10.07.2002 / Autor: Michael Stein und Karl Urban Astronomie > Sonnensystem

Die Venus

Da sie besonders in den Abendstunden sichtbar ist, wird sie auch als Abendstern bezeichnet.



Radaraufnahme der Venusoberfläche.
(Foto: NASA)
Einleitung
Venus ist der zweite Planet im Sonnensystem und mit bloßem Auge sichtbar. Da sie besonders in den Abendstunden sichtbar ist, wird sie auch als Abendstern bezeichnet. Der Planet wurde nach der gleichnamigen römischen Göttin der Liebe benannt.

Dieser Artikel ist in folgende Kapitel unterteilt:

Forschungsgeschichte
Lage und Einordnung
Aufbau und Atmosphäre
Missionen
Fakten

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Forschungsgeschichte


Aufnahme der Venusoberfläche von dem russischen Lander Venera 13.
(Foto: NASA)
Erste bildhafte Zeugnisse über die Beobachtung der Venus stammen aus der Zeit um 1200 v.Chr. Alte, aus Stein geschlagene Bilder zeigen den Planeten. Wahrscheinlich stammte der Grenzstein aus der babylonischen Zeit. Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen über regelmäßige Beobachtungen der Venus wurden auf babylonischen Schrifttafeln aus dem Jahr 684 v.Chr. entdeckt. 1610 beobachtete Galileo Galilei die Venus erstmals durch ein Fernrohr. 1807 wurde aus Teleskopbeobachtungen der Venusdurchmesser mit 12.293 km berechnet (der heute angesetzte Wert beträgt 12.104 km). Durch spektroskopische Analysen fand man heraus, das in der Venusatmosphäre kein Wasserstoff vorhanden ist (1920). 1932 wurden große Mengen von Kohlendioxid in der Atmosphäre gefunden. 1956 wurde durch Radar eine Temperatur von 400° C auf der Oberfläche gemessen. Die erste Sonde, Mariner 2, die die Venus erforschte stellte 1962 fest, dass der Planet kein Magnetfeld besitzt, außerdem wurden die hohen Oberflächentemperaturen bestätigt. Die heute gültigen Werte für die Rotationszeit der Venus wurden 1964 mit Radarmessungen bestimmt. Ergebnis: 243 Tage (243-mal langsamer als die Erde!).

Lage und Einordnung
Die Venus ist von der Sonne aus gesehen der zweite Planet unseres Sonnensystems. Er zählt zu den so genannten Inneren bzw. Terrestrischen Planeten und ist vom Durchmesser wie auch von der Dichte her gesehen ein Schwesterplanet unserer Erde. Vermutlich hat unter anderem auch die deutlich größere Nähe zur Sonne verhindert, dass sich lebensfreundlichere Bedingungen auf der Venus entwickelt haben. Viele Wissenschaftler vermuten, dass die Venus in der Frühzeit ihrer Entwicklung eine der Erde ganz ähnliche Phase durchlaufen hat, bevor die Atmosphäre im weiteren Verlauf eine andere Entwicklung nahm.


Radaraufnahme des Einschlagkraters Barton.
(Foto: NASA)
Aufbau und Atmosphäre
Die Venus besitzt nur ein sehr schwaches "Pseudo-Magnetfeld", das durch den um Venus herumströmenden Sonnenwind erzeugt wird. Die Atmosphäre ist sehr dicht und setzt sich zusammen aus 97 Prozent Kohlendioxid, 3 Prozent Stickstoff sowie Spuren von Wasserdampf, Helium, Schwefeldioxid, Argon, Sauerstoff und Neon. Durch den hohen CO2-Gehalt in der Atmosphäre und die relative Nähe zur Sonne hat auf der Venus ein Treibhauseffekt stattgefunden, der sie auf über 450° C aufgeheizt hat. Sie dient deshalb als abschreckendes Beispiel für das, was passieren könnte, wenn die CO2-Emissionen auf der Erde weiter ansteigen.

Die Oberfläche ist passend zur lebensfeindlichen Atmosphäre und den hohen Temperaturen von Vulkanismus geprägt, weite Gebiete sind von erstarrten Lavaströmen bedeckt. Es gibt allerdings keine Anzeichen für momentan aktiven Vulkanismus. Etwa 20 Prozent der Oberfläche bestehen aus flachen Ebenen, 70 Prozent sind durch hügelige Landschaften geprägt und 10 Prozent der Fläche nehmen Hochlandgebiete ein. Auch eine Vielzahl von Einschlagkratern ist zu finden, wie die NASA-Sonde Magellan während ihrer Venus-Kartografierung von 1990 an entdeckte. An der Planetenoberfläche wehen schwache Winde, die allerdings ausreichen, um Sanddünen zu erschaffen. Obwohl Niederschläge und größere Temperaturunterschiede nicht vorhanden sind, dürften die Gesteine durch die aggressive Venusatmosphäre einer chemischen Verwitterung ausgesetzt sein.

Missionen
Die erste Sonde, Mariner 2, die die Venus erforschte stellte fest, dass der Planet kein Magnetfeld besitzt, außerdem wurden die hohen Oberflächentemperaturen bestätigt (1962). Die amerikanische Mariner- und die sowjetischen Venera-Missionen lieferten bis 1978 genaue Daten über den chemischen Aufbau der Venusoberfläche und der Atmosphäre. Zahlreiche weitere Sonden wurden bis 1990 zur Venus geschickt, darunter die amerikanische Magellan-Sonde, die ein detailliertes Radarbild von fast der gesamten Planetenoberfläche erstellte.

Im November 2005 ist die erste europäische Raumsonde zur Venus gestartet. Venus Express soll vor allem neue Erkenntnisse über die Vorgänge in der Atmosphäre des Planeten und die Interaktion der Venus-Atmosphäre mit dem Sonnenwind liefern. Nach der Ankunft beim Planeten im April 2006 wird die Raumsonde in eine polare Umlaufbahn einschwenken und von dort aus mehrere Jahre lang ein wissenschaftliches Beobachtungsprogramm durchführen.

Fakten
Daten im Überblick
Äquatordurchmesser:12.104 km
Masse:4,87 × 1024 kg
Mittlere Dichte:5,25 g/cm3 (Wasser = 1 g/cm3)
Oberflächentemperatur:455° C
Rotationsdauer:243 Tage
Bahndaten
Mittlere Entfernung zur Sonne:108,2 Mio. km
Umlaufdauer um die Sonne:224,7 Tage
Bahnneigung ggü. Ekliptik:3,39°
Bahnekzentrik:0,0067
Monde
Anzahl der Monde:Keine


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