InSpace Magazin #383 vom 7. April 2009

In Space Magazin
Raumfahrer.net

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Das Email-Magazin von Raumfahrer.net.

"In Space" Magazin

Ausgabe #383
ISSN 1684-7407


> Updates:
Updates / Umfrage

> News:
Nachrichten der Woche

> HotSpot:
Unbemanntes NASA-Marsprogramm am Wendepunkt?

> Mars Aktuell:
Anzeichen für bevorstehenden Staubsturm auf dem Mars?

> Saturn Aktuell:
Vermessung eines unförmigen Titans

> ISS Aktuell:
ISS: Fünf Arbeiter und ein Gast

> Impressum:
Disclaimer & Kontakt

Intro von Axel Orth

Liebe Leserinnen und Leser,

im Hotspot dieser Woche können Sie etwas über eine Forscherdebatte zum NASA-Marsprogramm lesen. Es geht darum, ob man auf dem Mars noch weiter nach Spuren von Leben suchen soll, oder ob man dieses bisherige Kardinalziel der Marsforschung zugunsten anderer Schwerpunkte etwas hintan stellen sollte. Das Hauptargument lautet, dass man, um auf diesem Gebiet noch wirklich neue Erkenntnisse zu gewinnen, mittlerweile so viel Geld ausgeben muss, dass man dafür auch gleich zum Jupiter oder Saturn fliegen kann, wo in der Hinsicht noch fast gar nicht geforscht wurde. Das Gegenargument lautet, dass die Lebenssuche auf dem Mars noch längst nicht ausgereizt ist und man mit den Milliarden, die auch nur eine Jupiter- oder Saturnmission kostet, gleich mehrere Marsmissionen finanzieren kann.

Natürlich dürfte eine Mission zum Mars immer günstiger zu haben sein als eine Mission zum Jupiter. Aber es bleibt eben auch eine Mission zum Mars. Es ist bestimmt eine arge Vereinfachung zu sagen, dass auf dem Mars neue Erkenntnisse nur noch für teures Geld zu haben sind. Aber die Tendenz ist sicher gegeben, und wenn sich nach drei Jahrzehnten Forschung mittlerweile andeutet, dass der Mars tatsächlich das ist, wonach er aussieht, nämlich eine leb(en)lose Wüste - warum sollte man dann dort nicht zu einer anderen Tagesordnung übergehen und sich für die Suche nach Leben neue, vielversprechendere Ziele suchen?

Gerade fällt mir auf, dass das Spektrum der Astronomienews dieser Woche ungewöhnlich breit ist. Wir haben Nachrichten von anderen Galaxien, vom Titan, vom Mars, vom Mond und aus dem Erdorbit. Ja, selbst von der Oberfläche eines Planeten, der bei uns sonst kaum je zur Sprache kommt, gibt es diesmal etwas zu lesen - vom dritten Planeten der Sonne, unserer Erde. Viel Vergnügen!

Axel Orth Chefredakteur Raumfahrer.net

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Updates / Umfrage

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News

• EPOXI - Karten einer anderen Welt «mehr» «online»
• Europäische Konferenz zum Weltraumschrott «mehr» «online»
• Indien will wiederverwendbares Fahrzeug «mehr» «online»
• W2A für Eutelsat auf den Weg gebracht «mehr» «online»
• Wilkins-Eisschelf steht vor dem Abbruch «mehr» «online»
• Kurznachrichten zum Weltraumtourismus «mehr» «online»
• WGS 2 für US-Verteidigungsministerium gestartet «mehr» «online»
• Kommerzieller Betrieb von NSS 9 hat begonnen «mehr» «online»
• Orionnebel in ungekannter Schärfe «mehr» «online»
• Pflanzen auf dem Mond «mehr» «online»
• H2-B-Test erfolgreich «mehr» «online»
• Indische Raumfahrtingenieure in Lebensgefahr «mehr» «online»
• Astra 5a wieder unter Kontrolle «mehr» «online»
• Können Schwarze Löcher ihren Hunger regulieren? «mehr» «online»


» EPOXI - Karten einer anderen Welt
02.04.2009 - Mit EPOXIs Beobachtungsdaten der Erde wurde jetzt eine Technik verifiziert, wie man aus dem Licht erdähnlicher extrasolarer Planeten auf deren Oberflächeneigenschaften schließen kann. Die Bilder zeigen auch wie die Erde aus der Ferne aussehen könnte.
Im Rahmen der EPOCh-Beobachtungen (Extrasolar Planet Observation and Characterization) im Jahr 2008 hat EPOXI auch einen Blick zurück auf die Erde geworfen. Ziel der Kampagne war, festzustellen, ob man im Licht extrasolarer Planeten Signaturen finden kann, anhand derer man über erdähnliche Oberflächeneigenschaften urteilen kann. Der Blick auf die Erde sollte dabei Vergleichsdaten zu Verifikation und Kalibrierung dieser Technik liefern.

Das von der Erde aufgefangene Licht wurde auf einen Pixel geschrumpft. Die Helligkeits- und Farbschwankungen dieses Pixels wurden mittels Hauptkomponentenanalyse (Principal Component Analysis) weiter verarbeitet. Dabei sind zwei Komponenten hervorgetreten (Abb. 2). Für eine Komponete sinkt die Albedo bei steigender Wellenlänge, für die andere steigt die Albedo hingegen. Diese Daten wurden mit entsprechenden Beobachtungen von Erdbeobachtungssatelliten verglichen, in welchen auch eine spektrale Abhängigkeit der Albedo aufgezeichnet worden war, die hier aber klar mit Land- und Wassermassen unter dem Satelliten korreliert war. Generell gilt, dass Landmassen im nahen Infrarotbereich stärker reflektieren (rote Linie), Wasserflächen hingegen im kurzwelligen Bereich (blaue Linie). Der Vergleich beider Datensätze zeigt die prinzipielle Ähnlichkeit, so dass bei Vorliegen solcher Beobachtungsdaten auf Wasser- und Landflächen eines extrasolaren Planeten geschlossen werden könnte.

In einem weiteren Schritt wurde aus den periodischen Helligkeitsänderungen auf die Rotationsperiode der Erde geschlossen. Dadurch war es möglich, eine grobe Karte der Wasser- und Landverteilung entlang der Längengrade zu erstellen (Abb. 3). Der Vergleich mit einer Karte der Erde ergab auch hier eine passende Zuordnung.

Die Ergebnisse zeigen, dass man aus beschränkten Beobachtungsdaten mit geringer Auflösung durch Vergleich mit verifizierten Daten aus der Erdbeobachtung Modelle entwickeln kann, die in Zukunft die Analyse der Oberflächeneigenschaften bei extrasolaren Planeten ermöglichen können, auch wenn direkte Aufnahmen der Oberfläche eines extrasolaren Planeten auch in absehbarer Zukunft noch nicht möglich sein werden.

Raumcon:


(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA, UMD)

» Europäische Konferenz zum Weltraumschrott
02.04.2009 - Die viertägige Konferenz fand zum fünften Mal statt. In Darmstadt diskutierten etwa 300 Spezialisten die Lage und suchten nach Wegen aus der Misere.
Nicht nur für die bemannte Raumfahrt stellt der ständig zunehmende Weltraumschrott eine Bedrohung dar. Im Gegenteil: Satelliten in Bahnen um 800 Kilometer sind besonders gefährdet. Diese Flughöhe wird von vielen Erderkundungssatelliten auf sogenannten sonnensynchronen Bahnen genutzt. Da die Bahnneigung um 98° liegt, die Flugbahn also praktisch über beide Pole geht, kreuzen diese Satelliten alle anderen Bahnen und sind damit von viel mehr gefährlichen Objekten bedroht.

Gegenwärtig kennt man etwa 600.000 solcher Objekte mit Abmessungen ab 1 Zentimeter und davon 13.000 mit Abmessungen ab 10 Zentimetern. Aufgrund ihrer Relativgeschwindigkeiten von bis zu 50.000 Kilometern pro Stunde zueinander, hat selbst so ein klein erscheinendes Teil eine durchschlagende Wirkung. Schlimmer noch, könnten weitere Trümmerteile entstehen und so innerhalb einer kurzen Periode zu einem Kaskadeneffekt führen.

Aber schon jetzt hat der Schrott auch wirtschaftliche Auswirkungen. Satelliten müssen häufiger Ausweichmanöver durchführen, was ihren Treibstoff schneller verbraucht als geplant. Dadurch wird die Funktionsdauer verkürzt.

Den vorhandenen Weltraummüll zu beseitigen, stellt sich als sehr kompliziert dar. Kaum zwei Teile haben dieselbe Bahn, ein Einsammeln wäre extrem treibstoffintensiv, unbezahlbar und damit nicht praktikabel. Daher soll vor allem neuer Müll in den Umlaufbahnen vermieden werden. Maßnahmen dazu sind das Ausstoßen von nicht verbrauchtem Treibstoff zum Funktionsende eines Satelliten und das vollständige Entladen seiner Batterien. Auf diese Weise könnten Explosionen bei längst ausgedienten Satelliten oder Raketenoberstufen verhindert werden. Dabei entsteht extrem viel Schrott.

Als gänzlich unverantwortlich wird die absichtliche Zerstörung von Satelliten durch Geschosse angesehen. Im vergangenen Jahr haben China und die USA jeweils einen Antisatellitenwaffentest durchgeführt.


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: DLF, dpa)

» Indien will wiederverwendbares Fahrzeug
02.04.2009 - Am indischen Vikram Sarabhai Space Centre in Thiruvananthapuram wurde ein Technologiedemonstrator für ein wiederverwendbares Raumfahrzeug entwickelt, der im kommenden Jahr getestet werden soll (Bild: ISRO).
Dabei handelt es sich um ein schlankes, flugzeugähnliches Gebilde mit Stummelflügeln und Leitwerk. Das Reusable Launch Vehicle soll in Zukunft an der Spitze einer Trägerrakete ins All gelangen und könnte dort Nutzlasten aussetzen. Der Technologie Demonstrator ist ein erster praktischer Schritt auf dem Wege dorthin.

