet, mehrfach verschoben und nun mit viel Spannung von der internationalen Raumfahrtszene erwartet wurde. Zum geheimnisvoll zerschrundenen und verkraterten Marsmond Phobos sollte die Reise gehen, und eine Kapsel sollte sogar Bodenproben zurück zur Erde bringen - ein Manöver, das in der Raumfahrtgeschichte noch nicht allzu oft gelungen ist.

Schon in den 1980er- und 1990er-Jahren hatte es sowjetische bzw. russische Missionen zu Mars und Phobos gegeben, die allerdings alle gescheitert waren, entweder kurz vor dem Ziel oder sogar schon in der Erdumlaufbahn. Dort machen die Sonden kurz Zwischenstation, um die Bahn zunächst zu vermessen und dann die Sonde mit genau berechneten Triebwerkszündungen endgültig auf den Weg zu bringen. Auch einige frühe Venusmissionen der Sowjetunion in den 1970er-Jahren sind quasi in der Erdumlaufbahn stecken geblieben.

Leider setzte Roskosmos auch diese Tradition fort: Fobos-Grunt schaffte es bis in die Erdumlaufbahn... und befindet sich heute noch dort. Die Trägerrakete, eine Zenit, hat einwandfrei funktioniert, aber die von der Sonde selbst gesteuerte Oberstufe namens MDU scheint versagt zu haben. Über die genauen Gründe kann man nur spekulieren, da bisher kein Funkkontakt besteht. Mehr dazu und zur Zukunft der Sonde können Sie in unseren Meldungen der letzten Wochen nachlesen.

Axel Orth
Redakteur Raumfahrer.net

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News

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• ViaSat 1 im Geostationären Orbit angekommen «mehr» «online»
• GloNaSS-M-Navigationssatelliten gestartet «mehr» «online»
• Übergabe der Galileo-Satelliten an Deutschland «mehr» «online»
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• Nach Gammablitz entfernte Galaxien beleuchtet «mehr» «online»
• Neue chinesische Bahnverfolgungsstation in Australien «mehr» «online»
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» Shenzhou 8 an Tiangong 1 angedockt
02.11.2011 - Heute um 18:29 Uhr MEZ führte China die erste Kopplung zwischen dem Raumschiff Shenzhou 8 und der Raumstation Tiangong 1 durch.
Seit dem Start von Shenzhou 8 am Montagabend unserer Zeit Raumfahrer.net berichtete jagte das Raumschiff seinem Ziel, der Raumstation Tiangong 1, hinterher. Um die Bahn von Shenzhou 8 an die der Raumstation anzupassen, musste das Raumschiff fünf Zündungen seiner Triebwerke durchführen. Heute führte Shenzhou 8 eine Reihe von Annäherungsmanövern durch, wobei man die Entfernung zu Tiangong 1 mittels eines Radars und eines Laserentfernungssystems ermittelte.

Die beiden Raumschiffe koppelten schließlich vollautomatisch um 18:29 Uhr MEZ über der nordchinesischen Provinz Shanxi, wo es gerade Nacht war, aneinander. Die Nachtkopplung war notwendig, um für das Lasersystem möglichst störungsfreie Bedingungen herzustellen. Beim ersten, Soft Docking genannten Vorgang, hätten noch keine Raumfahrer durch die Luke gehen können, da es noch einen Spalt zwischen beiden Raumschiffen gab. Dies liegt an der Konstruktionsweise des Kopplungsmechanismus. Der Spalt wurde durch das Kopplungssystem, welches auf dem russischen APAS 89 basiert, anschließend geschlossen. Nach einer Viertelstunde war auch die luftdichte Verbindung, das Hard Docking, erfolgt. Daraufhin erklärte der Kommandant des chinesischen Weltraumprogramms, General Chang Wanquan, das Manöver für erfolgreich. Anschließend wurde ein Brief von Chinas Präsidenten Hu Jintao vorgelesen, welcher aufgrund des G-20-Gipfeln in Cannes nicht anwesend sein konnte.

Dieses Manöver war die erste Kopplung Chinas und macht das Reich der Mitte zur vierten Nation, nach den USA, Russland und der ESA, die diese Technologie beherrscht. Es ist geplant, dass beide Raumschiffe in zwölf Tagen, also am 14. November, voneinander abkoppeln, um dann anschließend einen zweiten Kopplungsversuch zu unternehmen. Am 16. November sollen sich die beiden Raumschiffe erneut trennen und Shenzhou 8 wieder zur Erde zurückkehren. Die zweite Kopplung soll auf der Tagseite der Erde erfolgen und stellt damit einen härteren Test für das Lasermesssystem dar.

Das heutige Kopplungsmanöver war ein wichtiger Test für die nächsten beiden Flüge des Shenzhou-Programms, nämlich Shenzhou 9 und Shenzhou 10. Diese beiden Flüge werden bemannt sein und das Ziel haben, auf der Raumstation Tiangong 1 zu forschen und den Betrieb einer Raumstation zu erlernen.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: CCTV, Raumfahrer.net)


» ViaSat 1 im Geostationären Orbit angekommen
04.11.2011 - Der am 19. Oktober 2011 auf einer Proton-M-Rakete gestartete Kommunikationssatellit ViaSat 1 hat nach Angaben von ViaSat den Geostationären Orbit erreicht, wo er jetzt auf seinen kommerziellen Einsatz vorbereitet wird.
ViaSat 1, laut ViaSat derzeit der Kommunikationssatellit mit der größten Kapazität im All, hat zwischenzeitlich eine Position im Geostationären Orbit erreicht, an der das sogenannte in-orbit testing (IOT) begonnen werden soll.

Nach dem Start des Satelliten und dem erfolgreichen Aussetzen von der Raketenoberstufe Breeze-M in einem Geotransferorbit waren zunächst die beiden Solarzellenausleger des Satelliten entfaltet worden. Anschließend hatten sechs Brennphasen des an Bord des Satelliten befindlichen Apogäumsmotors das Raumfahrzeug aus dem Geotransferorbit in den Geostationären Orbit gebracht.

Das Ausklappen einer Anzahl von Antennenreflektoren konnte wie vorgesehen abgewickelt werden. Die der Lageregelung dienenden elektrischen Triebwerke des dreiachsstabilisierten Satelliten sind in Betriebsposition.

Am Mittwoch, dem 2. November 2011 wurde die ausschließlich mit Ka-Band-Transpondern ausgestattete Kommunikationsnutzlast an Bord von ViaSat 1 aktiviert. In einer Serie von Tests will man sie über Nordamerika intensiv auf ihre Funktionsfähigkeit untersuchen. Zusätzliche Tests möchte man durchführen, nachdem der Satellit seine endgültige Einsatzposition im Geostationären Orbit bezogen hat, welche nach Angaben des Satellitenherstellers bei 115,1 Grad West liegt. Die Aufnahme des kommerziellen Einsatzes des von Space Systems/Loral gebauten Satelliten ist derzeit für Ende Dezember 2011 vorgesehen. Seine zentrale Aufgabe ist dann, Kunden in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada mit multimediatauglichen Internetzugängen zu versorgen.

ViaSat 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.843 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2011-059A.

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Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: SS/L, ViaSat)


» GloNaSS-M-Navigationssatelliten gestartet
04.11.2011 - Um 13:51 Uhr MEZ am 4. November 2011 startete eine Proton-M-Rakete von der Rampe 81/24 im kasachischen Baikonur, um drei GloNaSS-Navigationssatelliten vom Typ Uragan-M ins All zu bringen.
Beim ersten Start einer von Chrunitschew gebauten Proton-Rakete mit GloNaSS-Satelliten im Jahr 2011 wurde der Träger mit einer ebenfalls von Chrunitschew konstruierten Breeze-M-Oberstufe verwendet. Die Orbitaleinheit bestehend aus Oberstufe und den drei Satelliten Uragan-M Nr. 43, 44 und 45 wurde gegen 14:01 Uhr MEZ vom Proton-Täger abgetrennt. Nach vier Brennphasen der Breeze-M-Oberstufe wurden die jeweils 1.415 Kilogramm schweren, von Reschetnjow Informational Satellite Systems gebauten Satelliten am 4. November 2011 gegen 19:41 Uhr MEZ in einem zirkularen Orbit in rund 19.100 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche und mit einer Inklination von rund 64,4 Grad ausgesetzt.

Mit dem am 2. Oktober 2011 gestarteten Satelliten Kosmos 2474 waren zum ersten Mal seit 1996 wieder 24 Satelliten in Orbits in drei verschiedenen Ebenen der Navigationssatellitenkonstellation. Eine weltweite Abdeckung von GloNaSS erfordert 24 betriebsfähige Satelliten. Zeigen sich die jetzt ins All gebrachten zusätzlichen Satelliten betriebsfähig, stehen in der Navigationssatellitenkonstellation endlich auch wieder Reservesatelliten zur Verfügung. Vor Ende des Jahres wird ihnen ein weiterer Satellit zur Seite gestellt, dessen Start derzeit für den 22. November 2011 geplant ist. Auf einer Sojus-2.1b-Rakete mit Fregat-Oberstufe soll er von der Rampe 31/6 von Plesezk aus in den Weltraum transportiert werden.

Update zur Katalogisierung der drei Satelliten:

  • NORAD-Nr. 37867 / Objekt 2011-064A / Kosmos 2475 / Satellit für Ebene 1
  • NORAD-Nr. 37868 / Objekt 2011-064B / Kosmos 2476 / Satellit für Ebene 1
  • NORAD-Nr. 37869 / Objekt 2011-064C / Kosmos 2477 / Satellit für Ebene 1

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, Reschetnjow, Roskosmos)


» Übergabe der Galileo-Satelliten an Deutschland
05.11.2011 - Nachdem sie ihre geplante Umlaufbahn erreicht haben, wurden die ersten beiden Galileo-Satelliten, die für den operationellen Betrieb geeignet sind, an das deutsche Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen übergeben.
Zum Ende der sogenannten LEOP-Phase (Launch and early Operation Phase, Start- und erste Operationsphase) wurde die Kontrolle der ersten beiden Satelliten des europäischen Navigationssystems von der französischen Raumfahrtagentur CNES an das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München übergeben. Es wird vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben und ist nun für die Steuerung der Satelliten während ihrer geplanten zwölfjährigen Lebensdauer zuständig.

Die beiden Galileo-Satelliten waren am 21. Oktober an Bord einer Sojus-Rakete von Kourou in Französisch-Guayana aus gestartet worden. Drei Stunden und 49 Minuten nach dem Start erreichten sie ihre vorläufige Umlaufbahn in 23.222 km Höhe. Nach dem Aussetzen durch die Fregat-Oberstufe übernahm ein gemeinsames Team von CNES und ESA die Kontrolle und begann, die beiden Navigationssatelliten zu aktivieren. Zunächst wurde die Drehung der Satelliten verlangsamt, so dass sich die Solarpaneele entfalten konnten, woraufhin die Batterien wieder aufgeladen werden konnten.

Ein weiterer wichtiger Schritt war der Test der Triebwerke, welche unter anderem für Bahnänderungen notwendig sind. Eine solche wurde anschließend auch durchgeführt, da der angestrebte Zielorbit nochmal etwa 100 km höher lag. Nachdem der geplante Orbit, welcher eine Inklination von 56° besitzt, erreicht wurde, richteten sich die Satelliten für den Normalbetrieb aus: Solarzellen in Richtung Sonne und Navigationsantenne auf die Erde gerichtet.

In den nächsten Tagen werden nun die für die Navigation verantwortlichen Nutzlasten aktiviert. Damit können dann die ersten Tests des europäischen Navigationssystems im Orbit beginnen. Für die nächsten Jahre sind noch viele weitere Starts von Galileo-Satelliten geplant, um in einigen Jahren ein vollständiges System zur Verfügung stellen zu können.

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Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)


» DirecTV 15: Astriums erster Satellit für DirecTV
05.11.2011 - Der europäische Satellitenhersteller Astrium wurde ausgewählt, den Fernsehsatelliten DirecTV 15 für den Betreiber DirecTV mit Sitz in El Segundo im US-Bundesstaat Kalifornien zu bauen.
DirecTV ist Anbieter von Fernsehprogrammen, die über eine Flotte eigener Fernsehsatelliten in Lateinamerika, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet werden. Das in Konkurrenz zu Dish stehende Unternehmen nutzt derzeit von Boeing, Hughes Electronics und Space Systems/Loral (SS/L) konstruierte Raumfahrzeuge, die zwischen 1999 und 2009 gestartet wurden.

Weil derzeit unklar ist, wie lange sich der seit dem 7. Juli 2007 im All befindliche DirecTV 10 noch sinnvoll nutzen lassen wird, verstärkt DirecTV seine Bemühungen, rechtzeitig Ersatz im Weltraum bereitzustellen. Nach einem Ausfall des primären Antriebssystems des bei 102,8 Grad West im Geostationären Orbit positionierten Satelliten im Sommer 2011 kommt ein Reservesystem zum Einsatz. Nach Angaben von DirecTV funktioniert der von Boeing auf Basis der Plattform BSS-702 gebaute Satellit zur Zeit normal.

DirecTV 14, der zur Zeit bei SS/L in Palo Alto im US-Bundesstaat Kalifornien entsteht, soll möglichst bald gestartet werden. Aktuell plant man seinen Start für den Jahresbeginn 2014. DirecTV 15, hofft man beim Betreiber, wird ab Ende 2014 um die Erde kreisen. Laut einer am 13. September 2011 bekannt gewordenen Vereinbarung zwischen DirecTV und Arianespace fliegen beide Satelliten auf Ariane-5-Raketen in den Weltraum.

DirecTV 15 wird von Astrium auf dem Satellitenbus Eurostar E3000 aufgebaut und voraussichtlich eine Startmasse von rund 6,3 Tonnen aufweisen. Ausgerüstet wird er mit 30 Transpondern, die im Ku-Band arbeiten, 24 Transpondern für das Ka-Band sowie 18 Reverse-Band-Transpondern. Mindestens 15 Jahre lang möchte man DirecTV 15 im All betreiben. Am Ende seiner Auslegungsbetriebsdauer sollen die beiden Solarzellenausleger des Satelliten noch 16 Kilowatt elektrische Energie für den Betrieb der Kommunikationsnutzlast bereitstellen können.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, DirecTV)


» Nach Gammablitz entfernte Galaxien beleuchtet
06.11.2011 - Einer internationalen Gruppe von Astronomen half die kurze aber intensive Beleuchtung nach einem Gammastrahlungsausbruch, um die Zusammensetzung von Materie in weit entfernten Galaxien zu untersuchen. Dabei stellte sich überraschenderweise heraus, dass einige sehr früh entstandene Galaxien mehr unterschiedliche chemische Elemente aufweisen als unsere Sonne.
Bei Gammastrahlungsausbrüchen (GRB = Gamma Ray Burst) handelt es sich um die kräftigsten und hellsten Sternexplosionen im Universum. Derartige Ausbrüche können von Erdsatelliten festgestellt werden, anschließend ist es für auf der Erde stationierte Teleskope möglich, das Licht, das bei solchen Ausbrüchen entstanden ist, im Detail zu studieren. Der als GRB 090323 bezeichnete Ausbruch wurden vom US-amerikanischen Weltraumteleskop Swift alias Explorer 84 entdeckt. Anschließend wurde er von den Teleskopen der Anlagen GROND und VLT in Chile untersucht.

Die Beobachtungen mit dem VLT zeigten, dass das intensive Licht vom Gammastrahlungsausbruch auf dem Weg zur Erde eine Region zweier nahe beieinander liegender Galaxien - in einer von ihnen fand der Ausbruch statt - durchquert hatte. Rund 12 Milliarden Jahre sind die beiden Galaxien alt. In Relation ist das Universum nicht viel älter: Heute schätzt man sein Alter auf rund 13,7 Milliarden Jahre.

Möglichkeiten zur Beobachtung weit entfernter Galaxien ergeben sich laut Thomas Krüehler, Astrophysiker am Niels Bohr Institut der Universität Kopenhagen, sehr selten. Das starke Licht nach einem Gammastrahlenausbruch holt Regionen der Sternentstehung kurzzeitig aus dem Dunkel und ist ein kraftvolles Werkzeug, das der Erforschung der Zusammensetzung der Materie in diesen Region dient, so Thomas Krüehler.

In Sternen bilden sich schwere Elemente aus heißem Wasserstoffgas. Die Atome verschmelzen, dabei wird Licht und damit Energie frei. Explodiert und stirbt ein Stern, werden die fusionierten Elemente in den umgebenden Raum geblasen, wo sie zu einem Teil der großen Gas- und Staubwolken werden, aus welchen sich neue Sterne bilden können. Jede neue Generation dieser Wolken und der aus ihnen entstandenen Sterne weist einen größere Anteil schwererer Elemente als die jeweils vorhergehende auf.

Thomas Krüehler berichtete, dass man erwartet hatte, Galaxien würden im sehr jungen Universum nicht in der Lage gewesen sein, so viele schwere Elemente zu erzeugen. Deshalb sei man jetzt sehr überrascht, feststellen zu müssen, dass solche Galaxien einen größeren Anteil schwererer Elemente enthalten als unsere Sonne.

