InSpace Magazin #453 vom 31. Oktober 2011

InSpace Magazin
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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #453
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Spezial:
Detaillierte Infos zum Start von Shenzou 8

> Mars Aktuell:
Fobos-Grunt - Russlands interplanetare Wiedergeburt

> Saturn Aktuell:
Cassinis Saturnorbit Nummer 157

> ISS Aktuell:
ISS-Flugbahn angehoben

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

am Montagabend startete das chinesische Raumschiff Shenzou 8 in Richtung Erdorbit, um an die Raumstation Tiangong 1 anzudocken. Mit an Bord war auch die deutsche Experimentierbox SIMBOX. In dieser Ausgabe finden Sie viele Information zum Raumschiff, zur verwendeten Trägerrakete und natürlich auch zur SIMBOX. Natürlich informieren wir Sie auch über die weiteren Ereignisse der letzten Tage.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
Raumfahrer.net ist weiter auf der Suche nach neuen Mitarbeitern - hier erfahren Sie was Sie bei uns erwartet.

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News

• ViaSat 1 im Orbit «mehr» «online»
• Doppelpremiere aufgeschoben «mehr» «online»
• Galileo: Eine Rakete, zwei Satelliten, drei Erfolge «mehr» «online»
• NASA-Bedenken bei SpaceX-Software ausgeräumt? «mehr» «online»
• Russland: Wegen Fahrlässigkeit auf falscher Bahn «mehr» «online»
• Wider den Weltraumschrott «mehr» «online»
• Herschel entdeckt Wasserdampf bei TW Hydrae «mehr» «online»
• ROSAT ist zurück auf der Erde (Update) «mehr» «online»
• OSC: Taurus-II-Starts verschieben sich «mehr» «online»
• Atlantic Bird 7 aktiv bei 7 Grad West «mehr» «online»
• Astra 1N hat kommerziellen Betrieb aufgenommen «mehr» «online»
• Shenzhou 8 auf der Startrampe «mehr» «online»
• NPP erfolgreich gestartet - Ende einer Ära «mehr» «online»
• Hackerangriffe auf US-Satelliten «mehr» «online»
• Arabsat 5C an Betreiber übergeben «mehr» «online»
• SIMBOX - Deutschland und China gemeinsam im All «mehr» «online»
• Arianespace soll Optus 10 ins All bringen «mehr» «online»
• Ein Überbleibsel aus der Frühzeit des Sonnensystems «mehr» «online»
• Shenzhou 8 startet mit SIMBOX ins All «mehr» «online»


» ViaSat 1 im Orbit
20.10.2011 - Gestern abend startete der Kommunikationssatellit ViaSat 1 auf einer Proton-M-Trägerrakete und befindet sich nun in einem Geotransferorbit um die Erde.
Von dieser Umlaufbahn aus gelangt er mit eigenen Triebwerken in den Geostationären Orbit, knapp 36.000 Kilometer über dem Äquator.

Der Start erfolgte gegen 20:49 Uhr MESZ vom Kosmodrom Baikonur aus. Nach dem Abwurf der drei Stufen der Trägerrakete übernahm die Oberstufe vom Typ Bris-M den weiteren Aufstieg. Im Verlaufe von 5 Antriebsphasen gelangte ViaSat 1 von seiner Anfangsbahn in etwa 180 Kilometern Höhe und einer Inklination von 51,5 Grad in die gegenwärtig eingenommene Bahn zwischen 2.360 und 35.785 Kilometern bei 30,4 Grad.

ViaSat 1 wurde von Space Systems/Loral (USA/Kanada) entwickelt und gebaut und erreicht mit seinen 72 Abstrahlungsrichtungen etwa 75 Prozent des Kontinentalterritoriums der USA sowie die bevölkerungsreichsten Gebiete von Alaska, Hawaii und Kanada. Zudem kann er über seine Ka-Band-Transponder bis zu 140 Gigabit Daten pro Sekunde aussenden, was ihn zum leistungsfähigsten Kommunikationssatelliten macht. Diese Datenrate ist größer als die aller bisher für den nordamerikanischen Kontinent eingesetzten Satelliten zusammen.

Auch für die Proton hatte dieser Start eine besondere Bedeutung. ViaSat 1 ist mit 6,74 t die bisher schwerste Nutzlast, die mit dieser Kombination aus Trägerrakete und Oberstufe auf einen Geotransferorbit gebracht wurde.

Bei ViaSat 1 kooperiert die ViaSat Incorporation (USA) mit Loral, Telesat und Eutelsat, um die Dienste des Satelliten sicherzustellen und zu vermarkten. So übernimmt Telesat Kanada Telemetrie, Bahnverfolgung sowie Steuerung des Satelliten und stellt seine Position im Geostationären Orbit bei 115 Grad West zur Verfügung. Eutelsat setzt sein weitverzweigtes Netz ein, um die Breitbanddienste von ViaSat für Telekommunikation, Internet-Dienste und Fernsehen zu vermarkten.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceFlightNow, Skyrocket)


» Doppelpremiere aufgeschoben
20.10.2011 - Der für heute angesetzte erste Start einer Sojus-Trägerrakete vom Raumfahrt-Startgelände Kourou wurde aufgrund eines technischen Fehlers in der Betankungsanlage verschoben.
Das Problem bestand offenbar darin, dass ein Drucksensor an einem Ventil der Betankungsanlage einen zu geringen Druck gemessen hat und der Betankungsvorgang daraufhin automatisch unterbrochen wurde.

Da die Startanlage in Französisch-Guayana vollkommen neu ist, sollte der Vorfall nicht zu überraschend sein. Es gab zwar im Vorfeld ausgiebige Tests, die jedoch niemals vollständig einen tatsächlichen Einsatz simulieren können. Zudem wird es einige Modifikationen an der Startanlage gegenüber denen in Russland und Kasachstan gegeben haben, da in Südamerika gänzlich andere klimatische Bedingungen herrschen als in der kasachischen Steppe oder im russischen Norden.

Neben dem Erstflug einer russischen Rakete von Kourou aus wäre auch die Nutzlast eine Premiere gewesen. Dabei handelt es sich nämlich um die beiden ersten Satelliten einer Einsatzversion für das europäische Satellitennavigationssystem Galileo. Die Validierungskonfiguration soll aus 4 von EADS Astrium gebauten Satelliten bestehen, die auf 2 Bahnen weitergehende Überprüfungen erlauben als die bisherigen Testsatelliten. Die vollständige Konfiguration soll aus 18 Satelliten bestehen, die auf 3 Bahnen in etwa 23.000 Kilometern Höhe die Erde umlaufen und damit weltweit ausreichende Navigationssignale zur Verfügung stellen können. Die Folgesatelliten werden von OHB in Bremen produziert.

Die entwickelte Technik soll eine höhere Genauigkeit gegenüber dem GPS-System ermöglichen. Außerdem sollen damit unabhängig von den USA Navigationsdienste bereitgestellt werden. Galileo ist ein gemeinsames Projekt von Europäischer Union und der ESA. Beteiligt sind aber auch Institutionen in China, Indien und 7 weiteren Staaten. Galileo wird nach dem Global Positioning System (GPS, USA), dem Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema (GloNaSS, UdSSR/Russland) und Beidou (Kompass, China) das vierte Satellitennavigationssystem weltweit.

Ob morgen ein neuer Startversuch angesetzt wird, steht gegenwärtig noch nicht fest.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Arianespace, ESA, Raumcon)


» Galileo: Eine Rakete, zwei Satelliten, drei Erfolge
21.10.2011 - Das erste Paar Satelliten für das Betriebsnetz des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo kreist um die Erde. Es erreichte nach dem Start auf einer russischen Sojus-Rakete in Kourou in Französisch-Guayana den Weltraum.
Die Mission VS01 war die erste einer in Russland gebauten Sojus-Rakete, die in Kourou von einer neu errichteten Startanlage abhob. Um 12:30 Uhr MESZ startete die Rakete mit zwei von einem Konsortium unter Führung von EADS Astrium und TAS (Thales Alenia Space) gebauten Navigationssatelliten an Bord. Alle ihre Stufen arbeiteten wie vorgesehen, und die Fregat-Oberstufe funktionierte ebenfalls wie geplant. Drei Stunden und 49 Minuten nach dem Start setzte die Oberstufe die beiden Satelliten in rund 23.222 Kilometern Höhe über der Erde aus.

Für Europa bedeutet der gelungene Start eine Menge: Zum ersten Mal wurden zwei Navigationssatelliten auf Erdumlaufbahnen gebracht, die in einem System zum Einsatz kommen sollen, das Europa im Bereich der Satellitennavigation eine Position in der Weltspitze sichern soll, sagte Jean-Jacques Dordain, Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA).

Der zum Transport der Satelliten verwendete Raketengrundtyp ist längst legendär. Beim Start des ersten Erdsatelliten Sputnik, des ersten bemannten erdumkreisenden Raumschiffes Wostok mit Juri Gagarin und bei zahllosen weiteren Gelegenheiten kam er zum Einsatz. Künftige Flüge des Typs werden nun öfter auch in Kourou starten, ist sich Jean-Jacques Dordain sicher.

Dordain hält das historische Ereignis für ein Symbol von Zusammenarbeit, der Zusammenarbeit der ESA und ihren Partnern in Russland unter einer bedeutenden Beteiligung Frankreichs, sowie der Zusammenarbeit von ESA und der Europäischen Union, welche gemeinsam in Sachen Galileo aktiv sind.

Laut Dordain festigt der gelungene Start die zentrale Rolle Europas bei der weltweiten Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Er wurde dank der Visionen und der Verständigung der Mitgliedsstaaten der ESA ermöglicht, so Dordain weiter.

Zum ersten Mal starte eine Sojus-Rakete nicht im kasachischen Baikonur oder im russischen Plesetsk. Mit der neuen Startanlage für die Sojus in Kourou erweitert der Betreiber Arianespace die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit seiner Raketenflotte. Die Sojus, eine Rakete durchschnittlicher Größe für Nutzlasten im mittleren Massebereich, komplettiert das Trägerraketenangebot der ESA. Schwere Nutzlasten können wie bisher von Ariane-5-Raketen gestartet werden, leichte will man ab 2012 mit der Vega, einer neu entwickelten kleinen Trägerrakete, in den Weltraum bringen.

Beim Start einer Sojus von Kourou aus führt die Äquatornähe zu einer größeren Nutzlastkapazität. Statt rund 1,7 Tonnen bei einem Start in Baikonur kann eine in Kourou startende Sojus rund 3 Tonnen Nutzlast in einen Geotransferorbit bringen, wo gewöhnlich kommerzielle Telekommunikationssatelliten ausgesetzt werden.

Die zwei jetzt gestarteten Galileo-Navigationssatelliten sind der erste Teil der IOV für In-Orbit Validation genannten Galileo-Testkonstellation, die später im aktiven Betriebsnetz von Galileo aufgehen soll.

Die Satelliten, die zunächst für intensive Tests von Weltraum- und Bodensegment von Galileo und der passenden Endgeräte gedacht sind, werden von der ESA zusammen mit der Französischen Weltraumagentur (CNES) von einem Kontrollzentrum im französischen Toulouse überwacht und gesteuert. Geplant ist, dass nach ersten grundlegenden Inbetriebnahmearbeiten Spaceopal, ein Gemeinschaftsunternehmen von Telespazio und der Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbH, einer Tochter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), mit Sitz in Weßling die Kontrolle übernimmt. Anschließend ist eine 90 Tage dauernde Testphase vorgesehen, bevor die Satelliten endgültig in Betrieb gehen.

Vervollständigen werden die Galileo-Testkonstellation zwei weitere IOV-Satelliten, deren Start derzeit für den Sommer 2012 geplant ist. Danach soll die erste Tranche von Seriensatelliten, die derzeit unter der Leitung von OHB aus Bremen entsteht, bei einer Reihe von Starts ins All gebracht werden.

Raumcon:

Startaufzeichnung:

Verwandte Meldungen:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA, Raumfahrer.net)


» NASA-Bedenken bei SpaceX-Software ausgeräumt?
22.10.2011 - Anfang August wurden neben einem allgemein positiven Fazit bezüglich der Entwicklungsarbeiten im Rahmen des kommerziellen Programms zur Versorgung der Internationalen Raumstation, Commercial Orbital Transportation Services, auch Besorgnisse bezüglich des Umgangs mit der Software-Entwicklung bei SpaceX geäußert.
"SpaceX arbeitet unternehmerisch; ihr Denken ist eine andere Herangehensweise ... ihre Bemerkungen in Bezug auf Software sind sehr beunruhigend und weisen einen Mangel an Verständnis und Erfahrung darüber auf, was in diesem Geschäft schief gehen kann." So steht es in einem Fazit des ISS-Beratungsausschusses der NASA und eines Sicherheitsberatergremiums für Luft- und Raumfahrt.

Insbesondere wird kritisiert, dass kein Reifegradmodell in den Entwicklungsprozess integriert sei. Ein derartiges Modell wird unter anderem dafür verwendet, mit später zutage tretenden Fehlern umzugehen, alle Veränderungen zu analysieren und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, wobei auch deren Zusammenwirken beachtet wird. Mittlerweile ist eine derartige Capability Maturity Model Integration allgemein üblich. Der Softwarechef von SpaceX äußerte dazu bei einer Anhörung, er mache sich über Fehler keine Sorgen, da die Software keine Fehler aufweise.

Andererseits habe die NASA alle bisherigen Prozesse der Softwareentwicklung genehmigt und zudem ständig Einsicht in diese. Zudem habe es viel Austausch zwischen SpaceX und NASA gegeben, wobei viele Fragen geklärt werden konnten. Mittlerweile wurde von SpaceX am 19. Oktober auch zugesichert, dass die Software Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit sei.

SpaceX hat mit der NASA einen Vertrag abgeschlossen, der den Transport von mindestens 20 t Material zur ISS im Rahmen von 12 unbemannten Missionen bis etwa 2015 vorsieht. Zuvor sind mehrere Erprobungsflüge angesetzt, im Rahmen derer nachgewiesen werden soll, dass die dafür entwickelte Technik diesen Auftrag sicher erfüllen kann. Nach der ersten erfolgreichen Demo-Mission im Dezember 2009 sind nun Annäherung und Kopplung an die ISS geplant. Gegenwärtig vorgesehener Termin für den Start der SpaceX-COTS-2-Mission ist der 19. Dezember 2011. Wahrscheinlich verschiebt sich der Flug allerdings in das kommende Jahr.

Gestern wurde zudem bekanntgegeben, dass SpaceX die Vorbereitende Entwurfsüberprüfung (PDR = Preliminary Design Review) für ihr neuartiges Rettungssystem (LAS = Launch Abort System) bei der Dragon-Kapsel abgeschlossen hat. Dieses System soll im Falle eines schweren Fehlers an der Trägerrakete die Besatzungskabine mit hoher Beschleunigung in Sicherheit bringen. Das PDR für das LAS ist der vierte erfolgreich absolvierte Meilenstein im Rahmen der Entwicklung eines bemannten Raumschiffes für das CCDev-Programm der NASA. An diesem Entwicklungsprogramm für bemannte Raumschiffe durch kommerzielle Unternehmen (Commercial Crew Development) beteiligen sich mehrere Firmengruppen der USA und werden durch Fördergelder unterstützt.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Space News, Raumcon)


» Russland: Wegen Fahrlässigkeit auf falscher Bahn
22.10.2011 - Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete am 18. Oktober 2011, dass nach Informationen der untersuchenden Staatsanwaltschaft fahrlässiges Verhalten von Beschäftigten in Russlands Raumfahrtindustrie zu den Verlusten des ISS-Versorgers Progress-M 12M und des Kommunikationssatelliten Ekspress-AM 4 geführt hat.
Progress-M 12M, nach NASA-Notation Progress 44, war am 24. August 2011 in Baikonur auf einer Sojus-U-Rakete gestartet worden und hätte nach Abtrennung von der Trägerrakete die Internationale Raumstation (ISS) anfliegen sollen. Weil jedoch die letzte, Block I genannte Raketenstufe vorzeitig abschaltete, erreichte das Versorgungsschiff nicht die nötige Flughöhe und Geschwindigkeit, so dass es über russischem Staatsgebiet wieder in die Erdatmosphäre eintrat und dabei zerstört wurde.

Vorher hatte man Ekspress-AM 4 auf einer Proton-M-Rakete mit Breeze-M-Oberstufe am 18. August 2011 in Baikonur gestartet. Die sogenannte Orbitaleinheit aus Oberstufe und aufgesetztem Satelliten erreichte zwar zunächst die geplante Parkbahn, wegen eines Fehlers in der Oberstufe konnte letztere jedoch nicht alle vorgesehenen Brennphasen ausführen und setzte den Satelliten in einer ungeeigneten Bahn aus, die für den ursprünglich geplanten kommerziellen Einsatz des Satelliten durch GKPS nicht taugt.

Laut Marina Gridnewa, Sprecherin des Büros der russischen Generalstaatsanwaltschaft, sind beide Vorfälle Folge von Fahrlässigkeiten mit verschiedenen Kontrollaufgaben betrauter Beschäftigter von staatlichen Unternehmen, die unter Aufsicht der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos arbeiten. Ebenso ursächlich ist nach Gridnewa auch das Fehlen geeigneter Kontrollen durch die Entscheidungsträger bei Roskosmos.

Die in den Sand gesetzten Herstellungskosten für die Raumfahrzeuge werden auf eine Summe zwischen 650 und 700 Millionen Rubel bzw. zwischen 21 und 22 Millionen Dollar geschätzt, schreibt RIA Novosti.

Express-AM 4 wurde zu einem Totalverlust, weil in einer Software zur Steuerung der Oberstufe ein Parameter nicht den richtigen Wert zugewiesen bekommen hatte. Progress-M 12M ging verloren, weil eine Treibstoffleitung der Trägerrakete nicht ausreichend durchlässig war.

Die Unfälle lösten erneut schwerwiegende Bedenken gegenüber der Leistungsfähigkeit der russischen Raumfahrindustrie aus. Seitens der zuständigen Regierungsstellen in Russland wurden verschärfte Kontrollen bei Produktion und Betrieb russischer Raumfahrzeuge angeordnet.

