InSpace Magazin #449 vom 6. September 2011

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"InSpace" Magazin

Ausgabe #449
ISSN 1684-7407


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Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Opportunity: Die Bodenuntersuchungen haben begonnen

> Saturn Aktuell:
Cassini entdeckt weiteren Krater auf Titan

> ISS Aktuell:
Progress-Flug scheitert

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Am 24. August scheiterte der Flug von Progress M-12M auf dem Weg zur ISS. Dessen Folgen und die Reaktionen konnten Sie in den letzten Tagen im Portal verfolgen. So stand zum Beispiel eine mögliche Evakuierung der Internationalen Raumstation im Raum. Doch mittlerweile scheint das Problem gefunden zu sein und so steht Starts der Sojus nichts mehr im Wege, so dass die ISS unmittelbar nicht in Gefahr sein dürfte. Gewissheit darüber wird es jedoch erst nach zwei unbemannten Testflügen geben, weswegen man hier noch gespannt sein darf.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast erscheint mehrmals die Woche und behandelt tagesaktuelle Themen unserer Newsredaktion. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
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News

• Neuer Exoplanet und die Nadel auf dem Heuhaufen «mehr» «online»
• Fehler bei KSLV 1 im Jahr 2010 in zweiter Stufe «mehr» «online»
• Orbital baut ICESat 2 «mehr» «online»
• Sojus-Starts verzögern sich «mehr» «online»
• Ein Diamant im Weltall «mehr» «online»
• Feldtest 2011 für Planetenhabitat «mehr» «online»
• Proton-Fehlstart aufgeklärt (überarbeitet) «mehr» «online»


» Neuer Exoplanet und die Nadel auf dem Heuhaufen
01.09.2011 - Schweizer Forscher entdecken einen 36 Lichtjahre entfernten Planeten der wohl über Bedingungen, die Wasser im flüssigen Zustand ermöglichen, verfügt. Erdähnlichkeit, wie in der Presse vermutet, ist wohl zu bezweifeln.
Die Forscher der Universität Genf und des Max-Planck-Instituts für Astronomie haben mit dem HARPS-Teleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO) im chilenischen La Silla, einen extrasolaren Planeten namens HD 85512b aufgespürt, der möglicherweise gerade noch Bedingungen für die Existenz von flüssigem Wasser hat. Mit ihrem in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics und unter ArXiv vorab veröffentlichtem Artikel haben die Forscher eine neue kontroverse Diskussion um erdähnliche Planeten angestoßen.

Die Entdeckung von extrasolaren Planeten, welche 1995 mit dem Planeten 51 Pegasi im Sternbild Pegasus begann, hat das Interesse an möglichem Leben außerhalb der Erde erheblich intensiviert. Erst im November 2010 wurde der 500. Exoplanet gemeldet (Raumfahrer.net berichtete). Aktuell sind 573 extrasolare Planeten in 481 Sonnensystemen bekannt. Ob aber auf diesen Planeten auch Leben möglich wäre, ist höchst fraglich. Dabei ist schon fraglich, ob die Planeten tatsächlich existieren. Denn erst 27 Planeten konnten in einem bildgebenden Verfahren wissenschaftlich nachgewiesen werden. Alle anderen konnten nur durch indirekte Methoden wie der Transitmethode oder dem Gravitationslinsen-Effekt (engl. gravitational microlensing) nachgewiesen werden. Der Grund dafür ist, dass Planeten das Licht sehr viel schwächer reflektierten als das von einem Stern abgestrahlte Licht. Zudem ist der Blickwinkel zwischen Stern und Planet aus großem Abstand extrem klein und entspricht der Beobachtung einer Nadel auf einem Heuhaufen in mehreren Kilometern Entfernung.

Ein Großteil der 573 entdeckten Exoplaneten sind Gasplaneten, also Planeten die vorwiegend aus leichten Elementen wie Wasserstoff und Helium bestehen. Ein kleinerer Teil sind offenbar Gesteinsplaneten. Damit ist noch nicht gesagt, dass Leben darauf möglich wäre oder diese gar erdähnlich sind. Dafür sind zahlreiche Faktoren verantwortlich, welche festzustellen, mit unseren derzeitigen Messverfahren sehr schwierig und fehlerbehaftet ist. Zunächst ist erforderlich, dass der Planet sich innerhalb der habitablen Zone befindet. Damit bezeichnet man den Abstandsbereich, in dem sich ein Planet von seinem Heimatstern aufhalten muss, damit gewisse Eigenschaften auf dem Planeten wie flüssiges Wasser, angemessene Temperatur und UV-Strahlung vorliegen. Erforderlich ist, dass Wasser dauerhaft in flüssiger Form als Voraussetzung für erdähnliches Leben auf der Oberfläche vorliegen kann, was bei zu nahen oder zu weit entfernten Umlaufbahnen nicht möglich ist. Bei sonnenähnlichen Sternen liegt die habitable Zone zwischen 0,95 und 1,4 Astronomischen Einheiten (1 AE = Abstand zwischen Sonne und Erde). Bei kleineren Sternen liegt sie deutlich dichter am Stern. Weiterhin muss sowohl der Planet als auch Stern, um den der Planet kreist, gewisse Eigenschaften erfüllen. Der Planet selber darf nicht zu klein sein, sonst kann er keine Atmosphäre halten. Der Stern darf nicht zu viele Sonnenmassen haben, da er sonst wegen der größeren Fusionsaktivität nur kurze Zeit existiert und dann möglicherweise die habitable Zone nicht ausreichend lange für die Entwicklung von Leben existiert.

Der von den Forschern gefundene HD 85512b ist 3,6-mal so schwer wie unsere Erde und umläuft seinen Heimatstern in 54 Tagen. Da sein Stern jedoch kleiner und kühler sei als unsere Sonne, befinde er sich noch am äußersten Rand der habitablen Zone. Genau genommen befindet er sich knapp außerhalb der habitablen Zone und wäre damit nach der herkömmlichen Ansicht zu heiß. Die Forscher Pepe und Kaltennegger begründen ihre Ansicht jedoch damit, dass bei einer durchschnittlichen Wolkenbedeckung von mehr als 50 % eine ausreichende Reflektion der Sonnenstrahlung möglich ist und der Planet damit kühler sein könnte, so dass mögliches Wasser nicht verdunste. Sei der Planet jedoch mit deutlich mehr Wolken bedeckt, so könnte er ein kochend-heißer venusähnlicher Planet sein. Die Entdeckung der Forscher beruht folglich lediglich auf einem berechneten Modell mit verschiedenen möglichen Varianzen.

Dies wird auch vom britischen Astronomen Paul Wilson von der Universität Exeter kritisiert. Nach seiner Ansicht, sei der Wert des Beitrages der Forscher durch die vielen Vermutungen stark relativiert. Diese Kritik ist im Kern zwar zutreffend. Es fragt sich jedoch, wie, ohne derzeit verfügbare genaue Messverfahren, die Bestimmung der exoplanetaren Atmosphären anders als in Näherungsmodellen vonstatten gehen soll.

Im Mai 2011 publizierte ein Forscherteam aus den USA, dass auf die Berechnung der habitablen Zone der Treibhauseffekt einen erheblichen Einfluss haben kann. Danach ergäbe ein hoher Wasserstoffgehalt in der Atmosphäre bei gewissen Druck einen ausreichenden erwärmenden Effekt, was die habitable Zone nach außen erheblich erweitere. Dass das Forscherteam der Universität Genf also bei HD 85512b die mögliche Atmosphäre mit in ihr Modell einbezog, ist daher vertretbar. Vor allem, weil die Feststellung der Habitabilität auf andere Weise, namentlich durch bildgebende Verfahren, äußert schwierig und derzeit nur bei Planetensystemen in direkter Nachbarschaft, also ca. bis zu 20 Lichtjahren Entfernung zu unserem Sonnensystem möglich ist (Raumfahrer.net berichtete).

Unabhängig davon, ob sich ein Planet in der habitablen Zone befindet, gibt es noch viele weitere Faktoren die für eine Entstehung von Leben erforderlich ist. Einige davon kennen wir noch nicht einmal, da wir die Entstehung des Lebens auf unserem eigenen Planeten noch nicht entschlüsselt haben und die Prämissen und Chancen nicht einschätzen können. So stellt sich die Frage, ob ein Mond Voraussetzung für die Entstehung und Entwicklung komplexer Lebensformen ist. Der Mond wirkt aufgrund seiner Nähe und Gravitation stabilisierend, quasi wie ein Anker, auf die Erdneigung. Ohne den Erdtrabanden läge die Schwankung der Erdachse zwischen 0 und 84 Grad was zu extremen Temperaturunterschieden in unterschiedlichen Phasen führen und jedes Ökosystem destabilisieren würde, so dass komplexe Lebensformen nur schwer entstehen könnten. Deshalb wurde in einer Studie von Laskar, Joutel & Robutel in der Fachzeitschrift Nature (Band 361 (1993), S. 615 f.) der Schluss gezogen, dass für extrasolare Planeten das Umkreisen durch einem Mond Voraussetzung für höhere Lebensformen ist. Die Beobachtung von Monden extrasolarer Planeten mit unseren bisherigen Teleskopen ist jedoch noch nicht möglich. Nach einem neueren Forschungsergebnis vom Mai 2011 sollen sich aber auch ohne Mond höhere Lebensformen auf extrasolaren Planeten entwickeln können, nur dass dies mehr Zeit bräuchte. Daran sehen wir, dass im Einzelnen die wenigen Voraussetzungen, die wir für die Entstehung von erdähnlichen Leben kennen, noch umstritten sind. Dabei stellt sich auch die Frage der wissenschaftlichen Qualität, wenn man bedenkt dass der Publikationsdruck bei gleichzeitig abnehmenden Forschungsgeldern immer höher wird, sodass die Berichte von möglicherweise erdähnlichen Planeten hier und künftig einer umfassenden kritischen Würdigung hinsichtlich der Ergebnisse und Methoden unterzogen werden sollten.