Unsere intensiven Untersuchungen von Gammastrahlenausbrüchen zeigen, dass einige junge Galaxien bereits reich an schwereren Elementen sind und nur zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall schon Metalle enthalten können, sagte Thomas Krüehler, und erklärte, dass die Bestimmung des Metallgehalts in weit entfernten Galaxien eine diffizile Angelegenheit, aber essentiell notwendig für das Verständnis der Entwicklung des Kosmos ist.

Thomas Krüehler, der innerhalb der Forschergruppe verantwortlich für die Sammlung geeigneter Daten war und eine maßgebliche Rolle bei der Prüfung der Verlässlichkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse, die aus den Beobachtungen gewonnen wurden, spielt, freut sich schon auf den Einsatz eines neuen, X-shooter genannten, teilweise in Kopenhagen entstandenen Instruments für das VLT. Das Instrument wird den Forschern erlauben, Gammastrahlungsausbrüche in jungen, weit entfernten Regionen des Universums noch detaillierter zu untersuchen.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Niels Bohr Institut Universität Kopenhagen)


» Neue chinesische Bahnverfolgungsstation in Australien
06.11.2011 - China steht neuerdings eine Bahnverfolgungsstation in Australien zur Verfügung. Es ist die erste solche Station auf dem Boden eines Alliierten der Vereinigten Staaten von Amerika.
Die chinesische Bahnverfolgungsstation befindet sich etwa 400 Kilometer nordwestlich von Perth in Dongara im Westen Australiens rund 250 Meter über Meereshöhe. Ihren ersten Einsatz hatte sie beim Start des Raumschiffs Shenzhou 8 am 31. Oktober 2011, berichtete die Zeitung Hong Kong Daily.

Europäische und US-amerikanische Bahnverfolgungsstationen existieren in Australien schon seit geraumer Zeit. In der Nähe von Alice Springs gibt es die Station Pine Gap, die gemeinsam von Australien und den Vereinigten Staaten von Amerika betrieben wird. Die neue Station in Dongara stellt für das chinesische Raumfahrtprogramm eine hoch willkommene Bereicherung dar und wird in China als Symbol für eine weltweit wachsende Anerkennung Chinas verstanden.

Xie Jingwen, stellvertretender Chefentwickler des Bahnverfolgungs- und Kommandosystems für das chinesische bemannte Raumfahrtprogramm, wird mit der Aussage zitiert, China habe Australien in sein weltweites Netzwerk von Bodenstationen aufgenommen. Dongara ist der fünfte Standort außerhalb Chinas, an dem chinesische Bahnverfolgungstechnik etabliert wurde. Chinesische Stationen gibt es außerdem in Chile, Kenia, Namibia und Pakistan.

Das schwedische Unternehmen Swedish Space Corporation (SSC) war verantwortlich für den Aufbau der Station in Dongara, in der aus China angelieferte Schlüsselkomponenten integriert wurden. China hat die gesamte Station von SSC geleast. Nach einer Inspektion der Anlage durch offizielle australische Stellen übernahm China Gelände, Gebäude und Gerätschaften. Zwei große Antennen stellen vor Ort Kapazitäten zum Empfang von Telemetrie- und Missionsdaten und dem Senden von Kommandos zur Verfügung.

Laut SSC ist die neue Station mit den Koordinaten 29,3 Grad südliche Breite und 114,9 Grad östliche Länge insbesondere für die Kommunikation mit niedrig fliegenden Raumfahrzeugen auf Erdumlaufbahnen mit geringer Bahnneigung vorteilhaft. Steuerung und Überwachung von Satelliten, die sich nach dem Aussetzen auf einer Übergangsbahn auf dem Weg in den Geostationären Orbit befinden, können nach Angaben von SSC gelegentlich von Dongara aus erfolgen. Auch für einen Erstkontakt mit frisch auf Umlaufbahnen ausgesetzten Raumfahrzeugen soll die Station geeignet sein.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Hong Kong Daily, SSC)


» Shenzhou 9: 2 Taikonautinnen in der engeren Auswahl
07.11.2011 - Im Rahmen einer Presseverlautbarung bezüglich des weiteren Zeitplans der Mission Shenzhou 8 gab das China Manned Space Engineering Office bekannt, dass zwei Taikonautinnen in der engere Auswahl für die Besatzung von Shenzhou 9 sind.
Dies meldete eine Reihe chinesischer Medien, unter anderem die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach trainieren laut einer Pressesprecherin des China Manned Space Engineering Office (CMSE) insgesamt neun Frauen für eine bemannte Mission zur Raumstation Tiangong 1. Dies beinhaltet vor allem das manuelle Koppeln von Shenzhou-Raumschiff und Tiangong-Raumstation. Die zwei Frauen in der engeren Auswahl für Shenzhou 9 sollen beide um die 30 Jahre alt und verheiratet sowie Frachtpilotinnen in der Volksbefreiungsarmee sein. Namen wurden aber bisher nicht genannt. Diese werden höchstwahrscheinlich erst kurz vor dem Start bekanntgegeben.

Darüber hinaus verlautbarte das CMSE einen groben Zeitplan für den weiteren Verlauf der Shenzhou 8-Mission. So soll um dem 14. November das Raumschiff von Tiangong 1 abkoppeln, um dann wieder mit der Station anzukoppeln. Dabei soll das Laserentfernungssystem des Raumschiffes im Tageslicht getestet werden. Nach diesem Manöver wird Shenzhou 8 entgültig abkoppeln und voraussichtlich am 17. November auf der Erde landen.

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Raumcon:

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: SpaceFlightNow.com, Xinhua)


» China startet YaoGan 12 und TianXun 1
10.11.2011 - Am 9. November 2011 wurden zwei chinesische Erdbeobachtungssatelliten gestartet, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am gleichen Tag. Der Start erfolgte vom Taiyuan Satellite Launch Center in der Provinz Shanxi.
Befördert wurden die Satelliten von einer Langer-Marsch-4B-Rakete. Die Satelliten gelangten auf annähernd kreisförmige Orbits in Höhen zwischen 470 und 491 Kilometern über der Erde. Es war der 148ste Start einer Rakete des Typs Langer Marsch zu einer Weltraummission. Der Start erfolgte um 11:21 Uhr Pekinger Zeit, das ist 4:21 Uhr MEZ, 811 Sekunden später waren die Satelliten ausgesetzt.

Erneut handelt es sich laut Xinhua wie bei den zuvor gestarteten YaoGan-Satelliten bei YaoGan 12 um einen Satelliten, der bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, der Beurteilung von erreichbaren und erzielten Ernteergebnissen im Landbau, der Landvermessung und wissenschaftlichen Untersuchungen nützlich sein soll. Möglicherweise ist YaoGan 12 ein optischer Aufklärungssatellit. Beobachter des chinesischen Raumfahrtprogramms sehen in YaoGan 12 einen Nachfolger von YaoGan 5. YaoGan bedeutet schlicht Fernerkundung.

TianXun 1 ist ein kleiner Satellit mit einer Masse von rund 35 Kilogramm. Das von Studierenden chinesischer Universitäten konstruierte und gebaute Raumfahrzeug ist mit einer CCD-Kamera mit einer Masse von rund 2,5 Kilogramm ausgestattet. Die Auflösung der Kamera wird mit 30 Metern angegeben. Geplant war, dass der Satellit auf einer Bahn in rund 500 Kilometern über der Erde zum Einsatz kommt, wo er für einen Erdumlauf rund 94,5 Minuten braucht.

YaoGan 12 (YG-12) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.874 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-066A. TianXun 1 (TX-1) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.875 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-066B.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: xinhuanet.com, 9ifly.cn)


» Eutelsat W3C in Betrieb genommen
10.11.2011 - Der am 7. Oktober gestartete Kommunikationssatellit W3C von Eutelsat wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. November erfolgreich in Betrieb genommen.
Wie Eutelsat bekanntgab, wurden mehr als 480 Fernsehprogramme von den älteren Satelliten EUROBIRD 16, W2M sowie SEASAT 1 auf den neuen W3C übertragen. Damit wurde dieser erfolgreich in den operationellen Betrieb überführt und wird von nun an mehrere Millionen Haushalte in Europa, Nordafrika, dem mittleren Osten sowie auf Inseln im indischen Ozean mit verschiedenen Telekommunikationsdiensten versorgen.

Eutelsat W3C war am 7. Oktober 2011 an Bord einer chinesischen Langer Marsch 3BE gestartet worden und hatte sich nach dem Aussetzen von der Trägerrakete seiner geplanten Position von 16° Ost im geostationären Orbit bewegt. Er soll für mindestens 15 Jahre in Betrieb bleiben.

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Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: Eutelsat)


» Eutelsats W3D fliegt auf Proton
13.11.2011 - Am 9. November 2011 gab ILS bekannt, vom europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat beauftragt worden zu sein, den Kommunikationssatelliten Eutelsat W3D im Jahr 2013 auf einer Proton-Rakete in den Weltraum zu transportieren.
Eutelsat W3D wird voraussichtlich eine Startmasse von rund 5,4 Tonnen haben. Als Produkt des Luft- und Raumfahrkonzerns Thales Alenia Space basiert er auf der Plattform Spacebus 4000 C3, ausrüsten will man ihn mit 53 Ku-Band- und 3 Ka-Band-Transpondern. Im Geostationären Orbit möchte Eutelsat den Satelliten an einer Position bei 7 Grad Ost betreiben, um die Kapazität zur Ausstrahlung von Video-, Daten- und Telekommunikationsdiensten von dieser Position zu erweitern. Dort setzt Eutelsat zur Zeit den seit dem 16. März 2004 im All befindlichen, von Astrium basierend auf dem Satellitenbus Eurostar 3000S aufgebauten Eutelsat W3A ein.

Mit von Eutelsat W3D ausgestrahlten Fernsehprogrammen sollen Zuseher in Europa und der Türkei erreicht werden. Kunden in Europa, Nordafrika, dem Mittleren Osten und Zentralasien beabsichtigt man via Eutelsat W3D mit Video- und Datendiensten zu bedienen. Gebiete in Afrika unterhalb der Sahara und Inseln im Indischen Ozean will Eutelsat über den neuen Satelliten mit Telekommunikationsdiensten und Zugangsmöglichkeiten zum Internet versorgen. Auslegung und Aufbau von Eutelsat W3D erfolgen so, dass der Satellit seinen Aufgaben mindestens 15 Jahre lang nachkommen können wird.

Eutelsat gibt an, dass Eutelsat W3D bereits Anfang 2013 im Weltraum für eine kommerzielle Nutzung bereitstehen soll. ILS als Vermarkter der von Chrunitschew in Russland gebauten Proton-Raketen, auf welchen bereits eine Anzahl von Raumfahrzeugen für Eutelsat transportiert wurden, hat einen Starttermin für das Jahr 2013 bisher öffentlich nicht genauer spezifiziert.

Verwandte Meldung:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Eutelsat, ILS)


» SS/L baut Asiasat 6 und Asiasat 8
13.11.2011 - Am 11. November 2011 gab der US-amerikanische Satellitenhersteller Space Systems/Loral (SS/L) aus Palo Alto in Kalifornien bekannt, von der in Hong Kong ansässigen Asia Satellite Telecommunications Co. Ltd. (Asiasat) mit dem Bau der beiden Kommunikationssatelliten Asiasat 6 und Asiasat 8 beauftragt worden zu sein.
Die zwei neuen Satelliten sollen auf Basis des 1300er Satellitenbusses von SS/L aufgebaut werden. Nach ihrem für Anfang 2014 geplanten Start will Asiasat die Raumfahrzeuge einsetzen, um den Mittleren Osten, Asien sowie Australien und angrenzende Regionen mit einer großen Bandbreite von Telekommunikationsdiensten zu versorgen. Asiasat 6 wird dafür mit einer im C-Band arbeitenden Kommunikationsnutzlast mit 28 Transpondern ausgerüstet, Asiasat 8 erhält nach den aktuellen Planungen 24 Ku-Band-Transponder und zusätzliche Übertragungstechnik für das Ka-Band. Die Auslegungsbetriebsdauer beider Satelliten liegt bei jeweils mindestens 15 Jahren.

Nach Angaben von Asiasat wird der Kommunikationssatellitenbetreiber mindestens 114,5 Millionen US-Dollar für den Bau von Asiasat 6 aufwenden. Dieser Betrag könnte bis auf 120,4 Millionen US-Dollar ansteigen, sollte sich Asiasat noch zur Ausrüstung des Satelliten mit elektrischen Triebwerken zur Lageregelung entschließen. Elektrische Triebwerke können die Einsatzdauer eines Kommunikationssatelliten im Geostationären Orbit maßgeblich verlängern, deshalb schließt Asiasat auch eine entsprechende Ausstattung von Asiasat 8 nicht aus. Ohne elektrische Triebwerke schlägt Asiasat 8 mit 115,8 Millionen US-Dollar zu Buche, mit elektrischen Triebwerken wird er 124,4 Millionen US-Dollar kosten.

Mit der Nutzung von elektrischen Triebwerken hat man bei SS/L einige Erfahrung. So wurden beispielsweise die Kommunikationssatelliten Galaxy 28, MBSat 1, QuetzSat 1, Telstar 11N und Thaicom 4 mit elektrischen Triebwerken zur Lageregelung bestückt. Die Triebwerke selber waren solche vom Typ SPT-100 (SPT steht für stationary plasma thruster), die vom russischen Konstruktionsbüro Fakel (ОКБ "Факел") eingekauft wurden. Die Gerätschaften zur Stromversorgung der Triebwerke und mittels Aktuatoren von Moog ausrichtbare Ausleger, an denen die Triebwerke befestigt sind, konstruierte SS/L selbst.

Asisat ist bereits Kunde von SS/L. SS/L baute schon Asiasat 5, der sich seit dem 11. August 2009 im Weltraum befindet, und ist Hersteller von Asiasat 7, der nach aktuellen Planungen am 26. November 2011 auf einer Proton-Rakete von Baikonur in Kasachstan aus ins All transportiert werden soll.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Asiasat, Space Systems/Loral)


» Kourou: 1. VEGA-Startkampagne hat begonnen
13.11.2011 - Die Vorbereitungen des für Ende Januar 2012 vorgesehenen Jungfernflugs der VEGA-Rakete vom Startzentrum Kourou in Französisch-Guayana gehen in die heiße Phase. Die Startkampagne begann offiziell am 7. November 2011.
Erster Meilenstein war die Installation der ersten Stufe der VEGA auf der Startanlage. Die P80 genannte Stufe wiegt rund 100 Tonnen und war mit einem Fardier-Schwerlasttransporter und möglichst geringem Personaleinsatz vom Feststoffmotorintegrationsgebäude zur Startrampe gebracht worden, während in der Nähe des Transportweges liegende Gebäude aus Sicherheitsgründen evakuiert waren. Im Schutz des mobilen Serviceturms war dann die Montage der Stufe auf der Startanlage erfolgt.

Die Bodeninstallationen wurden zwischenzeitlich auf eine Abnahme der Stufe vorbereitet, in deren Rahmen auch die Schubvektorsteuerung (TVC) getestet wird. Letztere besorgt die Schwenkvorgänge der großen Auslassdüse des Raketenmotors.

In den nächsten Wochen werden auch die anderen beiden Feststoffstufen der VEGA, Zefiro-23 und Zefiro-9 genannt, zur Startanlage gebracht. Sie kommen vom VEGA-Motorenlager und werden dann auf der Startanlage aufeinander gesetzt.

Man hofft, dass auch die vierte Stufe, AVUM für Attitude & Vernier Upper Module genannt, die Rakete noch vor Jahresende auf der Startanlage ergänzen wird, wenn die Flugbereitschaft der Stufe festgestellt werden konnte.

Parallel zum Zusammenbau der Trägerrakete laufen die Verbreitungen der Satelliten, die beim Jungfernflug der VEGA ins All gebracht werden sollen. Bis Jahresende will man den italienischen Forschungssatelliten LARES zusammen mit sechs sogenannten Cubesats, annähernd würfelförmigen Kleinstsatelliten, und dem europäischen Universitätssatelliten ALMASat 1 unter ihrer gemeinsamen Nutzlastverkleidung verstauen.

Im Januar 2012 wird die Startkampagne dann laut Plan mit der Integration des sogenannten upper composite, also des Ensembles aus Nutzlasten, deren Tragstruktur und der Nutzlastverkleidung, auf der Rakete am Startplatz fortgesetzt. Anschließend folgen Tests der fertigen Rakete und die Abwicklung eins Probecountdowns.

Der Jungfernflug der VEGA ist gleichzeitig ihr Qualifikationsflug. Gelingt er, ist der Weg frei für zunächst fünf weitere Flüge, die im Rahmen eines Vega Research and Technology Accompaniment genannten Programms, abgekürzt VERTA, erfolgen und die Flexibilität der VEGA beweisen sollen.

Beim Entwurf der VEGA wurden die Anforderungen ganz unterschiedlicher Satellitenmissionen und Nutzlastkonfigurationen berücksichtigt. Damit hofft man sich zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten in einem dynamischen Markt erschließen zu können.

Die VEGA kann bis zu sieben Satelliten gleichzeitig in den Weltraum bringen. Die Bandbreite reicht von einem einzelnen, größeren Satellit bis zu Kombinationen aus einem schweren und sechs sehr leichten Passagieren.