Eine strafrechtliche Verfolgung möglicher Unterlassungssünden Beschäftigter in Russlands Raumfahrtindustrie, die zu einer erheblichen Schädigung dieses Industriezweigs führten, ist laut Marina Gridnewa beabsichtigt. Die russische Generalstaatsanwaltschaft verlangt, dass die für den Verlust der Ekspress- und Progress-Raumfahrzeuge Verantwortlichen gemaßregelt und mit Bußgeldern belegt werden.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: RIAN, Raumfahrer.net, Roskosmos)


» Wider den Weltraumschrott
22.10.2011 - Als im Jahre 2009 erstmals zwei Satelliten miteinander kollidierten und dadurch zwei neue Wolken gefährlicher Weltraumtrümmer entstanden, wurde die Diskussion zum Thema erneut angefacht. Wie will man der Lage Herr werden?
Diese Frage ist nach wie vor ungeklärt. Angesichts der unkontrollierten Abstürze der inaktiven Satelliten UARS (Upper Atmosphere Research Satellite) im September und ROSAT im Oktober 2011 rückt das Thema allerdings wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Verantwortlichen. Angesichts einer Wolke aus Tausenden gefährlichen Teilen mit Abmessungen ab 2 cm wird dies langsam höchste Zeit.

Ungesteuerte Teile von Raumflugkörpern, ausgebrannte Raketenendstufen, abgeworfene Adapter und inaktive Satelliten können nicht wie die Internationale Raumstation oder aktive Satelliten ausweichen. Ergeben die Berechnungen verschiedener Institutionen in den USA, in der ESA oder in Russland eine Kollision, so ist man machtlos, etwas dagegen zu unternehmen. Jede Kollision erzeugt aber einen Schauer neuer Trümmer, die zwar kleiner sind, dennoch das Risiko für weitere Kollisionen bedeutend erhöhen.

Dies bedeutet nicht nur eine Gefahr für Menschen an Bord von Raumschiffen oder Raumstationen sondern vor allem für die Funktionsdauer aktiver Satelliten, auch die kommerzieller Unternehmen. Manches Szenario sieht sogar die Gefahr, dass die Raumfahrt in absehbarer Zeit ganz eingestellt werden muss, da eine Kettenrekation von Kollisionen die Anzahl gefährlicher Trümmer exlosionsartig ansteigen lassen kann.

Mittlerweile existieren Richtlinien zur Müllvermeidung. So sollen Satelliten vor dem Erreichen ihres Funktionsendes aus häufig genutzten Bahnen wie dem Geostationären Orbit mit eigenem Antrieb auf einen Friedhofsorbit gebracht werden. Auch soll bei neuen Raketenstarts weiterer Müll so weit wie möglich vermieden werden. Um unkontrollierbare Explosionen zu vermeiden, werden nicht verbrauchte Treibstoffe in Raketenend- und Oberstufen ins Weltall abgelassen und nicht mehr benötigte Batterien komplett entladen. Dies bringt aber wohl nur eine geringe Entlastung.

Auch die Konstruktion spezieller, mehrlagiger Schutzschichten für neue Raumflugkörper ist nur eine bedingt geeignete Therapie. Kollidiert ein kleines Schrottteilchen in der Größenordnung um 1 Millimeter mit einem derartigen Schild, so soll zum einen das Teilchen in kleinere zerschlagen, gebremst und schließlich durch eine Schicht zum Stillstand gebracht werden. Zum anderen sollen aber auch die durch den Zusammenprall neu entstehenden Teilchen des Schildes aufgefangen werden und keine neue Gefahr bilden. Bei unkontrollierten nichtabsorbierenden Kollisionen entsteht in der Regel mindestens die Zehnfache Menge neuer Teilchen.

Konsequenz aus diesen Tatsachen ist, dass bereits vorhandene Teile eigentlich entfernt werden müssten. Bei größerem Schrott, wie ausgedienten Satelliten oder alten Raketenstufen ließe sich dies sogar bewerkstelligen. So arbeiten verschiedene Stellen weltweit an Verfahren, an einem solchen Teil anzukoppeln und mit dem Antrieb des ankoppelnden Fahrzeugs die Bahn des Schrotts so zu ändern, dass er möglichst schnell kontrolliert in die Erdatmosphäre eintritt und dabei verglüht. Falls nicht alle Teile verglühen, bietet ein kontrollierter Absturz die Möglichkeit einer gefahrlosen Entsorgung in unbewohnten Gebieten. Auf diese Weise wurden 2001 auch die mehr als 100 Tonnen der russischen Raumstation Mir beseitigt.

Am Ernst-Mach-Institut in Freiburg, wo man auch an Schutzschilden für Raumfahrzeuge forscht, wird die Idee verfolgt, an den Düsen des Antriebssystems ausgedienter Satelliten anzukoppeln. Ein spezieller Dorn würde in die Öffnung zwischen Düse und Brennkammer eindringen und sich anschließend hier verhaken oder verkeilen. Danach könnte man den Satelliten "abschleppen".

Beim US-Unternehmen Altius Space Machines entwickelt man dagegen einen "klebrigen" Greifer, der an beliebigen Oberflächen haften könnte. Bei Annäherung und Berührung einer beliebigen Fläche aus leitendem oder nichtleitendem Material werden in diesem Ladungstrennunen induziert, die dafür sorgen, dass die elektrostatische Anziehung unterschiedlicher Ladungen etwas stärker ist als die Abstoßung gleichartiger. Die sogenannte Elektroadhäsion führt also immer zu Anziehung.

Andere Unternehmen setzen ihre Hoffnungen in kleine Sonnensegelsatelliten, die an einem Schrottteil festmachen und mit ihrer großen Oberfläche den Luftwiderstand bedeutend erhöhen könnten. Dadurch könnten Teile, die auf niedrigen Umlaufbahnen fliegen, in denen die Hochatmosphäre der Erde noch eine nennenswerte Bremswirkung aufweist, schneller zum Absturz gebracht werden und so das Kollisionsrisiko im All mindern. Ein Beispiel dafür ist Nanosail.

Bleibt die Frage, wer die erheblichen Kosten für derartige Missionen tragen soll. Darauf kann es nur eine international verbindliche Antwort geben. Zum einen muss bei neuen Missionen die gefahrlose Entsorgung des Satelliten bereits ins technische Konzept und ins finanzielle Kalkül gezogen werden. Zum zweiten sollten zumindest besonders gefährliche Objekte durch gemeinsam finanzierte Aktionen entfernt werden. Dazu sind konkrete Schritte erforderlich, die in den zuständigen Gremien endlich zielgerichtet in Angriff genommen werden müssen.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Raumfahrer.net, NASA, Altius Space Machines, 3sat - Hitec, Ernst-Mach-Institut Freiberg)


» Herschel entdeckt Wasserdampf bei TW Hydrae
22.10.2011 - Durch die Auswertung von Beobachtungsdaten des Weltraumteleskops Herschel ist einem internationalen Wissenschaftlerteam der Nachweis von Wasserdampf gelungen, welcher sich in der protoplanetaren Staubscheibe des Sterns TW Hydrae befindet. Erstmals konnte Wasserdampf dabei auch in den äußeren Bereichen einer solchen Scheibe detektiert werden.
Das Beobachtungsziel des von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebenen Infrarot-Weltraumteleskops Herschel war der etwa 175 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt gelegene junge Zwergstern TW Hydrae im Sternbild Wasserschlange (lateinischer Name: Hydra). Dieser Vertreter der T-Tauri-Sterne verfügt über ein Alter von etwa fünf bis zehn Millionen Jahren und ist von einer sogenannten protoplanetaren Scheibe umgeben. Hierbei handelt es sich um eine flache, ringförmig verlaufende Ansammlung von Gas und Staub, welche den Stern umrundet.

Vergleichbare Objekte konnten von den Astronomen in den letzten Jahrzehnten in der Umgebung vieler junger Sterne nachgewiesen werden. Aus solchen Akkretionsscheiben gehen nach der gängigen Theorie zur Planetenbildung im Laufe mehrerer Millionen Jahre Planeten hervor. Auch aus der Scheibe um TW Hydrae, welche über eine Ausdehnung von fast 400 Astronomischen Einheiten verfügt, werden sich in der Zukunft Planeten, Asteroiden und Kometen bilden.

In den inneren, relativ warmen Regionen solcher protoplanetarer Scheiben gelang Astronomen bereits häufiger der Nachweis von größere Mengen an "heißen" Wasserdampf. Jetzt konnte durch die Untersuchung der Staubscheibe von TW Hydrae auch erstmals in den äußeren, deutlich kühleren Bereichen einer solchen Scheibe "kalter" Wasserdampf nachgewiesen werden. Die Beobachtungsdaten des Herschel-Weltraumteleskops deuten darauf hin, dass sich der Wasserdampf vom inneren Bereich der Scheibe bis zu einer Entfernung von 115 Astronomischen Einheiten vom Zentralstern erstreckt. Für ihre in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" publizierten Entdeckung benutzten die Astronomen das "Heterodyne Instrument for the Far Infrared"-Spektrometer (HIFI) an Bord von Herschel.

Um die Menge des bei TW Hydrae detektierten Wasserdampfs abzuschätzen, simulierte ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Astronomen Michiel R. Hogerheijde von der Universität Leiden in den Niederlanden die chemischen und physikalischen Prozesse, welche sich im Inneren der Scheibe abspielen, und verglich die dabei gewonnenen Ergebnisse mit den Messdaten von Herschel. Demzufolge entspricht die im Bereich der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae nachgewiesene Menge an Wasserdampf rund 0,5 Prozent der in den irdischen Ozeanen befindlichen Wassermenge.

Dies ist allerdings lediglich die "Spitze eines Eisberges", so Hogerheijde, denn die Menge des gesamten in der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae befindlichen Wassers fällt deutlich höher aus. Im inneren Bereich einer protoplanetaren Scheibe ist die Temperatur zu hoch, als das sich der Wasserdampf in Form von Eis ablagern kann. In den äußeren Regionen der Scheibe gefriert der Wasserdampf dagegen bei Temperaturen von rund minus 250 Grad Celsius an den Oberflächen der dort befindlichen Staubkörner zu Eis.

Die von dem Stern ausgehende UV- und Röntgenstrahlung führt dazu, dass sich die Wassereismoleküle in der oberen Schichten der protoplanetaren Wolke wieder von dem Staub trennen und anschließend erneut in den gasförmigen Zustand übergehen. Dabei erzeugen sie eine dünne Schicht aus Wasserdampf, welche den äußeren Rand der Scheibe umgibt. Und lediglich diese dünne Schicht aus Wasserdampfmolekülen konnte vom HIFI-Instrument nachgewiesen werden. Um die hierbei detektierte Menge an Wasserdampf zu erzeugen, so die Ergebnisse der Computermodelle, muss die Gesamtmasse der im Inneren der Staubscheibe von TW Hydrae befindlichen Eisvorkommen die Wasserbestände aller irdischer Ozeane mehrere tausend Mal übertreffen. Die Gesamtmasse des Wassereises bei TW Hydrae beläuft sich diesen Modellen zufolge auf eine Masse von 9.1027 Gramm.

Die Forschungsergebnisse werden den Astronomen dabei helfen, die bisherigen Modelle der Planetenentstehung weiter zu verfeinern und dadurch letztlich auch die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte unseres eigenen Sonnensystems noch besser zu verstehen. Von besonderem Interesse ist dabei das bessere Verständnis der Rolle, welche das Wasser in protoplanetaren Scheiben spielt.

"Die Untersuchung von Wasser in einer protoplanetaren Scheibe ist von großer Bedeutung für unser Verständnis über die Prozesse, welche sich bei der Bildung eines Planetensystems abspielen", so Göran Pilbratt, Herschel-Projektwissenschaftler der ESA. So könnten sich zum Beispiel neue Hinweise zur Beantwortung der Frage ergeben, auf welche Weise einstmals das Wasser auf die Erde gelangt ist.

Speziell in den äußeren Bereichen einer protoplanetaren Scheibe bilden sich aus den dort befindlichen Staubkörnern die Kometen eines Sonnensystems und das ebenfalls in den Kometen enthaltene Wasser wird als eine der Quellen angesehen, welche Planeten mit Wasser versorgen. Eine entsprechende Theorie erhielt erst kürzlich weiteren Auftrieb, als Wissenschaftler entdeckten, dass das im Kometen Hartley 2 enthaltene Wasser von seiner Zusammensetzung her dem Wasser in den irdischen Ozeanen gleicht (Raumfahrer.net berichtete).

Auch das in der protoplanetaren Scheibe von TW Hydrae enthaltene Wasser könnte somit in der Zukunft einmal den Planeten zur Verfügung stehen, welche sich um diesen Stern bilden werden.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Science:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESA, JPL, Science)


» ROSAT ist zurück auf der Erde (Update)
23.10.2011 - In der Nacht zum Sonntag ist der deutsche Röntgensatellit ROSAT in die Erdatmosphäre eingetreten und zumindest teilweise verglüht. Inwiefern Teile von ihm bis zur Erdoberfläche durchgekommen sind, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unbekannt.
Nachdem er bereits seit Jahren an Höhe verloren hat, ist ROSAT (Röntgensatellit) zwischen 3:45 Uhr MESZ und 4:15 Uhr MESZ am Sonntagmorgen in die Erdatmosphäre eingetreten. Dabei sind große Teile von ihm verglüht. Ob Teile auf der Erde aufgeschlagen sind und ob diese Schäden verursacht haben, ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Während des Eintrittsfensters führte der Orbit des Satelliten über den indischen Ozean sowie Teile von Asien (China und Myanmar). Genauere Daten über die Position und über möglicherweise betroffene Gebiete werden wahrscheinlich im Laufe des Tages veröffentlicht. Aktuelle Updates finden Sie dann auch auf unserer Homepage.

ROSAT war am 1. Juni 1990 an Bord einer Delta-II-Rakete gestartet worden und durchsuchte 9 Jahre lang den Himmel im Röntgen- und UV-Bereich. Dabei wurden über 125.000 neue Röntgenquellen gefunden, darunter viele Supernovaüberreste. Zu seinen Entdeckungen gehören auch Neutronensterne, die nur im thermischen Bereich strahlen und die Reflektion von Röntgenstrahlung am Mond. Zu den eher weniger erwarteten Ergebnissen gehörte unter anderem die Erkenntnis, dass Kometen trotz ihrer niedrigen Temperatur Röntgenstrahlung aussenden.

Ursprünglich war ROSAT für eine Einsatzdauer von 5 Jahren ausgelegt, diese wurde jedoch erheblich überschritten. 1998 kam es schließlich zu altersbedingten Ausfällen an Bord des Satelliten, die einen Forschungsbetrieb erschwerten. So fiel zuerst der primäre Sternsensor aus, woraus eine Fehlausrichtung mit resultierte. Wenige Monate später gab es aufgrund der Sättigung eines Drallrades erneut eine Fehlorientierung, wobei der hochauflösende Detektor für Röntgen- und UV-Strahlung (High Resolution Imager, HRI) schwer beschädigt wurde. Am 12. Februar 1999 schließlich wurde ROSAT abgeschaltet, da nun auch die Treibstoffvorräte nahezu verbraucht waren.

UPDATE: Wie das DLR bekannt gab, ist ROSAT über dem Golf von Bengalen, einem Randmeer des indischen Ozeans, eingetreten. Über Teile, die die Erdoberfläche erreicht haben und eventuellle Schäden ist weiterhin nichts bekannt.

Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: DLR, Spaceflight101, Twitter)


» OSC: Taurus-II-Starts verschieben sich
23.10.2011 - Wie die Orbital Sciences Corporation (OSC, USA) am Freitag mitteilte, verschieben sich sowohl der Jungfernflug der Trägerrakete Taurus II als auch der erste geplante Flug eines Cygnus-Frachters zur Internationalen Raumstation um mehrere Monate.
Als Grund werden Verzögerungen bei der Fertigstellung des Startkomplexes für die Taurus II auf Wallops Island angegeben. Letzte Abnahmen und die Übergabe des Equipments an Orbital werden gegenwärtig für Januar 2012 erwartet.

Man plant nun einen Bodentest der Taurus II für frühestens Ende Januar sowie den Erstflug der Rakete für Ende Februar oder Anfang März nächsten Jahres. Ein Testflug mit Annäherung an die ISS ist demnach frühestens im Mai zu erwarten, der erste reguläre Versorgungsflug, wenn bis dahin alles nach Plan läuft, Ende August oder Anfang September.

Bei Entwicklung und Bau der Rakete und des Frachtraumschiffes laufe nach Auskunft von Orbital-CEO David W. Thompson inzwischen alles wieder normal. Im Juni hatte ein Feuer in einem der AJ-26-Triebwerke aufgrund einer undichten Treibstoffleitung zu einer Unterbrechung der Arbeiten geführt. Zudem musste anschließend ein Drittel der Triebwerke modifiziert werden.

Die zugrunde liegenden Triebwerke Kusnjezow NK 33 sind eine effektive Weiterentwicklung der NK 15, die in den 1960er Jahren für die russische Mondrakete N1 gebaut wurden. Sie arbeiten im Hauptstromverfahren mit einem hohen Brennkammerdruck und regenerativer Kühlung. Die Turbinen zur Treibstoffförderung werden durch ein in einer Vorbrennkammer erzeugtes Arbeitsgas angetrieben. Sie kamen nach ihrer Fertigstellung 1974 allerdings niemals zum Einsatz und wurden eingelagert. Mittlerweile wurde ein Teil von ihnen bei Aerojet in Kalifornien (USA) für den Einsatz in der Taurus II umgebaut. Inzwischen wurden 4 funktionierende Triebwerke nach Wallops Island geliefert, weitere folgen ab Dezember. Jede Taurus II verwendet zwei dieser Triebwerke in der ersten Stufe.

