InSpace Magazin #443 vom 13. Juni 2011

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"InSpace" Magazin

Ausgabe #443
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

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Nachrichten der Woche

> Mars Aktuell:
Opportunity überschreitet die 30-Kilometer-Marke

> ISS Aktuell:
NASA veröffentlicht Bilder für die Geschichtsbücher

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Intro von Simon Plasger

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

bald ist es wieder soweit: Eine totale Mondfinsternis, von Mitteleuropa aus zu beobachten. Am folgenden Mittwoch, den 15. Juni wird sich der Mond in den Erdschatten begeben. Dann wird er tiefrot am Horizont stehen. Zwar ist geht er erst nach Beginn der Totalität auf, aber spektakulär ist es allemal. Die genauen Zeiten dazu finden Sie weiter unten.

Auch in der Raumfahrt gab es in letzter Zeit viel Interessantes: Eine neue Crew machte sich auf den Weg zur Internationalen Raumstation, womit sich wieder sechs Personen auf dem Außenposten befinden. Auch in weiterer Entfernung zur Erde tat sich etwas. Opportunity überschritt die 30km-Marke und noch weiter draußen begab sich die Kometensonde Rosetta in den Tiefschlafmodus.

Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Simon Plasger

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Updates / Umfrage

» InSound mobil: Der Podcast
Unser Podcast ist zurück - mit einer zusammenfassenden Sendung pro Woche. Hören Sie doch mal rein.

» Extrasolare Planeten
Extrasolare Planeten wurden das erste Mal 1995 entdeckt, ihre Erforschung ist eng mit der Frage verknüpft, ob es erdähnliche Planeten oder sogar extraterrestrisches Leben gibt.

» Mitarbeit bei Raumfahrer.net
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News

• Die Spiralgalaxie NGC 6744 «mehr» «online»
• Supernova in M51 «mehr» «online»
• Jungfernflug der HEAT-1X Rakete «mehr» «online»
• Erstes Sojus-Mondticket verkauft? «mehr» «online»
• Sojus-TMA 02M startet zur ISS «mehr» «online»
• Astrium baut Measat 3b «mehr» «online»
• MELCO will in Japan Satellitenproduktion steigern «mehr» «online»
• Orion-Bodentestgerät jetzt mit Hülle «mehr» «online»
• Rosetta in Tiefschlafmodus versetzt «mehr» «online»
• VLT Survey Telescope liefert erstes Bild «mehr» «online»
• Chang`e 2: Vom Mondsatelliten zur Raumsonde «mehr» «online»
• Voyager - Überraschung am Rand des Sonnensystems «mehr» «online»
• SAC-D/Aquarius erfolgreich gestartet «mehr» «online»
• SS/L baut Thor 7 für Telenor «mehr» «online»
• Proba 2 beobachtet Sonneneruption «mehr» «online»
• Was macht eigentlich ... Armadillo Aerospace? «mehr» «online»
• Markarian 739 hat zwei aktive Galaxienkerne «mehr» «online»
• OSC baut, SpaceX startet Thaicom 6 «mehr» «online»
• Warten auf das James Webb Telescope «mehr» «online»
• LightSquareds Mobilfunkmasten stören GPS-Empfang «mehr» «online»
• Was macht eigentlich ... Masten Space Systems? «mehr» «online»
• Radioastron vor dem Start «mehr» «online»
• Lange Mondfinsternis am 15. Juni 2011 «mehr» «online»


» Die Spiralgalaxie NGC 6744
03.06.2011 - Eine vor wenigen Tagen von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt die Spiralgalaxie NGC 6744. Auf dem eindrucksvollen Bild sind Strukturen zu erkennen, welche eine große Ähnlichkeit mit unserer Heimatgalaxie aufweisen.
Die im südlichen Sternbild Pfau (lateinisch "Pavo") gelegene Spiralgalaxie NGC 6744 verfügt über eine scheinbare Helligkeit von 8,3 mag und weist eine Winkelausdehnung von etwa 13,2 x 8,3 Bogenminuten auf. Damit gehört sie trotz einer Entfernung von rund 30 Millionen Lichtjahren zu unserer Heimatgalaxie zu den scheinbar hellsten und größten Galaxien am nächtlichen Himmel und stellt ein beliebtes Beobachtungsobjekt der Astronomen dar. Entdeckt wurde sie am 30. Juni 1826 von dem in Schottland geborenen Astronomen James Dunlop.

Bei der Betrachtung der Spiralgalaxie ergibt sich für die Astronomen ein fast senkrechter Blick auf die ausgedehnte Scheibe von NGC 6744, so dass sich deren Struktur fast wie aus der Vogelperspektive überblicken lässt. Eine in dieser Woche von der Europäischen Südsternwarte (ESO) veröffentlichte Aufnahme zeigt ein eindrucksvolles Bild von NGC 6744. Wäre es uns möglich, unsere heimatliche Galaxie zu verlassen und die Milchstraße anschließend aus einer größeren Distanz zu betrachten, so würde sich uns ein sehr ähnlicher Anblick bieten.

Auf der Aufnahme sind verschiedene markante Spiralarme zu erkennen, welche sich um einen dichten und leicht in die Länge gezogenen Kernbereich und eine um diesen angeordnete Staubscheibe winden. NGC 6744 wird sogar von einer deutlich kleineren und in ihrer Form leicht deformierten Zwerggalaxie begleitet. NGC 6744A - so die Bezeichnung für diese zweite Galaxie - erinnert stark an die beiden Magellanschen Wolken, die zwei nächstgelegenen Nachbargalaxien unserer Milchstraße. NGC 6744A ist in der Aufnahme der ESO als kleiner Fleck rechts unterhalb von NGC 6744 zu erkennen.

Allerdings existieren auch Unterschiede zwischen NGC 6744 und unserer heimatlichen Galaxie. Während unsere Heimatgalaxie zum Beispiel "lediglich" rund 100.000 Lichtjahre durchmisst, verfügt NGC 6744 in etwa über die doppelte Ausdehnung. Damit ist sie eine der größten Spiralgalaxien in unserer weiteren kosmischen Nachbarschaft. Die Galaxie strahlt mit einer Gesamthelligkeit von etwa 60 Milliarden Sonnen.

Aus einer Entfernung von 30 Millionen Lichtjahren erreicht uns allerdings nur noch ein kleiner Teil dieses von der Galaxie ausgehenden Lichtes. Dieses Licht verteilt sich zudem über eine Fläche, die am nächtlichen Himmel in etwa zwei Drittel der Fläche des Vollmondes einnimmt. In einem kleineren Teleskop ist daher um ein relativ helles Zentrum herum nur ein diffuses Leuchten zu erkennen. Doch auch ohne detaillierte Einblicke in ihre innere Struktur stellt NGC 6744 eines der schönsten und eindrucksvollsten Himmelsobjekte am südlichen Sternhimmel dar, das sich seiner ovalen Form vom sternreichen Hintergrund abhebt.

Mit Profiteleskopen wie der Wide Field Imager-Kamera am 2,2-Meter-Teleskop der ESO am La Silla-Observatorium in Chile, mit dem diese hier gezeigte Aufnahme angefertigt wurde, präsentiert sich NGC 6744 dagegen in ihrer voller Pracht. Die staubreichen Spiralarme, welche der Galaxie ihre Spiralstruktur verleihen, beherbergen eine große Anzahl von rötlich leuchtenden Sternentstehungsgebieten. Hierbei handelt es sich um dichte Materiewolken aus Staub und Gas, in denen sich sehr junge und relativ massereiche Sterne befinden, welche eine intensive UV-Strahlung aussenden. Diese Strahlung regt das Gas in der Umgebung der Sterne zum Leuchten an. Das Zentrum von NGC 6744 wird dagegen von einer Vielzahl von sehr alten Sternen dominiert.

Die Aufnahme der ESO wurde aus mehreren Einzelaufnahmen zusammengesetzt, welche mit vier verschiedenen Filtern für rotes, grünes und blaues Licht sowie speziell für leuchtendes Wasserstoffgas gewonnen wurden. Die Beiträge dieser Filter sind in der hier vorliegenden Falschfarbenaufnahme in den Farben Blau, Grün, Orange und Rot wiedergegeben.

Verwandte Meldungen:

Raumcon-Forum:


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: ESO, Wikipedia)


» Supernova in M51
03.06.2011 - Eine neue Supernova ist in der bekannten Whirlpool-Galaxie M 51 entdeckt worden.
In der Nacht zum 3. Juni 2011 hat ein Stern in der als Whirlpool-Galaxie bekannten Galaxie M 51 mit einer Supernova sein aktives Sterndasein beendet. M 51 liegt im Sternbild Jagdhunde (Canes Venatici) und ist mit einem Fernglas oder einem kleinen Teleskop in der Nähe des Sterns Alkaid bereits einfach zu finden.

Die Supernova, welche eine Helligkeit von 14 mag erreichte, wurde von französischen Astronomen entdeckt. Mit bloßem Auge ist sie nicht zu sehen, mit Amateurteleskopen nur schwer auszumachen. Für Amateure mit Interesse an Astrofotografie sollte sie jedoch ein einfach zu findendes Ziel sein.

Unter folgendem Link ist das Entdeckerfoto, sowie ein Vergleichsbild vor und nach der Supernova zu finden.


(Autor: Oliver Karger - Quelle: Astronomie.de)


» Jungfernflug der HEAT-1X Rakete
03.06.2011 - Die HEAT-1X Rakete der privaten Gruppe Copenhagen Suborbitals hat ihren ersten Testflug mit einigen Problemen absolviert.
Copenhagen Suborbitals ist eine Gruppe von Enthusiasten, die durch Spenden finanziert wird. Sie plant, ein kleines Raumschiff für eine Person mit einer sehr kostengünstig herzustellenden Rakete auf eine suborbitale Bahn zu bringen. Zum Testen wurde die kleine HEAT-1X-Rakete entwickelt, eine Hybridrakete, die Polyurethan als Treibstoff und Flüssigsauerstoff als Oxidator verwendet. Ein erster Testflug hatte im September 2010 stattfinden sollen, der Countdown musste jedoch wegen eines fehlerhaften Sauerstoffventils abgebrochen werden.

Auch heute klappte es nicht sofort: Beim ersten Versuch konnte die Rakete wohl wegen eines Elektronik- oder Softwareproblems nicht abheben, wenige Minuten später startete sie dann. Allerdings lief nicht alles perfekt.

Die Rakete hob ab, erreichte aber nur eine Höhe von ca. 3 km (anstatt der geplanten 15 km). Der Prototyp des Raumschiffs „Tycho Brahe“, der sich an ihrer Spitze befand, wurde dann jedoch erfolgreich abgetrennt und beide Teile gingen an Fallschirmen in der Ostsee nieder. Obwohl es auch leichte Probleme mit den Fallschirmen gab, konnten Rakete und Raumschiff geborgen und sollen wiederverwendet werden.

Insgesamt ist der Flug aber sicherlich als Erfolg für die Gruppe, der nur geringe Finanzmittel zur Verfügung stehen, zu bewerten.

Raumcon:


(Autor: Sascha Haupt - Quelle: Copenhagen Suborbitals)


» Erstes Sojus-Mondticket verkauft?
07.06.2011 - Space Adventures, US-Vermarkter für sogenannte Touristenflüge mit russischen Sojus-Raumschiffen, hat offenbar einen ersten festen Kunden für einen Mondflug gefunden.
Gerüchteweise handelt es sich dabei um den 1954 geborenen kanadischen Filmregisseur James Cameron, der durch Filme wie Terminator I und II, Aliens, Abyss und vor allem Avatar im Science-Fiction-Genre zu hause ist. Die Kosten für den Flug liegen bei 150 Millionen US-Dollar pro Teilnehmer, wobei ein zweiter gefunden werden muss, damit das Projekt realisierbar wird.

Das Sojus-Raumschiff wurde in der 1960er Jahren ursprünglich für Mondflüge entwickelt, später aber für Langzeitaufenthalte in Verbindung mit einer Raumstation modifiziert. In Verbindung mit einer speziellen Oberstufe, ließe es sich aber wieder für einen rund einwöchigen autonomen Flug umrüsten.

Bereits im Jahr 2000 nahm Cameron an einem medizinischen Eignungstest für Flüge zur russischen Raumstation Mir bzw. später zur ISS teil. Allerdings werden gegenwärtig alle zur Verfügung stehenden Plätze für die ISS-Stammbesatzungen benötigt. Ab 2013 könnten aber 5 Raumschiffe pro Jahr gebaut werden, wodurch eines für weitere Möglichkeiten zur Verfügung stünde. Der Mondflug, der eigentlich nur ein Flug im Erdorbit wäre, bei dem der erdfernste Punkt jenseits des Mondes läge, soll bis 2015 realisierbar sein.

Im vergangenen Jahr hatte James Cameron gemeinsam mit ein paar Freunden eine Serie von Parabelflügen in einem speziellen Flugzeug absolviert und sichtlich genossen. In einem Interview äußerte er, dass ein Raumflug für ihn mit einem besonderen Grund verbunden sein müsse: "Dieser könnte sein, einen besonderen Film, speziell in 3D zu drehen, der eine bedeutungsvolle Botschaft für einige Menschen wäre."


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASAwatch, CosmicLog)


» Sojus-TMA 02M startet zur ISS
07.06.2011 - Die dreiköpfige Besatzung der zweiten digitalen Sojus wird die ISS-Expedition 28 komplettieren und nachher Teil der Expedition 29 sein.
Um 22:12 Uhr MESZ (2:12 Uhr Ortszeit) startete eine Rakete vom Typ Sojus-FG die Raumkapsel Sojus-TMA 02M. Für den Start wurde die Startrampe 1 in Baikonur verwendet, von der vor 50 Jahren Juri Gagarin zum ersten bemannten Raumflug aufbrach. Die Besatzung besteht aus Kommandant Sergej Alexandrowitsch Wolkow, der zum zweiten Mal ins All fliegt, dem Amerikaner Michael Edward Fossum auf seinem dritten Raumflug und dem Japaner Satoshi Furukawa auf seinem ersten Flug. Auch für Fossum ist dies allerdings die erste Sojus-Mission, da seine ersten beiden Raumflüge mit dem Space Shuttle durchgeführt wurden. Das Andocken ist für übermorgen 23:15 Uhr MESZ geplant.

