InSpace Magazin #380 vom 16. März 2009

In Space Magazin
Raumfahrer.net

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"In Space" Magazin

Ausgabe #380
ISSN 1684-7407


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STS 119 - Statusreports (1)

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Intro von Karl Urban

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in den Anfangstagen der Raumfahrt war die Welt noch in Ordnung. Alles war schön einfach. Verglichen mit den heutigen Raumfahrzeugen steckte in denen noch Werkzeuge, die Steinmetze noch mit Hammer und Meißen aus dem nackten Fels gehauen hatten. Jedenfalls könnte man dergleichen in Zeiten von Ionentriebwerken und Datenübertragung per Laser fast denken.

Auch die Namen früher Missionen waren einfach. Der erste Erdtrabant Sputnik hieß übersetzt etwa "Satellit". Forschungssonden hießen hier Kosmos, dort Explorer. Und Sonden zum Mars hießen ganz einfach Mars. Doch im Zuge der technologischen Entwicklung stellten die Raumfahrtagenturen offensichtlich nicht nur neue Mechaniker ein, sondern auch Linguisten. Nicht nur das Raumfahrzeug, auch der Missionsname sollte jetzt sophisticated sein. Was liegt da näher, in Analogie zur für den Laien nicht mehr zu durchschauenden Elektronik auch komplexeste Akronyme zu erfinden? Ziel ist es, dass auch der Name der Mission jeglichen offensichtlichen Zusammenhang zu ihrem Inhalt verliert, es sei denn... Es sei denn, man kennt die Auflösung des Akronyms!

Was die Mission ENVISAT, der Environmental Satellite tut, ist vielleicht noch ersichtlich. Doch ganz offensichtlich wurde die Mission INTEGRAL (International Gamma-Ray Astrophysics Laboratory) nicht in einen Erdorbit geschossen, um dort Integral-Rechenaufgaben zu lösen. Warum nannte man einen neuartigen Kommunikationsatelliten gerade ARTEMIS (Advanced Relay and Technology Mission), wo doch Artemis die griechische Göttin der Jagd, der Wildnis und die Hüterin der Frauen und Kinder ist. Alles klar. Am besten wacht man via Satellit über seine Kinder. Botschaft verstanden, liebe ESA.

Liebe Raumfahrtagenturen: Ihr müsst doch merken, was ihr damit anrichtet. Alle Welt will mittlerweile ein Akronym. Je unverständlicher, desto besser. Das haben auch die zukünftigen Wissenschaftler bemerkt. So erhielt ein studentisches Forschungsprojekt für eine neuartige bemannte Marsstation den eingängigen Namen HEXE (Habitat Experiment for Extreme Environments). Wer hat da nicht ein einsames Pfefferkuchenhaus im Gusev-Krater vor Augen? Statt Kinder müssen verwaiste Marsrover als Beute herhalten. In diesem Sinne - eine angenehme Lektüre wünscht Ihnen

Karl Urban
Leitender Redakteur

PS: In einer unserer heutigen Meldungen finden sie ein weiteres äußerst kreatives Akronym. Wer es und seine dazugehörige Bedeutung im Wortlaut findet, erhält von uns eine kleine Überraschung. Dem zuständigen Redakteur selbst gelang es nicht, das Rätsel zu lüften.

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Updates / Umfrage

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Aktuelle Ereignisse in der Raumfahrt in den nächsten Jahren

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News

• Neues zur Entstehung unseres Sonnensystems «mehr» «online»
• In die Vergangenheit weit entfernter Galaxien «mehr» «online»
• US-Raumfähre Discovery im All «mehr» «online»
• Merlin-Motor erreicht hohen spezifischen Impuls «mehr» «online»
• NASA und ATK testen Fünfsegmentbooster-Zündanlage «mehr» «online»
• Discovery-Start wieder verschoben «mehr» «online»
• Mars Odyssey - Reboot durchgeführt. «mehr» «online»
• Discovery: Dichtungstausch geplant (Original+Update) «mehr» «online»
• Fermi: Erste Zwischenbilanz «mehr» «online»
• Neue russische Datenrelaissatelliten geplant «mehr» «online»
• Ulysses ist noch immer nicht tot «mehr» «online»
• Discovery startklar «mehr» «online»


» Neues zur Entstehung unseres Sonnensystems
10.03.2009 - In den letzten Wochen sind einige neue Arbeiten zur Entstehung und Entwicklung unseres Sonnensystems veröffentlicht worden. Sie betreffen die Themenbereiche Planetenwanderung, Gasverlust, Asteroidengürtel und Mondsterben und sind Ergebnisse verbesserter Computersimulationen.
David Minton und Renu Malhotra von der Universität Arizona wollten die Entstehung des Asteroidengürtels rechnerisch nachvollziehen, kamen mit den heutigen Bahnen der vier äußeren Planeten aber zu einem deutlich abweichenden Ergebnis. Insbesondere in den Außenbereichen des Ringes gab es zu viele Asteroiden. Also bezogen sie Planetenverschiebungen in ihre Modelle ein und erreichten eine gute Übereinstimmung, wenn sie annahmen, dass sich Jupiter vor etwa 4 Milliarden Jahren der Sonne um 30 Millionen Kilometer näherte und sich die Bahnradien von Saturn, Uranus und Neptun deutlich vergrößerten, bei Saturn etwa um 200 Millionen Kilometer.

Damit ließen sich auch die sogenannten Kirkwood-Lücken erklären. Diese von Asteroiden weitgehend freien Zonen entstehen durch die Schwerkrafteinflüsse der großen Planeten, vor allem Jupiter und Saturn. Stehen die Umlaufzeiten eines Asteroiden und eines Riesenplaneten in einem ganzzahligen Verhältnis, dann bekommt der Asteroid immer dann eine Zugkraft nach außen zu spüren, wenn er an bestimmten Punkten seiner Bahn ist. Dadurch wird die Bahn instabil, der Asteroid bricht aus und stabilisiert sich irgendwann in einer neuen Bahn. Gegenwärtig kennt man mehr als 400.000 Asteroiden im Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Ihre Masse ist zusammengenommen deutlich kleiner als die unseres Mondes. Der größte Asteroid, Ceres, wurde 2006 zum Zwergplaneten „befördert“.