Für ihn wurde eine inklusive Treibstoff 9 Tonnen schwere Erststufe der aus den siebziger Jahren stammenden ersten in Indien entwickelten Trägerrakete SLV-2 (Satellite Launch Vehicle-3) modifiziert. Damit sollen Start und Wiedereintritt des Modells getestet werden, um Erfahrungen zu sammeln. Der Technologie Demonstrator geht anschließend verloren. Das zukünftige Fahrzeug hingegen soll wassern und zur Wiederverwendung geborgen werden.

Das RLV als Space-Shuttle-Variante zu bezeichnen, ist ein wenig übertrieben. Es handelt sich wohl eher um eine wiederverwendbares, eintrittsfähiges Transportsystem mit integrierter Oberstufe und der Fähigkeit, kontrolliert zu wassern.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: hindu.com)

» W2A für Eutelsat auf den Weg gebracht
04.04.2009 - International Launch Services startete am 3. April 2009 für Eutelsat den Kommunikationssatelliten W2A. Der Satellit wurde am 4. April 2009 im vorgesehenen Geotransferorbit ausgesetzt.
Am 3. April 2009 hob um 18:24 Uhr MESZ eine Proton-M-Rakete vom Startplatz 200/39 in Baikonur, Kasachstan ab, um den Kommunikationssatelliten W2A für europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat in den Weltraum zu befördern. Der Start wurde von International Launch Services, abgekürzt ILS, durchgeführt, es war die fünfzigste kommerzielle ILS-Proton-Mission.

Der von Chrunitschew in Russland gebaute Proton-Träger verwendete drei Raketenstufen, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Oberstufe Breeze-M und der Nutzlast W2A, auf den Weg zu bringen. Nach 575,24 Sekunden Flugzeit wurde die Orbitaleinheit von der dritten Stufe der Proton abgetrennt.

Nach fünf Brennphasen der Breeze-M-Oberstufe wurde der beim Start 5.900 Kilogramm schwere Satellit schließlich nach 9 Stunden, 35 Minuten und 24 Sekunden Flugdauer in einem Geotransferorbit mit nach Daten von der Oberstufe kalkuliertem Perigäum von 5.008,60 Kilometern und einem Apogäum von 35.596,02 Kilometern über der Erde ausgesetzt. Die Zirkularisierung für den geostationären Orbit wird der von Thales Alenia Space basierend auf dem Spacebus 4000C4 gebaute Satellit mit seinen eigenen Bordtriebwerken vornehmen. Im Geostationären Orbit soll W2A eine Position bei 10 Grad Ost einnehmen.

Die 46 Ku-Band-Transponder des Satelliten sollen eingesetzt werden, um Europa, den mittleren Osten, Afrika und die Inseln im indischen Ozean mit Telekommunikationsdiensten, Internet und Videodatenübertragungen zu versorgen. 10 C-Band-Transponder sollen insbesondere für Afrika, aber auch für Teile Asiens und Lateinamerikas Eutelsats Kapazitäten im GSM- und Unternehmensnetzwerkbereich erweitern. Für S-Band-Übertragungen ist W2A mit einer im All zu entfaltenden Antenne mit 12 Metern Durchmesser ausgestattet. Damit sollen zahlreiche unterschiedliche mobile Kommunikationsgeräte adressiert werden. W2A hat eine Auslegungslebensdauer von 15 Jahren.

Eutelsat W2A ist katalogisiert mit der NORAD Nr. 34710 bzw. als Objekt 2009-016A.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Khrunichev, ILS, Roscosmos)

» Wilkins-Eisschelf steht vor dem Abbruch
04.04.2009 - Während schon im vergangenen Jahr größere Teile des Eisschelfs abbrachen, steht nun der gesamte Wilkins-Eisschelf vor dem Aus. Er wird nur noch an einer schmalen Eisbrücke gehalten.
Der der 14.000 Quadratkilometer große Eisschelf ist nach dem Abbruch zweier Teile im Februar und Mai 2008 nur noch über eine 900 Meter breite Straße mit dem antarktischen Festlandeis verbunden. Die überdurchschnittliche Lufterwärmung in der Westantarktis hat gemeinsam mit der letzten Sturmsaison zu einer Destabilisierung der Eisbrücke geführt. Dies wurde ein weiteres Mal bestätigt, als die ESA im November 2008 mit Hilfe des Umweltsatelliten Envisat neue Risse im Eis entdeckte. Das Eis ist also ständig hohem Stress ausgesetzt.

Der Wilkins-Eisschelf bedeckt die Seestraße zwischen Alexander Island, Charcot Island und Latady Island an der Westküste der antarktischen Halbinsel.

Dr. Angelika Humbert vom Institut für Geophysik an der Universität Münster und Dr. Matthias Braun vom Zentrum für Fernerkundung an der Universität Bonn untersuchten die Desintegration des Eisschelfs mit Hilfe von Envisat und dem DLR-Satelliten TerraSAR-X. Sie haben jene Strukturen genau vermessen, die den wirkenden Stress auf das Eis anzeigen. Mittlerweile entstehen täglich neue Risse. "In den letzten Monaten konnten wir beobachten, dass sich das Eis an der schmalsten Stelle immer weiter verformte, wie bei einem Türgelenk", sagte Humbert. "Innerhalb des letzten Jahres verlor das Eisschelf rund 1.800 Quadratkilometer bzw. 14 Prozent seiner Größe. Die letzten Abbrüche im Februar und Mai 2008 passierten in nur wenigen Stunden und ließen die verbliebene Landbrücke in einer fragilen Lage. Die im November entdeckten Risse entstanden vermutlich durch den Verlust von 1.220 Quadratkilometern entlang der nördlichen Eisfront im Juni und Juli 2008."


Die beiden deutschen Forscher konnten mit der Vielzahl gesammelter Aufnahmen des Wilkins-Schelfs die Entwicklung von Rissen und anderen Dehnungsstrukturen detailliert untersuchen. Da der Abbruch des gesamten Schelfs unmittelbar bevorsteht, hat die ESA eine Webcam mit den aktuellsten Aufnahmen vom Eisschelf geschaltet.

Die antarktischen Eisschelfe entwickelten sich, als nach der Vergletscherung des Kontinents das Eis weiter in Richtung Ozean glitt. Da es durch Niederschläge ständig zu einer Eisverdickung auf dem Kontinent kommt, sind Gletscher in Bewegung, an deren Ende oft ein Eisschelf steht. Von ihm brechen regelmäßig Brocken ab und schwimmen als Eisberge umher, bevor sie schließlich geschmolzen sind. Dieser Prozess ist für sich nicht ungewöhnlich und passiert auch in klimatisch stabileren Zeiten. Den größten Massenverlust verzeichnen kontinentale Eisschilde durch den Abbruch von Eisbergen, der aber ständig durch Niederschläge ausgeglichen wird.

Durch den Klimawandel nehmen Ereignisse dieser Art nun zu. Bereits 1993 hatte Prof. David Vaughan vom British Antarctiv Survey prognostiziert, dass der nördliche Teil des Wilkins-Eisschelfs binnen der nächsten 30 Jahre abbrechen würde, wenn die Erwärmung der antarktischen Halbinsel weiter fortschreitet. Tatsächlich hat sich die Luft hier in den letzten 50 Jahren um 2,5 °C erwärmt, deutlich über dem globalen Mittel. Der komplette Abbruch des Wilkins-Eisschelf würde eine neue Stufe bedeuten, waren die Abbrüche von 2008 doch nur kleinere Teile davon. Der gesamte Eisschelf hat die Größe von Schlewsig-Holstein. Eine sprunghafte Meeresspiegelerhöhung ist nach seinem Verschwinden aber nicht zu erwarten.

Auch wenn die Destabilisierung der Eisschelfe voranschreitet, lassen sich daraus aber keine Aussagen über den Stand des weitaus größeren panantarktischen Eisschildes machen. Während Schelfe - wie z. B. das schnell schwindene Eis der Artkis - durch die Meereseinflüsse deutlich rascher auf den Klimawandel reagieren, erzeugen landgebundene Eismassen ihr eigenes Mikroklima. Sie reagieren ausgesprochen träge auf Veränderungen.

Verwandte Links

Diskussionen


(Autor: Karl Urban - Quelle: ESA, eigene Recherche)

» Kurznachrichten zum Weltraumtourismus
04.04.2009 - Eventuell gibt es einen weiteren Touristen im Herbst auf der ISS, außerdem arbeitet EADS Astrium eingeschränkt weiter an seinem Weltraumtourismusprojekt. Des Weiteren hat die NASA Interesse daran, suborbitale Flüge für wissenschaftliche Zwecke zu kaufen.
Neuer ISS-Tourist im Herbst?

Kürzlich gab es eine Telefonkonferenz mit Eric Anderson, dem CEO von SpaceAdventures, derjenigen Firma, die die Touristenflüge zur ISS vermarktet. Dabei wurde bekannt, dass es offenbar denkbar ist, dass Kasachstan auf seinen Platz bei der Mission Sojus-TMA 16 im Herbst verzichtet, sodass ein Platz frei wird. Sollte dieser Fall eintreten, so könnte eventuell ein weiterer Weltraumtourist zur ISS fliegen. Als potenzielle Kandidaten kämen die Schweizerin Esther Dyson, die als Backup für Charles Simonyi trainiert hat, oder der Australier Nik Halik, der als Backup für Richard Gariott fungierte, in Frage. Allerdings ist es auch noch möglich, das Russland den Platz selbst mit einem Kosmonauten besetzt.

Darüber hinaus befindet sich SpaceAdventures gerade in Gesprächen mit den Russen über einen eigenen gebuchten Sojusflug mit einem professionellen Kosmonauten als Piloten und zwei zahlenden Weltraumtouristen. Zwei Kunden hat man offenbar auch schon. Die Frage ist nur, ob Russland in der Lage ist, eine weitere Sojuskapsel zu produzieren. Momentan ist man mit der Verdopplung der Produktion von zwei auf vier pro Jahr schon mehr als ausgelastet. Eine private Sojusmission wäre frühstens ab 2012 möglich.

Die Nachfrage nach Flügen zur ISS nimmt laut Anderson nicht ab, denn jemand dessen Lebenstraum es ist, einmal ins Weltall zu fliegen, lässt sich diesen doch nicht durch eine Finanzkrise zerstören.