An Bord der Internationalen Raumstation werden die drei Raumfahrer vor allem Experimente durchführen. Während ihrer Mission wird auch der letzte Shuttle-Flug STS 135 stattfinden. Bei dieser Mission wird die Expedition 28 vor allem Ersatzteile übernehmen sowie Außeneinsätze durchführen. Außerdem wird die ISS von Progress-Raumfrachtern angeflogen werden. Flüge der Raumfrachter HTV und ATV kommen erst wieder nach der Landung von Sojus-TMA 02M zur ISS, allerdings ist das ATV 2 derzeit noch angedockt und wird kurz nach dem Ankoppeln dieser Sojus die ISS verlassen.

Sojus-TMA 02M ist das zweite bemannte Raumschiff der Russen, dass über eine ausschließlich digitale Steuerung verfügt. Dieser neue Computer ermöglicht eine etwas präzisere Steuerung und spart vor allem Masse ein, verglichen mit dem alten analogen System. Dadurch kann die Sojus 70 kg mehr Fracht transportieren. Nach Plan wird nur noch eine Sojus-TMA starten (Nummer 22), ab Sojus-TMA 03M wird nur noch die TMA-M eingesetzt werden. Die ersten drei Flüge dieses Modells gelten als Testflüge, danach beginnt ganz offiziell die Serienproduktion. Die digitale Steuerung der Sojus-TMA-M wurde bereits mit den Frachtern der Reihe Progress M-M erprobt und ist seit einigen Jahren im Einsatz.

Bei der Trägerrakete verläuft die Umstellung auf digitale Steuerung allerdings langsamer. Die Sojus 2 ist zwar seit Jahren im Testbetrieb, aber noch nicht für bemannte Flüge zertifiziert. Bis 2014 will man nach aktuellen Aussagen des Raketenproduzenten TsSKB Progress in Samara die alten Modelle Sojus-U (Progress-Träger) und Sojus-FG (Sojus-Träger) komplett durch die Sojus 2 ersetzen.

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Raumcon:


(Autor: Stefan Heykes - Quelle: Roskosmos)


» Astrium baut Measat 3b
08.06.2011 - Der Satellitenhersteller Astrium wurde ausgewählt, den Kommunikationsatelliten Measat 3b für die Measat Satellite Systems Sdn. Bhd. aus Malaysia zu bauen.
Den neuen Satelliten möchte Measat bei 91,5 Grad Ost im Geostationären Orbit zum Ausbau des Ku-Band-Geschäfts in Malaysia, Indien und Indonesien einsetzen. Gelingen Start und Inbetriebnahme des auf Astriums Bus Eurostar E3000 basierenden Satelliten im Jahr 2013 wie vorgesehen, kann Measat über eine auf mehr als das doppelte angewachsene Kapazität im Ku-Band verfügen.

Measat 3b mit einer Startmasse von rund 5,8 Tonnen ist das bisher größte von Measat bestellte Raumfahrzeug. Ausgerüstet wird es mit 48 gleichzeitig einsetzbaren Ku-Band-Transpondern, deren Verstärker mit Wanderfeldröhren jeweils 150 Watt leisten. Mindestens 15 Jahre lang soll sich der Satellit betreiben lassen.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Astrium)


» MELCO will in Japan Satellitenproduktion steigern
09.06.2011 - Am 6. Juni 2011 gab die japanische Mitsubishi Electric Corporation (MELCO) bekannt, dass sie in neue Anlagen für Bau und Test von Satelliten investieren möchte, um die Einnahmen aus dem Satellitengeschäft bis 2021 zu verdoppeln.
Der erste für einen kommerziellen Satellitenbetreiber ins All transportierte Satellit, den die in der japanischen Hauptstadt ansässige MELCO gebaut hatte, ist der seit dem 20. Mai 2011 im Weltraum befindliche ST 2. Mit diesem für ein Jointventure aus der Singapore Telecommunications Ltd. (SingTel) und Taiwans Chunghwa Telecom gebauten Raumfahrzeug und einer Anzahl auf dem gleichen Satellitenbus basierenden früher gestarteten japanischen Kommunikations- und Technologiedemonstrationssatelliten betrachtet MELCO die DS2000-Plattform als ausreichend bewährt, um einen größeren Kundenkreis zu adressieren.

Deshalb soll das MELCO-Werk im rund 50 Kilometer südwestlich von Tokio gelegenen Kamakura mit dem Ziel der Reduzierung von Herstellungskosten und Lieferzeiten ausgebaut werden. 3 Milliarden Yen möchte MELCO aufwenden, um die Produktionsstätte, in der bis dato 18 Satelliten und zahlreiche Elektronikkomponenten für unbemannte Transportschiffe des Typs HTV hergestellt wurden, auf 7.700 Quadratmeter zu erweitern. Dadurch wird es, so hofft man, möglich, die jährlichen Einnahmen bis März 2021 auf rund 150 Milliarden Yen, umgerechnet ca. 1,9 Milliarden US-Dollar, zu steigern. Das wäre dann etwa das Doppelte der aktuellen Jahreseinnahme.

Neben den Einnahmeerwartungen begründet MELCO den beabsichtigten Ausbau der Produktionskapazitäten auch mit der 2009 verkündeten neuen japanischen Weltraumpolitik, die den Fokus auf kommerzielle und anwendungsorientierte Raumfahrzeuge legt, statt nur auf Forschungssatelliten. Außerdem geht es MELCO um Teilhabe an dem Geschäft, das bei der Deckung des weltweiten Jahresbedarfs von rund 20 Kommunikationssatelliten für den Geostationären Orbit gemacht werden kann.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: MELCO)


» Orion-Bodentestgerät jetzt mit Hülle
09.06.2011 - Das zukünftige NASA-Explorationsraumschiff Orion geht in die nächste Testphase. Dazu wurden Hitzeschutz und Außenisolation montiert.
Nun sieht die Bodentesteinheit wie eine richtige Raumkapsel aus. An der Unterseite wurde ein Hitzeschild montiert, an der übrigen Außenseite ein einfacherer Hitzeschutz. In den nächsten Wochen soll die Hülle nun Umweltbedingungen ausgesetzt werden, wie sie im Weltraum bzw. beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und bei der Wasserung herrschen.

Orion wird im Auftrag der NASA durch die Lockheed Martin Corporation entwickelt. Bisher waren lediglich Struktur-, Vibrations- und Drucktests durchgeführt worden. Außerdem wurde ein Rettungssystem entworfen und erprobt. Aufgrund der Erfolge kommerzieller Konkurrenten bei der Entwicklung bemannter Systeme für den erdnahen Raum, allen voran SpaceX mit der Dragon-Kapsel, wird Lockheed Verfahren vereinfachen, um dadurch an Tempo zu gewinnen. Auch schlug man in der Vergangenheit mehrfach Missionen vor, die auch ohne Schwerlastträgerrakete zu absolvieren sein sollen.

Zunächst soll die für längere Einsätze im Weltraum gedachte Kapsel allerdings als Rettungseinheit an der ISS dienen. Dazu würde sie unbemannt zur Station transportiert. Dies ist vor allem deshalb erforderlich, weil es noch kein für bemannte Flüge zugelassenes, passendes Trägersystem gibt. Im Mai wurde Orion allerdings offiziell zum vom US-Senat geforderten Multi-Purpose Crew Vehicle (bemanntes Mehrzweck-Raumschiff) befördert.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceRef)


» Rosetta in Tiefschlafmodus versetzt
09.06.2011 - Die europäische Sonde Rosetta, die auf dem Weg zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ist, wurde gestern, am 8. Juni 2011, in einen 31 Monate andauernden Tiefschlafmodus versetzt.
Während dieser langen Etappe der insgesamt etwa ein Jahrzehnt dauernden Mission zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko sollen vor allem Ressourcen gespart werden. „Rosetta entfernt sich immer weiter von der Sonne, so dass einfach nicht mehr genügend Energie vorhanden ist, um die Systeme zu betreiben“, so Paolo Ferri, Leiter der Abteilung für Solare und Planetare Missionsoperationen am Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Später, wenn Rosetta bei 67P/Tschurjumow-Gerasimenko ankommt, befindet sie sich wieder näher an der Sonne.

Bis auf den Hauptcomputer und einige Heizelemente wurden für die Schlafperiode alle Systeme ausgeschaltet. Die Heizelemente werden im Verlauf des Flugs jedoch automatisch in periodischen Abständen eingeschaltet, damit alle weiteren Systeme nicht unterkühlen oder gar einfrieren. Hier wird besonderes Augenmerk auf die Antriebssysteme und die Treibstoffzuleitungen gelegt.

Vor dem Senden des Ruhezustandkommandos wurde Rosetta derart orientiert, dass die Solarzellen permanent zur Sonne ausgerichtet sind. Zudem wurde die Sonde leicht in Rotation versetzt, um eine stabile Lage im Raum zu gewährleisten. Bereits im März wurden sämtliche wissenschaftlichen Instrumente heruntergefahren. Im April und Mai sind die Solarpanelle eingehend getestet worden, um sicherzustellen, dass über die kommenden Monate auch genügend Energie zur Verfügung steht.

Das Fenster für den Tiefschlafmodus öffnete sich am 8. Juni, konnte also gleich im ersten Versuch genutzt werden. Um eventuell auftretende Probleme bereits im Voraus zu erkennen und dann auch ausschließen zu können, sind an einem Prototyp der Rosetta-Sonde alle notwendigen Operationen sechs Stunden vor dem finalen Kommando im All simuliert worden. Wären hierbei Schwierigkeiten aufgetreten, hätte das Senden des Kommandos um eine Woche verschoben werden können, so Paolo Ferri. „Ist das Schlafkommando einmal gesendet, wird von der Bodenstation in Darmstadt bis 2014 kein Signal mehr zur Sonde geschickt“, so Paolo Ferri weiter. Allein ein einfacher Computertimer zählt die 136 Wochen dauernde Schlafperiode, um Rosetta am 20. Januar 2014 pünktlich um 10 Uhr UTC wieder zu wecken. Sieben Stunden später wird ein Testsignal zur Bodenstation gesendet, um den Missionsverantwortlichen zu signalisieren, dass die Sonde betriebsbereit ist. Von Kontrollzentrum in Darmstadt aus wird Rosetta dann wieder in einen betriebsbereiten Zustand versetzt und der Anflug auf den Zielkometen beginnt.

Am 22. Mai 2014 soll 67P/Tschurjumow-Gerasimenko erreicht werden, woraufhin nach dem Rendezvous und dem Einschwenken in einen Orbit um den Kometen die genauere wissenschaftliche Untersuchung beginnen wird. Am 10. Dezember desselben Jahres soll dann, nachdem die Oberfläche des Kometen ausführlich kartographiert wurde, die Landesonde Philae auf dem Himmelskörper aufsetzen. Der Lander soll unter anderem Bodenproben des Kometenkerns analysieren. Nach etwas mehr als anderthalb Jahren Forschung wird die Mission im Dezember 2015 nach bisherigen Planungen beendet werden.

Rosetta wurde am 2. März 2004 vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französische-Guayana auf einer Ariana 5G+ gestartet und hat neben drei Erd- und einer Marspassage zum Schwungholen bereits Vorbeiflüge an den beiden Asteroiden Šteins im Jahr 2008 und Lutetia im Jahr 2010 hinter sich. Von diesen hat sie Fotos angefertigt und sie auch mit anderen Instrumenten untersucht.

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Raumcon:


(Autor: Oliver Karger - Quelle: ESA)


» VLT Survey Telescope liefert erstes Bild
10.06.2011 - Dabei handelt es sich um eine Aufnahme des Omeganebels (Messier 17) im sichtbaren Licht.
Das Very Large Telescope Survey Telescope (VLT Survey Telescope oder kurz VST) steht auf dem Paranal in Chile in unmittelbarer Nachbarschaft der 4 Einzelteleskope des Very Lage Telescope und wurde speziell für Durchmusterungsprojekte entwickelt und gebaut. Es arbeitet mit einem 2,65 m durchmessenden Haupt- und einem knapp 1 Meter großen Sekundärspiegel und verfügt über ein etwa 1 Grad breites Gesichtsfeld sowie aktive Mechanismen zum Ausgleichen von Luftbewegungen. Dadurch gelingen besonders scharfe digitale Weitfeldaufnahmen, die auf 32 Sensoren mit insgesamt 268 Millionen Pixeln entstehen. Weitere Sensoren sind für Guiding und Korrekturen in die OmegaCAM eingebaut.

Das VST ist ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Südsternwarte ESO mit dem italienischen INAF. Ziel des Projektes ist es, im Verlaufe verschiedener Durchmusterungsprojekte Sterne, Transneptunobjekte, Galaxien, Galaxiencluster und Quasare abzulichten und aus ihrer genauen Anordnung Rückschlüsse auf die Entwicklung des Universums schließen zu können. Dazu sind zunächst drei "Surveys" geplant. Im Rahmen von KIDS und ATLAS werden Bereiche untersucht, die außerhalb unserer Galaxie liegen. Hier erhofft man sich die Entdeckung neuer Galaxiencluster und Quasare. VPHAS+ hingegen hat einen Zentralbereich der Milchstraße als Ziel. Dabei sollen rund 500 Millionen Einzelobjekte mit hoher Präzision erfasst werden.

Die erwartete Rohdatenmange liegt bei 30 Terabyte pro Jahr, weswegen die Auswertung langwierig wird und auch die interessierte Öffentlichkeit daran beteiligt werden soll. Das von der Elektronik erfasste Licht liegt im Wellenlängenbereich von 300 bis 1.000 Nanometer, also im sichtbaren Licht und im nahen Infrarot. Gerade dieser Bereich scheint für die Öffentlichkeit besonders interessant, hat die Technik doch auch ambitionierten Amateurastronomen neue Werkzeuge bereitgestellt, um hier erfolgreich tätig werden zu können. Das VST bringt diese Fortschritte nun in den professionellen Bereich.