Raumcon:


(Autor: Ralf Mark Stockfisch - Quelle: Arxiv.org)


» Fehler bei KSLV 1 im Jahr 2010 in zweiter Stufe
01.09.2011 - Eine unabhängige russische Kommission hat nun definitiv bestätigt, dass die von Chrunitschew gefertigte erste Stufe der KSLV korrekt funktionierte.
Dies äußerte Nikolai Panitschkin von ZNIImasch, dem russischen zentralen wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Maschinenbau, gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch. Dieser Fakt sei unumstritten. Die zweite Stufe, die in Südkorea entwickelt und gebaut worden war, hingegen wies einen Fehler auf, der dazu führte, dass die Nutzlast keine Umlaufbahn erreichte. Stattdessen wurden zweite Stufe und Nutzlast offenbar in etwa 70 Kilometern Höhe bei einer Explosion zerstört.

Der Startversuch am 10. Juni 2010 war bereits der zweite Versuch Südkoreas, mit russischer Hilfe eine eigene Trägerrakete zu entwickeln. Der erste Versuch im August 2009 war ebenfalls missglückt. Damals hatte sich ein Teil der Nutzlastverkleidung zu spät gelöst. Dadurch war der Satellit am Ende zu langsam, um in eine Umlaufbahn um die Erde zu gelangen und stürzte zur Erde zurück.

Offenbar plant man nun, einen dritten Versuch zu unternehmen. Die erste Stufe verwendet weitgehend Teile der geplanten russischen Trägerrakete Angara und wird von Chrunitschew geliefert und bezahlt. Die zweite Stufe steuert Südkoreas staatliches Luft- und Raumfahrtforschungsinstitut KARI bei.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Interfax)


» Orbital baut ICESat 2
04.09.2011 - Die Orbital Sciences Corporation (OSC) aus Dulles in den Vereinigten Staaten hat den Auftrag zum Bau des Erdbeobachtungssatelliten ICESat 2 erhalten. Voraussichtlich ab 2016 soll das Raumfahrzeug der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA zur Erforschung der die Erde bedeckenden Eisflächen unseren Planeten umkreisen.
Nach einer siebenjährigen Einsatzperiode war der Betrieb von NASAs Vorgängersatellit ICESat 1 im Februar 2010 nach dem Ausfall des letzten funktionsfähigen Lasers seiner wissenschaftlichen Nutzlast am 11. Oktober 2009 eingestellt worden. Nach einer Absenkung seiner Umlaufbahn trat der Satellit schließlich am 30 August 2010 über der Barentssee wieder in die Erdatmosphäre ein und wurde dabei zerstört.

Am 12. Januar 2003 hatte man ICESat 1 in den Weltraum transportiert, damit er anschließend regelmäßig Daten zu Zustand und Veränderung der Eisbedeckung Grönlands und der Antarktis an die Bodenstationen übermittelt. Seit dem Ende seiner Mission sichert eine unter anderem von Messstationen in Flugzeugen unterstützte Überbrückungsmission namens Icebridge die Datenkontinuität. Neue Daten zu den momentan an Dicke verlierenden Eisflächen aus dem Weltraum könnte eine in Planung befindliche weitere Satellitenmission liefern.

Diese soll mit einem gegenüber ICESat 1 weiterentwickelten und leistungsfähigeren mehrstrahligem Lidar-System als Hauptinstrument ausgerüstet werden. Lidar steht für light detection and ranging und verwendet Laserlicht zu Entfernungs- und Geschwindigkeitsmessung. Es lässt daher auch einsetzen, um Höhenveränderungen von Eisflächen genau zu messen. Mt Hilfe der Daten des vom Boden reflektierten Lichts können Karten mit Höhenangaben erstellt werden.

Am 31. August 2011 gab die NASA bekannt, dass OSC verantwortlich sein wird für den Entwurf und den Bau des raumflugtechnischen Teils (Bus) von ICESat 2, die Integration der von der US-Regierung bereitgestellten Instrumente mit dem Lidar-System, die Tests des Satelliten vor dem Start und nach dem Erreichen einer ersten Umlaufbahn, und die Mission in ihrem Verlauf mit Ingenieursleistungen unterstützen soll.

OSC will ICESat 2 im 2010 von General Dynamics Advanced Information Systems übernommenen Werk Gilbert im Bundesstaat Arizona auf Basis des Busses LEOStar 3 (bei Spectrum Astro bzw. General Dynamics SA-200HP genannt) aufbauen, der sich bereits beim Weltraumteleskop Fermi alias GLAST bewährt hat, und möchte 135 Millionen US-Dollar für die jetzt vereinbarten Leistungen berechnen.

Zieht ICESat 2 erst einmal auf einer annähenden, um 94 Grad gegen den Äquator geneigten Kreisbahn in rund 590 Kilometern Höhe um die Erde, hat er folgende Aufgaben zu erledigen:

  • Bestimmung des Einflusses der Eisbedeckung der Pole auf vergangene und aktuelle Änderungen des Meeresspiegels und von Einflüssen auf klimatische Bedingungen
  • Erfassung von Daten zur geänderten Eisbedeckung in bestimmten Regionen zur Beurteilung der Mechanismen, die bei den Änderungen wirken, Unterstützung von Vorhersagemodellen
  • Abschätzung der Dicke der Eisflächen auf dem Meer, die bei der Untersuchung des Austausch von Energie, Material und Feuchtigkeit zwischen Eisflächen, Ozean und Atmosphäre Relevanz besitzen
  • Messen der Pflanzenbewuchshöhe als Basis zur Abschätzung der Menge an Biomasse und wesentlicher Biomassemengenänderungen
  • Unterstützung anderer Erbeobachtungsmissionen durch ergänzende Messungen

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, OSC)


» Sojus-Starts verzögern sich
27.08.2011 - Die Untersuchung der Ursache für den Fehler beim Start einer Trägerrakete vom Typ Sojus-U soll zunächst aufgeklärt werden.
In verschiedenen Medien wird nach dem Fehlstart des Transportraumschiff Progress-M 12M von einer Krise in der bemannten Raumfahrt gesprochen. Mit Fehlern wird in der Raumfahrt aber immer gerechnet. Auf der Internationalen Raumstation ist die Versorgungslage sehr gut. Es sind ausreichend Lebensmittel für Monate vorhanden. Dasselbe gilt für Wasser und Atemgase sowie Treibstoffe für Bahnmanöver.

Allerdings ist die Sojus ein in verschiedenen Versionen häufig eingesetzter Träger. Die Oberstufe, in der der Fehler auftrat, wird auch in weitgehend identischer Form bei den bemannten Raumschiffen, die ebenfalls die Bezeichnung Sojus tragen, verwendet. Daher rechnet man mit einer Verschiebung des nächsten bemannten Starts. Auch werden sich die Starts weiterer Satelliten, die mit einer Sojus-U ins All gelangen sollen, verzögern. Dies betrifft zunächst einen russischen Navigationssatelliten vom Typ GloNaSS-M, dessen Start ursprünglich für den 25. August vorgesehen war.

Der Start zweier westeuropäischer Navigationssatelliten für das Galileo-System vom neuen Sojus-Startkomplex auf dem Raumfahrtgelände Kourou in Französisch Guayana sollte hingegen nicht von diesem Fehler betroffen sein. Die dafür vorgesehene Trägerrakete vom Typ Sojus-ST verwendet eine andere Oberstufe. Allerdings wird eine Trägerrakete immer als Gesamtsystem angesehen, bei dem Abweichungen in einer Antriebsstufe auch unvorhergesehene Auswirkungen auf eine andere haben können. Eine rasche Klärung der Fehlerursache wäre also vorteilhaft.

Der Start von Progress-M 12M war der 134ste eines Progress-Raumschiffes seit 1978 und der erste Fehlschlag.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, RN)


» Ein Diamant im Weltall
28.08.2011 - Etwa 4.000 Lichtjahre von der Erde entfernt umkreist ein Objekt aus kristallinem Kohlenstoff einen 20 Kilometer durchmessenden Neutronenstern. Bei diesem Körper handelt es sich vermutlich um die Überreste eines Sterns, dessen Masse fast komplett von dem Neutronenstern aufgesaugt wurde.
Bei den Neutronensternen handelt es sich um sehr alte astronomische Objekte, welche das Endstadium ihrer Sternentwicklung erreicht haben. Typischerweise verfügen Neutronensterne über eine Masse von etwa 1,44 bis drei Sonnenmassen, welche sich auf einen Durchmesser von lediglich rund 20 Kilometern verteilt. Die extrem große Dichte der in den Neutronensternen konzentrierten Materie bedeutet, dass ein Kubikzentimeter Sternenmaterie über die Masse eines Eisenwürfels mit einer Kantenlänge von 500 bis 1.400 Metern verfügt.

Die Neutronensterne zählen jedoch nicht nur wegen ihrer ungewöhnlich hohen Dichte, sondern auch wegen anderer physikalischer Größen wie etwa der Stärke des Magnetfeldes, der extrem hohen Temperatur in ihrem Inneren - diese kann bis zu 100 Milliarden Grad Celsius betragen - oder der Rotationsdauer von lediglich wenigen Sekunden bis Millisekunden zu den extremsten kosmischen Objekten, welche den Astronomen bisher bekannt sind.

Ist die Achse des Magnetfeldes gegen die Rotationsrichtung des Neutronensterns geneigt, so wird ein stark gebündelten Strahl von Radiowellen in die Umgebung abgestrahlt. Sobald dieses Radiosignal im Rahmen der Rotation des Neutronensternes wiederholt auf unser Sonnensystem trifft, können irdische Radioteleskope ein in regelmäßigen Abständen pulsierendes Signal empfangen. Derartige kosmische Radioquellen werden in der Astronomie als Pulsare bezeichnet.