Bereits am 22. Januar berichteten wir kurz über eine Wanderungstheorie, welche die Gesteinsplaneten unseres Sonnensystems betrifft. Demnach könnten Mars und Merkur zwischen Venus und Erde in derselben Region entstanden sein. Schaut man sich die Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde und Mars nach ihrem Abstand von der Sonne sortiert, nebeneinander an, so erkennt man eine gewisse Größensymmetrie, die Brad Hansen von der Universität Kalifornien in Los Angeles nicht für zufällig hält. Durch ein Computerprogramm, mit dem er die Planetenentstehung aus einem Gesteinsring um die Sonne im frühen Sonnensystem simulierte, fand er heraus, dass sich größere Planeten typischerweise am inneren und äußeren Rand des Ringes bildeten. Im Inneren des Ringes formten sich dagegen eher kleinere Körper.

Diese wurden später aber vielfach durch die Gravitation der großen Planeten durcheinandergewirbelt und aus dem Ring geschleudert. Wenn dabei Kollisionen vorkamen, gelangten diese kleineren Körper in einigen Fällen wieder auf stabile Umlaufbahnen um die Sonne. Damit wäre es möglich, dass der sonnenächste Planet Merkur und der vierte Planet Mars in derselben Region unseres Sonnensystems zwischen Venus und Erde entstanden sein könnten und erst später in die "Außenpositionen" gelangten. Außerhalb des Gesteinsringes konnten sie aber keine weitere Materie aufsammeln und blieben daher vergleichsweise klein.

"Dies stimmt weitgehend mit einigen Eigenschaften von Merkur und Mars überein", sagte Brad Hansen, der seine Ergebnisse auf einem Treffen der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Long Beach (USA) vorstellte. In einer seiner Simulationen prallte die Erde sogar mit einem größeren Himmelskörper zusammen. Einem solchen Ereignis schreibt man heute allgemein die Bildung unseres Mondes zu.

Steve Desch von der Universität Arizona in Tempe hat das Modell zur Entstehung unseres Sonnensystems derart überarbeitet, dass er für das Anfangsstadium deutlich mehr Masse in Form von Gas und Staub vorsah. Die beiden äußeren Planeten, Uranus und Neptun, enthalten jeder mehr Wasserstoff und Helium als die Gesamtmasse unseres Heimatplaneten umfasst. Um diese leichten und daher auch leicht flüchtigen Stoffe festhalten zu können, müssten Uranus und Neptun bereits in den ersten zehn Millionen Jahren der Entwicklungsgeschichte unseres Sonnensystems sehr viel Masse angesammelt haben. Dies konnten sie aber nur in deutlich geringerer Entfernung von der Sonne als heute. Bei ihrer späteren Wanderung ins äußere Sonnensystem haben sie dann große Gasmassen mit sich gerissen, die dort entweder von ihnen festgehalten wurden oder vom Strahlungsdruck umliegender Sterne aus dem Sonnensystem geblasen wurden.

Robin Canup und ihr Kollege William Ward vom Südwest-Forschungsinstitut in Boulder (USA) behaupten, die vier Galileischen Monde, Io, Kallisto, Ganymed und Europa sind letzte „Überlebende“ einer ganzen Kette bis zu zwanzig oder mehr früherer Monde, die im Laufe der Zeit auf den Planeten Jupiter gestürzt sind. Bisherige Computersimulationen zur Planetenentstehung aus einer scheibenartigen Materiezusammenballung ergaben, dass die nach der Planetenbildung übrig bleibende Restscheibe, aus der sich später die Monde formen einige Zehn Prozent der Gesamtmasse ausmachen. Die heutigen Monde haben aber nur einen Anteil von 2 Prozent. Ihre Erklärung dafür geht davon aus, dass Monde, die bereits entstanden, als Jupiter noch immer Material aus dem „freien Raum“ ansaugte, von diesem mit auf den Jupiter gerissen wurden. Dieser Fakt sollte in künftigen Simulationen berücksichtigt werden. Außerdem vermutet man auch Auswirkungen auf die Entstehung des Sonnensystems als Ganzes. Die Entwicklung von Gesteinsplaneten war auch nach zehn Millionen Jahren, also nach dem Ende der „staubigen Phase“ noch in vollem Gange. Sonst hätten ja auch diese in die Sonne gerissen werden können. Im Gegensatz dazu müssten sich die Gasgiganten relativ schnell gebildet haben.

Beruhigenderweise bestätigen sich die oben erwähnten Studien in verschiedenen Punkten. Die Gasplaneten entstehen schnell und wandern, bis auf Jupiter, im Sonnensystem nach außen. Gesteinsplaneten und auch Monde entwickeln sich auch dann noch, wenn das interplanetare Gas im wesentlichen verschwunden ist. Durch gravitative Einflüsse können aber auch diese, aus ihren Bahnen geworfen und damit von weiterem Wachstum abgeschnitten werden.

Verwandte Meldung:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: New Scientist, Welt der Physik, Sterne und Weltraum, NASA, Raumfahrer.net, Forschung aktuell)

» In die Vergangenheit weit entfernter Galaxien
16.03.2009 - Einem Forscherteam gelang es, mit Hilfe boden- und weltraumgestützter Teleskope die Bewegung von Gaswolken in weit entfernten Galaxien zu vermessen. Das Verfahren, das bisher nur bei den Nachbarn der Milchstraße gelang, soll dabei helfen, die Entwicklung von Galaxien vom frühen Universum bis heute besser zu verstehen.
Als das Hubble-Weltraumteleskop im Jahr 1993 begann, das Universum zu entdecken, sorgte es für eine Revolution in der Astronomie. Nie zuvor war ein Teleskop dieser Größe in der Lage gewesen, ohne die störenden Einflüsse der Erdatmosphäre ins All zu blicken. Doch schon fünf Jahre später bekam es Konkurrenz, von Instrumenten am Boden, denen die Atmosphäre nichts mehr ausmachte. Das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) steht in der extrem feuchtigkeitsarmen Atacama-Wüste der südchilenischen Anden, unter idealen Beobachtungsbedingungen. Es arbeitet mit einer Reihe innovativer Technologien, die ihm ermöglichen, die optischen Nachteile einer bewegten Lufthülle zu überkommen. Das VLT kann so die Qualität zuvor gemachter Hubble-Aufnahmen oft noch überbieten.