Die erste veröffentlichte Aufnahme zeigt den Omeganebel im Sternbild Schütze. Dabei handelt es sich um einen Emissionsnebel, der etwa 5.500 Lichtjahre von uns entfernt und Sternentstehungsgebiet ist. Die jungen Sterne in seinem Inneren regen die Gasatome der umgebenden Wolke zu einem rötlichen Leuchten an. Bereits mit einfachen Mitteln (Fernglas oder kleines Teleskop) kann Messier 17 am Himmel als nebulöse Formation beobachtet werden. Farben werden dabei aber erst bei minutenlanger Belichtung sichtbar. Unser Auge hingegen hat nur eine Belichtungszeit von einer Fünfzehntelsekunde.

Ein weiteres Durchmusterungsteleskop VISTA, das allerdings mehr für den Infrarotbereich gedacht ist, hatte Ende 2009 seine Arbeit aufgenommen. Hier wird das Licht von einem 4,1 Meter durchmessenden Hauptspiegel gesammelt und auf einen 67-Megapixel-Sensor geleitet.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: ESO)


» Chang`e 2: Vom Mondsatelliten zur Raumsonde
10.06.2011 - China schickt seinen zweiten Mondorbiter nach erfüllter Mondmission zum Lagrangepunkt L2 des Sonne-Erde-Systems.
Nachdem man mehr als die geplanten 6 Monate erfolgreich in der Mondumlaufbahn Bilder und Daten gesammelt hat, will man den noch verbleibenden Treibstoff dafür nutzen, erste Erfahrungen mit Tiefraumsonden zu machen. Die Drift in eine Entfernung von ca. 1,5 Millionen Kilometer soll etwa 85 Tage dauern, der Abflug erfolgte gestern.

Im All gibt es in der Nähe jedes größeren Himmelskörpers bestimmte Punkte, in denen sich äußere Kräfte soweit aufheben, dass deren Resultierende praktisch Null ist. An einigen Punkten ziehen die Kräfte bei Abweichung von diesem Punkt nach innen, an anderen nach außen. Der Lagrangepunkt L2 gehört zur letzten Gruppe. Er liegt außerhalb der Erdbahn auf der Verbindungslinie zwischen Sonne und Erde. Normalerweise wäre ein Objekt auf einer weiter von der Sonne entfernten Bahn langsamer. Die in gleicher Richtung wirkenden Gravitationskräfte von Zentralgestirn und Erde sorgen aber dafür, dass es die Sonne mit gleicher Winkelgeschwindigkeit wie die Erde umläuft, nur eben 1,5 Millionen Kilometer weiter entfernt.

Chang`e 2 startete am 1. Oktober 2010 auf einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 3C in einen direkten Trans-Lunar-Orbit um die Erde. Durch Kurskorrekturen gelang am 6. Oktober der Eintritt in einen Mondorbit. Dieser wurde zunächst auf eine 100-Kilometer-Kreisbahn abgesenkt, der Arbeitsorbit des Raumfahrzeugs. Mit einer gegenüber der bei Chang`e 1 verwendeten weiterentwickelten Kamera wurde die Mondoberfläche in hinreichender Auflösung abgebildet und die Daten mit neuer Kommunikationstechnik zur Erde übertragen.

Der Orbitwechsel ist nun eine Premiere für die chinesische Raumfahrt. Noch mehr sogar: "Es ist das erste Mal weltweit, dass sich ein Satellit aus einer Mondbahn in den freien Weltraum absetzt", sagte Zhou Jianliang, stellvertretender Chefingenieur des Mess- und Steuerungssystems von Chang`e 2 beim Pekinger Kontrollzentrum für Luft und Raumfahrt (Beijing Aerospace Control Center = BACC).

Bevor der Orbiter seine Bahn verließ, absolvierte er bis zum 23. Mai noch zwei zusätzliche Aufgaben erfolgreich. Zum einen fotografierte er beide Polarregionen des Mondes. Zum zweiten wurde die Bahn so geändert, dass der mondnächste Punkt nur 15 Kilometer über der Oberfläche des Erdtrabanten lag. Dabei erreichte man mit der Kamera eine Auflösung von wenigen Metern über dem Gebiet des Sinus Iridum. Diesen Bereich haben die chinesischen Wissenschaftler als Landeort einer zukünftigen Rovermission gewählt, die 2012 starten soll.

Nun hofft man, Chang`e 2 mit den vorhandenen Reserven noch bis Ende nächsten Jahres betreiben zu können. In erster Linie wird man dabei neue Erfahrungen auf den Gebieten Bahnmechanik und Kommunikation sammeln. Im November soll mit Yinghuo 1 die erste chinesische Planetensonde auf den Weg gebracht werden. Sie soll zunächst als Huckepacklast mit der russischen Fobos-Grund zum Mars fliegen und dort in eine eigenständige Umlaufbahn abgesetzt werden. Auch der Mond bleibt für die nächsten Jahre ein wichtiges Forschungsziel für die Chinesen. So plant man für etwa 2017 den Transport einer Mondbodenprobe zur Erde.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Xinhua)


» Voyager - Überraschung am Rand des Sonnensystems
10.06.2011 - Die über dreißig Jahre alten Raumsonden Voyager 1 und 2 der NASA senden nach wie vor Daten vom Rand des Sonnensystems zur Erde. Jetzt hat man in diesen Daten der letzten Jahre eine Überraschung über das Magnetfeld der Sonne am Übergang zur interstellaren Region entdeckt.
Bisher ging man davon aus, dass die Magnetfeldlinien der Sonne am Rand des Sonnensystems flach, stetig und eben verlaufen. Jetzt hat man aus den Daten der Sonden geschlossen, dass sich durch magnetische Rekonnexion stattdessen magnetische Blasen mit über 100 Millionen Kilometern Durchmesser bilden. Ermöglicht wird dies durch eine verlangsamte Ausbreitung des Magnetfelds zusammen mit dem Sonnenwind, wodurch sich die Feldlinien zur Rekonnexion zusammenfalten und aufstauen.

Das Ergebnis ist für das Verständnis und die Analyse der Interaktion des Sonnensystems mit dem interstellaren Umfeld interessant. Diese magnetischen Blasen könnten Partikel der kosmischen Strahlung dauerhaft einfangen, während andere Partikel in den Lücken zwischen den Blasen ins Innere des Sonnensystems gelangen könnten. Die Forscher hoffen jetzt auf weitere Daten der beiden Sonden in der Erwartung, das neue Modell weiter ausarbeiten zu können.

Diskussionen in der Raumcon:


(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA)


» SAC-D/Aquarius erfolgreich gestartet
10.06.2011 - Heute um 16:20 MESZ wurde der argentinisch-US-amerikanische Erdbeobachtungs- und Umweltsatellit SAC-D/Aquarius mit einer Delta 2 7320-10 gestartet.
Der Start fand von der Startrampe SLC-2W der Vandenberg Air Force Base (VAFB) an der Pazifikküste bei Los Angeles statt. Die genutzte Delta II der Version 7320-10 besitzt eine Extra Extended Long Tank Thor als Erststufe, 3 GEM-40 als Booster, eine Delta-K als Zweitstufe sowie eine 10-Fuß-Nutzlastverkleidung (3,05 m).

Nach 30 Sekunden wurden wie geplant die Feststoffbooster abgeworfen. Die erste Stufe hatte ihren Brennschluss 258 Sekunden nach dem Start und wurde von der restlichen Rakete abgetrennt. Kurz darauf zündete die Delta-K-Zweitstufe für sieben Minuten. Danach folgte eine Brennpause von 37 Minuten, nach der sie wieder für zwölf Sekunden zündete. Nach dem zweiten Brennschluss wurde der Satellit in einen sonnensynchronen Orbit entlassen. Kurz danach wurden die Solarzellenpaneele aufgefaltet.

Bei SAC-D handelt es sich um einen argentinischen Erdbeobachtungssatelliten mit verschiedenen auch von anderen Raumfahrtagenturen gebauten Instrumenten. So ist das Hauptinstrument, Aquarius, vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland gebaut worden. Mit ihm soll der Salzgehalt im Meer gemessen werden, um so den Wasserkreislauf der Meere und die daraus resultierenden Klimainteraktionen besser zu verstehen sowie die Bodenfeuchtigkeit in Argentinien für die dortige Landwirtschaft zu messen. Andere Instrumente wurden von der italienischen Weltraumagentur ASI sowie der französischen CNES, der kanadischen CSA und der argentinischen CONAE gebaut. Sie sollen verschiedenste Aufgaben erfüllen, wie z.B. die Messung der Wolkendichte, der Luftfeuchtigkeit und der Regenmenge, aber auch kosmische und künstliche Strahlung sowie Licht, die Messung der Umlaufbahn sowie die Beobachtung der Atmosphäre. Der Satellit soll eine Lebensdauer von fünf Jahren haben.

Diskussionen in der Raumcon:


(Autor: Daniel Maurat - Quelle: NASA)


» SS/L baut Thor 7 für Telenor
10.06.2011 - Nach von Telenor nicht bestätigten Informationen hat der Kommunikationssatellitenbetreiber aus Norwegen bei Space Systems/Loral (SS/L) den Kommunikationssatelliten Thor 7 bestellt.
Am 10. Juni 2011 wurde bekannt, dass der US-amerikanische Satellitenhersteller SS/L aus Palo Alto in Kalifornien vom norwegischen Satellitenbetreiber Telenor Satellite Broadcasting den Auftrag bekommen haben soll, den Kommunikationssatelliten Thor 7 zu bauen, der für eine Stationierung im Bereich von einem Grad West im Geostationären Orbit vorgesehen ist. Dort betreibt Telenor bereits Thor 5 und 6, und nutzt außerdem die Kapazitäten von 7 Ku-Band-Transpondern des ebenfalls bei einem Grad West stationierten Intelsat 10-02, bei dem Telenor Miteigentümer ist.

Thor 7 soll auf Basis der 1300er-Plattform von SS/L entstehen und nach den derzeitigen Planungen Ende 2013 oder Anfang 2014 ins All gebracht werden. Dort will Telenor seine Ku- und Ka-Band-Transponder zur Versorgung von Zentral- und Osteuropa mit Fernsehprogrammen und von Meeresregionen wie dem Mittelmeer, der Nord- und der Ostsee mit Datendiensten verwenden.

Von dem neuen Kommunikationssatelliten erwartet Telenor eine Lebensdauer zwischen 15 und 20 Jahren.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Space News, Telenor)


» Proba 2 beobachtet Sonneneruption
11.06.2011 - Der europäische Technologieerprobungssatellit Proba 2 konnte mit verschiedenen Instrumenten erfolgreich die jüngste Sonneneruption beobachten und zahlreiche Messdaten zur Erde liefern.
Unter den zahlreichen Satelliten, die diese Woche eine spektakuläre Sonneneruption beobachteten, war auch Proba 2 von der Europäischen Weltraumagentur (ESA). Nach einer ganzen Anzahl von Jahren relativer Ruhe steigt die Aktivität der Sonne wieder an. Am Dienstag den 7. Juni 2011 erfolgte eine mit einem Schauer von Protonen verbundene Sonneneruption mittlerer Stärke (Klasse M2,5). Die Teilchen dieses koronalen Massenauswurfs erreichten die Erde am Donnerstag den 9. Juni, begleitet von starker Radiostrahlung.

Ein Radiometer an Bord von Proba 2 ist in der Lage die Energieniveaua der Sonnenstrahlung in vier verschiedenen Bändern im Bereich des Ultravioletten alle 50 Millisekunden aufzuzeichnen. Das LYRA für Large Yield Radiometer genannte Instrument protokollierte nach der Sonneneruption im Bereich seiner beiden kurzwelligeren Bänder jeweils ein Maximum.

Zum gleichen Zeitpunkt konnte ein Detektorsystem mit der Bezeichnung SWAP für Sun watcher using APS detectors and image processing die spektakuläre Erruption, bei der große Massen hochenergetischer Teilchen und superheisses Plasma von der Sonne aufsteigen, in Bildern festhalten. Das hoch geschleuderte Plasma war vergleichsweise kalt, weshalb es im Arbeitsbereich von SWAP im extremen Ultravioletten relativ dunkel erscheint.

Ein großer Teil des empor getragenen Materials fiel zurück auf die Sonne und wurde dabei möglicherweise an einigen Stellen wieder aufgeheizt, was angesichts der teilweise helleren Darstellung des Plasmas in der Nähe der Oberfläche plausibel erscheint. Insgesamt korreliert das zurückfallende Plasma mit einem zu diesem Zeitpunkt festgestellten Abfall der durch SWAP erfassten Intensität.

Neben LYRA und SWAP, die vom königlichen Observatorium in Belgien (ROB) betreut werden, befinden sich auf Proba 2 zwei aus Tschechien beigesteuerte Instrumente. Das Astronomische Institut und das Institut für Physik der Atmosphäre von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften betreiben sie zur Untersuchung von Plasma in der unmittelbaren Umgebung des Satelliten und ob Auswirkungen von koronalen Masseauswürfen die elektrisch geladene Ionosphäre der Erde beeinflussen.

Am 2. November 2009 war Proba 2 zusammen mit dem Erdbeobachtungssatelliten SMOS in den Weltraum gebracht worden, als die Sonne sich gerade im Bereich der geringsten Aktivität im sich alle etwa 11 Jahre wiederholenden Sonnenzyklus befand. Jetzt steigt die Aktivität der Sonne an und wird ihr nächstes Maximum vermutlich im Jahr 2013 erreichen. Obwohl die Auslegungsbetriebsdauer von Proba 2 nur zwei Jahre beträgt, geht man fest davon aus, dass der kleine Satellit mit einem Volumen von weniger als einem Kubikmeter auch während des kommenden Aktivitätsmaximums Sonnenbeobachtungen durchführen können wird.

Proba 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 36037 bzw. als Objekt 2009-059B.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ESA)


» Was macht eigentlich ... Armadillo Aerospace?
11.06.2011 - Im Herbst 2009 bewältigte Armadillo Aerospace mit ihrem Pixel genannten Senkrechtsstarter und -lander beide Level der Lunar Lander Challenge. Mittlerweile hat sich einiges getan. (Newsimage: Supermod; mit freundlicher Genehmigung von Armadillo Aerospace)
So hat man auch mit den Nachfolgemodellen Mod und Supermod Freiflüge mit Punktlandung absolviert, Supermod am 16. September vergangenen Jahres. Parallel dazu begann man mit der Entwicklung eines neuen Trägers, der für suborbitale Flüge bis in 100 km Höhe geeignet ist. Dazu wurde der Flugkörper erheblich verschlankt und sieht nun eher wie eine Rakete aus und nicht mehr wie ein Lander. Die Antriebskomponenten, die vorher eine Breite von mehr als 1 Meter einnahmen (36 Zoll = 1,27 m), mussten nun Platz in nur 39 cm finden (15,25 Zoll). Dafür ist die "Stig" getaufte Rakete deutlich in die Höhe gewachsen und erreicht nun ohne Nutzlastabteil mehr als 7 Meter.