Die Startmasse der Gesamtnutzlast darf bei Flügen der VEGA zwischen 300 und 2.500 Kilogramm liegen. Jeweils mögliche Startmassen sind dabei vom zu erreichenden Zielorbit abhängig. In einen annähernd kreisförmigen polaren Orbit in circa 700 Kilometern über der Erde kann die VEGA rund 1.500 Kilogramm Nutzlast transportieren.

Das VEGA-Trägerraketenprogramm wird von sieben Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) abgewickelt. Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Spanien, Schweden und die Schweiz leisten konkrete Beiträge.

Hauptauftragnehmer für die Herstellung der VEGA-Raketen ist das im italienischen Rom ansässige Unternehmen ELV SpA, das zu 70% AvioSpA und zu 30% der Italienischen Raumfahrtagentur (ASI) gehört. Die Firma Vitrociset, deren Hauptquartier sich ebenfalls in Rom befindet, ist im Bereich des Bodensegments der Hauptauftragnehmer.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» NPP sendet erste Daten
13.11.2011 - Der am 28. Oktober gestartete Wettersatellit NPP wurde erfolgreich in Betrieb genommen und sendet nun erste wissenschaftliche Daten.
Elf Tage nach dem Start sendete der neue Wettersatellit NPP (NPOESS Preparatory Project) am 8. November erste Daten, welche im Rahmen der Aktivierung der verschiedenen Instrumente aufgenommen wurden. Diese vorbereitenden Arbeiten werden durchgeführt, bevor der Satellit vollständig in den operationellen Betrieb übergehen kann.

So wurde unter anderem das ATMS-Instrument (Advanced Technology Microwave Sounder) getestet, welches die Position und Menge des Wasserdampfs in der unteren Atmosphäre (0-5 km Höhe) misst. Das Instrument sendet und empfängt Radiowellen auf 22 unterschiedlichen Frequenzkanälen. Mit fünf Kanälen für Wasserdampf sowie weiteren für andere Messungen lassen sich detaillierte Profile über die vertikale Verteilung von Wasserdampf in der Atmosphäre erstellen.


„Wasserdampf ist der Treibstoff für Wetterformationen und die Quelle für Niederschlag“, sagte Fuzhong Weng, Leiter der Abteilung für Satellitenklimatologie und -meteorologie der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). „Die Verteilung von Wasserdampf in Raum und Zeit ist eine entscheidende Messung, um die globalen Wettervorhersagen zu verbessern. Mit detaillierten über die vertikale Anordnung können Meteorologen den Transport von Wasserdampf in Zusammenhang mit Jetstreams besser identifizieren, welcher Wetterereignisse stark beeinflussen kann. Computerbasierte Vorhersagemodelle können die Daten über das Analysesystem einlesen und wesentliche bessere Vorhersagen hervorbringen.“

NPP stellt eine Brücke zwischen dem alten EOS (Earth Observing System) und dem neuen NPOESS (National Polar-orbiting Operational Environmental Sattelite System) dar. Er wurde am 28. Oktober auf einer Delta II-7920-Rakete gestartet. Nach zwei Zündungen der Oberstufe wurde der Satellit im polaren Orbit ausgesetzt.

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(Autor: Simon Plasger - Quelle: NASA)


» Shenzhou 8 erneut an Tiangong 1 angedockt
14.11.2011 - Heute Mittag koppelte das Raumschiff Shenzhou 8 von der Raumstation Tiangong 1 ab, um später wieder anzudocken.
Beide Raumschiffe koppelten heute Vormittag nach 10 Tagen und 20 Stunden gemeinsamen Fluges voneinander ab. Dabei entfernte sich Shenzhou 8 bis zu 140 m von der Raumstation. Nach Erreichen dieser Entfernung begann sie wieder ein Anflugmanöver. Dieses Mal wurde es, im Gegensatz zum ersten Docking, aber im Sonnenlicht durchgeführt, um die Entfernungssensoren, vor allem das Laserentfernungssystem, zu testen. Beide Raumschiffe dockten schließlich um 22:37 Uhr Pekinger Zeit (15:37 Uhr MEZ) aneinander. Kurz darauf erklärte man die Kopplung für einen Erfolg.

Beide Raumschiffe werden noch bis zum Donnerstag, dem 17. November, gemeinsam fliegen. Danach wird Shenzhou 8 abkoppeln und noch am gleichen Tag in der Wüste Gobi landen. An Bord der Rückkehrkapsel befindet sich u.a. das deutsch-chinesische Gemeinschaftsexperiment SIMBOX. Forscher warten schon sehnsüchtig auf seine Rückkehr, um mit ihren Untersuchungen beginnen zu können.

Nächstes Jahr sollen zwei bemannte Flüge zu Tiangong 1 erfolgen: zunächst wird Shenzhou 9 die Raumstation anfliegen. Die Besatzung aus zwei Männern und auch einer Frau soll zwischen zwei und vier Wochen in der Station bleiben, um dort Experimente durchzuführen und den Betrieb einer Raumstation zu erlernen. Shenzhou 10 schließlich wird später im Jahr starten und da weitermachen, wo Shenzhou 9 aufgehört haben wird. Diese Flüge dienen dazu, Technologien zu erlernen, die für eine modulare Raumstation essentiell sind. Diese soll um 2020 starten.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: SinoDefence.com, Xinhua, CCTV)


» Veranstaltungsberichte aus dem Norden
15.11.2011 - Während sich in Neubrandenburg zum 27. Mal Raumfahrtenthussiasten im Rahmen der Raumfahrttage trafen, referierte NASA-Astronaut Lodewijk van den Berg in seiner alten Heimat.
Unsere Autorin Kirsten Müller war bei beiden Veranstaltungen mit von der Partie und hat zwei interessante Berichte zusammengestellt, die sie im Artikelbereich nachlesen können. Für ganz Eilige gibt es hier die Direktlinks.


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Raumfahrer.net)


» Neue Erkenntnisse über Wasser auf Jupitermond Europa
16.11.2011 - Schon lange geht man davon aus, dass der Jupitermond Europa unter seiner Eiskruste einen großen Wasserozean besitzt. Jetzt haben Forscher einen Hinweis darauf gefunden, dass sogar recht dicht unter der Oberfläche flüssiges Wasser existieren könnte.
Wissenschaftler der Universität Texas und weiterer Institute haben die Verwerfungen und Risse (Lineae) der Eisoberfläche, unter anderem anhand von Daten der Raumsonde Galileo, analysiert und mit Vorgängen auf der Erde, insbesondere in der Antarktis, verglichen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass wahrscheinlich kleinere „Seen“ etwa 3 km unter der Oberfläche, und damit deutlich über dem großen Ozean, der in 10 bis 30 km Tiefe vermutet wird, existieren. Die Forscher gehen davon aus, dass warmes Wasser aus der Tiefe durch die Eiskruste aufsteigt und die Reservoirs nahe der Oberfläche bildet. Beim Aufsteigen schmilzt das warme Wasser Eis auf, und es bilden sich Risse, die später wieder zufrieren, wobei durch die Ausdehnung Teile der Kruste angehoben werden.

Dieser neue Befund hat auch Konsequenzen für Astrobiologen, die seit den ersten Anzeichen für flüssiges Wasser auf Europa über Leben auf diesem Mond spekulieren. So könnte es durch das aufsteigende Wasser und die nahe der Oberfläche gelegenen Seen zu einem Austausch von Nähstoffen zwischen höher und tiefer gelegenen Wasserschichten kommen. Flüssiges Wasser so nah an der Oberfläche würde natürlich auch die Erforschung durch Raumsonden erheblich vereinfachen.

Europa ist mit einem Durchmesser von etwa 3.100 km der kleinste der vier Galileischen Monde, besitzt aber eine außergewöhnlich hohe Dichte von ca. 3 g/cm³. Wegen der weiten Entferung zur Sonne und des hohen Albedo-Wertes seiner Eiskruste ist es an der Oberfläche mit höchstens -160 °C zu kalt für flüssiges Wasser.

Europa besitzt vermutlich eine sehr dünne Sauerstoffatmosphäre, die wahrscheinlich durch Aufspaltung von Eis in Wasserstoff und Sauerstoff entstanden ist, wobei der Wasserstoff aber komplett ins All entwichen ist.

Sowohl in Europa, als auch in den USA und in Russland gibt es Konzepte für Raumsondenmisionen zum Jupitermond Europa, von denen die ersten etwa um 2020 starten könnten.

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(Autor: Sascha Haupt - Quelle: BBC News, Nature)


» Der Carinanebel - Eine Geburtsstätte neuer Sterne
16.11.2011 - Bei der Beobachtung des Carinanebels im Sternbild Schiffskiel beobachteten Astronomen mehrere Staubwolken, in denen sich gerade neue Sterne bilden. Der Carinanebel gilt als ein häufiger Schauplatz für Sternentstehungen und beherbergt zudem einige der massereichsten Sterne in unserer Milchstraße.
Bei dem Carinanebel, auch bekannt unter der Bezeichnung Eta-Carinae-Nebel, handelt es sich um einen sogenannten Emissionsnebel, welcher sich in einer Entfernung von etwa 7.500 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem im Sternbild Schiffskiel (lateinischer Name "Carina") befindet und über eine Ausdehnung von etwa 150 Lichtjahren verfügt. Aufgrund der Vielzahl der dort befindlichen massereichen Sterne zählt der Carinanebel zu den hellsten Nebeln am Nachthimmel. Seine scheinbare Helligkeit beträgt +3,00 Magnitude und der scheinbare Durchmesser liegt bei 120 Bogenminuten. Der Nebel ist somit eine der ausgedehntesten HII-Regionen in unserer Galaxie. Bei diesen Regionen handelt es sich um Geburtsstätten für neu entstehende Sterne.

Ein Team unter der Leitung des Astronomen Thomas Preibisch von der Universitätssternwarte der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat jetzt die Himmelsregion um den Carinanebel mit der LABOCA-Kamera am Submillimeter-Teleskop APEX (Atacama Pathfinder Experiment) auf dem Chajnantor-Plateau in den chilenischen Anden beobachtet. Bei der Beobachtung im Submillimeterwellenlängenbereich fangen Teleskope hauptsächlich die von Staubkörner ausgesandte Wärmestrahlung auf. Die dabei entstandenen Aufnahmen, welche das Glimmen von Staub- und Gaswolken zeigen - letztere setzen sich überwiegend aus molekularem Wasserstoff zusammen - dokumentieren Materiekonzentrationen, aus denen sich Sterne bilden.

Der Staub ist mit einer Temperatur von lediglich rund -250°C sehr kalt, so dass das schwache Leuchten der Wolken nur bei Submillimeterwellenlängen registriert werden kann, welche wesentlich länger ausfallen als die Wellenlängen von sichtbarem Licht. Somit stellt die Submillimeterstrahlung einen Schlüssel zur Klärung der Fragen dar, wie Sterne entstehen und wie diese mit den Wolken interagieren, aus denen sie sich einstmals gebildet haben.

Das hier gezeigte Bild beinhaltet die Beobachtungsdaten des APEX/LABOCA-Instruments und wurde mit einer Aufnahme des Carinanebels im sichtbaren Licht kombiniert, welche mit dem Curtis-Schmidt-Teleskop am Cerro Tololo Interamerican Observatory aufgenommen wurde. Diese kombinierte Großfeldansicht dokumentiert eindrucksvoll die verschiedenen Bereiche der Sternentstehungsgebiete innerhalb des Carinanebels. Dieser beinhaltet Sterne mit insgesamt über 25.000 Sonnenmassen. Weitere rund 140.000 Sonnenmassen liegen in Form von Gas und Staub vor.

Allerdings konzentriert sich nur ein Bruchteil des im Carinanebel enthaltenen Gases in Wolken, welche dicht genug ausfallen, um in absehbarer Zukunft - in astronomischen Maßstäben betrachtet sind damit die nächsten Millionen Jahre gemeint - zu kollabieren, so dass sich im Rahmen dieses Prozesses weitere Sterne bilden können. Auf noch längeren Zeitskalen könnten die bereits vorhandenen massereichen Sterne allerdings auf die Wolken in ihrer Umgebung einwirken und die Sternentstehungsprozesse beschleunigen.

Die im Carinanebel befindlichen massereichen Sterne existieren nur für wenige Millionen Jahre. Im Vergleich mit unserer Sonne, welche über eine "Lebenserwartung" von etwa 10 Milliarden Jahren verfügt, ist dies eine vergleichsweise kurze Lebensdauer. Trotzdem sind solche Sterngiganten in der Lage, ihre Umgebung in diesem Zeitraum maßgeblich zu beeinflussen. Von solchen jungen, heißen Sternen gehen starke Sternwinde und eine intensive UV-Strahlung aus, welche die Form der Wolken in ihrer Umgebung und deren Dichte nachhaltig verändern. Dabei bilden sich eventuell sogar Verdichtungen innerhalb der Materiewolken, welche anschließend als Keimzellen für die Entstehung weiterer Sterngenerationen dienen können.

Am Ende ihres kurzen Lebens werden diese massereichen Sterne allerdings hochgradig instabil. Zuerst erfolgen immer wieder gigantische Materieauswürfe, dann beenden die Sterne ihr Dasein in Form einer Supernova-Explosion. Das Paradebeispiel für einen solchen instabilen Stern ist der veränderliche Stern Eta Carinae, welcher sich ebenfalls im Carinanebel befindet. Er verfügt über mehr als 100 Sonnenmassen und gehört zu den leuchtkräftigsten bekannten Sternen überhaupt. Laut den Prognosen der Astronomen wird er voraussichtlich innerhalb der kommenden Million Jahre als Supernova explodieren.

Diese gigantischen Sternexplosionen reißen zunächst durch die dabei auftretenden Schockwellen Löcher in die Wolken aus molekularem Gas in ihrer unmittelbaren Umgebung. Zugleich erfolgt eine Komprimierung des Gases. Dieser Prozess ist letztendlich der Startschuss für die Entstehung einer neuen Sterngeneration. Im Rahmen der Supernovaexplosionen bilden sich zudem kurzlebige radioaktive Isotope schwerer Elemente, welche sich mit den kollabierenden Materiewolken vermengen. Auf ähnliche Art und Weise dürfte auch radioaktives Material in die Wolke gelangt sein, aus der sich einst unsere Sonne und anschließend die Planeten unseres Sonnensystems gebildet haben. Somit ermöglicht uns die Untersuchung des Carinanebels zusätzliche Einblicke in die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems. Fast nirgends sonst lässt sich das Zusammenspiel zwischen jungen Sternen und den Staubwolken, aus denen sie sich gebildet haben, so gut untersuchen, wie in dieser Region.

Bei dem 12 Meter durchmessenden APEX-Teleskop handelt es sich nicht nur um ein eigenständiges Beobachtungsinstrument, sondern vielmehr auch um einen technologischen Wegbereiter für das ALMA-Teleskop der Europäische Südsternwarte ESO, so die Abkürzung für das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array. ALMA ist ein neuartiges Verbundteleskop, welches die ESO in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Partnern ebenfalls auf dem Chajnantor-Plateau errichtet und betreibt.

Das APEX basiert auf dem Prototypen einer Antenne für das ALMA-Projekt, während ALMA nach seiner Fertigstellung aus 54 solcher Antennen mit 12 Metern Durchmesser und zusätzlichen 12 Antennen mit 7 Metern Durchmesser bestehen wird. ALMA wird über ein ungleich höheres Auflösungsvermögen als das APEX verfügen. Allerdings wird dafür das Gesichtsfeld von ALMA deutlich kleiner ausfallen. Die beiden Teleskope ergänzen sich daher nahezu perfekt. APEX, so die Erwartung der Astronomen, wird viele interessante Beobachtungsziele entdecken, welche ALMA anschließend detailliert untersuchen kann.

Das APEX-Teleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR), des Weltraumobservatoriums Onsala (Onsala Space Observatory OSO) und der ESO, die auch für den Betrieb des Teleskops verantwortlich ist. ALMA dagegen ist eine internationale Einrichtung, welche von verschiedenen Instituten aus Europa, Nordamerika und Ostasien in Zusammenarbeit mit der Republik Chile getragen wird. Bei der Entwicklung, dem Aufbau und dem Betrieb des Observatoriums ist die ESO zuständig für den europäischen Beitrag, das National Astronomical Observatory of Japan für den Beitrag Ostasiens und das National Radio Astronomy Observatory der USA für den nordamerikanischen Beitrag. Das Joint ALMA Observatory ist für die übergreifende Projektleitung - für den Aufbau, die Inbetriebnahme und den Beobachtungsbetrieb - von ALMA zuständig.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» Landung von Shenzhou 8 geglückt
17.11.2011 - Heute Mittag um 12:33 MEZ landete das unbemannte chinesische Raumschiff Shenzhou 8 wieder in der Inneren Mongolei. An Bord der Rückkehrkapsel befand sich auch das deutsch-chinesische Gemeinschaftsexperiment SIMBOX.
Zunächst koppelte das Raumschiff gestern Abend um 18:30 Uhr Pekinger Zeit (11:30 Uhr MEZ) von der chinesischen Raumstation Tiangong 1 ab. Danach begannen seine Vorkehrungen für die Landung. Dazu wurde zunächst heute Vormittag das Orbitalmodul des Raumschiffes abgeworfen. Dadurch muss weniger Masse abgebremst werden und man spart Treibstoff und damit auch Gewicht. Nach diesem Manöver wurden das Versorgungs- und das Rückkehrmodul voneinander getrennt. Das Rückkehrmodul korrigierte seine Lage, um so einen sicheren Wiedereintritt zu gewährleisten. Zu dieser Zeit begann man, das Landegebiet im Siziwang-Banner in der Inneren Mongolei zu räumen. Das Raumschiff trat gegen 12 Uhr MEZ in die Erdatmosphäre ein. Etwa 8 km über dem Boden öffnete sich zunächst ein Hilfsschirm, der wiederum den Hauptfallschirm herauszog. Die Kapsel landete schließlich um 12:33 MEZ wieder auf der Erde.