Doch dass die Stärken beider Teleskope nicht nur konkurrieren, sondern sich auch ergänzen können, beweisen nun Forscher von Instituten in Marseille, Paris und München. Sie kombinierten die Auflösungsfähigkeit von Hubble mit den Stärken des Instrumentenbündels FLAMES und GIRAFFE, das am VLT-Teleskop Kueyen installiert ist.

"Diese einmalige Kombination von Hubble und VLT erlaubt es uns, weit entfernte Galaxien fast so gut zu untersuchen, wie wir dies bisher mit ihren nahen Vertretern konnten", sagt François Hammer, Leiter der Forschergruppe. "Mit FLAMES und GIRAFFE sind wir in der Lage, die Geschwindigkeit von Gas an verschiedenen Orten dieser Objekte zu vermessen. Wir erhalten damit ein dreidimensionales Bild von Galaxien, die ein halbes Universum von uns entfernt sind."

FLAMES und GIRAFFE

Im Jahr 2002 wurde der Instrumentenzoo des VLT um eine Reihe exotischer Exemplare erweitert. Der Fibre Large Array Multi-Element Spectrograph (FLAMES) ist in der Lage, Spektren von mehr als hundert Objekten zur gleichen Zeit aufzuzeichnen, die innerhalb eines Himmelsausschnitts von 25 Bogenminuten liegen, etwa des Durchmessers eines Vollmondes. Gekoppelt ist es an GIRAFFE, die aus rund 132 Glasfaserbündeln besteht, die ähnlich den Facettenaugen eines Insekts in verschiedene Richtungen blicken können. So sind Forscher in der Lage, eine Vielzahl von Teilbereichen eines äußerst kleinen Himmelsausschnitts gleichzeitig beobachten, etwa verschiedene Gaswolken innerhalb einer Galaxie.

Ergebnisse

Im Jahr 2009 wurden bereits Ergebnisse über drei untersuchte Galaxien veröffentlicht. Im Fall von J033241.88-274853.9 entdeckten die Forscher eine große Menge von ionisiertem Gas. Dies spricht normalerweise für die Präsenz junger Sterne. In diesem Fall jedoch fanden sie selbst nach nach elftägiger Beobachtung keinerlei Sterne. Die Forschergruppe um Mathieu Puech, welche die Galaxie beobachtet hatte, versuchte daraufhin, die Entdeckung mit Computermodellen zu erklären. Demnach wäre es denkbar, dass zwei sehr gasreiche Galaxien miteinander kollidierten. Die dadurch freigesetzte Energie wäre dann in der Lage gewesen, das Gas zu ionisieren. Gleichzeitig wäre das Gas zu heiß, dass sich daraus überhaupt Sterne formen können.

In einem anderen Fall berichten Astronomen um François Hammer von einer gegenteiligen Beobachtung. Sie fanden eine Galaxie mit bläulicher Zentralregion, die von einer rötlich leuchtenden Staubscheibe umgeben ist. In diesem Fall zeigten Modellierungen, dass Sterne und Gas mit hoher Geschwindigkeit auf den bläulichen Kern zu rotierten. Dies interpretieren die Forscher als den Zustand einer selbsterneuerten Galaxie nach erfolgter Verschmelzung.

Eine dritte Veröffentlichung beschreibt eine Galaxie, deren bläuliche ausgedehnte Struktur mit kaum einem bekannten Objekt vergleichbar ist. Diese besteht aus jungen massereichen Sternen, die in unseren Nachbargalaxien kaum zu finden sind. Simulationen zeigten, dass hier vermutlich das Resultat der Kollision zweier Galaxien mit sehr unterschiedlichen Massen zu sehen ist.

Die Bewegung zurückdrehen

Die neue Messmethode bietet den Forschern einen entscheidenden Vorteil. Sie können die räumlich aufgelöste Bewegung von Gaswolken dazu nutzen, die ablaufenden Prozesse in der Galaxie in Simulationen zurückzudrehen und so in ihre Vergangenheit zu schauen. Anschließend wollen die Forscher nun ihre Daten mit bereits besser vermessenen nahen Galaxien vergleichen. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie sich Galaxien innerhalb der letzten sechs bis acht Milliarden Jahre entwickelten.

Verwandte Links


(Autor: Karl Urban - Quelle: ESO)

» US-Raumfähre Discovery im All
16.03.2009 - Im zweiten Anlauf gelang der Start des Space Shuttles vom Komplex 39A des Kennedy Space Centers heute Nacht um 0:43 Uhr MEZ.
Die Discovery soll am Dienstag, gegen 22:13 Uhr MEZ, an der Internationalen Raumstation ankoppeln. Sie bringt Versorgungsgüter und Ersatzteile sowie das vierte und damit letzte Gitterelement mit Solarzellen am US-basierten Teil der Station. Damit wird eine wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass an Bord der ISS ab Mai sechs Menschen ständig leben und arbeiten sollen.

Die Besatzung der Discovery besteht aus dem Kommandanten Lee Archambault, der seinen zweiten Raumflug absolviert, dem Piloten Tony Antonelli, den Missionsspezialisten Joseph Acaba, John Phillips (3. Einsatz), Steve Swanson (2. Raumflug) und Richard Arnold sowie dem zukünftigen Mitglied der ISS-Expeditionen 18 und 19, Koichi Wakata. Damit wird erstmals ein Japaner Teil der Raumstationsbesatzung. Wakata ist zum dritten Mal im All.

Am 11. März hatte eine Undichtigkeit an einem Absaugsystem für verdampften Wasserstoff zum Abbruch des Countdowns geführt. Das Problem wurde durch den Austausch einer Teflon-Dichtung behoben. Der Countdown wurde am Sonntag, 8:18 Uhr MEZ bei T-11 Stunden wieder aufgenommen. Diesmal gab es lediglich einen etwas zu geringen Gasdruck in einem Bereich zwischen Raumfähre und externem Tank, in dem die Treibstoffleitungen verlaufen. Dieser Bereich wird bis zum Start durch das Einleiten von Helium eisfrei und bei konstanter Temperatur gehalten. Der an der unteren Grenze liegende Druck wurde Stunden vor dem Start durch das manuelle Öffnen eines Ventils erhöht.

