InSpace Magazin #451 vom 4. Oktober 2011

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #451
ISSN 1684-7407


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> ISS Aktuell:
ISS-Langzeitbesatzung 29 nun länger nur zu Dritt

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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

vor wenigen Tagen startete die chinesische Raumfahrtagentur ihre erste Raumstation, Tiangong 1. Damit sind die Chinesen die dritte Weltraummacht, der es gelungen ist, eine solche ins All zu bringen. Nun muss sich zeigen, ob sie es auch schaffen, eine Crew zu dieser Station zu bringen. Auf jeden Fall haben die bisherigen Raumfahrtaktivitäten des Fernen Ostens gezeigt, dass man sich in Zukunft auf einen weiteren großen Mitspieler im Bereich der bemannten Raumfahrt hat. Wie das weitergeht? Das weiß keiner so genau. Aber wir können gespannt sein, was aus dem Reich der Mitte noch zu erwarten ist.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

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Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

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News

• USA starteten TacSat 4 auf Minotaur IV+ «mehr» «online»
• DAWN erreicht niedrigeren Orbit um Vesta «mehr» «online»
• QuetzSat 1 auf Proton-M gestartet «mehr» «online»
• LCRD: NASA will Laserkommunikation testen «mehr» «online»
• Der EPSC-DPS-Kongress 2011 in Nantes «mehr» «online»
• Arianespace soll Mexsat 3 ins All bringen «mehr» «online»
• DAWN: Erste Ergebnisse vom Asteroiden Vesta «mehr» «online»
• Preis für Öffentlichkeitsarbeit an das ÖWF verliehen «mehr» «online»
• Russischer Navigationssatellit gestartet «mehr» «online»
• Proton-M bringt Kommunikationssatelliten ins All «mehr» «online»
• Ariane 5 bringt zwei Satelliten ins All «mehr» «online»
• MEASAT 2: Aktiv im Alter «mehr» «online»
• Alternative zur Dunklen Energie eliminiert «mehr» «online»
• Japanischer Erdbeobachtungssatellit gestartet «mehr» «online»
• Atlantic Bird 7 vom Pazifik aus gestartet «mehr» «online»
• Merkur-Mission BepiColombo bucht Ariane 5 «mehr» «online»
• Position des UARS-Wiedereintritts bestimmt «mehr» «online»
• China startet erste eigene Raumstation «mehr» «online»
• Message von Messenger: Merkur lebt «mehr» «online»
• Weniger Asteroiden in Erdnähe als erwartet «mehr» «online»


» USA starteten TacSat 4 auf Minotaur IV+
01.10.2011 - Die Orbital Sciences Corporation (OSC) startete am 27. September 2011 für die US-amerikanische Luftwaffe eine Minotaur-IV+-Rakete, deren Aufgabe es war, den militärischen Kommunikationssatelliten TacSat 4 für die US-amerikanische Marine auf eine Erdumlaufbahn zu bringen.
TacSat 4 ist ein vom NRL, einer Forschungseinrichtung der US-Marine, beauftragter Satellit und wurde Ende 2009 fertiggestellt. Ursprünglich war der Start des Satelliten für Ende 2007 geplant. Er wurde jetzt an der Spitze einer Minotaur-IV+-Rakete vom Startplatz 1 auf Kodiak Island in Alaska aus in den Weltraum transportiert. Die Rakete eines Grundtyps, der zum dritten Mal Nutzlast in einen Erdorbit brachte, und bei dieser Mission zum ersten Mal mit einer anderen Oberstufe flog, hob am 27. September 2011 um 17:49 Uhr MESZ ab. In den ersten drei Stufen der von OSC entworfenen Minotaur IV+ kamen Feststoffmotore, wie sie in Interkontinentalraketen des Typs MX alias Peacekeeper verwendet wurden, zum Einsatz. Nach etwas über drei Flugminuten hatten die drei Stufen mit den Feststoffmotoren SR118, SR119 und SR120 ihre Arbeit getan, und es schloss sich eine rund zwanzig Minuten dauernde Freiflugphase an. Diese endete mit dem Abwerfen der dritten Stufe und der Aktivierung des von Alliant Techsystems gebauten Feststoffmotors vom Typ Star 48 mit Schubvektorsteuerung in der vierten Stufe der Rakete. Er brannte rund eine Minute und besorgte so die Ausbildung der für das Aussetzen des Satelliten vorgesehenen Bahn.< br>
Die Nutzlast mit einer Startmasse von rund 460 Kilogramm wurde um 18:17 Uhr MESZ 28 Minuten nach dem Start von der vierten Stufe der Rakete abgetrennt. TacSat 4 gelangte wie geplant auf eine rund 63,5 Grad gegen den Äquator geneigte hoch-elliptische Bahn, deren Perigäum bei 185 Kilometern über der Erdoberfläche und deren Apogäum bei rund 11.865 Kilometern über der Erdoberfläche lag. Die Anhebung des Perigäums auf rund 654 Kilometer über der Erdoberfläche besorgte TacSat 4 anschließend mit eigenem Antrieb. Der vom NRL und dem Labor für angewandte Physik der Johns Hopkins Universität gebaute Satellit soll auf seinem Einsatzorbit rund ein Jahr lang für eine große Bandbreite von Kommunikationsexperimenten und kurzfristig nutzbare Verbindungen zur Verfügung stehen.

Das mit zwei Solarzellenauslegern zur Erzeugung von zusammen rund 1.000 Watt elektrischer Leistung ausgestattete Raumfahrzeug basiert auf einer ORS-Phase-III-Bus genannten Satellitenplattform mit einer Masse von rund 270 Kilogramm. Die COMMx genannte Kommunikationsnutzlast von TacSat 4 hat eine Masse von rund 190 Kilogramm. Sie besitzt eine Kommunikationsantenne mit einem Durchmesser von rund 3,66 Metern im entfalteten Zustand und ermöglicht Verbindungen im UHF-Bereich zwischen 240 und 318 Megahertz auf 10 Kanälen gleichzeitig. Truppen in Afghanistan beispielsweise, die mit Kommunikationstransceivern der Handgerätetypen AN/PRC-148 und AN/PRC-152 sowie des Tornistertyps AN/PRC-117 ausgerüstet sind, sollen davon profitieren können. Selbiges gilt für Spezialtruppen mit portablen Satellitenterminals vom Typ AN/PSC-5.

Zusätzlich in die Kommunikationsnutzlast von TacSat 4 integriert ist Testhardware für das im Aufbau befindliche MUOS-Kommunikationsnetzwerk der US-Marine, für die Identifizierung und Verfolgung eigener oder verbündeter Militäreinheiten, auch FFT für Friendly Force Tracking genannt, und die Datenerfassung von Messwertsendern auf Bojen auf den Weltmeeren.

TacSat 4 alias JWS 1 (JWS steht für Joint Warfighting Space) ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.818 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-052A.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NRL, ONR, OSC, USAF, USN)


» DAWN erreicht niedrigeren Orbit um Vesta
02.10.2011 - Die Raumsonde DAWN, welche sich seit dem 16. Juli 2011 in einer Umlaufbahn um den Asteroiden (4) Vesta befindet, hat am 29. September 2011 einen niedrigere Umlaufbahn erreicht.
Nachdem die Raumsonde DAWN am 16. Juli 2011 in einer Entfernung von rund 16.000 Kilometern zur Asteroidenoberfläche erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Asteroiden (4) Vesta eingeschwenkt ist, wurde die Höhe der Umlaufbahn anschließend noch weiter abgesenkt. In den folgenden Wochen nahm die Asteroidensonde aus dem sogenannten "Survey Orbit" aus rund 2.700 Kilometern Höhe eine Vielzahl von Bildern auf und sammelte wertvolle Daten, mit deren Auswertung die an der Mission beteiligten Wissenschaftler noch viele Jahre beschäftigt sein werden (Raumfahrer.net berichtete). Nachdem die aus dieser Umlaufhöhe vorgesehenen Messungen und Kartierungen der Asteroidenoberfläche abgeschlossen waren erfolgte eine weitere Absenkung der Höhe der Umlaufbahn.

Diese Absenkung wurde vor wenigen Tagen erfolgreich beendet. Seit dem 29. September 2011 sendet die Asteroidensonde Daten aus dem sogenannten "High Altitude Mapping Orbit" (kurz HAMO). In diesem Orbit befindet sich DAWN in einer durchschnittlichen Entfernung von 680 Kilometern zur Asteroidenoberfläche und ist Vesta damit etwa vier mal näher als im Survey Orbit. Auch in dieser Höhe werden die drei wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Sonde - die Framing Camera, das Mapping Spektrometer VIR und das Gammastrahlen- und Neutronenspektrometer GRAND - hauptsächlich in den Zeiträumen aktiv sein, in denen sich die Raumsonde über der von der Sonne beleuchteten Tagseite des Asteroiden bewegt. Während der Überflüge der Nachtseite werden die zuvor gesammelten Daten dann an das Kontrollzentrum auf der Erde übermittelt.

Diese regelmäßigen Datenübertragungen werden jetzt somit in kürzeren Abständen erfolgen als zuvor. Während der Survey-Phase benötigte DAWN für einen Umlauf um Vesta noch rund 69 Stunden. Diese Zeitspanne hat sich jetzt im HAMO auf nur noch etwas mehr als 12 Stunden verkürzt. Der HAMO-Orbit soll für die Dauer von etwa 30 Tagen beibehalten werden. An 10 dieser 30 Tage sollen die Instrumente der Raumsonde senkrecht auf die Oberfläche von Vesta gerichtet sein und diese abtasten. Während der restlichen Tage erfolgen die Messungen dagegen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Durch die Kombination der aus unterschiedlichen Perspektiven gewonnenen Aufnahmen der Oberfläche wollen die an der Mission beteiligten Wissenschaftler dreidimensionale Geländemodelle der Asteroidenoberfläche erzeugen, mit denen sich die Höhen und Tiefen der Berge, Täler, Canyons und Krater noch besser nachvollziehen lassen. Diese 3D-Modelle werden es den Wissenschaftlern noch besser ermöglichen, die Prozesse zu verstehen, welche zur Schaffung dieser ungewöhnlichen Oberflächenstrukturen geführt haben.

Erste Ergebnisse der bisherigen Datenauswertungen werden auf dem morgen beginnenden "EPSC-DPS Joint Meeting 2011", einem wissenschaftlichen Kongress, welcher von dem europäischen Forschungsnetzwerk Europlanet und der Division for Planetary Sciences der American Astronomical Society in Nantes/Frankreich veranstaltet wird, vorgestellt. Mehr dazu in einer späteren Meldung auf der Portalseite von Raumfahrer.net.

Die DAWN-Mission wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA geleitet. Das JPL ist eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena/Kalifornien. Die University of California in Los Angeles ist für den wissenschaftlichen Bereich der Mission verantwortlich. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut. Das Kameraprojekt wird finanziell von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DLR und der NASA (JPL) unterstützt. Nach dem Abschluss der Untersuchungen bei Vesta im Sommer 2012 soll die Raumsonde ihre Reise durch unser Sonnensystem fortsetzen und ab dem Jahr 2015 den Zwergplaneten Ceres, das größte und massereichste Objekt im Asteroiden-Hauptgürtel, untersuchen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

Verwandte Internetseite:

Technische Beschreibung der Framing Camera:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL)


» QuetzSat 1 auf Proton-M gestartet
02.10.2011 - Am 29. September 2011 hob pünktlich um 20:32 Uhr MESZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 200/39 im kasachischen Baikonur ab, um den Kommunikationssatelliten QuetzSat 1 für den Luxemburger Kommunikationssatellitenbetreiber SES ins All zu befördern.
Der von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-Träger verwendete drei Raketenstufen, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M und der Nutzlast, auf den Weg zu bringen. Nach etwas über 9 Minuten und 46 Sekunden Flugzeit wurde die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt. Eine erste Zündung der wie die Proton von Chrunitschew hergestellten Breeze-M-Oberstufe brachte die Orbitaleinheit in einen Parkorbit. Nach weiteren vier Brennphasen der Breeze-M-Oberstufe wurde der Satellit schließlich um 07:53 Uhr Moskauer Zeit bzw. 05:53 Uhr MESZ nach rund 9 Stunden und 13 Minuten Flugdauer am 30. September 2011 in einem Geotransferorbit ausgesetzt. Das Perigäum der erreichten Bahn, also der der Erde nächstliegende Bahnpunkt, lag bei 5.937,11 Kilometern über der Erde, das Apogäum, der von der Erde am weitesten entfernte Bahnpunkt, bei 35.788,83 Kilometern. Die Inklination bzw. Neigung der Bahn gegen den Äquator betrug etwas über 18 Grad und 36 Winkelminuten (Bahndaten nach Abschätzungen laut Chrunitschew).

Der mit 32 gleichzeitig einsetzbaren Ku-Band-Transpondern ausgerüstete Satellit soll eine Position bei 77 Grad West im geostationären Orbit einnehmen, die er unter Nutzung eigener Triebwerke, darunter ein Apogäumsmotor vom Typ R-4D, erreichen kann. Die gesamte Kapazität von QuetzSat 1 will ein Tochterunternehmen der EchoStar Corporation nutzen, um Kunden in Mexiko, den Vereinigten Staaten von Amerika sowie Zentralamerika mit einer großen Bandbreite von Kommuniktionsdiensten und Programmen zu versorgen.

Die erwartete Lebensdauer des von Space Systems/Loral (SS/L) gebauten und auf dem 1.300-er Satellitenbus basierenden QuetzSat 1 liegt bei mindestens 15 Jahren. Beim Start betrug die Masse des Satelliten rund 5.514 Kilogramm. SS/Ls sechster Satellit aus der 20-Kilowatt-Klasse hat nach Angaben seines Herstellers die ersten Manöver nach dem Aussetzten erfolgreich absolviert.

Der Transport von QuetzSat 1 in den Weltraum erfolgte beim 19. Flug einer durch ILS vermarkteten Proton für SES. Mit QuetzSat 1 befinden sich jetzt 65 auf SS/Ls 1.300-er Bus basierende Raumfahrzeuge im All.

QuetzSat 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.826 bzw. als Objekt 2011-054A.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, ILS, Roskosmos, SS/L)


» LCRD: NASA will Laserkommunikation testen
02.10.2011 - Zur Zeit dauert es rund 90 Minuten, ein hochaufgelöstes Bild der HiRISE-Kamera des Marsorbiters MRO zur Erde zu übertragen. Mit einem optischen Kommunikationssystem, das Laserlicht verwendet, könnte die Übertragungsdauer für ein hochaufgelöstes Bild auf wenige Minuten reduziert werden. In einem LCRD für Laser Communications Relay Demonstration genannten Projekt will die US-amerikanische Raumfahrtagentur NASA entsprechende Möglichkeiten untersuchen.
Die derzeit ab 2016 geplanten Tests könnten den Weg weisen und schließlich sogar zu umfangreichen Übertragungen von Bewegtbilderströmen aus Entfernungen jenseits des Erdmondes führen. LCRD soll von einer Arbeitsgruppe unter Führung von Ingenieuren des Goddard Raumflugzentrums (GSFC) in Greenbelt im US-amerikanischen Bundesstaat Maryland verwirklicht werden, entschied unlängst eine leitenden Stelle für Technologie bei der NASA, das Office of the Chief Technologist (OST).

LCRD wird voraussichtlich als sogenannte hosted payload an Bord eines von Space Systems/Loral (SS/L) aus Palo Alto im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien gebauten Kommunikationssatelliten in den Weltraum gelangen. Unter der Vielzahl an dem Projekt beteiligten Organisationen befinden sich das NASA-Labor für Strahlantrieb (JPL) und das Lincoln Labor des Technischen Instituts Massachusetts (MIT LL).

Die NASA hat bereits hochleistungsfähige Funkübertragungssysteme entwickelt, die es unter anderem zusammen mit Verfahren zur Datenkompression derzeit aktiven Missionen erlauben, die anfallenden Datenmengen zu beherrschen. Für künftige in Planung befindliche Missionen und deren Bedürfnisse ist die derzeitig eingesetzte Technik nicht mehr ausreichend. Dave Israel, der leitende Wissenschaftler des LCRD-Projekts, glaubt, dass letzteres auch für neue bemannte Forschungsmissionen im Weltraum gilt.