Diese Mission war der insgesamt 8. Flug des Shenzhou-Programms und es mangelte wieder einmal nicht an Erstleistungen: Herausstechend dabei ist das erste Dockingmanöver am 2. November 2011. Die gesamte Mission galt als Test für die nächsten beiden Flüge im chinesischen Shenzhou-Programm, nämlich Shenzhou 9 und Shenzhou 10, wobei zum ersten Mal eine chinesische Raumstation bemannt fliegen wird.

An Bord der Rückkehrkapsel war das deutsch-chinesische Gemeinschaftsexperiment SIMBOX, mit dem biologische Proben im Weltraum untersucht wurden. Nun sollen sie genauer auf der Erde unter die Lupe genommen werden, um die Auswirkungen eines Weltraumfluges festzustellen. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China ist laut des DLR vorstellbar, so etwa bis zu einem deutschen Raumfahrer bei einem chinesischen Raumflug. Dies ist aber noch höchst spekulativ und Zukunftsmusik.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: CCTV, Xinhua, raumfahrer.net, NSF)


» Earth from Space: Erste Folge am 18. November 2011
17.11.2011 - Die Europäische Raumfahrtorganisation (ESA) beginnt am 18. November 2011 mit einer Sendereihe, die sich mit dem Thema Erdbeobachtung auseinandersetzt. Dabei soll es spektakuläre Bilder der Erde von in rund 800 Kilometer Höhe um die Erde kreisenden Erdbeobachtungssatelliten zu sehen geben.
Sechs Ausgaben der englischsprachigen Sendereihe sind bisher geplant. Jeweils Freitags um 10:00 Uhr MEZ beginnen die kurzen Folgen, die von Kelsea Brennan-Wessels präsentiert werden.

In der ersten Folge mit dem Titel " ’Canaries’ new hot spot " am 18. November 2011 wird von einem unterseeischen Vulkan vor der Kanareninsel El Hierro berichtet.

Die Sendungen gibt es via ESA Web TV und können auf bestimmten Mobilgeräten über eine bei Apple herunterladbare App verfolgt werden.

Wurden einzelne Folgen verpasst, kann man sie kurz nach ihrer Erstaustrahlung bei der ESA abrufen.

Der Sendefahrplan ist folgender:

  • Freitag 18. November 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 1
  • Freitag 25. November 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 2
  • Freitag 2. Dezember 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 3
  • Freitag 9. Dezember 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 4
  • Freitag 16. Dezember 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 5
  • Freitag 23. Dezember 2011 10:00 Uhr MEZ: Earth from Space - Edition 6


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Dragon-Kapsel erhält ihr Rumpfteil
17.11.2011 - Wie gestern gemeldet wurde, erfolgte die Montage der zweiten einsatzfähigen Dragon-Kapsel mit dem zugehörigen Rumpfteil in einer von SpaceX genutzten Montagehalle auf dem Raumfahrtgelände am Cape Canaveral.
In diesem Rumpfteil sollen bei späteren Flügen nicht unter Druck stehende Außenlasten transportiert werden können. Außerdem sind hier die bei längeren Flügen erforderlichen Solarzellenpaneele zur Energieversorgung montiert. Beim für Anfang 2012 angesetzten zweiten Testflug einer Dragon-Kapsel wird dieser zusätzliche Teil erstmals eingesetzt.

Ziel der zweiten Dragon-Mission im Rahmen der Commercial Orbital Transportation Services (COTS) ist ein autonomer Flug über mehrere Tage mit einer anschließenden Kopplung an die Internationale Raumstation. Dies soll nach etwa 9 Flugtagen erfolgen.

Vor wenigen Tagen hat SpaceX der NASA die finale Version der Steuerungssoftware zur Prüfung vorgelegt. Wird die Software als geeignet angesehen, dann könnte der Testflug im Januar gestartet werden. Spezialisten halten allerdings einen Termin im Februar oder später für wahrscheinlicher.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceRef, SpaceX)


» DLA 1 alias Intelsat 30 fliegt auf Ariane 5
17.11.2011 - Am 14. November 2011 meldete Arianespace, den Auftrag erhalten zu haben, einen Kommunikationssatelliten, der für DirecTV Lateinamerika zum Einsatz kommen soll, auf einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum zu transportieren.
DLA 1 alias Intelsat 30 wird eine Startmasse von rund 6,3 Tonnen haben. Der Satellit befindet sich derzeit in Bau beim US-amerikanischen Satellitenhersteller Space Systems/Loral (SS/L). Das Raumfahrzeug basiert auf dem 1300er Satellitenbus von SS/L und besitzt eine Auslegungsbetriebsdauer von 15 Jahren. Bestückt wird DLA 1 mit 72 Ku-Band- und 10 C-Band-Transpondern. Die Energieversorgung des Satelliten aus der 20-Kilowatt-Klasse werden zwei Solarzellenausleger sicherstellen.

Befindet sich DLA 1 erst einmal im All, will DirecTV Lateinamerika über den dann von Intelsat betriebenen Satelliten mit hochauflösenden Fernsehprogrammen versorgen. In Lateinamerika erreicht DirecTV derzeit über 11,1 Millionen Zuseher.

Der Start des Satelliten ist für das Jahr 2014 geplant. Positioniert werden soll das dreiachsstabilisierte Raumfahrzeug im geostationären Orbit bei 95 Grad West in Kolokation mit Intelsats Galaxy 3C. Letzterer befindet sich seit dem 15. Juni 2002 im Weltraum und wird zum Teil von DirecTV genutzt.

Zusammen mit DLA 1 hat Intelsat auch DLA 2 alias Intelsat 31 bei SS/L bestellt, hatte der Satellitenhersteller Anfang September 2011 bekannt gegeben. DLA 2 soll im Jahr 2015 ins All gebracht werden. Welcher Trägerraketenbetreiber diesen Transportauftrag durchführen wird, ist noch nicht bekannt.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, DirecTV, Intelsat, SS/L)


» 90 Tage Pause für Oldie Landsat 5
19.11.2011 - Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten (United States Geological Survey, USGS) gab am 18. November 2011 bekannt, dass die Erfassung von Bildern der Erdoberfläche via Landsat 5 wegen technischen Problemen vorübergehend eingestellt wurde.
Innerhalb von 90 Tagen wollen Techniker und Ingenieure den mittlerweile über 27 Jahre alten Erdbeobachtungssatelliten wieder in ein sinnvolles Betriebsregime überführen. In den vergangenen Monaten zeigte eine der Schlüsselkomponenten des seit dem 1. März 1984 im All befindlichen Satelliten, ein für die Übertragung von erfassten Bilddaten zu geeigneten Bodenstationen benötigter Sender, öfter wechselnde Leistungsdaten.

Anfang November 2011 führten die Schwierigkeiten mit der Sendeanlage schließlich zu einer drastischen Reduktion der Qualität der am Boden empfangenen Bilddaten. Nach Angaben des USGS hält man das für einen deutlichen Hinweis auf ein sich ankündigendes Versagen der Bildübertragungstechnik an Bord des Satelliten, was das Ende der Mission des Raumfahrzeuges bedeuten würde.

Statt den problembehafteten Verstärker der Sendeanlage einfach solange weiter zu benutzen, bis er völlig versagt, entschied sich der USGS dafür, innerhalb eines Zeitfensters von zunächst 90 Tagen keine Bilder zur Erde zu senden und jede mögliche Methode, noch einmal einen stabilen Betrieb zu verwirklichen, zu untersuchen.

Seit 1972, dem Startjahr des ersten Landsat innerhalb des gleichnamigen Programms, haben die Vereinigten Staaten von Amerika ohne Unterbrechungen Landsat-Bildmaterial gewonnen. Aktuell wird nur noch der seit 12,5 Jahren im Weltraum befindliche Landsat 7 zur Bilderfassung eingesetzt. Die Auslegungsbetriebsdauer dieses Satelliten war auf 5 Jahre angesetzt. Seit 2003 arbeitet er bei der Abtastung ohne Benutzung eines Korrekturgliedes, woraus eine reduzierte Bildqualität resultiert.

Ein neuer Satellit für die sogenannte Landsat Data Continuity Mission (LDCM), vom USGS als Landsat 8 bezeichnet, befindet sich derzeit beim US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtkonzern Orbital Sciences Corporation (OSC) in Bau. Nach den derzeitigen Planungen soll Landsat 8 im Jahr 2013 in den Weltraum transportiert werden.

Landsat 5 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 14780 bzw. als COSPAR-Objekt 1984-021A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, USGS)



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Mars Aktuell: Mars Express im Sicherheitsmodus von Redaktion



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» Mars Express im Sicherheitsmodus
04.11.2011 - Laut einer Meldung der Europäischen Weltraumagentur ESA befindet sich der von ihr betriebene Marsorbiter Mars Express gegenwärtig in einem Sicherheitsmodus. Experten der ESA sind zur Zeit damit beschäftigt, das für den Sicherheitsmodus verantwortliche Problem mit dem Computersystem zu beheben. Als Konsequenz der gegenwärtigen Probleme wurden die wissenschaftlichen Aktivitäten der Raumsonde vorläufig gestoppt.
Seit ihrem Eintritt in eine Umlaufbahn um den Planeten Mars am 25. Dezember 2003 hat sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express als ein zuverlässiger "Späher" der Menschheit erwiesen und unseren äußeren Nachbarplaneten und dessen Monde Phobos und Deimos mit insgesamt sieben wissenschaftlichen Instrumenten kontinuierlich untersucht. Nur selten war dabei von größeren technischen Problemen zu hören, welche diese äußerst erfolgreiche Planetenmission beeinträchtigt haben. Als Konsequenz dieses Erfolges und der durch die Mission gegebenen wissenschaftlichen Ausbeute wurde die Mission während der vergangenen Jahre mehrmals verlängert - zuletzt bis zum 31. Dezember 2012. Während der letzten Monate sind allerdings Probleme mit dem Computersystem der Raumsonde aufgetreten, welche - sollten sie nicht gelöst werden können - die Fortsetzung dieser Mission ernsthaft gefährden könnten.

Bereits am 13. August 2011 versetzte sich die Raumsonde Mars Express automatisch in einen sogenannten Sicherheitsmodus (engl. "Safe Mode"). Hierbei handelt es sich um einen operativen Modus, in den sich eine Raumsonde versetzt, sobald unerwartete Ereignisse auftreten, welche eine potentielle Gefahr für die Sonde oder deren Instrumente darstellen. Die Raumsonde stellt hierbei sämtliche nicht zwingend notwendigen Aktivitäten ein und richtet ihre für die Energieversorgung zuständigen Solarpaneele auf die Sonne und die für die Kommunikation benötigten Antennen auf die Erde aus. Anschließend wartet die Raumsonde auf weiterführende Befehle vom Kontrollzentrum.

Laut den Analysen der Techniker der ESA war ein unverhofft auftretender komplexer Fehler im Speicher des Bordcomputers für dieses Ereignis am 13. August verantwortlich. Als Quelle des aufgetretenen Problems wurde das "Solid-State Mass Memory System" (kurz SSMM) identifiziert. Hierbei handelt es sich um eine zentrale Speichereinheit, welche für die Zwischenspeicherung der Telemetriedaten und der durch die wissenschaftlichen Instrumente gesammelten Daten an Bord der Raumsonde Mars Express vor der Übermittlung zur Erde verantwortlich ist. Zudem werden hier die von dem Kontrollzentrum auf der Erde eingehenden Kommandos für Mars Express bis zu ihrer Ausführung abgelegt.

Das Ereignis am 13. August wurde zunächst als nicht weiter dramatisch angesehen. Es wies gewisse Ähnlichkeiten mit einem anderen Vorfall auf, welcher sich bereits vor drei Jahren ereignet hatte. Von daher ging das für die Flugsteuerung von Mars Express verantwortliche Flugsteuerungsteam am ESOC-Kontrollzentrums in Darmstadt davon aus, dass es sich auch bei diesem Ereignis um einen eher "normalen" Übergang in den abgesicherten Modus handelt. Das Flight Control Team führte deshalb in den folgenden Tagen die standardmäßigen Recovery-Prozeduren durch und versetzte Mars Express am 18. August wieder in den normalen Modus.

Am 23. August traten jedoch erneut Probleme mit dem Computersystem der Raumsonde auf, welche große Ähnlichkeiten mit dem Ereignis vom 13. August aufwiesen. Das Team entschied sich aufgrund des wiederholten Auftretens dieser Probleme in einem so kurzen Zeitraum am folgenden Tag dazu, das betroffene SSMM-System zu deaktivieren und stattdessen ein redundantes SSMM-Backupsystem in Betrieb zu nehmen. Hierzu wurde der Bordcomputer auf die "B-Side" umgeschaltet. Durch die Umschaltung sollten weitere unverhoffte Übergänge in den Sicherheitsmodus vermieden werden. Neben dem Wunsch, die wissenschaftlichen Aktivitäten der Raumsonde auch weiterhin in der geplanten Weise durchzuführen war der durch einen Sicherheitsmodus bedingte erhöhte Verbrauch an Treibstoff für die Lageregelung der Raumsonde für diese Maßnahme ausschlaggebend. Bei jedem Auftreten eines Safe Mode, so die Verantwortlichen der ESA, benötigt Mars Express in etwa so viel Treibstoff wie bei einem sechsmonatigen normalen Betrieb.

Mars Express nahm den vollen wissenschaftlichen Betrieb schließlich am 15. September wieder auf. Lediglich 8 Tage später ging die Raumsonde am 23. September jedoch erneut in den Sicherheitsmodus. Der Grund hierfür war diesmal ein Prüfsummenfehler, welcher bei der internen Kommunikation zwischen zwei Subsystemen des mittlerweile aktiven "B-Side"-SSMM auftrat. Da dieser Prüfsummenfehler keine Ähnlichkeiten mit den Ereignissen im August aufwies, wurde dieses Fehlverhalten von den ESA-Technikern als ein zufällig aufgetretenes einmaliges Ereignis angesehen. Am 29. September wurde Mars Express deshalb mit den üblichen Standardprozeduren zunächst erneut in den normalen Betrieb versetzt.

Der nächste Prüfsummenfehler trat jedoch bereits am 11. Oktober auf, wobei diesmal jedoch kein Übertritt in den Sicherheitsmodus ausgelöst wurde. Da die Raumsonde weiterhin normal arbeitete, griff das ESA-Team nicht in die weiteren Aktivitäten von Mars Express ein. Allerdings wurde beschlossen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit einen Neustart des gesamten SSMM-Systems durchzuführen.

Noch vor diesem geplanten Neustart trat am 16. Oktober allerdings ein erneuter interner Kommunikationsfehler in dem System auf, welcher eine große Ähnlichkeit mit der Fehlfunktion vom 23. September aufwies. Im Gegensatz zu dem Ereignis von vor 7 Tagen erfolgte diesmal allerdings ein erneuter Eintritt in den Sicherheitsmodus. Dies war ein deutliches Anzeichen dafür, dass neben der "A-Side" des SSMM-Systems anscheinend auch die "B-Side" von einem bisher nicht näher bekannten Problem betroffen ist.

Ein erneutes Umschalten des SSMM-Systems auf die "A-Side" ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach der Meinung der für die Mission verantwortlichen Mitarbeitern der ESA keine empfehlenswerte Option, da auch beim Betrieb der "A-Side" ein erneutes Auftreten der Computerprobleme und ein daraus resultierender Übertritt in einen Sicherheitsmodus wahrscheinlich ist. Ein dadurch bedingter erhöhter Treibstoffverbrauch würde sich negativ auf die Gesamt-Missionsdauer von Mars Express auswirken. Die für die Mission Verantwortlichen entschlossen sich daher dazu, den Marsorbiter vorläufig im Sicherheitsmodus zu belassen und die wissenschaftlichen Aktivitäten der Raumsonde vorerst auszusetzen.

Bei dem SSMM-System handelt es sich um ein kritisches Subsystem von Mars Express, welches sowohl für den Betrieb der Raumsonde als auch für den Betrieb der verschiedenen wissenschaftlichen Instrumente eigentlich zwingend benötigt wird. Da gegenwärtig beide SSMM-Systeme betroffen sind muss das aufgetretene Problem von daher als kritisch angesehen werden. Das Flugkontrollteam von Mars Express arbeitet momentan an einem Workaround, um den normalen Betrieb der Raumsonde zumindestens teilweise wieder zeitnah aufnehmen zu können.