Orbital hat mit der NASA einen Vertrag geschlossen, der Frachtlieferungen im Rahmen von 8 Flügen zum Preis von insgesamt 1,9 Milliarden US-Dollar vorsieht. Die Frachtlieferungen waren ursprünglich für den Zeitraum 2011 bis 2015 angesetzt. Da die Internationale Raumstation nun aber mindestens bis 2020 im Einsatz bleiben soll, könnten die Lieferungen auch ausgeweitet werden. Zunächst muss das Gespann Taurus II/Cygnus allerdings erst einmal seine Einsatzreife nachweisen.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Space News, Wikipedia)


» Atlantic Bird 7 aktiv bei 7 Grad West
26.10.2011 - Am 24. Oktober 2011 teilte der europäische Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat mit, dass der Regelbetrieb von Atlantic Bird 7 einen Monat nach seinem Start begonnen hat.
Platziert ist der mit Transpondern für 56 Ku-Band-Kanäle ausgestattete Atlantic Bird 7 im Geostationären Orbit an einer Position bei 7 Grad West. Er wird vom in Paris ansässigen Kommunikationssatellitenbetreiber Eutelsat verwendet, um Haushalte in Nordafrika und den Golfstaaten mit Fernsehbildern zu versorgen. Erreicht werden nach Angaben von Eutelsat rund 30 Millionen Haushalte, die über Atlantic Bird 7 mehr als 400 verschiedene Fernsehprogramme empfangen können. Bis in die frühen Morgenstunden des 23. Oktober 2011 hatte Eutelsat die zuvor von Atlantic Bird 4A ausgestrahlten Programme auf den neuen Satelliten transferiert.

Atlantic Bird 7 war am 24. September 2011 auf einer Zenit-3SL-Rakete in den Weltraum gebracht worden. Der von Astrium basierend auf dem Satellitenbus Eurostar E3000 gebaute Erdtrabant mit einer Startmasse von rund 4.600 Kilogramm soll sich mindestens 15 Jahre im All nutzen lassen. Im Mai 2009 war Astrium mit der Herstellung des Satelliten beauftragt worden.

Atlantic Bird 4A, der seit März 2009 bei 7 Grad West betrieben wurde, soll nun andere Aufgaben übernehmen. Eutelsat möchte den seit dem 12. Februar 2009 im All befindlichen, ebenfalls auf der Plattform Eurostar E3000 basierenden Satelliten umpositionieren. Als Eutelsat 3C will Eutelsat ihn nach jüngsten Informationen neben Eutelsat 3A bei 3 Grad Ost im Geostationären Orbit einsetzen, um Kunden in Europa und Südwest-Asien mit Daten- und Telekommunikationsdiensten zu versorgen.

Atlantic Bird 4A, alias AB 4A und Hot Bird 10, künftig Eutelsat 3C, ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 33.750 bzw. als COSPAR-Objekt 2009-008B.
Atlantic Bird 7 alias AB 7 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.816 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-051A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, Eutelsat)


» Astra 1N hat kommerziellen Betrieb aufgenommen
26.10.2011 - Der Kommunikationssatellit Astra 1N hat den kommerziellen Betrieb aufgenommen, meldete der luxemburgische Betreiber des Satelliten SES am 24. Oktober 2011.
Astra 1N mit einer Startmasse von rund 5.325 Kilogramm war am 7. August 2011 an Bord einer Ariane 5 ECA in den Weltraum gelangt. Unter Leitung des Astrium-Raumfahrtkontrollzentrums in Toulouse hatte man die sogenannte „Launch and Early Orbit Phase“ anschließend mit der Inbetriebnahme des Satelliten im Orbit fortgesetzt.

Der von Astrium basierend auf dem Eurostar-3000-Bus gebaute und mit 52 Ku-Band-Transpondern ausgestattete Satellit wurde zwischenzeitlich an einer Position von 28,2 Grad Ost im Geostationären Orbit positioniert und versorgt von dort aus jetzt Haushalte in Europa insbesondere mit Direktausstrahlungen von Fernsehprogrammen der britischen Anbieter Channel 4 und Independent Television (ITV) und mit dem satellitenbasierten Breitbandinternetdienst Astra2Connect, welcher nach Angaben von SES mittlerweile über 80.000 Endkunden erreicht.

Wenn die Flotte von SES Astra bei 28,2 Grad Ost im Geostationären Orbit weiter verstärkt worden ist, soll Astra 1N umpositioniert und anschließend als Nachfolger von Astra 1H bei 19,2 Grad Ost betrieben werden, um europäische Kundschaft insbesondere in deutsch-, französisch- und spanischsprachigen Regionen zu versorgen.

Astra 1N ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.775 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 2011-041A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, SES)


» Shenzhou 8 auf der Startrampe
26.10.2011 - Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua wurde heute eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2F mit der Raumkapsel Shenzhou 8 zu ihrer Startrampe in Jiuquan transportiert.
Der Transport zur Startrampe 1 der Launch Area 4 des Jiuquan Satellite Launch Centers in der Provinz Gansu in der Inneren Mongolei fand heute gegen 2:00 Uhr MESZ statt. Dabei wurde die Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 2F mit ihrer Nutzlast, dem Raumschiff Shenzhou 8, aus dem Montagegebäude, in welchem die Rakete zusammengebaut wurde, zum etwa 1,5 km entfernten Startturm transportiert. Dort werden an der Rakete abschließende Tests sowohl an der Rakete als auch an der Raumkapsel durchgeführt, wobei sie danach betankt und auf den Start vorbereitet wird.

Die Nutzlast der Rakete, die Raumkapsel Shenzhou 8, ist ein unbemanntes Raumschiff, welches an der am 29. September gestarteten ersten chinesischen Raumstation Tiangong 1 (Raumfahrer.net berichtete) andocken soll. Dies wäre ein Testflug für den im Jahr 2012 stattfindenden ersten bemannten Flug zur Station, nämlich Shenzhou 9. Es ist ein erster Schritt zu einer eigenen modularen Station, deren Start in Richtung 2020 geplant ist.

Ein geplantes Experiment, das mit Shenzhou 8 transportiert werden soll, ist das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Zusammenarbeit mit China entwickelte SIMBOX. Es vereint eine Zentrifuge und eine Wärmekammer, worin Proben von Pflanzen- und Tier- sowie menschlichen Immun- und Nervenzellen den Bedingungen des Weltraums ausgesetzt werden sollen. Die Ergebnisse des Experimentes in Shenzhou 8 werden mit Proben auf der Erde verglichen. So soll etwa erforscht werden, wieso zum Beispiel die menschliche Immunabwehr im Weltraum schwächer ist und Astronauten anfälliger für Infektionen werden. Es ist das erste Experiment in einer Shenzhou-Kapsel, das von einer anderen Nation als China entwickelt wurde.

Der Start von Shenzhou 8 ist zurzeit für den 1. November um 6:00 Uhr Ortszeit (31.10. um 23:00 Uhr MEZ) geplant. Wann die Kopplung stattfinden wird, ist noch nicht bekannt. Sicher ist aber, dass das Kopplungsmanöver nicht gleich nach einem oder zwei Tagen, etwa wie zurzeit auf der ISS praktiziert, stattfinden wird. Stattdessen will die Bodenkontrolle zunächst den Anflug an die Raumstation Tiangong 1 üben und erst danach das eigentliche Ankopplungsmanöver beginnen.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: Xinhua, DLR)


» NPP erfolgreich gestartet - Ende einer Ära
28.10.2011 - Heute startete die vielleicht letzte Delta II aller Zeiten von Vandenberg. Als Nutzlast transportierte sie neben einer Reihe von Nanosatelliten den Prototypen des neuen Wettersatellitensystems NPOESS, NPP.
Der Start erfolgte heute planmäßig um 11:48 Uhr MESZ von der Startrampe SLC 2W der Vandenberg Air Force Base (VAFB) nördlich von Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien. Nach 64 Sekunden waren die sechs am Boden gezündeten Booster ausgebrannt und wurden abgeworfen. Die restlichen drei Booster wurden bei T +65,5 Sekunden gezündet und 131,5 Sekunden nach dem Start von der Rakete abgetrennt. Die Erststufe war nach 263,4 Sekunden ausgebrannt und wurde kurz darauf nach 271,5 Sekunden Flug abgetrennt. Die Zweitstufe zündete bei T +277 Sekunden, vier Sekunden später wurde die Nutzlastverkleidung abgesprengt. Nach 347 Sekunden Betrieb wurde die Delta-K-Zweitstufe für eine Freiflugphase abgeschaltet. Diese dauerte über 41 Minuten und das Gespann aus Zweitstufe und Nutzlast erreichte das Apogäum des Orbits. Dort zündete die Delta K nochmals für 22 Sekunden, wonach die Nutzlasten auf einen sonnensynchronen Orbit ausgesetzt wurden. Danach zündete die Delta noch zwei weitere Male, um ihren Orbit soweit abzusenken, dass sie wieder in die Erdatmosphäre eintritt und dort verglüht.

Die eingesetzte Delta II 7920-10C verwendete eine Extra Extended Long Tank Thor (EELT) als Erststufe mit neun Feststoffboostern vom Typ GEM-40 zur Startunterstützung. Als Zweitstufe nutzte man eine Delta K mit einem Triebwerk vom Typ Aerojet AJ-10-118K und eine Nutzlastverkleidung aus Kohlefaserverbundstoffen mit einem Durchmesser von 10 Fuß (3,05 m).

Die Rakete startete bei dieser Mission sieben verschiedene Nutzlasten, wobei die Hauptnutzlast der Wetter- und Umweltsatellit NPP (NPOESS Preparatory Project für NPOESS Vorbereitungsprojekt) ist. Dabei handelt es sich um einen Prototypen der von NASA und NOAA geplanten Wettersatellitenkonstellation NPOESS (National Polar-orbiting Operational Environmental Satellite System für Nationales operationelles Umweltsatellitensystem im polaren Orbit), welches aus sechs Satelliten bestehen und ab 2013 gestartet werden soll. Die Satelliten sollen neben der Erfassung von Daten zur Wettervorhersage auch die Erde beobachten, um so etwa die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung zu studieren. NPP ist dafür mit einer Reihe von Instrumenten ausgestattet, welche von früheren Wetter- und Umweltsatelliten wie etwa Terra, Aqua, POES oder den militärischen DMSP-Wettersatelliten stammen. Sie untersuchen die Ozonschicht der Erde oder sollen mittels Mikrowellen den Verlauf von Stürmen genauer beobachten können und so die Vorhersage dieser erheblich verbessern. Der Start war ursprünglich für 2010 geplant, doch verschob er sich aufgrund von Problemen bei der amerikanischen Wetterorganisation NOAA und bei der NASA.

Die übrigen sechs Nutzlasten, die Nanosats Explorer 1[Prime], AubieSat, M-Cubed, RAX-2, DICE 1 und DICE 2, wurden im Rahmen des Education Launch of Nanosatellite-3-Programms (ELaNa3) der NASA entwickelt und von Studenten verschiedener Universitäten gebaut. Alle beruhen auf den standardisierten Cubesats, ein von der California Polytechnic State University initiiertes Programm zur kostengünstigen Entwicklung von Nanosatelliten, um so das Interesse für die Raumfahrt besonders bei Studenten zu wecken. Sie haben verschiedene Aufgabenbereiche. So sollen etwa die Satelliten RAX-2, DICE 1 und DICE 2 die Ionosphäre der Erde genauer untersuchen. Besonders erwähnenswert ist Explorer 1[Prime], der bei einem Fehlstart einer Taurus XL-Rakete am 4. März 2011 neben zwei weiteren Nanosats und der NASA-Mission Glory verlorenging.

Der heutige Start der Delta II war der vielleicht letzte dieses Raketentyps überhaupt. Sie flog seit ihrem Erststart im Jahr 1990 134 Mal, wobei es nur zwei Fehlschläge gab, was sie zu einer der erfolgreichsten Raketen der USA machte. Sie startete eine Reihe von bekannten Nutzlasten, so etwa die Weltraumobservatorien WISE, Kepler oder Spitzer, die Raumsonden Genisis, Deep Impact, Stardust, Mars Odyssey, Dawn, Mars Pathfinder oder die beiden Marsrover Spirit und Opportunity. Die Delta II wird nicht mehr produziert und zurzeit gibt es keine geplanten Starts mehr. Für maximal fünf Raketen existieren noch eingelagerte Bauteile. Doch es könnte noch anders kommen, da die NASA überlegt, die Rakete wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe, dem Start von mittelschweren wissenschaftlichen Nutzlasten und Raumsonden, zukommen zu lassen. Zu ihrer Konkurrenz gehören die beiden im COTS-Programm entwickelten Träger Taurus II von Orbital und Falcon 9 von SpaceX.

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Raumcon


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: NASA)


» Hackerangriffe auf US-Satelliten
29.10.2011 - Viermal zwischen 2007 und 2008 sollen Hacker die Kontrolle über Funktionen zweier US-amerikanischer Satelliten übernommen haben.
In einem Entwurf für einen Bericht einer Kommission, die die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China untersucht (U.S.-China Economic and Security Review Commission, USCC), wird der Hackerangriff auf die US-amerikanischen Satelliten angeführt.

Betroffen waren mutmaßlich die beiden Erdbeobachtungssatelliten Landsat 7 und Terra alias EOS AM-1, die durch eine Bodenstation in Norwegen angesprochen worden sein sollen. Landsat 7 dient insbesondere der Erdbeobachtung und Klimaforschung, Terra der detaillierten Untersuchung von Bodenstrukturen.

Der Entwurf zeigt die Risiken auf, die wegen mangelhaft geschützte Kommunikationswege bestehen. Bei Satelliten mit sensibleren Aufgaben könnten die Gefahren für ihre Nutzer durchaus bedeutende Dimensionen erreichen. Es erscheint möglich, Satelliten mutwillig zu beschädigen oder außer Betrieb zu setzten. Es besteht die Gefahr, dass vom Satelliten gesendete Daten verfälscht, und Übertragungen des Satelliten abgeschwächt oder völlig unterdrückt werden.

In frühere Versuche, in Satellitensysteme einzudringen, sind nach Angaben in dem Berichtsentwurf Personen aus dem chinesischen Untergrund involviert. Die chinesische Regierung bestritt wiederholt eine eigene Rolle bei dieser Art von Computerkriminalität. Inwiefern mit einem möglichen von Interessierten durchgeführten Austesten von technisch Machbarem Politik betrieben wird, ist nicht ohne Weiteres festzustellen.

Entscheiden ist, zu berücksichtigen, dass es bei der heute gängigen Verbindung von Satellitensystemen von Regierungen und militärischen Organisationen mit dem Internet erforderlich ist, die Zugriffsmöglichkeiten für Befugte bestmöglich abzusichern, und die Sicherheit von Einzelsystemen auch für Stör- und Ausfallszenarien genau zu untersuchen.

Landsat 7, dessen Daten angeblich insbesondere vom US-Militär genutzt werden, ist beispielsweise kein klassisches, völlig isoliertes militärisches System. Von der kommerziellen Satellitenstation SvalSat auf Svalbard (Spitzbergen) in Norwegen, welche über das Internet unter anderem mit der US-amerikanischen Raumfahrtagentur NASA verbunden ist, war der nicht autorisierte Zugriff auf den Satelliten wohl möglich.

Am 20. Oktober 2007 litt Landsat 7, der von der NASA zusammen mit dem Geologischen Dienst der USA betrieben wird, nach Angaben in dem Berichtsentwurf mindestens 12 Minuten unter fremder Beeinflussung. Am 23. Juli 2008 soll selbiges noch einmal geschehen sein.

Auf Terra gab es laut Berichtsentwurf am 20. Juni und am 22. Oktober 2008 unberechtigte Zugriffe. Beim ersten mindestens zwei Minuten dauernden Angriff habe man alle zur Absetzung von Kommandos an den Satelliten erforderlichen Schritte durchgeführt, aber keine Befehle gesendet. Letzteres habe sich auch beim mindestens neun Minuten dauernden zweiten Angriff nicht geändert.

Landsat 7 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25.682 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 1999-020A , Terra alias EOS AM-1 mit der NORAD-Nr. 25.994 bzw. als COSPAR-Objekt Nr. 1999-068A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: AFP, BBC, Bloomberg, NASA)


» Arabsat 5C an Betreiber übergeben
29.10.2011 - Der Satellitenbauer Astrium teilte am 27. Oktober 2011 mit, dass der am 21. September 2011 auf einer Ariane-5-Rakete in Kourou gestartete Arabsat 5C von Astrium betriebsbereit an den Kommunikationssatellitenbetreiber Arabsat übergeben worden ist.
Das neue, im geostationären Orbit an einer Position von 20 Grad Ost positionierte Raumfahrzeug basiert auf dem von Astrium gebauten Satellitenbus Eurostar E3000 und wurde mit einer Kommunikationsnutzlast von Thales Alenia Space mit einer Leistung von etwa 12 kW ausgestattet. Sie ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von 26 C-Band-Transpondern und umfasst zusätzlich Ka-Band-Transponder. Mit ihnen will Arabsat Kunden in Afrika und dem Mittleren Osten mit Telekommunikationsdiensten und der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen versorgen. 15 Jahre soll sich Arabsat 5C einsetzen lassen.

Während des Starts des dritten von den beiden Herstellern zusammen gebauten Satelliten für die fünfte Satellitengeneration bei Arabsat und seiner ersten Tage im All erfolgten Steuerung und Kontrolle von Astriums Kontrollzentrum im französischen Toulouse aus. Jetzt wird das Raumfahrzeug von Arabsats Hauptkontrollzentrum im saudiarabischen Riad, unterstützt von einem zusätzlichen Kontrollzentrum im tunesischen Tunis, überwacht und gesteuert. Von Riad aus wurden auch die Im-Orbit-Tests des beim Start laut Astrium 4.770 Kilogramm schweren dreiachsstabilisierten Satelliten koordiniert.

Die Übergabe von Arabsat 5C erfolgte am 26. Oktober 2011. Damit hat Astrium innerhalb einer Woche drei betriebsbereite Kommunikationssatelliten an ihre jeweiligen Betreiber abgeliefert.