STS 119 ist der 125. Shuttle-Einsatz, der 28. Flug einer US-Raumfähre zur Internationalen Raumstation und die 36. Mission der Discovery. Die Rückkehr zur Erde ist gegenwärtig für den 28. März geplant.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)

» Merlin-Motor erreicht hohen spezifischen Impuls
11.03.2009 - Am 7. März 2009 habe SpaceX einen statischen Brennversuch eines Merlin-Triebwerkes durchgeführt, bei dem man einen rechnerischen spezifischen Impuls (ISP) von 342 Sekunden erreicht habe, gab SpaceX am 10. März 2009 bekannt.
Der Brennversuch soll über die gesamte Brennzeit einer künftigen zweiten Stufe der Falcon-9-Rakete angedauert haben. Während der sechsminütigen Brenndauer habe das Merlin-Triebwerk rund 45 Tonnen Treibstoffe, Kerosin und Sauerstoff, verbraucht, und dabei für US-amerikanische kohlenwasserstoffverbrennende Triebwerke einen Rekord-ISP erreicht.

Der hinsichtlich des "Vakuums" im Weltraum auf dem Testgelände von SpaceX in McGregor, Texas, erzielte Äquivalentschub habe etwa 411 Kilonewton betragen, das Triebwerk sei über die gesamte Versuchsdauer stabil zu betreiben gewesen.

Im Vergleich zum zuletzt in der ersten Stufe der Falcon-1-Rakete verwendeten Merlin-1C-Triebwerk bekommt das Merlin-Triebwerk für Vakuumbedingungen eine deutlich verlängerte Ausströmdüse. Die Brennkammer ist regenerativ gekühlt, die Ausströmdüse erfährt im Betrieb Strahlungskühlung.

In der zweiten Stufe einer Falcon-9-Rakete soll der Merlin-Motor für den Einschuss der transportierten Nutzlast in den erforderlichen Orbit sorgen. Dafür ist er mit einem redundanten Zündsystem ausgestattet, das mehrfache Zündungen der Stufe erlauben soll.

Das exakte Ansteuern einer Umlaufbahn werde auch durch die Drosselbarkeit des Triebwerks unterstützt. Im gerade abgeschlossenen Versuch habe man eine Reduzierung auf 75 Prozent des Maximalschubs demonstriert, in kommenden Versuchen wolle man bis auf 60 Prozent des Maximalschubs heruntergehen.

Der Jungfernflug der Falcon-9-Rakete soll nach bisherigen Planungen später im Jahr 2009 stattfinden. Mit Falcon-9-Raketen und Dragon-Kapseln will SpaceX bei der Versorgung der internationalen Raumstation (ISS) helfen, wenn die Flotte der US-amerikanischen Spaceshuttle stillgelegt ist.

Raumcon:


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: SpaceX)

» NASA und ATK testen Fünfsegmentbooster-Zündanlage
11.03.2009 - Am 10. März 2009 wurde zum ersten Mal die Zündanlage für den Fünfsegmentfeststoffbooster der ersten Stufe von NASAs Ares-I-Rakete getestet, berichteten NASA und ATK am selben Tag.
Auf dem Gelände von ATK in Promontory, Utah, fand der Test statt, der den Weg für den ersten statischen Brennversuch mit einem Fünfsegmentfeststoffbooster bereitete. Erste Analysen während des Tests aufgezeichneter Daten bestätigen, dass die Zündanlage wie vorgesehen funktioniert hat. Die erzeugte Flamme war über 60 Meter lang. Neue leichtere und widerstandsfähigere beim Bau der Zündanlage verwendete Materialien verhielten sich ersten Erkenntnissen nach wie vorgesehen. Die Materialien sollen auch beim ersten statischen Brennversuch mit einem vollständigen Fünfsegmentfeststoffbooster (DM-1), der derzeit für den Herbst des Jahres 2009 vorgesehen ist, zum Einsatz kommen.

Die beim Test am 10. März 2009 verwendete Zündanlage ist eine Weiterentwicklung der Konstruktion, die in den Feststoffboostern des Shuttlesystems verwendet wird. Im Wesentlichen besteht die Anlage mit rund 46 Zentimetern Durchmesser und knapp 92 Zentimetern Länge aus einem kleinen elektrisch via Übertragungsladung gezündeten Feststoffmotor, dessen Flamme die Brennstoffoberfläche im Hohlraum im Zentrum des Feststoffboosters möglichst schnell gleichmässig in Brand setzen soll.

Im Kopf des obersten Segments eines Feststoffboosters wird die Anlage eingebaut sein. Von dort schickt sie ihre Flamme durch den Innenraum. In weniger als einer Sekunde nach dem Zündkommando soll ein so gezündeter Feststoffbooster genug Schub zum Abheben einer Ares-I-Rakete erzeugen, man geht von über 15.000 Kilonewton Startschub aus.

Ares-I ist die in Entwicklung befindliche zweistufige Rakete, die künftig die Orion-Kapsel in den Weltraum bringen soll, mit der man unter anderem die internationale Raumstation (ISS) mit Personal und Material versorgen will. Später sollen auf Ares-I-Raketen gestartete Orion-Kapseln auch für Mondmissionen eingesetzt werden. ATK Launch Systems ist der Auftragnehmer, der für die US-amerikanische Weltraumbehörde NASA die erste Stufe für die Ares-I-Raketen bauen soll.


(Autor: Thomas Weyrauch - Quelle: NASA, ATK)

» Discovery-Start wieder verschoben
11.03.2009 - Aufgrund eines technischen Problems im Bereich des Externen Tanks oder einer Zu- bzw. Ableitung wird der Start zunächst um einen Tag verschoben.
Das Problem trat während des Betankungsvorganges auf. Flüssiger Sauerstoff und Wasserstoff werden nacheinander in die dafür vorgesehenen Tanks geleitet. Ein Teil des stark gekühlten Treibstoffs verdampft dabei. Vor allem der Wasserstoff könnte sich an der Luft entzünden. Wir alle kennen dies als Knallgasreaktion aus dem Chemieunterricht. Deshalb wird der entweichende Wasserstoff aus dem Zwischentankbereich ständig abgesaugt und über eine spezielle Leitung abgeführt.

Innerhalb dieser Leitungen, die zuvor mit Heliumgas getestet und für gut befunden worden waren, trat nun im Kontakt mit dem ultrakalten Wasserstoff ein kleines Leck auf. Um dieses zu finden und zu beseitigen, muss zunächst der komplette Tank geleert werden. Deshalb wurde der Start abgesagt. In den nächsten Stunden werden wir Genaueres erfahren, auch über die Dauer der Startverschiebung.