Währen der Zeiten einer "normalen Operation" werden von dem Kontrollzentrum eingehende Kommandos für die Raumsonde und deren Instrumente in der "Long Mission TimeLine" (kurz L-MTL), einer speziellen Datei innerhalb des SSMM, abgelegt. Allerdings existiert außerhalb des SSMM-Systems zusätzlich noch eine sogenannte "Short Mission TimeLine" (kurz S-MTL). Auf dieser S-MTL ruhen gerade die Hoffnungen der ESA-Spezialisten, deren Plan gegenwärtig darin besteht, die S-MTL anstelle der innerhalb der SSMM befindlichen L-MTL für die Zwischenspeicherung der Daten zu nutzen. Die Suche nach einer Lösung der gegenwärtigen Probleme macht laut den Aussagen der ESA gute Fortschritte und bereits in naher Zukunft soll ein kompletter Test der Raumsonde erfolgen.

Zeitgleich arbeiten die Experten der ESA eng mit den Entwicklern und Herstellern des SSMM-Subsystems zusammen, um die Ursache für die aufgetretenen Anomalien zu ergründen und eine Lösung zu finden, welche eine vollständige und dauerhafte Neuaufnahme des Vollbetriebes von Mars Express ermöglicht. Unabhängig von diesen Problemen hat die Raumsonde am heutigen Tag um 11:37 MEZ ihren mittlerweile 10.000sten Orbit um den Mars begonnen und diesen inzwischen auch beendet. Die dichteste Annäherung an die Planetenoberfläche erfolgte dabei um 15:06 MEZ. Es bleibt zu hoffen, dass das ESA-Team die Probleme in den Griff bekommt und noch viele weitere Umläufe um den Mars folgen werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA)


» Fobos-Grunt bereit zum Start
05.11.2011 - Die Startvorbereitungen für die russische Raumsonde Fobos-Grunt sind beendet, die fertig integrierte Trägerrakete ist bereit für den Transport zur Startrampe. Heute Abend wird die Zenit in Baikonur abheben und Fobos-Grunt sowie den chinesischen Subsatelliten Yinghuo 1 auf die Reise schicken.
Inzwischen wurde die Raumsonde komplett betankt und getestet. Danach wurde die Raumsonde am 2. November in der Nutzlastverkleidung verpackt. Per Bahn ging es dann vom Vorbereitungskomplex für Nutzlasten hinüber zum Integrationsgebäude Komplex 42 in Baikonur. Dort wurde der Nutzlastkopf mit der ebenfalls vorbereiteten Trägerrakete Zenit-2SB (auch als Zenit-2M bezeichnet) verbunden. Die zuständige staatliche Kommission hat nun den Transport der fertig integrierten Zenit zur Startrampe 45 des Kosmodroms Baikonur auf morgen, den 6. November, 6:00 Uhr MEZ festgelegt. Damit hat diese Mission fast alle bürokratischen Hürden überstanden. Lediglich die finale Startgenehmigung wird kurz vor dem Start noch erteilt werden.

Heute Abend um 21:16:03 Uhr MEZ wird die Zenit das RD-171M-Triebwerk der ersten Stufe zünden und abheben. Bereits um 21:27:27 Uhr MEZ, also nach 9 Minuten Flugzeit, hat die Zenit ihre Aufgabe erfüllt und Fobos-Grunt wird von der zweiten Stufe der Trägerrakete abgetrennt. Fobos-Grunt wird nun 1,7-mal die Erde in der so erreichten niedrigen Umlaufbahn umkreisen. Dann wird über Südamerika zum ersten Mal das Haupttriebwerk S5.92 von Fobos-Grunt gezündet werden. Bei dieser Zündung wird der gesamte Treibstoff des Abwurftanks SBB verbraucht. Dadurch wird ein hochelliptischer Erdorbit erreicht. Kurz nach der Zündung wird mitten über dem Atlantik der SBB abgetrennt werden.

Nach einer weiteren Erdumkreisung wird das S5.92 zum zweiten Mal zünden und damit dann die Fluchtbahn erreichen. Auf der Erdkarte betrachtet wird Fobos-Grunt nun noch eine Schleife über Mitteleuropa fliegen, bevor sie Richtung Westen abdreht und sich von der Erde entfernt. Dieser Überflug ist gegen 3 Uhr MEZ am Morgen des 9. November auch von Deutschland aus sichtbar, allerdings wird man wohl ein gutes Teleskop benötigen, um die kleine Raumsonde erkennen zu können. Anders sieht es hingegen in Südamerika aus, die beiden Triebwerkszündungen sollten dort sichtbar sein, vor allem auch da sie in relativ geringer Höhe stattfinden.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Lawotschkin, Roskosmos, IKI)


» Mars Express und der Vulkan Tharsis Tholus
07.11.2011 - Bereits am vergangenen Freitag veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen den Vulkan Tharsis Tholus auf dem Mars. Hierbei handelt es sich um einen etwa 8.000 Meter hohen Vulkan in der Tharsis-Region.
Obwohl sich die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express gegenwärtig in einem Sicherheitsmodus befindet und deshalb der wissenschaftliche Betrieb zunächst einmal ruhen muss (Raumfahrer.net berichtete) wird die Auswertung der bisher durch die Raumsonde gesammelten wissenschaftlichen Daten durch die an der Mission beteiligten Forscher unverändert fortgesetzt. So wurden zum Beispiel erst am vergangenen Freitag neue Aufnahmen von der Oberfläche unseres äußeren Nachbarplaneten veröffentlicht.

Bei der Betrachtung einer globalen Karte unseres Nachbarplaneten ist eine der auffälligsten Regionen der Planetenoberfläche die im Bereich des Äquators gelegene Tharsis-Vulkanregion unmittelbar westlich der Valles Marineris. Auf einer Fläche von mehreren Millionen Quadratkilometern erhebt sich dieses gigantische Plateau wie eine Wulst um durchschnittlich vier Kilometer über die umgebende Marsoberfläche. Dabei ragen aus der Tharsis-Region mehrere gewaltige Schildvulkane hervor, welche die höchsten Vulkane in unserem Sonnensystem darstellen.

Planetologen gehen allgemein davon aus, dass sich die Tharsis-Region, genauso wie das benachbarte Valles Marineris, von etwa 3,5 Milliarden Jahren während des geologischen Mittelalters des Mars, der sogenannten Hesperianischen Epoche, gebildet hat. Die äußere Kruste des Mars wurde zu dieser Zeit durch im Marsinneren auftretende Kräfte aufgewölbt, was massive Oberflächenspannungen zur Folge hatte. Während der verschiedenen vulkanischen Aktivitätsphasen wurden gewaltige Mengen von Lava an die Oberfläche des Planeten befördert. Diese Lavamassen schichteten sich dabei zu den besagten Vulkanen auf.

Der Olympus Mons, der größte Vulkan in dieser Region, erreicht dabei bei einem Basisdurchmesser von etwa 550 Kilometern eine Höhe von etwa 24 Kilometern. Weitere große Vulkane dieser Region sind der Ascraeus Mons mit 18, der Arsia Mons mit 14 und der Pavonis Mons mit 12 Kilometern Höhe. Bei den diversen Ausbrüchen dieser Vulkane ergossen sich große Mengen an dünnflüssiger Lava über die Marsoberfläche, welche dabei zu ausgedehnten, mächtigen Lavadecken erstarrten.

Neben diesen wahren Vulkan-Giganten befinden sich auf der Tharsis-Aufwölbung aber auch noch mehrere weniger beachtete Vulkankomplexe, welche allerdings ebenfalls über gewaltigen Ausdehnungen verfügen. Mit einer Grundfläche von etwa 155 x 125 Kilometern ist so zum Beispiel der rund 8.000 Meter hohe Tharsis Tholus ein für marsianische Verhältnisse zwar nur mittelmäßig hoher Vulkan, nach irdischen Maßstäben handelt es sich jedoch um einen Vulkan, welcher den Vergleich mit den höchsten Bergen der Erde nicht scheuen muss.

Die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express überflog im Herbst 2004 im Rahmen von 4 verschiedenen Umläufen um unseren Nachbarplaneten den Tharsis Tholus und bildete dabei die Umgebung des Vulkans mit der High Resolution Stereo Camera (HRSC) ab. Die HRSC-Kamera wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben und ist eines von sieben wissenschaftlichen Instrumenten an Bord der Raumsonde Mars Express. Die Aufnahmen zeigen einen Ausschnitt der Marsoberfläche, welcher sich bei 13 Grad nördlicher Breite und 268 Grad östlicher Länge befindet.

Die Aufnahmen der Kamera zeigen, dass die sichtbaren Bereiche des Tharsis Tholus in Wirklichkeit lediglich die "Spitze des Vulkans" darstellen und die ursprüngliche Höhe des Tharsis Tholus nicht mehr exakt zu ermitteln ist. Wie in der hier gezeigten Nadiraufnahme zu erkennen ist, ist der Vulkan von zahlreichen erstarrten Lavaströmen umgeben. Dies hat zur Folge, dass der ursprüngliche Fuß des Vulkans nicht mehr erkennbar ist. Gemessen an der Vielzahl und Mächtigkeit der diversen Lavaströme ist es denkbar, dass sich die eigentliche Basis des Tharsis Tholus in einer Tiefe von bis zu mehreren Kilometern unterhalb der Lavamassen befindet.

Der Tharsis Tholus unterscheidet sich von vielen anderen Vulkanen auf dem Mars dadurch, dass bei diesem das so genannte Vulkangebäude stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Vulkankomplex ist nicht - wie sonst eigentlich üblich - ebenmäßig kegel- oder schildförmig über dem Förderzentrum gewachsen. Stattdessen weisen seine Flanken erhebliche Deformationsspuren auf.

Seit seiner Entstehung vor weniger als 4 Milliarden Jahren ereigneten sich so zum Beispiel mindestens zwei große Kollapse an dessen West- und Ostflanke. Zeugen dieser Ereignisse sind die dort befindlichen und teilweise mehrere Kilometer hohen Steilkanten. Das Hauptmerkmal von Tharsis Tholus ist allerdings die Ausdehnung seiner zentralen Caldera. Dieser leicht elliptisch geformte Einsturzkessel am Gipfel des Vulkans ist mit einer Ausdehnung von rund 32 mal 34 Kilometern fast so groß wie Berlin. Der Boden der Caldera befindet sich dabei bis zu 2,7 Kilometer unterhalb der Abbruchkante.

Wie hat sich dieser Einsturzkessel einstmals gebildet? Direkt unter einem Vulkan sammelt sich zunächst flüssiges Gestein, so genanntes Magma, in einer Magmakammer. Diese Kammer entleert sich anschließend bei einem Ausbruch des Vulkans, wobei das Magma als Lava an der Oberfläche austritt. Die Entleerung der Kammer hat zur Folge, dass sich jetzt im Inneren des Vulkans ein größerer Hohlraum bildet. Das Dachgestein der Magmakammer kann das darauf lastende Gewicht des Vulkans nicht mehr tragen und es kommt zu einem Kollaps, wobei das auflastende Gestein in die entleerte Magmakammer stürzt. Als Resultat dieses Einsturzes bildet sich an der Oberfläche des Vulkans eine Vertiefung - der besagte Einsturzkessel.

Vulkane spielten auf dem Mars - genau so wie auch auf der Erde - nicht nur in der Klimageschichte eine wichtige Rolle, sondern sind auch entscheidend für die thermalen Prozesse im Innern des Planeten. So werden der Atmosphäre durch Vulkanausbrüche zum Beispiel "frische" Gase aus dem Planeteninneren zugeführt, was wiederum die Dichte und Zusammensetzung der Planetenatmosphäre beeinflusst.

Besonders in der Frühzeit des Mars dürften der damalige extreme Vulkanismus zu einer Atmosphäre geführt haben, welche deutlich dichter ausfiel als in der Gegenwart. Ob diese Atmosphäre wirklich "dicht" und zugleich auch warm genug war, um Regenfälle und somit auch einen Wasserkreislauf zu ermöglichen, ist wohl eine der spannendsten Fragen der aktuellen Marsforschung. Nicht zuletzt ist damit auch die Beantwortung der Frage verbunden, ob auf unserem heute im wahrsten Sinne des Wortes staubtrockenen Nachbarplaneten jemals Bedingungen vorherrschten, welche die Entwicklung von Leben begünstigt haben könnten.

Deshalb ist der Mars nach wie vor eines der wichtigsten Ziele der Planetenforschung. Am 25. November 2011 wird die amerikanische Weltraumbehörde NASA mit der Mission Curiosity einen weiteren Rover auf den Weg zum Roten Planeten bringen, welcher fünf mal so schwer ist, wie die beiden Marsrover Spirit und Opportunity, die sich seit dem Januar 2004 auf der Marsoberfläche befinden. Curiosity wird dabei speziell der Frage nachgehen, ob es in der Vergangenheit auf der Marsoberfläche organische Moleküle gab oder sogar immer noch gibt.

Und auch die russische Raumfahrt wird sich wieder dem Mars widmen und am morgigen 8. November die Mission Phobos Grunt zum größeren der beiden Marsmonde, dem Phobos, schicken. Nach der Ankunft bei Phobos soll eine Landesonde Probenmaterial von der Phobosoberfläche sammeln und damit 2014 zur Erde zurückkehren. Das DLR ist aktiv an dieser Mission beteiligt. Mit digitalen Geländemodellen, die aus HRSC-Bilddaten errechnet wurden, wird die russische Weltraumbehörde bei der Auswahl von potentiellen Landestellen auf Phobos unterstützt. Eine deutschsprache Liveübertragung des Starts dieser Mission finden Sie am 8. November ab 20:30 MEZ auf der Internetseite von Spacelivecast.de.

Die den hier gezeigten Bildern zugrunde liegenden Aufnahmen wurden zwischen dem 28. Oktober und dem 13. November 2004 während der Marsorbits 0997, 1019, 1041 und 1052 aufgenommen. Aus den Bilddaten wurde anschließend ein Mosaik angefertigt, welches über eine Auflösung von rund 14 Metern pro Pixel verfügt. Die gezeigten Schrägansichten des Tharsis Tholus wurden aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- und rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Bei dem Schwarzweißbild handelt es sich um eine Nadiraufnahme, welche von allen gewonnenen HRSC-Aufnahmen die höchste Auflösung erreicht.

Das nebenstehende Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem der Stereokanäle abgeleitet. Des Weiteren können die Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wird, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten. Aus diesen Daten lassen sich Informationen über die Topographie der Landschaft ziehen.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Der Bau der Kamera erfolgte in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Betrieben wird die HRSC-Kamera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden von den Mitarbeitern des Instituts für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt. Das für die HRSC-Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 40 Co-Investigatoren von 33 Institutionen aus zehn Ländern.

Weitere durch die HRSC-Kamera angefertigte Aufnahmen des Tharsis Tholus finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der FU Berlin. Speziell in den dort verfügbaren hochaufgelösten Aufnahmen kommen die verschiedenen Strukturen der Marsoberfläche besonders zur Geltung.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: DLR, FU Berlin)


» Marssonde Fobos-Grunt im All / auf Erdbahn gefangen
08.11.2011 - Planmäßig um 21:16 Uhr MEZ hob die Trägerrakete Zenit-2SB mit der russischen Marssonde Fobos-Grunt und dem chinesischen Subsatelliten Yinghuo 1 in Baikonur ab. Jetzt befindet sich die Raumsonde im Parkorbit um die Erde.
Nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung und monatelangen Startvorbereitungen war es heute endlich soweit: Eine Trägerrakete vom Typ Zenit-2SB schickte Fobos-Grunt auf die Reise. Der Start der Zenit war insgesamt der fünfte in diesem Jahr, davon bereits der dritte mit einer russischen Nutzlast. Dies ist besonders hervorzuheben, da die Zenit als ukrainisches Modell eigentlich eine von der Regierung ungeliebte Trägerrakete ist und nur relativ selten eingesetzt wurde. Inzwischen scheint sie jedoch wieder ihren angestammten Platz zwischen der kleineren Sojus und der größeren Proton zu finden und in den kommenden Jahren auch zu behalten.

9 Minuten nach dem Start hatte die zweistufige Zenit-Rakete ihre Aufgabe erfüllt und wurde von der Nutzlast im ersten Parkorbit von 207 bis 347 km Höhe bei einer Bahnneigung von 51,4° abgetrennt. Diese wird von nun an autonom den Flug zum Mars antreten. Zuerst werden die Solarzellen von Fobos-Grunt ausgeklappt, so dass die Marschkonfiguration erreicht wird. Im Laufe der Nacht sind zwei Brennphasen der Raumsonde geplant. Beide werden über Südamerika stattfinden, dort werden auch viele Hobbyastronomen versuchen, Fobos-Grunt im Betrieb zu fotografieren oder Filmen.

Die erste Brennphase soll um 22:55 Uhr MEZ (zweieinhalb Stunden nach dem Erreichen des Parkorbits) durchgeführt werden, dies entspricht 1,7 Erdumrundungen. Jetzt wird bis 00:05 Uhr MEZ der gesamte Treibstoff des Zusatztanks SBB verfeuert, der dann kurz vor Afrika abgetrennt wird. Dadurch erreicht Fobos-Grunt eine Umlaufbahn von 250 bis 4.150 km Höhe. Eine weitere Erdumkreisung später, um 02:02 Uhr MEZ wird das Haupttriebwerk S5.92 zum zweiten Mal gezündet (bis 02:20 Uhr MEZ) und Fobos-Grunt auf Fluchtkurs bringen. Zum Abschied fliegt Fobos-Grunt eine Schleife über Mitteleuropa bis zur Krim, bevor sie in den Tiefen des Weltraums entschwindet.