Bei der systematischen Suche nach bisher unentdeckten Pulsaren stieß jetzt ein internationales Astronomenteam mit dem Parkes-64-Meter-Radioteleskop in Australien auf einen neuen Pulsar, welcher durch nachfolgende Beobachtungen mit dem Lovell-Radioteleskop in Großbritannien sowie einem der beiden Keck-Teleskope auf Hawaii bestätigt werden konnte. Das Beobachtungsprojekt ist Teil einer Suchkampagne, an der sich auch das 100-Meter-Radioteleskop des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) in Effelsberg mit Messungen in der nördlichen Hemisphäre beteiligt.

"Wir haben hier die größte und empfindlichste Kartierung von Pulsaren am ganzen Himmel, die jemals durchgeführt wurde", so Prof. Dr. Michael Kramer, der Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie. "Wir erwarten eine Reihe von aufregenden neuen Ergebnissen mit diesem Programm und es ist schön zu sehen, dass dies bereits losgeht. Und es wird noch mehr kommen."

Der neuentdeckte Pulsar, er erhielt die Bezeichnung PSR J1719-1438, wurde in einer Datenmenge von insgesamt 200.000 Gigabyte identifiziert. Hierfür verwendeten die Wissenschaftler spezielle Analyseprogramme und verschiedene Hochleistungscomputer an der Swinburne University of Technology, der Universität Manchester und am INAF-Osservatorio Astronomico di Cagliari auf Sardinien. Der Pulsar befindet sich in einer Entfernung von rund 4.000 Lichtjahren zu unserem Sonnensystem in Richtung des Sternbildes Serpens (Schlange) in der Ebene der Milchstraße.

Der Pulsar J1719-1438 gehört zu einer extrem schnell rotierenden Art von Pulsaren, welche auch als Millisekundenpulsare bezeichnet werden. Er rotiert mehr als 10.000 Mal pro Minute um die eigene Achse, verfügt über die 1,4-fache Masse der Sonne und weist einen Durchmesser von lediglich etwa 20 Kilometern auf. Bei ihren Beobachtungen fiel den beteiligten Astronomen aus Australien, Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA außerdem auf, dass in den Ankunftszeiten der Pulssignale eine regelmäßige Modulation vorliegt.

Diese Modulation wird durch die Gravitation eines massearmen Begleiters verursacht, welcher den Pulsar umrundet. Ungefähr 70 Prozent aller bisher entdeckten Millisekundenpulsare verfügen über solche Begleiter. Die Astronomen nehmen an, dass ursprünglich diese Begleitsterne für die hohen Rotationsgeschwindigkeiten der Pulsare verantwortlich sind. Durch den Transfer von Masse wurden die Pulsare dabei auf eine sehr hohe Umlaufgeschwindigkeit beschleunigt. Das Resultat ist ein schnell rotierender Millisekundenpulsar mit einem in der Masse geschrumpften Begleiter. Bei diesen Begleitsternen handelt es sich häufig um einen Weißen Zwerg.

Die beobachtete regelmäßige Modulation der Pulsarsignale verrät den Astronomen einiges über den Begleiter von PSR J1719-1438. Zunächst lässt sich daraus ableiten, dass der Begleiter für eine komplette Umrundung des Pulsars eine Zeitspanne von 2 Stunden und 10 Minuten benötigt und dass der Abstand zwischen beiden Objekten lediglich etwa 600.000 Kilometer beträgt - dies ist etwas weniger als der Radius unserer Sonne.

Der Pulsar und sein Begleiter liegen zudem so dicht beisammen, dass es sich bei dem Begleiter nur um einen extrem stark massereduzierten Weißen Zwerg handeln kann, welcher seine gesamten äußeren Schichten und über 99,9 Prozent der ursprünglichen Masse verloren hat. Der verbleibende Rest dürfte sich überwiegend aus Kohlenstoff und Sauerstoff zusammensetzen. Mit leichteren Elementen wie Wasserstoff oder Helium, so die Astronomen, lassen sich die während der Beobachtungen gewonnenen Daten nicht erklären.

"Die Dichte des Planeten ist mindestens so hoch wie die von Platin und verrät uns so einiges über seinen Ursprung", so der Leiter des Forschungsteams, Prof. Matthew Bailes von der Swinburne University of Technology in Australien. Die abgeleitete Dichte lässt darauf schließen, dass das Material mit Sicherheit in einem kristallinen Zustand vorliegt. Ein großer Teil des Begleiters, so die Annahme der Wissenschaftler, könnte somit ähnlich wie ein Diamant aufgebaut sein.

"Diese neue Entdeckung kam überraschend für uns. Aber es gibt noch eine ganze Menge mehr, was wir über Pulsare und fundamentale Physik in den kommenden Jahren herausfinden werden", so Prof. Dr. Michael Kramer.

Die hier kurz vorgestellten Forschungsergebnisse wurden am 25. August 2011 in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Max-Plack-Institut für Radioastronomie, Wikipedia)


» Feldtest 2011 für Planetenhabitat
29.08.2011 - Für den diesjährigen Feldtest für Weltraumtechnologie in der Wüste von Arizona sind die Vorbereitungen abgeschlossen.
In diesem Jahr wird ein erweitertes Test-Habitat (Habitat Development Unit) verwendet. Im Vergleich zum letzten Jahr wurde ein entfaltbares Loft aufgesetzt, ein Hygieneabteil angebaut und eine Arbeitsplattform mit Rampe montiert. Auch im Inneren gibt es einige Veränderungen, so bei der Laborausrüstung und den Arbeitsstationen. Zum Einsatz kommen außerdem zwei Elektrofahrzeuge, mit denen der Aktionsradius künftiger Raumfahrer auf anderen Himmelskörpern bedeutend erweitert werden kann.

Das Loft ist aus einem Studentenwettbewerb hervorgegangen, den das Team der Universität Wisconsin-Madison für sich entscheiden konnte. Es sitzt oben auf dem bisherigen, starren Habitat und erweitert das Volumen beträchtlich.

Die Arbeitsplattform mit Rampe ist an der Ausstiegsschleuse montiert und mit beleuchteten Handläufen sowie einem elektrischen Lastenaufzug versehen. Auf dieser Plattform kann auf staubärmerem Untergrund an gesammelten Proben oder zu wartenden Maschinen gearbeitet werden.

Das Hygienemodul verfügt über verschiedene Tanks für Frisch- und Brauchwasser, eine Dusche, eine Toilette sowie Stauraum für Abfälle. Während des Testzeitraumes soll die Benutzbarkeit der Systeme überprüft werden.

Ebenfalls Gegenstand der Tests sind unter anderem Energiemanagement, Computer und Computernetzwerk im Habitat, Kommunikationsmittel, die Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln, medizinische Betreuung, Lebenserhaltungssysteme, LED-Beleuchtung und Umweltschutz.

Wieder genutzt werden sollen zwei Fahrzeuge (Space Exploration Vehicle, SEV), diesmal in der Umgebung von erstarrten Lavaflüssen in Nord-Arizona. Dabei stehen in erster Linie das Sammeln wissenschaftlicher Daten, die Kommunikation und die Erprobung weiterentwickelter Technologien im Mittelpunkt. Bei simulierten Ausstiegen aus dem Habitat bzw. aus den Rovern werden Handlungsabläufe und Werkzeuge getestet.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA/JPL)


» Proton-Fehlstart aufgeklärt (überarbeitet)
30.08.2011 - Heute veröffentlichte die Kommision, die den Fehlschlag des Starts von Ekspress-AM 4 untersuchen sollte, erste Ergebnisse.
Laut der Kommission war das Zeitintervall, in dem die Gyroskopenplattform der Briz-M-Oberstufe Zeit hat, sich auszurichten, zu kurz, wodurch sich die Oberstufe nicht richtig ausrichten konnte und so den Satelliten in eine falsche Umlaufbahn schoss. Dadurch kann der Satellit seine Aufgabe nicht erfüllen. Da nun der Grund für den Fehlstart aufgeklärt wurde, ist das Flugverbot für die Proton aufgehoben. Nun muss nur noch die Oberstufe Bris-M überarbeitet werden, damit solch ein Fehler nicht mehr vorkommt.

EDIT: Der Artikel wurde aufgrund eines redaktionellen Fehlers überarbeitet. Wir bitten alle Unannehmlichkeiten, die dieser Artikel mit sich gebracht hat, zu entschuldigen.

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(Autor: Daniel Maurat - Quelle: ILS)



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Mars Aktuell: Opportunity: Die Bodenuntersuchungen haben begonnen von Redaktion



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» Opportunity: Die Bodenuntersuchungen haben begonnen
03.09.2011 - Nach dem Erreichen des Endeavour-Kraters war der Marsrover Opportunity während der letzten Wochen damit beschäftigt, in dessen Randbereich geologische und geochemische Analysen durchzuführen. Hierzu wurden jetzt von der NASA erste Ergebnisse veröffentlicht.
Nach dem Abschluss der Untersuchungen des Viktoria-Kraters, welcher sich auf der auf dem Mars gelegenen Hochebene "Meridiani Planum" befindet, fassten die für die Opportunity-Mission verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) den Entschluss, den Marsrover Opportunity zu einem neuen Ziel zu manövrieren. Hierfür wählte die Missionsleitung den westlichen Rand des knapp 22 Kilometer durchmessenden und etwa 12 Kilometer vom Viktoria-Krater entfernt liegenden Endeavour-Kraters aus. Auf dem Weg zu seinem neuen Ziel legte Opportunity in den vergangenen Jahren weitere über 20 Kilometer auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten zurück.