Die Raumfähre Discovery soll von Cape Canaveral aus zu ihrem 38. Flug starten. Ziel ist die Internationale Raumstation, an der das vierte und letzte Gittersegment mit Solarzellenpaneelen installiert werden soll. Außerdem werden Versorgungsgüter und Ersatzteile zur Station transportiert und umfangreiche Außenbordarbeiten ausgeführt. Die Besatzung der Discovery besteht aus dem Kommandanten Lee Archambault, dem Piloten Tony Antonelli, den Missionsspezialisten Joseph Acaba, John Phillips, Steve Swanson und Richard Arnold sowie dem zukünftigen Mitglied der ISS-Expeditionen 18 und 19, Koichi Wakata. Damit wird erstmals ein Japaner Teil der Raumstationsbesatzung. Während seiner Dienstzeit soll diese auf 6 Personen aufgestockt werden, wodurch sich die Zeit, die für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet werden kann, deutlich erhöht.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)

» Mars Odyssey - Reboot durchgeführt.
12.03.2009 - Die altgediente Marssonde Mars Odyssey hat erfolgreich einen Reboot des Bordcomputers durchgeführt.
Der Bordcomputer war seit fünf Jahren ununterbrochen in Betrieb gewesen. Im Arbeitsspeicher hatten sich durch kosmische Strahlung über die Jahre Speicherfehler angesammelt, welche zunehmend Sorgen bezüglich der Betriebssicherheit aufkommen ließen. Durch den Neustart wurde der Speicher neu initialisiert.

Gleichzeitig konnte auch die Funktionsfähigkeit der "B-Side" genannten Backupsysteme wiederhergestellt werden. Im Jahr 2007 war ein elektronisches Bauteil des Powermanagements auf der B-Side ausgefallen. Ohne diese Komponente wären alle Backupsysteme funktionsunfähig gewesen. Man hatte aber erwartet, dass ein Rechnerneustart den Fehler beheben würde. Durch den jetzt erfolgten Neustart sind die Backupsysteme wieder einsatzbereit.

Der Reboot war kurfristig verschoben worden, nachdem ein Sternensensor zu warm geworden war. Als Grund wurde ein fehlerhaft eingeschaltetes Heizelement diagnostiziert und abgeschaltet.

Mars Odyssey befindet sich momentan in ihrer dritten Missionsverlängerung um jeweils zwei Jahre. Ende nächster Woche werden wieder alle Instrumente im wissenschaftlichen Standardbetrieb sein. Neben seiner weiter geführt wissenschaftlichen Mission wird der Orbiter zunehmend als Kommunikationsrelais mit den NASA-Missionen auf der Oberfläche des Planeten genutzt.


(Autor: Daniel Schiller - Quelle: NASA)

» Discovery: Dichtungstausch geplant (Original+Update)
12.03.2009 - Die Arbeiten an einer undichten Platte am Externen Tank, an der verschiedene Tank- und Sicherheitsleitungen angedockt werden, können nur an einem leeren, trocknen Tank vorgenommen werden.
Das Leck an der Ground Umbilical Carrier Plate war erst richtig wirksam geworden, als der Tank bereits zu 98% gefüllt war. Auch bei früheren Betankungsvorgängen hatte es schon eine gewisse Leckrate gegeben, die bis zu einem gewissen Wert auch toleriert wird. Durch mehrfaches Öffnen und Schließen eines Druckventils lässt sich die Leckage im Normalfall verringern. Gestern hingegen führte ein solcher Versuch zur Verschlimmerung des Problems. Deshalb entschloss man sich, den Countdown abzubrechen und eine oder mehrere Teflon-Dichtungen an den Zu- bzw. Ableitungen auszutauschen. Dies kann aber nur im warmen, trockenen Zustand geschehen.

Nach dem Trocknen des Tanks sollen die Leitungen getrennt sowie die Dichtungen geprüft und evtl. ausgetauscht werden. Für die befestigenden Schrauben ist ein bestimmtes Drehmoment vorgeschrieben, mit dem diese angezogen sein müssen, um die gewünschte Funktion zu garantieren. Nach einer dreißigstündigen Wartezeit, in der das Material "arbeiten" kann, wird das Drehmoment normalerweise noch einmal kontrolliert eingestellt. Erst dann kann ein neuer Betankungsversuch unternommen werden.

Je nachdem, ob man die 30 Stunden einhält oder die Prozedur verkürzt, ist ein Start frühestens am Montag oder bereits am Sonntag (beides Ortszeit) möglich.

Raumcon:

Update:

Mittlerweile kann man aufgrund der gemessenen Werte feststellen, dass das Leck tatsächlich in der Leitung auftrat, in der verdampfter Wasserstoff und Helium vom Tank weggeführt werden. Außerdem haben die Sensoren im Tankinneren keine abnormalen Werte angezeigt, so dass der Fehler tatsächlich nur am Ground Umbilical Carrier zu suchen ist.

Inzwischen (13.03.2009, 15:45 Uhr MEZ) dürfte die Dichtung gewechselt worden sein.
(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)

» Fermi: Erste Zwischenbilanz
12.03.2009 - Gestern wurden Beobachtungsdaten des Large Area Telescope an Bord des internationalen Gammastrahlenteleskopsatelliten Fermi (ehemals GLAST) aus dem Zeitraum vom 4. August bis zum 30. Oktober 2008 veröffentlicht. Katalog und Karte enthalten 205 außergewöhnliche Strahlungsquellen im untersuchten Wellenlängenbereich.
"Fermi hat uns einen tieferen und schärferen Blick auf den Gamma-Himmel ermöglicht als jede vorhergehende Weltraum-Mission", sagte Peter Michaelson, leitender Wissenschaftler an der Stanford University (USA) für das Large Area Telescope (LAT) genannte Hauptinstument an Bord des Satelliten. "Wir haben Ausbrüche von Supermassiven Schwarzen Löchern in verschiedenen Galaxien beobachtet und sahen Pulsare, binäre Systeme mit großen Massen und sogar einen Kugelsternhaufen in unserer Galaxis." Ein Katalog mit den 205 hellsten Beobachtungsobjekten des LAT wurde soeben an The Astrophysical Journal gesandt.