Arabsat 5C ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.810 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-049B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium)


» SIMBOX - Deutschland und China gemeinsam im All
29.10.2011 - Mit der SIMBOX fliegt bei der Shenzhou-8-Mission erstmals deutsche Wissenschaft mit und begründet damit den Beginn der deutsch-chinesischen Kooperation in Chinas bemanntem Raumfahrt Programm.
In Zusammenarbeit mit unserem Gastautor tomtom

Das DLR ermöglicht erstmals mit SIMBOX wissenschaftliche Untersuchungen an medizinisch-biologischen Proben an Bord des chinesischen Raumschiffs Shenzhou 8. Bei dieser Mission ist die Shenzhou ein unbemannter Transporter, vergleichbar mit einer russischen Progress Kapsel. Shenzhou soll am 31.10. um 23:00 Uhr auf einer chinesischen Trägerrakete Langer Marsch 2F starten und nach zwei Tagen an die Raumstation Tiangong 1 ankoppeln. Mit Shenzhou 8 wird erstmalig im chinesischen Raumfahrtprogramm das Docken zweier Objekte im All getestet. Die Shenzhou-8-Mission soll 17 Tage dauern und am 17. November 2011 mit einer Fallschirmlandung vergleichbar mit den bemannten Sojus-Landungen in der Inneren Mogolei aufsetzen. Im Gegensatz zu einem russischen Progress-Frachter besitzt Shenzhou 8 ein voll funktionsfähiges Hitzeschild an dessen Rückkehrkapsel, in der sonst Raumfahrer sitzen, wo dieses Mal aber die SIMBOX installiert ist.

Damit realisiert das DLR zum ersten Mal eine Kooperation mit der chinesischen Raumfahrtagentur CMSEO (China Manned Space Engineering Office). Auf der Apparatur sind sowohl 6 deutsche als auch 10 chinesische Experimente sowie ein deutsch-chinesisches Experiment installiert. Das DLR kooperiert eng mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Damit beweisen die Chinesen, dass sie nicht nur am Transport und Betrieb von Raumfahrzeugen interessiert sind, sondern eben auch an deren wissenschaftlicher Nutzung.

SIMBOX ist eine 25 kg schwere Appartur mit einem Volumen von 34 Litern. EADS-Astrium hat die SIMBOX auf der Basis der BIOBOX, welche ursprünglich für die Foton-Missionen entwickelt wurde, gebaut. Die Unterschiede der SIMBOX zur BIOBOX beinhalten Anpassungen des Interfaces zur Raumkapsel Shenzhou 8. Dazu mussten die Schnittstellen der SIMBOX zum Raumschiff u.a. für die Energieversorgung entsprechend angepasst werden. So könnte die SIMBOX-Technologie auch für weitere Missionen genutzt werden. Neben der eigentlichen Apparatur half das DLR seinen chinesischen Partnern dabei, wissenschaftliche Standards für Raumflugbedingungen zu entwickeln. Diese beinhalteten die Einrichtung entsprechender Laboranlagen zur Vor- und Nachbereitung der Experimente. Auch begleitet das DLR die entsprechenden Teams bei Betreuung und Auswertung der Experimente am Startplatz in Jiuquan und in Peking, wo die wissenschaftlichen Daten ausgewertet werden. Während der gesamten Mission haben deutsche Wissenschaftler von Peking aus auch Zugang zu Live-Daten von der SIMBOX, wodurch erste wissenschaftliche Erkenntnisse bereits im Orbit gewonnen werden können.

Herr Dr. Gruppe vom DLR-Raumfahrtmanagement erläuterte den strategischen Nutzen der Kooperation. Neben den wissenschaftlichen Fragen soll mit dem Projekt nachhaltig die internationale Zusammenarbeit intensiviert werden. Deutschland sei hier Vorreiter in Europa. Die Kooperation mit China verspricht zudem viel Potential. Chinesen und Deutsche haben in dem Projekt voneinander gelernt, was die weitere Zusammenarbeit viel leichter machen wird.

Dr. Peter Preu bestätigte gegenüber Raumfahrer.net noch einmal, dass die Chinesen sehr an eine längerfristige Zusammenarbeit, welche auch die chinesische Raumstation Tiangong 1 beinhaltet, interessiert sind. Vorstellbar wäre hier im längerfristigen Rahmen auch eine bemannte Kooperation in Form von deutschen Astronauten an Bord einer chinesischen Raumstation. Allerdings existieren vonseiten des DLRs dies bezüglich noch keine genaueren Pläne. Jedoch betonte Dr. Preu hier, dass, wenn es einmal soweit kommen würde, das DLR dann nichtmehr alleine agieren, sondern man als ESA an die Chinesen herantreten würde. Das DLR leistet hier mit SIMBOX nur Pionierarbeit um den Weg für mögliche zukünftige weitere Kooperationen zu ebnen. Jedoch sollen Gerüchten zufolge die 2009 neu ernannten ESA-Astronauten bereits chinesisch lernen. Ob dies auf eigenes Ermessen einzelner Raumfahrer passiert oder von der ESA angeordnet wurde, ist Raumfahrer.net zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Auf die Frage von Raumfahrer.net bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit der Chinesen in der Raumfahrt, die ja derzeit sehr dürftig ist, äußerte sich das DLR optimistisch. Hier wird vonseiten des DLR davon ausgegangen, dass innerhalb der nächsten 10 Jahre die chinesische Öffentlichkeitsarbeit etwa die heutige Qualität der Russen erreichen wird.

Mehr Informationen zur SIMBOX finden sie in unserem ausführlichen Artikel:

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Raumcon


(Autor: Ian Benecken - Quelle: DLR, CMSEO, Astrium, Raumfahrer.Net)


» Arianespace soll Optus 10 ins All bringen
31.10.2011 - Am 31. Oktober 2011 gab Arianespace bekannt, vom Satellitenbetreiber SingTel Optus beauftragt worden zu sein, den Kommunikationssatelliten Optus 10 auf einer Ariane-5-Rakete in den Weltraum zu transportieren.
Optus 10 wird ein Startgewicht von rund 3.200 Kilogramm haben, und ist deshalb für einen Satellitendoppelstart auf einer Ariane-5-Rakete hervorragend geeignet. Der Satellit ist eine Konstruktion des US-amerikanischen in Palo Alto im Bundesstaat Kalifornien ansässigen Luft- und Raumfahrtkonzerns Space Systems/Loral (SS/L) und basiert auf der Plattform LS-1300LL. Die Kommunikationsnutzlast des dreiachsstabilisierten Satelliten wird mit 24 gleichzeitig zu betreibenden Transpondern für den Ku-Band-Bereich ausgerüstet.

SingTel Optus möchte Optus 10 einsetzten, um Australien und Neuseeland mit einer großen Bandbreite von Telekommunikationsdiensten zu versorgen. Kunden des Kommunikationssatellitenbetreibers sind Regierungsstellen beider Länder, sowie Unternehmen und Fernsehnetzbetreiber wie ABC, FOXTEL, Globecast Australia, Nine Network, SBS, Seven Network, Sky TV New Zealand und UBI. Stationieren wil man Optus 10 vermutlich bei 164 Grad Ost im Geostationären Orbit. Mindestens 15 Jahre lang soll sich der Satellit dann dort betreiben lassen. Sein Start von Kourou in Französisch-Guayana aus ist derzeit für Mitte 2013 vorgesehen. Gelingen Start und Inbetriebnahme des Satelliten wie gewünscht, wird er Teil einer Satellitenkonstellation, die zuletzt 2006, 2007 und 2009 mit den Satelliten der Serie D ausgebaut worden war.

Optus D1, D2 und D3 waren wie Optus C1 (2003) sowie ST-1 (1998) und ST-2 (2011) vom Partnerunternehmen SingTel bereits auf Ariane-5-Raketen in den Weltraum gelangt.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, Optus)


» Ein Überbleibsel aus der Frühzeit des Sonnensystems
31.10.2011 - Der Asteroid Lutetia könnte ein Überbleibsel aus der frühen Phase des Sonnensystems sein. Zu diesem Schluss kommen Planetologen nach der Auswertung von Bildern und Messdaten, welche die Raumsonde Rosetta bei einem nahen Vorbeiflug an diesem Asteroiden am 10. Juli 2010 gesammelt hat.
Vor rund 4,5 Milliarden Jahren präsentierte sich unser Sonnensystem noch völlig anders als in der Gegenwart. Statt der acht großen Planeten umrundete erst eine Wolke, später eine sogenannte protoplanetare Scheibe aus Gas und Staubpartikeln die gerade entstandene Sonne. Nach und nach ballte sich die in dieser Scheibe enthaltene Materie in den folgenden Jahrmillionen zu unregelmäßig geformten Klumpen, den sogenannten Planetesimalen, zusammen. Einige von diesen Planetesimalen verschmolzen zu noch größeren Brocken, den Protoplaneten. Diese waren zwar noch kleiner als die heutigen Planeten, aber sie verfügten bereits über eine kugelförmige Form und eine innere Schichtstruktur - einem Kern, einem Mantel und einer Kruste.

Die meisten dieser Planetesimale und Protoplaneten, welche sich aus unterschiedlichen Gründen nicht zu echten Planeten weiterentwickelten konnten, zerbrachen in der Folgezeit aufgrund heftiger Kollisionen mit anderen Körpern wieder in unzählige Einzelfragmente und ballten sich anschließend zu sogenannten "Rubble Piles" zusammen. Diese Fragmente bilden in der Gegenwart den Hauptasteroidengürtel unseres Sonnensystems, welcher sich zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter befindet.

Am 2. März 2004 startete die von der europäischen Weltraumorganisation ESA betriebene Raumsonde Rosetta, um durch die Untersuchung der kleinsten Objekte unseres Sonnensystems weitere Details aus der Frühgeschichte von dessen Entwicklung zu entschlüsseln. Das eigentliche Ziel der Sonde ist der Komet 67-P/ Tschurjumow-Gerasimenko, welcher im Jahr 2014 erreicht werden soll. Auf dem Weg zu ihrem Ziel durchquerte Rosetta in den vergangenen Jahren auch den Asteroidengürtel und passierte dabei am 5. September 2008 und am 10. Juli 2010 die dort befindlichen Asteroiden (2867) Steins und (21) Lutetia.

Die an der Mission beteiligten Wissenschaftler nutzten diese sich bietenden Gelegenheiten und führten im Rahmen der Vorbeiflüge Studien an den beiden Asteroiden durch. Nach mehr als einem Jahr ist die Auswertung der Daten von dem Lutetia-Vorbeiflug jetzt weit genug fortgeschritten, um erste Ergebnisse zu präsentieren. Nach der erstmaligen Vorstellung dieser Ergebnisse auf dem EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem Anfang Oktober 2011 abgehaltenen internationalen Fachkongress zur Planetenforschung, wurden die Resultate jetzt auch in der Fachzeitschrift "Science" publiziert.

Der maximal 121 Kilometer durchmessende Asteroid (24) Lutetia, so die Schlussfolgerung der an der Auswertung beteiligten Wissenschaftler, ist demzufolge offenbar ein wahres Fossil aus der Entstehungszeit unseres Planetensystems. "Lutetia hat uns völlig überrascht", so Dr. Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau, welches für den Betrieb der OSIRIS-Kamera an Bord von Rosetta zuständig ist. "Anstelle eines einheitlichen und vergleichsweise unauffälligen Asteroiden haben wir eine eigene kleine Welt vorgefunden, welche über eine komplexe Geografie verfügt." So entdeckten die Wissenschaftler auf den Kamera-Bildern nicht nur gewaltige Krater mit Durchmessern von teilweise mehr als 55 Kilometern, sondern auch Anzeichen für Erdrutsche sowie tiefe Rillen und Bergketten. Insgesamt konnten die Planetologen sieben Regionen identifizieren, welche sich aufgrund ihrer morphologischen Merkmale deutlich voneinander unterscheiden und auch unterschiedliche Alter aufweisen.

Die Größe von Lutetia, die dabei gegebene unregelmäßige Form - die Abmessungen betragen etwa 121 x 101 x 75 Kilometer - und vor allem die hohe Dichte deuten zudem darauf hin, dass es sich bei diesem Asteroiden um ein Planetesimal handelt. "Aus den Aufnahmen konnten wir jetzt sehr genau das Volumen von Lutetia und dann in einem zweiten Schritt die Dichte bestimmen", so Dr. Sierks. Laut den Berechnungen der Wissenschaftler liegt das Volumen des Asteroiden bei rund 500.000 Quadratkilometern. Während des Vorbeifluges von Rosetta an (21) Lutetia konnten die Wissenschaftler zudem die Masse des Asteroiden auf einen Wert von 1,7 x 10^18 Kilogramm bestimmen.

Dieser Wert ergab sich durch eine geringfügige Ablenkung der Flugbahn der Raumsonde von dem vorhergesehenen Kurs, welche durch die gravitative Anziehungskraft des Asteroiden auf die Raumsonde verursacht wurde. Aus der Masse ergibt sich für Lutetia eine mittlere Dichte von etwa 3,4 Gramm pro Kubikzentimeter. "Die meisten anderen Kleinplaneten, die wir genauer kennen, haben eine viel geringere Dichte", so Dr. Sierks weiter. "Wir halten diese Asteroiden für eine Art kosmische Bruchstücke - also relativ lose, poröse Ansammlungen von Körpern aus jüngeren Zusammenstößen." Lutetia hingegen scheint kein solches "Rubble Pile" zu sein. Vielmehr dürfte der Asteroid über eine deutlich kompaktere Zusammensetzung zu verfügen, was wiederum ein Indiz für ein höheres Alter von Lutetia wäre.

Neben einer geringen Porosität deutet die hohe Dichte von Lutetia zudem auf größere Mengen von Metallen wie zum Beispiel Eisen hin, welche sich im Inneren des Asteroiden angesammelt haben. Unklar ist allerdings noch, ob Lutetia in der Vergangenheit auch einen richtigen Eisenkern ausgebildet hat wie dies bei dem Asteroiden (4) Vesta der Fall ist, welcher gegenwärtig von der Raumsonde DAWN untersucht wird. Ein solcher Eisenkern setzt voraus, dass der gesamte Asteroid in der Vergangenheit komplett aufgescholzen gewesen wäre. Auf der Oberfläche von Lutetia konnten allerdings keine Spuren entdeckt werden, welche auf die dafür erforderlichen Schmelzprozesse hindeuten. Zur Beantwortung dieser Frage, so die an der Mission beteiligten Wissenschaftler, bedarf es weiterer Auswertungen der gesammelten Daten. Trotzdem wird Lutetia wegen seiner hohen Dichte von den Wissenschaftlern bereits jetzt als ein Planetesimal angesehen.

Ein deutlich sichtbares Merkmal von Lutetia ist hingegen das offensichtlich unterschiedliche Alter der Asteroidenoberfläche. Das Alter der Oberfläche eines terrestrischen Objektes lässt sich anhand der Kraterzählungs-Methode relativ zuverlässig bestimmen, denn je älter ein bestimmter Bereich der Oberfläche ist, desto mehr Krater muss es in diesem Gebiet geben. Einige Bereiche der Oberfläche von Lutetia gehören demzufolge mit einem Alter von rund 3,6 Milliarden Jahren zu den ältesten bisher bekannten Oberflächenformationen innerhalb unseres Sonnensystems. Andere Bereiche verfügen dagegen anscheinend über ein Alter von lediglich 50 bis 80 Millionen Jahren. Bei diesen geologisch jüngeren Regionen handelt es sich um Gebiete, in denen offenbar in der Vergangenheit Erdrutsche aufgetreten sind. Durch die unzähligen Impakte ist die Oberfläche von Lutetia von einer rund einen Kilometer dicken Schicht aus feinkörnigem Gestein, dem so genannten Regolith, überzogen. Dieses entstand dadurch, dass die ursprüngliche Oberfläche des Asteroiden durch die Einschläge mehrfach im wahrsten Sinne des Wortes pulverisiert wurde. Auch die Verteilung der Krater auf der Asteroidenoberfläche deutet auf einen kompakten inneren Aufbau hin.

Ein weiteres Merkmal der Oberfläche sind die dort sichtbaren Felsbrocken mit teilweise 300 bis 400 Metern Durchmesser. Einige der in der Vergangenheit erfolgten Impakte müssen so gewaltig gewesen sein, dass sie ganze Teile aus dem Asteroiden herausgeschlagen haben, welche sich anschließend wieder auf dessen Oberfläche ablagerten.

Mit dem VIRTIS-Spektrometer, so die Abkürzung für das "Visible, InfraRed, and Thermal Imaging Spectrometer" an Bord der Raumsonde Rosetta, konnten die Wissenschaftler zudem eine überraschend gleichförmige mineralogische Zusammensetzung der Oberfläche von Lutetia in allen bei diesem Vorbeiflug untersuchten Regionen nachweisen. Während des Vorbeifluges konnte das VIRTIS-Spektrometer zudem auf der Oberfläche von Lutetia Temperaturen zwischen 170 und 245 Kelvin messen. Die unterschiedlichen Temperaturbereiche konnten dabei verschiedenen Oberflächenformationen zugeordnet werden.

Gegenwärtig befindet sich die Raumsonde Rosetta in einem Tiefschlafmodus, welcher noch bis zum 20. Januar 2014 anhalten wird (Raumfahrer.net berichtete). Bis dahin wird sich Rosetta dem eigentlichen Ziel der Mission, dem Kometen 67-P/ Tschurjumow-Gerasimenko, ohne ein weiteres Eingreifen der für die Kontrolle der Raumsonde verantwortlichen Techniker und Ingenieure nähern. Anschließend wird Rosetta mit der Erkundung des Kometen beginnen. Nach dem Einschwenken in einen Orbit ist dabei auch das Absetzen eines Landers auf der Kometenoberfläche vorgesehen. Nach insgesamt rund 19 Monaten im Orbit um 67-P/ Tschurjumow-Gerasimenko, so der gegenwärtige Planungsstand, soll die Rosetta-Mission im Dezember 2015 beendet werden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Planck-Gesellschaft, ESA, Science, EPSC-DPS 2011)


» Shenzhou 8 startet mit SIMBOX ins All
31.10.2011 - Heute um 22.58 MEZ startete von Jiuquan aus eine Langer Marsch 2F-Rakete mit der Shenzhou 8-Raumkapsel in den Weltraum. Ziel ist die erste Kopplung des chinesischen Weltraumprogramms mit der Raumstation Tiangong 1. Erstmals mit an Bord ist die deutsch-chinesische Experimentierbox SIMBOX.
In den Tagen vor dem Start erfolgten die letzten Vorbereitungen an der deutsch-chinesischen SIMBOX, einer Ansammlung von Experimenten. Dazu sagte Dr. Markus Braun vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegenüber Raumfahrer.net, dass die Arbeiten nach einem genauen Zeitplan abliefen. So schauten sich Mitarbeiter von EADS Astrium alle 40 Experimenteinheiten der Flughardware sehr genau an, bevor diese in die SIMBOX-Anlage eingebaut werden durften. Beispielsweise wurde getestet, ob alle Pumpen und LED-Beleuchtungspaneele funktionstüchtig waren und alle Kammern sauber und wasserdicht geschlossen waren. Der gesamte Zusammenbau der Experimenteinheiten erfolgte gemäß einem „Final-Assembly-Procedure" genannten Plan. Alle diese Prozeduren wurden präzise gemeinsam vom DLR und seinem chinesischen Partner, der GESSA (General Establishment of Space Science and Application) abgestimmt und festgelegt.