Ein Ausbau des bisher auf der Nutzung von Radiowellen aufbauenden Weltraum-Kommunikationsnetzwerks aus Bahnverfolgungs- und Datenrelaissatelliten (TDRS) und einer Reihe von Bodenstationen mit optischen Systemen soll die NASA für künftige Aufgaben ertüchtigen. Dadurch könnten die möglichen Datenraten um Faktoren zwischen 10 und 100 gesteigert werden. Insbesondere Missionen, die die Grenzen unseres Sonnensystems erreichen oder sie gar überschreiten, werden von höheren Datenraten profitieren.

Bei LCRD als erstem Schritt wird laut James Reuther, Leiter einer OCT genannten Beratergruppe bei der NASA, gewissermaßen die Technik von Verizons FiOS-Netzwerk im Weltraum zum Einsatz kommen (FiOS ist ein in den Vereinigten Staaten von Amerika verbreitetes Breitband-Netzwerk, bei dem Gebäude oder einzelne Haushalte mit Glasfasernetzwerkkabeln erschlossen werden). Die NASA-Arbeitsgruppe vom GSFC will im Rahmen von LCRD digitale Daten codieren und über entsprechend ausgerüstete Bodenstationen per Laserlicht zum mit der passenden Testhardware ausgestatteten kommerziellen Kommunikationssatelliten senden.

Die Testsysteme an Bord des Satelliten werden sich aus Teleskopen, Lasern, Spiegeln, Detektoren, einer Richt- und Verfolgeranlage, elektronischen Komponenten und zwei unterschiedlichen Modems zusammensetzen. Eines der Modems ist hinsichtlich der Kommunikation mit Tiefraummissionen und mit sehr geringen Signalstärken arbeitenden Klein- und Kleinstsatelliten auf Erdumlaufbahnen optimiert, das andere hinsichtlich des Austauschs möglichst großer Datenmengen mit Satelliten und bemannten Raumfahrzeugen wie der Internationalen Raumstation (ISS) auf Erdumlaufbahnen. Modems letzteren Typs könnten künftig Datenraten von mehreren 10 Gigabit pro Sekunde erlauben.

Haben Daten vom Boden die Demonstrationsanlage im All erreicht, sollen sie an noch einzurichtende Empfangsstationen auf Hawaii und im Süden Kaliforniens weiter geschickt werden. Mehrere Empfangsstationen zu verwenden ist für die Demonstration eines voll arbeitsfähigen Systems von ausschlaggebender Bedeutung. Eine Wolkendecke oder turbulente Atmosphärenbedingungen behindern Verbindungen via Laserlicht, die eine klare Sichtlinie zwischen Sender und Empfänger benötigen. Ist eine Station wegen untauglichen Wetterbedingungen nicht in der Lage, eine Verbindung mit der Demonstrationsnutzlast aufzubauen, kann ihre Funktion eine andere, günstigeren Wetterbedingungen ausgesetzte Station übernehmen.

Zwei bis drei Jahre Testbetrieb ist für LCRD derzeit vorgesehen.

Verwandte Artikel:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)


» Der EPSC-DPS-Kongress 2011 in Nantes
03.10.2011 - Vom 2. bis 7. Oktober 2011 laden das europäische Forschungsnetzwerk Europlanet und die Division for Planetary Sciences der American Astronomical Society die weltweite Wissenschaftsgemeinde der Planetenforscher nach Nantes ein. Es werden über 1.200 Teilnehmer erwartet, welche sich im Rahmen eines internationalen Kongresses unter anderem auf die Vorträge führender Projektwissenschaftler von ESA, NASA und weiteren Institutionen freuen dürfen.
Immer mehr Raumsonden, welche mit hochauflösenden Kamerasystemen, hochmodernen Messinstrumenten, immer intelligenteren Sensoren und leistungsfähigeren Computersystemen und Softwareprogrammen ausgerüstet sind, dringen immer tiefer in die Weiten unseres Sonnensystems vor. Sowohl Weltraumteleskope wie zum Beispiel das Hubble Space Telescope, das Spitzer-Teleskop, Kepler oder CoRoT als auch erdgestützte Teleskope liefern ständig neue Bilder und Daten über die Planeten, Monde, Kometen und Asteroiden unseres Heimatsystems und erfassen mit ihren innovativen Aufnahmetechniken inzwischen auch bereits die Exoplaneten, welche fremde und oftmals viele hunderte von Lichtjahren entfernt gelegene Sterne umkreisen. Mittlerweile vergeht so keine Woche mehr, in welcher nicht neue Daten, atemberaubende Bilder und sensationelle Erkenntnisse aus dem weiten Forschungsfeld der Planetologie veröffentlicht werden, welche sowohl die interessierte Öffentlichkeit als auch die Fachwelt begeistern.

Aus den gewonnenen Daten leiten die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte unseres Planetensystems und des Universums sowie über die physikalischen, chemischen und geologischen Eigenschaften der einzelnen planetaren Objekte ab. Gleichzeitig ergeben sich dabei aber mit jeder erhaltenen Antwort auch fast automatisch immer wieder neue Fragestellungen, welche durch weitere Forschungen und zukünftige Raummissionen beantwortet werden sollen. Vom 2. bis 7. Oktober 2011 wird sich die weltweite Wissenschaftsgemeinde der Planetenforscher im Rahmen des "EPSC-DPS Joint Meeting 2011" neben der Präsentation weiterer neuer Forschungsergebnisse genau solchen neu aufgetretenen Fragen widmen.

Der jährlich stattfindende "European Planetary Science Congress" (EPSC) wird von dem europäische Forschungsnetzwerk "Europlanet" in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Division for Planetary Sciences (DPS) der American Astronomical Society veranstaltet. Neben den aus den USA stammenden Mitgliedern sind auch viele Wissenschaftler aus anderen Ländern in der DPS organisiert. Deshalb veranstaltet die DPS ihre jährlichen Treffen alle vier Jahre außerhalb der USA.

Durch den gemeinsamen Kongress ergibt sich die Gelegenheit, Fachkräfte aus den verschiedensten Bereichen der Planetenforschung - Wissenschaftler, Techniker und Ingenieure der einzelnen gegenwärtig aktiven und für die Zukunft geplanten interplanetaren Missionen, Fachleute für bodengebundene astronomische Beobachtungen und überwiegend in den verschiedensten theoretischen Arbeitsbereichen tätige Forscher - an einem Ort zu einem gegenseitigen Wissens- und Gedankenaustausch zusammenzuführen.

Das am 1. Januar 2005 gegründete europäische Forschungsnetzwerk "Europlanet" wird über das Rahmenprogramm der Europäischen Kommission mitfinanziert. Es soll, so die Zielsetzung, die Arbeit der europäischen Planetenwissenschaftler koordinieren und vernetzen. Neben der Abstimmung der einzelnen Aktivitäten sollen dabei Studien, Laborexperimente, Simulationen und Synergien zwischen den verschiedenen Forschungsansätzen erläutert und diskutiert werden. Durch diesen Erfahrungsaustausch soll eine bessere nationale und internationale Vernetzung der an den unterschiedlichen Aktivitäten beteiligten Wissenschaftler erreicht werden. Europlanet unterstützt diese Vernetzung unter anderem durch die Organisation von Konferenzen und durch die Vermittlung von Zugangsmöglichkeiten zu Labors und Feldforschungsprojekten.

Europlanet gehören gegenwärtig über 100 Forschungsinstitutionen und -gesellschaften an, welche 157 verschiedene Institute aus 16 Ländern repräsentieren. Aus Deutschland sind derzeit das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Max-Planck-Gesellschaft, das Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, die Universitäten Köln, Mainz, Potsdam, Stuttgart, Würzburg und Münster sowie die Technischen Universitäten in Berlin und München vertreten.

Der EPSC ist der größte europäische Kongress der Planetenforscher. Für den EPSC-DPS-Kongress 2011, welcher in diesem Jahr im Kongresszentrum der Stadt Nantes in Frankreich abgehalten wird, haben sich über 1.000 Teilnehmer aus Europa und den USA, aber zum Beispiel auch aus Russland oder Japan angekündigt. Die von Montag bis Freitag stattfindende Tagung setzt sich aus über 100 verschiedenen Sessions und 32 speziellen Splinter-Meetings und Wokshops zusammen, welche ein umfassendes Themenspektrum beinhalten.

Die darin enthaltenen Beiträge, welche in Form kurzer mündlicher Vorträge oder im Rahmen einer Posterpräsentation dargebracht werden, reichen vom Thema Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun und deren Monden über die sogenannten terrestrischen (erdähnlichen) Planeten Merkur, Venus und Mars und über unseren Erdmond bis hin zu den kleinsten Objekten unseres Sonnensystems, den Asteroiden, Kometen und Meteoren. Besondere Höhepunkte dürften die Präsentationen der jüngsten Forschungsergebnisse der Raumsonden DAWN und Messenger sein, welche zur Zeit den Asteroiden Vesta beziehungsweise den innersten Planeten unseres Sonnensystems, den Merkur, umkreisen.

Aber auch neueste Erkenntnisse aus dem Themenbereich der Exoplanetenforschung und Forschungsergebnisse aus der Astrobiologie sollen vorgestellt und dabei im Rahmen der jeweiligen Vorträge kurz diskutiert werden. Ebenso werden die technischen Aspekte zukünftiger Raum-Missionen bei dem Kongress nicht außer Acht gelassen. Neben den technischen Erfahrungen der aktuellen Missionen wird im Rahmen mehrerer Workshops auch ein Austausch über zukünftige Raummissionen stattfinden. So werden die Wissenschaftler zum Beispiel über die Zielsetzungen künftiger Missionen oder die technischen Möglichkeiten von Orbitern, Landern und Rovern bei der Erforschung fremder Planeten und Monde und die mit der Planung und Durchführung solcher Missionen verbundenen Probleme diskutieren.

Um die Gespräche und Diskussionen der Beteiligten in einer möglichst entspannten Atmosphäre zu ermöglichen, wurde für den diesjährigen Kongress - wie auch bereits in den Vorjahren - erneut ein vielfältiger Mix aus teilweise parallel stattfindenden Vorträgen, Workshops, Splinter-Meetings, Panels und Posterpräsentationen als Veranstaltungsform gewählt.

Ein spezieller Themenkomplex wird sich dabei erneut der Zusammenarbeit der professionellen Wissenschaftler mit der internationalen Gemeinde der Amateurastronomen und "Hobbyplanetologen" widmen. Diese Zusammenarbeit erwies sich in den vergangenen Jahren bereits als sehr erfolgreich und erstreckte sich dabei speziell auf die Beobachtung der Planeten Jupiter und Saturn, wo Amateurastronomen wertvolle Bilder über Kometen- und Asteroidenimpakte (Jupiter) oder das aktuelle Wettergeschehen (Saturn) liefern konnten, welche aufgrund der begrenzten Beobachtungszeiten in diesem Umfang nicht mit professionellen Instrumenten hätten angefertigt werden können. Aber auch bei der gezielten Beobachtung des Mondes oder von Meteoren und der Bestimmung von deren Fallraten sind Amateurastronomen gefragt und werden in aktuelle Beobachtungsprogramme der Wissenschaftler eingebunden.

Diese Zusammenarbeit geht Hand in Hand mit einem weiteren erklärten Ziel von Europlanet. Durch die Arbeit des Forschungsnetzwerkes soll unter anderem auch das sogenannte "Public Outreach", die Verbreitung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die gleichzeitig erfolgende Einbindung der interessierten Öffentlichkeit in die damit verbundenen Arbeiten der beteiligten Wissenschaftler der europäischen Forschungsinstitute verbessert werden. Durch eine innovative Öffentlichkeitsarbeit, so das Ziel, sollen die Aktivitäten der Planetenforscher bei den Bürgern, bei der Industrie und nicht zuletzt auch bei den für die Vergabe der benötigten Finanzmitteln verantwortlichen politischen Entscheidungsträgern mehr Beachtung finden.

Entsprechend dieser Zielsetzung wird mittlerweile jährlich ein Preis für "Excellence in Public Engagement with Planetary Science" an Einzelpersonen, Gruppen oder Institute vergeben, welche sich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit besonders engagiert haben. Mehr dazu in einer späteren Meldung auf der Portalseite von Raumfahrer.net.

Verwandte Website:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Europlanet, EPSC-DPS 2011)


» Arianespace soll Mexsat 3 ins All bringen
03.10.2011 - Am 29. September 2011 gab Arianespace bekannt, vom mexikanischen Ministerium für Kommunikation und Transport (Secretara de Comunicaciones y Transportes) beauftragt worden zu sein, den Kommunikationssatelliten Mexsat 3 auf einer Ariane 5 oder einer Sojus-Rakete in den Weltraum zu transportieren.
Mexsat 3 wird ein Startgewicht von rund 3.050 Kilogramm haben. Er ist eine Konstruktion des US-amerikanischen in Dulles im Bundesstaat Virginia ansässigen Luft- und Raumfahrtkonzerns Orbital Sciences Corporation (OSC), der sich auch um die Einrichtung des Teils des Bodensegments, das für den Betrieb des auf der Plattform STAR-2 basierenden dreiachsstabilisierten Satelliten erforderlich ist, kümmert. Die Kommunikationsnutzlast von Mexsat 3 soll mit je 12 gleichzeitig zu betreibenden Transpondern für den C-band- und den erweiterten Ku-Band-Bereich ausgerüstet werden. Für ihren Betrieb wird ein elektrische Leistung von voraussichtlich 3,5 Kilowatt benötigt, die zwei Solarzellenausleger aus jeweils drei Elementen mit UTJ-Galliumarsenid-Zellen erzeugen können.

Die Regierung Mexikos will Mexsat 3 einsetzten, um Mexiko und die umliegenden Regionen mit einer großen Bandbreite von Telekommunikationsdiensten zu versorgen. Stationieren möchte man Mexsat 3 bei 114,9 Grad West im Geostationären Orbit. Mindestens 15 Jahre lang soll sich der Satellit dann dort betreiben lassen. Sein Start von Kourou in Französisch-Guayana aus ist derzeit für Ende 2012 vorgesehen. Gelingen Start und Inbetriebnahme des Satelliten wie gewünscht, wird er Teil einer vom Hauptauftragnehmer Boeing entwickelten Satellitenkonstellation namens Mexican Satellite System (MEXSAT).


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Aianespace, Boeing, OSC)


» DAWN: Erste Ergebnisse vom Asteroiden Vesta
04.10.2011 - Die Raumsonde DAWN, welche sich seit dem 16. Juli 2011 in einer Umlaufbahn um den Asteroiden (4) Vesta befindet, hat mittlerweile die erste Phase der wissenschaftlichen Datengewinnung beendet. Erste Ergebnisse wurden am gestrigen Montag im Rahmen eines derzeit in Frankreich stattfindenden Kongresses vorgestellt.
Der etwa 560 x 544 x 488 Kilometer durchmessende Asteroid (4) Vesta ist vermutlich einzigartig in unserem Sonnensystem. Anders als alle anderen Kleinkörper, welche im sogenannten Asteroiden-Hauptgürtel zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter um die Sonne kreisen, weist dieser Asteroid eine differenzierte innere Struktur auf. Eine Kruste aus erkalteter Lava überdeckt dabei eine tiefer liegende Gesteinsschicht und einen darunter befindlichen Eisen-Nickel-Kern. Ein solcher Aufbau ist vergleichbar mit der Struktur der sogenannten terrestrischen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars. Kurz nach seiner Entstehung vor etwa 4,56 Milliarden Jahren muss der Asteroid vollkommen geschmolzen gewesen sein. In der Folgezeit kühlte Vesta langsam ab und die Gesteine trennten sich nach ihrer unterschiedlichen Dichte, wobei das schwere Material nach innen wanderte und den Kern des Asteroiden bildete.