LAT erfasst im Überblicksmodus, in dem es bisher die meiste Zeit gearbeitet hat, den gesamten Himmel innerhalb von nur 3 Stunden. Dadurch lassen sich auch schnell veränderliche Gammastrahlungsquellen feststellen und identifizieren. Zu den herausragenden beobachteten Objekten gehören in unserer Galaxis neben unserer Sonne der Doppelstern LSI+61 303, der aus einem massiven Stern und einem superdichten Neutronenstern besteht, der Pulsar PSR J1836+5925 und der Kugelsternhaufen NGC 104 im Sternbild Tukan (47 Tucanae), der von uns einen Abstand von 15.000 Lichtjahre hat. In den Tiefen des Weltalls gehören die Radiogalaxie NGC 1275, die aktiven Galaxien 3C 454.3 und PKS 1502+106, beide mehr als 6 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt, und der Quasar PKS 0727-115 zu den bevorzugten Untersuchungsobjekten.

Fermi wurde als Satellit GLAST (Gamma-ray Large Area Space Telescope) am 11. Juni 2008 von Cape Canaveral aus gestartet. Die wissenschaftliche Ausrüstung besteht zum einen aus dem Large Area Telescope, das ca. 16% der Himmelskugel mit einem "Blick" erfassen kann. Das Aufnahmespektrum umfasst Gammastrahlung im Energiebereich von 30 MeV bis 300 GeV. Strahlungsquellen können mit einer Genauigkeit von einem Sechzigstel Grad festgestellt werden. Zum zweiten befindet sich der Gamma Burst Monitor (GBM) an Bord, der speziell für die Identifizierung von Gammastrahlenausbrüchen konstruiert wurde. Sechzig Tage nach dem erfolgreichen Start bekam der Satellit zu Ehren des Physikers Enrico Fermi seinen offiziellen Namen.

Die wissenschaftlichen Ziele der Mission liegen auf den Gebieten Dunkle Materie, Schwarze Löcher, neue Dimensionen, spezielle Relativitätstheorie, Neutronensterne, Gamma Ray Bursts und neuartigen Wechselwirkungen zwischen energiereichen Photonen. Am internationalen Projekt GLAST sind Institute in den USA, in Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und Schweden beteiligt.

Lesen Sie dazu unseren ausführlichen Artikel anlässlich des Starts:

Weitere verwandte Meldungen:

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)

» Neue russische Datenrelaissatelliten geplant
13.03.2009 - Den beihnahe ständigen Kontakt zwischen Bodenstationen und Satelliten oder Raumschiffen und -stationen der USA in niedrigen Erdumlaufbahnen sichern Datenrelaissatelliten vom Typ TDRS (Tracking Data and Relay Satellite). Nun will auch Russland sein eigenes Netz aufbauen, im zweiten Versuch.
Bereits Mitte der Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatte Russland Satelliten der Serie Lutsch gestartet, die im Geostationären Orbit positioniert wurden und Daten zwischen Satelliten auf niedrigen Umlaufbahnen und Bodenstationen hin und her schicken können. In Zeiten des Internets und der Videokonferenzen wird dies immer wichtiger. Während die USA über ein weitgehend ausgebautes Netz von Satelliten des Typs TDRS verfügt, steht ein solches System in Russland derzeit nicht zur Verfügung. Die alten Satelliten sind längst außer Funktion.

Bereits 2005 wurde der Beschluss zum Bau zweier derartiger Satelliten, Lutsch 5A und 5B, gefasst, die 2010 und 2011 gestartet werden sollen. Soeben hat aber die russische Weltraumbehörde Roskosmos das Unternehmen ISS (Informationssatellitensysteme) mit der Entwicklung eines neuen Typs derartiger Satelliten beauftragt. Die Projektbezeichnung lautet Lutsch 4. Dabei soll es sich um einen Satelliten handeln, der eine Masse von etwa 3 Tonnen aufweist und eine Funktionsdauer von zwölf Jahren haben soll. Basis des Satelliten ist die Plattform Express 2000. Der erste Satellit der Baureihe Lutsch 4 könnte 2013 fertiggestellt werden.


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: RIA Nowosti)

» Ulysses ist noch immer nicht tot
14.03.2009 - Die mittlerweile 18 Jahre alte Sonnensonde konnte trotz aller Widrigkeiten bis jetzt in Funktion gehalten werden.
Anfang 2008 hatte es noch so ausgesehen, dass Ulysses maximal bis Mitte des Jahres in Betrieb zu halten sei: Die Energieabgabe des Radioisotopengenerators an Bord war nach 17 Jahren Betrieb so weit gefallen, dass einige Verbraucher abgeschaltet werden mussten. Darunter befanden sich auch Heizelemente für Treibstoffleitungen. Einige besonders kalte Stellen der Leitungen sind seitdem ständig vom Einfrieren bedroht. Geschieht dies, wird die Sonde manövrierunfähig und kann ihre Funkantenne nicht mehr auf die Erde ausrichten.

Das Ulysses-Team begegnet dieser Gefahr seither mit einer "Ausbluten" genannten Strategie: Alle zwei Stunden werden sehr kleine Mengen Treibstoff so ausgestoßen, dass sich die Lage der Sonde nicht ändert. Dadurch rückt wärmerer Treibstoff an den kalten Stellen vorbei und verhindert so das Einfrieren.

Klar ist aber auch, dass diese Strategie ihr Ende findet, wenn der Tank leer ist. Ursprünglichen Schätzungen zu Folge hätte es schon Mitte 2008 so weit sein sollen. Dass das "Ausbluten" die Sonde nun schon ein Dreivierteljahr länger als vorausgesagt über die Zeit gerettet hat, liegt daran, dass das Team schlichtweg nicht genau weiß, wie viel Treibstoff genau im Tank ist: Das Lageregelungssystem der Sonde arbeitet teilweise automatisch und es gibt keine Telemetriedaten darüber, wie viel Treibstoff dabei verbraucht wurde. Daher wird man erst sagen können, dass es mit Ulysses vorbei ist, wenn es vorbei ist.