Weitere Komponenten, die in den letzten Monaten erprobt wurden, sind Fallschirme für die Rückkehrkapsel sowie Kommunikationstechnik für größere Distanzen. Im Test erreichte man bei 2,4 GHz eine Reichweite von etwa 20 Kilometern, bei 900 MHz sogar mehr als 100. Unternehmen wie Armadillo Aerospace sollen in den nächsten Jahren für Mikrogravitationsforschung einfach und schnell verfügbare, preiswerte Nutzungsmöglichkeiten bieten.

Die weiteren Tests liefen etwa folgendermaßen ab. Zunächst testete man Drucksystem, Tanks, Zuleitungen und Ventile, indem man anstelle des Oxidators flüssigen Stickstoff einsetzte. Dies war ein Test der besonders kalten Art, bei dem beispielsweise die Tanks um fast einen Zentimeter schrumpften. Danach wurde die Rakete erstmals heiß in Betrieb genommen. Man arbeitete allerdings mit verminderter Leistung, so dass sie nicht abheben konnte.

Erst nach diesem Test flog der "Stig" erstmals und stand einige Zeit auf seinem Antriebsstrahl. Dabei war er allerdings mit einem Kabel an einem Kranarm gesichert. Danach sollte sich der erste Freiflugtest mit einer Zielhöhe von etwa 30 Kilometern anschließen. Ein weiterer Test betraf den Startturm. Hierbei wurde erprobt, ob alle mechanischen und elektrischen Verbindungen bei einem Start zuverlässig von der Rakete gelöst und aus dem Bereich des Antriebsstrahl zurückgezogen werden. Dies ist Stand vom April, weitere Meldungen hierzu blieben bisher leider aus.

Dafür wurde nun am vergangenen Montag eine weitere Entwicklungsstufe des vertikalen Start- und Landesystems getestet. Der Supermod "Dalek" schwebte testweise für etwa 1 Minute in der Luft. Damit steht wohl auch hier der erste Freiflug mit Punktlandung unmittelbar bevor.



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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Armadillo Aerospace)


» Markarian 739 hat zwei aktive Galaxienkerne
11.06.2011 - Entdeckt wurde das zweite, bisher unbekannte Supermassive Schwarze Loch mit den Weltraumteleskopen SWIFT und Chandra.
Die Galaxie NGC 3758, auch Markarian 739, hat zwei Galaxienkerne, weil sie durch eine Kollision aus zwei eigenständigen Galaxien entstanden ist. Diese Tatsache ist seit langem bekannt. Ebenso weiß man seit Jahrzehnten, dass der östliche Galaxienkern ein supermassives schwarzes Loch enthält. Sowohl im Bereich des sichtbaren Lichts, als auch im Ulravioletten und bei der Radiostrahlung gab es bisher keine klaren Anzeichen dafür, dass der westliche Kern ebenfalls ein supermassives schwarzes Loch enthält. Dem kam man erst jetzt mit Hilfe von Weltraumteleskopen, die den Bereich harter Röntgen- und Gammastrahlung erforschen, auf die Spur.

NGC 3758 befindet sich im Sternbild Löwe, besitzt eine scheinbare Helligkeit von 14,3 mag und ist von uns etwa 425 Millionen Lichtjahre entfernt. Die beiden supermassiven schwarzen Löcher haben einen Abstand von etwa 11.000 Lichtjahren voneinander. Gewöhnlich verschmelzen auch die Kerne zweier kollidierender Galaxien. Dies kann jedoch, wie auch in diesem Falle, eine Weile dauern.

Das Weltraumteleskop SWIFT ist ein Forschungssatellit der NASA mit internationaler Beteiligung. Hauptaufgabe ist das schnelle Aufspüren sogenannter Gammastrahlungsausbrüche. Damit sollen sich deren Ursprünge auf optisch sichtbare Objekte zurückführen lassen. Dabei kommen nach einer Detektion andere Teleskope im All und auf der Erde zum Einsatz. SWIFT startete am 20. November 2004 ins All und umläuft die Erde auf einer 600-Kilometer-Bahn mit einer Inklination von 22 Grad.

Das Chandra X-ray Observatory wurde bereits 1999 ins All transportiert. Im Unterschied zu SWIFT hat es zwar ein kleineres Gesichtsfeld, mit 0,5 Bogensekunden aber ein deutlich höheres Auflösungsvermögen. Es gehört mit seinen knapp 5 t Masse zu den großen Weltraumobservatorien der NASA (Hubble, Compton, Chandra & Spitzer).

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


» OSC baut, SpaceX startet Thaicom 6
11.06.2011 - Ende Mai 2011 gab der Kommunikationssatellitenbetreiber Thaicom Public Company Limited seine Absicht zur Umsetzung seines Thaicom-6-Projektes bekannt. Dafür will er rund 160 Millionen US-Dollar aufwenden.
Thaicom 6 mit einer Startmasse von rund 3 Tonnen wird auf dem Star-2.4-Bus der Orbital Sciences Corporation (OSC) basieren, soll mit 18 C-Band- und 8 Ku-Band-Transpondern ausgerüstet werden und im geostationären Orbit bei 78,5 Grad Ost in Kolokation mit Thaicom 5 zum Einsatz kommen. Die derzeitigen Planungen sehen vor, den neuen Kommunikationssatelliten mit einer Auslegungsbetriebsdauer von mindestens 15 Jahren im zweiten Quartal 2013 auf einer Falcon-9-Rakete von SpaceX in den Weltraum zu transportieren.

Um Thaicom als dritten Kunden aus der Riege der etablierten Kommunikationssatellitenbetreiber nach Spacecom aus Israel und SES aus Luxemburg bedienen zu können, muss SpaceX die Leistung der Zentralstufe der Falcon 9 steigern und eine breitere Nutzlastverkleidung zur Verfügung stellen. Noch hat keine Falcon 9 eine Nutzlast in einen Geotransferorbit gebracht, von wo viele Kommunikationssatelliten mit eigenem Antrieb die geostationäre Umlaufbahn ansteuern. Auch verliefen die beiden bisher vorgenommenen Testflüge der Rakete nicht fehlerfrei.

Man darf also gespannt sein, ob sich Thaicoms Zeitplan einhalten lässt. Hinsichtlich der Konstruktion des Satelliten ist Thaicom sicher, dass diese sich innerhalb von nicht einmal zwei Jahren bewerkstelligen lässt. Bau, Start und Versicherung des Satelliten kosten Thaicom nach eigenen Angaben rund 160 Millionen US-Dollar. Unterstellt man eine Versicherungsprämie von 12 Prozent, betragen die Kosten für den Satelliten und die Trägerrakete anteilig rund 143 Millionen US-Dollar.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: OSC, Thaicom, Space News, SpaceX)


» Warten auf das James Webb Telescope
11.06.2011 - Der designierte Nachfolger des Hubble-Teleskops wird die Steuerzahler mindestens viermal mehr als ursprünglich geplant kosten und sieben Jahre später als vorgesehen starten.
Das James-Webb-Weltraum-Teleskop (JWST), welches am L2-Punkt stationiert werden und im infraroten Wellenlängenbereich sensitiv sein soll, hätte nach anfänglichen Kalkulationen etwa 1,6 Milliarden US-Dollar kosten sollen. Der Start war für dieses Jahr vorgesehen. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen, welche die Kosten weiter in die Höhe steigen ließen. Unter Anderem wurden an einem CCD-Detektor eine steigende Anzahl an Hot-Pixeln festgestellt, welche die Verwendung des Sensors in Frage stellen.

Wissenschaftler erachten das Observatorium jedoch als die wichtigste Mission dieses Jahrzehnts. Daher wird das Projekt nun zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren überholt. Die letzte Kostenschätzung belief sich auf 6,8 Milliarden US-Dollar. Die NASA gibt an, dass ein Start vor 2018 nicht als realistisch angesehen werden kann. Möglicherweise verschiebt sich der Flug auch bis 2020.

Die Startverzögerung wird die Kosten möglicherweise noch weiter in die Höhe treiben. Wissenschaftler, insbesondere projektferne, betrachten dies mit Sorge, da dies sowohl am amerikanischen Wissenschaftsbudget für den Bereich Astronomie wie auch am NASA-Budget möglicherweise Verschiebungen zu Lasten anderer Projekte verursacht. So könnte es sein, dass bereits diesen Sommer, nach der Projektumstrukturierung mehrere Milliarden US-Dollar dem JWST-Projekt zugesprochen werden, um den dann angepassten Fahrplan einhalten zu können.

Eine erste Ursache für die Kostenexplosion soll schon gefunden sein: Die NASA und ihre Aufragnehmer haben, wie bei den meisten Großprojekten die Kosten ursprünglich zu niedrig angesetzt und nicht genügend Reserven für auftretende technische Herausforderungen und Schwierigkeiten eingeplant. Inwieweit sich dies bewahrheitet, wird bei der Projektumstrukturierung im Sommer hoffentlich geklärt werden können.

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(Autor: Oliver Karger - Quelle: Florida Today, NASA)


» LightSquareds Mobilfunkmasten stören GPS-Empfang
11.06.2011 - In LightSquareds Mobilfunknetz, das künftig aus zwei geostationären Kommunikationssatelliten und vier zugehörigen Bodenstationen sowie mehreren zehntausend über die Vereinigten Staaten verteilten Mobilfunkmasten bestehen soll, bereiten letztere fortgesetzt Probleme. Die von ihnen testweise ausgestrahlten Signale stören GPS-Empfänger teilweise so massiv, dass die Navigationsgeräte nicht zu benutzen sind.
Ein Regierungsprogramm zum Test der Interaktion zwischen dem von LightSquared geplanten Netz von terrestrischen, im L-Band arbeitenden Mobilfunkstationen und der Funktionsfähigkeit von GPS-Empfangsgeräten zeigte wiederholt, dass in der Nähe von entsprechend ausgerüsteten Mobilfunkmasten GPS-Signale nur noch mit verminderter Signalstärke oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr empfangen werden können. Für Rettungsdienste und Betreiber von Verkehrsflugzeugen beispielsweise wäre es inakzeptabel, landesweit regelmäßig mit Empfangsstörungen oder Unterbrechungen rechnen zu müssen.

Die Schuld für das Problem lastet vermutlich auf den Schultern vieler: Zahlreiche GPS-Empfangsgeräte sind auch für Signale außerhalb der Frequenzbereiche, die GPS unmittelbar verwendet, empfindlich und hören beim Empfang fremder Signale auf, einwandfrei zu arbeiten. LightSquareds Mobilfunkmasten sollen mit Sendeleistungen im L-Band arbeiten, die zuvor im terrestrischen Bereich nicht verwendet wurden. Die zuständige US-amerikanische Regulierungsbehörde FCC ist möglicherweise nicht im erforderlichen Maße tätig geworden und ließ Veränderungen der Nutzung des elektromagnetischen Spektrums zu, nachdem sich die Hersteller von GPS-Hardware auf ein bestimmtes Umfeld eingestellt hatten.

LightSquared stellt sich vor, dass GPS-Empfänger mit geeigneten Filtern versehen können. Die Anpassung aller GPS-Empfänger in Flugzeugen würde vielleicht sieben bis zehn Jahre dauern und einen unbekannten erheblichen finanziellen Aufwand bedeuten. Für einen Großteil der bereits verkauften und im Einsatz befindlichen übrigen Geräte wird eine derartige Modifikation jedoch gar nicht möglich sein. Und hinsichtlich ihrer technischen Sinnhaftigkeit bestehen Zweifel. LightSquareds Signale interferieren mit den Signalen, die GPS-Empfänger benötigen, um unter Ausnützung des Doppler-Effekts Positionsbestimmungen mit besonderer Genauigkeit errechnen zu können. Wahrscheinlich würden Filter die erfolgreiche Nutzung des Effekts verhindern.

Ob es LightSquared letztendlich gestattet wird, im L-Band in Nachbarschaft zum durch GPS genutzten Frequenzband L1 mit hoher Leistung zu senden, bleibt abzuwarten. Im oberen Bereich des Frequenzbandes zwischen 1.525 und 1.559 MHz würden in Flugzeugen verwendete GPS-Empfänger beispielsweise ziemlich sicher massiv gestört werden. Konkrete Untersuchungen mit dem am schlechtesten arbeitenden GPS-Empfänger für den Flugzeugeinsatz sagen voraus, dass Flugzeuge in den Vereinigten Staaten über der Hauptstadt Washington, in den meisten Gegenden Virginias und Marylands sowie wichtigen Teilen von Pennsylvania und New Jersey in einer Flughöhe von 3.040 Metern oder darunter GPS nicht mehr zur Navigation nutzen können würden, ginge LightSquareds terrestrisches Funknetz unverändert in Betrieb.

In seine Netzinfrastruktur hat LightSquared zwischenzeitlich rund 1 Milliarde Dollar investiert. Um sie wie geplant fertigzustellen, benötigt LightSquared weitere Milliarden. Unter den gegebenen Umständen ist es möglicherweise nicht einfach, das erforderliche Kapital aufzutreiben.

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(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Inside GNSS, Space News)


» Was macht eigentlich ... Masten Space Systems?
12.06.2011 - Vor wenigen Wochen wurde ein Vertrag unterzeichnet, der die Nutzung von Starteinrichtungen und Verfolgungstechnik der Cape Canaveral Air Force Station ermöglicht.
Dabei wird Masten Space Systems mit 400.000 US-Dollar und zusätzlichen Dienstleistungen gefördert. Gegenstand des Vertrages sind mehrere Demonstrationsflüge eines weiterentwickelten und wiederverwendbaren vertikalen Start- und Landesystems für suborbitale Flüge, genutzt werden soll der Startkomplex 36. Hierbei erforderliche Umbauten werden ebenfalls von Space Florida, einer Vermarktungsfirma zur Festigung des Raumfahrtstandortes Florida, unterstützt.