Nach seiner Abkühlung hat sich der Asteroid chemisch nicht mehr verändert und ist somit quasi ein Zeitzeuge aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. Am 27. September 2007 startete die Raumsonde DAWN, um dieses äußerst interessante Objekt näher zu untersuchen. Durch die eingehende Erforschung des Asteroiden bietet sich den Wissenschaftlern die Möglichkeit, eine Art "Zeitreise" zu den Anfängen unseres Sonnensystems zu unternehmen. "Es ist das erste Mal, dass wir so nah an einen so alten Himmelskörper gelangen", so Prof. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. "Mit Vesta haben wir die Chance zu lernen, was passierte, als sich aus einer Staubwolke die ersten Planeten bildeten."

Nachdem DAWN am 16. Juli 2011 in einer Entfernung von rund 16.000 Kilometern zur Asteroidenoberfläche erfolgreich in eine Umlaufbahn um den Asteroiden (4) Vesta eingeschwenkt ist (Raumfahrer.net berichtete), wurde die Höhe der Umlaufbahn anschließend noch weiter abgesenkt. In den folgenden Wochen nahm die Asteroidensonde aus rund 2.700 Kilometern Höhe eine Vielzahl von Bildern auf und sammelte wertvolle Daten, mit deren Auswertung die an der Mission beteiligten Wissenschaftler noch viele Jahre beschäftigt sein werden. Erste Ergebnisse wurden allerdings bereits am 3. Oktober 2011 im Rahmen des diesjährigen EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem gerade in Nantes/Frankreich stattfindenden Wissenschaftskongress, vorgestellt.

Die am besten für das menschliche Auge erfassbaren Daten liefert natürlich die "Framing Camera" der Raumsonde DAWN, welche unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau entwickelt wurde. Mit dieser Kamera wurde im Verlauf der letzten Monate die gesamte südliche Hemisphäre und die Äquatorregion von Vesta abgebildet. Die Oberflächenbereiche nördlich des 30. Breitengrades können momentan noch nicht mit der Kamera erfasst werden, da diese aufgrund des Verlaufes der Umlaufbahn von Vesta um die Sonne derzeit nicht vom Sonnenlicht erreicht werden. Erst im Sommer 2012 werden dort Beleuchtungsverhältnisse gegeben sein, welche eine fotografische Erfassung sinnvoll erscheinen lassen.

Aber auch ohne den Blick auf die nördliche Hemisphäre haben die bisher zur Verfügung stehenden Bilder die Wissenschaftler wirklich überrascht: Neben diversen Impaktkratern zeigen sie eine Vielzahl von Bergen, Tälern und Canyons mit Höhenunterschieden von bis zu 25 Kilometern und einen gigantischen Berg, welcher zu den höchsten Erhebungen im bisher bekannten Sonnensystem gehört. All dies zeugt von einer immensen Dynamik in der Oberflächengestaltung. Die sehr komplexen Strukturen und die Diversität der verschiedenen Formationen war für die Wissenschaftler die größte Überraschung im bisherigen Missionsverlauf.

Mit den bisher zur Verfügung stehenden Daten haben die an der Mission beteiligten Wissenschaftler nicht nur die präzise Orientierung der Rotationsachse und des Äquators von Vesta bestimmt und die Einzelbilder zu einer Oberflächenkarte kombiniert, sondern anhand dieser Karte auch einen Nullmeridian festgelegt. Damit konnte ein einheitliches Koordinatensystem erstellt werden, durch das Vesta mit einem Netz von Längen- und Breitengraden überzogen wird. Für die Definition des Nullmeridians wählten die Wissenschaftler einen kleinen, lediglich rund 700 Meter durchmessenden Krater aus, welcher mit dem Namen "Claudia" belegt wurde. Dieses Koordinatennetz ist eine der Grundvoraussetzungen für die Lagebestimmung einzelner Objekte auf der Astroidenoberfläche und der Charakterisierung der gesamten Topografie des Asteroiden. Neu gewonnene Daten, welche die Raumsonde bei ihren Überflügen aufzeichnet, werden in das bestehende Kartenwerk eingefügt.

Und diese mit Kratern überzogene Oberfläche hat einiges zu bieten. Zum einen zeigen die Krater unterschiedlichste Stadien der Verwitterung. Sehr scharf begrenzte Krater mit deutlich erkennbaren Decken aus Auswurfmaterial dürften jüngeren Ursprungs sein. Daneben existieren aber auch stark verwitterte Krater und Strukturen, die kaum noch als Impaktkrater zu erkennen sind. Durch die Vielzahl der Impakte wurde die Oberfläche von Vesta geradezu umgepflügt und in mehreren Schichten mit Auswurfmaterial überzogen. Eine Besonderheit der Oberfläche von Vesta besteht darin, dass die nördliche Hemisphäre des Asteroiden mit deutlich mehr Kratern bedeckt ist als dessen Südhälfte. Besonders auffällig ist dabei der Mangel an kleineren Impaktstrukturen im Süden. Anhand der gezählten Krater konnten die Geologen eine erste Einschätzung über das Alter der Oberfläche vornehmen.

Demzufolge ist die Oberfläche im Bereich des Südpols mindestens eine Milliarde Jahre jünger als die raue, mit Kratern jeglichen Alters und jeder Größe überzogene Äquatorregion. Die ältesten Bereiche der nördlichen Hemisphäre verfügen über ein Alter von etwa 3,8 Milliarden Jahren. Dieses allerdings im Vergleich zum Alter unseres Sonnensystems immer noch relativ junge Alter überraschte die Forscher, denn auf der Erde gefundene Meteoriten der sogenannten HED-Gruppe, welche vermutlich von dem Asteroiden Vesta stammen, verfügen über ein Alter von über vier Milliarden Jahren. Allerdings existieren in der Äquatorregion mehrere Bereiche, welche über ein jüngeres Alter verfügen. An diesen Stellen wurde die Oberfläche durch ein oder zwei größere Ereignisse nachträglich umgeformt.

Eine besondere Struktur ist das gewaltige, über 460 Kilometer durchmessende Bassin, welches sich am Südpol von Vesta befindet. Diese auf den Namen "Rheasilvia" getaufte Formation unterscheidet sich in Form und Struktur von allen anderen Impaktkratern, welche bisher in unserem Sonnensystem untersucht werden konnten. Aufgrund dieser Andersartigkeit lässt sich dieser Krater mit keinenanderen bisher bekannten Strukturen vergleichen. Dies ist einer der Gründe, warum die Mitarbeiter der DAWN-Mission bisher noch nicht erklären können, was dort einst genau vorgefallen ist.

Ein Beispiel für die Besonderheit dieses südpolaren Bassins ist ein gewaltiger Berg, welcher sich fast genau im Zentrum der Vertiefung befindet und dieses Bassin mit einem Basisdurchmesser von 200 Kilometern zu einem Großteil ausfüllt. Dieser Berg erhebt sich auf eine Höhe von 20 Kilometern über den Grund des Kraters. Mit diesen nahezu gigantisch erscheinenden Ausdehnungen gehört er zu den höchsten bekannten Bergen auf den Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Zum Vergleich: Die höchsten bisher bekannten Erhebungen unseres Sonnensystems befinden sich auf dem mit einem Durchmesser von 6.794 Kilometern im Vergleich zu Vesta deutlich größeren Planeten Mars.

Dieser besagte Berg, der Olympus Mons, erreicht bei einem Basisdurchmesser von fast 600 Kilometern eine Höhe von 26,4 Kilometern. Bisher können sich die Wissenschaftler noch nicht erklären, wie sich dieser Berg gebildet haben könnte. Auch der Südpol verfügt anscheinend über kein einheitliches Alter. Einige der dortigen Bereiche könnten sogar jünger als eine Milliarde Jahre sein. Auf dem Boden des Kraters und am Hang des Berges befinden sich mehrere Krater mit Durchmessern zwischen 20 und 50 Kilometern. Kleinere Krater sind dagegen kaum präsent.

Auf den Aufnahmen der Framing Kamera sind an den Flanken des südpolaren Berges und an den Rändern des Kraters Hangrutschungen erkennbar, welche in unterschiedliche Richtungen verlaufen und sich dabei stellenweise überlagern. Dies deutet darauf hin, dass diese Rutschungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgelöst wurden. Hierfür könnten durch Impaktereignisse ausgelöste Erschütterungen der Asteroidenoberfläche oder gravitative Einflüsse verantwortlich sein. Ähnliche Hangrutschungen konnten auch an den Flanken mehrerer weiterer Krater beobachtet werden. Bruchlinien am Rand des Südpolbasis werden als tektonische Spannungsbrüche interpretiert.

Eine weitere Auffälligkeit sind eine Vielzahl von Rillen, welche sich unmittelbar südlich des Äquators über Längen von teilweise mehreren hundert Kilometern hinziehen. Diese "Grooves" entstanden infolge von Impaktereignissen. Die dabei auftretenden Kräfte stauchten die Oberfläche zusammen und komprimierten das Material. Eine in der Äquatorregion nur minimal erkennbare unterschiedliche Ausrichtung der Rillen ist ein Indiz dafür, dass für deren Entstehung mehrere Impakte verantwortlich waren. Vergleichbare, allerdings deutlich kleiner ausfallendes Rillen sind auch in mehreren anderen Bereichen der Oberfläche zu beobachten. Alles in allem weist die Oberfläche von Vesta eine Unebenheit auf, welche größer ist als bei allen bisher untersuchten Asteroiden. Dies zeugt von einer ungewöhnlich gewalttätigen Vergangenheit mit einer Vielzahl von Kollisionen mit anderen Himmelskörpern.

Aus den bisher zur Verfügung stehenden Bilddaten haben die beteiligten Wissenschaftler zudem erste dreidimensionale Aufnahmen erstellt und 3D-Modelle des Asteroiden berechnet. Durch die Berücksichtigung der dritten Dimension wird es den Wissenschaftlern ermöglicht, die Höhenunterschiede auf der Oberfläche von Vesta besser zu berücksichtigen und den Asteroiden so genauer zu erforschen.

Allerdings sind die Wissenschaftler nicht nur auf Schwarz-Weiß-Bilder und die daraus abgeleiteten Stereoaufnahmen und Höhenmodelle angewiesen. Die Framing Camera verfügt neben einem Klar-Filter über sieben verschiedene Farbfilter, welche sichtbares und nahes Infrarotlicht in den Wellenlängenbereichen zwischen 430 und 980 Nanometern erfassen können. Die unter Verwendung dieser Filter angefertigten Einzelaufnahmen können die Wissenschaftler zu sogenannten Falschfarben-Bildern kombinieren. Die Analyse solcher Aufnahmen ermöglicht dann unter anderem Rückschlüsse auf die mineralogische Zusammensetzung der Asteroidenoberfläche.

Die Falschfarbenkarte zeigt einen zweigeteilten Körper: Die nördliche Hemisphäre reflektiert Licht in einer anderen Intensität als die südliche. Dies offenbart sich durch eine überwiegend blaue und violette Färbung im Norden. In der Umgebung des Südpols dominieren dagegen ausgedehnte gelblich-grüne Bereiche. Wie diese unterschiedlichen Farben zu interpretieren sind, ist bisher noch nicht vollständig klar. Zum Verständnis der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von Vesta wird es jedoch notwendig sein, die stark ausgeprägten Farbvariationen der Oberfläche zu entschlüsseln. Auf jeden Fall deutet diese farbliche Zweiteilung auf unterschiedliche an der Oberfläche abgelagerte Minerale hin.

Zudem zeigen sich bei der Betrachtung von Falschfarbenbildern einzelner Impaktkrater auffällige Strukturen, welche einen Einblick in die Entwicklungsgeschichte des Asteroiden geben könnten. In den Falschfarbenaufnahmen offenbaren sich hier teilweise auf engsten Raum Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung der Oberfläche, die für das bloße Auge nicht erkennbar sind. "Während einige Krater in den Karten völlig unauffällig aussehen, sind andere von einem großflächigen Kranz andersfarbigen Materials umgeben", so Dr. Nathues. Möglicherweise stammt dieses auffällige Material von den Meteoriten und Asteroiden, welche die Krater in die Oberfläche von Vesta gerissen haben. Eine andere Möglichkeit ist jedoch, dass an diesen Stellen Material aus den tieferen Schichten Vestas an die Oberfläche befördert wurde. Sollte dies der Fall sein, so böten die betreffenden Regionen den Wissenschaftlern einen indirekten Blick in das Innere von Vesta. Dunkel erscheinende Materialablagerungen in der Umgebung einiger Krater könnten so zum Beispiel die Überreste einer vulkanischen Aktivität darstellen.

Eine Hilfe bei der Entschlüsselung der Zusammensetzung der Oberfläche sind die Daten, welche das VIR-Spektrometer der Raumsonde, ein im sichtbaren und infraroten Licht arbeitendes Spektrometer, liefert. Das VIR-Spektrometer hat so zum Beispiel eine Temperaturkarte von Vesta erstellt. Demzufolge schwanken die Oberflächentemperaturen auf Vesta zwischen 170 und 240 Kelvin, wobei die höchsten Temperaturen auf der Oberfläche kurz nach der Mittagszeit erreicht werden. An einigen "Hot Spots" steigt die Temperatur jedoch zu Spitzenwerten von bis zu 270 Kelvin an. Der Abgleich der Temperaturdaten mit den beobachteten Oberflächenstrukturen erlaubt ebenfalls Rückschlüsse auf die Oberflächenzusammensetzung. Schwarz-Weiß-Bilder ermöglichen zum Beispiel keine Rückschlüsse darauf, ob auf den Aufnahmen schattige Bereiche oder Bereiche mit einer von Natur aus dunkleren Oberfläche abgebildet sind. Eine Analyse der Temperaturen macht dies dagegen möglich.

Das VIR-Spektrometer hat bisher rund 3,7 Millionen Spektren aufgezeichnet und damit etwa 65 Prozent der Oberfläche - hauptsächlich von der Südhemisphere - abgedeckt. Diese bei unterschiedlichen Wellenlängenbereichen gesammelte Spektren erlauben ebenfalls Rückschlüsse über die Oberflächenbeschaffenheit. Die bisher ausgewerteten Spektren legen nahe, das die Mineralogie der Asteroidenoberfläche nicht homogen ist, sondern vielmehr stark variiert. Helligkeitsunterschiede auf der Oberfläche fallen dabei oftmals mit Temperaturunterschieden in diesen Regionen zusammen. Variationen in den einzelnen Spektren lassen sich mit verschiedenen Oberflächenstrukturen in Verbindung bringen. Und auch die Zweiteilung der nördlichen und der südlichen Hemisphäre lässt sich in den Daten des VIR-Spektrometers nachvollziehen.

Alles in allem hat sich Vesta den Wissenschaftlern bisher als ein absolut faszinierendes und geheimnisvolles Objekt präsentiert, das noch viele Geheimnisse verbirgt und wohl auch Überraschungen parat hat. Bisher konnten die mit der Auswertung der Daten beschäftigten Wissenschaftler nur wenige der Geheimnisse dieses Asteroiden lösen - eine Tatsache, die in dieser frühen Phase der Erkundung nicht überraschen darf. Weitere Bilder und Messungen aus einem niedrigeren Orbit werden benötigt, um noch höhere Auflösungen zu erreichen. Außerdem benötigen die Mitglieder der einzelnen Teams mehr Zeit, um die Daten der verschiedenen Instrumente miteinander zu vergleichen und in einen Kontext zu setzen. Erst durch einen Abgleich der Schwarz-Weiß-Bilder mit den Falschfarbenaufnahmen, den Spektraldaten und den Temperaturdaten lassen sich letztendlich die Geheimnisse von Vesta lösen.