Da 2008 bei einem Versuch, Energie zu sparen, auch der Haupttransmitter der Sonde ausgefallen war, stand seitdem nur noch der Hilfstransmitter mit Bandbreiten von nur 128 Bit/s zur Verfügung. Diese Datenrate ist so gering, dass es sich nicht lohnte, dafür den Datenrekorder in Betrieb zu nehmen - auf der Erde wurden einfach die Livedaten der Instrumente während der Dauer der Übertragung aufgezeichnet. Im Moment ist die Sonde der Erde wieder so nahe, dass selbst mit dem Hilfstransmitter Datenraten von 1.024 Bit/s möglich sind, somit wird der Rekorder derzeit wieder benutzt.

Frühere Meldungen:


(Autor: Axel Orth - Quelle: Planetary Society/ESA)

» Discovery startklar
15.03.2009 - Nach dem erfolgreichen Dichtungstausch konnte das Betanken ohne Zwischenfälle erfolgreich abgeschlossen werden. Die Vorbereitungen zum Start gehen weiter, die Besatzung wird gegen 21:30 Uhr MEZ erwartet.
Wie vermutet lag die undichte Stelle im Wasserstoffdampf-Ableitungssystem am Externen Tank. Das kleine Leck war aber erst bei einem Füllstand von 98% wirksam geworden. Daraufhin entschloss sich die Flugleitung am Mittwoch, den Start zu verschieben. Wahrscheinlich wird aufgrund der Verzögerung für die STS-119-Crew ein Außenbordeinsatz entfallen. Dieser wird dann von der nächsten Shuttle-Besatzung oder von einer Stammcrew nachgeholt. Alle wichtigen Aufgaben der Mission können aber erfüllt werden.

Die Besatzung der Discovery besteht aus dem Kommandanten Lee Archambault, dem Piloten Tony Antonelli, den Missionsspezialisten Joseph Acaba, John Phillips, Steve Swanson und Richard Arnold sowie dem zukünftigen Mitglied der ISS-Expeditionen 18 und 19, Koichi Wakata. Damit wird erstmals ein Japaner Teil der Raumstationsbesatzung. Während seiner Dienstzeit soll diese auf 6 Personen aufgestockt werden, wodurch sich die Zeit, die für wissenschaftliche Untersuchungen verwendet werden kann, deutlich erhöht.

Hauptnutzlast ist das siebente Element der Hauptgitterstruktur der Raumstation und das vierte mit großen Solarzellenauslegern. Es trägt die Bezeichnung ITS-S6, was für Integrated Truss Structure - Starboard 6 steht. In normaler Flugrichtung bildet es den Abschluss der Gitterstruktur auf der Steuerbordseite.

Weitere Fracht ist ein Ersatzsystem für die ausgefallene Destillationsanlage des im November 2008 installierten Wasser-Recycling-Systems. Außerdem werden natürlich Versorgungsgüter, Ersatzteile, Nahrungsmittel und Wasser geliefert.

Während der Mission sind nun noch drei Außenbordeinsätze vorgesehen. Dabei werden Swanson, Arnold und Acaba unter anderem das Gittersegment sichern, elektrische, Daten- und Kühlmittelleitungen verbinden, Vorbereitungen für den Austausch von Batterien beim bereits mehr als 8 Jahre im Einsatz befindlichen Gittersegment P6 treffen, mehrere externe Halterungen für Außennutzlasten, zumeist Experimente, einsatzbereit machen und einen CETA-Karren auf der zentralen Schiene der Gitterstruktur an seinen zukünftigen Einsatzort bringen. Der Batteriewechsel soll später - vom Manipulatorsystem der Station unterstützt - vorgenommen werden.

Bei der Montage des Solarzellensegments wird S6 zunächst mit Hilfe des Stationsmanipulators Canadarm2 aus der Ladebucht der Raumfähre gehievt und an den Shuttle-Manipulator übergeben. Dann bewegt sich Canadarm2, gesteuert aus dem Inneren der Station, zum Montageort und übernimmt dort die wertvolle Fracht wieder vom Shuttle-Roboterarm.

Geplant ist ein knapp zweiwöchiger Flug. Koichi Wakata wird Sandy Magnus als Mitglied der Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ablösen. Die amerikanische Astronautin kehrt dann nach etwa 130 Tagen im All zur Erde zurück.

Raumcon:

Verwandte Meldungen:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA)


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HotSpot: STS 119 - Statusreports (1) von Thomas Pallmann

Hier finden Sie den ersten Teil der Berichte zum Verlauf der Mission STS-119 der Discovery.

Statusreport Nr. 1 (Starttag)

Um 00:43 Uhr MEZ startete das Space Shuttle Discovery vom Kennedy Space Center, um seine 13-tägige Mission zur Internationalen Raumstation zu beginnen. Die STS-119-Mission, unter dem Kommando von Lee Archambault, musste insgesamt um fast einen Monat verschoben werden, da während der STS-126-Mission Probleme mit einem Strömungsventil an den Haupttriebwerken aufgetreten sind und die Manager des Space-Shuttle-Programmes dieses Problem lösen wollten, bevor man die Discovery zum Start freigibt.

Der heutige Start war der zweite Startversuch, nachdem der erste bereits am vergangenen Mittwoch wegen einer undichten Leitung an der Startrampe abgesagt werden musste. Nachdem diese Leitung von den Technikern am Kennedy Space Center repariert wurde, stand einem erfolgreichen Start nichts mehr im Wege. STS 119 markiert den insgesamt 125. Start eines Space Shuttles und ist der 36. Flug der Discovery.

Während ihrer Mission wird die Besatzung das letzte Teilstück der Trägerstruktur auf der Steuerbordseite zur Internationalen Raumstation liefern. Das S6-Trägersegment enthält das letzte Paar Solargeneratoren und nach seiner Installation wird die Internationale Raumstation genug Strom produzieren, um dauerhaft eine sechsköpfige Besatzung versorgen zu können.

Die Besatzung der Discovery soll außerdem insgesamt drei Außenbordeinsätze durchführen. Ursprünglich waren vier Einsätze während der Mission geplant, allerdings musste man die Flugdauer aufgrund der Verspätungen verkürzen und einen Außenbordeinsatz streichen. Der erste Außenbordeinsatz wird sich auf die Installation des S6-Trägersegmentes fokussieren, während sich die anderen beiden Einsätze auf verschiedene Aufgaben in Vorbereitung auf zukünftige Missionen verteilen.

Mit dem Space Shuttle Discovery wird außerdem ein neues Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation eintreffen. Der japanische Astronaut Koichi Wakata wird Sandra Magnus ablösen und seine dreimonatige Mission an Bord der Raumstation beginnen.