EADS Astrium: Weltraumtourismusprojekt nicht komplett eingestellt

Entgegen anderslautender Presseberichte ist das suborbitale Weltraumtourismusprojekt von EADS Astrium noch nicht komplett auf Eis gelegt. Auf dem National Space Symposium in Colorado Springs hat Hugues Laporte-Weywada von EADS Astrium gegenüber FlightInternational betont, dass EADS Astrium das Projekt auch weiter verfolgt und es die volle Unterstützung aus der Führungsspitze hat. Auch wenn im Angesicht der weltweiten Finanzkrise keine Investoren für eine volle Entwicklung gefunden werden konnten, so sieht Astrium den Weltraumtourismus als interessanten Markt für die Zukunft. Daher soll die technische Entwicklung des Projektes aufrecht erhalten bleiben. Für das Raumschiff und das Raketentriebwerk gibt es einen Sieben-Jahre-Zeitplan vom Konzept zur Zertifizierung. Weitere Details wollte er in Anbetracht der Geheimniskrämerei der Konkurrenz nicht nennen. Die Entwicklung des Raumschiffes, das neben einem Raketenantrieb auch über zwei Jet-Turbinen verfügen wird, soll eine Milliarde Euro kosten.

EADS Astrium selbst wird jedoch keine suborbitalen Raumflüge anbieten, sondern das Raumschiff an andere Firmen verkaufen.

NASA überlegt, suborbitale Flüge für wissenschaftliche Experimente zu kaufen

Das NASA Ames Research Center sucht momentan im Rahmen des Commercial Suborbital Research Program den Dialog mit zukünftigen Anbietern von bemannten suborbitalen Flügen um deren Potenzial für wissenschaftliche Experimente zu untersuchen. Diese Flüge könnten für diejenigen Wissenschaftler, die momentan Parabelflüge für ihre Experimente nutzen, interessant sein. Obwohl ein suborbitaler Flug nur ein paar Minuten Schwerelosigkeit bietet, ist dies doch immerhin ein Vielfaches gegenüber einem Parabelflug. Um festzustellen, welche Möglichkeiten sich durch diese Flüge ergeben könnten, veranstaltet die NASA im Mai in Los Angeles einen Workshop zu diesem Thema.

Weitere Information können hier im Forum gewonnen werden:


(Autor: Tobias Willerding - Quelle: NASA, flightglobal.com)

» WGS 2 für US-Verteidigungsministerium gestartet
04.04.2009 - Am 4. April 2009 wurde der militärische Kommunikationssatellit WGS 2 ins All gebracht. Im September 2009 soll er seinen Regelbetrieb aufnehmen.
Der von Boeing auf Basis des BSS-702-Satellitenbusses für das US-amerikanische Verteidigungsministerium (Department of Defence, DOD) gebaute Satellit wurde von der Atlas V-Rakete mit der Seriennummer AV-016 befördert. Im 38 Minuten breiten, von 2:25 Uhr bis 3:03 Uhr MESZ reichenden Startfenster hob die Rakete um 2:31 Uhr MESZ mit dem beim Start rund 6.000 Kilogramm schweren Satelliten von der Startrampe LC41 auf der Cape Canaveral Air Force Station (CCAFS) in Florida ab.

Nachdem die beiden Feststoffbooster und die Zentralstufe der in 421-Konfiguration (Nutzlastverkleidung mit 4 Metern Durchmesser, 2 Feststoffbooster, 1 RL10A-4-2-Triebwerk im Centaur) fliegenden Rakete ausgebrannt waren, war der Centaur als Oberstufe an der Reihe. Zwei Brennphasen des Centaur folgten, anschließend wurde WGS 2 nach rund 32 Flugminuten in einem Transferorbit ausgesetzt, der gemäß Angaben der United Launch Alliance, die zusammen mit der US-amerikanischen Luftwaffe den Start durchführte, ein vorgesehenes Perigäum von 408 Kilometern und ein geplantes Apogäum von 66.811 Kilometern über der Erdoberfläche aufweisen sollte. Zum Erreichen der für seinen Einsatz vorgesehenen Umlaufbahn steht dem Satelliten ein eigenes R-4D-Flüssigkeitstriebwerk zur Verfügung. Angaben von Boeing zu Folge ist er außerdem mit vier Ionentriebwerken des Typs XIPS-25 ausgestattet, die zum Abbau der Exzentrizität, der Abweichung der Bahn des Satelliten von der Kreisform, benutzt werden können.

WGS 2 soll nach der Zirkularisierung seiner Umlaufbahn eine Position im Geostationären Orbit im Bereich um 60 Grad Ost einnehmen und von dort ab September 2009 amerikanischen Militäreinheiten im Feld, unter anderem den im Irak und in Afgahnistan eingesetzten Truppen, zur Verfügung stehen. Betreiben wird den Satelliten die US-amerikanische Luftwaffe. Er ist der zweite in einer Reihe militärischer Kommunikationssatelliten, deren Konstellation insbesondere die der ältern DSCS-III-Satelliten ergänzen und ablösen soll (DSCS = Defense Satellite Communications System - Verteidigungs-Satellitenkommunikationssystem). Im Unterschied zu den DSCS-Satelliten tragen die Raumfahrzeuge des WGS-Typs auch Ka-Band-Transponder und sind erheblich leistungsfähiger. Der Satellit WGS 2 soll seine Aufgaben zwischen 10 und 15 Jahre lang erfüllen können.

Zunächst als Unterstützung vorhandener militärischer Kommunikationssatelliten gedacht und daher als Lückenfüller (Wideband Gapfiller Satellite, WGS) bezeichnet, wird das System als "Wideband Global Satcom" weiter ausgebaut werden. Ein dritter Satellit wurde bereits fertiggestellt, hat ein gründliches Testprogramm absolviert und ist bis zu seinem Start in El Segundo bei Boeing eingelagert. Die derzeitigen Planungen sehen einen Start im Sommer 2009 mit einer Delta IV-Rakete von der CCAFS vor. WGS 3 soll im Geostationären Orbit bei 12 Grad West positioniert werden.

Weitere Satelliten mit zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen sollen als Block-2-Raumfahrzeuge 2011, 2012 und 2013 ins All gelangen, sieht der aktuelle Planungsstand vor. Entwicklung und Bau der ersten drei Satelliten (WGS 1 bis WGS 3, Block-1-Raumfahrzeuge) schlugen mit 790 Millionen US-Dollar zu Buche, für den jetzt erfolgten Start von WGS 2 werden Kosten von 120 Millionen Dollar genannt.

WGS 2 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 34.713 bzw. als Objekt 2009-017A, zusätzlich wird er mit der Alias-Bezeichnung USA 204 geführt.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Boeing, United Launch Alliance, USAF)

» Kommerzieller Betrieb von NSS 9 hat begonnen
04.04.2009 - Am 1. April 2009 gab SES New Skies bekannt, dass der Kommunikationssatellit NSS 9 am 31. März 2009 den kommerziellen Betrieb aufgenommen hat.
NSS 9 war am 12. Februar 2009 auf einer Ariane-5-Trägerrakete zusammen mit drei weiteren Satelliten ins All gelangt. Nachdem NSS 9 im Weltraum eine Testphase durchlaufen und die vorgesehene Position im Geostationären Orbit bei 183 Grad Ost erreicht hatte, konnte er dort NSS 5 ersetzen.

Der Transfer aller betroffenen Dienste von NSS 5 auf NSS 9 wurde erfolgreich abgewickelt. NSS 5 soll für andere Aufgaben verwendet werden, die Versorgung des Pazifikraums übernimmt nun NSS 9.

Australien, die Philippinen, Japan, China, Korea und die Pazifischen Inseln bilden eine der drei durch den Satelliten abgedeckten Ausleuchtzonen, die Vereinigten Staaten von Amerika, Hawaii und Polynesien eine weitere, die dritte Ausleuchtzone umfasst außerdem sämtliche von der Positon bei 183 Grad Ost sichtbaren Gebiete.

Der von der Orbital Sciences Corporation (OSC) auf Basis der Star-2-Plattform gebaute Satellit mit einer Startmasse von 2.230 Kilogramm und 1.014 Kilogramm Leermasse ist mit 44 C-Band-Transpondern ausgestattet und soll eine Mindestlebensdauer von 15 Jahren erreichen. NSS 9 ist der vierzigste Satellit, den SES in die eigene globale Flotte integriert hat.

NSS 9 ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 33749 bzw. als Objekt 2009-008A.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: ses-newskies.com)

» Orionnebel in ungekannter Schärfe
05.04.2009 - Welcher Beobachter kennt ihn nicht, den großen Emissionsnebel im Sternbild Orion? Von manchen auch nicht ganz korrekt nur M42 genannt, wurde das Sternentstehungsgebiet schon von mittelalterlichen arabischen Astronomen beobachtet und zählt zu den am meisten fotografierten Objekten des nördlichen Himmels. Nichts Neues also im Orionnebel? Weit gefehlt!
Seit im Jahre 1609 die Menschheit damit begann, den Himmel durch Teleskope zu beobachten, hat sich auf dem Gebiet der astronomischen Observationen eine ganze Menge getan. Besonders hinsichtlich der Winkelauflösung und der Beobachtung in verschiedenen elektromagnetischen Wellenlängen (wie z.B. Infrarot- oder Röntgenlicht) waren die Fortschritte der letzten Jahre nahezu atemberaubend. Jüngstes Beispiel für die erstaunlichen technischen Fähigkeiten der modernen Astronomie bietet eine Arbeit des Max-Planck-Institutes für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn.

Mit Hilfe des Very Large Telescope Interferometer (VLTI) konnte erstmals die binäre Struktur von Theta 1 Orionis C, eines Sternenpaares, dass bislang immer als ein einzelner Stern angesehen wurde, nachgewiesen werden. Theta 1 Ori C ist der hellste Stern in dieser der Erde so nahe liegenden Kinderstube junger Sterne. Selbst die größten konventionellen Teleskope oder das Hubble Space Telescope (HST) waren nicht in der Lage, Theta sein Geheimnis zu entreißen.