Die DAWN-Mission wird vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der amerikanischen Weltraumbehörde NASA geleitet. Das JPL ist eine Abteilung des California Institute of Technology in Pasadena/Kalifornien. Die University of California in Los Angeles ist für den wissenschaftlichen Bereich der Mission verantwortlich. Das Kamerasystem an Bord der Raumsonde wurde unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in Zusammenarbeit mit dem Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze in Braunschweig entwickelt und gebaut. Das Kameraprojekt wird finanziell von der Max-Planck-Gesellschaft, dem DLR und der NASA (JPL) unterstützt. Nach dem Abschluss der Untersuchungen bei Vesta im Sommer 2012 soll die Raumsonde ihre Reise durch unser Sonnensystem fortsetzen und ab dem Jahr 2015 den Zwergplaneten Ceres, das größte und massereichste Objekt im Asteroiden-Hauptgürtel, untersuchen.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:

EPSC-DPS Joint Meeting 2011:

Verwandte Internetseite:

Technische Beschreibung der Framing Camera:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: EPSC-DPS 2011, DLR, MPS)


» Preis für Öffentlichkeitsarbeit an das ÖWF verliehen
04.10.2011 - Jedes Jahr wird auf den European Planetary and Science Congress, welcher gegenwärtig in Frankreich stattfindet, ein Preis für exzellente Öffentlichkeitsarbeit verliehen. Dieses Jahr ging dieser Preis an das Österreichische Weltraumforum, welches sich seit Jahren durch seine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit auszeichnet und dabei ein Vorbild für andere Organisationen und Institutionen abgibt.
Seit dem 3. Oktober findet in Nantes der diesjährige European Planetary and Science Congress (EPSC-DPS Joint Meeting 2011) statt. Neben der Diskussion der neuesten Erkenntnisse über die Planeten, Monde und Asteroiden in unserem Sonnensystem innerhalb der Wissenschaftsgemeinde legt das für die Organisation dieses Kongresses verantwortliche europäische Forschungsnetzwerk Europlanet auch ein besonderes Augenmerk auf die Öffentlichkeitsarbeit der an den Forschungen beteiligten Planetologen, denn eines der erklärten Ziele von Europlanet ist die allgemeinen Verbesserung der Kommunikation zwischen der Wissenschaftsgemeinde und der Öffentlichkeit.

Durch die Arbeit des Forschungsnetzwerkes soll so unter anderem auch das sogenannte "Public Outreach", die Verbreitung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die gleichzeitig erfolgende Einbindung der interessierten Öffentlichkeit in die damit verbundenen Arbeiten der beteiligten Wissenschaftler der europäischen Forschungsinstitute, verbessert werden. Durch eine innovative Öffentlichkeitsarbeit, so das Ziel, sollen die Aktivitäten der europäischen Planetenforscher bei den Bürgern, bei der Industrie und nicht zuletzt auch bei den für die Vergabe der für die Forschungsarbeiten benötigten Finanzmitteln verantwortlichen politischen Entscheidungsträgern mehr Beachtung finden.

Um Einzelpersonen, Gruppen oder Institute zu würdigen, welche sich in Bezug auf diese Zielsetzung in der Vergangenheit besonders engagiert haben, verleiht das "Europlanet Outreach Steering Committee" (OSC) jährlich den Preis für "Excellence in Public Engagement with Planetary Science". Der Preis soll herausragende Leistungen im Bereich der Kommunikation mit der breiten Öffentlichkeit würdigen bei denen die Empfänger des Preises innovative Verfahren und Vorgehensweisen entwickelt haben, um die jeweiligen wissenschaftlichen Arbeiten der allgemeinen Öffentlichkeit zu vermitteln und zugänglich zu machen. Eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit erfordert allerdings ein großes Maß an Phantasie und Enthusiasmus und zudem einen großen Arbeitsaufwand, welcher über einen langen Zeitraum erbracht werden muss. Um diesen Aufwand zu würdigen ist der Preis mit einer Summe von 4.000 Euro dotiert.

Der diesjährige "Price for Excellence in Public Engagement with Planetary Science" wurde vom OSC an das Österreichische Weltraum-Forum (ÖWF) verliehen. Das ÖWF verfügt über einen sehr aktiven Kern an Mitgliedern, welche oftmals auch beruflich in die Weltraumforschung involviert sind oder bei denen es sich um Weltraum-Enthusiasten handelt, die sich aus privatem Interesse im ÖWF engagieren. In enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen und der Industrie führt das ÖWF Forschungen im Bereich der verschiedensten Weltraumaktivitäten durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf astronomischen Arbeiten, der bemannten Erkundung des Mars, der Erdbeobachtung und der Astrobiologie.

Seit 1998 verfolgt das ÖWF auch ein Programm zur Öffentlichkeitsarbeit. Durch öffentliche Vorträge, Informationsveranstaltungen und Ausstellungen soll die "Faszination am Weltraum" weiter in der Gesellschaft verbreitet werden. Das Spektrum der Öffentlichkeitsarbeit reicht hierbei von einfachen Referaten vor Schulklassen und der Beratung von Lehrern bis hin zur Teilnahme an Großveranstaltungen mit bis zu 80.000 Besuchern. Des weiteren vermittelt der ÖWF der Presse und der interessierten Öffentlichkeit bei Bedarf Kontakte zu Instituten und Einrichtungen, welche im Bereich der Weltraumforschung tätig sind.

Die öffentlichen Veranstaltungen des ÖWF, werden oft in Zusammenarbeit mit Wissenschafts-Museen durchgeführt. Des weiteren ist das ÖWF auch regelmäßig auf Festivals wie zum Beispiel dem Ars Electronica Center Festival in Linz oder auf Messen wie der Herbstmesse in Innsbruck vertreten. Des weiteren erstellt das Österreichische Weltraum-Forum für die Presse regelmäßige Dossiers zu Themen und Ereignissen aus dem Gebiet der Planetologie. Über die verschiedenen Aktivitäten des Forums wird auf einer eigenen Webseite und zusätzlich mittels Twitter, Facebook und Youtube sowie durch einen monatlich erscheinenden Newsletter berichtet.

"Das Österreichische Weltraum-Forum ist ein Vorzeigemodell für Organisationen, welche in der Öffentlichkeit wirken", so Dr. Thierry Fouchet, der Europlanet-Koordinator für die Öffentlichkeitsarbeit. "Die Juroren waren sehr beeindruckt von der Bandbreite der verschiedenen Aktivitäten, von den angewandten innovativen Methoden, mit denen unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden, sowie von der großen Anzahl der Veranstaltungsbesucher."

"Wir fühlen uns sehr geehrt, diesen Preis zu erhalten", so Mag. Gernot Grömer, der Obmann des ÖWF, "Wir betrachten Bildung und Öffentlichkeitsarbeit als eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das Wissen und die Faszination, welche wir an die Gruppen weitergeben, mit denen wir auf den Gebieten Weltraumforschung, Astronomie und Raumfahrt zusammenarbeiten, beginnt mittlerweile zu unserer Organisation zurückzufließen. Dieser Rückfluss erfolgt in Form von talentierten Praktikanten, begeisterten Freiwilligen und sogar in Form von Experten, die ihre Erfahrungen in unsere Arbeiten einbringen."

"Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass diese jungen Leute, welche wir mit unseren Aktivitäten erreichen, der Generation angehören, die unsere Reisen durch das Sonnensystem fortsetzen wird - eine bemannte Mission zum Mars mit eingeschlossen", so Gernot Grömer weiter. “Wer kann denn schon sagen, ob wir mit einem unserer Vorträge, Workshops oder Projekte nicht bereits bei dem einen oder anderen der Zuhörer den Grundstein für eine zukünftige Karriere als Planetenwissenschaftler oder Mars-Astronaut gelegt haben."

Speziell die wissenschaftlichen Aktivitäten des ÖWF auf dem Gebiet der Marsforschung werden durch einen starken Fokus auf die Aspekte Wissensvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit ergänzt. Das Forum hat dazu in der Vergangenheit Wettbewerbe an Schulen durchgeführt, bei denen zum Beispiel Mars-Missionen entworfen wurden und eine Reihe von Lehrhilfen zum Thema Planetenwissenschaften für verschiedene Zielgruppen entwickelt, welche vom Kindergarten-Alter über Teenager bis hin zu Erwachsenen reichen. Dazu gehören auch Simulations-Raumanzüge, eine Mars-Landschaft oder ein ferngesteuertes Marsrover-Modell einschließlich Kameras und eines Greifarmes.

Erst im April 2011 führte das ÖWF eine Feldexpedition zur "Mars Analog"-Forschungsstation in der Halbwüste Rio Tinto in Spanien durch. Im Rahmen dieser Expedition wurde der Raumanzug-Simulator Aouda.X getestet, welcher zuvor in einem Zeitraum von drei Jahren entwickelt wurde. Bei diesen Mission handelte es sich um einen Teil des PolAres-Programms - eines interdisziplinären und für die Dauer von mehreren Jahren angelegten Forschungsprogramms des ÖWF. Hierbei sollen in Kooperation mit internationalen Partnern Strategien zur Vorbereitung einer zukünftigen Erforschung der Marsoberfläche durch Roboter und Menschen entwickelt und getestet werden.

Verwandte Website:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: EPSC-DPS 2011, Europlanet, ÖWF)


» Russischer Navigationssatellit gestartet
04.10.2011 - Am 2. Oktober brachte eine Rakete vom Typ Sojus-2.1b/Fregat vom Weltraumbahnhof Plessezk aus einen weiteren Satelliten für das Navigationssystem GLONASS ins All.
Das russische Navigationssystem GLONASS ist nun vollständig. Der letzte zur vollen Einsatzfähigkeit nötige Satellit wurde nun gestartet. Dazu zündete die Sojus-Rakete um 22:15 MESZ ihre Triebwerke. Nachdem ihre drei Stufen ausgebrannt waren, wurde die Fregat-Oberstufe zusammen mit dem Satelliten Glonass-M freigegeben. Später erreichte die Nutzlast ihre vorgegebene Umlaufbahn in einer Höhe von 19100 km bei einer Inklination von 64,8°. Ursprünglich hätte der Start bereits am 1. Oktober erfolgen sollen, jedoch machten Höhenwinde dem Verfahren einen Strich durch die Rechnung.

GLONASS, das russische Satellitennavigationssystem, ist vergleichbar mit dem US-Amerikanischen GPS, dem chinesischem Compass und dem europäischen Galileo. Es stellt verschiedene Navigationsdienste für das russische Militär, aber auch für die Öffentlichkeit bereit.

Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: Roscosmos)


» Proton-M bringt Kommunikationssatelliten ins All
21.09.2011 - Ein weiterer Satellit der Kosmos-Serie wurde am 21. September 2011 mit einer Proton-M-Rakete von Chrunitschew vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus auf den Weg ins All gebracht.
Um 0:47 Uhr MESZ hob die inklusive Bris-M-Oberstufe vierstufige Proton-M von der Startplattform 81/24 ab. Nach rund zehn Minuten Flug wurde die Orbitaleinheit bestehend aus Satellit und Oberstufe von der Proton-Rakete abgetrennt. Gegen 9:48 Uhr MESZ wurde der Satellit für das russische Verteidigungsministerium im vorgesehenen Transferorbit ausgesetzt. Demnächst soll das Raumfahrzeug eine Position im geostationären Orbit einnehmen, wohin es seine eigenen Triebwerke bringen können. Nach dem Start erhielt der Kommunikationssatellit in der Serie der russischen Kosmos-Satelliten die Nummer 2.473.

Beobachter russischer militärischer Raumfahrtprogramme gehen davon aus, dass es sich bei dem Satelliten um den ersten aus einer neuen Serie von Kommunikationssatelliten des russischen Militärs handelt und ordnen ihm die Bezeichnung Garpun 1 sowie den russischen Erzeugniscode 14F136 zu, den auch die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti Anfang Mai 2011 nannte. Die Aufgabe von Garpun 1 könnte es sein, große Datenmengen, die beispielsweise bei der Arbeit russischer Fernerkundungs- und Aufklärungssatelliten auf niedrigeren Erdumlaufbahnen entstehen, an entsprechend eingerichtete Bodenstationen weiterzuleiten. Garpun (russisch Гарпун) bedeutet Harpune.

Kosmos 2.473 alias Garpun 1 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.806 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-048A.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Chrunitschew, Interfax, RIAN, Roskosmos)


» Ariane 5 bringt zwei Satelliten ins All
22.09.2011 - In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag brachte die europäische Ariane 5 zwei Kommunikationssatelliten in den Orbit. Die beiden Satelliten ARABSAT 5C und SES-2 sollen in Zukunft verschiedene Telekommunikationsdienste anbieten.
Nachdem bereits um 12:08 Uhr MESZ der Countdown angelaufen war, hob die europäische Großrakete Ariane 5 um 23:38 Uhr zum Flug VA-204 ab. An Bord des von Kourou, Französisch-Guyana aus gestarteten Trägers befanden sich zwei Telekommunikationssatelliten, die unter anderem Fernseh- und andere Kommunikationsdienste für verschiedene Gebiete der Erde bereitstellen sollen.

Der Start erfolgte dabei mit einem Tag Verzögerung, da zuvor Mitarbeiter der Handelsunion der Arbeiter in Französisch-Guayana innerhalb der italienischen Firma TELESPAZIO in den Streik getreten waren. Heute jedoch schien der Konflikt gelöst und man war bereit für einen Start.

Sieben Minuten vor dem Start begann die automatische Startsequenz, die die Raketensysteme kontrollierte und alle Systeme auf den Start vorbereitete. So wurden beispielsweise bei T-4 Minuten die Tanks unter Druck gesetzt. Drei Minuten später nabelte sich die Rakete von der externen Stromversorgung ab und schaltete auf interne Energie um.

Als der Zeitpunkt T-0 erreicht worden war, zündete zuerst das Haupttriebwerk vom Typ Vulcain-2. Der Bordcomputer fuhr es automatisch auf volle Leistung hoch und prüfte die notwendigen Parameter. Nachdem alles im grünen Bereich war, wurden bei T+7 Sekunden die Feststoffbooster gezündet, woraufhin der Träger abhob. Die Ariane drehte sich um ihre Achsen, um den gewünschten Kurs einzuschlagen und entfernte sich mit zunehmender Geschwindigkeit von der Erde.

Nach zwei Minuten und 21 Sekunden waren die Booster ausgebrannt, wurden abgesprengt und fielen an Fallschirmen ins Meer. 47 Sekunden später wurde auch die Nutzlastverkleidung abgetrennt. In der bis dahin erreichten Höhe von knapp 107 Kilometern Höhe ist die Luftreibung gering genug, so dass sie keine Gefahr mehr für die Nutzlast darstellte. Acht Minuten und 59 Sekunden nach dem Start wurde die erste Stufe heruntergefahren und wenig später abgetrennt. Weitere vier Sekunden später lief die zweite an. Sie brannte für fast 16 Minuten, um die Satelliten auf ihre geplante Umlaufbahn zu bringen. Dann wurden nacheinander ARABSAT 5C, die Trägerstruktur SYLDA und SES-2 abgetrennt. Sie werden beide in den nächsten Tagen bis Wochen den geostationären Orbit mit ihren eigenen Triebwerken anfliegen.

ARABSAT 5C wurde von den beiden Raumfahrtfirmen Astrium und Thales Alenia Space für eine Gemeinschaft aus diesen beiden Firmen und ARABSAT gebaut und wird in Zukunft den mittleren Osten und Afrika mit Kommunikationsdiensten aller Art versorgen. Dazu ist er mit insgesamt 26 C-Band- sowie mehreren Ka-Breitbandtranspondern ausgestattet, die von zwei Solarpaneelen mit mindestens 12 kW Leistung versorgt werden. Der auf der EUROSTAR-E3000-Plattform basierende Satellit hat die Maße 2,1 m x 2,35 m x 4,09 m sowie eine Masse von 4.630 kg und wird im Orbit eine Spannweite von 30,75 m haben. Seine Positionierung wird auf 20° Ost erfolgen, wo er für mindestens 15 Jahre seine Aufgaben erfüllen soll.