Fünf Stunden vor dem Start wurde SIMBOX von Vertretern von DLR und Astrium an die chinesische Bodencrew, die verantwortlich für das "Launch-Processing" war, übergeben, welche den geschlossen Inkubator anschließend in das startbereite Shenzhou 8-Raumschiff auf der Startrampe einbauten. Das DLR/Astrium-Team durfte nicht auf die Startrampe, da der gesamte Komplex ein militärisches Sperrgebiet darstellt.

Sobald SIMBOX an Bord installiert war (ca. 4,5 Stunden vor Start), wurden die Experimente extern mit Strom versorgt. Erst ca. 45min vor Start wurde die Experimentierbox über das Versorgungssystem des Shenzhou-Raumschiffes versorgt. Davor bestand während des Transports von der Integrationshalle und den Labors für etwa 2,5 Stunden keine Stromversorgung.

Der Start erfolgte um 22:58 Uhr MEZ von der Startrampe SLS 1 der Launch Area 4 des Jiuquan Satellite Launch Center in der nordwestchinesischen Provinz Gansu in der Inneren Mongolei. Nach 130 Sekunden waren die vier Booster abgebrannt und wurden von der Rakete gelöst, wobei bei T+100 Sekunden schon der voll funktionsfähige Startrettungsturm abgetrennt wurde. 130 Sekunden nach dem Start folgte die Erststufe, die restliche Nutzlastverkleidung 208 Sekunden nach dem Start. Die Zweitstufe war nach 462 Sekunden Flug ausgebrannt, wobei die Verniertriebwerke noch bis T+583 Sekunden betrieben wurden. Danach wurde die Nutzlast ausgetrennt.

Die eingesetzte Rakete vom Typ Langer Marsch 2F ist die Hauptstütze des bemannten chinesischen Weltraumprogramms. Seit ihrem Erstflug im Jahr 1999 flog sie neun Starts, wobei der bisher letzte am 29. September 2011 die erste chinesische Raumstation, Tiangong 1, startete. Die Langer Marsch 2F basiert dabei auf der wenig erfolgreichen Langer Marsch 2E, wurde aber im Gegensatz zu ihr stark modifiziert, vor allem die Zweitstufe, die für die Shenzhou-Raumschiffe verstärkt wurden. Auch wurden die startkritischen Systeme, so etwa die Subsysteme der Triebwerke, redundant ausgelegt. Die größte Veränderung war eine neue Nutzlastverkleidung, die stark der der russischen Sojus-FG-Rakete bei bemannten Starts ähnelt.

Die gestartete Nutzlast ist das unbemannte Raumschiff Shenzhou 8. Die Shenzhou-Raumschiffe sind vergrößerte und modernisierte Versionen des russischen Sojus-Raumschiffes, das schon seit 1967 alle russischen Kosmonauten in den Weltraum bringt. Erstmalig ist die Shenzhou 8 mit einem Kopplungsstutzen ausgerüstet, der dem russischen androgynen APAS 89-Kopplungsstutzen, der auch im amerikanischen Space Shuttle genutzt wurde. Im Gegensatz zum Original wurde das chinesische Produkt vergrößert, damit größere Elemente die Luke passieren können. Die Mission von Shenzhou 8 besteht darin, an die vor einem Monat gestartete chinesische Raumstation Tiangong 1 zu koppeln. Es wird der erste Versuch Chinas sein, zwei Raumschiffe miteinander anzukoppeln. Dafür nutzt man auch ein eigenes Laserentfernungssystem, das in vom Prinzip her auch im europäischen ATV genutzt wird. Die Kopplung erfolgt ähnlich wie bei den russischen Systemen Sojus und Progress. Dieser Flug ist gleichzeitig auch eine Testmission für die nächsten zwei Flüge zur Raumstation, nämlich Shenzhou 9 und Shenzhou 10. Diese beiden Flüge werden auch bemannt sein.

Das Ziel der Mission ist die chinesische Raumstation Tiangong 1. Sie ist eine umgebaute Version des Shenzhou-Raumschiffes. Man modifizierte das Service-Modul von Shenzhou für einen längeren Aufenthalt im Orbit und baute ein neues Orbitalmodul darauf. Die Raumstation an sich ist 9 m lang, hat einen Durchmesser von maximal 2,8 m und wiegt voll betankt und beladen 8,4 Tonnen. Am Service-Modul ist ein Paar von Solarzellen befestigt, welche etwas größer sind als die von Shenzhou sind. Das Orbitalmodul ist im Volumen in etwa vergleichbar mit dem ISS-Modul Rasswjet. Genauso wie Shenzhou besitzt es einen androgynen Kopplungsadapter, der dem APAS 89 ähnelt.

37 Minuten nach dem Start nahm SIMBOX ihren Betrieb auf und sendete erste Telemetrie-Daten zum Boden. Von nun an werden am Tag mindestens 5 Übertragungszeiten von jeweils 15 Minuten Dauer für die Übertragung von wichtigen Informationen der Experimentierbox. Diese Daten sind wichtig für die sich am Boden befindende Kontrollbox. Eine detaillierte wissenschaftliche Auswertung der Experimente kann jedoch erst nach erfolgreicher Landung und Bergung erfolgen.

Zwei Tage nach dem Start, am Mittwoch, den 2. November Mitteleuropäischer Zeit, wird voraussichtlich, nach derzeitigem Kenntnisstand von Raumfahrer.Net, die Kopplung von Shenzhou 8 mit der chinesischen Raumstation Tiangong 1 erfolgen. Davor sind aber fünf verschieden lange Orbitmanöver nötig, um die Umlaufbahnen von Raumstation und Raumschiff aneinander anzugleichen.Der exakte Zeitpunkt der Kopplung wird abhängig von dem Erfolg des Missionsverlaufs der ersten zwei Tage sein. Nach dem erfolgreichen Ankoppeln wird Shenzhou 8 12 Tage an Tiangong 1 angekoppelt bleiben danach wird Shenzhou 8 abkoppeln und ein Wiederankopplungsmanuever durchführen und danach zwei weitere Tage an der Station angekoppelt bleiben. Dann wird Shenzhou 8 ein letztes Mal von der Station abkoppeln und kurz danach voraussichtlich ca. 300km entfernt von Peking via Fallschirm landen.

SIMBOX ist eine Kooperation zwischen dem DLR und der chinesischen Raumfahrtagentur für bemannte Flüge (CMSEO). Die 34,6 kg Box mit 37 Litern Volumen beherbergt 40 Experimentierkistchen, deren Größe jeweils der einer Zigarettenschachtel entspricht. Insgesamt 17 Experimente aus verschiedenen Bereichen der Biologie sollen das Wissen über das Verhalten von Zellen in der Schwerelosigkeit erweitern. So werden unter anderem Schnecken und Algen in einem geschlossenen Ökosystem untersucht. Mehr Informationen zu den wissenschaftlichen Zielen von SIMBOX finden Sie in unserem detaillierten Bericht

Vielen Dank für die ausführlichen Infos an Dr. Markus Braun vom DLR und Florian Kohn von der Universität Hohenheim.

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Weitere Bilder finden Sie in unserer Mediengalerie
(Autor: Daniel Maurat - Quelle: CCTV, DLR, raumfahrer.net, Uni Hohenheim, Astrium)



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Das deutsch-chinesische Gemeinschaftsprojekt SIMBOX von Simon Plasger

Mit 17 Experimenten bestückt wird SIMBOX an Bord von Shenzou 8 in den Orbit fliegen. Während das Raumschiff an der chinesischen Raumstation Tiangong 1 angedockt ist, werden in ihr verschiedene biologische Phänomene untersucht.

Sie ist nur 25 kg schwer und hat nur ein Volumen von 34 Litern – trotzdem wird mit dem deutsch-chinesischen Inkubator SIMBOX große wissenschaftliche Arbeit geleistet werden. Zehn chinesische und sechs deutsche Experimente sowie ein weiteres in Kooperation werden dazu beitragen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. In insgesamt 40 Kistchen, die jeweils ungefähr die Größe einer Zigarettenschachtel haben, werden verschiedene Zellen untersucht. Erforscht werden soll unter anderem die Auswirkung der Schwerelosigkeit auf das Immunsystem des Menschen und das „Oben/Unten-Empfinden“ von Pflanzen. Einige Kisten sind dabei der Schwerelosigkeit ausgesetzt, andere befinden sich in einer Zentrifuge, welche die Erdschwerkraft simuliert.

Bildung von Natriumkanälen in menschlichen Zellmembranen unter Schwerelosigkeit

Die Informationsverarbeitung im zentralen Nervensystem des Menschen beruht auf sogenannten Spannungspotentialen, welche entstehen, wenn ein Reiz auf eine Zelle trifft. Dabei werden diese Reize durch die Zellmembran transportiert. Dies geschieht durch Natriumkanäle, Kanäle mit einer erhöhten Leitfähigkeit für Natrium-Ionen. Mithilfe des Experiments der Universität Hohenheim soll nun untersucht werden, wie sich die Bildung von Natriumkanälen in der Schwerelosigkeit von denen auf der Erde unterscheidet. Dazu wurden Zellen von menschlichen Hirntumoren durch chemische Eingriffe in Zellen umgewandelt, die denen des Nervensystems ähneln.

Zu Beginn des Experiments sind in den Zellen keine Natriumkanäle enthalten. Der Vorgang der Entstehung dieser Kanäle wird von Wissenschaftlern an Zellen, die der Schwerelosigkeit ausgesetzt sind, untersucht. Nach der Landung und erfolgter Bergung werden diese Proben mit solchen aus der Zentrifuge und Referenzobjekten, die am Boden geblieben sind, verglichen.

Wie beeinflusst die fehlende Schwerkraft menschliche Krebszellen?

Diese Frage haben sich Forscher der Universität Magdeburg gestellt. Um sie zu beantworten, fliegen an Bord von Shenzou 8 menschliche Schilddrüsenkrebszellen mit, welche bereits bei Parabelflügen in sehr kurzer Zeit fehlender Schwerkraft Reaktionen gezeigt haben. So wurde unter anderem eine erhöhte Sterblichkeitsrate der Zellen festgestellt, aber auch die Zellstruktur veränderte sich. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass unter simulierter Schwerelosigkeit drei-dimensionale Gebilde (Sphäroiden) entstehen. Diese wird durch sogenannte Klinostaten erzeugt, welche durch unregelmäßige Drehung der Proben bewirkt, dass die Erdschwerkraft für sehr kurze Zeiten aus den verschiedensten Richtungen auf die Zellen wirkt.

Mit den Proben im SIMBOX-Experiment sollen die verschiedenen Phänomene genauer untersucht werden. So können beispielsweise Erkenntnisse über die Entstehung von Sphäroiden dazu genutzt werden, diese gezielt zu erzeugen. An ihnen könnten dann Anti-Tumor-Medikamente getestet werden, ohne dass Tierversuche durchgeführt werden müssten.

Die Schwächung des Immunsystems in der Schwerelosigkeit

Auf vielen bemannten Raumfahrtmissionen wurde bereits beobachtet, dass das menschliche Immunsystem bereits nach kurzer Zeit nicht mehr die Leistung erbringen konnte, die von ihm auf der Erde erwartet wurde. Auch auf Parabelflügen und Höhenforschungsraketen konnte festgestellt werden, dass viele wichtige Angriffsfunktion der sogenannten Fresszellen (Makrophagen) ausfielen und diese Zellen Moleküle verloren, die für die Kommunikation mit anderen Zellen unabdingbar waren. Außerdem kamen die inneren Steuerungsmechanismen schnell durcheinander.

Im SIMBOX-Experiment der Universität Magdeburg soll nun untersucht werden, wie stark sich diese Fresszellen nach längerer Zeit in der Schwerelosigkeit verändern. Welche Funktionen sind auch nach mehreren Tagen noch erfüllt? Können sich die Fresszellen auf die fehlende Schwerkraft anpassen und ihre Funktion wiederherstellen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen kann die bemannte Raumfahrt in vielen Schritten weiterbringen und auch Grundsteine für längere Raumfahrtmissionen zu entfernteren Zielen wie Mars und verschiedenen Asteroiden legen.

Wie reagieren Pflanzen auf sich verändernde Schwerkraftfelder?

Pflanzen benötigen eine ausgeprägte Wahrnehmung von „oben“ und „unten“, um die korrekte Ausrichtung von ihren Bestandteilen sicherzustellen. Beispielsweise müssen Blüten in Richtung Sonne zeigen, um genug Energie aufnehmen zu können. Dafür besitzen Pflanzen bestimmte Mechanismen, welche eine solche Orientierung mithilfe der Schwerkraft vornehmen können. Diese wirken jedoch nicht nur bei kompletten Pflanzen, sondern auch auf Zellebene.

Am Beispiel von Zellkulturen der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) wird im Rahmen von SIMBOX nun untersucht, wie Pflanzen auf sich verändernde Schwerkraftfelder reagieren. Aus vorhergehenden Untersuchungen ist bekannt, dass sich die Zellen bereits nach wenigen Sekunden verändern. An Bord von Shenzou 8 sollen nun die Auswirkungen von längerer Schwerelosigkeit untersucht werden. Um die Auswirkungen zu untersuchen, werden die Genexpressionen (Ausprägung des Erbbildes) der Zellen mit identischen Objekten verglichen, die auf der Erde zurückgeblieben sind. Das Experiment wurde von der Fakultät für Biologie an der Universität Tübingen entwickelt.

Pflanzenwachstum unter Schwerelosigkeit

Viele Pflanzen richten ihr Wachstum nach der Schwerkraft aus, so dass ein Wegfall dieser eine Änderung im Wachstumsvorgang bedeutet. Dieser Vorgang wurde bereits auf der Internationalen Raumstation ISS am Beispiel der Ackerschmalwand untersucht, wobei herausgefunden wurde, dass das Pflanzenhormon Auxin eine erhebliche Rolle in diesem Prozess spielt.

An Bord von SIMBOX werden nun fünf Tage alte Keimlinge der Pflanze sowie solche einer Mutante, deren Schwerkraftwahrnehmung wahrscheinlich im Auxin-Signalweg gestört ist, gestartet. Nach der Landung wird das Erbbild der Pflanzen untersucht. Man erhofft sich von diesem Experiment der Universität Freiburg eine genauere Aufklärung der Signalverarbeitung beim schwerkraftorientierten Wachstum von Pflanzen.

Ein Ökosystem in einer Zigarettenschachtel

In einem Ökosystem benötigen Tiere Sauerstoff und produzieren als Abfallprodukt Kohlenstoffdioxid. Pflanzen hingegen benötigen dieses Gas für ihre Wachstumsvorgänge und geben als Abfallstoff Sauerstoff ab. Dieser Prozess kann auch für zukünftige Missionen nützlich sein, so können beispielsweise größere Gärten an Bord des Raumschiffes betrieben werden, um die Besatzung mit Sauerstoff zu versorgen und das Kohlenstoffdioxid aus der Bordatmosphäre zu filtern.

An Bord von SIMBOX soll ein Experiment, welches in Kooperation zwischen Deutschland und China betrieben wird, ein geschlossenes Miniökosystem aus Algen und Schnecken untersuchen. Während des Flugs und nach der Landung werden die Algenpopulationen aus dem Orbit mit solchen in einem Kontrollexperiment auf der Erde verglichen. Ziel ist es, weitere Erkenntnisse über den Einfluss der Schwerkraft und Weltraumstrahlung auf die Zellen zu gewinnen.

Wie orientieren sich Augentierchen in der Schwerelosigkeit

Augentierchen orientieren sich auf der Erde mithilfe der Schwerkraft und des Lichtes. Diese beiden Umgebungsmerkmale nutzt die Euglana gracilis genannte Süßwasseralge, um in Wasserschichten mit optimalen Lichtverhältnissen für die Photosynthese zu gelangen.

Bereits vor längerer Zeit wurden verschiedene Moleküle identifiziert, die für die Wahrnehmung dieser beiden Parameter wichtig sind. Auch konnte nachgewiesen werden, dass sich die Augentierchen nach längeren Raumflügen nicht mehr optimal an der Schwerkraft orientieren konnten. Mit dem SIMBOX-Experiment sollen die Orientierungsmechanismen des Einzellers besser erforscht werden als dies bisher möglich war.

Zu den letzten beiden genannten Experimenten und möglichen Folgeprojekten führte Raumfahrer.net ein Interview mit dem leitenden Wissenschaftler Dr. Michael Lebert von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Raumfahrer.net: Wie sind die Ideen für die Experimente, die Sie in der Präsentation erwähnt haben, entstanden? Und warum wurden gerade diese beiden für SIMBOX ausgesucht?

Dr. Lebert: Der Auswahlprozess läuft natürlich beim DLR, wir reichen nur Projektvorschläge ein. Beide Projekte, die ich eingereicht habe, waren auf der Basis von aktueller Forschung dort, wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade angefangen zu verstehen, wie die Zelle Euglena gracilis in der Lage ist, Schwerkraft wahrzunehmen und wir waren unglaublich daran interessiert, was denn eigentlich passiert, wenn die Schwerkraft nicht da ist, also was passiert da auf molekularem Niveau. Wir arbeiten seit 1995 an diesen Minilebenssystemen und das hat sich einfach angeboten, die Gelegenheit war zunehmen und zu schauen, wie klein man das eigentlich bauen kann. Und eine Zigarettenschachtel ist schon sehr klein.

Raumfahrer.net: Es gibt nun ja schon Planungen für Nachfolgemissionen von SIMBOX. Soll es da auch wieder Experimente von der Universität Erlangen-Nürnberg geben.