Die Crew wird zusätzlich noch eine neue Destillierungsanlage zur ISS liefern, da die ursprüngliche Anlage defekt ist. Die Destillierungsanlage ist ein wichtiger Bestandteil der Wasseraufbereitungsanlage und wird benötigt, um dauerhaft sechs Besatzungsmitglieder an Bord der Raumstation mit Trinkwasser versorgen zu können.

Das Space Shuttle Discovery befindet sich derzeit in einer Höhe von ca. 242 Kilometern.

Vorschau 2. Flugtag

Die Besatzung des Space Shuttles Discovery, bestehend aus dem Kommandanten Lee Archambault, Pilot Tony Antonelli und den Missionsspezialisten Joseph Acaba, John Phillips, Steve Swanson, Richard Arnold und Koichi Wakata, wird heute die routinemäßige Untersuchung des Hitzeschildes durchführen. Dazu werden die Astronauten das Orbiter Boom Sensor System (OBSS) aus der Ladebucht heben und anschließend die Flügelkanten sowie die Nasenkappe des Space Shuttles auf Schäden untersuchen. Die Crew wird zusätzlich noch im Mid-Deck des Orbiters ihre Weltraumanzüge vorbereiten, die sie während der drei Außenbordeinsätze brauchen werden.

Verwandte Links


 

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ISS Aktuell: Aktuelle Meldungen von Redaktion



• ISS: Erfolgreiche Außenbordarbeiten «mehr» «online»
• ISS: kurzer Alarm wegen Kollisionsgefahr «mehr» «online»


» ISS: Erfolgreiche Außenbordarbeiten
10.03.2009 - Juri Lontschakow und Michael Fincke haben den heutigen Außenbordaufenthalt, bei dem ausschließlich am russischen Segment der Internationalen Raumstation gearbeitet wurde, erfolgreich abgeschlossen.
Der Ausstieg begann 17:22 Uhr MEZ und wurde vom russischen Ausstiegs- und Kopplungsmodul Pirs aus geführt. In der ersten Stunde wurden sechs Gurte aus einem hitzebeständigen Aramid-Kunststoffgewebe an der Spitze des Pirs-Moduls um 20 bis 50 Zentimeter gekürzt. Beim letzten Anflug eines unbemannten Progress-Transporters bewegten sich diese durch Triebwerksabgase unkontrolliert. Man befürchtete nun, sie könnten das Zielkreuz oder eine der beiden Antennen des Annäherungssystems Kurs teilweise verdecken und dadurch künftige Kopplungsmanöver erschweren. Die abgeschnittenen Teile wurden in einem Müllsack untergebracht. Außerdem wurde das Resultat der Arbeiten fotografiert.

Anschließend installierten die beiden Raumfahrer an der Außenseite des Moduls Swesda ein von der ESA gebautes Experiment. Expose-R ist eine Struktur, in der organische Substanzen und lebende Organismen den Unweltbedingungen des Weltalls ausgesetzt werden können. In verschiedenen Kammern befinden sich Hefekulturen sowie Sporen von Bakterien und Schimmelpilzen. Nach Demontage des Experiments in einigen Monaten, sollen diese Proben auf der Erde untersucht werden. Beim ersten Installationsversuch im Dezember 2008 ließ sich Expose-R aufgrund eines Fehlers in der Verkabelung nicht aktivieren. Heute konnten unmittelbar nach dem Anschließen der Anlage an die Stromversorgung Telemetriedaten empfangen werden. Auch hier wurde der Abschluss der Arbeiten fotografisch dokumentiert.

Kleinere Arbeiten betrafen das Wiederausrichten eines russischen Materialexperiments, das Schließen einer zuletzt offen gebliebenden Schutzklappe, das ordentliche Verlegen und Befestigen eines Kabels an einem Messgerät für statische Aufladungen und die detaillierte fotografische Erfassung von insgesamt 28 ausgesuchten Stellen an der Außenhaut des Moduls Swesda, das sich seit fast 8 Jahren im All befindet. Dafür waren etwa anderthalb Stunden eingeplant.

Nach dem Abschluss der Arbeiten wurden Werkzeuge, Abfälle und die Transportabdeckung des biologischen Experiments Expose-R zurück in die Station gebracht. Für Michael Fincke war dies die 6. Extra Vehicular Activity (EVA), für Juri Lontschakow die zweite. Nach 4 Stunden und 24 Minuten waren die beiden Raumfahrer zurück in der Station.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA-TV, Roskosmos)

» ISS: kurzer Alarm wegen Kollisionsgefahr
12.03.2009 - Ein Teil einer ausgebrannten Oberstufe kreuzte am Nachmittag die Bahn der Internationalen Raumstation und passierte diese in alarmierend geringem Abstand.
Dabei handelte es sich um ein Teil einer Delta-PAM-D-Oberstufe, die im Jahre 1993 einen GPS-Satelliten auf eine Übergangsbahn transportierte. Das Objekt 25090 PAM-D, ein weniger als 1 kg schweres, kleines Massestück im Zentimeterbereich und hat eine stark elliptische Bahn mit einem erdnächsten Punkt bei nur 154 Kilometern Höhe. Damit kreuzt es die Bahn der ISS, die in einer Höhe von im Mittel 350 Kilometern die Erde umrundet.

Nicht die Größe macht das Teil so gefährlich sondern seine Geschwindigkeit relativ zur Raumstation gesehen. Sie liegt bei mehreren Kilometern pro Sekunde und ist damit um ein Vielfaches höher als die eines Geschosses.

Sicherheitshalber schlossen die Bewohner der ISS, Michael Fincke, Juri Lontschakow und Sandy Magnus mehrere Luken zwischen den verschiedenen Modulen und begaben sich für etwa 10 Minuten in das angedockte Raumschiff Sojus-TMA 13. Nachdem gegen 17:45 Uhr MEZ festgestellt werden konnte, dass das Objekt an der Station vorbeigeflogen war, verließen die Raumfahrer das ständig startbereite Raumschiff wieder und öffneten alle inneren Luken.

Raumcon:


(Autor: Günther Glatzel - Quelle: NASA, Raumcon)


 

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"In Space" Magazin #380
ISSN 1684-7407


Erscheinungsdatum:
16. März 2009
Auflage: 3821 Exemplare


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