Neben der Entdeckung und Untersuchung mehrerer Meteoriten und der Erkundung verschiedener kleinerer Krater stand dabei die in regelmäßigen Abständen erfolgende Analyse der chemischen Zusammensetzung der passierten Böden und Gesteine auf dem Arbeitsprogramm des Robotergeologen. Nach einer Reisedauer von fast drei Jahren konnte der Rover sein Ziel schließlich am 9. August 2011, dem Sol 2.681 der Mission, erreichen (Raumfahrer.net berichtete). Opportunity befand sich jetzt direkt an der Südspitze des Cape York, einer mehrere hundert Meter langen und nur wenige Meter hohen Geländeerhebung, welche sich direkt am westlichen Rand des Endeavour-Kraters befindet.

Als erstes Untersuchungsgebiet wählten die an der Mission beteiligten Geologen ein Areal an der Südseite des dort gelegenen Odyssey-Kraters aus. Dieser lediglich etwa 17 x 21 Meter durchmessende Impaktkrater befindet sich direkt auf der Südspitze des Cape York. In seiner Umgebung sind eine Vielzahl von Gesteinsbrocken abgelagert, die bei dem Einschlag, welcher zur Entstehung dieses Kraters führte, aus dem Untergrund herausgerissen wurden.

Am 11. und am 13. August führte der Rover zwei Fahrten aus, bei denen er sich dem Südrand des Odyssey-Kraters um 14,88 beziehungsweise 17,86 weitere Meter annäherte. Eine dritte Annäherungsetappe wurde am 16. August durch die Sicherheitsautomatik des Rovers nach nur 49 gefahrenen Zentimetern automatisch abgebrochen. Dieser vorzeitige Fahrtabbruch stellte für die "Roverdriver" des JPL, welche für die Steuerung von Opportunity verantwortlich sind, allerdings keine allzu große Überraschung dar. Aufgrund des unbekannten Geländes und der großen Präzision, mit der sich der Rover ab jetzt bewegen musste, hatten diese die Sicherheitsparameter, welche unter anderem die Toleranzen für einen Schlupf der Räder oder eine seitliche Abdrift des Rovers kontrollieren, im Vorfeld der Fahrt bewusst konservativ eingestellt. Der Fahrtabbruch wurde in diesem Fall dadurch ausgelöst, dass die verschiedenen Kamerasysteme des Rovers nicht genügend Daten für die exakte visuelle Positionsbestimmung, die sogenannte visuelle Odometrie, liefern konnten.

Die Fahrt des Rovers wurde am 19. August fortgesetzt und endete diesmal nach weiteren vier Metern der Annäherung an das angepeilte Ziel, welches in den folgenden Tagen ausführlich mit den verschiedenen Instrumenten des Rovers untersucht werden sollte. Hierfür hatte das wissenschaftliche Team der Opportunity-Mission mittlerweile einen knapp 30 Zentimeter hohen und rund 1,5 Meter breiten Felsen ausgewählt. Tisdale-2, so dessen vorläufiger Name, zeichnet sich durch eine augenfällige helle Schicht an seiner Oberseite aus, welche das Interesse der Geologen geweckt hatte. Zudem schien es sich hierbei um einen Felsblock zu handeln, welcher bei dem Impakt aus dem Untergrund herausgelöst wurde. Seine Analyse könnte also einen Einblick in den ansonsten im Verborgenen liegenden Marsuntergrund liefern.

Die Annäherung an Tisdale-2 wurde zwei Tage später fortgesetzt. Zu diesem Zweck vollführte der Rover zuerst eine Drehung um 180 Grad. Durch dieses Manöver wendete Opportunity, welcher sich bisher in einer "Rückwärtsbewegung" fortbewegt hatte, dem Felsen jetzt seine Vorderseite mit dem dort befindlichen Instrumentenarm zu. Im Anschluss an die Drehung erfolgte eine weitere Annäherung um zwei Meter. Nach der Beendigung dieser Fahrt befand sich Tisdale-2 endlich in der Reichweite des "Instrument Deployment Device" (IDD), so die offizielle Bezeichnung für den Instrumentenarm, an dem vier Geräte zur "In Situ"-Erforschung der Marsoberfläche befestigt sind.

Hierbei handelt es sich um das Rock Abrasion Tool (RAT), einem Gesteinsbohrer mit einer integrierten Bürste zur Reinigung von zu untersuchenden Gesteinen, einem Mikroskop (MI) für detaillierte Abbildungen der zu untersuchenden Objekte und um zwei Spektrometer. Das APXS-Spektrometer wurde am Max-Planck-Institut für Chemie entwickelt. Das zweite Instrument, das Moessbauer-Spektrometer ist dagegen eine Entwicklung der Johannes Gutenberg Universität in Mainz.

Die direkte Untersuchung von Tisdale-2 begann schließlich am 22. August. Um ein möglichst aussagekräftiges Profil über die vertikale chemische Zusammensetzung von Tisdale-2 zu erstellen, analysierte der Rover zwischen dem 22. und dem 24. August 2011 - dies entspricht den Sols 2694 bis 2696 der Mission - zunächst drei verschiedene Bereiche an dessen Vorderseite. Die erste Messung erfolge im oberen Bereich, die zweite in der Mitte und die dritte Messung im unteren Bereich des Felsens.

Dazu wurde vor jeder Untersuchung zuerst das Moessbauer-Spektrometer auf dem jeweiligen zu untersuchenden Bereich abgesetzt. Durch dieses Präzisionsmanöver sollte bestätigt werden, dass die Roverdriver die Entfernung des Instrumentenarmes zu ihrem Ziel korrekt berechnet hatten und die Instrumente punktgenau auf der sehr unebenen Gesteinsoberfläche eingesetzt werden konnten. Erst nach der erfolgten Bestätigung wurde das Mikroskop des Rovers auf das jeweilige Ziel ausgerichtet. Dieses fertigte anschließend von diesen Bereichen der Felsoberfläche jeweils eine Vielzahl von Aufnahmen an. Während der anschließenden Nächte wurden in diesen Bereichen zusätzlich jeweils mehrstündige Messungen mit dem APXS-Spektrometer durchgeführt. Aus den so gewonnenen Daten können die beteiligten Wissenschaftler die chemische Zusammensetzung von Tisdale-2 ableiten.

Nach der Erstellung des vertikalen Profils näherte sich Opportunity dem Felsen am 26. August nochmals um weitere 15 Zentimeter. Durch dieses Manöver gelangte jetzt auch die Oberseite von Tisdale-2 in die Reichweite des IDD. Diese wurde ab dem 28. August, dem Sol 2699 der Mission, ebenfalls mit dem Mikroskop und dem APXS-Spektrometer untersucht. Auch bei diesen Messungen wurden verschiedene Bereiche der Felsoberfläche abgetastet.

Am 1. September 2011 wurden im Rahmen einer von der NASA veranstalteten Telekonferenz erste Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen bekannt gegeben.

Opportunity, so die an der Mission beteiligten Wissenschaftler, hat mit der Ankunft im Randbereich des Endeavour-Kraters ein Gebiet erreicht, welches sich aus geologischer Sicht vollkommen von den zuvor befahrenen und untersuchten Regionen unterscheidet. Der Rover hat während der Annäherung an das Cape York eine Grenzelinie in der Zusammensetzung des Sedimentgesteins überschritten und hat jetzt Zugriff auf tiefer liegende Gesteinsschichten, welche über ein deutlich höheres Alter verfügen als die zuvor untersuchten Oberflächenformationen. Diese Formationen entstammen teilweise dem Noachischem Zeitalter, welches vor etwa 3,8 bis 3,5 Milliarden Jahren vorherrschte. Im Gegensatz zu den bisher üblichen Gesteinsschichten aus Sandstein erreicht Opportunity somit jetzt Gesteinsformationen, welche aus der Frühzeit des Mars stammen. "Dies ist für uns eine brandneue Mission mit einem brandneuen Landeplatz", so Steve Squyres von der Cornell University, der Principal Investigator der Mars Exploration Rover-Mission.

Bereits beim Durchfahren der dem Cape York vorgelagerten Bottany Bay zeigte sich, dass die dort befindlichen Felsen offensichtlich durch eine über Milliarden von Jahren anhaltende Winderosion verändert wurden. Auf der Oberfläche der Bottany Bay sind zudem an mehreren Stellen feine Adern erkennbar, welche sich aus einem hellen Material zusammensetzten. Möglicherweise, so ein erster Erklärungsversuch, handelt es sich hierbei um Minerale, welche durch Wasser aus der Planetenoberfläche ausgewaschen wurden. Für genauere Aussagen fehlen allerdings entsprechende Messwerte, da sich die an der Mission beteiligte Wissenschaftler dazu entschlossen hatten, zuerst die Gesteine in der Umgebung des Odyssey-Kraters zu analysieren.

Die ersten Auswertungen der bisher gewonnenen Daten von Tisdale-2 haben ergeben, dass es sich bei dieser Struktur um eine typische Impaktbrekzie handelt. Der Felsen ist somit ein Produkt des Meteoriteneinschlages, welcher zur Entstehung des Odyssey-Kraters führte. Bei dem Impakt wurden ältere auf der Marsoberfläche abgelagerte Gesteine zertrümmert und durch die dabei auftretenden hohen Drücke verdichtet und zu Tisdale-2 verschmolzen. Tisdale-2 ist die erste Impaktbrekzie, welche auf dem Mars durch den Rover Opportunity untersucht werden konnte.

Zudem verfügt Tisdale-2, so die ersten Analysen der APXS-Daten, über eine Zusammensetzung, welche in dieser Form noch nie zuvor auf dem Mars nachgewiesen werden konnte. Er besitzt eine Zusammensetzung, welche mit verschiedenen vulkanischen Gesteinen vergleichbar ist. Die nachgewiesenen Anteile von Kieselerde, Aluminium und Chlor sind typisch. Besonders auffällig ist jedoch der ungewöhnlich hohe Anteil von Zink und Brom. Speziell der nachgewiesene Zink-Anteil fällt deutlich höher aus als bei allen zuvor durch die Rover Spirit und Opportunity untersuchten Gesteinen. Auf der Erde sind Gesteine mit einer solchen hohen Zink-Konzentration Hinweise auf eine in der Vergangenheit in der Region erfolgten hydrothermale Aktivität.

"Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass wir es auch hier mit einem ehemaligen hydrothermalen System zu tun haben", so Steve Squyres. Erste Vermutungen gehen in die Richtung, dass die hydrothermale Aktivität vor mehreren Jahrmilliarden durch die Entstehung des Endeavour-Kraters ausgelöst wurde. Im Gegensatz zu anderen Regionen auf dem Mars, welche Anzeichen für eine ehemalige hydrothermale Aktivität aufweisen, war das im Bereich des Endeavour-Kraters aufgetretenen Wasser aber sehr wahrscheinlich pH-neutral.

Dies deckt sich mit den vorherigen Messergebissen des CRISM-Spektrometers an Bord des Marsorbiters Mars Reconnaissance Orbiter (MRO). Die bisherigen Analysen der von diesem Instrument gewonnenen Daten deuten eindeutig darauf hin, dass sich in der Umgebung des Cape York an verschiedenen Stellen Schichtsilikate und Tonminerale abgelagert haben. Dies weist auf eine früher erfolgte Interaktion der dortigen Oberfläche mit Wasser hin.

Im zentralen Bereich des Cape York konnte das CRISM-Spektrometer eine hohe Konzentration von Smektiten - hierbei handelt es sich um Schichtsilikate, welche eine bestimmte Gruppe der Tonminerale bilden - registrieren. Speziell das Vorhandensein dieser Smektite ist ein Indiz dafür, dass sich in diesem Bereich der Marsoberfläche einstmals pH-neutrales Wasser befunden haben muss - und dies über einen in geologischen Zusammenhängen betrachtet längeren Zeitraum.

Opportunity beendete die Untersuchungen von Tisdale-2 am 31. August. Am darauffolgenden Tag verließ der Rover sein bisheriges Forschungsziel und bewegte sich zunächst knapp 20 Meter in die östliche Richtung. Die nächste Fahrt ist noch für dieses Wochenende vorgesehen. Dabei soll sich der Rover um weitere 20 bis 25 Meter in die nordöstliche Richtung bewegen und einen Bereich mit offen zutage liegenden Grundgestein erreichen. Bei dessen Analyse soll Opportunity nach weiteren Zink-Konzentrationen suchen. Sollten diese tatsächlich nachgewiesen werden, so wäre dies ein weiteres Indiz für eine einstmals "feuchte Vergangenheit" des Mars.

Ein kleiner Wermutstropfen ist die gegenwärtig auf dem Mars vorherrschende Wettersituation. Aufgrund mehrerer während der letzten Wochen auf dem Mars aktiven lokalen und regionalen Staubstürmen ist die Atmosphäre des Mars gegenwärtig sehr stark mit Staub durchtränkt. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die in den letzten Wochen von Opportunity angefertigten Fotoaufnahmen der weiteren Umgebung relativ unscharf ausgefallen sind.

Die Staubaktivitäten in der Marsatmosphären hatten in den letzten Tagen wieder zugenommen. Vor zwei Wochen wurden dabei lokale Sturmgebiete über dem südlichen Noachis Terra und unmittelbar südlich des Hellas Planitia beobachtet, welche sich zu einem regionalen Sandsturm entwickelten, der sich anschließend über die nahezu gesamten südlichen Hemisphäre des Mars ausbreitete. Das Zentrum dieses Sturmgebietes befand sich über dem Noachis Terra und bewegte sich dann auf das westlich gelegene Aonia Terra zu. Ausläufer des Sturm dehnten sich dabei bis in das Terra Sirenum und das Terra Cimmeria aus. Zeitweilig wurde durch den Staub auch die südliche Polarkappe des Mars verdeckt.

Ab dem 22. August bewegte sich ein größeres Sturmgebiet über dem Chryse Planitia. Kleinere Stürme wurden in der vergangenen Woche zudem über dem Utopia Planitia und dem Elysium Planitia registriert. Wolken aus Wassereiskristallen wurden über dem Tempe Terra und dem Acidalia Planitia sowie im Bereich des Vulkans Arsia Mons in der Tharsis-Region beobachtet, von wo aus sie sich über die nördlichen mittleren Breiten des Mars ausdehnten. Der Himmel über dem Meridiani Planum, dem Operationsgebiet von Opportunity, war von dieser Entwicklung der letzten Wochen allerdings kaum betroffen. Er erschien lediglich leicht getrübt.

Einen Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Wochen gibt die folgende Auflistung. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des Rovers.

  • 27.07.2011: 0,413 kWh/Tag , Tau-Wert 1,01 , Lichtdurchlässigkeit 58,70 Prozent
  • 03.08.2011: 0,385 kWh/Tag , Tau-Wert 1,03 , Lichtdurchlässigkeit 53,70 Prozent
  • 09.08.2011: 0,374 kWh/Tag , Tau-Wert 1,12 , Lichtdurchlässigkeit 54,20 Prozent
  • 17.08.2011: 0,399 kWh/Tag , Tau-Wert 1,03 , Lichtdurchlässigkeit 56,90 Prozent
  • 23.08.2011: 0,366 kWh/Tag , Tau-Wert 1,07 , Lichtdurchlässigkeit 54,60 Prozent
  • 31.08.2011: 0,352 kWh/Tag , Tau-Wert 1,07 , Lichtdurchlässigkeit 54,00 Prozent

Laut John Callas, dem für die Mars Exploration Rover-Mission zuständigen Projektmanager des JPL, wird die Energiesituation während des kommenden Marswinters sehr wahrscheinlich keine Beeinträchtigung darstellen. Die zur Verfügung stehende Energie sollte auch in der Zukunft ausreichen, um die Fortsetzung der geplanten Analysen zu ermöglichen. Für diese Einschätzung greifen die Ingenieure des JPL auf die Erfahrungen der letzten Jahre zurück. Trotzdem muss aufgrund des fortgeschrittenen Alters des Rovers jederzeit damit gerechnet werden, dass entscheidende technische Bauteile von Opportunity dauerhaft ausfallen und die Mission somit beendet werden muss. "Wir betrachten jeden weiteren Tag der Forschung als ein zuvor nicht zu erwartendes Geschenk für die Fortsetzung dieser Mission", so Dave Lavery vom NASA-Hauptquartier.

Sollte Opportunity jedoch auch weiterhin einsatzfähig bleiben - und abgesehen von verschiedenen Alterserscheinungen deutet gegenwärtig eigentlich nichts auf das Gegenteil hin - so könnte der Rover noch viele weitere Jahre mit der Erforschung des Endeavour-Kraters verbringen. Nach dem Abschluss der noch mehrere Monate andauernden Untersuchungen am Cape York soll sich Opportunity dabei in die südliche Richtung bewegen und das in mehreren Kilometern Entfernung gelegene Cape Tribulation ansteuern. Hier würde eine neue Herausforderung auf den Rover warten. Bei der Ersteigung des Cape Tribulation müsste Opportunity zuerst einen Höhenunterschied von rund 80 Metern überbrücken und anschließend ein Gefälle von bis zu 25 Grad überwinden. Erst danach würden sich die im Bereich des Cape Tribulation befindlichen Smektit-Konzentrationen in der Reichweite des Rovers befinden.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Planetary Society, Malin Space Science Systems, Unmanned Spaceflight)



 

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Saturn Aktuell: Cassini entdeckt weiteren Krater auf Titan von Redaktion



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» Cassini entdeckt weiteren Krater auf Titan
04.09.2011 - Auf Aufnahmen, welche mit dem an Bord der Raumsonde Cassini befindlichen RADAR-Instrument angefertigt wurden, konnten Wissenschaftler einen weiteren Krater auf der Oberfläche des Saturnmondes Titan nachweisen. Hierbei handelt es sich erst um den achten auf Titan entdeckten Einschlagkrater.
Durch die Einschläge von Asteroiden und Kometen entstandene Impaktkrater sind auf der Oberfläche des größten der bisher 62 bekannten Saturnmonde, dem etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, nur sehr selten anzutreffen. Im Gegensatz zu anderen Monden in unserem Sonnensystem, deren Oberflächen teilweise mit tausenden von Einschlagskratern übersät sind, konnten auf dem Titan in der Vergangenheit lediglich sieben Impaktkrater zweifelsfrei bestätigt werden.

Einer der Gründe für diesen "Krater-Mangel" ist die dichte Atmosphäre, welche den Mond umgibt. Beim Durchqueren dieser mehrere hundert Kilometer in die Höhe ragenden Hülle aus Stickstoff, Argon und Methan zerbersten und verglühen viele der in die Atmosphäre eintretenden Objekte noch bevor sie die Oberfläche erreichen. Ein zweiter Grund ist die beständig erfolgende Erosion auf der Mondoberfläche. Durch Wind und Methanregen wird diese permanent umgeformt, was zu einer geologisch jungen Oberfläche führt. Entstandene Krater erodieren dabei in relativ kurzen Zeiträumen und werden von Sandablagerungen überdeckt.

Umso erfreuter waren die an der Cassini-Mission beteiligten Wissenschaftler, als ihnen bei dem Titan-Vorbeiflug "T-77", welcher im Rahmen des Cassini-Orbits Nummer 150 erfolgte, die Entdeckung eines achten Impaktkraters gelang (Raumfahrer.net berichtete ausführlich über den Orbit Nummer 150 der Raumsonde Cassini).

Im Rahmen dieses am 20. Juni 2011 erfolgten Titan-Vorbeifluges wurde in den zwei Stunden vor und nach der dichtesten Annäherung an den Mond das RADAR-Instrument, eines von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord der Saturnsonde Cassini, auf den Titan ausgerichtet. Zuerst führte das Team dabei eine Scatterometrie-Beobachtung der Äquatorregion des Mondes durch. Ab einer Entfernung von rund 26.000 Kilometern benutzten die Wissenschaftler das Instrument dazu um verschiedene Bereiche der Mondoberfläche im Synthetic Aperture Radar-Modus abzubilden.