Masten Space Systems hatte im Herbst 2009 Level 2 der Northrop Grumman Lunar Lander Challenge am besten bewältigt und dafür 1 Million US-Dollar Siegprämie eingestrichen. Seit Mai 2010 besteht zudem eine Partnerschaft mit XCOR Aerospace, die ihr Flüssigsauerstoff-Mathan-Antriebssystem und passende Verbundstofftanks beisteuern.

Ende Mai letzten Jahres schaffte Masten erstmals die Wiederzündung des Triebwerks im Flug, woraufhin im August bereits ein Vertrag mit der NASA im Rahmen des Commercial Reusable Suborbital Research Program (CRuSR) geschlossen wurde. Ziel ist es, minutenlange Schwerelosigkeit für wissenschaftliche Experimente und die Erprobung neuer techischer Geräte einfach, zuverlässig und kostengünstig zur Verfügung zu haben.

Masten Space Systems hat bis Ende 2010 bereits mehr als 70 erfolgreiche Flüge seines Vertical Liftoff Vertical Landing Systems mit dem Namen Xombie durchgeführt und das Nachfolgemodell Xaero fertiggestellt. Mit diesem System sollen die Demoflüge noch 2011 absolviert werden.

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(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Masten Space Systems)


» Radioastron vor dem Start
13.06.2011 - Am 18. Juli 2011 soll das radioastronomische Observatorium Spektr-R mit einer Zenit 3F von Baikonur aus in einen hochelliptischen Erdorbit gebracht werden. Fünf Jahre lang sollen verschiedene Objekte des Weltalls im Radiofrequenzbereich des elektromagnetischen Spektrums erforscht werden.
Dazu gehören Galaxien und Quasare, Neutronensterne, Pulsare und Schwarze Löcher sowie interstellare Plasmen. Ziele sind u.a. die Erfassung der Struktur des Raumes im Umfeld von Schwarzen Löchern, genauere Entfernungs- und Geschwindigkeitsbestimmungen bei Pulsaren sowie das Ergründen der Entwicklungsgeschichte kollabierender Strukturen. Insgesamt möchte man fundamentale kosmologische Erkenntnisse bestätigen und erweitern.

Radioastron soll in eine hochelliptische Erdumlaufbahn gebracht werden, deren erdnächster Punkt in einer Höhe von etwa 600 Kilometern liegt. Das Apogäum soll hingegen bei 330.000 Kilometern liegen. Damit ergäbe sich eine Umlaufzeit von etwa 8,2 Tagen, wobei man die meiste Zeit von der Erde weg Untersuchungen anstellen würde. In Erdnähe können mit hochpräzisen Frequenzmessungen per Dopplereffekt Geschwindigkeitsänderungen im Bereich von 100 Mikrometern pro Sekunde festgestellt werden, was sehr genaue Rückschlüsse auf Variationen im Gravitationsfeld der Erde zulässt. Mittels Lasermesssystem kann die Position von Radioastron in der Größenordnung von 10 Zentimetern genau bestimmt werden.

Zusammen mit Radioteleskopen auf der Erde soll Spektr-R Radiointerferometrie betreiben. Dazu werden neben russischen auch Antennen rund um den Globus in das Projekt einbezogen, so in Australien, Chile, China, Westeuropa, Indien, Japan, Südkorea, Mexiko, Südafrika, der Ukraine und in den USA. Mit Radioastron erreicht man eine Basislänge von bis zu 350.000 Kilometern. Dies hat den Vorteil, dass man Radioquellen unter geringfügig verschiedenen Winkeln anpeilt und damit das Auflösungsvermögen gewaltig verbessert. Durch eine Vielzahl an Messstationen kann auch die Stärke des Signals verbessert werden.

Während die bodengestützten Radioteleskope Antennendurchmesser von mehreren Dutzend Metern aufweisen, schirmt die Atmosphäre einen Teil der Signale ab. Außerdem sind Störeffekte von irdischen Funkquellen stärker und komplizierter herauszurechnen.

Radiaostron verfügt über eine Parabolantenne mit einem Durchmesser von 10 Metern und einer Brennweite von 4,22 m. Die Signale gelangen zu einem Fokalcontainer und werden von dort zu einem Instrumentenmodul weitergeleitet, welches sich hinter der Antenne befindet. Hier werden die Signale in Frequenzbereichen um 0,327 GHz, 1,665 GHz, 4,83 GHz und 18-25 GHz aufbereitet und ausgewertet. Dabei will man im Zusammenwirken mit bodengestützten Radioteleskopen ein Auflösungsvermögen von 540 µarcsec (Mikrobogensekunden) im niedrigsten bis zu 7 µarcsec im höchsten Frequenzbereich erreichen.

Die Antenne des Satelliten verfügt über einen 3 Meter durchmessenden starren Zentralteil, um den herum sich 27 Kohlefaserblätter mit einer 100 µm dicken Aluminiumbeschichtung mit einem Reflexionsvermögen um 98% befinden. Beim Start sind diese noch zusammengefaltet. Nach der Entfaltung ergibt sich ein Antennendurchmesser von 10 Metern mit einer Oberflächengenauigkeit um 500 µm.

Die wissenschaftliche Ausrüstung des 3.660 kg schweren Raumfahrzeugs umfasst etwa 2.500 kg, also den Großteil des Satelliten. Steuerung, Antrieb, Lageregelung, Energieversorgung und Kommunikationskomponenten befinden sich im von Lawotschkin gefertigten Bus vom Typ Navigator. Der Satellit ist dreiachsenstabilisiert und verfügt zur Energiegewinnung über zwei Solarzellenpaneele. Eine Hochgewinnantenne mit einem Durchmesser von 1,5 Metern sorgt für schnellen Datenaustausch, vor allem in Richtung Erde mit bis zu 144 MBit pro Sekunde im 15-GHz-Bereich. Außerdem wird bei 7,2 GHz ein Referenzsignal für Geschwindigkeits- und Beschleinigungsmessungen abgestrahlt. Radioastron verfügt über Radiatoren zur Abführung überschüssiger Wärme und 3 Sternsensoren zur genauen Lagebestimmung. Die Positionierungsgenauigkeit soll bei 18 Bogensekunden liegen.

In internationaler Kooperation entstanden auch einige Komponenten des Satelliten. So stammt der 1,6-GHz-Signalverstärker aus Indien, ein Detektor für kosmische Partikel aus Deutschland (FHG Freiburg) und es wurden Testeinrichtungen der ESA genutzt. Ursprünglich in den Niederlanden, in Deutschland und Finnland entwickelte Empfängermodule wurden mittlerweile durch weiterentwickelte aus russischer Fertigung ersetzt.

Aus dem hoffentlich erfolgreichen Einsatz des Satelliten im Verbund mit bodengestützten Radioteleskopen sollen sich auch Aussagen über kosmologische Effekte durch Dunkle Materie bzw. Dunkle Energie gewinnen lassen. Weitere Beobachtungsziele werden Sterne in verschiedenen Entwicklungsstadien, Maser oder stellare Schwarze Löcher sein. Erkenntnisse möchte man auch über das interplanetare sowie interstellare Medium und auf dem Gebiet der Astrometrie erringen.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Physikalisches Lebejew-Institut Moskau (Russische Akademie der Wissenschaften))


» Lange Mondfinsternis am 15. Juni 2011
13.06.2011 - Am kommenden Mittwoch wird es zu einer ungewöhnlich lang andauernden totalen Mondfinsternis kommen. Interessierte hoffen auf einen uneingeschränkten Blick gen Himmel.
Behindern nicht Wolken, Nebelschwaden oder ein ungünstiger Standort den Blick, wird der Mond über die ganze Nacht des 15. Juni hinweg zu sehen sein. Die Bezeichnung Mondfinsternis erweist sich als verwirrend: Obwohl sich die Erde zeitweise ziemlich exakt zwischen Sonne und Mond befindet, wird die Mond noch ausreichend beleuchtet werden, um sichtbar zu bleiben. Seine Farbe allerdings wird verändert erscheinen: Der Erdtrabant wird rötlich. Die Atmosphäre der Erde sorgt für diese Farbänderung, sie streut rotes länger welliges Licht in den Kernschatten, während kurzwelligeres grünes und blaues Licht durch Staub und Wasserdampf in der Atmosphäre zurückgehalten wird.

Der zeitliche Verlauf der totalen Mondfinsternis am 15. Juni 2011 wird bezogen auf einen Beobachtungsstandort in Deutschland etwa folgender sein:

  • 19:24 Uhr MESZ Mi.: Eintritt des Mondes in den Halbschatten (Penumbra) der Erde
  • 19:53 Uhr MESZ Mi.: Beginn der sichtbaren Mondfinsternis
  • 20:22 Uhr MESZ Mi.: Eintritt des Mondes in den Kernschatten (Umbra) der Erde
  • 21:22 Uhr MESZ Mi.: Beginn der Totalität
  • 22:12 Uhr MESZ Mi.: Maximale Totalität erreicht
  • 23:02 Uhr MESZ Mi.: Ende der Totalität
  • 00:02 Uhr MESZ Do.: Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde
  • 00:32 Uhr MESZ Do.: Ende der sichtbaren Mondfinsternis
  • 01:00 Uhr MESZ Do.: Austritt des Mondes aus dem Halbschatten der Erde

Die Sichtbarkeit des Beginns des Ereignisses in Deutschland hängt stark vom geographischen Standort ab. Im Bereich der Städte Augsburg, Chemnitz, Dresden, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Ulm beispielsweise wird der Mond schon knapp über dem Horizont zu sehen sein, wenn er in den Kernschatten der Erde eintritt. Im gesamten Verlauf erreicht der Mond in Deutschland keine besonders große Höhe über dem Horizont, weshalb bei der Beobachtung eine freie Sicht auf den Horizont hilfreich ist. Die besten Plätze gibt es woanders: Von Südafrika oder der Insel Mauritius ist die Finsternis vollumfänglich ideal zu verfolgen.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, Raumfahrer.net)



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Mars Aktuell: Opportunity überschreitet die 30-Kilometer-Marke von Redaktion



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» Opportunity überschreitet die 30-Kilometer-Marke
02.06.2011 - Auf seinem Weg zu dem mittlerweile lediglich noch etwa 3,3 Kilometer entfernten Endeavour-Krater hat der von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA betriebene Marsrover Opportunity am heutigen Tag die Marke von 30 auf der Marsoberfläche zurückgelegten Kilometern überschritten.
Nach dem Abschluss der Untersuchungen des Viktoria-Kraters auf der Hochebene "Meridiani Planum" im Jahr 2008 trafen die für die Opportunity-Mission verantwortlichen Mitarbeiter des Jet Propulsion Laboratory (JPL) den Entschluss, den Marsrover Opportunity zu einem neuen Ziel zu manövrieren. Hierfür wählte die Missionsleitung den knapp 22 Kilometer durchmessenden und etwa 12 Kilometer vom Viktoria-Krater entfernten Endeavour-Krater aus. Im Verlauf der Fahrt zu diesem Krater erreichte Opportunity am 16. Dezember 2010 den etwa 90 Meter durchmessenden Krater Santa Maria, welcher von dem Rover in den folgenden Wochen teilweise umrundet, ausführlich fotografisch dokumentiert und an mehreren aus wissenschaftlicher Sicht besonders interessanten Stellen intensiv mit den verschiedenen Instrumenten untersucht wurde (Raumfahrer.net berichtete).

Am 25. März 2011, dem Sol 2547 der Opportunity-Mission, waren die Untersuchungen beendet und der Rover setzte seinen Weg zu dem zu diesem Zeitpunkt noch über sechs Kilometer entfernten Westwall des Endeavour-Kraters fort. Bis zum 7. April, dem Sol 2560 der Mission, konnte der Rover dabei in zehn Etappen eine Distanz von 996 Meter zurücklegen und weitere Aufnahmen des umgebenden Geländes anfertigen. Diese Fahrten führten zuerst in die südliche und später in die östliche Richtung. Mit dem gewählten Kurs nahm das für die Steuerung von Opportunity verantwortliche Marsrover-Driver-Team absichtlich einen Umweg in Kauf. Auf diese Weise konnten verschiedene Geländeabschnitten, welche im Vorfeld als problematisch eingestuft wurden, erfolgreich umfahren werden.

Bei diesen Fahrten zeigten die Telemetriedaten von Opportunity allerdings einen um mehr als 100 Milliampere erhöhten Stromverbrauch des rechten Vorderrades im Vergleich zu den restlichen fünf Rädern des Rovers an. Dieses Phänomen einer erhöhten Stromabnahme trat erstmals bei der Erkundung des Inneren des Viktoria-Kraters auf und konnte seit dem Februar 2009 regelmäßig beobachtet werden. Als wahrscheinlichste Ursache wird von den Technikern und Ingenieuren des JPL und der Herstellerfirmen ein Problem mit dem Schmiermittel des betreffenden Radgetriebes angenommen, welches zu einem erhöhten Reibungswiderstand im Inneren des Getriebes führt.

Analysen im Frühjahr 2009 ergaben, dass der Stromverbrauch des rechten Vorderrades bei einer Rückwärtsbewegung des Rovers geringer ausfällt als bei einer Vorwärtsbewegung. Um das Rad und das für dessen Antrieb verantwortliche Getriebe so weit wie möglich zu schonen, wurde Opportunity ab diesem Zeitpunkt in der Regel nur noch im "Rückwärtsgang" über das Meridiani Planum gesteuert. Durch diese Fortbewegungsweise lag der Wert des Vorderrades durchschnittlich nur noch 40 bis 50 Milliampere über den Werten der restlichen Räder.

Die erneute Zunahme des Stromverbrauches während der Untersuchung von Santa Maria und in den darauffolgenden Tagen liegt nach den Annahmen der Mitarbeiter des JPL darin begründet, dass sich Opportunity während der Erkundung des Kraters Santa Maria die meiste Zeit im Vorwärtsgang fortbewegte. Eine weitere Ursache könnte laut Bill Nelson, dem Leiter des Mars Exploration Rover-Ingenieur-Teams des JPL in den Umgebungstemperaturen auf dem Mars liegen. "Wenn wir eine Fahrt früh am Tag bei entsprechend niedrigen Temperaturen beginnen, dann sehen wir höhere Ströme als wenn wir eine Fahrt zu einer späteren Tageszeit und somit bei höheren Temperaturen starten."