Wenn dies gelingt, wäre Fobos-Grunt bereits die russische Raumsonde, die ihre Mission am besten erfüllt hat - ihr einziger nicht-sowjetischer Vorgänger Mars-96 strandete 1996 aufgrund eines Versagens der Trägerrakete bereits in der Erdumlaufbahn. Somit stellt Fobos-Grunt den absoluten Wiederbeginn der russischen Raumsondenprojekte dar. Die Sonde wurde fast komplett neu entwickelt und soll als Basis für eine ganze Reihe von geplanten Missionen herhalten. Besonders wichtig sind hier das Hauptantriebsmodul MDU. Es wurde von der Oberstufe Fregat abgeleitet, aber zum Einen nutzt es viele Systeme wie Steuerung, Lageregelung, Energieversorgung der Raumsonde mit und zum Anderen verfügt es über ein deutlich erweitertes System zur Thermalregulierung. Durch diese Maßnahmen wird die Einsatzzeit von 24 Stunden auf rund 1 Jahr ausgedehnt. Dadurch ist es möglich, dass das MDU auch die Einbremsung in den Marsorbit, bei anderen Missionen auch den Flug zu anderen Himmelskörpern (Mond, Venus, Mars) übernimmt.

Update:
Fobos-Grunt ist nach dem Start in ernste Schwierigkeiten geraten. Möglicherweise sind Probleme mit der MDU genannten Antriebseinheit der Marssonde oder mit der Software zu ihrer Steuerung, oder mit beidem, aufgetreten.

Nach Start und Aussetzen gelang es nicht, das Raumfahrzeug an der an sich erwarteten Position zu erfassen und Kontakt zu ihm herzustellen. Roskosmos, die russische Raumfahrtagentur, berichtete, dass es nach einer Nacht angespannter Suche gelang, die Sonde zu finden. Ihre Position ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ihre Antriebseinheit keine der beiden im Erdorbit vorgesehenen Brennphasen durchgeführt hat.

Verschiedene Quellen melden, dass sich die Sonde in einem Parkorbit befindet. Rund zweieinhalb Stunden nach dem Start war eine erste Brennphase zur Umwandlung des Orbits in eine elliptische Bahn vorgesehen, und weitere 126 Minuten später hätte die Antriebseinheit die Sonde auf eine Bahn Richtung Mars schicken sollen.

Russische Spezialisten vermuten, dass es wegen einer nicht erfolgten korrekten Ausrichtung der Sonde nicht zu den beabsichtigten Brennphasen der MDU kam. Sonnen- und Sternensensoren sollten der Sonde bei ihrer Ausrichtung helfen, zuerst an der Sonne, dann an einem hellen Leitstern. Eine Orientierung an letzterem mit einem BOKZ-MF genannten Sensor erfolgte wahrscheinlich nicht, weshalb auch keine Triebwerkszündung initiiert wurde.

Sofern sich die Ursache dafür als durch ein Softwareupdate für die Rechenanlagen zur Steuerung der Sonde behebbar erweist, besteht eine gewisse Chance dafür, dass Fobos-Grunt schließlich doch noch Richtung Mars aufbrechen kann. Für die erforderlichen Softwarearbeiten, das Senden der Software an die Sonde und die Einrichtung der Software auf den Computersystemen des Raumfahrzeugs hat man drei Tag Zeit, glaubt man nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti bei Roskosmos.

Wenn es nicht möglich ist, Fobos-Grunt auf eine Bahn in Richtung Mars zu schicken, werden die Speicherbatterien an Bord der Sonde irgendwann erschöpft sein. Auf einer Bahn um die Erde ist es offensichtlich nicht möglich, die auf elektrische Energie angewiesenen Sondensysteme längere Zeit zu versorgen. Die Anlagen zur Energieerzeugung wurden auf einen Betrieb auf einer interplanetaren Bahn und während der Mission am roten Planeten ausgelegt, nicht für einen Einsatz auf einer niedrigen Erdumlaufbahn.

Update Nr. 2:
Roskosmos berichtete zwischenzeitlich, dass man mittlerweile davon überzeugt ist, für erforderliche Fehlerbereinigungen rund zwei Wochen Zeit zu haben. Die Energieversorgungslage soll sich nach Angaben von Beobachtern des russischen Raumfahrtprogramms entspannt haben, da beide Solarzellenausleger von Fobus-Grunt entfaltet seien und arbeiten würden, und die Lageregelung der Sonde funktioniere. RIA Nowosti meldete, nach Angaben eines russischen Ballistik-Experten werde sich die Sonde rund vier Wochen auf ihrem niedrigen Erdorbit halten können, bevor ihr der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und damit ihre Zerstörung droht.

Update Nr. 3 10. November 2011:
Laut Informationen aus gewöhnlich gut informierten Kreisen in Russland sprechen Telemetriedaten, die von der zweiten Stufe der Trägerrakete empfangen wurden, für eine planmäßige und störungsfreie Abtrennung der Sonde nach dem Start. Von der Sonde sollen während ihres ersten Erdumlaufs Telemetriedaten gekommen sein, die ein erfolgreiches Entfalten der Solarzellenausleger und eine zuverlässige Orientierung der Sonde an der Sonne bestätigen. Nach dem zweiten Umlauf habe die Sonde geschwiegen, und sich auf einer nicht veränderten Bahn befunden. Danach gelang es angeblich nicht mehr, irgendwelche Telemetriedaten von der Sonde zu empfangen. In der vergangenen Nacht habe man versucht, die Rechneranlage an Bord von Fobus-Grunt neu zu starten, was aber nicht gelang. Ein neuer Versuch soll heute Nacht erfolgen.

Fobos-Grunt ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.872 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-065A.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: IKI, Lawotschkin, Novosti Kosmonavtiki, phobos.cosmos.ru, RIAN, Roskosmos, Tsenki)


» Weiter kein Kontakt zu Fobos-Grunt
11.11.2011 - Auch in der Nacht zum Freitag ist es Russland nicht gelungen, Kontakt zu der im Erdorbit gestrandeten Raumsonde herzustellen. Die Chancen, die Mission noch zu retten, schwinden damit. Es wäre nicht der erste Fehlschlag einer russischen Raumsonde auf dem Weg zu Mars.
Dienstag Abend um 21:16 Uhr MEZ begann die Reise der 120 Millionen Euro teuren Mission zum Mars. Zunächst sah alles gut aus. Die Zenit-Trägerrakete setzte die Sonde planmäßig in einem Parkorbit von 207 km x 347 km aus. Kurz darauf empfing die Bodenstation erste Telemetriedaten, aus denen die korrekte Funktionsweise der Sonde abgeleitet werden konnte. Die Solarpanele wurden entfaltet und die zwei Brennvorgänge für den Einschuss in eine Marstransferbahn standen unmittelbar bevor.

Da direkter Funkkontakt nur über das russische Netzwerk geplant war und die Brennvorgänge außerhalb der Reichweite des Netzwerkes stattfanden, war zu dieser Zeit kein Kontakt zu Sonde möglich. Der Marseinschuss sollte autonom erfolgen. Doch seitdem herrscht Funkstille.

Russische Spezialisten vermuten, dass es wegen einer nicht erfolgten korrekten Ausrichtung der Sonde nicht zu den beabsichtigten Brennphasen der MDU kam. Sonnen- und Sternensensoren sollten der Sonde bei ihrer Ausrichtung helfen, zuerst an der Sonne, dann an einem hellen Leitstern. Eine Orientierung an letzterem mit einem BOKZ-MF genannten Sensor erfolgte wahrscheinlich nicht, weshalb auch keine Triebwerkszündung initiiert wurde.

Nur noch 2 Wochen Zeit für eine Lösung des Problems

Roskosmos berichtete zwischenzeitlich, dass man mittlerweile davon überzeugt ist, für erforderliche Fehlerbereinigungen rund zwei Wochen Zeit zu haben. Die Energieversorgungslage soll sich nach Angaben von Beobachtern des russischen Raumfahrtprogramms entspannt haben, da beide Solarzellenausleger von Fobus-Grunt entfaltet seien und arbeiten würden und die Lageregelung der Sonde funktioniere. RIA Nowosti meldete, nach Angaben eines russischen Ballistik-Experten werde sich die Sonde rund vier Wochen auf ihrem niedrigen Erdorbit halten können, bevor ihr der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und damit ihre Zerstörung droht.

Nach Informationen aus gewöhnlich gut informierten Kreisen in Russland sprechen Telemetriedaten, die von der zweiten Stufe der Trägerrakete empfangen wurden, für eine planmäßige und störungsfreie Abtrennung der Sonde nach dem Start. Von der Sonde sollen während ihres ersten Erdumlaufs Telemetriedaten gekommen sein, die ein erfolgreiches Entfalten der Solarzellenausleger und eine zuverlässige Orientierung der Sonde an der Sonne bestätigen. Nach dem zweiten Umlauf habe die Sonde geschwiegen, und sich auf einer nicht veränderten Bahn befunden. Danach gelang es angeblich nicht mehr, irgendwelche Telemetriedaten von der Sonde zu empfangen. In der Nacht zum Donnerstag habe man versucht, die Rechneranlage an Bord von Fobus-Grunt neu zu starten, was aber nicht gelang.

Internationale Hilfe bisher erfolglos

Auch internationale Partner wie zum Beispiel die ESA konnten mit Ihren Kommunikationsnetzwerken bisher keine Signale von Fobos-Grunt empfangen.

In der Nacht zum Freitag versuchten dann Experten aus Baikonur, Phobos-Grunt sogenannte "direkte Ausführungsbefehle" zu geben - unter Umgehung aller Systemprüfungen und On-Board-Computer-Systeme auf dem Raumschiff. Aber auch nach weiteren Überflügen blieb die Raumsonde stumm.

Dabei wurden Spekulationen laut, dass zwei Antennen zur Kontaktaufnahme möglicherweise durch den abwerfbaren Zusatztank der Fregat-Oberstufe verdeckt werden und der Sicherheitsmodus der Sonde nur darauf programmiert wurde auf einer Marstransferbahn sinnvoll zu agieren. Im niedrigen Erdorbit sind die Bedingungen aber anders.

Kein Glück bei Missionen zum Mars

Unvollständige Sicherheitsmodi und Softwarepannen kosteten bereits die Marsmissionen Fobos 1 und Fobos 2. Schon das sowjetische Marsprogramm in den 1960er und 1970er Jahren war einer der größten Fehlschläge in der Geschichte der sowjetischen Raumfahrt. Von den 14 gestarteten Sonden des Mars-Programms war nur Mars 5 ein relativer Erfolg. Später gab es noch drei sowjetisch-russische Marsmissionen: Fobos 1+2 im Jahr 1988 und Mars 96 im Jahr 1996. Fobos 1 und Mars 96 waren komplette Fehlschläge, lediglich Fobos 2 konnte einen kleinen Teil seines geplanten Forschungsprogramms durchführen, bevor auch er verloren ging. Nun steht Fobos-Grunt kurz vor dem Aus.

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(Autor: Stefan Heykes - Quelle: IKI, Lawotschkin, Novosti Kosmonavtiki, phobos.cosmos.ru, RIAN, Roskosmos, Tsenki)


» Fobos-Grunt noch nicht aufgegeben
14.11.2011 - Die russische Weltraumorganisation Roskosmos erkläre heute, dass man die Raumsonde noch nicht aufgegeben hat. Zur Zeit laufen weitere Bemühungen, die Sonde zu retten.
Laut Wladimir Popowkin wird sich Fobos-Grunt noch bis Januar in einem Orbit halten können, allerdings hätte man nur bis Anfang Dezember Zeit, noch zum Mars zu fliegen, da sich danach das Startfenster schließt. Es gibt weiter Hoffnung, allerdings gibt es nach wie vor keine Telemetriedaten mit genaueren Informationen. Fest steht nur, dass die Computer der Sonde noch funktionieren, da Sie sich weiter mit Ihren Solarpanelen in Richtung Sonne ausrichtet.

Das Zeitfenster für einen Kontakt ist aufgrund des niedrigen Orbits nur zwei Minuten lang. Zur Zeit verringert man die Sendeleistung um den Empfänger der Sonde nicht zu überlasten. Ein ähnliches Vorgehen gab es bereits bei der europäischen Raumfahrtagentur in zwei Fällen, so dass es weiter Chancen gibt, die Mission zu retten. Sollte Fobos-Grunt dennoch aufgegeben werden müssen, so besteht laut Popowkin keine Gefahr für die Erde. Es gäbe keinen Zweifel, dass die Raumsonde beim Wiedereintritt explodieren würde. Damit verbrennt etwaiger giftiger Treibstoff. Zudem verneinte er entschieden Vermutungen über Designfehler. Diese Version sei nicht richtig.

Fobos-Grunt war nie dafür ausgelegt, aus dem niedrigen Erdorbit mit den Bodenstationen zu kommunizieren. Ähnliches gilt übrigens auch für den neuen Mars-Rover Curiosity, der am Freitag kommender Woche gestartet werden soll. Die letzte erfolgreiche interplanetare Mission der Russen waren die zur Erforschung des Halleyschen Kometen und der Venus Vega 1 und Vega 2, beide durchgeführt in den Jahren 1984-1996.

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(Autor: Klaus Donath - Quelle: Roskosmos)


» Opportunity auf dem Weg zum Winterquartier
17.11.2011 - Nach dem Abschluss erster Untersuchungen am Rand des Endeavour-Kraters hat sich der Marsrover Opportunity während der letzten Wochen in die nördliche Richtung bewegt und befindet sich mittlerweile am Nordrand des Cape York. In dieser Region soll der Rover die kommenden Monate bis zum Ende des Winters auf dem Mars verbringen.
Nach dem Abschluss der Untersuchungen des Viktoria-Kraters, welcher sich auf der auf dem Mars gelegenen Hochebene "Meridiani Planum" befindet, fassten die für die Opportunity-Mission verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) den Entschluss, den Marsrover Opportunity zu einem neuen Ziel zu manövrieren. Hierfür wählte die Missionsleitung den westlichen Rand des knapp 22 Kilometer durchmessenden und etwa 12 Kilometer vom Viktoria-Krater entfernt liegenden Endeavour-Kraters aus. Auf dem Weg zu seinem neuen Ziel legte Opportunity in den vergangenen Jahren weitere über 20 Kilometer auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurück.

Neben der Erkundung verschiedener kleinerer Krater stand dabei die in regelmäßigen Abständen erfolgende Analyse der chemischen Zusammensetzung der passierten Böden und Gesteine auf dem Arbeitsprogramm des Robotergeologen. Nach einer Reisedauer von fast drei Jahren konnte der Rover sein Ziel schließlich am 9. August 2011, dem Sol 2.681 der Mission, erreichen (Raumfahrer.net berichtete). Opportunity befand sich jetzt direkt an der Südspitze des Cape York, einer mehrere hundert Meter langen und nur wenige Meter hohen Geländeerhebung, welche sich direkt am westlichen Rand des Endeavour-Kraters befindet.

Nach dem Abschluss erster Bodenanalysen in dieser Region (Raumfahrer.net berichtete) wurde die Fahrt am 1. September 2011, dem Sol 2703 der Mission, fortgesetzt. Im Rahmen von zwei Etappen wurde dabei zunächst eine etwa einen Meter durchmessende Bodenformation namens "Chester Lake" angesteuert, welche in den folgenden Wochen mit den am Roboterarm des Rovers befestigten Instrumenten näher untersucht wurde. Neben diversen Abbildungen durch die Kameras erfolgten dabei auch an verschiedenen Stellen mehrere Messungen mit dem APXS-Spektrometer des Rovers, um die mineralogische Zusammensetzung des Gesteins zu bestimmen. Dabei wurde die Oberfläche von Chester Lake auch mehrfach mit einem Gesteinsschleifer, dem sogenannten Rock Abrasion Tool (RAT) bearbeitet, um diese von Staubablagerungen zu reinigen, welche die Messdaten des APXS verfälschen könnten.

Im Gegensatz zu dem vorher untersuchten und lediglich rund 30 Meter entfernt liegenden Ziel "Tisdale-2" konnte das wissenschaftliche Team der Mars Exploration Rover-Mission bei Chester Lake keine Anzeichen für eine in der Vergangenheit erfolgte Interaktion der Oberfläche mit Wasser nachweisen. Dies erscheint insofern überraschend, da es sich auch bei dieser Struktur anscheinend um eine typische Impaktbrekzie handelt. Wie auch bereits bei Tisdale-2 handelt es sich bei Chester Lake somit sehr wahrscheinlich um ein Produkt des Meteoriteneinschlages, welcher zur Entstehung des nur wenige Meter entfernt liegenden Odyssey-Kraters führte. Bei dem Impakt wurden ältere auf der Marsoberfläche abgelagerte Gesteine zertrümmert und durch die dabei auftretenden hohen Drücke verdichtet und zu Impaktbrekzien verschmolzen. Für eine endgültige Auswertung der gesammelten Daten benötigt das Team allerdings noch weitere Zeit.