Der dabei neu entdeckte Krater befindet sich bei etwa 12 Grad nördlicher Breite und 45 Grad westlicher Länge. Er verfügt über einen Durchmesser von rund 40 Kilometern und ist durchgehend von einer Decke aus Auswurfmaterial umgeben. Dieses Ejektamaterial, welches sich in der Radaraufnahme hell abzeichnet, erstreckt sich 15 bis 20 Kilometer über den Kraterrand hinaus in die weitere Umgebung.

Seine gut erhaltene Ejektadecke und die steil nach innen gerichteten Wänden deuten auf ein in geologischen Zeiträumen betrachtet relativ junges Alter dieses Kraters hin. Auffallend ist dabei auch die Ähnlichkeit mit zwei anderen, anscheinend ebenfalls noch recht frischen Kratern - den in den Jahren 2005 und 2006 entdeckten Kratern Sinlap und Ksa. Ein Unterschied besteht dabei allerdings darin, dass Sinlap und der neu entdeckte Krater über ein flaches, strukturloses Inneres verfügen, während sich im Ksa-Krater ein deutlich erkennbarer Zentralberg erhebt.

Bei den dunklen Linien, welche besonders deutlich links des neu entdeckten Kraters erkennbar sind, handelt es sich um Sanddünen. Diese Dünen haben die Ejektadecke des Kraters bisher kaum bedeckt. Auch hierbei stellt sich ein Unterschied zu dem Ksa-Krater dar. An dessen Westseite ist bereits etwa ein Drittel der Auswurfdecke mit Sanddünen überzogen.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL Photojournal)


» Cassinis Saturn-Orbit Nummer 154
04.09.2011 - Bereits am 3. September 2011 begann der 154. Orbit der Raumsonde Cassini um den Saturn. Währed des 20 Tage dauernden Umlaufs werden mehrere nahe Vorbeiflüge an verschiedenen Saturnmonden erfolgen.
Bereits am 3. September erreichte die Raumsonde Cassini auf ihrer elliptischen Umlaufbahn um den Saturn erneut die Apoapsis, den Punkt ihrer größten Entfernung zum Saturn. Dabei befand sich Cassini in einer Entfernung von etwa 2,71 Millionen Kilometern zu der obersten Wolkenschicht des Saturn und begann damit zugleich ihren mittlerweile 153. Umlauf um den Ringplaneten. Die Raumsonde wird sich auch in den kommenden acht Monaten weiterhin auf einer Orbitbahn bewegen, welche fast genau auf einer Ebene mit der Ringebene des Saturn sowie den Umlaufbahnen mehrerer größerer Saturnmonde verläuft.

Diese gegenwärtige äquatoriale Flugbahn der Raumsonde ermöglicht es den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern unter anderem, die Kanten der Saturnringe abzubilden. Durch die Auswertung dieser Bilder ist es somit zum Beispiel möglich, deren vertikale Ausdehnung zu bestimmen. Zudem ist aus dieser Perspektive ein Blick auf die Wolkenschichten in der Saturnatmosphäre gegeben, welcher nur minimal durch das Ringsystem des Planeten oder einen von den Ringen auf den Saturn geworfenen Schatten beeinträchtigt ist.

Wie bereits die vorherigen Umläufe wird auch der am gestrigen Tag begonnene Orbit, er trägt die Bezeichnung "Rev 152", von den an der Mission beteiligten Wissenschaftlern überwiegend dazu genutzt werden, den Ringplaneten und den größten seiner 62 bisher bekannten Monde, den etwa 5.150 Kilometer durchmessenden Titan, mit verschiedenen Instrumenten zu untersuchen und aus unterschiedlichen Entfernungen mit der ISS-Kamera der Raumsonde abzubilden. Den Höhepunkt dieser Untersuchungen bildet dabei ein am 12. September erfolgender dichter Vorbeiflug am Titan.

Für das aus einer Telekamera (NAC) und einer Weitwinkelkamera (WAC) bestehende ISS-Kameraexperiment, eines von insgesamt 12 wissenschaftlichen Instrumenten an Bord von Cassini, sind während des jetzigen, 20 Tage dauernden Orbits insgesamt 61 Beobachtungskampagnen vorgesehen. Der überwiegende Teil dieser Beobachtungen wird dabei erneut das gewaltige Sturmgebiet zum Ziel haben, welches sich seit dem Dezember 2010 über der nördliche Hemisphäre des Saturn ausdehnt (Raumfahrer.net berichtete).

Die ISS-Kamera nimmt ihre Beobachtungen am 5. September auf. An diesem Tag soll die Kamera die Region um den Lagrange-Punkt L5 des Mondes Iapetus abbilden. An den fünf Lagrangepunkten heben sich die Gravitationskräfte benachbarter Himmelskörper und die Zentrifugalkraft der Bewegung gegenseitig auf. Dadurch entstehen an diesen Punkten Zonen mit einem niedrigen Gravitationspotenzial. Drei der Lagrange-Punkte, nämlich L1, L2 und L3, sind dabei relativ instabil, so dass bereits leichte gravitative Wechselwirkungen zu einem Entweichen von eventuell dort befindlichen Objekten führen können. Die Punkte L4 und L5, welche sich 60 Grad vor beziehungsweise hinter dem Himmelskörper befinden, sind dagegen stabil, so dass sich dort kleinere Objekte sammeln und anschließend über einen nahezu unbegrenzt langen Zeitraum aufhalten können.

Im Mondsystem des Saturn befindet sich so zum Beispiel der kleine Mond Telesto in der L4-Region des größeren Mondes Tethys, während der Mond Calypso sich in der Region von dessen L5-Punkt befindet. Der L5-Punkt von Dione wird dagegen von dem Mond Polydeuces eingenommen. Die geplante Beobachtung des L5-Punktes von Iapetus dient der Suche nach einem eventuell dort befindlichen und bisher noch unentdeckten weiteren Begleiter des Ringplaneten. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler sollte es möglich sein, eventuelle dort befindliche Monde mit einer Größe von bis zu 90 Metern Durchmesser zu entdecken. Weitere vergleichbare Beobachtungen sind am 21. und 22. September für die L5-Regionen der Monde Rhea und Dione vorgesehen.

Am 6. September rückt das Sturmgebiet über der nördlichen Saturnatmosphäre in den Fokus der Beobachtungen, welches dabei durch die ISS-Kamera mit mehreren Filtern abgebildet werden soll. Bis zum 22. September sind weitere 22 Beobachtungen vorgesehen. Durch den Vergleich der dabei gewonnen Bilder wollen die Cassini-Wissenschaftler den Zug dieses Sturmgebietes und Veränderungen in dessen Ausdehnung dokumentieren.

Im Anschluss an die Saturn-Beobachtung stehen verschiedene astrometrische Beobachtungen von mehreren kleineren Saturnmonden auf dem Arbeitsprogramm der Raumsonde. Das wissenschaftliche Ziel der dabei erfolgenden Abbildungen der Monde Pallene, Anthe, Methone, Epimetheus und Atlas besteht darin, die bisher verfügbaren Daten über deren jeweilige Umlaufbahnen noch weiter zu verfeinern. Die entsprechenden Fotosequenzen werden allerdings durchweg aus größeren Distanzen angefertigt, so dass im Rahmen dieser Beobachtungen keine Oberflächendetails der jeweiligen Monde aufgelöst werden können. Bis zum 21. September sollen fünf weitere astrometrische Beobachtungskampagnen durchgeführt werden.

Für den 8. September ist nach einer kurzen Zündung der Triebwerke - dieses Manöver dient einer Kurskorrektur der Raumsonde - eine 21-stündige Beobachtung des kleinen, irregulär geformten Saturnmondes Paaliaq vorgesehen. Aus den Variationen in der sich dabei ergebenden Lichtkurve soll dessen Rotationsperiode näher bestimmt werden. Diese Beobachtung ist Bestandteil einer langfristig angelegten Kampagne, in deren Verlauf mehrere der kleinen, äußeren Saturnmonde unter verschiedenen Beleuchtungsverhältnissen aus mehreren Millionen Kilometern Entfernung abgebildet werden. Trotz der großen Distanz zwischen den Monden und der Raumsonde kann Cassini bei derartigen Beobachtungen wertvolle Daten über deren Ausdehnung, die sich daraus ergebende Gestalt und die Neigung der Rotationsachsen gewinnen.

Am 12. September wird Cassini schließlich um 04:50 MESZ den Mond Titan im Rahmen eines gesteuerten Vorbeifluges mit einer Geschwindigkeit von 5,8 Kilometern pro Sekunde in einer Höhe von 5.821 Kilometern passieren. Dieses mit der Bezeichnunmg "T-78" belegte Manöver stellt den bisher 79. zielgerichteten Vorbeiflug an dem Mond dar und dient in erster Linie der Untersuchung der Atmosphäre dieses Mondes.

Während der Anflugphase wird dazu das Composite Infrared Spectrometer (CIRS) auf den Mond ausgerichtet sein. Das Instrument wird dabei eine Vielzahl von Temperaturmessungen durchführen und zudem die Aerosol-Dichte in der Mondatmosphäre über dem Südpol bestimmen. Unmittelbar vor der größten Annäherung wird ein weiteres Spektrometer, das Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), zusammen mit der ISS-Kamera eine Sternbedeckung, eine sogenannte Okkultation, beobachten. Dabei wird der 4,93 Magnitude helle Stern Chi Aquaari im Sternbild Wassermann langsam durch den Titan verdeckt. Durch den dabei erkennbaren Helligkeitsabfall in der Lichtkurve des Sterns erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über den Aufbau und die Dichte der Titanatmosphäre.