Während der folgenden Fahrten sanken die Stromwerte für das rechte Vorderrad dann allerdings wieder auf den mittlerweile normalen, nur noch leicht erhöhten Wert ab. Die weitere Entwicklung wird von den Ingenieuren des Mars Exploration Rover-Teams jedoch auch weiterhin sorgfältig verfolgt.

Bis zum 1. Mai, dem Sol 2583 der Mission, konnte Opportunity im Verlauf von weiteren neun Tagesetappen zusätzliche rund 1.000 Meter überwinden. Der eingeschlagene Kurs führte jetzt in die südöstliche Richtung und zielte somit direkt auf das Cape York, einer Geländeerhebung am Westrand des Endeavour-Kraters, welche als Ankunftspunkt an diesem Krater vorgesehen ist. Der Rover konnte dabei am 27. April, dem Sol 2579, einen neuen Rekord verbuchen. An diesem Tag legte Opportunity eine Strecke von 152,18 Metern zurück. Dies war ein neuer "Post-Viktoria"-Rekord für eine im "Rückwärtsgang" durchgeführte Fahrt an einem einzigen Missionstag.

Nach seiner Fahrt am 1. Mai befand sich Opportunity unmittelbar nördlich von einem Kraterfeld, welches sich aus vier kleinen und anscheinend noch relativ jungen Impaktkratern zusammensetzt. Anlässlich des 50. Jahrestages des ersten Starts eines US-amerikanischen Astronauten ins Weltall wurden diese vier Krater von den Mitarbeitern der Rovermission mit den inoffiziellen Namen Freedom 7, Sigma 7, Faith 7 und Friendship 7 versehen, welche sich auf die Namen von Raumschiffen des Mercury-Programms der amerikanischen Weltraumbehörde beziehen. Alan Shepard, der erste Amerikaner im Weltall, startete am 5. Mai 1961 und erreichte auf einer ballistischen Flugbahn eine Höhe von 187 Kilometern. Nach einer Flugdauer von 15 Minuten und 22 Sekunden wasserte sein Raumschiff Freedom 7 wie vorgesehen im Atlantischen Ozean.

In den folgenden Tagen durchfuhr Opportunity das Kraterfeld und fertigte dabei mit seinen Navigations- und Panoramakameras diverse Aufnahmen der Krater und der unmittelbaren Umgebung an. Die beiden kleineren Krater Sigma 7 und Faith 7 am nördlichen Rand des Feldes sind bereits relativ stark mit Sand und Staub verfüllt. Friendship 7 ist komplett von einem hellem Ejekta-Material umgeben. Der größte der vier Krater, er wurde mit dem Namen Freedom 7 belegt, verfügt über eine Ausdehnung von rund 25 x 31 Metern. An seinem südlichen Rand ist ebenfalls helles Auswurfmaterial erkennbar.

Am 6. Mai war die Untersuchung des Mercury-Kraterfeldes beendet und Opportunity bewegte sich mit einer Fahrt über 126 Meter in die östliche Richtung. Einen Tag später, am Sol 2589, folgte eine weitere Fahrt über diesmal 129 Meter. In der folgenden Woche konnte der Rover im Rahmen von fünf Fahrten zwischen dem 10. und dem 14. Mai weitere rund 530 Meter überbrücken. Dabei führte der Kurs den Rover erneut an einem kleinen Impaktkrater vorbei, welcher ebenfalls kurz mit den Kameras abgebildet wurde. Auch der Skylab-Krater, so sein Name, verfügt lediglich über einen Durchmesser von wenigen Metern.

In der folgenden Woche überquerte Opportunity am 17. und 18 Mai planmäßig eine Strecke von weiteren rund 200 Metern. Die darauffolgende Fahrt am 19. Mai wurde dagegen vom dem Rover nach einer überbrückten Distanz von lediglich 29 Metern vorzeitig automatisch abgebrochen. Die Analysen der Ingenieure des JPL ergaben, dass der Rover zu diesem Zeitpunkt von kosmischer Strahlung getroffen wurde. Diese verursachte einen Single Event Upset. Durch die hochenergetische Strahlung wurde in einer der FPGAs des Rovers ein sogenannter "Bit flip" - die unvorhergesehene Änderung des Zustandes eines Bits - hervorgerufen. Vergleichbare Ereignisse sind in den vergangenen Jahren bei den beiden Marsrovern Spirit und Opportunity nur äußerst selten aufgetreten. Wie bereits in der Vergangenheit blieb jedoch auch dieses Ereignis ohne weitere negative Folgen. Opportunity konnte seine Fahrt am 21. Mai, dem Sol 2603 der Mission, mit einer Etappe über 128 Meter fortsetzen.

Die folgende Fahrt fiel mit einer überbrückten Distanz von 42 Metern bewusst kurz aus und führte Opportunity in ein Gebiet, in dem die an der Mission beteiligten Wissenschaftler zuvor mittels der Kamerabilder des Rovers eine interessante Gesteinsformation entdeckt hatten. "Valdivia", so der formelle Name dieser Region aus offen zutage liegenden Grundgestein, wurde in den folgenden Tagen ausführlich mit den verschiedenen Kamerasystemen des Rovers abgebildet. Zudem wurden das Mikroskop und das APXS-Spektrometer für intensivere Untersuchungen des Bodens eingesetzt.

Nach der Beendigung der Analysen setzte der Rover seine Fahrt am heutigen Sol 2614 fort und überbrückte dabei eine Distanz von rund 140 Metern. Im Rahmen dieser bisher letzten Fahrt, welche in der vergangenen Nacht gegen 04:00 MESZ beendet wurde, hat Opportunity die Marke von 30 auf der Oberfläche des Mars’ zurückgelegten Kilometern überschritten. Somit hat Opportunity seit der Beendigung seiner Untersuchungen am Krater Santa Maria während der letzten zehn Wochen eine Distanz von über drei Kilometern überbrückt. Die Entfernung zum Westrand des Endeavour-Kraters konnte in diesem Zeitraum fast halbiert werden und beträgt aktuell noch etwa 3,3 Kilometer. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte Opportunity rund 153.000 Bilder an die Erde übermitteln.

Nach den aktuellen Planungen wird das Roverdriver-Team den Marsrover auch in den kommenden Wochen ohne größere Unterbrechungen auf den Endeavour-Krater zusteuern. Das vorausliegende Gelände fällt sehr eben aus und ist von Rippelmarken und gelegentlich auftretenden Flächen von offen zutage liegendem Grundgestein gekennzeichnet.

Dieses jetzt noch zu überbrückende Gebiet wurde in der Vergangenheit ausführlich mit den verschiedenen Kameras und Spektrometern der beiden NASA-Orbiter Mars Reconnaissance Orbiter und Mars Odyssey kartiert. Bei der Auswertung der Daten konnten die beteiligten Wissenschaftler keinerlei Hinweise darauf finden, dass der Rover Probleme bei der Bewältigung der zukünftigen Route haben könnte. "Die von uns beobachteten Dünengrate sind weder hoch genug noch ausgedehnt genug, um ein Mobilitätsproblem für den Rover dazustellen", so Ray Arvidson, der stellvertretende Chef-Wissenschaftler der Mars Exploration Rover-Mission von der Washington University in St. Louis/ USA.

Momentan deuten die Telemetriedaten bezüglich des "Gesundheitszustandes" des Rovers auf keine nennenswerten technischen Anomalien hin. Neben dem allgemeinen technischen Zustand muss dabei allerdings auch immer ein Auge auf die aktuelle Wettersituation auf dem Mars geworfen werden. Da der Rover ausschließlich mittels seiner Solarpaneele durch Sonnenenergie betrieben wird, ist für dessen Energiesituation allein das Wetter auf dem Mars verantwortlich.

Hierbei zeigt sich gegenwärtig eine für die jetzige Jahreszeit - auf der südlichen Hemisphäre des Mars herrscht gerade Frühsommer - typische Entwicklung. Mehrere regional begrenzte Staubstürme haben während der vergangenen Wochen und Monate größere Mengen an Staub in die Luft befördert, was zu einer Trübung der Atmosphäre geführt hat. Dieser Staub hat sich mittlerweile teilweise wieder auf der Planetenoberfläche abgelagert und dabei auch die Solarpaneele von Opportunity mit einer dünnen Staubschicht bedeckt. Dadurch bedingt ist die von dem Rover generierte Energiemenge in den letzten Monaten langsam, aber stetig abgefallen und hatte sich in den letzten Wochen bei einem Wert von weniger als 400 Wattstunden pro Tag eingependelt.

Auch in den vergangenen Wochen gestaltete sich das Wetter auf dem Mars typisch für die gegenwärtige Jahreszeit. Staub und Wolken aus Wassereiskristallen erstreckten sich über weite Bereiche der mittleren nördlichen Breiten. Besonders stark konzentriert war der Staub dabei über dem Tempe Terra, dem Acidalia Planitia und dem Arcadia Planitia in der nördlichen Tiefebene. Zwei kurzlebige Staubstürme konnten außerdem am 19. und am 21. Mai westlich des Marsvulkans Olympus Mons über dem Amazonis Planitia registriert werden. Der Rest des Planeten zeigte sich dagegen in den vergangenen Wochen relativ staubfrei.

Einen Überblick über die Entwicklung der Energiewerte von Opportunity während der letzten Monate gibt die folgende Auflistung. Der Tau-Wert steht dabei für die Durchsetzung der Marsatmosphäre mit Staub und Wassereiskristallen. Je mehr Staub sich in der Atmosphäre des Planeten befindet, desto höher fällt dieser Wert aus. Der Wert für die Lichtdurchlässigkeit der Solarzellen gibt dagegen an, wie viel Sonnenlicht die Solarpaneele trotz einer bedeckenden Staubschicht erreicht und letztendlich zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Je niedriger der Tau-Wert und je höher der Faktor für die Lichtdurchlässigkeit ausfällt, desto besser ist dies für den Energiehaushalt des Rovers.

  • 22.03.2011: 0,453 kWh/Tag , Tau-Wert 0,968 , Lichtdurchlässigkeit 58,80 Prozent
  • 29.03.2011: 0,423 kWh/Tag , Tau-Wert 0,914 , Lichtdurchlässigkeit 56,00 Prozent
  • 06.04.2011: 0,414 kWh/Tag , Tau-Wert 0,910 , Lichtdurchlässigkeit 56,10 Prozent
  • 12.04.2011: 0,390 kWh/Tag , Tau-Wert 0,919 , Lichtdurchlässigkeit 53,55 Prozent
  • 19.04.2011: 0,400 kWh/Tag , Tau-Wert 0,922 , Lichtdurchlässigkeit 54,14 Prozent
  • 27.04.2011: 0,381 kWh/Tag , Tau-Wert 0,870 , Lichtdurchlässigkeit 50,70 Prozent
  • 04.05.2011: 0,367 kWh/Tag , Tau-Wert 0,819 , Lichtdurchlässigkeit 51,00 Prozent
  • 12.05.2011: 0,382 kWh/Tag , Tau-Wert 0,816 , Lichtdurchlässigkeit 51,40 Prozent
  • 18.05.2011: 0,406 kWh/Tag , Tau-Wert 0,806 , Lichtdurchlässigkeit 52,80 Prozent
  • 25.05.2011: 0,408 kWh/Tag , Tau-Wert 0,827 , Lichtdurchlässigkeit 53,50 Prozent

Speziell diese eher niedrigen Energiewerte lassen die in den letzten zwei Monaten zurückgelegten Entfernungen mit Tagesetappen von teilweise deutlich über 100 Metern an mehreren aufeinander folgenden Tagen bemerkenswert erscheinen. Für den Betrieb seines Bordrechners, der internen Heizung für die wichtigsten elektronischen Bauteile und die tägliche Kommunikation mit der Erde benötigt Opportunity pro Tag etwa 160 Wattstunden Energie. Sofern nicht auf die Reserven in den beiden Batterien zurückgegriffen werden soll, steht dem Rover lediglich der verbleibende Energieüberschuss für die jeweilige tägliche Fahrt zur Verfügung.

Auch in den nächsten Wochen und Monaten wird sich der Robotergeologe Opportunity weiterhin in die südöstliche Richtung bewegen und dabei seinem nächsten "großen Ziel", dem Endeavour-Krater, nähern. Als Ankunftspunkt an diesem Krater ist dabei nach den aktuellen Planungen des wissenschaftlichen Teams der Mars Exploration Rover-Mission die Südspitze des Cape York vorgesehen. Bei dem Cape York handelt es sich um eine etwa 650 Meter lange, rund 150 Meter breite und relativ flach ausfallende Geländeerhebung am unmittelbaren Westrand des Endeavour-Kraters. Diese Geländeformation ist von geschichteten Gesteinsablagerungen umgeben, welche laut der durch Spektrometermessungen aus der Umlaufbahn erzielten Messergebnisse unter dem direkten Einfluss von Wasser entstanden sind.

Speziell in seinem südlichen Bereich, so die bisherigen Analysen der von den verschiedenen Marsorbiter gewonnenen Daten, scheinen sich Schichtsilikate und Tonminerale abgelagert zu haben. Dies deutet auf eine früher erfolgte Interaktion der dortigen Oberfläche mit Wasser hin. Sowohl Opportunity als auch sein baugleicher "Zwillingsbruder" Spirit haben im Verlauf ihrer bisherigen Forschungsarbeiten mehrfach Minerale auf der Oberfläche unseres Nachbarplaneten nachgewiesen, welche sich normalerweise nur unter dem Einfluss von Wasser bilden können. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang besonders der Nachweis von Sulfaten. Diese Sulfate benötigten für ihre Bildung jedoch wahrscheinlich lediglich punktuell auftretende Konzentrationen von verhältnismäßig salzigem Wasser, welches zudem nicht dauerhaft über einen längerem Zeitraum auf der Planetenoberfläche aufgetreten sein müsste. Für die Bildung von Tonmineralen müsste die Marsoberfläche dagegen über einen deutlich längeren Zeitraum mit Wasser interagiert haben.