Der zweite Satellit, SES-2, soll für Nordamerika und die karibischen Inseln verschiedene Telekommunikationsdienste anbieten. Dazu besitzt er 24 Ku- und 24 C-Band-Transponder, welche über zwei Solarpaneele mit einer Spannweite von 23,3 Metern mit mindestens 6 kW Leistung versorgt werden. Der 3.200 kg schwere Satellit wurde von der Orbital Science Corporation auf der Basis der Satellitenplattform STAR 2.4 gebaut und hat die Maße 4,9 m x 3,3 m x 2,30 m. Er soll für mindestens als 15 Jahre auf einer Position von 82° Ost arbeiten.

Dieser Start ist bereits der fünfte Flug einer Ariane 5 in diesem Jahr. Zuvor wurden bereits 6 Kommunikationssatelliten sowie das europäische Transportvehikel ATV 2 "Johannes Kepler" ins All gebracht.

Verwandte Meldungen und Artikel:

Raumcon:

Aufnahmen der Startübertragung:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: Arianespace)


» MEASAT 2: Aktiv im Alter
22.09.2011 - MEASAT 2, ein spinstabilisierter Kommunikationssatellit, der sich seit Ende 1996 im All befindet, wird vom seinem Eigentümer MEASAT Satellite Systems aus Malaysia (MEASAT) nach einem neuerlichen Positionswechsel wieder eingesetzt, um Kunden in Ostasien und ozeanischen Gebieten zu versorgen.
Die Hughes Space and Communications Company (HSC) im kalifornischen El Segundo war Hersteller des mit C- und Ku-Band-Transpondern ausgerüsteten Satelliten. Am 13. November 1996 hatte eine Ariane-Rakete vom Typ Ariane-44L H10-3 im Rahmen der Mission V92 MEASAT 2 mit einer Startmasse von rund 1.450 Kilogramm zusammen mit einem anderen Kommunikationssatelliten in den Weltraum befördert.

Ein Apogäumsmotor vom Typ Thiokol Star 30 stellte das Erreichen des Geostationären Orbits sicher, wo MEASAT 2 an einer Position von 148 Grad Ost positioniert wurde. Von dort versorgte das auf dem Satellitenbus HS-376 basierende Raumfahrzeug mit einer Auslegungsbetriebsdauer von 11 Jahren Kunden gemäß der Bezeichnung Malaysia-East Asia Satellite System.

Nach Erfüllung der von dem Satelliten erwarteten Aufgaben und einem rund 18 Monate benötigenden Umzug der ehemals auf MEASAT 2 etablierten Dienste auf andere für MEASAT verfügbare Satelliten war der kommerzielle Einsatz von MEASAT 2 zunächst beendet.

Unter der Bezeichnung Africasat 2 oder schlicht A2 gab MEASAT 2 auf bereits inklinierter Bahn ab 13. Januar 2010 ein Intermezzo im Bereich von 5,7 Grad Ost. Von dort strahlte er unterschiedliche Dienste und Programme für Empfänger in Afrika, Südeuropa und dem Mittleren Osten aus.

Schließlich informierte MEASAT Mitte September 2011 darüber, dass der Satellit wieder im Bereich von 148 Grad Ost im Einsatz sei. An einem Ersatzsatelliten für den nun seit fast 15 Jahren im All befindlichen MEASAT 2 arbeitet man, die Entwurfsfestlegungen für den MEASAT 2a genannten neuen Trabanten stehen nach Angaben von MEASAT kurz vor dem Abschluss.

2014 soll MEASAT 2a in den Weltraum gelangen, plant MEASAT. Einen Hersteller für den neuen Satelliten und einen Startanbieter nannte MEASAT bisher nicht. Weiterführende Informationen werden laut MEASAT in Kürze bekannt gegeben.

MEASAT 2 alias Africasat 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 24.653 bzw. als COSPAR-Objekt 1996-063B.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, Boeing, MEASAT)


» Alternative zur Dunklen Energie eliminiert
23.09.2011 - Eine neue Analyse von annähernd 560 Supernovae dieses Himmelsabschnitts legt eine signifikante Asymmetrie der Expansion des Universums nahe.
Sie ist das vielleicht größte Rätsel der modernen Kosmologie: Die Dunkle Energie. Die Triebfeder der sich offenbar immer weiter beschleunigenden Ausdehnung des Universums. Näher betrachtet beschreibt die Dunkle Energie in ihrem heutigen Verständnis den Zusammenhang zwischen ihrem Druck, sowie ihrer Dichte. Diese Relation wird in der kosmologischen Forschung auch als „Zustandsgleichung“ beschrieben.

Allgemein angenommen wird heute ein 72-prozentiger Anteil der Dunklen Energie am gesamten Masse-Energie-Inhalt des Universums, was die Dunkle Energie zu einem entscheidenden, wenn nicht sogar dem entscheidenden Faktor hinsichtlich der bisherigen Entwicklung und des künftigen Schicksals des Kosmos macht.

Und dennoch, die physikalische Interpretation der Dunklen Energie ist weitgehend ungeklärt und ihre Existenz ist experimentell nicht nachgewiesen.

Seit Ende der 1990er Jahre weiß man, dass der Kosmos beschleunigt expandiert. Irgendwann zwischen Urknall und einer Epoche von vor sechs bis acht Milliarden Jahren muss das Universum von Abbremsen auf Beschleunigen umgeschaltet haben. Bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts galt dann auch die Annahme der traditionellen Modelle, wonach die gegenseitige Gravitationsanziehung der (sichtbaren) Materie die Ausdehnung langsam abbremsen sollte. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall, denn die Expansion des Kosmos beschleunigt sich. Um diese beobachtete beschleunigte Expansion zu erklären, wurde die Dunkle Energie 1998 als eine Verallgemeinerung der kosmologischen Konstanten eingeführt.

Manche Wissenschaftler waren bislang der Meinung, dass diese Konstante ein Ad-hoc-Konstrukt sei, das keine tiefere Begründung für die zugrundeliegende Ursache liefere. Allerdings wurden in der Literatur in der Vergangenheit neben der Ablehnung auch Alternativmodelle der Konstanten diskutiert, die Erklärungsansätze zu den beobachteten Beschleunigungsbefunden liefern sollten. Eine dieser Alternativtheorien ist nun überzeugend widerlegt.

Die jetzt widerlegte Hypothese geht von der Annahme aus, dass die beobachtete beschleunigte Expansion des Universums tatsächlich gar nicht stattfindet. Sie soll vielmehr eine „Illusion“ darstellen, die aufgrund einer ungleichmäßigen Verteilung der Materie im Kosmos zustande kommt.

Geht es nach der Alternativhypothese, befänden wir uns in einem gigantischen Leerraum von einem Gigaparsec. In diesem auch als „Void“ beschriebenen Leerraum ist die vorhandene Materiedichte erheblich geringer, als im weiträumigen kosmischen Durchschnitt. Ein Gigaparsec entspricht etwa drei Milliarden Lichtjahren und ist die untere Grenze, die in der Void-Theorie gefordert wird, um zu der Illusion einer beschleunigten Expansion führen zu können.

Innerhalb des Void-Modells resultiert aus den Überlegungen eine maximale lokale Expansionsrate von 60 Kilometern pro Sekunde je Megaparsec (3,2 Millionen Lichtjahre). Die tatsächliche Expansionsrate des lokalen Kosmos beträgt allerdings 74 Kilometer pro Sekunde je Megaparsec und ist durch Analyse einer Vielzahl von Supernovae hinreichend belastbar dokumentiert.

Wie sich gleichwohl zeigt, bedeutet die plausible Widerlegung des Void-Modells nicht zwangsläufig eine homogene Expansion des Universums in alle Richtungen. Die mitunter unangenehme Konsequenz hieraus könnte zu einer Neubewertung eines kosmologischen Grundpfeilers führen, wonach sich das Universum als ein homogenes bzw. isotropes darstellt. Erhärtet sich der Verdacht, dass die Beschleunigung der kosmischen Expansion nicht in allen Richtungen gleich groß sein könnte, widerspräche dies fundamental dem Kosmologischen Prinzip. Diese Symmetrieannahme (das Universum verhält sich an jedem Ort und in jede Richtung gleich) ist eine der wichtigsten Grundlagen aller ernsthaft diskutierten kosmologischen Modelle, mit denen die Entstehung und Entwicklung des Kosmos beschrieben werden sollen.

In den vergangenen Jahren mehrten sich jedoch stetig die Anzeichen dafür, dass die kosmische Expansionsrate eben nicht in allen Richtungen gleich groß ist. Einen ersten statistischen Beweis der unterschiedlich schnellen Ausdehnung des Kosmos könnten Beobachtungen von Supernovae im großräumigen Bereich um das Sternbild Fuchs (eigentlich Füchslein, lat. Vulpecula) liefern.

Das eher unscheinbare Füchslein befindet sich zwischen den Sternbildern Cygnus (Schwan) und dem ebenfalls eher unbekannten Sagitta (Pfeil). Beobachtern und Astrofotografen dürfte das Füchslein als Heimstatt des planetarischen Nebels M 27, auch Hantelnebel genannt, geläufig sein.

Eine neue Analyse von annähernd 560 Supernovae dieses Himmelsabschnitts legt eine signifikante Asymmetrie der Expansion des Universums nahe. Sollten sich die Beobachtungen erhärten, müssen künftig womöglich anisotrope kosmische Modelle ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Vielleicht muss aber auch die beschleunigte Expansion völlig losgelöst von der Kosmologischen Konstanten betrachtet werden. Dann nämlich, wenn sogenannte Quintessenz-Felder die antreibende Wirkung erzielen, die in der Kosmologie gerade so etwas wie eine Renaissance erleben. Sie beinhalten eine zeitlich veränderliche Dunkle Energie und stellen somit eine Alternative zum Konzept der Kosmologischen Konstanten dar. Im Gegensatz zur Kosmologischen Konstanten wird die Quintessenz als eine zeitlich veränderliche Dunkle Energie, die inhomogen den Raum ausfüllt, verstanden. Mit der Ausdehnung des Universums nimmt die Energiedichte in Quintessenz-Modellen ab. Die Zustandsgleichung der Dunklen Energie zeigt dann einen hohen negativen Druck, was ihre Interpretation als Antigravitation nahe legen könnte. Diese Antigravitation triebe dann das Universum auseinander, was letztlich wieder in der beobachtbaren, kosmischen Expansion resultiert.

Quelle und weitere Artikel:

Raumcon:


(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: Cai & Tuo 2011)


» Japanischer Erdbeobachtungssatellit gestartet
24.09.2011 - Am 23. September 2011 wurde ein weiterer japanischer Erdbeobachtungssatellit mit optischem Bilderfassungssystem ins All gebracht.
Der Start erfolgte am 22. September 2011 um 6:36 Uhr MESZ zu Beginn eines 13 Minuten breiten Startfensters von der Startrampe 1 des Yoshinobu-Startkomplexes (YLP-1) an der Südküste der japanischen Insel Tanegashima. Die beim Start rund 53 Meter hohe und circa 285 Tonnen schwere H-IIA-Rakete von Mitsubishi Heavy Industries (MHI) setzte den von Mitsubishi Electric (MELCO) gebauten Satelliten mit der Bezeichnung IGS 6 nach rund zwanzig Minuten Flug im Weltraum ab.

Es war der neunzehnte Flug einer H-IIA-Rakete, der dreizehnte erfolgreiche dieses Raketenyps hintereinander, und der fünfte Flug, bei dem ein optischer Aufklärungssatellit aus der Reihe der IGS-Raumfahrzeuge ins All transportiert wurde. IGS steht für Information Gathering Satellite, übersetzt: Satellit zum Sammeln von Informationen. Die Raumfahrzeuge gibt es in Ausführungen mit optischen Bilderfassungsystemen und als Radarsatelliten.

Im Regelbetrieb sollen jeweils ein optischer und ein Radaraufklärer auf gleicher Umlaufbahn hintereinanderfliegend Gebiete anderer Staaten, wo für Japan möglicherweise gefährliche Aktivitäten stattfinden könnten, wie zum Beispiel Nordkorea, überfliegen, um Informationen über die jeweilige Situation zu erfassen und weiterzuleiten. Neben der militärischen Nutzung wie der Feststellung gegnerischer Raketenstarts sollen die Satelliten auch für die zivile Fernerkundung eingesetzt werden. Sie bewegen sich auf annähernd polaren Umlaufbahnen in Höhen zwischen 480 und 500 Kilometern über der Erdoberfläche.

Das erste Satellitenpaar aus IGS 1A und IGS 1B war am 28. März 2003 in den Weltraum gelangt. Im selben Jahr, am 29. November, ging ein zusätzliches Satellitenpaar aus IGS 2A und IGS 2B bei der fehlgeschlagenen Mission der H-IIA mit der Flugnummer F6 verloren, weil sich ein ausgebrannter Feststoffbooster nicht wie vorgesehen von der Rakete löste. Die Rakete kam dadurch soweit von der vorgesehenen Flugbahn ab, dass sie zerstört werden musste. Die Düse des von Nissan gebauten Boosters war durchgebrannt, und eine für die Boostertrennung benötigte Einrichtung beschädigt worden. Am 11. September 2006 gelang der Start des optischen Aufklärungssatelliten IGS 3A, und am 24. Februar 2007 konnten IGS 4A und IGS 4B ins All gebracht werden. Zuletzt erreichte IGS 5, ein optischer Aufklärungssatellit mit einem verbesserten Bilderfassungssystem, am 28. November 2009 eine Umlaufbahn um die Erde.

Neben dem jetzt gestarteten Satelliten mit optischem Bilderfassungssystem soll noch in diesem Jahr ein neuer mit Radaranlage ausgestatteter japanischer Erdbeobachtungssatellit ins All gebracht werden, und ein weiterer Radarsatellit im kommenden Jahr.

IGS 6, auch Optical 4, O-4 oder Kogaku #4 genannt, ist katalogisiert mit der NOARD-Nr. 37.814 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-050A.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: 373news.com, NHK, Raumfahrer.net, Yomiuri Online)


» Atlantic Bird 7 vom Pazifik aus gestartet
25.09.2011 - Von der wieder einmal am Äquator positionierten schwimmenden Startplattform Odyssey hat SEA LAUNCH nach längerer Pause einen neuen Kommunikationssatelliten für Eutelsat gestartet.
Die dreistufige Zenit-3SL-Rakete mt Atlantic Bird 7 an der Spitze hob am 24. September 2011 um 22:18 Uhr MESZ am Anfang des 74 Minuten breiten Startfensters von der bei 154 Grad westlicher Länge in internationalen Gewässern im Pazifik stationierten Startplattform ab. Nachdem die ersten beiden Stufen der in der Ukraine von Juschnoje gebauten Trägerrakete ihre Arbeit getan hatten, kam die Block DM-SL genannte Obertufe zum Einsatz, deren Aufgabe es war, Atlantic Bird 7 in einen Geotransferorbit zu bringen. Eine Stunde und sieben Minuten nach dem Start setzte die Oberstufe den Kommunikationssatelliten mit einer Startmasse von rund 4.600 Kilogramm wie vorgesehen aus.

Kurz nach dem Aussetzen von Atlantic Bird 7 empfing eine Bodenstation im südafrikanischen Hartebeesthoek in der Nähe von Pretoria zum ersten Mal Signale von dem neuen Erdtrabanten, die dafür sprechen, dass er seine Reise ins All gut überstanden hat. Innerhalb von drei Stunden nach dem Start erfolgte auf ein Kommando von einer Eutelsat-Bodenstation im französischen Rambouillet hin die zunächst teilweise Entfaltung der beiden Solarzellenausleger des Satelliten.

Der von EADS Astrium gebaute Satellit hat nun die Möglichkeit, unter Einsatz eigener Triebwerke in den Geostationären Orbit zu gelangen. Dort soll er zunächst eine vorläufige Position beziehen, an der er intensiv getestet werden wird. Für die zweite Oktoberhälfte 2011 ist dann die Positionierung des Satelliten bei 7 Grad West geplant.