Dr. Lebert: Das müssen Sie das DLR fragen. Wir werden auf jeden Fall einen Projektvorschlag einreichen, inwiefern wir unser Experiment weiterführen können. Das nächste große Projekt ist allerdings auf dem Bion-Satelliten, welcher über vier Wochen fliegt. Das ist dann allerdings ein wesentlich größeres System mit einem Volumen von insgesamt fünf Litern reine biologische Masse, womit man ganz anders arbeiten kann. Das soll aber nicht heißen, dass die kleinen Systeme keinen Sinn haben. Ich muss gestehen, dass wir über dieses kleine System über unser großes System viel mehr gelernt haben, als wir je erwartet haben.

Raumfahrer.net: Was ist bei dem Bion-Satelliten genau für ein Experiment geplant?

Dr. Lebert: Es ist eine Art Lebensraum geplant, wo es eine Interaktion zwischen Fischen, kleinen Wasserflöhen, Algen und höheren Pflanzen gibt. Dort werden dann sämtliche Parameter, von denen wir wissen, dass sie eine Rolle spielen, aufgenommen und gespeichert und können später ausgewertet werden. Gleichzeitig können wir auch die Organismen aufnehmen und wir können die Fotosynthese, also die Lichtenergiespeicherung der Pflanzen und Algen untersuchen.

Raumfahrer.net: Vielen Dank!

Neben den genannten deutschen Experimenten fliegen auch 10 weitere von chinesischen Universitäten mit. Über die genaueren wissenschaftlichen Ziele dieser Untersuchung werden wir wenn möglich im Verlauf des Fluges berichten.

SIMBOX soll am 31. Oktober 2011 um 23:00 Uhr MEZ (1. November 6:00 Uhr Ortszeit) an Bord der Kapsel Shenzou 8 auf einer Trägerrakete von Typ Langer Marsch 2F zur Raumstation Tiangong 1 starten. Über den weiteren Verlauf dieser spannenden Mission werden wir Sie natürlich auf dem Laufendem halten.
 

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Langer Marsch 2F von Daniel Maurat

Sie ist die Hauptstütze des chinesischen bemannten Raumfahrtprogramms: Die Langer Marsch 2F startet die bemannten Shenzhou-Kapseln ins All.

Geschichte

China begann im Jahr 1992 damit, ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm aufzubauen, das Programm 921. Dieses beinhaltete dem moderaten Ausbau von Kompetenzen wie Kapselbau, Lebenserhaltungssysteme, Startrettungssystemen und vielem mehr. Daraus bildete sich das Shenzhou-Programm, wobei man sich sehr beim russischen Raumfahrzeugssystem Sojus bedient hat. Denn der neuen Shenzhou-Kapsel konnte man die Verwantschaft mit dem russichen Kapseln deutlich ansehen: Sie war etwa 13% größer als die russische Sojus, aber auch moderner ausgestattet, um so den Astronauten mehr Komfort zu geben als es in den russischen Kapseln gab. Zudem war das neue Orbitalmodul nun auch mit Solarzellen ausgestattet worden und hatte soager ein eigenes Lageregelungssystem, womit diese auch nach dem Abtrennen vom restlichen Raumschiff genutzt werden konnte. Doch brauchte man für diese neue Kapsel einen Träger, der sie starten konnte.

Man kam schnell dazu, die Langer Marsch 2E, auch CZ 2E genannt, als Basis für diesen neuen Träger zu nutzen. Dazu musste man aber zunächst diesen Träger modifizieren, um das neue Shenzhou-System starten zu können. Zunächst wurde die Redundanz der wichtigsten Systeme erhöht, um so die Sicherheit der Crew zu erhöhen. Auch wurden eine Riehe von Sensoren eingebaut, die einen Triebwerksschaden sofort erkennen und augenblicklich das Startrettungssystem aktivieren. Neben diesen Änderungen wurde die Zweitstufe strukturell verstärkt, um das Gewicht der immerhin über 8 Tonnen schweren Shenzhou-Kapsel tragen zu können. Die wohl auffälligste Neuerung ist die neue Nutzlastverkleidung: diese ähnelt startk der Sojus und besitzt nun einen Rettungsturm (Launch Abort System, LAS) und vier Leitschaufeln, die die Kapsel im Falle einer Aktivierung des LAS stabilisiere soll. Eine Besonderheit der Nutzlastverkleidung ist, dass sie auch Teil des LAS ist, denn schon nach etwa 120 Sekunden Flugdauer wird der Rettungsturm abgesprent. Erst etwa 200 Sekunden nach dem Start wird auch die Nutzlastverkleidung abgetrennt. In diesem Zeitraum von 80 Sekunden würde im Notfall eine Reihe von kleineren Raketen, die an der Nutzlastverkleidung angebracht sind, das Raumschiff von der Rakete wegbringen.

Nach ihrem dritten Start im Jahr 2002 bekam die Rakete auch einen eigenen Spitznamen: Chinas Präsident Zenan nannte die Rakete Shenjian (chin. für göttlicher Pfeil), da sie bis dahin ohne große Probleme ihre Flüge abwickelte.

Nachdem China 2007 das Tiangong-Programm (auch Projekt 921-2 genannt) verkündigte, rätselte man im Westen welcher Träger dieses Raumlabor starten sollte. Einige rätselten mit der neuen CZ 5-Serie, doch ist sie (Stand: Oktober 2011) bis heute noch nicht im Einsatz und wird dies in naher Zukunft auch nicht sein. So fiel das Augenmerk schnell auf Chinas bis dahin stärksten Träger: der CZ 2F. Das Tiangong-Raumlabor ist dabei nur wenig größer als das Shenzhou-Raumschiff und soll nur zur Technologieerwerbung und -Erprobung dienen, weswegen dieser Träger ausreicht, um das Labor zu starten. Doch brauchte man nun keine vor allem durch das LAS schwere Nutzlastverkleidung, sondern konnte einfach eine "einfache" Nutzlastverkleidung, ähnlich denen der anderen chinesischen Träger, nutzen. So konnte die neue Rakete, die man CZ 2G (auch CZ 2F/G) nannte, mehr Nutzlast in den Erdorbit starten.

Technik

Die CZ 2F ist ein Kind der CZ 2E und hat somit einen ähnlichen Aufbau:

  • Die Booster stammen direkt von der CZ 2E und tragen die Bezeichnung LB-40. Sie sind 15,33 m lang, haben einen Durchmesser von 2,55 m und wiegen voll betankt 41 t. Das einzelne YF-20B-Triebwerk, welches auch in der Erststufe genutzt wird, liefert für 291 Sekunden Brenndauer einen Schub von 740,4 kN pro Booster, also insgesamt 2.961,6 kN Schub. Als Treibstoff nutzt man den bewährten Treibstoffmix aus UDMH (Unsymetrisches Dimethylhydrazin) als Treibstoff und N2O4 (Distickstofftetroxid) als Oxydator.


  • Die Erststufe stammt auch direkt von der CZ 2E und heißt auch L-140. Sie ist 23,7 m lang, hat einen Durchmesser von 3,35 m und wiegt voll betankt 196,5 t. Das aus vier YF-20B bestehende YF-21B-Triebwerk liefert einen Schub von 2.916,6 kN bei einer Brenndauer von 166 Sekunden. Als Treibstoff nutzt man UDMH, als Oxydator N2O4.


  • Die Zweitstufe stammt auch, wie die restlichen Stufen der Rakete, von der CZ 2E, wurde aber strukturell verstärkt, um die Shenzhou-Kapsel aufnehmen zu können. Sie trägt auch die Bezeichnung L-80. Sie ist 15,53 m lang, hat einen Durchmesser von 3,35 m und wiegt voll betankt 93,15 t. Das Triebwerk vom Typ YF-24B, welches widerum aus einen Haupttriebwerk YF-22B und vier Verniertriebwerken YF-23B besteht, liefern für 295 Sekunden Brenndauer einen Schub von insgesamt 831 kN. Als Treibstoff nutzt man UDMH, als Oxydator N2O4.


Starts

Gestartet werden die CZ 2F und CF 2G alle ausnahmslos vom chinesischen Weltraumbahnhof Jiuquan in der Provinz Gansu in der inneren Mongolei. Dazu baute China eigens eine neue Startrampe, nämlich , die sehr "westliche" Züge hat. Denn auf den ersten Blick erinnert die Startrampe etwas an das Kennedy Space Center in Florida. Das liegt am so genannten Vehicle Assembly Building, in dem bis zu zwei Raketen gleichzeitig zusammengebaut werden koönnen und dann zum eigentlichen Startturm mittels einer Gleisbahn, ähnlich wie das Ariane-System der Europäer, transportiert wird. Das Vehilce Assembly Building hat nicht nur vom Namen her Ähnlichkeiten mit seinem amerikanischen Pendant in Florida, auch sieht es aus wie eine Kopie des Original. Aber auch die Trennung von Montageplatz und Startplatz ist für China ungewöhnlich, da zumeist (ähnlich der amerikanischen Delta II oder Delta IV) auf der Startplattform schon montiert werden, der Montageturm weggefahren wird und die Rakete startet.

Insgesamt gab es seit 1999 acht Starts der CZ 2F und der CZ 2G, sieben Mal die CZ 2F und einmal die CZ 2G. Dabei starteten sieben Shenzhou.Kapseln, wovon die letzen drei bemannt waren, sowie die erste chinesische "Raumstation", Tiangong 1.

Dabei gab es am 15. Oktober 2003 das größte Debut für China, als eine CZ 2F das Raumschiff Shenzhou 5 startete. An Bord war der erste Chinese im All, der Luftwaffenpilot Yang Liwei, der China nach Russland und den USA zur dritten Nation machte, die eigenständing Raumfahrer starten können. Nach etwas mehr als einem Tag im Orbit landete er wieder sicher auf der Erde und wurde als Held empfangen.

Am 12. Oktober 2005 folgte Chinas nächster Streich, als Shenzhou 6 gestartet wurde. Dabei starteten die beiden Taikonauten Fai Julong und Nie Haisheng, die einen mehrtägigen Aufenthalt im Orbit hatten und eine Reihe von Tests und Experimenten durchführten.

Der bisher letzte bemannte Flug startete am 25. September 2008, kurz nach dem Ende der Olympischen Spiele in Peking. Die Hauptaufgabe der Besatzung, bestehend aus Zhai Zhigang, Liu Boming und Jing Haipeng, bestand darin, die erste chinesische EVA (engl. Extra Vehicular Activity für Außenbordaktivität) durchzuführen. Dazu wurde das Orbitalmodul zu einer luftschleuse umgebaut, wovon aus Zhai und Liu in den Weltraum ausstiegen. Das große Öffentlichkeitsinteresse, auch in den westlichen Ländern, machte die Mission für China einen großen Propagandaerfolg.

Der bisher einzige Start einer CZ 2G fand am 29. September 2011 am. Dabei startete man Chinas erste Raumstation, Tiangong 1. Diese wird vor allem der Technologieerprobung und der Erlernung des Stationsbetriebes dienen. Dabei hat man ein neues Orbitalmodul gebaut und dieses auf ein modifiziertes Servicemodul der Shenzhou-Kapseln gesetzt wurde. In den nächsten Jahren werden noch zwei Nachfolgestationen kommen, die Tiangong 1 äußerlich gleichen werden, aber trotzdem deutlich fortgeschrittener sein werden als ihr Vorgänger. Darauf will China eine eigene modulare Raumstation starten.

Bislang sind drei weitere Starts geplant, die allesamt Tiangong 1 als Ziel haben werden. Shenzhou 8 soll ein unbemannter Flug sein, wobei vor allem die Koppplund im Vordergrund steht und dies für die bemannten Flüge genutzt werden soll. Der Start ist (Stand: Oktober 2011) für November 2011 geplant. Shenzhou 9 soll erst 2012 starten und wird die erste chinesische Raumstationsbesatzung darstellen. Sie soll etwa zwei bis drei Wochen an der Station angekoppelt bleiben und vor allem den Umgang mit einer Raumstation erlernen. Shenzhou 10 schließlich ist der letzte Flug zu Tiangong 1, wieder bemannt.

Zukunft

Die Tage für die CZ 2F sind wohl gezählt. Nachdem erst die neue chinesische Trägerfamilie um die Träger CZ 5, CZ 6 und CZ 7 im Einsatz sein wird, werden die bisherigen Trägersysteme CZ 2, CZ 3 und CZ 4 ausgemustert. Die liegt vor allem an der Tatsache, dass die Treibstoffe dieser Träger hoch toxisch sind und so nicht sehr beliebt im Betrieb sind. Dazu gehört auch die CZ 2F, die von der CZ 7 in ihrer Aufgabe als Träger für die Shenzhou-Kapseln ersetzt werden soll.
 

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Shenzhou von Felix Korsch und Daniel Maurat

Die Shenzhou-Raumschiffe sind die Basis der bemannten chinesischen Raumfahrt. Mit ihnen flog der erste Taikonaut in den Orbit und es wird als Zubringer die chinesischen Raumstationen versorgen.

Geschichte

Die Geschichte eines bemannten chinesischen Raumschiffes begann im Jahr 1989, als die chinesische Regierung beschloss, ein bemanntes Weltraumprogramm aufzubauen. Als Träger fand man schnell die Langer Marsch 2E, welche nur noch modifiziert werden musste. Daraus entwickelte sich die Langer Marsch 2F. Doch war die Frage um die Raumkapsel noch nicht sicher. Es gab eine Reihe von Vorschlägen, über eine bemannte Version der FSW-Rückführkapseln, die man schon in den 1970er Jahren besprochen hat über sogar einem Mini-Shuttle, ähnlich dem Konzept Hermes der ESA. Schließlich legten 1991 die drei großen chinesischen Weltrauminstitute, CAST (China Academy for Spaceflight Technology), SAST (Shanghai Academy for Spaceflight Technology) und CALT (China Academy for Launch Vehicle Technology ihre Verschläge vor. Dabei schlugen sowohl CAST als auch SAST ein Konzept, ähnlich dem des russischen Sojus-Raumschiffes, also ein Orbital-, ein Wiedereintritts- und ein Service-Modul, nur größer und mit einem neu konfigurierten Orbitalmodul, vor. Das Konzept von CAST wurde schließlich 1993 angenommen und die Firma zum Hauptauftragnehmer ernannt. SAST sollte dabei das Service Modul und das Antriebssystem entwickeln. Das bemannte Raumfahrtprogramm bekam zunächst den nichts sagenden Namen Projekt 921, das Raumschiff den Namen Projekt 921-1.

In der darauffolgenden Zeit bekam China Hilfe bei der Entwicklung für ihr Raumschiff: Russland half dem Reich der Mitte damit, dass sie viel Technologie der Sojus-TM-Raumschiffe nach China transferierten. Unter anderem waren darunter die Wiedereintrittskapsel mit Landesystem, das Lebenserhaltungssystem, das Startabbruchssystem, androgyne Kopplungsstutzen vom Typ APAS 89 sowie Durckanzüge vom Typ Sokol, welche von den russischen Kosmonauten beim Start getragen werden. Insgesamt aber vergrößerten die Chinesen das neue Raumschiff, um so mehr Platz für die Crew zu erhalten.

Die wohl größte Veränderung betriaf das Orbitalmodul: Dieses wurde neu konstruiert und sollte nun in der Lage sein, auch nach dem Abtrennen vom restlichen Raumschiff autonom zu arbeiten. Dazu erhielt es ein Paar Solarzellen und ein eigenes Lageregelungssystem.

Nachdem China seine Ambitionen von einem bemannten Weltraumprogramm Ende der 1990er Jahre der Welt verkündete, brauchte das neue Raumschiff einen Namen. Diesen erhielt es vom chinesischen Präsidenten, Jiang Ze-Min. Er nannte das neue Raumschiff Shenzhou, was übersetzt soviel wie "Götterschiff" oder "göttliches Schiff" bedeutet.



Orbitalsektion

Das Orbitalmodul der Shenzhou ähnelt nur noch in Ansätzen dem russischen Vorbild. Die auffälligsten Unterschiede sind die zylindrische Form des Moduls sowie (bei den ersten sechs Flügen) das zusätzliche Paar Solarpaneele. Dieses braucht es, um über eine längere Zeit autonom im Erdorbit arbeiten zu können. Das Modul an sich ist 2,8 m lang, hat einen Durchmesser von 2,8 m und wiegt voll betankt 1,5 t. Mit den Solarpaneelen hat es eine Spannweite von 10,8 m, wobei jedes Solarpaneel eine Länge von 3,5 m und eine Breite von 2 m hat. Diese Solarpaneele haben eine Fläche von 12,24 m2, womit sie eine Leistung von 0,5 kW generiert werden können. Um die Menge an elektrischer Energie, die sie erhalten, zu maximieren, sind sie drehbar angelegt, damit sie sich immer optimal zur Sonne ausrichten können. Im Inneren stehen der Besatzung 8 m3 Wohnvolumen zur Verfügung. Es besitzt auch über ein eigenes mit Hydrazin betriebenes Lageregelungssystem mit 16 x 5 kN-Triebwerken, welche über das eigene Steuerungssystem gesteuert wurden. Ab Shenzhou 7 verzichetete man aber beim Orbitalmodul über die Fähigkeit des autonomen Betriebes und entfernte Solarpaneele, Steuerungs- und Lageregelungssystem.

An der Front des Moduls befanden sich bis Shenzhou 7 eine Reihe von Nutzlasten, mit denen entweder die Erde untersucht werden konnte oder missionsspezifische Aufgaben erledigt werden konnten. Ab Shenzhou 8 befindet sich an dieser Stelle der Kopplungsstutzen, der aus dem russischen APAS 89-Kopplungsstutzen entwickelt wurde. Am gegenüberliegendem Ende des Moduls, dem Heck, befindet sich ein Kopplungsstutzen für die Landekapsel, wodurch die Besatzung zwischen den beiden Teilen des Raumschiffes wecheln kann. Vor der Landung wird die Luke zwischen beiden Modulen verschlossen und das Orbitalmodul abgesprent. Dies geschiet vor dem Deorbit-Manöver, um so Treibstoff zu sparen, den man sonst dazu benutzten müsste, auch noch das Orbitalmodul abzubremsen.