Ein weiterer Unterschied bei der Bildung von Sulfaten und Tonmineralen ist der pH-Wert des dafür benötigten Wassers. Eines der Sulfate, welches Opportunity in den bisher untersuchten Gesteinen nachweisen konnte, ist das Mineral Jarosit, welches sich ausschließlich in einer sehr "sauren" Umgebung bildet. Eine solche saure Umgebung stellt für die meisten irdischen Lebensformen, abgesehen von hochspezialisierten extremophilen Organismen, eine eher schlechte Lebensgrundlage dar. Die meisten Astrobiologen halten es für unwahrscheinlich, dass sich unter solchen extremen Voraussetzungen Leben bilden kann.

Tonminerale entstehen dagegen bei höheren, nahezu neutralen pH-Werten. Ihr Vorhandensein im Bereich des Endeavour-Krater wird als ein Hinweis darauf interpretiert, dass sich in diesem Bereich der Marsoberfläche einstmals pH-neutrales Wasser befunden haben muss - und dies über einen in geologischen Zusammenhängen betrachtet längeren Zeitraum. Eine solche Umgebung könnte in der Vergangenheit unter bestimmten Umständen die Entstehung von primitiven Lebensformen auf dem Mars begünstigt haben.

Die geplanten Untersuchungen am südlichen Rand von Cape York könnten somit zugleich die wissenschaftlich bedeutsamsten Untersuchungen der gesamten Mission werden. Mit ihnen könnten die Wissenschaftler der Beantwortung der wohl interessantesten Frage der aktuellen Marsforschung einen Schritt näher kommen: "Haben auf dem Mars einstmals Umweltbedingungen geherrscht, welche die Entstehung von Leben ermöglicht haben könnten?"

Um das Cape York zu erreichen, gibt es auch weiterhin nur eine Vorgabe für den Rover: "Fahren, fahren, fahren...", so Steve Squyres von der Cornell University. Unterbrochen werden soll diese weitere Fahrt, wie bereits im Fall von "Valdivia", lediglich durch gelegentliche und dann auch nur kurzzeitige wissenschaftliche Untersuchungen der Bodenzusammensetzung des zu überquerenden Geländes.

Bezüglich des genauen Ankunftsdatums von Opportunity am Rand des Endeavour-Kraters lassen sich die an der Mission beteiligten Mitarbeiter allerdings nicht zu einer festen Aussage hinreißen. "Irgendwann zwischen Mitte September und Weihnachten 2011", so zum Beispiel Scott Maxwell, der Leiter der Roverdriver-Teams des JPL. Zu viele Unwägbarkeiten lassen sich nicht genau abschätzen oder gar definitiv vorhersagen. Die weitere Entwicklung der Wettersituation auf dem Mars und somit die Menge der für die Fahrten zur Verfügung stehenden Energie, der allgemeine technische Zustand des Rovers, eventuelle Probleme beim Deep Space Network der NASA oder mit dem Orbiter Mars Odyssey, welche für die Kommunikation mit Opportunity benötigt werden - all dies sind Faktoren, die einen nicht unerheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Mission und nicht zuletzt auch auf das Tempo haben, mit dem sich der Rover in den kommenden Wochen und Monaten fortbewegen wird.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: JPL, Planetary Society, Malin Space Science Systems, Unmanned Spaceflight, Road to Endeavour)


» Mars Express fotografiert Eisablagerungen am Südpol
07.06.2011 - Letzte Woche veröffentlichte Aufnahmen der Raumsonde Mars Express zeigen die Region Ulyxis Rupes in der Nähe des Südpols unseres Nachbarplaneten. Auf den Bildern sind verschiedene Eisablagerungen und Dünenformationen erkennbar.
Am 15. Januar 2011 überflog die von der europäischen Weltraumagentur ESA betriebene Raumsonde Mars Express während ihres Orbits Nummer 8.995 die auf der südlichen Hemisphäre des Mars gelegene Region Ulyxis Rupes und bildete dabei mit der High Resolution Stereo Camera (HRSC) einen Teil der dort erkennbaren Oberflächenstrukturen ab. Die HRSC-Kamera wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben und ist eines von sieben wissenschaftlichen Instrumenten an Bord der Raumsonde Mars Express.

"Rupes" ist der lateinische Begriff für einen Steilhang oder Abhang. Bei dem Ulyxis Rupes handelt es sich um das einzige mit einem Namen versehene morphologische Merkmal in der abgebildeten Szenerie. Es stellt ein klassisches Albedo Feature dar, also einen Bereich der Oberfläche, welcher sich bei der optischen Betrachtung durch eine veränderte Helligkeit von der angrenzenden Umgebung absetzt. Benannt wurde Ulyxis Rupes von dem griechischen Astronomen Eugène Michel Antoniadi.

Der Steilhang Ulyxis Rupes befindet sich in den hohen Breiten des südlichen Mars-Hochlandes und erstreckt sich dort über eine Länge von rund 390 Kilometern. Das Zentrum der Region befindet sich bei 68,37 Grad südlicher Breite und 159,9 Grad östlicher Länge. Der von der Raumsonde Mars Express abgebildete Bereich zeigt einen Ausschnitt dieses Gebietes bei 72 Grad südlicher Breite und 162 Grad östlicher Länge. Die HRSC-Kamera erreichte bei dem Überflug aus einer Höhe von mehreren hundert Kilometern eine Auflösung von etwa 49 Metern pro Pixel.

Die nebenstehende Nadiraufnahme der HRSC-Kamera deckt ein Gebiet mit einer Ausdehnung von etwa 370 x 195 Kilometern ab. Auf dieser Aufnahme - Norden befindet sich rechts im Bild - ist der etwas unspektakulär erscheinende südliche Bereich von Ulyxis Rupes mit zwei Pfeilen gekennzeichnet. Bedeutend faszinierender sind jedoch die auf dem Bild erkennbaren Eisablagerungen. Mehr als zwei Drittel der gezeigten Szenerie ist von dem Eisschild des Südpols und von verschiedenen Eisablagerungen geprägt, welche diesem vorgelagert sind. Die linke (südliche) Hälfte des Bildes wird dabei von der geschlossenen Eiskappe dominiert. Diese ist stark von dunklem Lockermaterial überdeckt, wodurch sich deren fast schwarze Farbe erklärt.

An verschiedenen in die nördliche Richtung gewandten Steilhängen sind sehr gut Wechsellagerungen aus hellen Eisschichten und dunklen Sedimentschichten zu erkennen (Bildausschnitt 1). Solche wechselnden Ablagerungen sind auch unter der englischen Fachbezeichnung "polar layered deposits" bekannt. Die oftmals halbkreisförmige Gestalt der erkennbaren Steilhänge ist vereinzelt auf darunter lagernde Impaktkrater zurückzuführen. Die Steilhänge bewirken außerdem eine Terrassierung der abgelagerten Schichten, welche von Süden nach Norden abnimmt.

Nördlich des Randes der Polarkappe erstrecken sich mehrere isolierte Felder aus Eisablagerungen (Bildausschnitt 2). Diese sind ebenfalls mit einem dunklem Material bedeckt, welches sich oftmals zu langgestreckten longitudinalen Dünen aufgetürmt hat. Hierbei handelt es sich um einen speziellen Dünentyp, welcher über ein symmetrisches Profil verfügt und dessen Gleithänge sich gewöhnlich in einem spitz zulaufenden Kamm treffen.

Die Bildung und das anschließende Fortbestehen von Longitudinaldünen setzt das Vorhandensein von komplexen Windströmungen voraus. Die vorherrschende Windrichtung verläuft dabei parallel zu den sich bildenden Dünen. Zusätzlich treten noch Windwirbel oder senkrecht wehende Winde auf, welche das Lockermaterial aus den Dünentälern in die Richtung der Dünenkämme befördert. Anhand der Ausrichtung der erkennbaren Longitudinaldünen konnten die mit der Auswertung der Aufnahmen der HRSC-Kamera betrauten Wissenschaftler in dem hier abgebildeten Oberflächenabschnitt eine vorherrschende Windrichtung in die nordwestliche Richtung ableiten.

Mit zunehmender Entfernung vom Südpol sind größere zusammenhängende Eisvorkommen nur noch im Inneren von Impaktkratern erhalten (Bildausschnitt 3). Auffällig ist hierbei, dass sich diese "Mini-Eisschilde" nicht im unmittelbaren Zentrum der Impaktkrater befinden, sondern vielmehr näher an den Nordwänden der Krater platziert sind. Dieser Effekt ist auf die aus der nördlichen Richtung erfolgende Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Dies hat zur Folge, dass sich die Südhänge der Krater stärker erwärmen als die Nordhänge. Dadurch wird das Eis an den Südhängen der Impaktkrater weniger gut konserviert.

In den Bildausschnitten 4 und 5 sind mehrere irregulär geformte Ablagerungen aus einem hellen Material erkennbar, welche über teilweise parallel auftretende Oberflächenstrukturen verfügen. Obwohl es noch einer genaueren Analyse bedarf, könnte es sich hierbei eventuell um relikte Eisablagerungen oder sogenanntes Toteis handeln. An manchen Stellen ist deutlich zu erkennen, dass diese Ablagerungen teilweise von einem dunklen Material überlagert werden.

Die hier gezeigte Farbansicht wurde aus dem senkrecht auf die Planetenoberfläche blickenden Nadirkanal und den vor- und rückwärts blickenden Farbkanälen der HRSC-Stereokamera erstellt. Die weiter oben zu sehende Schrägansicht wurde aus den Aufnahmen der Stereokanäle der HRSC-Kamera berechnet. Bei dem Schwarzweißbild handelt es sich um eine Nadiraufnahme, welche von allen gewonnenen HRSC-Aufnahmen die höchste Auflösung erreicht. Zusätzlich kann ein Anaglyphenbild, welches bei der Verwendung einer Rot-Cyan- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet werden. Des Weiteren können die Wissenschaftler aus einer höhenkodierten Bildkarte, welche aus den Nadir- und Stereokanälen der HRSC-Kamera errechnet wird, ein digitales Geländemodell der abgebildeten Marsoberfläche ableiten.

Das HRSC-Kameraexperiment an Bord der ESA-Sonde Mars Express wird vom Principal Investigator (PI) Prof. Dr. Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin geleitet. Dieser hat auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen. Das für die Kamera verantwortliche Wissenschaftlerteam besteht aus 45 Co-Investigatoren von 32 Institutionen aus zehn Ländern. Die HRSC-Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH) gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Bilddaten erfolgt am DLR. Die Darstellungen der hier gezeigten Mars Express-Bilder wurden vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem DLR-Institut für Planetenforschung erstellt.

Höher aufgelöste Versionen der hier gezeigten HRSC-Aufnahmen finden Sie auf der entsprechenden Internetseite der FU Berlin.

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(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: FU Berlin)


» Ein Lander für den ExoMars Trace Gas Orbiter
11.06.2011 - Der Trace Gas Orbiter des ExoMars-Programms soll, wie NASA und ESA bekanntgaben, einen Landedemonstrator aussetzen, der beim Eintritt in die Marsatmosphäre, während des Abstieges und nach dem Aufsetzen wissenschaftliche Untersuchungen durchführen soll.
Im Jahr 2016 soll der ExoMars Trace Gas Orbiter in Richtung Mars starten und dort neun Monate später ankommen. Nun gaben die europäische Weltraumbehörde und die der USA bekannt, dass dabei ein EDM (Entry, Descent and Landing Demonstrator Module) genanntes Landegerät mitgeführt werden soll. Dieses soll in allen Flugphasen mit seinen Instrumenten Untersuchungen durchführen und so das Wissen über die Marsatmosphäre erweitern.

„Der Landung wird während der Staubsturmsaison stattfinden“, sagte Jorge Vago, Projektwissenschaftler des ExoMars-Programms. „Das ist eine einmalige Chance, eine Staub beladene Atmosphäre beim Eintritt und während des Abstieges zu untersuchen und interessante Messungen am Boden in Zusammenhang mit einer staubreichen Umgebung durchzuführen.“

Nach der Landung soll eine Wissenschaftsnutzlast mit den Namend DREAMS (Dust characterisation, Risk assessment, and Environment Analyser on the Martian Surface) in einem Zeitraum von zwei bis vier Tagen, je nachdem wie lange die Batterien überleben, die Marsatmosphäre untersuchen. Dabei soll sie mit verschiedenen Sensoren die Windgeschwindigkeit und –richtung, die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck und die Bodentemperatur messen. Außerdem sollen Messungen zur Durchsichtigkeit der Atmosphäre durchgeführt werden.

Mit einem weiteren Instrument sollen auch elektrische Felder gemessen werden, die entstehen, wenn Staubkörner in der Luft aneinander reiben. Des Weiteren wird eine Farbkamera mitgeführt, die sowohl wissenschaftliche Daten als auch spektakuläre Bilder liefern soll. Über das Design der Kamera wurde noch nicht entschieden, dies soll jedoch bis Ende des Jahres passieren.

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(Autor: Simon Plasger - Quelle: ESA)



 

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ISS Aktuell: NASA veröffentlicht Bilder für die Geschichtsbücher von Redaktion



• NASA veröffentlicht Bilder für die Geschichtsbücher «mehr» «online»
• Sojus-TMA 02M erreicht die ISS «mehr» «online»
• Größte Bahnanhebung der ISS durch ATV-2 «mehr» «online»


» NASA veröffentlicht Bilder für die Geschichtsbücher
08.06.2011 - Es hat doch länger gedauert als geplant bis zur Bereitstellung dieser Bilder. Aber jetzt sind Sie da. Erstmals ist das Space Shuttle zusammen mit der weitgehend fertig ausgebauten Weltraumstation ISS auf einem einzelnen Foto zu sehen.
Bereits bei der STS-133-Mission lag die Anfrage der NASA vor, mit einer russischen Sojus-Kapsel abzudocken, um Fotos des Space Shuttles zusammen mit der ISS zu machen. Damals verhinderten technische Bedenken der brandneuen digitalen Sojus das Manöver. Diesmal, bei STS 134, hat es geklappt. Die dreiköpfige Besatzung von Sojus-TMA 20 dockte planmäßig am 23. Mai von der Station ab. Mit dabei der ESA Astronaut Paolo Nespoli. Ihm oblag die Aufgabe, die Luke zum Orbital Modul nochmal zu öffnen und sich zum vorderen Fenster zu bewegen. Dabei flog der Kommandant die Kapsel etwas von der Station weg und "parkte" dann dort. Damit für Nespoli Aufnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln möglich waren, begann die Station mit einer Rotation um 2 Achsen. Dabei entstanden viele Aufnahmen und ein HD-Video, auf welches man derzeit noch wartet. UPDATE Das Video ist inzwischen da und auch im Artikel eingefügt

Nach der Landung der russischen Kapsel hieß es bei einer Pressekonferenz der NASA, dass die Aufnahmen schon nach 2 Tagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das es nun doch so lange gedauert hat, lag an der Abwicklung der Routinen mit der Sojus-Kapsel nach der Landung, in der die Speicherkarte lag. Danach verzögerten noch Exportkontrollen den Versand der Karte.