Die Untersuchungen von Chester Lake und der unmittelbaren Umgebung dauerten bis zum 3. Oktober an. Am darauf folgenden Tag setzte Opportunity seine Fahrt fort und bewegte sich in die nördliche Richtung. Das angepeilte Ziel war ein flacher, in Nord-Süd-Richtung verlaufender Höhenzug namens "Shoemaker Ridge". Der Rover bewegte sich bis zum 20. Oktober auch weiterhin in diese Richtung und legte dabei im Rahmen von 9 Etappen insgesamt weitere fast 400 Meter zurück. Im Rahmen der einzelnen Fahrten erfolgten weitere Abbildungen von verschiedenen Gesteinsformationen und ein kurzer "Abstecher" zu einem etwas abseits des Weges gelegenen kleinen Krater. Bei seiner Fahrt am 23. Oktober, dem Sol 2754 der Mission, überwand Opportunity im Rahmen einer Etappe über weitere rund 60 Meter die Marke von 34 auf der Oberfläche des Mars zurückgelegten Kilometern.

Ungefähr zur gleichen Zeit fassten die Leiter des Mars Exploration Rover-Teams den Entschluss, dass Opportunity den kommenden Marswinter im nördlichen Bereich des Cape York verbringen soll. Der Grund hierfür ist die Energieversorgung des Rovers, welcher ausschließlich durch Solarenergie betrieben wird. Neben der Lichtdurchlässigkeit der Marsatmosphäre ist dabei der Bedeckungsgrad der Solarpaneele mit Staubpartikeln entscheidend für die täglich generierte Menge an Strom. Für den Betrieb seines Bordrechners, der internen Heizung für die wichtigsten elektronischen Bauteile und die tägliche Kommunikation mit der Erde benötigt der Rover pro Tag ein Minimum von etwa 160 Wattstunden Energie. Eine Auswertung des Verlaufs des Staub-Bedeckungsgrades der Solarpaneele und ein Vergleich mit den Werten der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Solarpaneele gegenwärtig mit mehr Staub bedeckt sind als in den vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre.

Aus diesem Grund wurde bereits vor mehreren Wochen eine sogenannte "Winter Planning Group" ins Leben gerufen, welche sich mit der zukünftig zu erwartenden Energiesituation und den daraus resultierenden Möglichkeiten für den Weiterbetrieb des Rovers während der kommenden Wintermonate auf dem Mars auseinander setzen sollte. Die Planungsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass die tägliche Energieausbeute von Opportunity bei einer Beibehaltung des bisherigen Trends bis zur Wintersonnenwende, welche am 12. März 2012 erfolgt, bis auf einen Wert von nur noch etwas über 200 Wattstunden Energie pro Sol abfallen könnte. Aus diesem Grund, so die Empfehlung der Planungsgruppe, soll Opportunity den diesjährigen Mars-Winter an einem nach Norden gerichteten Hang verbringen. Dadurch würden die Solarpaneele automatisch in Richtung auf die Sonne ausgerichtet, was eine höhere tägliche Energieausbeute zur Folge haben würde. Ein solches "Parken" in einem Winterquartier war in den vergangenen Jahren lediglich bei dem weiter südlich operierenden Zwillingsrover von Opportunity, dem Rover Spirit, üblich.

Als Winterquartier, so die Planungsgruppe, bietet sich der nördliche Bereich des Cape York an. Die von der HiRISE-Kamera an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter aufgenommenen Bilder und die daraus entwickelten digitalen Gelände- und Höhenmodelle der Region rund um das Cape York deuten darauf hin, dass sich in diesem Gebiet verschieden Hänge befinden, welche eine Neigung von bis zu 15 Grad in die nördliche Richtung aufweisen. Mit der aus einer solchen Neigung resultierenden Energiegewinnungsrate sollte der Rover auch während der kommenden Monate des Marswinters weiterhin in der Lage sein, seine wissenschaftliche Aktivitäten in Form von weiteren Fotoaufnahmen und spektroskopischen Messungen durchzuführen. Bei einer entsprechend hohen Energierate sind zudem auch kurze Positionswechsel denkbar, welche die Untersuchung verschiedener Oberflächenbereiche ermöglichen würden.

Sollte der Rover aufgrund einer schlechten Energiesituation trotzdem dazu gezwungen sein, die dann aktuelle Position über mehrere Wochen oder gar Monate zu halten, so sind längerfristige Messungen mit dem Moessbauer-Spektrometer denkbar. Dieses Instrument macht sich den sogenannten Mößbauer-Effekt zunutze, um bei der Analyse von Gesteins- und Bodenproben eisenhaltige Mineralien nachzuweisen und dadurch zum Beispiel auch Aussagen über eine zu einem früheren Zeitpunkt erfolgte Interaktion der Oberfläche mit Wasser zu ermöglichen.

Das Instrument sendet dabei mittels einer radioaktiven Quelle, in diesem Fall handelt es sich um Kobalt-57, Gammastrahlen aus, welche auf den zu untersuchenden Oberflächenbereich auftreffen und von diesem reflektiert werden. Die Unterschiede zwischen dem ursprünglich ausgesandten und dem anschließend wieder empfangenen Spektrum geben Auskunft über die genaue Zusammensetzung der eisenhaltigen Mineralien auf der Planetenoberfläche, welche übrigens auch für die rötliche Färbung der Oberfläche des Mars verantwortlich sind.

Das "MIMOS II" genannte Mößbauer-Spektrometer der Rover-Mission wurde unter der Leitung von Dr. Göstar Klingelhöfer am Institut für Anorganische und Analytische Chemie an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz entwickelt und gebaut. Allerdings verfügt das dabei verwendete Kobalt-57 nur über eine Halbwertzeit von 271 Tagen, was entsprechende Messungen des Spektroskops nach einer Missionsdauer von über sieben Jahren mittlerweile sehr zeitaufwändig ausfallen lässt. Messungen, welche zu Beginn der Mission einen Zeitraum von nur wenigen Stunden beanspruchten, dauern mittlerweile viele Tage. Für die Gewinnung eines detaillierten Spektrums benötigt Opportunity mittlerweile mehrere Wochen. Von daher sind solche Messungen nur dann sinnvoll, wenn der Rover über einen längeren Zeitraum zur Bewegungslosigkeit gezwungen ist. Zuletzt war dies während der Sonnenkonjunktion im Januar/Februar 2011 der Fall (Raumfahrer.net berichtete).

Eine weitere Alternative für eine längerfristige wissenschaftliche Untersuchung ohne Positionsveränderung wäre eine Radio-Science-Kampagne zur Untersuchung des inneren Aufbaus unseres Nachbarplaneten. Durch eine langfristige Verfolgung und Analyse der Doppler-Signale der von dem Rover ausgesandten Radiowellen ließen sich Rückschlüsse über die innere Struktur des Mars gewinnen. Eine entsprechende Kampagne erscheint allerdings nur dann sinnvoll, wenn sich der Rover für die Dauer von mindestens 300 (Erd)Tagen nicht um auch nur einen Zentimeter von der Stelle bewegt. Weitere Details zu einer entsprechenden Untersuchung finden Sie hier.

Die Einnahme der "Winterquartier"-Position durch Opportunity ist noch vor dem 25. November 2011 vorgesehen, denn an diesem Tag öffnet sich das Startfenster für die nächste Planetenmission der NASA. Der Marsrover Curiosity könnte nach seinem Start (der frühest mögliche Starttermin ist der 25. November 2011, das Startfenster schließt sich am 18. Dezember) unter Umständen für die Dauer von mehreren Wochen den größten Teil der ursprünglich für Opportunity reservierten Kommunikationszeit des Deep Space Network der NASA belegen. Diese Phase einer eventuellen zwangsweise verringerten Kommunikation mit Opportunity könnte sich laut Scott Maxwell, dem Leiter des für die Steuerung von Opportunity verantwortlichen Marsroverdriver-Teams - einen Start von Curiosity am Ende des gegebenen Zeitfensters vorausgesetzt - bis in den Januar 2012 erstrecken.

Im Januar könnte sich die Energiesituation des Rovers allerdings bereits so weit verschlechtert haben, dass längere Fahrten nicht mehr möglich sind beziehungsweise das Roverdriver-Team nicht mehr genügend Zeit hätte, um auf unerwartete Ereignisse wie zum Beispiel einem Festfahren des Rovers in eventuell vorhandenen Sandfallen zu reagieren. Mit einem vorzeitigen Erreichen des Winterquartiers steht dem Team zudem auch genügend Zeit zur Verfügung, um die dortige Landschaft näher zu erkunden und Standorte und Forschungsziele auszuwählen, welche dann ab dem Januar 2012 nach dem Ende der "heißen" Kommunikationsphase mit Curiosity gezielt angesteuert werden könnten.

Aus diesem Grund führten die Fahrten von Opportunity auch in den letzten Wochen weiterhin in die nördliche Richtung. Neben der Suche nach einer optimalen Parkposition für die kommenden Monate galt die Suche einem Untergrund, welcher aus geochemischer Sicht interessant genug erscheint, um langfristige Messungen mit dem Moessbauer-Spektrometer zu rechtfertigen. Besonders interessant erscheinen dabei die feinen, schmalen Risse im Untergrund, welche an Venen erinnern und die der Rover bereits vor mehreren Wochen unmittelbar nach dem Erreichen des Odyssey-Kraters am Südrand des Cape York beobachten konnte. Hierbei handelt es sich anscheinend um Frakturen im marsianischen Grundgestein, welche laut einer ersten Einschätzung von bisher noch nicht näher bestimmten Materialien ausgefüllt wurden.

Und tatsächlich stieß Opportunity in den vergangenen Tagen auch im nordwestlichen Bereich des Cape York auf solche "Venen". Diese wurden erstmals auf den Bildern identifiziert, welche der Rover nach seiner Fahrt am 29. Oktober, dem Sol 2760 der Mission, aufnahm. Die noch fehlenden 3,7 Meter bis zu der als "Homestake" bezeichneten Oberflächenformation konnten am 1. November erfolgreich überbrückt werden. Bereits am darauf folgenden Tag wurde zuerst das Mikroskop direkt über der "Vene" platziert, um detaillierte Bilder zu erhalten. Anschließend erfolgte eine mehrstündige Messung des APXS-Spektrometers, um deren mineralogische Zusammensetzung zu bestimmen. Die folgenden Tage wurden durch weitere Messungen und Bildaufnahmen bestimmt, wobei auch die unmittelbare Umgebung von Homestake das Ziel einer umfassenden Untersuchung durch die verschiedenen Instrumente darstellte.

Allerdings befindet sich im Bereich von Homestake keine Hanglage, welche eine optimale Positionierung des Rovers zur Sonne ermöglicht. Deshalb entschlossen sich die Leiter der Mission, die Fahrt über das Cape York nach dem Abschluss der Untersuchungen fortzusetzen. Unmittelbar vor dem Verlassen des Gebietes vollführte Opportunity am 12. November noch eine "Drehung" auf Homestake. Dieses Pirouetten-Manöver hatte zur Folge, dass der dortige Oberflächenbereich durch die Räder des Rovers umgepflügt wurde. Die danach erkennbaren Veränderungen erlaubten den Wissenschaftlern weitere Einblicke in die Zusammensetzung und Beschaffenheit der Oberfläche.

Anschließend wurde die Fahrt in die nordöstliche Richtung fortgesetzt, wobei Opportunity mittlerweile im Rahmen von drei Etappen weitere rund 120 Meter überwinden konnte. Eine weitere Fahrt, welche am heutigen Sol 2778 erfolgte, führte über eine Distanz von etwa 12 Metern
 

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Saturn Aktuell: Cassini beginnt den Saturnorbit Nummer 158 von Redaktion



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» Cassini beginnt den Saturnorbit Nummer 158
15.11.2011 - Am heutigen 15. November 2011 startet die Raumsonde Cassini ihren mittlerweile 158. Orbit um den Planeten Saturn. Während dieses erneut 18 Tage andauernden Umlaufs wird sich das Hauptaugenmerk der Raumsonde in erster Linie auf den Saturn richten.
Am heutigen 15. November 2011 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,38 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 158. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich auch in den kommenden sechs Monaten weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der jetzt beginnende Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 157", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in erster Linie dazu genutzt werden, den Ringplaneten und den größten seiner 62 bisher bekannten Monde, den etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, eines von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 18 Tage dauernden Orbits insgesamt 17 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Der überwiegende Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt (Raumfahrer.net berichtete).

Die erste Beobachtungssequenz während des Orbits Nummer 158 wird allerdings den kleinen, äußeren Saturnmond Suttungr zum Ziel haben, welcher am 21. November von der ISS-Kamera über einen Zeitraum von rund acht Stunden aus einer Entfernung von etwa 17,3 Millionen Kilometern abgebildet werden soll. Über diesen erst im Herbst 2000 entdeckten und etwa sieben Kilometer durchmessenden Mond ist bisher außer den Daten seiner Umlaufbahn nur sehr wenig bekannt. Seine im Vergleich zu anderen Saturnmonden relativ hohe Dichte von etwa 2,3 Gramm pro Kubikzentimeter deutet darauf hin, dass er sich vermutlich aus Wassereis und einem hohen Gesteinsanteil zusammensetzt. Eventuell handelt es sich bei diesem Mond sogar um ein Bruchstück des Saturnmondes Phoebe, welches bei einem Impaktereignis aus der Oberfläche von Phoebe heraus getrennt wurde.

Anhand der Variationen in der sich bei der Beobachtung am 21. November ergebenden Lichtkurve soll die Rotationsperiode von Suttungr näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden.

Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben den Rotationsgeschwindigkeiten der Monde wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen. Entsprechende Ergebnisse wurden erst Anfang Oktober 2011 auf dem EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem internationalen Kongress über Planetenforschung, im französischen Nantes präsentiert.

Am 23. November erfolgen mehrere kurze Beobachtungen des Saturn und des über der nördlichen Hemisphäre befindlichen Sturmgebietes. Hierbei sollen durch die Kameraaufnahmen weitere Daten über die gegenwärtige Ausdehnung des Sturmgebietes und die dort vorherrschenden Windgeschwindigkeiten gesammelt werden. Bis zum 30. November sind neun weitere Beobachtungen der nördlichen Saturnhemisphäre vorgesehen.

Ebenfalls am 23. November steht zudem der Saturnmond Titan auf dem Aufnahmeprogramm der ISS-Kamera. Aus einer Distanz von 2,03 Millionen Kilometern soll dabei die Fensal-Aztlan-Region im Äquatorbereich des Titan abgebildet werden, um eventuell zu diesem Zeitpunkt dort befindliche Wolkenstrukturen zu dokumentieren. Auch diese Beobachtungssequenz hat das Ziel, durch die Bestimmung der Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen weitere Einzelheiten über die Dynamik des Wettergeschehens auf dem Titan zu entschlüsseln. Zusätzlich ist für diesen Tag eine kurze Zündung der Triebwerke der Raumsonde vorgesehen. Dieses als "Short Engine Burn 300" bezeichnete Manöver dient einer notwendigen Kurskorrektur von Cassini.

Am 24. November wird die Raumsonde schließlich um 05:32 Uhr MEZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 158. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 136.040 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden.

Am darauffolgenden Tag steht der sogenannte "G-Ring" auf dem Beobachtungsprogramm von Cassini. Dieser Ring befindet sich in einem Abstand von etwa 172.000 Kilometern zum Zentrum des Saturn und verfügt über eine radiale Ausdehnung von bis zu 9.000 Kilometern. Während die Herkunft der Staubteilchen in den anderen den Saturn umgebenden Staubringen jeweils direkt mit einem der größeren Monde des Planeten in Verbindung gebracht werden konnte, gab der G-Ring den Wissenschaftlern in der Vergangenheit Rätsel auf, da in dieser Region kein Eismond den Saturn umkreist und als "Quelle" für diesen Ring in Frage kommen kann.

In einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Science publizierten mehrere der an der Cassini-Mission beteiligte Wissenschaftler am 3. August 2007, dass der G-Ring durch die strahlungsbedingte Erosion größerer Eispartikel aus einer Region am inneren Rand des G-Rings gespeist wird. In dieser Region, dem so genannten "G-Ring arc", befinden sich demzufolge wesentlich mehr und größere Eispartikel als im restlichen Bereich des Ringes. Dieser Ringbogen verfügt über eine Tiefe von mehreren hundert Kilometern und erstreckt sich über etwa ein Sechstel des Gesamtumfanges des G-Ringes. Durch eine Interaktion mit der Magnetosphäre des Saturn und gegenseitige Kollisionen der Eiskörner werden dabei Staubpartikel freigesetzt, welche zuvor in dem Eis gebunden waren, und driften anschließend in die äußeren Regionen des G-Ringes.

Die veränderte Größe der Eispartikel hat außerdem - sozusagen als Nebeneffekt - zur Folge, dass dieser Bereich des G-Rings in den Kameraaufnahmen des ISS-Experiments wesentlich heller erscheint als der Rest des Ringes. Die Herkunft dieser größeren Eispartikel im Ringbogen des G-Rings ist bisher noch nicht vollständig entschlüsselt. Allerdings meldete das Imaging Science Team der Raumsonde Cassini am 3. März 2009 die Entdeckung eines kleinen, lediglich etwa 600 Meter durchmessenden Mondes, welcher seine Bahn innerhalb dieses Ringes zieht und sich dabei im Zentrum dieses Ringbogens befindet (Raumfahrer.net berichtete). Aegaeon, so der Name des Mondes, wird seitdem als ein potentieller Materiallieferant für den Ringbogen des G-Rings angesehen.