Das Orbitalmodul ist sehr vielseitig. Neben ihrer früheren Aufgabe als Forschungssatellit, wobei sie bis zu 200 Tage im Erdorbit betrieben werden konnte, wurde sie schon im Rahmen der Mission Shenzhou 7 als Luftschleuse für Außenbordaktivtäten (EVA) genutzt. Dazu verfügte sie über eine spezielle Luke in der Hülle, wodurch die Taikonauten aussteigen konnten.

Landekapsel

Die Landekapsel basiert auf ihrem Pendant aus Russland, der Sojus. Sie ist aber im Gegensatz zu ihr größer und bietet mehr Raum in Inneren. Sie ist 2,5 m lang, hat einen Basisdurchmesser von 2,25 m und wiegt beim Start 3,24 t. Der Hitzeschild wiegt 450 kg und durch diesen ist die Landekapsel das einzige Element des Shenzhou-Raumschiffes, das auch zur Erde zurückkehrt. Im Inneren bietet es ein Volumen von 6 m3 und ist für drei Taikonauten ausgelegt. Es ist also etwa 13% größer als die Landekapsel der Sojus. Es hat im aktiven Zustand eine Lebensdauer von 20 Tagen und verfügt zur Lageregelung während der Zeit des Alleinfluges ohne Servicemodul, des Wiedereintritts in die Atmosphäre und dem Flug noch ohne Fallschirm über acht 150 N starke Lageregelungstriebwerke, welche Hydrazin als Treibstoff nutzen.

Im Inneren ähnelt die Shenzhou-Landekapsel stark derjenigen, die für die Sojus genutzt wird, ist aber moderner gestaltet. So nutzt man auch, wie im russischen Original, ein Pereskopsystem, mit dem die Taikonauten Objekte für das Docking mit dem Auge suchen oder das Raumschiff für den Wiedereintritt ausrichten können. Auch die Instrumente und die Flugsteuerungselemente ähneln denen der Sojus, sind aber moderner als die im russischen Raumschiff und die Taikonauten verbringen Start und Landung in individuell geformten Schalensitzen. Zuletzt gleichen sich die Landungtechniken beider Raumschiffe: wie auch bei der Sojus besitzt die Shenzhou-Landekapsel einen kleinen Hilfsschirm, der später den großen Hauptfallschirm aus seinem Stauraum zieht. Das Fallschirmsystem ist redundant ausgelegt, das heißt, dass die Kapsel über einen Reserveschirm verfügt. Der Hitzeschild wird kurz vor Landung abgeworfen und Sekunden vor der Bodenberührung feuern vier kleine Feststufftriebwerke im Boden der Kapsel, um sie weiter abzubremsen und die Landung für die Besatzung nicht zu hart werden zu lassen. Die Landekapsel ist für Landungen an Land ausgelegt, kann aber im Notfall auch eine Wasserlandung durchführen.

Servicemodul

Das Servicemodul des Raumschiffes ist größer als sein Vorbild aus Russland und für längere Flüge ausgelegt. In ihm sind die wichtigsten Versorgungssystme, etwa Luft-, Wasser- und Energiesystem sowie die Triebwerke und die Lageregelung integriert. Es ist 2,94 m lang, hat einen Durchmesser von 2,5 m, wobei es an der Basis sogar einen Durchmesser von 2,8 m hat, und wiegt voll betankt 3 t. In ihm sind die Luft-, Wasser- und Treibstoffvorräte des Raumschiffes. Alleine an Treibstoff kann es 1 Tonne aufnehmen. Das Servicemodul verfügt über ein Paar Solarpaneele, welche aus vier Elementen bestehen. Diese vier Elemente werden vor dem Start zusammengeklappt, um Platz zu sparen, und erst im Welraum entfaltet. Insgesamt haben sie eine Spannweite von 17 m und haben eine Fläche von 24,48 m2, oder auch je eine Länge von 7,5 m bei einer Breite von 2 m. Sie können etwa 1 kW erlektrische Leistung generieren und so die Besatzung und die verschiedenen Systeme des Raumschiffes mit Energie versorgen.

Das Servicemodul verfügt über eine Reihe von Triebwerken: acht Triebwerke mit 150 N Schub am Heck dienen für kleine Bahnänderungsmanöver, etwa für ein Rendezvous-Manöver oder eine Kopllung. 16 Triebwerke mit einem Schub von je 5 N gehören zum Lageregelungssystem und dienen zur Lageregelung im Raum. Und zuletzt vier je 2,5 kN starke Haupttriebwerke, mit denen der Deorbit des Raumschiffes durchgeführt wird. Zum Betrieb nutzen alle Triebwerke einen Treibstoffmix aus Monomethylhydrazin (MMH) und Distickstofftetroxid (N2O4) als Oxydator. Es kann aktiv etwa 20 Tage im Orbit verbleiben, im "Stand-By"-Modus sogar fast ein Jahr.

Rettungssystem

Das Rettungssystem (auch LAS für Launch Abort System) der Shenzhou erinnert zwar an das der Sojus, doch besitzt es einige weltweit einzigartige Details. Entwickelt wurde es von der Academy of Aerospace Solid Propulsion Technology, auch (4th Academy) genannt. Der Rettungsturm an sich ist 15,1 m lang und hat einen Durchmesser von 67 cm. Mit ihm befestigt ist die Nutzlastverkleidung, welche über vier so genannte "Luftschaufeln" verfügt. Diese stabilisieren und steuern das zu rettende Raumschiff bei einer Aktivierungs des LAS. Bei einer Aktivierung werden das Orbitalmodul und die Landekapsel von der restlichen Rakete gerissen und in einen sicheren Abstand gebracht. Nachdem die Rettungsrakete ausgebrannt ist, eine sichere Entfernung zur Rakete erreicht ist und das LAS richitg ausgerichtet ist, wird die Landekapsel vom Orbitalmodul und von der Nutzlastverkleidung abgetrennt. Danach führt es eine normale Landung durch.

Ein Problem dieses LAS ist, dass es schon nach 120 Sekunden Flug, noch vor den Boostern der Langer Marsch 2F, abgeworfen wird. Sollte es danach zu einem Umfall kommen, könnte man das Raumschiff nicht rechtzeitig von der Rakete wegbringen. Um dieses Problem zu umgehen, integrierte man auch noch die Nutzlastverkleidung ins Startabbruchsystem. Dazu rüstete man sie mit insgesamt acht Feststoffmotoren aus, die in der Lage sind, bis zur 200. Flugsekunde, also dem planmäßigen Abtrennen der Nutzlastverkleidung, die Kapsel und damit die Besatzung in sicherer Entfernung zur Rakete bringen können. Wenn es nach dem Abtrennen der Nutzlastverkleidung zu einem Problem geben sollte, kann sich das Raumschiff mit seinen eigenen Treibwerken von der Rakete trennen und so zu einem Notlandeplatz gelangen. Das gesamte System ist vollautomatisiert, kann aber auch von der Bodenkontrolle aktiviert werden. Im Falle einer Aktivierung des LAS fliegt die Kapsel entweder, wenn die Abtrennung vor T+200 Sekunden erfolgte, eine ballistische Kurve und landet dann in einer Schneise von Jiuquan bis zum südchinesischen Meer. Wenn der Abbruch schon so spät erfolgt, dass fast Orbitalgeschwindigkeit erreicht ist, macht die Raumkapsel eine Erdumrundung und landet dann in China.

Sojus A und Shenzhou (Felix Kosch, 14.08.2003)

Beim Vergleich des Shenzhou-Raumschiffes mit ähnlichen Konstruktionen auf Seiten der ehemaligen Sowjetunion fällt westlichen Beobachtern auf, dass das chinesische Modell sehr einem frühen Entwurf des Sojus-Raumschiffes, namentlich Sojus A, gleicht. Jenes Raumschiff wurde ab Ende 1962 speziell zur Durchführung einer bemannten Mondumrundung konzipiert. Man merke an: die Chinesen planen ihrerseits eine Mondumrundung mit ihrem Shenzhou-Raumschiff! Sojus A wurde in seiner Auslegung von 1963 mit einer zylindrischen Orbitalsektion ausgestattet, was dazu führt, dass die Silhouetten beider Raumschiffe annähernd identisch sind. Die heute verfügbaren Daten über Sojus A als eines der frühesten Entwürfe eines Sojus-Raumschiffes weisen auch aus technischer Sicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Shenzhou auf.

Auf Seiten westlicher Beobachter führten diese rein optisch erschließbaren Zusammenhänge zu der Vermutung, dass das chinesische Shenzhou-Raumschiff in Wahrheit auf einem der frühen Sojus-Entwürfe basiert, welche man aus den Beständen russischer Konstruktionsbüros günstiger hätte erstehen können als etwa die Blaupausen der aktuellen Version Sojus-TMA. Diese Annahme steht allerdings im Widerspruch mit der Erkenntnis, dass China in Wirklichkeit Mitte der 90'er die Konstruktionspläne des Raumschiffes Sojus-T im Rahmen eines chinesisch-russischen Kooperationsvertrages erwarb.

Andererseits währe der eigenwilligen Auslegung der Orbitalsektion der Sojus A auch bei einer Mission mit dem Ziel der Mondumrundung eine besondere Bedeutung zugekommen: die Beherbergung weiterer technischer Systeme sowie umfangreicherer Forschungsmöglichkeiten. Das letztendliche Design von Sojus sah dies nicht mehr vor und eine technisch einfachere Version der Orbitalsektion mit einer kugelförmigen Auslegung setzte sich durch. Eine mögliche Schlussfolgerung wäre, dass China im Anbetracht des nun selbst gesteckten Zieles eines Mondfluges das damals angedachte System in gewissem Maße adaptierte. Hierfür gibt es freilich keine Belege und auch die technischen Daten können nicht als zuverlässige Indikatoren herangezogen werden, schließlich ist die allgemeine technische Anlehnung an das russische Pendant kein Geheimnis.

Missionen

Zu den einzelnen Mission der Shenzhou-Raumschiffe gibt es je einen eigenen Artikel, auf den näher auf die Mission des jeweiligen Fluges eingegeangen wird:


 

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Mars Aktuell: Fobos-Grunt - Russlands interplanetare Wiedergeburt von Redaktion



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» Fobos-Grunt - Russlands interplanetare Wiedergeburt
31.10.2011 - Zum ersten Mal seit dem Fehlschlag Mars-96 vor 15 Jahren wird Russland wieder eine Raumsonde starten. Das Ziel ist der Marsmond Phobos, von dem Proben zur Erde zurückgebracht werden sollen. Dabei wird als Passagier der chinesische Marsorbiter Yinghuo-1 mitgeführt.
Der Start dieser Sonde soll am Abend des 8. November (21:16 MEZ) von Baikonur aus durchgeführt werden. Die Trägerrakete Zenit-2M wird den insgesamt gut 13t schweren Komplex in einen niedrigen Erdorbit schießen. Von dort aus wird Fobos-Grunt mit dem eigenen Hauptantriebssystem (MDU) in die Marstransferbahn fliegen. Die MDU basiert auf der Fregat-SB, die bereits zweimal in diesem Jahr als Oberstufe der Zenit-3F eingesetzt wurde. Sie besteht aus zwei Teilen, dem abwerfbaren Zusatztank SBB sowie der eigentlichen Stufe. Von der normalen Fregat unterscheidet sich die MDU dadurch, dass ihr eigenständige Steuerungselektronik und Energieversorgung fehlt. Dies wird von der Raumsonde übernommen. Dadurch kann sowohl Geld als auch Masse eingespart werden, außerdem kann die MDU so auch noch am Mars eingesetzt werden. Die Fregat hat hingegen nur eine Einsatzdauer von 24 Stunden. Möglich wird dies dadurch, dass der Fregat-Hersteller NPO Lawotschkin auch die Raumsonde Fobos-Grunt entwickelt hat.

Der Treibstoff des SBB wird während der ersten Zündung verbraucht, durch die Fobos-Grunt in einen hochelliptischen Parkorbit einschwenkt. Beim Durchgang durch den erdnächsten Punkt, das Perigäum, wird das Haupttriebwerk S5.92 erneut zünden und mit Treibstoff aus den Haupttanks die Raumsonde Richtung Mars schießen. Im Oktober 2012 wird Fobos-Grunt dann den Mars erreichen. In den Marsorbit wird die MDU mittels des übrigen Treibstoffes einbremsen. Anschließend hat sie ihre Aufgabe erfüllt und wird abgetrennt. Nun kann auch der Subsatellit Yinghuo-1 ausgesetzt werden und autonom seine Aufgaben erfüllen.

Die kommenden Monate wird Fobos-Grunt aus dem Orbit heraus den Mars und seinen Mond Phobos untersuchen und sich dabei Phobos annähern. Die Landung ist dann für Februar 2013 geplant. Bereits kurz danach soll die 270kg schwere Rückkehrrakete mit 200 bis 400 Gramm Bodenmaterial zur Erde zurückstarten. Die Landung wird für August 2014 geplant. Danach soll der Lander von Fobos-Grunt weiter mit seinen vielfältigen Bordinstrumenten (zum Teil auch mit deutscher Beteiligung) Phobos untersuchen. Die Landekapsel enthält übrigens auch eine Vielzahl von Bakterien, deren Reaktion auf die Strahlenbelastung eines Marsfluges man nach der Landung erforschen will. Die Landekapsel wird eine harte Landung mit einer Aufprallgeschwindigkeit von rund 30 m/s in der Steppe Kasachstans durchführen. Das Landegebiet entspricht dabei etwa dem der bemannten Sojus-Kapseln.

Derzeit gehen die Startvorbereitungen von Fobos-Grunt in die Endphase. Es sind bereits alle Teile der Raumsonde betankt und im Wesentlichen getestet. Es fehlen noch die Verbindung mit der Trägerrakete und abschließende Tests des Gesamtsystems. Sobald diese durchgeführt sind wird die Rakete zum Startplatz gefahren und aufgerichtet werden.

Raumcon:


(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Lawotschkin, Roskosmos, IKI)



 

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Saturn Aktuell: Cassinis Saturnorbit Nummer 157 von Redaktion



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» Cassinis Saturnorbit Nummer 157
27.10.2011 - Am 28. Oktober 2011 wird die Raumsonde Cassini ihren 157. Orbit um den Planeten Saturn beginnen. Auch diesmal bildet ein gesteuerter Überflug des Mondes Enceladus den Höhepunkt dieses erneut 18 Tage andauernden Umlaufs. Hierbei wird erstmals das RADAR-Instrument zur Untersuchung von Enceladus eingesetzt werden.
Am morgigen 28. Oktober 2011 wird die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn, erreichen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Cassini in einer Entfernung von rund 2,37 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und beginnt damit zugleich ihren mittlerweile 157. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich auch in den kommenden rund sieben Monaten weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der jetzt beginnende Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 156", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern in erster Linie dazu genutzt werden, den Ringplaneten und den größten seiner 62 bisher bekannten Monde, den etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden. Den Höhepunkt des gegenwärtigen Orbits bildet allerdings ein am 6. November erfolgender dichter Vorbeiflug am Saturnmond Enceladus.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, eines von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 18 Tage dauernden Orbits insgesamt 18 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Der überwiegende Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt (Raumfahrer.net berichtete).

Die erste ISS-Kampagne während des in wenigen Stunden beginnenden Orbits hat allerdings den Mond Titan zum Ziel. Am 30. Oktober soll dazu aus einer Entfernung von rund 1,6 Millionen Kilometern im Rahmen einer 13stündigen Beobachtung die Atmosphäre dieses Mondes näher studiert werden. Das zu beobachtenden Gebiet befindet sich in den Regionen Adiri, Senkyo und Belet. In diesem Gebiet konnten die an der Mission beteiligten Wissenschaftler im September 2010 ein ausgedehntes Sturmgebiet beobachten. Dessen bisherige Studie erbrachte neue Erkenntnisse über die Dynamik der Titanatmosphäre (Raumfahrer.net berichtete). Bis zum 3. November sind drei weitere Beobachtungen dieser Region vorgesehen. Die Cassini-Wissenschaftler erhoffen sich dabei auch Erkenntnisse über eventuelle Veränderungen auf der Oberfläche des Mondes, welche durch das Wettergeschehen der letzten Monate verursacht wurden.

Am 4. November stehen sogenannte astrometrische Beobachtungen von mehreren kleineren Saturnmonden auf dem Arbeitsprogramm der Raumsonde. Das wissenschaftliche Ziel der dabei erfolgenden Abbildungen der Monde besteht darin, die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können.

Ebenfalls am 4. November ist zudem ein weiteres Mal die nördliche Hemisphäre des Saturn und das dort aktive Sturmgebiet das Ziel der ISS-Kamera. Bis zum 8. November sind insgesamt 6 Beobachtungskampagnen vorgesehen, welche die Ausdehnung und Bewegung der Wolken in dem anscheinend langsam an Stärke verlierenden Sturm dokumentieren sollen. Dabei wird der Ringplanet bei einer Belichtungszeit von jeweils mehreren Minuten mit verschiedenen Filtern abgebildet. Die anschließende Kombination der verschiedenen Aufnahmen ermöglicht unter anderem die Erstellung von Farbbildern des Planeten.

Am 6. November wird die Raumsonde schließlich um 08:58 Uhr MEZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 157. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 136.370 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Bereits drei Stunden vorher wird die Raumsonde um 05:59 Uhr MEZ einen gesteuerten Vorbeiflug an dem 504 Kilometer durchmessenden Mond Enceladus durchführen. Cassini wird sich der Mondoberfläche dabei mit einer Geschwindigkeit von 7,4 Kilometern pro Sekunde bis auf eine Entfernung von 496 Kilometern nähern. Bei diesem auch als "E-16" bezeichneten Vorbeiflug handelt es sich um den letzten von insgesamt drei Enceladus-Vorbeiflügen, welche für den Oktober und November 2011 vorgesehen waren.