Mit Atlantic Bird 7, der auf Astriums Satellitenplattform Eurostar E3000 basiert, möchte sein in Paris ansässiger Betreiber Eutelsat den seit März 2009 bei 7 Grad West eingesetzten Atlantic Bird 4A ablösen. 44 Ku-Band-Transponder des neuen Satelliten will Eutelsat künftig zur Versorgung des Mittleren Ostens und von Nordafrika mit direkt empfangbaren Fernsehprogrammen nutzen. Über weitere 12 Ku-Band-Transponder sollen Konsumenten in Nordafrika und Gebieten am Golf von Guinea mit unterschiedlichen Radioprogrammen erreicht und Zugangsmöglichkeiten zum Internet bereitgestellt werden.

Die Auslegungsbetriebsdauer von Atlantic Bird 7, dem neunzehnten, den Eutelsat bei Astrium beauftragt hatte, beträgt mindestens fünfzehn Jahre. Am Ende seines Einsatzes werden die beiden Solarzellenausleger, die ihm eine Spannweite von rund 33 Metern geben, laut Plan noch etwa 12 Kilowatt elektrische Leistung bereitstellen können.

Atlantic Bird 7 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 37.816 bzw. als COSPAR-Objekt 2011-051A.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium, Eutelsat, SEA LAUNCH)


» Merkur-Mission BepiColombo bucht Ariane 5
26.09.2011 - Mitte September 2011 wurde bekannt, dass die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) und der Raketenbetreiber Arianespace den Start der europäisch-japanischen Merkur-Mission BepiColombo auf einer Ariane 5 ECA vereinbart haben.
Nach den derzeitigen Planungen ist vorgesehen, BepiColombo im Juli 2014 von Kourou in Französisch-Guayana aus in den Weltraum zu transportieren. Das der erweiterten Erforschung des Planeten, der die Sonne im geringsten Abstand aller Planeten in unserem Sonnensystem umkreist, dienende Raumfahrzeug mit einer Startmasse von voraussichtlich rund 4.400 Kilogramm entsteht in enger Zusammenarbeit der ESA und der japanischen Agentur für Luft- und Raumfahrtforschung (JAXA).

Hat das Raumfahrzeug nach erfolgreichem Start, dem Verlassen der Erde mit einer Geschwindigkeit von rund 3,36 Kilometern pro Sekunde und einem rund sechs Jahre dauernden Überflug erst einmal eine Umlaufbahn um Merkur erreicht, soll es sich in zwei jeweils mindestens ein Jahr unabhängig voneinander operationsfähige Bestandteile trennen. ESA und JAXA haben den Bau jeweils eines dieser Teilsatelliten beauftragt und wollen sich entsprechend auch um den Betrieb ihres Merkurtrabanten kümmern, wenn der Planet erreicht wurde. Beide Teilsatelliten, der Mercury Planetary Orbiter (MPO) der ESA und der Mercury Magnetospheric Orbiter (MMO) der JAXA, sind mit einer Anzahl unterschiedlicher wissenschaftlicher Instrumente ausgestattet.

Der MPO soll seine Instrumente in einer Umlaufbahn zwischen 400 und 1.508 Kilometern über der Merkuroberfläche zum Einsatz bringen, für den MMO sind regelmäßige Messungen auch in größerem Abstand zur Oberfläche vorgesehen. Der am weitesten vom Merkur entfernte Bahnpunkt liegt für den MMO laut Plan bei 11.824 Kilometer über Merkurs Oberfläche.

Das erste Raumfahrzeug, das in die nähere Umgebung des Planeten Merkur gekommen ist, war die US-amerikanische Raumsonde Mariner 10 mit einer Startmasse von rund 503 Kilogramm. Sie absolvierte im Zeitraum 1974/75 drei Vorbeiflüge an dem innersten Planeten auf einer Bahn, die der italienische Wissenschaftler Guiseppe (kurz Bepi) Colombo vorgeschlagen hatte. Es darf erwartet werden, dass die neue nach dem Wissenschaftler bekannte Kundschaftermission deutlich mehr Informationen und Bilder nach Hause senden wird, als es Mariner 10 (u.a. rund 5.000 Bilder) Mitte der Siebziger des letzten Jahrhunderts tun konnte.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Arianespace, ESA, JAXA)


» Position des UARS-Wiedereintritts bestimmt
29.09.2011 - Am 28. September 2011 gab die US-amerikanische Raumfahrtagentur NASA abschließend bekannt, an welcher Stelle der ausgediente US-amerikanische Erdbeobachtungssatellit UARS wieder in die Erdatmosphäre eingetreten ist.
Der am 12. September 1991 im Rahmen der Raumtransportermission STS-48 ins All transportierte Erdbeobachtungssatellit UARS war seit 2006 auf einer immer weiter absinkenden Friedhofsbahn unterwegs. Am 24. September 2011 gegen 6:00 Uhr MESZ schließlich stürzte der Satellit rund sechs Jahre nach Ende seines wissenschaftlichen Einsatzes ab und wurde dabei wahrscheinlich zum größten Teil zerstört.

Das gemeinsame Operationszentrum von NASA und US-amerikanischer Luftwaffe auf der Luftwaffenbasis im kalifornischen Vandenberg hat die Stelle, an der der Satellit über dem pazifischen Ozean in die Atmosphäre eingetreten ist, bestimmt.

Sie liegt bei 14,1 Grad südlicher Breite und 170,2 Grad westlicher Länge und befindet sich über einem ausgedehnten entlegenen Ozeangebiet auf der südlichen Erdhalbkugel, weit weg von jeder größeren Landmasse.

Die Überreste des Satelliten verteilten sich in einem Gebiet zwischen 500 und 1.500 Kilometern hinter der Stelle des Wiedereintritts bzw. nordöstlich davon. Der NASA sind keine Berichte von Sichtungen niedergehender Trümmer bekannt. Überreste von 26 Bauteilen des Satelliten könnten die Erdoberfläche erreicht haben. Überstanden sie den feurigen Wiedereintritt, versanken sie im Pazifik.

Mediengalerie:

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA)


» China startet erste eigene Raumstation
29.09.2011 - Heute um 15:16 Uhr MESZ startete von Jiuquan aus eine Langer-Marsch-2G-Rakete. An deren Spitze befand sich die erste chinesische Raumstation, Tiangong 1.
Der Start erfolgte um 21:16 Uhr Ortszeit (15:16 Uhr MESZ) vom Jiuquan Satellite Launch Center (JSLC) in der Inneren Mongolei von Startplattform SLS-1 der Launch Area 4 des Weltraumbahnhofes. Dabei startete eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2F / 2G, auch bekannt als Chang Zheng (CZ) 2F / 2G, mit der schon die bemannten Shenzhou-Kapseln gestartet wurden. 157 Sekunden nach dem Start waren die vier Startunterstützungsbooster ausgebrannt und wurden abgetrennt. Die Erststufe wurde wenig später abgeworfen, worauf nach 201 Sekunden die Nutzlastverkleidung folgte. Die Zweitstufe war schließlich nach 461 Sekunden ausgebrannt und trennte ihre Nutzlast auf einem 200 x 347 km hohen Oribt mit einer Inklination von 42,7° ab. Dies war der 145. Start einer Rakete vom Typ Langer Marsch und der achte Start für das bemannte chinesische Weltraumprogramm.

Die Nutzlast der Rakete, das Orbitallabor Tiangong 1 (chin. für Himmlischer Palast) ist die erste in einer Reihe von Raumstationen, mit denen China die Technologien zum Betreiben einer großen Raumstation erarbeiten will. Sie ist 9 m lang, hat einen Durchmesser von maximal 2,8 m und wog beim Start 8,4 Tonnen. Das Modul besitzt zwei Solarpaneele mit einer Gesamtspannweite von 17 m. Es besteht aus zwei großen Sektionen, nämlich dem vorderen Orbitalmodul und dem Servicemodul. Das Orbitalmodul besitzt ein Raumvolumen von 15 m3 und am vorderen Ende einen Kopplungsstutzen, der dem auf der ISS eingesetzten androgynen APAS-89-Kopplungssystem ähnelt. Hier können dann Raumschiffe vom Typ Shenzhou ankoppeln. Im Orbitalmodul wird Platz für bis zu drei Taikonauten sein, die sich etwa zwei Wochen oder länger auf der Station aufhalten können, je nach Menge an mitgebrachter Fracht (Wasser, Nahrung, Luft etc.). Das Servicemodul wurde, im Gegensatz zum Orbitalmodul, von den Shenzhou-Raumschiffen mit geringen Veränderungen übernommen. In ihm sind Tanks für Treibstoff, Luft und Wasser sowie vier Triebwerke für Kurskorrekturen und 36 Lageregelungstriebwerke. Die Triebwerke besitzen einen Schub von jeweils 419 N, deutlich weniger als bei den bemannten Raumschiffen. Auch beherbergt es zwei Solarpaneele, die die Energiezufuhr der Raumstation gewährleisten. Diese sind im Vergleich zum Shenzhou-Raumschiff um je 1 auf 4 Elemente pro Seite vergrößert. Die Lageregelung soll zumindest versuchsweise über ein Drallrad vorgenommen werden.

Die erste Mission, die Tiangong 1 als Ziel hat, wird Shenzhou 8 sein. Sie ist zunächst noch unbemannt und soll das Dockingmanöver an die Station üben. Gestartet werden soll sie Anfang November. Dabei kommen sowohl radargestützte als auch laseroptische Messgeräte zur Bestimmung von Position und Lage zueinander zum Einsatz.

Die erste bemannte Mission zur Station wird dann Shenzhou 9 im Jahr 2012 sein. Die dreiköpfige Besatzung soll auf der Station vor allem den Betrieb der Systeme trainieren und kleinere Experimente durchführen. Shenzhou 10 schließlich wird die vorerst letzte Mission zu Tiangong 1 sein. Auch hier steht das Erlernen des Betriebes einer Raumstation im Vordergrund. Der Start ist ebenfalls für 2012 geplant. Nach zwei Jahren Betrieb soll dann die Station um 2013 gezielt zum Wiedereintritt gebracht werden.

Tiangong 1 ist die erste in einer Reihe von Teststationen. Um 2013 plant man, den Nachfolger Tiangong 2 zu starten. Diese Station hat schon weniger experimentellen Charakter und soll die Fähigkeiten Chinas zum Betrieb einer Raumstation ausbauen. Dabei wird Tiangong 2 gegenüber seinem Vorgänger leicht verbessert.

Tiangong 3 schließlich soll erstmals einen zweiten Kopplungspunkt am Heck bekommen, um so einen Mannschaftswechsel sowie den Betrieb von Frachtraumschiffen zu ermöglichen. Außerdem sollen Luft und Wasser aufbereitet werden können. Die Frachtraumschiffe sollen äußerlich große Ähnlichkeit mit den Tiangong-Modulenhaben und eine Gesamtmasse von 13 t besitzen. Als Trägerrakete ist ab 2015 die in Entwicklung befindliche CZ 7 vorgesehen.

Der Start von Tiangong 3 ist zurzeit nicht vor 2014 geplant. Das eigentliche Ziel aber ist eine modulare Raumstation, deren Hauptbestandteile ab 2016 auf einer in Entwicklung befindlichen CZ 5 mit einer Nutzlast um 25 t starten soll. Der Basisblock hat dabei Ähnlichkeiten mit den russischen DOS-Modulen, auf denen die Raumstationen vom Typ Saljut, der Basisblock der Mir und das ISS-Modul Swesda basieren. Die beiden seitlich anzudockenden Forschungsmodule sind hingegen komplette Neuentwicklungen.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: CCTV, CNSC, NSF)


» Message von Messenger: Merkur lebt
29.09.2011 - Die neusten Ergebnisse der Messenger Sonde bringen Leben in den bisher als toten Gesteinsbrocken betrachteten Planeten. Ob Magnetfeld, Vulkanismus oder Erosion: Merkur ist aktiver als vermutet.
Die Raumsonde Messenger umkreist seit dem 18. März diesen Jahres den innersten Planeten unseres Sonnensystems, den Merkur. Er gehört zu den bisher am wenigsten erforschten Planeten des Sonnensystems. Dies liegt vor allem an den für Raumsonden sehr unwirtlichen Bedingungen in der Nähe der Sonne, wie der hohen Temperatur und intensiver Strahlung, sowie an zahlreichen technischen Schwierigkeiten, die bei einem Flug zum Merkur bewältigt werden müssen. Nach nunmehr 6 Monaten wissenschaftlichen Betriebs kommen immer mehr Details an die Oberfläche.

Unsymetrisches Magnetfeld

Merkur und Erde sind die einzigen Gesteinsplaneten mit einem Magnetfeld inneren Ursprungs. Im Vergleich zum Erdmagnetfeld ist das des Merkur aber sehr schwach. Messenger fand bei der Vermessung des Magnetfeldes eine nördliche Verschiebung des magnetischen Dipols vom geografischen Äquator, was auf eine beträchtliche Nord-Süd-Asymmetrie schließen lässt. Und in der Tat, das Magnetfeld vom Nordpol ist um den Faktor 3,4 stärker als das am Südpol. Dazu kommt, dass die Fläche der offenen Feldlinien in der südlichen Hemisphäre etwa 4-mal so groß ist wie die vom Nordpol. Das vergleichsweise schwache Feld im Süden lässt die Pulverisierung der Oberfläche durch Ionenbeschuss (sputtering) zu, wo sich Plasma vorzugsweise auf der Oberfläche absetzt.

Die große Axensymmetrie und äquatoriale Asymmetrie von Merkurs Magnetfeld unterscheidet es von dem Feld der Erde oder anderen Planeten. Eine axial gegenläufig leitende Schicht zwischen einem noch tiefer gelegenen, intern gedrehten Feld und dem äußeren mag eine Erklärung für das axial ausgerichtete Feld vom Saturn sein. Ob es einen ähnlichen Mechanismus auch bei Merkur gibt, ist bisher noch unbekannt.

Erosion auf dem Merkur findet bis heute statt

Hochauflösende Bilder von Merkurs Oberfläche zeigten helle Stellen innerhalb von Kratern, welche man sich als randlose, seichte Geländesenken vorstellen kann. Diese Senken haben Durchmesser zwischen wenigen Metern bis zu mehreren Kilometern. Viele der Krater zeichnen sich durch eine stark reflektierende Oberfläche aus. Die wahrscheinlichste Erklärung für die Existenz dieser Senken ist ein kürzlichen Verlust von flüchtigen Anteilen durch eine Art von Sublimation, Weltraumwetter, Ausgasungen oder pyroklastischer Vulkanaktivität. Das hell reflektierende Material wurde "bright crater-floor deposits" (BCFD’s) genannt. Seine Entdeckung unterstützt die These, dass Merkurs Inneres aus deutlich mehr flüchtigem Material besteht als bisher angenommen.

Messenger fotografiert den gesamten Merkur mit einer Auflösung von 250 Metern pro Pixel. Details lassen sich mit der MDIS-Kamera erkennen, die bis zu 10 Meter Auflösung pro Pixel bei monochromen Aufnahmen zulässt. Am höchsten ist die Auflösung bei Regionen nördlich von 20° Breite, wo die Raumsonde aufgrund Ihres Orbits der Oberfläche am nächsten ist.

Beispielhaft für die Entwicklung der hellen Stellen sei Bild E. Es zeigt einen sehr nördlich gelegenen Krater mit weißen Ablagerungen am nördlichen Hang. An diesem südwärts gerichteten Hang ist die Aufheizung der Oberfläche maximal, was auf einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Substanz und der Oberflächentemperatur schließen lässt. Die steilen Gefälle am Kraterand sollten zu Oberflächenbewegungen führen, so dass das helle Material und die hellen Senken auf dem Merkur sehr wahrscheinlich neueren Ursprungs sind.

Die Errosionsrate auf der Oberfläche schätzt man auf etwa einen Zentimeter in 70.000 Jahren. Auch wenn noch vieles ungewiss ist, kann man den Prozesses, der die Oberfläche auf dem Merkur schneller verändert als die Mikrometeroiten-Erosion auf unserem Mond aber langsamer als die Trockeneissublimation auf dem Mars, als Erklärung für die deutlich jüngere Oberflächen innerhalb sehr alter Krater nehmen.