Das gleiche Schauspiel wird sich kurz darauf während der Phase der dichtesten Annäherung von Cassini an den Titan wiederholen. Dabei wird dann das Ultraviolet Imaging Spectrometer (UVIS) beobachten, wie sich der Titan langsam vor die Sonne schiebt. Auch hierbei steht die Untersuchung der Titanatmosphäre im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Das UVIS wird in der Lage sein, ein detailliertes vertikales Profil der Stickstoffverteilung innerhalb der Titanatmosphäre in einer Höhe von 900 bis 2.300 Kilometern zu erstellen. Stickstoff bildet mit einem Anteil von 98,4 Prozent den Hauptbestandteil der Atmosphäre des Mondes, ist in dieser jedoch nicht gleichmäßig verteilt.

Mit zunehmender Höhe nimmt jedoch der Anteil von Methan, welches über eine geringere Dichte verfügt, zu. Mit den so gewonnenen Daten über die Stickstoffverteilung lassen sich auch Aussagen über die vorherrschenden atmosphärischen Temperaturen in unterschiedlichen Höhen über der Oberfläche tätigen. Ein Einsatz des RADAR-Instrumentes, mit dessen Hilfe die Wissenschaftler erst kürzlich einen weiteren Krater auf der Titanoberfläche nachweisen konnten (Raumfahrer.net berichtete) ist dagegen diesmal aufgrund der verhältnismäßig großen Entfernung zur Mondoberfläche nicht vorgesehen.

Am 14. September wird die Raumsonde schließlich um 01:01 Uhr MESZ die Periapsis, den Punkt der größten Annäherung an den Saturn, während ihres 154. Orbits erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Cassini 134.710 Kilometer über der obersten Wolkenschicht des Saturn befinden. Während der Periapsis werden sich sieben der Saturnmonde in einem Abstand von weniger als 100.000 Kilometern zu Cassini befinden. Drei von diesen Monden sollen dabei durch die ISS-Kamera abgebildet werden.

Das erste dabei vorgesehene Ziel ist der Mond Enceladus, welcher sich der Raumsonde aus einer Entfernung von 42.224 Kilometern lediglich als schmale Sichel präsentieren wird. Die ISS-Kamera soll diese günstige Perspektive dazu nutzen, um speziell die von der Südpolregion dieses Mondes ausgehenden Fontänen aus Gas und Wassereiskristallen abzubilden und nach weiteren Plumes zu suchen. Die beiden anderen Kampagnen haben die Monde Pallene und Tethys zum Ziel.

Am 16. September steht dann eine weitere Begegnung mit dem Mond Hyperion an, welcher von der Raumsonde im Rahmen eines nicht gesteuerten Vorbeifluges in einer Entfernung von 58.015 Kilometern passiert werden wird. Dieser Mond wurde von Cassini zuletzt am 25. August 2011 während des Orbits Nummer 142 in einer Entfernung von 24.978 Kilometern passiert und bei dieser Gelegenheit intensiv mit der ISS-Kamera abgebildet. Der rund 270 Kilometer durchmessende und sehr unregelmäßig geformte Mond Hyperion umkreist den Saturn in einem mittleren Abstand von 1,464 Millionen Kilometern innerhalb von 21 Tagen, 6 Stunden und 43 Minuten. Seine Bahn weist dabei eine Exzentrizität von 0,0175 auf und ist um 0,568 Grad gegenüber der Äquatorebene des Saturn geneigt.

Allerdings zeigt die Rotation von Hyperion ein sehr "chaotisches Verhalten". Die daraus resultierende ungewöhnliche Taumelbewegung des Mondes hat zur Folge, dass die Wissenschaftler zwar wissen, wo sich der Mond zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Sie können allerdings nicht genau sagen, welcher Bereich der Oberfläche während eines Vorbeifluges in den Aufnahmebereich der Cassini-Instrumente gelangen wird.

Bei dem letzten Vorbeiflug gelangten dabei allerdings anscheinend auch Gebiete in den Sichtbereich der ISS-Kamera, welche zuvor noch nicht abgebildet werden konnten. Die Analyse dieser am 25. August gewonnenen Bilddaten dauert gegenwärtig noch an. Von den Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über Helligkeitsveränderungen auf der Oberfläche von Hyperion, welche unter anderem Aufschlüsse über die dort befindlichen Materialien und die Oberflächenstruktur ermöglichen sollten.

Am 17. September stehen schließlich zwei Beobachtungen von gegenseitigen Bedeckungen verschiedener Saturnmonde auf dem Arbeitsprogramm der ISS-Kamera. Zuerst wird Eneceladus vor dem Titan vorbeiziehen und dabei dessen südliche Hemisphäre bedecken. Enceladus wird dabei 1,59 Millionen Kilometer von Cassini entfernt sein, während die Entfernung zum Titan rund 3 Millionen Kilometer betragen wird. Neunzig Minuten später wird der 2,1 Millionen Kilometer entfernte Mond Dione die nördliche Äquatorregion von Titan passieren. Auch diese Aufnahmen dienen der exakten Bestimmung der genauen Umlaufbahnen und Umlaufzeiten dieser Monde.

Für die folgenden fünf Tage sind weitere astrometrische Beobachtungen der kleineren Monde, eine Titan-Beobachtung aus rund 3,31 Millionen Kilometern Entfernung und eine Saturn-Beobachtungssequenz zur Studie des dortigen Sturmgebietes vorgesehen. Am 22. September wird Cassini schließlich in einer Entfernung von rund 2,4 Millionen Kilometern zum Saturn erneut die Apoapsis erreichen und den 154. Orbit um den Ringplaneten beenden. Während des damit beginnenden Orbits Nummer 155 wird am 1. Oktober ein zielgerichteter Vorbeiflug an dem Mond Enceladus erfolgen. Cassini wird diesen geologisch aktiven Mond in einer Höhe von lediglich 99 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 7,4 Kilometern pro Sekunde passieren.

Die Mission Cassini-Huygens ist ein Gemeinschaftsprojekt der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, der europäischen Weltraumagentur ESA und der italienischen Weltraumagentur ASI. Das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena/Kalifornien, eine Abteilung des California Institute of Technology (Caltech), leitet die Mission für das Direktorat für wissenschaftliche Missionen der NASA in Washington, DC.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: CICLOPS, JPL, Planetary Society)



 

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ISS Aktuell: Progress-Flug scheitert von Redaktion



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• Mission von Progress M-11M beendet «mehr» «online»


» Progress-Flug scheitert
24.08.2011 - Progress-M 12M startete heute pünktlich um 15:00 Uhr MESZ vom Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation. Bei Flugsekunde 320 trat jedoch ein Problem mit der dritten Stufe der Trägerrakete auf.
Nach zweitägiger Vorbereitung auf dem Startplatz 1 erfolgte die Zündsequenz der Sojus-U-Trägerrakete mit dem Frachtraumschiff als Nutzlast. Die Trägerrakete erhob sich vom Startplatz, die Trennung von der ersten Stufe, also den vier seitlichen Triebwerken, erfolgte planmäßig und war gut sichtbar. Bei 5 Minuten und 20 Sekunden Flugzeit erfolgte jedoch eine Fehlfunktion an der dritten und letzten Stufe der Sojus-Rakete und der Kontakt zu dem Fluggerät riss ab. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos und Mission Control Houston sprechen von einer „außernominellen Situation“. Ob der Fehler direkt bei der dritten Stufe der Rakete oder dem Trennungssystem zum Progress-Transporter auftrat, ist unklar. Die Analysen zur Fehlerursache sind angelaufen. Es ist die erste misslungene Mission eines Progress-Transporters bei 134 Flügen.

Gemäß russischen Quellen soll Progress-M 12M gegen 15:25 Uhr MESZ über russischem Staatsgebiet niedergegangen sein. An Bord befanden sich 1.262 Kilogramm Trockenfracht (Ersatzteile, Lebensmittel, Ausrüstungsteile), 932 Kilogramm Treibstoff, 421 Kilogramm Wasser und 50 Kilogramm Sauerstoff, welche nun in der ISS-Versorgung fehlen. Es war geplant, Progress-M 12M mehr als sechs Monate an der Raumstation zu belassen. Erst für die Ankunft des europäischen Versorgungsraumschiffes ATV 3 „Edoardo Amaldi“ im März sollte der hintere Dockingport des Swesda-Moduls frei werden. Weiter sollte das russische Transportraumschiff drei Bahnanhebungen der ISS durchführen. Auswirkungen auf den im nächsten Monat, ebenfalls auf einer Sojus-Rakete, geplanten bemannten Start von Sojus-TMA 22 sind bis jetzt noch nicht absehbar. Auch werden Einflüsse auf den ISS-Flugplan, die ISS-Versorgung und die ISS-Flughöhe erwartet.

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos)


» Nächste ISS-Expeditionen beginnen später
29.08.2011 - Wegen zuvor durchzuführender unbemannter Flüge mit Überprüfungscharakter ergeben sich Verschiebungen bei den ISS-Expeditionen.
Zunächst wird die Rückkehr des Raumschiffes Sojus-TMA 20 mit Andrej Borisjenko, Alexander Samokutjajew und Ronald Garan um 8 Tage auf den 16. September verschoben. Damit endet die ISS-Expedition 28, Nummer 29 beginnt. Wichtiger aber ist, dass der Start der Expedition 30 (Anton Schkaplerow, Anatoli Iwanischin, Daniel Burbank) um mindestens einen Monat auf frühestens Ende Oktober verschoben werden soll.

Wie heute festgestellt wurde, ist offenbar ein Defekt am Gasgenerator der dritten Stufe der Trägerrakete für den Fehlschlag verantwortlich. Der Frachter hatte die geplante Umlaufbahn nicht erreicht und war über Sibirien abgestürzt. Bisher konnten wegen schwieriger Wetter- und Geländebedingungen aber noch keine Trümmer geborgen werden.