Der junge Doppelstern befindet sich im sogenannten Trapez-Sternhaufen des etwa 1.400 Lichtjahre entfernten Nebels. Mittels der Infrarot-Interferometrie konnten jetzt zwei klar voneinander separierte junge, massereiche Sterne nachgewiesen werden. 2008 betrug ihr Abstand zueinander lediglich 20 Millibogensekunden (0,0000056°). Die beiden Sterne umlaufen einander in einer exzentrischen Bahn alle 11 Jahre. Ori C ist also ein Doppelsternsystem und kein Einzelstern. Bei der Entfernung des Nebels von der Erde entspricht dies einer Auflösung von zwei Millibogensekunden, etwa vergleichbar mit der Oberfläche eines PKW auf dem Mond. Oder mit anderen Worten: Ein optisches Teleskop hätte einen Spiegeldurchmesser von 200 Metern aufweisen müssen, um eine ähnliche Leistung zu erzielen. Zum Vergleich: Die größten optischen Einzelspiegel in Ganzbauweise liegen bei 10,40 Metern Durchmesser.

Quasi als Nebenprodukt konnte auch gleich die genaue Entfernung des Sternpaares mit 1.350 ly, sowie die Massen der beiden Einzelsterne mit 38 und 9 Sonnenmassen bestimmt werden.

Bei der Interferometrie werden die Strahlengänge mehrerer Teleskope zu einem einzigen virtuellen Teleskop zusammengeführt, so dass enorm hohe Winkelauflösungen realisierbar werden. Dabei macht man sich den physikalischen Effekt der Interferenz zu Nutze, wonach eine Überlagerung von zwei oder mehr Wellen nach dem Superpositionsprinzip (also durch Addition ihrer Amplituden) eintritt. Grundsätzlich treten Interferenzen bei allen Arten von Wellen auf, sie sind also nicht einem bestimmten elektromagnetischen Spektrum vorbehalten.

Zum Prüfstern wählte man Theta 1 Ori C wegen seiner relativen Erdnähe, die es einfacher macht, Einblick in die Bildungs- und Entstehungsprozesse der dortigen Sterne zu nehmen. Die intensive Strahlung des Sternpaares ionisiert den gesamten inneren Bereich des Nebels und regt ihn so zum Leuchten an. Gleichzeitig werden durch den immensen abgestrahlten Sternwind auch die sogenannten "Proplyds", junge Sterne, die noch von Staubscheiben aus ihrer Entstehungswolke umgeben sind, und aus der sich später die Planeten des Systems bilden, beeinflusst. Die jetzt vorgestellten Beobachtungen sind daher ein wichtiger Baustein zum weiteren Verständnis der Modelle über die Entstehung massereicher Sterne.

Raumcon:


(Autor: Lars-C. Depka - Quelle: MPIfR)

» Pflanzen auf dem Mond
05.04.2009 - Die Paragon Space Development Corporation plant, ein Mini-Gewächshaus zu entwickeln, in dem man auf dem Mond Pflanzen ziehen kann.
Taber McCullum, CEO von Paragon glaubt, dass diese Vision in kleinem Maßstab bereits 2014 wahr werden könnte. Paragon beteiligt sich am Google Lunar X-Prize, in dessen Rahmen private Investoren ein Fahrzeug auf den Mond bringen sollen, dort wenigstens 500 Meter zurücklegen und Videos, Bilder sowie weitere Daten zur Erde übermitteln. Einer der Wettbewerbsteilnehmer könnte auch eine kleine Kuppel transportieren, in dem eine oder einige wenige Pflanzen auf dem Mond wachsen.

Paragon engagiert sich bereits seit einiger Zeit auf dem Gebiet der Weltraumbiologie. Gewächshäuser der Firma flogen auf der russischen Raumstation Mir sowie in der Frühphase der Internationalen Raumstation. McCullum betont, dass ein solcher Schritt eine große symbolische Bedeutung hätte. Außerdem habe man Pflanzenwachstum bisher nur auf der Erde (1 g) und in der Schwerelosigkeit (~0 g) untersucht. Was passiert bei einem Sechstel unserer Schwerkraft?

Er betont aber noch einen anderen Aspekt. Tabor McCullum: "Speziell in harten ökonomischen Zeiten müssen wir die Leute dazu inspirieren, zu sagen: ’Mann, das ist cool! Was für ein großartiges Land wir doch sind, dass wir so etwas tun können.’ Ebenso müssen wir Kinder dazu anregen, sich mit Mathematik und Wissenschaft zu beschäftigen. Kinderaugen leuchten, wenn wir über Dinge wie diese sprechen."


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: Moon Daily)

» H2-B-Test erfolgreich
05.04.2009 - Die neu entwickelte erste Stufe der japanischen Trägerrakete H2-B wurde am Donnerstag im dritten Anlauf erfolgreich getestet. Zuvor gab es nur kleinere Probleme mit der Startanlage.
Die H2-B ist eine Rakete, die aus der seit 2001 verwendeten H2-A entwickelt wurde. Booster und Zweitstufe wurden übernommen, die Erststufe hat aber einen deutlich größeren Durchmesser. Damit fasst sie mehr Treibstoff und die Rakete kann eine größere Nutzlast in einen Erdorbit transportieren. Als Treibstoff werden in der ersten Stufe flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff verwendet.

Der Test auf der umgebauten Startanlage 2 in Tanegashima dauerte 10 Sekunden und verlief erfolgreich, ein zweiter ist für Mitte April geplant. Beim Test standen nur Erst- und Zweitstufe auf dem Pad, Oberstufe oder Nutzlast fehlten. Hauptnutzlast der von JAXA und Mitsubishi für umgerechnet etwa 330 Millionen Euro entwickelten Trägerrakete wird zunächst das H2 Transfer Vehicle HTV, das im September seinen Jungfernflug absolvieren soll. Das HTV transportiert Versorgungsgüter und Außenlasten zur Internationalen Raumstation. Insgesamt sind sieben dieser unbemannten Frachtraumschiffe geplant.

Deren Kopplung mit der ISS wird ein Novum darstellen. Zunächst manövriert das HTV, geleitet von GPS-Signalen, mit eigenen Triebwerken in die Nähe der Station und bezieht dort eine stabile Position. Dann wird es vom Stationsmanipulator ergriffen und an einem Common Berthing Mechanism des US-basierten Segments angedockt. Dadurch können mit dem HTV auch Standard-Racks zur ISS transportiert werden, die nicht durch andere Luken passen.

Mitsubishi möchte die schubstarke H2-B-Rakete auch kommerziell vermarkten. Die H2-A hat seit 2001 von 15 Starts, 14 erfolgreich absolviert.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: SpaceflightNow)

» Indische Raumfahrtingenieure in Lebensgefahr
05.04.2009 - Terroristen planen offenbar Attentate auf führende Wissenschaftler und Ingenieure des indischen Weltraumprogrammes.
Befragungen eines mutmaßlichen Terroristen in Indien haben ergeben, dass die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba Attentate auf bzw. Entführungen von führenden Mitarbeiter der ISRO (Indian Space Research Organisation) plant. Insbesondere der Chef der ISRO, Madhavan Nair, ist offenbar akut gefährdet.

Als Reaktion wurden die Sicherheitsmaßnahmen an den ISRO-Zentren verstärkt. Außerdem wurden dem Chef der indischen Weltraumbehörde Sicherheitsmaßnahmen der Kategorie Z, der zweithöchsten in Indien, zugestanden. Er wird nun von 22 Leuten rund um die Uhr bewacht. Weiteren wichtigen Personen im indischen Raumfahrtprogramm wurde die Sicherheitsstufe Y zugesprochen.

Raumcon


(Autor: Tobias Willerding - Quelle: Hindustan Times, Times of India)

» Astra 5a wieder unter Kontrolle
05.04.2009 - Den wegen technischen Problemen nicht mehr kommerziell eingesetzten Kommunikationssatelliten Astra 5a sollen Spezialisten wieder unter Kontrolle bekommen haben, wurde am 3. April 2009 bekannt.
Am 16. Januar 2009 hatte das Luxemburger Unternehmen SES Astra bekannt gegeben, dass der Kommunikationssatellit Astra 5a nach einem nicht näher spezifizierten technischen Defekt seine Mission beendet hat.

Der Hersteller des am 12. November 1997 als Sirius 2 gestarteten Kommunikationssatelliten, die heutige Thales Alenia Space, informierte am 21. Januar 2009 darüber, dass die Entscheidung, die Mission des Satelliten zu beenden, notwendig wurde, weil es zu einer Störung der Lageregelung gekommen war.

Da Astra 5a nicht mehr dauerhaft stabil auszurichten war, konnten die Solarpanele des Satelliten dessen Akkumulatoren nicht mehr in dem notwendigen Maß laden. Die Unterversorgung mit Energie hat dann wahrscheinlich zum Kontrollverlust geführt. Der Satellit begann, im Geostationären Orbit zu driften.

Nach über zwei Monaten intensiver Arbeit soll es Thales Alenia Space und der Swedish Space Corporation, die das für Astra 5a zuständige Kontrollzentrum betreibt, gelungen sein, den treibenden Satelliten zu stabilisieren und die Solarpanele so zur Sonne auszurichten, dass die Akkumulatoren wieder langsam geladen werden konnten.

Astra 5a war von seiner ursprünglichen Position bei 31,5 Grad Ost bis in den Bereich von 39 Grad Ost gedriftet. Anchließend bewegte sich der Satellit im Geostationären Orbit wieder westwärts.

Mit dem Wiedererlangen der Kontrolle über den Satelliten scheint es nun auch wieder wahrscheinlicher, den Satelliten gegebenenfalls gezielt in einen Friedhofsorbit steuern zu können.

Astra 5a alias Sirius 2 und GE-1E ist katalogisiert mit der NORAD-Nr. 25049 bzw. als Objekt 1997-071A.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: Thales Alenia Space, space.com, sat-nd.com)

» Können Schwarze Löcher ihren Hunger regulieren?
30.03.2009 - Mit Hilfe des 1999 vom Space Shuttle Columbia gestarteten Chandra X-Ray Observatory konnte ein Astronomenteam der Harvard University neue Erkenntnisse über Prozesse gewinnen, die sowohl in kleinen stellaren Schwarzen Löchern, als auch in Millionen Sonnenmassen schweren Schwarzen Löchern im Zentrum von Galaxien ablaufen.
Können Schwarze Löcher ihr Wachstum selbst regulieren? Wie werden die Jets produziert, die von supermassiven Schwarzen Löchern im Zentrum aktiver Galaxien (z.B. Quasaren) ebenso ausgehen, wie von machen stellaren Schwarzen Löchern?