Indizien für zurückliegende vulkanische Aktivität

Messenger fand auch direkte Indizien für zurückliegende vulkanische Aktivität. Ganze 6% der Oberfläche sind von großen, glatten Flächen bedeckt, die wenige oder keine Einschlagkrater aufweisen. Deshalb liegt nahe, dass es nach dem großen Bombardement noch aktiven Vulkanismus auf der Oberfläche von Merkur gab.

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(Autor: Klaus Donath - Quelle: sciencemag.org)


» Weniger Asteroiden in Erdnähe als erwartet
30.09.2011 - Das Infrarotteleskop WISE war erfolgreich hat auf seiner Mission NEOWISE eine Menge Asteroiden im erdnahen Raum entdeckt. Jedoch befinden sich dort weniger, als man gedacht hatte.
Die neuesten Untersuchungen von WISE (Wide-field Infrared Survey Explorer) zeigen, dass die Anzahl der erdnahen Asteroiden, der sogenannten NEOs (Near Earth Objects), wesentlich geringer ist, als zuvor angenommen wurde. Sie zeigen auch, dass die NASA mittlerweile mehr als 90 Prozent der größeren Objekte mit mehr als 100 Metern Durchmesser gefunden hat, ein Ziel, welches im Jahr 1998 mit dem US-Kongress vereinbart wurde.

Die Astronomen schätzen nun, dass es anstatt 35.000 nur ungefähr 19.500 erdnahe Asteroiden mittlerer Größe gibt. Jedoch muss der Großteil dieser noch entdeckt werden. Außerdem ist zu untersuchen, ob weniger mittelgroße (100 -1000 m Durchmesser) Asteroiden auch bedeutet, dass es weniger potenziell gefährliche Objekte gibt, die sich der Erde annähern und mit ihr zusammenstoßen könnten.

Diese Daten stammen aus der genauesten Zählung der NEOs, welche WISE im Rahmen der NEOWISE-Mission durchgeführt hat. Dabei konnten mit der Infrarotkamera von WISE mehr Asteroiden gefunden worden, als dies vorher mit reinen Lichtteleskopen möglich war, denn nun waren auch Himmelskörper durch ihre Wärmestrahlung sichtbar, die den Astronomen zuvor aufgrund fehlender Reflexion entgangen waren. Außerdem konnten kleine Asteroiden mit hoher Reflexion nun besser von großen mit weniger Reflexion unterschieden werden, da diese im optischen Bereich nahezu gleich aussehen.

WISE war am 14. Dezember 2009 gestartet worden und hat zuerst eine Himmelsdurchmusterung durchgeführt, wobei es von festem Wasserstoff auf eine Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt herabgekühlt wurde. Nachdem das Kühlmittel verdampft war, wurde die Mission mit den nun noch funktionierenden Detektoren weitergeführt, bis WISE im Januar dieses Jahres abgeschaltet wurde.

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(Autor: Simon Plasger - Quelle: NASA)



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Saturn Aktuell: Saturnsonde Cassini: Weitere Mond-Aufnahmen von Redaktion



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» Saturnsonde Cassini: Weitere Mond-Aufnahmen
29.09.2011 - Seit mittlerweile über sieben Jahren fasziniert die Raumsonde Cassini die interessierte Öffentlichkeit mit beeindruckenden Bildern vom Saturn und dessen Monden. Durch die Auswertung dieser Bilder gewinnen die beteiligten Wissenschaftler immer tiefere Einblicke in die Geheimnisse unseres Sonnensystems.
Die Raumsonde Cassini befindet sich seit dem 30. Juni 2004 in einer Umlaufbahn um den Saturn und untersucht seitdem mit den an Bord befindlichen zwölf Instrumenten die Atmosphäre und das Ringsystem des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems. Außerdem stehen auch immer wieder die größeren der insgesamt 62 bisher bekannten Monde des Saturn im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

Gegenwärtig umkreist die Raumsonde den Saturn auf einer Umlaufbahn, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft. Hierdurch ergibt sich für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment immer wieder die Gelegenheit, mehrere der größeren, inneren Monde auf einer einzigen Aufnahme gleichzeitig abzubilden. Eine solche Aufnahme sehen Sie hier.

Das Bild wurde am 29. Juli 2011 mit der NAC-Kamera aufgenommen und zeigt neben Teilen des Ringsystems fünf Saturnmonde. Ganz links ist der unregelmäßig geformte Mond Janus zu erkennen, der mit Abmessungen von rund 194 x 190 x 154 Kilometern einen mittleren Durchmesser von 179 Kilometern erreicht. Rechts von Janus ist der Mond Pandora erkennbar, welcher den Saturn in einer Entfernung von rund 141.000 Kilometern umrundet. Dieser etwa 81 Kilometer durchmessende Mond zieht seine Bahn dabei in unmittelbarer Nähe des F-Ringes und fungiert so als ein Schäfermond. Zusammen mit einem weiteren, hier allerdings nicht abgebildeten Mond, dem im Mittel etwa 94 Kilometer durchmessenden Prometheus, verleiht Pandora dem F-Ring durch gravitative Einflüsse seine Form.

Etwas oberhalb der Bildmitte ist der 504 Kilometer durchmessende Mond Enceladus zu sehen. Enceladus wird in den kommenden Wochen im Rahmen von drei dichten Vorbeiflügen von Cassini aus nächster Nähe untersucht werden. Am rechten Bildrand ist der Mond Rhea abgebildet. Rhea verfügt über einen Durchmesser von 1.528 Kilometern und ist somit nach dem Mond Titan der zweitgrößte Mond des Saturn. Hinter Rhea ist schließlich noch der teilweise verdeckte Mond Mimas zu sehen. Mimas erreicht einen Durchmesser von 396 Kilometern.

Neben den ästhetischen Gesichtspunkten dienen solche Aufnahmen jedoch auch immer als Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten. Durch den Vergleich der zuvor durch Softwareprogramme berechneten voraussichtlichen Positionen der einzelnen Monde mit den dann tatsächlich beobachteten Positionen lassen sich die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die möglichst exakte Kenntnis der Position eines Mondes ist für zukünftige geplante Untersuchungen durch die Raumsonde Cassini zwingend notwendig.

Außerdem können auch solche aus größeren Distanzen angefertigte Aufnahmen der Studie von Oberflächendetails dienen. Die Auflösung des zum Aufnahmezeitpunkt des Fotos rund 1,8 Millionen Kilometer von der Raumsonde entfernten Mondes Enceladus beträgt etwa 11 Kilometer pro Pixel. Bei dem rund 1,1 Millionen Kilometer entfernten Mond Rhea liegt die Auflösung bei sieben Kilometern.

Eine weitere Aufnahme zeigt den Saturnmond Rhea. Die Saturnsonde Cassini passierte diesen Mond am 1. August 2011 um 23:02 MESZ im Rahmen eines nicht zielgerichteten Vorbeifluges in einer Entfernung von lediglich 5.862 Kilometern. Diese Gelegenheit wurde von den an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftlern unter anderem dazu genutzt, um die extrem dünne Atmosphäre des Mondes näher zu untersuchen (Raumfahrer.net berichtete).

Aus der Sicht der Raumsonde befand sich der Stern Epsilon Orionis, der mittlere Gürtelstern im Sternbild Orion, zum Zeitpunkt der dichtesten Annäherung unmittelbar neben dem Mond Rhea und wurde schließlich von diesem bedeckt. Bei solchen Sternbedeckungen wird das von dem Stern ausgehende Licht durch die Atmosphäre des Mondes leicht abgeschwächt. Durch die Messung der sich daraus ergebenden Helligkeitsveränderung des Sterns können die an der Mission beteiligten Wissenschaftler Rückschlüsse über die Ausdehnung und Dichte der Mondatmosphäre ziehen.

Auf der Aufnahme, welche am 1. August 2011 aus einer Entfernung von knapp 6.000 Kilometern mit der WAC-Kamera der Raumsonde angefertigt wurde, ist die nicht von der Sonne beleuchtete Nachtseite des Mondes erkennbar. Trotzdem erscheint die Mondoberfläche hell genug, um darauf Oberflächenstrukturen zu erkennen. Das hierfür nötige Licht wurde von der zu diesem Zeitpunkt von der Sonne beleuchteten Tagseite des Saturn reflektiert. Das Blickfeld der Kamera ist auf einen Punkt auf der Mondoberfläche zentriert, welcher sich bei 23 Grad südlicher Breite und 315 Grad westlicher Länge befindet. Unmittelbar neben dem Mond sind neben dem Stern Epsilon Orionis noch drei weitere Hintergrundsterne erkennbar.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL Photojournal, Raumcon-Forum)


» Cassini untersucht erneut den Mond Enceladus
29.09.2011 - Bereits am 22. September 2011 begann der 155. Orbit der Raumsonde Cassini um den Saturn. Während des 17 Tage dauernden Umlaufs sollen sowohl die Atmosphäre des Saturn als auch der Mond Titan näher untersucht werden. Den Höhepunkt bildet allerdings ein am 1. Oktober erfolgender Überflug des Mondes Enceladus.
Bereits am 22. September erreichte die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn. Dabei befand sich Cassini in einer Entfernung von etwa 2,37 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 155. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich auch in den kommenden acht Monaten weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Diese gegenwärtige äquatoriale Flugbahn der Raumsonde ermöglicht es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern unter anderem, die Kanten der Saturnringe abzubilden. Durch die Auswertung dieser Bilder ist es somit zum Beispiel möglich, deren vertikale Ausdehnung zu bestimmen. Zudem ist aus dieser Perspektive ein Blick auf die Wolkenschichten in der Saturnatmosphäre gegeben, welcher nur minimal durch das Ringsystem des Planeten oder einen von den Ringen auf den Saturn geworfenen Schatten beeinträchtigt ist. Außerdem ergibt sich bei dieser Bahn die Möglichkeit, im Rahmen eines einzigen Orbits mehrere Monde zu überfliegen, deren Bahnen ebenfalls in der Äquatorebene liegen.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der vor einer Woche begonnene Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 154", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern dazu genutzt werden, den Ringplaneten und den größten seiner 62 bisher bekannten Monde, den etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden. Den Höhepunkt des gegenwärtigen Orbits bildet aber ein am 1. Oktober erfolgender dichter Vorbeiflug am Saturnmond Enceladus.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, eines von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des 17 Tage dauernden Orbits insgesamt 63 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Der überwiegende Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt (Raumfahrer.net berichtete).

Zwischen dem 23. und dem 30. September sowie zwischen dem 3. und dem 10. Oktober sind so zum Beispiel insgesamt 22 entsprechende Aufnahmesequenzen vorgesehen. Durch den Vergleich der mit verschiedenen Filtern angefertigten Aufnahmen wollen die Cassini-Wissenschaftler den Zug dieses Sturmgebietes und Veränderungen in dessen Ausdehnung dokumentieren.

Am 26. September stand zudem der Mond Titan im Fokus der an der Cassini-Mission beteiligten Forscher. Aus einer Entfernung von rund 875.000 Kilometern wurde der Mond über einen Zeitraum von 5 Stunden und 15 Minuten mit der ISS-Kamera unter Verwendung verschiedener Filter abgebildet. Das Ziel dieser Beobachtung bestand darin, eventuell gerade über der am Titan-Äquator gelegenen Shangri-La-Region sichtbare Wolken abzubilden und deren Bewegungsrichtung zu dokumentieren.

Bei der Region Shangri-La handelt es sich um eine dunkle Oberflächenformation, welche sich westlich des Gebietes befindet, in dem am 15. Januar 2005 die Sonde Huygens auf der Titanoberfläche landete. Anschließend wurde eines der Spektrometer der Raumsonde, das Composite Infrared Spectrometer (CIRS), auf den Titan ausgerichtet, um weitere Daten zu sammeln.

Am darauf folgenden Tag erfolgte eine 15stündige Beobachtung des kleinen, äußeren Saturnmondes Skoll. Über diesen erst im Jahr 2006 entdeckten und etwa sechs Kilometer durchmessenden Mond ist bisher außer den Daten seiner Umlaufbahn nur sehr wenig bekannt. Aus den Variationen in der sich bei der Beobachtung ergebenden Lichtkurve soll dessen Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden. Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen neben der Rotationsgeschwindigkeit wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen.

Am 1. Oktober wird die Raumsonde schließlich um 18:57 MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 155. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 135.850 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Bereits rund drei Stunden vorher wird die Raumsonde um 15:52 MESZ einen gesteuerten Vorbeiflug an dem 504 Kilometer durchmessenden Mond Enceladus durchführen. Cassini wird sich der Mondoberfläche dabei mit einer Geschwindigkeit von 7,4 Kilometern pro Sekunde bis auf eine Entfernung von 99 Kilometern nähern und dessen zu diesem Zeitpunkt nicht von der Sonne beschienenen Südpol überfliegen. Bei diesem auch als "E-14" bezeichnete Vorbeiflug handelt es sich um den ersten von insgesamt drei Enceladus-Vorbeiflügen, welche bis zum 6. November 2011 vorgesehen sind.

Im Rahmen des E-14-Vorbeifluges sind drei Beobachtungskampagnen durch die ISS-Kamera eingeplant. In der ersten Bildsequenz, die während der Anflugsphase der Raumsonde an den Mond angefertigt und bis 14:00 MESZ andauern soll, wird sich Enceladus lediglich als eine schmale Sichel präsentieren. Die ISS-Kamera soll diese günstige Perspektive dazu nutzen, um speziell die von der Südpolregion ausgehenden Fontänen aus Gas und feinen Wassereiskristallen abzubilden. Neben der Suche nach weiteren Plumes soll dabei eine eventuell veränderte Aktivität der bisher bekannten Auswurfzonen untersucht werden. Als zusätzlicher Bonus wird sich während dieser Sequenz der kleinere Mond Epimetheus ins Bild schieben und schließlich vom Enceladus-Nordpol verdeckt werden.

Während der Phase der dichtesten Annäherung wird sich Cassini dann direkt über den Südpol des Mondes hinweg bewegen und mit zwei weiteren Instrumenten, dem "Ion and Neutral Mass Spectrometer" (INMS) und dem "Radio and Plasma Wave Science"-Instrument (RPWS) Daten sammeln. Diese beiden Geräte sollen dabei die Zusammensetzung des von den Kryovulkanen ausgeworfenen Materials ermitteln. Ursprünglich war vorgesehen, bei dieser Gelegenheit noch ein weiteres Instrument einzusetzen. Allerdings konnte das Cassini Plasma Spectrometer (CAPS) nach dessen vorsorglichen Deaktivierung im Juni 2011 (Raumfahrer.net berichtete) noch nicht wieder in Betrieb genommen werden.

Im Rahmen ihrer zweiten Aufnahmesequenz wird die ISS-Kamera mit dem CIRS-Spektrometer zusammenarbeiten. Das CIRS soll dabei die Temperatur in der Äquatorregion des Mondes ermitteln, während dieser sich im Schatten des Saturn befindet. Die Kamera dagegen soll dokumentieren, wie Enceladus wieder aus dem Saturnschatten austritt und zudem einzelne Bereiche der nördlichen Mondhemisphäre im Detail abbilden. Bei der dritten Sequenz soll schließlich die gesamte zu diesem Zeitpunkt sichtbare Oberfläche von Enceladus aus einer Entfernung von rund 125.000 Kilometern abgebildet werden. Aus den einzelnen und mit unterschiedlichen Farbfiltern angefertigten Aufnahmen kann später ein Farbbild des Mondes erzeugt werden.

Am 3. Oktober wird die Kamera ihre Suche nach weiteren und bisher noch nicht entdeckten Saturnmonden fortsetzen. Zu diesem Zweck soll die Kamera die Region um den Lagrange-Punkt L4 des Mondes Titan abbilden. An den fünf Lagrangepunkten heben sich die Gravitationskräfte benachbarter Himmelskörper und die Zentrifugalkraft der Bewegung gegenseitig auf. Dadurch entstehen an diesen Punkten Zonen mit einem niedrigen Gravitationspotenzial. Drei der Lagrange-Punkte, nämlich L1, L2 und L3, sind dabei relativ instabil, so dass bereits leichte gravitative Wechselwirkungen zu einem Entweichen von eventuell dort befindlichen Objekten führen können. Die Punkte L4 und L5, welche sich 60 Grad vor beziehungsweise hinter dem Himmelskörper befinden, sind dagegen stabil, so dass sich dort kleinere Objekte sammeln und anschließend über einen nahezu unbegrenzt langen Zeitraum aufhalten können.