Um die Funktion des Gasgenerators und aller anderen Komponenten der dritten Stufe testen zu können, sollen zunächst zusätzliche Überprüfungen am Boden durchgeführt und dann zwei unbemannte Missionen mit Trägerraketen vom Typ Sojus gestartet werden. Dazu gehört wahrscheinlich auch der nächste russische Frachter, Progress-M 13M. Dessen Start soll dann um etwa 2 Wochen vorgezogen werden.

Falls sich weitere Probleme ergeben, könnte die ISS sogar für eine gewisse Zeit unbemannt weiterfliegen, da man eine Landung der ISS-Expedition 29 im winterlichen Sibirien in den kältesten Monaten Dezember bzw. Januar vermeiden möchte.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Roskosmos, RIAN, RN)


» Robonaut-2 erstmals auf der ISS aktiviert
31.08.2011 - Umplanungen, Robotik-Aktivitäten und die Aktivierung eines neuen Besatzungsmitgliedes bestimmten die letzten Tage. Aber auch Forschung und die Erhaltung der Funktionsfähigkeit der ISS kamen nicht zu kurz. (Newsbild: Robonaut-2 im Destiny-Modul)
In der letzten Woche kam es, bedingt durch den Absturz des russischen Versorgers Progress-M 12M, zu einigen Umplanungen im Arbeitsablauf der Besatzung. So kommt nun zur genaueren Überwachung der Verbrauchsgüter ein neues BCR/RFID (Bar Code Reader/Radio Frequency ID) Scanner-System zum Einsatz. Da die Missionsdauer der Langzeitbesatzung 28 verlängert wurde, übernahmen die nun länger im All verbleibenden Raumfahrer Andrej Borisjenko, Ronald Garan und Alexander Samokutjajew neue Aufgaben, welche eigentlich für die nächste Stammbesatzung vorgesehen waren. Gleichzeitig stellten sie vorübergehend ihre Rückkehrvorbereitungen mit Sojus-TMA 21 ein. Um die Reboost-Fähigkeit der Station, z.B. bei Ausweichmanövern wegen Weltraumschrott, zu vergrößern, wurde Treibstoff vom Raumfrachter Progress-M 10M in die Tanks des russischen Segmentes transferiert.

Weitere Arbeiten der letzten Woche waren die Wiederinbetriebnahme des russischen Sauerstoff-Erzeugungssystems Elektron im Swesda-Modul, die Neuanordnung der Staumöglichkeiten im Andockadapter PMA-2 und die Betreuung des Gewächshaus-Experiments PLANTS 2 durch Andrej Borisjenko. Er prüfte dabei die ordnungsgemäße Belüftung und Beleuchtung des Gewächshauses und führte eine Bewässerung der Wurzeln durch. Die Erkenntnisse aus diesem botanischen Experiment sollen zukünftigen bemannten Raumfahrtmissionen bei der Selbstversorgung zugute kommen.

Ebenfalls fand eine erste Aktivierung des Robonauten R2 statt. Dieser kam mit STS 133 zu ISS und dient der Erforschung humanoider Roboter in der Schwerelosigkeit. Die gesamte Aktivierung dauerte rund zwei Stunden, wobei die Techniker am Boden die Datenverbindungen zu R2 prüften und die Wärmeentwicklung sowie die Wärmeabführung in der Schwerelosigkeit überwachten. Nächste Arbeiten mit R2 sind für den 1. September geplant.

Zum Beginn dieser Woche erfolgte der seit langem geplante Austausch eines RPCM (Remote Power Control Module), ein elektrisch gesteuerter Schalter, am P1-Gittersegment der ISS. Diese Arbeit, bei der Canadarm2 und seine Erweiterung Dextre zum Einsatz kamen, war letztmalig für Mitte 2010 eingeplant aber immer wieder verschoben worden. In einem ersten Arbeitsgang entnahm Dextre ein spezielles Werkzeug aus dem Cargo Transport Container (CTC-2) und griff damit den Ersatz-RPCM welcher ebenfalls im CTC-2 gelagert war. Bei einem zweiten Arbeitsgang eine Nacht später entfernte Dextre den defekten RPCM aus seiner Halterung und montierte das entsprechende Ersatzteil an gleicher Stelle. Der defekte Schalter wurde im CTC-2 verstaut, alle Arbeiten wurden nachts, während die Besatzung schlief, von der Bodenkontrolle durchgeführt. Dabei wurden die Spezialisten am Johnson Space Center in Houston von Kollegen der kanadischen Weltraumagentur CSA in Saint-Hubert, Quebec unterstützt. Durch diesen Einsatz von Dextre konnte auf einen gefährlichen Außenbordeinsatz verzichtet werden.

Michael Fossum und Satoshi Furukawa hatten die Aufgabe, eine größere Wartung des europäischen Trainingssystems zur Eindämmung und Erforschung von Muskelschwund MARES vorzubereiten und durchzuführen. Das im Columbus-Modul montierte MARES (Muscle Atrophy Research and Exercise System) ist seit der Anlieferung durch STS 131 im April 2010 auf der ISS. Mit ihm sollen der menschliche Bewegungsapparat, biomechanische Abläufe und die neuromuskuläre Koordination erforscht werden. Hintergrund ist hier ein besseres Verständnis der Effekte der Mikrogravitation auf das Muskelsystem des Menschen. Bei der anstehenden dreitägigen Wartung sollen mehrere Bolzen ausgetauscht und einige klemmende Bauteile gelöst werden. Ihr Hauptaugenmerk werden die beiden Raumfahrer auf das elektrische Hauptbauteil legen, es ließ sich seit der Installation nicht normal schalten. Alle Probleme von MARES wurden am Boden an einem Testobjekt reproduziert und entsprechende Verfahren zur Reparatur erarbeitet.

Am gestrigen Tag wurden die Arbeiten an MARES fortgesetzt. Weiterhin absolvierte Ronald Garan Transportarbeiten im Permanenten Mehrzweckfrachtmodul Leonardo. Er verteilte Frachtartikel in die einzelnen Forschungsmodule, um zusätzliche Platz in Leonardo zu schaffen. Gemeinsam mit Michael Fossum führte er vorbereitende Arbeiten zur Installation eines HRCS (High Rate Communications System) durch. Wenn dieses funktionsfähig ist, entsteht eine neue Möglichkeit über das Ethernet JSL (Joint Station Local Area Network) der Station eine Verbindung zur Ku-Band-Kommunikationseinheit herzustellen. Dies ist nötig, um zukünftig einen wesentlich größeren Austausch von Nutzlastdaten zu ermöglichen.

Im russischen Teil der ISS führten die drei Kosmonauten verschiedenste Arbeiten durch. Andrej Borisjenko übernahm die routinemäßige Wartung der Lüftungssysteme. Dazu gehörten der Austausch von Staub-Filterpatronen und die Reinigung der Lüftungsgitter in den Modulen Swesda, Sarja und Rasswjet. Alexander Samokutjajew und Sergej Wolkow führten währenddessen Forschungsaufgaben durch. Alexander Samokutjajew nahm an einer weiteren Sitzung der russischen Verhaltensbewertung mit dem Namen Tipologija (Typologie) teil. Dabei sollen die körperlichen und geistigen Fähigkeiten von Personen unter Stress zu arbeiten und zu kommunizieren getestet werden. Ein Elektroenzephalogramm registriert die elektrische Tätigkeit des Gehirns des Besatzungsmitgliedes. Sergej Wolkow startete das russische Erdbeobachtungs-Programm URAGAN (Hurrikan). Es werden damit die Auswirkungen von natürlichen oder von Menschen verursachten Katastrophen beobachtet und bewertet.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 30.08.2011:
385,7 km bei einem Höhenverlust von rund 79 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 16. September, Sojus-TMA 21 verlässt die ISS
  • 13. Oktober, Progress-M 10M verlässt die ISS
  • 16. Oktober, Progress-M 13M erreicht die ISS

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)


» Mission von Progress M-11M beendet
01.09.2011 - Die Mission des Raumfrachters endete heute planmäßig mit dem Verglühen in der Erdatmosphäre.
Um 11:34 Uhr unserer Zeit zündete das Versorgungsraumschiff Progress M-11M seine Triebwerke und leitete damit den Wiedereintritt ein. Nach drei Minuten Brenndauer war dieses Manöver beendet und wenig später traf der Transporter auf die dichteren Schichten der Erdatmosphäre. Ein Großteil verglühte, die Bestandteile, die den Eintritt überstanden, schlugen um 12:21 Uhr im Pazifik auf. Das Gebiet, in welchem die Teile niedergingen, liegt mit den Koordinaten 40° 8‘ S, 135° 2‘ W fernab jeglicher Schifffahrtsrouten. In diesem als Weltraumfriedhof bezeichneten Bereich fanden bereits viele andere Frachter sowie die Raumstation MIR ihr Ende.

Am 23. August hatte Progress M-11M von der Internationalen Raumstation ISS abgelegt. Danach führte der Frachter noch das „Radar-Progress“ genannte Experiment durch, bei dem mithilfe der Triebwerke des Raumschiffes die Ionosphäre auf ihre Eigenschaften untersucht wurde. Der eigentlich vorgesehene Nachfolger, Progress M-12M, erreichte aufgrund eines Problems der Sojus-Trägerrakete nicht den vorgesehenen Orbit und stürzte ab. Ein defekter Gasgenerator in der dritten Stufe hatte dafür gesorgt, dass das Triebwerk frühzeitig abgeschaltet wurde. Der nächste Frachter, Progress M-13M, soll nun Mitte Oktober zur Station fliegen.

Verwandte Meldungen und Artikel:

Raumcon:


(Autor: Simon Plasger - Quelle: Roscosmos)



 

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"InSpace" Magazin #449
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
6. September 2011
Auflage: 4521 Exemplare


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