Durch die permanent erfolgenden Einschläge von Mikrometeoriten, so die These der Wissenschaftler, wird Material aus der Oberfläche des Mini-Mondes herausgeschlagen und, begünstigt durch die geringe Gravitation auf der Oberfläche von Aegaeon, in das Weltall geschleudert. Die Eigengravitation des kleinen und entsprechend massearmen Satelliten ist nicht groß genug, um diese Partikel dauerhaft in dessen Schwerefeld zu binden. Stattdessen entweichen die Eis- und Staubpartikel aus dem Gravitationsfeld von Aegaeon und werden anschließend im Laufe der Zeit durch gravitative Wechselwirkungen mit anderen Saturnmonden - speziell mit dem Mond Mimas - und durch eine Interaktion mit der Magnetosphäre des Saturn über den gesamten G-Ring verteilt. In diesem Zusammenhang sind am gleichen Tag zudem Aufnahmen der Saturnmonde Aegeon, Pallene und Anthe vorgesehen.

Im Anschluss an die entsprechenden ISS-Aufnahmen wird der Saturnmond Thrymr in den Fokus der ISS-Kamera rücken. Das Ziel der Beobachtung dieses ebenfalls lediglich etwa sieben Kilometer durchmessenden Mondes ist identisch mit den vorherigen Beobachtungen des Mondes Suttungr am 21. November. Thrymr wird sich zum Beobachtungszeitpunkt etwa 14,8 Millionen Kilometer von Cassini entfernt befinden.

Am 27. November stellt dann erneut der Titan das Ziel der Beobachtungen dar. Im Rahmen einer 15-stündigen Beobachtungskampagne wird eines der Spektrometer an Bord der Raumsonde, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), zusammen mit der ISS-Kamera das Gebiet rund um die Regionen Shangri-La und Xanadu abbilden. Titan wird sich zum Zeitpunkt der geringsten Entfernung während dieser Beobachtung etwa 748.500 Kilometer von Cassini entfernt befinden. Auch diese Beobachtung dient der Dokumentation des Wettergeschehens auf dem größten Saturnmond.

Für den 29. November sind sogenannte astrometrische Beobachtungen von mehreren kleineren Saturnmonden vorgesehen. Das wissenschaftliche Ziel der dabei erfolgenden Abbildungen der Monde Pandora, Epimetheus, Pan, Aegaeon und Methone besteht darin, die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können.

Am 3. Dezember 2011 wird Cassini schließlich in einer Entfernung von rund 2,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und den 158. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 159 werden am 12. und 13. Dezember zwei gesteuerte Vorbeiflüge an den Monden Dione und Titan erfolgen. Außerdem wird sich das Augenmerk von Cassini erneut auf den Saturn richten, welcher dabei aus unterschiedlichen Entfernungen mit den verschiedenen Instrumenten untersucht werden wird.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL)



 

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ISS Aktuell: Progress-Raumschiff erreicht die ISS von Redaktion



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» Progress-Raumschiff erreicht die ISS
02.11.2011 - Passend zum elften Jahrestag der ständigen ISS-Besetzung legte Progress-M 13M am Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs an. Mit den Raumfahren Sergej Krikaljow, William Shepherd und Juri Gidsenko erreiche am 2. November 2000 in Sojus-TM 31 erstmals eine Besatzung die Internationale Raumstation.
In Vorbereitung auf die heutige Ankunft des unbemannten Transportschiffes Progress-M 13M machten sich Sergej Wolkow und Satoshi Furukawa von der Langzeitbesatzung 29 mit dem russischen System TORU vertraut. Mit TORU ist es möglich, den Anflug von Progress zu verfolgen und bei Problemen mit dessen automatischem KURS-Annäherungssystem per Handsteuerung anzudocken. Dies war heute allerdings nicht nötig und so erreichte der Raumfrachter pünktlich und problemlos die ISS. Rund 400 Kilometer über dem Nordteil Chinas koppelte Progress-M 13M um 12:41 Uhr MEZ automatisch an. Er war vor drei Tagen vom Weltraumbahnhof Baikonur gestartet und hat rund 2,6 Tonnen Treibstoff und Versorgungsgüter an Bord.

Nach dem Kontakt des Frachtraumschiffes mit dem Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs wurden einige Minuten später die festen Verbindungen am Kopplungsadapter geschlossen. Die ISS befand sich während des Dockingmanövers für ca. 30 Minuten in freier Drift, wenig später wurde die Kontrolle der Station an die US-Gyroskope zurück übergeben. Im weiteren Verlaufe dieses Tages werden die Dichtigkeitstest zwischen den beiden Raumfahrzeugen durchgeführt, ein Öffnen der Luken ist noch für den heutigen Abend geplant. Progress-M 13M soll bis Ende Januar 2012 an der ISS verbleiben.

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» ISS-Besatzung wartet auf Ablösung
10.11.2011 - In den letzten beiden Wochen absolvierte die Crew ein großes Pensum an Arbeit. Ein russischer Transporter koppelte an, der Robonaut-2-Test musste abgebrochen werden und die Vorbereitungen auf die Rückkehr zur Erde wurden intensiviert. (Newsbild: Satoshi Furukawa genießt frisch eingetroffenes Obst)
Zum Beginn der vorangegangenen Woche beschäftigte sich Mike Fossum mit dem Experiment SpaceDRUMS (Space Dynamically Responding Ultrasonic Matrix System) im Kibo-Labormodul. Die im Express-Rack 5 befindliche Apparatur dient der Materialerforschung, tennisballgroße feste oder flüssige Proben werden von 20 Schallemittern bei der Verbrennung und der hitzebasierten Synthese bearbeitet. Die hier untersuchten keramischen, polymeren und kolloiden Proben sollen der Entwicklung von zukunftsweisenden Werkstoffen auf der Erde dienen. Am gleichen Tag entnahm Satoshi Furukawa einige Proben aus dem Trinkwassersystem der ISS und analysierte diese mit dem TOCA-Hardware-Kit. Mit TOCA (Total Organic Carbon Analyzer), einem Gerät zur Prüfung der Reinheit des Wassers der Wasser-Recycling-Anlage (WPA) im amerikanischen Stationsteil, wird regelmäßig die Nutzbarkeit des erzeugten Trinkwassers bestätigt.

Sergej Wolkow kontrollierte in diesem Zeitraum den Abschluss der automatischen Aktualisierung des Antivirusprogramms der russischen Stationslaptops. Seit der SSCV4-Softwareaktualisierung im August muss diese nicht mehr manuell durchgeführt werden. Am Anschluss daran begann er, mit Satoshi Furukawa, die Prozeduren zur Kontrolle des Anfluges von Progress-M 13M zu trainieren. Zum Einsatz kommt hier das russischen System TORU, dass es der Besatzung ermöglicht, den Anflug von Progress-Raumschiffen zu verfolgen und bei Problemen mit dessen automatischem KURS-Annäherungssystem per Handsteuerung anzudocken. Im Laufe des Tages installierten beide noch eine Videokamera, die den Anflug und die Kopplung am Kopplungs- und Schleusenmodul Pirs aufzeichnen soll. Am 2. November erreichte das unbemannte Raumschiff die ISS und koppelte erfolgreich (RN berichtete).

Nach dem Ankoppeln begann die Besatzung den Raumtransporter in die ISS-Struktur einzubinden. Es wurden Temperatursensoren eingebaut, Heiz- und Lüftungsschläuche verlegt und der Docking-Konus zwecks besserer Zugänglichkeit ausgebaut. Sergej Wolkow startete am nächsten Tag bereits mit dem Entladevorgang von 1.166 gelisteten Frachtartikeln, darunter 404 Positionen US-Equipment. Zum Ende der letzten Woche stand ein weiterer Test von Robonaut, einem menschenähnlichen Roboter, in Kurzform auch R2 genannt, auf dem Plan. Nach erfolgtem Aufbau des Testobjektes wurden verschiedenste Bewegungen zur Feinabstimmung der Sensoren von Hals und Handgelenken durchgeführt. Bei einem geplanten Handshake mit Mike Fossum kam es zu einer ungewollten Abschaltung der Operationen. Der Betrieb auf der Erde unter Schwerkraftbedingungen unterscheidet sich erheblich von dem im All. Nicht nur das Thermal-Management ist anders, auch die Bewegungen müssen anders programmiert und abgebremst werden, erläuterte ein Roboter-Operator von der NASA.

Um ihre Rückkehr zur Erde am 22. November vorzubereiten, verstauten Anfang dieser Woche Sergej Wolkow und Satoshi Furukawa Frachtgegenstände für den Rücktransport zur Erde in Sojus-TMA 02M. Im Anschluss daran führten beide ein zweistündiges Rückkehrtraining im Landemodul der Sojus durch. Unterstützt von der Bodenkontrolle wurden je Besatzungsmitglied drei Läufe durchgeführt. Gemeinsam mit Mike Fossum fand eine Sitzprobe in den Kazbek-UM-Schalensitzen des Landemoduls statt. Diese ist nötig, um die Spezialsitze, welche den Stoß bei der Landung abfedern, richtig einzustellen. Raumfahrer können bei einem Langzeitaufenthalt im All an Masse verlieren und werden in der Regel durch die fehlende Schwerkraft einige Zentimeter größer. Parallel zu diesen Aktivitäten begannen die Treibstofftransfers von dem Progress-Transporter zur ISS. Nacheinander wurden Treibstoff (UDMH/Unsymmetrical Dimethylhydrazine) zum BG-1 Tank und Oxidator (NTO/Dinitrogen Tetroxide) in den BO-1-Tank des Sarja-Moduls geleitet.

Auch in dieser Woche hatte die Langzeitbesatzung 29 wieder Gelegenheit zur Erdbeobachtung. Ziele der Fotografie am Dienstag waren das Wolga- und Ural-Delta am Kaspischen Meer, die moldawische Hauptstadt Chișinău, die Entstehung eines subtropischen Sturmes im westlichen Nordatlantik und der Middlesboro Krater im US-Bundesstaat Kentucky. Sergej Wolkow führte seinen fünften MBI-24-Test „SPRUT-2“ durch. Dabei geht es um die Erforschung des Verhaltens von Körperflüssigkeiten bei dem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit und der Vergleich mit den Werten vor dem Flug. Des Weiteren führte er eine Telefonkonferenz mit den russischen Mitgliedern der Langzeitbesatzung 30, Anton Schkaplerow und Anatoli Iwanischin, durch. Hier besprach er die Übergabeaktivitäten zum russischen Stationssegment, da diesmal die gemeinsame Übergabezeit an Bord der ISS nur fünf Tage beträgt. Zusammen mit US-Astronaut Daniel Burbank sollen beide Kosmonauten den Orbitalkomplex am 16. November mit Sojus-TMA 22 erreichen.

Zum Ende dieser Woche fanden weitere Rückkehrvorbereitungen statt. So wurden einige kleinere Elemente eines US-Raumanzuges und Wasserproben des Wasserwiederaufbereitungssystems in der Sojus verstaut. Sergej Wolkow führte seine zweite Sitzung mit der Tschibis-Anzughose vorbereitend auf die Rückkehr zur Erde durch. Hier wirkt ein Unterdruck auf den unteren Teil des Körpers, um bei den Beinmuskeln die Wirkung der Schwerkraft zu simulieren. Die Prozedur besteht daraus, zuerst 150-200 Milliliter Wasser oder Saft zu trinken, die Erzeugung eines Unterdrucks am Bein durch die Hose in fünfminütigen Steps (-20,-25,-30, und -35 mm Hg) und der Benutzung des TVIS Laufbandes mit 10-12 Schritten pro Minute. In seiner Funktion als medizinischer Offizier überwachte Satoshi Furukawa den einstündigen Vorgang. Am morgigen Tag finden auf US-Seite nur eingeschränkte Aktivitäten statt, da der Gedenktag Veterans Day zu Ehren der Kriegsveteranen aus allen Kriegen begangen wird.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 10.11.2011:
387,8 km bei einem Höhenverlust von rund 203 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 16. November, Sojus-TMA 22 erreicht die ISS
  • 18. November, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 21. November, Sojus-TMA 02M verlässt die ISS
  • 01. Dezember, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda

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Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» Sojus startet erfolgreich drei ISS-Raumfahrer
14.11.2011 - In einem turbulenten Jahr für die russischen Raumfahrt wieder eine Erfolgsmeldung. Das Rückgrat der bemannten Raumfahrt in Form der Sojus-Rakete startete pünktlich vom winterlichen Weltraumbahnhof in Baikonur. Dies stellt den ersten bemannten Start zur Raumstation seit der Einstellung des Shuttle-Programmes mit STS 135 dar.
Pünktlich um 05:14 Uhr (MEZ) hob die Sojus mit 3 Mann an Bord in Richtung der internationalen Raumstation ISS ab. Die dortige Besatzung wartet schon länger auf Verstärkung, da der Absturz eines auf der bemannten Sojus basierenden Progress-Frachters den gesamten Zeitplan über den Haufen geworfen hatte. Ursprünglich war der Start nämlich für den 22. September 2011 angesetzt. An Bord von Sojus-TMA 22 befinden sich die Kosmonauten Anton Schkaplerow und Anatoli Iwanischin sowie der US-Astronaut Daniel Burbank. Das Docking mit der internationalen Raumstation ist für den 16. November um 06.33 Uhr (MEZ) geplant.

Mit dem geglückten Start ist nun auch keine unbemannte Flugphase der ISS mehr zu befürchten. Da die Sojus-Kapsel nicht länger als ein halbes Jahr im All bleiben kann, gab es durch die Verzögerungen bereits ernsthafte Planungen, die Raumstation auf diese Situation vorzubereiten. Diese Vorbereitungen können nun verworfen werden. Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, ist schon der nächste bemannte Start geplant, um die Crewstärke auf die gewohnte Sechs anzuheben.

Zukünftige Ereignisse:

  • 16. November, Sojus-TMA 22 erreicht die ISS
  • 18. November, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 21. November, Sojus-TMA 02M verlässt die ISS
  • 01. Dezember, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda

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Raumcon:


(Autor: Klaus Donath - Quelle: Roskosmos, NASA)


» ISS-Besatzung kurzzeitig wieder komplett
16.11.2011 - Mit der Kopplung des Raumschiffes Sojus-TMA 22 am ISS-Modul Poisk ist die Besatzung der Raumstation für wenige Tage wieder auf 6 Personen angewachsen.
Außerdem wurde damit eine nach dem Fehlstart eines Progress-Frachters in Erwägung gezogene unbemannte Phase der Raumstation abgewendet.

Die Kopplung erfolgte heute morgen um 6.24 Uhr MEZ. An Bord des Raumschiffes befanden sich Anton Schkaplerow, Daniel Burbank und Anatoli Iwanischin. Sie sind eigentlich die Ablösung der bereits im September zur Erde zurückgekehrten Besatzungsmitglieder von Sojus-TMA 21. Der Flug hatte sich verzögert, da man vor einem erneuten bemannten Einsatz der Sojus-Trägerrakete in der für Raumschiffe üblichen Konfiguration zunächst einen unbemannten Test durchführen wollte. Dieser ist mit dem Start von Progress-M 13M Ende Oktober gelungen.

Sojus-TMA 22 ist übrigens das letzte der Serie. Danach kommen ausschließlich Schiffe der Serie TMA-M zum Einsatz, bis auch diese durch eine modernisierte Version abgelöst werden wird. Aber bereits bei der laufenden Serie werden ständig neue Verbesserungen eingeführt.

Ab Dezember kommen leistungsfähigere Solarzellenpaneele und bessere Batterien mit 425 Ah statt bisher 350 zum Einsatz. Im März nächsten Jahres folgen eine stärkere Scheinwerferdiode für die Außenbeleuchtung bei Kopplungsmanövern sowie ein verstärkter Meteoritenschutz, im Mai erfolgt die Modernisierung des Systems Rasswjet zur Bestimmung der Landekoordinaten über GPS/GloNaSS und Meldung an KosPAS/SARSat-Satelliten. Ab 2013 schließlich wird ein zweiter Elektromotor im Kopplungsaggragat zur besseren Sicherung angekoppelter Raumschiffe verwendet, das Leit- und Verbindungssystems Kwant zur dann möglichen Nutzung der neuen Relaissatelliten vom Typ Lutsch ausgetauscht, ein verbessertes radiotechnisches Kurs-System für Positions- und Bewegungsparameter relativ zur Station verwendet, die Anordnung der Lageregelungs- und Annäherungstriebwerke modifiziert, eine satellitengestützte Navigations- und Bewegungssteuerung in den Systembestand eingeführt (bisher waren dies Zusatzgeräte) und das optische Visier durch ein Kamerasystem ersetzt.

Weitere Bestrebungen gehen dahin, mit veränderten Materialien und Fertigungsmethoden erneut Rüstmasse zugunsten eines größeren Fachttransports einzusparen.

Die Besatzung von Sojus-TMA 02M soll in wenigen Tagen den Heimweg antreten, ihre Nachfolger kurz vor Weihnachten zur ISS starten. So gleitet man mit normaler Besatzung ins neue Jahr, in dem weitere Premieren anstehen. So sollen erstmals unbemannte Frachtraumschiffe aus den USA mit der ISS koppeln.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, Raumcon)



 

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"InSpace" Magazin #454
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
19. November 2011
Auflage: 4563 Exemplare


Chefredaktion
Thomas Weyrauch

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