Auf diesen Bildern sind nun erstmals fast sämtliche Module und Versorgungsraumschiffe zu sehen. Lediglich der japanischer Versorger HTV fehlt, da dieser nur immer für eine maximale Dauer von 60 Tagen an der Station bleibt. Das europäische Pendant, das ATV, ist auf diesen Bilder noch zu sehen und gut erkennbar mit seinen X-Wing-Solarpaneelen am Ende der Station. Ansonsten ist die ISS auf diesen Bildern beinahe in der Endkonfiguration. Russland plant noch einige neue Module, der amerikanische Sektor, im Bild zu erkennen an den "silbernen" Modulen, ist jedoch fertiggestellt. Die gesamte Station wiegt mit Space Shuttle zusammen ca. 500 Tonnen und ist der größte von Menschenhand gebaute Komplex im All.

Ein weiteres Bild, welches neu ist, ist die Station zusammen mit einem Sternenhintergrund. Dafür belichtete man etwas länger und zusammen ergibt die Bilderserie diese Animation:

NASA gif Animation

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(Autor: Klaus Donath - Quelle: NASA)


» Sojus-TMA 02M erreicht die ISS
10.06.2011 - Da die 28. Stammbesatzung einige Zeit nur zu dritt arbeitete, hatte sie, bis die Verstärkung mit Sojus-TMA 02M eintraf, einen vollen Arbeitsplan. Es wurden etliche Experimente betreut, Wartungsarbeiten durchgeführt, Frachtgüter aus Progress-M 10M entladen und Abfall in ATV 2 „Johannes Kepler“ verladen. Gestern Abend erreichte ein neues digital gesteuertes Sojus-Raumschiff die Internationale Raumstation. (Newsbild: Sojus-Raumschiff im Anflug)
Nach der Abreise des Space-Shuttles Endeavour in der letzten Woche begann für die zurückbleibenden Raumfahrer Andrej Borisjenko, Ronald Garan und Alexander Samokutjajew die normale Arbeit als Dreipersonen-Crew. Dabei ging es hauptsächlich um die Kontrolle der Stationssysteme, die Wartung der Anlagen und die Betreuung von wissenschaftlichen Experimenten. Ronald Garan führte eine Reinigung der Belüftungselemente in den Schlafquartieren im Harmony-Modul durch, sicherte und verstaute biologische Proben und arbeitete am Fluids Integrated Rack um eine Steuerung von der Bodenstation aus zu ermöglichen. Andrej Borisjenko und Alexander Samokutjajew arbeiteten im russischen Segment. So fotografierten sie die Stationsfenster zu Dokumentationszwecken, entfernten einige Gerätestecker zum Austausch russischer Hardware und betreuten das Pflanzenexperiment Rastenja 2. Hierbei geht es Wissenschaftlern darum, Pflanzenkulturen in der Schwerelosigkeit zu erforschen und sie für künftige Raummissionen zu kultivieren.

Während die drei auf die Verstärkung durch die Besatzung von Sojus-TMA 02M, Michael Fossum, Satoshi Furukawa und Sergej Wolkow warteten, führten sie erneut eine Notfallübung für das Verhalten bei schnellem Druckverlust in der Station und weitere Experimente durch. Bei der Notfallausbildung wurden die drei von der Bodenstation angeleitet und machten sich mit den Lagerplätzen der Notfallausrüstung, dessen Gebrauch und den nötigen Verhaltensweisen vertraut. Im Zuge dessen wurde mit dem Experiment BAR gearbeitet, welches Lecks im russischen Segment aufspüren soll. Ronald Garan arbeitete mit dem Experiment VIABLE (eValuatIon And monitoring of microBiofiLms insidE the ISS). Hier werden verschiedene Materialien mit antibakteriellen Beschichtungen getestet und an der Verhinderung von mikrobiologischen Belägen geforscht. Am 3. Juni fand eine erneute Bahnanhebung durch das ATV 2 statt. Die Triebwerke wurden dafür knapp 17 Minuten gezündet und erhöhten die mittlere Umlaufbahn der ISS um rund vier Kilometer.

Am letzten Wochenende hatte Andrej Borisjenko die Aufgabe, das Izgib-Dakon-Experiment zu kontrollieren. Ein Beschleunigungssensor ermittelt hier Stöße und Vibrationen an der Station und zeichnet diese auf. Jetzt wurden die Strukturdynamikdaten ermittelt und ihr Einfluss auf wissenschaftliche Hardware bewertet. Ronald Garan führte seine zweite Sitzung des VO2max-Experiments, einer Messung und Dokumentierung der Sauerstoffaufnahme eines Menschen während und nach seinem Aufenthalt an Bord der Station, durch. Verglichen und bewertet werden die Veränderungen in seiner aeroben Kapazität über einen längeren Zeitraum. Im Anschluss erledigte er eine routinemäßige Prüfung der Probenbehälter des MELFI-Gefrierschrankes. Täglich hatte die Besatzung Gelegenheit, Aufnahmen unseres Planeten anzufertigen. Diesmal wurden Gebiete in Libyen, Barbuda und Mexiko fotografiert und gespeichert. Im Laufe des Wochenendes haben die Besatzungsmitglieder ihre täglichen Trainingseinheiten fortgesetzt, um den Effekten der langen Aussetzung der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken. Sie konnten auch einige dienstfreie Zeit genießen, haben regelmäßige Wartungsaufgaben fortgesetzt und Gelegenheiten, mit Familienangehörigen zu sprechen, wahrgenommen.

Zum Beginn dieser Woche arbeiteten Andrej Borisjenko und Alexander Samokutjajew Teile der russischen Aufgabenliste ab. Sie verpackten nicht mehr benötigte russische Sachen in 9 große Transporttaschen CTBs (Cargo Transfer Bags) für die Entsorgung im ATV 2 gemäß US-Vereinbarung. Ebenso wurden die Experimente Sprut 2, Rusalka, Tipologija und Matrjoschka-R betreut bzw. daran teilgenommen. Für eine Reinigungsaktion der Treibstoffsysteme des ATV 2 wurden alle Fenster des Swesda-Moduls vorsorglich geschlossen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Im US-basierten Teil der ISS verbrachte Ronald Garan einige Zeit mit dem Tausch und der Aktualisierung der Stations-Laptops und damit verbundenen Arbeiten am Bordnetzwerk. Eine schadhafte Datei beim Hochladen der Software unterbrach allerdings seine Tätigkeiten. Mit Hilfe der Techniker am Boden wurden die Arbeiten an den verbleibenden Computern am Tag darauf fortgesetzt. Zusätzlich wechselte Garan einige Proben im Fluids Integrated Rack aus und machte eine Routinewartung der US-Raumanzüge im Schleusenmodul Quest. Weiterhin verstaute er persönliche Kleidung und Ausrüstung der drei erwarteten Besatzungsmitglieder in den zugeteilten Staufächern, diese war im PMM Leonardo gelagert.

Vorbereitend auf die Ankunft von Sojus-TMA 02M testeten die Raumfahrer das Ku-Band-System mit einer Videoübertragung. Dabei geht es um die Umwandlung der russischen Videosignale einer SONY-HDV Kamera in das amerikanische NTSC-Format und deren drahtlose Übertragung. Sojus-TMA 02M startete am 7. Juni um 22:12 Uhr MESZ von Baikonur planmäßig zur ISS. An Bord ist die Verstärkung der derzeitigen Stammbesatzung 28, Sergej Wolkow, Michael Fossum und Satoshi Furukawa. Während des Fluges kam in dieser zweiten digital gesteuerten Sojus eine neue Software der Neptun-Konsole zum Einsatz. Beim Typschiff Sojus-TMA 01M traten während des Fluges ungewollte Neustarts der Anlage und damit kleinere Probleme auf, die man hier bei diesem Raumschiff ausschließen möchte. Mit mehreren Bahnkorrekturmanövern näherte sich das Raumfahrzeug gestern Nacht der ISS, umkreiste sie kurz und setzte zum Endanflug mit nachfolgender Kopplung an.

Die feste Verbindung mit dem Orbitalkomplex konnte gestern um 23:18 Uhr MESZ mit dem Schließen der Andockklammern zwischen den Raumfahrzeugen vollzogen werden. Die Dichtigkeitsprüfung an dem Kopplungsstutzen verlief erfolgreich und so wurden heute um 02:34 Uhr MESZ die Luken geöffnet. Darauf schwebten die drei Neuankömmlinge in die Raumstation und erhielten im Anschluss an die herzliche Begrüßung sofort die vorgeschriebene Sicherheitsunterweisung durch Stationskommandant Andrej Borisjenko. Damit ist die Langzeitbesatzung 28 vollständig und wird ihre gemeinsame Arbeit für drei Monate aufnehmen. Geplante Höhepunkte gibt es in dieser Zeit reichlich, das Space Shuttle Atlantis soll auf seiner letzten Mission die Station anfliegen. Weiter wird ATV 2 noch zwei große Bahnanhebungen ausführen und mit Abfällen beladen die Station in einigen Tagen verlassen. Progress-M 10M hingegen muss entladen werden, ein neuer Versorger, Progress-M 11M, wird Ende Juni erwartet und es soll einen russischen Weltraumausstieg geben. Die Langzeitbesatzung 28 wird die Wartung der Station, nötige Transportarbeiten und die Forschungsaufgaben der bisherigen Besatzungen fortführen.

Mittlere Bahnhöhe der ISS am 09.06.2011:
346,1 km bei einem Höhenverlust von 135 Metern in den letzten 24 Stunden

Zukünftige Ereignisse:

  • 12. Juni, doppelte Bahnanhebung durch ATV-2
  • 15. Juni, doppelte Bahnanhebung durch ATV-2
  • 20. Juni, geplante Abreise von ATV-2 "Johannes Kepler"
  • 23. Juni, geplante Ankunft von Progress-M 11M

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(Autor: Ralf Möllenbeck - Quelle: NASA, Raumfahrer.net, Roskosmos)


» Größte Bahnanhebung der ISS durch ATV-2
13.06.2011 - Das europäische Versorgunsraumschiff Johannes Kepler hat heute die ISS mit zwei Brennvorgängen angehoben. Hierzu wurden zwei der vier Haupttriebwerke des auch als ATV 2 bekannten Raumfrachters für 36 bzw. 40 Minuten gezündet.
Da die Internationale Raumstation ISS auch in einer Höhe von ca. 350 km noch durch vorhandenen Luftreibung stetig abgebremst wird und dadurch an Höhe verliert, ist es nötig, dass sie mehrmals im Jahr angehoben wird. Um diesen Reibungswiderstand zu verringern, soll nun das ATV, kurz für Automated Transfer Vehicle, welches mit mehreren Tonnen Treibstoff und vier Triebwerken ausgerüstet ist, die ISS nun auf eine Höhe von ca. 380 km bringen, da dort der Reibungswiderstand durch die Restatmosphäre geringer ist. Dies war bisher jedoch unmöglich, da die Space Shuttles mit ihrer schweren Nutzlast und der hohen Inklination der ISS von 51,7° nur eine Höhe von gut 350 km erreichten konnten. Die verbleibende Misson STS 135 allerdings verfügt nur über eine vierköpfige Crew sowie weniger Nutzlast und ist dadurch leichter als vorherige Missionen, so dass auch eine Höhe von 380 km erreicht werden kann. Durch das Manöver wird in Zukunft weniger Treibstoff für den Erhalt der ISS-Bahn benötigt.

Die Bahnanhebung musste in zwei Abschnitten durchgeführt werden, um die Triebwerke des ATV nicht zu überlasten. Aber auch aus Gründen der Bahnmechanik hätte eine einzelne Zündung zu einem unerwünschten, elliptischen Orbit geführt. Zudem hätte es auch an Bord der ISS Schwingungen gegeben, die außerhalb der Spezifikation gelegen hätten.

Um 16:33 Uhr MESZ begann die erste Zündung, welche die Station um 9,2 km anhob. Während des 36 Minuten dauernden Brennvorgangs gab es auf der Station mehrere Alarme. Diese wurden ausgelöst, da die ISS derzeit in einem sehr hohen Betawinkel zur Sonne steht und dadurch nicht die volle Sonnenenergie aus ihren Solarzellen gewinnen kann. Hinzu kam noch, dass die ISS aufgrund des Brennmanövers speziell ausgerichtet werden musste. Aus diesen beiden Gründen konnten die Batterien, die die Station auf der Nachtseite mit Strom versorgen, nicht wie üblich aufgeladen werden. Die Bodenkontrolle gab aber schnell Entwarnung, da die Station aufgrund des aktuellen Bahnwinkels durchgehend Strom über die Solarpaneele beziehen konnte und die Batterien deswegen nicht belastet wurden. Die Alarme setzten sich weiter fort, bis nach dem zweiten Brennmanöver die ISS wieder optimal zur Sonne ausgerichtet werden konnte. Die zweite Zündung begann um 20:40 Uhr MESZ und dauerte 40 Minuten, in denen die Station um weitere 10,1 km angehoben wurde. Nun befindet der größte, jemals gebaute bemannte Außenposten im All auf einer mittleren Bahnhöhe von 365,1 km.

Schon in wenigen Tagen, am 15. Juni, werden zwei weitere Manöver die ISS auf eine mittlere Umlaufbahn von ca. 380 km schieben.

Am 20. Juni um vorraussichtlich 13:00 Uhr MESZ soll das ATV Johannes Kepler die Station verlassen, um dann am darauffolgenden Tag in die Atmosphäre einzutreten, um dort schlussendlich wie geplant zu verglühen.

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(Autor: Ian Benecken - Quelle: NASA, ESA)



 

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"InSpace" Magazin #443
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
13. Juni 2011
Auflage: 4443 Exemplare


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