Im Mondsystem des Saturn befindet sich so zum Beispiel der kleine Mond Telesto in der L4-Region des größeren Mondes Tethys, während der Mond Calypso sich in der Region von dessen L5-Punkt befindet. Der L5-Punkt von Dione wird dagegen von dem Mond Polydeuces eingenommen. Die geplante Beobachtung des L4-Punktes von Titan dient der Suche nach einem eventuell dort befindlichen und bisher noch unentdeckten weiteren Begleiter des Ringplaneten. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler sollte es möglich sein, eventuelle dort befindliche Monde mit einer Größe von bis zu 80 Metern Durchmesser zu entdecken.

Am 10. Oktober wird Cassini schließlich in einer Entfernung von rund 2,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und den 155. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 156 wird am 19. Oktober ein erneuter zielgerichteter Vorbeiflug an dem Mond Enceladus erfolgen. Cassini wird diesen geologisch aktiven Mond dabei in einer Höhe von 1.231 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 7,5 Kilometern pro Sekunde passieren. Zuvor wird jedoch die Kommunikation mit der Raumsonde zwischen dem 11. und dem 16. Oktober erst einmal stark eingeschränkt sein. Der Grund hierfür ist die diesjährige Sonnenkonjunktion. Hierbei handelt es sich um eine Himmelskonstellation, bei der sich der Saturn von der Erde aus gesehen in einem Abstand von nur wenigen Grad zu der Sonne befindet. Aufgrund dieser Planetenstellung ist die Datenübertragung zwischen der Erde und der in der Saturnumlaufbahn befindlichen Raumsonde für einen Zeitraum von einigen Tagen nicht möglich, da die von der Sonne ausgehende Strahlung die Funksignale, welche zwischen den beiden Planeten hin und her gesandt werden, zu sehr stören würde.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)


» Titan: Atmosphärische Wellen führen zu Niederschlägen
04.10.2011 - Wie entstehen die Sturmgebiete auf dem Titan, dem größten Saturnmond, und welchen Einfluss haben die daraus resultierenden Niederschläge aus Methanregen auf dessen Oberfläche? Ein Wissenschaftler-Team aus den USA und Schweden präsentierte auf einem gegenwärtig in Nantes stattfindenden Kongress eine Antwort.
Durchschnittlich einmal pro Saturnjahr, also etwa alle 30 Erdjahre, gerät die Atmosphäre des Saturn aufgrund der stark ausgeprägten Jahreszeiten während des dann einsetzenden Frühlings auf der nördlichen Planetenhemisphäre in Aufruhr. In den unteren Wolkenschichten des Planeten entsteht in dieser Zeit eine Störung, welche so stark ausfällt, dass sie nicht nur verhältnismäßig kurzzeitige und punktuell auftretende Auswirkungen hat, sondern vielmehr die Atmosphäre des gesamten Planeten beeinflussen kann. Dies äußert sich in der Bildung gigantischer Sturmgebiete über den mittleren nördlichen Breiten, welche sich auf Fotoaufnahmen als helle Zonen erkennen lassen und im Gegensatz zu den "normalen" Saturnstürmen in den mittleren Breiten über mehrere Monate hinweg aktiv sind. Gegenwärtig ist die Saturnsonde Cassini damit beschäftigt, ein solches Sturmgebiet, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt, näher zu untersuchen (Raumfahrer.net berichtete).

Aber nicht nur der Ringplanet Saturn ist von solchen jahreszeitlich bedingten Wetterphänomenen betroffen. Auch dessen Mond Titan, der größte der bisher 62 bekannten Saturnmonde, verfügt über eine dichte Atmosphäre, welche sich zu 98,4 Prozent aus Stickstoff zusammensetzt. Neben dem Edelgas Argon und der Kohlenwasserstoffverbindung Methan konnten in der Vergangenheit zudem mehr als ein Dutzend organischer Verbindungen wie zum Beispiel Ethin, Ethan, Propan und Cyanwasserstoff nachgewiesen werden.

Titans Atmosphäre erhebt sich rund zehnmal höher in den Weltraum als die irdische Atmosphäre. Die Troposphäre des Mondes reicht zum Beispiel bis in eine Höhe von etwa 50 Kilometern. In deren oberen Schichten herrscht eine Windgeschwindigkeit von etwa 30 Metern pro Sekunde. Zudem rotiert die Atmosphäre schneller von Ost nach West als die Mondoberfläche. Dieses als Superrotation bezeichnete Phänomen führt zu starken Turbulenzen innerhalb der Troposphäre.

In der Atmosphäre des Titan sind zudem eindeutig Wolkenformationen zu erkennen, welche sich überwiegend aus Methan zusammensetzen. So konnte zum Beispiel bereits im September 2010 ein massives Sturmgebiet mit einer Ausdehnung von über tausend Kilometern registriert werden. Von der Raumsonde Cassini über einen Zeitraum von mehreren Jahren angefertigte Aufnahmen zeigten dabei deutlich erkennbare Veränderungen auf der Oberfläche des Mondes, welche auf einer Fläche von etwa 500.000 Quadratkilometern erfolgten. Unmittelbar nach dem Vorbeizug des Sturmes erschien die Mondoberfläche in diesem Bereich deutlich dunkler gefärbt als zuvor. Diese Veränderungen werden von den Cassini-Wissenschaftlern als ein Beleg für einen erfolgten Methanregen interpretiert, welcher zu der Verdunkelung führte.

Das auslösende Sturmgebiet verfügte in seinem Zentrum über eine Ost-West-Ausdehnung von rund 1.200 Kilometern. An den Flanken erstreckte es sich nochmals über jeweils mehrere hundert Kilometer in die nordwestliche beziehungsweise südwestliche Richtung. Wie können sich jedoch solche markanten pfeilförmigen Wolkenformationen bilden? Diese Frage konnte jetzt ein Wissenschaftlerteam um Jonathan L. Mitchell von der University of California in Los Angeles/ Kalifornien beantworten.

Laut den mittels Computersimulationen durchgeführten Analysen wurde die pfeilförmige Wolkenstruktur durch weiträumige atmosphärische Wellen, den sogenannten Kelvin-Wellen, erzeugt. Diese Wellen bilden sich in der Äquatorregion des Mondes und führen dabei zur Entstehung von räumlich scharf abgegrenzten, sehr kompakt ausfallenden und unter bestimmten Umständen auch pfeilförmig geformten Wolkenstrukturen. Die Kelvin-Wellen steuern dabei zudem die globalen Windströmungen und den atmosphärischen Wärmeaustausch auf Titan. Außerdem beeinflussen diese atmosphärischen Wellen auch die auf dem Titan auftretenden Methan-Niederschläge und die dadurch bedingt auftretende Bodenerosion.

Laut den Computersimulationen der an der Forschungsarbeit beteiligten Wissenschaftler ging in dem Bereich der pfeilförmigen Wolkenstruktur eine Niederschlagsmenge von ein bis zwei Zentimetern auf die Oberfläche nieder. Diese für die auf Titan vorherrschenden Verhältnisse intensiven Niederschläge, welche immerhin etwa die 20fache Menge des normalerweise erfolgenden Niederschlages bedeuten, könnten nach Ansicht der Wissenschaftler einen wesentlichen Faktor bei verschiedenen erosiven Prozessen darstellen, welche auf der Oberfläche des Mondes erfolgen. Unter anderem lassen sich damit die Fließstrukturen erklären, welche in der Vergangenheit auf dem Titan beobachtet werden konnten.

Die hier kurz angerissenen Forschungsergebnisse wurden heute im Rahmen des diesjährigen EPSC-DPS Joint Meeting 2011, einem gerade in Nantes/Frankreich stattfindenden Wissenschaftskongress, vorgestellt.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: EPSC-DPS 2011)



 

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ISS Aktuell: ISS-Langzeitbesatzung 29 nun länger nur zu Dritt von Redaktion



• ISS-Langzeitbesatzung 29 nun länger nur zu Dritt «mehr» «online»


» ISS-Langzeitbesatzung 29 nun länger nur zu Dritt
30.09.2011 - In ihren ersten beiden Wochen als Drei-Personen-Crew hatte die ISS-Besatzung vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Durch die zeitweilige Verminderung der Personenstärke im All kam es zu einigen Umplanungen im Tagesablauf der Raumfahrer Sergej Wolkow, Michael Fossum und Satoshi Furukawa. (Newsbild: Derzeitige ISS-Besatzung)
Im japanischen Forschungsmodul wurde in der vorangegangenen Woche erneut das Marangoni-Experiment gestartet. Dieses physikalische Experiment untersucht die sogenannte Marangoni-Konvektion, also Strömungen und Verwirbelungen in Flüssigkeiten unter Mikrogravitation. Die hierbei erzeugte Flüssigkeitsbrücke ist trotz der Oberflächenspannung so empfindlich, dass dieses Experiment während der Schlafperiode der Raumfahrer laufen muss, um Schwingungen in den Modulen weitgehend zu vermeiden. Es sind diesmal höchstens 4 Tage pro Woche und 24 Läufe insgesamt bis Ende November angesetzt. Sergej Wolkow beschäftigte sich in der letzten Woche mehrfach mit dem Gewächshaus-Experiments PLANTS 2 im Swesda-Modul. Dies beinhaltete die Beobachtung, Pflege und Bewässerung der gezüchteten Pflanzen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse über Wachstum und Entwicklung von Pflanzen in einem Gewächshaus in der Schwerelosigkeit könnten zukünftigen bemannten Raumfahrtmissionen bei der Selbstversorgung zugute kommen.

Ebenfalls in der vorangegangenen Woche arbeitete Michael Fossum am Wasserrückgewinnungssystem (WRS) im Knotenmodul Tranquilty. Nach der Leerung des Schmutzwassertanks (WSTA = Wastewater Storage Tank Assembly) in einen EDV-U Behälter tauschte er im Rahmen einer großen Wartung die FCPA (Fluids Control & Pump Assembly), also ein Flüssigkeitsregel- und Pumpenmodul, im WRC aus. Da die FCPA toxische Flüssigkeiten enthielt, behandelter Urin, Schwefelsäure H2SO4 und Chromsäure CrO3, mussten alle Tätigkeiten mit Schutzausrüstung, bestehend aus Sicherheitsschutzbrille, Staubmaske und Handschuhen, durchgeführt werden. Vorbereitend auf das Abkoppeln von Progress-M 10M im Oktober fand der Übertrag von Brennstoff und Oxydationsmittel zur ISS statt. Dafür wurden die Tanks des Transporter unter Druck gesetzt, einen Tag später wurden 170 Kilogramm Brennstoff und 102 Kilogramm Oxydationsmittel zum Sarja-Modul übertragen. Eine Auffrischung der Stationsluft aus den Sauerstofftanks des Transporters nahm Sergej Wolkow am selben Tag vor.

Sergej Wolkow wurde am letzten Wochenende angewiesen, den Verbindungsring zwischen dem Orbitalmodul (OM) und dem Rückkehrmodul (RM) von Sojus-TMA 02M zu prüfen und zu fotografieren. Grund dafür war, dass russische Techniker nach der Rückkehr von Sojus-TMA 21 vor zwei Wochen festgestellt haben, dass zwei Sicherungsschrauben an dem Strukturring vor dem Start nicht entfernt wurden. Eine Erklärung wäre eine geänderte Vorbereitungsprozedur, resultierend aus der Beschädigung einer Sojus im letzten Jahr beim Transport nach Baikonur. Diese beiden M6-Schrauben hätten bei Sojus TMA-21 zu einer außernominellen Trennung von OM & RM führen können. Nun müssen alle Raumfahrzeuge am Boden und im All geprüft werden, ob diese Schrauben zum richtigen Zeitpunkt entfernt wurden. Die Kontrolle im All durch Sergej Wolkow ergab, dass bei Sojus-TMA 02M diese Schrauben, welche sich hinter zwei Steckern des Thermal-Kontrollsystems befanden, ordnungsgemäß am Boden entfernt wurden.

Zu Beginn dieser Woche fand ein zweitägiger Leistungstest der NASA-Solarzellenausleger (SAW = Solar Array Wing) statt. Zur Unterstützung des Batterietests der SAW wurden der Stationsarm Canadarm2 (SSRMS=Space Station Remote Manipulator System), die mobile Plattform (MBS=Mobile Base System), die Robotikhand Dextre (SPDM = Special Purpose Dexterous Manipulator) und der Mobile Transporter (MT) aktiviert, um weitere Stromverbraucher im Außensegment zu erhalten. Der von der Stationskontrolle in Houston durchgeführte Test verlief innerhalb der erwarteten Parameter und erlaubt nun eine bessere energetische Ressourcenplanung. Sergej Wolkow arbeitete in dieser Woche für das russische Ozean-Beobachtungsprogramm SEINER, indem er Fotos erstellte. Hierbei werden die Verbindungsprozeduren zwischen den Besatzungsmitgliedern im russischen Segment und den staatlichen Fangschiffen bei der Suche und Erschließung von Fischgebieten erprobt.

Im US-Teil der Station verbrachte Kommandant Michael Fossum einige Zeit mit dem kanadischen Experiment VASCULAR. Dafür nutzte er Videoequipment in der Quest-Luftschleuse zur Aufzeichnung einer Nachricht zum Experiment. Ursprünglich sollte der bereits zur Erde zurückgekehrte Ronald Garan diese Sitzung durchführen. Es werden bei VASCULAR die kardiovaskulären Gesundheitsfolgen für Raumfahrer bei Langzeitaufenthalten im All bewertet, um Entzündungen der Arterien, Änderungen der Blutgefäßeigenschaften und die kardiovaskuläre Fitness zu erforschen. Weiterhin ersetzte und konfigurierte er Ausrüstung im Experimentalschrank für Verbrennungsexperimente (CIR = Combustion Integrated Rack) und der Vorrichtung für Flüssigkeitsexperimente (FIR = Fluids Integrated Rack). Mit diesen beiden im Destiny-Modul befindlichen Einheiten kann von den Forschern am Boden das Verhalten von Flammen und Flüssigkeiten in der Mikrogravitation, mit oder ohne die Mitarbeit der Besatzung, untersucht werden.

Während einer Videoschaltung zur Erde führte Satoshi Furukawa eine Lehrveranstaltung mit LEGO-Steinen durch. Er demonstrierte hier Kindern und Schülern, wie schwer es ist, Dinge in der Schwerelosigkeit zu händeln und zusammenzubauen. Ebenfalls hatte er die Aufgabe, die Lukendichtungen im amerikanischen Segment zu reinigen und zu untersuchen. Das Ziel der Inspektion war es, die Lukendichtungen zu fotografieren und somit zu ermitteln, wie oft diese zu reinigen sind. Am gestrigen Tag erfolgte eine außerplanmäßige Anhebung der Umlaufbahn der ISS mit den Swesda-Triebwerken, um Trümmerteilen einer Zyklon-3-Rakete auszuweichen. Das Manöver wurde um 18:45 Uhr MESZ gestartet, dauerte 169 Sekunden und hob die Umlaufbahn der ISS um rund 4,7 Kilometer an. Dadurch kam diese 10 Kilometer über die Bahn des Trümmerteils. Das geplante Anhebungsmanöver am 5. Oktober kann nunmehr entfallen, da die gewünschten Werte bereits erreicht wurden.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 28.09.2011:
382,8 km bei einem Höhenverlust von rund 140 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 19. Oktober, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 26. Oktober, Bahnanhebung durch die Triebwerke von Swesda
  • 29. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS
  • 02. November, Progress-M 13M erreicht die ISS

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Raumcon:


(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos)



 

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"InSpace" Magazin #451
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
4. Oktober 2011
Auflage: 4530 Exemplare


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