Im Hinblick auf diese Fragen haben Astronomen nun mit Hilfe des Röntgen-Weltraumteleskops Chandra neue Erkenntnisse gewonnen. Beobachtet wurde das stellare Schwarze Loch GRS 1915+105. Dieses spezielle Schwarze Loch erzeugt Jets und wird daher auch als "Mikro-Quasar" klassifiziert. GRS 1915 hat ungefähr die vierzehnfache Sonnenmasse und "ernährt" sich von Material eines nahegelegenen Begleitsterns, welches eine Akkretionsscheibe um GRS 1915 bildet.

Die Jets von GRS 1915 erlöschen in unregelmäßigen Abständen, werden aber später immer wieder aktiv. Die neuen Beobachtungen deuten nun auf einen Zusammenhang mit mächtigen Winden in der Akkretionsscheibe hin, die ungefähr den gleichen Betrag an Masse aus dem System abführen wie die Jets. Sobald diese Winde aufkommen, schalten sich die Jets ab und werden erst wieder aktiviert, wenn die Winde schwächer werden.

"Wir denken, die Jets und der Wind um das Schwarze Loch befinden sich in einer Art Tauziehen miteinander", sagt der Astronom Jospeh Neilsen, der Hauptautor der Veröffentlichung. Aus noch unbekannten Gründen gewinnt mal das eine Phänomen die Oberhand und mal das andere. Das deutet darauf hin, dass das Schwarze Loch seine Masseaufnahme durch diese Prozesse selbst regulieren kann. Julia Lee, die Ko-Autorin der Studie, meint dazu: "Es sieht so aus, als könnten sich Schwarze Löcher besser selbstregulieren als die Finanzmärkte!"

Interessant sind diese Beobachtungen auch, weil ganz ähnliche Prozesse in der Umgebung von millionenmal schwereren, supermassiven Schwarzen Löchern stattfinden müssten. Dieselben Prozesse finden dort allerdings auf einer ganz anderen Zeitskala statt (Jahrtausende statt Tage), sodass sie für uns nicht wahrnehmbar sind. Anhand eines Schwarzen Lochs von "nur" stellaren Ausmaßen können sie aber gewissermaßen im Zeitraffer studiert werden.

Raumcon


(Autor: Timo Lange - Quelle: NASA)


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HotSpot: Unbemanntes NASA-Marsprogramm am Wendepunkt? von Axel Orth

Ausgelöst durch die technischen und finanziellen Probleme mit der nächsten NASA-Marsmission, dem 'Mars Science Laboratory', ist in der US-Raumfahrtszene eine Debatte entstanden, ob es nicht an der Zeit ist, dem NASA-Marsprogramm eine neue Richtung zu geben.

Der US-amerikanische Raumfahrtjournalist Leonard David berichtete auf der Webseite Space.com neulich über eine Diskussion unter US-Marswissenschaftlern, die die Marserkundung durch unbemannte, robotische Raumsonden der NASA betrifft. Eine Fraktion der Forscher möchte diesem Programm eine neue Ausrichtung geben, die andere Fraktion ist eher für eine kontinuierliche Anpassung. Stellvertretend nannte er zwei Wissenschaftler, die für die jeweiligen Standpunkte Stellung beziehen.

Auslöser der Debatte sind die Probleme mit dem Mars Science Laboratory (MSL). Dieser nächste große NASA-Marsrover, doppelt so groß und dreimal so schwer wie die bekannten Mars Exploration Rover, sollte eigentlich in diesem Jahr starten, musste aber wegen ungelöster technischer Probleme auf 2011 verschoben werden (Raumfahrer.net berichtete). Dazu kommt, dass die aufwändige Entwicklung des technisch anspruchsvollen MSL das ursprünglich vorgesehene Missionsbudget von 1,5 Milliarden US-Dollar längst überzogen hat und zur Zeit bei 2,2 Milliarden Dollar steht. Wie diese Überziehungen finanziert werden, ist noch unklar; beispielsweise wurde mal erwogen, die MER-Mission Spirit einzustellen, um mit den Einsparungen ein Laserinstrument des MSL zu finanzieren. Zum Vergleich: Die Primärmission der beiden Marsrover Spirit und Opportunity hat 0,82 Milliarden Dollar gekostet; die Primärmission der Saturnsonde Cassini hat 3,27 Milliarden Dollar gekostet. Das Mars Science Laboratory ist damit also selbst in die Größenordnung einer so genannten NASA-"Flaggschiffmission" aufgerückt.

Das Ziel der MSL-Mission ist dabei - wie bei den früheren Missionen auch - die Suche nach Spuren von früherem oder jetzt noch existierendem Leben auf dem Roten Planeten. Die früheren Missionen seien in dieser Hinsicht bisher enttäuschend verlaufen. Den Ansatz, Landemissionen relativ ungezielt auf der Oberfläche abzusetzen und nach Spuren von Leben suchen zu lassen, könne man getrost als gescheitert betrachten. Wenn es je Leben auf dem Mars gab, oder noch gibt, dann war oder ist es offensichtlich nicht so weit verbreitet wie auf der Erde, oder zumindest haben sich seine Spuren nicht breitflächig erhalten. Es gibt zwar dank der Beobachtung aus dem Mars-Orbit immer noch viel versprechende Stellen, wo man genauer nachsehen könnte und sollte - aber dazu müsste man gezielt dorthin hoch entwickelte Roboter schicken, die etwa in der Lage sein müssten, an mehreren Stellen im Boden zu bohren oder gar Höhlen zu erforschen. Nicht jedes dieser Gelände ist so gut zur Landung geeignet ist wie die bisher ausgesuchten Gebiete, wo die Sicherheit der Landung mit zu den höchsten Prioritäten zählte. Alle diese Faktoren treiben die Kosten für weitere Marsmissionen nach oben.

Allgemein könne man es so sehen: Die einfachen Möglichkeiten, auf dem Mars nach Lebensspuren zu suchen, scheinen ausgeschöpft - was jetzt noch kommen kann, wird stetig aufwändiger und teurer. Ist unbemannte Marsforschung nur noch in "Flaggschiffdimensionen" denkbar?

Hinzu kommt, dass der Mars mittlerweile Konkurrenz bekommen hat, was die Ziele für die Suche nach Leben angeht: Auf mindestens drei Monden des äußeren Sonnensystems (Europa, Kallisto, Enceladus) werden unterirdische Wasserozeane vermutet, in denen sich mikrobielles Leben gebildet haben könnte. Ein weiterer Mond, Titan, ähnelt der frühen Erde stärker als jeder andere Körper im Sonnensystem, wovon sich die Forschung ebenfalls Einiges verspricht.

In der Aprilausgabe von The Mars Quarterly, einer Publikation der Mars Society, fordert daher der langjährige Marsforscher Chris McKay vom Ames Forschungszentrum der NASA, dass die unbemannte robotische Marsforschung einem Paradigmenwechsel unterzogen werden müsse, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Mars sei neben der Erde der einzige andere Planet, auf dem in naher bis mittlerer Zukunft langfristige Präsenz von Menschen vorstellbar sei. Anstelle der bisherigen astrobiologischen Ausrichtung des Marsprogramms solle man daher zur Vorbereitung einer menschlichen Besiedlung übergehen: "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Mars weiterhin ein Ziel für die unbemannte Erkundung sein sollte, gerade weil er die Zukunft der bemannten Erkundung sein wird." Als ersten Schritt dazu fordert er Sample-Return-Missionen, also die Rückführung von Mars-Bodenproben zur Erde. (Wobei solche Bodenproben durchaus auch für die Suche nach Leben sehr gelegen kämen.)

Als seinen Kontrahenten nennt Leonard David den Marsforscher Bruce Jakosky von der Universität von Colorado. Jakosky räumt ein, dass das NASA-Marsprogramm durch die MSL-Probleme aus dem Tritt geraten ist. Aber er sieht keine Notwendigkeit dafür, das Programm deswegen komplett zu überarbeiten. Er argumentiert, dass die Forschung nach Lebensspuren auf dem Mars noch nicht ausgereizt sei. Jakowsky ist Chefforscher der Mission Mars Atmosphere and Volatile Evolution mission (MAVEN), die 2013 starten soll. Seiner Ansicht nach ist das intellektuelle Fundament des Marsprogramms solide - basierend auf den Ergebnissen jeder Mission würden die Ziele der jeweils nächsten Missionen kontinuierlich angepasst und nach den Erfordernissen neu definiert. Missionen ins äußere Sonnensystem hätten sich als sehr teuer erwiesen und würden sehr lange dauern. Als Beispiel nannte er einen Orbiter um den Jupitermond Europa, der 2-3 Milliarden Dollar kosten würde. "Die damit zu erbringende Wissenschaft würde wahrscheinlich mit dem vergleichbar sein, was eine Mars-Scout-Mission für eine halbe Milliarde Dollar erbringen würde. Kein Grund, es nicht zu tun - ich bin sehr für eine Mission wie diese - aber lassen Sie uns die Kosten in der richtigen Perspektive sehen."
 

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Mars Aktuell: Anzeichen für bevorstehenden Staubsturm auf dem Mars? von Redaktion



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» Anzeichen für bevorstehenden Staubsturm auf dem Mars?
01.04.2009 - Der Mars Climate Sounder, eines der sechs wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Mars-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter, stellt seit einigen Tagen einen starken Temperaturanstieg in einigen Bereichen der Atmosphäre des Planeten fest. Bei dieser Temperaturerhöhung handelt es sich eventuell um ein erstes Anzeichen für einen bevorstehenden globalen Staubsturm.
Der Mars Climate Sounder (MCS) ist ein Experiment zur Untersuchung und Analyse der oberen Marsatmosphäre. Hierzu werden zwei kleine Teleskope auf den Horizont des Planeten ausgerichtet. Mit neun verschiedenen Spektralkanälen können so die Verteilung von Wasserdampf und Staub in der Atmosphäre bestimmt werden. Außerdem werden Veränderungen von Temperatur und Luftdruck sowie die Wolkenverteilung bis zu einer Höhe von 80 Kilometern ermittelt. Das langfristige Ziel dieser Beobachtungen besteht darin, eine dreidimensionale Karte der Temperatur-, Druck- und Staubverteilung innerhalb der Marsatmosphäre zu gewinnen.