Während des Vorbeifluges am 6. November sind 3 Beobachtungskampagnen der ISS-Kamera geplant. In der ersten Bildsequenz, welche noch während der Anflugsphase der Raumsonde an den Mond angefertigt werden soll, wird sich Enceladus den Kameras der Raumsonde lediglich als eine schmale Sichel präsentieren. Die ISS-Kamera soll diese günstige Perspektive dazu nutzen, um speziell die von der Südpolregion ausgehenden Fontänen aus Gas und feinen Wassereiskristallen abzubilden. Neben der Suche nach weiteren Plumes soll dabei eine eventuell veränderte Aktivität der bisher bekannten Auswurfzonen untersucht werden. Diese Beobachtungskampagne endet um 01:15 Uhr MEZ. Anschließend wird eines der Spektrometer der Raumsonde, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), die zu diesem Zeitpunkt nicht von der Sonne beleuchteten Bereiche der Mondoberfläche abtasten. Zeitgleich soll die ISS-Kamera die schmale Mondsichel abbilden.

Während der dichtesten Annäherung an den Mond steht eine erneute Premiere auf dem Programm der Raumsonde. In dieser Phase sollen nicht etwa die ISS-Kamera oder eines der verschiedenen Spektrometer, sondern vielmehr das RADAR-Instrument auf Enceladus ausgerichtet werden und dessen Oberfläche dabei unter anderem im Rahmen einer Scatterometrie-Beobachtung und im Synthetic Aperture Radar-Modus abbilden.

In der Vergangenheit wurde das RADAR-Instrument in der Regel lediglich für die Untersuchung der Oberfläche des Mondes Titan eingesetzt. Bei dieser ersten Radarabtastung der Oberfläche von Enceladus wird sich die südliche Hemisphäre des Mondes im Fokus des RADAR-Instrumentes befinden. Der Pfad des Radarsignals wird dabei die Grenzregion des südpolaren Gebietes streifen. Er verläuft allerdings leider zu weit nördlich, um dabei auch die sogenannten "Tigerstreifen" zu erfassen. Diese vier parallel verlaufenden Bruchzonen, welche jeweils eine Länge von rund 130 Kilometern aufweisen, sind die eigentlichen Quellregionen der am Südpol auftretenden Eisgeysire, von denen die bereits erwähnten Plumes ausgehen. Allerdings dürften die Radarmessungen unter anderem die bisherigen Forschungen zur Bestimmung der Schneefall-Rate auf Enceladus unterstützen.

Die dritte ISS-Observation wird erst mehrere Stunden nach der dichtesten Annäherung erfolgen. Mit verschiedenen Filtern soll dabei ein aus drei Einzelaufnahmen bestehendes Farbmosaik des Mondes angefertigt werden.

Nach dem Enceladus-Vorbeiflug wird die ISS-Kamera auf den Saturnmond Dione ausgerichtet, welcher sich dann in einer Entfernung von 132.000 Kilometern zu Cassini befinden wird. Hierbei soll die WAC-Kamera eine nahe Begegnung mit dem Mond Titan dokumentieren. Titan wird sich dabei etwa 1,1 Millionen Kilometer von der Raumsonde entfernt befinden und aus diesen Grund auf den Aufnahmen kleiner als der 1.123 Kilometer durchmessende Mond Dione erscheinen. Mit den anschließend geplanten ISS-Aufnahmen soll auch Dione in Farbe abgebildet werden.

Am 7. und 8. November wird Cassini die Suche nach weiteren und bisher noch nicht entdeckten Saturnmonden fortsetzen. Zu diesem Zweck soll die ISS- Kamera die Regionen um die Lagrange-Punkte L5 der Monde Enceladus und Rhea sowie L4 des Mondes Titan abbilden.

An den fünf Lagrangepunkten heben sich die Gravitationskräfte benachbarter Himmelskörper und die Zentrifugalkraft der Bewegung gegenseitig auf. Dadurch entstehen an diesen Punkten Zonen mit einem niedrigen Gravitationspotenzial. Drei der Lagrange-Punkte, nämlich L1, L2 und L3, sind dabei relativ instabil, so dass bereits geringe gravitative Wechselwirkungen zu einem Entweichen von eventuell dort befindlichen Objekten führen können. Die Punkte L4 und L5, welche sich 60 Grad vor beziehungsweise hinter dem Himmelskörper befinden, sind dagegen stabil, so dass sich dort kleinere Objekte sammeln und anschließend über einen nahezu unbegrenzt langen Zeitraum aufhalten können.

Im Mondsystem des Saturn befindet sich so zum Beispiel der kleine Mond Telesto in der L4-Region des größeren Mondes Tethys, während der Mond Calypso sich in der Region von dessen L5-Punkt befindet. Der L5-Punkt von Dione wird dagegen von dem Mond Polydeuces eingenommen. Die geplante Beobachtung der Lagrange-Punkte L4 und L5 bei Enceladus, Rhea und Titan dient der Suche nach einem oder mehreren eventuell dort befindlichen und bisher noch unentdeckten weiteren Begleiter des Ringplaneten.

Am 15. November wird Cassini schließlich in einer Entfernung von rund 2,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und den 157. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 158 werden diesmal keine dichten Vorbeiflüge an den Monden des Saturn erfolgen. Vielmehr wird sich das Augenmerk von Cassini erneut hauptsächlich auf den Titan und den Saturn richten, welche dabei aus unterschiedlichen Entfernungen mit den verschiedenen Instrumenten untersucht werden sollen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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Raumcon-Forum:

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: ISS-Flugbahn angehoben von Redaktion



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• Reparaturtrupps im Einsatz «mehr» «online»
• Progress-M 10M hat Mission beendet «mehr» «online»
• ISS-Versorgung wieder angelaufen «mehr» «online»


» ISS-Flugbahn angehoben
20.10.2011 - Die gestrige Korrektur der Umlaufbahn erfolgte planmäßig.
Am 19. Oktober erfolgte eine weitere Zündung der Antriebssysteme des Swesda-Moduls. Um 18:15 Uhr MESZ feuerten zwei KD-Triebwerke des ODU-Systems (Integrated Propulsion System) für 1 Minute und 53 Sekunden. Die dabei erreichte Änderung der Geschwindigkeit von plus 1,8 Meter pro Sekunde steigerte die Höhe der mittleren ISS-Umlaufbahn um rund drei Kilometer auf insgesamt 387,8 Kilometer. Zusammen mit einem am 26. Oktober geplanten weiteren Manöver soll die Flugbahn der Internationalen Raumstation für die demnächst ankommenden Raumschiffe Progress-M 13M und Sojus-TMA 22 sowie für die Landung der Besatzung von Sojus-TMA 02M im November optimiert werden.

Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Roskosmos)


» Reparaturtrupps im Einsatz
28.10.2011 - In den letzten beiden Wochen bestimmten etliche Reparaturen und Fehlersuchen den Alltag der ISS-Besatzung. Weiterhin erfolgte eine Bahnanhebung der ISS, Progress-M 10M wurde auf seine Abreise vorbereitet und die Forschung kam auch nicht zu kurz. (Newsbild: Sergej Wolkow beobachtet das Gewächshaus-Experiment RASTENIJA 2)
In der vorangegangenen Woche nahmen Wartungsarbeiten und Reparaturen an elektrischen Komponenten der Station viel Zeit in Anspruch. Bereits am Wochenanfang wechselte Mike Fossum ein defektes Remote Power Controller Module (RPCM), eine Art ferngesteuerter Stromkreisregler, im Labormodul Destiny. Dieses Modul sichert die redundante Stromversorgung des Express-Racks 2, welches auch den Ku-Band-Empfänger mit Energie versorgt. Einen Tag später setzte er die Arbeiten fort, er tauschte nun ein weiteres RPCM gegen ein entsprechendes Ersatzteil. Hier ging es um die Sicherstellung der Stromversorgung von Rauchdetektoren und etlichen anderen Verbrauchern im US-Labor. Satoshi Furukawa nahm zu dieser Zeit an dem ICV-Experiment (Integrated Cardiovascular) teil. Diese Studie zu den Auswirkungen von Langzeitaufenthalten im All beobachtet speziell den Herzkreislauf. Diesmal musste der japanische Astronaut ganz entspannt 10 Minuten ruhig atmen, währenddessen wurde seine Herzfrequenz gemessen und protokolliert.

Satoshi Furukawa hat in der letzten Woche erneut am defekten Gradientenofen GHF (Gradient Heating Furnace) Fehlerermittlungen durchgeführt. Der GHF befindet sich im Experiment-Rack KOBAIRO des japanischen Forschungsmoduls Kibo und sollte zur Herstellung von hochwertigen Kristallen bei einer Temperatur von bis zu 1600 °C dienen. Allerdings sorgten zwei Ausfälle des Hauptofens am 12. April und am 20. April 2011 für eine Stilllegung der Apparatur. Es besteht die Vermutung, dass zwischen einem Heizungsflansch und einem Sicherungsdraht ein unbeabsichtigter Kontakt besteht oder eine falsche Position der Endheizung in Bezug auf die Hauptheizung Ursache für einen Kurzschluss ist. Auch die Stationslaptops machten Probleme, der Zugriff auf die Festplatten über das CSL (Crew Support LAN) gelang teilweise nicht. Durch Nutzung eines neuen SWRDFSH (Swordfish) Software Updates trat nur eine teilweise Verbesserung der Situation ein.

Im Columbus Forschungsmodul betreute Satoshi Furukawa das kommerzielle biologische Experiment CGBA-5/CSI-5 (Commercial Generic Bioprocessing Apparatus 5/Science Insert-05). Hier ersetzte er sechs Keimbehälter für einen neuen Versuchsaufbau. Nach Anschluss aller Verbindungen wurden die Operationen zum Experiment wieder aufgenommen. Es sollen Wachsrichtung von Wurzeln und Keimen bei Schwerelosigkeit erforscht werden. Im russischen Segment arbeitete Sergej Wolkow mit dem Experiment Plasma-Kristall. Es dient der Beobachtung von ultravioletter Strahlung erzeugt durch elektrisch aufgeladene Staubteilchen in Raumumgebung. Mike Fossum rekonfigurierte und reinigte im Schleusenmodul Quest die Kühlleitungen der US-Raumanzüge. Weiter musste er eine Fehlerbehebung an dem Laufband T2/COLBERT im Knotenmodul Tranquility durchführen. Seit dem 11. Oktober konnten die Trainingsdaten nur per USB-Stick gesichert und dann zur Bodenstation gesendet werden. Eine Neukonfiguration der W-LAN Karte sollte hier Abhilfe schaffen.

Den Anfang dieser Woche verbrachten die Raumfahrer damit, weiteren Müll und nicht mehr benötigte Ausrüstung in den Progress-Transporter zur Entsorgung zu verladen. Vorbereitend auf seinen Abflug am 29. Oktober testeten die russisch Flugkontrolleure das russische KURS-Rendezvoussystem mit seinem passiven Part im Swesda-Modul und dem aktiven Part am Progress-Frachter. Ebenso musste die Besatzung die Schutzfenster der Module Destiny, Tranquility, Cupola und Kibo für den anstehenden Triebwerktest von Progress-M 10M schließen. Über Nacht öffnete Sergej Wolkow letztmalig die Sauerstoffventile des Frachters, um kontrolliert die Stationsluft aufzufrischen. Inzwischen wurden die Luken des Transporters geschlossen. Mike Fossum verbrachte einige Zeit damit, ein Luftanalysegerät aus dem AR-1-Rack (Atmosphere Revitalization-1) in Destiny auszubauen und in dem AR-2-Rack im Tranquility-Knoten wieder einzubauen. Das dazugehörige Massenspektrometer sowie die Daten- und Kontrolleinheit wurden ebenfalls umgesetzt.

Für den Kommandanten der ISS, Mike Fossum, stand eine neue Reihe der Fitness-Studie SPRINT auf dem Plan. Nach der Ausführung von sehr intensiven aber kurzen Übungen zur Verminderung des Muskel- und Knochenabbaus und dem Training des Herzkreislaufsystems werden im Columbus-Modul Ultraschallaufnahmen des Beines angefertigt. Zur Wochenmitte erfolgte eine weitere Zündung der Antriebssysteme des Swesda-Moduls. Um 14:52 Uhr MESZ feuerten zwei KD-Triebwerke des ODU-Systems für 1 Minute und 54 Sekunden. Die dabei erreichte Änderung der Geschwindigkeit von plus 1,9 Meter pro Sekunde steigerte die Höhe der mittleren ISS-Umlaufbahn um 3,2 Kilometer auf insgesamt 390,0 Kilometer. Am gleichen Tag prüfte Mike Fossum die Wissenschaftsnutzlast BCAT-6 (Binary Colloidal Alloy Test-6) im Kibo-Modul. Bei diesem Experiment werden stündlich sieben Tage lang automatisch Fotos angefertigt, die den Übergang der polymeren und kolloiden Stoffe vom flüssigen in den gasförmigen Zustand dokumentieren. Die Erkenntnisse daraus sollen der Entwicklung von preiswerteren und länger lagerfähigen Lebensmitteln und Arzneien auf der Erde dienen.

Gegen Ende dieser Woche musste Sergej Wolkow den defekten Rauchmelder 5 vom Typ SIGNAL-VM DS-7A inspizieren. Dafür öffnete er im Swesda-Modul das Verkleidungspanel 314 in der Überkopf-Position, prüfte und wechselte anschließend den Rauchdetektor. Später führte er die regelmäßige Wartung des Umweltkontroll- und Lebenserhaltungssystems durch. Dies schloss auch die Prüfung des russischen Toilettenbereiches ein, es wurden hier Feststoff- und Schmutzwasserbehälter ausgetauscht. Die Besatzungsmitglieder hatten erneut die Gelegenheit mit Schülern auf der Erde zu sprechen. Satoshi Furukawa sprach dabei mit den Besuchern des Saga Raumfahrtmuseums und dem Observatorium in Takayama über die Unterschiede zwischen Leben und Arbeiten auf der Erde und im Raum. Alle drei Raumfahrer nahmen an einer russischen Fernsehschaltung teil, wo sie Fragen von Schülern der 19. Internationalen Space Olympiade in Koroljow beantworteten.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 27.10.2011:
389,9 km bei einem Höhenverlust von rund 300 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 29. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS
  • 02. November, Progress-M 13M erreicht die ISS
  • 16. November, Sojus-TMA 22 erreicht die ISS
  • 18. November, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 22. November, Sojus-TMA 02M verlässt die ISS

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Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos)


» Progress-M 10M hat Mission beendet
29.10.2011 - Planmäßig verglühte die mit Abfällen beladene Kapsel weitgehend in den dichten Schichten der Erdatmosphäre.
Zuvor war der Frachter gestern verschlossen und für den Abflug vorbereitet worden. Nach letzten Überprüfungen koppelte er heute kurz nach 11 Uhr MESZ vom Schleusenmodul Pirs ab und entfernte sich von der Station. Die letzte Bremszündung erfolgte gegen 14:11 Uhr MESZ.

Wenig später trat das Raumschiff in die Erdatmosphäre ein, brach auseinander und verglühte zum größten Teil. Eventuelle Reste stürzten in eine menschenleere Zone des Südpazifiks. Damit macht Progress-M 10M Platz für seinen Nachfolger.

Progress-M 13M soll morgen starten und am 2. November an der Internationalen Raumstation ankoppeln. Der Start wird mit Spannung erwartet, da die Mission von Progress-M 12M im August aufgrund eines Fehlers in der dritten Stufe der Trägerrakete scheiterte. Außerdem wird die Grundkonfiguation der Trägerrakete auch für den Start bemannter Raumschiffe vom Typ Sojus-TMA verwendet.

Den Start der neuen Besatzungen hatte man für den morgigen Progress-Test verschoben. Sojus-TMA 22 soll nun am 14. November starten, Sojus-TMA 03M am 21. Dezember.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos)


» ISS-Versorgung wieder angelaufen
30.10.2011 - Nach dem Verlust eines Progress-Versorgers im August gelang heute der Start von Progress-M 13M problemlos. Nach zwei unbemannten Starts einer Sojus-Trägerrakete ist nun der Weg frei für die nächste bemannte Mission zur ISS mit Sojus-TMA 22 und seiner Besatzung Anatoli Iwanischin (RUS), Daniel Burbank (USA) und Anton Schkaplerow (RUS).
Der heutige Start war mit großer Spannung erwartet worden, hing hiervon doch die weitere dauerhafte Besetzung der Internationalen Raumstation ab. Ein weiteres Scheitern einer Sojus-Mission hätte eine längere Pause zur Fehleranalyse und einen unbemannten Weiterflug der ISS bedeutet. Pünktlich um 11:11 Uhr MEZ startete nun die Sojus-U-Trägerrakete mit Progress-M 13M vom Weltraumbahnhof Baikonur. Nach rund neun Minuten Brenndauer der drei Stufen erreichte das Versorgungsraumschiff seine vorläufige Umlaufbahn. Kurz darauf erfolgte der Befehl zum Entfalten der beiden Solarzellenpaneele mit einer Spannweite von 10,5 Metern, die Navigations- und Kommunikationsantennen wurden ebenfalls ausgeklappt.

Progress-M 13M, in der ISS-Versorgung auch 45P genannt, bringt 1.314 Kilogramm Trockenfracht (Ersatzteile, Lebensmittel, Ausrüstungsteile), 837 Kilogramm Treibstoff (davon 250 kg ISS-Treibstoff), 420 Kilogramm Wasser und 50 Kilogramm Sauerstoff in die Umlaufbahn. Der US-Anteil des Gesamtvolumens von 2.648 Kilogramm Fracht betrug 423 Kilogramm. Neben den lange erwarteten persönlichen Dingen, wie Briefe und Geschenke der Angehörigen, war diesmal als Sonderfracht der Mikrosatellit Tschibis-M mit an Bord. Er wiegt ca. 40 kg, ist rund 1.100 x 1.350 x 1.805 mm groß und soll von dem Transporter zum Ende seiner Mission in einer Umlaufbahn von 480-500 km ausgesetzt werden. Eine Reihe von Zündungen der Manövriertriebwerke, die heute und in den nächsten beiden Tagen vorgesehen sind, werden den Frachter in seine endgültige Umlaufbahn zum automatisierten Anlegen am Mittwoch, dem 2. November, um 12:40 Uhr MEZ bringen. Die Kopplungsdauer von Progress-M 13M an der Station wird rund drei Monate betragen.

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos)



 

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"InSpace" Magazin #453
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
31. Oktober 2011
Auflage: 4550 Exemplare


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Redaktion InSpace Magazin:
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Thomas Pallmann
Simon Plasger
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Thomas Weyrauch
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