Zur Bestimmung der Staubverteilung wird die Atmosphäre im infraroten Bereich bei einer Wellenlänge von 15 Mikrometern untersucht. In diesem Bereich verhält sich das Kohlendioxid, welches mit einem Anteil von über 95 Prozent der Hauptbestandteil der Marsatmosphäre ist, besonders stark absorbierend. Hierbei ist auch eine Temperaturbestimmung möglich.

Die vom MCS bis zum 25. März 2009 gewonnenen Daten zeigten keine besonderen Auffälligkeiten. Entsprechend den Jahreszeiten war es in einer Höhe zwischen 20 und 40 Kilometern über dem Nordpol mit unter minus 130 Grad Celsius sehr kalt. Am Südpol, wo gerade der Frühling zur Neige geht, und in den mittleren Breiten herrschten in gleicher Höhe mit durchgehend etwa -90 °C bis -80 °C normale Temperaturverhältnisse. Am 26. März stellten die für das Instrument zuständigen Wissenschaftler erstmals eine allerdings noch nicht sehr starke punktuelle Abweichung fest. In dem Bereich zwischen 40 und 60 Grad südlicher Breite sowie 80 bis 160 Grad östlicher Länge kam es zu einer Erwärmung um etwa 5 °C. Außerdem detektierte man eine weitere Erwärmung bei 50 Grad Nord und 150 Grad Ost auf der Nordhalbkugel sowie eine leichte Verschiebung des den Pol umkreisenden Nordpolarwirbels.

Am 27. März erweiterte sich das südliche Wärmegebiet. Desweiteren stellte man bei der Analyse der Daten von diesem Tag fest, dass der Staub, welcher sich normalerweise in Höhen bis 10 Kilometer über der Oberfläche konzentriert, auf eine ungewöhnliche Höhe von bis zu 40 Kilometern angestiegen war. Am folgenden Tag erhöhte sich die Temperatur im Bereich zwischen 30 und 70 Grad südlicher Breite flächendeckend um 10 °C. Die Daten des 29. März zeigten einen nochmaligen Temperaturanstieg, vom dem mittlerweile nahezu die gesamte Südhalbkugel des Mars betroffen war. Im Bereich zwischen 10 bis 80 Grad südlicher Breite lagen die Durchschnittstemperaturen stellenweise 20 bis 25 Grad Celsius über dem saisonalen Normalwert. Auch das nördliche Wärmegebiet hat sich weiter ausgedehnt und erwärmt.

Die Auswertung der Messergebnisse für den 30. März ist noch nicht vollständig abgeschlossen, zeigt jedoch bereits, dass mittlerweile nahezu die gesamte Atmosphäre betroffen zu sein scheint. Auch im Bereich unmittelbar südlich des Marsnordpols ist es wärmer geworden und der zirkumpolare Nordwirbel hat sich um etwa 5 °C erwärmt und zieht sich langsam zurück.

All diese Daten legen einen Vergleich mit dem letzten globalen Staubsturm auf dem Mars nahe, auch wenn die momentan vorliegenden Bedingungen zumindestens zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so extrem sind wie vor zwei Jahren. Während dessen Höhepunkt im Sommer 2007 konnte der Mars Climate Sounder im Bereich zwischen 50 Grad nördlicher und 50 Grad südlicher Breite einen Temperaturanstieg von über 30 °C registrieren. In den restlichen Bereichen der Atmosphäre betrug die Temperatur rund -70 °C, wobei es vereinzelt zu regionalen Erwärmungen auf bis zu -55 °C kam. Auch der nordpolare Wirbel erwärmte sich damals von normalerweise etwa -160 °C auf zeitweise bis zu -75 °C.

Sollte die momentan stattfindende Erwärmung der oberen Schichten der Marsatmosphäre allerdings auch weiter fortschreiten, so ist das Einsetzen eines neuen planetenumfassenden Staubsturmes nicht auszuschließen. Ein solcher Sturm, welcher dann erfahrungsgemäß mehrere Monate anhalten kann, hätte nicht nur negative Auswirkungen auf die Datenausbeute der momentan drei aktiven Marsorbiter in der Umlaufbahn, sondern ganz besonders auch auf die beiden Marsrover der NASA. Diese generieren ihre zum Betrieb notwendige Energie ausschließlich über Solarzellen. Den Staubsturm im Jahr 2007 haben beide nur mit sehr viel Glück überstanden. Ein weiteres Ereignis dieser Art würde für die beiden bisher so erfolgreichen Roboter-Geologen eine ernsthafte Bedrohung darstellen.


(Autor: Ralph-Mirko Richter - Quelle: Planetary Society)

» Simulierter Marsflug hat begonnen
06.04.2009 - Mit der Isolationsstudie Mars 500 wollen ESA, DLR und die russische Raumfahrtagentur Roskosmos die psychischen Auswirkungen von Langzeitmissionen untersuchen, beispielsweise zum Mars. Das erste 100-Tage-Experiment startete kürzlich in Moskau. Längere Experimente sollen folgen.
Wie kann die physische und psychische Leistungsfähigkeit eines Menschen unter den extremen Bedingungen eines Fluges zum Mars erhalten werden? Das höchst ambitionierte Isolationsexperiment startet am 31. März 2009 im Institut für Biomedizinische Probleme (IBMP) der russischen Akademie der Wissenschaften. Sechs Menschen werden für die Dauer von 105 Tagen in einen Container eingeschlossen, um verschiedene Aspekte eines simulierten Marsfluges zu trainieren.

Das Experiment wird von ESA, DLR und der IBMP durchgeführt. Unter den Teilnehmern ist neben vier Russen und einem Franzosen auch der Deutsche Oliver Knickel, ein 28-jähriger Bundeswehr-Offizier aus Eschweiler bei Aachen.

Die bei "Mars500" vorherrschenden Rahmenbedingungen bilden eine einzigartige Testumgebung. Erstmals wird eine so genannte elektronische Nase, ein tragbares Gas-Sensorsystem zum Aufspüren mikrobakterieller Verunreinigung, seine Einsatztauglichkeit unter Beweis stellen. Ziel der hier federführend beteiligten Forschungszentren - IBMP, DLR und UFT (Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien der Universität Bremen) - ist es, das Gerät für den Einsatz im russischen Segment der Internationalen Raumstation ISS zu qualifizieren. Im Inneren der russischen Vorläufer-Station MIR hatten Wissenschaftler zahlreiche, teilweise mutierte Bakterien- und Pilzarten nachgewiesen. Diese befanden sich hauptsächlich auf kalten Materialoberflächen, in deren Umgebung Kondenswasser vorhanden war. Zerstörte Glas-, Kabel- und Plastikteile waren die Folge. Gerade bei einer Langzeitmission, zum Beispiel zum Mars, würde das unkontrollierte Wachstum solcher Kulturen ein gravierendes Problem darstellen. Die von der Firma Airsense Analytics mit finanzieller Förderung durch das DLR entwickelte elektronische Nase könnte ein Lösungsansatz sein: Sie ist in der Lage, Gerüche zu erlernen und wiederzuerkennen. Sie liefert objektive Ergebnisse im Minutentakt.

Auch der menschliche Organismus ist bei einer bemannten Weltraummission von entscheidender Bedeutung. Daher gibt es bei "Mars500" hierzu ein eigenes Experiment: Die Zufuhr von Nahrungsmitteln und der Stoffwechsel der Versuchspersonen wird vollständig überwacht und dokumentiert. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg führen eine Langzeituntersuchung zum Salz- und Flüssigkeitshaushalt des menschlichen Körpers durch. Weitere Experimente beschäftigen sich, darauf aufbauend, unter anderem mit dem Einfluss der Salzzufuhr auf den Blutdruck in Abhängigkeit von Stress und Arbeitsplan. Der erwartbare Erkenntnisgewinn in der Weltraummedizin kommt auch Patienten auf der Erde zugute. Wissenschaftler des DLR aus Köln und Hamburg sowie der Deutschen Sporthochschule Köln sind an diesem Versuch ebenso beteiligt wie an Untersuchungen des Knochenstoffwechsels unter eingeschränkter Aktivität und der psychophysiologischen Leistungsfähigkeit unter Extrembedingungen. Den Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem gehen Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität München auf den Grund.

Die Entfernung zwischen der Erde und dem Mars schwankt zwischen 56 und rund 400 Millionen Kilometern. Selbst bei einer günstigen Konstellation müsste eine Hin- und Rückreisezeit von insgesamt knapp 500 Tagen einkalkuliert werden, ein einmonatiger Forschungsaufenthalt auf dem Roten Planeten nicht mitgerechnet.

Eine solche bemannte Mission, die in circa zwanzig bis dreißig Jahren Realität werden könnte, stellt höchste Anforderungen an die Crew: Abgesehen von langen Schwerelosigkeits- und kurzen Hyperschwerkraftphasen sowie dem Einfluss kosmischer Strahlung, die im Rahmen der Mars500-Mission nicht untersucht werden, müsste der Verlust der visuellen Bindung an die Erde kompensiert und lebenswichtige Entscheidungen wegen des verzögerten Funkkontakts zum Boden autonom getroffen werden. Zudem müssten die Astronauten in der Lage sein, die technischen Systeme ihres Raumschiffs ohne Lieferung zusätzlicher Ausrüstung selbst zu warten.

Nur drei Quadratmeter Privatsphäre Bei dem Container, der am 31. März bezogen wird, handelt es sich um ein röhrenförmiges Modularsystem mit einer Wohn- und Arbeitsfläche von 180 Quadratmetern. Hinzu kommen Kühl- und Gefrierzellen für die Nahrungsmittel, die größtenteils von deutschen Zulieferern zur Verfügung gestellt werden sowie eine kleine Quarantänestation. Es herrscht normaler Luftdruck, das Gravitationsfeld ist unbeeinflusst. Jedem Probanden steht eine Kabine von drei Quadratmetern Grundfläche einschließlich eines schmalen Betts zur Verfügung. Der Funkverkehr zur "Bodenstation" und zurück erfolgt mit bis zu 40-minütiger Verzögerung. Darüber hinaus ist es den Teilnehmern gestattet, E-Mails und Videobotschaften zu versenden.

Zwölf Teilnehmer - die sechsköpfige Containercrew und eine als Bodencrew fungierende Ersatzmannschaft in gleicher Stärke – trainieren bis kurz vor dem Start alle wesentlichen Arbeitsschritte. Parallel laufen abschließende medizinische und psychologische Checks. Zusätzlich fungieren von europäischer Seite die Franzosen Cedric Mabilotte und Arc´hanmael Gaillard als Ersatz beziehungsweise als Teil der Bodencrew.

Voraussichtlich im Dezember 2009 soll das Experiment mit einer realitätsnahen Flug- und Aufenthaltsdauer auf dem Mars von 520 Tagen in die zweite Runde gehen. Eigens hierfür werden derzeit eine Mars-Landeeinheit und eine virtuelle Marsoberfläche konstruiert.

Diese Meldung wurde übernommen aus einer Pressemitteilung des DLR.

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(Autor: Raumfahrer.net Redaktion - Quelle: DLR Pressemitteilung)


 

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Saturn Aktuell: Vermessung eines unförmigen Titans von Redaktion



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» Vermessung eines unförmigen Titans
05.04.2009 - Während die Raumsonde Cassini zum 52. mal am Titan vorbeifliegt, werden die ersten stereoskopischen Geländekarten der Oberfläche vorgestellt. Danach zeigt der größte Saturnmond eine Abplattung an den Polen, was das Auftreten von Kohlenwasserstoff-Seen erklären könnte.
Die NASA-Sonde Cassini setzt auf den Titan. Da er größer als Merkur und nur unwesentlich kleiner als der größte Mond des Sonnensystems Ganymed ist, eignete er sich für die Missionsplaner am besten, um ohne großen Treibstoffaufwand in viele Bereiche des Saturnsystems vordringen zu können. Mit dem gestrigen Tag flog die Sonde nun 52 mal an dem einzigen Mond des Sonnensystems mit einer dichten Atmosphäre vorbei, der für die Wissenschaft auch darum so interessant ist, weil er etliche Gemeinsamkeiten mit der frühen Erde teilt - und sich dennoch enorm von allem unterscheidet, was wir kennen.

Neue topografische Karten in 3D

Das Cassini Radar Instrument wurde oft genutzt, um durch die Wolkenhülle des Titan hindurch seine Geländeoberfläche zu vermessen. Da Cassini bei jedem Vorbeiflug aus einem anderen Winkel auf das Gelände blickt, können mehrfach aufgenommene Areale nun in stereoskopischen Karten dargestellt werden. Ähnlich wie die Augen eines Menschen, die aus ihren unterschiedlichen Perspektiven dreidimensionale Objekte wahrnehmen können, wurden aus den Daten nun dreidimensionale Karten erstellt.

Die Wissenschaftler um Randy Kirk vom Astrogeology Science Center am Geological Survey in Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona verwendeten Radardaten von insgesamt 19 Titanüberflügen. Aus der Überlappung von Kartenmaterial konnten sie für rund zwei Prozent der Mondoberfläche stereoskopische Karten mit einer Auflösung von rund 2,4 Kilometer pro Pixel erstellen.

"Es ist fast so gut, wie selbst da zu sein: Wir erhalten mit den Überflügen einen Eindruck der Titanoberfläche aus der Vogelperspektive", sagte Kirk. "Wir haben eine Vielzahl verschiedener Merkmale kartiert. Einige von ihnen erinnern mich an die Erde, darunter große Ozeane, kleine Seen, Flüsse, ausgetrocknete Flüssbetten, Berge, Sanddünen, aus denen Hügel auftauchen und erstarrte Lavaflüsse."

Die geologische und geomorphologische Auswertung der Karten stehen erst an ihrem Anfang. Sie zeigen schon jetzt eine vielseitige Landschaft mit rund 1.200 Meter hohen Bergen, Tälern, durch die ausgetrocknete Flussbetten oder Lavaströme mäandern und Kohlenwasserstoffseen, die vor allem in den nördlichen Breiten vorkommen. Mit der Radarvermessung war es nun auch möglich, deren Tiefe zu bestimmen, die bis zu 100 Meter reicht.

Hier finden Sie einen Überflug eines Teils der Titanoberfläche. Die Radardaten wurden zudem dazu genutzt, die genauen Maße des Titans zu bestimmen. Wie alle planetenartigen Körper im Sonnensystem, ist der Mond keine perfekte Kugel, da Gezeitenkräfte vom Saturn auf ihn wirken. Er rotiert gebunden um den Gasriesen, weist ihm also wie der Erdmond der Erde ständig die gleiche Seite zu.

"Wir haben nun die ersten Messungen, die zeigen, dass Titan keine perfekte Kugel ist, sondern mehr ein deformiertes Ei-artige Ding", sagte Howard Zebker von der Standford University gegenüber dem Magazin New Scientist über die neueste Studie seines Teams. Von einer perfekten Kugel weicht Titan an seinen Polen um rund 700 Meter ab. Daneben hinterlässt die gebundene Rotation um Saturn ihre Spuren. Die ihm zugewandte Seite weicht am Äquator um 400 Meter von der Idealform ab.

Bisher hatten Wissenschaftler vermutet, dass die Verformungen aufgrund der berechneten Gezeiten geringer sein müssten. Daraus ließe sich schließen, dass der Mond früher auf einer niedrigeren Bahn um Saturn kreiste, die mit höheren Gezeitenkräften verbunden war. Eine mögliche Ursache für eine solche Orbitvergrößerung wurde noch nicht gefunden.

Die Abplattung an den Polen kann erklären, warum die Kohlenwasserstoff-Seen vor allem dort auftreten. Ein Modell für den Aufbau der Kruste ist, dass hier in geringer Tiefe die flüssigen Verbindungen Methan und Ethan vorkommen, ähnlich wie Grundwasser auf der Erde. Eine geringere topografische Höhe würde bedeuten, dass sie an die Oberfläche gelangen und Seen ausbilden. Die Titanatmosphäre enthält mit 1,6 Prozent deutlich zu viel Methan, das schnell durch Reaktionen im Sonnenlicht zersetzt werden sollte. Käme ein Großteil des titanischen Methans in flüssiger Form unterirdisch vor, könnte es jedoch die Atmosphärenzusammensetzung erklären. Denn so gäbe es ständig Methan-Nachschub aus der Tiefe.

Jedoch ist die These unterirdischer Kohlenwasserstoffvorkommen unter Planetenforschern umstritten. Die dichte Lufthülle des Titan zeigt regelmäßige Wetterphänomene, die auch Regen aus Kohlenwasserstoffen einschließen. Vielleicht verursachen auch nur Luftströmungen, dass es im Norden besonders viel regnet und die dortigen Seen gespeist werden. Es bleibt also noch viel Arbeit für Cassini.

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Diskussionen


(Autor: Karl Urban - Quelle: NASA, New Scientist)


 

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ISS Aktuell: ISS: Fünf Arbeiter und ein Gast von Redaktion



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» ISS: Fünf Arbeiter und ein Gast
04.04.2009 - An Bord der Internationalen Raumstation haben fünf der sechs Raumfahrer alle Hände voll zu tun, während der Tourist Schwerelosigkeit und Ausblick weitgehend genießen kann.
Nach dem Abkoppeln der Raumfähre Discovery am 25. März wurden Vorbereitungen für die Ankunft der neuen Stammbesatzung getroffen. Dazu gehörte beispielsweise die Konfiguration eines HDTV-Kanals vom russischen Segment. Dessen Daten gelangen über den US-basierten Teil über Houston und Oberpfaffenhofen nach Moskau. Das Raumschiff Sojus-TMA 14 mit dem Kommandanten Gennadi Padalka, dem Arzt Dr. Michael Barratt und dem Weltraumtouristen Charles Simonyi gelangte planmäßig auf eine Anfangsbahn zwischen 190 und 230 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von 51,6°. Während es gegenüber der Station aufholte, konnten sich die drei Raumfahrer an die Schwerelosigkeit anpassen und die Kopplung vorbereiten.

In der ISS begannen für den Kommandanten Michael Fincke und den Bordingenieur Juri Lontschakow dagegen die Arbeiten für die Rückkehr zur Erde. So wurden die Sokol-Raumanzüge geprüft und mittels warmer Luft gründlich getrocknet. Auch der Anti-Schwerkraftanzug Kentaur wurde ausprobiert. Darüber hinaus wurden verschiedene gesundheitliche Tests durchgeführt. Juri trug die Unterdruckhose Tschibis, die durch einen verminderten Luftdruck die Beine auf eine Art belastet, die der Wirkung der Schwerkraft auf der Erde vergleichbar ist. Außerdem wurden an beiden Langzeitfliegern mit unterschiedlichen Apparaturen (CCIS, Pneumokard) Blutdruckmessungen vorgenommen und ein EKG angefertigt. Bei Fincke kamen außerdem Messungen der Hirndurchblutung hinzu. Komplettiert wurden die Landevorbereitungen durch Hörtests im Bereich von 250 bis 10.000 Hz (O-OHA). Bei vergangenen Expeditionen hatte man eine vorübergehende Verminderung des Hörvermögens festgestellt. Dieses Phänomen will man genauer untersuchen.

Die russischen Piloten Lontschakow und Padalka arbeiteten mit einem speziellen Flugsimulationsprogramm, das die Reaktionsfähigkeit in Stresssituationen feststellen soll (Pilot-M/NEURO), testeten bzw. trainierten die Kommunikation zwischen Station und Raumschiff beim Ablegemanöver und überprüften das ASN-M, eine Komponente des russischen Satelliten-Navigationssystems an Bord der Station. Zur Nachbereitung der Kopplung der neuen Besatzung am Heck der Station wurden außerdem verschiedene Arbeiten vorgenommen. So wurde das Kopplungsaggregat inspiziert, die Sojus an Bordnetz und Luftstrom der Station angeschlossen, verschiedene Geräte im Raumschiff deaktiviert, die Sokol-Anzüge getrocknet und die speziell angepassten Sitzschalen für Simonyi und Wakata in den Raumschiffen Sojus-TMA 13 bzw. 14 getauscht. Simonyi kehrt in der nächsten Woche mit Fincke und Lontschakow zur Erde zurück.

Parallel zum Transfer biologischer Proben für verschiedene Experimente aus dem Raumschiff in eine spezielle Kühleinrichtung der Station (Konjugatsija, Bioemulsija, Bioekologija, Astrovaccine und Polygen in CryoGem 03) wurde DAKON-M, ein Beschleunigungsmesser des Systems IZGIB deaktiviert. Mit diesem Gerät können Beschleunigungen, die im normalen Betrieb oder bei besonderen Ereignissen, in diesem Falle der Kopplung von Sojus-TMA 14 an die Station, genauer gemessen werden.

Während sich die Mitglieder der Expedition 18 auf ihre Rückkehr vorbereiten, wird bei den Neuankömmlingen die Anpassung an die Schwerelosigkeit zum Untersuchungsgegenstand. Bei SLEEP wird der Einfluss des Lichtes auf das Befinden einer Person untersucht. Die schnellen Hell-Dunkel-Zyklen beeinflussen den Schlaf-Wach-Rhythmus der Raumfahrer. Dazu trägt der Proband eine Actiwatch, die sowohl dessen Aktivität als auch die Lichtintensität protokolliert. Die ganze Woche über war Koichi Wakata das Untersuchungsobjekt. Im Rahmen von Biophosphonates nahm er außerdem ein spezielles Medikament ein, mit dem man eine Verringerung des Knochenabbaus in der Schwerelosigkeit erreichen will. Weitere Untersuchungen betrafen Blutdruck, Herz-Kreislauf-System, ein Belastungs-EKG, Lungenfunktion und Hörvermögen. Michael Fincke nahm hingegen an den Experimenten Integrated Immune (II) und Nutrition teil. Bei Nutrition werden Blut- und Urinproben genommen, ein Fragebogen zur Ernährung ausgefüllt sowie vor und nach der Rückkehr Knochen, oxidative Beschädigungen und hormonelle Änderungen untersucht. Es handelt sich um eine komplexe Studie zur Erforschung der physischen Veränderungen im menschlichen Körper bei längerem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit. Bei II wird zusätzlich die Entwicklung des Immunsystems beobachtet. Dazu werden Speichelproben genommen.

Koichi Wakata arbeitete erstmals mit dem japanischen Manipulator (JEM RMS). Dabei führte er eine Reihe von Bewegungen aus und kontrollierte immer wieder die Genauigkeit und Handhabbarkeit. Bei der nächsten Shuttle-Mission soll eine größere Außenplattform am Kibo-Modul angedockt werden. Viele der hier ablaufenden Experimente können ohne Außenbordarbeiten mittels Roboterarm betreut werden.

Weitere Arbeiten betrafen die Messung von Umweltparametern innerhalb der Station (Experiment EXPERT mit Messung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftströmung), die Aktivierung einzelner biologischer Proben (CryoGem), weitere Tests einer neuen GPS-Antenne, das Daten-Managementsystem im Columbus-Modul, die Kalibrierung einer Anlage zur Untersuchung von Flüssigkeiten und Verbrennungsprozessen (Fluids & Combustion Facility) sowie das Zuführen frischen Sauerstoffs zur Stationsatmosphäre aus dafür vorgesehenen Vorräten des Transportschiffs Progress-M 66. Reguläre Wartungen betrafen unter anderem ein Luftfiltersystem sowie eine Kondenswasser-Rückgewinnungsanlage, Neustarts verschiedener Computer, Inspektionen der Sportgeräte, das Auswechseln beziehungsweise Aufladen verschiedener Batterien in einem Feuermelder und mehreren Messgeräten, die Aufbereitung von bei Außenbordarbeiten benutzten CO2-Filtern in Quest, Sicherung und Upload wissenschaftlicher Daten (Matroschka, Econ) sowie die Inspektion aller Luken im US-basierten Teil der ISS.

Mehrfach wurde via Amateurfunk Kontakt zu Bildungseinrichtungen in Kanada, Italien und Japan aufgenommen. Erdbeobachtungen (Crew Earth Observation) hatten überwiegend Einschlags- und Vulkankrater in Ghana, Mauretanien, Algerien, Equador und Kolumbien im Visier. Am 1. April standen auch einige Inseln im Fokus der Observation und Foto-Dokumentation.

Charles Simonyi nahm nur an wenigen Aktivitäten der Stationsbesatzung teil. Er führte eigene Messungen zur Strahlenbelastung durch, hatte mehrfach via Amateurfunk, Videokonferenz oder IP-Telefon Kontakt zur Erde und fotografierte interessante Gebiete und Phänomene des Heimatplaneten.

Verwandte Meldungen:

Raumcon:

Verwandte Webseite:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)

» ISS: Die einen kommen, die anderen gehen
05.04.2009 - Während ein Teil der gegenwärtig sechsköpfigen ISS-Besatzung letzte Vorbereitungen für die Rückkehr zur Erde trifft, gewöhnt sich der andere langsam an die Routine an Bord.
Während also Michael Fincke und Juri Lontschakow verstärkt Sport treiben, abschließende medizinische Untersuchungen an sich vornehmen oder vornehmen lassen, Proben von Experimenten für den Rücktransport vorbereiten, mit einem speziellen Computerprogramm Flugsimulationen unter Zeitdruck und medizinischer Beobachtung (ein Elektroaculogramm zeichnet die Augenbewegungen auf) bewältigen und ein stundenlanges Landetraining absolvieren, begannen bei Gennadi Padalka, Michael Barratt und Koichi Wakata verschiedene Untersuchungen.

Neu ist das Experiment Tipologija, bei dem man mittels EEG, psychologischer Tests und Frage-Antwort-Spiel herausfinden will, wann es um die Leistungsfähigkeit eines Langzeitraumfahrers besser oder schlechter bestellt ist. Am liebsten wäre den Wissenschaftlern ja eine Anzeige, die angibt, welche Belastung dieser oder jener Proband in der aktuellen Phase schadlos verträgt. Gennadi absolvierte das Experiment erstmalig. Dabei musste er Farbtests bestehen und ein Computerfragespiel möglichst fehlerarm lösen. Das EEG wurde über eine Kappe mit Kopfelektroden abgenommen.

Koichi nimmt schon seit ein paar Tagen regelmäßig ein spezielles Medikament gegen den bisher unbeherrschbaren Knochenabbau. Hinzu kam zum Ende der Woche nun ein Langzeit-EKG. Dazu trug er eine transportable Version, die seine Werte auch im Schlaf aufzeichnete. Schließlich musste auch noch ein Ernährungsfargebogen ausgefüllt werden, was dann auch Michael Barratt erstmals vornehmen durfte.

Weitere erwähnenswerte Experimente betrafen facettenartiges Kristallwachstum durchsichtigen organischen Gewebes in einer Anlage zur Physik von Flüssigkeiten in Kibo (FACET in Fluid Physics Experiment Facility), die Aktivierung eines Messgerätes zur Bestimmung von Beschleunigungswerten im US-Labor Destiny (SAMS = Space Acceleration Measurement System), die Untersuchung des Einflusses veränderter optischer Wahrnehmung u. a. durch optische Täuschungen auf die Motorik (3D Space), die Inbetriebnahme eines automatischen Experiments zur fotografischen Erfassung der Bewegungen von Kolloid-Verbindungen in einer Dispersion über sechs Tage (Binary Colloid Alloy Test 4) sowie die Aktivierung mehrerer biologischer Proben unter kontrollierten thermischen Bedingungen (22 °C) zum Studium des Schwerkraftsinns von Pflanzen (POLCA und GRAVIGEN).

Wartungstechnisch wurde an Lebenserhaltungs- und Versorgungssystemen (Elektrolysesystem zur Sauerstoffgewinnung, CO2-Absorber, Wasseraufbereitungsanlagen) gearbeitet sowie Luftstrom, Fenster und Sportgeräte inspiziert. Amateurfunkkontakt bestand zu Schulen in Japan und Frankreich, Untersuchungsobjekte bei der Erdbeobachtung waren die Anden in Bolivien, der Santa-Maria-Vulkan in Guatemala, Megafans in Algerien, ausgewählte Bereiche in Arizona und New Mexico und die deutsche Hauptstadt Berlin. Erwähnenswert ist auch ein Bildungsprojekt. Im Rahmen von Fisika-Obrasowanije wurden Experimente mit "fliegenden Untertassen" ausgeführt und aufgezeichnet.

Der Merlin-Kühlbehälter musste nach einem Fehlalarm abgeschaltet werden. In ihm werden normalerweise Speisen und Getränke der Raumfahrer gekühlt. Eine ganze Weile wird man auch noch mit der Nachbereitung der Außenbordeinsätze der Discovery-besatzung beschäftigt sein. In den letzten Tagen wurden mehrere CO2-Absorber-Patronen "ausgebacken" und die Flüssigkeiten in den Kühlkreisläufen der verwendeten Raumanzüge gefiltert. Mit Iodverbindungen versetzt, vermeidet man auch biologische Kontaminationen.

Da derzeit zwei Männer mit dem Vornamen Michael in der Station Dienst tun, werden sie zur besseren Unterscheidung in den Tätigkeitsberichten mit Col. Mike (Michael Fincke) und Dr. Mike (Michael Barratt) benannt.

Ein nicht neues aber möglicherweise ernstes Problem stellt der beschädigte Radiator an der Gitterstruktur dar. Hier hat sich ein Teil der Verkleidung gelöst, so dass die Kühlschlangen jetzt an einer kleinen Stelle freiliegen. Dadurch könnte die Belastung auf das Material wachsen und ein Leck entstehen. Mit diesem Problem müssen sich aber die Techniker auf der Erde auseinandersetzen. Eine Reparatur während einer der nächsten Shuttle-Missionen liegt im Bereich des Möglichen.

Mittlerweile wurde der Landetermin um einen Tag, auf den 8. April, verlegt. Am vorhergesehenen Landeort sind die Bodenverhältnisse derzeit wetterbedingt ungünstig.

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Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Energia)


 

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"In Space" Magazin #383
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
7. April 2009
Auflage: 3855 Exemplare


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